|B_Powalski_(1777)_
Berlin, Akademie-Archiv: NL-Kant Nr. 13
Transkript: 9. August 2001 / 19. April 2002 (27. Februar 2006 /.../ 18. 8. 2010 / 06.04.2016)
Grau: Übereinstimmung mit Philippi

Knopf

 

------------------- 
Physische Geographie aus den Vorlesungen
des Herrn Professor Kant Königsberg
den - [!] Septembr: 1777. /
Th: Powalski I: V: St: Tempelherren


/|P_1

/ ≥ Prolegomena zur Physischen Geographie ≤

/Die Quelle unserer Erkenntniß liegen
hauptsächlich in der Erfahrung. Die Mittel
der Ordnung in unserer Erkenntniß beruhen
darauf, daß man für jedes Erkenntniß
einen besondern Platz in seinem Verstande
hat. Außere den Mitteln zur Erkenntniß zu
gelangen, haben wir noch ein Mittel, derselben
in unserm Verstande den gehörigen Platz an¥
zuweisen. ZE: Wenn wir Bücher lesen; so
vergeßen wir vieles, dieses aber kommt
daher, weil für diese Art von Erkenntniß
kein Platz, (obgleich Raum genug) in unserm
Kopffe ist, und daß man sehr vieles in futuram
oblivionem lernet, kommt auch daher, daß man
vergeßen, gleichsahm eine gewiße Art von
Topographie in seinem Kopffe zu machen; so
leset man, ZE: eine ReiseBeschreibung, und
weiß derselben oder vielmehr den Oertern
von denen sie handelt keinen Platz anzuwei-
sen, und vergißt daher dasjenige sehr ge-
schwinde, was man, wenn wir alles an seinem
gehorigen Ort stelleten, niemahls vergeßen

/ würde. Es

/|P_2

/Es muß daher eine Wißenschafft vorausgehen,
welche alle Plätze marquirt, für die Erkenntniße,
so ich mich acquiriren will. Die Erfahrung ist
die erste Grundlage, Natur und Freyheit aber,
sind die Gegenstände derselbigen. ZE: Beschreibe
ich Wälder, Flüße, Berge pp; so «wer»<re>de ich von der
Natur, beschreibe ich aber Werke der KunstStädte;
so «wer»<re>de ich dadurch von der Freyheit der Menschen
oder von ihren freyen Handlungen. Nennet man
das historisch, was uns die Erfahrung lehret; so
haben wir zweyerley Historien, %.nehmlich

/1) Die Historie der Natur und

/2) die Historie der freyen Handlungen der
Menschen.

/Dieser Zweyte Theil gründet sich aber auf den
erstern; denn der Mensch bedarf von der Natur
in seinen Handlungen die Grundlage. Weil nun
die Historie der Natur das Fundament der Ge-
schichte der Handlungen der Menschen ist; so erhellet
daraus ihr hoher Rang über alle Wißenschaften,
daß wir ohne dieselbe keinen Gebrauch von ihnen
machen können. ZE. Wenn von den Hunnen und
ihren Thaten gesprochen wird, und ich weiß nicht

/ in welchem

/|P_3

/in @wechem@ Lande sie gewohnet, wie daßelbe
beschaffen gewesen, was sie vor Gewohnheiten
gehabt, auch nichts von den Gebräuchen p dieser
Völker; so ist meine Erkenntniß von ihnen sehr un-
vollkommen; und die gantze Geschichte derselben
ist bloß eine todte Erzählung. Die Natur läßt sich,
so zu sagen, in gewiße Fächer abtheilen, wohinn
man die Erkenntniße seines Verstandes, die
man sich erwerben will, hinsetzen kann.

/Alle unsere Erfahrungs-Kenntniße können zu-
sammen genommen werden, daß sie eine Wißen-
schaft constituiren. Alle unsere Geschichte ist eine
Geschichte der Erde und zwar

/1) Eine Geschichte von dem, was zugleicher Zeit
auf der Erde vorgehet. Daß ist -- die Geographie

/2) Eine Geschichte von dem, was auf einander folget.
d. i. eigentlich ---- die Historie.

/Die Geographie bekommt nach den verschiedenen
Gegenständen, die sie betrachtet, auch verschiedene
Nahmen. ZE: betrachtet sie die Gegenstände
nach ihrer Natur; so heißt sie die physische, die
moralische, insoweit sie die Sitten der Länder, die
Theologische, in soweit sie die Religionen zu ihrem Ob-
jecto der Betrachtung macht. Die eigentliche Geschichte

/ betrachtet

/|P_4

/betrachtet die Dinge, wie sie auf einander
folgen, und umb diese Recht einzusehen, muß die
eigentliche Geographie zum Grunde gelegt werden,
denn die Geschichte ist nichts anders, alß ein fortge-
rückte Geographie. Die Geographia Physica ist
nun wieder der Grund aller andern Arten der
Geographie. Hieraus erhellet daß sie nichts anders sey,
alß ein Abriß der Natur, und dazu dienet alle von
der Natur gesammlete Kenntniß«e» an ihren gehöri-
gen Ort zu stellen. e. g. die moralische Geographie
bedeutet einen Abriß und Beschreibung der Erde.

/Die Mathematische Geographie, ist wenn ich die
Erde betrachte ohne die Bestimmung ihrer Natur, %und
ohne ihre Einwohner, nach ihrer Größe, Gestalt,
Bewegung, Lage pp, überhaupt, wo gantz von den
qualitatibus rerum abstrahiret wird.

/Die politische Geographie«,» betrachtet die Gesellschafft der
Menschen, wo einjeder genöthiget ist, gewißen
Gesetzen zu folgen. Denken wir uns die Erde
außer ihrer Form; so können wir sie nach ihren
Producten pp unterscheiden.

/Die physische Geographie, hat zu ihrem Gegenstande
der Betrachtung den Unterscheid in der Natur der
Dinge, und ihrer Beschaffenheit auf der gantzen Erde,
den Unterscheid der Erde selbst, der Erde %und Meere. Die

/|P_5

/Die Producten der Erde alß die mineralien, Pflan-
zen, Steine, Thiere pp um nun aber auch das %natürliche
von der Kunst zu unterscheiden, ist es nöthig bey
derselben dasjenige nicht auszulaßen, was die
Kunst hinzugeführet hat; Besonders in solchen Fällen,
wo es zweifelhafft ist, ob etwas durch die Natur oder
Kunst hervorgebracht sey? oder ob sich auf dieselbe gründe
oder nicht. Wir werden auch gelegentlich das Verfahren
der Menschen betrachten, und wird demnach die physische
%Geographie vieles enthalten, was zu den andern ange-
führten Arten derselben gehöret, es wird sich also auf
dieselbe gründen. Die politische Geographie. Denn
die GesetzGebung ist ein Principium aller Staats-Einrich-
tungen; so behauptet Montes, es müßen sich bey einer
Staats-Verfaßung alles auf die Beschaffenheit der Län-
der gründen. %Obgleich Hume sagt, daß die Charactere
der Völker, bloß von den verschiedenen Regierung
abhingen, und daß es also keine physische, sondern bloß
moralische Unterscheide gäbe. Es wird also eine
sehr wichtige Sache seyn, auszumachen: Wieviel
von denen Handlungen der Menschen physisch und
wieviel moralisch sey, daß das Verfahren der Men-
schen also und ihre die sie unter einander haben,
können bey verschiedenen Nationen, verschieden seyn,

/|P_6

/(es sind es auch) zu weilen scheinen auch moralische
Sätze verschieden zu seyn, alß ZE: In Japan scheint
den Einwohnern der Vatermord, eine Sache zu seyn,
die niemahls unter den Menschen statt findet, hin-
gegen erweisen gewiße Völker in America, die
am Lorenzo-Strohm wohnen, und Eskimo genannt
werden, ihren Eltern einen Liebes-Dienst, wenn sie
dieselben, (wenn sie Alters wegen nicht mehr fä-
hig sind auf die Jagd zu gehen und sich dadurch zu er-
halten) auf ihr eigenes Bittern (mit einer Sehne
von ElendThieren) erdroßeln und hiezu wählen
die Eltern ihre liebsten Kinder.

/Die %Geographische %Theologie: weil sich die Religion nach dem
%Character der Völker richtet, und dieser von den verschie-
denen Climaten abhänget und dieselbe nach Beschaffen-
heit der Völker auch verschieden ist. Alex: Ross
schrieb ein Buch von der Religion der gantzen Erde.

/Lehmann wünscht eine Geograph: Subterraneam. Da diese
ein Theil der physischen Geogr: ist. so wäre auch eine
Handlungs_Geographie möglich.

/δSchnörkel

/|P_7

/ ≥ Phisische Geographie.

/Mathematische Kentniß der Erde. ≤

/1) Alle Materie in diesem unendlichen Raum
ist in lauter Kugeln versammlet anzutreffen.

/2) Diese Kugeln sind alle bewegt, und die Bewegung
geschiehet entweder allein, um eine Axe, oder auch zu-
gleich um einen gewißen Cörper, der ihr gemeinschaft-
licher Mittelpunct ist. D«ie»as letztere heist die Central-
Bewegung, und die Cörper, die sich in verschiedenen Crey-
sen um denselben bewegen, machen mit ihrem
Central-Körper ein System.

/3) Alle Körper sind entweder selbstleuchtende, oder
dunckle Körper: Eine Kugel die selbstleuchtend ist und sich
um ihre Axe drehet, heißt eine Sonne, %dergleichen sind die
Fix-Sterne. Dunkle Körper, die von der Sonne er-
leuchtet werden und deren gemeinschaftlicher Schwer-
Punct dieselbe ist, heißen Planeten. Das Centrum ist
der Ort, wohin alle Cörper vermöge ihrer Schwere
fallen, würden folglich der unterste.

/Die Sonne ist der Centrum_Cörper, weil nach der physischen
Astronomie, alle Körper dahinn fallen würden, wenn
die Schnellkraft (Vis centrifuga) sie nicht ver-
hinderte.

/Die Erde hat eine doppelte Bewegung, sie bewegt sich
um ihre Axe, und um die Sonne in einem Zirkel. Durch

/|P_8

/Durch die erste Bewegung werden die Pole, der
AEquator, Meridianus und die Parallel-Zirkel bestimmt,

/<%.Nota 1> Die Figur der Erde ist, indem man es nicht sogenau nimt
eine Kugel: Die Berge machen nichts in Ansehung
der gantzen Erde, auch die höchsten Berge nicht. ZE: Der
Cordilleras in America, der eine kleine deutsche Meile
hoch ist. Sie ist von der Kugel unterschieden, denn indem
sie sich um ihre Axe dreht; so fliehen die Theile,
von den Poolen nach der MittelLinien oder dem Aequat:
und zwar um destomehr, je größer der Schwung der-
selben ist. Der Durchschnitt durch den AEquat: ist also
größer als der Diameter der Poole. Die größe des
ErdKörpers alß eine Kugel betrachet, ist 1720 teutsche
Meilen, der Umkreis 5400 %.Meilen daraus aber läßet sich
die größe der Erde nicht determiniren.

/Die deutsche Meile wird eingetheilet in Polycey und
in die Geographische Meile, letztere gründet sich auf das
der Erde, erstere auf eine gewiße angenommene Lange.
Eine sächsiche deutsche Meile, macht 30000 WerkSchue. Um
die Geographische Meile zu wißen, muß ich erst die
Größes eines Grades bestimmen können. Sie macht 23,600
oder 24,000 Fuß oder 2000 Ruthen. Sie ist nirgends
gebräuchlich, um die Entfernungen der «Größe» Oerter
zu wißen. Seemeilen gehen 20 auf einen Grad.

/ Ein ~

/|P_8R δZ_02

/durch die pp vide *1 %Signatur
sed vertatur
pag. 10 ~

/|P_9

/Ein Geometr: Schritt ist gemeiniglich 5 %Fuß, da aber
die Füße in verschiedenen Ländern verschieden;
so ist auch die Länge nicht allenthalben gleich. e. g.
in Paris ist der Pied de Roi, in %Deutschland das %Rheinländische
Maaß. Ein geometr. Schritt ist oder wird vielmehr
von allem mathemat. alß der 1000ste Theil von
eine minute der Erde angenommen, eine minute
aber ist der 60ste Theil eines Grades. Vorher
calculirte man die Größe der Erde zu klein, %und
daher war auch der Geometr: Schritt kleiner, und
die geograph: %Meile betrug nur 20.000 Fuß. Eine Minute
der Erde ist «wie 4» 1/4_tel ¿¿¿ %Meile welches nach der jetzigen
Meßung 6000, nach der alten aber nur 5000 beträgt.
Da nun der 1000ste Theil einen Fuß beträgt; so ist klar
daß ein Geomet: Schritt vorher 5 %Fuß jetzo aber 6 aus-
mache. Man muß also nicht die Füße nehmen, die
in jedem Lande recipirt sind; sondern es müßen sel-
bige nach den Graden der Erde bestimmt werden

/(Noch vor kurtzen hat man [[Liesganig]] Meßungen der Erde in
Oesterreich und Mähren angestelt.) Eine Rheinländische
Ruthe hat 12 Schue, die Helfte heißt ein Klafter und
ein Faden ist 6 %Fuß im Waßer gemeßen. Ein Lachter
ist 6 Dresdener Ellen, welches in den Bergwerken zum
Maaße dienet. Eine Toise hält 6 %Fuß pied de Roi. Einige

/|P_10

/haben angemerkt, wie ein bestimmtes Maaß zu
bekommen. %.das ist die Länge *1 durch die letztere die
Ec¿liptick, Tropica und die Bolar-Zirkel. Die Erde
ist bey den Polen gedruckt und unter dem Aequator
erhaben. Sie ist daselbst über 9 deutsche Meile höher,
alß unter den Polen. Die Perdendicul schlagen
dort langsahmer alß hier und die Körper sind da-
selbst um den 28sten Theil leichter als hier.

/Die Erde hat.

/1) Eine jährliche Bewegung um die Sonne und
dieses mit allen Planeten und vielleicht auch mit
der Sonne %und den Fix_Sternen um einen gemein-
schafftlichen Centr_Körper, welches vieleicht der
Sirius ist.

/2) Eine Bewegung um ihre Axe.

/Figur der Erde. ≤

/Sie hat eine KugelGestalt. Die Materie woraus sie
besteht und«ß» gebildet ist, muß flüßig gewesen seyn,
weil alles flüßige bey seiner Bildung eine Kugelform
annimmt, welches aus den Gesetzen der Schwere %und
Anziehung nothwendig erfolget, indem nur, da
ein durchgängiges Gleich_Gewicht statt findet, wo alle
Durchschnitte einander gleich sind. Obgleich die Erde
jetzo fest ist; so muß sie doch vor ihrer Bildung flüßig ~

/|P_10R δZ_02

/*1 hoc est signum

et aliud sig: *3
/vide pag. 11»

/δZ_08

/<Man bemerkt dies
vermöge eines
perpendiculs *2 pag. 11> ~

/|P_11

/flüßig gewesen seyn, denn alles was sich bilden
soll, muß flüßig seyn, *1 <*1 nunc porro vide *2> eines Perpendiculs, der
in einer Minute 60 Schläge thut, nehmlich er muß 3
frantzösische Fuß und 8 Linien lang seyn. Von den übri-
gen Maaßen der Erde ist nicht viel zu erwehnen,
wenn die Erde als ruhig betrachtet würde; so wäre
kein Punct auch kein Zirkel auf derselben bestimmt. Durch
die Umdrehung um die Axe entstehen die beyden
Polen, die als unbewegt angenommen werden, es
wird aber dadurch noch ein Zirkul, %nehmlich der Aequat:
determiniret; die Linie wird her genandt, von den
Seefahrenden. Der Zirkul also, der von 2 festge-
setzten Planeten den Poolen gleich weit «en¿»abstehet, heist
der aequator. Die Zirkul die durch beyde Poolen
gehen, heißen die Meridiane. Einige Zirkel entsprin-
gen aus einem optischen Ursprunge, welches der
Horizont heißt, oder ich mag seyn auf welchem Punct
der Erde ich bin, so habe ich allemahl den Zenith über mich
und unter mich das Nadir, nun heißt der Horizont der
Zirkel, der von den beyden Puncten gleich weit ab-
stehet, er ist also allemahl etwas respectives, auf
einen gewißen Ort, so wir der merid: doch mit dem
Unterschiede, daß die Merid: alle in 2 Puncten zusammen
kommen nehmlich in den Poolen. Durch die jährliche
Bewegung der Erde werden folgende Zirkel bestimmt

/|P_12

/Sie geschicht nicht so, daß die Sonne das gantze Jahr,
gleich weit von den Poolen absteht, oder im AEquat: son- 
durchschneidet den AEquator in einem Grad von @23_1/2 %Grad@
welchen Zirkel man den Ecliptik nennet; so daß die
Sonne sich über dem hemischp. Boreali, das andere
halbe Jahr, sich unter demselben befindet, dadurch ent-
springt nun wiederumb ein Zirkel, der mit dem AE-
quator Parallel ist, nehmlich der so weit vom aequat:
entfernt ist, alß die Sonne, sich am weitesten davon
entfernet. i. e. eine Weile von 23_1/2, und dieser Zir-
kul heißt Tropicus oder Wende_Zirkel. Wenn
also die Sonne an denselben gelanget; so macht sie den
längsten Tag, i. e. der Wende-Zirkel gehet durch die
Solstitial-Puncte. Wir haben also 2 Tropicos %.nehmlich
Trop: Caneri %und Capricorni, in dem ersten gelanget
die Sonne, in dem halben Jahr, da wir Sommer haben,
in dem 2ten aber in unserm Winter-Halben Jahre!

/Durch dieselbe Raison werden noch 2 Zirkel determi-
niret; nehmlich wenn wir einen von so großer Entfer-
nung, von den Polen machen, alß die Trop: vom
Aequat: entfernet sind; so entstehen dadurch die
PoralZirkel (der Aequator heist auch der Aequinoctial-
Zirkel) hieraus sehen wir, daß sich das Jahr leicht
in 4 Theile zerfällen läßt. Alle Not: Der %König von

/ %Franckreich ~

/|P_12R δZ_24

/*1 ~

/|P_13

/%Frankreich gab ausdrüklich der %.Academie der %.Wissenschaften zu
Paris auf zu bestimmen, ob die Erde einen Zirkel oder
Oval. Fläche haben, weil den Seefahrenden viel
daran gelegen ist, maßen sie sonst bereits auf
einer Klippe sitzzen könten, wenn sie noch 12
Meilen «davor» <daran> entfernet zu seyn dächten. Es
wurde dahero durch das Observatorium zu Paris
nach 2 verschiedenen Oertern eine MittagsLinie
von 20 Meilen gezogen, auch 3 Partheyen gelehr-
te, an weit entlegenen Oerter geschickt, hierü-
ber Versuchen anzustellen, welche denn endlich
fanden, daß die Linie welche durch den Aequat.
gezogen wird, 9 %teutsche %Meilen länger sey, alß die, durch
die Poole gehet. Daher auch die Körper auf dem
Aequator, wegen der schnellen Bewegung der
Erde, einen Theil ihrer Schwere verlieren.

/ ≥ Gestalt der Erde. ≤

/Kein Himmels-Körper ist eine vollkommene
Kugel, weil diese Gestalt mit der Bewegung
um eine Axe nicht bestehen könne; so ist zE:. Iu-
piter an seiner Axe um 13 Theil leichter. Durch
die Schnellkrafft verliehren die Körper etwas «an»
von ihren eigenthümlichen Schweren, dieselbe ist ~

/|P_13R δZ_16

/NB.

/legatur praeterita
signataque
Nota. ~

/|P_14

die»da Bewegung der größte Bogen beschrieben
wird am größesten, folglich dünsten die Theile in
die Höhe; da wo die Bögen, und die Bewegung
beschreibt am kleinsten wird, gehet ein Theil der
Schnellkraft verlohren, und die Körper gewinnen
also einen Theil ihrer eigenthümlichen Schwere
wiederum, und sie neigen sich zu ihrem ge-
meinschaftlichen MittelPuncte, folglich ist die
Erde um ihre Poole herum platt.

/Warum könnte der Körper nicht inwendig hohl
seyn, da wir auch nur seine Oberfläche nützen?
Alsdann würde ein großer Theil der Schwere
der Materie oder ihrer Anziehung verloh-
ren gehen, und die Fluth würde alle 6
Stunde, die gantze Oberfläche der Erde un-
ter Waßer setzen.

/δSchnörkel

/ ≥ Mathematische Verhältniße der
Erde. ≤

/Wir treffen auf der Erde.

/1) Puncten, 2) Linien oder ZirkelLinien

/|P_15

/3) zwischen den ZirkelLinien gewiße«ne» einge-
schloßene Streife an.

/Wann keine Bewegung statt findet, so konnten keine
Linien gemacht werden, durch die Bewegung der
Erde um ihre Axe beckommen wir nun

/1) Zwey Puncte um eine Linie dies sind die
die Poole, und die Linie die durch die bey-
den Poolen gehet, heißt die Axe; Wenn ich diese
Linie habe, so kann ich auf die Mitte derselben, und
folglich auch auf die Mitte der Kugel Puncte in einer
Direction fallen laßen, so entstehet eine gerade Linie
und diese heißt der Aequator, weiter kann ich
durch beyde Poole beliebige Linien ziehen, und diese
sind die Meridiani; betrachte ich die Erde als ruhend;
so bekomme ich nur gewiße Cirkul, die durch die
verschiedene Stellung der Menschen bestimmt werden.
Dieses sind die Horizonte, und zwar sind sie zwey-
erley der physische und der mathematische.

/Der physische Horizont ist diejenige Linie die der
Mensch hier auf Erden übersehen kan. Der ma-
thematische Horizont ist der halbe Zirkel Haemisphaera,
deßen was er vom Himmel übersieht. Kein

/|P_16

/Kein Zirkel hat einen Anfangs-Punkt noch
Ende-Punct.

/Unter den 360 %Grad des Aequators ist also keiner «der»
der erste, sondern ich fange sie an von da «zu»
zuzählen, wo ich den ersten Meridian setze und
dieses ist wieder wilkührlich. Die Französischen Meß-
Künstler haben auf Befehl des %Königs denn Ersten Me-
ridian durch die Insul Ferro gezogen, und die-
sem folgen die mehresten. Dieses vorausge-
setzzet ist nehmlich der Meridian der Insul
Ferro für der ersten angenommen wird; so
zählet man die Grade der Länge (oder die Ent-
fernung eines Orts von der Insul Ferro, %und
dies heist seine Länge. Die Art, wie man
verfährt ist diese, man zählt von Abend
gegen Morgen, weil alle Himmels-Cörper sich
nach der Gegend hin bewegen, und alsdann
sagt man entweder schlechthin Länge, oder %östliche
Länge. Mann kau aber auch von dem Meridian
zu Ferro die %westliche Länge eines Orts bestim-
men, indem man von ferro gerade «nach»
gegen Westen hinzählt, alsdenn aber wird

/|P_17

/beständig hinzugesetzt, westliche Länge. Die
verschiedene Länge zweyer Oerter, ändert in
der Witterung %und Clima nichts, alß, daß an
einem Ort früher Tag wird, alß am andern.

/Die Meridiane sind zwar auch Zirkel, aber
sie werden an bestimten Ort durchgeschnitten,
und da wo sie durchschnitten worden, sind
ihre Anfangs- und End_Puncte.

/Durch dieses Durchschneiden wird ein Meridian
in 4 gleiche Theile getheilt. Da nun hier der er-
ste Grad nicht willkührlich ist, sondern durch gewiße
Puncten bestimmt wird; so darf ich nur die An-
zahl der Grade von ein Puncte biß zum
andern bestimmen, und die größte Breite
wird also 90 seyn, da die größte Länge eine
unbestimte Größe ist.

/Die Lange eines Orts war seine Entfernung
vom ersten Meridian, und seine Breite ist die
Entfernung vom Aequator. Ein Ort kann sich
nun also vom Aequator gegen Süden und
Norden entfernen. Seine Entfernung gegen
Süden heißt die Süder Breite, und seine Entfer-
nung gegen Norden, Norder-Breite. Alle

/|P_18

/Alle Oerter die einander Parallel sind, haben
einerley Breite. Einerley Breite macht einer-
ley Clima und gleiche Jahres_Zeiten, denn nur
aus der Verschiedenheit der Breite entsteht
die Verschiedenheit des Clima oder der Zonen.
Ein Ort deßen Breite«n» klein ist, liegt unter einem
warmen Himmels-Striche, deßen Breite Groß ist;
unter einem kalten. Die Zahl der Grade
eines Meridians ist die Breite eines Ortes.
Um die eigentliche Breite eines Orts zu finden,
zähle ich die Grade des Meridians vom Aequa-
tor an. Wenn ich vom Aequator bis zum Pool
zähle; so finde ich 90 %Grad alß die Breite des Pools.

/Ist nur die Länge %und Breite eines Orts gegeben;
so kann ich %.sogleich finden wo der Ort liegt.

/Aus der Bewegung der Erde um die Sonne
entsteht eine dritte Linie, die zwar nicht auf
der Erde kann gezogen werden, aber die
dennoch die Ursache von andern Linien ist, dies
ist die Ecliptik, derer größte Neigung gegen
die Pole 23_1/2 Grad ist und die mit der Axe
einen Winkel von 66 %Grad ausmachen. Die
größte Abweichung der Sonne vom Aequator

/|P_19

/heißt der Tropicus und zwar die südliche größte
Abweichung Tropic: Capricorni, die nördlich
Tropic: Caneri: Sie heißen auch Winde_Zirkul,
und sind mit dem Aequator durch den Punct
der größten Abweichung gegen Norden und
Süden parall. gezogen

/Polar: Zirckul sind solche, die von den Poolen
eben soweit abstehen, alß die Tropici vom Aequator.

/ ≥ Folgen, aus der Verschiedenheit der Längen
zweyer Oerter, in Westen %und Osten. ≤

/Es ist kein anderer Unterscheid alß der Stunden
des Tages 15 der Länge geben eine Stunde Unter-
schied: d. i. zwey Oerter deren einer von dem
andern 15 %Grad Ostwärts liegt, zählet immer eine
Stunde früher alß der andere. zE. Smolensko in
Absicht auf Königsberg; daher geschiehet es, daß
diejenige die von Osten nach Westen die
Erde umschiffen, allemahl in ihrer Rechnung
einen Tag verliehren, und die von Westen
nach Osten diese Reise thun, einen Tag ge-
winnen.

/ ≥ Folgen aus der Verschiedenheit der Breite. ≤

/Oerter die unter dem Aequator liegen

/|P_20

/haben keine Breite. Diejenigen Völcker, die
zwischen dem Aequator wohnen, werfen ihre
Schatten 1/2 Jahr nach Norden, und zweymahl
im Jahr haben sie die Sonne über ihrem Kopffe und
werfen keinen Schatten von sich. Die zwischen
dem Tropic: Caneri: und dem Polar-Zirkul
liegen, werfen ihre Schatten gegen Norden,
und die am südlichen Polar-Zirkul (Circulus
Polari antarctico) wohnen, «weh» werfen ihre
Schatten gegen Süden. Unter den Poolen dau-
ret der längste Tag 1/2 Jahr und die längste
Nacht eben so lange. Mann hat angemerkt,
daß die Wendungen bey den Bohnen %und Schnecken,
mit der Sonne fortlaufen bey den Hopffen aber
umgekehrt. Wenn die Sonne in dem Aequat: trit;
so heißt dies das Aequinoctium, und dann ist
Tag und Nacht allenthalben gleich, weicht sie biß
zum 23 %Grad %Nördlicher Breite ab, welches %den 21ten Juny ge-
schiehet, so haben wir den längsten Tag, und
dieses heißt das Sommer Halbe Jahr, welches biß
zum 21sten Septembr. dauret, alsdann ent-
fernt sich die Sonne vom Aequat: biß zum 21ten Septembr.,
da ihre Entfernung 23 %Grad %südlicher Breite ist und denn haben
wir den kürtzsten Tag, und das Winter_Halbe_Jahr

/|P_21

/Durch den Aequator wird die ErdKugel in
zwey Hemisphäre eingetheilt, die gleiche Breite %und
Climata haben, Der Erd«spr»Strich vom Aequator
sowohl zu dem Tropic: Canori alß auch zu dem
Tropic: Capricorni heißt die Zona torrida,
Die Witterung ist hier sehr heiß weil hier die
Sonnen_Strahlen, zweymahl im Iahr Perpendi-
culair herabfallen, und also die Sonne auf den
Boden der Brunnen herabscheint %und eine Perpend:
aufgerichtete Stange keinen Schatten von sich wirft.

/Zwischen dem Polar-Zirckel %und den Tropicis
sind die Zonae temperatae, und zwar auf der
nördlichen Hälffte. Die Zona temperata Septentrio-
nalis, und auf der südlichen Hälffte die Zona tem-
perata Australis, und von den beyden Poolen
biß zu dem Polar-Zirkel, sind die kalten Erd-
Striche (Zonae Frigidae) In jenem ist die Wit-
terung gemäßigt, in diesem sehr kalt, außer
wenn der längste Tag ist, da alsdann hier
die größte Hietze auf den Erdboden ist, weil
ihnen die Sonne niemahls untergehet. Je
näher man den Poolen kömmt, je weniger
Unterscheid in Absicht auf die WeltGegenden

/|P_22

/und würden wir den Polarstern über un-
serm Kopffe haben; so würde aller Unterschied
aufhören und wir würden nicht wißen, gegen
welche WeltGegenden wir unser Gesicht gekehret
hätten. Dies ist auch die Ursache, daß diese Ge-
gend, so gefährlich zu befahren ist, weil die
Schiffer zuletzt nicht wißen, «je» in was für
einer Gegend sie sich befinden.

/ ≥ Größe der Erde. ≤

/Ihr Diameter ist 1720 teutsche (beßer geogra:)
Meilen, und der Umkreis derselben 5400. Eine
teutsche Meile, in dem Verstande, wie sie hier
genommen wird, ist der 15te Theil eines Grades
des Aequators, da 12 politische Meilen auf einen
Grad gehen. Ludwich_XIV ließ verschiedene
Grade meßen, und es wurde gefunden, daß
eine Geographische Meile 2000 %.rheinländische Ruthen
oder 24000 %.ordentliche Werkerschue enthält. Eine
sächsische Policei-Meile hält 30000 Werkschuhe.
Seemeilen gehen 20 auf einen Grad. Ein geometr:
Schritt soll nach der gemeinen Meynung 5 %Fuß
ausmachen, er ist 1/1000 Theil von einer Minute,
welche 1/60 eines Grades der Erde ist, folglich nach

/|P_23

/nach der neuesten Ausmessung der Erde beynahe
6 Fuß @%rheinländisch@. Ein Klaffter, Toise, Faden, Lachter, in
den Bergwerken hält 6 oder 5 Dresdner Ellen.

/ ≥ Allgemeiner Theil der physischen Geo-
graphie. Erstes Hauptstück.
Geschichte des Meeres.
Einleitung. ≤

/Alle Cörper sind entweder organisirte oder un-
organisirte. Zu jenen gehören alle Körper
die wachsen und sich fort«sep»pflantzen, nun sind
gewiße aus der Vereinigung entspringende
ErdPuncte. Diese heißen Elemente, und sind, Feuer,
Luft, Waßer, und Erde, das Feuer dringt alles durch
obgleich nicht allenthalben in gleicher Maaße und
hat also keinen besondern Ort. Die Lufft umgiebt
alles und hat also keinen besondern Ort für sich. Es
bleibet also nur Waßer und Erde übrig. Die Ober-
fläche der Erde, ist in Erde und Waßer vertheilet.
Letzteres ist entweder ein Perduct des Landes, alß
zum %.Exempel Flüße, Pfützen oder nicht und heißen
Meer. Alles ist nun <in> Form der Insuln ver-
theilt, und es ist ein gewißes allgemeines

/|P_24

/Meer, (¿¿¿ das Meer, nimmt 2/3 der gantzen
Fläche der Erde ein und ides mit vielem Nutzen
Archipelagus ist ein Meer, wo auch viele Insuln
liegen und dieses Meer heißt Ocean. Es ist
wahrscheinlich, daß derselbe ehemals die Erde
bedeckte, und daß das Land in derselben gebil-
det worden. Die andre Meere kann man alß
Busen von diesen großen Weltmeere betrachten.
Buffon macht die Anmerkung, daß man
unter Meer und See folgenden Unterscheid
mache, man nenne nehmlich ein großes Ge-
wäßer mit Land umgeben ein Meer,
wie zum %.Exempel das Harlemmer, das mittelländische,
das Todte, das Caspische Meer, und umbge-
kehrt, was nicht mit Land umbgeben ist, See;
Wir aber sagen, das Atlantische Meer, stille
Meer die OstSee. Das Wort See aber, wird
auch noch in Absicht auf das Genus von uns un-
terschieden; den Land-Seen ZE: Genfer Boden
See, heißen See, jene hingegen die See,
die Holländer bedienen sich hauptsächlich des
Worts See.

/δSchnörkel

/|P_25

/ ≥ Eintheilung des Meeres

/ §_1. ≤

/1) In Ansehung der Poole wird der Ocean
eingetheilet in den australischen und in den
Borealischen. Beyde heißen das Eys_Meer. (Die
EisMeere sind eigentlich Meere der Polar-Zir-
kul. Das Treibeis kommt zuweilen Acadien
sehr nahe, das stille Meer heißt bey den Spani-
ern das SüdMeer.

/2) In Ansehung der beyden Halb_Kugeln, in den
westlichen und östlichen. In den«en» temperirten
Zonen in das Atlantische Meer zwischen Eu-
ropa und Africa und das stille Meer. (Die
Ost-See hat für uns einen unschiecklichen Nahmen,
indem sie uns gegen Norden und Westen liegt:
Die Ursache davon ist diese. Dieses Meer ward
erst im 800 Jahr nach Christi Geburth unter der
Regierung des Alfred von den Engelländern ent-
deckt, welche ihr diesen Nahmen gegeben haben.

/Mann hat bisher gemeint, das schwartze Meer
bedeute ein«e» unglücklich Meer, am wahrscheinlich-
sten ist es aber von den Karakalpaken und
ihrer Kleidung so benannt. Bey dem: Rothen
Meer scheint dies noch dazu kommen, daß sich

/|P_26

/daselbst viele rothe Koralen auf dem Grunde
befinden, das gielt aber nicht viel, denn an
andern Stellen scheint es gantz weiß und zwar
auch von dem durchscheinenden Grunde.

/3) In Ansehung der Küste, die e«r»s bespielet,
so heißen sie Aethiopische, Persische, atlandische,
Inndische pp Meer vom Lande benennt deren
Küsten sie bespielen. Ueberhaupt wird «es» das
Meer eingetheilt, in den Ocean, die mit-
ländische Meere und die Seen. Bisweilen
schränkt das Land das Meer ein entweder
gantz oder größtentheils, und denn wird es
von den Ländern benennet, daraus entsprin-
gen die Benennungen, Busen und Straßen. Straßen sind
Meere, die an beyden Seiten offen «ist» sind, %und
wodurch 2 Meere zusammen hangen, oder
eine Straße ist eine Gemeinschaft zweyer
Meere, die durch Land veränget wird, zu
den berühmsten Straßen gehören. A In Europa

/1) Die Straße von Gibraltar, bey den Holländern
schlechthin die Straße, Daher die, so nach Levan-
te fahren, die Straßenfahrer genanndt werden.
Sie ist 3 Meilen breit, kömmt aber den Schiffern

/|P_27

/wie gegraben vor, weil die Küsten sehr hoch
und steil sind.
/2) Die zweyte Straße von Caffa verbindet das
schwartze Meer mit dem Gasconischen
/3) Die Straße von Constantinopel, «verknüpft»
verknüpft das schwartze Meer mit dem Meere
du_Marmora heißt sonst Bosphoru«m»s. 4tens Die
Dardanellen sind, der Canal zwischen dem Meere du_Marmora und mittelländischen
Meere. 5tens Der Canal <de> la_Manche oder Pas¥
_la_Cal«¿¿»ais zwischen Engelland und Frankreich.
6tens. Der St_Georgen Canal bey den
Holländern der umgekehrte Canal zwischen
Engelland %und Irrland.
/7) Der Sund das ist ein untiefes Waßer
/8) Der große Belt
/9) Der kleine Belt, alle 3 zwischen der Nord-
und OstSee, von welchen vermöge gewißer
Verträge mit «Dannerung» <Dännemark> nur allein der
Sund befahren werden darf.

/ ≥ B. ) In Asien
/1) Die Straße Baabilmandel, daß ist die
ThränenPforte, vereinigt das rothe Meer
mit dem Ocean.
/2) Die Straße von Ormus zwischen Arabien %und

/ Persien

/|P_28

/3) Die Straße von Molnica.
/4) [_Die Straße von_] Sunda zwischen Sumatra
und Diawa und Jawa.

/ ≥ C. In Africa. ≤
/1) Die Straße von Monsambique zwischen Ma-
datschmar und dem festen Lande von Africa

/ ≥ D. In America. ≤

/ $a$. In NordAmerica
/1) Die Straße Duiois nach der westlichen Küste Grön-
lands.
/2) Die Hudsundes Straße.
/3) Die Bamicsche Straße

/ $b$ In Süd-America.
/1) Die Magelanische Straße zwischen der Insul Dilpha-
go, sie ist 80 Meilen lang.
/2) Die Dalmiische Straße

/ ≥ zweytens. Die berühmteste Meer_Busen. ≤

/Busen sind Vertheidigungen des Meere
und kommen dahero mit den HalbInsuln über-
ein, das letztere Vertheidigungen des Landes
sind, aber sind Meere, die bey nahe gäntzlich
vom festen Lande eingeschloßen sind. Hier
müßen wir den Unterscheid, zwischen Golfo
und Bey merken. Beyde sind Benennungen

/|P_29

/eines Meer-Busens, davon Golfo mehr tie-
fer alß breiter, und Bey mehr breiter, alß
tiefer ins Land hineingedrungen ist.

/Die berühmteste MeerBusen sind

/1) In America
/a) Der mexicanische Meerbuse zwischen der Halb¥
Insul Iukcatan %und der Insul Kaba.
/b) Der Bey vom Campischen, woselbst viel Bra-
silien_Holtz gefället wird.
/c) Bey von Handuizas won ZimmerHoltz herkommt
/d) Die Bay aller Heiligen.
/e) [Die Bay_] und von California
/f) [_Die_] Hudsons Bay.

/2) In Europa.
/a) Golfo de Venetia.
/b) [_Golfo_] de Gomorra
/c) Bay von Biscaya.
/d, e) Die Bodnische und Finnische Meerbusen
/f) Das weiße Meer im Golfo die Eiß_Meer bey
Archangel.

/3) In Africa.
/a) Der Meerbusen an Binia.

/4) In Asien.
/a) Der Arabische c) Bengalische / Meerbusen
/b) Der @p@ersische d) Siamische /

/|P_30

/e) Pimisarische Camtatschatka und Siberien.

/ ≥ §_3

/Man kann das Meer alß ein weites Thal be-
trachten, wo das Waßer sich versammlet hat, welches
sonst die Erde allenthalben bedeckt ward.

/Die Gestalt des Meer_Bodens ist der Gestalt des
festen Landes gleich, hat Ungleichheiten und es
ist sehr wahrscheinlich, daß der Boden des Meers
ehemals festes Land gewesen, in der nähe der
Küste ist der See_Grund dem Lande propor-
tioniret. Ist die Abdachung oder Abdassirung
der Küste steil; so ist der Grund des Meers auch,
ist die Küste aber flach, so ist der MeeresGrund
gleichfals und die See ist untief.

/Nota. Die Westliche Küste von America sind die steilesten
«he» ist der MeerGrund eine Continuation des
festen Landes; so folget, daß im Meere
Berge, ja gantze Richte von Bergen darinn
sind. Boascht [[Buache]] hat sie versucht zu ziehen, inde-
ßen sind die Berge im Meer doch nicht so
groß, alß die des festen Landes. Man sucht
Busen da versteckte Küsten sind. Norwe- 

/|P_31

/Norwegen hat daher viele Küsten oder tiefe
Rinnen ¿ weil es steile Küsten hat, eben so die Kü-
sten von Gallicien und Portugall.
Bey Pommern ist die Küste flach, folglich das
Meer untief. Dampierze [[Dampier]], der zuerst ein See-
Räuber gewesen, der dreymahl umschiffet hat,
hat auf seinen Reisen zu bemerken Gelegenheit
gehabt. Es giebt gantze Gebürge in der
See, die man durch das Bley_Loth entdecket
hat. (E. G.) In dem Canal zwischen Engel-
land und Frankreich. Die Insuln sind nicht
anders alß die Pfützen des Berges deren
Fuß im Meer reichet Mann hat gefunden,
daß da, wo die Strecke vom Berge auf dem
Lande aufgehört, dieselbe in dem Meer fortgehe.
Rhede, ist ein Platz im Meer, wo die Küste hoch
ist und die Schiffe vor dem Winde sicher liegen
und wo sie Gemeinschafft mit dem Lande und
einen guten Anker_Grund haben, und wo
sie durch die Dähnen (Sand_Bänke) vor der
Heftigkeit der Wellen geschützet werden.

/|P_32

/Häfen kömmt her aus dem alten Worte Hafen,
(ein Topf) und ist eine Vertiefung des Mee-
res. In Norwegen nennt man die Häfe, Tife-
Rinnen. Europa hat von «den» allen Welt-Theilen
die meisten Häffen, daher ist auch die Schifffahrt
so hoch gekommen. Zu einem vollkommenen
Hafen wird erfodert, daß er einen guten An-
ker_Grund und eine hohe Küste haben, und dennoch
ein politisches Requisitum, daß die Einfahrt en-
ge sey, damit sie gutes beschützet werden können.
Zu einem guten Anker_Grund wird erfor-
dert, daß er nicht aus kleinen Steinen bestehe,
wo das Anker_Thau sich leicht zereibt und
auch nicht aus Trieb_Sand, wo das Anker
tief einfält und nicht wieder aufgewunden
werden kann.

/Der schönste Hafen in der Welt ist Bergen
in Norvegen, er ist so geräumig und sicher, daß
eine gantze Krieges_Flotte gedeckt darinnen
liegen könne, und hat guten Anker_Grund.

/Porto_mahon ist der beste Hafen in der Welt,
man glaubt daß die gantze SchiffsMacht von groߥ
Britanien darinnen liegen könne, und die

/|P_33

/Einfahrt ist so enge, daß sie auch 2 Forte
vollkommen geschloßen werden kann.

/Hawanna wo die SilberFlotte sich versammlet,
ist gleichfals einer der besten Hafen. Hafen sind
selten zu finden und es giebt lange Küsten,
wo gar keine gefunden werden. Mann hat an-
gemerket, daß auf den Westlichen und südlichen
Küsten mehr Hafen anzutrefen wären alß auf
%.Oestlichen und Nördlichen, und hat es daher geleitet,
weil die Küste kühner, d. i. steiler sind, alß die
andern. Die Wahrscheinliche Ursache hievon ist
diese weil der Strohm längst dem Meer von
Osten nach Westen gehet. δSchnörkel

/≥ §_3.
/Tiefe des Meeres. ≤

/Der Boden des Meers; ist eine wei«n»te und
unebene Vertiefung der Oberfläche der Erde.

/Maseri [[Marsigli]] hat gefunden, daß die Tiefe des Mee-
res ziemlich nahe an den Küsten, der Höhe, der
daselbst befindlichen Bergen gleich sey. Es ist dies
zwar nicht völlig, so aber die Tiefe beträgt,
doch 2/3 von der Höhe der Berge. Die höchste

/|P_34

/Pyrenäen hat man 10000 Fuß hoch befunden und
die größte Tiefe des Meeres 8000 Fuß. Ie weit
das Meer sich von der Küste entfernet; destomehr
tiefe wird es, je mehr es sich von der andern
Seite der Küste nähert, desto Flächer wird das-
selbe. (Enge Meere sind nicht so tiefe alß wie die
weite.) Doch ist seine größte Tiefe, nach der Seite
hinn, wo die Küsten steil sind. Der Paalus
moeotis ist nicht sehr weit und in der Straße
von Caffa ist die Tiefe auf 6 Fuß. Eine unge-
gründete Tiefe ist die, welche über tausend Faden
tief ist. Die OstSee ist in der kleinsten Tife
80 Faden tief. Man erforschet die Tiefe des Meeres

/Erstens durch ein Stück Bley in Gestalt eines
Zucker_Huths oben mit einem eisernen Ringe
und deßen Fuß etwas hohl ist wo man Talch hinein-
schmeret, um den Anker_grund zuerforschen. Es
heißet Loth und man bedienet sich deßelben um
zuerfahren ob man weit von einer Küste und
an welcher man sey. Die Tiefe des Meeres
wird durch ein Senkbley erforschet. (Es wieget
etliche 30 %Pfund. Ist die Tiefe 1000 Klaffter,
so ist sehr beschwerlich sie zu finden. Hiezu kommt
noch der Umbstand, weil in dem Meere Ströhme

/|P_35

/befindlich sind und zwar Ströhme auf dem Grunde
diese Ströhem beruhen. 1stes auf die Ebe und
Fluth, 2tens auf dem Unterscheid, Specifischen Schwe-
re des Waßers. Bey Straßen sind gemeinhin 2
Ströhme, einer auf dem Grund der andre auf
der Fläche.

/2tens durch Täucher. Natürlicher Weise kann
ein Mensch %nicht länger unter dem Waßer blei-
ben alß höchstens eine Minute. Archiv_Nachrichten
von Neapel melden, daß Kolapeischel [[Cola Pesce]] ein berühm-
ter Täucher gantze Stunden lang unter dem
Waßer habe zubringen können. Als er aber einst
eine von Friederich Könige zu Sardinien, in
den Charybdis geworfene Schaale heraus hohlen
solte, kam er nicht mehr zum Vorschein. Es ist
zum Vermuthen daß ihn ein @Häun@fisch oder
See_Wolf verzehret. Man hat es gesucht, aus
seiner innern Struk_für zu erklähren, «und ge-
gläubt» und gegläubt daß das fo«n»ramen ovale
welches in der Scheidwand die das Hertz in die
recht und linke Hertzkammen abtheilet be-
findlich ist sich bey ihm in Mutter_Lei-
be evaguliret habe, und daß das Blut nicht
nöthig gehabt habe, durch die Lunge zu

/|P_36

/gehen, sondern durch das foramen ovale ohne
Umschweif aus der einen Hertzkammer in die an-
dre habe circuliren können. Man bedienet sich
der Täucher, zu verschiedenen Absichten, dahin
gehören die PerlenFischereyen. Die berühmte-
sten sind zu Baharein oder Elkatif, sonst die Bank
von Ormus und die Perlen_Fischerey an der
Küsten von Ceilon wo die Regers sie für einen
bestimmten Preis abliefern, folgende. Sie be-
decken sich mit ledernen Cappen an welchen
Röhren bevestiget sind die über das Waßer
hervora«n»<¿¿>gen, an ihren Füßen wird eine «g¿»ei-
serne Kugel bevestiget, damit sie durch die Schwere
derselben umb so her in die Tiefe gelangen.
Das Sammlen selbst daueret nur wenige Augenbli-
ke, nach welchen sie mit der größesten Eilfer-
tigkeit wieder her «ist» aufgezogen werden
müßen, indem der Druck des Waßers bey einer
nahmhafften Tiefe so stark ist, daß ihnen das
Blut aus Mund und Nase stürtzt, wann sie aus
dem Waßer heraus kommen. Sie finden das
Waßer in einer gewißen Tieffe so kalt, daß
wenn sie herauf kommen, sie in diesem hei-
ßen Clima, sogleich an das Feuer laufen, umb

/|P_37

/umb sich zu wärmen, welches zu dem Ende aus-
drüklich unterhalten werden muß. Man bedienet
sich auch der Täucher, umb versunkene Sachen wieder-
um heraufzubringen. Die Art wie dieses ge-
schiehet, ist bey den Maldivischen Insuln, woselbst
offt Schiffbrüche geschehen, folgende, die Einwohner
bedienen sich eines Täuchers der in den Grund
herabgehet und ein Seil in die versunkene Sa-
chen befestiget. An dem andern Ende bevestiget
man Bretter von einem leichten Holtze, welches
mit dem Pantoffel_Holtz eine Aehnlichkeit hat,
und dieses thut man so lange, bis «man» die er-
sunkene Sachen dadurch in die Höhe gehoben
werden. Alß die Spanische Flotte in dem Hafen
Vigos versunken war, so macht sich ein frantzösi-
scher Insigneur
anheischig, die Sache wiederumb
heraus zubringen, welches er auf folgende
Art bewerkstelliget; er brachte vermittelst eines
Täuchers ein Faß Pulver unter das Werk;
an diesem Pulver_Faße war eine Röhre an-
gebracht, die mit Pulver gefüllet war, und
vermittelst welcher sich das Faß entzündete,
und das gantze Werk in die Höhe hob, so daß
man in den Raum des Schiffes gelangen könnte.

/|P_38

/Das bequemste Mittel indeßen, diese Be-
mühung nutzbahrer zu machen, ist eine Ma-
chine die durch ihre Gestalt den Nahmen der
Täucher_Gloke erhalten hat. Die Materie
woraus sie bestehet, ist gewöhnlich Metall oder Holtz,
und sind sie schon von einer solchen Größe verfer-
tigt worden, daß gantze Gesellschafften unter
einer solchen Machine in die Tiefe des Meeres
herabgegangen «ist» sind. Quer durch ist (mehr
gegen den obern Teil derselben) ein Balken
bevestigt, auf welchem der Täucher sitzet,
und vermittelst eines Hakens, die Sache auf dem
Grunde des Meeres an sich ziehet. Die in der
Gloke befindliche Lufft gehindert, daß das We-
hen nur weiter, alß biß zu einer gewißen
Höhe steigen kann, und man aus dieser Ur-
sache für das «ge»<er>trink«te»<en> völlig gesichert. Allein
ein Umbstand macht, daß er nicht lange unter
dem Waßer bleiben kann. Die Luft wird
nehmlich in kurtzer Zeit für ihn unbrauchbahr,
in dem sie durch die Ausdünstung der Menschen
völlig ihre Elasticitaet verliehret, und also die
Respiration beschwerlich und endlich unmöglich
macht. Dieser Unbequemlichkeit, hat man

/|P_39

/versuchet, auszuhelfen, in ein Fäschen fri-
sche Lufft herunter zu laßen. Es ist auch das,
was angeführet worden, wahrscheinlich, daß nicht
sowohl der Mangel an Lufft, alß vielmehr
das Stillstehen derselben den Todt verursache. δSchnörkel

/ ≥ §_4.
/Von der Farbe %und Durchsichtigkeit des Meeres. ≤

/Das See_Waßer ist heller und durchsichtiger,
alß Fluß und Quell-Waßen, denn man kann
den Grund des Meeres in einer Tiefe von 25
oder mehr Faden sehen. Da wo das Meer am
saltzigsten ist, ist die Durchsichtigkeit am grö-
sesten, alß zE: das Eysmeer bey Novo_Zem-
balo.

/Am Lande ist es nicht so durchsichtig aber auch
nicht so saltzig. Das rothe Meer hat daher
wie einige behaupten seinen Nahmen und <seine> bluth¥
rothe Farbe von den Korallen, nach andern
aber von den Edomitern, bey welchen die rothe
Farbe die Kleidungen beliebt war. Bey den
Antillischen Insuln, sieht man die Schild-Kröten
auf dem Grund des Meeres als auf eine grünen
Wiese herumspatzie«g»ren. Diese große Durchsich-
tigkeit des Meer_Waßers trägt also auch viel

/|P_40

/dazu bey, das Betragen die See_Thiere zu
betrachten, und zu beobachten. Die Ursache
von dieser Durchsichtigkeit ist das Saltz. Nevton
hat bewisen daß ein Cörper zE. Eis, deswegen
durchsichtig sey, weil der Zusammenhang unmit-
telbahr ist. Die eigenthümliche Farbe des Meer-
Waßers, ist eine ins Grüne «blau» fallende Blaue.
Unsere Lufft hat gleichsahm ihre eigenthümliche
Farbe, welches ein gewißes hell_Blau ist. Man
siehet dieses an den großen LufftStrichen, und an
allen hohen entfernten Bergen, die mit ihren
Spitzen mit hellblauen Wolken umbgeben sind,
wornach man die Weite derselben beurtheilet;
Bey naher Berge sind die Gegenstände erleuchte-
ter, folglich das Blaue heller. In großen Tiefen
erhält das Waßer eine völlig dunkele Farbe, d. i.
es wird undurchsichtig, weil kein Körper vollig
durchsichtig ist, und ein vollig durchsichtiger Kör-
per ein unsichtbahrer seyn würde, weil er
alle Strahlen durchlaßen, und also keine auf
unsere Augen fallen möchten. (Man unter-
scheide die Farbe des Meeres, da am besten,
wo eine Menge Ströhme sich in dasselbe ergi-
ßen. Da wo kein FlußWaßer ins Meer

/|P_41

/kommt, ist es amsaltzigsten. ZE: Bey den Ba-
hama Insuln in Florida, wo die Silberflotte durchge-
het, und wo die Schildkröten von der größten Art
aufhalten, von denen eine bisweilen drey Centner
wieget.) (Nevton sagt: das Licht wird von dem
leeren Raum zurückgeschlagen. d. i. wenn es einen
leeren Raum findet, kehret es zurük; daher ist Schnee
undurchsichtig.) %Nota: In den %nördlichen Gegenden be-
dienet man sich gewißen Brillen von Knochen, in
denen eine kleine Ritze befindlich ist, wodurch man
siehet umb nicht Schneeblind zu werden. Der
Schaum ist gleichfals undurchsichtig, weil in den
Bläschen ein leerer Raum wird, und daher
wird das Licht reflectiret.) Ein Körper, der das
Licht, so wie er es empfähet, zurük wirfft,
würde gleichfals unsichtbahr sein, wie zE: Ein Spie-
gel wenn er vollkommen spiegeln möchte. Ein
vollkommener schwarzer Hut, würde gleichfals
unsichtbahr seyn, weil dieser alles Licht durch-
läßt. Denn zum sehen wird erfordert, daß ein
Körper die Strahlen besonders notificirt reflecti-
re. In einer Tiefe von etwa 30 Klaffter ist
stokfinster und in einer mittelmäßiger Tie-
fe, erscheint das Sonnen_Licht, wie Mond-Licht.

/|P_42

/Bey einem Sturm scheint es im Grunde alß wenn
es völlig bewölkt würde und endlich wird gantz fin-
ster, denn durch die Bewegung der Wellen wird
das Licht gantz zurükgeschlagen. %Nota Man kann im
Waßer auch sehr wohl hören, doch soll der Schall um
halben Thon tiefer seyn, alß er denn ist, wenn man ihn
außer dem Waßer hört.) Will man etwas im
Waßer beobachten, so nehme man eine gläserne
Röhre, und etwas Oel in dem Mund und laße einige
Tropffen davon auf das Waßer fallen, so kann
man sich auf solche Art ein «fes» Fenster im Waßer
machen. Die besondere Farbe einiger Meere rührt
theils «durch»<von> dem durch«sammden» {2- <scheinenden> -2} Grunde, theils von
dem Meer_petersilien her, Das Meer_Waßer«s»
leuchtet besonders zur warmen IahresZeit und
hat bey den Moluccischen Insuln, eine so weißliche
MilchFarbe des Nachts, daß es das Ansehen hat,
als wenn es aus lauter Milch bestünde. Mann
hat in der Pechartigkeit die Ursache des Waßers
gesetzt, und dieses Phoenomen einem gewißen
Phosphorischen Lichte, welches durch die Gährung
bey einem SturmWinde erzeuget, zugeschrieben.
Gantz neulich hat man die Entdekung gemacht,
daß das Licht von kleinen Würmchen herkomme,
so wie unsre Iohannis_Würmer. Außer diesem

/|P_43

/ist nach merkwürdig, daß in verschiedenen
Meeren, zu verschiedenen Zeiten gewiße schwim-
mende Sachen angetroffen werden. (Dahin gehören
zwey Gras_Meere wo jeder Zeit Gras schwimmet,
ohne daß man weiß, woher es kommt.) Dieses
Gras_Meer ist ohngefehr 80 Meilen von Guinea,
welches man paßiret, wenn man vom China zu-
rükkommt, von weiten siehet man es alß untief und
alß eine grüne Wiese an, allein man findet, daß
es unergründlich ist, Es ist ziemlich dicht und das
Schiff muß guten Winde haben, welches da hin-
durch seegeln will. Die Ursache, warum das
Gras nicht fortgetrieben wird, sind die Meer-
Ströme oder Wirbel, welche im Africanisschen Oce-
an ihren Lauf von Osten nach Westen nehmen.
Die Gegend, in welcher es angetroffen wird,
beträgt etwa 80 Meilen, die Spanier nennen
es Sangaso und die Holländer Meer-peter-
silien. Es hat weiße Bluhmen und findet sich
im Mar_del_Mort um die Capo nordischen In-
suln, wie «auch» auch der Küsten von Californien,
doch nicht so häufig. Die Tiefe des Meeres <{2- kann -2}> keine
Gemeinschaft <{2- damit -2} haben kann. NB Die HauptPhilippinischen
Insuln heißet Lusson, wird auch von der Haupt-
Stadt Manila genannt, von das reiset man

/|P_44

/nach Californien oder, von den Spaniern, Capo
St_Diva) Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieses Gras
in allen Meeren befindlich sey und durch halbjährigen
Winde, die hier beständig abwechseln immer im
Zirkel herumgetrieben werden. Wenn die Spanier
diese zu sehen bekommen, wißen sie gleich, daß sie
dem Lande nahe sind. An der Küsten von
Malabar schwimmen beständig Schlangen in großer
Menge, die den Dänen zum Zeichen dienen, daß
sie dem Lande nahe sind. So treibet auf dem Eis-
Meer ein beständiges Eys hin «und» und zu-
weilen auch starkes Holtz, welches man zum Bauen
anwendet. Als ungefehr im Iahre 1732,
einer an Madagascar herumsegelte: so seglete
er des Nachts aber durch lauter Bims_Steine,
die, wenn es hoch am Tage versunken nur
des Nachts wieder«n» zum Vorschein kamen. Die
Ursache hiervon war, weil die Steine leichter
waren alß das Waßer. Erwärmete aber die
Sonne das Meer_Waßer, so wurde das Wa-
ßer ausgedehnt und folglich leichter alß die
Steine, welche daher sinken müßen.

/ δSchnörkel

/|P_45

/ ≥ §_5.
/Von der Salzigkeit des Meers. ≤

/Die Ursache der Saltzigkeit des Meeres, schreibet
Hallej dem wenigen Saltze zu, daß die Flüße ins
Meer führen, deren süßes Waßer ausdünstet,
das Saltz aber zurückbleibet. Diese Ausdünstung
nimmt in einem Iahr 20 %Zoll von der Meeres_Fläche weg,
und es gehören tausende von Iahren dazu, daß
das Meer nur einmahl aus dünste, diese
gäntzliche Ausdünstung aber müste sehr offt wieder-
hohlet werden, wenn es in dem Grad gesaltzen
werden solte. Zu dem führt der Regen und Schnee,
die aus dem Meer entstehen, mehr Saltzigkeit
alß das Fluß_Waßer. Das feste Land bekommt also
mehr Saltz vom Meere alß es diesem liefert.
Einige nehmen Saltz_klippen auf dem Boden der
See an. Beweiß aus dem Saltz, aus der Insul
Ormus, aus den Persischen Saltzküsten, das Stein-
Saltz in den Bergwerken; Es ist sehr glaublich,
daß alles dieses Saltz vom dem Meer seinen Ur-
sprung nehmen oder herausgenommen habe. Diese
Saltzigkeit des Meeres ist indeßen sehr verschieden.
An den Küsten wo viele Ströhme sich ins Meer
ergießen ist nicht geringer, alß an solchen wo

/|P_46

/wenige und kleine hineinflüßen. Nahe an der
Oberfläche ist die Saltzigkeit geringer alß in der
Tiefe. In denen temperirten Zonen geringer alß
in den heißen und kalten. Da wo der große
De_la_Plata_Strohm in die See fält ist das Wa-
ßer schon süß, ehe man noch die Küsten sehen kann.
Vermöge seiner Schwehre «schränkt»{2- <senkt> -2} sich das Saltz zu
Boden und die Saltzigkeit vermehret sich je näher
man demselben kommt. Die OstSee ist weni-
ger gesaltzen alß die SüdSee %und das Eysmeer dünstet
und frieret das süße Waßer wieder aus. Das
süße Waßer frieret gleich zu Eys, worinn gantze
so genannte Eisfelder anzutreffen sind, die eine
Schelle ausmachen, neben welchen man wohl
drey Tage lange seegeln kann, ohne ihr vor-
bey zukommen. Das Saltz aber frieret gar nicht,
und dünstet auch sehr wenig aus. Das Saltz trägt
zwischen dem 30ten %und 10ten Theil der Schwere
des Waßers aus. Mit dieser Saltzigkeit ist aber«,»
ist ein bitterer pechärtiger Steinkohlen_Geschmack
unzertrennlich verknüpfft, der es gäntzlich un-
brauchbahr macht. %Nota: Die Saltzigkeit des
Oceans müßen wir vom Innländischen Meere

/|P_47

/unterscheiden. Am Wolga_Strom ist die
Geltonsche SaltzSee die im Sommer austrock-
net und gantz mit Saltz bedecket «ist» und beleget
ist. Dieses Saltz hat die Farbe des Eisens, und
die Ursache dieser schwarzen Farbe ist diese;
weil da wo viel Saltz ist, auch viel Pech, (Asphalt)
angetroffen wird. Dieser wiedrige Geschmak
kommt «aus» vom Asphalt her, der sich allenthalben
befindet, welches man insbesondere am Todten
Meer bemerken kann, daß Ufer mit Asphalt
bedeckt sind, welches auch unter allen Meeren
das meiste Salz hat; denn es beträgt ein vier-
tel Theil des Gewichts des Waßers, es hat aber
auch den wiedrigsten Geschmak. (Asphalt)
siehet aus wie Steinkohlen, in größter Men-
ge findet man es im Todten Meer, woselbst
gantz ungeheure Klumpen davon auch her
schwimmen.) Imgleichen das Caspische Meer,
der Fluß bey Mexico, der halb süß, halb saltzig
ist. Das Saltz ist eigentlich kalckartig, worunter
ein besond«¿¿»res Saltz ist. Das Saltz wird in den
mehresten Ländern zur Bedürfniß aus dem
Meeres_Waßer heraus gezogen. «Es giebt»
Es giebt auch Saltz_Quellen. In den Sandwüsten

/|P_48

/sind viele Saltz_gruben, Mann findet diesel-
ben jederzeit am Fuß eines Gebürges, oder
doch an solchen Orten, die mit selbigen «in»
in Connexion liegen. «In¿¿» <In> einigen wenigen
Ländern wird auch Stein_Saltz gegraben. Die
Art wie man «wie man» das Saltz aus dem
Meer_Waßer herausziehet, ist folgende, man
leitet das Meer_Waßer in Bassins woselbst
es so lange stehet, bis das darin befindliche
Saltz von der Sonne coaguliret wird. So wird
das französische grobe oder be«y»isalz gemacht,
und das Spanische und Portugische von St_Hu-
be«¿¿», welches weißer alß das vorhergehende
praepariret ist. Man«n» macht man das saltzwaßer
süß 1 durch Filtriren {2- *1 -2}, 2 durch frieren, 3
durch destilliren 4 di. Faulen %und praeciptiren.
Das RegenWaßer ist nicht gantz rein vom
Saltz, natürlicher weise scheint kein Waßer
ungesaltzen gewesen zu seyn; denn das
süße Waßer hat seinen Ursprung durch eine
natürliche Destilation nehmlich durch den Regen,
Schnee, Quellen pp. Da es durch die Destilation
nicht angehet das MeerWaßer süß zu ~

/|P_48R δZ_15

/{2- *1 Filtiren heißt eine
flüßige materie
von ihrer Unreinig-
keit säubern, so wird
zE Brandtwein, wenn
es unrein ist durch
Löschpapier oder noch
beßer durch Druk-
Papier gereinigt. -2} ~

/|P_49

/machen, weil, wenn man Feuer darunter
macht, die Steinkohlen-artige Materie mit in
die Höhe gehet; so hat man auf folgende Art
dieses versucht. Mann hat über das Waßer
Oel gegoßen, wodurch die Waßer_Dämpffe
in den Kühlhelm aufgestiegen sind, indeßen ist
es doch unvollkommen. In Engelland und
Frankreich ist die Methode das Meer_Waßer süß
zu machen völlig entdeckt und man hat damit
bey einer neulichen Seereise Versuche gemacht.
Es giebt noch ganze Völker kein «Holtz»
<Salz> brauchen, auch keines annehmen. ZE :die Kara-
bier, die Grönländer; Es scheint also nicht so
unentbehrlich zu seyn, alß es uns vorkommt,
aber selbst das MeerSaltz ist von einander sehr
unterschieden. An der Küsten von Gvinea
ist es sehr weiß und wird bald bitter. Die Ost-
See hält 1/12, die Spanische 1/32 und das mitte«r»llän-
dische Meer bey Malta 1/8 Saltz. Das mittel-
ländische Meer ist saltziger alß der Ocean. Im
Durchschnitt beträgt im Ocean das Saltz kaum
ein 24 Theil des Gewichts des Meeres. Im

/|P_50

/saltzigen Waßer gehen Schiffe %nicht
so tief alß im süßen. Die Fische sind im
Seewaßer größer und die Ursache warum
sie nicht im süßen Waßer so groß sind, ist diese
sie würden sinken. Ein Mensch kan im Meer-
waßer weit leichter schwimmen, alß im süßen.
Der Admiral Brodemix schwomm (bey Capo
finis terre) alß das Schiff im Brand gerith,
mit einem Paequet Papier eine gantze Stunde
ehe er gerettet wurde, welches im süßen
Waßer nicht so leicht möglich gewesen wäre,
und im todten Meer kan er gar nicht
zu Grunde gehen. Machia Ein Napoli-
taner entdekte, alß er sich badete, daß er
nicht untergehen konnte, alß man drüber
Untersuchen anstellete, fand man, daß seine
Arme von erstaunenden Leichtet waren.
Die Salzigkeit des Meeres scheint, Auf
de«m»n Lufftkreis«e» einen großen Einfluß
zu haben, die saltzige Seeluft ist die Ursache
vom Scorbut, ob es zwar nur schwer
ausdünstet; so lößet sich doch ein saurer Theil

/|P_51

/ab. Dieses sieht man an dem Eisen, welches
in den heißen Zonen in kurtzer Zeit vom
«Zeit vom» Roß angefreßen wird. Es scheinet fast
al«le»s wenn die Gewitter von der Vermischung
der See und Land_Lufft entsten.

/ ≥ §_6.
/Von den Bewegungen des Meeres.
/ $a$ Von der Bewegung durch Winde

/Die Wellen_Bewegung ist so beschaffen, daß das
Waßer zwar bleibt, aber die Figur fort, oder
eine oscilirende aber nicht strömende Bewegung.
Hält aber der Wind an; so bringt er doch zuletzt
das Waßer in eine strömende Bewegung.
Lange Wellen sind in der Spanischen See, und
gut für die Farth der Schiffe, sind die Welen kurtz,
so ist die Farth der Schiffe sehr groß und gefährlich.
Das schartze Meer hat kurtze Wellen, woran
die Untiefen schuld sind, bey kurtzem Winde, wenn
s»r ungefehr nur 2 Stunden lang anhält, ist
das tiefe Meer unbewegt, wie hoch die Wellen
steigen, ist nicht ausgemacht. Einige mey-
nen die mittlere Höhe sey 2 Klaffter. Der ~

/|P_51R δZ_8

/%Nota: Bis in welche
Tiefen die Stürme das
Meer unruhig machen;
von der hohlen See
und den Brandungen
von dem unruhigen
Waßer nach den
Stürmen und ob es
wie einige meynen,
durch Oel zu besänfftigen
sey? von den un-
ruhigen Meere, von
den Meer_Strömen,
die vom Winde
herrühren, welche
durch die Winde
und Richtung der
Küsten und Seeklip-
pen bestimmt werden; ~

/|P_52

/hohle See ist die Wellenbewegungen nach
einem Sturm. Schon vorher ist das Meer unruhig
ehe noch der Sturm kommt. Bey einem solchen
Umbstande da kein Wind ist, stehen die Masten und
auch das gantze Schiff im Gefahr, zuweilen
werden 2 Schiffe so in einander geworfen, daß
sie scheitern. Mouschenbroek sagt: um die hoh«¿»e See
zu übersänfftigen dürffte man nur etliche Fäßer
Oel auf das Waßer gießen. Der OstWind wehet
im Ofenen Meer fast beständig.

/ ≥ $b$ Von der Bewegung durch die Ebbe und Fluth. ≤

/<Durch> die Erschütterung im Aeter erzeugt sich das Licht,
so wie die Bewegung der Lufft. Die Ursache des
Gehörs ist, das Sonnen_Licht ist 30<000> mahl stärker, alß
des MondesLicht. Letzteres wärmet nicht einmahl.
Die Kräffte Anziehung erstrecken sich bis
ins unendlich und sind unmittelbahr wirkende
Kräffte; wie solches Nevton sehr weitläufftig und
unwiedersprechlich erwiesen hat. Die Anzie-
hung nimmt mit dem %.Quadrat der Entfernung
ab, so wie das Licht. Die Winde können in Anse-
hung der Berechnung der Ebbe und Fluth eine
nicht Uebereinstimmung und Ungleichheit verur-
sachen. Wenn der Mond schon im Meridian ~

/|P_52R δZ_1

/Die Beweise aus
vielen Exempeln in
verschiedenen Meeren;
die Behutsamkeit der
Fahrer in Ansehung
derselben. Dieses
alles kommt in dem
Cap«h»itul von der
Schiffarth vor. ~

/|P_53

/ist; so ist doch die Fluth immer 3 Stunden später,
und so auch die Ebbe 3 %.Stunden nach Untergang des
Mondes.

/So wie sich die Ordinaire Fluth um 3 Stunden verspät,
so kommt auch die Springfluth im Voll und Neu_Monde
33 %δEinheit später alß der Neumond ist. In Meeren, die
gantz oder auch nur mehrentheils geschloßen sind,
ist wenig oder gar nichts von Ebbe und Fluth zu
verspühren, Obgleich sich denoch in gantz unmerklichen
Grade darinnen befindlich ist.

/An einem Ort, kommt Fluth und Ebbe zu ge-
wöhnlicher Zeit, aber an nahe dabey gele-
genen Oertern ist es sehr verschieden e g. bey
Helgoland, bey Hamburg eine Insul, wenn da-
selbst an einem Orte Ebbe ist; so ist an dem «Or-
te» andern Fluth. Bey Dover und Sandwich
sind die Düne«n». Sind am Schiffe daselbst, so kön-
nen Sie druch die Fluth nach London seegeln. Auf
der andern Seite ist Jarm«¿¿»outh und von da
kommen die Schiffe auch mit der Fluth zu glei-
cher Zeit nach London. Obgleich Jarmouth und
die Dünen nach zwey verschiedenen Weltge-
genden vom Lande an @zurichnen@ sind. In
den Meerbusen kommt die Fluth mit großer

/|P_54

/Heftigkeit, im ofenen %.Meer ist es selten @¿¿@ aber e. g.
bey St_Malo zuweilen 45, daher die Schiffe
bey der Ebbe auf dem Sande liegen bleiben. Bey
Nourdeaux kömmt der Mascaret wie ein Berg
mit großen Ungestüm angerant.

/Das Meer schwillt in 24 %.Stunden zweymahl auf, welches
die Fluth heißet, und ziehet sich zweymahl von den
Ufern zurück, welches die Ebbe genannt wird.

/Die größeste Fluth ist, «die» je nachdem der Mond
durch den Mittags_Zirkel, der durch den Ort
gehet, entweder oben oder unten durchge-
gangen ist. Die größeste Ebbe geschiehet 6
%.Stunden sowohl zuvor, alß hernach. So wie der
Mond den folgenden Tag 3/4 Theil Stunden später
durch den Meridian deßelben Orts gehet; so ver-
spätet sich auch die Fluth und Ebbe auf eben die-
selbe Zeit. Im neuen und vollen Lichte sind
beyde größer alß in den vier Theilen. Zur
Zeit des Aequinoctii sind sie in diesem Lichtern
am größesten und denn heißen sie die Spring-
Fluth, sonsten die Todten Fluth. «Die gelinde
Abschössigkeit des Ufers» Die OstSee hat
keine, die mittelländische nur eine geringe
Ebbe und Fluth. Die gelinde Abschößigkeit des
Ufers trägt auch viel dazu bey, sie merklich

/|P_55

/zu machen, obgleich das Waßer nicht höher
alß anderwärts steiget, noch tiefer sinket. Exem-
pel an verschiedenen Meerbusen. Die Winde
so die Fluth und Ebbe treiben, haben auch ihren
Antheil daran. Die Lage der Küsten ziehet
diesem Wechsel des Flütenden Meeres eine
große Unregelmäßigkeit zu. Die Ursache
der Ebbe und Fluth ist in der vereinigten An-
ziehung des Mondes %und der Sonne zusetzen.
Nevton hat bewiesen, daß alle Welt_Cörper
einander anziehen. Die Gewäßer unter dem
Monde, werden sowohl auf der dem Mon-
de zugekehrten alß abgekehrten Seite erhoben
und 90 %Grad von dem Meridian sinket das Waßer.
Die Anziehung der Sonne hebet das Waßer
2 Fuß hoch des Mondes aber 10 Fuß. Durch die
Beschaffenheit der Landesküsten aber, wird beydes
an manchen Oertern weit höher getrieben.
Im Neu und voll-Monde verbinden sich bey-
be Anziehungen und daher entstehet dan
die Springfluth. In den viertheilen schwächt
die Anziehung des einen das Vermögen des
andern, und daher haben wir die todte
Fluth, vornehmlich zur Zeit der Tag und Nachtgleiche.

/|P_56

/Der Nutzen der Ebbe und Fluth ist vielfältig. Es
giebt an der Mündung vieler Häfen Barren,
oder nahe unter der Oberfläche des Waßers, ver-
borgene Sandbänke, «w» über welche man nur bey
hoher Fluth kommen kann. Mit der Ebbe sowohl
alß mit der Fluth kann man oft wieder den Wind
in der See vorkommen.

/ ≥ c) Von der allgemeinen Bewegung des Meers
vom Morgen gegen Abend.

/Allenthalben weit von den Küsten der Länder
bewegt sich das Weltmeer von Morgen gegen
Abend, besonders in der Zona torrida. Der Grund
ist in der Ebbe und Fluth zu suchen, die nothwendig
weil der Mond sich um die Erde vom Morgen
gegen Abend zu bewegen scheinet, demselben
in dieser Richtung folgen muß.

/ ≥ d) Von der besondern Bewegung des Meeres,
die von dieser allgemeinen herrühret.

/Die MeerStröme oder Carrants sind ent-
weder beständig oder periodisch. Bey den Mo-
luckischen Insuln, ist beym WestWinde der Strohm
entsetzlich groß, unter die ersten gehöret der
Strohm, der bey Madagaskar in dem festen
Lande «bey» von Africa ströhmet, der, welcher
von dem Vorgebürge bey St_Augustien in ~

/|P_56R δZ_1

/%Nota: Ströhme, die
vom Winde herrüh-
ren sind verschieden,
von denen die von
der Ebbe %und Fluth her-
kommen, als anno 1672
Jacob_II, König von Engel-
land mit der Flotte
in NordHolland bey
Topal landen wolte;
so muste er auf die
Fluth warten, die
aber ausblieb; daher
muste «E»er noch 12 %Stunden
warten, da war
aber die Fluth zu
klein, %und er muste wie-
der warthen. Unter-
deßen versammleten
sich die Holländer und
er wurde vom Ufer
zurückgetrieben. ~

/|P_57

/Brasilien nach den Alantischen Insuln zeucht
der, welcher durch die Straßen Le_Meire von
Westen nach Osten. Imgleichen der, welcher in
der Magellanischen MeerEnge mit entgegen
gesetzter Richtung strömet. Alle diese Meer-
ströme sind nichts anders alß Würkungen, der
allgemeinen MeeresBewegungen von Morgen
gegen Abend, insofern dieser durch die Küsten
ein besondere Richtung gegeben wird. Diese
Meeresströme ziehen selbst gegen den Wind.
Es sind noch andere Ströme, in den Inndischen
und anderen Meeren, welche mit den periodischen
und anderen Winden abwechseln, und jeder
Zeit ihre Richtung halten, wo die Ströme zwischen
Insuln oder Reichen von SandBänken streichen,
sind heftiger alß im ofenen Meere. Einige Ströme
deren es in Westinndien sonderlich im mexi-
kanischen Meere viele giebt, andern ihre Richtung
der Ebbe und Fluth gemäß.

/ ≥ e) Von den Meer_Strudeln. ≤

/Viele entstehen durch die Reciproque Bewe-
gung des Meeres in der Ebbe und Fluth, weil
sie sich nach dem Monde richten. So geht e g.
der Strudel bey Isacie an den Küsten von Iapan

/|P_58

/zur Zeit der Ebbe vor sich, bey dem Strudel
ist zu merken der Trichter, welcher wenn er
am größesten 1 Klaffter tief und 2 Klaffter breit
ist. Der Euripus bey Negroponte im mit-
tellandischen Meer, darinnen sich Aristoteles
hat stürzen wollen, weil er ihn nicht begrei-
fen konnte, ist eine Würkung der Ebbe %und Fluth.
Er schleudert wohl viermahl in einer Minute
die Schiffe von einer Seite nach der andern,
kommt sehr unordentlich und ist eigentlich kein
Strudel, der Studel bey Messina dienet zur Er-
klährung dieses Phaenomenons, der vornehmste
Strudel ist der Mälstrom bey Norwegen. Die
Meerströme sind die einzige Ursache dieser
Strudel. Der Meerstrudel an den Norwegischen
Küsten, der Mal- oder Maske-Strom ist nichts
anders, alß ein nach dem Monde abwechselnder
MeeresStrom, welcher durch die Lage der Küsten,
Insuln und Felsen gedrehet wird, daher er
in der zwischen Zeit, zwischen Ebbe und Fluth
gantz ruhig ist. Indeßen kommen auch einige
Strudel von den Courrants her, die vom
Winde erreget werden, wie der Charybdis
in der Straße von Messina.

/ δSchnörkel

/|P_59

/ ≥ Anhang zur Geschichte des Meeres.

/ §_7.
/A. Erörterung der Frage: Warum das
Meer von Flüßen nicht voller werde?

/Das Ausdünsten übertrifft die Menge des
durch die Ströme zugefloßenen Waßerers, %und
würde es nicht regnen, so würde das Meer
in einem Jahr 24 %Zoll ausdünsten.

/Kircherus in mundo Subterraneo glaubt
unterirrdische Gänge. Der Ocean ändert
durch die Ausdünstungen seine Fläche nicht, ob-
gleich in einigen Meeren die Ausdünstungen we-
niger betrifft zE. das schartze Meer. Da aber das
Ufer eine gelinde Abdachung hat; so ist auch endlich
die Ausdünstung der Menge des hineingekommenen
Waßers gleich, bey dem schartzen Meer würde
es so seyn, wenn es nicht durch Straße bey Constan-
tinopel mit dem mittelländischen Meere
verbunden wäre. Letzteres steht niedriger
alß das atlantische Ozean, könnte es bey der
Straße von Gibraltar verstopft werden; so
würde es merklich austrokenen; weil die
Ausdünstung mehr beträgt alß die Flüße hin-
einbringen. Das schartze Meer steht höher
alß die «at»<mitt>landische See. Daher sind bey allen

/|P_60

/Straßen, Ströhme, würden die Bellte und Sunde
verstopft; so würde die OstSee in wenig Jahren
so steigen, daß wir hier nicht wohnen könnten.
Durch die Straße Babelmandel fließt der Ozean
ins rothe Meer, aus den Spanischen Meerbusen
aber fließet das Waßer durch die Straße bey
Ormus in den Ozean. Zwar aus obigen Grün-
den, dem entgegen fließenden Strohm in den
Straßen erforschet man so, man nimmt ein
Fäßchen woran Kugeln sind bevestiget und wo-
durch man es zum untern Strom senket: Da
denn durch dieses Fäschen, das Boot, in dem man
sich befindet, dem obern Strohm entgegen fortge-
trieben wird, So hat man es in dem Sunde ver-
sucht. Alle Meere die durch ein Waßer sind,
können also nicht gleich hohe Oberfläche. Das Caspische
Meer steigt in naßen höher und bey trokenen Jah-
ren dünstet wieder aus, weil es gantz vom Oze-
an abgeschnitten ist. Der Fluß Aral empfängt
mehr Waßer vom Gohn alß er ausdünstet. Er hat
aber auch nach und nach das Land überschwemmet.
Weits [[Waiz]] hat den Satz, daß 2 Ströme in einer Straße
befindlich hinreichend beweisen, obgleich Büsson [[Buffon]] es
für unmöglich gehalten. Das %mittländische %.Meer hat
gleichsahm eine Zirkel_Bewegung. An der

/|P_61

/Africanischen Küste strömt es von Osten nach
Westen; weil von «große» Osten die größte
Menge Waßers bekommt, da der %Europäischen Küste fließt
es nach entgegen gesetzter Richtung.

/Die Ausdünstung nimmt eben so viel weg,
alß die Flüße hineinbringen. Halleys Ab-
rechnung beträgt die Ausdünstung des todten
Meeres länglich 9 Milionen Thonen Waßers,
und der Zufluß vermittelst des Jordans höchstens
6 Milionen Tonnen. Daher ist nicht nöthig eine
unterirdische Gemeinschafft der Meere unter
einander anzunehmen: Wie solches vom
Caspischen Meere und Persischen Meerbusen,
imgleichen vom mittelländischen %und rothen Meer
vorgegeben wird. Ein Meer welches mit
dem Ozean keine Gemeinschafft hat, ist ein
Bassin, welches so lange mit Waßer angefült
wird, biß seine Oberfläche soweit zugenom-
men, daß die Ausdünstung der Me«¿¿»nge des
durch die Flüße zugeführten Waßers gleich ist.
Es können aber innländische Meere die mit
dem Ozean durch Meerengen verbunden sind,
durch die sich hierein ergießende Flüße mehr
Waßer bekommen, alß sie durch die Ausdünstung
verliehren und dann ströhmet das Waßer aus

/|P_62

/ihren Fretis heraus zE: beym schwartzen Meer,
oder sie haben weniger Zufluß, alß die Ausdün-
stung wegnimmt, und alsdenn dringt beständig durch
das fretum das Gewäßer des Ozeans hinzu,
wie zumE: bey dem %.mittelländischen %.Meer. Es müßen hiebey
die 2 wiedrige Ströme in den Straßen erklährt
werden. Da ZE: das Oberwaßer im Sund aus
der Ostsee in die NordSee fließet, das Unter-
waßer aber aus der Nord- in die OstSee flie-
ßet. Imgleichen da im schwartzen Meer das
Oberwaßer durch die Meerenge der Dar-
danellen ins griechische Meer fließet und das
Unterwaßer in entgegen gesetzter Richtung
zurükströmmt. Dahingegen fließet das Ge-
wäßer des atlantischen Ozeans durch die Stra-
ße von Gibraltar überwärts ins %.mittelländische %Meer
nehmlich bey der Fluth, und in größerer Tiefe
findet man bey eben diesem freto einen Stromm
der aus mittelländischen %Meer in den Ozean geht.
Man findet auch langsahme Ströhme im %mittelländischen
%Meere an den See_küsten, deren Richtung und
Gesetzze angezeiget werden.

/ ≥ B. Ob das Meer in allen seinen Theilen gleich
hoch sey? ≤

/|P_63

/Einige behaupten, daß das rothe Meer höher
alß das %mittelländische sey, Und darum sey es auch un-
möglich beyde durch ein Canal zu vereinigen. Eben
so geben die Spanier vor, daß das atlantische
Meer stehe höher, alß das stille Meer und ein
Canal der den ¿¿»sthmum vom Panama durch-
schnitte, sey deshalb unmöglich. Nach dem
Varenius ist die NordSee höher alß die Süder-
See, d: ist alß der Busen in der NordSee, der
an Amsterdam anspühlet. Vermittelst der
Ausdünstung ist es möglich, daß ein Meer höher
stehe alß das andere. Die OstSee stehet höher, alß
der Ozean. %Imgleichen das schartze Meer und viel-
leicht auch der Persische Meerbusen. Dass %Mittländische %Meer
aber ist niedriger. Bey Faltz ist ein großer Canal,
der aber nicht mit dem rothen Meer verbunden
ist, weil man %vermuthlich befürchtet, das Waßer
der rothe Meeres würde, weil es hoch stehet,
das gantze Deltha alß der schönste Theil Egyptens
überschwemmen. Kircher der vorher angeführt
worden, %imgleichen Appelius [[April??]], glauben unterrirdische Gänge,
welches letzterer daher beweiset: am «Casm» %Caspischen
%Meer stehen viele Weide, am Persischen aber nicht,
dennoch haben offt Weiden_Blätter daselbst geschwommen.

/|P_64

/folglich müste das Waßer des %Caspischen Meeres ver-
schlungen worden seyn.

/ ≥ E. Einige Merkwürdigkeiten des Eismeeres. ≤

/In der EisZone bey den HalbKugeln treiben im
Frühlinge bis spät im Sommer %entsetzlich große Eis-
schollen, welche Eisfelder genennet werden,
welche offters 80 bis 100 Klaffter über dem Wa-
ßer hervorragen. Andere kleine die man
EisBerge nennet, ragen gleich hohen Thürmen
über demselben hervor. Ihr Umfang ist bisweilen
Meilen groß. Sie machen die Luft um sich her ent-
setzlich kalt und neblicht. Sie entspringen vielleicht
nicht aus dem gefrornen Meerwaßer; sondern sind
wahrscheinliche weiße große Eisklumpen, die von
dem Eise, welches die Flüße, die sich ins Meer er-
gießen, über einander schieben, zusammen gesetzt
sind, und wegen ihrer Dicke zerschmeltzen sie
so langsahm. In Grönland und Eisland wächset,
so wie in allen Ländern die in der EisZone
liegen, sehr niedriges Holtz; *1 aus dem Eis-Meere
angetrieben, welches viel größer ist, alß, daß
es in diesem Erdstriche erwachsen können.
Anzeigung der Gegend wo solches herkommt.
Die EisMeere auf der nördlichen Seite hat man schon ~

/|P_64R δZ_20

/Es kommt aber alle
Iahr eine große Menge
Holtz ~

/|P_65

/erfahren, 1) das TreibEis und 2) das Treib-
holtz. Die mehresten Farthen dahin ges«e»chen
des Wallfisch-Fangs wegen, doch aber hat man
sie angestellt um Entdeckungen von einer
Farth nach Indien zu machen. Wallfische
fängt man bey Spitzberg, Grönland und einige
auch in der Hunds_ausbäy. Die Eisfelder sind
so groß, daß ein Schif in 24 Stunden ihnen
kaum vorbeyfahren kann. Sie haben um sich
einen Saum, der aus einer Art Eis be-
stehet und blau aussiehet. Die Eisstöcke ra-
gen wohl 500 %Fuß hoch über die MeeresFläche
hervor. Sie stellen verschiedene Gestallten vor.
Auf einigen die am Ufer liegen, sind ströme,
über dem sind sie mit Nebel umbgeben, so daß
man gewiß glaubet, es sey Land, und in der
Nacht auch Schiffe daran scheitern können. Bey
dem Wallfischfang ist keine Nacht. Die Eisstücke
kommen so gar bis ins Terre nove. Die Säume
der Eisfelder nennen die Holländer tongs_Zon-
gern, die von sehr harten Eise sind. Die
Schiffer müßen sich sehr hütten. Die Eisfelder
sind weniger gefährlich, alß die Eisstücke.
Das Eis treibt von «Ost» NordOst nach SüdWest.

/|P_66

/Die Eisberge in der Schweitz sind auch %nicht gantz
klar; sondern %ziemlich blau. Diejenige die um
das Casp: Norve bey America seeglen, haben
daselbst größeer Stücke gefunden, denn alß im
%Nördlichen EisMeer; das Eis aus dem südlichen %Meer
treibt weiter alß das aus dem %Nordlichen. Es kommen
viele Thiere mit dem Eis. So kommen zE: wei-
ße Bären nach Norwegen. %Vermuthlich er-
zeugt es sich da, wo sich das süße Waßer von
Siberien in das %Meer ergießt. An allen
Küsten des Eis_Meeres giebt es kein Holtz, es
kommt aber soviel angetrieben, daß sie davon
ihre Kähne, Ruder pp bauen. In der Hundsons
und Davids-Straße treibet viel Holtz. Von den
Sieberischen Küsten, kann es nicht kommen, denn
da wächst kein Holtz, %Vermuthlich ist es unter-
irrdisch Holtz, wie dann ab einigen Orten
gantze Wälder unter der Erde angetroffen
werden, wie zugleich in Deutschland. Es kommt
also am wahrscheinlichsten von Nordamerica
angetrieben.

/ ≥ d. Von LandSeen %und Morästen. ≤

/Was eine LandSee sey, wie die Gegend

/|P_67

/des festen Landes beschaffen seyn müße, wo
es viele Seen geben soll, wie es zumE: In
Finnland und Schweitz pp. Unter allen Seen ist
die Czerniczer_See und Hertzogthumb Crain
einer der merkwürdigsten. Er läufft bey
trokener Zeit gantz ab, außer einem
Bach der in der Mitte übrig bleibt. Mehren-
theils läufft er um Iacobi ab und kömmt im
%october oder %November wieder. Es sind 18 Gruben
oder Keßel «oder Gruben», darinnen er sich in 25
Tagen verläufft. Diese Gruben ziehen %nicht
zu gleicher Zeit ab. Man hat Exempeln, daß
er in einem Iahr 3mahl abgelaufen ist. Bey
Gewittern läufft der See auf, ehe es noch
regnet. Es sind in dem Berge der nahe,
bey der See lieget, noch zwey Löcher, jedes
ein %Quadrat_Fuß groß, daraus in dieser
See Waßer hineinstürtzet. Im Herbst bringt es
schwartze Kohlen und blinde Enten heraus,
die hernach flieg und sehend werden. Ursa-
che dieses Phoenomenis. Ob einige Flüße,
die durch Seen lauffen wie zE der
Rhein im Boden- und Rhone im Genfer_See

/|P_68

/Die Donau im schwartzen Meer, ihren Lauff
ohne Vermischung mit dem See_Waßer erhalten?
Erzehlung der namhaften Morrästen, Ursache %und
Nutzzen derselben. Erzeugung des Teufs %und
Beantwortung der Frage ob derselbe wieder
wachsen.

/ ≥ Allgemeiner Theil der Physi-
schen Geographie. Zweytes Haupt-
Stück. Geschichte des festen Lan-
des und der Insuln.

/ ≥ §_1.
/Von den unbekandten Ländern. ≤

/Land heißt alles, was über die Fläche des
Meeres hervorragt, es unterschiedet sich von
einer Bank, daß letztere überschwemmet wurde,
@kaun@ jenes aber nicht. Indeßen kann auch öffters
aus einer Bank ein festes Land entstehen.

/Die Phoenicie«¿»r @semen@ den Ländern, die {2- <Namen> -2} gege-
ben zu haben. So bedeutet in ihrer Sprache
Europa, nur etwas verändert, das Land
der weißen, sonst theilt man das Land

/|P_69

/«der Weißen)» ein, 1) in Continente das feste
Land %und 2) in die Insuln. Das feste Land
wird eingetheilt in die alte und neue
Welt. Bauch [[Buache]] macht die Anmerkung, wenn
man den Globum so stelt, daß Paris im
Zenith stehet; so ist fast alles veste Land in der einen
Hälffte der Kugel. Die Vorgebürge sind halb¥
Innsuln, kehren alle Spitzen nach Süden. Eini-
ge von unbekandten Ländern, sind nur Theile
von unbekandten, als, das innere südliche america,
das innere Africa. Andere sind nur in ihren
Vorgebürgen, und andere an einigen Küsten
bekandt. Zu diesen gehören Grönland, Neu-
holland. Zu jenen einige Spitzen des unbe-
kandten Austral-Landes. Noch andere werden
nur vermuthet. ZE: mehr Insuln im großen
stillen Meere pp Bey einigen ist man noch
beschäfftiget, Entdeckungen zu machen; alß
durch die Durchfarth in NordOst und Nordwest,
davon die erstere durch die Hölländer %und
Rußen, die andere durch die Engelländer
«¿¿r» versuchet wird. Hinderniße die sich
diesen Bemühungen wiedersetzen.

/|P_70

/von dem alten %und verlohrnen Grönländern,
welches dem neuen gegen Osten lag, zu den
unbekandten Ländern gehören. Die Usbensche
Tartarey, von Mahomedaner bewohnt. Die Bu-
charey, welche der Sitz von großen Conqueronten
gewesen, (Mungalen sind Völker, die
platte Nasen und überhaupt ein plat Gesicht haben.
Steppen_Völker sind solche, die herumziehen,
die Hunnen waren Kalmuken, dieses erhellet
aus der Beschreibung des Attila, ihr vornehm-
ster Sitz war in Hami, diese Gegend respe-
ctirt jetzo größtentheils die Chinesische Macht.)
Africa ist zwar von den Küsten bekandt, in-
deßen ein solcher Theil wie gantz Europa
ist unbekandt. America ist nicht einmahl dem
Anfang nach bekandt. An einigen Orten,
die der Ueberschwemmung ausgesetzt sind,
wohnen die Einwohner auf den Bäumen.
Die Ursache daß so viele Länder unbekandt sind,
liegt theils an dem Mangel der Häfen, theils
an der Unfruchtbarkeit vieler Küsten. In-
sonders verhindert das viele TreibEis, die
weiteren Entdeckungen, in der Austral-
Welt, die Salamonischen Insuln, besonders

/|P_71

/das alte Grönland, war vor dem Unbe-
kandt, jezo ist es «un»bekandt worden, unge-
fehr vor 400 Iahren, besetzte man dieses
Grönland mit dänischen Colonien, es waren 2
Städte und viele Klöster daselbst, nun hat
man es fast gantz verlohren. Vermuthlich
ist die Farth nach diesen verlohrenen Ländern,
so vom Treibeise verstopffet worden, daß es
unmöglich ist, selbige wieder aufzufinden. Um
den Amazonen_Strom sind viele ungeheure
Gegenden, die zum Theil fruchtbahr, aber doch
unbewohnt sind. Noch gehören zu den unbe-
kannten Ländern auch die Wüsten, die man
Herdeland «¿»nennet, und aus roher eisenhalti-
ger Erde bestehen, diese sind völlig unfrucht-
bahr. Man theilt sonst die Wüsten ein, 1) In
Sand-Wüsten, die aus bloßen fliegenden
Sand bestehen. 2) Steppen, woselbst keine
Flüße und keine Gewächse sind, von dieser
Beschaffenheit, sind die von den Rußen benan-
te Steppen. Hier merken wird noch an; Ist
man über den 70 Grad der Breite; so findet
man, daß daselbst nichts wächst, außer

/|P_72

/noch unter dem 75 %Grad, wo Rennthier_Mos wächst,
welches aber gantz troken ist.

/ ≥ Anmerkung von den Sandwüsten und Steppen.

/Die Wüste Gobi «s»in Asien ist mehr alß 200 %Meilen
lang und 80 Meilen breit. In dieser Gegend ist der
Sitz des großen Conqueranten Tischingis_chan
gewesen. Persien ist durch eine große Wüste
zwischen Mascandere und Astrabat getheilet.
Sie ist eine Sandwüste, und man triefft daselbst,
wenn es geregnet Saltz an, dadurch ist der
eine Theil worinnen «¿¿¿»Iasphan die HauptStadt
ist, von dem andern Theil, worinnen Candahar
die HauptStadt ist sehr abgeschnitten. Die Auganer
machen daselbst viele Unruhe. Unsere Zigeu-
ner scheinen von diesen Auganen abzustammen.
Die Arabische Wüste, welche vornehmlich die
größeste Wüste ist, die man kennet, macht
die Grentze zwischen Egipten und der Barba-
rey. Es ist daselbst die Lufft sehr räuchericht,
so wie bey und, wenn es sehr dürre ist. Es
sind keine Berge darinnen, obgleich einige
Hügel. Man hat demohngeachtet Brunnen, die
aber sehr kostbahr, vom großen Umfange und

/|P_73

/vom schlechten Waßer sind. Die Heuschröke
verderben auch viele Brunnen, weil sie daselbst
hineinfallen und verfaulen. In America sind
keine eigentliche SandWüste. Alle Wüsten sind
hohe Länder, man siehet es daraus, weil die
Flüße bey den Wüsten sich von ihm trennen und
vorbey fließen. Sie sind also Hohe und Ebbene, und
alle hohe Ebenen sind Wüsten. Zwey Gebürge,
die eine Wüste einschließen, geben ihren Fluß
nicht nach der andern Seiten der Wüste hin;
sondern nach einer gesetzten Seite. Hin Zwischen
der Donau und «¿¿»D<ni>ester, ist ist Bessbarische
Steppe, zwischen der Donau und @Deiper@, die
Czakorische Steppe, zwischen Dnieper %und Don,
die tartarische. Es sind daselbst keine Bäume
und keine Quellen.

/ ≥ §_2.
/Von den Insuln. ≤

/Die größesten Insuln sind Borneo, Ma-
dagaskar und Iappan. Die mehreste
liegen zwischen den Tropicis. In der Nähe
des festen Landes sind sie häufiger alß weit
von demselben im ofenen Meere, der

/|P_74

/Archipelagus der Maldivischen Einlande
hält auf 12.000 Insuln in sich, die in 13 Attotons
eingetheilt sind. Eine Aehnliche Menge enthält
der Archipelagus der moluccischen Insuln.
wie auch der Philippinische und latronischen.
Hier müßen wir auch der schwimmende Insuln
erwegen, imgleichen auch der Klippen und
Sandbänken an der Ostiis der Flüße berühren.
Die Bank bey Terre nove, welche felsicht ist, ist
die berühm«¿»teste unter allen, und ist tief genug
unter dem Waßer um darüber zu schiffen.
Sie ist als ein unter dem Waßer gelegener
Fels anzusehen, der oben gantz platt, von
einem Ende zum andern 150 %.frantzösische %.Meilen lang
und ungefehr breit ist. Er stehet 25 - 40 Faden
tief unter dem Waßer, ist rund und gantz
steil abgeschnitten, so daß man bey dersel-
ben auf 150 Faden keinen Grund findet

/ ≥ §_3.
/Allgemeine Betrachtung des festen Landes
und der Insuln. ≤

/Gleichwie der Boden des Meers eigentlich
ein Thal ist, das mit Waßer uberschwemmet

/|P_75

/worden, so ist alles Land ein Berg, deßen «man»
Fluß ein Meeres_Grunde anzutrefen ist, Alles
Land hat dem zufolge einen Abhang von den Ge-
genden seiner größesten Erhöhung, bis in die
Tiefe des Meers. Die Oberste Fläche des
festen Landes ist mit Gebürgen besetzet, die
nach den größesten Längen derselben fortlaufen.
Auf der Abschießigen Fläche, des Landes laufen
Flüße herab, die in den Gebürgen ihren
Anfang nehmen. Das feste Land hat seine größ-
te Erstreckung außer den Tropicis. Ie näher
es zum Aequator ist, desto mehr verlieret es
sich ins Meer, daher die Landesspitzen und
HalbInsuln mehrentheils nach dem Aequator
hingerichtet sind. Man findet«.», wenn man
den Lauf der Flüße betrachtet; daß das
feste Land gegen Süden und Westen steiler
und abschießiger sey, alß gegen Norden und
Osten. Und Dompier [[Dampier]] hat dieses an den mehre-
sten Küsten der Länder und Inseln gefunden.

/ ≥ §_4.
/Von Gebürgen

/Die Gebürge sind eine Kette von Bergen,

/|P_76

/welche die höchste Gegend des Landes, nach
der Länge seiner größesten Erstreckung ein-
nehmen. In einer Reihen von Gebürgen, ist
wiederum eine Gegend derselben am höchsten
von der nach beyden Seiten die Berge immer
niedriger werden, bis sich allmählich im Meer
verlieren, oder Vorgebürge machen. Die grö-
ßeste Länge von Europa ist von der westlichen
Küste Portugals, bis an die MeeresEnge des
schwartzen Meeres zu rechnen, und in dieser
Richtung gehet eine einzige Kette von Gebür-
gen fort, die hin, «die hin» und wieder verschie-
dene Benennungen bekömmt, bald des Carptischen
Gebürges, bald der Alpen, bald des Pyränei-
schen Gebürges und bald der griechischen Ge-
bürge, die alß ein Ast von den Alpen an-
gesehen werden können. Alle HalbInnsuln
und Landspitzzen haben in der Mitte
ein Gebürge, welches sie der Länge nach
durchläufft: zE: der Alpen in Italien, das
Gebürge Gatae, auf der Halbinsul disseit des
Ganges. Eben so werden die Insuln alß
Sammater, Madagascar, Iamaica pp ihrer

/|P_77

Gebrügen» <Länge> nach von Gebürgen durchschnitten
Die HauptGebürge eines Landes laßen, so zu sagen,
nach den «Aesten» Seiten NebenAesten laufen, wie
die Alpen, der Appenninus, Taurus, das galatische
Gebürge pp. Die mehresten Gebürge laufen mit
den Meeres_Küsten, die ihnen am nächsten
sind parallel, wo aber zwey Gebürge ein-
ander durchschneiden, da siehet man einen
Meerbusen, der sich in das tiefe Thal ausbrei-
tet, daß auf solche Weise gemacht ist. Man
wird dieses aus der Erzählung der nahmhaff-
ten Gebürge auf der Erdkugel am besten
ersehen. Die HauptGebürge von Europa,
Asien, und Africa, erstrecken sich von Mor-
gen gegen Abend. In Europa die Alpen,
von denen der Appennin, der Harz, die Su-
detischen und Carpatischen Gebürge bis in
@Sapmen@ auf einer Seite %und die Pyrenäen
und übrigen Spanischen Gebürgen, auf der
andern Seite alß Küsten angesehen werden:
In Norwegen gehen die Gebirge den
Küsten Parallet bis Nord_Cap: In Asien ist
das HauptGebürge Taurus, welches um die

/|P_78

/Caspische See von Osten nach Westen gehet,
von da sich Imaus anfänget, und weiter nach
Osten, bis an die tartarische See sich erstre-
ket. Dieses HauptGebürge aber ist Creutzweise
an andern durchschnitten, die von demselben
nach Norden bis ans EisMeer und nach Süden
bis ans Caspische Meer gehen. In Africa
gehet den Küsten des mittelländischen Meeres
parallel von Westen nach Osten der Attlas:
nur erstrecket unterschiedene Nahmen bis
nach Egipten. Eben dieses befindet sich in Obern
Theilen von Guinea. Africa ist von Abe-
ßinien an, bis ans Capo de bona experan-
ce nach Norden und nach Süden von einem
Gebürge«r», welches in dem südlichen Theile,
das Mondgebürge heißt, durchschnitten. In
America läufft das vornehmste Gebürge %nehmlich
Cordillera den Küsten des st«ei»ilen Meeres
Parallel «von Norden» von Norden nach
Süden, bis ans fretum magellanicum.

/ ≥ §_5.
/Von den höchsten Bergen auf der Erde. ≤

/Die äußere Gestalt eines Berges ist kegel- 

/|P_79

/förmig, das was man von den uner-
steiglichen Bergen in Dauphiné sagt, deßen
Fluth 1000 Schritte und der Gipffel 2000 enthal-
ten soll, ist unrichtig. Das veste Land wor-
auf ein Berg stehet, ist schon an sich ein Berg,
deßen Fuß vom weitem Umfange ist. Basel
ist 3421 Fuß höher alß Rotterdam und das Thal
quieto, in Peru, ist höher über die Mee-
resfläche erhoben alß die höchsten Alpen.
Ein Berg aber ist viel steiler im Ab-
hang als das feste Land, die höchsten Alpen
sind nicht über 8-10.000 Fuß hoch. Der Pico
auf der Insul tenerisha ist nur 13158 Fuß
hoch nach der Teville [[Feuillée]] Ausmessung. Der höch-
ste unter allen Bergen ist, der Berg Chim-
boraso in Peru, der 23.000 Fuß hoch ist.

/NB: Zu denen Gebürgen gehören auch die
Reihen von Insuln, alß die Maldivischen,
Anmanischen, Nickobe, Sumatna, die Phylip-
pinischen Insuln und die Latronischen. Die
Spitzen der Berge sind %.gemeiniglich kahl und
felsicht. Ueberhaupt finden sich die höchsten je
näher man dem Aequator kömmt. Die

/|P_80

/Die Gebürge Corderillas in America in
Peru sind die Höchsten. Von da werden sie alß
einzelne Berge immer kleiner, je weiter <sie> sich
vom Aequator entfernen. Um Spitzbergen und
Grönland, sind die Berge, gegen jene wie
Maulwurfs_Hügel anzusehen.

/ ≥ §_6.
/Beobachtungen auf sehr hohen Bergen. ≤

/1) Nimmt man eine dünne Lufft wahr. Auf den Spitzen
der höchsten Alpen fält das Barometer 8 %Zoll, und
auf den höchsten perinäischen auf 14 %Zoll. Dieses
ist aber nicht Haupt-Ursache der Beschwerlichkeit in die-
sen Höhen zu respiriren. Ein abgeschoßnes
Gewehr knallt daselbst sehr wenig. 2) Es ist die
Gegend nicht ganz ohne Wind, obgleich selbige
unten in den Thälern öffters rasen, da es
oben gantz stille ist. Der Beweiß ist herge-
nommen aus der Erfahrung, auf den Höchsten Cordil-
rischen Gipfeln«,». «e»Einen immerwährenden Sturm
findet man auf diesen Gebürgen, wenn man
aus dem Thal quito Ostwärts daßelbe passiren
will. 3) Die Berge gehen öffters niedriger
als die Spizen solcher Berge öffters aber auch höher

/|P_81

/Die Erfahrung der französischen Gelehrten ha-
ben bewiesen, daß der Geburthsort der Blitzze
würklich in den Wolken sey, und nicht wie der
Marquis Maffei unten auf der Erde. Schatten denn
der Berg Pico von Teneriffa auf die See wirfft.

/4) Auf den Spitzzen hoher Bergen in einem
immer wahrender Winter, und ewiger Schnee, der
nur dadurch sich aufzuhäufen verhindert wird,
weil öffters große Klumpen davon herabstürtzen.
Vo«m»n den Schnee La_winnen in den Alpen.

/Auf der Spitze des Pico ist es etwas wärmer
alß in der mittlern Gegend, weil oben ein hoher
Lachter, Caldena genannt, alß ein Dampfloch
wärme Dünste ausflößt. In der Schweitz in einem
langen Thal zwischen den höchsten Bergen des
St:_Gotthards, Berge bis an die Piemontische Gebürge,
ist das EisMeer oder der Gletscher eine Art von
See oder Eistafel, die immer mit Eis-Pyrami
den bedeket ist, wo an den Gebürgen große
EisZapfen gebildet werden, die endlich ihre
Schwere herabstürtzen und ein immerwährendes
Gepolter machen. Das Eis breitet sich weit
über die nahe gelegenen Wiesen aus. Eine
besondere Eigenschafft, ist die, daß es sehr schwer

/|P_82

/schmeltzt, man kann sie mit der Eigenschaft
wärmer Baeder vergleichen, die sehr schwer kalt
werden. Eben die Ursache die diesem Eise diese
Eigenschafft giebt, mag auch verursachen, daß
das gefrorne Kalbfleisch in dem Pyrenäischen Gebür-
gen, in die heiße Gegenden von Lima gebracht,
und ohne Fäuleß verzehret werden kann. Im «Win»
Spitzbergen faulen die im Winter erfrorne Menschen
im Sommer gar nicht. Froelichs Beobachtung aus
einer Spitzze des Carpatischen Gebürges, %imgleichen
einige Besonderheiten von dem Panumos oder
den pernavischen Gebürgen. 5) Die Höhe der Ber-
ge über der Meeresfläche wird auf zweyfache
Art gemeßen, entweder geometrice, welches sehr
weitläufftig ist, oder Barometrice in welcher
man durch viele verglichene Beobachtungen ge-
lernet hat, die Höhe der Berge durch den Fall
des QueckSilbers sehr genau zu finden.

/ ≥ §_7
/Vom Nutzen der Berge und Gebürge. ≤

/Vermittels der Höhe des f«¿¿»esten Landes, werden
einige Gegenden der Erde, die sonst in einem
sehr heißen Climate liegen, in eine kühle
Lufft_Gegend versetzt; dahero der Theil von

/|P_83

/Bena, welcher hoch liegt, nehmlich das Thal
quieto, obgleich es der Linie nahe, ist eine Wit-
terung, wie Frankreich hat, und eines immer-
währenden Frühlings genießet. Aetiopien ist
deswegen sehr fruchtbahr %und angenehm. Die
Winde, welche über die beschneiten Berge wehen
«die» kühlen die Thäler ab. Ein hoher Berg der
in der Zona torrida «ist» liegt, «ist» hat <alle> Climata gleichsahm
in seinem Bezirk, durch die Gebirge enfstehen
die Flüße, und zwar von dem vielen Regen, der
auf hohen Bergen fält und von dem aufthau-
enden Schnee, welche dürre Länder gewäßert erhalten.

/ ≥ §_8.
/Von den Höhlen und Klüfften der Berge

/Alle Berge sind inwendig hohl, dieses beweisen
die Erdbeben und brüllende Getöse in ihrem inneren.
In Italien, %imgleichen in der Schweitz, sind viele derselben,
die vom Menschen durchdrungen worden. Im
Pilatus_Berge im Cantons Lucern, ist eine
Höhle die 300 Schritt fortläufft, die 10 - 14 Fuß breit
und 16 hoch ist. Ein andrer Berg ist so hohl, daß
ein Stein, der oben herein geworfen worden,
noch etliche Mahl hin und wiederschlägt und unten
am Fuße wieder hervorkommt. Die Höhle von

/|P_84

/Antiparus einer Insul des Archipelagi ist
von Tourenfurth [[Tournefort]] beschrieben. Man gehet durch ab-
schüßige Gänge, die sehr breit und hoch sind und
einer Tiefe 150 Faden und von oben an 300 Klaffter
und finden viele Naturspiele von TropfSteinen.
Der Labyrinth von Candia ist auch von der Natur
gemacht und nur vom Menschen erweitert
worden. Es ist an der Süder_Seite des Berges
Ida der gantz hineinführet ist 7 - 8 %Fuß hoch, wird
aber so niedrig, daß man offt kriechen muß. Der
vornehmste Gang ist 150 Schritte lang. Toorf pp [[Tourneforts]]
Anmerkung vom Wachsen der Steine.

/ ≥ §_9.
/Von der Lufft Kälte %und Wärme in der
Tiefe der %natürlichen und %künstlichen Höhlen.

/Die Lufft ist desto dichter und schwerer je tiefer
die Höhlen sind, davon in der Geschichte des
Lufftkreises ein mehreres. In großen Tiefen
ist die Wärme bey nahe das ganze Iahr gleich;
dahero es mehrentheils ein Irrthum ist, wenn
die Kelter im Sommer für kälter und im Winter
für wärmer ausgegeben werden. Doch sind
einige Exempel die es beweisen, daß es sich
würklich so verhält. In Frankreich bey

/|P_85

/Meaux stromt in eine Höhle klares Waßer
in dieser Höhle ist desto eisiger Eis, je
heißer die Sonne ist, und in dieser Höhle
schmilzt daßelbe. An einem der Carpatischen
Berge ist die berühmte Höhle, die einen ab-
schüßigen Boden hat, man weiß nicht, wie
tief sie sich in den Berg erstrecke, wenn
es im Winter grausahm friert, so schmelzt alles
Eis darinnen, und im Sommer frieret es un-
leidlich. Auch in den Kellern hat man im
Winter Pechklumpen zerfließen gesehen,
die «immer» im Sommer hart waren. %Muthmaßliche
Ursache; Sonst führt Bayre [[Boyle]] an, daß in den
Bergwerken, wenn man sich herabläßt, und
dieses im Sommer, es zwar bey zunehmender
Tiefe nach und nach kälter werde, doch aber
wenn man tiefer kommt. Die Wärme ab-
scheulich zunehme. Agricola führt an, daß
die Bergwerke, die durch zwey ungleiche
hoch zu Tage ausgehende Schachten, mit der
äußersten Lufft Gemeinschafft haben, eine Circula-
tion der Luft verspühren, da die äußere
Luft im Winter den größesten Schacht heraus-
komme, und den kürtzsten hineingehe, im

/|P_86

/Sommer aber umgekehrt. Ursache davon.
Einige Klüffte der Berge blasen auch Winde «an»
von sich vornehmlich im Sommer. Anmerkung aus
den verschiedenen Abhandlungen von den
«Schen» Senkrechten Schachten.

/ ≥ §_10.
/Von den Bergspalten. ≤

/Man findet oft ganze Berge von einander
gerißen, so daß die gegen einander überste-
hende Seiten genau zusammen paßen, und dar-
zwischen eine unergründliche Klufft ist. Es kann
dieses bisweilen von dem trokenen der
Materie woraus der Berg bestehet, bisweilen
von dem Ausgleiten einer Seite des Berges, deßen
«flie» Fuß von fließendem Waßer unterwaschen
ist, oder auch vom Erdbeben herrühren. Die
Ritzzen sind offters sehr weit, bisweilen aber
auch nur schmall, wodurch sich das RegenWa-
ßer in großer Tiefe herabstürtzt, gleich wie
die großen %Natürlichen Höhlen dem Erdbeben Platz
geben; so erzeugen sich in den Ritzzen und
Spalten der Gebürge allerley Gesteine, alß
Spath, Crystallen, welche von dem sich herab- 

/|P_87

/seigenden Waßer, welches allerley Stein-
Teilchen absondert: nach und nach abgesondert
werde.

/ ≥ Allgemeiner Teil der physischen
Geographie. Drittes HauptStück

/Von den Erdbeben und Feuerspeuenden Bergen.

/§_1.
/Vorboten und Bestimmungen eines Erdbeben. ≤

/Die Ratzzen und Mäuse gehen aus ihren
Löchern offt briecht auch ein verborgenes Ge-
würme aus der Erde, die Thiere fürchten sich.
Ursache hiervon %gemeiniglich ist die Lufft vor-
hero still. Es geschehen feurige LufftErscheinungen
alSdenn folgen hefftige Stöße, die kaum Minuten
fort dauren, wobey die Erde hin und her schwan-
ket. Das Meer fliehet und läßt den Strand
troken, bald kömmt es wieder zurük. Die-
se Bewegung ist mehrentheils mit einem
unterirdischen Toben, alß eines reißenden
Stroms verbunden.

/ ≥ §_2.
/Gegenden der Erde, die am meisten mit
Erdbeben beschweret werden. ≤

/Länder, welche alß Fuß großer Berger anzu-
sehen «ist» sind, oder alß die Fortsetzung derselben

/|P_88

/sind mit Erdbeben beunruhiget zE Peru. Italien,
die Insel des Capoverde, %imgleichen die im Inndischen
Meere. %Vornehmlich sind sie am häufigsten, wo
das Land nahe an die See stößet, häufiger in Zona
torrida alß außer derselbigen. Ursache hiervon.
Häufiger in der RegenZeit, alß in der trockenen,
in den WinterMonaten häufiger alß im Sommer.
Vorzeiten alß jetzt.

/ ≥ §_3.
/Ursache und Würkung des Erdbebens. ≤

/Die warmen Länder zeigen, daß Erhitzungen
in dem Innren der Erde vorgehen. Man«n»
kan selbige durch die Kunst nachahmen. Eine Mi-
schung von Eisen_Feil_Staub, Schwefel und Waßer
in der Erde vergraben, bringt nach etlichen
Stunden eine Bewegung der obern Erde Dampf
und endlich eine lebendige Flamme zuwege. Die
Vitriolische Säure die in der Erde allenthalben
ist, darf nur durch Waßer aufgelöset und auf Kupffer oder
Eisen_Ertz geführet werden, so gehen Ergötzun-
gen vor sich. Alles Feuer ersticket durch den
Mangel der Lufft, daher wird man Er«z»hie-
«h»zung eine blos glüende Gluth seyn, die nicht
eher ausbricht, bis <in> diesem «Beiweg» Gebwölbe %befindliche
Luft in einen Zug versetzet wird. Diese
Bewegung der unterirrdischen Lufft entstehet

/|P_89

/wie die Winde, durch größere Erhietzungen
einer Gegend vor der andern, und daraus
kann man das Raßeln, welches das Erdbeben
begleitet, das Toben eines SturmWindes ähnlich
ist, erklähret werden. Es gehöret Waßer dazu,
und die ächzende Saltze und Mineralien aus
einander und in Bewegung zu bringen; dahero
kann der Regen, der sich durch alle Ritzzen und
Spalten durchfrißt, die Erdbeben veranlaßen.
Das Meer ruhet mit einer großen Last auf dem
Boden und wiederstehet der unterirrdischen
Gewalt kräfftig; daher wird eine verdoppelte
Stärke an den Ufern wahrgenommen. Doch bebet
auch das Meer. Die unterirrdischen Höhlen
hangen in weiter untereinander zusammen;
denn die Erdbeben breiten sich aus einer Ge-
gend der Erde, in die andere entlegene
aus und gehen offt einige hundert Meilen
unter der Erde fort. Von dem Waßer_Be-
wegung bey dem letzten Erdbeben. Es stei-
gen «aus»<bey> den Erdbeben frembde Dünste aus
der Erde in die Lufft; daher die Aende-
rungen der Witterungen kommen. Die Ge-
bäude welche einen festen Grund haben, lei-
den mehr durchs Erdbeben, alß die so da

/|P_90

/leicht gebauet sind; dahero die Ge-
wohnheit der Peruaner ihre Häuser«¿» zu bauen.
Untergang großer Städte durch diese unglük-
liche Ursache.

/ ≥ §_6.
/Von Feuerspeienden Bergen. ≤

/In allen Welttheilen giebt es feuerspende
Berge, selbst in Is- und Grönland. Allein in
der Zona torrida und der nahe gelegenen Erd-
gegend sind die meisten, fast allen moluccische
Insuln haben einen solchen Berg in der Mitte.
Einige haben denn vormahls gebrandt, und sind
nun erloschen, andere sind ehedem ruhig
gewesen und sich nun eröffnet. Exempl von
den ersten, sind viele Berge in Peru. Einge
Bergspalte oder Klufft ein Berge Ararat, die
auch vom Rauche geschwärtzt ist. Einige Insul
an den Küsten von Brasilien, das verbran-
te Eyland genandt, Exempel von den zweyten
sind. Ein Berg auf der Insul Iava, und
einer auf der Insul Banda, %imgleichen eine
von den Insuln des Capoverde. Die Wür-
kungen dieser Berge sind bey den meisten
ein beständiger Rauch. Bey andern ein Aus-
bruch der Flammen, Auswurf von Steinen
und Waßer. Es fließet offt ein Lawa oder

/|P_91

/geschmoltzene Materie heraus. Offters
spalten gantze Berge mit großen Krachen
alß der auf der Moluccischen Insul Macchiam
und bis_weilen werden gantze Berge um-
geworfen, wovon viele Rinnen in dem Cor-
dillerischen Berge in Peru angetrofen wer-
den, das Toben der feuer@speuenden@ Berge
hat mit dem Erdbeben diese Verknüpfung,
«¿¿» daß wenn ZE: Vesuvius tobt, das Erdbeben
nachläßt, und wenn jener aufhöret Feuer zu
werfen, die Erde mit desto größerer Ge-
walt beweget wird. %Imgleichen findet man, daß
wenn man zwey einander nahe gelegene
feuerspeyenden Bergen einer ausgewor-
fen hat, und so umgekehrt zE: Vesuvius und
Benevento, Aetna %und Stro«¿¿¿»nglus. Die Ursache
ist darinn zu suchen, daß wenn das unter-
irrdische Feuer bey einem Erdbeben sich nur
dadurch entzünden kann, wenn es einen
Zugang frischer Lufft hat; daher der
Berge deßen feuriger Dampff überwärts
getrieben wird, ruhet: sobald aber sich
das Feuer entzündet; so stößt es die Lufft
von sich, und bleibet das Feuer auf dem
Herrde des Berges, daher toben die Berge

/|P_92

/mit «Unter» Intervallis, so wie mit Respira-
tionen wie Bouquer in Peru angemerkt
hat; Und die Erdbeben geschehen auch mit einem
solchen ruhigen zwischen Zeiten. Das Erdbeben
hebt auf neue Berge über dem festen Lande her-
vor, und auch neue Insuln aus dem Boden
des Meeres. Im Iahr 1538 entstand bey
Bozzuolo, eine gewiße Eöfnung in der
Nacht, woraus soviel Sand und Stein geworfen
wurden, daß ein Berg monte di Cinere daraus
entstand, der 400 Ruthen hoch war und drey
Italienische Meile im Umfange hat, anderer
zugeschweigen, *1 eine kleine Insul hervorge-
trieben, die eine Meile weit war. Im
Iahre 1707 ist bey einer Insul Santo-
rini in Aegiptischen Meer, aus dem «M»mehr
alß 80 Faden tiefen Meeres_Grunde eine
Insul 6 Meilen groß, durch ein Erdbeben
empor gehoben.

/ ≥ Allgemeinen Theils der %.Physischen %Geographie
/viertes HauptStück. Geschichte der
Quellen und Brunnen.

/§_1.
/Vom Ursprunge derselben. ≤ ~

/*1 Anno 1720 wurde
bey den Azorischen
Insuln aus einem
120 %Fuß tief Meeres¥
Grunde ~

/|P_93

/Die bey den vernünftigen Naturforschern
jetziger Zeit, herrschen einige Meynungen,
von dem Ursprunge der Quellen ist diese. daß
sie von dem Regenwaßer, da«ß»s sich 4 %Zoll in die
Schichten der Erde steigt %und an einem niedri-
gen Ort hervorquelt, entstehen; Die Oberste
Rinde der Erde bestehet darinn, %nehmlich aus Schich-
ten «der»<von> verschiedener Materie, die sich blät-
terweise übereinander befinden, wovon
hernach ein mehreres, aus Regen_Waßer
steiget sich durch die Lokre Schichten von
Sand «hin selbsten», KieselSteine und lokrer Erde, so «wie»
bis es an einen festen, leimichten und steinigten
Grund kommt, da es sich nach dem Abhange
der Schichten richtet, woran es stehen bleibt,
macht verschiedene Adern und dringt an
einem niedrigen Ort hervor, welches
eine Quelle machet, die noch lange
fortdauret, wenn gleich der Regen einige
Zeitlang ausgeblieben, weil das Waßer
aus der Quelle nur langsahm abfließet, aber
aus einem großen Umfange des nahen
Landes einen allmähligen Zufluß bekommt,
die Sonne auch diese in der Erde befindliche

/|P_94

/Feuchtigkeiten nicht austroknet. Dieser
Meynung sind Mariole [[Mariotte]], Hallej und andere
mehr. Die Schwierigkeiten, die darwieder
gemacht werden sind diese: daß der Regen
in ein ausgetroknetes Erdreich nicht über 2 Fuß
eindringet, da doch bey Grabung der Brun-
nen öfters mehr alß 100 Fuß, diese Quell-
Adern angetrofen werden. Allein darauf
wird geantwortet, 1) daß durch Ritzzen
und spalten der Erde das Waßer nach ei-
nem langen Regen in die Stein_Kohlen_Ge-
bürge wohl 200 %Fuß tief und in ein Berg-
werk wohl 1000 %Fuß tief eindringt 2) daß
wenn man einen leimichten Schichte a. b.
welche abhännig ist annimmt, welche bey a zu «Tge»
Tage angehet, und über der ein @Brah@
sich befindet, das RegenWaßer, welches daruf
fället, durch eine Adern, durch die es sich aus-
beitet, in den Berg nach der Richtung a. b.
fortläuft, und also wenn aus der obersten
Spitzze des Berges einen Brunnen C: d:
gegraben worden, daß daselbst Quell-
Adern angetrofen werden, die aber nicht
von dem auf dem Berge gefallenen Regen

/|P_95

/Waßer; sondern von dem das «dem» auf die
Ebene außer dem Berge gefallen und auf der
abhänigen Schichte, die durch ihn fortläuft sich
durchgeseiget hat, herzuleiten ist, daß oft auf
hohen Bergen Quellen anzutrefen sind, auf
dem BloksBerge Tafel_Berge am Capo bonae
spei, allein man findet bey genauer Unter-
suchung, daß doch ein Theil des Berges höher
lieget, alß die Quelle die auf ihn entspringet
3) daß einige Quelle bey der größten Dürre
ohne Verminderung fortlaufen dieses rührt
von der Tiefe der Schichten her, die sich wenn
sie sich einmahl voll Waßer gesogen haben,
beständig naß erhalten, indem sie aus ihrem
weiten Umfange nur einen geringen Theil
in die Quelle liefern; dahingegen dienet
zur Bestättigung dieser Meynung; daß
in Arabien, wo es wenig regnet, es auch
an sehr dürren Sande, keine Quellen giebt,
daß die meisten Quellen in einem Iahr, wo
es wenig regnet, eine allgemeine Abnahme
an Waßer Leiden auch wohl gar versiegen
Carthesuis [[Descartes]] erklährete den Ursprung der Brun- 

/|P_96

/Indem in wendigen der Berge befinden sich
weitere Höhlen, in diesem befinden sich durch
weite Gänge die zum Meer führen, Meer-
Waßer, welches vermöge der unterirrdischen
Hitze, in Dampf verändert wurde, und in
dem dieser in die Oberste Schichte der Erde hin-
eindringe, eine immerwährende Quelle ma-
chen. Ein gewißer Iesuit und Pariat [[Perrault]] be-
stätigen Carthesii Meynung mit Exemplen,
welche wir aber ohne Schwierigkeit nach unserer
Hypothese erklähren können; die dritte Mey-
nung, daß das Meer_Waßer, welches sich
in den Höllen der Berge befinden soll, durch
das Seigen der Erde und SandPartikeln, bis
an deßen Spitze erhoben werden soll, ist
wieder die Experimenta der in HaarOhren
oder SandHaufen sich zusammen ziehenden
Feuchtigkeiten, und gesetzt, dies wäre also;
so würde es doch nicht wieder von den Ber-
gen herausfließen, so wie sich an einem
Huthe Zuker, zwar daß an seinem
Fuß %befindliche Waßer bis oben zuziehet,

/|P_97

/aber nicht von oben herausfließet.

/Uberhaupt ist sowohl des Cartesii Meynung %unbegreiflich
%und stimmen mit den Erfahrungen nicht überein, denn

/ ≥ §_2.
/Von besonderen Arten der Quellen und Brunnen. ≤

/Einige Brunnen fließen periodisch, einige der-
selben können durch das Aufthauen des Schnees,
andere durch Hidraulische Beyspiele, nach an-
dere wie es scheint durch die Würkung des
Mondes erklähret werden. Exempel in der
ersten Gattung sind häufig in der Schweitz,
Italien, Frankreich und andern Orten, %imgleichen
im Bischthum Paderborn ist der Bolderborn, der
alle 6 Stunden sich verliert und denn mit
einem Getöse wieder kommt. St_Doms [[St. Denis]] führt
ein Exempel der letztern an. In der Mitte
des Berges, in der Woiwodschafft Cracau.
Ein giebt zE: bey Toledo einen Brunnen, der
«¿¿»oben süß alß Zucker, unten aber säuerlich
ist. In Deutschland sind etliche 100 Sauerbrun-
nen, dieses enthalten das Crocam Martis.
Einige sind bitter, viele saltzig, noch vielmehr
Eisentheilchen und ettliche Mineralien in sich,
ettliche führen Gold. Bey Nausal ist eine
Quelle, die eine vitriolische Feuchtigkeit aus- 

/|P_98

/tröpfelt, die mit Kupfer impraegnirt ist,
welche das so genandte Cement_Waßer mit sich
führet, dadurch man Eisen in Kupfer verwan-
deln kann. Einige versteinern die hingelegte
Körper. Ein heißer Brunnen in Peru ergießet
sich in das benachbahrte Feld und verwandelt
sich in Stein. Einige entzünden sich, wenn
man sich ihnen mit dem Lichte nahet. Es giebt
auch Brunnen über deren Waßer ein Ohel, wie
Stein_Oel Naphta schwimmet. Das letztere unter-
scheidet sich vom ersten dadurch, daß es we-
gen der herausgehenden brennbahren Dünsten
das Feuer gleichsahm an sich ziehet. Bey Bagdad
werden täglich wohl 10.000 %Pfund Naphta gestopffet.
Es giebt auch sehr kalte Brunnen, welche ent-
weder deswegen, weil die Adern wodurch
sie Zufluß bekommen, sehr tief liegen, und
daher von der Sonne nicht erwärmet
werden können, oder weil das Waßer der-
selben durch den aus der Erde Satz δLücke
sehr erkaltet wird. diese Eigenschafft
haben. Ungemein viele Brunnen haben
sehr heißes Waßer, alß die warmen Bäder

/|P_99

/in Ungarn, Deutschland, Italien pp. In Island
sind verschiedene heißen Brunnen, in deren ei-
nem ein Stück SchweinFleisch in einer hal-
ben Stunde gar kocht. %Imgleichen in Iapan. Alle
diese Waßer «pp» ZE: In Carlsbade müßen 12 %.Stunden ste-
hen biß sie soweit abkühlen, daß man sie
am Körper leiden kann. Obgleich es so heiß
ist muß es doch ebenso lange über dem Feuer
stehen, bis kocht als gemeines kaltes Waßer.
Die Ursache findet sich in den mineralischen
materien, die vom Waßer aufgelöset wer-
den, und sich in einander erhitzen.

/ ≥ Allgemeinen Theils der physischen
Geographie. Fünftes - Hauptstück
/Geschichte der Flüße

/ §_1.
/Von dem Ursprung der Flüße. ≤

/Die Flüße entstehen aus den Bächen die
ihr Waßer vereinigen diese aus den
Quellen. Die letztern endlich aus dem
Regen und Schnee. Wenn man das Wa-
ßer, welches ein Fluß in einem Iahr ins

/|P_100

/Meer ergießt berechnet, so wird die Men-
ge des Regens und Schnee_Waßers, welches
auf die Fläche desjenigen Landes fält, daß
sein Waßer in den Schlauch des Flußes liefert,
groß genug gefunden um nicht allein die Bäche,
und die aus ihnen entstehende Strömen zu
unterhalten, sondern auch den Tau, das
Wachsthum der Pflangen und dasjenige
auszumachen, was vom festen Lande wie-
der ausdünstet. Dieses wird dadurch
bestättiget, daß nach länger Dürre,
auch das Waßer schwindet, daß in Ländern
wo es wenig regnet, alß in Arabien auch sehr
sehr wenig Flüße entspringt, daß die gebürgig-
te Gegend, alß Abissinien in Peru die Cor-
dilleras pp darinn ein fortdaurender Regen
fält, auch Kirellen zu den a«h»nsehnlichsten Flüßen
enthält. Also ist freylich ein Circulation des Meer-
Waßers und des Waßers der Flüße, nicht aber
eine solche, wie man, wie man sich gemei-
niglich einbildet, nehmlich nicht vom Meer un-
terwärts unter dem festen Lande bis in
die Höhen deßelben und von da wieder

/|P_101

/ins Meer; sondern durch die aus dem Waßer
steigenden Dünste, die in Wolken Regen und
Schnee verwandelt werden, und auf die
Fläche des festen Landes herabfallen.

/ ≥ §_2.
/Von der Bewegung und dem Abhang der
Flüße. ≤

/Weil dazu, daß ein Fluß seinen Lauf
ins Meer erstreke ein beständiger Abhang
des festen Landes, von seinen Quellen an
bis zum Meer nöthig ist; so ist merkwürdig,
daß das feste Land in so große Strecke, alß
zE. Südamerica nach der Lage des Amazonen-
Stroms, wohl 800 Meilen einen einförmi-
gen Abhang bis zum Meere hat. Denn
wenn es hin und her große Einbeugungen
und Vertiefungen hätte, so würde der Stromm
sehr viele weitläuftige Seen unter-
wegens machen. Die Ursache hievon ist:
Alle Ströme haben nicht einen gleich Ab-
hang aus den Cordillerischen Bergen, wo der
amazonenStrom entspringt, entstehen viele
GießBäche, die sich in den stillen Ozean

/|P_102

/ergießen. Der letzte Abhang ist gemein-
hin viel stärker alß der erste. Die Seine,
wo sie durch Paris fließet, hat auf 60.000 %Fuß
Abfall. Die Loire aber einen dreymal stär-
kern. Irrthum des Varenius %und Kuhns. Die
Schnelligkeit eines Flußes soll in der gantzen
Länge seines «Flußes»<Laufs> zunehmen; weil er
aber nahe zu seinem Ostio breite wird, und
sein Abhang daselbst auch fast aufhöret; so
fließet er langsahmer als irrgendwo.

/ ≥ §_3.
/Einige besondere Merkwürdigkeiten der
Flüße.

/Die Richtung großer Flüße macht %gemei-
niglich mit der Richtung der höchsten Gebür-
ge, darinn ihre Quellen liegen einen rechten
Winkel, weil dieser Weg der kürtzeste ist,
von da in die See zu gelangen, in großen
Gebürgen lauffen durch zwey Reihen, von
beyden Seiten die Flüße parallel, und der
Fluß nimmt das Thal zwischen beyden ein,
in welches die von beyden Seiten daraus

/|P_103

/entspringenden Bäche sich ergießen. Sie haben
nahe an ihrem Ursprunge höhere Ufer,
alß an ihrem Ausflüßen. Sie haben auch
weniger Krümmungen, und sind die Ufer, der
Fluß einen einziehenden Winkel hat höher, alß
bey einem entspringenden ZE: daß eine Ufer
ist a höher, wie d: Dieses rühret von der
Natur eines Theils her, welches zwischen zwey
und gleich abschüßigen Höhen, am tiefsten nahe
der steilesten Höhe ist. Die Fluß <zer>strömen nach
und nach das höchste Ufer, und setzen die
abgerißene Erde und Sand an, die niedri-
gen ab, dahero sind die oftere Abwechs-
lungen des Fluthbetes eines Flußes.
Man errichtet daher Bounen, wodurch
aber Strom öfters mehr in Verwirrung
gebracht wird. Man findet hin und wie-
der Fluthbete von Flüßen, am Rhein und
vornehmlich von Gihen der sich vor dem
mit einem Arme in die Caspische See ergoß,
jetzt aber in den See Aral fließt.

/|P_104

/ ≥ §_4.
/Von den ansehnlichsten Flüßen der Erde.

/Die den längsten Lauf haben, sind der
Nilus, der Niger oder Senegal, der Ienicza
der auf den Grenzen des Mogulischen Reichs
entspringet und ins EisMeer fließet. Der Horag
oder Safran_Fluß. Der Amazonen der Silber-
Fluß, der Missisippi pp. Sonst gehören noch her die
Donau, Oby und Ganges.

/ ≥ §_5
/Erleuchterung der Art, wie sich ein Stromm
ein Bette breitet.

/Man findet bey denen meisten Ströhmen,
daß ihre Bette öffters viel höher liegt, alß das
zu bey den seiten liegendes Land, sonderlich na-
he an ihren Ausflüßen. Bisweilen siehet
man sie durch enge Päße streichen, zwischen
hohen Ufern, welche sie wie Mauren von
beyden Seiten umschließen. Dies thut der
amazonenfluß nicht weit von seinem Um-
fange, und die Rhone, wenn sie aus der
Schweitz in Frankreich fließet p. Man

/|P_105

/kann leicht errathen, daß da sich im ersten
Zustande, der noch nicht ausgebildeten Erde,
die Waßer von den Bergen ergoßen, und
also dies nicht nur das Meer wird erreicht,
sondern weit und breit das feste Land über-
schwemmet haben, weil die vielen Uneben-
heiten, die sich unterweges finden, die
Ströhme nöthigten oft größe Thäler anzu-
füllen, und sich in viele Arme zu theilen.
Allein da das Waßer, wo es den stärkesten
Abhang findet, am schnelesten fließet; so
muß hin und wieder ein schneller Zug des
Waßers seyn alß anderwärts. Man muß
das Waßer in diesem Ursprünglichen Zu-
stande, mit dem aufgelöseten Schlamm sehr
stark angefüllet gewesen seyn, und dieses kann
es nicht in der Richtung seines schnelesten
Zuges, sondern an der Seite angesetzt
haben. Dadurch erhöhete es den Boden
zu den Seiten, solange bis die Ufer hoch
genug waren alles Waßer zu faßen, %und
so bildet sich der Strom seine Bette. An den
Gegenden wo er steile Höhen herabstürtzt

/|P_106

/oder «geschwinder» reißender Geschwindigkeit
einen Boden herabfloß, arbeitete er den Bo-
den so lange aus, und trug den abgerißenen
Schlamm, in die niedere Gegenden, bis er
durchgehends eine gemäßigte Geschwindigkeit
bekam. Daher siehet man «de» in der Nähe
der Ursprünge der Flüße und zwischen hohen
Ufern fließen. Zuweilen sind die Ufer
wie steile Wände, zE: bey der Rhone, wenn
sie sich aus der Schweitz nach Franckreich wen-
det, bey dem amazonenStrom nahe bey sei-
nem Anfange. Daher sind auch die meisten
Flüßen an den <meisten> Orten nicht unschiffbahr,
wegen ihrer Schnelligkeit, außer den einzi-
gen Orten, wo der Boden fellsicht ist, der sich nicht
so leicht durch den Fluß ausbreiten läßt. Von
den Veränderungen der Erde durch
die Flüße, wird weiter in das gehörige
folgen.

/ ≥ §_6
/Von den Waßer-Fällen und andern Bewe-
gungen der Flüße.

/Der Rhein hat unterschiedliche Waßerfälle,
der bey SchafHausen ist senkrecht 75 %Fuß hoch

/|P_107

/Der Volno in Italien fällt, von einer
perpendiculairer Höhe von 200 %Fuß Der höchste
in der Welt ist der vom Fluße Bagora in
Südamerica, der senkrecht 1200 %Fuß herabstür-
zet. Allein der Fluß «Chi»Kina in Nordame-
rica ist dennoch der entsetztlichste, weil er
eine ungemeine Breite hat und senkrecht
150 %Fuß herabstürtzt. Zu den besondern Phaenome-
nis der Waßerfälle gehören, sie tragen
sich nur denn zu, wenn der Fluß durch
einen fels«ih»ichten Boden fließt, welches man
auch in den Waßer fallendes Nil siehet.
Der Fluß Tunguska in der westlichen
Tartarej fließet auf einen schiefen felsich-
ten Wege, von einer halben Meile mit
einem solchen Geräusche, daß über 5 Meilen
zu hören ist, fort. Noch ein anderer merk-
würdiger Fall ist der Trolenka in der
Lavenna, in dem er <senkrecht> 60 %Fuß herabfält. Der
Tieger und Nieger haben auch dergleichen.
Von den Flüßen, die eine Zeitlang, unter
der Erde fortlaufen nur denn wieder her-
vorkommen, ist zu merken, daß die quadiana

/|P_108

/diese Eigenschafft wie man vorgiebt, hat,
weil sie nur in tiefe Thäler fortlauffet.
Igreata ein Fluß in Jotchine läuft %würklich
eine halbe Meile, unter der Erde fort. Einige
Ströhme versiegen, ehe sie die See erreichen,
z:E: der Arm des Theins bey Kaltwick
ohnweit «l¿» Leuden, der Holdorg in der %Chinesischen
Tartarey und in Persien. Einige die sehr
lang sind zE: der AmazonenFluß, der Sene-
gal haben Ebbe und Fluth. Einiger Beweg-
gung sind auch in der See zu spühren, wo-
rin sie fließen ZE: des Zarke des Ama-
zonen_%Stroms, des Rheins im «Bo»OdenSee, der
Donau im schwartzen Meer pp doch hat Reiner
seinen besonders kenntlichen Stromm in der See,
wie von der Donau im schwartzen Meer von
der Rhone im Genfer: vom Rhein im OdenSee
vorgegeben wird, obgleich die Ströme das Meer¥
Waßer weit von den Ufern des Meeres
süße machen, vornehmlich der Amazonen-
Fluß.

/ ≥ §_7.
/Von den Ueberschwemmungen der Flüße.

/Einige treten zur gesetzten Zeit, %vornehmlich

/|P_109

/nahe an ihren Ausflüßen über die Ufer
und überschwemmen das Land umher, welches
niedriger lieget, alß der Schlauch der Flüße. Die
Ursache sind der Regen in den Gebürgen, dar-
aus der Fluß entspringt und der abthauende
Schnee. Unter allen solchen Flüßen ist der Nil
der vornehmste. Er schwillt mit dem Umfange
des Sommer_Monaths und überschwemmet gantz
Egipten, dabey aber die Einwohner bey Leitung
des Waßers durch verschiedene Canele und
Ergehung derselben, auf den Aekern, vie-
les beytragen. Egipten ist zu der Zeit
ein Meer, in welchem die Städte und Dörfer
Insuln sind. Im Anfange des Septembrs tritt
er wieder in seine Ufer hin zurück. Die
Ursache dieser Ueberschwemmung ist der Regen,
der alsdenn in Egiptischen Gebürgen fällt.
Imgleichen der Nordwind, der auf die Mün-
dung des Nils gerade bläset und sein
Waßer zurükhält. Zur Zeit der Ueber-
schwemmung hört die Pest, die %gemeiniglich die
übrige Zeit, des Iahres wütet, auf, Wenn
das Waßer um 12 Ellen_Bogen steiget,

/|P_110

/so ist eine Theurung zu befürchten, steigt
es bis 16; so ist Ueberfluß. 18 oder 20 sind
zuviel. Vor alters soll der Nill das Land
viel höher überschwemmet haben, alß jetzt,
weil nun durch den angesetzten Schlamm,
das Land«schwann» schon erhöht worden. Da
sich nun in diesen heißen Landstrichen der
Regen zur gesetzten Zeit einfindet; so ist
kein Wunder, daß die Flüße die Ueberschwem-
mung zu gewißen Zeiten halten, alß der
Nill, Zair, Indus und Ganges.

/ ≥ §_8.
/Von der Materie so die Flüße Waßer bey
sich führen. ≤

/Weil die Qellen der Waßer entweder
Eisent«h»eile oder Lokere Erde und Salzpar-
tikuln bey sich führen; wie auch andere
Mineralien; so ist auch kein Wunder, daß das
Fluß_Waßer leichter ist, alß das andere ist,
%gemeiniglich führen die kleine Ströhme, die
sich in großer ergießen, schwerer Waßer,
alß diese. Das Neckar_Waßer ist schwerer
alß Rheins, und eben so ist der Rheins, {2- <der> -2} bey

/|P_111

/Moraz in die Weser, alß bey Coblenz
in den Rhein fält von schwerer Art alß dies,
welches mann den auch «kann» das Eintauchen
der Gefäße erkämen kann.

/Die Ursache ist, weil das Waßer, welches mit
irrdischen und andern Theilen vermischt ist,
in einen kleinen Strohm dahin floß; sobald es
sich in einen weiten Schlauch ergießet, seine
Materie @kann@ leichter fallen laßen, und 2tens
@kann@ die Vereinigung unterirrdischer
Waßer, die Praecipilation der Materie, die
eins oder das andere mit sich führet, ver-
ursachen. Das Temse_Waßer hat den Ruf,
daß es sich auf langen Seefahrten am be-
sten erhält, und ob es gleich stinkend, wird es
sich doch selbst reiniget. Vielleicht rühret
dies vom verborgenen Schwefel her, der
sonst die Weine conserviret. Verschiedene
Flüße führen Goldsand. In Europa der
Rhein, die Rhone; ebendeshalb waren vor-
dem der Pactabus und Tigris berühmt.
Auf der Goldküste von Guinea wird jetzo

/|P_112

/der Goldstaub aus Flüßen gesammlet,
vornehmlich nach starkem Regen. Woher dieses
GoldStaub komme und wie e«s»r abgesondert und
gesäubert werde: dieses gehöret noch zur Be-
trachtung dieses §.

/ ≥ Allgemeinen Theils der Physischen %Geographie
/Sechstes Haupt-Stück.

/Geschichte des Luftkreises. §_1
/Betrachtung der Luft und ihrer Eigenschaften.

/Der Luftkreis drüket mit eben so starken,
alß wenn die Erde durch ein Meer, welches
32 %Fuß %reingl¿¿¿ Hoch bedeket würde; Weil die Luft
durch die Last die auf ihr ruhet sich zusammen
drüket; so muß sie je weiter vom Mittelpuncte,
desto dichter seyn, ja wenn ihre Verdichtung
immer so fortgienge; so würde sie <in> einer Tiefe
von 7 deutschen Meilen das Waßer an Schwe-
re übertrefe, in einer Tiefe die noch nicht
1/3 Theil des Radii der Erde wäre, würde sie
schon dichter seyn, alß Gold. Diese Dichtigkeit

/|P_113

/der Luft könnte, wenn unterirrdische Erhie-
zungen dazu kommen, viel zu den gewal-
tigen Erschütterungen der Erde beym Erdbe-
ben beytragen. Die %.Atmosphere theilt man
in Regionen, die unterste gehet von der
Meeres_Fläche, biß zu der Höhe, wo der Schnee
im Sommer nicht mehr schmeltzt. Diese erste Region
ist nicht in allen Gegenden der Erde gleich hoch.
In der Zona torrida unter dem Aequator, ist
die Höhe der Berge, wo der Schnee nicht mehr
schmelzt, nicht unter 3/4 Meilen, und unter
dem Poal bey nahe der Oberfläche des Mee-
res gleich. Die zweyte Region hebt beym
Ende der ersten an, und gehet biß zur
größesten Höhe, wohin sich die Wolken
erheben. Dieser ihre Höhe ist an keinem
Ort der Erde völlig bestimt. Bald gehen die
Wolken hoch, bald niedrig: Ueberhaupt
scheinen sie nicht über eine teutsche Meile «hoch»
über die Meeres_Fläche empor zu steigen.
Wenn man diese zweyte Region bis dahin
extendiren wolte, wo die leuchtende Materien
entstehen ZE. Nordlichter, Feuerkugeln pp so

/|P_114

/so werden einige deutsche Meile erfordert
werden, ihre Höhe zu bestimmen. Die letzte
Region ist fängt an wo die letzte aufhöret
und gehet bis zur Grentze des LuftKreises. Man
bestimmt dieses durch die Höhe der Dämmerung
die 9_1/2 deutsche Meiln hoch gefunden wird. Die
Luft hat folgende Eigenschaften, sie ist

/1) Feucht. Alle Luft hat zwar Feuchtigkeit in sich,
wenn diese aber in ihren zwischen Räumen
wohl vertheilet ist; so ist sie heiter und wird
für troken gehalten. In einigen Gegenden
wird sie mit feuchten Dünsten weit mehr
bel<a>den, alß in einem morästigen und wal-
digten Gegenden. ZE In der Insul Modera,
jetzt in der nordlichen Gegend der Land-en-
geren von Panoma, oder 2tens sehr troken,
wie Persien, Arabien, dem Obern Theile von
Egypten, wo man die Lufft durch künstliche
SpringBrunnen, oder gesprengte Waßer, in
den Zimmern anffeuchtet, weil sie sonst der
Lunge schädlich wird. 3tens Hegt Saltz in sich zE:
MeerSaltz, welches aus der Luft an vielen
Orten anschießt, wie in der Insul Ormus, %und
von den Bachen, die durch «Eg» Gebürge fließen

/|P_115

/von der Erde ausgewaschen und verbreitet
wird; Daher die mit Saltz bedekten Felder in
Peru und am Capo bonae Spei, %Imgleichen andere Saltze,
Daher die Corrosivischen Luft auf den Azorischen
Insuln, %imgleichen der aus der Luft «der» ansetzende
Salpeter und Schwefel, öhlichte und mineralische
Theile hält. Die SeeLuft ist von andern Eigen-
schaften, alß die LandLuft, daher das Genesen
der Scorbatischen SeeLeute, sobald sie das
Land betreten, erfolget. 4) Einige Luft ist
sehr rein; daher das ruhige und heitere
Licht der Sterne in Persien, Arabien und
Chaldaea; wodurch vieleicht die
Astronomie in diesen Gegenden nach erleichtert wird,
vornehmlich da man daselbst die SommerMo-
nathe hindurch auf Dächern, unter dem freien
Himmel schläft.

/5) Einige Luft ist wegen ihrer Gesundheit an-
dere wegen ihrer Ungesundheit berüchtiget.

/Alle sehr waldische Länder, sind wegen ihrer
unruhigen Feuchtigkeit ungesund und bringen
Fiebern zu wege. zE: Virginien beym An-
fange «daselbst» der Colonien daselbst, vor-
nehmlich wenn mit dieser Feuchtigkeit eine

/|P_116

/große Hitze verbunden ist, alß Porto «b»Vello.
Wenn das ausgetrettnes SeeWaßer in Pfützen
auf dem Lande faulet, alß in Sumatra, oder
auch empor getriebenes Fluß-Waßer, alß in
Sina, so bringet dieses Krankheiten und Fieber
zu wege. Einige Krankheiten sind bloß eini-
gen Ländern eigen, alß der Englische Schweiß.
Die Europaeische Weiber bekommen in Batavia
gesaltzene Milch.

/6) Die Luft einiger Orten leidet gewiße Un-
geziefer nicht. Es sind keine Ratzen in Augs-
burg, Malla, Candia; keine gifftige Schlangen in
Gazzo, Faizza. In Irrland gar keine giftige
Thiere. Auf dem Iagdhause Einsiedel in
Wettenberg keine Ratzen. Cobbe [[Colbe]] berichtet, daß
die Europaeer wenn sie aufs Cap: bonae spei
ankommen, das Ungeziefer verliehren, was sie
sonst auf ihren Schiffen oder in ihren Kleidern
mitgebracht, und niemahls wieder bekommen.
Dagegen haben die Hottentotten wegen ihrer
garstigen LebensArt einen gutten Vorrath
davon. 7tens Die Farbe der Luft ist blau,
diese Farbe der Luft erklähret man am
wahrscheinlichsten aus dem weißlichten Schimmer

/|P_117

/der Dünste, der auf dem schwartzen Grunde
des leeren Raumes gesehen wird und eine
blaue Farbe machen muß; so wie weiß auf
schwartz dünne aufgetragen, blau machet.

/ ≥ §_2.
/Von den Winden überhaupt. ≤

/1) Der Wind ist dasjenige in Ansehung der
Luft, was ein Strom in Ansehung des Meeres
ist, er wird auch wie die See durch die Richtung
des festen Landes und der Berge sehr einge-
schränkt, wie zwey Ströme die einander
entgegen gesetzt sind, einen MeerStrudel ma-
chen; so machen 2 Winde, die in verschiede-
nen Richtungen auf ein ander würken,
WirbelWinde. Die vornehmste Ursache der
dauerhaften Winde sind 1) wenn eine Luft¥
Gegend mehr erwärmet wird wie die
andere. zE die über dem Lande mehr, alß
über dem Meer, so weicht sie dieser, weil
sie leichter ist, alß, alß die kühlere Luft, und es
entstehet ein Wind in dem Platz der Erwär-
mung, und dieser dauret so lange fort, alß
die vorzügliche Erhietzung des Orts währet.

/|P_118

/2) wenn man eine Luft_Gegend nach %und nach
erkältet; so faltet sie sich zusammen und
verliehret ihre Ausspannung und machet
der währmenden Luft Platz, sich gegen ihr zu
stämen. Wenn im Anfange des Herbstes
im tiefen Norden es anfängt kalt zu wer-
den, so ziehet die südliche Luft nach Norden
über so lange, alß die Zunahme der Wärme
dauret, und hernach kehret sie wieder zurück.

/3) Die plötzlichen Stürmen die nicht lange währen
sind aus der Erde ausgebrochene Schwefel- und
mineralische Dämpfe, welche die Elasticitaet
der Luft schwächen oder in Gährung gerathen.
Sie sind die Ursache ungleicher auf einander
stoßende Winde, die sich anfänglich aufhalten,
und Wind stille machen, hernach mit Heftigkeit
sich drücken und entsetzliche Wolken_Brüche
und tobende Stürme machen. Imgleichen
macht ein heftiger Platzregen oder Hagel
einen Wind der sehr heftig seyn kann, die
Eintheilung die die Seeleute von dem
Winde machen ist diese: sie nehmen die
4 HauptGegenden, Norden, Osten, Süden,
Westen; denn theilen sie ieden Bogen des
Horizonts der zwischen zwey HauptGegenden

/|P_119

/enthalten ist, in zwey gleiche Theile. Sie heißen
Nord-Ost, Süd-Ost, Nord-West. Die Buchstaben
werden so gesetzt, daß die von Nord oder Süd
immer zurückkommen; hernach theilen sie die in
viertel Bogen, und vor die vorige benennung,
wozu aber noch N. W. S. O. auch kommen müßen
für die HauptGegenden, den sie am nächsten
liegen, alß Nord-NordOst. O.N.O. O.S.O. S.
S.W. W.S.W. W.N.W. N.N.W. Die Winde
von der 4ten Ordnung entstehen, indem sie
die vorigen Bogen wieder halbiren, die vo-
rige Benennung behalten und nur zeigen, wel-
cher von den HauptGegenden sie am nächsten
liegen und dieses durchs Wörtchen gen ZE:
Nord gen Osten, NordOst gen Osten, alle diese
Eintheilungen machen 32 Stunden aus.

/ ≥ §_3.
/Eintheilung der Winde nach ihren Eigenschaf-
ten, Feuchtigkeit, Trockenheit, wärme, kälte,
und Gesundheit. ≤

/Die AbendWinde sind in denen meisten Ge-
genden feucht, sie sind es in der gantzen Welt,
außer wenn sie «g» über einen verbrandten
Boden streichen, alß in Persien der AbendWind

/|P_120

/der über Arabien streichet Es mag der Wind
über ein nahes oder weites Meer streichen,
so ist e«s»r immer feucht. Dagegen der OstWind
wenn er gleich über noch größere Meere kommt
mehrentheils troken ist. In den Philippinischen
Insuln regieren des Iahres zwey wechsel-
Winde ein NordOstWind die Herbst und Win-
ter_Monathe und die übrige Zeit ein Süd-
WestWind. Iener ob er gleich das mare paci-
ficum wehet, ist trocken. Ein gleiches ist in Ost- und
WestIndien zu merken. ZE In der Gegend
von neu_Cartagena. Die S.W.Winde die über
das attlantische Meer wehen und feucht Waßer
bringen sollen heiter und troken seyn; Dage-
gen nur die «Feucht»<West>Winde feucht sind. Dies ge-
schiehet auch selbst auf der stillen See; da die
OstWinde heiter Wetter geben, die WestWin-
de die über die See gehen, regenhaftes.
Die Ursache soll in folgenden erklähret wer-
den. Wenn ein Wind eine Luft mit sich führet,
die kühler ist alß «das»der menschliche «Leben» Cörper;
so kühlet er. Ist seine mit gebrachte Luft
heißer, alß dieser; so erhitzt er diesen desto-
mehr, je schneller er geht. Solche heiße Winde

/|P_121

/sind hin %und her in der Zona torrida anzu-
treffen, wie der Camzin in Egypten. Vor-
nehmlich der Samiel in «Egypten» Persien, Arabien
und Syrien sind die ärgsten. Sie blasen mit
einer Hitze, alß wenn sie aus einem Feuer-
Ofen kämen. Dieser Wind Samiel siehet %röthlich
aus, und wehet vornehmlich in Iunius, bis Au-
gust und ist insonderheit am Persischen Meer-
busen zu spühren. Die Perser meynen, daß
er seine giftige Eigenschaften von einem Kraut
Golbat Kamoar genannt «wird»,
welches in der Wüste von Kiermann wächst,
weil der Wind, der über dieses streichet, seinen
Blumen_Stamm fortführet, haben. Es scheinet aber
der Wahrheit ähnlich, daß weil alle diese
Gegenden viel Naphta «be»insonderheit in ihren
Böden enthalten, das Saure der Saltz_parti-
culn, die der Persische Wind mit sich führet,
mit diesem öhlichten Dämpffen «¿¿»aufbrause
sich erhitze und die rothe Farbe zuwege
bringe. Der Wind Samiel tödtet, wenn er
heftig gehet, sehr schnell. Meynungen von
dem plötzlichen sterben der Israeliten und dem
Herrn Sanheribs. Es giebt in Arabien,

/|P_122

/Imgleichen in Egyptischen SandWüsten, auch
Winde, die reisende im Sande begraben;
daher die Mumien ohne Balsamirung entste-
hen. Winde die von Spitzzen hoher Berge
kommen sind alle kalt, dahero selbst in Guinea
die NordWinde, die von dem untern Theil des
festen Landes, befindlichen Gebürgen kommen,
Reif und Kälte bringen. Winde deren
Züge gegen einander streben, bringen
erstlich Windstillen, den plötzlichen Sturm,
Platzregen und Gewitter zu wege. Die
Gewitter entstehen vornehmlich aus dem
gegen einander streben zweyer Winde,
welche die Dämpffe verme<n>gen und ver-
diken, dahero nach derselben. Der Wind sich
öffters ändert und die Gewitter %gemeiniglich
gegen den Wind aufsteigen. In den i«r»n-
dischen und Aethiopischen Meeren, folgen
in den 2 Iahres_Hälften zwey Wechslen-
de Winde auf einander, welche zu der-
jenigen Zeit, wenn sie einander abl«¿¿»ösen,
erstlich Windstillen, hierauf an unter-
schiedlichen Wegen aus allen Gegenden
rund umb de«m»n Compas, endlich Sturm,

/|P_123

/Platzregen und Gewitter zuwege
bringen, welche wenn sie höchstens nur eine
halbe Stunde wehen, Tornando heißen,
wehen sie aber etliche Stunden, ja wohl
Tage, so heißen sie Troado. Nicht weit
von der Küste Guinea gegen Abend ist
eine Gegend, die man die Gegend Tra-
vaden nennet, worinnen solche mit Sturmen,
fast beständigem Regen und Gewitter, ab-
wechselnde Windstille herrschet. Im Mexi-
canischen Meerbusen steiget bey abwechslen-
den Wind gegen Nordwest, eine schwarze
flache Wolke etliche Grade über den Hori-
zonte, diese nennt man die Nordbank;
darauf fängt ein reißender Sturm vom
Nordwest an, welchen man den Nord
nennet. Alle übrige Wolken treiben mit
großer Schnelligkeit und die Nordbank
ruhet, biß der Sturm vorüber ist; weil
vor diesem Winde Nord genannt, %gemei-
niglich ein sanfter SüdWest, hernach eine
stille Luft vorhergehet; so siehet man

/|P_124

/wohl, daß die entgegen stürmende
LuftZüge, erstlich einander aufhalten,
denn eine Drehung in der obern Luft ver-
ursachen, wo sie die Dünste in einen di-
ken Luft zusammen treiben, woraus die
Nordbank entstehet, und daß die daselbst sich
häufende Luft unterwärts mit großer Ge-
walt ausbrechen werde. Die Wolke selbst
weil sie im Mittelpunct dieses Wirbels ist,
muß ruhen. Wenn der Wind nach Süden
entspringt; so ist das Unglük am größten.
Diese Winde sind am %December und Iunio ei-
gen. Die Südwinde die im Iulio, Iunio,
und Augusto häufig sind, herrschen zu der
Zeit, wenn die SüdwestWinde in
dieser Gegend, vornehmlich herrschen. Die
Zurükströmung der nördlichen Luft aber ihnen
bisweilen wiederstrebet. Die Ozeane in
eben diesem «Iahre» Meere und den umlie-
genden Seeküsten treiben Wolken, die wie
Pumpen aussehen, «das» anstatt daß die Nords
eine flache Wolke machen. Ihre Farbe ist
«graß» gräußlich 1 blaße Feuerfarbe 2 Kupfer

/|P_125

/Kupfer_roth 3) schwartz. Erstlich kommt der
Wind aus SüdOst, dann Windstille, dann Süd-
West. Am Capo bonae spei herrscht der Ocean,
der aus einer Wolke, das Ochsen_Auge ge-
nannt, zu brechen scheinet. Man glaubt
fälschlich, daß dieselbe Wolke nicht größer
sey alß ein Ochsen_Auge. Sie scheinet größer
alß ein ganzer Ochse. zu seyn, und breitet sich
vornehmlich über dem Tafel_Berg aus, sie
entstehet, wenn auf den Nord ein SüdWind
folget aus Ursachen die schon angeführet
werden. Doch muß man auch die Gebür-
ge an die sich die Winde stoßen mit in
Betrachtung ziehen. Dieses gilt auch von
andern plötzlichen Stürmen. Sie herrschen
mehrentheils in den Gegenden der Vorge-
bürge, MeerEnge und wo viele Insuln
sind, und zu der Zeit wenn die Winde
stärker abwechslen, alß im Herbst und
FrühIahre mehr alß in der übrigen
Zeit. Im Chinesischen und Iaporischen
Meere herrschen die Typhons, welche

/|P_126

/von denen «Meer» aus dem Meer stei-
genden Dämpfen zu entstehen pflegen.
Denn das Meer sprulet und «s»brodet an dem
Orte. Die Luft ist mit SchwefelDünsten an-
gefült, und der Himmel siehet kupferfärbig
aus. Das Chinesische Meer ist im Winter
als eins von den angrentzenden und
scheint diese Ursache zu bestärken. Der Ty-
phon bleibt an einer Stelle und treibet
nicht fort. Mit diesen haben die Waßer-
Hosen eine große Aehnlichkeit. Die Chi-
nesische und das rothe Meer haben diese
Luft_Phaenomena öffters. Man«n» siehet,
daß das Waßer an einem Orte gleichsahm
kocht, und endlich sich einen Fuß hoch erhebet.
Es steigt ein Rauch mit einem düstern zi-
schenden Getöße hervor und dann schei-
nen die Wolken sich in den Gegenden
herab zu senken, und mit den Röhren
der Figur eines Trichters oder einer Trom-
pete anzusehen. Es windet sich das Meer
in dieser Röhre in die Höhe und fält

/|P_127

/dieserhalb derselben nieder. Schiffe die
davon ergrieffen werden, werden ihrer
Seegel beraubt und sie treiben mit dem
Winde fort.

/ ≥ §_4.
/Schnelligkeit der Winde. ≤

/Ein gelinder Wind geht nicht schneller, alß
ein Mensch im Gehen. Ein ziemlich starker
Wind, alß ein Pferd im Laufen. Ein Sturm-
Wind der Bäume ausreißt, leget 24 Fuß in
einer Secunde «ab»<durch>laufen. Diese werfen
Häuser und alles um, worauf sie frey treffen.

/ ≥ §_5.
/Vom Passat-Winden. ≤

/Ein Wind, der einen Erdstrich, ein gantzes
Iahr hindurch eigen ist, heißet ein Passat-
Wind. Zwischen den Tropicis wehet fast
beständig, wenn man sich vom Lande ent-
fernt, ein OstWind um die gantze Erde.
Dieser entstehet nicht von der zurükgeblie-
benen Luft, die, da die Erde sich von Abend
gegen Morgen zu drehet, nach treibet

/|P_128

/und in der nach und nach, von Morgen gegen
Abend durch die Sonne und um die Erde gesche-
hene Erwärmung; denn wie eben gesagt; so strö-
met die Luft immer in der Gegend, die von der
Sonne am meisten erwärmet wird; Folglich muß
sie dem scheinbahren Lauff der Sonne immer nach-
ziehen. Die Seefahrer können viel geschwinder
aus Ostindien nach Europa; als von daselbst nach Ostin-
dien kommen; weil sie im letzten Fall den Genera-
len Ostwind, sowohl auf dem Aethiopischen als Inndi-
schen Meere, gegen sich haben. Die Seefahrer
müßen auf der Reise von Capo bonae spei nach
Europa wohl auf ihrer Hut seyn, daß sie die St_¥
Helena %nicht vorbey fahren, wenn sie dieselbe ein-
mahl vorbey sind; so können sie nicht mehr da-
hin gelangen, weil sie ein starker OstWind
forttreibet, und müßen in der Insul Assumsion
frischWaßer einnehmen. Dieses gilt von allen
zwischen der Tropicis befindlichen Meeren, dem
Atlantischen, Aethiopischen, Stillen und Inndischen.
Allein je weiter von dem Aequator zu den
Tropicis, desto mehr weichet dieser Ostwind,
in einer Nebenrichtung aus Süd- und Norden ab,
nach dem man sich im südlichen oder nordlichen
Hemisphaerio befindet, dort wird er ein Süd- 

/|P_129

/Ost, hier ein NordOstWind genannt. Dieser
Wind erstrecket sich auch etwas außerhalb den
Tropicis, doch nicht leicht über den 30 %Grad. Die Win-
de Alisees, gehören zu den Würkungen dieses
allgemeinen OstWindes, und sind solche, die in
einem Erdstriche beständig herrschen, obgleich
sie nicht die Richtung aus Osten haben. zE: so herrscht
an den Küsten von Peru ein beständiger Süd-
Wind, der neben den Küsten Chili bis an Pan-
ma fortstreichet, welcher daher kommt, weil
die näher zum SüdPol befindliche Luft nach
dem Aequator «¿¿»hinstreichet. Der allgemei-
ne OstWind aber die Cordillerischen Gebür-
ge gehindert wird, hier seine Würkung zu
thun. An den Küsten von Guinea ist ein
fast beständiger WestWind, weil die Luft über
Guinea mehr, alß über dem Meere erhitzet
wird, und die letztere daher genöthiget wird
über sie zu streichen und zwar in schiefer
Richtung von S:W: nach N:O:; weil die größ-
te Stärke des festen Landes von Africa,
nehmlich nach der letzten Gegend gegen hin
lieget, da denn die Richtung der Küsten,
den Wind vollig westlich machet.

/ ≥ §_6.
/Von See %und LandWinde.

/|P_130

/Alle Länder der heißen Zonae, haben an ihren
See_küsten, diese Abwechselung der Winde, daß
des Tages hindurch ein Wind aus der See ins
Land streichet und des Nachts vom Lande in die See.
Denn des Tages erhitzt die Sonne das Land mehr
alß das Waßer; dahero wird die MeeresLuft, in
nicht in dem Grade erwärmet worden dichter
seyn alß die LandLuft, und diese aus der Stelle
treiben; Daher nimmt durch die Stärke des See-
Windes zu, biß nach 12 oder 1 Uhr Nachmittage,
von da er immer schwächer wird und des Abends
gar nachläßt, alsdenn aber erkühlet die SeeLuft
schneller, alß die Landluft, die über einen er-
hitzten Boden steht; Iene zieht sich also zusammen
und machet dieser Platz; folglich streicht alsdenn
ein LandLuft über die See. Die Winde sind
in allen Insuln der Zonae torridae in Mexica-
nischen Meerbusen, in Brasilien an den Africa-
nischen und Westinndischen Küsten anzutrefen.
Sie sind ausnehmend, nutzbahr, nicht allein zur
Abkühlung dieser Länder; sondern auch für die
Schiffahrt zwischen vielen Insuln.

/ ≥ §_7.
/Von denen Monssons oder periodischen Winden. ≤

/In dem ganzen heißen Erdstrich, wo gantze

/|P_131

/Länder von dem Aequator gen Norden oder
Süden sich ausbreiten, herrschen in den benachbar-
ten nördjährlichen Wechsel Winde, Moussons, oder
wie sie die Engelländer nennen, Monsons genandt:
nehmlich die Monate Aprill bis September ein
SüdWestWind. Die übrige Monathe ein N.O.W:
Dieses geschiehet im Meerbusen von Bengala, den
Persischen Arabischen Meeren, in Archipelag:
den philippinischen Insuln, im Mexicanischen Meer-
busen und anderwärts. Im Südlichen Hemisphae-
rio, geschiehet eben der Wechsel des W:Windes
nur in den gedachten Monathen herrschet der
N.West, und in den übrigen der S.W:Wind.

/ ≥ §_8.
/Ursache des Monssons. ≤

/Indem ich die Ursache der Monssons erklähre;
so gebe ich auch eine allgemeine Theorie, aller
beständigen periodischen; und der meisten ver-
änderten Winde. Ich sage nehmlich, daß ein Wind
der von dem Aequator, nach einem von den zwey
Poolen gehet eine Neben_Richtung nach Westen
bekomme, wenn er erstlich eine Weite hindurch
beweget hat, ZE: in unserm %nordlichen Hemis-
phaerio, muß ein SüdWind in einen S.Wind
wird ausschlagen und auf der südlichen Seite

/|P_132

/des Aequators ein Wind, der von dem %Aequator
nach dem S:Pool hinziehet, ein N.W:Wind wer-
den. Denn da die Erde sich um die Axe drehet;
so haben die Theile ihrer Oberfläche. Die größte
Bewegungen, welche unter dem %Aequator sind, und
diejenige, welche einem oder dem andern Poole
näher liegen, eine desto schwächere; je näher
man zu dem Pool gehet, und die Luft welche
die Erde bedeket, hat allenthalben wenn kein Wind
ist, gleiche Bewegung mit dem Theile der Oberfläche
der Erde, auf welcher sie ruhet. Also wird die
Aequators_Luft vielmehr Schnelligkeit mit der
Bewegung von Abend gegen Morgen haben, als
die unter den Tropicis, und diese weit mehr
als die Zwischen dem PolarZirkeln pp. Diese
Bewegung der Luft aber macht an sich noch
gar keinen Wind, weil die Luft auf der Ober-
fläche der Erde ihren Platz nicht verändert. So¥
bald aber die Aequator_Luft nach einem von
den Poolen zE: zu dem NordPool hinziehet; so
ist dieses erstlich ein SüdWind. Allein diese nach
Norden ziehende Luft hat doch von der Drehung
der Erde einen Schwung, von Abend gegen
Morgen, der schneller ist, alß alle Polarzirkel,
wohin sie bey weiter Entfernung vom %Aequator

/|P_133

/anlanget; also wird sie unter die Oerter
wo sie ankommt, sich mit dem Uberschüße ihrer
Schnelligkeit von Morgen gegen Abend fortbe-
wegen, mithin durch die Zusammensetzung
der südlichen Richtung, ein S.W.Wind machen.
Aus eben den Gründen, wird aus der Bewegung
der Aequator-Luft, nach dem SüdPol hinein N.W:¥
Wind entstehen, dagegen, wo aus einer vom
Aequator entfernten Gegend die Luft zum Ae-
quator hinströhmet; so wird in unsrem Hemi-
sphaerio dieses erstlich, ein N.Wind seyn, da
er aus solchen Gegenden der Erde ausgegangen,
wo er wegen der kleinen parallel_Zirkel
in denen er sich befand, weniger Schnelligkeit
von Abend gegen Morgen hatte, alß diejenige
Theile der Oberfläche der Erde, die dem Aequator
näher liegen, wohin er sich beweget; so wird
er, weil er nicht viele Bewegungen von Westen
nach Osten hat, alß die Oerter, wo er gelanget,
nachtreiben, also sich schon von We: nach Ost:
zu bewegen, welches in der nördlichen Richtung
verbunden, in unseren Hemisphaerio einen
NordWind macht; daher wird ein NordWind in
unserer Halbkugel, je mehr er sich dem %Aequator
nähert, in einen NordWestWind ausschlagen
und im %Südlichen %Hemisphaerio wird ein SüdWind

/|P_134

/sich in einen S.O.Wind aus eben den Grün-
den verändern. Hieraus nun kann zuerst der
allgemeine Wind unter der Lnie erklährt wer-
den, denn daselbst und vornehmlich zur Tag und
Nacht_gleiche ist die Luft mehr alß anderwärts
verdikt. Die Luft bey den Poolen und andern
zwischen ihm und dem Aequator gelegenen Gegen-
den, ziehet also zum Aequator hin, der N.¥
Wind aber verändert sich eben dadurch in
einen N.O.Wind und der S.Wind, in einen
SüdO:Wind. Diese Winde werden auch in denen
Tropicis, einander in seinem %Haemisphaerio anzutref-
fen seyn; allein unter dem Aequator werden sie,
da sie in einem Winkel zusammentreffen, in S.O.
Winde ausschlagen, da nun vom Märtz, bis in
den %September die Sonne die Zonam torridam
in unserem Hemispher am meisten erhitzt; so
werden die Länder die in derselben oder ihr
nahe liegen, ungemein erwärmet werden,
und die nahe dem %Aequator liegende Luft, wür-
den Platz, der über dieser verdünneten Luft ist,
einnehmen; Es wird also ein S:Wind entstehen,
der «¿¿¿»um des vorerwehnten Gesetzzes Willen
in einen S:W:Wind ausschlägt: allein in den
übrigen Monathen thut die Sonne dieses im
südlichen Hemisphaerio; also wird die Luft der
%nordlichen Halbkugel herüberziehen und einen

/|P_135

/N.W: machen. In der Zeit da diese Mon-
sons abwechseln, werden WindStillen und Orkane
regieren.

/ ≥ §_9
/Nach einige Gesetzze der Abwechselung der
Winde. ≤

/In unserer nordlichen Halbkugel pflegen die
Winde, wenn sie von Norden nach Osten ge-
hen, auf diese Weisen den gantzen Zirkel von<1>
der<2> rechten<5> zur<4> linken<3> zu absolviren, nehmlich
nach Osten, denn nach Süden und von da nach
Westen zugehen. Allein diejenige Winde, die
auf eine entgegengesetzte Art aus Nord:
nach West p laufen, pflegen fast niemahls den gantzen
Zirkel zu absolviren. Im %südlichen Hemisphaerio, da
die Sonne ihren Lauf von der rechten zur linken
hat, ist dieser Zirkel auch umgekehrt, wie Don_ulca
im mari_pacifico angemerket hat. Es scheinet
dieses Gesetz vom Lauf der Sonne herzurühren,
denn der N:W: schlägt natürlicher Weise in
einem N.O.Wind aus; allein wenn ihm die
südliche Luft endlich wiederstehet, so wird völ-
lig östlich, denn fänget die Luft aus Süden an,
zurückzugehen, und wird durch die Verän-
derung mit dem OstWinde erstlich S:O. denn
völlig südlich, hernach aus dem obigen «gesagten»

/|P_136

/angeführten Gesetzzen S.W: denn durch
den Wiederstand der nördlichen Luft völlig
West. Die Winde sind am meisten veränder-
lich in der Mitte zwischen einem Pool und
dem Aequator. In der Zona torrida und in
denen nahe gelegenen Gegenden, alß in der
Zona frigida und den benachbahrten sind sie
viel beständiger. Ofters sind Winde in ver-
schiedenen Höhen der Luft verschieden, sie
bringen hernach Windstillen und darauf %plötzliche
Stürme oder einen veränderten Wind, in
denen niedrigen Gegenden zuwege.

/ ≥ §_10.
/Von Regen %und andern LuftBegebenheiten

/In der Zona torrida ist am regenhafte-
sten, daselbst fallen auch große Tropfen, und
mit mehrerem Ungestümm. In den AEthopischen
Gebürgen und in den Cordilleren regnet es fast
immer. Die S.W.Winde bringen in den Theilen
der Zonae torridae und andern anliegenden
Gegenden, die in den %nördlichen halben Kugel
liegen, die anhaltenden Regen zuwege,
welche die Flüße so auf schnellend machen.
In Barra_Liona und andern Gegenden der
Küsten von Guinea fält der Regen in sehr
großen Tropfen und erzeuget Würme.

/|P_137

/Die Negers laufen vor dem Regen,
alß wie vor dem Feuer und in einem Kleide
mit Regen durchnetzzet, schlafen sie tödtlich, wie
denn solche Kleider, wenn sie naß weggeleget
werden, in Kurzem «ver»{2- <an> -2}laufen. In einigen
Ländern regnet es gar nicht, in andern
selten; Der niedrige Theil von Peru, wo
Lima liegt, ist gantz vom Regen frey; daher
man daselbst flache Dächer hat, darauf Asche
zerstreuet ist, um den Thau einzusaugen,
weil die RegenWolken ihnen in großer
Höhe, durch den allgemeinen OstWind, der über
die Cordillerischen Gebürge streicht, getrieben
über dem Kopfe wegziehen. In Quieto reg-
net es «fast» alle Tage, wenigstens eine halbe
Stunde lang. In dem Obern Theile von Egipten
ist es einem Wunder ähnlich. Wenn es in 7
Iahren einmahl regnet. In den Wüsten
Arabien sind Regen gleichfals selten.

/ ≥ Allgemeinen Theils der physischen Geo-
graphie. Siebentes Hauptstück.

/Von dem Zusammenhange der Witterung
mit den Iahrszeiten. ≤

/Alle Länder selbst kalte Erdstriche haben
im Winter eine desto temperirte Luft

/|P_138

/oder Witterung, je näher sie am Meere
liegen, welches in seiner weiten Ausdün-
stung niemahls frieret; dahero es am NordCapo
im Winter nicht strengere Kälte ist, alß im %südlichen
Theilen von Lappland. Einige Länder haben
einen weit strengeren Winter alß andere, die
oftmahls viel nördlicher liegen. So ist es von
dem Theile in China, der südlicher ist alß Neapol im
Winter so kalt, daß es a«h»nsehnlich frieret. In
Nordamerica sind in der Breite von Frankreich
so strenge Winter, alß im nordlichen Theile von
Schweden und im %südlichen Hemisphaero schwimmen
daselbst in einer Pol_Höhe, so wie die von
Engelland ist, große Eisfelder welche nie
aufthauen. Selbst in Europa war es in vie-
len Ländern kälter, alß jetzo. Die Tieber ge-
fror im Winter Zur Zeit des Kaysers Augustus
gewöhnlich, jetzt aber niemahls. Die Roine
gefror zu Iulii_Caesaris Zeiten, so, daß
man Lasten herüber führen konnte, jetzt aber
ist dieses nicht erhört. Das schwartze Meer
war zur Zeiten Constantini_Capronimi
Ellendick gefroren. Deutschland war am
Rhein und von Frankreich werden uns
von den alten Siberien beschrieben. Dieses

/|P_139

/rühret von den vielen Wäldern her, welche damahls
die meisten dieser «¿» Länder bedenckten,
und in denen der Schnee sehr <spät> schmeltzet, so,
daß kalte Winde daher wehen. Ietzo sind
die Wälder größen Theils ausgehauen, hinge-
gen im Nordlichen Theil von America und
Asien sind sie noch unermeßlich groß, «wel»
welches eine«n» von den Ursachen der Kälte,
in diesem Lande seyn kann. Doch kann die
Beschaffenheit des Bodens viel hiebey thun,
vornehmlich wenn er in China %und Siberien
voll Salpeter ist in heißen Erdstriche in dem
Theile deßelben der in der nordlichen Halb-
kugel liegt, ist der Winter, wie sie ihn«en»
nennen in den SommerMonaten bestehet aber
bloß in der Regen_Zeit, denn die Sonne
ist ihem würklich, alßdenn am nachsten,
wie es denn zur Zeit eine sehr schnelle
Luft, vornehmlich in der Gegend wo Carta-
gena in america und in Guinea giebt,
die übrige Zeit heißt die gute und trokene
Zeit. In Persien, nehmlich in mittlern Theile
in Sorien und @klein@_Asien ist die Winter¥
kälte oft sehr heftig. In der derselbe Insul,

/|P_140

/disseits des Ganges kommt auf der Küste
Malabar die RegenZeit einige Wochen
eher alß auf der Küste Coromandel, weil das
Gebürge Gote, welches diese HalbInsul in
die Hälfte theilet, die Wolken die vom S.W.Win-
de getrieben werden eine Zeitlang von der
OstSeite der HalbInsul zurückhält, daher
man daselbst in 2 oder 3 Tagen_Reisen aus
dem Winter in den Sommer kommen kann. In
der südlichen HalbKugel %und deren Theil der
Zonae torridae ist dieses gantz umgekehrt. Die
Ursache der Kälte in dem südlichen Ozean
selbst zu derjenigen Zeit, da daselbst da
daselbst Sommer ist, kommt ohne Zweifel von
den großen Eisschollen her, die von den Ge-
genden des SüdPools in diese Meere her-
abgetrieben werden.

/ ≥ Allgemeinen Theils der physischen
Geographie. Achtes Haupt-
Stück, Geschichte der
großen Verän-
derung welche
die Erde ehe-
dem erlit-
ten hat und
noch lei-
det.

/|P_141

/≥ §_1.
/Von den allmähligen Veränderung die
noch fortdauren.

/1) Durch Erdbeben. Diese nach man-
che an der See gelegene LandStriche ver-
senket und Insuln empor gehoben. Maro [[Moro]]
meynet sehr unwahrscheinlich, daß die Ber-
ge mehrentheils daher entstanden; Einige
aber haben gewiß ihren Ursprung daher.

/2) Durch die Fluße und den Regen. Der
Regen spilet die Erde von den Bergen und
hohen Theilen des festen Landes und schleppt
den Schlam in die große Bäche, die in den
Strom bringen, Der Strom hat «ihn»<in> ihn und
wieder anfänglich in seinem Laufe abge-
setzt und seinen Canal gebildet; Ietzo
aber führet er ihn fort, setzt ihn weit und
breit an den Küsten bey seiner Mündung
ab, vornehmlich wird er bisweilen die
Länder bey seinem Ausschuß beschwemmen
und setzt neu Land an. Dieses sind Bege-
benheiten, die durch <sehr> viele Exempeln bestät-
tige«t»nd sind. Der Nil hat das ganze Del-
ta, ja nach dem Zeugniß der ältesten
Schriftsteller gantz UnterEgypten durch

/|P_142

/seinen Schlam angesetzet. Da hier von
alters ein Meerbusen war. Er thut aber
dieses noch. «Die» Damiate ist jetzo 8 Meilen vom
Ufer entfernet, 1243 war es ein Seehafen.
Die Stadt Foa lag vor 300 Iahren an ei-
ner Mündung des Nils und ist 5 Meilen dav-
on auf dem festen Lande. Ia seit 40 Iahren hat sich
das Meer 1/2 Meile weit von der Stadt Ro-
sette zurükgezogen. Nun kann man deutlich
sehen, daß alles Land von UnterEgypten ein
Geschöpf des Nils sey, weil an deßen
Ufer das gute Erdreich wohl 50 %Fuß tief gehet. Eben
dieses ist am Missisippi und Amazonen-
Strom, am Ganges p zu merken. Dadurch
wird das feste Land immer niedriger und
das RegenWaßer, nachdem das feste
Land seinen Abhang verliehret, wird %nicht
mehr so häufig den Flüßen zugeführet; son-
dern versieget in der Erde und troknet in
Pfüzzen aus. Die Flüße Fällen ihre Mün-
dung ab oft mit Schlam und verliehren
dadurch ihre Schiffbahrkeit, so, daß neue
Insul und Bänke in der Mündung
großer Flüße angesetzet werden.

/|P_143

/3) Durch das Meer, dieses ziehet sich an den
meisten Ländern, von den Küsten nach und
nach zurück. Es arbeitet zwar an einigen
Küsten etwas ein, aber an andern und den
meisten Oertern setzzet es wieder an. In
östlichen Theil von Holland gewinnt das Land
jährlich 2 biß 3 Klafter. Die Einwohner in
NordHolland bemerken, daß die See in 10 Iah-
ren 4_1/2 Zoll niedriger werde; daher viele von
den guten Häffen anjetzt nur kleine Schiffe
annehmen. Die Dünen in Holland %und Engel-
land, %imgleichen die %Preußischen Nahrungen sind
ohne Zweifel vom Meer abgeworfene
SandHügel ist aber steigt das Meer nie-
mahls so hoch sie sind. Man mag urtheilen
obs genug dieses zuerklähren, wie die See
ihren Schlamm, so die Flüße hineinführen am
Ufer absetzze, oder ob das innere der Erde
sich seit vielen Iahrhunderten her immer
nach und nach fester setzzen; Daher der Bo-
den des Meers immer tiefer sinket, weil
sein Bette vertieffet wird und sich vom Ufer
ziehet. Das Meer vertheilet, daß viele
«Welttheile» Meerengen nach und nach durch

/|P_144

/durch die Bearbeitung des Meeres, wel-
ches eine Landenge durch gebroch«¿¿»en hat,
entstanden zE. die Straße von Calais Ceilon
soll ehedem mit dem festen Lande zusammen
gehangen haben, wo nicht die Erdbeben
hievon auch etwas Antheil nehmen;
zum wenigsten laßen sich die Raubthiere,
die ehedem in Engelland waren, kaum
anders begreifen, alß durch den Zusammen-
hang dieses Landes mit Frankreich. Der
Dollart, eine See in Friesland, ist durch
den Einbruch des Meers entstanden. Die
Süder_See ist ehedem ein bewohntes Land
gewesen, ist aber durch die See überschwem-
met.

/4) Durch die Winde und den Frost, der Wind
treibet offters den «W»Sand von hohen Gebür-
gen über niedrigen Gegenden, und um-
gekehrt. Im Bretagne überschwemmt eine
solche einen a«b»nsehnlichen Theil«s» des festen
Landes, so, daß die Spitzzen der Kirchthür-
me nur hervor ragen, von Dörfern die
ehedem bewohnt waren. In andern
Theilen treibt der Wind den Sand ins
Meer und macht Untiefen, auch wohl gar

/|P_145

/ein «gar» neues Land«,». Der Frost sprengt öfters
ansehnliche Theile von Bergen, in deren Ritzen
sich Regenwaßer hält, welches in ihren Ritzzen
frieret, ab. Diese rollen in die Thäler und
richten offters große Verwüstungen an. Diese
Veränderungen sind nicht von großer Erheblich-
keit.

/5) Durch die Menschen. Diese setzzen dem Mee-
re und den Flüßen Däme, und machen da-
durch troken Land, wie am Ausfluß «am»<des>
Po, des Rheins und anderer Ströhme zu sehen
ist. Sie trokenen Moräste, hauen Wälder und
verändern dadurch die Witterung des Lan-
des ansehnlich.

/ ≥ §_2.
/Denkmahle der Veränderungen, welche
die Erde in den ältesten Zeiten ausge-
standen.
/A.
Beweißthümer, daß das
Meer ehedem die gantze Erde bedeket
habe.

/An allen Orten der Erde, selbst auf den
Ritzzen hoher Berge findet man große
Haufen von See_Muscheln und andere Merk-
mahle des ehemaligen MeerGrundes.
In Frankreich bey Touraine ist ein Strich

/|P_146

/Landes, der 9 frantzösische Quadrat_Meilen
begreift, in welchem unter einer kleiner
Bedekung von Erde, eine Schichte von SeeMu-
scheln angetroffen wird, die 20 %Fuß dik ist. Auf allen
Bergen in der Welt, auf allen Insuln hat man
diese gefunden und sie beweisen genugsahm,
daß die Seen alles feste Land bedeket haben. Nur
in den Cordilleren hat man sie noch nicht gefunden.
Weil aber diese die steilesten von allen Ber-
gen sind, so wird der Schlamm, der durch Regen
nur Gießbache abgeschwemmet worden, längst
die MuschelEichten mit einer so dicken Leim-
Schicht, die man auch allenthalben findet, bede-
ket haben. Es ist lächerlich wenn la_Laubere [[La_Loubère]]
in seiner Beschreibung von «Schima» <Simia> den Affen
diese Muscheln beymißt, die sie bloß zum Zeit
vertreiben, wie sie auf dem Capo bonae spei
thun solten, auf die Spitzen hoher Berge ge-
tragen haben sollen, oder wie ein anderer
dafür hält, daß die Asiatische Muscheln, die
man auf de«m»n Europaeischen Bergen findet,
von denen Krieges_Herren mitgebracht wor-
den, so die Kreutz_Züge nach dem gelobten
Lande thaten. Man findet aber auch andere
Seethiere versteinert, oder in Stein abge-
för«t»mt, allenthalben, auch mitten in dem

/|P_147

/Galse, daraus die Gebürge entstehen. Es
giebt darin häufige Schlangen_Zungen oder
versteinerte Zähne von Häyfisch, das gewundene
Horn des Narvals, Knochen von Wallfischen,
Theile von versteinerten Seinseckten, dahin
die Iuden_Steine, Aströten, Petunkeln pp gezeh-
let werden müßen. Ferner sind in der Ge-
stalt der Gebürge Beweise von vorigen Auf-
enthalte der See über dem festen Lande
zu finden. Das zwischen zwey Reihen von
Bergen sich schlängelnde Thal, ist dem Schlauch
eines Flußes, oder dem Canal eines Mäl-
stroms ähnlich. Die beyderseitigen Höhen,
laufen wie die Ufer der Flüße einander
parallel, so, daß der ausspringende Win-
kel des einen, dem einstehenden Winkel
des andern gegen überstehet. Dieses be-
weiset, daß die Ebbe und Fluth auf dem
grentzenlosen Meere, welches die gantze
Erde bedeket, ebensowohl Meerströme ge-
macht habe, alß jetzt im Ozean und daß
dieses zwischen den Reihen von Gebür-
gen sich ordentliche Kanäle ausgehöhlet
und zubereitet haben.

/ ≥ B.
/Beweißthümer, daß das Meer öfters

/|P_148

/im festen Lande und dieses wieder in
Meer verwandelt worden. ≤

/Zuerst ist die Betrachtung der Schi«¿¿»chten nothe
wendig, daraus die obere Rinde der Erde
bestehet. Man findet verschiedene Strata, oder
Schichten von allerhand Materien, alß Leimen,
Feinen, Sand, Kalck, Erde, groben Sand, Mu-
scheln pp gleichsam Blätter weise über einan-
der, dergleichen Schichten sind, entweder hori-
zontal oder inclinirt, und sind so weit wie
sich erstreken, von einerley Dicke. Nun fin-
det man öffters unter den ersten Schichten,
eine Schichte des MeerGrundes, welches man
an den erschütteten Seepflanzen %und Muschlen
erkennen kann, diese Schichte besteht offt aus
einer KreidErde, welche nichts anders, alß
Muschelgries oder See_Sand ist; dem folget
offt eine Schichte darinnen Pflantzen, Bäume,
Werkzeuge der Menschen, rudera der
Städte verborgen sind, bald darauf nach
abwechselnden Schichten der Grund der See.
Diese Schichten liegen nicht über einander,
nach Proportion ihrer specifischen Schwere.

/In Flandern, Friesland und anderwärts
findet man. erstens Spuren vom vori- 

|P_149

/vorigen Auffenthalte des Meeres, darauf
40 biß 50 Faden tief, darunter gantze Wälder
in verschüttete Bäumen. Ihre Wurtzeln lie-
gen hier sowohl, alß im Lauenburgischen
nach Nordwest und die Gipfel nach SüdOst.

/In Modena und 4 Meilen umher, findet
man 14 Fuß tief, unter der obersten
Rinde Trümmer einer alten Stadt, alsdenn
eine feste Erdschichte in der Tiefe von 28 biß
40 Fuß. Muscheln in einer kreidigten Schichte;
hernach in einer Tiefe, von 60 Fuß, bald
Kreide, bald ErdGewächse. Im Iahr 1464
ist im Caton Bern aus einer 100 Ellen tiefen
Grube ein Schiff mit 40 Gerippen mensch-
licher Cörper gezogen worden. Unter
einem sehr tiefen Felsen, fand man in
Uri ein Meßer. %Imgleichen hin und wieder
in den Bergwerken gantze Menschen¥
Gerippe. In Engelland findet man
Bäume in der Erde die behauen sind.
Die Felsen sind ohne Zweifel ehedem weich
gewesen. In Schweden fand man vor
kurtzem in einem Schichte etliche Ellen
tief eine Kröte in einem Felsen sitzen,

|P_150

/die noch lebte, obgleich blind %und fühllos.
Man findet in den SandGebürgen, so zu sa-
gen Teiche von versteinerten Fischen, vie-
le Abdrücke von Inndianischen Pflantzen,
und hin und wieder ElephantenZähnen, im-
gleichen Elephanten_Knochen in Siberien.

/ ≥ C.
/Theorie der Erde. oder Gründe der
alten Geschichte derselben. ≤

/Scheuchzer und viele andere Naturkundige
schreiben diese Merkmahle aller Verände-
rungen der Sündfluth zu; allein diese ist
eine gar zu kurtze Zeit, über der Erde ge-
wesen, alß daß sie solche Veränderungen
hätte bewirken können. Große Muschel-
Bänke, hohe Erdschichten, ja wohl gar
Felsen aufzuführen, dazu ist eine so kur-
tze Zeit, alß die Zeit der Sündfluth war %nicht
hinlänglich. Zuweilen findet man ab-
wechselnde Schichten in der Erde, von dem
festen Lande und dem See_Grunde: Es ist oft
wie in der Gegend von Modena unter
einer Muschelschichte ein Stratum, welches
Producte eines festen Landes begreifet,

|P_151

/und unter diesen findet man auch wie-
derum oft Ueberbleibsel des Meeres, so, daß
zu sehen ist daß diese Veränderung des
festen Landes in Meer und dieses wieder
in festes Land, oft auf einander gefolget
sind. Zu dem scheint die Sündfluth nur
eine allgemeine von diesen Veränderungen
gewesen zu seyn, nehmlich eine Verän-
derung des festen Landes in Meer, und
dieses wiederumb in festes Land; «E»es sind
aber unleugbahre Merkmahle, daß dieses
mit einigen Strichen der Erde oder nachher
sich würklich zugetragen habe und viele
Iahre in einem Zustande solcher Verän-
derung verfloßen. Daß viele ja! fast
alle Insuln mit dem festen Lande ehedem
müßen zusammen gehangen haben, und das
alles darzwischen liegendes Land in
einen SeeGrund verwandelt worden, ist
aus den Thieren, die sich darauf befinden.
Denn wo man nicht behaupten will, Gott
habe auf jeder «Weite»{2- Seite -2} vom Lande entlege-
nen Insul zE. den Azorischen, Latronischen pp
die LandThiere besonders erschaffen; so ist

|P_152

/nicht zu begreifen, wie sie herüber gekom-
men, vornehmlich die schädliche Thiere ZE.
Stinkdachs. Nun frägt sich was alle diese
Veränderung für eine Ursache haben? Nero [[Moro]]
glaubt die Erdbeben wären im ersten Al-
ter der Erde allgemein gewesen. Es wären
Berge aus der See sambt den Muscheln gehoben
worden und anderwärts wäre der Grund
des Meeres tiefer eingesunken, das Saltz
des Waßers sey von der Asche ausgebrann-
ter Materie ausgelauget, und endlich sey alles
in einen ruhigen Zustand gesetzt wor-
den. Nun ist zwar nicht zu leugnen,
daß in Peru gantze Berge anzutreffen, die
vom Erdbeben erheben sind, sie unterschei-
den sich aber von andern kenntlich. Die
Strata liegen hier nicht, so ordentlich alß
anderwärts, auch ist es nicht glaublich, daß
bey einer solchen Wuth des unterirrdischen
Feuers, welches Berge ausgetürmet hat.
Muscheln und Thier_knochen unversehrt ge-
blieben; überdem wie kommen die viele
Indianische «und» See und Land_Producte
in diese Gegenden? Bonnet [[Burnet]] bildet sich die

|P_153

/die erste Erde alß plat und eben, ohne
Meer und Berge vor. Unter der obersten
Rinde war eine große Waßer_Versammlung.
Der Aequator der Erde war nicht über die
Eclyptic geneigt; sondern vielmehr nimmt ihr
zusammen; die Oberste Rinde stürz«et»te ein
und machte Berge, den Boden der See und
festes Land; allein hieraus können die
nach und nach geschehenen Revolutiones nicht
erklähret werden, Woodward glaubet; die
Sündfluth habe alle Materie der Erde, Metall,
Steine, pp aufgelöset, dieser aber hette sich
nach und nach gesenket, daraus wären die
Erdschichten, die viele Cörper frembder Art
in sich schlüßen. Aber die Lage der Schichten,
welche zeigen, daß die veränderung nicht
nur einmahl; sondern öfters mit Abwech-
selung geschehen, und die der gesunden
Vernunft Auflößung aller ersten Körper,
wiederlegen diese Begriffe. Whiston lebete zu
einer Zeit, da die Cometen in Ansehen
kamen: Er erklährte auch die Schöpfung
der Erde, die erste Verderbung derselben
nach dem Sündenfall. Die Sündfluth und

|P_154

/das letzte Gericht, alles durch Cometen. «Die
Erde.» Die Erde war seiner Meynung
nach ein Comet, die %Attmosphaere {2- «macht es» <war> -2}
dunckel auf der Erde, da sie sich vereinigte
ward es Licht, endlich wurden Sonne und
Sterne erschaffen. Das innwendige Waßer
der Erde wurde mit einer Rinde von Erde
bedecket und es war kein Meer. Der Schweif
«des» <eines> Cometes berührte <die Erde> und, da verlor sie ihre
erste Fruchtbarkeit. Ein anderer Comet berühre-
te <die Erde> mit seinem «Luft»<Dunst>_kreise und daraus wurde
der 40tägige Regen. Die unterirrdische
Gewäßer brachen hervor, es entstanden Gebür-
ge und der Boden wurde dem Meere zu-
bereitet; Endlich zog sich das Waßer in die
Höhlen der Erde zurük. Diese Meynung aber
erklähret, außer dem willkührlichen
und unrichtigen, welches sie in sich fa-
ßet gar nicht auf einander in langer
Zeitlaufen folgende und abwechslende
Veränderung des Meeres in feste Land
%und eingekehrt. Leibnitz glaubt die
Erde habe vor dem gebrannt, ihre Rinde

/|P_155

/sey in Glaß verändert worden. Aller
Sand sey Brunnen dieses Glases; der Leimen
und andere Erdarten; wären der Staub
von diesen zerribenen Partikeln. Diese
Glaßartige Rind «Erd» der Erdkugel sey
hernach eingebrochen, worauf dem Meer
sein Bette und die Gebürge hervorgebracht
wären. Das Meer habe Saltz der ausge-
brannten Erde in sich gesogen, und dies
sey die Ursache seiner Saltzigkeit. Linneus
hält dafür, Gott habe, da die gantze
Erde %anfänglich mit Meer bedeket war,
eine einzige Insul, die sich einem Berge
über die Oberfläche erhob, unter dem
Aequator gesetzt, aber<2> alle<3> darauf<1> ver-
schiedene Arten von Thier und Pflantzen,
nach der Verschiedenheit der Wärme und
Kälte, die den verschiedenen Höhen,
dieses gleich war hinauf gesetzzet. Die-
se Insul habe jährlich durch das Anspie-
len der See, neu Land gewonnen,
so wie man in Gottland, Dahland und
{2- <Beotien> -2} wahrnimmt, und sey alles feste Land in der

/|P_156

/Folge von vielen Iahrhunderten dadurch
entstanden. Allein dieses aus dem Meer
hervorgekommene Land, müste flach und eben
gewesen seyn; so wie alle auf diese Art
erzeugte Länder. Mann findet aber alle
Länder der Erde voll hoher Berge. Buffon
meinet die Meerströme welche in dem wei-
ten Gewäßer, welches im Anfange die
gantze Erde bedekte herrscheten hätten
die «¿¿»Unebenheiten und Gebürge, gemacht,
und das Meer hätte sich nach und nach auf
eine Art, die ihm genugsahm erklährlich
ist, zurükgezogen, und diese Höhlen troken
gelaßen.

/ ≥ §_3.
/Versuch der gründlichen Erklährungs-Art
der alten Geschichte. ≤

/Es ist gewiß, 1) daß die Erde in ihrem
gantzem Klumpen flüßig gewesen, weil
sie eine Figur angen«¿¿»ommen, die durch
den Drehung_@schwung@ aller Partikeln
derselben bestimmt worden, und man
findet auch bis in den größten Tiefen,
wohin man gräbt schichten Weise über

/|P_157

/einander liegende Erdlagen, welche
nicht anders, alß ein Boden_Satz einer
trüben und vermengten Maße aufzusu-
chen sind.

/2) daß alles vor dem alles ein Boden der See ge-
wesen seyn müße und das Erdstrich nicht
auf einem hervorgezogen worden; sondern
nach und nach und zwar mit einem
«¿¿»oftmahligen Rükfall in den Grund der
See, %imgleichen daß dis, lange Meridien hin-
durch gewähret habe.

/3) daß «die Erde» Gebürge desto höher sind je
näher sie dem Aequator liegen.

/4) daß die Erde unter der obersten Rinde
allenthalben hohl sey«n», selbst unter dem Mee-
res_Grunde und häufige und allgemeine
Einsinkungen haben geschehen müßen,
gleichwie jetzt noch einige besonders vor-
gehen. 5tens daß, wo die tiefsten Einsin-
kungen *1 am häufigsten in der heißen
Zone {2- <torridae> -2} alß anderwärts geschehen; daher
daselbst die meisten Gebürge, die weitesten
Meere, die meisten Insuln und Landes¥
Spitzzen sind. 7. daß das feste Land bisweilen ~

/|P_157R

/*1 geschehen, dahin das
Meer sich zurück gezo-
gen und die Praeci-
pitia trocken gelaßen.

/6tens daß die Einsinkungen ~

/|P_158

/bisweilen nieder gesunken, aber nach langen
Zeiten, da der MeeresGrund, sich tiefer in die un-
ter ihm befindlichen Höhlen gesenket, wieder von dem-
selben verlaßen und troken geworden. Aus allem
diesem ergiebt sich folgendes. Die Erde war im
Anfange eine gantz flüßige Ma«¿¿»ße, ein Chaos,
in dem alle Elemente Luft, Erde, Waßer pp ver-
menget waren. Sie nahm die Gestalt, einer
bey den Poolen gedrukten After_Kugel an, sie
fieng an hart zu werden, und zwar bey der O-
berfläche zuerst. Die Luft und das Waßer begaben
sich wegen ihrer Leichtigkeit aus dem inneren der
Erde unter dieser Rinde, die Rinde sank und es
wurde alles mit Waßer bedeket. Damahls erzeug-
ten sich in allen Thälern SeeMuscheln, allein noch war
die Erde nicht ruhig, das innere der Erde sonderte die
ihm untermengte Luft immer mehr ab, und diese
stieg unter die Oberste Rinde, da wurden die Höhlen
weiter. Weil nun die Gegenden wo die ersten
Einsinkungen der Erde, die tiefesten Thäler machten,
am meisten mit Waßer belaße«t»n waren; so
sanken sich tiefer %und das Waßer verließ
viele erhabe Theile. Damahls wurde troken
Land und es wurde der vormahlige Meeres- 

/|P_159

/Grund, durch die Würkung der Bäche und des
Regens an den meisten Orten mit einer
Schicht fruchtbahren Erdreichs bedekt. Diese dauer-
te lange Perioden fort, und die Menschen breiteten
sich immer aus, allein aus denen schon angeführten
Gründen, wurden die unterirrdischen Höhlen immer
weiter, endlich sank plötzlich das oberste Gewölbe
der Erde; dieses war die Sündfluth in welcher
das Waßer alles bedekete. Allein darauf sank
wieder Meeres_Grund und ließ einiges Land
troken, dieses dauerte fort, so, daß bald dieser
jener Strich, der vor dem im Meeres_Grunde gele-
gen in fest Land verändert werde. Iedesmahl
überschwemmte das von dem nunmehr erhöheten Bo-
den herabstürzende Waßer die niedrigen Ge-
gende und bedekete sie mit Schichten von Materien,
die sie von den Oberen abschwemmte. Es dauerte
diese Revolution in einigen Gegenden noch mehr
Iahrhunderte, indem das trokene Land, da die
Gewölbe deßelben, wegen der unter ihnen
befindlichen Höhlen, nicht mehr fest stunden,
einsank und vom Meer bedecket wurden, aber
nach einem «l»gegen Aufenthalte deßelben, da
der Boden des Meeres wieder noch tiefer sank,
wiederum entblößet wurde. Und in der That

/|P_160

/That findet man die unterirrdischen Wälder pp
eg: In FriesLand in Lineburgischen so umge-
worfen, daß es zu sehen, daß das gantzen N.W.
gelegene Meer sey; aber sie weg gestürzet, %und
habe sich wieder zurükgezogen; daher kommt es,
daß die meisten Einsinkungen nahe zum %Aequator
geschehen, denn daselbst müßen die weitesten Höh-
len entstanden seyn, wie solches aus den Ge-
setzzen der Umdrehung der Erde könnte «er»leicht
erklähret werden. Es ist auch hieraus zu sehen,
daß, weil durch die hin und wieder entstandenen
Bergen, die Gleichheit in der Krafft des umschwun-
ges der Erde um die Axe verändert worden, die
Axe der Erde sich verändert habe, und das, was
vorher im hiezigen Clima lag, in die temperirte
oder kalte Zone versetzezt worden; daher
bey uns die Ueberbleibsel von Inndianischen Thieren,
Muscheln, Pflanzen, wie denn dieses auch häufi-
ge Ueberschwemmungen, der vordem trokenen
Länder und Entblößungen, der vordem in
MeeresGrunde befindlichen nach «jetzo» sich gezo-
gen. Solte nicht da nach der Sündfluth der mit
Waßer bedekt gewesene Meeres_Grund trocken
Land geworden, der größte Theil seiner Saltzig-
keit von demselben ausgelauget und dadurch
die Saltzigkeit des Meeres und die Unfruchtbahr- 

/|P_161

/keit des festen Landes entstanden seyn?

/ ≥ Allgemeinen Theils der Physischen Geogra-
phie. Neuntes Hauptstück. Von der
Schiffahrth. §_1
/Von den Schiffen. ≤

/Die Befrachtung des Schiffe«n»s wird nach Lasten
gerechnet. Eine Last«e» hält 12 Tonnen, eine Ton-
ne 2000 %Pfund. Man schäzzet die Schwere der Last
die ein Schiff tragen kann, nach der Hälfte desje-
nigen Gewichtes, welches das Waßer wiegen
würde, daß im Schiff Raum hätte. ZE: Es mag ein
Schiff 500.000 Tonnen Waßer, jede a 2000 %Pfund faßen
so kann es mit 200.000 Tonnen, oder mit einer Last
von 5 %million %Centner beladen werden, welches aber
viel für ein Schiff ist. Der große Ostinnenfahrer
ist von 200 Last oder <trägt> ein Gewicht von 168.000 %Centner
Die größeten Portugischen Ceroquen, welche viel
großer alß KriegesSchiffe sind, steigen bis 1200 Last.
Man merket noch an, daß die sonst in dem
SeeWeßen unerfahrne Indianer eine Art
eines Fahrzeuges, die fliegende Parra ge-
nannt erfunden haben, welche für die schnell-
ste Welt gehalten wird. Ihr Durchschnitt ist
auf einer Seite gerade, auf der ander«m»n gebor-
gen, sie hat zur Seite Ausleger, welche ver- 

/|P_162

/schieden, daß der Wind sie nicht umwirft.

/ ≥ §_2
/Von der Kunst der Schiffen. ≤

/Brandungen sind, wo flache Küsten sind, sie ent-
stehen so: die Wellen die in der weiten See,
und sind gleich zeitig. Die aber nahe an den
Küsten sind kürtzer, folglich. Da das Ufer
flach ist; so lauft das Waßer schon ab, da die
Welle nach ein schwellen ist. kommt sie nun
vom Lande zurück, so begegnet sie die fol-
gende Wellen, und also trümmern sie sich sehr hoch. Bey
dem mittelländische «ist» Meere ist ungefehr die
10te Welle eine Brandung *1 sehr stark und da ist
ja schon die 7te Welle von der Art, daß sie
umschlägt. Decumanus flectus bedeutet ohn-
streitig bey den Römern diese Brandung
bey steilen Ufern ist keine Brandung, demohn-
geachtet ist es doch sehr unbequem an steilen Ufern
zu landen ZE: bey Capo Milio, bey Reggio
auf Calabrien und Messina in Sicilien. Man
segelt stärker neben, alß mit dem Winde,
aus zwey Ursachen, so weit das Schiff, wenn der
Wind gerade hinter ihm ist, gleichsahm den Wind
«ist» fliehet, alß auch weil ein Seegel, dem andern
den Wind anfängt. Ein Seefahrer muß die
Prospecte der Küste, alle«s» tiefen des Meeres ~

/|P_162R

/*1 bey Guinea an den
Küsten Fulda ist die
Brandung sehr ~

/|P_163

/an allen Orten die Beschaffenheit des An-
ker-Grundes, die Klippen Brandungen,
die in einer Gegend herrschenden beständige
Winde, die Moussons, Stürme pp vornehmlich aber
soll er

/1) Die WeltGegenden allezeit genau wißen,
dies geschiehet vermöge des Compasses, wenn
man die Abweichung des Magneten zugleich erre-
get, nur muß man, so oft es zu thun möglich ist,
durch die Observation des Himmels seine Beobach-
tungen zu corrigiren suchen

/2) Er muß wißen, nach welcher Gegend er mit
einem gegebenen Winde nur immerfort seegeln
darf, um an einen begehrten Ort zu kommen. Diese
Gegend nach welcher er fortseegelt, ist nicht immer die-
selbe, nach welcher hin der Ort lieget, wo er hin will;
dieses geschiehet nur, wenn beyde Oerter, von wo
und wohin er seegelt, unter einem Aequator, oder
einem Meridian liegen. Denn wenn z:E;
jemand aus Portugal nach dem Ostio des Amazo-
nenStroms seegeln wolte und suchte erstlich die
Gegend auf, nach welcher Gegend dieses Ostium
lieget; so würde er finden daß die kürtzeste
@Blumme@, die aus Portugal nach Peru gezogen
worden, nicht immer in einerley Winckel des Meri-
dians durchschneidet, mithin nicht immer nach
einer Gegend hingerichtet ist. Wenn er also
nach der Gegend, nach welcher der Anfang dieser

/|P_164

/krummen linie hinziehlet, fortfahren solte; so
würde er niemahls den Ort, «¿¿»Wo er ihn will er-
reichen. Man kann aber nicht in der «ze» kürzesten Linie
fahren, die von einem Ort zum andern kann
gezogen werden, wenn beyde Oerter sowohl außer
dem Aequator, alß außer demselben Meridian lie-
gen; denn ein Schi«e»ff müste nach fast eine Stunde
die Richtung seiner Bewegung ändern, welches
so genau zu thun nicht möglich ist, alß es die
vorgeschriebene Linie bestimmt; Daher suchet man
diejenige Richtung, nach welcher, wenn das Schiff
immer fort seegelt, es zwar nicht den kürzesten
Weg durchlaufft, doch aber zu dem Ort hinge-
langet. Diese Linie ist, wenn zwey <Oerter> gerade,
in einem parallel_Zirkul liegen. Der Paral-
lel_Zirkel selbst; wenn eben die Oerter außer-
halb dem Meridian und parallel_Zirkel liegen;
so ist es die Lapodromia, diese wird durch die
auf den Charten mit auslaufenden 32 krum-
men Linien, die alle Meridianos im gleichen
Winckeln durchschneiden, gezeichnete Rose ange-
zeiget, wie man sich derselben bedienet. Die
Lempodromie, die von einem jeden gegebenen
Ort zum andern führet, zu finden, ist zu
weitläufftig zu zeigen.

/3) Muß er die Länge und Breite jedes Orts
wißen. Die erste ist am schwersten zufinden.
Man bedienet sich der Sonne und MondFinsternißen

/|P_165

/der Bedeckung der Sterne durch den Wind,
der Verfinsterung des Jupiters Trabanten;
allein bey allen <dem> «¿»bleiben noch wichtige Fehler
übrig, die nicht können vermiden werden.

/4) Er muß seinen Weg setzen. Dieses geschiehet
vermittelst der Tag_Linie und einer richtigen
Sand_Uhr. Er muß auch bedacht seyn, nach einen lan-
gen Laufe den Fehler, den ihm d«¿¿»ie MeerStröme
gemacht habe, zu entdeken und verlaßen,
Lack ist ein Brett, womit man die Fahrt der
See abmißt.

/5) Es ist nach hin eine merkwürdige Abweichung
der Tage_Register des Seefahrers von demjenigen
das auf dem Lande gemacht, zu merken. Wenn
einer von %.Westen nach %.Osten die gantze Welt
durchgesegelt hat; so verliehrt er einen Tag,
oder zählt einen Tag früher, alß die zu Hause ge-
blieben, und der von %.Osten nach %.Westen umseegelt,
gewinnt eben so viel. Denn wenn sie 30 %Grad Westen-
wärts seegeln; so ist ihnen die Sonne um 2 %.Stunden
zurük gewichen. Sie zählen also weniger, alß
an dem Orte, von deem sie ausgefahren, und
also verliehren sie nach und nach 24 %Stunden. Fahren
sie aber eben so weit nach Osten; so kommt die
Sonne 2 %Stunden eher in ihren Mittags_kreis und so
gewinnen sie nach und nach einen Tag. In Maceo
zählen die Portugiesen den Sonntag, wenn die

/|P_166

/Spanier in Manilla den Sonnabend zählen;
denn die letzten sind von Osten nach Westen ge-
seegelt und die ersten umgekehrt. Magellan
hat zuerst die Welt von Osten nach Westen umge-
schiffet. Als die Portugisen über diese Entde-
kung der Spanier, in Westen unwillig wurden,
baten sie den Pabst, daß er, um den Streit zu
schlichten. Der Meridianum der von dem %.westlichen
Capoverdischen Insuln 100 Meilen wei«f»t ist, zur
Grentzen setzen möchte. Ostwärts sollen alle
Entdeckungen de«¿»n Portugisen westwärts aber
den Spanien zukommen. Diese Theilungs_Linie
wurde hernach 270 Meilen westwärts ge-
rückt.

/ ≥ Zweyter Theil
der Physischen Geographie, welche die besondern
Beobachtungen deßen, enthält, was was der
Erdboden in sich faßet.

/Erster Abschnit

/ Das Thierreich

/Erstes Hauptstück
/Vom Menschen. §_1.
/Der Unterscheid der Bildung und Farbe der
Menschen in verschiedene Erdstrichen. ≤

/Wenn wir von den Einwohnern der Erd-
zone anfangen; so finden wir, daß ihre

/|P_167

/Farbe, der Farbe dererjenigen nahe
kommt, die in «¿»den heißen Zonen wohnen.
Die Samoieden, die schwedischen dänische
Lappen, die Grönländer und die in der
Eiszone von America «ah¿» wohnen, haben
eine braune Ges«¿¿»ichtsfarbe und schwartz
Haar. Eine große Kälte scheint hier eben
daßelbe zu würken, was eine große
Hietze thut. Sie haben auch, wie die in
heißen Strichen einen sehr dünnen Bart;
Ihr Cörper ist dem Wachsthum der Bäume
ähnlich. Er ist klein, ihre Beine sind kurtz
Sie haben ein breites und plattes Gesicht und
einen großen Mund. Die in den temperir-
ten Zonen ihnen am nächsten wohnen, die
Calmüken, die Siberianer, die in dem %nordlichen
Theilen Schwedens, an den SudSons_Bay haben
gelbe Haare blaue GesichtsFarbe und sind
größer von Natur. In der Parallele, die
durch Deutschland gezogen und den gantzen
Erdkreis lauft und einige Grade dies
und ienseits, sind die grösten und schönsten
Leute. Im nördlichen Theil des Mogulischen
Reichs, im Cochemir, Georgien, Mengrelien,
Circassien, biß don die americanischen

/|P_168

/englischen Colonien sind die schönste Leute,
blonde und wohlgebildete blaue Augen,
sie herrschen in denjenigen Gegenden, die mit
dieser parallele gegen Norden liegen. Ie
weiter nach Süden, desto mehr nimt die brun-
nete Farbe Magerkeit und Kleine Natur
zu, biß sie im heißen Erdstriche in die Mori-
sche Gestalt aus artet, obgleich nicht in allen Ge-
genden derselben stark. Man «findet» kann
sagen, daß es nur in Africa eine so ge-
nannte Negers giebet. Nicht allein die gleich-
sahm geräucherte schwartze Farbe; sondern
auch die schwartzen, wälligen Haare, das brei-
te Gesicht, die platte Nase, die aufgewor-
fene Lippen, machen das Merkmahl deßel-
ben aus, %imgleichen plumpe und grobe Knochen.
In Asien haben diese schwartze noch wölligtes
Haar, es sey denn, daß sie von solchen ab-
stammen, die aus Africa herüber gebracht
worden. In America ist kein National-
Mohr. Die Gesichts«fabe»farbe, ist kupferfärbig,
das Haar ist glatt, es sind aber große Ge-
schlechter, die von den Americanischen Mohren
abstammen. In Africa nennt man die Mohren
solche Braune Mahaetons; die von den Mau

/|P_169

/ris abstammen, die «g» eigentlich schwartze aber
Negers. Diese erwehnte Mohren erstrecken sich
biß zum Senegal; von da, bis zur Guinea sind
die schwärtzesten Negers, aber auch die schön-
sten von der Welt, vornehmlich die Ialoner,
die Iulier ausgenommen, diese sind schwartz¥
braun. An«d» der Goldküste sind sehr <viele> schwar-
tze und haben sehr dicke WurstLippen, die
von Congo und Ancola, %imgleichen die Hotten-
totten sind nur schwartz_braun, doch haben sie
auch eine Mohrische Gestalt. Auf der andern,
nehmlich der %östlichen Seite von Africa sind die
Caffern viel schwärtzer, alß die Hotten-
totten. In Abissinien sind keine eigent-
liche Mohren. Die Negers von Sienna
Leone stincken abscheulich.

/ ≥ §_2.
/Einige Merkwürdigkeiten von der schwar-
tzen Farbe der Menschen. ≤

/1) Die Negers werden weiß gebohren, außer
ihre ZeugsGlieder und ein Ring um den
Nabel ist schwartz; von da ziehet sich die
Schwärtze im ersten Monath über den
gantzen Körper.

/2) Wenn ein Neger sich verbrennet; so wird

/|P_170

/die Stelle weiß; lange Krankheiten
machen die Negers ziemlich weiß; aber
ein solcher durch Krankheit weiß
gewordener Cörper, wird nach dem Tode noch
viel schwärtzer alß wie vorhin.

/3) Die Europaeer, die in Zona torrida wohnen,
werden nach vielen Generationen nicht Ne-
gers, sondern behalten ihre Europaeische Ge-
stalt. Die %.Portugiesen an Capeverde, die in 200 Iah-
ren in Negers verwandelt seyn sollen,
sind Mulatten.

/4) Die Negers, wenn sie sich nur nicht mit wei-
ßen vermischen, bleiben selbst in Virginien durch
viele Generationes Negers.

/5) Weiße und schwartze vermengt zeugen
Mulatten, diese ihr Kinder, die sie mit wei-
ßen zeugen, heißen im Spanischen America
Terceronen. Dieser ihre Kinder mit weißen
Quarteronen; deren Kinder mit Weiß Anitero-
nen und dieser mit Weißen erzeugeten
Kinder, heißen selbst weiße: Wenn aber
zum %.Exempel Ein Terceron eine Mulattin heyra-
thet; so giebt dieses Rücksprungs_Kinder.

/6) In Cordilleren sehen die Einwohner, wie
Europaeer aus. In Aethiopien selbsten un-
ter der Linie sind sie nur braun.

/7) Es giebt zuweilen weiße Mohren, die von

/|P_171

/von schwartzen Eltern gezeuget worden.
Sie sind mohrisch von Gestalt, haben krause
Schneeweiß«ige»e wollige Haare; sind bleich, %und
können nur bey MondLichten sehen.

/8) Die Mohren, %.imgleichen alle Einwohner, der
heißen Zone haben eine dicke Haut, wie
man sie dann auch nicht mit Ruthen; sondern
gespaltenen Röhren peitschet, wenn man
sie züchtiget, damit das Blut einen Aus-
gang finde und nicht mehr unter der dicken Haut ei-
tere.

/ ≥ §_3.
/Meinungen von der Ursache dieser Farbe. ≤

/Einige bilden sich ein, Cham sey «ein»<der> Vater
der Mohren, und von Gott mit der schwartzen Farbe
bestrafet, welche seine Nachkommen un-
artet. Mann @kau@ aber keinen Grund anfüh-
ren, warum? Die schwartze Farbe eher das
Zeichen des Fluchs sey sollte, alß die weiße.

/Viele Physici glauben, daß es von der Epider-
mine und der schwartzen Materie herrühre, womit sie
linigiret ist, andere von dem Corpore reticula-
ri. Allein weil doch würklich die Farbe der
Menschen durch alle Schattirungen der gelben
braunen, dunkel_braunen endlich in der
heißen Zone zur schwartzen wird; so ist
wohl zu sehen, daß die Hizze des Climatis

/|P_172

/daran Schuld sey. Es ist aber gewiß, daß
eine große Reihe von Generationen, darzu
gehöret hat, damit sie eingeartet ist und
nun erblich wird. Es scheinet, daß die Ver-
trocknung der Gefäße, die das Blut und das
Serum unter die Haut führet, dem Mangel
des «@Bluths@»<Baarts>, kurze krause KopfHaare zu-
wege bringet, und weil das Licht, welches
durch die Oberhaut, durch die vertroknete
Gän«¿»ge Corporis reticularis fält, verschlu-
ket wird. Der Anblick der schwartzen
Farbe daraus entstehe. Wie sich aber eine
solche zufällige Sache, wie die Farbe ist,
anarten kann, ist so leicht nicht zu begrei-
fen oder zu erklähren. Man siehet aber
doch aus andern Exempeln, daß es würklich
in der Natur in mehreren Stücken so
gehe. Es ist aus der Verschiedenheit der
Luft und Erhietzung zu erklähren, wa-
rum einige Hurer gantz weiß werden
und wenn man unter den vielen Küchlein,
die von denselben Eltern gebohren wer-
den nur die Aussucht die weiß sind und
die zusammenthut. Bekommt «¿¿» man endlich
eine weiße race, die nicht leicht anders
ausschlägt. Arten nicht die Englische und
auf trokenen Erden erzogene Arabische

/|P_173

/oder Spanische Pferde so aus, daß sie %.endlich
Vohlen von gantzen andern Gewächse
erzeugen? Alle Hunde die aus Europa
nach Africa gebracht werden werden stumm
und kahl und zeugen auch hernach solche
@Iunge@. Dergleichen Veränderungen gehen
mit Schaafe, RindVieh und andern Thier¥
Gattungen vor, daß Mohren denn und wenn
ein weißes Kind zeugen geschiehet, eben so,
wie bisweilen ein weißer Raabe, weiße
Kräh oder Amsel zum Vorschein kommt, daß
die Hitze des Erdstrichs und nicht ein besonderer
Eltern_Stamm hiervon Schuld sey, ist daraus
zu sehen, daß in ebendemselben Lande, die
auf einem flachen Theile wohnen, weit
schwärtzer sind, alß die im hohen Theile; daher
am Senegal schwärtzere Leute alß in Gui-
nea und in Congo und Angola schwärtzer,
alß in OberAethiopien oder Abyssinien, in
dem gebürgigten Theile von Peru aber weiße
Leute sich befinden.

/ ≥ §_4.
/Der Mensch seinen übrigen angebohrnen
Eigenschafften nach auf dem gantzen
Erdkreise erwogen. ≤

/Alle Orientalische Nationen, welche dem %Meridian

/|P_174

/von Bengala gegen Morgen liegen, ha-
ben etwas von der Kalmükischen Bildung
an sich, diese ist, wenn sie in der größten
Perfection genommen wird, so beschaffen, ein
oben breites und unten schmalles Gesicht, fast gar
keine Nase, die vor dem Gesichte hervorra-
get, gantz kleine Augen. Ueberaus dicke
Augenbraune schwartz Haar, düne und
zerstreute HaarBüschel stats des Barths, und
kurtze Beine, mit dicken Schenkeln. Von
dieser Bildung practiciren die östlichen
Tartarn, Chinesen, Tunquinesen, Aracaner,
Peguaner, Suaner, Iapanenser pp obgleich sie
sich hier und da verschühnen. Ohne auf
abergläubischen Meinungen von dem Ur-
sprunge gewißer Bildung zu sehen; so kann
man nichts alß etwas gewißes anmerken,
daß es in der Gegend von Meliapour, auf
der Küste Coromandel viele Leute mit einem
sehr dicken Bein gebe, welches die Dicke
eines gantzen Menschen hat. Dieses leiten
vernünftige Reisende von der Beschaffen-
heit des Waßers her, so wie die Kröpffe
in Triol und Salzburg von dem Waßer,
welches tufStein bey sich führet, herzulei-
ten sind. Die vorgegebene geschwängte

/|P_175

/Affen in Borneo Affen. Die Riese in
Pytagorien sind erdichtet. Von der Art mag
auch das Volk von rohen und großen Lippen
seyn, daß am Senegal einer wohnet, der
ein Tuch vorm Munde hält und ohne Rede
handelt. Plinii einäugigten höckerigten
einfüßigen Menschen, Leute ohne Maul, Zwer-
ge gehören auch dahin. Die Einwohner bey
der Küste von Neuholland haben halb geschloße-
ne Augen und können nicht in der Ferne
sehen, ohne den Kopf auf den Rüken zu bringen.
Dies gewöhnen sich an wegen der vielen
Müken, die ihnen immer in die Auge flie-
hen. Einige Einwohner, alß die Mohren von
Siera_Leona und die Mugalen die unter
dem Gebiet China stehen, sinken. Die Unter-
Hottentotten haben, wie viele Männer, wie
Colbe berichtet, ein natürlich Leder, am Osse
pubis, welche ihre Genitalia recht tief be-
deket und welches sie zuweilen abschneiden.
Eben dieses meldet Adolph [[Ludolph]] von vielen Egyp-
tischen Weibern. Die Mohren und andere
wilde zwischen den Tropicis können gemei-
niglich erstaunend laufen. Sie sowohl, alß andre
Wilde haben auch mehr Stärke, alß andere Civi-
lisirte Völker, welches von der freyen Beweg- 

/|P_176

/Bewegung, die man ihnen in ihrer Kind-
heit verstattet hat, herrühret. Die Hottentotten
können ein Schiff mit bloßen Augen eben so
weit, als die Europaeer mit dem FernGläsern sehen.
Die Weiber in den weißen Erdstrichen zeugen
von 9 oder 10 Iahren an Kinder und hören vor
dem 25sten auf. Dom:_Ullach merket an, daß
in Carthagena in America und den umliegen-
den Gegenden die Leute sehr frühe klug wer-
den, aber sie wachsen nicht ferner am Ver-
stande in denselben Maaß. Alle Bewohner der
heiße Zonen sind ausnehmend faul. An einigen
Orten wird etwas die Faulheit durch die Re-
gierung und den Zwang gemäßiget. Wenn
ein Inndianer einen Europaeer «¿¿»siehet wohin ge-
hen; so denke er: er habe etwas zu best«¿¿»ellen;
kommt er zurück, so denket, er habbe schon seine
Sache verrichtet. Siehet er ihn aber zum dritten
mahle fortgehen, so denkt er, er ist nicht recht klug.
Da doch dieser zur Lust spatzieren gehet, welches
kein Indianer statuiret, noch sich einbilden kann.
Die Inndianer sind zanckhaft; Dieses kommt auch
denen sehr nordischen Nationen zu. Die Entschlaf-
fung ihrer Geister will durch Brandtwein,
Tobac; Opium, Bing und andere starke Dinge
erweket seyn. Aus der Furchtsahmkeit rühret

/|P_177

/der Aberglaube, vornehmlich in Ansehung der
Zaubereyen her, imgleichen die Eifersucht: die
Furchtsahmkeit macht sie wenn sie Könige haben, zu
sklavischen Unterthanen und bringt ein, ihnen
eine Abgöttische Verehrung derselben zuwege,
und die Faulheit beweget sie lieber in Wälder
herum zu laufen und Noth zu leiden, alß zur
Arbeit durch die Befehle ihrer Herren ange-
halten zu werden. Montesquieu urtheilt
gantz recht, daß eben die Zärtlichkeit, die den
Inndianer oder Neger den Todt den Todt so
%fürchterlich macht, in offt vielen Dingen, die der
Europaeer überstehen kann, ärger fürchten alß
den Todt, der NegerSklave von Guinea er-
säuft sich, wenn er zur Sklawerey soll gezo-
gen werden. Die Inndianischen Weiber ver-
brennen sich, der Caraibe nimmt sich über eine
geringe Sache das Leben. Der Peguaner zittert
vor dem Feinde, und er zum Tode geführet
wird; so ist er so gleichgültig, alß wenn es nichts
zu bedeuten hätte. Die Aufgeweckte Einbildungs¥
krafft macht aber auch, daß er offt was wagt,
aber die Hitze ist bald vorüber und die Zag-
hafftigkeit nimmt wieder ihren Platz ein. Die
Ostiakow, Samoieden, Einlappen, Zemblaner,
Grönländer, Davis-Straße-, Annwohner, sind
ihnen in der Zaghafftigkeit, Faulheit, Aber- 

/|P_178

/Glauben, Lust in starken Getränken sehr
ähnlich die Eifersucht ausgenommen, weil ihr
Clima nicht starke Anreitzungen zur Wohllust hat.
Eine gar zu schwache und starke Transpiration macht
ein dickes klebrigtes Geblüt, und die größeste
Kälte sowohl, die größte Hitzze, machen das
durch «ge»<Aus>trok«¿¿¿»nungen der Säfte, die Gefäße und
Nerven der animalischen Bewegungen, steif und un-
biegsam werden. In Gebürgen sind die Menschen
dauerhaft, munter, kühn und Liebhaber der
Freyheit und ihres Vaterlandes. Wenn man
nach den Ursachen der mancherley in einem Volk
eingearteten und Naturellen frägt, so darf
man nur auf die Ausartung der Thiere, sowohl
in ihrer Gestalt alß auch in ihren Sitten nicht
haben, sobald sie in einander Clima überbracht
werden, da andere Luft, Speise pp ihre Nach-
kommenschafft ihnen unähnlich macht. Ein Eichhörn-
chen, das hier braun war, wird in Siberien
grau. Ein europäischer Hund wird in Guinea
ungestalt und kahl samt seiner Nachkommenschafft.
Die Nordischen Völker die nach Spanien über-
gegangen, haben nicht allein einige Nachkommen-
schafft von Cörpern, die lange nicht so groß
und starck, alß wenn sie wären hinterlaßen;
sondern sie sind auch in ein Temperament, welches

/|P_179

/eines Norwegers oder Dänen seinem sehr un-
ähnlich ausgarbeitet. Die Einwohner der Zonae
temperatae, vorn«h»emlich des mittleren Theils der-
selben, schöner am Cörper, arbeitsahmer, schertz-
haffter, gemäßigter in seinen Leidenschafften,
verständiger alß eine Gattung Menschen in
der Welt; Daher haben diese Volcker zu allen Zei-
ten die andern belehret und durch die Waf-
fen bezwungen. Die Römer, die Griechen, die
alle nordliche Völker, Chingiskaner, die Tür-
ken, Tamerlan, die Europaeer nach Columbi
Entdeckung habe alle südliche Lande durch Künste
und Waffen in Erstaunen gesetzet. Obgleich
eine Nation nach langen Perioden in das Na-
turell desjenigen Climatis ausartet wohin es
gezogen ist, so ist doch bisweilen in vielen Zei-
ten die Spuhr von ihrem vorigen Aufenthal-
te anzutreffen. Die Spanier haben noch
die Merkmahle des Arabischen und mohri-
schen Geblüts und die tartarische Bildung
hat sich über China und ein Theil von Ostin-
dien ausgebreitet.

/ ≥ §_5.
/Von der Veränderung die die Menschen
in ihrer Gestalt wüllkührlich vor-
nehmen.

/Die meisten Orientalischen Nationen finden

/|P_180

/an großen Ohren ein großes Vergnügen,
die in Siamphacan die Mugalen, einige
Wilde am Amazonen_Strom und andre Mohren,
haygen sich solche Gewichte in die Ohren, daß sie
ungewöhnlich lang werden. In Arrakam und
Liam gehet dieses so weit, daß das Loch, wo-
rinnen die Gewichte gehangen werden, so groß
wird, daß man einen Fienger neben ein-
ander einstecken kann und die OhrLappen
auf die Schultern hängen. Die Siamer, Tunqui-
neser und einige andere, machen sich die Zähne
mit einem Firniß schwartz. Nasen_Ringe tra-
gen Mala«g»bonen, Guzaratten, Araber, Bengalen;
Papuas aber einen höltzernen Zapffen durch
die Nase. Die Negers am Fluße Gabon in Africa,
tragen in den Ohren und «¿as» Nasen einen
Ring, und schneiden sich noch die UnterLippen ein
Loch um die Zunge durch zusteken. Einige Ame-
ricaner machen sich viele Löcher in die Haut um
farbigte Feder hinzusteken. Die Hottentotten drü-
ken ihren Kindern die Nase breit, wie einige
andere Völker, die Arrokaner, mit einer
eisernen Platte, die Stirne breit machen.
Imgleichen die Caraiser ein Volk am Amazo-
nenStrom zwingt die Köpfe der Kinder durch eine
Binde, wie ein ZuckerHut zu wachsen. Die

/|P_181

/Chineserin zeret immer an ihren Augen_Lie-
dern um sie klein zu machen. Ihrerjenigen
Madchen Füße werden mit Binden gezwungen
nicht größer zu werden, alß ein Fuß von einem
4jährigen Kinde. Die Hottentotten «¿h» ver-
schneiden ihre Söhnen im 8ten Iahre ein Festiculum.
Die Türken laßen ihren schwartze verschnit-
tenen alle Zeichen der Mannheit wegnehmen.
Eine Nation in America drückt ihren Kindern
den Kopf so tief in die Schultern, daß sie
scheinen keinen Hals zu haben.

/ ≥ §_6.
/Vergleichung der verschiedenen Nahrung der
Menschen. ≤

/Der Ostibke, Samiiede, Seelappe, Grönländer
leben vom frischen oder gedürrten Fleische. Ein
Glas Thran ist für den Grönländer ein Nectar.
Die etwas weiter zunächst in Süden wohnen,
die von Canada, die von den Küsten von Ame-
rika unterhalten sich von der Iagd. Alle
Mogulische und Kalmukische Tartarn haben
keinen AckerBau; sondern nähren sich von
der ViehZucht, vornehmlich von Pferden und
und ihrer Milch, die Lappen von Rennthie-
ren, die Mohren und Inndianer vom Reiß.
Die Americaner vornehmlich von Maiß oder

/|P_182

/türkischem Wäitzen. Einige herumziehende
Schwartze auf der warmen Africanischen Küsten
von Heuschrecken.

/ ≥ §_7.
/Abweichung der Menschen von einander, in
Ansehung ihres Geschmaks.

/Unter dem Geschmacke verstehe ich das sinnliche
Urtheil über die Vollkommenheit oder Unvollkom-
menheit desjenigen, was unsere Sinne rühret.
Man wird aus der Abweichung des Geschmacks
der Menschen sehen, daß ungemein viel bey uns auf
Vorurtheilen beruhe.

/1) Urtheil der Augen. Ein Chineser hat Mißfallen
an großen Augen. Er verlangt ein groß vier-
eckigt Gesicht, breite Ohren, sehr breite Stirn und
eine kurtze Nase zu einem vollkommen Menschen.
Die Hottentotten, wenn sie gleich allen Putz der
Europaeischen Weiber gesehen hätten, ist doch in
ihren und ihrer Buhler Augen erst ausnehmend
schön, wenn sie sich 6 Striche mit rother Kreide,
2 über die Augen, 2 über die Backen 1 über
die Nase 1 über Kin gemacht hat. Die Araber
punctiren ihre Haut mit Figuren, darin sie
eine blaue Farbe einbeizen (Die übrige «na-
türliche» Verdrehung der natürlichen Bildung
um schön auszusehen kann man vorher sehen.)

/2 Urtheil des Gehörs, wenn man die Musik

/|P_183

/der Europaeer mit der Türken, Chineser, Afri-
caner, ihrer vergleichet; so ist Verschiedenheit
ungemein. Die Chineser ob sie sich gleich mit der
Musik viel Mühe geben, finden an der unsri-
gen kein Wohlgefallen. 3) Urtheil des Geschma-
kes. In China und gantz Guinea, ist ein Hund
eines der schmakhafftesten Gerichte. Man bringt
daselbst alles bis auf die Ratzzen und Schlangen
zu Kauf. Dieses geschiehet auch an den Mohrischen
Küsten. In Sumatra, Siam, Arracan, und den
mehresten Orten in Indien macht man nicht
viel von Fleisch, aber ein Gericht Fische, die
jedoch vorher stinkend geworden seyn, ist das
HauptEßen. Der Grönlander liebt ThranGe-
schmack über alles. Die Betel_Baläter mit
der Arac_Nuß und ein wenig Kalk immer zu
kauen, Ist die größte Ergötzlichkeit aller Ostin-
dianer, die zwischen den Tropicis wohnen.
Die Hottentotten wißen von «ihrer» keiner Zärtlichkeit
des Geschmacks. Im Nothfall können getretene Schu-
Sohlen nun noch so ziemliches Gericht für ihn ab-
geben. Allein die Läuse die «La» sich in ihren
SchaafFellen nähren, freßen sie bey langer Wei-
le zum ZeitVertreib auf. 4. Urtheil des Geruchs.
Der TeufelsDreck oder die assa faetida ist die
Ergötzlichkeit aller südlichen Persianer, der Inndia- 

/|P_184

/aner, die ihnen nah wohnen, zu Sahwalde
und andern Orten. Alle Speisen, das Brodt
sogar, sind damit parfamirt, und die Waßer
selbst riechen davon. Den Huttentotten ist der
KuhMist ein liebliches Geruch, imgleichen andern
Inndianern. Ihre Schaaffelle müßen durchaus
darnach riechen, wenn sie nach der Galanterie seyn
sollen. Ein Missionarius wunderte sich darüber,
daß die Chineser, so bald sie eine Wantze sehen,
sie zwischen den Fingern zerreiben und mit
Appetit daran riehen. Allein ich frage da-
gegen, warumb stinkt uns «der» jetzt der Mos-
cus an, der vor 50 Iahren Iedermann so schön
roch? wieviel vermag nicht das Urtheil an-
derer Menschen in Ansehung unseres Geschmacks
ihn zu verändern, wie es die Zeiten mit sich
bringen.

/ ≥ Der Physischen %Geographie. Zweyter Theil
/Erster Abschnitt. Zweytes Hauptstück.
/Von den 4füssigen Thieren, die lebendige
Iunge gebähren. §_1.
/Thiere mit Klauen
/A Die mit einer Klaue oder Behuften
/1) Das Pferd ≤

/Die Pferde die aus der Barbarey, haben
einen langen feinen «Haß» Hals, düne Mähnen
sind wenigstens grau und 4 %Fuß 8 %Zoll hoch. Die Spanischen

/|P_185

/vom langen dicken Halse, stärkerer Mähne,
breiterer Brust etwas großen Kopf, voll Feuer.
Sie sind die besten ReitPferde in der gantzen
Welt, die in Chili sind von Spanischer Abkunft.
Denn in America gab es ehedem keine Pferde,
weit kühner, flüchtiger alß jene; daher die kühne
parforce Iagd in Chili. Die nagelische «S»stammen
von Arabischer Race, «sind» sie sind völlig 4 %Fuß 10 %Zoll hoch,
aber nicht, so ansehnlich im Reiten alß die Spa-
nischen sie sind sonst ziemlich sicher und schnell, im
laufen, sie haben trokene und gebogene Köpfe.

/Die Dänische sind sehr stark, dick vom Halß und
Schultern gelaßen und gelehrig, sind gute Kutsch-
Pferde. Die Neapolitaner die von Spanischen
Hengsten und Italienischen Müttern gefallen,
sind gute Läuffer aber boshaft, sehr kühn.

/Die Arabischen, können Hunger und Durst ver-
tragen, sie werde in ihrer reinesten Race ihrer
Genealogie nach aufgezeichnet. Beim Beschelen
ist der Seonetair des Emirs, der ein unversie-
gelt Zeugniß giebt und das «Vohlen»<Füllen> wird auch
durch ein Diploma accrediret. Sie freßen nur
des Nachts, halten «¿¿»den «¿»flüchtigsten Galopp plotz-
lichsten Gallop still, wenn der Reuter herab-
fällt. Die Persischen sind nach ihnen die besten

/|P_186

/Die Kosakischen Wilde Pferde sind sehr dauerhaft
und schnell, man kann es am Füllen sehen,
ob der Bescheler ein gutes SchulPferd gewesen,
oder nicht. Die Pferde in heißesten und kaltesten
Erdstriche gerathen viel schlechter. Die auf ho-
hen Ländern beßer alß in selten und niedrigen.
Oelaendische und Gothländische Pferde sind die
kleinesten und hurtigsten unter allen.

/ ≥ 2) Das Zebra. ≤

/Wird wieder sein Verschulden falschlich der afri-
canische WaldEsel genannt. Denn es ist das
schönste Pferd an Bildung, Farbe und Schnel-
ligkeit in der Natur nur daß es etwas
längere Ohren hat. Es findet sich in Africa hin
und wieder, in Abissinien Congo, die aus Capo
bonae spei, die Africaner, wißen es nicht zu
zähmen. Der Mogul kauffete eines vor
2000 %Ducaten. Die Ostindianische Gesellschaft schickte
dem Käyser aus Iappan ein paar %und bekahm
160.000 %Reichsthaler. Es ist glatthaarig, hat weiße und
«C» Castanien_brauen anwechselnde Anstreifen,
die vom Rücken anfangen %und unter dem
Bauch zusammen laufen, da wo die weißen
und Braune und zusammen laufen, entstehet ein
gelber Reichen um die Schenkeln %und den
Kopf gehen diese Knie_Bänder gleichfals

/|P_187

/ ≥ 3) Der Esel

/Die Eselin muß nach der Belegung gleich ge-
prügelt werden, sonst giebt sie die befruchtende
Feuchtigkeit gleich wieder von sich. Esels und Pfer-
de_Häute werden in der Türkey und Persien
durch gerben und einpressen der SenfKörner
zu Colchis verarbeitet, der von allerley
gemacht wird. Die MaulEsel darvon die-
jenige Sorte, die vom EselHengst und Pferde-
Stutte gefallen am meisten gebraucht wer-
den. Sie sind größer alß die vom Pferd-
Hengst und der Eselin fallen. Die MaulEsel
haben die Ohren den Kopf, das Kreutz und den
Schweif vom Vater und der Mutter nur
das Haar und die größe. Es sind also nur
große Esel mit PferdsHaaren. Der Wald-
Esel der onagier findet sich in einigen Insuln
des Archipelagus und in der Lybischen
Wüste. Ist geschlanker und behender alß der
zahme Esel, MaulEsel die von ihm gezo-
gen werden sind die stärksten.

/ ≥ B.
/Zweyklauigte Thiere.

/Sie sind insgesamt gehörnt, das Schwein aus¥
genommen. Es «» gehöret dahin
/1) Das Ochsen_Geschlecht. ≤ Der gemeine Ochs

/|P_188

/ist in den kalten und fruchtbaren Ländern
am besten. Die Holländer nehmen große ma-
gere Kühe aus Dännemark, die bey noch ein-
mahl so viel Milch geben, %vornehmlich ein Zucht,
die von seinem frembden Stier und einer
einheimischer Kuh in Holland gefallen. Die
Africanischen Ochsen haben gemeiniglich einen
Pukel zwischen den Schultern, Blat auf den
Rücken. In Abissinien sind die Ochsen von
außerordentlicher Größe wie ein Camehle
und ungemein Wohfeil. Der ElephantenOchs
ist dem Elephanten «den»an Fell Farbe und auch
bey nahe. an der Größe gleich. Ist in Abissinien.
Die Hottentotische Kühe geben nicht anders Milch,
alß wenn man ihnen mit einem Horn in die
Mutter bläset. Die Persischen nur denn, wenn
sie ihr Kalb sehen; daher ihre ausgestopte
Haut aufbewahret wird. Die Edomer, Sü-
denburger, Aberiamer«,»-Schweitzer und Parma-
sonar Käse sind die besten. Die Engelländer
ziehen von Mastdorn des Ochses eine Haut
ab, und verfertigen Formen draus, wo-
rinnen nach und nach Silber und Gold zu
dünnen Blätchen geschlagen wird. Dieses
Geheimniß verstehet allein Engelland.

/|P_189

/Die Irrländische Ochsen haben kleine Hörner
und sind klein. Die in Guinea haben ein
schwamichtes Fleisch, so wie <in> andern sehr heißen
Ländern, welches zwar groß aussiehet aber
wenig wieget. Das RindVieh aus der @Rr-
bäntz@ hat eine viel andere Gestalt an Haaren
Hörnern und übrigen Leibes-Bildung als das
Europaeische. Der LöfelOchs hat lange schwartze
Hörner, ist Wild und gehörnt ist Asien, Egypten,
Griechenland, zu Hause. Sie können gezähmt
werden. Der AurOchs in Pohlen in Preußen
ist er bekannt, Er findet sich in Africa und
am Senegal.

/ ≥ 2) Schaaf_Geschlecht.

/In Irrland sind viele mit 4 Hörnern. Die
Spanische haben die feinste Wolle. Die %.Englische
nach diesem. Irrland, Sieberien und Lapp-
Land lassen sie sich verschneuen und fre-
ßen sich einander die Wolle ab. In Guinea haben
die Menschen Wolle und die Lämmer Haare.

/In Engelland deren Schaafe eine race von
den Spanischen sind, bringt man der Aus-
arbeitung sorgfältig vor. Man kauf oft wid-
der aus Spanien und bezahlet sie wohl
mit 100 %Reichsthaler. Das arabische breitschwänzige
Schaaf hat einen Schwantz, der wohl einer

/|P_190

/Ellen ist breit und 40 %Pfund Wieget, ob er gleich
ganz kurtz ist, bestehet aus lauter Fett. Ist
ungehörnt, das arabische langschwänzigte
Schaaf hat einen 3 Ellen langen Schwantz, wel-
chen fortzubringen man einen RollWagen an-
bringt. Das Syrische Schaaf hat ohne Lappen die
fast bis auf die Erde hängen.

/ ≥ 3) Das BockGeschlecht. ≤ Der angorische Bock in Gala-
tien hat «eine» feine gläntzende Haare zum Zeug
machen. Die CämeelsZiege in America ist
4_1/2 Fuß hoch, kann aufgezäumet, beritten
und beladen werden. Sie trägt das Silber
aus den Bergwerken arbeitet nach Abend
niemahls und selbst bey allen Schlägen seufts
nur. Das Cameal-Haar sind das Haar von
kleinen, persischen, türkischen, arabischen,
galatischen oder anzorischen Ziegen.
Das CameelGarn wird am liebsten mit
Wolle vermischt. Die Türken laßen bey hoher
Strafe, keinem aus dem Lande. Corduam wird
aus ZiegenLeder gemacht. Der Steinbock
hat 2 Ellen lange und kno«t»chigte Hörner. Die
Knoten zeigen Iahre an, sie sind in den
Schweitzer Gebürgen und Saltzburg anzu-
treffen, sind die größten Springer unter
allen. Sie legen, wenn sie in die Ebbene

/|P_191

/gelokket und gefangen werden, ihre Wild-
heit nie ab, und bewohnen die obersten Spitzen
der Berge. Gämse mit Haackigten Rückwärts
gebogenen Hornen, können gezämt werden. Die
Afrikanische Gazelle ist eine Gattung davon.

/Der Muslis-Bok Bisam_Thier meistens unge-
hörnet, lebt in China, Persien, Africa, hat eine bi-
sam_Blase oder eine Nabel_Tasche. Man kann
ihm den Muskus mit einem Löffel heraus nehmen,
Man verfälscht ihn mit deßelben Blut.

/Bezoar_Thier fast wie eine Ziege, hat den Nah-
men wegen des Magenfalls, den man Bezoar¥
Stein nennet, bekommen. Unter der andern Arten von
Ziegen_Böcken, merken wir nur das guineische
BlaßGelbe Böckchen, es ist nicht viel größer alß ein
Caninchen, und springt doch über eine zwölf Fuß
hohe Mauer sehr schnell. Das Ziege_einhorn ist
von Stellern in Kamtschacka entdecken worden.
Der Giräffe oder Camelopordus, hat einen langen
Hals und ist so groß alß ein Cameel und wie ein
Parder gefleckt. hat vorwärts gebogene Hörner.

/ ≥ 4). Thiere mit einem Geweih. Dahin gehören ≤

/$a$) Die Wiederkäuende Thiere, mit festem ästigen
Geweih. 1stens das Hirschen_Geschlecht. Es wirft
im Frühling von %Februar an bis an den Mäy sein Geweih ab.

/|P_192

/Sie kämpfen unter sich mit dem Geweih zerbre-
chen es und verwickeln sich oft damit also, daß sie auf
dem Kampf_Platze gefangen werden. Die Brunst-
Zeit ist im %.September und währet 6 Wochen. Zu die-
ser Zeit wird ihr Haar dunkeler, aber ihr Fleisch stin-
kend %und uneßbahr. Ihr Geweih ist von 20- biß 30 ia,
obzwar selten von 66 Enden: wie der Hirsch hatte, den
König_von_Preußen erlegete. Iungen verschnittenen
Hirschen wachsen keine Geweihe. 2) Das Reh gleichsahm
ein Zwerge_Geschlecht von Hirschen, mit kurtzem Ge-
weih, Unvolkommen verschnittenen Rehböcke treiben
ein Sanden artiges Gewicht, zuweilen lockigt alß
eine Peruqen hervor 3.) Das Surinanische Hirschen,
ist nicht einmahl so groß wie ein kleiner Haase.
Sein in Gold eingefaßtes Fuschen, wird zu Tobacks-
stopfen gebraucht. $b$) die mit schauflichten Geweih,
dahin gehöret das ElendThier. Man findet
es in nordlichen Gegenden, in Europa, Asia,
und America. Die Hottentotten fangen das
Elend mit einer Schlinge an einem zurückgele-
genen Baume, welcher aufschnellet. Seine Stär-
ke in den Beinen ist außer ordentlich. $g$ Die
mit vermischten Geweih. 1) Der DammHirsch
Dama, mit flacher GeweihKrone, ist etwas
größer alß ein Röhbock und kleiner alß ein Hirsch

/|P_193

/2) Das Rennthier. Mit sauflichter Geweihkrone,
die Weibchen derselben haben auch, obgleich ein
kleineres Geweih. Es giebt wilde und zahme
Rennthiere. Sie sind die gantze Oeconomie der
Lappen. Scharren im Winter mit ihren Klauen
Moos unterm @Schnee@ hervor.

/5) Das Schweine_Geschlecht.

/Endlich gehöret zu den zwey_klauigten Thieren
auch zuletzt eine ungehörnte Art, nehmlich das
Schweine_Geschlecht. Die Schweine wiederkauen
nicht, sie haben etwa 6 Eiter mehr alß die
wiederkäuende Thiere; sie haben das Fett nicht,
sowohl im Fleisch untermengt, alß unter der Haut.
Der Eber frißt die Iungen, wenn er dazu
kommen kann, auf, dieser imgleichen die Sau
offters andere Thiere, ja Kinder in der Wiege.
Die Eichelmaß ist die beste für sie. Die Finnen er-
kennet man an den schwartzen Bläßchen, die
den untern theil der Zunge einnehmen. In
den @Heiden@ belaufen sich die zahmen Schweine
mit den Wilden; dahero findet man öfters wilde
Schweine, welche weiß gefleket sind, obgleich
sonst das wilde Schwein schwartz ist. Die Ge-
schichte des Aelions, von den wilden Schweinen,
die einen Seeräuber an den Küsten des Tyre

/|P_194

/neischen Meeres Meeres entführen wollen.
Die Schwein_Diebe halten den Schweinen brennenden
Schwefel unter die Nase. Im SchwartzWalde
werden die Schweine aus den Morästen mit
ettlichen Stangen darauf Schwefel angesteckt
ist, vertrieben. Die Bauren bey Brisach he-
ben denen bey Mondeschein über den Rihm sezzen-
den Schweinen die Hinter_Beine auf, und laßen
sie ver«¿»saufen. Der wilde Eber ist ser grimmig.
In China sind die Schweine von schönem Geschmack,
die zahmen Schweine, wenn sie gleich weiß aus
Europa herüber gebracht sind, werden doch in den
hitzzigen Welttheilen schwartz. Das Mexica-
nische Muscus_Schwein. Oben am Rücken nahe
beym Schwantz, hat es eine Ritzze, worinn
durch verschiedene Gänge ein wahrer und
starker Muscus enthalten ist. Das Babiroussa
oder Schweinweich auf einigen Mogulcischen In-
suln, vornehmlich Bouno ist klein, von glattem
Haar einem Schweinschwa«r»ntze und es wachsen
ihm zwey Zähne aus, den Obern Kinnladen
in einem halben Zirkel nach den Augen zu.

/ ≥ C.
/Dreyklaugigte Thiere. ≤

/Das Nasehorn. Die dicke gefaltete Haut

/|P_195

/hat sonst keine Haare, ein nach Proportion
seines Cörpers kleines Horn auf der Nase. Ist
viel größer alß ein Ochs, lebt in Schumpfen.
Die alten haben 2 Hörner, eines hinten das
andere auf der Nase. Lockt den Thieren das
Fleisch mit der Zunge weg. Es hat eine, wie
ein Lappen abwärts gekrümmte Ober-
Lippen.

/ ≥ D:
/Vierklaugigte Thiere.

/Der Hyppotamus, oder das NilPferd , siehet
von vorne einem Ochsen und hinterwarts einem
Schweine ähnlich, hat einen Pferde_Kopf oder Ochse¥
Maul ist schwartzbraun und hat sehr dicke Füße
3 %Fuß im Umkreise. Spritzt aus weiten Nasen_Löchern
Waßer hervor, ist eben so dick und meist so hoch
wie ein Nasen-Horn. Es vier aus dem Kinbacken
herausstehende Zähne, so groß alß ein Ochsen-
Horn, diese werden weil ihre Farben be-
ständiger ist alß von Elfenbein für beßer
als dieses gehalten. Seine Haut ist an den
meisten Stellen Schuß frey wiegt auf 30 %Centner: es
wiehert.

/ ≥ E
/Fünf_Klauigte Thiere

/Der Elephant: er ist eben so nakend, wie

/|P_196

/die vorigen, lebt eben so wie jene. In
Sümpfen ist das größte Landthier. Die Haut
ist grau. Schwartze und weiße Elephanten
sind rar. Er kann seine Haut durch sein Fleisch-
Fell, das unter demselben liegt, umziehen, daß
er Fliegen damit fangen kann. Der Mensch
hat eine solche sehnigte Fleischhaut an der Stirn.
Der Elephant hat einen kurtzen Schwanz mit
langen borstigen Haaren, die man zu räumer
für die TobacksPfeiffen braucht, besetzt

/Er ist 15 und mehr Schue hoch, hat so wie die
drey vorige Thiere, kleine Augen. Sein Rü-
ßel ist das vornehmste Werkzeug, Mit diesem
alß @«¿¿»¿¿¿ ein Hund reißt er das Futter ab und
bringt es zum Munde. Ersaugt damit das Wa-
ßer und laßt es in den Mund laufen. Er @riecht@
dadurch und trinkt nur nachdem er das Waßer
trübe gemacht. Er hebt damit einen Menschen
auf und setzzt ihn auf seinen Rücken, kämpft
mit demselben. Der Inndianer bewafnen ihn
mit Degen_Klingen. Er braucht ihn alß eine
Täucher_Rohre, wenn er schwimmt und der un-
ter dem Waßer ist. Er schwimmt so stark, daß ihm
ein Kahn mit «den » <10> Rudern nicht entgehen
kann. Aus dem Oberkinnbacken gehen die

/|P_197

/zwey größte Zähne hervor, deren jeder auf
10 Fuß lang und 4 Spannen dick ist und mancher
auf 3 Centner wieget, mit diesen streitet er,
reißet die Bäume aus. Er zerbricht sie offt, und
verliehrt sie aufs Alter; daher in den Inndi-
schen Wäldern viele @Eph@anten_Zähne gefunden
werden Die Männliche Ruthe ist länger alß
ein Mensch, und der Umkreis in ihrer größten
Dicke 2_1/2 Schue. Seine Zähne sind alß 4mahl,
eingeschnittener PferdHuf anzusehen. Sein
Huf am vorderFuß ist allenthalben 1/2 Schue
breit, des HinterFußes ist länglich rund 1/2 Schue
lang und einen Schuhe breit. Seine Ohren sind
wie die große Kalbfelle anzusehen. Der
Elephant verträgt nicht Kälte, in Africa ist er
nicht über 12 %Fuß hoch. Wenn sie in ein Tobacks¥
Feld kommen; so werden sie gantz trunken und
geben tolle Streichen an. Wenn er des Nachts
in ein NegerDorf kommt, «¿¿»so zertrit ihre Häu-
ser wie NußSchallen. Er thut ungereitzt
keinen Schaden. Seine Haut ist fast %.undurchdringlich
ha«be»t aber viele Ritzzen und Spalten, die
jedoch durch einen heraus treibenden Schleim wie-
der verwachsen. Wird mit eisernen Kugeln
zwischen Ohren und Augen geschlagen. Ist sehr

/|P_198

/gelehrig und klug; daher er in Ostindien
einer der nützlichsten Thiere ist. Lauft viel
schneller alß ein Pferd, man fängt ihn, wenn
man ihn tödten will in tiefen Gruben, oder
wenn man ihn zähmen will; so lockt ihn man
durchs Weibchen im verhauenen Gange. Die
Neger Eßen sein Fleisch.

/ ≥ §_2.
/Zehigte Thiere
/A
/Einzehigte

/Der weiße americanische AmeisenFresser. Der
ubrigens mit den andern Ameisenfreßern über-
ein kommt.

/ ≥ B.
/Zweyzehigte. Dazu gehöret.

/1) Das Cameel und zwar ≤

/$a$) Das Bactrianische Cameel. Es hat zwey Haar_Puckel
auf dem Rücken und unter dem Leibe, ist das starkste
und größte Cameel. Seine Puckel sind eigentlich keine
Fleisch_Erhöhungen; sondern nur harte lederichte
Stellen, mit dichten langen Haaren bewachsen, trinkt
wie die übrigen wenig. Trägt bis 10 Centner, die
ihm, nach dem er sich auf die Knie geleget hat
aufgepackt werden. Geht gepackt den Tag bis

/|P_199

/10 Meilen. Lernet tanzen. Aus seinen Haaren,
die er in 3 Tagen im Frühlinge fallen läßt,
werden schöne Zeuge gemacht

/2) Der Dromeder.

/hat nur einen Rücken und BrustPuckel und kleiner
und schneller im Laufen alß der vorige. Ist in Syri-
en, Arabien zu Hause, hat harte Polster an den
Knien. Gehet in einem Tage ohne Ermüdung 40
%.frantzösische oder ungefehr 30 deutsche Meilen, kann
bis 5 Tage dursten.

/3) Das kleine PostCameel.

/Gehet bey nahe ebenso schnell alß das vorige. Es
ist aber gemächlicher zum Reiten.

/4) Das Persianische SchaafCameel, hat die Größe eines
Esels wird wegen der Wolle und wegen des
Fleisches erzogen.

/ ≥ C. Dreyzehigte.

/1) Das FaulThier

/a) Das schmächtige weißgraue %.americanische FaulThier
hat ein lachendes Gesicht, weiße dicke Haare,
plumpe Taille und klätert auf die Bäume. Es
ist erstaunend langsahm. Retet sich bloß durch sein
Geschrey. Wenn es einen schnellen March an-
tritt; so legte es in einem Tage 10 Schritte, höchsten
zurück.

/b Marggrafs Faulthier ist eine Art davon.

/2) Der AmeisenFreßer

/a) Der große AmeisenFreßer hat eine sehr

/|P_200

/lange und spitze Schnautze, eine Zunge, die
rund ist, und die er 1_1/2 Ellen lang herausstre-
ken kann, ziehet die Ameisen mit dieser Art
von lebendigen LeinRuten aus dem Haufen,
hat keine Zähne.

/b) Der mittlere falbe Ameisen_Bär, und der oben
beschriebene einzähigte, kommen in der Nahrung
überein.

/ ≥ D. Vierzähigte

/1) Pantzerthier.

/$a$) Der gepantzerte Ameisen_Bär auf Formosa
und Siam hat spitzige Pantzer, worinnen er sich
wieder alle Anfälle zusammen ziehen kann, lebt
übrigens wie die vorigen.

/$b$) Das formosische Teufelchen orientalischer Schuppig-
ter armadillo, hat einer Lebens_Art mit dem
Ameisen_Freßer, aber einen schönen @schuppichten@
Cuerass, worinn er wieder alle Raubthiere sicher
ist. Einige sind 6 Fuß lang und keine Kugel durch-
dringet ihre Pantzer. Dahinn gehöret auch das ame-
ricanische Schildferkelchen.

/$g$) Der schönste americanische Armadillo, lebt in dem äu-
ßersten von Ostindien. Seine Schilder sind glän-
tzend, lebt im Waßer und auf dem Lande.

/2) Ferkelkaninchen. Dahin gehoret

/a) Das Meer_Schwein das aus America nach Engel-
land gebracht«e» werden.

/b) Die Brasilianischen Buschratte. c Das Surinamische

/|P_201

/Caninchen und d) der Iaponische HalbHase. Sie
habe alle eine gruntzende Stimme.

/ ≥ E Fünfzähigte.

/Der Mensch sollte unter diesen billig, die erste
Classe einnehmen, aber seine Vernunft erhebt
ihn unter die Thiere_Gattungen zu weit.

/1) Das Hasen_Geschlecht. Es hat kein scharf Gesicht, aber
ein beßeres Gehör, ist verliebt und furchtsahm,
begatet sich wohl alle 4 oder 5 Wochen, säugt die
Iungen nicht über drey oder 6 Tage. Drükt sich
bey der Hetzze, verhagt sich ehe er sich lagert
und sucht wenn es darauf vertrieben wird es
wieder auf. Die WaldHasen sind stärker, alß die
FeldHasen. Norden und auf den Alpen sind
weiße Hasen. Schwartze Haase sind selten. Bis-
weilen hat man auch gehörnte Hasen mit einem
schauflichen Geweih angetrofen. Das Caninchen
ist ein ZwergHaase. Es ist Häufig in Spanien.
Die Füchse, Wiesel und Iltisse machen unter
ihnen starke Ver«r»ehrung

/2) «Eich» Die NagThiere

/a) Das Eichhörnchen samlet sich Nüß und Obst. Wird
inn Nordischen Ländern im Winter grau; daher
das Grauwerk, das gestreifte amerikanische
Eichhörnchen hat 7 weiße BandStreifen längst
seinem Leib.

/b) Die voltigirende oder fliegende Eichhörnchen

/|P_202

/ist kleiner alß das vorige. Seine Haut @von@ den
Seiten verlängert sich in ein Fell an den Füßen be-
vestiget ist und womit er fliehet. Es findet sich in
Rußland, imgleichen mit einiger Veränderung
in Virginien

/3) Das RattenGeschlecht

/$a$) Das Murmel_Thier ist größer, alß ein Caninchen,
schläfft {2- «oder frißt» er frißt d¿¿ nicht -2} den gantzen Tag über

/$b$) Die Schlafratze (Sores) hat die größe eines kleinen
EichHorns. $g$) Der Hamster «ho» macht sich Höhle unter dem
Baum_Wurtzeln, wo er viele Feldfrüchte sammlet. $d$)
Die wohlriechende Waßer_Ratzze, so groß wie ein
MaulWurf mit wohlriechenden Fell %.und Nieren.

/4) Das Mäuse_Geschlecht.

/a) Die gemeine Hausratze. Es sind weniger Weibchen
alß Männchen darinn. Der Ratzzen_König, wie ihre
Verwüstungen vorzubeugen. Die Waßer_Ratze
die Feld und Haus_Ratzze, oder Mäuß p sind bekandt.

/b) Die Surinamische Aeneas mit langem %ringlichten
Schwantze; daron sich die Iungen, die auf den
Rücken der Mutter steigen, mit ihren Schwän-
tzen anschlingen und in Sicherheit gebracht
werden können. C) Die Americanische Beutel-
Ratze oder Philander ist 31 %Zoll lang. Das Weibchen
trägt seine Iunge im Beutel, welches es unter
dem Bauche hat. Wie die Weibchen sich auf den
Rücken legen, mit allerley Futter beladen
und dann ins Nest fortgeschleppet werden. d) Das

/|P_203

/Das MaulWurf_Geschlecht. Der Maulwurf geht
in die Erde nur auf Regen_Würmer aus, ist
nicht blind. e) Das Geschlecht der 4_füßigen Vögel.
Die Fleder_Mauß, die fliegende Katze, die
fliegende Ratzze, alle diese Thieren haben
Haacken an den Füßen. Der fliegende Hund in Ostin-
dien. In Neuspanien ist der größte fliegende
Hund.

/5) Das WieselGeschlecht.

/a) Die Speicher_Wiesel hat einen häßlichen Geruch,

/b) Der Hermelin ist eine weiße Wiesel *1 Der
Marder riecht gut. Ursache davon. Es giebt Stein-
Marder. d) Der Zobel, ein Siberisches und Lap-
ländisches Thier e.) Der Ichnevmon oder die
Pharaonis_Maus ist so groß alß eine Katze; ge-
staltet aber wie ein SpitzMaus, zerstört die
Crocodillen_Eyer, und fängt Maüse, Kröte und
Ratzzen.

/6) Stachel_Thiere.

/$a$) Der gemeine Schweinygel mit Ohren 1_1/2 Schu
langen Stacheln. Sie durchwühlen die Erde am
niedrigen und weichen Stellen. $b$) Das Stachel-
Schwein, eine Gattung darvon mit einem
Busch am Kopf c) Eine andere Gattung mit
hangenden SchweinsOhren, hat Stacheln wie ab-
gestreifte Feder_@Kiele@, welche es indem es
sein Elastisches erschüttert, zugegen seinen ~

/|P_203R δZ_11

/*1 c) Die Iltis hat
einen Beutel am
Hinteren, mit ei-
nem stinkenden
Safft, so wie die
übrige Wiesel. ~

/|P_204

/Feind abschüßen kann und zwar so, daß er
3 Schritte darvon, tief ins Fleisch eindringet.
von ihm kommt der berühmte Pietra del Porco, «d»
oder StachelSchweine_Bezoar *1 ist zuweilen
mit 2000 %Reichsthaler bezahlt worden. Er ist zahnfach
so viel Gold wehrt alß er wieget, er dunkel-
braun und sinckt nicht unter das Waßer. Der
Affenbezoar ist hellgrün und auch kostbahr, %.imgleichen
im Magen der Tauben auf den Nikolaischen
Insuln. In den Ma«n»gen der Ochsen Pferde
Gemse und vornehmlich der Bezoarzie«¿»gen
erzeugen sich ebenfals solche Ballen, welche
Blätterweise über einander wie «der» eine
Zwiebel, zusammengesetzet sind und in deren
MittelPunkt sich etwas von über verdaueten
Kräutern und Haare findet.

/7) Das HundeGeschlecht.

/Gleichwie der Mensch die Obst und Pflantzen¥
Arten durch seine Wartung und Verpflegung
sehr verändern kann; so hat er es auch mit
einigen Hausthieren, %.vornehmlich mit den Hunden
also gemachet; daher arten auch die Zahmen
Hunde aus, wenn sie wild herum laufen.
Der Schäfer_Hund, der ziemlich seine %.natürliche
Freyheit, scheinet der Stamm_Hund zu seyn.
Von ihm entspringen der Bauer_Hund, Wind-
Hund, Isländer oder dänische Hunde und der ~

/|P_204R δZ_3

/*1 Der in der Gallen-
Blase dieses Thie-
res erzeugte Stein
ist ungefehr ein
Zoll im Diameter
röttlich und voller
Adern, wird in
Gold gefaßt um
hernach ins Waßer,
dem es eine blut-
reinigende Krafft
giebt, gehängt zu
werden. Ein solcher
Bezoar ~

/|P_205

/große Tartarische mit dem man fähret
Der Iagd- Spühr- Daks- Wachtel- Hühner- Pudel- 
Hund, imgleichen dagegen entspringen «da»
von ihm. Blendlinge entstehen aus der Ver-
mischung zweyer Racen, hören aber auch auf.
Dahin gehöret das Bologneser Hundchen, welches
vom kleinen Pudel und Spanischen Wachtel_Hunde
herrühret. Der Mops ist eigentlich der Bol-
lenBeißer entstanden. Die Africanischen,
vornehmlich in Guinea können nicht bellen. In
der Gegend des Capo bonae spei giebt es wilde
Hunde, die es selbst mit den Löwen anbinden,
wenn sie in Gesellschafft jagen denen Menschen
aber nichts thun, sondern ihnen von ihrer
Beute etwas laßen. Die schwarzte glauben,
daß unsere Hunde reden können, wenn sie
bellen. In america sind nur im äußersten
Norden wilde Hunde, ferner in Africa.
Die wildgewordenen Hunde haben eine kup-
pel und Leid«h»Hund unter sich, der sie anführet.
Die «¿¿¿»Hunde werden bisweilen toll. Ihr Biß,
ja selbst ihr Speichel und Geruch des Athems,
wenn sie den größten Grad der Tollheit
erreicht haben, ist ein so schnelles Gifft, daß
es den Menschen Waßerscheu rasend, ja
tödten kann. Die Engelländer haben viele
Mühe angewendet. Die Gefahr des Bißes

/|P_206

/eines tollen Hundes und selbst des toll ge-
wordenen zu verhüten und gefunden, daß
wenn man ihnen den Hypoglossus, welches
eine unter der Zunge befindliche Nerve ist, der
grau aussiehet, wegschneidet, sie zwar toll
werden aber nicht beißen. Zwischen Hund
Wolfen ist ein Unterscheid, sowohl in ihren
innern Bau, alß auch in ihrem moralischen
Charackter. Es findet zwischen diesen bey-
den Gattungen auch keine fruchtbare Begattung
statt.

/ «8»

/8) Das WolfGeschlecht.

/In Engelland ist ausgerottet. In Norden sind
Wolfe weiß; dahin gehöret auch der Iarhals;
dieser «gl»soll gleichsahm d«¿»er Spur des Löwen seyn
denn wenn man ihn brüllen höret; so ist der
Löwe auch nicht weit. Er hat die Größe eines
Bollenbeißers und so grausahm alß ein Tieger.
Der Scitische Wolf ist länger und schwärtzer,
auch grausahmer alß der unsrige. Iakhals
kommt dem Fuches sehr nahe: Simsons Füchse sind
gewißlich dergleichen gewesen.

/9. Das FuchsGeschlecht.

/$a$) Braune Füchse, die am Schwantz %und Ohren
schwartz sind, sonst grau_Haarig und auf dem
Bauche röthlich aussehen, wird Hoh geschätzt.

/$b$) Kr@eu@tzfüchse läuft vom Munde an längst der

/|P_207

/Stirn, dem Rücken und Schwantze, ein
schwartzer Streif, der von einem andern über
die Schultern und vorder Läufe durchschnitten wird.

/c) Der blaue Fuchs: deßen Haare aschenfarbig
oder graublau sind. d) Der schwartze Fuchs
deßen Fell sehr hoch geschätzzet wird, er über-
trifft den Zobel sehr an Schönheit. e) Der weiß-
Fuchs hat keine dauerhafte Haare. f) Der
americanische Silber_Fuchs, alle Füchse stinken.
Sie haben aber, wo der Schwantz anfängt, eine
Stelle steifer Haare worunter ein Drüschen,
welches einen rein Geruch von blauen Violen giebt

/10. «¿¿¿» Halbfüchse.

/$a$) Die Spanische Ornet <geret>_Kazze mit wohlriechen-
dem Fell.

/$b$) Die Zibe«l»t_«Z»kazze hat unter dem Hinteren eine
Tasche 3 %Zoll lang und eben so breit, darinnen ein
schmieriger wohlriechender Saft enthalten ist. Man
nimt ihr indem, man sie einen Käfig setzzet
alle Tage mit einem Loffel diesen Saft heraus,
wann das Thier davon einen Ueberfluß hat;
leidet es Schmertzen. Man fänget sie in Africa
und Asien in Fallen wie die Iltisse. $g$) Die
Dachse, sie schlafen ohne Nahrung in ihren Winter-
Höhlen.

/11. Das KatzenGeschlecht

/a) Die Hauskatze. Die Türken halten sehr
viel von ihr Hauskatze; weil

/|P_208

/des Mahomets Katze, alß er eben den Koram
vorhate, sich auf sein Ermel, die im Orient
sehr weit sind gesetzet habe, und auch ins Buch
sahe. Mahomed wolte den Kater in seiner Andacht
nicht stöhren; sondern schnitte den Theil seines
Ermels ab und ließ ihn darauf sietzen. Er ist auch
dafür in Paradies aufgenommen worden. Ihr
Stern im Auge, läßt sich mehr alß bey einem
Thiere zusammen ziehen und ausdehnen. b) Die
TiegerKatze flie«h»gt allen Thieren wütend ins
Gesicht und kratzt ihnen die Augen aus. Es ist
fast das grausahmste Thier unter allen.

/12. Das LuchsGeschlecht.

/Der Rücken des Luchsen ist schwartz und roth
gefärbet. Er springt von den Bäumen auf die
Thiere. Die Wunden von seinen Klauen hei-
len schwer

/13) Parder.

/a) Das Pantherthier ist größer wie ein
englischen Dogge, brüllt wie ein Löwe, hat
schwartze wie ein Hufeisen gestaltete Flecken,
und sein Fleisch ist angenehm. Sein Kopf ist
wie ein Katzen_kopf gestaltet. Der Leopard
ist von ihm unterschieden. b) Die Katzen¥
Parder sind nicht viel an Größe von den
Katzen unterschieden.

/14. Das TiegerGeschlecht.

/Es hat gelbe Fleken, rund um mit schwartzen

/|P_209

/Haaren besetzt, auf «f»lichtGelbem Grunde, springt
schneller alß irgend ein Raubthier und klettert,
ist so groß wie ein jährig Kalb, und grausahmer
alß die vorigen. Der größte Tieger hat schwar-
tze Flecken. Die Panterhiere und Tyger
werden von uns offt verwechselt: In Africa
ist kein Tyger; sondern jenseit des Ganges
wird er angetroffen, hat nicht runde Flecken,
sondern Streifen, ist un_zahmbahr.

/15) Das LöwenGeschlecht.

/Der Löwe«n Geschlecht» hat eine Mähne, die
Löwin nicht, er hat eine gerunpelte Stirne,
Mensches ähnliches Gesicht und tiefliegende
Augen, wie auch eine stachelichte und wie mit
Katzen_klauen besetzte Zunge, womit er
den Thieren das Fleisch ablecken kann. Er kann
seine «schwe» sehr scharfe Klauen einziehen,
daß sie sich nicht im gehen von der Erde ab-
schleifen«,». Seine Höhen von Rücken bis an die
Erde ist 4_1/3 %Fuß. Der Löwe braucht keine List,
auch keine sonderbahre Geschwindigkeit die
Thiere zu überfallen. Alles thut bey ihm
die Stärke. Sein Gang ist langsahm. Wenn
er nicht mit dem Schwantze schlägt und Mähnen
schüttelt; so ist er aufgeräumt und man
kann ihn sicher vorbeygehen, sonst ist das
einzige Mittel in der Noth, sich auf die Erde zu
legen. Es ist merkwürdig, daß er den Weibs- 

/|P_210

/Bildern nichts zu Leide«n» thue; dahin gehöret
das Exempels von einer WeibsPersohn unter
Carl_II. die «zu»<im> Tovere zu London den Löwen¥
Garten reinigete. Ein anderes von der Herr-
zogin von Orleans
, einer gebohrnen Pfaltz-
Gräfin. Die Neger_Weiber jagen die Lö-
wen mit Knüppeln weg. Sie sind den schwar-
tzen gefährlicher alß den weißen. Wenn er
Blut leket, so zerreißt er den im Augen-
blick. Er tödtet einen Ochsen mit einem
Schlage. Der Löwe ist der stärkste, denn er
schlachtet nie mehr alß er zu seiner Nothdurft
braucht. Der Africanische ist der stärkste, der
Asiatische ist der Katzze näher. Des Mor-
gends Abends und bey Veränderung des
Wetters brüllt er, doch soll der Thon dieses
Gebrülles anders seyn, alß wenn er
zornig ist. Er frießet am liebsten Ochsen
denn ein Rind, den einen Neger, denn einen
weißen, das weibliche Geschlecht schonet er
am längsten. In America ist er nicht zu-
finden. Er kann die Kälte nicht vertra-
gen und zittert in unsern Gegenden be-
ständig. Seine dicke Knochen haben nur eine
enge Höhle zum Mark und Colbe versichert,
daß wenn das Mark an der Sonne einge-
«wämrt»_troknet ist, sie so hart seyn, daß man

/|P_211

/Feuer damit anschlagen kann. Er fürch-
tet sich nicht vor dem Hahnen_Geschrey, wohl
aber vor Schlangen und Feuer.

/16) Das Bären_Geschlecht.

/Er tödtet seinen Feind durch Schläge und
gefährliche Umarmungen. Er ist ein großer
HonigDieb, kletert auf die Bäume und wirft
sich wie eine Klumpe herab. Zwey Mona-
the frießt er nichts. In Poolen lehret man
ihn tanzen. Der weiße In Siberien hat
einen HundsKopf. Einige sind 6 %Fuß hoch und 14 %Fuß lang,
schwimmen stark und treiben auf «Es» Eis_schollen
so gar bis SpitzBergen.

/17. Der Vielfraß.

/Hieß bey den Alten Hiena. Ist schwärtzlich oder
völlig schwartz. An Größe dem Hunde gleich,
ist unersättlich, wegen seiner geraden Ge-
därme, dahero er sich des Unflaths wie der
Löwe und Wolfe bald entlediget

/18. Geschlecht der Affen.

/a) ungeschwäntzte Affen Dahin gehöret %erstlich
orang-outang der WaldMensch, darvon die
größten in Africa Bongos genennet werden
sind in Congo %.imgleichen Iava, Borneo %und Sumatra
anzutreffen. Gehen immer aufrecht sind
6 %Fuß hoch, wenn sie unter Menschen gebracht
werden, saufen sie gerne Starkgetränke

/|P_212

/machen ihr Bett ordentlich und decken sich zu.
Die Weibchen haben ihren fluxum menstruum,
sind sehr melancholisch. Meynung der Iavaner
von ihrem Ursprunge. Der Orang-Outang hat
keine Hinter_Baken. Hat eine herabhangende
OberLippe und Runtzeln im Gesicht. Es giebt noch
eine kleine Gattung, welche die Engelländer die
Chimponeze nennen, die nicht größer ist, alß
ein Kind von 3 Iahren, aber Menschen sehr %ähnlich

/Sie gehen zu ganzen Heerden aus einander
mit einem Prügel bewehret und erschlagen die
Negers in den Wäldern. 2tens gehöret zu den
ungeschränkten Affen der von Ceilon und
3tens der Momonet, mit einem Schwein«lichen»-
ähnlichen Kopffe. b) Langschwantzigtee Afen
oder Meerkatzen. Einige sind bärtig. Die bär-
tige Meerkatzen oder Diano, hat ein weißes
Toupée¿¿»hmet den Menschen sehr nach. Dahin
gehöret die schwartze Gelbe Meerkatze, welche
mit ihrem Schwantze sich allenthalben ein-
hängt. eine Meer_Katz_Musick <unter sich> machen sollen.
Andere sind auch bärtig, alß der Ledergelbe
muscus_Afe, ist klein von guten Geruch und
from. C. Pavians, oder kurtzgeschwän«t»zte
Afen haben einen Hundskopf und können sehr
geschwinde auf 2 Füßen gehen. Sie bestehlen das

/|P_213

/Feld und die Gärte. Die Americaner glauben,
daß diese Afen reden können, wenn sie wol-
ten, aber sie thäten es nur nicht um nicht
zur Arbeit gezwungen zu werden. Fangen
Muscheln mit dem Schwantze oder legen einen
Stein in die geöfnete Muschel. Man kann
hieher noch zählen die Sanguins, deren die
größere Art die Farbe und größe der
EichHörnchen hat; die kleinere aber, die größe
einer geballeten Faust. Sie sind sehr artig
aber auch eigensinnig und sehr zärtlich, so, daß
von dorten nach Europa gebracht werden.
Die meisten crepiren unterweges, wenn sie
gleich einzeln noch so sauber in Baumwolle
eingewickelt sind, sie sind vermehrlich
der Cimocephalus der alten, alß die %.Europaeer
von Negers {2- «aufenthalten» <Iene haben> -2} wolten; so brachten sie
ihnen auch Ratzzen und sagten: diese wä-
ren eben so schädlich, weil sie glaubten die
Europaeer brauchten sie ihren Nachbahren
Schaden zu thun.

/ ≥ F
/Thiere mit FloßFeder-Füßen, oder Amphibien.
/1) Das Fischotter_Geschlecht. ≤

/a) Der Fluß_Otter gräbet sich Höhlen an Ufern
der Flüße«,» bis in den nahen Wald lebt von
Fischen, im Winter aber in au«s»geeisten Teichen.

/|P_214

/b) See_Otter, deßen Hinterfüße Floßfedern-
artig sind. Sie haben die schönste und alten schwar-
tzen Fellen. Selbst in Kamschadzka giebt ein
schöner Balg 37 bis 40 %Reichsthaler. Man fängt sie auf
dem TreibEise in der MeerEnge von Kamtschatka.
Sie puzen sich selber gern, lieben ihre Iunge
ungemein und werden mit Prügeln todt geschla-
gen

/2) Das BieberGeschlecht. Der Biber mit Eyförmi-
gen schuppichten Schwanze, sind in Canda gegen
die Hudsons-Bay sehr häufig. Sie können einen
Bach verdämmen und über die Wiese einen Teich
%machen. Sie hauen Bäume mit ihren Zähnen ab,
und schleppen Stükke Holtz weg, die 3 bis 10 Fuß
lang sind welche sie über Waßer in ihre Woh-
nung bringen, und deren Rinde sie im Winter
genüßen, bey Verfertigung des Damms, dienen
ihnen erstlich ihr Schwantz zur «Schwa» Mulle
worauf sie Leim auflegen und an Stelle %und
Ort führen und dann zur Mauer_Kelle, wor-
auf sie den Leim auf «ihren» den Bäumen com-
primiren und anschlagen. Man speiset ihn auch.
Das Bieber_Geil Castoreus ist nicht testiculus
des Bibers; sondern besondere Muscus-Säcke,
die im Leibe liegen.

/3. Seethiere mit unförmmlichen Füßen

/a) Meerkälber, heißen auch SeeHunde oder

/|P_215

/Ratzen haben einen Rachen vom Hunde,
die hinterfüße sind hinter sich gestreckt und
können nicht von einander gebracht werden.
Auf den Antillischen Insuln, sind einige biß 20 %Fuß
lang. Die Kleinsten sind in dem EisMeere,
welche auf den Eisschollen zu tausende getödt-
tet werden. Es giebt auch SilberFarbe Meer-
kälber im «S»süßen Waßer. b) Wallros. heißt
auch MeerOchs, obgleich er diesen Nahmen
gar nicht mit Recht haben kann«,». Hat ein
paar herunterwärts gebogene lange heraus-
ragende Zähne, welche verarbeitet wer-
den, mit denen er sich alß mit Haacken an die
Eisschollen anhänget. Manche von diesen
Zähnen sind über 2 %Fuß Fuß lang und 8 %Zoll dick. Hat
zwey Blase_Löcher an der Stirn. Man«n»
nennt ihn auch MeerPferd. C) Der See_Bär ist,
größer alß der LandBär, hat vorderFüße
wie abgehaune Armstumpfe, worinn die
Zähne verborgen liegen, wird nicht weit von
Kamtschamczka gefangen. Sie stritten gegen
einen Anfall wie Ratzzen mit See_Löwe in
America und Kamtschaczka. Die Gestalt
kommt mit einem Seebähren überein, nur
ist er viel größer. Mann greift ihn nur
im Schlafe an. Denn er ist sehr grimmig

/|P_216

/hat wenig Liebe zu seinen Iungen. Die
Seebähren fürchten sich selbst für ihn. Der See-
Bär und SeeLowe hat mit den Landthieren
dieses Nahmens nicht die geringste Aehnlich-
keit.

/ ≥ Anhang 4füßigen Thiere, die
Eyerlegen sind Amphibien. ≤

/a) Der Crocodill hält sich vornehmlich in Flü-
ßen und auf dem Lande auf. Ist schuppigt
bepanztert 20 und mehrere Fuß lang. Es ist
falsch daß er beyde Kinnbacken bewegen soll.
Er beweget nur, wie andere Thiere den
innern, hat keine Zunge legt Eyer wie Gän-
se_Eyer in den Sand. b.) Der Alligator wird
gemeiniglich mit den Crocodillen verwech-
selt, und ist ihm auch sehr ähnlich, außer, daß
er den Schwantz anders trägt, und den
Muscus_Balsahm hat, weswegen er auch
einen Biesam_geruch giebt, ist in Africa
und in America anzutreffen. Er ist nicht so
wild und räuberisch alß der Crodol«¿¿»ille. Sie
werden in America Caymanns genannt. Sie
werden gefangen und ihre Eyer von einer
Art von Vögeln, die Gallinahmen heißen
zerstört. C. Die Schildkröte, die größte
Gattung verschiedenen Gegenden von Ostin-
dien gefunden. An den Eyern allein
können sich wohl 30 Mann satt machen

/|P_217

/Die Schildkröte gehet aufs Land und
leget wohl 250 Eyer; deren jedes so groß
ist alß ein Ball, sie haben ein dreyfa-
ches Hertz. Ihr Fleisch ist köstlich. Mann ge-
winnet von ihnen mehr alß 2 Centner Fleisch
zum Einsaltzen. Man findet si«ch»e auch in
Südamerica, Caba Bahamos und bringet
sie bisweilen lebendig nach London.

/ ≥ Der Physischen zweiter Theil.
/ Ersten Abschnitts drittes Haupt-
Stück. Die See_Thiere.

/ §_1.
/Der Wallfisch und andere mit verwandte
Fischen.

/Er wird eingetheilet in den Wallfisch, Finnisch,
Schwert- Sage- oder Zahnfisch - Nordkaper Pott-
Fisch, oder Cachelott, und Norval, der Grönn-
ländische Wallfisch, hat einen Kopf der 1/3 von
der Leibes_Länge ausmacht, ist viel dicker wie
der Finnisch, welcher eine Fine oder Floß auf
den Rücken hat; auch viel größer alß ein
Nordkaper, welcher nur einen Blase-
Loch hat, hält sich in den nordlichen Gegen-
den bey Spitzbergen. Nova Zembla auf
daher der NordKaper in der Höhe des

/|P_218

/Nordkaps und in der Finnschen noch weiter
hin nach Süden umherschweifen, nährt sich von
einem Waßer_as»<n>nsekte, welches die Größe
einer Spinne hat und gantz thranigt ist. Der
Finfisch und Nordkap, aber schlucken gantze Tonnen
von Heeringen in sich. Diese Thiere haben an-
statt der Zähne, Barden welche aus Fisch-
Bein bestehen, davon das längst bis 2 Klaf-
tern lang ist. Der Pottfisch hat am untern
Kinnbacken Zähne. Sein Kopf nimt die Hälfte des
Leibes ein, hat einen engen Schlund waßer¥
gleichen Schwantz, Blase_Löcher, heißes Blut,
können ohne Luft zu schöpffen nicht lange unter
dem Waßer bleiben. Gebähren lebendige Iun-
gen und säugen sie. Der grönländische
Wallfisch wird mit Harpunen geschoßen und
mit Lanzen völlig getödtet. Ist jetzo viel
scheues als ehedem, flüchtet ins Treibeis, daher
ist «jetz» jetzo der Wallfischfang «¿¿»im Treibeise.
Hat eine <Art> Läuse alß Kräbse. In dem Magen
einer Norkape, Gronipus genannt, wird,
der Ambregris oder der graue Ambra gefun-
den. Andere berichten dieses von der Blase
des Wallfisches. Einige halten den Pottfisch für
denjenigen, der den Ionas verschlungen.
Das Gehirn des Pottfisches ist das sogenannte
Sperma Ceti. Der Schwertfisch tödtet den

/|P_219

/den Wallfisch um der Zunge Willen.
Der herausragende Zahn des Wallfisches ist
ausgehaket wie eine Sage. Der Narrwall
hat einen geraden Zahn aus dem Obersten
Kinnbacken stehen der viele «Füsche» Flüße lang
und härter ist alß Elfenbein. Diese letztere
gebähren aus Eyern. Das Manati oder die
See_kuh ist, in den %americanischen und Canaltischen
Innsuln bey Kamtschacka anzutrefen, wie-
get bis 30 Centner, hat eine unbehaarte ge-
spaltene Haut, wie eine alte Eiche, saugt sich
niemahls unter das Waßer, der Rücken
ist immer darüber erhoben, obgleich es am Kopf
bey seinem unabläßigen Freßen fast immer
unter dem Waßer hat, ist allenthalben sehr
zahm, wo man ihm nicht nachstellet, hat 2
Arme die dem %menschlichen ähnlich und einen
Schwantz der dem FischSchwantz ähnlich siehet.
Hat vortrefliches Fleisch, welches keine Maden
bekömmt und sein ausgeschmoltzen Fett über-
trifft die Butter. Gebahret lebendig und säugt.
Der Hay oder Seewolf. Carcharias, Span
Taberone genannt. Die größte Art dersel-
ben heißet Lamia, sind 50- bis 60 %Fuß lang, ha-
ben drey Reihen neben einander. Sind viel
gefräßigter, alß irgend ein Landthier.

/|P_220

/Gantze Muscheln in Seegeln eingewickelt
sambt dem Ballast werden von ihm verschlungen.
Alles was aus einem Schiffe fällt, Beyd Hammer,
Mützzen finden Platz in seinem Magen. Sein
Maul ist wohl ein %Zoll lang unter der Schnautze;
dahero er sich auf die Seite legen muß, wenn
er raubt. An den Küsten von Guinea, hat ein
Mensch, der in die See fält, nicht so viel Gefahr
vor Versaufen alß vor Hay. Er reißt dem Wall-
fische große Stükke Fleisch aus dem Leibe, wird
mit Haacken an einer eisernen Kette gefan-
gen und getödtet, ehe er ins Schiff gebracht wird;
sonst schlägt e«s»r mit dem Schwantz Arme und
Bein entzwey. Einige Fische halten Verkehr«t» in
seinem Maagen. Der Gibot neckt wie die
Schwalben die Eulen. Man hält ihn vor den Ko-
morra oder säuger. Der HammerFisch ist dem
vorigen an größe, Stärke und Gierigkeit ähnlich,
hat aber einen Kopf der zu beyden Seiten wie
ein Hammer aussiehet. Der Manta oder Mantel-
Fisch. Ist eine Art großer Rachen, die vor-
nehmlich den Perlen_Fischern, an der america-
nische Küste sehr gefährlich sind, indem sie
solche in ihre weit ausgebreitete Haut, alß
in einen Mantel einwiekeln, erdrücken und
ersäufen. Der BraunFisch, der Dorado,
der Delphin, der Stöhr Weltz und am meisten

/|P_221

/sind Raubfische. Die Delphin ist ein sehr
gerader und schneller Fisch. Der Dorado ist
ein Gold_Gelber Delphin und der schnellste
unter allen. Der Belmoa ist ein Gattung
von Stöhr auf deßen Regen der Chaos zube-
reitet wird. Sie haben auch deßen sehr viel,
denn bisweilen hat einer bis einen gantzen
Centner. Der Seeteufel, ist in einer harten
%.undurchdringlichen Haut eingeschloßen ist ein Art
Rochen. 20 - 25 %Zoll lang, 15 bis 18 %Zoll breit und 3 %Zoll dick,
hat gleichsahm Stümpfe von Beinen und daran
Haacken_Hörner am Kopfe und einen Schwantz
wie eine Peitsche mit Haacken. MeerMensch
Sielne MerrJungfern wird in allen Welt-
theilen angetroffen. Die Zu fabel ge-
neigte Einbildungs-Krafft hat ihn zum
Menschen gemacht. In deßen «seine» dieses
Thier <nur> seine wenige Aehnlichkeit mit dem-
selben. Sein Kopf aus dem man einen
Menschen oder Fleischkopf machen kann
mit großen Ohren und stumpffer Nase
und weiten Munde ist, an einem Körper
der auf dem Rücken mit einem breiten
dicken Fell, wie die PlattFische bezogen
ist, welches an der Seite solche Haacken hat,
wie die FlederMäuse; Seine vorder_Füße

/|P_222

/oder fleischerne Floßfedern sind etwa Men-
schen ähnlich. Es hat zwey Zitzzen an der
Brust und einen Fleisch_Schwantz. Man nennet
ihn auch wegen seines Fettes, die Wasser-
sau.

/ ≥ §_2.
/Einige andere merkwürdige Fische.

/1) Der Zitterfisch: wird auch KrantfFisch, Tros-
pedo genennet, ist in dem Inndischen Meere
anzutreffen, beynahe rund außer dem Schwan-
tze und wie auch geblasen. Er hat außer den
Augen wohl 2 Löcher, die er mit einer Haut
wie Augenliedern verschließen kann. Wenn
man ihn entweder unmittelbahr oder ver-
mittelst eines Stocks, ja vermittelst der Angel-
Schnur und Ruthe berühret; so machet er den
Arm gantz fühllos. Er thut dies aber wenn er
nicht todt ist. Kampher sagt: daß wenn man
den Arm an sich hält, er nicht so viel vermöge.
Er kann gegeßen werden. In Aethiopien
vertreibt man mit ihm das Fieber. Die Ur-
sache dieser Kraft ist unbekanndt, Er fängt
dadurch «Fus» Fische

/2) Rotzfische. Sind durchsichtig und wie lauter
Schein sind fast in allen Meeren. Eine Gat-
tung heißt davon Meer_Neßel; weil sie,
wenn sie berühret werden, eine brennende
Empfindung verursachen. 3) Blackfisch siehet

/|P_223

/seltsahm aus, mit 2 Armen hat eine Tin-
tenblase, womit er seinen Verfolgern das
Waßer trübe macht.

/4) Blaser_fisch wird am Capo bonae spei gefunden,
bläset sich rund auf wie eine Kugel und ist zu
Eßen sehr gifftig. 5) fliegende Fische, sind nur
zwischen den Tropicis; fliegen mit einer Art
Floßfedern aber nur so lange, alß diese Naß
sind, haben die Gestalt %und Größe der Heeringe
fallen oft auf die Schiffe nieder, werden von Raub-
fischen und Vögeln unabläßig verfolgt. 6) Der
Chinesische Goldfisch, ist wegen seines vortrefli-
chen Goldes und andern Farben bey den Chine-
sern sehr beliebt, der schönste Fisch in der Natur,
Finger lang, vom Kopf bis auf den halben
Leib roth. Die übrigen Theile sambt dem
Schwantze, der sich in einen Büscheln endiget,
lebhaft vergüldet. Das Weibchen ist weiß, der
Schwantz silber. 7) Der Kracke. Das größ-
te Thier von der Welt. Ein See_Thier, deßen
daß Dasein nur auf eine dunkle Art bekandt
ist. Pontoppidam [[Pontoppidan]] meldet: daß die Schiffer
in Norvegen, wenn sie finden, daß das Loth
welches sie au«¿ge»sw«o»erfen, auf derselben Stelle
nach und nach höher wird, urtheilen, daß der
Kracke im Grunde sey. Wenn er heraufkommt,

/|P_224

/so nimt er wohl einen Umfang von einer 1/2/4 Meile
weg, hat große Haacken, die wie Bäume hervor-
ragen. Sinkt bisweilen plötzlich und kein Schiff
muß ihm alß denn zu nahe kommen, weil der Stru-
del denn er macht, es versenken würde, es soll
über ihn gut zu fischen seyn. Ein Iunger Krack
ist einmahl in einem Fluß stecken geblieben und
crepirt. Das Meer hat «hat» noch nicht alle seine Wun-
der entdekt. Wenn der Krack sich über das Waß-
er erhebt, so sollen unsäglich viel Fische abfallen.
Seine Bildung ist unbekandt.

/ ≥ §_3
/Von Fischereyen. ≤

/In China fängt man Fische durch eine dazu
abgerichtet KropfGans, welcher man einen Ring
um den Hals thut, daß die Fische nicht gantz können
verschlucket werden. Diese schlingt so viel Fische an,
alß wie sie kann. Wenn eine etwas großen
Fisch fängt; so giebt der andern ein Zeichen, die ihn
alßden fortbringen helfen. Eine solche Gans giebt
viel. Wenn sie nicht Lust zum Fischen hat; so wird
sie mit Prügeln dazu <an>getrieben und gezwungen.
Man hat dazu auch eine methode mit einem
Kahn, an deßen Seite, weiße überfirnißte Bretter
geschlagen sind, bey MondSchein Fische zu fangen, denn
alsdenn gläntzen diese Bretter, wie ein helles
Waßer, die Fische springen herüber und fallen in
den Kahn, wo sie des Morgens gefunden werden. Man
fängt auch hier Fische mit den Händen, in dem «sie»
man sie mit; in das Waßer gestreuten Kukus_Körner

/|P_225

/dumm machet. Zu den Fischreyen gehöret
auch der Stockfischfang auf der großen Bank terre
nove. Der grüne oder weiße Bakelgau heist Cabeliau
wird eingetrocknet und eingesalzen. Die getrockne-
te Fische, heißen Stockfische. Der Stockfisch ist ein
Raubfisch, schluckt Waßer, Seile und andere Dinge
herunter, die aus dem Schiffe fallen. Kann aber
seinen Maagen ausdehnen und das was un-
verdrißlich ist, ausscheuen. Es fischen auf der gro-
ßen Bank jährlich bis 300 Schiffer, deren jeder
bis 25000 Stokfische fängt. Alles geschiehet mit
Angeln. Der Köder ist ein Stück vom Heeringe
und hernach die unverdauete Speise im Maa-
gen des StokFisches. Es gehet mit diesen Angeln
sehr geschwind. Es finden sich hieselbst näher er-
staunend viele Vögel, alß LeberFreßer, Pin-
guins. Sie versammlen sich um die Schiffe um
die Leber zu freßen, die weggeworfen wird.
Der Pinguin hat stumpfe Flügel mit denen
er zwar «dem» platschen aber nicht fliegen kann.
Noch merken wird bey den Fischreyen den Hee-
ringsfang. Er kommt im Frühjahr aus den %.nordlichen
Gegenden bey Nordkap an @die@ «¿»Orkadischen Insuln.
Von da ziehet er sich neben den Küsten Schottlands
und ist im Sommer bey Iarmouth, gehet auch wohl im
Herbst bis in die Süder und NordSee. Der bloße
jährliche Vortheil der Holländer nach Abzug

/|P_226

/aller Unkosten ist zum wenigsten 6-7 @¿¿@ @¿¿@.
Ein anderer anderer holländischer Autor [[Huet]] rechnet über-
haupt 25 Milion %Reichsthaler Einnahme. Die Ausgabe 8
%Milion und das Land proficiat 17 %Milion Reichsthaler; denn
man muß auch den Vortheil rechnen, so, daß das
Land darvon ziehet, daß sich so viel Menschen
auf der Flotte «auf»<er>halten. Die Engelländer schief-
fen auch seit 1750, aber nicht so vortheilhafft,
denn sie verstehen die Handgriffe nicht.

/ ≥ §_4.
/Anhang zu denen Thieren.
/Schaaligte Thiere.

/1) Die PurpurSchneke, Der Tyrische Purpur, der
das Blut einer Muschel des mittelländisches Mee-
res ist, war erstaunlich theuer, er soll an einem
Hunde entdeket seyn, der diese Muschel fraß, und
sein Maul schön färbte. In NeuSpanien findet sich
eine solche Muschel, die aber nur 2-3 Tropffen
solchen Saft in sich hat, der anfänglich roth, her-
nach aber hoch roth färbt. Vor alters hatte man
auch Violette Purpur.

/2) Die Perle_Muschel. Die Perlen_Bank bey Bahamen
und Ormus» im Persischen Meerbusen giebt es
die schönste, die bey Ceilon und am Capo Comorin
die größesten, %.imgleichen NeuSpanien giebt große
aber schlechteste. Es sind unreife Eyer. Die Perle-
Muscheln können, wenn sie nicht recht rund sind, nicht
abgedrehet werden. Viele Länder haben in ihren

/|P_227

/Flüßen Perlenmuscheln. Die Täucher verfahren
auf verschiedene Art. Entweder tauchen sie sich
mit einer ledernen Kappe mit gläsernen Au-
gen, davon eine Röhre, bis über das Waßer her-
auf gehet unter oder mit der Gloke oder frey.
Bekommen anfänglich Blutstürtzen. Des Königes
von Mascato
Perle, soll nicht sowohl wegen ihrer
Größe alß Schönheit die vortreflichste unter allen
seyn. Der König von Persie kauffte anno 1633
eine, von einer Milion 400.000 Liveres. Der
jährliche Nutzzen von dem Perlenfange ist
500.000 %Ducaten, aber jetzt läßt man sie ruhen: In
der Medecien sind sie nichts mehr nütze alß Krebs-
Steine und EyerSchaalen. 3) Austern sitzzen offt
an einer FelsenBank so fest, daß sie scheinen aus
mit denselben aus einem Stücke zu seyn. Einige
sind von außerordentlicher Größe. In Coppenhagen
zeigt man eine AusterSchaale, die 2 %Pfund wieget.
Sie kneipen, wenn sie sich schließen mit unge-
meiner Krafft. Pflantzen sich schnell fort. Hievon
hat auf den Küsten Exempel. Man siehet auch
Austern, so zu sagen an Bäumen wachsen.
Diese hängen sich an einem Baum zur Zeit
der Fluth, wenn der Baum unter Waßer ge-
setzet wird, an die Aeste und bleiben daran
hängen.

/ «§_¿¿»
/4) Balanen oder Palanen. Sind längliche Muscheln,
wie der Dattelkern, werden im adriatischen
Meer bey Ancona gefunden. Sind in einen

/|P_228

/Stein eingeschloßen, und dieser muß vorher
mit Hammern entzwey geschlagen werden, denn
findet man die Muschel darin lebendig. Die-
ser Stein ist porös und in den Löcher diesel-
ben ist junge Brut gedrungen, hat durch ihre Be-
weggung den Stein, so viel abgenutzt, daß sie
sich aufzuthun immer Platz hat. Bisweilen ver-
stopfen sich die Löcher; aber das Waßer kann
doch durch den schwanigten Stein zu ihnen drin-
gen. Keisler hat am Adriatischen Meere bey
Portoke lebendige Muscheln im harten Marmor
gefunden. Ihr Fleisch und Safft gläntzen, so wie
die meisten Austern, wenn sie frisch aufge-
macht werden im Finstern. 5) Barnacles sind
eigentlich StellMuscheln mit einem Stiel, der
die Zunge des Thieres ist. Diese hängen sich
mit solchen an die am Ufer stehenden Bäume
an, und weil die Zunge gleichsahm, einen Halß,
und gewiße einem Büschel auslaufende Haare δLücke
einen Schwantz von einer jungen Gans vorstel-
len; so ist die Fabel entstanden, daß aus dieser
Muschel die RotzGänse, welche sich in Schottland fin-
den, daß man weiß wo sie hecken, entstünden.
Man weiß aber jetzt, daß diese Gänse in
den aller nördlichsten Insuln z:E: Baisan hecken.

/6) Der Matiles ist eine Schnecke, welche in ihrem
inwendigen mit Blackfisch einige Aehnlichkeit
hat, wenn sie zur Lust schiffen will; so pumpt
sie zuvor das Waßer aus den Kammern ihres

/|P_229

/Gehäuses. Alsdenn steigt sie in die Höhe,
gießet ihr Waßer aus und richtet sich aufwärts
in ihrem Schiff. Spannet seine zwey Beine zwi-
schen denen eine zarte Haut ist, wie ein See-
gel aus 2 Arm stekt sie ins Wasser, umb damit
zu rudern und mit dem Schwantz steuret sie.
Kommt ihr etwas fürchterliches zu Gesicht; so fült
sie ihre Cammer mit Waßer und sind in die See
unter.

/ ≥ Seide von Muscheln

/Einige Muscheln hängen sich mit ihren Zungen
an die Felsen an und machen ein Gewebe,
woraus man, alß aus einer groben Seide zu Tanen-
tio und Reggio Handschuhe, Camisoehler webt.
Allein die penna marina bringt viel feinere
Seide zuwege und daraus wurde der Byssus der
alten gemacht. Man macht noch schöne Stoffe zu
Palermo daraus.

/ ≥ Muscheln-Müntzen. ≤

/Fast in allen Küsten von Africa, in Bengala
und andern Theilen von Inndien, werden einige
Gattungen von Muscheln alß baar Geld genom-
men. Vornehmlich werden an den Maldivischen Innsuln
kleine Muscheln, wie das kleinste Glied am
Finger gefischet, welche man in Ostindien,
Coris und in Africa, Bugier nennet, welche
die Engellander von den Maldiviern abhohlen,
und die hernach zur Bezahlung kleiner Sachen
gebrauchet werden.

/|P_230

/ ≥ Viertes HauptStück.
/Verzeichniß der merkwürdigen Insekten

/ §_1.
/Nützlichen Innsekten. ≤

/Von diesen kommen die besten Gattungen der
rothen Farbe her. Der Gummilac aus Siam,
Tunking, Pegu, Bengala und andern Inndische
Prowintzen. Es ist eigentlich eine Art von
Wachs, welches von einer Gattung Ameisen auf
eine gewiße Art von @Tö¿nnen@ getragen
wird und darinn sie in Zellen wie die Leu-
nen, ihre Brut ablegen, deren Häute hochroth
sind, und die daselbst einen rothen Safft zurück-
laßen. Man reibet es in Mörsern im sieden-
den Waßer und drückt es durch Leinwand her-
nach läßt man den Safft eintrocknen. Zu die-
sen unzählichen Innsekten gehören.

/1) Conchenille. Diese rothe Farbe welche die theu-
erste unter allen ist, kömmt von einer «Ba» rothen
Baum_orange, welche in Neuspanien und einigen
Insuln auf dem Baume Nopal nistet und mit
Bürsten «ge» abgefeget wird und hernach getrok-
net und gepulwert. Die Frucht der Nopals ist
eine Feige die hoch roth ist und sehr wohl schmekt.
Man nennet dieses Pulwer, Carmin oft aber ist
es nicht recht rein.

/2) Kermes: oder Purpur_Körner. Er ist eine Art

/|P_231

/Gallos oder Auswuchs aus den Blättern eines
Baums, welcher aus einen Innsekten_Stich ent-
standen. Kermes heißet im Arabischen eigentlich
Würmchen, und diese geben eigentlich die rothe
Farbe. Kermes wird auch in der Medicin gebraucht.

/Wenn man hiezu den Müntz oder Purpur-
Schneke thut; so siehet man, daß alle rothe Farbe,
die zur Färbung der kostbahren Zeuge dienet,
aus dem Thierreiche herkommen.

/ ≥ Von der Caprification. ≤

/In den griechischen Inseln bedienet man sich
gewißer Schulwespen, um die Feigen zu
stehen, welche dadurch viel eher und vollkom-
mener reifen. Ursache davon wird angezeiget.

/ ≥ Eßbaare Heuschrecken. ≤

/Die Heuschrecken haben ihren eigentlichen Sitz
in Arabien und OberEgypten«,». Sie nehmen ihren
Zug, wie nach ihrem Compas von Süden nach
Norden. Kommen sie an ein Gebürge; so zie-
hen sie so lange neben demselben, biß sie einen
Paß finden und denn nehmen sie ihren vorig-
ten Zug. In Africa werden bey verschiedenen
Nationen die Heuschreken gebraten und gegeßen.
In Tunquin saltzet man sie auf Vorrath ein.
Ludolff der dieses auf seinen weiten Reisen
gesehen hatte, ließ die große Heuschrecken,
welche 1693, Deutschland verheereten, wie

/|P_232

/Krebse kochen, aß sie, machte sie mit Eßig %und
Pfeffer ein und tractirte gar zuletzt den Rath
zu Franckfurth damit.

/ ≥ §_2
/Schädliche Innseckten. ≤

/1) Die Tourantel_Spinne. Ist im Apulien am gifftig-
sten, wer von ihr gestochen wird, muß bald
weinen, bald lachen, bald tanzen, bald traurig
seyn. Ein solcher kann nicht blau noch schwartz
leiden. Man Curirt ihn durch die Musik, vor-
nehmlich auf der Cyther, Hautbois, Trompete und
Violine, wodurch er, vornehmlich, wenn man
den rechten Thon und Melodie trifft zum Tantzen,
Schwitzzen und endlich zur Gesundheit gebracht
wird. Man muß manchen das folgende Iahr
wieder tantzen laßen; weil in Tarent starck
in Seide gearbeitet wird und die Einwohner be-
ständig sitzzen und davon Hypocondrische und
Hysterische Zufälle bekommen; so glaubt man-
cher von der Taranteln gestochen zu seyn,
der es doch nicht ist. Besonders wird ein reisen-
der sehr betrogen pp. Die von Skorpionen ge-
stochene Leute lieben auch die Musick, %.vornehmlich
aber die SackPfeife und die Trommel. Das
Gifft der Skropionen, welchen in den heißesten
Clima von Italien am häufigsten sind, ist nicht
tödlich; obgleich es GliederFieber und andere

/|P_233

/Krankheiten verursachet. Sonsten giebt es auch
sehr große Spinnen in Guinea beynahe, wie ein
Mannsfaust.

/2) Die NerwenWürme Collubrillae. In Ostindien
und Africa bekommen die Menschen zuweilen ei-
nen Wurm in die Waden, der sich endlich unter
die Haut soweit einfreßet, daß er die Länge
von einer Elle und mehr bekommt. Er ist von der
Dicke eines Seydenfadens biß zur Dicke einer
Zitter_Seite. Der Wurm liegt unter der Haut,
und verursachet einen Geschwulst. Man sucht sie
behutsahm hervorzuziehen, der Kopf um ein
Stöckchen zu winden, welches man nach und nach
herauswindet. Reißet der Wurm; so erfolgt ge-
meiniglich der Todt des Menschen.

/3) Die Niguen. Diese Art Flühe gräbt sich in
Westindien in die Haut, und verursacht, wenn
man nicht das gantze Wartzchen worein sie
sitzzet, ausgräbt den kalten Brandt; weil
das Gifft sich mit dem übrigen Blute ver-
mischet.

/ ≥ Noch einige schädliche Innseckten. ≤

/Unter allen Ländern ist wohl Amerika
von den Innseckten am mehresten geplagt.
Es giebt dort in den americanischen und
Africanischen Wüsten eine Art weißen Amei-
se, welche«s» manches Iahr ausziehe und alsdenn
auch großen Schaden anrichten. Sie verzeh- 

/|P_234

/ren alles, Menschen so gar die krank sind,
Vieh, Hunde, Ratzen, Maüse pp; daher müßen
sich alsdann die Einwohner rettiriren. In
Congo ziehen gleichsahm große Ameisen in
gantzen Schwärmen, die eine Kuh, oder wohl einen
gantzen krancken Menschen aufreßen.
Die Comedra eine Art Molden in Carthagena in
America sind so fleißig, daß, wenn sie einmahl
in einen Laden mit kram_Waaren, kommen
sie ihn in einer Nacht völlig zu Grunde richten.
Die Loge ist eine kleine Wantze in Ameri-
ca, die, wenn man sie auf dem Fenische Ge-
druck ein tödtliches Gifft zurückläßt. Man
bläset sie weg, wenn man sie auf der Haut
sieht. Die TausendFüße, rothte Raupen mit
40 Füßen, haben einen gifftigen «Bisch» Biß
und sind eine große Qvall, der indianischen
Länder. Die Mosquitas sind eine besondere
schädliche Art Mücken in Ostindien, %.imgleichen
auf der niedrigen Gegend der LandEnge
von Panama. In Lappland sind die größte
Plagen, die Vieh_Bremsen.

/ ≥ §_3
/Anhang von andern kriechenden Thieren.

/Die Schlange. In den heißen Ländern giebt
es von erstaunender Größe. In den Sümpfen

/|P_235

/nicht weit vom Ursprunge des amazonen-
Stromms sind solche die ein«e» Reh verschlingen.
In Whidah einem africanischen Königreiche
am östlichen Ende der Küste von Guinea ist eine
sehr große Schlange, welche unschädlich ist, und
vielmehr die gifftige Schlangen, Ratzzen %und
Mäuse verfolget. Wird daselbst alß die Ober-
ste Gottheit angebetet.

/Die KlapperSchlange. Sie ist die schädlichste un-
ter allen. Sie hat Gelenke in ihrem Schwantze,
welche bey trokener Zeit im FestGehen klap-
pern. Ist sehr langsahm und ohne Furcht. Es
wird von allen geglaubet, sie haben eine
Zauberkrafft oder vielmehr einen beneb«l»eln-
den oder wohl gar einen anlokenden
Dampf, den sie ausbläset, und dadurch Vö-
gel, Eichhörnche und andere Thiere nöthiget
ihr in den Rachen zu kommen. Zum wenig-
sten ist sie sehr zu langsahm, solche ge-
schwinde Thiere alß sie täglich frießet
auf eine andere Art zu erhaschen. Die
Wilden freßen sie, imgleichen die Schweine.

/Nattern. Die Cobra_di_Capello, oder die
HuthSchlangen, wegen einer Haut, so den
Kopf und den Hals umgiebt also genannt, soll
den berühmten Schlangen_Stein in ihrem
Kopfe haben; allein Vallineeri [[Vallisnieri]] behauptet,

/|P_236

/er wäre nichts anders, alß ein gedörretes
und auf gewiße Weise zugerichtetes Ochsen-
Bein. Es hängt stark an der Zunge. Wie
man den Schlangen_Gifft aus der Wunde zie-
het, und sie wieder davon reiniget. Der Stein
hat die Gestalt einer Bohne, ist in der Mitte
weißlicht, das übrige Himmelblau. Einige ge-
ben vor die Braminen in Inndien machten
ihn aus einem wirklichen Schlangen_Stein,
mit deren Leber, Hertz und Zähne und eine
gewiße Erde vermengt; wenigstens pflegen
gewiße Theile von schädlichen Thieren z: E:
das Fell der HuthSchlange selbst wieder ihren
Biß zu seyn.

/Scorpion. Ist in Italien nicht größer wie ein
Finger, hat beynahe eine KrebsGestalt und ver-
wundet seinen Gegner mit dem Schwantze,
worinn es einen Haaken hat. Man bedienet sich
des zerdrückten Scorpions, um ihn auf den Stich
zu legen und das Gifft wieder herauszu-
ziehen. Die Inndianer bedienen sich im Noth-
Falle wieder einen gifftigen Biß des
Brennens der gebißenen Stelle. Inn Inndien
sind sie viel größer. Es ist wahr, daß
wenn man einen Scorpion unter ein«en»
Gl«¿¿»as setzet, worunter man TobaksRauch
bläset, er sich selbst mit seinem Schwantze
tödte.

/|P_237

/Der Camel«l»eon Ein Asiatisches und Africani_
sches Thier einer Eidexe ziehmlich ähnlich,
aber gemeiniglich viel größer. Nähret sich von
Innsekten, seine Zunge ist 8 Zoll <fast so> lang alß
das gantze Thier, womit er, wie der Amei-
sen_Bär, Fliegen und Ameisen fängt. Einige
Physici berichten. daß er seine Färben nach
den Färben der Gegenstände, andere aber
mit einigen Zwang, den er sich anthun @«brü-
ße»@ müße. Sie verändern ihre Haut nach ih-
ren «Affe» Affecten, wenn sie lustig sind denn ist
ihre Haut gepfleckt. Allein in der allgemei-
nen Reisen_Beschreibung wird berichtet, daß sie
ihre Farbe beliebig und vornehmlich wenn sie
recht lustig sind, schnell auf einander verän-
dern, aber nicht nach den Gegenständen. Die
rothe Farbe bekommen sie nicht. Ihre Haut ist fast
durchsichtig. Dieses kann, weil sie ihre Farbe
verändern, die Ursache seyn, daß die Unterla-
ge durchschimmert.

/Der Salamander. Seine Unverbrennlichkeit kommt
von dem dichten Schleim her, denn er sowohl
ausspeyet, alß auch allen schweißLöchern treibet,
und womit er die Kohlen eine ziemliche Zeit
dampfet, wenn er darauf geleget wird.
Verbrennet doch «da» endlich. In allen Theilen
der Welt, giebt man vor, daß die Eidexen
Feinde der Schlangen sind %und die Menschen

/|P_238

/davor warnen.

/Der Physischen Geographie. Zweyter Theil.
/Fünftes Hauptstück Ersten Abschnitt. Von den Vögeln.
/ §_1.
/Verzeichniß einiger merkwürdigen Vögel.

/1) Der Strauß und der Casuar. Es sind vornehmlich
arabische und Africanische Vögel, tragen den
Kopf höher alß das Pferd. Haben Flügel, womit
sie aber nicht fliegen können. Laufen schneller
alß ein Pferd. Bebrüten ihre Eyer nur des
Nachts: Haben schöne «P»Fe«r»der im Schwantze und
eine höherichte Erhebung auf dem Rüken. Der
Casuar ist sonst dem vorigen ähnlich. Hat auf
dem Kopf eine Art von Cörperlichter Haut.
Hat statt der «P»Fe«r»dern Haare und an den Füßen
Huffe. Schlinget Eisen und selbst glüende Kohlen
herunter, verdaut aber das erstere nicht.
Der Pinguin hat auch solche unbrauchbahre Flü-
gel, s. vorher das 3te HauptStück. §_3 unter
dem Articul von Fischerey.

/2 Der Condar. Ist das größte unter allen Thieren.
In America ist er selten anzutreffen. Ist von
dem Ende des einen Flügels biß zum andern ge-
meßen, 16 Fuß breit, kann einem Ochsen
das Gedärme aus dem Leibe reißen, hat aber
Füße wie Hühnerklauen. Trägt WildPrett«en»
in sein Nest auch öfters Kinder. Vermehret sich

/|P_239

/nicht sehr; denn er leget nur 2 Eyer. Ist sehr
selten. Die Inndianer bestehlen sein Nest. Der
Lämmer_Geyer ist auch in der Schweitz so groß, daß
er Schafe forträgt.

/3) Der Colibri, Sumvogel oder Blumhaker. Ein a-
mericanischer Vogel hat die schönsten Federn,
die fast alle mögliche «Federn» Farben spielen.
Ist der kleinste Vogel.Seine Eyer sind so groß
wie eine kleine Erbse. Hat einen spitzigen Schna-
bel, womit er die Blume ritzt und den Safft aus-
säuget. Es ist in Westindien eine Art von Spin-
nen, die ein Gespinste macht, welches viel
dicker und @särker@ ist alß der unsrige, in demsel-
ben fängt sich der Colibri alß eine Müke. Er ist ein
großer Feind der Adler, er schleicht sich unter seine
Flügel und sticht ihm seinen Sch<n>abel in eine weiche
Stelle, wodurch er aus der Lufft herunterfällt.

/4) Der ParadiesVogel. Ist nur wegen des Vorurtheils
zu merken, welches man gehabt hat, alß wenn
er keine Füße hätte, sie werden ihm aber, um
ihn desto beßer zu behalten, abgeschnitten. Er be-
findet sich auf der Insul Iaca.

/5) Goldene Hühner. Sind wegen ihrer goldfärbigen
Federn und andern schönen Schattirungen für
die zierlichsten in der Welt zu halten.

/6) Der Goldfisch. Ist roth, hat einen goldenen Schwantz.
Das Weibchen einen Silbernen.

/7) Der Flamingo ist sehr schön. Ein Vogel der häßlich
ist, ist halbkahl. Ein anderer ist der Prediger,

/|P_240

/der sich kahl Bäume setzt und entsetzlich schreyt.

/Der Pelican, hat einen so großen Leib, wie ein
Schaaf, kleinen Kopf, 1_1/2 %Fuß langen Schnabel und
am Kopfe einen Sak, darinnen ein Eymer voll Waßer
gehet, worinnen er Meilen <weit> Waßer herhohlet und
seine Iungen mit Fischen futtert. Die Tygers
sollen sie um dieses frischen Waßers willen
öffters zerreißen. Daß derselbe seine Iunge mit
Blut futtern soll, gehöret mit der Fabel von
Phoenix in eine Classe.

/ ≥ §_2.
/Einige Merkwürdigkeiten des VogelGeschlechts. ≤

/Die in der heißen Zonae sind schöner und bunt-
färbiger aber vom schlechteren Gesang. Einige
hängen ihre Nester an die dürrsten Zweige
der Bäume auf, die über dem Waßer hängen,
dadurch sie vor Nachstellungen der Affen ge-
sichert sind. Der Gukuck legt sein Ey in das
Nest der GrasMüke, und bekümmert sich nicht um
seine Iungen. Einige haben Pflügel und können
nicht fliegen.

/ «§_3.»
/ ≥ Von Fischereyen. ≤

/Andere zum Iagen des vierfüßigen WildPräts,
alß vornehmlich die Falken aus Circassien. Man
lehret diese«s» auch, indem man ein Stük Fleisch
auf eines ausgestopften Wildes Kopf steket und es auf
Rädern fortziehet. Hernach gewöhnen sie sich dem
laufenden Wild die Klauen die Klauen in die
Haupt zu schlagen, mit dem Schnabel zu reißen ~

/|P_240R δZ_19

/ ≥ §_1. Not: 1.

/Man braucht einige
zum Fischen 3. %HauptStück. ~

/|P_241

/und in Verwirrung zu bringen. Andere wer-
den zum Vogelfang abgerichtet, alß die Islän-
dischen Völker und andere mehr. Der Meer-
Adler siehet die Fische im Waßer von sehr hoch und
schießt auf sie und traägt sie in die Lufft, von
Abtragung der Falcken, von der Reiherbeitze.
Diese Falcken werden einem Schildwache ste-
henden Soldaten einige Tage und Nächte durch
auf den Händen zu tragen gegeben, daß sie
nicht schlafen können; wodurch sie gantz ihre Na-
tur verändern. Bey uns bedienet man sich
der hiesigen Falcken und Rebhühner zu iagen.
Man fängt in China an der Chineischen Küsten
und bey Porto_bello wilde Gänse und Enten durch
Schwimmer, welche ihren Kopf in einen hohlen Kürbiß
steken. Sie verpflantzen ihre Früchte in dem
sie den unverdaulichen Saamen, den sie gefreßen
haben, von sich geben; daher der Mistel_Saa-
me auf die Eiche kommt und daselbst aufwächst.
Imgleichen auf @Dommen@, Linden und Haaßeln.
Einige Innseln im WeltMeere dienen den
Vögeln, Guianas vornehmlich denen, die von
Fischen leben, zur Behausung, so, daß einige
wohl etliche Zoll hoch mit ¿ VogelMist bedeket
sind, an denen Küsten von Chili, von Africa
unter den Arcaden und anderwärts. Einige
bedeuten, wenn sie weit«en» vom Lande flie-
gend angetroffen werden, Sturm ¿ als die

/|P_242

/Steinbrecher, eine Gattung MeerAdler, welche
sonst auch gewohnt sind Schildkröte von
einer Höhe auf Felsen fallen zu laßen, wodurch
Aeschilos [[Aischilos]] getödtet wurde. Man findet keine
Störche in Italien; Imgleichen nicht in Engelland,
und der östlichen Tartarey. Die Tauben_Post
ist noch jetzo in Modena und Aleppo gebräuch-
lich, wurde ehedem in den Belagerungen von Har-
lem, Ziricksee, Gertrudenberg gebraucht, %.imgleichen ist
hier zu merken des Iohnas Douse Taube in
Leiden.

/ ≥ §_3.
/Vom überWintern der Vögel. ≤

/Man bildet sich gemeiniglich ein, daß diejenige
Vögel, welche ihr Futter in unsern nordlichen
Gegenden nicht haben können auf den Winter in
wärme Länder und in weit entfernten Ge-
genden ziehen; Allein die Lehre der Sybier
und andere mehr erscheinen geschwind, wenn
einige warme Tage im FrühIahr kommen, und
verschwinden wieder bey einer brennenden
Kälte; dieses beweiset, daß sie auch im Win-
ter hier bleiben. Die Wachteln sollen auch einen
Zug über das mittelländische meer thun,
sintemahl auf der Insul Capri bey Neapol
der Bischoff daselbst, seine meisten Einkünffte
vom Zuge der Wachteln hat und bisweilen
in der mittelländische See Wachteln auf die
Schiffe niederfallen. Allein diese Vögel sind

/|P_243

/zwar StrichVögel, die ihre Oerter verän-
dern, aber nicht ZugVögel, welche in entferne-
te Länder sogar übers Meer setzzen. Ihr
Flug ist niedrig und nicht langwierig. Es wer-
den aber öfters Vögel von Winde und Nebel
in der See verschlagen. Verirren sich und kom-
men entweder um oder retten sich auf die Schif-
fe. Man hat 100 Englische Meilen von Modena
einen Sperber auf einem Schiffe gefangen,
welcher erbärmlich schwach aussah. Der Vice_König
von Teneriffa
hat den Duc_de_Lerma einen Falken
geschenkt, welcher aus Andalusien nach Teneriffa
zurükkehrete, und mit des Duc Ringe halb
todt niederfiel. Allein, was wollen schwache
Vögel gegen einen so starken RaubVogel
sagen. Die meisten Vögel verbergen sich des
Winters in der Erde und leben wie der Dachs
oder die Ameise ohne Futter. Die Schwalben
versteken sich im Waßer. Indeßen versi-
chern doch Adanson und andere, daß die Schwal-
ben in Africa sehr häufig dort ankommen,
wenn sie hier wegziehen. Die Störche, Gänse,
Enten, und andere <werden in den> abgelegenen Brüchen von
Pohlen und andern Ländern in Morästen, wo
es nicht friert, gefunden, wiewohl selten. In
Frankreich und Siberien ist kein Storch. Man
hat auch in Preußen des Winters einen Storch aus
der OstSee gezogen, der in der Stube wieder le- 

/|P_244

/bendig ward. vide Klein.

/ ≥ Der Physischen Geographie. Zweyter
Theil. Zweyter Abschnitt. Das Pflan-
zenreich. Erstes Hauptstück von den
merkwürdigsten Bäumen.

/ §_1.
/Einleitung.

/Die Bäume sind in der heißen Zone von
schwererem Holtze, höher und von kräfftigen
Safte. Die Nördlichen sind lokerer, niedriger
und ohnmächtiger. Die hartzigten Bäume sind
die letzten in Norden, denn kommen elende
Gesträuche. In der Breite von 57 biß 80 %Grad,
wächst kein Gras, und in Grönland ist er ein
wichtiger Artikel des Handels. Im Zuckerrohr
ist die größte Menge vegetabilischer Saltze.
Von allen vegetabilischen Feuchtigkeiten kann Eßig
werden, so wie aus allen heißen Gewächsen
Zucker. kann gezogen werden; Sauer und alkalc-
anisches, giebt das Bittere. Die Aromatischen
Bäume sind nur in den heißen Zonen; Obgleich
auch in den temperirten Zonen schon welche z:E:
der Saffran anzutreffen sind. Das Gifft ist
auch penetranter. In america ist eines von der
Art, daß wenn auch nur mit einer NadelSpize
etwas worauf geleget wurde es in einer
Minute tödlich ist. Die temperirten Zonen haben

/|P_245

/vorzüglichsten Getreyde_Arten. Die erste
Art der Ernährung scheint die, durch Gewächse
gewesen zu seyn und zwar Baum_Gewächse.
Die Kleidung scheinet auch eben daher gewesen
zu seyn Z:E: In den Neuentdeckten Insuln
sind die Einwohner in Bast gekleidet, das Vieh
aber und die Menschen, sind in den heißen Ge-
genden viel «heißer» leichter nach Proportion
des äußerlichen Ansehens, alß in der temperir-
ten Zone.

/ ≥ §_2.
/Bäume die den Menschen Brodt liefern. ≤

/In vielen Theilen von Inndien, imgleichen in
den latronischen Insuln wächst ein Baum der
große Ballen einer mehlichten Frucht trägt,
welche alß Brodt gebraucht werden können und die
BrodsFrucht heißet. Der Sagobaum, der auf den
Moluccischen Inseln und Ianna wächst, sieht aus
wie ein PalmBaum. Er hat ein nahrhafftes
Mark, dieses wird mit Waßer gestoßen,
das Gelatinum ausgepreßet, filtrirt. Das
schleunigte sinkt zu Grunde und machet
daraus ziemlich schlechtes Brodt, aber beßere Grützze.
Ist mit Mandelmilch zu eßen, guth wieder
die rothe Ruhr. Soya wird aus faulen Fischen
praeparirt und zu Ragouts gebraucht.

/ ≥ §_3.
/Sehr nutzbahre Bäume von der Palmen_Art. ≤

/|P_246

/Die Palmbäume sind von unterschiedener Art.
Sie haben alle dieses gemein, daß sie keine Ae-
ste haben, die man eigentlich so nennen könnte,
sondern sehr große Blätter, die auf dem kamm
wachsen, der gleichsahm mit einem schuppigten
Pantzer bezogen ist. Aus einer Gattung der-
selben wird der Saft, gleich dem BirkenWaßer
herausgezogen, der, wenn er gegohren hat,
den Palmwein giebt. Er ist von den {2- «fahnen» Palmen -2}¥
sekt auf der Insul de_la_Palma zu unter-
scheiden. Der Dattel Drachen und Cocos_Baum
sind Arten vom PalmBaum. Der Cocos-Baum
ist der nützlichste. Seine Blätter dienen, wie
die von den andern Palmen zur Bedekung
der Häuser, die Rinde der Nuß zu strikken.
Die Nuß selbst zugefäßen und die darinn
enthaltene Milch ist ein angenehmes Getrank.
In den Blättern ist eine Art zwirn die ge-
braucht wird. Die Maldivische Nuß ist unten
getheilet und köstlicher alß die übrige.

/ ≥ §_4.
/Der TalgBaum in China

/Er trägt eine Hülsen_Frucht mit drey Nußarti-
gen Körner, wie eine Erbßen groß mit einer
Talgrinde umbgeben, und die selbst viel Oel
haben. Man zerstößt die Nüsgen, kocht sie
und schöpft den Talg ab, wozu man Leinoel
und Wachs thut, und schöne Lichte davon ziehet

/|P_247

/wächst in China.

/ ≥ §_5.
/Der Wachsbaum.

/An die Blätter dieses Baums hängen sich
kleine Würmchen, nicht größer alß die Fliege. Sie
machen Zellen, aber viel kleiner alß diejenige der
Bienen. Der Wachs ist härter, gläntzender und theu-
rer alß Bienen_Wachs. Man sammlet ihre Eyer und
setzzet sie auf andere. Ist in China befindlich.

/ ≥ §_6.
/Der SeifBaum

/Wächst in Mexico, hat die Schaale von einer ge-
wißen NußFrucht, einen Saft, der gut zu schänken
und schön zum Waßer ist.

/ ≥ §_7.
/Ein Baum der Waßer zu trinken giebt. ≤

/Dieser ist der wunderbahre auf der Insul Ferro.
Er soll immer mit einer Wolke bedekt seyn und
von seinen Blättern Waßer tropfen, das in Cister-
nen gesammlet wird und da sonst kein Wasser ist
vor Menschen und Vieh liefert. Sein Stamm
soll 2 faden dick und 40 %Fuß hoch um die Aeste
aber soll er 120 %Fuß im Umfange haben. Allein, in
der allgemeinen Historie der Reisen, wird
von einem AugenZeuge [[Ludwig Jackson]] angeführet, er habe
nur die, die des Nachts Waßer gegeben, gesehen,
und zwar in der Nacht 20.000 Tonnen, die
meisten reisende und unter ihnen la_Maine [[Le_Maire]]
versichern, es wären viel solche Bäume in
einem Thal beysammen, dieses Thal wäre

/|P_248

/von großen Wäldern umbgeben, und die
umliegende Berge werfen ihren Schatten hinein,
dadurch die Dünste auf diese Art verdiket wer-
den und eine treuflende Wolke machen; denn
in der St_Thomas_Insul sind auch solche Bäume,
die aber nur des Mittag Waßer geben. Hieher
gehöret nach der WunderBaum auf der Insul
Ceilon, welcher in den Gefäßen, die an den
Blättern befindlich sind und Deckel haben,
Waßer enthält, welches, wenn die Blätter welk
werden und herabsinken und der Deckel sich also
aufgemachet wird, ausgegoßen wird, und also
der Baum sich befeuchtet. Das Waßer ist klöar
und kalt, auch gut zu trinken.

/ ≥ §_8.
/Die Baumwollene Bäume

/Tragen eine Frucht wie Apffel, die inwendig in
Zellen eingetheilt ist, in denen die Wolle wie
auch der Saame stekt. Die Zibo_Wolle <wächst> in America
und ist eine fast Seidenartige feine Wolle eines
andern Baums; die allen, fast nicht kann verarbei-
tet werden.

/ ≥ §_9.
/Der FirnißBaum. ≤

/In China und den Molucken. Er giebt das Lak
eben so wie die Birken das BirkenSafft. Man
steket eine MuschelSchneke in seine geritzte Haut
und setzzet ein Gefäß darunter, darinnen er sich
sammlet. Er wird auch auf dem Holtz fester

/|P_249

/alß das Holtz selbst. Denn wird noch ein be-
sonderer Oehl_Firniß darüber gezogen. Der Safft
des FirnißBaums ist Gifft.

/ ≥ §_10.
/Eisen_Holtz

/Ein Holtz in Indien, ist so hart daß man Anker
und Schwerdter daraus machet. Eben-Holtz findet
man auf Borbon in America.

/ ≥ §_11.
/Wohlriechend Holtz. ≤

/Von den Sandelbäumen ist das gelbe Sandel_Holtz, das-
jenige, was in Indien, am meisten zum Räucherwerk
gesuchet wird. Es wird auch zu Brey gestoßen, und
von den Inndianern der Leib damit zur Kühlung
beschmieret.

/ ≥ §_12.
/Farbe_Holtzer. ≤

/Fernambuc oder Brasilien_Holtz, deßen Kern zum
Rothfärben gebraucht wird. Campeche_Holtz, deßen
innwendiger «Holtz» Kern färbet blau. Wächst
auf der Innsul Iukatan.

/ ≥ §_13.
/Balsam_Bäume

/Der Balsam von Mecca ist der köstlichste, aber
jetzt nicht mehr zu haben. Wird in Arabien
aus dem Balsam_Baum gezapft. Wenn er frisch
ist, so machet sein Geruch Nasen_Bluten. Es wird damit
dem Groß_Sultan nur alle Iahr ein Praesent ge-
macht, ist heutiges Tages eine groß Seltenheit;
denn die Mahomedaner @Printzen@ versorgen

/|P_250

/ihr«e» Haus damit. Wenn man einen Tropfen
Balsam von aus Mecca auf ein Glaß Waßer
fallen läßt; so muß es sich über die gantze Fläche
ausbreiten und hernach kann man es an einem
PferdHaar aufrollen; so, daß kein Auge übrig
bleibet. Das was in der Officin angetroffen wird,
ist von den Blättern und zweigen distiliret.

/Hasselquist war so glücklich etwas von dem meca-
nischen Balsam zu bekommen. Balsam aus Toln
kommt von mexico und jenem am nächsten ist
weiß oder GoldGelb. Mineral_Balsahm quillt aus den
Felsen und ist ein WundMittel z:E: wenn man
einem Huhn den Fuß zerbricht und es damit be-
schmieret; so muß es innerhalb 3 Stunden schon
darauf tretten können.

/ ≥ Gummi_Bäume. ≤

/Aus dem Dego oder Drachen_Baum und deßen
Einritzung quillt das Drachen_Blut, das roth ist,
wird in vielen Gegenden von Inndien gefunden
Gummi dragant ist hingegen ein weißes wie
Würmchen gewundenes Gumi und wird bey dem
Senegal gefunden. Gummi gattae quilt aus dem
Baum, wie aus einem Pomerantzen_Baum.

/Gumi Arabicum, fließt aus einer egyptischen
oder Arabischen Annoxia oder Schleedorn, kommet
aus Nubien und Abyssinien. Das Gumi von Songo,
Senegal, komt sehr mit dem vorigen überein,
hat eine kühlende Krafft; wird von den Menschen

/|P_251

/wie Zukerkand gesogen. Wird bey seidenen
Zeugen gebraucht, um sie glänzend zu machen. Gumi
Copal schwitzt aus den geritzten Copal_Bäumen in
Mexico gehört eigentlich zum MineralReich: @Ist@ Me-
sina, Resina wird durch %Spiritus vini und Ohel auf-
gelöset. Gumi durch Waßer. Findet man Resina
in der Erde, so ist es Bitumen.

/ ≥ §_15
/Hartz_Bäume. ≤

/Der KampferBaum in Borneo giebt durch Aus-
ritzen den Kampffer, der auf untergelegte Tücher
gelegt wird. In Iapan wird er aus dem Säge-
Staub des Kampfers destilliret ist aber schlechter,
kann auch aus der Wurtzel des Kanehl_Baums abge-
zogen werden. Benzoia oder assa dulcis fließet
aus einem geritzten Baum in Ceilon, Siam pp und
ist sehr wohlriechend. Manna dringt in Calabrien
aus den Blättern und geritzten Stämmen des Eich-
Baums hervor. Der beste Terpentin komt aus Cala-
brien und Cerfenbäumen in Chiolapit, ist hell
und Citronen_gelb. Der gemeine wird aus «Eich»
Fichten und Tannen_Holtz gemacht.

/ ≥ Medicinialische Bäume. ≤

/Die Cascarilla_de_loja oder quinquinas nach der
Gemahlin eines <gewißen> Spanischen Herrn so benannt, Fie-
ber_Rinde und «ist» ist die Rinde «d» eines Baums bey
Noxa am Amazonen_Strom und anderwärts in
Südamerica. Ist ein Specificum wieder das Fieber

/|P_252

/und muß von der China_Wurtzel (Rinde) unter-
schieden werden. Das Sasafras. Ist die Wurtzel
eines Baums in Florida. Das Guajax wird in
Venerischen Krankheiten gebraucht. Man kann die
Balsahm und Gummi_Bäume zum Theil zu Medi-
cinischen Kräutern rechnen.

/ ≥ §_17.
/Einige Bäume von angenehmen Früchten.

/Bennokar oder Plantanen_Baum trägt Früchte wie
Gurken, die aus dem Stam wachsen, in einem
Klumpen wohl 40 bis 50. Der KalaBaum in A-
frica und in Ostindien, trägt eine Castanien_arti-
ge bittere Frucht, die sehr hoch geschätzzet wird. Sie
ist etwas bitter, macht aber wenn sie gekörnt wird,
alles Getränke sehr angenehm. Vor 50 solche
Nüße, kann man in Siona_Leona, ein schön
Mädchen kauffen, und 10 sind schon ein Geschenk
vor große Herren. Cacao_Baum. ist 18-20 %Fuß hoch,
und wächst in 4-5 Stämen. Die Frucht gleicht
einer Melone, die an dem Stamm %und an den Aesten
hänget. In ihren Fächern sind viel gleichsahm,
den Mandeln ähnliche Nüße. Der Cacoa ist constringirt
%und kalter Natur. Die Inndianer auf Hispaniola
gebrauchen ihn zerstoßen im Waßer zum Ge-
tränke. Pistazien, PisterNüße sind Nußfrüchte
in Zucker gelegt. Die junge Frucht aber in
Eßig gehalten wird in Persien alß ein Bey-
satz zu speisen gebraucht. Datteln sind den

/|P_253

/Mandeln ähnliche Früchte, eine«s»r Art Palmen-
Bäume, die in größern Puschen alß Trauben
am Stamme wachsen. Das vom bloßen Waßer
zugerichtete Waßer ist ziemlich unangenehm
und erkältend; dahero auch ein gewißer
Spanier
, der es zum ersten mahl trank; sagte:
Es wäre beßer für Ochse «¿¿» {2- <als> -2} Menschen.
Man thut aber in Spanien Zucker, Pfer, Vanille,
Mussons %und Ambra hinzu, wodurch man ihn hiz-
ziger und wohlschmekender macht. Der Caffee¥
Baum in Arabien, der levantische in America,
der Surinamische, Martiniquische pp in Ostindien,
der Iavonische ist ein Baum der einem Kirsch-
Baum, sowohl an großen Blättern, alß an
dem Ansehen der Früchte ähnlich ist. Die
getroknete Früchte werden gerolt, da
der einer Bohne ähnliche Kern, sich in
zwo «Th» Hälften theilet. Der Levantische Caffee
ist selbst in Arabien theurer, alß der Martini-
anische und die Iuden führen vieles von dem
letztern nach der Türkey. Der Caffee ist
nicht über 300 Iahr im Gebrauch, selbst in
Arabien das Land Yemen ist das Vater-
land, Macea ist der Ort, wo der ausge-
führet wird. Der BürgerMeister @Wiesen@ [[Witson]]
ist der erste gewesen, der einen Caffee¥
Baum nach Ianua gebracht. Der Januanische

/|P_254

/ist schön und der Martiginische ist schlechter.
Sultanischer Caffee ist schleimicht Geträn-
ke und wird von den Hülsen bereitet.

/ ≥ §_18. ≤

/Der Nägelein_Baum ist wie ein Birnbaum
das @Neogelein@ ist seine Frucht. Der MuskatenBaum
ist einem Apfelbaume. Diejenige Nüße, die von
einem Vogel, die von einem Vogel, den man
Nußeßer nennet herunter geschlucket werden, und
wieder «ge» von ihm gegangen sind, werden höher
gehalten alß die andern. Beyde Bäume sind nur
auf der Insul Ambona und Banda anzutreffen.
Auf den übrigen Moluccen, werden sie ausgerot-
tet, noch heißet es, alß wenn die Franzosen
viele Pflanzen durch unterschleife nach Bour-
bon gepflanzet hätten. Carahl oder Zimet_Bäume
auf der Insel Ceilon. Die Rinde von den Iungen
Bäumen wird abgeschält, und giebt den Canehel.
Die Frucht hat nicht soviel wohlriechendes Ohel,
aber viel Fettigkeit. Wenige Tropffen, deren
einer 6 %Groschen kostet, auf die Zunge getreufelt,
bringen den Krebs zuwege. Von diesen drey
angeführten vornehmsten GewürtzArten
haben die Holländer den Besitz.

/ ≥ §_19
/Andere Merkwürdigkeiten der Bäume. ≤

/In der östlichen Tartarey nehmlich der Muga-
lischen und kalmukischen, sind fast gar keine

/|P_255

/Bäume anzutreffen, sondern bloß elende
Sträuche, daher auch diese Tartarey mehrent-
theils in Zetten wohnet. Der Mangelbaum
von den Holländer Magelar genannt, wächst
aus der Wurtzel in die Höhe, alsdenn beugt er
sich krum, wächst wieder in die Erde, faßet
«¿¿¿»daselbst Wurtzel und wächst wieder in die Höhe.

/Der Bainanen_Baum läßt von seinen Aesten gleich-
sahm Neige oder Zähe Zweige herab sinken, die
wieder in die Erde Wurzel faßen und wodurch
eine gantze Gegend öfters, so bewächst, daß man
nicht durchkommen kann. Wenn er am Waßer
wächst, breitet er sich bis ins Wasser. Da sich
denn die Aeste an ihm hängen. Man findet
in ihren Schaalen, Pagoden oder Götzen_Tempel.
Der Mancenillen_Baum ist sehr gifftig, wächst
in Ost- und Westinndien, trägt Aepfel. Ein Pfeil-
Spizze mit diesem Gifft bestrichen ist tödtlich.
Beiuken. In America, eine Sorte HollStriken auch
lianen. Eine Sorte die breite Ringe hat, heißt
Vorana. Der aus gepreßte und dick gebrachte Safft,
thut in einer ofenen Wunde schnelle und er-
staunliche Würkungen. Die Inndianer gebrau-
chen es auf der Jagd. Baobal im Lande Senegal
ist ungefehr 12 -15 %Fuß im Stamm hoch und eben so
im Durchschnitt, er ist wohl 75 %Fuß im Diameter
der Aeste. Von ferne siehet er wie eine
grüne Halbkugel aus. Sie tragen Calabaschen
oder Flaschen_Kürbis. Es giebt eine Art

/|P_256

/eine Art Holtz oder Buschwerk, daß an einigen
Orten Italiens wächset, und nach Hei¿¿¿ns [[Keyßler]] und Viten-
vis
[[Vitruv]] Bericht weder zum Brennen noch zum Schmeltzen,
selbst im Foco des Brennspiegels, kann gebracht wer-
den. Es hat das Ansehen eines Eichen_Holtzes, doch
etwas weicher, siehet röhtlich aus, leicht sich leicht
schneiden und brechen, sinket im Waßer. In Känen
findet man weder Sand noch etwas Miralisches.
Vitenvius [[Vitruv]] nennet ihn Lariae. Man hat auch ihn
auch bey Sevilla in Andalusien gefunden, ist von
Asbest unterschieden. Ein Baum auf Hispaniola
ist so gifftig, daß in seinem Schatten zu schlafen %tödtlich
ist. Die Aepfel die er trägt sind ein star-
kes Gifft und die Canaiben und Indianer benez-
zen ihre Pfeile damit: Die Colobasch_Bäume
in Africa und Indien, tragen eine Frucht, die
wie eine Bologneser Flasche aussieht, und von
einander geschnitten, gute KochLöffel, und nach
Wegnehmung des Halses gute Geschirre abgiebt.
Die arac_Nuß wächst Traubenfärbig, wie die Pista-
pien oder Datteln und wird zu der Batel, wel-
che die Inndianer beständig käuen, gebraucht.

/Krähen_Augen oder Nuces vomicae sind auf
der Insul Ceilon in einer Pomerantzen «Er»
ähnlichen Frucht liegen, tödten alles was blind-
gebohren ist. Aus Berlein der Eichelnißpal,
wird der Vogel_Leim zubereitet.

/ ≥ 2. Andere Gewächse %und Pflanzen.

/ §_1. Der Thee.

/Die Blätter des TheeStrauchs in China, die

/|P_257

/{2- im Anfange des Frühlings abgebrochen
werden, geben den Kaiserthee. Die 2te
und 3te Sorte sind nacheinander schlechter. -2}
Man läßt die erste Sorte an der Sonne troknen
und rolt sie mit Händen, die zweyte läßt man auf
Platten über kochende Waßer erwärmen, bis sie sich
zusammen ziehen. Die dritte über KohleFeuer. Der be-
ste Thee komt in den nördlichen Prowintzen zum
Vorschein, daher ihn die Rußen am besten bringen.
Die Iapäneser pulwern ihren Thee ehe sie ihn
trinken.

/ ≥ §_2.
/Kriechende Gewürtz_pflanzen. ≤

/Der «Per» <Pfeffer> steigt alß eine physische Plantzen an Stangen
oder Bäumen, bis 18 %Fuß in die Höhe. Er wächst wie Iohanis-
Beeren, ist in der Insul Sumatra und andern Ostindi-
schen Insuln vornehmlich anzutreffen. Der lange Pfeffer
wächst auf einem Strauche %und ist theurer. Der weiße
ist nicht natürlich, sondern im Meer_Waßer gebeugt
%und an der Sonne getroknet. Calaben, gleichfals auf Iava
und den Moluccen, die Frucht wächset in Trauben.
Cordomom hat eine Staude, wie Rohr, das Gewürtz
wächst in Aehren. Betel. Ist das Blut von einem
kriechenden Gewächse, welches mit King oder
der Arac_Nuß und ungelöschten Kalck, von allen
Inndianer beständig gekauet wird. Es hat dieses
Lekerbißchen einen zusammen ziehenden Geschmak,
färbet den Speichel roth und die Zähne schwartz-
braun. In Peru brauchet man dieses Blatt mit

/|P_258

/etwas Erde zum @kalcken@. Vanille ist gleichsahm eine
kriechende Pflanze, wie die vorigen. Die Wilden
in Mexico halte seinen Bau geheim, er wächst
auf unersteiglichen Bergen. Er braucht nicht in die
Erde gepflanzet, sondern nur an einen Baum gebunden
zu werden, aus dem er Safft ziehet und denn auch Wur-
zel in der Erde treibt. Die Vanillen_Sorte ist voll
eines balsamisches und diken Saffts, worin kleine Kern-
chen steken. Ist ein vortreffliches Ingredienz der
chocolade.

/ ≥ §_3. Rohr. ≤

/Das Bambus_Rohr ist vorzüglich merkwürdig,
welches eines der nützlichsten Gewächse «ist» Inn-
diens ist. Es wächst so hoch wie die höchsten Bäume
hat wenn es jung ist eßbaren Kern. Wird unge-
spalten zu Pfosten, gespalten zu dielen p gebraucht.
Die «kleid» Haut die es inwendig umkleidet braucht man
zu Papier. In Peru ist eine Art Bambus, die 1_1/2 %Fuß
im Diameter und 1_1/2 %Zoll in der Dike der Rinde hat. Es ist
im VollMonde voll Waßer, im NeuMonde aber
wenig oder nichts darinn. Zukerrohr ist in beyden Inndi-
en und in Africa an zutreffen. Aus dem Schaum
des kochenden Zukers, wird Muscavedo gemacht. Er wird
mit OchsenBlut oder Eyerweis gereiniget.

/ ≥ §_4. Anans. ≤

/Diese schöne americanische Frucht wächst ungefehr
auf einem Stamm, wie die Artischoken. Hat die Figur
eines TantzApfels und die Größe einer Melone. Der
Geruch derselben ist vortreflich, und der Geschmak nach
allerley Gewürtzen.

/|P_259

/ ≥ §_5 Wurtzeln. ≤

/Rabarbara kommt aus China und der dazu gehö-
rigen Tartarey. China_Wurtzel ist öfnendes
und Blut reinigendes Mittel. Man bringt sie auch
einige mahle nach Europa. Die Wurtzel Ginsing ist
das in China am höchsten geschäzzte Medicament
zu deßen Aussuchung, sich sehr viel 100 Tartarn
in der Chinesischen Tartarey die Mühe geben;
Es sol«che»l solche die graue Haare in schwartze ver-
ändern. Man schneidet kleine Stükchen und gießes
kochendes Waßer darauf. Es begeistert den Menschen
mit neuem Leben und in gar zu starken Dosen «geg»
genommen, bringt hitzzige Krankheiten oder wohl
Raserey zuwege. Eine gewiße Art Ziegen
soll das Kraut derselben lieben, und ihr Blut wird
vor sehr gesund gehalten. Ingwer ist an
den Malabarischen Küsten «zu» am besten.

/ ≥ §_6. Andere Merkwürdig-
keiten der Pflanzen. ≤

/Die Pflanze Hiltot oder Hingisch in Persien,
giebt die assam foetidam, oder den TeufelsDrek.
Man schneidet ein Scheibchen von der Wurzel ab
und nimmt den ausgeschwitzten Safft weg, und so alle
Tage ferner ein Scheibchen. Man braucht ihn in vie-
len Theilen Inndiens in den Speisen, das Brodt muß
gar darnach schmeken %und alles Waßer darnach riechen
es ist ihr angenehmster Geruch. Das Opium wird
von einer gewißen Art Mohn gewonnen, deren
Köpffe ins Kreuz eingeritzzet werden; woraus denn

/|P_260

/dieser dike Safft heraus quillet. Die Arbeiter
werden bey dieser Arbeit schwindlicht. Würkungen des
Opici. Ein Clustier, darein 6 Unzen rothes Opium ge-
than worden, vertreibt die rothe Ruhr. Bang ist
eine Art des Hanfs deßen Blätter ausgepreßt und
der Safft deßelben von den Inndianern gebraucht wer-
den statt des Opii. Nota. Die kleine Biene von
Cartagena in america, darvon wird etwas «g» we-
niges <des Morgens> genoßen und eine lange Zeit darnach nichts
genoßen, alsdenn schaden den ganzen Tag kein Gifft.
Empfindliche Pflantzen, Herba, Planta, sensitiva, läßt,
wenn sie berühret wird, ihre Zweige und Blätter fal-
len, alß wenn sie Empfindungen hätte. Die Begainen
sind hölzerne Stricke, welche auf einer Art Winde in
America wachsen und welche die Inndianer, so,
wie wir unsere HandStröken brauchen. Die Weine
verändern sich sehr, wenn sie in andere Länder ge-
bracht werden. Der Canorien_sekt hat seinen Ursprung
von Rheinwein und Vin_de_cap. Modena_Wein ist
von Candia herge«s»pflantzt worden. In der Zona
torrida sind gar keine Weine. Man macht starke Ge-
träncke aus Reiß. Der Reiß bedarf einer großen
Näße, wenn er gerathen soll, und eine lange
Ueberschwemmung der Felder. Maitz oder Türki-
scher Weitze, wächst wie Rohr, wohl 10 %Fuß hoch. Aus
den Farben_Blättern ist der @Arail@ merkwürdig,
aus deßen geritzten Blättern, der Indigo gepre-
ßet wird. Wächset auf der Malabarischen Küste.

/Die Pietna fungifera ist eine Maße wie ein Stein

/|P_261

/in Neapolis. Eigentlich aber eine aus verwikel-
ten gefärbten Wurtzel und Erde bestehende Maße,
worinn Pfefer_Saame ist. Dieser ist ungemein subtil
und doch sehr häufig darinn. Man kann hiedurch Pfeffer
haben, wenn man will. Man darf nur warm Waßer
darauf gießen, dann werden die Morchlen in 6 Tage
reif und auch ziemlich groß. Zuletzt gedenken wir noch
der Fabel @wo@ der Palmgenesio der Pflantzen, woran
Kirchnes [[Kircher]] erwähnet hat. Denn zu der Zeit da die
Chimi anfing zu blühen und man allerley curiosa
%experimenta Chimica machte, kam diese Meynung auf
Den Anlaß zu diesen Gedichten, hat die, die Vegitatione
nachahmende Concretion und Constallisation der Saltze
gegeben. Da«¿»s Champagner und Bourgogne aufge-
lösetes Sal ammoniacum stelt Wein_Trauben vor.
Es thut aber dieses auch im Waßer. Der Arbor
Dianae wird gemacht, wenn Mercurius in Scheid-
Waßer, und Silber auch besonders in Scheide_Waßer auf-
gelöset wird; darauf diese Solutiones vermenget
und bis auf ein drittel vom glüenden Feuer ein-
getroknet werden. Da sie einen Baum mit Stamm-
Aste und Zweigen vorstellen. Der Ptoramez oder
Scytische Baum ist ein schwammichtes Gewächs um
Astracan, wovon Keis«¿¿»ter [[Keyßler]], der es in Dresden gese-
hen hat, sagt: Es nehme alle Figure an, weil es nun
die Gestalt eines Baumes gedrükt worden, haben
ungelehrte geglaubet, es wachse wie ein Baum.
Es ist also falsch, daß er das Gras um sich her abfreße,
und daß die Wölfe ihm nachstelten.

/δSchnörkel

/|P_262

/ ≥ Der Physischen Geographie. Zweyter Theil.
/ Dritter Abschnitt.
/Das mineral-Reich. 1 HauptStük.
/Von den Metallen

/ §_1
/Eigentliche Metalle.

/1) Gold wird in Peru und andern Theilen von America
häufig, oder aus der Erde, welche von Grußbäche, die aus den
Gebürgen herabstürtzen, eingefreßen, werden gewaschen.
Man findet es in allen Theilen der Welt. Viele Flüße,
vornehmlich die in Guinea, geben nach starken ReeGießen,
GoldStaub, denn der Regen wäschet den GoldStaub durch
sein Durchseigern aus den Gebürgen und führet sie nebst
dem übrigen Schlamm in die Flüße, daß in Madagas-
car ist wegen seiner Zähigkeit und Leichtflüßigkeit
berühmt. Wenn man es mit QuekSilber, aus dem
San«¿»de damit es vermischt worden, gewaschen hat; so
sondert man es ab, indem man das Anlagama durch
Ochsen_Leder drücket. Die Platina del_Pinto in Brasi-
lien ist ein weißes, aber sehr schwerflüßiges Gold, und
noch sehr unbekandt. Die goldenen Kernlein in den
WeinTrauben, die man in Ungern gefunden zu ha-
ben vorgiebt, sind kerne mit einem Goldgelben
Saffte durchzogen; Imgleichen das in Wien gezeigte
an einem WeinReben gewachse«h»nes Gold. Ungarn
ist reich an Silber und Gold-Bergwerken * von Potosi
oder am de_la_Plata in Südamerica am häufigsten
anzutreffen. Man findet daselbst Klumpen SilberAerzt
ohne Saalbänder, alß wenn sie ausgeschmoltzen wären.
Man findet hier auch Gebeine von Inndianern, die
vor vielen Iahren verstorben und darauf mit Silber ~

/|P_262R δZ_26

/* In Chemnitz ist das beste Gold.

/2) Silber ist an vie-
len Orten der Welt.
und in den Bergwer-
ken ~

/|P_263

/durchwachsen «ist» sind. In Asien ist fast kein Silber
daher ein großer Gewinst in China bey Umsetzung
des Silbers gegen Gold; denn da sich hier verhält Gold
Silber = 14 : 1 so verhält sich dort = @11@ : 1. Mark @bruta@ be-
deutet: wie viel eine Müntze von diesem Zusatz Kup-
fer zusammen wieget (Neeto) Was das Silber allein
beträgt. Acht %Spanische Thaler machen eine Mark aus, das
Gold hält Silber sich, aber umgekehrt, Silber enthält Kup-
fer pp 3) Kupfer entweder aus Ertz oder aus Cement_Waßer.
Das @Falunsche@ KupferGewerk, ist eines der berühmte-
sten. In Iapan ist ungemein <viel> Kupfer und das beste.
Es wird in Stangen, wie Lack zugerichtet. Die Cement¥
Waß und Kupfer, in Vitriolischen Waßer aufgelöset.
Cement ist beßer, alß das gediegene = oder Kupfer-Ertz.
Die Bergwerke der Rußen bey Catharinenburg über-
treffen d«as»en Falunschen. Meßing wird aus Kupffer mit
Gallemy vermischt, gemacht. 4 Zinn. In Engelland und
Malacca sind die besten Sorten. Tutenug in China %und
den anliegenden Gegenden, ist eine Art weißes
Zinnes oder weißen Kupfers, welches aber mit Gallemy
versetzet und dadurch ziehbarer wird. Man macht
davon den Teutonac_Dosen. Alles Zin ist versetzt.
Man glaubt die Engellander setzen Kupfer oder
Wismuth zum Zinn, doch weiß man nicht recht. 5) Ei-
sen ist allenthalben. Nur ist ein EisenStein, reichhaltiger
alß der andere. Eisen_Ertz wird nicht eher vom Magnet
angezogen, biß es durch die Hitze des Feuers gegangen.
Man findet Eisen in allen Pflantzen, Holtze, ja so gar
im menschlichem Blute, Fleischen und Knochen findet
man Eisen Theilchens. Die in Peru wusten vor der
Ankunft der Spanier nichts von Eisen, und machten ihre

/|P_264

/Beile, Meißel, und so %.weiter von Kupfer. In Africa am
Senegal und am Guinea ist der meiste Handel der Europaeer
mit Eisen_Stangen und der Wehrt eines Negers wird
nach Eisen_Stangen berechnet. Stahl wird eigentlich nicht
gefunden, ogleich das feinste Eisen das beste Stahl giebt.
Bley wird in vielen Gegenden angetroffen. Das ru-
sische ist sehr hart; denn es hält sehr viel Silber in sich.

/ ≥ §_2. ≤

/1) Queksilber. In den Bergwerken von Irtrien und
Friaul ist es am häufigsten, und wird zu weilen gantz
rein geschöpft und denn heißt es Jungfern_Queksilber.
Am häufigsten stekt es ins Zinsber. Bergleute in Istri-
en bekommen ein starkes Zittern und großen Durst. Wenn
sie ins Bad gebracht werden; so schlagen aus ihren Cörpern
Küngelchens QuekSilber aus. Die Ratzen und Mäuse
bekommen hier Convulsiones und sterben. Einige Arbei-
ter sind dadurch so durchdrungen, daß eine kupferne
Müntze in ihrem Munde weiß wird, oder wenn sie, sie
mit Fingern reiben. Es wird das Queksilber in Way-
zenkley vor Ausdünstungen bewahret.

/2) Antimonium. Oder SpiesGlaß ist schwärtzlich und wie
Bley auszusehen. Ist spröde. Flinten_Kugel daraus sind
gifftig. 3) Wismuth ist gelblich und auch sehr spröde 4)
Zink ist weißlich blau und eine Art Bley_Ertz, aber härter,
wird zu Gloken und Printzmetall gebraucht. Setzt sich @aus@
Gotzlarischen Schmelzofen, bey dem Schmelzen des Bley-
Ertzes, woselbst es häufig abgekratzt wird. 5) Gallmey
gehöret zu einer Gattung Zink, durch deßen Zusatz
zum Kupfer das Meßing gemacht wird. 6) Arseick ist halb
ein Metall halb ein Saltz; denn er löset sich im Waßer auf,
der Kobolt und Operment sind Arten von Arsenick, der
blaue @Kraftmehl@ ist von Kobold Praepaprirt.

/|P_265

/ ≥ Zweytes HauptStück.
/Von brennbahren Mineralien und andern flüßigen,
brennbahren gegrabenen Wesen.

/1) Naphta ist weiß. Ziehet die Flamme an, quillt bey
Bagdad und Parka in Persien aus der Erde. Das rechte
alimentum ignis ist unbekandt. 2) Petroleum röthlich
oder dunkelfarb. Ziehet nicht die Flamme an, und ist
in Italien anzutreffen. 3) Bergtheer ist demjenigen
sehr ähnlich, aber dicker und kleberichter. Sinkt sehr und
wird auch TeufelsDrek genannt. 4) Der Bernstein
scheint aus gehärteter Napta oder Steinohl entstan-
den zu seyn. Keisler berichtet, daß in Italien, an den
Orten, wo der Bernstein gegraben, wird auch Petro-
lium Quelle. Das MerSaltz imgleichen eine zarte Erde
mögen seine Verhärtung gerüket haben. 5) Ambra ist
erstlich flüßig gewesen und wird auch offters so aus der
See gefischet. Vornehmlich an den Chinesischen und
Iapponischen Küsten. Allein in dem Magen des
Wallfisches wird er hart gefunden. Der graue Am-
bra ist der schönste und wird mit Reißmehl vermen-
get. Ambregris wird von dem Meere ausgewor-
fen %und zuweilen im Maagen des Wallfisches ge-
funden. Wird als roborans und zum Räuchern
gebraucht. 6) Gagath ist ein «S»schwartzer Bern-
stein und läßt sich schon poliren. Schwimmt oben auf
dem Waßer, ist in Kornvallis in Engelland anzu-
treffen. 7) Erd oder Iüden δLücke Asphalt scheint ein
verhärtetes Erdtheer zu seyn ist im MeerWa-
ßer vornehmlich im todten Meer aufgelöset 8) Stein-
Kohlen, werden fälschlich für Holtz das durch Petrolium «ge»

/|P_266

/durchdrungen gehalten; Obgleich dieses hin und wieder
anzutreffen «sind» ist. Es sind vielmehr schiefer die mit
Steinöhl oder Erde p durchdrungen sind. Newcastle in Engel-
land sie sie an häufigsten; imgleichen fast an allen Orten.
Der Gagath ist von ihnen nur darinn unterschieden, daß
er anstatt einer steinigten Substanz, eine steingte Er-
de zur Basi hat. 9) Der Schwefel ist eine Vermischung
von 14 Theilen von vitriolischer Säure einem
Theile brennbares Wesens. Wird am meisten aus
Schwefelkiesen ge«n»wommen. Man findet auch gewach-
senen reinen Schwefel bey feuerspeyenden Bergen
Der Schwefel_Kies (Der Schwefel_Kies bey den alten
Birites genannt, ist eisenhaltig, hart und schlägt mit
dem Stahl Feuer. Die Kuper_Kiese oder Marckasite
sind hievon sich unterschieden. Wenn dieser Kies sich
auswittert; so schlägt der Schwefel aus.

/ ≥ Drittes HauptStück.
/Von den Saltzen. ≤

/Es sind weder säure oder Alcalische: oder Mit-
tel_Saltze, welche letztere aus beyden bestehen. Zu
den ersten gehöret der Vitriol, der entweder Ku-
pferhaltig is und blau oder eisenhaltig und grau von
Farbe ist. Alaunen hält ausßer der Vitriolischer
Säure eine Mergelerde; In Salfatona wird Vitriol
und Alaun gekocht und zwar in bleyernen Keßeln
durch die bloße Hitze des Bodens. Das mineralische
und alkalische Saltz wird selten gefunden. Das Sala-
moniacum ist nicht aus dem mineral_Reich; sondern
weil wenig Saltz in Egypten ist; so brennet man

/|P_267

/so brennet man getrokneten Mist von Thie-
ren mit untermengten Stroh. Aus dem Ruß dar-
von mit dazu gemengten KochSaltze. Es wird ent-
der aus dem MeerWaßer oder Saltz_Quellen ge-
nommen, das gediegene Saltz in den Bergwerken
ist an vielen Orten der Erde anzutreffen. Bey
Cracau sind die berühmtesten Bergwerken. Salpe-
ter erzeuget sich in der Natur %nicht von selbsten;
sondern das Alcalische Saltz wird dazu gesetzt;
dahero muß die Muiren, wo der Salpeter an-
schießen soll mit alkalischem Saltze durchdrun-
gen seyn.

/ δSchnörkel

/ ≥ Et hic sit finis
et laus et gloria Finis. ≤

/δRest_leer