|B_Volckmann_(1785)_ // Textverlust: p. 29f., p. 79-104.
Berlin, Akademie-Archiv: NL.-Kant Nr. 13 [22 Blatt; p. 1-46 / fehlen: Titelblatt / p. 29/30]
Göttingen; StUB / Deposita der Akademie der Wissenschaften: Nr. 6 [2 Lagen, p. 47-78]
Transkript: März 1997 / Februar 1999 (1. Februar 2006 / .../ 17.06.2008 / ... / 18.03.2016)
Ergänzende und korrigierende Zitate nach Adickes 1911


Grauer Text: übereinstimmend mit ›Holstein;‹
Brauner Text: übereinstimmend mit späteren Zusätzen in ›Barth‹;
wobei Grau Vorrang vor Braun.

Knopf

 

/|P_0 δTitelblatt δfehlt
{ ≥ P. Kants Vorlesungen der physischen Geographie
nachgeschrieben im Sommer_Halben_Jahre 1785 von
J. W. Volckmann[[Adickes 1911, S. 252 ]] }

/|P_1 δschmutzig, δbeschädigt

/ ≥ Vorbereitung zur Physischen Geographie

/Bloß durch Erfahrungen fangen alle unsere Erkentniße an, und das Ganze aller
¿¿¿ ¿¿¿ der Erfahrung heißt die Welt. Weltkentniß ist eigentlich
¿¿¿ ¿¿¿ das Ganze ¿¿¿ unsrer Erfahrung angestellt werden,
¿¿¿ unsre Erkentniße haben keine Verknüpfung, wenn sie %nicht ein Ganzes aus¥
@machen@. Mit der Weltkentniß wollen wir uns jetz beschäftigen.
@Unter@ den Gegenständen der Erfahrung giebts einige mit den
@wir in@ Gemeinschaft stehen, andre aber %mit denen wir in keiner
Wechselwirkung stehen, sondern die nur auf uns einfließen, zE die
@können@ ¿¿¿ nur mit denen stehen wir in Gemeinschaft die mit uns
@in@ Verbindung stehen. Auf der Oberfläche der Erde giebts
@aber keine@ @mit denen@ wir nicht in Gemeinschaft ständen. «We» Alle
¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿, die wir %nicht zu unserm Gebrauch verwendeten
¿¿¿ ¿¿¿ heißen theoretisch und von denen wir einen <zwekmäßigen> Gebrauch machen
¿¿¿ heißen pragmatische Weltkentniße. Die pragmatische
¿¿¿ung wird keine andre seyn als die von unsrer
@Welt@. Nur diese ist ein Inbegriff aller Gegenstände unsres
pragmatischen Gebrauchs. So verschieden Erdbewohner @also sind, so@
@haben auch beyde@ ihre Welt vor sich zE die Mondsbewohner
@haben den@ Mond zu ihrer Welt. Die Weltkentniß hat einen großen
Nutzen @weil@ ich dadurch die mancherley Erfahrungen in ein Ganzes verbinden
¿¿¿ ¿¿¿ Kentniß der Welt nach ihrer Verknüpfung in der
@Zeit@ ist Geschichte nach ihrer Verknüpfung im Raum, heißt
¿¿¿ung. Da die Erde sich ¿¿¿ ¿¿¿ Welt ist, so heißt die
¿¿¿ung derselben geographie, auch könen wir uns noch
eine Weltgeschichte denken, welches die Darstellung dieser verschiedenen
Zustände in der Zeit ist, die geographie aber ist die Darstellung

/|P_2

/wie sie zu gleicher Zeit seyn. Diese hat vor erstre einen
großen Vorzug, weil wir hier alles im Ganzen vorstellen können.
Von der Geschichte aber giebts kein Ganzes denn die Welt
läuft noch immer so fort, ich kan auch da %nicht vom Ganzen anfangen
sondern von einem Theil nur zum größern gehen. Eine Schwierigkeit
also bey Lehrung der Geschichte ist, daß ich dem Lehrling %nicht die
Verknüpfung so anschaulich machen kann, welches bey einer
Erkentniß im Raum angeht. Auch hat die Geographie darin
noch einen Vorzug vor der Geschichte daß sie dieser zum Grunde
liegt, denn der Zustand der gegenwärtigen Dinge gehört zur
Geographie und der Zustand der Dinge in verschiedenen Zeiten zur Histo-
rie, diese ist also im Grunde nur eine ambulirende Geographie
und die Geschichte sezt immer eine Geographie der alten Zeit voraus. Wir
müßen also auch immer bey der Geschichte eine Kentniß des Globus v¿¿¥
setzen, wiewohl eine Geographie ohne Geschichte möglich ist. - 
Bey den mannigfaltigen Gegenständen der Erfahrung zu erkennen
können wir 2fach verfahren, wir können ihnen nehmlich ihre
Stelle im NaturSystem, oder im Raum anweisen. Ich kan
sie unter den Begriffe stellen, welches das logische System wäre, in
sofern sie unter gewiße Classen und Gattungen geordnet seyn <ohne sich an den Ort ihres Aufenthalts zu @heften@>
welches doch nur im Verstande geschieht. Wenn ich aber @betrachte@
nach den Stellen die sie «¿»im Raum einnehmen, so wird sie
betrachtet im physischen System. Wir können also die @Natur@
2fach betrachten, geographisch oder logisch. Die Geschichte @kann man@
aber auch logisch oder historisch betrachten. Hier werden wir
ihnen nicht ihr logische Stelle im Schulsystem sondern ihre

/ geographische

/|P_3

/geographische Stelle im Weltsystem anweisen. Nach der Lage
und Oertern die die Dinge wirklich in der Welt haben. Aus so
vielen Gesichtspunkten man die Dinge «in» der Welt betrachten
will, so verschieden ist auch die Geographie, blos nach der
Natur betrachtet ists physische Geographie, man hat aber auch
eine politische *1, Handlungs_Geographie, welche in Rüksicht der
menschlichen Freyheit so eingetheilt werden kan. Auch könte man eine moralische,
theologische Geographie haben pp Allen diesen aber ohne Unterschied liegt die
physische zu Grunde, welches die Betrachtung der Natur nach den
verschiedenen Stellen ist, die sie auf der Erde einnehmen. Diese
NaturDinge halten in sich den Grund der Möglichkeit der Unterneh-
mungen so vieler Menschen. Die politische Geographie möchte ohne
diese manchmahl unerklärbahr seyn. So scheints daß die
Länder am frühesten sind cultivirt worden wo viele Küsten
HalbInseln und abgerißne Stüke Land sind, weil dadurch eine große
Gemeinschaft mit andern Ländern erhalten wird. Auch die moralische
geographie sezt die physische voraus, weil verschiedne
Climata auch verschiedne Sitten erzeugen, wiewohl sonst
die Anlagen in jedem Menschen dieselben sind. Fragen wir überhaupt
nach dem Nutzen der Geographie, so hat diese das vortheilhafte daß
sie mehr wie eine andre Erkentniß unsre Begriffe
erweitert, daß wir aus verschiednen Standpunkten urtheilen
können. Der Mangel dieser Kentniß giebt gleich ein Zeichen, von einer
sehr eingeschränkten DenkungsArt; da sie auch gleich den Vortheil
hat weit faslicher als eine andre Wißenschaft zu seyn. Der 2te
Nutzen bezüglich der physischen Geographie ist, daß sie ein sehr
wichtiger nüzlicher Stoff zur Unterhaltung im Umgange ist.

/ welchen ~

/|P_3R

/ *1 die die Werke des Menschen auf diesem
Schauplatz erwägt.
~

/|P_4

/welchen Effect die Geschichte %nicht hat. Auch liefert sie uns eine ange-
nehme Unterhaltung %mit uns selbst in einer sonst leeren
Zeit. Sie gehört auch zu einer Vorbereitung zum
Reisen, da man ohne solche Vorbereitungen blos die Welt
sehen aber %nicht kennen würde.

/ ≥ Die mathematische Geographie

/Die physische Geographie hat zuförderst eine mathematische Vorbereitung
vonnöthen, weil die Erde eine Gestalt, Bewegung p hat.

/ ≥ Die Figur der Erde. ≤

/Zuerst bestimmen wir daß die Erde «kugel» rund vieleicht %nicht
ganz <kugelrund ist *1>, das 2te ist die Bewegung derselben, wodurch die
Punkte auf derselben bestimmt werden. «s»Sie ist bestimt
@%durch@ ihre tägliche Bewegung um die Axse und jährliche um die
Sonne. Auf beyden Seiten sind aber Endpunkte die ruhig sind.
wenn, ich %durch diese eine Linie ziehe, so geht die %durch den
Mittelpunkt der Erde, welches @nun@ die Erdachse heist und
die beyden Punkte Erdpole. Durch diese beyde Pole sind auch
bestimmt <die> Meridiane, denn schneide ich diese Pole %durch so
kann ich soviel Meridiane machen als ich will: Wenn ich mir
einen gewißen Punkt festsetze %durch den ich den Meridian ziehe
so ist dies der meridian deßelben Orts, allein dieser meridian
geht auch noch %durch andre Länder %durch, also haben verschiedene Oerter
einen Meridian. In einer Kugel wo diese Pole bestimmt seyn
kan ich mir auch einen Cirkel denken, der von beyden Polen gleich @weit@
absteht, und welcher Aequator heist. %Durch diesen Cirkel kan
ich die Erde ins südliche und nördliche Hemisphaeri@um@
abtheilen. Aus diesen beyden Hemisphaerien folgen zuerst der
Unterschied der Breiten: «Die»Alle meridiane sind vom Aequator ~

/|P_4R

/*1 Beweis, je weiter wir nach <den> «¿¿¿»Polen @hin@ reisen, so komt der Polar-
stern «über»immer höher über den Horizont, wäre die Erde flach, so
müßten die Sterne nothwendig immer stehen bleiben, denn die kleinste Ver-
änderung des Standorts auf der Erde kan unmöglich eine Aenderung
in der Erscheinung der WeltKörper am Himmel machen. Noch ein-
leuchtender aber ist der Beweiß von den Mondfinsternißen
~

/|P_5

/auf die Hälfte geschnitten, zähle ich nun vom Aequator die Grade
bis zum Pol hin, so ist der meridian eines jeden Orts bis zum
Pol seine Breite, liegt ein Ort unterm Aequator so hat er gar keine
Breite. Liegt der Ort nach dem südlichen Hemisphaerio, so heist südliche und
nach Norden, seine nördliche Breite. Wir bekommen auch @hierdurch@ einen
Begriff von der Länge eines Ortes. Die gröste Länge ist 360 %Grad
Die gröste Breite aber nur 90 %Grad. Ein Ort liegt dem andern der Länge
nach, nach Osten oder Westen, der Breite nach, nach «Westen»Norden oder «¿¿¿»Süden. Der
Unterschied der Länge «wird gefunden»zu finden habe ich keinen bestimten terminus
a, quo, und hat man unter Ludwig_XIV angenommen, daß alle Carten
so abgefaßt werden sollten, daß der erste Meridian über die
Insel Ferro sollte gezogen werden und <daß man> denn von Westen nach Osten
rund um die Erde zehlen sollte. Nachdem haben aber verschiedene
den ersten meridian nach eigner caprice genommen, ferner hat
man sich %nicht gebunden @«¿¿¿»@vom Westen nach Osten zu zehlen, sondern
die Engeländer setzen hinzu westliche oder östliche Länge *1. Der Unterschied
der Länge bestimmt den Unterschied der Lage der Oerter in Osten
und Westen, so wie der Unterschied der Breite die Lage der Oerter
in Norden und Süden bestimmt. Hiernach kan man nunmehr
auch die Antipoden bestimmen: Das südliche Hemisphaerie ist dem
nördlichen entgegen gesezt, ferner muß ich auch den Meridian hinziehen,
und alsdenn die Grade nach Süden abzehlen die zE Koenigsberg
nach Norden hatte. Dieses zusammen verbunden mit der jährlichen Bewegung
giebt die Verschiedenheit der Zone, die Erde bewegt sich um die
Sonne, so daß die Sonne auf dem Aequator einen %Winkel von 23_1/2 %Grad macht
Hier kommt sie 2mahl im Iahr zu stehen, welches die aequinoctial
Punkte, wo sie über die ganze Erde Tag und Nacht gleich macht. ~

/|P_5R

/*1 und zehlen also von der Seite bis an den meridian
welcher ihnen am kürzesten daucht. ~

/|P_6

/In einer Halfte des Iahres bescheint sie nun ein Hemisphae-
rien mehr als das andre. Die äußerste Gegenden wo die
Sonne kömt heißen Wendezirkel und zwischen diesen beyden Cirkel
wo die Sonne über jeden dieser Oerter im Scheitelpunkt <ein mahl im Iahr> steht
«welches» <ist die> zona torrida «heist». Ein jeder tropicus ist so
weit entfernt vom PolarCirkel als der aequator vom
Pohl und diese tropici bestimmen die solstitien. «s»Sie steigt
alsdenn %nicht weiter nach Norden oder Süden, sondern macht in
derselben Hemisphaer den längsten im entgegen gesezten den
kürzesten Tag. Es sind also eigentlich 3 Zonen, die zona torrida
2 zonae temperatae, die zwischen den polarzirkel und
den tropicen enthalten sind, und 2 zonae frigidae zwischen dem
polarzirkel und den Polen, welches wohl eigentlich «¿¿¿»%nicht
zonen sollten genannt werden. An die Antipoden stießen
sich zuerst die, die das copernicanische Weltsystem
annehmen sollten, die Schwierigkeit betrift aber blos die
Begriffe von unten und oben, unten heist das wohin der Körper
fallen würde, die Schwere treibet immer den Körper nach
dem Mittelpunkt der Erde und %nicht nach dem Himmel, «oder» <dies hieße> sich
von dem Mittelpunkt entfernen, «@das heist@»<oder> steigen. Wenn ich
sage, die Leute sind unter mir, so heist das @unten@ auf dem
entgegen gesezten Punkt der Erde.

/Die Erde ist zwar keine geometrische Kugel allein die
kleinen Abweichungen tragen zur ganzen Kugel als @Berge \ bey@
Wäre die Erde unten ganz mit dem Meere bedekt so
würde es <@doch@> @keine@ Kugel seyn, denn die centrifuge Kraft *1
machts nothwendig daß die Erde durch die Drehung ihre

/ Axe ~

/|P_6R

/δZ_07

/In den temperirten und kalten Zonen ist jährlich einmahl Sommer
und einmahl Winter. Denen Oertern in der zona torrida
@komt@ die Sonen 2mahl im Iahr über den Scheitelpunkt.
Die Gegenstände werfen zu dieser Zeit daselbst gar keinen
Schatten. Die Örter in den Polarzirkeln haben einmahl im
Iahr einen ganzen Tag, und ein ander mahl wieder eine ganze Nacht
beyde dauern alsdenn 24 Stunden. Unter den Polen ist 1/2 Iahr
Tag und 1/2 Iahr Nacht.

/δZ_26

/*1 und das Bestreben aller Körper sich vom Mittelpunkte
zu entfernen. ~

/|P_7

/Axe eine solche Gestalt annehmen muß. Die Linie die durch den Pol geht
ist kürzer als die @untrem@ aequator Der aequator ist auf
unserer Erde um 3_3/4 Meilen vom Mittelpunkt höher entfernt als
der Pol. Denn den 200sten Theil ist die Axe des Aequators größer
als die vom Pohl. Die Körper auf der Erde sind auch %nicht aller-
wärts gleich schwer. Unterm Aequator sind die Körper um <den> 189ten
Theil leichter, wie unterm Pol. Denn durch die Bewegung wird die
Schwere vermindert. Die schönste astronomische Pendeluhr
geht unter dem Aequator langsamer, denn die Schwere machts nur
daß die Pendel schlägt, treibt diese ihn stärker so thut es mehr
und treibt sie ihn schwächer, weniger Schläge. Daher alle Uhren
in Paris gemacht gehen in Lappland geschwinder und in Peru
langsamer. «¿¿» Weil aber die Erde %nicht eine rechte Kugel ist, so
nennt man sie ein abgeplattetes Spheroid.

/ ≥ Die Größe der Erde

/Die Erde hat in ihrem Durchmeßer 1.720 deutsche Meilen in ihrem halben Durchmeßer
@radius@ 860, in ihrem Umkreise 5.400 deutsche Meilen. Kennt man
aber auch die deutsche Meile und die Größe der Erde %nicht, so könte man
sie @dadurch \ doch@ herausbekommen, denn eine deutsche Meile ist der 15te Theil des Grads,
eine jede Kugel hat 360 Grad, dies durch einander multiplicirt giebt
mir die Größe der Erde. Ohne Meßung der ganzen Erde kann
man aber %nicht wißen, wieviel deutsche Meilen ein Grad enthielte, und man
hat dies durch Bemerkung des Polar«¿¿¿»Sterns *1 ausgerechnet,
23.600 rheinländische Fuß beträgt die geographische deutsche Meile
oder weil es %nicht so genau drauf ankomt, so werden 2.000 rheinländische *2
Ruthen angenommen. Der geometrische Schritt beträgt 5 Fuß, allein
<da> man weiß<2> %nicht<1> «in» welches<3> Landes<4> der<1> Fuß<2> soll<7> <an>genommen<5> werden<6>
so hat man alles nach der Erde berechnet und gesagt <es> ist der 1.0«6»00ste
Theil einer Minute der Erde, und die Minute *3 «ist» 1/4 @deutsche Meile@

/ aus ~

/|P_7R

/δZ_21

/*1 wenn @auch@ ein Mensch immer weiter fortgeht bis der Polar¥
«Cirkel»Stern 1 %Grad <mehr> von ihm entfernet ist <oder höher über den Horizont komt> und alsdenn
seine zurükgelegte Tour auf der Erde mißt.

/δZ_24

/«eine Minute» der Erde ist der 60ste Theil von einem Grad, der 15 deutsche Meilen
ausmacht, daher macht eine Minute 15/60 oder

/δZ_28

/folglich hält ein Grad 60 Minuten. ~

/|P_8

/Nachdem aber herausgekommen, daß die deutsche Meile 24.000 Fuß
beträgt, so enthält auch ein geometrischer Schritt <jezt> 6 Fuß.

/ ≥ Verschiedene Maaße der Erde

/Die Seemeilen gehen 50 auf einen Grad.

/Landmeilen gehen Italienische 4 auf 1 deutsche Meile es ist eine Minute
der Erde, die @Holländer@ haben es auch so genommen

/Die deutsche Meile die 24.000 Fuß beträgt sind aber %nicht die gang-
bahren Meilen, die so genannte milliaria germanica
magna *1 haben 30.000 Fuß und gehen 12 auf einen Grad, und
die «¿¿¿»geographischen halten das erstere Maaß

/Die Toisen der Franzosen sind 6 %französische Fuß

/Die Deutschen haben Klafter: 6 rheinländische Fuß

/in der See zu meßen sind Faden <gebräuchlich> welche auch 6 Fuß betragen

/in den Bergwerken hat man Lachter, die man auch zu 12 @Fuß@
hat, obgleich sie «auch» nur 6 haben sollten

/ ≥ Die Physische Eintheilung der Erde

/Die «¿¿¿»Erde wird physisch eingetheilt in Land und Meer
dies lezte wird sonst auch unter dem bloßen Begriff
vom Ocean verstanden, so fern alle Waßer ein Ganzes ausmachen
Vorzeiten hat man «das» <ein Waßer> Meer genant <«vom Waßer»> «was»das <vom Land> eingeschloßen @gewesen@
ist, zE das caspische Meer, allein wir nennen ein solches
Waßer, Landseen. Wäre alles Land von der See eingeschloßen
so ware alles Waßer ocean (welches das allgemeine Meer
bey uns heist) und alles Land wäre <auch> ganz allgemein <continent> *1 Landseen
sind in Ansehung des Oceans solche abgesonderte Seen wie
Inseln in Ansehung der terra %continentalis. Wir haben eigentlich
2 Continente, das alte enthält Asia, Europa und Africa und
das neue Continent, enthält America. ~

/|P_8R

/δZ_1

/aus d. h. nach altem Maaß 5.000 %Fuß, nach dem neuen richtigen aber
6.000

/δZ_9

/*1 welches auch die Postmeilen sind, die man zuerst
in Sachsen
eingeführt hat.

/δZ_23

/*2 der Ausdruk Continent ist so wenig bestimmt, daß man als Neu-
Holland entdekt und beschift wurde,
nach Cook, wegen seiner Größe, es
continent nennen wollte, wiewohl es doch im Vergleich mit dem
eigentlichen continent nur eine Insel ist

/Ein Theil des Oceans selbst, der beynahe mit Land eingeschloßen wird
auch eine See genannt, als z. B. die Ostsee.
~

/|P_9

/<Man kann die Analogie zwischen Waßer und Land auch noch fortsetzen>

/Halbinseln sind beynahe ganz von Waßer umgeben, so wie
beym Meerbusen dieser <fast> ganz von Land umgeben ist. *1 Auf
dem Land haben wir Landengen, die beynahe abgeschnitten
vom Meer sind so wie beym Waßer Meerengen. Länder
«die»in denen viele Meerengen und Inseln sind haben einen größeren
Verkehr und sind deswegen auch am frühesten cultivirt worden.
Die Busen sind daher in der Welt sehr berühmt weil sie viel
Küsten machen. In Europa haben wir von den Busen Golfo di
venetia, der botnische und finnische Meerbusen. In Asien
der arabische persische, bengalische Meerbusen. In Africa
haben wir keinen berühmten Meerbusen außer der Bennina.
In America ist die HutsonsBay, der Mexicanische
Meerbusen, hiezu gehört aber %nicht die ganze See, dieses heist
die caribische See worin viele Inseln liegen, die das eigentliche
Westindien sind. Denn giebts auch den Meerbusen von Cali-
fornien. Unter den Straßen ist die Davids, Magellanische
und ferrische. In Europa ist die berühmteste la_manche
oder Canal, die Straße von Gibraltar, die Dardanellen
bey Sicilien, die Straße von @Pamas@, der Sund. <In> Asien
@ist@ die berühmte Straße Sundal, Sumatra p

/ ≥ Die Geschichte des Meeres. ≤

/≥ Der Boden deßelben und deßen Tiefe. ≤ Das Meer hat viel Aehnlichkeit
mit dem Land, es sind daselbst Gebürge ja ganze Bergketten.
Es hat also Unebenheiten und Gebürge, die Beschaffenheit der
@Materien@ sind unten dieselbe, man findet @daselbst@ Triebsand p
Es richtet sich die Tiefe des Meeres nahe an den Küsten nach
den Küsten selber sind diese steil so ist auch das Meer tief zE.
die @Tiefe@ der Küste von Norvegen ist sehr groß denn

/ ist ~

/|P_9_R

/δZ_2

/Man muß auch unterscheiden Landinseln und Meerinseln, erstere
gehören zum Land und sind entweder ganz oder doch zum Theil
auch von den Flüßen des Landes gemacht. Meerinseln aber nennt
man diejenigen, welche mit wirklichem Seewaßer umgeben sind.

/*1 Wo eine Halbinsel ist muß daher auch ein Meer<busen> seyn.

/

/δZ_9

/wenn sie tiefer ins Land gehen als sie breit sind
heißen sie Golfo, und sind sie breiter als länger
so heißen sie Bey.

/

/δZ_12

/Oerter wo man sicher landen und für Sturm und Wellen Schuz
finden kan, heißen, wen sie dicht am Meer liegen, Seehäfen
liegen sie aber an Flüßen, so nennt man sie Rheden
zE. bey London ist eine vortrefliche Rhede an der Themse.

/Es giebt auch viele Oerter, wo man bey stillem Wet-
ter sicher vor Anker liegen kan, so bald aber ein Sturm
entsteht, die Anker kappen und sich in die offene See begeben
muß, um %nicht vom Winde ans Ufer getrieben zu werden,
@und@ auf solche Art zu scheitern. Solche Oerter nennt man schlechthin, An-
kerpläzze.
~

/|P_10

/ist <diese unten> ein Zufluchtsort für alle Schiffe im Sturm. Daher kann
ein Seefahrer wenn er an unbekannte Länder komt schon
<daraus> sehen, ob er dem Lande wird nahe kommen können. Manch-
mahl liegen auch solche Bayen oder Banken an der Küste daß man
%nicht ankommen kan <obgleich sonst das Waßer tief genug wäre>. Die Größte Tiefe des Meeres kan man
%nicht genau ausmachen im mittelländischen Meer möchte es
nach @Basileus@ [[Marsigli]] 6.000 Fuß seyn, so daß es 1/3 von der
Höhe der Berge ist die am mittelländischen Meer liegen.
Ob man @zwar@ ein solches Meer wie ruhig ansehen sollte
so sind doch allerwegens Ströme im Meer, daher ist es
schwer <die rechte Tiefe> zu meßen, denn diese nehmen das Bley mit sich.
Auch wenn das Bley hat Grund erreicht so muß ich fühlen
ob es ruht, wenn es aber sehr tief, so zieht schon die
Schwere des Taus noch nach sich und man weiß %nicht, ob
das Bley schon zieht oder %nicht, besonders wenn @es auf 100@
Klafter beträgt. Der Schiffer mißt diese Tiefe wenn er
untersuchen will, ob er einem Lande näher komt.
Das Senkbley hat auch den Nutzen die Beschaffenheit des
Seegrundes kennen zu lernen. Ist der Grund triebsandig oder
lehmigt p so kan er @eben@ daraus urtheilen, wie weit er vom
Land ist, wozu er die Beobachtung ältrer Schiffer sich zu Nutze
<machen muß.> Zum Untersuchen «ih»des Meer hat man verschiedne Ursachen
zE die Perlenfischerey oder auch andre Sachen aufzubringen. Dies kan
verschieden geschehen entweder daß ein Mensch gerade zu @hinein geht@
<zE wie> an der Küste von @Maduras@ an der Purpur¿¿¿ @recht@ zwischen
Californien und mexico, andre laßen sich unter einer
Gloke herunter, worin man sich nach der @Ietzigen@ «¿¿»Erfindung

/|P_11

/@lange@ aufhalten kan. Doch hats Leute gegeben die bewunderns-
wirdig sich lange haben im Waßer aufhalten könen zE Nico-
lao pesce
der aber doch zulezt unten geblieben ist.

/Der Druk des Meeres ist so groß daß in einer Tiefe
von 300 Faden <das Waßer> den <verpichten> Korken in die Bouteille hineingetrieben hatte
und sich auch durch den Kork durchgedrungen daß das Waßer ganz
süß war.

/ ≥ Die Farbe des Meeres und die Durchsichtigkeit deßelben

/Manche Meere haben ihren Namen von der Farbe ohne daß man
weiß wo es her komt, zE das schwarze <rothe> Meer p Das
rothe Meer wird vermuthlich von den Edomiten den Namen @halten@
die ihren Namen schon von der rothen Farbe hatten. Das rothe Meer hat
auch viele rothe Corallen im Grunde also können solche zufällige
Dinge den Grund zu diesen Namen gegeben haben. Von ferne sieht das
@Meer@waßer grünlich aus, wenn man es aber schöpft ist blau-
licht. Man unterscheiden gewiße Waßer von einander %nicht an der
Farbe, sondern an seiner Unreinigkeit.

/Kein süßes Waßer hat den Grad der Durchsichtigkeit des Salz-
Waßers, man kan auf 120 Fuß in der See den Grund mit Schild-
Kröten <angefüllt> sehen, allein das findet aber auch nur statt wo keine Flüße
sich ins Meer ergießen zE in der caribischen See an den Westin-
dischen Inseln ists besonders salzig und klar. Die Ursache scheint
überhaupt in dem Salz selbst zu liegen weil wenig zwischen-
räume von Luft drinn sind. Iemehr ein durchsichtiger Körper ein continuum
macht desto durchsichtiger wird er, das Waßer enthält viele solche
leere Zwischenräume, das Salz läßts aber auf, wodurch das Waßer
also mehr ein continuum wird. Man kan «auf» <in einer Tiefe von> 10 Faden auf

/ den

/|P_12

/den Grund sehen, und in einigen Gegenden bis auf 20 Faden. Der
geringste Wind aber machts unten finster, weil das Waßer
durch sein Kräuseln eine Menge Unebenheiten bekommt die das
Licht zurükwerfen daß es %nicht durchdringen kan. @Darum@ wenn
Täucher untergehen dadurch zuweilen eine kleine Kühlung oben
entsteht und dadurch finster wird, so unten vom Oehl und dem @Wind@
Er läßt immer etwas heraus welches @nun@ wegen seiner Leichtigkeit
in die Höhe geht, und gleichsam oben ein Fenster macht. Hieraus
hat man auch geschloßen man könne durch Oehl die Wellen beru-
higen und es scheint auch wirklich diese Kraft zu haben, da man es
verschieden versucht hat. - Gewiße Körper die auf dem Waßer
schwimmen geben auch denselben zuweilen einen gewißen Anblik.
zE das Grasmeer bey Terra_Leona, dies hat ein gewißes Kraut
da«ß»s die Spanier Porra nennen, worauf kleine Frösche sind, es
ist zu bewundern, wie die Winde dies %nicht wegtreiben.
Vermuthlich, da dieses Porra an mehrern Oertern wächst, @und@ hier
verschiedene Seeströhme zusammen treffen, so müßen diese es aus
weiten Gegenden zusammen treiben, - das Meeres_Waßer hat was
leuchtendes zu gewißer <Zeit> daß es so wie Milch aussieht, welches
man hauptsächlich in Sommerzeit zieht, und besonders stark bey
den Molukkischen Inseln *1. Einige meynen es sey die Sirenis
ein ganz kleines Seeinsekt, allein wahrscheinlich ist, daß <es> eine Menge
von faulenden Theilchen der Fische sey. - Zu gewißen Zeiten hat das Meer
auch einen Geruch den man den Braten_Geruch nent, welches
auch %nichts anders als eine Menge abgestandner faulender Fische sey

/ ≥ Die Salzigkeit des Meeres

/Diese ist sehr merkwürdig und 1) von großem Nutzen *2, und 2) von Un-  ~

/|P_12R

/δZ_21

/*1 wo es hier ansprizt, sieht es wie eine reine Flamme aus

/

/*2 Es trägt leichter die Schiffe, und das Holtz derselben faulet %nicht so bald, es
frieret %nicht so leicht,
daher entsteht der Vortheil für die Seehafen
zE in Engelland ~

/|P_13

/erforschlichkeit ihrer Ursache. Was den Nutzen betrift, so zieht
man es es in gewiße Bassins läßt die Sonne das Waßer
austroknen, wo denn das Salz zurükbleibt. Welches der
Gebrauch in Portugall ist. Engelländer kochen <«es»> aber sogar das
Waßer <um draus Salz zu machen>. Auch scheints den Nutzen zu haben daß gewiße See-
thiere nur in Salzwaßer leben können, und diese schmeken @dadurch \ doch@
nie nach Salz. Die Salzsäure die an die Luft geht scheint
auch diese fähig <zu machen> zur Fruchtbahrkeit @den@ Regen «ist», und endlich auch
die großen Salzquellen und Salzstöke geben Beyspiele daß es
Ueberreste vom salzigen Meer sind, wo dieses weggedunstet ist.
«¿¿»Der Ursprung ist aber davon schwer zu ergründen, einige
meynen es käme von @seinen@ Salzquellen, allein es ist wahrschein-
licher daß die Salzstöke vom Meer herkommen. Andre <worunter Halley> sagen die
Flüße schwimmen die <abgerißenen> vegetabilien mit, diese dunsten endlich aus und die Salzigen
Theile bleiben zurük. *1 - <Was> «D»das Salz Gehalt oder wie löthig es ist, betrift
so ist zu bemerken, daß in der Nordsee noch %nicht 32 Theile vom
Waßer <oder 1 @Loth@ vom %Pfund in der spanischen See 2 Loth auf ein %Pfund>, bey Malta @rechnen einige@ daß das Salz beynahe den 8ten
Theil <oder 4 Loth> ausmacht <in der Ostsee 1_1/32 Loth>, das gewöhnliche ist wohl der 20ste Theil. Man findet
auch Salzseen zE in Rußland, auch das todte Meer, <wenn
das im Herbst halb ausgetroknet, so ists so gesaltzen und dik daß wenn man einen Menschen hineinwirft, dieser gar %nicht untergeht, sondern wie eine Ente drin schwimmen kan
imgleichen das caspische Meer, der See bey Mexico, der halb süß
halb salzig ist>

/Unter seiner Salzigkeit hat auch noch das Meer eine gewiße Bitterkeit,
welches auch wohl von allen verfaulten Seethieren komt, denn «¿¿¿»in
mittlerer Tiefe läßts sich zum kochen brauchen, *2 - Nun frägt
sich wie läßt sich dies süß machen. Im Anfange hat mans für
unmöglich erklärt und jezt ists ganz natürlich geworden, ein gewißer
Irwing hat es in Schottland erfunden, nehmlich durchs distiliren, man

/ kan ~

/|P_13R

/δZ_3

/Die Salzigkeit des Meeres ist aber ungleich zE. an den Küsten,
wo viele und große Flüße sich ins Meer ergießen,
weniger als an andren wo nur wenige und nur kleine Flüße sind, ferner
nahe an der Oberfläche weniger als in der Tiefe, in den tem-
perirten Zonen weniger als in denen die nahe am Aequator
oder auch nahe an dem Eismeer liegen.
Denn die Wärme macht
hier keinen Unterschied, sondern nur ob sich große Ströme ins Meer
ergießen.

/

/δZ_15

/*1 Diese Ausdünstung nimmt in einem Iahr 20 mahl mehr weg und
es gehören tausende von Iahren dazu, daß das Meer nur einmahl
ausdünstet. Diese gänzliche Ausdünstung müßte also sehr oft wieder¥
hohlet werden, wenn es in dem Grad gesalzen werden sollte. Zudem
führet der Regen und Schnee, welche aus den Dünsten des Meeres entstehen
in der That mehr Salzigkeit dem Lande zu, als das Flußwaßer

/

/δZ_23

/*2 auch hat man die Bitterkeit vom Erdpech herleiten wollen, allein
angestellte Versuche haben gezeigt, daß alles Meersalzwaßer überhaupt
gar %nichts vituminoses an sich habe. Wigleben erklärts von dem
in denselben befindlichen Vitrioldunst. Denn aus den Alcali @des den@
laugenartigen des Kochsalzes und aus Vitriolsäure kann man ein gewißes
Bittersalz zubereiten, welches diese Eigenschaften des Meersalzes hat
~

/|P_14

/kan aber auch noch sonst, wiewohl es doch alsdenn %nicht völlig so gut
wird, es süß machen, durchs pfiltriren, durch frieren und wieder auf-
tauen, durchs faulen und präzipitiren. - Wenn man die Kleider in
Meerwaßer eintaucht, und sie denn anziehet; so kann man auch
dadurch seinen Durst stillen, weil sich das Waßer durch die Haut ziehet, doch
möchte es %nicht sehr lange währen. Oft haben die Schiffer zu diesem
Mittel schreiten müßen, um ihr Leben wenigstens eine Zeitlang zu erhalten.
Aber seit der Erfindung des Irwings (vor 12 Iahren) hat man jezt %nicht mehr
nöthig zu solchen unsichern und beschwerlichen Mitteln zu greifen,
indem <er> es durch Flinten_Läufe distilirt. Diese Distilation des Seewaßers
kan an demselben Heerde und Feuer wo das Eßen auf dem Schiffe gekocht
wird, verricht werden, so daß man %nicht besonders dazu das Schiff mit
Steinkohlen anfüllen darf.
- Nothwendig scheint das Salz eben
%nicht zur Nahrung zu seyn, denn ehe Amerika von den Euro-
päern entdekt war, wußte man noch %nichts vom Salz. Für
uns aber die wir deßen <schon> gewohnt sind, ist es unentbehrlich.

/Von der Bewegung des Meeres

/ ≥ 1) Von der Bewegung durch Winde. ≤ bis in welche Tiefen die Stürme das Meer unruhig machen
Die Wellen sind von ganz verschiedener Art. In engen Meeren sind sie zurükschlagend
und kurz und für die Schiffer die gefährlichsten. Die Ursache davon ist. Enge Meere
sind %nicht so tief als der Ocean, es können daher auch die Wellen wenn der Wind etwas lang anhält
bis auf den Grund des Meeres dringen, alsdenn aber werden sie von dem Grunde reflec-
tirt und also zurükgeschlagen. Durch die Bemerkung der Wellenbewegung kann
man auch sogar die nahen Sandklippen entdeken wenn selbige auch bis @25@
Faden unter dem Waßer seyn sollten, denn über einer Sandbank werden die Wellen jeder-
zeit zurükschlagend seyn, weil sie hier sobald sie nur in einer Tiefe würken gleichsam

/ Gegenstand

/|P_15

/Gegenstand finden, von dem sie zurükprallen müßen. Da die Wellen aus der Tiefe
die Schräge der Sandbank herauflaufen, und dadurch viel Meerwaßer, welches
jederzeit kälter als das andre ist, weil es %nicht von der Sonne erwärmt ist in
die Höhe gebracht wird, so muß auch nothwendiger Weise bey Sandbänken
und Landzungen das Waßer kälter seyn als an andern Orten des Weltmeers.

/Von der hohlen See und den Brandungen. ≤ Die Brandungen sind jederzeit an der Küste
oder wenigstens Sandklippen welche eine Daßirung (Schieffe Abdachung) haben, worauf
allso die Wellen hinauflaufen und zurükprallen können. Zwischen Messina
und dem Königreich Neapel ist eine solche Brandung. Diese Brandungen haben
immer nach einer bestimmten Reihe von Wellen eine hohle Welle. Im schwarzen Meer
soll die hohle Welle die 10te an der Sclaven_Küste in Guinea die 7te seyn.
Dieses zu wißen ist in der Schiffarth von großer Wichtigkeit, indem die Schiffer es
schon immer abpaßen müßen, daß sie eher anlanden, ehe an diesem Ort die 7te an jenem
aber die 10te Welle nachkommt. Denn oft geschieht es, daß ein Schiff den alle
andre Wellen %nichts gethan haben, wenn es von der hohen Welle überrascht wird ohne
alle Gnade sinken muß, die Ursache von diesem Phoenomeno ist in dem Lauf
eines Plani inclinati zu suchen. - Die Tiefe des Meeres und mit ihr die
Länge der Wellen nimmt zu, je weiter man in unserm Weltheil
nach Westen komt. So ist das Meer bey Assov und der Palus_Meoticus und die Straße
von Caffa nur 6 tief, denn kommts im mittelländische Meer schon immer tiefer
bis nach der schpanischen See und dem Ocean, wo es am tiefsten ist. Von hier nach der Nordsee
nimmt die Tiefe wieder sehr ab, und in der Ostsee ist es wieder an manchen Stellen
@ganz@ untief, daher sind auch die Wellen in der Ostsee weit kürzer und also gefähr-
licher als in der Nordsee und hier sehr viel zurükschlagender als in der spanischen
See wo es wegen ihrer großen Tiefe auch sehr lange Wellen giebt. Ueberhaupt sind alle
Meere die sich ins Land hinein erstreken immer untiefer als der Ocean. - Daß
die Wellen im Schwarzen Meer so sehr zurükschlagend sind, hat Büffon aus dem
Zurükprallen der Winde, die über die Wallachey und Beßarabien wehen
@an@ dem Gebürge Caucasus erklären wollen, allein bey einer solchen Streke von
150 Meilen kan das von keiner beträchtlichen Würkung seyn. Ueber die
Bank von Terreneuve, welche doch 60 bis 70 Meilen vom Land entfernt ist, findet
man die Luft so neblicht und kalt, daß man daselbst im Sommer Winterkleider an

/ ziehen

/|P_16

/ziehen muß. Eben das findet bey allen Rifs oder solchen Landzungen statt, die sich weit
unter der See erstreken. Besonders in den Nordlichen Gegenden als bey
Skagen in Norwegen. Der Nebel an solchen Orten entsteht eben daher,
weil es daselbst kalt ist, und also die Dünste verdikt werden. So bringt zE. ein Stük
Eis das aus dem Eismeer in eine warme Gegend getrieben wird, allemahl
viel Nebel mit sich. - Hohle See ist, wenn ohne Wind die See in einer
sehr starken WellenBewegung ist. Freylich muß ein Sturm vorhergegangen seyn,
sonst wird das Meer ganz stille bleiben. In der hohlen See ist das Schiff ein
bloßes Spiel der Wellen. Man kan es auf keine Weise steif halten, so
daß es sich den Wellen entgegen sezzen könte, weil es keinen Wind hat, sondern
ganz der Gewalt der Wellen überlaßen, schwenkt es sich von einer Seite zur
andern, die Waaren in demselben fangen an zu rollen und zertrümmern von inwen-
dig das Schiff, welches oft gar an ein andres getrieben wird. Die Alten behaup-
teten, man könne die Brandungen durch Oehl stillen, in neuern Zeiten hat man Ver-
suche darüber angestellt aber noch %nichts entscheiden können. Doch hat die Societaet
der Wißenschaften in Brüssel die Sache vor richtig befunden. Die Bewegung des
Meeres durch die Winde kann gar %nicht bestimmt werden, weil der Wind selbst unter keiner Regel steht.
Die Wellen sind keine fortrükende sondern nur eine schauklende Bewegung. Man
kan sich das Meer als aus unendlich vielen Waßersäulen bestehend vorstellen, von welchen
keine sich fortbewegt, sondern alle nur entweder steigen oder fallen.

/≥ 2) Von der Ebbe und Fluth. ≤ Das Meer schwilt in 24 Stunden 2 mahl auf, welches die Fluth
heist, und ziehet sich 2 mahl von den Ufern zurük, welches die Ebbe genannt
wird. Die größte Fluth ist nachdem der Wind durch den Mittagscirkel, der durch
den Ort gehet, entweder oben oder unten durchgegangen ist. Die größte Ebbe geschiehet
6 Stunden so wohl zuvor als hernach. So wie der Mond den folgenden Tag 3/4 Stunden
später durch den Meridian deßelben Orts gehet so verspätet sich auch die Ebbe und Fluth
auf eben dieselbe Zeit. Im neuen und vollen Licht sind beyde größer als in den
Vierteln. Zur Zeit des Aequinoctii sind sie in diesem Licht am größesten
und denn heist sie die Springfluth, sonst die todte Fluth. Die Ostsee, das
caspische Meer hat keine, die Mittelländische See aber nur eine. Die gelinde
Abschüßigkeit des Ufers trägt auch viel dazu bey, sie sehr merklich zu machen,
obgleich das Waßer %nicht höher als anderwärts steigt noch tiefer sinkt. Die Winde,
so die Fluth und Ebbe treiben haben auch ihren Antheil daran. Die Lage der Küste ziehet

/ diesem

/|P_17

/diesem Wechsel des fluthenden Meeres eine große Unregelmäßigkeit zu. Die Ursache der
Ebbe und Fluth ist in dem vereinigten Anziehen des Mondes und der Sonne zu suchen.
Newton hat bewiesen, daß alle Weltkörper einander anziehen. Die Gewäßer unter
dem Monde werden sowohl auf der dem Monde zu gekehrten als abgekehrten Seite
erhoben und 90 Grad vom Meridian dieser Oerter sinket das Waßer. Die Anziehung der Sonne
hebt das Waßer 2 Fuß hoch, des Mondes aber 8 Fuß hoch. Durch die Beschaffenheit
der LandesKüsten wird aber beydes an manchen Orten viel höher getrieben. Im Neu
und Vollmond verbinden sich beyde Anziehungen und daher entsteht die Springfluth. In den
Vierteln aber ist das Anziehen der Sonne dem Anziehen des Mondes entgegen, daher
schwächt die Anziehung des einen das Vermögen des anderen, und wir haben alsdenn die todte
Fluth vornehmlich zu der Zeit, wenn Tag und Nacht gleich ist, der Nuzzen der Ebbe
und Fluth ist vielfältig. Es giebt an der Mündung vieler Häfen Barren oder nahe
unter der Oberfläche des Waßers verborgene Sandbänke, über welche man bey ho-
her Fluth kommen kann. Mit der Ebbe sowohl als mit der Fluth kan man oft
wieder den Wind in der See fortkommen,
und wie zu London von entgegengesezten
Gegenden ankommen und wegreisen. - Die Ebbe und Fluth findet an allen Küsten statt, die
am Ocean oder doch an solchen Meeren liegen die mit dem Ocean in großer Verbin-
dung stehen, denn nur hier ist es möglich, daß das Waßer ohngehindert ab und zu-
laufen kan. Wo sich aber das Waßer durch enge Straßen durchdrängen soll, da kan keine Ebbe
und Fluth seyn. Daher hat auch die Ostsee keine Ebbe und Fluth, weil der Sund zu enge
ist, als daß eine ungeheure Menge Waßer sich in so kurzer Zeit durch ihn bewegen
könte. Eben das ist die Ursache warum in dem mittelländischen Meer ebenfals
keine merkliche Ebbe und Fluth statt findet, weil nämlich die Straße von Gibraltar %nicht breit
genung ist zum Ab und Zulaufen des Waßers. Fluth nennt man das Erhöhen des Mee-
res über den Mittlern Stand und Ebbe das Untersinken des Waßers unter denselben
Man darf sich also %nicht vorstellen daß bey der Ebbe alles Waßer ablaufen müße, ob es gleich
aus andern Ursachen an manchen Orten geschieht. Wenn keine Hinderniße da wären
(so würde es seyn wenn die Erde ganz mit Waßer bedekt wäre) so müßte alle-
mahl, wenn der Mond im Horizont auf und untergeht, die größte Ebbe, und
wenn er am höchsten oder am niedrigsten, d. h. im Zenith oder im Nadir des Orts steht,
die größte Fluth seyn. Denn würde man auch die Höhe und Tiefe der Ebbe
und Fluth genau nach der Attraction der Sonne und des Mondes bestimmen können.
Da nun aber das Waßer in seiner Bewegung durch die Küsten allenthalben bald stärker bald schwächer
gehemmt wird, so ist auch dies Phaenomen nach Verschiedenheit des Landes gar sehr

/ unterschieden *1 ~

/|P_17R

/δZ_1

/*1 unterschieden. So gibt es im attlantischen Meer eine Zukerinsel, wo die Spring-
fluth wohl bis 70 Fuß hoch geht. Ohngeachtet aller Hinderniße, welche
die Küsten dem Ab und Zulaufen des Meeres entgegen stellen, hält doch die Ebbe
und Fluth ihre beständige Zeit, so daß jene allemahl 3 Stunden nach
dem Auf oder Untergange, diese hingegen eben so lange nach dem höchsten
Stande des Mondes im Meridian vor sich gehet, die Fluth dauert gewöhnlich
%nicht so lange als die Ebbe. Wenn das Waßer an einer Küste 5 Stunden fluthet,
so ebbet es 7 Stunden. An einer Küste sind oft Oerter, wo Fluth und Ebbe sich
gerade entgegengesezt sind. So ist zE in Hamburg Fluth, wenn in Holland
Ebbe ist und umgekehrt. -- Allenthalben weit von der Küste der Länder
beweget sich das Weltmeer von Morgen gegen Abend, besonders in der
Zona torrida. Die Ursache liegt in der Ebbe und Fluth, welche nothwendig
weil der Mond sich um die Erde von Morgen gegen Abend zu bewegen scheint,
demselben in dieser Richtung folgen muß. Aber der Ostwind, der den Ocean
im heißen Erdstrich beherrscht, thut auch viel dazu. -- 

/Von den besondern Bewegungen des Meeres, die von dieser allgemeinen herrühren. ≤

/Die Meerströme sind entweder beständig oder periodisch. Unter
die erstern gehöret der Strom der zwischen Madagascar und dem festen
Lande in Africa strömet. Ferner der von dem Vorgebürge St.
Augustin in Brasilien nach den attillischen Inseln fließt, der welche die
Straße le_mere von Westen nach Osten durchschneidet, und der, welcher in der
Magellanischen Meerenge mit entgegengesezter Richtung ströhmet. Alle
diese Meerströhme sind %nichts anders als Würkungen der Meeres-
bewegungen durch den Mond oder durch Winde, in so fern ihnen durch die Küsten
eine besondere Richtung gegeben wird. Die erste Meerströme ziehen
selbst gegen den Wind. Es sind Ströme in den Indischen und andern Meeren,
welche mit den Periodischen und andern Winden abwechseln und jederzeit
ihre Richtung behalten. Wo die Ströme zwischen Inseln und Sand-
klippen streichen, sind sie heftiger als im ofenen Meer. Viele Ströme,
deren es im Westindischen sonderlich mexicanischen Meer gibt, ändern ihre
Richtung der Ebbe und Fluth gemäß.
Meerströme welche durch
Winde erregt werden sollen, sezzen zum voraus, daß der Wind lange
anhält, als ganze Wochen und Monate, denn sonst wird der Wind zwar
die Oberfläche des Waßers in Bewegung sezzen und Wellen machen, niemals
aber einen wirklichen Strom hervorbringen. So hat das mittelländische Meer
bey der Straße von Gibraltar 2 Ströme: einen obern und einen untern
Strom.

/ Die ~

/|P_18

/Die Ströme des Meers <also>, die Ebbe und Fluth haben, unterscheiden sich nach
dem Monde.

/In den Meeren giebts hin und wieder viele beständige Ströme zE im
mittelländischen Meer ist ein Strom von Westen nach Osten, der
durch die Meerenge bey Messina geht, <und> (erzeugt auch daselbst
einen «Mahlstrom» <@Wellenstrudel@>, welches ein bloßer Strom ist der von Fluth
und Ebbe herkommt, in jeder Ebbe geht er zurük den Gang den
er genommen da es Fluth war. Bey der Insel ferre giebts
dadurch gewiße Wirbel die 2 Klafter in der Weite und @1@ in
der Tiefe haben, die ein Boot umschlagen können, allein wobey kein
groß Schiff Gefahr läuft. Der Meerstrudel bey Messina dreht
sich nie anders als wenn der Südwind wehet, der es von den
africanischen Küsten in die gegenüberstehende Bucht treibt, von da
komt aber ein Strom entgegen welche also zusammen stoßen und einen
Wirbel machen. Bey der Belagerung von Messina ging dadurch ein
Bombardierpramen unter, allein man hat sonst wenig des-
wegen zu fürchten. Scylla hat jezt %nicht mehr diesen Namen sondern es
liegt <gegenüber Messina> ein capo scylio, welches kleine Fahrzeuge wohl zu
fürchten haben. Auch an der Küste von Iapan ist ein solcher Wirbel.
Es frägt sich: warum das Meer von den Flüßen %nicht voller werde?
Man findet durch Beobachtung daß das Meer soviel ausdunst
als kaum die Flüße in 24 Stunden hinein bringen können, und wenn
es %nicht regnen würde, möchte es %nicht zulangen, daher das cas-
pische Meer zuweilen auch stark fallen soll. Wenn der @Iordan@
%nicht soviel Waßer ins todte Meer gießt so troknet das
so stark aus daß es 1 Meile vom Ufer zurüktritt ~

/|P_18R

/δZ_24

/Auch durch bloße Ausdünstung können Meerströme entstehen.

¿¿¿»<Denn> alsdenn entstehet in dem todten Meer ein Strom der durch ganze Meer fließt und zwar mit
solcher Schnelligkeit daß auch der stärkste Schwimmer %nicht wieder den Strom schwimmen
kan, welcher Strom aber gleich aufhört sobald die Ausdünstung schwächer wird ~

/|P_19

/und es einen solchen Gestank macht daß die Araber sich weit
davon wegziehen. Hat ein Meer mit einem anderen durch eine Straße
Gemeinschaft und diese ist in proportion der Weite des
Meeres, enge, so beträgt die Ausdunstung mehr
als die Ströme hineinbringen. Im Ganzen dunstet der Ocean
%nicht mehr jährlich aus, als hineinkomt, ein Theil aber davon
genommen zE das mittellandige, so dunstet dies mehr
aus als die Flüße hineinbringen. Und besonders ists daß
das Waßer aus dem atlantischen Meer oben hinein und das Waßer
des mittellandischen Meers unten hinaus flüßt, weil leztres
salziger als ersteres ist, weil jenes mehr ausdunstet daher das salzige
sich mehr in ihm häuft und ihn schwerer macht

/ ≥ Die Merkwürdigkeiten des Eismeeres. ≤ Wie haben a) 1) in der nordlichen
und 1 in der südlichen Halbkugel nur mit dem Unterschiede, daß sich lez-
tres viel breiter und weiter erstrekt.

/Eis in Seewaßer dringt ein so daß nur der 10te Theil
über Waßer ist. Forster p fanden dadurch daß das Eis 200 @Fuß@ hervor-
ragte, folglich muß das Eis 2.000 @Fuß@ dik seyn. Diese Eisstüken heißen
entweder Eisfelder, oder Pak_Eis, leztres treibt der Strom
zusammen, worunter auch zuweilen Schiffe mit verunglüken. Was aber
die Eisfelder betrift, so haben diese zuweilen ganze Meilen im
Umfange, und man kan zu weilen da durch segeln wie durch die Straße
bey Gibraltar. Faßen diese große Eisfelder Grund so können
sie Iahrlang liegen. Es geht ein Strom im Eismeer von Norden nach
Süden wo dieser das Eis treibt und endlich mit großem Krachen
zerberst. Das Pakeis ist viel gefährlicher, besonders
die 20, 30 Klafter - die Höhe haben«,». Im Iahr 1777 ~

/|P_19R

/δZ_8

/Man kan auch gleich nach der Landkarte a_priori
bestimmen welches Waßer oben herein oder unten herein
fließen wird, nehmlich wenn ein kleines Meer ist
und darin große Flüße herreinfallen, so kan es
nicht so viel ausdunsten als es Zufluß bekomt, sein
Waßer wird auch daher leichter seyn, weil es eben durch
die Ausdunstung %nicht allein das salzige zurük behält
also oben fließen müßen. ~

/|P_20

/geschah es daß als sie sich mit dem Wallfischfang abgeben im
Iunius soviel Eis nach Süden getrieben wurde, und das Meer
versezten, wovon einige noch das Glük hatten durch zu kommen, andre
aber unter Eis geschoben wurden. Die Seefahrer können
ihre Fäßer mit dem geschmolzenen Waßer sehr wohl füllen
nur man bemerkt doch daß die Leute den Drüsen
oder Mandeln bekämen, und Coock [[Cook]] schloß, daß weil das Waßer
durchs Frieren aller Luft beraubt, dieses ungesund wäre.
Das Treibeis kommt gewöhnlich durch den Zug des Oceans in wärm-
re Gegenden, wenn es von weitem komt, so weiß man %nicht
was man daraus machen soll, und wovon man viele
abentheuerliche Erzählungen hat. Es sieht oft aus als eine
Reihe Gebürge, wie Thürme und weil ein jedes Eis das in
wärmere Gegenden getrieben um sich Nebel hat, weil es die
Luft um sich erkältet, so hat mans oft für Inseln und
Land angesehen. - Ein Mittel ists wodurch man einen solchen
@Eisstraten@ zur Nachtzeit ausweichen kan ohne zu scheitern ist,
dieser Nebel, wo denn gleich das Schiff anders gewant
wird. - Eine andre Merkwürdigkeit ist das Treib-
holtz. An den Küsten des Oceans ist gar kein Holz, wie
auch in Grönland, die doch Holz brauchen ihre Häuser zu
bauen da sie sie sonst blos von Thran heizen, @%wodurch sich@
sich der Lampen bedienen, die aus einem Stein bestehen, der sich
schneiden läßt, auch brauchen sie das Holz ihre Känen und Har- 

/|P_21

/puhnen zu machen. Dies Holtz komt nun bey ihnen angeschwommen
zuweilen komt eine Parthey Treibholz zwischen Eis, dieses zermahlet und
zerquetsch erstres so, daß es in Feuer ausbricht. Viele
Ströme im warmen Clima treten in «¿¿»gewißen Iahrszeiten sehr aus
und reißen viele Bäume mit weg zE der große Missisippi_Fluß
wo der Zug von Süden nach Norden geht, also alles ins Eismeer
geht wo es sich endlich vertheilt. Durch die magellanische Meerenge
treibt %nicht nur viel Holz wo man vermuthet daß es aus den
Gegenden von SüdAmerica komt. In der Hutsons_Bay werden die
Schiffe zuweilen ganz mit umgeben werden.

/ ≥ Geschichte des Landes

/Das Land ist zwar kein rechtes continent den das Waßer
umgiebt es, daher ist <eigentlich> dieses continent und jenes contentum.
Alle Länder können eingetheilt werden <1) in solche> die %nicht blos in ihrem Umfange
sondern auch in ihrem inneren Wesen bekant sind, zE. Europa, Asia.
<2) in> Länder die in ihrem Umfange zwar aber «%nicht» in ihrem in-
wendigen sehr wenig bekant «ist»sind, und von der Art ist Africa,
wo uns die Wüste Sara, Nieder_Ethiopien gar %nicht, Lubien
und Abysinien sehr wenig bekant ist. Es ist hier so viel
unbekanntes Land daß ganz Europa drin stehen könte, und es
ist doch %.ein besonders fruchtbahrer Theil der Erde. <3)> America
ist in seinem Umfange %nicht völlig bekant, denn es geht oben
ins Eismeer wo niemand hin kommen kan, aber auch in seinem innern
ists so wenig bekant daß ganz Europa in diesen unbekanten Landen
liegen könte. Indeßen wäre doch «das» von größerem Werth Africa

/|P_22

/als America kennen zu lernen, NeuHolland das wohl so
groß seyn kan als ganz Europa und wovon ein Theil im warmen
Clima liegt und ein andrer in der Zona temperata, dieses
ist gar %nicht bekant weil man sich von den sandigen Küsten sehr
wenig verspricht, also %nicht glaubt daß es sich verlohne tiefer
ins Land zu untersuchen. In Peru ist eine große Streke von
Sand und doch ists ein so fruchtbahres Stük Land. Die Ein-
wohner waren wohl sehr nach Nahrung begierig wie Coock
da war, daher es wohl kein Zeichen von großer Ergiebigkeit des Landes ist.
Man kan auch %nicht wißen ob es %nicht noch einen ganz unbekanten
Welttheil giebt, wiewohl Cook bis in den südlichen Polarcirkel
ging und kein Land fand. Obs aber %nicht noch <@unendekte@> Inseln geben kan
ist sehr zu vermuthen zE die neu entdekte Sandwichs_Inseln.
Man wünscht <@auch über@ Iahr> daß irgend eine Durchfahrt durch den nördlichen
Ocean oder das Eismeer entdekt wird, um ganz kurz
nach China zu kommen, allein das ist nicht möglich, wiewohl
man es auf 2 Wegen versucht hat, die eine heißt die
nordostliche Durchfahrt, wo man <bey Camchatka> durchs Eis %nicht nicht durch kam, der
2te Versuch war der Nordwestliche. Indeßen bleibt noch
eine Sache immer übrig, weil es wahrscheinlich ist das die Esqui-
maux westwärts wie Coock erzählt, verkehrt haben @und@
es ist glaublich also daß durch die HutsonsBay ein @Seeweg@
mit den stillen Meer verbunden sey, und das Zeichen der
Möglichkeit einer Durchfahrt im Norden ist das Treibholtz
es muß doch ein Strom durchs Eis durchgehen der das Holz durch-
trieb und «¿¿»an die nördlichen Küsten auswirft, denn

/|P_23

/unters Eis kan es doch nicht durchgehen.

/ ≥ Von Inseln und was damit verwandt ist. ≤ Inseln sind Länder die
mit Waßer umgeben sind, folglich giebts Fluß_Inseln und Meer¥
Inseln, eine Insel die von einer Seite mit dem Meer und
auf der andern Seite mit einem Fluß umgeben ist, wird man eine
insula hybrida oder BastardInsel nennen. Mit den Inseln
haben gewiße Untiefen, Hervorragungen in der See, die aber doch
noch «¿¿»nicht die Oberfläche erreichen, Aehnlichkeit, welche man Bän-
ke nennt zE. die Dovvers_Bank worüber aber noch so ein
Waßer fließt daß ganze Flotten darüber segeln können, und wo alle
unsre Cabeljau gefischt werden, ferner die Bank von Terre:
neuve die 100 Meilen lang und fast 1/4 breit seyn möchte, über
welcher Bank der Stokfischfang gehalten wird. Komt man
dieser Bank nahe so findet man eine Kälte die im übrigen Meer
nicht so groß ist. Ferner eine Bank bey der Insel Ceylon die die
Portugiesen Adams Brüke nennen. Die Wilden aber nennen ihn den
@Pie \ Pice@ des Bodda [[Buddha]]. Solche Banken die an der Küste liegen
und machen daß die Schiffe nicht landen können heißen Baaren.
Ein Riff ist eine Bank, welche vom Lande ausläuft mit Waßer
zwar bedekt ist aber sich tief im Waßer erstrekt. Corallen
@Zinken@ «¿¿es» machen eine Art Polypen, welche den Schleim <aus den Muschel_Schaalen> immer
aufbauen um stille See zu haben, seit vieler Zeit haben sie daher
schon so viel gebaut, daß an der Küste von NeuSeeland eine solche
Reihe «¿¿¿» Corallen_Bank von 180 bis 200 Meilen ist «gemacht haben.»
Es scheinen sogar einige Inseln in der Süder_See anfänglich nichts

/|P_24

/anders wie solche Corallen_Banken gewesen zu seyn.
<denn> «E»es giebt «un¿¿» Gewächsse die lange Seereisen aushalten können zE.
eine gewiße Art Bohlen aus America, ferner Cocos_Nüße
diese treffen auf eine solche Insel die schon mit Erde und Sang be-
dekt war, die See treibt noch andre Saamen hin und so ent-
steht endlich eine ganze Insel, indem auch immer seit Iahrhunderten die See
fällt, also sich auch von dieser Insel zurük zieht.

/ ≥ Von den Gebürgen der Erde

/Es giebt Erhöhungen und Vertiefungen auf dem Lande. Eine Landeser-
höhung die in die Länge fortläuft und über die Ebene ansehnlich
erhöht sind, «s»ist <nun> zuerst zu erwägen. Die conisch auf den Landes¥
rüken stehende Erhebungen nennt man «das» Berge, wenn viele auf einer
Grundlage stehen heist das Gebürge, wenn das in die Länge fort-
läuft so heists Bergstreke oder Bergkette. Wenige Berge sind
ganz isolirt gewöhnlich sind «d»sie gruppirt, wo die Gruppe größer
ist, so nennts man den Hauptstamm der Gebürge, aus solchen
Berg«ketten»<Gruppen> laufen die andern Berge strahlenweise aus, zu-
weilen scheinen sie wohl unterbrochen zu seyn, im Grunde aber hangen
sie doch zusammen. Folglich haben die Gebürge auf der Erde einen
gewißen Zusammenhang. - Abstrahirt man aber auch von
den Gebürgen und nimmt nur die Landesrüken sie @mögen Berge@
auf sich haben oder nicht, so ist der Saz zu merken, daß @diese so@
laufen, daß sie ein Bassin machen wo in der Mitte die
Flüße laufen die sich endlich in einem gemeinschaftlichen Canal sammlen
und daraus einen Ausgang suchen, zE wenn man Bohmens»nsieht

/|P_25

/wo der Elbestrom der gemeinschaftliche Canal ist. Man kan auch
wißen immer wo Gebürge sind aus der Linie der Scheitelung
der Ströme, den diese entspringen doch aus einer hohen Ge-
gend, wo es endlich nach verschiedenen Gegenden fließt.

/Wenn man zwischen Gebirgen reiset findet man auch Schluchten oder
enge Päße, welches zeigt, daß erst hier das Waßer gestanden
und sich da durchgebrochen hat. - Es giebt gewiße Landeshöhen welche
nicht wie Berge p anzusehen sind, sondern es sind große Ebenen
die hoch liegen; zE. das Land «¿»Gobi, auch bey China die Grenze zwischen
der Mungaley wo ich höher heraufsteigen als herabsteigen darf
welche Ebene auch über 100 %Meilen geht. Diese Ebenen sind immer
mit Gebürgen umkrenzt und jederzeit voll Sand. Buasch [[Buache]]
ein Franzos nennt sie platte forme, sie sind also auch anzusehen
als ein Bassins wo erst Meer gestanden hat und man siehet dieses
auch von verschiedenen Ueberbleibseln, denn der Sand ist so salzig
daß man gleich sieht, daß da vorher Seewaßer muß gestanden
haben. In solchen Ebenen konnen nur Cameele gehalten werden, denn
sie müßen durchaus salzige Kräuter, weil America nun dies
nicht enthält so konten auch da die Cameele %nicht fortkommen.
Es giebt nehmlich in diesen Sandwüsten immer Striche und Berge die
δLäsion bedekt sind, und einen festen Sand haben. Die Flüße ver-
siegen aber endlich im Sande, weil der Sand horizontal ist so
giebts keinen Fall der Ströme, und daher giebts auch da sehr
wenige Ströme. Daher dort in den Wüsten sich die Nomaden von
den Stadtmenschen unterscheiden welcher leztre Name bey ihnen schimpflich

/|P_26

/ist, und das Wort Ketzer komt vom Wort Kattar her, welche
Stadtmenschen heißen, oder solche die in Häuser wohnen, und weil die
Tibetaner nach Europa auch gingen etwas zu gewinnen; so wurden sie von
den andern Kattaren genant, diese brachten auch zugleich eine Art
von Manicheism in ihrer %Religion mit, und daher entstand der
Name Ketzer. Wo solche Sandwüsten sind da find man auch
lauter nomadische Völker, so ist zE Arabien der längste Strich
Landes das einerley Völker und Sprache enthält, welches bey
allen solchen Wüsten statt findet, denn die Eroberer sind Stadt-Bewohner.
Hier sind aber keine Städte folglich haben sie auch nichts zu erobern.
Diese Wüsten sind auch merkwürdig wegen den eigenen Thierarten
zE Cameele die von salzigen Kräutern blos leben, und die auch
in solchen Wüsten zu finden sind, weil da kein Fluß herein oder heraus
komt außer an den Bergen, und die arabischen Pferde übertreffen
auch alle, sie scheinen die Sandwüsten zu ihrer Wiege ge-
habt zu haben, denn man findet auch nur in solchen Wüsten wilde Pferde
zE in ganzen Truppen in der Wüste der Mungaley. Der Character
solcher Volker ist jederzeit kriegerisch. Die Luft über der
Sandwüste ist immer in wallendem Zustand und alle Gegenstände
die von ferne gesehen werden scheinen erbärmlich groß @zu@ δLäsion
seyn, denn sie scheinen weiter zu seyn als sie @wirklich@ δLäsion
sind. <Die vornehmsten SandWüsten sind> Die große Mungalische Wüste Lob oder Gobi die mehr
wie 200 deutsche Meilen in der Länge und 100 bis 120 in der Breite hat.
Persien ist in Wüsten @vertheilt@ so die Wüste Corasa die
an der südlichen Seite sich an der ganzen Küste ausbreitet.

/|P_27

/Die große Wüste in Arabien und Syrien, die große Wüste
in Africa, Sara, und die zwischen dem rothen Meer
gelegene Sabaische Wüste. In America findet man dergleichen
nicht, daher auch hier keine Cameele sind, da sie sich in
der Wüste Gobi bis nach den kalten Gegenden dem rußischen
Syberien erstreken, wiewohl man sie jezt gar %nicht mehr wild
findet, daher es scheint daß sie den Schuz der Menschen gesucht haben.

/Mit den Sandwüsten haben Aehnlichkeit die Steppen, welches
ein rußischer Name ist, die nur eine mittelmäßige Höhe haben
ob sie gleich höher sind als die Flüße die zur Seite fließen.
zE die Bessarabische Steppe zwischen der Donau und Dniester,
die Ozzacowsche <Crimische> Donsche Steppe p Ihr Ursprung scheint
zu seyn, daß die Ströme da sie anfangs viel Waßer hatten <sich> weiter
erstrekt haben, die Erde die sie mit sich führten haben sie zur
Seite geworfen und so wurde ein Land von einem allmählig
@er@hohten Boden. Es ist blos eine hohe Ebene die nicht von Bergen
eingeschloßen ist. Die Steppen laßen sich nicht cultiviren weil
da sie hohe Ebenen sind das Regen_Waßer perpendicular herab-
läuft, also wenn @es@ lange %nicht regnet ganz vertroknen muß, wenn
es aber regnet so wächst daselbst herrliches Gras und in der
Ozzakowschen Steppe wachsen schöne Gewächse selbst Spargel und
@kleine@ Kirschenbäume. Wenn es <aber> an Waßer gebricht so vertroknet
das Gras Die Araber steken es als denn an, ziehen sich aber zu-
vor unter ihren Heerden in die «¿¿¿»<Arme> der Flüße, um die Feldmäuse
zu vertilgen und damit es darauf frisch wieder wachsen kan. Die-
jenigen Araber die an den cultivirten Ländern herumzogen sind immer
auch die größten Diebe. Die Rußen machen von diesen Steppen allerhand
Gebrauch, damit ihnen die Shalf¿¿nten nicht zur Last fallen sollen, und ~

/|P_27R

/δZ_11

/In Asien die Astracanische, Kirgieser Steppe
von den Kirgiesen giebts 3 Horden, die kleine hat
sich unter den Schutz der rußischen Kayserin [[Katharina_II]] begeben
die mittlere, und die große Horde «¿¿¿»wohnen @bis@
an der Bucharey. ~

/|P_28 δlädiert

/man sie nicht ¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿ will <¿¿¿> zE die ¿¿¿
zwischen @Insectis@ und Ob, wo ihre Dörfer angelegt sind und ¿¿¿
gegeben werden, daß sie sich selbst ¿¿¿ ¿¿¿
davon nach Westen können sie in die rußische Länder, ¿¿¿
kommen sie unter die Weißen Bären, nach Osten @Wie auf d¿¿¿@ ¿¿¿ ¿¿¿
rußischen Länder, nach Süden aber unter die Kirgiesen, die die
ärgsten MenschenDiebe sind. Daher es auch geschieht, daß ein Unteroffi@cier@
ein ganzes Dorf solcher Spitzbuben commandirt. Die @Engelander@
sollen ihre Mißethater @jezt@ nach dem Fluß Gambia in Africa ¿¿¿
der noch südlicher ist, wie <der> Senegal. Wüsten nennt man @ein@
Land das %nicht kan cultivirt werden, die ¿¿¿ @Wüsten@
aber laßen sich gar %nicht ¿¿¿ nutzen zE in America ¿¿¿
Fluß Missip wo ein solcher Morast von 80 %Meilen ist. S¿¿¿
Wüsten aber könten cultivirt werden ¿¿¿ es fänden sich <noch> @solche Menschen@
die sich damit abgeben wollten. Man bedient sich ¿¿¿ ¿¿¿
Wüsten von solchen Bergketten die auf keine Weise könen @culti@-
virt werden

/ ≥ Von den Bergen

/Diese können entweder isolirt seyn oder gehören zu den Berg@ketten@
Erstre machen mehr Parade und fallen mehr in die Augen: zE ¿¿¿
auf der Insel Teneriffa der sich auf 40.000 %Fuß @in die Höhe@
hebt, vor jeden aber @für den@ größten @Berg in der Welt@
wiewohl wir in Europa größere <zE der Mon¿¿¿> @haben, die nicht so sehr ¿¿@
die Augen fallen. Was aber von ¿¿¿ @besonders merk@würdig ist, daß ¿¿¿ ¿¿¿
Abends und Morgens einen langen Schatten wirft, so daß dieser <¿¿¿> bis
der Luft zu sehen ist.

/ ≥ Vom Meßen solcher Höhen des Landes überhaupt. ≤

/Hier sind nur M¿¿¿ ¿¿¿ @Dünste@ δSchmutz

/|P_29 δfehlt

/|P_30 δfehlt

/|P_31

¿¿¿» so ist doch Nebel, denn man nennt die obern Dünste
Nebel und die untern Wolken. Noch besondere Erscheinungen
in Ansehung dieser Wolken auf einem hohen Berge sind; daß man
sie von weitem unter allerley Gestalten ganz dik ankommen sieht,
so daß man ordentlich dafür erschrikt, wenn man aber darin ist
empfindet man nichts, unter sich sieht man wieder nichts wie
ein Meer und glaubt sich von der ganzen Welt abgeschnitten,
wenn aber dann und wann eine kleine Oefnung zwischen diesen Wolken
komt, so sieht man nicht anders wie in einem optischen Kasten herun-
ter, wo Städte, Dörfer und Menschen durcheinander kreuzen.

/Die Kälte auf hohen Bergen ist immer größer je höher die Berge sind, so
daß man %nicht glauben kann, daß die Wärme blos von den Strahlen der
Sonne herkäme, sondern es muß eine ElementarWärme seyn, denn
in einer gewißen Tiefe hat unsere Erde eine Temperatur von @64@ Grad
des Farendheitschen Thermometers, welches die Kellerwärme ist, gehe ich nun hoch
weg so f«äh»ehlt diese Erdwärme und blos die Sonnenwärme bleibt
übrig. Die erste Würkung dieser Kälte ist der Schnee, welcher
Iahr aus Iahr ein da liegt und niemals im Sommer ganz fort-
schmilzt zE die Tyrolschen <am In_Strom>, carpatischen Gebürge, «und» die schweizerischen
Alpen <und> die Pyrenaeen der Gegend von Roussillon. Man sollte nun
denken, daß sich der Schnee denn immer sehr häufen müßte, allein
wenns gar zu dik so drukt er aufeinander und fällt in die Thäler,
wo er auch ohne alles Thauwetter bey der größten Kälte abnimmt
denn er dunstet eben so aus wie Waßer, bis von seinen tiefsten Schichten
aus. Indeßen kan man doch die Schichten oder strata von vielen Iahren finden, denn
sie haben immer eine schmutzige Rinde. Diese geben Anlaß zu @einer meist
großen@ Verwüstung, welches man Schnee_Lavinen nent,
welche von den ErdLavinen müßen unterschieden werden, wenn ein Stratum

/|P_32

/Erde am Berg hängt, die durch ein unten gehendes Gewäßer weg-
geschellt werden und denn unten ins Thal fällt, und alles bedekt, zu-
weilen fallen auf so eine Art ganze Berge ein. Die SchneeLavinen
werden in Roll und Staublavinen unterschieden. Erstere findet statt, wo
der Schnee schon etwas klamm ist denn herunterrollt und wo den
der Klumpen beym rollen immer größer wird. Komt eine solche Lavine
auf einen Fluß, so macht er noch ein größer Unglük indem als-
denn der Fluß austritt. Die StaubLavinen kommen aus den
höchsten Gegenden wo der Schnee ganz leicht ist. Der Schnee ist
ganz loker auf ein Gebürge gefallen daß ganz steil ist, Wind soll
da sehr selten seyn, allein ein kleiner Vogel soll zuweilen vom
grösten Unglüke Ursach seyn, der «ein»anstößt, wo alsdenn der lokre
Schnee fällt an andre Theile anstößt und die Luft ganz dunkel
macht, dem die Leute auch selten entgehen können, zugleich macht
der Schnee einen solchen Wind, daß die Leute dadurch erstiken.

/Das Eis ist eine zweyte Wirkung der Kälte. Zwischen den Bergen @sind Gräben@
wo das Schmelzwaßer im Sommer zusammenrinnt, sobald die
Sonne aber weg ist frierts wieder. Im GrindlerWalde ist ein
solches Feld das 6 Meilen lang ist und das Eismeer genannt wird. Auf solchen
Eistafeln sieht man Eisthürme die man Gletscher nennt,
und die zuweilen 40 bis 50 @%Fuß@ Höhe haben, und dies«¿¿»e Eisthürme sind @immer@
größer je näher den Thäler, es sind eigentlich übergebliebene Eistafeln
nachdem das herunterfließende Waßer, das andre Eis weggeschwemmt
hat. Diese sehen prächtig des Morgens aus, denn sie rauchen alsdenn
gleichsam als wenn sie brennen. Diese Gletscher aber haben @Riße@
hin und wieder, und unter ihnen läuft immer Waßer, wodurch @sich der@
Gletscher immer wegtaut, zuweilen trifts daß Leute da hinein

/|P_33

/fallen, weil die Ritzen verschneyt sind. Die Schweizer klagen, daß sich
diese Gletscher immer vermehren. Wird dieser Gletscher von unten %fließen Waßer
gehoben rutscht, reißt alle Steine mit sich weg und verheeren
auf so eine Art ihre Viehweiden. Aus diesen Gletscher fallen Bäche in
die Thäler herunter von einer Höhe zuweilen von 500 Fuß. Im Winter
durch die Gebirge zu gehen ist sehr gefährlich %nicht allein wegen des
Schnees, sondern auch wegen der erstaunend «f»kalten Winde, die
deswegen entstehen weil die Luft daselbst äußerst troken ist.

/Noch ist hiebey zu merken das wirkliche Ausbrechen eines solchen Eis-
Meeres so wie zE 1770 zu Tyrol, wo sich das Eis versezt hatte
vor die Oefnung in %einem Thal, wo sich ein Eisdamm formirte von 20 Ruthen
dik, in diesem Iahr muß nun viel Schnee heruntergefallen seyn, so daß das
Waßer den Damm überwog und so in die Thäler herunter stürzte und
erstaunendes Unglük anrichtete.

/ ≥ Vom Nutzen der Berge. ≤ Derjenige Nutzen ist %nicht einmahl anzuführen daß
sie gewiße Menschenracen erhalten, statt daß diese in den Thälern ihren
Character verändern zE die Bergschotten, der physische Nutzen aber ist: daß
ein Land im heißen Clima dadurch temperirt ist daß Berge darinnen sind, denn
die Höhe ersezt es schon was dem Clima abgeht, und an den SeeKüsten
ist zwar wegen ihrer Niedrigkeit am heißesten allein zugleich kommt auch von
das ein kühler Seewind. Es sind <die Berge> auch die Sammelplätze der
Gewäßer. Die Gebirge haben auch den Vortheil daß sie den Regen
aufhalten und die Wolken nöthigen sich ihres Waßers zu entledigen
Trägt ein Gebirge mehr an Gewächsen als ein gleich großes flaches Land <wenn die @Dün@gbahrkeit des Erdreichs gleich ist>?
Ständen die Gewächse %nicht perpendiculaer so gingen auf den <Bergen> mehr an, jezt
aber da sie alle sich vom Mittelpunkt der Erde zu entfernen suchen, können
auf dem flachen Lande eben so «s»viel stehen wie auf dem Berge. Iedoch man
muß %nicht nach der Naheit der Halme sondern der Wurzeln urtheilen, «s»auf

/|P_34

/dem Berge sind die Wurzeln aber weiter von einander, also kan
doch etwas mehr auf der convexitaet eines Berges wachsen, des¥
wegen auch machen, daß die Schweiz so sehr bewohnt ist.

/ ≥ Von den Höhlen und Klüften der Berge. ≤

/Wir könen alle Höhlen in künstliche und natürliche eintheilen, zu
ersteren können wir rechnen die die Menschen zu ihren Begräbnissen
angelegt haben, und denn auch die Bergwerke worunter vorzüglich
die Steinbrüche gehören weil man da ganze Klumpen ausbricht daher
haben sie auch einen großen Umfang. ZE der Sandsteinbruch bey
Mastrich, wo lauter Pfeiler stehen und <es> so weitlauftig ist daß sich
Menschen darin verirren können, und ganze 1.000 Menschen mit ihrem Vieh darin wohnen
können. Marmorbrüche sind %nicht so groß weil man dieses nur zu Verzie-
rungen braucht. Hiezu gehören noch die Steinkohlenbrüche zE in Engelland
bey Weikhöfen wo man «so weit» <bis unter das Meer> gekommen, wo ganze Kriegsschiffe
drüber wegschiffen können. Die Steinkohlen enthalten aber so einen Kies
oder schwefelartiges, daß brennbahre Dünste dadurch erzeugt werden
können und ein Licht dazu so kann es anzündet werden wo es alsdenn
alles zerschmettert, daher haben sie stählerne Scheiben, die durch ein Rad
umgetrieben werden und in Feuersteine faßen die <soviel> Funken verbreiten
daß die Leute dabey arbeiten können. *1 - Die 3te Art von Gruben
sind die Salz_Bergwerke zE bey Crakau, ein solch großes
Lager nennt man einen Salzstok, der von ungeheurer Größe ist
an der Wallachey zu entspringen unter den Dniester zu gehen und
sich bis an die Crimm zu erstreken scheint. Dies stratum ist
von großer Mächtigkeit, wo sie es wie eine Gloke aushauen und
jezt schon in einer Tiefe von 600 Fuß arbeiten, da man aber noch
keinen Grund sieht, es sind da ordentliche Straßen und Pläzze wo ~

/|P_34R

/δZ_14

/Engelland hat den Vortheil daß es kein Land zur Feyrung verlieren
darf.

/

/δZ_20

/*1 wiewohl diese Funken im ganzen doch %nicht so viel als ein einzig
brennendes Licht erhellen. ~

/|P_35

/ganze Dörfer stehen könten. Indeßen ist doch %nicht zu vermeiden daß
sich @endlich@ das Waßer in großer Anzahl da findet. Zu Cracau bleibt
jeder Mensch nur 8 %Stunden in den Salzgruben worauf er herausgezogen wird,
Pferde aber bleiben 2 Tage drin. Die Alten nannten solche Hölenbe-
wohner Troglo«g»diten (überhaupt nannten sie alle Völker von ihrem Character
zE Pultophagi die Klößeßer p) es waren blos solche die ihre Häuser
in der Erde hatten und <gleich> auf der Erde stand das Dach, man findet solche
Häuser noch in Ungarn. Auch reden die Alten von gewißen Syringes welches ge-
wiße Gänge seyn sollen wodurch man in den Pyramiden communication
haben solle. - In Cärnthen findet man viele Hölen auch selbst in der
Lawa, weil bey leztrer unten die Lawa festgefloßen ist, und so muß
es auch mit denen in Carnthen gegangen seyn. Denn wo solche Hölen
sind, ist entweder Kalkartige oder Gipsartige Materie, aber
in Granitgebürgen findet man solche Hölen nie. Erstrer ihre Hölen
haben eine Menge von Tropfstein, das Waßer welches durch die Ritzen
durchläuft nimmt nehmlich einige Steintheile mit, die sich ansetzen, und
wie Eiszapfen aussehen, auch immer länger und breiter wird, ist ein
solcher Kalkberg klüftig, daß er viele Ritzen hat, so kommen auch viele solche
stalactiden herunter. Durch die Erzählung der raritaten_Krämereyen
von solchen Hölen wird blos die imagination unterhalten, keine Kent-
niß der Natur aber erweitert. Das Labyrinth von Candia ist auch
eine solche Hole.

/ ≥ Vom inwendigen der Erde, der Luft und Wärme daselbst. ≤

/Unsere Kentniß durch den Bergbau beträgt wenig. Allein durch andre Obser-
vationen, scheints daß die Erde in einer gewißen Tiefe immer
dichter werden müße zE wie Granit und nach dem Centro zu
wie Magnetstein, welcher sich zur Dichtigkeit des Waßers

/|P_36

/wie 9 zu 2 verhält. So tief man gekommen ist bey Boulogne
und Roussillon immer die Temperatur einerley von 54 %Grad des @%Pharendheitschen@
%.Thermometers welches man die Kellerwärme nennt, Mr: de Beran [[Mairan]]
behauptet @daher noch@ daß sie durch «¿¿»ein innerers Feuer immer
wärmer werde. Im @Vascauschen@ Gebürge soll zE die
Wärme in einer gewißen Tiefe zu, daß sie größer ist als
die obere, indeßen in einer Tiefe von 200 Fuß könnte @doch@
nicht das central_Feuer so stark würken, weil 1.000 Fuß
in Ansehung der Tiefe der Erde nichts verschlägt. Der Rammels¥
berg gehört zu Harzgebürge, in diesem findet man in einer gewißen
Tiefe eine Wärme, daß die <Leute ihre> Kleider abwerfen müßen. Zugleich
aber ist da eine Quelle aus der die Leute trinken und die ganz
kalt ist, das komt, weil eine gewiße Materie Kies da <sehr> häufig
liegt, (von der unser Schwefel komt) ein Kiesstratum mit der völligen
Erde bedekt giebt keine Hitze, bis Luft dazu komt, wo es sich
auflößt und Hitze macht, das läßt sich sehen weil gleich darüber uber
diesem Kiesstratum ein Waßer ist das ganz kalt ist. Und so
geschieht vieles zufällig durch die Menschen selbst welches man andern
Dingen zuschreibt, zE im Erzgebirge in Sachsen bey @Plantz@
brennt schon aus Verwahrlosung 100 Iahr das Kohlengebürge.
Aechte Keller müßen nach dem Gefühl im Sommer kälter
im Winter wärmer seyn, wiewohl sie sonst immer in
gleicher Temperatur sind, indeßen hat @doch@ im Winter im
Keller eine Pechkugel geschmolzen. Auch in Ungarn im car-
patischen Gebirge ist eine Höle in der es im Sommer friert und
im Winter warm ist, so daß die Haasen daselbst

/|P_37

/ihr Winterquartier halten.

/Alle unsre Compas in der Welt weichen wenn man nach Westen
komt nach Osten, und wenn man nach Osten komt, nach Westen ab. Diese
Abweichung verändert sich <allmählig> von Iahr zu Iahr und man kan keine
andre Ursache finden daß im inwendigen der Erde etwas liegen
müße was darauf würkt, und dies muß sich drehen.

/Die Veränderung der Witterung muß auch eine Würkung der Erde
seyn, denn wenn sie vom Mond oder sonst herkäme, so könnte man
sie wie die adspecten voraussagen, könte man daher %nicht glauben
im inwendigen der Erde liegt die Ursache und es ist dieses selbst der
Körper der auf die Compasse einen Einfluß hat.

/Die Erdbeben und feyerspeiende Berge haben gewiß ihre Ursache im
inwendigen, wiewohl diese %nicht sehr tief liegen muß, denn
bey uns fallen die Erdbeben niemahl ein folglich müßen die Ursachen local
seyn. Geographisch betrachtet sind Erdbeben wo <Erz>Gebürge sind, oder
wo die Länder mit solchen zusammen hängen. Vor den Erdbeben geht
gewöhnlich kurz vorher ein gewißes Poltern, in der Luft sieht man
auch gewöhnlich eine Veränderung @röthliche@ Wolken die Luft ist electrisch,
in den Thieren merkt man eine gewiße Angst. Der Boden fängt an
zu wanken, und zwar <entweder> blos durch concussionen <oder durch Stöße>, als denn <beym ersten> bemerken es %nicht
alle, und empfindsame Personen bemerken einen Schwindel, allein
diese concussionen dauren nur eine kurze Zeit, und oft sind diese auch in
einer und derselben Stadt local, daß sie am Ende einer Straße ge-
fühlt am andern %nicht gefühlt werden, daher auch viele gemeint, es sey
blos eine electrische Materie die einen Ausgang suche. Im Waßer
läßt sich dies Schwanken auch spüren und bey Körper die an langen Faden

/|P_38

/aufgehängt sind zE die Cronleuchter in Italien. Die massiven
Häuser sind alsdenn am unsichersten, weil sie leicht Riße bekommen und ein-
stürzen Die baraccen und hölzern Häuser sind die besten.
Von feyerspeienden Bergen haben wir ausgebrante eine große Zahl
so zählt man von Göttingen bis Cöln 50 Craters. Der Crater
des Vesuv möchte 5.000 @%Fuß@ im Umfange haben und geht denn wie ein Kelch
herab, es scheint aber daß vor alters der Rand des alten Craters
der Monte de somma gewesen ist, und daß der vesuv aus seinem Cra-
ter wie ein zusammengesezter Berg entsprungen ist. Dieser wirft
nun allerley Materie aus jedoch keinen Bimstein, der von den lipa-
tischen Inseln <neben Sicilien> komt, die vulcanische Asche ist nach einer Mey-
nung ein gebranter Granit, ist diese @geschwemmt@ worden so wird
die Tuffa welches die Steinverhärtung der Asche ist, wird diese
wieder verwiedert, so komt <die> Terra Puzzolana heraus und
wird unter dem Namen Tras bekauft womit man mit Kalch
vermischt unter Waßer mauren kan, brauchts man zum Estrich
so läßts <gar> kein Waßer durch, man findet das die Alten <ein> solches cae-
ment gebraucht haben, welches noch steht, obgleich die Felsensteine
vom Waßer fortgeschwemmt sind. Der Filtrirstein ist gewiß vul-
canischen Ursprungs und man braucht ihn besonders in Rusland.
Die Lava ist eine Materie die aus den feyerspeienden Bergen komt
und sich so langsam wie ein Brey fortschiebt, und man sollte glauben
es wäre lauter glüender Sand, der aber doch flüßig ist und sich denn
erhärtet womit man den in Neapel die Straßen pflastert

/|P_39

/Wo die Luft die Lava berührt, sezt sie Schlaken an über die
man im Nothfall weglaufen kan. Komt die Lava gegen erhabene
Körper so scheint sie das schon von ferne zu empfinden und wendet
sich wenn es angeht zur Seite. Die Aetnische Lava ist weit puröser
als die vom Vesuv. Der Rauch aus dem Crater eines feyerspeienden
Berges ist sehr gefährlich, denn es gehen aus ihm Blitze folglich ist er
im höchsten Grade electrisch. Die Asche wird aus diesen Bergen sehr weit
getrieben, womit zuweilen entfernte Städte sind verschüttet
worden, zE Pompegi das man jezt wieder herfür findet, welches
anno 79 unsrer Iahrrechnung «¿¿»geschehen ist. Besonders ists daß
Rom so lange gebaut und gestanden hat und kein Mensch gewußt
hat daß Vesuv ein feyerspeiender Berg «gewesen» ist, denn er
war sehr bebaut und im Crater ist ein Wald, bis er zu Zeiten
Vespasians ausbrach und von den Zeiten bis jezt sind nie 200 Iahren ge-
wesen wo er auch gar nicht gespien hat, sondern wieder beflanzt
«ist»gewesen ist. Man würde auch vergeßen daß ein solcher Berg Feuer
speie wenn nicht der heilige Ianuanus und die heilige Rosalia
noch die Nachricht hievon behielte, wobey geschrieben ist wie
oft der erstere den Vesuv und leztre den Etna beruhigt hat.
Herculanum ist auch unter der Lawa begraben, und zwar
da wo die 2 Königlichen Lustschlößer Portici und δLücke
liegen, daher man da die ganze Lava unterminirt «hat»
und manche antiquitaeten gefunden hat, man ist sogar
schon bis aufs Amphiteater gekommen. In dieser Lava finden
sich öfters Hölen zE in Aetna die Höle der Sybilla

/|P_40

/die öfters so kalt wie die Eiskeller sind. Aus diesen Bergen
geht auch eine große Menge fixer Luft die schwerer als die
gemeine ist folglich niedrig an der Erde geht woran auch ver¥
muthlich Plinius erstikte und die aus den Kalksteinen komt. - 
Sehr weit im inwendigen der Erde kan dies Feuer <aber> nicht liegen, weil
es sonst nicht durchbrechen könte, die wahrscheinliche Ursache ist
der Kies, wovon die SchwefelKieße von der Art sind, daß wenn man
sie an der Luft legt und waßer drauf gießt sich selbst entzündet
und alsdenn ihr Feuer noch immer mehr durchs Waßer vergrößert.
Die Ursache hievon ist also nicht im allgemeinen CentralFeuer
zu suchen sondern in den großen Kieslagen. - 

/Ueberreste von solchen Vulkanen findet man in Europa noch genug
man hat von Göttingen bis zum Rheinstrom 50 gezehlt. Und be-
sonders ists daß wo 2 Weltheile von einander getrennt sind
man lauter Vulcane sieht.

/ ≥ Die Beschreibung der Quellen, Brunnen und Flüße überhaupt der süßen Waßer

/Es giebt Länder wo man nur durch die größte Mühe zu Quellen
gelangen kan, und andre wo man auf lauter Quellen stößt
Von der ersten Art sind die Sandwüsten zE Sara, wiewohl hier
auch Quellen allein sehr tief sind. - Nach den verschiedenen Materien
durch die die Queladern gehen wird das Waßer von verschienenen @Gehalten@
seyn, das gemeinste wodurch es geht ist fixe Luft, welches das
Harte Waßer ist worin keine Seife schäumt, das Gesicht zerspringt
so daß sich die Haut abschälen läßt, die Erbsen %nicht weich kochen
und das Fleisch roth aussieht. Das Wort fixe Luft heißt; die Luft
die @in \ an@ andern Körpern die Form der Luft verlohren hat, hievon

/|P_41

/kan das Waßer eine große Menge enthalten, mehrentheils soviel
als es selbst Raum einnimmt, welche fixe Luft sich auch durch
kein Kochen gänzlich verliert, daher es einen säuerlichen Geschmak hat
weil die fixe Luft sauer ist. Ist die fixe Luft in Waßer auf-
gelößt, so hat dieses die Kraft Eisen aufzulösen, geht nun die fixe
Luft verloren, so fallen die Eisentheilchen oder der EisenKalch zur Erde.
Das Pyrmonter oder SelterWaßer ist blos säuerlich durch diese fixe Luft,
und wenn ein solcher rother Kalch auf dem Grunde liegt so ists
verdorben, denn die fixe Luft ist alsdenn davon geflogen
Man bekommt fixe Luft, wenn eine Schale Waßer über einen @Kessel@
gehalten wird, wo das Bier gährt, daraus geht nun eine große
Menge fixe Luft und das Waßer zieht dies ein. Oder man
nimt vitriolsaures oder Kalchsaures auf Kreyde gegoßen welches
viele fixe Luft fahren läßt, und man wirft daher dies ins Waßer
welches soviel davon anzieht als es tragen kan, man nimt auch
Eisen_Theilchen mit dazu, wodurch man also die mineralischen
Waßer nachmachen kan. - Wo solche harte Waßer sind sind auch
Dämpfe die erstikend sind, denn die fixe Luft ist erstikend.
Diese fixe Luft ist wieder ein Heilmittel wenn sie in den
DarmCanal kan gebracht werden. Wie das zugehe
daß die Erde eine solche Menge fixer Luft enthalte ist
schwer einzusehen. Das Waßer von SchwefelErde hat <immer> den Geruch
von faulen Eier, welche man hepatische Luft nennt und welches
unangenehm zu trinken und schwer zu verdauen ist. Man giebt auch
an wenn die Brunnenwaßer vielen %nicht bekommen, hat es dadurch @beßer@ ge-
worden @wäre@, wenn man alt Eisen hineingeworfen habe. - Die ~

/|P_41R

/δZ_02

/Wenn man eine große Quantitaet fixer Luft in die Lunge bekomt
so muß man erstiken. So ist zE bey Pirmont eine Spalte wo
sehr schönes Waßer hervorquilt, wovon aber alle Thiere die da-
von trinken auf der Stelle sterben müßen. So ist auch %nicht weit vom Vesuv
die berühmte Grotte del cane (Hundeloch) welche in der aus-
gehärteten Lava ist und einen Sumpf in sich hat, wenn ein Hund
darüber gehalten wird so bekomt dieser gleich convulsiones und
stirbt, wofern man ihn %nicht gleich an die frische Luft bringt. Alles
dieses rührt von der erstikenden (mephitischen) Luft her, welche die
Italiaener Sh¿¿helta nennen, die sich an solchen Orten häufig befindet.

/

/δZ_16

/Um die Thiere in einem mörastigen Waßer zu tödten, thut
man auf eine große Kanne von etlichen Stof einen gestrichnen
Theelöffel voll Alaun. Wenn man fixe Luft in alles
Getränke wieder hineinschaft, so wird alles was schal war
wieder gut. ~

/|P_42

/Die bey den Naturforschern jetziger Zeit herrschende Meynung.
von den Ursachen der Quellen ≤ ist, daß sie von dem Regen und Schneewaßer
welches sich in den Schichten der Erde durchsiggert und an einem niedrigen Orte her-
vorquilt entstehen. Die oberste Rinde der Erde besteht aus Schichten von verschied-
ner Materie, die sich Blätterweise über einander befinden, das Regenwaßer siggert
sich durch die lokren Schichten von Sandkiesel Stein und lokrer Erde bis es an einen vesten
leimigten Grund komt, da es unterwärts %nicht weiter sinken kann, alsdenn @schaft@
es sich nach dem Abhange der Schichten woran es stehen bleibt fort macht verschiedne Adern
und dringt an einem niedrigen Ort hervor welches eine Quelle macht, die noch lange
fortdauert, wenn gleich der Regen eine Zeit lang ausgeblieben, weil das Waßer aus den
Quellen nur langsam ausfließt aber aus einem großen Umfang des nahen Landes einen
allmähligen Zufluß bekomt, die Sonne auch diese in der Erde befindliche Fruchtbahrkeit
%nicht austroknet. Die Schwierigkeiten die darüber gemacht werden sind diese, daß der Regen @in einem@
ungetroknetes Land %nicht über 2 Fuß eindringt da doch bey Grabung der Brunnen
mehr als 100 Fuß tiefe Quelladern angetroffen werden, man antwortet darauf

/1) daß durch Rizzen und Spalten der Erde das Waßer nach einem langen Regen in den Steinkohlengruben
wohl 250 %.Fuß tief in ein Bergwerk wohl 1.600 %.Fuß tief eindringt

/2) daß wenn man eine leimigte Schichte nimt, welche abhängig ist über der sich ein Berg
befindet das Regenwaßer welches darauf fällt durch kleine Adern, durch die es sich aus-
breitet in der Richtung nach der Erde fortläuft und also wenn auf der obersten
Spizze des Berges ein Brunnen gegraben werden daß daselbst Quelladern angetroffen
werden, die aber nicht von dem auf dem Berge selbst gefloßenen Regenwaßer sondern von
dem, das auf der Ebene auch außer den Bergen gefallen, und auf die abhängige Schichte
die durch ihn fortläuft, sich durchgesiggert hat herzuleiten sind.

/3) daß oft auf hohen Bergen Quellen angetroffen werden, zE auf dem Bloksberge, Tafelberge
am Cap %.bonae %.spei usw. Allein man findet bey genauer Untersuchung
daß doch ein Theil des Berges höher liegt als die Quelle, die auf demselben entspringt

/4) daß einige Quellen bey der größten Dürre ohne Hinderniß fortfließen, Dieses
rührt von der Tiefe der Schichten her, die sich wenn sie sich einmahl vollgesogen
haben, beständig naß erhalten, indem sie aus ihrem weiten Umfange nur einen
geringen Theil in die Quelle liefern. Dahingegen dienet zur Bestätigung dieser Meynung
daß in Arabien wo es wenig regnet auch im dürren Sande kleine Quellen giebt, da

/ doch

/|P_43

/doch die meisten Quellen in einem Iahr, wo es gar nicht regnet, eine allgemeine
Abnahme an Waßer leyden, auch wohl gar versiegen.
Es sind ganze weit-
läuftige Länder bekant, wo man niemals einen Brunnen antreffen kann. Alles
zum Getränke und übrigen Gebrauch der Einwohner und des Viehes erforder-
liche Waßer wird daselbst in Pfüzzen und Cisternen oder Schöpfbrunnen aufbewahrt.
In den Morgenländern besonders in Arabien, Aegypten, Persien usw. sind
sowohl die Springbrunnen als süße Waßerquellen eine große Seltenheit. Es
war daher bey diesen Völkern eine große Nothwendigkeit für große Waßerbehält-
niße zu sorgen, worin sie Regenwaßer und den Schnee auffangen konten.
In diesen Kunstwerken welche die allgemeine Bedürfniße nothwendig machten
findet man zugleich die schönsten und prächtigsten Denkmäler der morgenlän-
dischen Völker; denn man trift daselbst Waßerbehälter an, deren Boden
2 Meilen groß ist und welche gemeiniglich ganze Provinzen mit nöthigem Waßer
versorgen müßen. Man begießet daselbst das Land vermittelst kleiner Röhren und
Bäche wodurch man das Waßer allenthalben aus diesen Behältern herleiten kan. (Büffon)

/Besondere Arten der Quellen und Brunnen. ≤ Einige Brunnen fließen periodisch, einige derselben
kan man durch die Aufthauung des Schnees, andre durch hydraulische Beyspiele, und
noch andre wie es scheint durch die Würkung des Mondes erklären,
zu welchen lezten @diejenige@
in Island gehören die mit der Ebbe und Fluth des Meeres gleiche Zeit halten. Exempel
von den erstern sind häufig in der Schweiz, Italien, Frankreich und andern Orten.
Im Bischthum Paderborn ist der Bolderborn zu merken der alle 6 Stunden sich
verliert und denn mit einem Getöse wiederkomt. Einige sind bitter, viele salzig
noch mehrere haben Eisentheilchen und andre Mineralien in sich. Etliche führen Gold. In
Ungarn, Sachsen Irland sind Quellen, die eine unterirdische Feuchtigkeit auströpfeln
die mit Kupfer imprägnirt ist, welches das sogenannte Cementwaßer bey sich führet,
dadurch man Eisen in Kupfer wie man es nennt verwandeln kan. Einige
incrustiren
die eingelegte Körper, nur wenig petrifiziren sie. Ein heißer Brunnen bey Guanca
balca in Peru ergießt sich in das benachbahrte Feld und verwandelt sich
in Stein, wovon man beliebige Quadersteine oder auch Statüen durch abformen
machen kann. Einige entzünden sich wen man sich ihnen mit einem Lichte
nähert. Es giebt auch Brunnen über deren Waßer ein bituminöses Oehl oder Naphta
schwimmet, das wegen der heraus gehenden brennbahren Dünste das Feuer gleichsam
in sich zieht. Bay Bagdad werden täglich wohl 100.000 %Pfund Naphta geschöpft. Es

/ giebt

/|P_44

/giebt auch sehr kalte Brunnen, welche entweder daher, weil die Adern wodurch
sie Zufluß bekommen sehr tief liegen, und daher von der Sonne %nicht erwärmt werden
können, oder weil das Waßer über Gips fließet so kalt ist. Ungemein viele Brunnen
mineralischer Berggegenden haben sehr heißes Waßer, als die warmen Bä-
der in Deutschland, Ungarn, Schweden Italien. In @Is@land sind verschiedene heiße
Brunnen, in deren einer
der Geiser genannt, der zugleich zu einer großen Höhe springt
ein Stük Fleisch in einer halben Stunde gar gekocht werden kan. Imgleichen
in Iapan. Alle diese Waßer auch im Carlsbad müßen verschiedene Stunden stehen
bis sie sich abkühlen daß man sie am Körper leiden kan. Obgleich dieses Waßer
so heiß ist, muß es doch eben so lange über dem Feuer stehen als ge-
meines Waßer, bis es kocht. Die Ursache liegt in
dem mineralischen Ge-
halte, wodurch sie die Luft einsaugen sich daran erhizzen und zugleich schwerer werden
Die heiße Waßer hauchen einen natürlichen Dampf aus, wobey man sehr gut schwizzen kan.
Daher an solchen heißen Quellen auch oft Schwizbäder angelegt sind, deren sich aber nur
der gemeine Mann der eine starke Natur hat bedient zE die Schwizbäder des @Königs@
von Neapel ferner bey Pirmont. In Champagne findet man einen kalten Brunnen.
Eben so findet man im Ohrenburgschen Gouvernement in Siberien viele Höhlen wo erschreklich
kaltes Waßer ist. Pallas merkt an, daß alle solche kalte Brunnen in Gipsstratis
liegen, wozu auch der Alabaster gehöret.
- Berühmte incrustirende Bäder
sind das Pfeffersbad in der Schweiz das Bristoler Bad und das CarrsBad, der Fluß
Teberonne im Florentinischen fällt in einer gewißen Gegend von der Höhe
auf Steine herab und sprizt also viel Waßerstaub um sich her, der insgesamt
mit einen Tofus von Gyps alles was man dahin sezt incrastirt. Dieser Gelegen-
heit bedient man sich um herrliche Basreliefs zu machen. Man sezt nehmlich allerley
Schwefelformen an den Ort wo der Fluß herunterstürzt, diese werden durch den Waßer¥
staub mit Alabaster ähnlicher Kalkerde überzogen und auf solche Art bekomt man
vortrefliche Figuren indem man nachher diese Form selbst herausnimt.
- Wenn man
ein eisernes Schloß zum Spaß vergolden oder mit Kupfer überziehen will, so darf man
nur blauen Vitriol in Waßer aufweichen und damit das Schloß bestreichen. Quellen wo
Naphta schwimmt werden in Europa %nicht gefunden. Wohl aber trift man in Ir-
land und Engeland viele Quellen an, die voller Blasen sind, welche darüber ge-
haltenes Stroh anzünden. Diese Waßerblasen kommen blos von Schwefelkupfer her.

/Vom Ursprunge der Flüße. ≤ Sie entstehen aus den Bächen die ihr Waßer vereinigen, diese

/ *1 ~

/|P_44R

/δZ_01

/*1 aus den Quellen, die leztere aus den Regen und Schnee. Wenn man das Waßer welches
von Flüßen jedes Iahr ins Meer ergießt berechnet, so wird die Menge des Regen
und Schnee_Waßers, welches auf die Flächen des ganzen Landes fällt, das sein Waßer
in den Schlauch des Flußes liefert groß genug befunden werden, um %nicht allein
die Bäche und die aus denselben entstehenden Ströme zu unterhalten: sondern auch den
Thau den Wachsthum der Pflanzen, und desjenigen auszumachen welches vom vesten
Lande wieder ausdünstet. Dieses wird dadurch bestätigt daß nach langer Dürre auch das
Waßer schwindet, daß in Ländern wo es wenig regnet, als in Arabien auch sehr wenige
Flüße entspringen, daß die gebürgigten Gegenden als Abyssinien, Peru und die Cordilleren p
darinnen fortdauernd der Regen fällt, auch Quellen zu den angesehensten Flüßen
enthalten.
- Es giebt viele stehende Seen in die zwar kein beträchtliche Fluß
sich ergießet, die aber doch die ursprünglichen Quellen der großten Ströme der Erde
sind. Dahin rechnen wir den See des Stromes St_Laurentii und die See @Ouamey@.
die Mutter 2er großen Ströme welche die Königreiche Asen und Pegu durchströmen
Einige rußische Seen und diejenigen aus welchen der Fluß @Bag@ entspringt
nebst einem andern wodurch der große Irtist fließt gehören hieher auch unzähli-
ge andre Seen welche Behälter vorstellen aus denen die Natur das Waßer nimmt
das sie allenthalben auf der Oberfläche der Erde vertheilet.

/Von den Bewegungen und dem Abhange der Flüße. ≤ Weil dazu daß ein Fluß seinen Lauf
ins Meer erstreket, ein beständiger Abhang des festen Landes von seiner Quelle bis
zum Meer nöthig ist: so ist merkwürdig, daß das feste Land in so großer Streke
als zb Südamerika nach der Lage des Amazonen_Stroms wohl 800 Meilen
einen einförmigen Abhang bis zum Meere hat, denn wenn es hin und wieder große Einbeugungen
und Vertiefungen hätte, so würde dieser Strom viele weitläuftige Seen unterwegens machen
Alle Ströhme haben %nicht einen gleich hohen Abhang. Aus den Cordillerischen Bergen, wo
der Amazonen_Fluß entspringt, entstehen viele große Giesbäche, die sich in den
stillen Ocean ergießen. Der lezte Abhang ist viel stärker, als der erste. Die Seine welche
durch Paris fließt hat auf 600 Fuß nur einen Fuß Abfall. Die Loire aber einen
3mahl stärkeren. Die Schnelligkeit eines Flußes soll in der ganzen Länge seines Laufs zu-
nehmen, wenn er aber an seinem Ostio breiter wird und sein Abhang auch daselbst
aufhörte so fließet er da am langsamsten.
Die Richtung der größten Flüße ist
auf der Seeküste, wo sie ihre «Würk»Mündung haben allemahl beynahe senkrecht. Ihren
Lauf nehmen sie größtentheils fast eben nach der Richtung, welche an der Kette von
Gebürgen bemerkt werden von welchen sie ihren Ursprung und Richtung erhalten. - 
Die Richtung großer Flüße macht gemeiniglich mit der Richtung der
höchsten Gebirge, worin ihre Quellen liegen einen rechten Winkel, weil dieser Weg
der kürzeste ist von da in die See zu gelangen.
Doch laufen zugleich 2 Reihen
von Gebürgen, wenigstens 2 Landrüken und der Fluß nimt das Thal von beyden
Seiten ein, in welches die von beyden Seiten daraus entsprungenen Bäche sich ergießen. Die
Flüße zerstöhren nach und nach das höhere Ufer und sezzen die abgerißene Erde und

/ Sand ~

/|P_45

/Gewöhnlich laufen bey einem Strom die Ufern parallel, wo er aber unterwegens
große Wiesen und Flächen getroffen, hat er große Seen gemacht, die aber allemahl
durch den Schlamm des Stroms sind wieder ausgefüllt worden. Wo ein Strom in die
See fält und der Fall deßelben klein ist, da hören auch immer die parallel
Ufer auf, und es sind gemeiniglich da Untiefen und gefährlichen Stellen, man könte
aber daselbst der Natur zu Hülfe kommen und die Ufer parallel machen
alsdenn möchte der Fluß mit seiner ganzen Stärke sein Bette selbst weiter
erweitern und die Holmen alle wegschwemmen. Gemeiniglich ist ein Ufer
besonders gewöhnlich die Einbuchten hoch, und das gegen überstehende flach. Und
diese Krümmung des Flußes macht daß sich ein solcher lange erhält, denn
er führt immer Schlamm mit sich folglich muß sie einen Ort haben sich hievon
zu entledigen, der Fluß stößt sich nun an die hohen Küsten und wirft
das abgerißene an die niedrigen, daher die Canäle in gerader
Linie %nicht so lang währet, weil sich ein solcher seines Schlammes %nicht entledigen
kan. - Die Holländer haben eine wunderbahre Staatsverfaßung, jeder sorgt
darin für sich und in der Art der Oeconomie ihres Landes laßen sie sich von andern
%nichts vorschreiben, jeder sucht soviel Land als nur möglich zu gewinnen
und besonders der Südersee haben sie sehr viel Land abgewonnen, welches
sie @einteichen@ nennen, oder sie machen rund herum Dämme, welche aber doch
wohl vieleicht einmahl der Gewalt des Waßers werden weichen müßen, so
verfahren sie auch mit den Flüßen, die sie durch Dämme @verwähren@, daß sie
%nicht austreten und sich ihres Schlams entledigen können, so haben sie auch schon
mit dem Rhein verfahren daß Schiffe die 10 Meilen weiter in der Maas
kommen konten jezt müßen liegen bleiben, denn da der Fluß seines Schlams sich
%nicht entledigen kan so läßt er ihn auf den Boden fallen

/%Von den Waßerfallen. ≤ Es ist leicht sich vorzustellen, daß vor Zeiten
allerwärts müßen Waßerfälle gewesen seyn, wenn der Fluß

/ vom hohen

/δRest_leer ~

/|P_45R

/δZ_01

/Sand am niedrigen ab. Daher die öftere Veränderungen des Bettes eines Flußes kommen.
Man errichtet daher öfters Buhnen wodurch der Fluß aber leicht in Verwirrung
gebracht werden kann. Man findet hin und wieder trokne Flüße, Bette von Flüßen
an Rhein, Donau und andre. Bey dem leztern sind die Arme wodurch er sich ins caspi-
sche Meer ergoß verstopfter er fließet fast ganz allein in die Arar. - 

/Die Flüße die den längsten Lauf haben sind der Nil, der Niger oder Senegal, der
Ienesey welcher auf den Grenzen des mogulischen Reiches entspringt und ins
Meer fließt, der Huang oder Safranfluß, der AmazonenFluß, Silberfluß
und Mißisippi. Der ansehnlichste ist der de_la_Plata, welcher bey der Mündung
40 Meilen breit ist. Sonst gehören noch dahin der Oby, die Donau und der Ganges.
Man findet bey den mehrsten Strömen daß ihr Bette öfters höher liegt als das zu
den Seiten liegende Land, sonderlich nahe an ihren Ausflüßen als am Rhein, Po p bis-
weilen sieht man sie durch enge Päße streichen zwischen 2 hohen Ufern welche sie wie Mauren von @bey@-
den Seiten umschließen. Dies thut der Amazonenfluß %nicht weit von seinen Anfange und die
Rhone wenn sie aus der Schweiz in Frankreich fließt etc: Man kan leicht errathen
daß da sich im ersten Zustande der noch %nicht ausgebildeten Erde die Waßer von den
Gebürgen in die Thäler ergoßen, selbige %nicht nur das Meer werden erreicht haben,
sondern %endlich weit und breit das feste Land überschwemmt haben weil die
vielen Unebenheiten die sich unterwegens fanden die Ströme nöthigten oft
große Thäler anzufüllen und sich in viele Arme auszubreiten. Allein <da> das Waßer
wo es den stärksten Abhang findet am schnellsten fließet, so mußte
hin und wieder ein schnellerer Zug des Waßers seyn als anderwärts.
Nun muß das Waßer in diesem ursprünglichen Zustande mit diesen aufgelös-
ten Schlamm sehr stark seyn angefüllt gewesen und diesen kan es %nicht in der
Richtung des stärksten Zuges sondern an den Seiten angesezt haben. Daher erhöh-
te es den Boden zu den Seiten so lange bis die Ufer hoch genung wa-
ren, alles Waßer zu faßen, und so bauete sich der Strom ein Bette. An den Gegenden
wo er steile Höhen hinabstürzte und mit reißender Geschwindigkeit, den
Boden herabfloß, arbeitete er den Boden so lange aus, und trug
den angerißnen Schlamm so lange in die niedrigen Gegenden bis er durchgehends
eine gemäßigte Geschwindigkeit bekam
~

/|P_46

/von hohen Gegenden herabgekommen ist, endlich aber da die Felsen @unten@
erreicht waren, so konte sich das Waßer durchfreßen, bis @es@
sich so senkte, daß es keinen Abfluß hatte sondern hatte blos zur @Seite@
sehr hohe Ufer. In manchen Laufe aber muß der Fels eher hart @gewesen@
seyn als sich der Fluß tief genung hat durcharbeiten können, und @da@¥
her sind die noch übergebliebenen Waßerfälle. In Europa haben wird den berühmten
Fall den der Rhein bey Schaffhausen macht wo er über 170 @%Fuß@ fällt,
der Bogota_Fluß bey Santafe aber fällt 1.200 Fuß. In der Schweiz @haben@
wir Fälle, <die> von dem Gletscher_Waßer herkommen. - 

/Gewiße Ströme scheinen eine Weile unter der Erde zu laufen
und kommen hernach wieder zum Vorschein, das geht aber nur an, wenn das
obere Fels ist oder eine kalkartige Materie. - 

/Viele Flüße sagt man fließen auch durch Seen durch ohne ihr Waßer
zu vermischen allein das ist falsch, zE der Rhein fällt in den Bodensee
und scheint sich mit demselben %nicht zu vermengen, denn er macht einen klaren
Strich, allein leztres komt weil in so eine See @auch@ eine Art der stärkste
Zug besonders wo ein Fluß hinein fließt, @da führst@ nun den Schlamm
weg, so daß nur weißer Sand übrig bleibt, welches denn weiß @durch@
schimmert, so geschiehts auch mit der Rhone im Genfer_See. - Die
kleinen Ströme, die in die großen fallen haben immer trüber Waßer als die
große, im Mayn senken sich die Schiffe weit mehr als im Rhein, das
macht weil die erstere immer aus Gebürgen kommen, wo sie den Schlam %nicht
auswerfen, sondern senken müßen. Da wo ein Strom <in die See> einfließt machts @Busen@
wo sich aber ein Strom in viele Arme theilt da macht das Land einen
Aussprung, welches auch vorher ein Busen gewesen ist, endlich aber ausgefüllt
wurde und wo der Strom sich denn verschiedene Rinnen gemacht hat. ~

/|P_46R

/δZ_06

/Der Selino in Italien fällt von einer perpendiculären Höhe von 200 Fuß

/

/Der Waßerfall des Flußes des Niagra in Nordamerika ist der entsezlichste weil
dieser Fluß eine ungemeine Breite hat und 150 Fuß herabstürzt

/δZ_11

/Einige Ströme versiegen ehe sie den See erreichen zE der Arm des Rheins
Cattwik ohnweit Leyden, der Iohann in der chinesischen Tartarey und viele
in Persien und im glüklichen Arabien
~

/|P_47

/Unter denen Flüßen die die Länder überschwemmen ist wohl der berühm-
ste der Nilstrom der zur Fruchtbahrkeit des Landes mit beyträgt, zu
beyden Seiten des Nils ist nur Land von 1_1/2 Meilen worunter das Delta
das fruchtbahrste ist. Im Anfang des Iunius fängt der Nil an zu
wachsen, das Ueberschwemmen deßelben ist aber nicht natürlich sondern es
muß Kunst hinzukommen, große und lange Canäle müßen das Waßer
deßelben weit leiten, die auf ein allgemein gegebenes Zeichen geöfnet
werden, sie laßen es wahrscheinlich immer so hoch steigen bis sie sehen daß es
wieder anfängt zu fallen. In den höhern Gegenden zE Thebais muß
man wohl mit Maschinen das Waßer aus dem Nil schöpfen und den gegen¥
über in die Canäle gießen. Die Alten konten die Ueberschwemmung des Nils
nicht erklären, denn sie hatten nicht bis an seine Quelle gereiset, weil sie
glaubten es könte kein Mensch in der zona torrida leben. In den Sommer-
monaten ist die Regenszeit in der zona torrida und etwas später
sieht man schon den Wachsthum des Nils in Oberegypten. Egypten
kan %nicht das erste Land der Bewohnung der Menschen gewesen seyn, sondern sie müßten
sich schon in andern Landern zugestuzt haben, um ein jährlich über-
schwemmtes Land zu bewohnen, und es mit Canälen und Dämmen zu versorgen
Indien scheint die Schule hievon gewesen zu seyn.

/ ≥ Von den Materien die die Ströme bey sich führen. ≤ Hier ist blos vom Gold zu
reden, denn alle andre <metallische> Materien werden in Rost verwandelt und endlich also
gar aufgelöset. Im Rheinstrohm hat man auch Goldwäscher, die aber
durch fleißige Arbeit mehr <als hiedurch> verdienen könten. Das Gold aus den Strömen gewaschen
hat aber immer noch einen Silbergehalt.

/ ≥ Vom Luftreich. ≤ Man theilt die Luft ein in regionen über
einander, die erste soll vom Ufer des Meeres anfangen und dahin
reichen bis wo der Schnee %nicht mehr schmiltzt dies ist in der
zona torrida 15.000 @%Fuß@. Dies nimmt aber in den temperirten Zonen immer ab.

/|P_48

/im südlichen Frankreich ists 12.000 in der Schweiz und Deutschland 8.000
die 2te region soll so hoch gehen bis dahin wo die Wolken %nicht
mehr steigen, dies ist sehr unbestimmt, denn in unsern Gegenden gehen sie
%nicht höher wie 6.000 %Fuß in den Cordilleras aber gehen sie über 20.000 %Fuß
allenfalls könnte man 24.000 %Fuß <überhaupt> ansetzen weil man doch %nicht weiß daß die
Wolken höher gegangen sind. Die 3te region soll gehen bis zum
Ende der atmosphaere welche man daran erkennen würde
wo die Luft das Licht %nicht mehr zurükschlägt, und denn würden
9 %deutsche %.Meilen heraus kommen, viele meteoren kommen aber 16 %.deutsche %Meilen @aus@
der Luft.

/ ≥ Der Unterschied der feuchten und troknen Luft. ≤ Sie <ist> feucht wenn sie aufgeloste
flüßige Materie enthält «d¿»und dieses auf andre Körper fahren läßt die es
anziehen, unter allen Materien die die feuchte Luft geschwinde anziehen
gehört besonders das Menschenhaar. In einigen Gegenden der Erde ist die
Luft sehr feucht, welches %nicht eben die Länder sind die am Meer liegen
sondern überhaupt wo Moräste und naße Wälder sind. Ein darin aufgehangenes
naßes Zeug wird %nicht troken werden es sey denn daß die Sonne die elastisch
naßen Dünste zertheilt, eine solche Luft verdirbt ganz unsre elastische
Luft, denn unser Körper zieht solche an mehr als sie ihn selbst anzie-
het, welches denn zurükbleibt und wovon Faulfieber und der gleichen die
Folge ist, noch mehr aber macht <sie mit> d«ie»er warme Luft <verbunden>, Ungemächlichkeiten
%durch die Mattigkeit, zE in Porto_bello ist die Luft erstaunend feucht
und die Menschen sterben geschwind weg. In den Ländern wo viel Reis
gebaut wird, merkt man daß viele Leute blind oder an Augen
krank sind, welches vieleicht die @Näße@ des Reis und die stehenden Waßer
der Kanäle macht.

/Die Trokenheit der Luft läßt sich aus der ruhigen Heiterkeit derselben
schließen. Es hat auch besondre Wirkung an lebenden Wesen. @By¿¿@ δLäsion

/|P_49

/nahe am persischen Meerbusen wo Gomron liegt, und wo verschiedene
europaeische Consuls sind, ist im Frühjahr die trokneste und zugleich
die heißeste Luft so daß sie %nicht einmahl schwitzen können, indem
die Luft so troken ist daß @sie@ den Schweiß gleich absorbirt, welches
den Leuten sehr beschwerlich ist, daher sie sie %dadurch naß zu
machen suchen daß sie die Wände naß machen, denn diese äußerste
Trokenheit kann der Lunge dadurch nachtheilig seyn daß sie sie spröde
macht, aber auch den Augen, denn diese bedürfen auch einer gewißen Näße. - 
In großen Sandwüsten ist die Luft sehr troken. zE die von Corasan
die Persien in das ostliche und westliche abtheilt, ist außerst troken und mit einem
fliegenden Sande bedekt, daher da @Thire fallen@, die viele Iahre
lang unverwest im Sande liegen, so wie in Grönland der Frost vor die
Verwesung schützt. - In den großen Höhen ist die Luft auch sehr troken,
man troknet zE das Kalbfleich auf den Cordilleras oben in der troknen
Luft und verfährts denn, und dies kann ohne geräuchert und gesalzen zu seyn
gar nicht faulen. «¿¿»Tibet liegt sehr hoch, und im Frühjahr schlacht
man die Schafe und nimt ihnen blos das Eingeweide heraus @bint@ ihnen
an den Füßen Stöke und stellt sie gegen den Wind, wo sich alsdenn daßelbe
Iahre lang hält. Man hat Gewölber wo die Körper %nicht verwesen wel-
ches blos vom starken Luftzug herkomt. In nordlichen Gegenden ist die Luft
darum troken weil ihr die Wärme fehlt

/ ≥ Von der gesunden und ungesunden Beschaffenheit der Luft. ≤ Es ist schon sehr
ungesund wenn die Luft sehr feucht ist, indeßen eine neue Ursache der
Ungesundheit ist, wenn sie sehr phlogistisch ist, welches ein brenn-
bahres ist das theils aus den Gewächsen die in <der> Nacht viel <dergleichen> ausdünsten, herkomt
welches hauptsächlich die Sumpfgewächse thun. (Die Lunge ist ein «¿¿»In-
«¿¿¿»strument unser Blut zu dephlogisticiren und ziehe statt deßen andre
hinein, ist aber die Luft selbst phlogistisch so kann sie kein phlogistisches

/|P_50

/mehr annehmen und ist also zum Athemholen untauglich.) theils %durch die
vielen Ausdünstungen der Thiere. Daher rühren auch die Krankheiten
in den Hospitälern, und das sogenante Cerkerfieber beruht
darauf. Alle ungesunde Länder sind gewöhnlich ungesund wegen stehen-
der Waßer worauf Gewächse wachsen, die besonders viel phlogist-
isches ausdünsten, wie zE an der Küste des Gambia_Flußes. Es giebt
gewiße Länder wo man um gesund und alt zu werden hinreiste, zE
Brasilien, die Barmudas_Inseln, <«¿¿»Lissabon, Mont_Pellier> Nissa in Piemont, wobey
indeßen sehr viel Wahn mit untergelaufen ist, Malta ist aber eine ge-
sunde Insel weil sie keine Sümpfe enthält. In Ostindien findet man
recht muntere Leute von 100 Iahren in der Wüste @Parageh@ gleichfalls.
Der Ursprung der epidemischen Krankheiten die aus gewißen Ländern ziehen
ist schwer zu ersinnen. Pest komt %nicht aus der Luft, sondern von einem andern
der sie gehabt hat, so komt auch die Viehseuche %nicht aus der Luft,
ein Vieh bekomt sie auch <nur> einmahl, daher man sie in Holland
hat angefangen zu inoculiren und auch im Meclenburgischen, indeßen ist
der Verlust dabey nehmlich 10 auch wohl 20 pro_cent zu groß, weswegen
sie es lieber bleiben laßen. Endemische Krankheiten nennt man die <Krankheiten> die
einem Lande eigen sind, solche habe ich <aber> noch %nicht gefunden, komts vom Clima
so ists schon ziemlich allgemein %und ist %nicht blos dem Lande eigen. Der Scor-
but scheint immer eine Fäulniß des Bluts in sich zu halten, und von den Speisen
her zu rühren man hat jezt 2 Dinge dawieder gefunden nehmlich den
Meisch, welcher im Magen denn gährt, und %wodurch sich die fixe Luft mit dem
Blut vermengt und seine Fäulniß aufhebt, und das Sauerkraut, auch
die Cokosmilch, welches man nur %nicht immer so theilhaftig werden
kan. Im warm Clima werden die Leute sehr alt, ausgenommen
wenn es feucht ist, im kalten aber %nicht. In der Capstadt ist aber
gesunde Luft und doch wird ein Mensch von 50 Iahren für alt gehalten wovon

/|P_51

/man keinen andern Grund als die heftigen Winde angeben kan.

/ ≥ Von den Winden. ≤ Die sogenante Schifsrose oder die Eintheilung
des Horizonts - 32 Winde ist immer recht @enth@

/Was die Feuchtigkeit der Winde betrift, so kan man %nicht sagen daß es
davon herrühre daß sie übers Meer ziehen, wiewohl com-
parative mit dem Landwinde jener etwas näßer ist. Denn wir finden
daß die Ostwinde wenn sie auch übers Meer gehen, doch immer
troken da die Westwinde naß sind. Es scheint daß die Ostwinde
von der täglichen Bewegung der Erde von Osten nach Westen herrühren, und also
mit dem Strom der Luft concurriren dahingegen die Westwinde
entgegen kommen und alsdenn die Dünste samlen. - Der trokenste
Wind ist der @Serreno <im Februar>@ auf der Küste der Schwarzen und wird dort Har-
matan genannt, «es»er ist eigentlich Südostwind, die Luft sieht
aber alsden ganz röthlich aus. Die Schiffe troknen alsdenn im Augenblik so aus
daß in dem Verdeke große Spalten sind. Ein ähnlicher ist auf Cordilleras
und in Tibet anzutreffen. - Der Wind Samiel oder Todesengel in der
Wüste Sara aber auch in Persien %nicht weit vom persischen Meerbusen, führt
bey sich eine Hitze als wenn der Wind aus einem Kalkofen fährt, und scheint
%nicht hoch zu seyn. Denn die Leute auf den Dächern empfinden %nichts, und tödtet
die Thiere die @schön \ sicher@ abgerichtet sind ihre Schnauze alsdenn in die Erde zu
steken, und von da die Luft ausziehen, und @am Menschen@ scheinen alle Theile
ganz aufgelößt zu seyn, glüklich ists daß er blos in den Sandwüsten bleibt
und keine Städte trift. Etwas ähnliches hiemit haben wir in Sicilien
und in Italien der Sirocco heist. «¿¿»Ueber den Tramontano klagen
die Italiener immer auch welcher aus Norden herkomt. Der Sirocco
treibt das %Farendheitsche %Thermometer auf 112 %Grad das Menschen_Blut ist nur 96 %Grad warm, folglich
übertrift dieser sehr das Menschenblut, zugleich aber ist er auch sehr feucht
und man weiß %nicht woher es komt, daher er eine große Mattigkeit
hervorbringt, weswegen sie das Sprichwort von schlechten Versen und @Werken \ Worten@ haben,

/ er hat

/|P_52

/er hat es im Sirocco gemacht. Es ist auch <jederzeit> ein Südostwind. Den
Engelländern ist der Ostwind unangenehm und erwekt bey ihnen
Krankheiten. So wie der Perreno nachläßt so ist die Luft
sehr gesund weil er troken ist, der Sirocco ist aber auch wegen seiner
Feuchtigkeit sehr un«s»gesund. - 

/Es giebt gewiße Stürme die Orcane (oder eigentlich Uragan ein westin-
disches Wort) heißen, und es sind eigentlich Winde die auf den antillischen
Inseln wehen gewöhnlich im Augustmonat. Ueberhaupt findet man
die mehresten Stürme in den Vorgebürgen Meerengen und den Archi-
pelagen. Man hat auch einen Wind Typhon, (der aus den sine-
sischen taphao herkommen soll). Der Sturm vom capo %bonae %spei ist auch
bekant wo alsdenn die Schiffe keine andre Rettung haben als weit in
die See zu gehen. Man rechnet auch darunter die Waßerhosen
oder die Tromp im Meer, die man auf den rothen besonders
häufig sieht, welches ein electrisches Feuer seyn muß daß das <@nahe ¿¿¿@> Waßer
in die Höhe treibt. - Die gewöhnliche Geschwindigkeit der Winde
ist sehr klein, ein Wind der 60 %Fuß in 1 %secunde durchläuft ist schon ein sehr
starker Sturm der an Dächern Schaden thun kan, und man hat ein Renn-
thier gefunden das in 1 %secunde 81 %Fuß %durchlief.

/ ≥ Von den Gesezzen nach welchen die Winde in verschiedenen Weltstrichen zu
wehen pflegen. - ≤

/Es giebt unveränderliche Winde wie die Passat_Winde, denn solche die
sich «@wie die@»<@mit der@> Iahrzeit verändern <und Mussons oder Monsons heißen>, und solche die <ganz> variabel sind.

/Unter den tropicis findet man einen beständigen Ostwind, wiewohl
an den Küsten sehr oft ein Wind der dem von der See grade entgegen
steht, weht, denn die Luft ist da wärmer wie die Seeluft, folglich
verdünnt dieselbe und macht einen solchen Zug. Komt man auf 30 %Grad der
Breite so findet man einen wesentlichen Passat_Wind ~

/|P_52R

/δZ_06

/In Westindien herrschen diese Winde ohngefähr zur Zeit des Iulius
zu welcher Zeit gar keine assecuranz angenommen wird. ~

/|P_53

/Zwischen den tropicis wehen an den Ländern gewiße <2> Winde die immer
abwechseln. Wen bey uns Sommer ist so wehet im nördlichen hemisphae-
rio der Südwestwind, und hernach umgekehrt ein Nordostwind
vom 21ten %.September bis zum 21ten Märtz, wovon die Ursache in
dem Standpunkt der Sonne zu suchen ist, die Sonne erwärmt
die Luft des Landes sehr und wird %dadurch leichter, die leichtre
wird aber von der schwehrern gehoben daher weht der Wind vom Aequator
übers Land, alsdenn wäre es Südwind, @alsden@ weil der Wind
mehr Geschwindigkeit hat sich von Morgen gegen Abend zu bewegen, als dieser
Ort <selbst> von Westen nach Osten, weil er daher immer auf kleinere Parallel¥
cirkel trift so weht er @eine@ collatoral Richtung und wird Südwestwind
und heißt der südwestliche Monsoons, alsdenn ist daselbst die naße
Iahreszeit, und so umgekehrt, beym nordöstlichen Winde. Wo der Wind
kleinere Geschwindigkeit hat als die Oerter die unter <dem> Aequator liegen wo
sich denn die Oerter unter dem Winde sich bewegen, und er ist alsdenn
vom Nord und Ostwinde zusammengesezt. Diese wechseln aber %nicht so
daß der nordostliche eben den 21ten %.September anfangen, sondern es dauret wohl
2 Monate ehe der südwestliche Massonn ganz aufgehört hat, diese
2 Monate nennen sie in Indien Zweifelmonate, die gewaltige
Stürme und Ungewitter mit sich führen. Es liegt daher viel
daran immer zu wißen welcher Monssons wehe, und hernach
sind alle Fahrten nach Indien auscalculirt. In Westindien nennt man
die Südwestwinde Brisen, - 

/Alle Länder <an dem Meer> haben die Eigenschaft daß des Morgens ein Seewind wähet, der
immer schwächer wird, bis um 8 des Abends, wo denn ein Landwind komt.
Die Seewinde sind kalt, die Landwinde warm, welches auch da sehr
%nüzlich zu seyn scheint. Die Ursache ist leicht einzusehen. Da die Insel @worüber@
die Sonne steht wird erhizt wie ein Camin, und daher strömt auch ein

/ beständiger

/|P_54

/beständiger Zug dahin. Und wen des Nachts die Luft kälter
wird so zieht sie sich zusammen, und die Landluft tritt in ihre
Stelle. - Die Mannigfaltigkeit der Winde «geschieht»<ist> in den @Straßen@
immer «daher» «¿¿»blos von 2 Seiten, entweder Ost oder Westwind in der Straße
von Gibraltar. @Den@ die Länder halten die Richtung der Winde.

/ ≥ Vom Regen. ≤ In einigen Ländern regnes gar %nicht zE Oberegypten und
in andren regnes immer. Die periodischen Ueberschwemmung Egyptens
beruht ganz auf den Monsoons, denn alsdenn regens in Abyssinien
sehr stark %wodurch das Waßer in den Nil komt. Von ähnlicher Art
wie Oberegypten ist Peru an der Seeküste von Lima, @auch@ die Küsten
Neuhollands. Die Regen in der zona torrida sind ganz anders wie
bey uns. Die Quantitaet Regen die bey uns fällt, wen sie stehen
blieb <beträgt> 21 Zoll, «da»hingegen in Indien 110 Zoll. In Africa ist ein
gewißer Regen der den Wilden sehr nachgeht indem er ein starkes
Zuken auf der Haut zurükläßt als wenn Gewürm darin wäre.

/Der Zusammenhang der Witterung mit den Iahrszeiten betreffend, so
muß man merken, wenn man von Malabar nach Coromandel will muß
mans übers gatische Gebirge dieses hält die Iahrszeiten auf,
und man kann <daher> @in \ von@ wenigen Tagen aus dem Winter in den Sommer kommen.
Wärme und Kälte richten sich %nicht nach der Breite der Erde. Unter
dem Tropico ist viel heißer wenn die Sonne da den läng-
sten Tag macht, als unter dem Aequator, weil die Sonne daselbst
eine geraume Zeit ihrem Scheitelpunkt nahe ist, unter dem Aequa-
tor dauerts aber %nicht so lange, daher am Senegal eine unausstehliche
Hitze ist bis 120 %Grad da doch MenschenBlut nur 96 bis 97 %Grad warm ist

/Die Ostlichen Gegenden auf der Erde sind kälter wie die westlichen
Canton in China liegt auf den tropions und doch sind im Winter einige

/|P_55

/Tage wo Eis friert. Ie weiter man nach Osten geht desto
kälter wird es, und die alte Welt ist im Grunde doch wärmer
wie die neue Welt, vornehmlich wenn man die temperirten Cli-
maten nimt, man rechnet so als wen jeder Ort <daselbst> immer 2 %Grad weiter
nach Norden liege als im alten continent. Die südliche Halbkugel
scheint %nicht so warm als die nordliche zu seyn. Woher dieses geschieht
wird schwer zu beantworten seyn, man müßte es von den Winden
ableiten die daselbst herrschen. Einen Grund warum in sudlichen hemisphaerio
kalter ist als im nordlichen ist dieser, weil sich die Sonne 8 @%Tage@ langer
am nordlichen als sudlichen hemisphaerio aufhält, 1 Woche im Iahr ist der
26ste Theil, in 26 «Iahren»Sommern hat also unsre Erde 1 Sommer mehr
in 2.600 Iahren hat sie 100 Sommer mehr, und hiedurch glaubt man
müßte es bey uns wärmer seyn

/Die Verschiedenheit der Wärme und Kälte betreffend in verschiedenen
Zeiten, frägt sich, obs sonst wärmer gewesen als jezt? In
der Geschichte finden wir wirkliche einige Spuren daß die Witterung anders
gewesen als jezt. Horaz sagt daß die Tiber gefroren wäre dies
geschieht jezt niemals. Caesar ging mit einem Heer über die Rhone
da sie befroren war, welches aber jezt gar %nicht mehr geschieht.
Der obere Theil von Italien welches die Romer Gallia cis alpina
nanten <jezt die Lombardey heist> war so kalt daß kein Weizen konte gebaut werden und
jezt ist es das angenehmste Land. Deutschland wird von Tacitus
beschrieben, wie das äußerste Nordland. Um dies zu erklären
giebt man gewöhnlich, weil diese Länder alle voller Wälder waren
so hätte der Schnee lange darin gelegen. Der Schnee trägt aber
dazu bey die Kälte vom Boden abzuhalten, und der gringste Süd-
wind taut den Schnee weg wo alsdenn die Erde desto beßer ist
Man siehts auch daraus wie die Europaeer nach Pensilvanien
kam war es kalt, sie räumten alle Wälder weg allein das Clima

/|P_56

/ist doch daßelbe. Es giebt aber auch verschiedene Gründe zu
glauben, daß vorzeiten wärmer gewesen denn man findet in der
Schweiz Gegenden die immer mit Schnee bedekt sind und wo
Wälder gestanden haben, denn man findet diese auch noch unter
dem Schnee. Die Schweizer klagen auch daß die Gletscher
sich immer weiter ausbreiten und ihre schöne Alpen
wegnehmen. Die Ceder auf dem Libanon die in der Schrift
so sehr berühmt ist, halten einige für bloße Fichten, denn jezt
können keine drauf wachsen. Zoroaster der %Religions_Lehrer der
alten Perser deßen Buch Zendavesta heißt, ein solcher Zoroaster
lebte zu Zeiten Darius_Histaspis indeßen man sahe daß dies
blos ein adoptirter <Name eines> «¿¿¿»Gelehrten Zoroasters Mr Baylu [[Bailly]] sagt es
müße einmahl ein Volk gegeben haben daß von der Erde verschwunden <und verstreut> ist,
weil alle Völker in ihrer Astronomie in gewißen schweren Punkten überein-
kommen <und in Indien weiß man alles nach Cyclen zu berechnen> Zoroaster sagt er sey aus einem Lande, wo der längste Tag
noch mahl so lang als der kürzste ist, und sagt er es muß im
49ten %Grad der Breite gewesen seyn, alsdenn muß es doch da ein weit
milder Clima gegeben haben, die ihre Wißenschaften bequem getrieben haben
Indeßen machte ein andrer den Einwurf es konte ja auch Gallien seyn.
Hiebey läßt sich %nichts bestimmen indeßen muß man wirklich an-
nehmen, daß es gewiße Perioden gegeben habe wo es wirklich käl-
ter gewesen. Nach Büffons Meynung daß die mehreste
Wärme au«f»s dem innern der Erde selbst kome, müßte die
Erde ganz glühend gewesen und so allmählig abkühlen er
rechnet aus wenn die temperirten Climaten ihre <gehörige> Wärme

/|P_57

/Pflanzen zu treiben verlieren würde, daher würde sich alle Menschen
nach dem Aequator drängen, und endlich würden die Menschen umkom-
men und die Erde ein wüster Körper seyn. - NaturGeschichte ist von
Naturbeschreibung zu unterscheiden, leztres ist die Nachricht
vom Zustande der Natur zu einer gewißen Zeit erstres aber die Darstellung
der Natur in verschiedenen Zeiten nacheinander. Die Geschichtbeschrei-
bung haben wir von Linnaeus, aber die Naturgeschichte gar nicht
zu dieser gehört daß man erzählt wo zE die Kirschen und dergleichen herkommen
und @wen@ die Ausartungen geschehen sind. Die Geschichte unsers Erdkör-
pers von vergangenen Zeiten und Muthmaßungen aufs künftige heist
Theorie der Erde, @dieses wäre@ leichter als eine Geschichte der Thiere weil
die variationen der organisirten Wesen gar %nicht erklärt werden können
da die Erklärung der Erde blos mechanisch ist. Gleichzeitige
Beweisthümer alter Begebenheiten sind 2fach entweder Ur-
kunden oder Denkmähler. Dies könte man Documente
nennen. «Vorhanden»Urkunden sind schriftliche Erzählungen, und Denkmähler
jede andere Wirkung außer Schriften. Die Geschichte
der Natur muß selbst aus Urkunden der Natur erklärt
werden

/ ≥ Von den Veränderungen die noch beständig in Ansehung unsers Erdkörpers fortdauren

/In den hohen Gegenden der Pyrenaeen lößt sich allmählig der Granit auf,
und es fallen alsdenn ganze Schutthaufen von verwittertem Granit herunter, die
große Lasten hievon in den Thälern zeigen wie viel die Berge schon verlohren haben
und man kan vermuthen, daß der andre Granit auch endlich so aufgelößt werden wird, so
daß endlich die Granitberge ganz aufhören werden. Man hat geglaubt daß die Sandwüsten
solcher verwitterten Granit von vormaligen da befindlichen Bergen enthielten, indeßen ist dieser Sand
doch sehr von dem Granit unterschieden. Diesem ist nahe verwandt die Würkung
des Regens, erstres war eine Würkung vom Wechsel der Kälte<1> und <2 Trokenheit> Naße<4> und Wärme<3> Der
Regen schwemmt nehmlich von den Bergen immer mehr Erde weg, (in Ansehung der Felsen kan
er wenig ausrichten) von da es in die Thäler oder auch in das Bette der Ströme ge- 

/ bracht ~

/|P_57R

/δZ_01

/Zugleich ist hiebey Eulers Theorie zu bemerken, der aus der Beobach-
tung daß die Sonne immer einen kleinern Winkel mit dem aequator
macht, schließt, der Winkel werde endlich so klein seyn, daß bey uns
Tag und Nacht immer gleich seyn wird und die Wärme auch gleichen wird der
vom 21ten Märtz, diese ist aber %nicht hinreichend Gras zu treiben, folglich
würden sich gleichfals alle Menschen nach dem Aequator drängen, welche
denn über 100.000 Iahr ganz vergehen würde. ~

/|P_58

/bracht wird, indeßen werden wir doch %nicht @nur@, daß die Höhe abgenommen
habe, und es ist hiebey merkwürdig, daß diese Verändrungen entweder sehr langsam
vorgehen oder auf eine uns unbekante Art ersezt werden müßen, denn wir finden
noch die Hügel an denen in den ältesten Zeiten, zE beym Homer gedacht wird,
der uns nehmlich die Lage von Troja ganz genau so beschreibt, daß man sie jezt
noch eben so finden kan. Im Königreich Casan und Astracan sieht man viele
Vestungen die noch die Tartarn erbaut haben, und welche die ErdWälle
die mit Rasen bedekt sind, sich recht sehr gut conservirt haben, da doch
von einem eben so abschießenden Wall viel Erde herunter gespült wird, indeßen muß
es <doch wohl> die vegetation ersetzen. Winde können daßelbe thun was der Regen und können
manche Gegenden stark betreffen, aber dies ist doch %nicht so allgemein. - 
Wir sehen zuweilen alte Schlößer die versunken sind zE die Maria_rotun-
da in Rom, in welcher man nach einer alten Beschreibung zuvor einige Stu-
fen h«in»erauf, jezt aber herunter steigen muß, es scheint sich also gesenkt
zu haben, das es doch aber %nicht ist, sondern das Erdreich ist nur erhöht, wäre das Ge-
bäude selbst gesunken, so müßte es Riße bekommen haben, weil ein Theil des
Gebäudes von einer stärkern Last gedrüket wird, als das andre. - 

/Die Veränderung durch feyerspeyende Berge ist auch an einigen Orten sehr wichtig
indeßen doch nur blos local. Merkwürdiger ist die Veränderung durch Flüße
oder Ströme, diese bekommen ihr Waßer von Regen und Schnee und gebens dem Meer
dieses dunstet wieder aus und giebt dem Regen p folglich ist dies in beständiger
Circulation. In alten Zeiten müßen diese Ströme erstaunlich viel @Teiche@ ge-
macht haben, welches man noch an einigen Ueberbleibseln sieht, die sie
aber endlich durch ihren eigenen Schlamm wieder ausgefüllt haben. Ieztiger Zeit
erhöhen die Flüße das Land gröstentheils bey ihren Ausflüßen und bringen das
Land etwas <Seewärts> @ein@. Wiewohl auch diese Veränderungen %nicht von großem Umfang sind,
daher gehen wir jezt zu den ≥ allmähligen Veränderungen unsers Landes durch den
Stand des Meers, ≤ welches einen sehr großen Einfluß hat. Es giebt <hierüber> 2 oder eigentlich

/ 3

/|P_59

/3 Theorien, wovon die erste sehr wenige Vertheydiger hat.

/Nehmlich man behauptet hierin, daß das Meer continuirlich steige und die
Fläche des Landes vermindere, dieses findet aber im großen genommen
gar nicht statt, ein eifriger Vertheydiger dieser Theorie bewieß es daraus, daß
in Ravenna eine Kirche ist die der große Theodosius gebaut hat, zur Zeit
der Fluth des adriatischen Meeres steht jezt immer der Fußboden unter Waßer, wie
sie gebaut wurde aber sagt er, muß doch das Meer noch %nicht so hoch gestanden
haben, 2) auf dem St_Marcus_Plaz in Venedig steht der St_Marcus_Pallast,
der eine marmorne Bank hat von der man in die Gondeln steigen kan,
zur Zeit der Fluth ist aber jezt diese Bank %nicht zu brauchen, weil sie
mit Waßer bedekt ist, welches doch %nicht statt gefunden haben muß wie sie
gebaut ist, das Meer muß doch folglich höher gestiegen seyn, und wenn
eins steigt so steigt auch das andre. In andern Ländern aber beweißt
die Erfahrung gerade das Gegentheil, (außer an Holland wo die See
auch immer beträchtlich höher steigt). Nimmt man nun an, sagen einige
daß das Land sinkt, so müßten ja alsdenn die Gebäude Riße bekommen.
Hierin aber irren sie sich sehr, alsdenn nur bekommen sie Riße wenn der Grund
allein sinkt der belastiget und zwar ungleich belastiget ist, weil es sich als-
denn %nicht egal senken kan, sinkt aber ein Boden aus Mangel der Feuchtig-
keit wenn er ausgetroknet ist, so kan er ganz gleich sinken, dieser Fall
findet bey Holland statt, die um Land zu gewinnen ihr Land immer auszu-
troknen «¿¿¿»suchen, derselbe Fall ist auch mit der Kirche des Theodosius in
Ravenna am Po. - Die 2te Meynung ist daß das Meer immer nie-
driger werde und das Land zunehme. Prof. Zelsius [[Celsius]] zu Upsal in
Schweden ist Urheber dieser Meynung und sie hat auch viel Anhänger gefunden.
Seinen Beweisgrund nimmt er daher: Nordwärts von Stokholm liegt
eine ziemliche Handelstadt Gaefel außer dieser Stadt sind einige Felsen, die man
die Seehundssteine nennt, weil diese hierauf kletterten um sich zu sonnen, oder
auch zu begatten, und die man deswegen an Iagdlustige verpachtete. Als er nun

/ anno etliche 30

/|P_60

/anno etliche 30 dahin kan und sich die Stadtbücher «st»zeigen ließ, fand er
daß einer in einer Zeit von anderthalb hundert Iahren gar merklich übers Wa-
ßer hervorgekommen war, denn er war jezt so hoch, daß die Seehunde
%nicht mehr hinauf konten, und die Steine deswegen auch %nicht mehr vermiethet
werden konnten. Linnaeus der diese Meynung gleich adoptirte fü«g»hrte noch eine
andre Beobachtung zum Beweiß an: auf der Insel Gottland wo eine
Menge Strandrüken sind, fand er nehmlich vom Ufer bis an die Höhe
des Landes von 70 %Fuß über den Seestrand noch viele verschiedene Strand-
rüken, die die Zeiten, wo die See diese Strandrüken gemacht hatten, unter-
schieden, und so hat man noch viele andre Beweisthümer (man muß aber
nur solche anführen die von neuerer Zeit sind, weil man es sonst auf die allge-
meine revolution schieben könte) An den Küsten von Tyrus sieht man Bas-
seins in welche man Waßer hineinließ, sie drauf zumachte und das Salz
samlete, jezt aber stehen jene basseins so hoch daß das Waßer sie nicht
erreichen kan, erzehlt Buffon. Der Staatsrath Miller [[Müller]] in Rusland
führt an, daß man eine Meile vom Ufer des Eismeers gestrandete Fahr-
zeuge findet. Der Bischof Probal [[Browallius]] von Abo in Schweden rechnet aus daß das
Waßer in 100 Iahren 9 Zoll fallen müße, indeßen ist es sehr problematisch ob
es noch jezt continuirt sich zurükziehe. - Wir fragen jezt: von welchen Verän-
derungen sehen wir noch Spuren daß sie sich einmahl müßen zugetragen haben.
Es sind keine Länder in der ganzen Welt wo man %nicht Spuren findet daß
da einmahl die See gestanden hat, die Beweisthümer hievon sind See-
produkte %nämlich Muschelsaalen, petrefacten von Meerthieren oder versteinerte
Stacheln von Meerigeln, vom Meerstern, von diesen Schaalen findet man die ori-
ginale in dem Meer, außer der Amonshura die man nirgends in der
Natur findet, noch andre Beweisthümer sind die versteinerten Theile von

/ Fischen

/|P_61

/Fischen, zE die Zähne vom Heyfisch, wenn man in Malta gräbt findet
man eine erstaunende Menge von diesen Zähnen. In der Schweiz findet
man in einer gewißen Höhe von 5.000 %Fuß in einer gewißen Gegend Lö-
cher, die eine Gattung Bohrmuscheln, die man Phaladen nennt, und die
auf der Meersfläche schwimmen, gemacht haben, welche man noch selbst in
einigen derselben findet, um solche große Löcher zu bohren gehören aber viele
Iahre, worauf eine große revolution vorgegangen seyn muß, daß das
Waßer in seinen jetzigen Stand gesunken, welches man daraus sieht, daß
diese Löcher hernach im Abschuße des Berges fehlen.

/ ≥ Von der Structur der Erde. ≤ Auf unsrer Erde unterscheidet man zuvörderst
die Gebürge, diese werden in Grundgebürge <eingetheilt>, welches Granit ist, und
diese enthalten Feldspat, «¿¿»Quar«ts»z und Glimmer, und aufgesezte Gebürge, diese
heißen so weil sie zu ihrem Lager immer Granit haben, das wahre
eigentliche Grundgebürge ist aber der Quar«ts»z. In solchen «zu»auf¥
«¿¿¿»gesezten Gebürgen finden wir zuerst Granit, darauf Hornschiefer
alsdenn eine Kalkart, diese gehören zum Hauptgebürge und ursprünglichen
Gebürge, wiewohl das eigentliche Grundgebürge der Granit ist.
Im Quarz findet man eigentlich keine Metalle, aber da wo
der Hornschiefer auf den Quarz oder der ursprüngliche Kalk auf dem
Hornschiefer liegt, in denen Zwischenräumen findet man die Metalle.
Hier müßen zuerst Kluften gewesen seyn, wo das Waßer mit den Mineralien
hereingefloßen, und worin leztes endlich erstart ist, «s»diese heißen Gang-
gebürge. Auf diesen Gebürgen setzen wieder Flötzgebürge, die Gra-
nitgebürge haben gar keine Schichten, die Flötzgebürge aber haben solche
Schichten, die man Flötz und ihre Dike, Mächtigkeit in der Bergsprache
nent, und diese Schichten behalten ihre selbige Mächtigkeit ganze Meilen
weit. Alle Hauptgebürge sind von solchen Flötzgebürgen gemein-
hin umgeben, auf welche wieder die Flötzschichten des Landes aufgesezt sind

/|P_62

/Es ist besonders daß wir jezt die Spuren der Bewohner des warmen Landes
in kalten Erdstrichen finden zE in Siberien <in der Erde am Ufer des Eismeers> finden wir Knochen von Ele-
phanten <auch> an der Wolga, und das meiste in Nordamerika, und in
Siberien sind sie so häufig daß mit den Zähnen ordentlich Handel
treiben. Auch findet man da Geribbe vom Rhinoceros, und auch @andre@
Thiere findet man mit ihren Geribbe die unsrem Clima eigen sind im inwen-
digen der Erde. Vermuthlich ist im Anfange der Erde so viele elastische
Materie durch emulsionen herausgekommen, daß vieleicht die Erde 3_mahl
höher gewesen ist, wie jezt, alsdenn kan keine Nacht seyn sondern diese
gänzlich erleichtet gewesen seyn, wenn nun aber im inwendigen der
Erde die Dämpfe aufgehört und sich das Feuer abgekühlt hat, so gingen
die Dämpfe wieder in die Erde. Vorher ists aber am aequator
so wie als am Pohl gewesen denn die <Erde> hatte eine natürliche Wärme
und die Sonne konnte wegen der hohen Atmosphaere %nicht @wirken@
sondern diente blos zur Erleuchtung, sobald aber die Dämpfe
in die Erde zurükgingen, so wurde die Amosphaere hell und die
Sonne konte jezt durch ihr Licht eine Wärme hervorbringen, und es ent-
stand ein Unterschied der Climaten, die Thiere die man in warmen
Ländern gewohnt war, crepirten jezt in den kalten. - Bey den
Brüchen der Steinkohlen findet man Abdrüke von Pflanzen daß man @sieht@
sie wären über ein «mit» gewächsartiges Land erzeugt worden
Der Grund hievon ist in den Torfmohren zu suchen die rundherum Gras-
moore haben und sich allmählig erhöhen, in der Mitte samlet sich das
Waßer, welches eine «¿¿»pechartige Materie ist, die aus verfaulten Pflanzen ent-
sprungen ist, da @einmahl \ niemahl@ in dies¿¿ @%seculo@ ein solche«s»r Moor ausr¿¿¿
so überschwomm er alles, und gab einen herrlichen Torf, vieleicht daß es hiemit auch

/ so

/|P_63 δschmutzig / {Adickes 1911a, S. 145f. Anm.}

/so zugegangen ist. Die berühmtesten mineralogen sagen, daß alle
@Thonerden@ aus den Pflanzen und alle Kreyde aus dem Thierreich
herrühre, und daß das blos Corallenbänke gewesen seyn. - (KalkErden
und Mergelerden werden von Thonerden dadurch unterschieden, daß wenn man sie
ins Waßer wirft, aufbrechen). Man findet zuweilen ganze Wälder unter
der Erde @hin zE@ δSchmutz geht eins von Liefland bis nach Lüneburg, die alle
von Nordwesten nach Südosten liegen, von wo entweder ein Sturm oder die
See gekommen seyn muß. Wenn man einen Morast abläßt,
findet man δSchmutz zuweilen unten Wälder, überhaupt ist die Natur
der Moräste δSchmutz noch %nicht genau auseinander gesezt. *1 In Schweden
findet man die sogenanten Riesentöpfe, nehmlich große Löcher worin
unten ein Stein liegt der %nicht sonderlich ekigt ist, frägt sich woher sind
diese entstanden? Man findet zuweilen auf Bergen Steine von ganz
andrer Art als der Berg ist, und es scheint daß vor alters die Berge
%nicht so durch Einschnitte abgetheilt gewesen sind, sondern sie sind erst durch das
@Einflüßen \ Abflüßen@ der Gewäßer entstanden, und da kan ein solches Stük @früher \ herunter@
gekullert und irgendwo liegen geblieben seyn. Man nennt in der
Bergsprache alle @Steine@ die von einem Berg ins Thal fallen Geschiebe
und so können alle unsre Feldsteine Geschiebe vom carpatischen
Gebürge seyn, und @so@ kan auch der Stein im Riesentopf durch das Waßer
immer hin und her @geschoben \ geschüttelt@ seyn, wo <er> @sich@ denn in langer Zeit so tief
eingegraben hat. @Zuweilen@ findet man lebendige Frosche oder
Kröten im Sand oder Marmorsteinen, die wenn man sie drükt
weiter springt. Zu Florenz soll ein «Stük» <Bergcrystal> seyn, wo ein Tropfen Waßer
@drin@ ist und ein noch lebendes Insect, ob man aber gleich mit Augen
keinen Riß entdeken kann, so δSchmutz es doch seyn, @d¿¿ wenn@ man einen solchen Tropfen
erhalten will, man den Bergcrystall immer im Waßer liegen haben muß
indem er doch sonst ausdünsten muß. Und da die Speisen blos
zum Ersaz des Abgangs @dienen@ die Kröten aber %nichts verlieren konten ~

/|P_63R

/*1 ihre Basis ist immer Sand, worauf denn Nadelholz
gestanden hat ~

/|P_64

/durch Ausdünstung so behielten sie «s¿¿»immer dieselbe @Struktur@ δLäsion

/ ≥ Von den Schiffen und der Schiffahrt. ≤ Daß die Menschen sehr früh
darauf verfallen ist leicht zu vermuthen, weil sie Holz p
@schwimmen@ sahen. Die Maschinen womit man etwas «v»fortbringt, sind
entweder Flöße oder Kähne und Schiffe, die größten Flöße
sind in China, welches ganze schwimmende Dörfer sind. Die Engellän-
der nennen einen Cahn das der Wilde aus einem Stam ausgehauen hat ohne
Mast einen canoes, und hat einen Mast, piroge, die Wilden da sie kein
Eisen haben höhlen einen solchen Stamm blos durch Feuer aus, es geht aber
so langsam zu daß wenn er an dem einen Ende noch arbeitet, das
andre schon zu faulen anfängt. Die genehte Schiffe brauchte
man in alten Zeiten stark und man sieht sie auch noch, es sind nehmlich
die Bretter vom Bast der Cokosnuß zusammen verbunden und hernach
mit Harz bezogen. Die alten Egypter hatten Körbe von <Schilf> Papyrus
geflochten womit sie aus der Mündung des Nils bis in
die schwarze See fahren konten. Die Grönländer haben ein Fahrzeug
der Cajak der über und über mit Seehundsfell überzogen ist, wo aber
der Fahrende sich in einen Sak sezt und den befestiget, damit weil so ein
Cahn leicht umfält er sich gleich wieder in die Höhe schwingen kan
Das Weiberboot derselben aber ist offen und diese haben besondre Geräthe
dazu. Bey kleinen Kahnen ists «f»vorne spitzer, bey großen aber ist das
Vordertheil breiter als es nach hinten zu geht. Eine Last bedeutet in
Engelland 2 Tonnen, oder 2.000 %Pfund, ein Schiff kan nach Valenius [[Varenius]]
soviel tragen als die Hälfte von dem Gewichte des Waßers das das
Schiff faßen könte. Ein Cubik_fuß süß Waßer wiegt @85@ %Pfund
salziges Waßer aber mehr, folglich kan mans ausrechnen wie hoch
es kan befrachtet werden. Die jetzigen Ostindien_fahrer @fahren@ @höchstens@
800 Last, da <sie> vor alters gar 1.200 Last geführt haben

/|P_65

/Derjenige der das Schiff staupt d. h. es beladet, muß gewiße
Regeln bey seinem Paken beobachten und Achtung geben ob er schwehre
oder leichte Sachen lade, das Centrum der Schwehre muß recht in
der Mitte seyn, denn sonst schlägts um. - 

/ ≥ Von der Kunst ein Schiff zu führen. ≤ Was die Kunst zur See zu reisen betrift
so kan man entweder neben dem Winde, wenn der Wind zur
Seite ist oder mit dem Winde segeln. @Man@ hält fast für beßer
neben dem Wind als mit dem Winde zu segeln weil alsden alle Segel
konen @gesest \ gehißt@ werden und das Schiff den Wind %nicht flieht. Indeßen
hat daß neben dem Winde gehen Ungemächlichkeiten nehmlich die Abdrift
daß er von seiner Bahn etwas abgeht, welches der Schiffer bemerken
kan, wenn er auf den Weg des Schiffs sieht, der Seefahrer muß
Kentniße der verschiedenen Meere, Gegenden und Theile der Meere haben,
er muß besondere Carten haben worauf die verschiedenen Tiefen des
Meeres, die Beschaffenheit des Bodens der See <einen Anker_Grund zu finden>, die Prospecte
der Küsten gezeichnet seyn müßen. Er muß auch die Seeströme in
seiner Bahn finden und wenn @ehr@ sie zu herrschen pflegen. Die Weltgegenden
muß er gut kennen, welche er zur Nachtzeit nach dem Compas finden
muß, da dieser aber in gewißen Gegenden eine Abweichung hat so muß er diese
abrechnen. Will er aus St_Salvator nach Brasilien so muß er den
Rum wißen, d. i. eine <continuirliche> Windstille <muß er abpaßen> durch die er endlich doch dahin kann,
man nennt diesen Weg auf lateinisch Loxodromie. Er muß
die Länge und Breite des Orts finden wo er ist, wodurch er die Entfernung
von Norden Süden Osten und Westen findet, die Breite läßt sich leicht finden
am Mittag, da er durch einen quadranten sieht, wenn die Sonne immer
hoher komt, bis wenn sie wieder abnimt, alsdenn kan er leicht die
Entfernung «des»vom aequator finden, und im Winter kan er es durch Beo-
bachtung der Sterne auch leicht erfahren. Aber die Länge zu
erfahren ist schwerer, denn es giebt da keine Veränderung am Himmel zu
bemerken. Das kurzeste wie eine richtige Schiffsuhr, die so zu

/|P_66

/Schiff geht als die perpendical Uhr zu Land Har-
risson
glaubt eine erfunden zu haben. Man hat aber noch keine
Erfindung so nüzlich gefunden, als Meyers Monds_tabellen
weil er der Erde sehr nahe ist, so sind auch seine kleinste Veränderungen
merklich. Man findet darin er wäre gesehen worden, wenn man in
London geblieben wäre und wie man ihn jezt sieht und kan
darnach es leicht ausrechnen. Eine 3te Methode ist die Verfin-
sterung der Iupiters Trabanten, welche subtile %Observation sich
aber auf dem Schiff %nicht machen läßt. Den Weg zu meßen
braucht der Schiffer des Loks ein δDreieck wo unten ein Bley ist
und oben eine Schnur ist die mit Knopfen versehen ist das @Lokbley@
oben und wie das Schiff fährt so muß die Schnur immer ablaufen
zugleich hat man eine Sanduhr die in einer 1/2 %Minute umlauft und
zählt nur die Knoten, und sieht auf die Uhr und wenn sie aus
ist, dreht er sie geschwind um, alsdenn kann er leicht ausrechnen wie-
viel er in @24@ %.Stunden zurüklegt, wiewohl dieses wegen der Seeströme
mißlich ist. Er muß auch seine Seeequipage gut einrichten, wegen
des Scorbuts. Fährt man zurük um die Erde <von Westen nach Osten> so hat man
einen Tag verlohren, man rechnet noch Donnerstag, wenn in
London Freytag ist. Dies geschieht, weil im Westen ¿¿¿ 15
Grad der Sonne 1 %.Stunde später komt, bin ich 24 mahl
15 %Grad durchgefahren so habe ich die Erde umfahren und habe bey
jedem 1 %Stunde verlohren dies macht einen ganzen Tag.

/ ≥ Von den Thiergattungen. ≤ Es giebt eine Gattung organischer Geschöpfe
die Thiere und Pflanzen seyn, sie würden eine Gattung seyn, wenn sie
aus einem einzigen Stamm entsprungen seyn, und verschieden wenn sie aus
verschiedenen Stämmen herrühren. Das Wort Gattung wird im logischen Verstande
genommen da bedeuts «¿¿»blos auf die Aehnlichkeit, und <in> der physischen Gattung

/|P_67

/wird auf ihre Abstammung gesehen, im systema naturae ist %nicht auf
ihre Abstammung zu sehen sondern blos auf ihre Aehnlichkeit wie man sie
unter gewiße Claßen bringen kan. Wir nennen Dinge verwandt, wenn
sie aus einem Stamm haben entspringen können, konnten sie %nicht aus einem Stamm
entspringen so sind sie %nicht verwandt sondern sind 2 Naturgeschöpfe. Man frägt
sich ist der Mensch mit irgend einer Thierart auf der Welt verwandt
Linnaeus sagt er hätte %nichts dem Menschen ähnliches finden können als die Affen
daher er auch eine Gattung hievon homo nocturnus nennt, allein da neue
specifische Beobachter
dies beßer untersucht haben so finden sich in den Affen
ganz besondere Organen folglich gehören <sie> %nicht zu dieser und wenn %nicht zu dieser zu
keiner Thiergattung. Unter den Menschen sehen wir doch aber auch besondre
Menschengattungen zb den Schwarzen, wenn ein andrer sagt es wären nur Menschenarten
so dächte er %nichts anderes, denn verschiedene Arten laßen sich %nicht von einer «physischen»
Gattung im physischen Verstande unterscheiden, im logischen findet diese Eintheilung
nur «noch» <blos> statt. Am besten werden wir sie Menschenracen nennen. Die race ist
die Bildungsart die zu der Gattung %nicht nothwendig gehört, aber doch wo
sie angetroffen wird, nothwendigerweise anerbt, sie gehören alle in
eine physische Gattung nur sie haben doch erbliche Verschiedenheiten.
Es sind sehr vielerley characteristische Bestimmungen der Menschen <oder ganzer familien> die auch wohl
erblich sind, aber diese machen doch keine race aus, denn sie erben %nicht noth-
wendiger Weise an, die characteristische Bestimmungen der Menschen die anarten
aber %nicht nothwendiger Weise varietaeten. Was Farbe betrift sind nur 4 racen,
die Race der Weißen, die Raße der Schwarzen, Indianer, die Race der
gelblichen Indianer, und die Race der röthlichen Americaner, daß dies
Racen sind zeigt sich daraus, daß wenn diese Racen vermischt werden das
Kind immer <nothwendig> ein Halbschlag ist. Man unterscheidet daher auch in Ostindien
die gelblichen Mestizen welches ein Bastart von einem Indianer und Europaeer
ist, begatt man einen europaeer mit einem rothen Americaner so komt
da ein röthlicher Mestize heraus. Es giebt aber auch noch eine Gattung
Menschen die in der Bildung obgleich in der Farbe %nicht verschieden sind, nehmlich
die Calmuken, ob man die auch zur besondern race zehlen soll, werden wir hernach

/ erwehnen

/|P_68

/erwehnen. Und diese Racen trift man auf einem Haufen in einer besondern
Gegend an, und %nicht in allerley Gegenden herum. Der Name Calmuke
soll eigentlich ein Schimpfnahme seyn, sie nennen sich selbst Oehl¿¿¿
und darunter sind verschiedene Stämme. Ihre Bildung unterscheidet
sich in nichts von den Mungalen als daß sie einen Grad gemildert
ist. Das characteristische von ihnen ist das bartlose Kinn, ihr
Gesicht ist eine besondre Bildung, der Bakenknochen steht hoch hervor
die Augen sind langgeschnitten und wenig aufgethan, die
Nasen wenig erhaben. Pallas sagt wenn ein Europaeer eine
Kalmukin nimmt so zeugt er schon in der 1sten generation
recht hübsche Kinder, daraus wäre doch zu schließen, daß es keine
rechte Menschenrace sey, weil doch sonst das calmukische Geschicht
nur etwas gemildert seyn müßte, und @ich@ glaube auch daß @er@
dies hübsche nur comparativ in Ansehung der andern Calmu-
ken versteht, indeßen da die Haut blos die Menschenrace @anzeigt@
weil sie eine besondre Absonderung der Säfte @beweist@, und dieses bey den
Calmuken %nicht statt findet so ist zu zweifeln daß es eine besondre Menschenrace
sey - In den philipinischen Inseln und auch auf andren in der Südsee
fandt man [[Forrester]] die Pacuas die sich doch von den Negern dadurch unterscheiden
daß sie einen puschichten Bart haben man kan sie Kaffern nennen, die
ganze Ostküste von Africa enthält solche Leute diese varietaet ist
den racen ziemlich ähnlich. Beschreibt ein Schriftsteller die Farbe so
beurtheilt er sie darnach wie sie an der Luft herum laufen, und %nicht
wie sie ihnen angebohren ist, welches leztere ich doch eigentlich
gern wüste, und dies kan ich «¿¿»von dem erfahren der sich in einem Lande
aufhält, wo ihnen die Sonne gar keine Farbe einbrennt.

/ ≥ Von den Negern. ≤ Wenn ein Negerkind geboren ist, so ists roth aber
um den Nabel und die Zeugungsglieder hats eine schwarze @Rohte@, welche

/|P_69

/Schwärze sich in 8 Tagen endlich ganz verbreitet. Das malpigische
Nez enthält nehmlich diese Schwärze. Ist ein Neger krank gewesen
so bleicht er etwas aus, stirbt er aber so wird <er> nach dem Tode
noch schwarze. Begattet sich eine Negerin mit einem Weißen so wird
in der 1sten generation ein Mulatte und in der 6ten generation wieder
weiß. Die Farbe dieser Neger ände«t»rt sich in keinem Lande.
Kommen Europaeer dahin und verheyrathen sich mit Weißen so
bleiben sie beständig weiß. Die Creolen oder Abkömlinge der
Weißen in Indien sehen @also@ so blas aus als wenn sie von einem
hitzigen Fieber revalescirt werden, es ist ihnen aber %nicht erblich. Mischen
sich ein Schwarzer mit einem rothen Americaner so entsteht daraus
der Ka«¿¿¿»boagel welches sehr starke Leute sind. Zuweilen zeigen
2 Schwarze einen Weißen der aber ganz blaß <wie ein Toder> ist und Albineas heist die
besondre Bildung haben, <@fehlende Haare@ «¿¿¿ ¿¿¿ blaße Augen»> zE rothe Augen. Daher sie auch %nicht in der Dämmerung
sehen könen weil ihnen das pigment fehlt und also nur die feinen Adern, im
Tage das Licht zu sehr ausbreiten so daß sie %nichts sehen können, so wie
es im Gegentheil unter den Rußen viele Hünerblinde giebt die
in der Dämmerung schon %nichts sehen können weil ihre Augen durch den Glanz
des Schnees schon verdorben sind. - Der Neger hat immer einen wiederlichen
Geruch der ganz besonders in seiner Organisation liegt, ferner verbreitet
sich immer über seine Haut ein gewißes Oehl das einen Glanz giebt. Priestley
und andre haben bemerkt daß das Blut viel phlogiston enthalte und die Lunge
dazu diene das Uebermaaß hievon wegzuschaffen, die Farbe
des Negers ist also %nichts als Wirkung hievon daß das Blut unter die
Haut komt und durch die Ausdünstung wegzuschaffen. - Die kupfer-
rothe Farbe der Americaner scheint auch her<zu>rühren, daß der menschliche Athem
auch viele fixe Luft enthält, welche sich allem Vermuthen nach aus dem Blut
absondert, folglich da diese an mehresten von vegetabilien leben oder gelebt
haben enthalten eine Menge fixer Luft die sich zu befreyen sucht auch

/ durch ~

/|P_69R

/δZ_14

/Die Holländer nennen sie Kakkanac
von einem so genannten Insect ~

/|P_70

/durch die Ausdünstung vermengt sich diese fixe Luft mit den EisenTheilen
im Blut so entspringt daraus die Eisen_rostfarbe. - Es
frägt sich; von welcher Farbe ist denn der erste Mensch gewesen Einige
haben gemeint, die weiße Farbe wäre die ursprüngliche und zu allen
andern Farben <auszuarten> geschikteste. Viele nehmen an es müßte mehr wie ein Menschenpaar
gewesen seyn, indeßen <denn> läßt sich %nicht erklären wie <@aus@> verschiedenen Stämmen
die Zeugungs«glieder»<kräfte> zusammenpaßen, welches aber nothwendig ist
wenn sie sich von einem Stamme herschreiben, es läßt sich daher am besten
einsehen, wenn wir von jedem nur einen Stamm annehmen. Im Anfang enthält
also jeder Stamm gewiße Keime die hernach entwikelt werden, welches
jezt aber %nicht mehr angeht, sondern jezt wäre eine gewiße Beharrlichkeit
in den Racen. Wir haben nur 4 Racen weil es eigentlich auch nur
soviel Climas giebt, in «¿¿¿»Africa ist große Hitze und Feuchtigkeit
in «¿¿¿»Indien ist große trokene Hitze, die feuchte Kälte verursachte
den Bau der Weißen und blonden, und die rothen Americaner @stammen@
von einer kalten und troknen Luft. Die Americaner scheinen ursprünglich Mun-
galen zu seyn wegen des bartlosen Kins die hernach in ein ander Clima
versezt sind. Die Muraewen sind ein Stamm von Calmuken die eigentlich
von Viehzucht leben, haben das besondre daß sie so erstaunlich leicht sind,
welches man dem zuschreibt daß sie blos von Fleisch leben, welches %nicht viel
nahrhaften Schleim giebt, folglich müßen ihre Theile lokrer substanz seyn.
Bey den Chinesen ragen die untern Kinnbaken über die obern hervor,
woher sie mit Schwürigkeit gewiße Buchstaben aussprechen können. Auf
der Insel Molliporo waren die Einwohner alle mit einem spitzen Kopfe versehen. - 
Es giebt verschiedene Künsteleyen wodurch sich der Mensch von den
Thieren unterscheiden will zE manche punktiren ihre Haut zE auf Neu-
seeland und den übrigen societäts_Inseln. <Bey> den Tongusen im rußischen
Siberien am Lena_Strom, nähen die Mütter ihre @Söhne@ mit Zwirn
aus, weil dies sonst ein Ehrenzeichen der Helden war. Die Bewohner der

/|P_71

/Inseln zwischen Camschatka machen sich sogar Löcher im Unterkinbaken
und steken dadurch einen Knochen in die sie sich Stifte machen, das also
wie Hauer herausstekt. Ein großer Theil der Indianer schneiden sich den
Knorpel aus den Ohren aus und steken Bambusblätter hinein daß sie erweitert
werden worauf sie Glas Metalle und alles was sie @nur@ haben heranhängen,
so daß sie ihnen zuweilen bis auf die Schultern reichen. Unter allem ist
aber das ärgste das Plattdrüken der Leiber bey den Caraiben,
die ihren Kinder die Stirne ganz «¿»platt drüken so daß der untre
Theil über den obern herauswächst, andre machen den Kopf kugel-
form andre spiz, diesem komt sehr ähnlich die Quall der chineser
bey den Frauenzimmer_Füßen <daher sie kaum in der Stube gehen können>. Vorzeiten castrirten die Hottentotten @zu¿¿ auch@
häufig ihre Iungen <und machen mono¿¿¿>, weil sie eine große Furcht haben Zwillinge zu erzeigen
welcher Vorsaz ihnen aber auch oft fehl schlägt. In Ansehung der Zähne
legen sie sich bey Sumatra in Gold und in Tunquin beizen sie
sie schwarz. In Indien sind Frauenzimmer die Bajadeter heißen
und Tänzerinnen, oder LustSchwestern sind, welche in einem der Nasen¥
Flugel einen Ring, die Nägel färben sie roth und die Lippen blau.
In Brasilien machen sie sich ein Loch in obern Kinbaken, und faßen sich
da einen blauen Stein ein. Die @Armen@ machen sich ein Loch durch die Nase¥
Scheidewand worin sie ein Stükchen Holz steken. - Bey einigen Völkern
zE in NeuHolland, leben sie %nicht einmahl familienweise zusammen
und dies sind wahre Wilde. <Unter> denen aber <die> familienweise leben sind der
roheste Schlag die Iäger, die gewöhnlich gleich das Blut und den Mark
aus den Knochen saugen zE die Tungousen, darauf folgt die Lebensart
eines Pflanzers. - In Ansehung der Wohnungen leben einige Menschen
so daß sie gar keine haben sondern sich welche machen wo sie hinkommen
wie der Neuholländer, andre schlagen sich durch Holz eine gewiße Hütte
zusammen zE die Einwohner von Terra_del_Fuego, da sie doch

/|P_72

/aber im kalten Clima sind so machen sie sich Dach und eine @Sommer \ Sonnen@laube
daß sie also blos für den Regen etwas sicher sind. Der Tun-
guse verfährt hiebey schon etwas künstlicher @der@ kleine <Birken>Bäume
in Wälder fällt, die Weiber schälen die Rinde ab und nähen sie
zusammen, darauf stallt er die Stangen zusammen, die oben in der Mitte
zum Loch hinausgehen und sie«ch» mit der Rinde bedeken. Einige machen sich in
der Erde Häuser, die man in Egypten Troglodyten nante, in
Malta findet man auch noch solche Häuser wo aber doch die Dächer
über die Erde sind. Die Camschadalen haben 2 Häuser übereinander, unten
das Winter und oben das Sommerhaus haben. Einige wohnen auf Bäumen und
gemeiniglich in solchen Gegenden die oft überschwemmt werden. - Ihr
Bett ist immer ziemlich gut nehmlich eine ordentliche Hangmatte. Die Sceni-
ten sind Hüttenbewohner, und die Nomaden Hirtenvölker wohnen in Zelten
welches die Araber und Mungalen sind, erstre haben ihre Zelter von
Schaffwolle leztre aus Filz, welches doch auch Schaffwolle ist, diese
Filzzelte müßen schon in alten Zeiten gewesen seyn denn Herodot redet schon
davon. Die Araber als Nomaden betrachtet heißen Beduinen. - 

/Ihre Nahrung ist gemeiniglich Wurzeln wozu sie auch die Iagd treiben
denn, Baumfrüchte. Auf Sumatra wird der SagoBaum auch ein @seifenbaum@
angetroffen er hat einen Mark und führt einen Schleim bey sich wenn man
es @stamt@ so entsteht eine Art von Kuchen der wenn er gekörnt ist
Sagogrütze heist. Im @Marocanischen@ soll auch eine Art von Eicheln
wachsen die recht wohl können gegeßen werden. Auch die Brodtfrucht
gehört hirunter sie wird auf der Halbinsel dießeit des Ganges gefunden alle
die Früchte werden %nicht reif, in den Societaets und FreundschaftsInseln
ist sie aber die Ursache der zahlreichen Menschen, den 6 bis 8 %.Monate
tragen sie diese Früchte und hernach die übrigen 4 %.Monate @säen@ sie diese Frucht
@ein@. Schlechter ist die Nahrung von Muscheln. Die NeuHolländer an

/|P_73

/der Seeküste leben ganz davon. In Californien lesen sie an der Küste
gewiße Beeren zusammen. Einige eßen <auch> Fleisch und manche sind so weit
gekommen, daß sie <es> braten. @Unter@ den Pflanzen ist zu merken der Manjok
Iambs, der türkische Waizen, der kleine Waizen Muga, die Bäume
von der Palmart, die Kartoffeln die aus Peru sind, eine gewiße
Gattung von Flechten, die dem Moos ähnlich und in Island wächst, deren Wur-
zeln sehr viel nahrhaftes enthält und auch in der Medicin gebraucht
wird. Ferner unter den Getraydefrüchten Waizen, Reis. *1 Was ihre Getränke
anbetrift, s«ie»o haben die Americaner ihr Schika, sie kauen Man-
jok_Wurzel und spuken es in einen @Eimer@ mit Waßer als denn gährts und sie
trinkens gleich. Die Calmuken haben Pferdemilch mit etwas Hirse. Der
Palmwein muß gleich am ersten Tag verzehrt werden. Einige Völker haben ein
gewißes Reisbier. Die Corjecken eine %.Nation nordwärts von Camschatka
kaufen um sich zu berauschen von den Russen den Fliegenschwamm, wovon
sie ganz rasend toll werden, die das Geld hiezu %nicht haben trinken den Urin
von denen die die Fliegenschwämme gegeßen haben und werden eben so berauscht. Ebenda-
selbst ist auch der Porsch. Die Türken Perser und wenige in Indien bedienen
sich einer gewißen quantitaet opium. Bank <oder Potsch> ist ein Getränk von ähnlicher
Art welches die verstoßenen Prinzen trinken müßen wodurch sie ganz
dumm werden. - Was die verschiedene Kleidungsarten betrift
so brauchen einige dazu Schilf, andre Papier aus den @Maulber@¥
weiden Unter vegetabilischen Dingen komt die Baumwolle, und die Leinen-
Seide ist auch sehr alt, wozu noch die Haut der Thiere komt.
Was unsre Getreydearten betrift «s»weiß man <noch> %nicht daß sie irgendwo
wild wachsen, denn es sind doch eigentlich Grasarten, und wer weiß ob %nicht
noch einige Grasarten seyn mögen die durch die Cultur zu einer
ordentlichen Getreydeart können gebracht werden. Ehe aber der Ge-
treyde_Bau getrieben worden ist, müßen 2 Thierarten zahm gewesen seyn ~

/|P_73R

/δZ_05

/*1 zu ihren Gewürzen «¿»gehört vorzüglich Salz. In Guinea haben
sie einen röthlichen Pfeffer mit dem sie das ganze Eßen
dik bestrein ~

/|P_74

/<Unter> denjenigen die zahm sind und disciplin annehmen ist das vorzüglichste
der Hund. Indeßen sind diese zahmen Thiere im Verhaltniß der wilden @wieder \ weit@
unterschieden. Indeßen kan man noch mehr Thiere zahm machen als die Anti-
lopen p.

/ ≥ Von den ThierGeschlechtern

/1) das Pferdgeschlecht finden wir am vollkommensten in «d¿¿¿»dürren Wüsten
wo aber doch etwas Gras zu finden ist, diese sind in Arabien, diese Pferde
sind sehr leicht und behend, sehr zahm werden %nicht wild, und den Durst
können sie sehr lange aushalten, daher die Pferde in Arabien sehr theuer sind
Die barbarische Pferde in Algier und Marocco sind %nicht so fein wie die
arabische aber zierlicht. Und durch Mischung der arabischen Pferde und der
barben stammen die englischen Pferde sind sind sehr schnell. Ein englisches
Rennpferd das %nicht außerordentlich schnell ist läuft in 1 %.secunde 62 Fuß.
In Rom sind die Corsan die in 1 %.secunde 52 %Fuß laufen, Es frägt sich giebts
wilde Pferde? in der donschen Steppe giebts solche sie sind alle maus¥
farb und <haben> lange Ohren. Man kan ihnen schwerlich beykommen sie sind so dreist
daß sie an die Pferde der @Cusaren@ kommen und mancher wilde Hengst Stuten
vor sich wegtreibt. Man hat sie gefangen aber es hat «viel Mühe»<niemalen> ge-
lungen sie zu zähmen. In der Mungalischen Steppe sind auch solche Pferde
In Europa möchten wohl die englischen Pferde die besten seyn. In Rom
bedient man sich gerne dänischer Pferde vor die Kutschen die sehr groß
sind. In Island sind kleine ungestalte Pferde die aber zugleich einen sichern Tritt
und guten Geruch haben so daß sie ihren Herrn der sich verirt hat von selbst nach
Hause bringen. Daß die Pferde zu eßen in Europa abgekommen, weiß man
keinen andern Grund als de«r»n Aberglauben. Die Oeländische Pferde sind
sehr klein. Mit dem Pferdegeschlecht verwandt ist der Zebra dieser hat
lange Ohren wie ein Esel das Kreuz aber vom Pferde, es ist kleiner
von Statur und hat Bandstreifen die rund um den Leib gehen da

/|P_75

/her er sehr zierlich aussieht. Es findet sich in Africa, Abyssinien
bis zum Capo. Es begattet sich mit Pferden aber %nicht gerne. Der
Esel ist auch wild in Africa. Solche Thiere in ihrer Wildheit haben große
Behendigkeit. Der Onager wilde Waldesel ist grau und größer wie
der zahme Esel. Dieser zahme Esel ist ein kleines Thier <sehr geduldig> und wird zum Lasttragen
gebraucht, vor zeiten war er bey vielen kein verachtetes Thier. Der Maulesel
ist von einer Pferdestutte und Eselhengst. Nimt man eine Eselstutte und
Pferdehengst so entspringt daraus der Bardeaux der auch zum Last-
tragen gebraucht wird. In Spanien gilt ein Esel zum Lasttragen weit mehr
als ein gut Pferd. Man will finden daß alle Bastarten etwas bösartiges im
innern haben und so auch der Maulesel. Der Maulesel begattet sich %nicht weiter
wiewohl es dann und wann doch geschieht, das Geschlecht hat sich bey ihnen %nicht
recht decidirt. Könnte man aber zwischen Pferde und Rinder_Geschlecht
eine Begattung hervorbringen? Büsching behaupts in seiner %.Geographie von Savoyen
Nach gewißer Zeit hat jemand aus Mayland correspondirt mit jemandem
aus Savoyen der da sagte es wäre %nichts als blos der Bardeaux indeßen
behauptens doch auch neuere Schriftsteller. Von der Pferdehaut macht man
den Chagrins der in Archangel stark von Armenianern ge-
macht wird, der rothe soll vornehmlich sehr kostbahr seyn.

/ ≥ Das Rindergeschlecht. ≤ Man glaubt daß der Aurochs der Originalochs
von allen sey, dieser jezt %nicht mehr in Preussen Nächst den Elephanten
ist dies ohnfehlbahr das stärkste unter allen 4füßigen Thieren. Iezt sind
sie im Grosherzogthum Litthauen und gehen bis nach Siberien. Der
Bisel oder Buffelochs in Africa hat einen Höker wo die Haare
stärker sind. In Canada ist der Bisamochs, welcher %nichts anders als
der Caffersche Büffel ist. Die Hörner des Büffels haben große Aehn-
lichkeit mit Ziegenhörnern <sie> sind ganz flach und Krummhörner, sonst ist
er auch viel stärker. In Ostindien ist aber der Büffel allmäh-
lig gezähmt worden wo er sehr groß wird. @Im@ Capo hat man ihn aber

/ %nicht

/|P_76

/%nicht zahm gemacht. In der Mungaley wird der Büffel mit
dem Seidenschwanz angetroffen welches die Rosschweife waren
deren sich die Turkomanen statt der @Fahnen@ bedienen. Der Elephanten¥
ochs heist so wegen seiner Größe und wird in Abyssinien gefunden
Das Rindvieh hat manchen Nutzen. Die Chesterkäse aus Engeland
die Parmesankäse sind berühmt und denn haben die Schweizer
Käse einen großen Vorzug. Ihr grüner <Schaafsziegen>Käse entsteht wenn sie
in die Milch unsern Melilotus einkneten welches Kraut bey ihnen
Schaafsziegenkraut heist. Aus America kommen die besten Häute die in
Engeland zu Sohlen verarbeitet werden. Aus den Därmen wird eine feine
Haut abgezogen welche die Goldschläger brauchen um zu arbeiten

/ ≥ Das Schaaffgeschlecht. ≤ Diese Thierart ist vermuthlich aus Furcht zahm ge-
worden, das wilde Schaaff ist das Argali der Rußen in Siberien und Muflon
unter den Corsen, erstres erstrekt sich bis nach Camschatka. Das Schaf-
geschlecht in seiner Wildheit hat keine Wolle sondern Haare und komt den Ziegen
sehr ähnlich. Das Argali hat genugsam starke Hörner sich gegen den Wolf
zu wehren. In Guinea hat das Schaf @auch@ Haare. Im zahmen Zustande hat das
Schaaff Wolle bekommen, die spanischen Schaafe sind unter ihnen die beste
worunter die von Segovia die beste ist. Im Sommer sind die %.spanischen Schaafe
in den Gebürgen von Asturien und im Winter kommen sie nach Andalusien
wo die größte Wärme ist. Diese Schaafe marchiren immer die man
der Wolle wegen hält, und diese sind äußerst mager, weil wenn sie durch
defiles gehen nur im vorbeygehen etwas wegreißen können und dies wenige
Futter macht <eben> die feine Wolle. Von der spanischen Race nimt man gern
die Widder und werden in Engeland gut bezahlt. Unter den Schaafen
sind viele Mannigfaltigkeiten die in Island haben zuweilen 3 bis
6 Hörner welche sich alsdenn an der Wurzel getheilt haben, man

/|P_77

/hat auch langschwänzige, dik und breitschwänzige in Turkmenien p

/ ≥ Vom Ziegengeschlecht. ≤ Die Ziegen sind sehr munter. Von dieser Art das Angorische
Bok von einer Stadt in kleinAsien in Natolien nicht weit vom schwarzen Meer
sie haben Haare die 8 Zoll lang sind und natürliche Loken schlagen die ganz weiß
sind, das ist das Cameel_haar welches wir aber hier schon gesponnen bekommen,
eigentlich soll es Cannelhaar heißen weil das Thier dort Cannel heist.
Der Corduan wird aus Ziegen_leder gemacht. Der Safian der seinen Namen
von Safia einem Seehafen in Marocco hat, erfordert besondere praeparaturen,
sie brauchen dazu den Hundemist. - Zum Ziegengeschlecht gehört der
Steinbok der sich nur in den höchsten Gebürgen nahe beym Schnee aufhält daher
er in der Schweiz Tyrol p ist, er hat stärkere Füße und einen sehr sichern
Sprung. Die Gazellen gehören mit zum Ziegengeschlecht wiewohl sie eini-
germaßen von den Gemsen unterschieden sind. Die Hörner der Gazelle sind rund
deren Hörne sollen in spitzen Haken schließen. Der Araber geht auf die Gazellen
Iagd vorzüglich mit gezähmten Leoparden welche vom Katzengeschlecht
sind, die sie alsdenn mit einem Sprung fangen müßen. Der Muschkusbok hat keine
Hörner, und ist so furchtsam daß er @immer@ in einer gewißen Art von Schüchternheit
@frist@, dieser hat eine Nabeltasche worin dieser Saft ist, der so stark ist daß man an-
fangs %durch Riechen sich Nasen_bluten zuziehen kann. Die Bezoarziege, aus
dieser macht niemand mehr was, Bezoar heist ein Stein der im Magen
und Gallenblase <mancher Thiere> sich erzeigen zE im Hirsche denn heist er Hirschenbezoar p
im einen ist er graulich im andern grünlich. Der <rothe> Bezoarstein ist sehr
rar und denn man davor angiebt ist gemeiniglich Hirschbezoar. Auf
der Küste von Guinea ist das blasgelbe Bökchen, welches sehr @zate@
Füße hat aus denen man Tobakstopfer macht. Man rechnet auch hiezu
die Antilopen die in der Mungalay und andern Orten sich auf@halten@. Einige
sind sehr groß zE das capsche Elend, es scheint als wolle es sich wehren
aber es ist sehr zahm. Das Einhorn ist noch unentdekt. Der Camelopard

/|P_78 δschmutzig

/ist blos in Africa in gebürgigen Ländern in Abyss δLäsion
Haut hat kurze Hörner, sehr hohe Beine, am Halse @ist@ δLäsion
hoch %und nach hinten fällt er <sehr> herab, er kann sehr laufen: @Es ist so@
hoch, daß er einen hohen Baum am Gipfel aufessen kan und %durch seinen
langen Halz reicht er auch bis aufs @Land@. @Sonst@ hat er %nicht @wie \ viel@
@Inhalt@ @sondern@ ist schwammigt.

/δLücke_10_Zeilen

/Die Rennthiere würden ein großer Unterhalt für die Bewohner der Eislander @seyn@
wenn sie %nicht %von den Viehbremsen so sehr gequält würden

/%Von den Schweinen ist in Europa das wilde Schwein das originalschwein. Das Eth δLäsion
sche oder %vom Senegal ist sehr furchterlich groß %und stark, %von diesen ist das @Ostindische@
Schwein wieder unterschieden, welche Thirart im Orient auch in Krankheiten brauch-
bahr ist. Das mexicanische Muskusschwein hat eine Drise auf dem Rüken, der den
Muscus enthält. Der Barbirusa ist nur auf wenigen Inseln %und hat eine Haut @wie@
vom Hirschen, die Größe von einem Schwein, und ein Paar Haus die so krum @gewachsen@
daß er sie gar %nicht brauchen kan

/ ≥ %Von den Thier_Colossen

/Der Rhinoceros ist einhörnigt oder 2_hörnigt ersteres ist in Ostindien
lezteres in Africa. Es hat beyde Hörner auf der Schnauze @hinter@
%und %nicht nebeneinander sie sind nur in der Haut fest. Der Ostindische
hat auch Schilde auf der Haut oder solche tiefe Falten in d¿¿ δLäsion

/δEnde_Ms

/|P_79-104 δfehlen

/|P_100 [[ Adickes 1911a, 169 die durchstrichnen Worte ]]
Bei Untersuchung der Montes primarios findet man gar keine Merkmale vulkanischer Tätigkeit.

/|P_100f. [[ Adickes 1911, 252 ]] S. 100 unten und 101 oben stehn mitten im Abschnitt über Edelsteine 15 durchstrichene Zeilen, die ersten 9 mit dem Titel ›Von den feuerspeyenden Bergen‹, die letzten 6 mit dem Titel: ›Von den Lufterscheinungen‹.

/|P_101 [[ Adickes 1924/25,II: 404 ]]
politische Merkwürdigkeiten der Menschen nach ihren Hauptunterschieden

/|P_103 [[ Adickes 1911, 255 ]]
über Tibet

/|P_104 [[ Anscheinend der letzte Satz; Adickes 1924/25, II: 406 ]]
Ueberhaupt scheint Amerika ein zu künftiger Zeit aufzubehaltender auszubreitender Teil der Erde zu sein.


Letztes Datum: 31.05.2010 /.../ 19.11.2014 / 18.03.2016