|B_Philippi_(1772 / 1773)_
Berlin, SBB-PK: Slg Diez
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/|P_0
/≥ Vorlesungen
/über
/die physische Geographie
/von
/dem Herrn Professor Kant.
/
/{ Koenigsberg 1772. }

/|P_0' δleer

/|P_1

/Mathematische Kentniß der Erde. ≤

/≥ Phisische Geographie.
/Alle Materie in diesem unendlichen Raume ist in lauter
Kugeln versamlet anzutrefen.

/Diese Kugeln sind alle bewegt, und diese Bewegung geschieht
entweder allein um ihre eigene Axe, oder auch zugleich um einen
gewißen Körper, der ihr %gemeinschaftlicher Mittelpunct ist, die letztere
heißt die Centralbewegung, %und ein solcher Körper ein Central-
Körper. %und die Körper die sich in verschiedenen Creysen um denselben
bewegen, machen mit ihrem Central_Körper ein System.

/Alle Körper sind entweder selbstleuchtende, oder dunkele.
Eine Kugel die selbstleuchtend, %und sich nur um ihre eigene Axse
drehet heißt eine Sonne, dergleichen sind die Fixsterne. δZeichen Dunkle
Körper die von der Sonne erleuchtet werden, %und deren gemeinschaft-
licher Schwerpunct dieselbe ist, heißen Planeten.

/Die Sonne ist der Central«Bewegung»_Körper, weil nach der physi-
schen Astronomie, alle Körper dahin fallen würden wenn die
Schnell-Kraft (vis centrifuga) sie nicht verhinderte.

/Die Erde hat eine doppelte Bewegung, in einem Zirkel.

/1) Eine jährliche Bewegung um die Sonne, %und dieses mit allen Plane-
ten, %und vieleicht auch Sonnen %und Fixsternen um einen %gemeinschaftlichen
Central_Körper, welches vieleicht der Syrius ist.

/2) Eine Bewegung um ihre Axe.

/Durch die erste Bewegung werden die Poole, der Aequator
der Meridianus %und die Parallelzirkel bestimt, durch letztere
die Ecliptic, Tropici %und PolarZirkel.

/≥ Gestalt der Erde. ≤

/Die Materie woraus sie besteht und gebildet ist muß flüßig
gewesen seyn, weil alles Flüßige bey seiner Bildung eine
Kugel Form enthält, welches aus den Gesetzen den Schwere %und Anziehung
nothwendig erfolgt, in dem nur da ein durchgängiges Gleichgewicht
statt findet, wo alle Durchschnitte einander gleich sind

/|P_2

/Die Erde und überhaupt kein Himmelskörper ist eine völlige Kugel, weil
diese Gestalt mit der Bewegung um die Axe nicht bestehen kan. So ist
zE Iupiter an seiner Axe um den 13 Theil leichter. Durch die Schnellkraft
verliehren die Körper von ihrer eigenthümlichen Schwere, dieselbe ist da
wo durch die Bewegung der größte Bogen beschrieben wird am größten,
folglich dünsten die Theile in die höhe; da wo der Bogen den die Bewegung
beschreibt am kleinsten wird, geht ein Theil der Schnellkraft verlohren,
%und die Körper gewinnen einen Theil ihrer <eigenthümlichen> Schwere widerum %und sie nei-
gen sich zu ihrem %gemeinschaftlichen Mittelpunct.

/Die Erde ist bey den Poolen gedrükt, %und unter dem Aequatore erhaben.
Sie ist da selbst über 9 deutsche Meilen höher als unter den Polen. die
Perpendicul schlagen dort langsamer als hier, %und die Körper sind
daselbst um den 288 Theil leichter als hier.

/Der König_von_Frankreich, gab ausdrüklich der Academie der Wissen-
schaften zu Paris, auf, zu bestimmen, ob die Erde eine Zirkel oder oval
Fläche habe, weil den Seefahrenden viel daran gelegen ist, maßen
sie sonst bereits auf einer Klippe sitzen könten, wenn sie noch 12 Meilen
davon zu seyn gedächten. Es wurde daher durch das Observatorium zu
Paris, nach verschiedenen Oertern, eine Mittagslinie von 20 Meilen
gezogen, auch 3 Partheyen Gelehrte an weit entfernte Oerter ge-
schickt, hierüber Versuche anzustellen, welche denn endlich fanden,
daß die Linie die durch den Aequatorem gezogen wird 9 deutsche
Meilen länger sey, als die welche durch die Polos gehet; daher auch
die Körper auf den Aequatore, wegen der schnellen Bewegung
der Erde, einen Theil ihrer Schwehre verliehren.

/Warum könte der Erdkörper nicht inwendig hohl seyn, da wir
doch nur seine Oberfläche nutzen?

/Als denn würde ein großer Theil <der Schwere> der Materie, oder ihre Anzie-
hung verlohren gehen, %und die Fluth würde alle Sechs Stunden,
die ganze Oberfläche der Erde unter Wasser setzen.

/≥ Mathematische Verhältniß derselben. ≤

/Wir treffen auf der Erde.

/1) Puncte. 2) Linien oder Zirkellinien 3) zwischen den Zirkellinien
gewisse eingeschloßene Streifen an. ~

/|P_2R δZ_10
/Die Erde ist eine Sphäroide
Die Erhöhung des Aequators
beträgt 3_1/2 deutsche Meilen mehr,
als der Durchschnitt nahe am
Poole.~

/|P_3

/Wenn keine Bewegung statt fände, so könten keine Linien
bemerket werden.

/Betrachte ich die Erde als ruhend so bekomme ich nur gewiße
Zirkel, die durch die verschiedene Stellung der Menschen be-
stimt werden. Dieses sind die Horizonte.

/Die Horizonte sind zweierley, der physische %und der mathe-
matische. Der physische Horizont ist diejenige Linie die der
Mensch hier auf Erden übersehen kan; der mathematische der
halbe Zirkel, oder die Hämisphäre, deßen was er am Himmel
übersieht.

/Kein Zirkel hat einen Anfang noch End-Punct.

/Unter den 360 %Grad des Aequators ist also keiner der erste, son-
dern ich fange sie an da zu zählen, wo ich den ersten Meridian
setze, dieser ist widerum willkührlich. Die französischen Meß-
Künstler haben auf Befehl des Königs den ersten Meridian
durch die Insul Ferro gezogen, %und diesen folgen die mehresten.

/Dieses voraus gesetzt daß nemlich der Meridian der Insul
Ferro für der ersten an genommen wird, so zählet man die Grade
der Länge (oder der Entfernung) eines Orts von der Insul Ferro
%und dieses heißt seine Länge.

/Die Art wie man verfährt ist diese, man zählet von Abend
gegen Morgen, weil alle Himelskörper sich nach der Gegend hin-
bewegen, %und alsdann setzt man entweder schlechthin Länge, oder
östliche Länge. Man kan aber auch von dem Meridian zu Ferro
die westliche Länge eines Orts bestimmen, indem man von Ferro
gerade gegen Westen hinzählet, alsdann aber wird beständig
hinzugesetzt westliche Länge.

/Die verschiedene Länge zweier Oerter, ändert in der Witte-
rung %und Klima nichts, als daß an einem Ort früher Tag wird
als am andern.

/Die Meridiane sind zwar auch Zirkel, aber sie werden
an bestimten Orten durchschnitten, %und da wo sie durchschnitten
werden, sind ihre Anfangs %und Ende-Puncte Sie werden

/|P_4

/geschnitten durch die beide Pole, %und auch zweymahl durch den
<Aequator> «Meridian». Sie haben also 4 Anfangs %und Ende Puncte.

/Durch dieses Durchschneiden wird ein Meridian in 4
gleiche Theile getheilt, %und ein solches Theil heißt Quadrans. Da
nun hier der erste Grad nicht willkührlich ist, sondern durch
gewiße Puncte bestimt wird, so darf ich nur die Anzahl der
Grade, von einem Punct bis zum andern bestimmen %und die größ-
te Breite wird also 90 %Grad «Grad» seyn, da die größte Länge eine
unbestimte Größe ist.

/Die Länge eines Ortes war seine Entfernung vom ersten
Meridian %und seine Breite ist die Entfernung vom Aequator.
Ein Ort nun kann sich also vom Aequator gegen Süden %und Norden
entfernen. Seine Entfernung gegen Süden heißt die Sü-
der Breite %und seine Entfernung gegen Norden Norder-Breite.

/Alle Oerter die einander parallel sind haben einerley
Breite. Einerley Breite macht einerley «Breite %und» Klima
%und gleiche Iahrszeiten, denn nur aus der Verschiedenheit der
Breite entsteht die Verschiedenheit des Klima oder der Zonen.
Ein Ort deßen Breite klein ist, liegt unter einer warmen
Himmelsstrich. Deßen Breite groß ist, unter einem kalten.

/Die Zahl der Grade eines Meridians ist die Breite eines Orts.
Um die eigentliche Breite eines Orts zu finden, zähle ich die @Me-@
Grade des Meridians vom Aequator an. Wenn ich vom Aequa-
tor bis zum Pool zähle, so finde ich 90 %Grad als die Breite des Pools.

/Ist mir die Länge %und Breite eines Orts gegeben, so kann ich so-
gleich finden, wo der Ort liegt.

/Aus der Bewegung der Erde um die Sonne entsteht eine dritte
Linie die zwar nicht auf der Erde kan gezeichnet werden, aber
die dennoch die Ursache von andern Linien ist, dieses ist die
Ecliptic deren größte Neigung gegen die Poole 23_1/2 %Grad ist, %und die
mit der Axse einen Winkel von 66 %Grad machen

/Die größte Abweichung der Sonne vom Aequator heißt der
Tropicus, %und zwar die südliche größte Abweichung Tropicus
capricorni, die %nordliche Tropicus caneri, sie heißen auch

/|P_5

/Wendezirkel, %und sind mit dem Aequator durch den Punct der größ-
ten Abweichung gegen Norden %und Süden parallel gezogen.

/Polar Zirkel sind solche, die von den Poolen eben so weit abstehen,
als die Tropici vom Aequator.

/≥ Folgen aus der Verschiedenheit der Länge zweier Oerter im
Westen %und Osten. ≤

/Es ist kein anderer Unterschied als der Stunden des Tages. 15 %Grad
der Länge geben eine Stunde Unterschied. D. i. zween Oerter deren
einer von dem andern 15 %Grad ostwärts liegt zählet immer eine Stunde
früher als der andere zE Schmolenzk in Absicht auf Königsberg.

/Daher geschieht es daß diejenigen die von Osten nach Westen die
Erde umschiffen, allemahl in ihrer Rechnung einen Tag verliehren,
%und die von Westen nach Osten diese Reise thun, einen Tag gewinnen.

/≥ Folgen aus der Verschiedenheit der Breite. ≤

/Oerter die unter dem Aequator liegen haben keine Breite. Die-
jenigen Völker die zwischen dem Aequator liegen, werfen ihre
Schatten ein halb Iahr nach Süden, %und das andere halbe Iahr gegen Nor-
den, %und zweimahl im Iahr haben sie «ihre» <die> Sonne über ihrem Kopf %und werfen
keinen Schatten von sich. Die zwischen dem Tropicus caneri %und dem
Polar Zirkel liegen, werfen ihre Schatten gegen Norden, %und dem
südlichen PolarZirkel (Circulus polaris antarcticus) liegen, gegen Süden.
Unter den Poolen dauert der längste Tag ein halb Iahr, %und die längste
Nacht eben so lange. Man hat angemerkt daß die Wendungen bey den
Bohnen %und Schnecken, mit der Sonne fortlaufen, bey den Hopfen aber
umgekehrt.

/Wenn die Sonne in dem Aequator tritt, so heißt dieses das Aequi-
noctium, %und als denn ist Tag %und Nacht allenthalben gleich«¿» Weicht sie
bis zum 23 %Grad Norder-Breite ab, welches den 21 Iuni geschieht, so haben
wir den längsten Tag, %und dieses heißt das Sommerhalbejahr, welches
bis zum 21 September dauert, als denn entfernet sich die Sonne vom
Aequator bis zum 21 %December, da ihre Entfernung 23 %Grad südlicher Breite
ist, %und alsdan haben wir den kürzesten Tag %und das WinterhalbeIahr.

/Durch den Aequator wird die Erdkugel in 2 hämispheren eingethei-
let, die gleiche Breiten %und Klimata haben. Der Erdstrich vom Ae-
quator sowohl zu den Tropicas caneri als auch zu dem Tropice
capricorni heißt die Zona torrida. Die Witterung ist hier sehr heiß,

/|P_6

/weil hier die Sonnenstrahlen zweymahl im Iahr perpendiculär
herabfallen, %und also die Sonne auf dem Boden der Brunnen herab-
scheint, %und eine perpendiculär aufgerichtete Stange keinen Schatten
von sich wirft.

/Zwischen dem Polar-Zirkel %und den Tropicis sind die Zonae tem-
peratae, %und zwar auf der nordlichen Hälfte die Zona temperata sep-
tentrionalis, %und auf der südlichen Hälfte die Zona temperata aus-
tralis, und von den beyden Poolen bis zu den Poolarzirkeln sind die
kalten Erdstriche (Zonae frigidae). In jenen ist die Witterung
gemäßigt, in diesen sehr kalt, außer wenn der längste Tag ist, da
alsdann hier die größte Hitze auf dem Erdboden ist, weil ihnen die
Sonne niemahls untergehet. Ie näher man dem Pool kömt, je weni-
ger Unterschied in Absicht auf die Weltgegenden, %und würden wir
den Polarstern über unserm Kopfe haben, so würde aller Unter-
schied aufhören, %und wir würden nicht wißen gegen welche Gegend
der Welt wir unser Gesicht gekehret hätten. Dieses ist auch
die Ursache, daß diese Gegend so gefährlich zu befahren ist, weil
die Schiffer zuletzt nicht wißen, in was für einer Gegend sie sich
befinden.

/≥ Größe der Erde. ≤

/Ihr Diameter ist 1720 deutsche beßer geographische Meilen, %und der
Umkreiß derselben 5400. Eine deutsche Meile in dem Verstande wie
sie hier genommen wird, ist der 15te Theil ei«¿»nes Grades des Aequators,
da politische Meilen nur 12 auf einen Grad gehen.

/Ludwig_der_XIV ließ verschiedene Grade meßen, %und es wurde
gefunden daß eine geographische Meile 2.000 rheinländische Ru-
then, oder 2400 ordentliche Werkschühe enthält.

/Eine sachßische Policey Meile hält 30.000 Werkschuhe.

/See Meilen gehen 20 auf einen Grad.

/Ein geometrischer Schritt soll nach der gemeinen Meynung
5 Fuß ausmachen, er ist 1/1.000 Theil einer Minute, welche der
sechzigste Theil eines Grades der Erde ist, folglich nach der neu-
esten Außmessung der Erde, beynahe 6 Fuß Rheinländisch.

/Eine Klafter, Toise, Faden, Lachter in den Bergwerken hält
6 Fuß oder 5 Dresdener Ellen.

/|P_7

/≥ Allgemeine Eintheilung der Erde. ≤

/Alle Körper sind entweder organisirte oder unorganisirte.
Zu jenen gehören alle Körper die wachsen %und sich fortpflantzen,
%und sind gewiße aus der Vermengung entspringende Erdproduc-
te. Diese heißen Elemente. Die Elemente werden gewohnlich
eingetheilt, in Feuer, Luft, Waßer %und Erde.

/Das Feuer durchdringt alles obgleich nicht allenthalben in glei-
cher Maaße %und hat also keinen besondern Ort. Die Luft umgiebt alles
%und hat also auch keinen besondern Ort für sich. Es bleibt also nur
noch Waßer %und Erde übrig.

/Die Oberfläche der Erde nun ist in Erde %und Waßer vertheilet. Die-
ses ist entweder ein Product des Landes als zE Flüße, Pfützen; oder
nicht %und dann heißt es Meer.

/Alles feste Land ist in Form der Inseln vertheilet, %und es ist ein
gewißes allgemeines Meer Archipelagus der Länder, %und dieses Meer
heißt der Ocean. Es ist wahrscheinlich daß derselbe ehemals die
Erde bedeckte, %und daß das Land in demselben gebildet worden.
Die andere Meere kan man als Busen von diesem großen Meere
betrachten. Büffon macht schon die Anmerkung daß man unter
Meer %und See folgenden Unterschied mache. Man nenne nemlich ein
großes Gewäßer allenthalben mit Land umgeben ein Meer,
wie zE das Harlemmer, das Mittelländische, das todte, %und das Caspi-
sche Meer, %und umgekehrt was nicht mit Land umgeben ist See. Wir
aber sagen umgekehrt, das atlantische Meer, das stille Meer, die
Ost See. Das Wort See, aber wird auch noch in Absicht auf das
Genus von uns unterschieden. Land Seen zE der Genfer-See, den
Boden-See, heißen der See; %und jene gegentheils die See.

/Der Ocean wird in Ansehung der Poole eingetheilet, in den aus-
tralischen, %und in den borealischen, beyde heißen das EisMeer.
2) In Ansehung der beyden Halb Kugeln, der westliche %und der östliche,
in den temperirten Zonen in das atlantische Meer, zwischen
Europa %und Africa das stille Meer.

/Die Ostsee hat für uns einen unschiklichen Namen, indem sie
uns gegen Norden %und Westen liegt. Die Ursache davon ist folgende.

/|P_8

/Dieses Meer ward erst im 800 Iahr nach Christi Geburth unter
der Regierung des Alfred von den Engländern entdeckt, welche es
auch diesen Namen gaben.

/An der africanischen Küste, heißt das Meer, das äthiopische, %und
das Indische hat seinen Namen vom Lande.

/Ein Meer wo viele Insuln liegen heißt Archipelagus, als zE
der Griechische, der Philippinische, der Moluckische.

/Ein Meer welches durch die Einschließung von Land beinahe
umschränkt wird heißt ein Busen. Eine Straße, die Gemein-
schaft zweyer Meere durch Land verenget wird. Busen sind
Vertiefungen de«s»r Meere %und Halbinsuln Vertiefungen des Lands.

/Das Waßer nimt den 2/3 Theil der ganzen Fläche der Erde mit
vielen Nutzen ein. Das Meer wird eingetheilt in den Ocean die
Mittelländischen Meere %und Seen. Die verschiedenen Theile des
Oceans. Von den Meerbusen, Golfo, Bays, Meerengen, Häfen,
%und Ankerplätzen.

/≥ Die berühmtesten Straßen, und zwar

/I) In Europa
/1) Die Straße von Gibraltar, bey den Holländern schlechthin die
Straße. Daher die nach der Levante fahren schlechthin die
Straßenfahrer genennet werden. Sie ist 3 Meilen breit,
sie kömt aber den Schiffern wie gegraben vor, weil die Küsten
sehr hoch %und steil sind.
/2) Die Straße von Caffa verbindet das Assowsche Meer mit
dem schwarzen.
/3) Die Straße von Constantinopel, verknüpfet das schwarze
Meer mit dem Mar du Marmare.
/4) Die Dardanellen sind der Kanal zwischen dem Meer dü
Marmare, %und dem mittelländischen.
/5) Der Kanal la_Mancha oder Pas_de_Calais zwischen Engelland
%und Frankreich.
/6) Der St_Georgen Canal, bey den Holländern der umgekehr-
te Canal zwischen Engelland %und Irrland.
/7) Der Sund.

/|P_9

/8) Der große Belt.
/9) Der kleine Belt; alle zwischen der Nord %und Ost-See, von welchen
vermöge gewißer Verträge mit Dannemark, nur allein der
Sund befahren werden darf.

/II) In Asien
/1) Die Straße Babel Mandel.
/2) Die Straße von Ormus.
/3) Die Straße von Molucca

/III. In Africa.
/1) Die Straße von Mosambique.

/IV. In NordAmerica
/1) Die Straße Davis, nach der westlichen Küste Grönlands.
/2) Die Hudsons Straße.
/3) Die Straße von Bahama.

/In Süden
/1) Die Magellanische Straße. Sie ist 80 Meilen lang zwi-
schen der Insul del Fuego.
/2) Die lemärische Straße.

/≥ Die berühmtesten Meerbusen.

/Meerbusen, «¿»Bay, Golfe, sind Vertiefungen des Meers
ins Land, die merkwürdigsten derselben in

/America sind
/1) Der mexicanische Meerbusen zwischen der halbInsul Iu-
katan %und der Insul Kuba.
/2) Bay von Campesche, wo das Blauholz gefället wird.
/3) Bay von Honduras wo Zimmerholz herkömt.
/4) Die Bay aller Heiligen.
/5) _Die Bay_ von Kalifornien
/6) Die Hudsons Bay.

/In Europa
/1) Golfo die Venezia.
/2) _Golfo_ die Genova. ~

/|P_9R δZ_26

/{ NB. Hier dörfte sich wohl der Herr %Verfasser irren
Von Campesche kommt rothes Holtz, und
von Honduras blauHolz; die Franzosen
nennen ersteres Bois de Campeche;
und letzteres Bois d'honduras Ich selbst
habe blauHolz von Honduras gesehen de @D. D.@ }
~

/|P_10

/3) Die Bay von Biscaja.
/4) Der Bothnische
/Meerbusen.
/5) Der Finnische
/6) Das weiße Meer, ein Golfo des Eis_Meers bey Archangel.

/In Africa
/1) Der Meerbusen von Benia.

/In Asien.
/1) Der arabische Meerbusen
/2) Der persische Meerbusen, wo der Euphrat %und Tyger hinein-
fließen.
/3) Der Bengalische.
/4) Der Siamische.
/5) Pemscheitzkische zwischen Kamtschatka %und Siberien.

/≥ Phisische Beschaffenheit des Meeres. ≤

/Man kan das Meer als ein weites Thal betrachten, wo das Wasser
sich versamlet hat, welches sonsten die Oberfläche der Erde allent-
halben bedecken würde. Die Gestalt des Meerbodens, ist
der Gestalt des vesten Landes gleich, hat Ungleichheiten, %und
es ist sehr wahrscheinlich daß der Boden des Meers ehemals
vestes Land gewesen. In der Nähe der Küste ist der See-Grund
dem Lande proportionirt. Ist die Abdachung Abdassirung
der Küste steil, so ists der Grund des Meers auch, ist die Küste
aber flach, so ists der Meersgrund gleichfalls, %und die See
ist flach %und untief.

/Man sucht Busen da wo steile Küsten sind. Norwegen hat
daher viele Busen, oder Tiefrinnen, weil es steile Küsten hat,
eben so die Küste von Gallicien %und Portugall, bey Pommern ist
die Küste flach, folglich das Meer untief.

/Dampier der dreymahl die Welt umschiffet hat, hat auf
seinen Reisen; dieses zu bemerken Gelegenheit gehabt. Es
giebt ganze Gebürge in der See die man durch das Loth entdeckt
hat, zE in dem Kanal zwischen Engelland %und Frankreich.

/|P_11

/Die Insuln sind nichts anders als die Spitzen der Berge, deren
Fuß im Meer ruhet. Man hat gefunden daß da wo die Strecke
von Bergen auf dem Lande aufhört, dieselbe in dem Meer fort-
gehe.

/Rhede ist ein Platz im Meer wo die Küste hoch ist, %und die Schiffe
vor dem Winde gesichert liegen, %und wo sie Gemeinschaft mit dem
Lande, %und einen guten Anker Grund haben, %und wo sie durch die
Dünen (Sandbänken) von der Heftigkeit der Wellen geschützt werden.

/Hafen, kömt her von dem alten Worte Hafen ein Topf, ist
eine Vertiefung des Meers.

/Zu einem vollkomnen Hafen wird erfodert, daß er einen
guten Anker-Grund %und eine hohe Küste habe, %und denn noch ein poli-
tisches Requisitum, daß die Einfarth enge sey, damit sie gut
beschützen werden könne.

/Zu einem guten Anker-Grund wird erfodert, daß er nicht
aus kleinen Steinen bestehe, wo das Anker Thau sich leicht
zerreibt, %und auch nicht aus Treibsand wo der Anker zu tief ein-
fällt, %und nicht wieder aufgewunden werden kan.

/Der schönste Hafen in der Welt ist Bergen in Norwegen.
Er ist so geräumig %und sicher, daß eine ganze Kriegsflotte ge-
deckt darin liegen kan, %und hat guten Anker Grund.

/Porto Mahon ist der beste Hafen in der Welt, man glaubt daß
die ganze Schiffs-Macht von Grosbrittanien darin liegen könne,
%und die Einfahrt ist so enge, daß sie durch 2 Forts vollkommen
geschloßen werden kan.

/Havanna wo die Silberflotte sich versamlet ist gleichfalls
einer der besten Hafen.

/Hafen sind selten zu finden, %und es giebt lange Küsten auf welchen
keine gefunden werden. Man hat angemerkt daß auf die west-
lichen %und südlichen Küsten mehr Hafen anzutreffen wären, als
auf den östlichen %und nordlichen, %und hat es daher geleitet weil diese
Küsten höher sind.

/≥ Tiefe des Meers. ≤

/Der Boden des Meers; ist eine weite %und unebene Vertiefung der Oberfläche der Erde.

/|P_12

/Marseri [[ Marsigli ]] hat gefunden daß die Tiefe des Meers ziemlich nahe an
den Küsten der Höhe der daselbst befindlichen Berge gleich sey. Es
ist dieses zwar nicht völlig so, aber die Tiefe beträgt doch 2/3 von
der Höhe der Berge. Die höchsten Pyrenäen hat man 10.000 Fuß
hoch befunden, «worden» %und die größte Tiefe des Meers 8000 Fuß
Ie weiter das Meer sich von der Küste entfernt, je tieffer wird
es, %und jemehr es sich von der andern Seite der Küste nähert, je fla-
cher wird daßelbe, doch ist seine größte Tiefe nach der Seite hin,
wo die Küsten steil sind. Wo sich das Land einander sehr nähert
da ist die See am wenigsten tief. Der Palus Märtis ist nicht
sehr tief, %und in der Straße von Caffa ist die Tiefe nur 6 Fuß. Eine
unergründliche Tiefe ist diejenige die über 1.000 Faden tief ist.

/≥ Die Tiefe des Meers zu erforschen. ≤

/Man bedienet sich erstens dazu des Looths, dieses ist ein Senk-
Bley in Gestalt eines Zuckerhutes oben mit einem eisernen
Ringe, %und deßen Fuß etwas hohl ist wo man Talch hineinschmirt.
Man bedienet sich deßelben auch um zu erfahren, ob man weit
von einer Küste, %und an welcher Küste man sey, %und ob guter Anker-
Grund daselbst befindlich sey. Den bedienet man sich auch der
Täucher. Natürlicherweise kan ein Mensch nicht länger im
Waßer bleiben als höchstens eine Minute.

/Kolo Pescho, ein berühmter Täucher konte ganze Stunden lang
unter dem Waßer zu bringen. Als er aber einst, eine von Frie-
drich
dem Könige zu Sardinien, in den Charybdis geworfene Scha-
le heraus hohlen sollte, so kam er nicht mehr zum Vorschein.
Es ist zu vermuthen daß ihn ein See-Wolf verzehret habe. Man
hat es versucht, dieses aus seiner inren Structur zu erklären,
%und geglaubt daß das foramen ovale sich bey ihm in Mutter-
leibe coagulirt habe, %und daß das Blut nicht nöthig gehabt habe,
durch die Lunge zu gehen.

/Man bedienet sich der Täucher zu verschiednen Absichten, dahin
gehören die Perlenfischereyen. Die berühmtesten sind zu Ba-
haran, oder El_Kalif sonst die Bank von Ormus, %und die Perlenfi-
scherey der Holländer an der Küste von Ceylon, wo die Neger sie

/|P_13

/für einen bestimten Preiß abliefern. Die Art wie dieses geschieht
ist folgende; sie bedecken sich mit ledernen Kappen an welchen
Röhren befestiget sind, die über dem Waßer hervorragen, an
den Füßen wird eine eiserne Kugel befestiget, damit sie durch
die Schwere derselben, um so eher in die Tiefe gelangen. Das
Samlen selbst dauert nur wenige Augenblicke, nach welchen
sie mit der größten Eilfertigkeit wieder heraufgezogen wer-
den müßen, indem der Druck des Waßers bey einer nahmhaften
Tiefe so stark ist, daß ihnen das Blut aus Mund %und Nase stür-
zet, wenn sie aus dem Waßer heraus kommen. Sie finden das Wasser
in einer gewißen Tiefe so kalt, daß wenn sie heraufkommen, sie
sogleich in diesem heißen Klima an das Feuer laufen, um sich
zu erwärmen, welches zu dem Ende ausdrüklich unterhalten wer-
den muß. Man bedienet sich auch der Täucher versunkene Sachen
wiederum herauf zu bringen. Die Art wie dieses geschieht, ist bey
den maldivischen Insuln wo oft Schiffbrüche geschehen, folgende.
Die Einwohner bedienen sich eines Täuchers der in den Grund hin-
abgehet, %und ein Seil an die versunkene Sachen befestiget. An
dem andern Ende befestiget man Bretter von einem leichten
Holz, welches mit dem Pantoffelholz eine Aehnlichkeit hat, %und dieses
thut man so lange, bis die versunkenen Sachen dadurch in die Höhe ge-
hoben werden. Als die spanische Silberflotte in dem Hafen Majas
versunken war, so machte ein französischer Ingenieur sich anhei-
schig die Sachen wiederum herauf zu bringen, welches er auf
folgende Art bewerkstelligte. Er brachte vermittelst eines
Täuchers ein Faß Pulver unter das Verdek. An diesem Faß
Pulver war eine Röhre gebracht, die mit Pulver gefüllet war,
vermittelst welchem das Faß sich entzündete, %und das ganze Verdek
in die Höhe hob, so daß man in den Raum des Schiffes gelangen
konte. Das bequemste Mittel indeßen diese Bemühung nutzba-
rer zu machen, ist eine Maschiene, die durch ihre Gestalt den Namen
der Täucher Gloke erhalten hat. Die Materie woraus sie besteht
ist gewöhnlich Metall oder Holtz, %und sie sind schon von einer solchen
Größe verfertiget worden, da«s¿»ß ganze Gesellschaften unter

/|P_14

/einer solchen Maschiene in die Tiefe des Meers hinabgegangen
sind. Quer durch ist mehr gegen den obern Teil derselben, ein Bal-
ken befestiget, auf welchem der Täucher sitzt, %und vermittelst eines
Hackens die Sache aus dem Grund des Meers an sich ziehet. Die
in der Gloke befindliche Luft verhindert, daß das Waßer nie
weiter als bis zu einer gewißen Höhe steigen kan, %und er ist aus dieser
Ursache für das Ertrinken völlig gesichert. Aber ein Umstand macht
indeßen, daß er doch nicht lange unter dem Waßer seyn kan, die Luft
nemlich wird für ihn in kurzer Zeit völlig unbrauchbar, indem sie durch
die Ausdünstung des Menschen ihre Elasticität verliehret, %und also die
Transpiration beschwerlich %und endlich unmöglich macht. Dieser Unbe-
quemlichkeit abzuhelfen hat man versucht, in ein Fäßchen frische
Luft herunter zu laßen. Es ist aus dem was angeführet ist wahr-
scheinlich, daß nicht sowohl der Mangel der Luft als vielmehr das
Stillstehen derselben den Tod verursache.

/≥ § 2.

/Von der Farbe %und Durchsichtigkeit des Meerwaßers. ≤

/Das See-Waßer ist heller %und durchsichtiger als das Fluß %und Quell-
Waßer,
denn man kan den Grund des Meers in einer Tiefe von
25 Faden sehen, Da wo das Waßer am gesalzensten ist, ist die Durch-
sichtigkeit am größten, als zE das Eis-Meer bei Nova Zembla
am Lande ist es nicht so durchsichtig aber auch nicht so salzig. Das
rothe Meer hat daher wie einige behaupten seinen Namen, %und
seine Blutrothe Farbe von den Corallen, nach andern aber, von
den Edomitern, bey welchen zur Kleidung die rothe Farbe beliebt
war. Bey den antillischen Insuln sieht man die Schildkröten
auf dem Grund des Meers, gleichwie auf eine grüne Wiese herum
spatzieren. Diese große Durchsichtigkeit des Meer-Waßers,
erleichtert also auch das Betragen der Seethiere zu beobachten.
Die Ursache von der Durchsichtigkeit des Meer-Waßers ist das
Salz. Die eigenthümliche Farbe des Meer-Waßers ist ein ins
grüne fallendes Blau. Unsre Luft hat gleichfalls ihre eigen-
thümliche Farbe, welches ein gewißes Hell Blau ist. Man sieht

/|P_15

/dieses an den großen Luftstrichen, %und an allen entfernten
hohen Bergen, die um ihre Spitzen mit hellblauen Wolken
umgeben sind, wornach man die Weiten derselben beurtheilet,
bey nahen <Bergen sind die> Gegenstanden erleuchteter, folglich das Blaue heller.
In großen Tiefen erhält das Waßer eine völlig dunkele Farbe:
d.i. es wird undurchsichtig weil kein Körper vollig durchsichtig ist,
%und ein vollig durchsichtiger Körper ein unsichtbahrer seyn würde, weil
er alle Strahlen durchlaßen, und also keine auf unsre Augen
fallen würden. Ein Körper der das Licht so wie «es» er es empfängt zu-
rük wirft, würde gleichfalls unsichtbahr seyn, wie zE ein Spiegel
wenn er vollkommen spiegeln würde. Ein vollkommen schwarzer Huth
gleichfalls, weil dieser widerum alles Licht hin durch läßt.
Denn zum Sehen wird erfordert, daß ein Körper die Strahlen be-
sonders modificirt reflectire.

/In einer Tiefe von etwa 30«0» Klafter ist es stokfinster, %und
in einer mittelmäßigen Tiefe erscheint das Sonnenlicht wie
Mondlicht. Bey einem Sturm scheint es im Grunde als wenn es völlig
bewölkt werde, %und endlich wird es ganz finster, denn durch die Be-
wegung der Wellen wird das Licht ganz zurükgeschlagen. Will
man etwas im Waßer beobachten so nehme man eine gläserne Röhre,
%und etwas Oehl in dem Mund, %und laße einige Tropfen davon auf dem
Waßer fallen, so kan man sich auf solche Art ein Fenster im Waßer
machen. Die besondere Farbe mancher Meere rührt theils von dem
durchscheinenden Grund, theils von dem Sargaßo der Spanier oder
den Meerpetersilien her. Das Meerwaßer leuchtet besonders
zur warmen Iahreszeit, %und hat bey den Moluckischen Insuln eine so weis-
lichte Milch-Farbe des Nachts,
daß er das Ansehen hat als wenn er aus
lauter Milch bestände. Man hat die Ursache in der Pechartigkeit
des Meer-Waßers gesetzt, %und dieses Phänomen einem gewißen
phosphorischen Lichte welches durch die Gährung bey einem Sturmwin-
de erzeugt wird. Ganz neuerlich hat man die Entdekung gemacht,
daß das Licht von kleinen Würm«chen»ern herkomme, so wie unsre Iohan-
niswürmer. Außer diesem ist noch merkwürdig daß in verschiede-
nen Meeren zu verschiedenen Zeiten gewiße schwimmende Sachen ~

/|P_15R δZ_31
/{ Diese Entdeckung habe ich zu Konstantinopel
bestätigt gefunden; der Kanal ist an gewißen
Sommerabenden angefüllt von solchen leuch-
tenden Würmchen. Ich habe im Februar mit
den Händen Waßer geschöpft und die Hand wimmelte
von den darin hin und herlaufenden Insekten. }
~

/|P_16

/angetroffen werden. Dahin gehören 2 Gras Meere wo jederzeit
Gras schwimmt, ohne daß man weiß wo es herkommt. Die Gegend
in welcher es angetroffen wird beträgt etwa 80 Meilen. Die Spa-
nier nennen es Sargaßo %und die Holländer Meerpetersilien. Es hat
weiße Blümchen %und findet sich im Mar dal Nord um die Ca«h»po Verdi-
schen Insuln, wie auch an der Küste von Kalifornien doch nicht
so häufig. Die Tiefe des Meers ist daselbst so groß, daß dieses
Gras mit den Boden des Meers keine Gemeinschaft haben kan.
Es ist sehr wahrscheinlich das dieses Gras in allen Meeren befindlich
sey, durch die halbjährige Winde die hier beständig abwechseln,
imer im Zirkel herumgetrieben werde. Dieses Gras dienet da-
zu daß die Spanier wißen, sie sind dem Lande nah, wenn sie
es zu sehen bekommen. An der Küste von Malabar schwimmen bestän-
dig Schlangen in großer Menge, die den Dänen zum Kentzeichen
dienen daß sie dem Lande nahe sind. So treibt auf dem Eis-
Meer ein beständiges Eis hin %und her, %und zu gewißen Zeiten auch
starkes Holtz, welches man zum Bauen anwendet.

/≥ § 3.

/Von der Salzigkeit des Meers. ≤

/Die Ursache der Salzigkeit des Meers schreibt Halley dem wenigen
Salze zu, daß die Flüße ins Meer führen, deren süßes Waßer aus-
dünstet, das Salz aber zurükbleibt. Diese Ausdünstung nimt in
einem Iahr 20 Zoll von der Meers Fläche weg, %und es gehören tausende
von Iahren dazu, daß das Meer nur einmahl ausdünste. Diese
gänzliche Ausdünstung aber müßte sehr ofte wiederhohlet wer-
den, wenn es in dem Grade gesalzen werden sollte. Zudem führt
der Regen %und Schnee, welche aus den Dünsten des Meers entstehen
in der That mehr Salzigkeit als das Flußwaßer. Das feste Land be-
kömt also mehr von dem Meere Salz, als es diesem liefert. Einige
nehmen Salzklippen auf dem Boden der See an. Beweis aus dem
Salz, der Insul Ormus, aus den persischen Salzküsten. Das Stein-
salz «auf» <in> den Bergwerken. Es ist aber sehr glaublich daß alles dieses
Salz von dem Meer seinen Ursprung hernehme, oder hergenommen habe.

/|P_17

/Der Ocean %und alle Meere die mit ihm Gemeinschaft haben, auch die
inländischen Meere die keinen Abfluß haben, als zE das kaspische
Meer sind gesalzen. Doch giebt es auch Seen die keinen Abfluß %und
doch süß Waßer haben zE der See Baleka. Der See bey Mexico
ist halb süß halb salzig.
Diese Salzigkeit des Meers ist indeßen sehr
unterschiedlich. An Küsten wo viele %und große Flüße sich ins Meer
ergießen ist sie geringer, als an solchen wo wenige %und kleine Flüße
hineinfließen. Nahe an der «S¿»Oberfläche ist die Salzigkeit geringer,
als in den Tiefen, in den temperirten Zonen geringer, als in
den heißen %und kalten.
Da wo der große Zairi Strohm in die See
fällt ist das Waßer schon süß, ehe man noch die Küsten sehen
kan. Vermöge seiner Schwehre senkt das Waßer sich zu Boden
%und die Salzigkeit vermehrt sich je näher man demselben kömt.
Die Ostsee ist weniger gesalzen als die Südsee %und das Eismeer,
dort dünstet das süße Waßer aus %und hier frieret daßelbe
aus, das Salz aber frieret gar nicht aus, %und dünstet auch nur
sehr wenig aus. Wahrscheinliche Erklährung aus dem alten Zustan-
de der Erde, da das Waßer alles feste Land bedecket, %und das Salz
deßelben ausgesäuget habe.
Das Salz trägt zwischen den 30ten
%und 40ten Theil von dem Gewicht des Waßers aus. Aber mit dieser
Salzigkeit ist zugleich ein bitterer pechartiger Geschmak von Stein
Kohlen unzertrenlich verbunden, der es gänzlich unbrauchbar
macht. Dieser wiedrige Geschmak kömt vom Asphalt her, der sich
allenthalben befindet, welches man insbesondre am todten
Meer sehen kan, deßen Ufer mit Asphalt bedeket sind, welches
auch unter allen Meeren das meiste Salz hat, denn es beträgt
den 4ten Theil seines Gewichts, es hat aber auch den wiedrigsten
Geschmak. Da«¿»s Salz wird in den mehresten Ländern zum Be-
dürfniß aus dem Meer-Waßer heraus gezogen. Es gibt auch
Salzquellen. Man findet dieselben jederzeit ohnweit dem Fuß eines
Gebürges, oder doch an solchen Orten die mit demselben in Connexion
liegen. In einigen wenigen Ländern wird auch Salz-Gemma oder
Steinsalz gezogen. Die Art wie man das Salz aus dem Meerwaßer

/|P_18

/herausziehet ist folgende, man leitet das Meerwaßer in Baßins,
wo es so lange stehet bis das darin befindliche Salz von der Sonne
koagulirt wird. So wird das französische Bay-Salz, %und das spanische %und
Portugiesische von St_Hubes welches weißer als das vorhergehende
präparirt ist. Auch macht man das Salzwaßer süß 1) durchs filtriren
2) durchs frieren 3) durchs distelliren 4) durchs faulen %und precipisiren.

/Es giebt noch ganze Völker so kein Salz brauchen, auch keines annehmen
zE die Karaiben, es scheint also nicht so unentberlich zu seyn, als es
uns vorkömt.

/Aber selbst das Meersalz ist sehr von einander unterschieden.
An der Küste von Guinea ist es sehr weiß %und wird bald bitter. Die
Ostsee enthält 1/12, die Spanische See 1/32 %und das mittelländische Meer
bei Malta 1/8 Salz. Im salzigen Waßer gehen Schiffe nicht so tief
als im süßen Waßer, die Fische sind darin auch größer, %und die Ur-
sache warum sie in süßen Waßer nicht so groß sind, ist die sie
würden sinken.

/Ein Mensch kan im Meerwaßer weit leichter schwimmen als im
süßen, %und im todten Meer kan er gar nicht zu Grunde gehen.
Machia ein Neapolitaner entdekte als er sich badete, daß er
nicht untergehen konte. Als man darüber Untersuchungen an
seinem Körper anstellete, fand man, daß seine Arme von einer
erstaunenden Leichtigkeit waren.

/Die Salzigkeit des Meers scheint auf den Luftkreis einen
großen Einfluß zu haben. Ob es zwar nur schwer ausdunstet,
so löset sich doch ein saurer Theil ab. Dieses sieht man an dem
Eisen, welches in heißen Zonen in kurzer Zeit in Rost aufgelöset wird.

/≥ § 4.

/Von den Bewegungen des Meers.

/a Von der Bewegung durch Winde. ≤

/Bis in welche Tiefen die Stürme das Meer unruhig machen. Von
der hohlen See %und Brandungen. Von dem unruhigen Waßer nach
den Stürmen, und ob es wie einige meynen, durch Oele zu besänfti-
gen sey. Von den unruhigen Meeren. Von den Meerströmen die
vom Winde herrühren. Sie werden durch die Winde und Richtung der

/|P_19

/Küsten %und Seeklippen bestimt. Beweise aus vielen Exempeln in ver-
schiedenen Meeren. Die Behutsamkeit der Seefahrer in Anse-
hung derselben; kömt im Capitel von der Schiffarth vor

/≥ b. Von der Ebbe %und Fluth. ≤

/Das Meer schwillt in 24 Stunden 2mahl auf, welches die Fluth
heißet, %und ziehet sich 2mahl von den Ufern zurük, welches die Ebbe
genannt wird.

/Die größte Fluth ist, nachdem der Mond durch den Mittags-
Zirkel, der durch den Ort gehet, entweder oben oder unten durch-
gegangen ist.

/Die größte Ebbe geschieht 6 Stunden sowohl zuvor als her-
nach. So wie der Mond den folgenden Tag 3/4 Stunde später durch den
Meridian deßelben Orts gehet, so verspätet sich auch die Fluth %und
Ebbe auf eben dieselbe Zeit. Im neuen %und vollen Lichte sind beyde
größer, als in den Viertheilen. Zur Zeit des Aequinoctii sind sie in
diesen Lichtern am größesten, und dan heißen sie die Springfluth
sonst die todte Fluth. Die Ostsee hat keine, die mittelländische
See nur eine geringe. Die gelinde Abschüßigkeit des Ufers trägt
auch viel dazu bey sie sehr merklich zu machen, obgleich das Was-
ser nicht höher als anderwerts steiget, noch tiefer sinket. Exem-
pel an verschiedenen Meerbusen. Die Winde so die Fluth %und Ebbe
treiben, haben auch ihren Antheil daran. Die Lage der Küsten
ziehet diesem Wechsel des flutenden Meeres eine große
Unregelmäßigkeit zu. Die Ursache der Ebbe %und Fluth ist in den
vereinigten Anziehungen des Mondes %und der Sonne zu setzen.
Newton hat bewiesen daß alle Weltkörper einander an-
ziehen. Die Gewäßer unter dem Monde werden sowohl auf
der dem Monde zugekehrten als abgekehrten Seite erhoben %und 90 %Grad
von dem Meridian dieser Oerter sinket das Waßer. Die An-
ziehung der Sonne hebet das Waßer 2 Fuß hoch, des Mondes sei-
ne aber 10 Fuß hoch, durch die Beschaffenheit der Landesküsten
aber wird beydes an manchen Oertern viel höher getrieben.
Im Neu %und Voll-Monde verbinden sich beyde Anziehungen, %und daher
entspringet dann die Springfluth.

/|P_20

/In den Viertheilen schwächet die Anziehung des einen das Vermö-
gen des andern, und daher haben wir die todte Fluth %vornähmlich
zur Zeit der Tag«e»- %und Nacht Gleiche. Der Nutzen der Ebbe %und Fluth
ist vielfältig. Es giebt an der Mündung vieler Häfen Barren
oder nahe unter der Oberfläche des Waßers verborgene Sandbänke,
über welche man nur bey hoher Fluth kommen kan. Mit der Ebbe
sowohl als mit der Fluth kan man oft wieder den Wind in der
See fortkommen.

/≥ c Von der allgemeinen Bewegung des Meers,
von Morgen gegen Abend. ≤

/Allenthalben weit von den Küsten der Länder beweget sich das
Weltmeer von Morgen gegen Abend besonders in der Zona
torrida. Der Grund ist in der Ebbe %und Fluth zu suchen, die noth-
wendig, weil der Mond sich um die Erde von Morgen gegen
Abend zu bewegen scheint, demselben in dieser Richtung fol-
gen muß.

/≥ d. Von den besondern Bewegungen des Meers,
die von dieser allgemeinen herrühren. ≤

/Die Meerströme oder Courrants sind entweder bestän-
dig oder periodisch. Unter die ersteren gehöret der Strom, der
zwischen Madagascar und dem festen Lande von Africa strömt, der
von dem Vorgebürge St_Augustin in Brasilien nach den antillischen
Insuln zeucht, der, welcher durch die Straße le_maire von Westen
nach Osten, %und der, welcher in der Magellanischen Meerenge mit
entgegengesetzter Richtung strömt. Alle diese Meerströme
sind nichts anders als Wirkungen der allgemeinen Meers-
Bewegungen von Morgen gegen Abend in sofern dieser durch
die Küsten eine besondere Richtung gegeben wird. Diese Meers-
ströme ziehen selbst gegen den Wind. Es sind noch andere Ströme
in den Indischen %und anderen Meeren, welche mit den periodischen
%und anderen Winden abwechseln, %und jederzeit ihre Richtung halten.
Wo die Ströme zwischen Insuln oder Reihen von Sandklippen

/|P_21

/streichen, sind sie heftiger als im offenen Meere. Einige Ströme, de-
ren es in Westindien sonderlich im Mexicanischen Meere viele
giebt, ändern ihre Richtung der Ebbe %und Fluth gemäß.

/≥ e. Von den Meerstrudeln. ≤

/Viele geschehen auch durch die reciproque Bewegung des Meers in
der Ebbe %und Fluth, weil sie sich nach dem Monde richten. ZE so ge-
het der Meerstrudel bey Iasaci an der Küste von Iapan zur Zeit
der Ebbe vor sich. Der Meerstrudel an den norwegischen Küsten,
der Maskestrom genannt, ist nichts anders als ein nach dem Monde
abwechselnder Meeresstrom, welcher durch die Lage der Küsten, Inseln
%und Felsen gedrehet wird; daher er in der Zwischenzeit zwischen Ebbe
%und Fluth ganz geruhig ist. Indeßen kommen auch einige Strudel von
den Courrants her, die vom Winde erregt werden, wie der Charyb-
dis in der Straße von Meßina.

/≥ f. Warum das Meer von den Flüßen nicht voller werde. ≤

/Die Ausdünstung nimt eben so viel weg, als die Flüße hinein-
bringen. Halleys Ausrechnung beym todten Meere, welches
täglich 9.000.000 Tonnen Waßer ausdunstet %und durch den Ior-
dan höchstens 6.000.000 Tonnen bekömt. Daher ist nicht nöthig daß
die Meere eine unterirrdische Gemeinschaft haben, wie solchs
vom Caspischen Meere, vom Persischen Meerbusen, vom mittel-
ländischen Meere, %und dem rothen vorgegeben wird. Ein Meer wel-
ches mit dem Ocean keine Gemeinschaft hat ist ein Bassin, wel-
ches so lange mit Waßer angefüllet wird, bis seine Oberfläche
so weit zugenommen, daß die Ausdünstung der Menge der durch
die Flüße zugeführten Gewäßer gleich ist.

/Es könen aber inländische Meere, die mit dem Ocean Gemein-
schaft haben durch die sich hinein ergießende Flüße mehr Waßer
bekommen, als sie durch die Ausdünstung verliehren, %und dann strömt
das Wasser aus ihren Fretis heraus zE beym schwarzen Meere.
Oder sie haben weniger Zufluß, als die Ausdünstung wegnimt
%und als dann dringet beständig durch das Fretum das Gewäßer
des Oceans hinzu, wie bey dem Mittelländischen Meere %und der

/|P_22

/Ostsee. Es müßen hiebey die zwey wiedrigen Ströme in den fre-
tis erkläret werden, da zE das Oberwaßer in dem Sunde aus
der Nordsee in die Ostsee fließet; das Unterwaßer aus der
Ostsee in die Nordsee ziehet. Imgleichen da im schwarzen Meere
das Oberwaßer durch die Meerenge der Dardanellen ins grie-
chische Meer «fließet» %und das Unterwaßer in entgegenge-
setzter Richtung fließet zurükströmt; dahingegen fließet
das Gewäßer des atlantischen Oceans durch die Meerenge
von Gibraltar oberwärts ins mittelländische Meer, nämlich
bey der Fluth, %und in großerer Tiefe findet man bey eben diesem
Freto einen Strom, der aus dem mittelländischen Meere ins At-
lantische gehet. Man findet auch langsame Ströme im mittel-
ländischen Meere an den Seeküsten, deren Richtung %und Gesetze
angezeiget werden.

/≥ g. Ob das Meer in allen seinen Theilen gleich hoch sey. ≤

/Einige Autores behaupten das rothe Meer sey höher als
das mittelländische Meer, %und darum sey es auch unmöglich bey-
de durch einen Canal zu vereinigen. Eben so geben die Spanier
vor, das Atlantische Meer stehe höher als das Stille, %und ein Ca-
nal, der den Isthmum von Panama durchschnitte, sey darum
unmöglich. Nach dem Varenius ist die Nordsee höher als die
Südersee, d.i. als der Busen der Nordsee, welcher an Amster-
dam anspühlet. Von den Ursachen dieser merkwürdigen Eigen-
schaften.

/≥ h. Einige Merkwürdigkeiten des Eismeers. ≤

/In der Eiszone bey den Halbkugeln treiben im Frühlinge
bis spät im Sommer entsetzliche Eisschollen, welche Eisfelder
genannt werden, die oftmahls 80 bis 100 Klafter über dem
Waßer hervorragen, %und andere kleine die man Eisberge
nennet ragen wie hohe Thürme über dem selben hervor. Ihr
Umfang ist bisweilen Meilen groß. Sie machen um sich die
Luft entsetzlich kalt %und neblicht. Sie entspringen vieleicht

/|P_23

/nicht aus dem gefrornen Meerwaßer, sondern sind wahr-
scheinlicherweise große Eisklumpen, die von dem Eise, welches
die Flüße, die sich ins Eismeer ergießen, über einander schieben,
zusammengesetzet sind, %und wegen ihrer Dicke zerschmelzen sie so
langsam. In Grönland %und Island wachset so wie in allen Län-
dern, die in der EisZone liegen, nur sehr niedriges Holtz; es komt
aber alle Iahre eine große Menge Holtz aus dem Eismeer an-
getrieben, welches viel größer ist als das es in diesem Erd-
striche wachsen kann. Anzeigung der Gegenden wo solches her-
kömt.

/≥ i. Von Landseen %und Morästen. ≤

/Was eine Landsee sey. Wie die Gegend des festen Landes
beschaffen seyn müße, wo es viele Seen geben soll. zE In Finn-
land, Canada, Schweitz. Unter allen Seen ist die Czirnitzer-
See im Herzogthum Crain einer der merkwürdigsten. Er läuft
bey trokner Zeit ganz ab, außer einem Bach der in der Mitte
übrig bleibt. Mehrentheils läuft er um Iacobi ab %und komt
im October oder November wieder. Es sind 18 Gruben oder
Keßel, darin er sich in 28 Tagen verläuft; diese Gruben
ziehen nicht zu gleicher Zeit ab. Man hat Exempel daß er in ei-
nem Iahr 3mahl abgelaufen ist. Bey Gewittern läuft die See
auf, annoch ehe es regnet. Es sind in dem Berge der nahe an der
See lieget, noch 2 Löcher jedes ein Quadrat Fuß groß, daraus
in diese See Waßer hineinstürzet. Im Herbste bringt es
schwarze, kahle %und blinde Enten heraus, die hernach flik %und
sehend werden. Ursache dieses Phaenomeni. Ob einige Flüße,
die durch Seen laufen zE der Rhein durch den Bodensee, die Rho-
ne im Genfer See, die Donau im schwarzen Meere ihren
Lauf in der See ohne Vermischung mit deßelben Waßer
erhalten? Erzählung der namhaften Morästen. Ursache %und
Nutzen derselben. Erzeugung des Torfes %und Beantwor-
tung der Frage, ob derselbe wieder wachse.

/|P_24

/≥ Allgemeiner Theil der physischen Geographie

/Zweytes Hauptstück.
/Geschichte des festen Landes.

/§ 1.
/Von den unbekanten Ländern. ≤

/Einige sind nur Theile von bekanten Ländern, als das innere
südliche America, das innere Africa. Andre sind nur an ihren
Vorgebürgen %und andre an einige Küsten bekant. Zu diesen ge-
hören Grönland, Neuholland, zu jenen einige Spitzen des unbe-
kanten Australlandes. Noch andre werden nur vermuthet,
zE mehr Inseln im großen stillen Meer, große Australländer pp.
Bey einigen ist man noch beschäftiget Entdeckungen zu ma-
chen, als durch die Durchfahrth in Nord-Ost %und Nord-West, davon
die erstere durch die Holländer %und Rußen, die andere durch die
Engländer versuchet wird. Hinderniße die sich diesen Bemü-
hungen wiedersetzen. Von dem alten %und verlohrnen Grönlande,
welches dem neuen gegen Osten lag.

/≥ § 2.
/Von den Inseln. ≤

/Die größesten sind Borneo, Madagascar %und Iapan. Die
mehresten liegen zwischen den Tropicis. In der Naheit
des festen Landes sind sie häufiger als weit von demselben
im offenen Meere. Der Archipelagus «in» der maldivischen
«Inseln» Einlande hält auf 12.000 Inseln in sich, die in 13 Atto-
tons eingetheilet sind. Der Archipelagus der moluckischen, phi-
lippinischen %und latronischen Inseln. Schwimmende Inseln.
Sandbänke an den Ostiis der Flüße. Die Bank bey Terre neuve
welche felsicht ist, ist die berühmteste unter allen, %und tief
genug unter dem Waßer um darüber zu schiffen. Sie ist als
ein unter dem Waßer gelegener Fels anzusehen, der oben ganz
platt, von einem Ende zum andern 150 französische Meilen
lang %und ungefähr 50 breit ist. Er stehet 25 bis 40 Faden tief
unter dem Waßer, ist rund und ganz steil abgeschnitten, so daß
man nahe bey demselben auf 150 Faden keinen Grund findet.

/|P_25

/≥ §. 3
/Allgemeine Betrachtung des festen Landes %und der Inseln. ≤

/Gleich wie der Boden des Meers eigentlich ein Thal ist,
daß mit Waßer uberschwemet worden, so ist alles Land ein
Berg, deßen Fuß im Meeres Grund anzutreffen ist. Alles
Land hat dem zufolge einen Abhang von den Gegenden seiner
größten Erhöhung bis in die Tiefe des Meers. Die oberste
Hohe des festen Landes ist mit Gebürgen besetzt, die nach
der größesten Lange de«r»sselben fortlaufen. Auf der abschüs-
sigen Fläche des Landes laufen Flüße herab, die in den Gebir-
gen ihren Anfang nehmen. Das «gro» feste Land hat seine
großeste Erstreckung außerhalb den Tropicis. Ie näher es zum
Aequator ist, desto näher verlieret es sich ins Meer, daher die
Landesspitzen %und Halbinseln mehrentheils nach dem Aequator
hingerichtet sind. Man findet wenn man den Lauf der Flüße
beobachtet, daß das feste Land gegen Süden %und Westen stei-
ler %und abschüßiger sey als gegen Osten %und Norden. Und Dampier
hat dieses auch an den mehresten Küsten der Inseln %und Län-
der gefunden. Die Ursache wird folgen.

/≥ § 4. Von den Gebürgen

/Die Gebürge sind eine Kette von Bergen, welche die höchste
Gegend des Landes, nach der Länge seiner größesten Erstre-
kung einnehmen. In einer Reihe von Gebürgen ist wiederum
eine Gegend derselben die höchste, von der nach beyden Seiten
die Berge immer niedriger werden, bis sie sich ins Meer allmäh-
lich verliehren, oder Vorgebürge machen. Die größeste Länge
von «Portugall» Europa ist von der westlichen Küste Portugalls
bis an die Meerenge des schwarzen Meers zu rechnen, %und in dieser
Richtung gehet eine einzige Kette von Gebürgen fort, die hin %und
wieder verschiedene Benennung bekommt, bald des Pirenäischen
Gebürges, bald der Alpen, bald des Carpatischen Gebirges, %und
bald der griechischen Gebirge, die als ein Ast von den Alpen
können angesehen werden. Alle Halbinseln %und Landspitzen haben

/|P_26

/in ihre Mitte ein Gebürge, welches sie der Länge nach durch-
läuft zE der Apennin in Italien, das Gebirge Gate auf der Halb-
insel dißeit des Ganges. Eben so werden die Inseln als Sumatra,
Madagascar, Iamaica pp in ihre Längen von Gebürgen durchschnit-
ten. Die Hauptgebirge eines Landes laßen so zu sagen, auf
den Seiten Nebenäste laufen, wie die Alpen, den Apenninus, der
Taurus, das galatische Gebirge. Die mehresten Gebirge lau-
fen mit den Meeres-Küsten, die ihnen am nächsten sind
parallel, wo aber zwey Gebirge <sich> einander durchschneiden, da
siehet man einen Meerbusen, der sich in das tiefe Thal ausbrei-
tet, das auf solche Weise gemacht ist. Man wird alles dieses
aus der Erzählung der namhaften Gebirge auf der Erdku-
gel am besten ersehen.

/Die Hauptgebirge von Europa, Asia %und Africa erstrecken
sich von Morgen gegen Abend. In Europa die Alpen, von denen
der Apennin, der Harz, die Sudetischen %und das Carpatische Gebirge
bis in Thracien auf einer Seite, %und die Pirenäischen %und die übri-
gen spanischen Gebirge auf der andern Seite als Küsten angese-
hen werden. In Norwegen gehen die Gebirge den G Küsten pa-
rallel bis ans Nord-cap. In Asien ist das Hauptgebirge Taurus,
welches um die Caspische See von Osten nach Westen gehet, von
da der Imaus sich anfängt %und weiter nach Osten bis an die
tartarische See sich erstreket. Dieses Hauptgebirge aber
ist kreüzweise mit andern durchschnitten, die von demselben
nach Norden bis ans Eismeer und nach Süden bis ans caspische
Meer gehen. In Africa gehet den Küsten des mittelländischen
Meeres parallel von Westen nach Osten der Atlas, %und erstrec-
ket sich unter verschiedenen Namen bis nach Egypten. Eben
dieses geschiehet in dem obern Theil von Guinea. Africa ist von
Abyssinien an, bis ans Cap«¿»o de bonne esperance von Norden
nach Süden, mit einem Gebirge, das in dem südlichen Theil das

/|P_27

/Mondgebirge heißet, durchschnitten.

/In America läuft das vornehmste Gebürge nämlich die
Cordillera den Küsten des steilen Meeres parallel von Norden
nach Süden bis ans fretum magellanicum.

/≥ § 5.
/Von den höchsten Bergen auf der Erde. ≤

/Die äußere Gestalt eines Berges ist kegelförmig, das was
man von den unersteiglichen im Dauphiné sagt, deßen
Fuß 1.000 Schritte %und der Gipfel 2.000 enthalten soll, ist un-
richtig. Das feste Land worauf ein Berg stehet, ist schon ein
Berg an sich, deßen Fuß von weitem Umfang ist. Basel
liegt 3427 Fuß höher als Rotterdam, %und das Thal Quieto in Peru
ist höher über die Meeres-Fläche erhoben, als die höchsten Alpen.
Ein Berg aber ist viel steiler am Abhange als das feste Land.
Die höchsten Alpen sind nicht über 8 bis 10.000 Fuß hoch. Der
Pico auf der Insel Teneriffa ist nur 13158 Fuß hoch nach des
Teville Ausmeßung. Der höchste unter allen Bergen auf
der Erde ist Chimboraso in Peru, welcher 23.000 Fuß hoch ist.
NB. Zu den Gebirgen gehören auch die Reihen von Inseln, als die
Maldivischen, Anamanischen, Nicoba, Sumatra, die Philippi-
nischen %und Latronischen. Die Spitzen der Berge sind gemei-
niglich kahl %und felsicht. Ueberhaupt finden sich die höchsten je
näher man dem Aequator kömmt.

/Die Gebirge Corderillas in Peru sind die höchsten. Von da
werden sie als einzelne Berge immer kleiner, je weiter sie sich
vom Aequator entfernen. Um Spitzbergen %und Grönland
sind die Berge gegen jene wie Maulwurfs-Hügel anzusehen.

/≥ § 6.
/Beobachtungen auf sehr hohen Bergen. ≤

/1) Dünne Luft. Auf den Spitzen der höchsten Alpen fällt das
Barometrum 8 Zoll, %und auf den höchsten peruanischen auf vier-
zehn. Dieses aber ist nicht die Hauptursache der Beschwerlichkeit
in diesen Höhen zu respiriren. Ein abgeschoßenes Gewehr knallet

/|P_28

/daselbst sehr wenig.

/2) Es ist die Gegend nicht ganz ohne Wind, ob sie gleich unten in
den Thälern offter rasen, da es oben ganz still ist. Beweis aus
der Erfahrung auf den höchsten Cordillerischen Gipfeln. Immer-
währenden Sturm findet man in den Gebirgen, wenn man
aus dem Thal Quieto Ostwerts dieselbe paßiren will.

/3) Die Wolken gehen öfters niedriger als die Spitzen solcher hohen
Berge, %und ofters höher.
Man hat einen Adler noch 100 Klafter über
die höchsten Bergspitzen fliegen gesehen. Die Bewohner der
hohen Luft, haben einen freyen Geist wie zE die Schweitzer,
daher das Heimweh, welches aber blos aus der Einbildung entspringt.
Die Erfahrungen der französischen Gelehrten haben be-
wiesen, daß der Geburtsort der Blitze wirklich in den <Wolken> Blit-
zen sey, und nicht wie der Marquis Maffei meinet unten
an der Erde. Erzählung eben deßelben von einer besondern
Apotheosi auf einer Spitze dieser Berge. Schatten den der
Pico von Teneriffa auf die See wirft.

/4) Auf den Spitzen hoher Berge ist die Luft rein, von allerhand
Ausdünstungen der oelichten Theile. Es ist daselbst ein immer-
währender Winter %und ein ewiger Schnee, der nur dadurch sich
aufzulösen verhindert wird, weil öfters große Klumpen des-
selben herabstürzen. Von den Schnee Lawinen in den Alpen. Auf
der Spitze des Pico ist es etwas wärmer, als in den mitlern Gegen-
den, weil oben ein hoher Tachter Caldera genannt, als ein Dampfloch
warme Dünste ausflößet. In der Schweitz in einem lange Thale
zwischen den höchsten Bergen von St_GotthardsBerge bis an die
Piemontischen Gebürge, ist das Eismeer oder der Gletscher
eine Art von See oder Eistefel, die immer mit Eispiramiden
bedecket ist, wo an den Gebirgen immer große Eiszapfen ge-
bildet werden, die durch ihre Schwere endlich herabstürzen

/|P_29

/ein immerwährendes Gepolter machen. Das Eis breitet sich weit
über die nahe gelegenen Wiesen aus. Besondere Eigenschaft,
daß es sehr schwer schmilzet, verglichen mit der Eigenschaft
warmer Bäder, die sehr schwer kalt werden. Eben die Ursache,
die diesem Eise diese Eigenschaft giebt, mag auch verursachen,
daß das gefrorene Kalbfleisch in dem peruanischen Gebirgen,
in die heißen Gegenden von Lima ohne Fäulniß gebracht wird
%und verzehret werden kan. In Spitzbergen faulen die im
Winter gefrorenen Menschen, im Sommer gar nicht. Frölichs
Beobachtung auf einer Spitze des Carpatischen Gebirges,
imgleichen einige Besonderheiten von dem Panumos oder
den Peruanischen Gebirgen

/≥ § 7.
/Methode die Berge zu meßen. ≤

/Die Höhe der Berge über die Meersfläche wird auf zwiefache
Art gemeßen, entweder geometrice welches sehr weitläuftig
ist, oder barometrice, in welcher man durch viele verglichene
Beobachtungen gelernet hat, die Höhe der Berge durch den Fall
des Queksilbers sehr genau zu finden.

/Die Queksilber Säule unter den Aequator 28 %Grad (sonst 29 %Grad)
72 Fuß Luft, wiegt eine Linie Queksilber. Die Luft ist elastisch
%und macht daß bey großen Höhen die Luft dünner wird, %und also
mehr wie 72 Fuß hoch sey.

/Die obere Luft hat mehr ausspannende Kraft, %und ist von reine-
rer Natur, die nicht so viel fremde Teile hat die die Spankraft
verhindert.

/Man ist durch die Schwierigkeit ziemlich hindurch gedrun-
gen, nach den Regeln die Bernoulli gegeben. Die Berghöhen im
Lande sind höher als die isolirten, denn«en» ihre Basis ist höher

/|P_30

/Die Wetter-Wolken entstehen aus der Mitte der Berge, %und man
befindet sich oft mitten, in selbigen, %und ersticket oft.

/≥ § 8.
/Vom Nutzen der Berge %und Gebirge

/Vermittels der Hohe des vesten Landes, werden einige Ge-
genden der Erde, die sonst in einem sehr heißen Climate lie-
gen, in eine kühlere Luftgegend versetzet, daher der Theil von
Peru, welcher hoch lieget, nemlich das Thal Quito, ob es gleich
der Linie ganz nahe ist, eine Witterung wie Frankreich hat,
%und eines immerwährenden Frühlings genießet. Aethiopien
ist deswegen sehr fruchtbar %und angenehm.

/Die Winde welche über die beschneyten Berge wehen, küh-
len die Thäler ab. Ein hoher Berg, der in der Zona torrida lieget,
hat alle Climata gleichsam in seinem Bezirke. Die Gebirge
veranlaßen auch den häufigen Regen der in ihrem Bezirke
fällt, durch welche %und den aufthauenden Schnee große Flüße
entstehen, welche dürre Länder bewäßert erhalten.

/≥ § 9.
/Von den Höhlen %und Klüften der Berge. ≤

/Alle Berge sind inwendig hohl. Dieses beweisen die
Erdbeben %und brüllende Getöse in ihrem Inwendigen, in
Italien, %imgleichen in der Schweitz sind viele derselben, die von Men-
schen durchdrungen wurden. Im Pilatus_Berge, im Canton
Lucern ist eine Höhle die 300 Schritt fortläuft 10 bis 14 Fuß
breit %und 16 hoch ist. Ein anderer Berg ist so hohl, daß ein Stein
der oben hinein geworfen worden, noch etlichemahl hin %und wie-
der schlägt %und unten am Fuß wieder hervorkömt. Die Höhle
von Antiparus einer Insel des Archipelagi ist von Tournefort
beschrieben. Man gehet durch abschüßige Gänge, die sehr breit
%und hoch sind zu einer Tiefe von 150 Faden %und von oben an 300 Klafter
%und findet viele Naturspiele von Tropfsteinen. Der Labyrinth
von Candia ist auch von der Natur gemacht, %und nur von Menschen

/|P_31

/erweitert worden. Er ist an der SüderSee des Berges Ida.
Der Gang welcher hineinführet ist 7 bis 8 Fuß hoch, wird aber
so niedrig, daß man oft kriechen muß. Der vornehmste Gang
ist 150 Schritt lang. Tourneforts Anmerkungen vom Wachsen
der Steine.

/≥ § 9.
/Von der Luft, Kälte %und Wärme in der Tiefe,
der natürlichen %und künstlichen Höhlen. ≤

/Die Luft ist desto dichter %und schwehrer, je tiefer die Höh-
len sind, davon in der Geschichte des Luftkreises ein meh-
reres. In großen Tiefen ist die Wärme das ganze Iahr bey
nahe gleich; daher es mehrentheils ein Irrthum ist, wenn
die Kelter im Sommer für kälter %und im Winter für wärmer
ausgegeben werden. Doch sind einige Exempel, die es bewei-
sen, daß es zuweilen sich wirklich so verhält. zE in Frankreich
bey Meaux strömet in eine Höhle klares Waßer, in dieser
Höhle ist desto häufiger Eis, je heißer der Sommer ist, %und
mitten im Winter schmilzt es. An einem der Carpatischen
Berge ist die berühmte Höhle, die einen abschüßigen Boden
hat, man weis nicht, wie tief sie sich in den Berg erstreckt.
Wenn es im Winter draußen scharf frieret, so schmilzt
alles Eis darinnen %und im Sommer frieret es unleidlich. Auch
in Kellern hat man im Winter Pechklumpen zerfließen
gesehen, die im Sommer hart waren. Muthmaßliche Ursache.
Sonst führt Bayle an, daß in den Bergwerken, wenn man
sich herabläßt %und dieses im Sommer, es zwar bey zunehmender
Tiefe nach %und nach kälter werde, doch aber wenn man noch
tiefer kömt, die Wärme sehr ansehnlich zunehme. Agri-
cola
führt an, daß die Bergwerke, die durch zwey ungleich
hoch zu Tage ausgehende Schachten, mit der äussern Luft
Gemeinschaft haben, eine Circulation der Luft verspühren.

/|P_32

/da die äußere Luft im Winter aus den größesten Schacht he-
rauskomme, %und den kürzesten hineingehe, im Sommer aber umge-
kehrt. Ursache davon. Einige Klüfte der Berge blasen auch
Winde von sich vornemlich im Sommer. Anmerkungen aus den
schwedischen Abhandlungen von den senkrechten Schachten.

/≥ § 11.
/Von den Bergspalten ≤

/Man findet oft ganze Berge von einandergerißen, so daß
die gegen einander überstehende Seiten ganz genau zusam-
men paßen %und dazwischen eine unergründliche Kluft ist.

/Es kan dieses bewei@«¿»@sen von dem Trokenen der Materie,
woraus der Berg besteht, bisweilen von dem Ausgleiten
einer Seite des Berges, deßen Fuß von fließendem Was-
ser unterwaschen ist, oder auch vom Erdbeben herrühren.
Diese Ritzen sind öfters sehr weit, bisweilen aber auch
nur schmal, wodurch sich das Regenwaßer in große Tie-
fen herabseiget. Gleich wie die großen natürlichen Hö-
len dem Erdbeben Platz geben, so erzeugen sich in den Rit-
zen und Spalten der Gebirge allerley Gesteine als Spath
Cristall, welche von dem sich herabseigenden Waßer, das
allerley Steinteilchen absondert, nach %und nach angesetzet
werden.

/≥ Drittes Hauptstück

/§ 1.
/Vorboten %und Bestimmungen eines Erdbebens. ≤

/Die Ratzen %und Mäuse gehen aus ihren Löchern. Oft kriecht
auch ein verborgenes Gewürme aus der Erde. Die Thiere fürchten
sich. Ursache hievon. Gemeiniglich ist die Luft vorher still. Allerhand
feürige Lufterscheinungen, als dann folgen hierauf heftige
Stöße, die kaum einige Minuten fortdauern, wobey die
Erde hin %und her schwanket. Das Meer fliehet %und läßt den Strand
trocken, bald kömt es wieder zurük. Diese Bewegung ist mehren- 

/|P_33

/theils mit einem unterirrdischen Toben als eines reißenden
Sturmes verbunden.

/≥ § 2.
/Gegenden der Erde, die am meisten mit Erdbeben beschweret werden. ≤

/Länder, welche als der Fuß großer Berger anzusehen sind, oder
als die Fortsetzung derselben sind mit Erdbeben beunruhiget
zE Peru, Italien, die Insel des Capo verte, imgleichen die im
indischen Meere. Vornemlich sind sie am heftigsten, wo das
Land nahe an die See stößet, häufiger in der Zona torrida
als außer derselben. Ursache. Häufiger in der Regenzeit
als in den trockenen; in den Winter-Monaten häufiger
als im Sommer. Vorzeiten häufiger als jetzt.

/≥ § 3.
/Ursache %und Wirkung des Erdbebens. ≤

/Die warmen Bäder zeigen, daß Erhitzungen in dem Innren
der Erde vorgehen. Man kan dieselben durch die Kunst nach-
ahmen. Eine Mischung von Eisenfeilstaub, Schwefel %und Waßer
in die Erde vergraben, bringet nach etlichen Stunden eine Bewe-
gung der obern Erde, Dampf %und %endlich eine lebendige Flamme zuwege.
Die vitriolische Säure, die allenthalben in der Erde ist darf
nur durch Waßer aufgelöset %und auf Kupfer oder Eisenerzt ge-
führet werden, so gehen Erhitzungen vor sich. Alles Feuer erstic-
ket aber durch Mangel der Luft, daher wird manche Erhitzung eine
blos glimmende Gluth seyn, die nicht eher ausbricht, bis die in
diesem Gewölb befindliche Luft in einem Zug versetzet wird.
Diese Bewegung der unterirrdischen Luft entstehet, wie die
Winde durch Erhitzung einer Gegend vor der andern, %und daraus
kan das Raßeln, welches das Erdbeben begleitet, daß dem
Toben eines Sturmwindes «gleich» <ähnlich> ist, erkläret werden. Es ge-
höret Waßer dazu, um die ächzende Salze %und Mineralien ausein-
ander in Bewegung zu bringen. Daher kan der Regen der sich
durch alle Ritzen %und Spalten durchseiget, die Erdbeben veranlas-
sen. Das Meer ruhet mit einer großen Last auf dem Boden, %und

/|P_34

/wiederstehet der unterirrdischen Gewalt kräftig, daher wird eine
verdoppelte Stärke derselben an die Ufer ausgeübet; doch bebet
auch das Meer. Die unterirrdischen Höhlen hangen in weiten Ge-
genden untereinander zusammen; denn die Erdbeben breiten sich
aus einer Gegend der Erde in die andern entlegenen aus %und, gehen
oft einige 100 Meilen unter der Erde fort. Von den Waßerbewe-
gungen bey dem letzten Erdbeben. Es steigen bey dem Erdbeben
fremde Dünste aus der Erde in die Luft, daher die Aenderungen der
Witterung. Die Gebäude welche einen festen Grund haben, leiden
mehr durch Erdbeben als die leicht gebauet sind. Daher die Ge-
wohnheit der Peruaner ihre Häuser zu bauen. Untergang großer
Städte durch diese unglükliche Ursache.

/≥ § 6.
/Von den feuerspeienden Bergen. ≤

/In allen Welttheilen giebt es derselben, selbst in Island %und Grön-
land, allein in der Zona torrida %und der nahe gelegenen Erdgegend
sind die meisten. Fast alle moluccische Inseln haben einen solchen
Berg in der Mitte. Einige haben ehedem gebrannt %und sind nun
erloschen, andere sind ehedem ruhig gewesen, %und haben sich nun
eröfnet. Exempel von den ersten sind viele Berge in Peru. Eine
Bergspalte oder große Kluft im Berge Ararat, welche noch vom
Rauche geschwärzet ist. Eine Insel an den Küsten von Brasilien
das verbrannte Eyland genant pp. Exempel von dem zweiten sind
ein Berg auf der Insel Iava %und eine auf der Insel Banda %imgleichen
eine von den Inseln des Capo verde. Die Wirkungen dieser feuer-
speienden Berge sind bey den meisten ein beständiger Rauch,
bey andern ein Ausbruch von Flammen, Auswurf von Steinen
%und Waßer. Es fließet oft eine Lawa oder ein Strom geschmol-
zener Materie heraus. Oefters spalten ganze Berge mit
großen Krachen, als der auf der moluccischen Insel Machiam
%und bisweilen werden ganze Berge umgeworfen, wovon viele
Ruinen in den Cordillerischen in Peru anzutreffen. Das Toben
der feuerspeienden Berge hat mit dem Erdbeben diese Verknüp-
fung, daß wenn zE. Vesuv tobet, das Erdbeben nachläßet %und wenn

/|P_34R δZ_09
/{ Daher sind auch alte Häuser zu Konstan-
tinopel nur leicht, von Holz gebauet, und
man hat die Bemerkung gemacht, daß der
Tod der ansehnlichen Menge Menschen
welche hier in dem lezten Erdbeben umge-
kommen sind, durch das Einstürzen der da-
mals zum Theil noch vorhandenen großen
maßiven Gebäuden verursacht worden. }
~

/|P_35

/jener aufhöret Flamen auszuwerfen, die Erde mit größerer
Gewalt beweget wird. Im gleichen findet man, daß wenn von
zwey einander nahegelegenen feuerspeienden Bergen einer
Feuer ausgeworfen hat der andere ruhet, %und so umgekehrt
zE. Vesuvius %und Bahutara, Aetna %und Strongylus. Die Ursache ist
darin zu suchen, daß wenn das unterirrdische Feuer bei einem
Erdbeben sich nur dadurch entzünden kann, wenn es einen Zugang
frischer Luft hat. Daher der Berg deßen feüriger Dampf
überwerts getrieben wird ruhet, so bald aber das Feuer sich ent-
zündet, so stößt es die Luft von sich %und bleibt das Feuer auf dem
Heerde des Berges, daher toben die Berge mit Intervallis so wie mit
Respirationen wie Bouquer in Peru angemerket hat. Und die Erdbe-
ben geschehen auch mit solchen ruhigen Zwischenräumen.

/Das Erdbeben hebt oft neue Berge über dem festen Lande
hervor, %und hebt neue Inseln aus dem Boden des Meeres empor.
Im Iahr 1538 entstand bey Pozzuolo, eine gewisse Oefnung in
der Nacht, woraus so viel Sand %und Steine geworfen w«u»orden,
daß ein Berg Monte di Cenere daraus entstand der 400 Ruthen
hoch war, %und 3 italienische Meilen im Umfange hatte, anderer
zu geschweigen. 1720 wurde bey den Azorischen Inseln aus einem
120 Fuß tiefen Meeres-Grunde eine kleine Insel hervorgetrie-
ben, die eine Meile weit war. 1707 ist bey der Insel Santorini
in Aegeischen Meere aus dem mehr als 80 Faden tiefen Mee-
resgrunde eine Insel, die 6 Meilen weit durch ein Erdbeben
empor gehoben worden.

/≥ Viertes Hauptstück.
/Geschichte der Quellen und Brunnen.

/§ 1.
/Von der Ursache derselben. ≤

/Die bey den vernünftigen Naturforschern itziger Zeit herr-
schende Meynung, von den Ursachen der Quellen, ist diese daß ~

/|P_35R δZ_14
/{ Vor nicht langer Zeit (etwa 3 Iahren)
ent«¿¿¿»stand ohnweit Grönland eine neue
Insel, welche mehr als eine Meile im
Umfang hat. Sie rauchte beym Entstehen
und scheinet nur aus Schlacken zu bestehen.
(1785) }
~

/|P_36

/sie «sich» von dem Regenwaßer, welches sich in den Schichten der
Erde seiget %und an einem niedrigen Ort hervorquilt, entstehen.
Die oberste Rinde der Erde bestehet nemlich aus Schichten
von verschiedener «Art» Materie, die sich blatterweise über-
einander befinden, wovon hernach ein mehreres. Das Regen-
waßer seiget sich durch die lockern Schichten von Sand, Kie-
selstein, %und lockerer Erde, bis es an einen festen, leimichten,
%und steinigten Grund kömt; da es unterwerts nicht weiter
sinken kann, schleicht es sich nach dem Abhange der Schichten,
woran es stehen bleibt fort, macht verschiedene Adern %und
dringt an einem niedrigen Ort hervor, welches eine Quelle
machet, die noch lange fortdauert, wenngleich der Regen
eine Zeitlang ausgeblieben, weil das Waßer aus der Quelle
nur langsam abfließet, aber aus einem großen Umfange
des nahen Landes einen allmähligen Zufluß bekömt, die
Sonne, auch diese in der Erde befindliche Feuchtigkeit nicht
abtroknet. Dies ist die Meynung des «@H@ariot» Mariot, Halley
%und anderer mehr.

/In Frankreich ist das Luftwaßer 22 Parisischer Zoll hoch. In
gebürgigten Ländern 30 Zoll; diese mit der ganzen Landesfläche
multiplicirt ist die Summe des Luftwaßers. Damit wird verglichen
das Waßer welches die Flüße abführet, die Flüße geben jeder-
zeit viel weniger Waßer, als aus der Luft herabgefallen.
Hieraus zog Halley, welcher die Menge des Regens %und Schneewaßers
<in einem Iahr> bemerkte, die angeführte Folge, daß das Luftwaßer hinläng-
lich wäre zu Quellen. Die Schwierigkeiten, die dawider gemacht
worden sind diese, daß der Regen in ein ausgetroknetes Erdreich
nicht über 2 Fuß eindringt, da doch bey Grabung der Brunnen öf-
ters mehr als 100 Fuß tiefe Quelladern angetroffen werden.
Allein darauf wird geantwortet, daß

/1) Durch Ritzen %und Spalten der Erde, das Waßer nach einem langen
Regen in die Steinkohlengruben wohl 200 Fuß tief, %und in ein Berg- 

/|P_37

/werk wohl 1600 Fuß tief eindringt.

/2) Das wenn man eine leimichte Schichte a b, welche abhängig ist, an-
nimt, welche bey a zu Tage ausgehet %und über der ein Berg sich befindet,
das Regenwaßer, welches darauf fället, durch kleine Adern,
die es sich aus arbeitet, in den Berg nach der Richtung a b fort-
läuft %und also, wenn aus der obersten Spitze des Berges ein Brun-
nen c d gegraben worden, daß daselbst Quelladern angetroffen wer-
den, die aber nicht von dem auf dem Berge gefallenen Regenwaßer,
sondern von dem das auf die Ebene außer dem Berge gefallen %und auf
der abhängigen Schichte, die durch ihn fortläuft, sich durchgeseiget
hat herzuleiten ist; daß oft auf hohen Bergen Quellen anzutreffen
sind zE auf dem Bloksberge, Tafelberge an Capo bonae spei pp. allein
man findet bey genauer Untersuchung, daß doch ein Theil des Berges
höher lieget, als die Quelle die auf ihm entspringt.

/3) Daß einige Quellen bey der größten Dürre ohne Verminderung
fortfließen. Dieses rührt von der Tiefe der Schichten her, die sich,
wenn sie sich einmahl voll Waßer gesogen haben, beständig naß erhal-
ten, indem sie aus ihrem weiten Umfange, nur einen geringen Theil
in die Quellen liefern: Dahingegen dienet zur Bestätigung dieser
Meynung, daß in Arabien wo es wenig regnet, es auch in sehr
dürrem Sande kleine Quellen giebt, daß die meisten Quellen in
einem Iahr, wo es wenig regnet eine allgemeine Abnahme an Was-
ser leiden, auch wohl gar versiegen pp

/Cartesius erklärte den Ursprung der Brunnen also: In dem in-
wendigen der «Erde» Berge befinden sich weite Höhlen, in diesen befin-
den sich durch weite Gänge die zum Meer führen, Meerwaßer, wel-
ches vermöge der unterirrdischen Hitze in Dampf verwandelt würde,
%und indem dieser, in die oberste Schichte der Erde eindringe, eine immer-
währende Quelle mache. Ein gewißer Iesuit %und Perrault bestäti-
gen Cartesii Meynung mit Exempel, welche wir aber ohne Schwierig-
keit nach unserer Hypothesi erklären können.

/Die dritte Meynung, daß das Meerwaßer, welches sich in den

/|P_38

/Höhlen der Berge befinden soll, durch das Seigen der Erde %und
Sandpartikeln bis an deßen Spitze erhoben werden soll, ist wider
die Experimente der in Haarröhren oder in Sandhaufen sich zusammen-
ziehenden Feuchtigkeit, %und gesetzt das«ß» wäre also, so würde es doch
nicht wieder von den Bergen heraus fließen, so wie sich zwar an einem
Hute Zucker das an seinem Fuße %befindliche Waßer bis oben zuziehet,
aber nicht von oben heraus fließet.

/Uberhaupt ist sowohl des Cartesii Meynung %unbegreiflich
%und stimmen mit den Erfahrungen nicht überein, denn

/1) Wird in der Tiefe der Erde kein heißer Dampf gefunden

/2) Seigt das Waßer sich nicht in die Höhe. Und dan so läßt die Kraft die
etwas an sich ziehet, es nicht wieder fahren.

/≥ § 2.
/Besondere Arten der Quellen %und Brunnen. ≤

/Einige Brunnen fließen periodisch. Einige derselben können durch
das Aufthauen des Schnees, andere durch hydraulische Beyspiele,
noch andere, von denen es scheint, daß sie durch die Wirkung des Mon-
des erkläret werden können.

/Exempel von der ersten sind häufig in der Schweitz, Italien,
Frankreich %und andern Oertern, %imgleichen im Bisthum Paderborn ist
der Bolderborn, der alle 6 Stunden sich verlieret %und dann mit
einem Getöse widerkömt. St_Denis führt ein Exempel der
letzteren an. In der Mitte des Berges in der Woywodschaft
Cracau. Es giebt süße Brunnen als bey Toledo, der oben süß
als Zucker, unten aber säuerlich ist. In Deutschland sind
etliche 100 Sauerbrunnen, diese enthalten das Crocum Martis.
Einige sind bitter, viele salzig, noch viel mehr haben Eisentheil-
chen %und andere Mineralien in sich, etliche führen Gold. Bey Neusol
ist eine Quelle, die eine vitriolische Feuchtigkeit auströpfelt, die mit
Kupfer impregnirt ist, welche das so genannte Cementwaßer
mit sich führet, dadurch man Eisen in«¿» Kupfer verwandeln kan. Eini-
ge versteinern die hineingelegten Körper. Ein heisser %Brunnen in

/|P_39

/Peru ergießet sich in das benachbarte Feld %und verwandelt sich in Stein.
Einige entzünden sich, wenn man sich ihnen mit einem Lichte nähert. Es
giebt auch Brunnen, über deren Wasser ein Oehl, wie Steinöhl oder
Naphta schwimmet. Das letzte unterscheidet sich von dem ersten darin,
daß es wegen der herausgehenden brennbaren Dünste das Feuer
gleichsam an sich ziehet. Bey Bagdad werden täglich wohl 100.000 %Pfund
Naphta geschöpfet. Es giebt auch sehr kalte Brunnen, welche entweder
deswegen, weil die Adern, wodurch sie Zufluß bekommen, sehr tief
liegen %und daher von der Sonne nicht erwärmet werden können oder
weil das Waßer derselben durch den aus der Erde dringenden Salpe-
terGeist sehr erkältet wird, diese Eigenschaft haben. Ungemein
viele Brunnen haben sehr heißes Waßer, als die warmen Bäder
in Deutschland, Ungarn, Italien pp. In Island sind verschiedene
heiße Brunnen, in deren einen ein Stück Schweinfleisch in einer
halben Stunde gar kochet. Imgleichen in Iapan. Alle diese Waßer
zE im Carlsbad müßen wohl 12 Stunden stehen, bis sie soweit abküh-
len, daß man sie am Körper leiden kann. Obgleich es so heiß«es» ist,
muß es doch eben so lange über dem Feuer stehen, als gemeines kal-
tes Waßer bis es kochet. Die Ursache findet sich in den %mineralischen
Materien, die vom Wasser aufgeloset werden, %und sich in einander
erhitzen.

/≥ Fünftes Hauptstück
/Geschichte der Flüsse

/§ 1.
/Von dem Ursprunge derselben. ≤

/Sie entstehen aus den Bächen, die ihr Wasser vereinigen, diese
aus den Quellen, die letzten endlich aus dem Regen %und Schnee.
Wenn man das Waßer, welches ein Fluß in einem Iahr ins Meer
ergießet, berechnet, so wird die Menge des Regen %und Schnee-
waßers, welches auf die Fläche desjenigen Landes fällt,
das sein Waßer in den Schlauch des Flußes «fällt» liefert,

/|P_40

/groß genug befunden um nicht allein die Bäche, %und die aus
ihnen entstehenden Strömen zu unterhalten, sondern auch
den Thau, das Wachsthum der Pflantzen %und dasjenige auszuma-
chen, welches vom festen Lande wieder ausdünstet. Dieses
wird dadurch bestätiget, daß nach langer Dürre auch
das Waßer schwindet, daß in Ländern, wo es wenig regnet,
als in Arabien, nur sehr wenige Flüsse entspringen; daß
die gebürgigen Gegenden als Abyssinien, in Peru die Cordil-
leren pp darin «mit»ein fortdaurender Regen fällt, auch Quellen
zu den ansehnlichsten Flüßen enthalten. Also ist freylich
eine Circulation des Meerwaßers %und des Waßers der
Flüße, nicht aber eine solche, wie man sich gemeiniglich einbil-
det: namlich nicht vom Meer unterwärts unter dem festen
Lande bis an die Höhen deßelben, %und von da wieder ins Meer;
sondern durch die aus dem Meer steigende Dünste, die in
Wolken, Regen %und Schnee verwandelt werden, und auf die
Fläche des festen Landes herabfallen.

/Unsre Flüße haben 2 Fluthen im Frühling wenn der Schnee
schmilzt, %und dann die Baumfluth. Eben so in der Schweitz, Schweden
%und Finland.

/≥ § 2.
/Von der Bewegung %und dem Abhange der Flüsse. ≤

/Weil dazu, daß ein Fluß seinen Lauf ins Meer erstrecke ein
beständiger Abhang des festen Landes von seinen Quellen
bis zum Meer nöthig; so ist merkwürdig, daß das feste Land
in so großer Strecke als zE Südamerica nach der @Lage\Baye@
des Amazonenstromes wohl 800 Meilen einen einförmigen
Abhang bis zum Meer hat. Denn «was» <wenn> es hin und wieder große

/|P_41

/Einbeügungen hat %und vertiefungen hätte, so würde der Strom
sehr viele weitläuftige Seen unterweges machen. Die Ursache
hievon ist: alle Strome haben nicht einen gleich jahen Abhang.
Aus den Cordillerischen Bergen, wo der Amazonenstrom ent-
springet, entstehen viele Gießbäche, die sich in den stillen Ocean
ergießen. Der letzte Abhang ist insgemein viel stärker als der
erstere. Die Seine wo sie durch Paris fließet, hat auf 6.000
Fuß Abfall; die Loire aber einen 3mahl stärkern. Irrthum
des Varenius %und Kuhns. Die Schnelligkeit eines Flußes
soll in der ganzen Länge seines Laufs zunehmen: Weil er
aber nahe zu seinem ostio breiter wird %und sein Abhang daselbst
auch fast aufhöret; so fließet er langsamer als irgendwo.

/≥ § 3.
/Einige besondre Merkwürdigkeiten der Flüße. ≤

/Die Richtung großer Flüße macht gemeiniglich mit der
Richtung der höchsten Gebürge, worin ihre Quellen liegen,
einen rechten Winkel, weil dieser Weg der kürzeste ist, von
da in die See zu gelangen. In großen Gebürgen laufen durch
zwo Reihen von Gebürgen, von beyden Seiten die Flüße paral-
lel, %und der Fluß nimt das Thal zwischen beyden ein, in welches die
von beyden Seiten daraus entspringenden Bäche sich ergießen.
Sie haben nahe an ihrem Ursprung höhere Ufer, als an ihrem
Ausfluße, sie haben auch weniger Krümmungen, %und sind die
Ufer, wo der Fluß einen einziehenden Winkel macht höher, als
bey einem ausspringenden ZE das Ufer a ist höher als das ge-
gen über stehende b %und c ist höher als d. Dieses rührt von der
Natur eines Thales her, welches zwischen zwey ungleich abschüßi-
gen Höhen, am tiefsten nahe an der steilsten Höhe ist. Die Flüße

/|P_42

/zerstören nach %und nach das höhere Ufer, %und setzen die abgerißene Erde
%und Sand an die niedrigen ab, daher sind die öfteren Veränderungen
des Flutbettes eines Flußes. Man errichtet daher öfters Bou-
nen, wodurch der Strom aber öfters mehr in Verwirrung gebracht
wird. Man findet hin %und wieder trokne Flutbette von Flüßen
am Rhein %und %.vornehmlich am Gihon, der sich erst mit einem Arme
in die Caspische See ergoß, itzt aber in den See Aral fließet.

/≥ § 4.
/Von den ansehnlichsten Flüßen der Erde. ≤

/Die den langsten Lauf haben sind der Nilus, der Niger oder
Senegal, der Ienitza, der auf den Grenzen des Mogulschen
Reichs entspringt %und ins Eismeer fließet, der Hoang oder
Safranfluß, der Amazonenfluß, der Silberfluß %und der Mis-
sisippi. Sonst gehören auch noch hinzu, die Donau, Oby %und Ganges.

/≥ § 5

/Erläuterung der Art wie sich ein Strom ein Bette bereitet ≤

/Man findet bey den meisten Strömen, daß ihr Bette öfters
viel höher liegt, als das zu beyden Seiten umliegende Land, %sonderlich
nahe an ihren Ausflüßen. Bisweilen sieht man sie durch enge
Päße streichen zwischen zwey hohen Ufern, welche sie wie Mauern
von beyden Seiten umschließe«t»n. Dies thut der Amazonenfluß,
welcher 600 Fuß tief ist, nicht weit von seinem Anfange %und die Rho-
ne, wenn sie aus der Schweitz in Frankreich fließet %.und %.andere %.mehr.

/Man kan leicht errathen, daß da sich im ersten Zustande der
noch nicht ausgebildeten Erde die Waßer von den Gebürge
in die Thäler ergoßen, %und also dieses nicht nur das Meer wird
erreicht haben, sondern weit %und breit das feste Land wird
überschwemmet haben; weil die vielen Unebenheiten, die sich
unterweges finden, die Ströme nöthigten oft große Thäler

/|P_43

/anzufüllen %und sich in viele Arme zu theilen. Allein da das Waßer
wo es den stärkesten Abhang findet am schnellsten fließet,
so müßte hin %und wieder ein schnellerer Zug des Waßers als ander-
werts. Nun muß das Waßer in diesem %ursprünglichen Zustande
mit dem aufgelöseten Schlam sehr stark seyn angefüllet
gewesen %und dieses kan es nicht in der Richtung seines stärksten
Zuges, sondern an der Seite hindangesetzt haben. Dadurch erhöhe-
te es den Boden zu den Seiten, solange bis die Ufer hoch genug
waren alles Waßer zu faßen %und so bildet sich der Strom
sein Bette. An den Gegenden, wo er steile «Höhten» Höhen he-
rabstürzete, oder mit reißender Geschwindigkeit einen Bo-
den herabfloß, arbeitete er den Boden so lange aus %und
trug den abgerißenen Schlam in die niederen Gegenden,
bis er durchgehends eine gemäßigte Geschwindigkeit be-
kam. Daher sieht man in der Nähe der Ursprünge der Flüße,
ihn zwischen hohen Ufern fließen. Zuweilen sind die Ufer
wie steile Wände. zE Bey der Rhone, wenn sie sich aus der Schweitz
nach Frankreich wendet, bey dem Amazonenstrome nahe
an «dem» <seinem> Anfange. Daher sind auch die meisten Flüßen,
als auch ein jeder Fluß an den meisten Orten nicht unschiff-
bar, wegen ihrer Schnelligkeit außer an einigen Orten, wo
der Boden felsicht ist, der sich nicht so leicht durch den Fluß aus-
arbeiten läßt. Von den Veränderungen der Erde durch die
Flüße, wird weiterhin das gehörige folgen. <%siehe %.unten %.pagina 45>

/≥ § 6
/Von den Waßerfällen %und andern Bewegungen der Flüße. ≤

/Der Rhein hat %unterschiedliche Waßerfälle, der bey Schaf-
hausen ist senkrecht 75 Fuß hoch. Der Velino in Italien
fällt von einer perpendiculairen Hohe von 200 Fuß. Die höchste

/|P_44

/in der Welt ist der vom <Fluß-> Bogora in Südamerica, der senkrecht
1200 Fuß herabstürzt. Allein der Fluß Niagra in Nordamerica
ist dennoch der entsezlichste, weil dieser Fluß eine ungemeine
Breite hat, %und senkrecht 150 Fuß herabstürzt. Besondere Phaeno-
mena der Waßerfälle; sie tragen sich nur dann zu wenn der Fluß
über einen felsichten Boden läuft, welches man auch in den
Waßerfällen des Nils siehet. Der Fluß Tunguska in der %westlichen
Tartarey fließet auf einen schiefen felsigten Wege von
einer halben Meile mit einem solchen Gebrause, das über
5 Meilen zu hören ist, fort. Noch ein anderer merkwürdiger Fall
ist der Trolneka in der Lavenna, indem er senkrecht 60 Fuß herab-
fällt. Die Tiger %und Neger haben gleichfalls dergleichen. Von
denen Flüßen die eine Zeitlang fortlaufen unter der Erde
und dann wieder hervorkommen ist zu merken, daß die Guadia-
na diese Eigenschaft nicht hat, weil sie nur in tiefe Thäler fort-
läuft. Igreata ein Fluß in Yorkshire läuft wirklich eine halbe
Meile unter der Erde fort. Einige Ströme versiegen ehe sie die
See erreichen, zE der Arm des Rheins; Kaltwik ohnweit Leiden
der Holdongg in der chinesischen Tartarey %und viele in Persien.
Einige die sehr lang sind zE der Amazonenfluß, welcher 800
Meilen lang, der Senegal haben Ebbe %und Fluth. Einiger Bewe-
gungen sind noch weit in der See zu spühren, worin sie fließe,
Z.E des @I\Z@akre des Amazonenflußes, des Rheins im Bodensee,
der Donau im schwarzen Meere. Doch hat keiner seinen beson-
ders %kentlichen Strom in der See, wie von der Donau im schwarzen
Meere, von der Rhone im Genfersee, vom Rhein im Bodensee.
vorgegeben wird, obgleich die Ströme das Meerwaßer, weit von
den Ufern des Meeres süße machen, %vornehmlich der Amazonenfluß
@S. g.@
~

/|P_44R δZ_25
/{ Von der donau ist es ganz richtig,
nur geht der Strohm nur bis auf
eine gewiße «¿¿» Weite im Meer. }
~

/|P_45

/Gefälle des Stroms, die Proportion der Höhe zur Länge, %und ist
vom Fall unterschieden, denn der Fall ist die Höhe. Der Amazo-
nenfluß %und der Smowayder Fluß haben einerley Fall aber nicht ei-
nerley Gefälle. Die Schnelligkeit des Stroms verhält sich wie das
Gefälle nach der Länge des Stroms. Kein Fluß entspringt in einer
Höhe von einer halben Meile. Es giebt wenig Flüße die wegen der
Schnelligkeit unschiffbar wären. Rio Volta ist zur Regenzeit un-
schiffbar. Auf der Westküste von Peru sind dergleichen.

/Die Größe wird am besten durch die Geschwindigkeit geschätzt,
d.i. Länge. Breite %und Tiefe.

/In den uralten Zeiten müßen viele Waßerfälle gewesen seyn.
In den Gebürgen durchfraßen sie selbst Felsen, %und das zu den Zeiten
da die Berge noch weich waren zE die Rhone. Die Wasserfälle des
Nils sind von keiner Erheblichkeit, er fällt nur 7 Fuß herab. Wasser-
fälle, wo das Waßer nicht mehr fließt, sondern stürzt, geschehen
nicht über einen erdigten Boden, sondern steinigten. Sie würden
die Erde auswaschen.

/Die Ströme «machen»nehmen den untersten Theil eines Thals «aus» ein, %und
das Land selbst, welches einen solchen Fluß auslaufen läßt,
ist das Baßin. Ie großer die Ströme sind um «desto» <so viel> größer
die Länder. Es giebt aber Länder die ohnerachtet sein Baßins
sind, kein Waßer ausfördern, dieses sind die Sandwüsten. Die
Natür der Wüsten ist von den Geographen bisher nicht erforschet,
sie müßen wohl im Sand ihr Waßer versiegen. Verschiedene Ströme
versiegen im Lande: In Europa ein Arm vom Rhein bey Catwick.
Menschen können machen daß Ströme versiegen, dadurch daß sie ab-
geleitet werden.

/≥ § 7.
/Von den Überschwemmungen der Flüße. ≤

/Einige treten zur gesetzten Zeit, vornemlich nahe an ihren Ausflüs-
sen über die Ufer, %und überschwemen das Land rund umher, welches
niedriger liegt als der Schlauch der Flüße. Die Ursache sind der

/|P_46

/Regen in den Gebürgen, daraus der Fluß %und der abthauende Schnee
entspringt.
Der Rinsall des Flußes muß höher liegen, als das
Land. Alle Länder wo der Fluß höher liegt als das Land entstehen
aus dem fetten Thon.

/Beym Amazonenfluß 750 deutsche Meilen bis zu seinem
Ausfluß bey Para, muß in den alten Zeiten das Land <sind> über-
schwemmt «haben» <worden>, man sieht daselbst keine Berge, eben das
bey Missisippi, woselbst kein Sand noch Steine.

/Die Ufern <die so> sind wie %künstliche Dämme, %und höher liegen als das übri-
ge Land, hat der Strohm selbst aufgeführet. Egypten ist ein
Geschenk des Nilstromes, wie Holland des Rheinstroms.

/Unter allen Flüßen in Ansehung der Ueberschwemmung, ist
der Nil der vornehmste. Er schwillt mit dem Anfange des
Sommermonaths %und überschwemmt ganz Egypten, wobey doch
die Einwohner durch Leitung des Waßers durch verschiedene
Canäle %und Erhöhung derselben auf den Aekern viel beytra-
gen. Aegypten ist zu der Zeit ein Meer, worin die Städte %und
«Inseln» Dörfer Inseln sind. Im Anfange des September
tritt er wieder in seinen Ufern zurück. Die Ursache dieser
Ueberschwemmung ist der Regen, der als dan in den ägiptischen
Gebürgen fällt, %imgleichen der Nordwind der auf die Mündung
des Nils gerade bläset %und sein Waßer zurüktreibt. Wenn das
Waßer nur 12 Ellen hoch steiget, so ist eine Theüerung zu
befürchten, steigt es bis 16 so ist Uberfluß, 18 oder 20 Fuß
sind zuviel; vor Alters soll der Nil das Land viel höher
überschwemmet haben, als itzo, weil durch den abgesetzten
Schlamm das Land schon erhöhet worden, weil sich nun in den
heißen Landstrichen der Regen zur gesetzten Zeit einfindet,
so ist kein Wunder, daß die Flüße die Ueberschwemmung zu
gewißen Zeiten halten, als der Nilus, Zair, Indus %und Ganges.

/|P_47

/Da der Nil unterweges keine Ströme einnimt %und nur mit dem
Waßer aus Abyssinien durch Egypten fließet, so könte er
leicht abgeleitet, %und Egypten dadurch in die erschreklichsten Um-
stände versetzt werden.

/≥ § 8
/Von den Materien, welche die Waßer der Flüße bey sich führen. ≤

/Weil die Quellen der Waßer entweder Eisentheile oder lokere
Erde %und Salzpartikelchen bey sich führen, wie auch andre Mineralien,
so ist kein Wunder daß das eine Flußwaßer leichter ist, als
das andre, %gemeiniglich führen die kleine Ströme, die sich in große
ergießen, schwerere Waßer als diese. Das Neckar Waßer ist
schwerer, als das Waßer der Rheine, %und eben so ist der «Rhein» Mayn,
der bey Maynz in die Weser, die bey Coblentz in den Rhein fällt von
schwerer Art als dieses, welches mann dan auch am Eintauchen
der Gefäße erkennen kann. Die Ursache ist weil das Waßer, das mit
irrdischen %und andern Theilen untermischt ist, in einen kleinen Strom
dahinfloß, so bald es sich in einen weiten Schlauch ergießet,
seine Materie kan leichter fallen laßen, %und zweytens kann die
Vereinigung %unterschiedlicher Waßer die Praecipitation der Materie,
die eines oder das andre mit sich führet, verursachen. Das Them-
sewaßer hat den Ruf daß es sich auf langen Seefahrten
am besten erhält %und ob es gleich stinkend wird, sich doch selbst rei-
niget. Vieleicht rührt dies von verborgenem Schwefel her, der
sonst die Weine conserviret. Das Newawaßer ist wie ein Ge-
sundbrunnen für Fremde. Verschiedene Flüß führen Goldsand.
In Europa der Rhein, die Rhone; der Pactolus %und Tigris waren vor-
dem deshalb berühmt. Auf der Goldküste von Guinea wird itzo
der Goldstaub aus Flüßen gesamlet, %vornehmlich nach starkem Regen.

/Gold wird auch in Stangen gefunden; woher findet man
nicht andre Metalle? Andre Metalle werden anaertzt ge-
funden, Gold wird aber gar nicht aufgelöset, %und sinkt wegen

/|P_48

/seiner Schwehre zu Boden. Das Waßer <in der Luft> scheint das Chaos der
ganzen Materie zu seyn, wodurch die Pflanzen genähret werden,
%und scheint auch der Urrsprung aller Materie zu seyn. Das Gold
liegt in der Erde als wahres Gold das ist gediegen, andere Metalle
nicht. Die mehresten glauben daß Flüße die aus Gebürgen
kommen, Gold haben, wie zE der Rhein in der Schweitz. Das Gold hat
das besondere an sich daß es in allen Bergwerken angetrof-
fen wird. In der Landschaft Popojan zur Audienza santate ent-
halten große Goldkörner. Berger hat gezeigt daß der Sand
in Holland Gold mit sich führe In Siebenbürgen, behauptet
Delius verertztet Gold. Scheidewaßer ist die Probe von Gold.
Woher der Goldstaub komme %und wie er abgesondert werde.

/≥ § 9

/Lauf der Stroeme. ≤

/Wenn viele Stroeme aus «einem» dem Lande herkommen, lau-
fen sie entweder nach einem Mittelpunct, oder nach dem Um-
kreis; im ersten Fall befindet sich im Mittelpunct eine See
wie im Caspischen Meer, wenn Ströme sich zu einem See hindrän-
gen, so sind wüste Länder oder Steppen daselbst anzutreffen.
Z.E. rund um das Caspische Meer sind Steppen. Bey dem Dnies-
ter die Ojzakowsche %und krimmische Steppe. In America zwischen
dem Urugai %und Paraguay gleichfalls Steppen.

/Wo Ströme sich im Umkreis verbreiten. ZE Aus den Alpen
in Europa, aus dem Fichtelberge, diese theilen sich beym Aus-
fluß in Arme, %und die Länder sind die fruchtbarsten. Nahe
bey«m» <ihrm> Ausfluß haben Ströme flache Ufer, nahe bey der Quelle
haben sie das Land ausgegraben, %und bey ihrem Ausfluß ab %und
Land angesetzt. Der Strom schlängelt sich unterweges, wenn er
aber nicht %sonderlich seine Richtung verändert, so ist er nahe
am Meere. Tiefer hinein richtet er sich nach dem Boden.

/|P_49

/Bey der Schlängelung ist das eingebogene Ufer steil, %und das aus-
gebogene flach. Daher wo das hohe Ufer, ist die größte Tiefe, da-
raus entspringet folgender Vortheil; es setzt sich der Schlam an
entgegengesetzten Ufern an, %und die Canäle sind ewig, da die %künstlichen
sehr vergänglich sind. Auch die Thäler schlängeln sich %und scheinen
Waßer mit sich geführet zu haben. Ströme führen mit sich
was leichterer Art ist, %und sind geschwängert mit den Dingen vom
Lande.

/≥ § 10
/Seen und Moräste ≤

/Wenn ein See so alt ist, als die Revolutionen, wodurch das Bas-
sin des Oceans entstand, so wird er salzig seyn, wofern er
nicht Flüße ausläßt. Caspische See.

/Alle Seen die Waßer auslaßen, haben süßWaßer, @da¿@
aus der Luft kömt, %und das Salzwaßer schon lange durch den Ab-
gang weggeführet. Alle americanische Seen sind von der Art,
Z. E Aventurio. «Die» @Buchar«ey»i@ enthält süßWaßer, ob er
gleich keinen Fluß ausläßt. Sie scheinen alle %endlich abzunehmen.

/Moräste scheinen nach schweren Untersuchungen Seen gewe-
sen zu seyn, wovon noch rudera zu finden. Von vielen hat man
entdeckt daß «sie» <da> erst Wälder gewesen, denn man findet Schichte
von Eichen %und unter denselben Fichten. Manche haben eine %ansehnliche
Tiefe, in denselben findet man eine gewiße Mo«rast»os-Erde,
die eine Art vom %mineralischen enthält. Die Moräste haben auf der
Erde einen starken Einfluß; viel Ströme entspringen aus den-
selben, sie veranlaßen Regen weil sie bituminös sind, %und ihre
Electricität, schwächt die <glasartige> Electricitat der Luft. In Ländern
wo viel Moräste sind, da regnet es sehr.

/≥ Sechstes Hauptstück.
/Geschichte des Luftkreises. ≤

/Der Luftkreis drüket mit eben so starkem Gewichte, als wenn
die Erde durch ein Meer, welches 32 %Rheinländische Fuß hoch ist, bedecket werde.

/|P_50

/Weil die Luft durch die Last die auf ihr ruhet sich zusammen-
drükt, so muß sie je weiter vom Mittelpuncte desto dichter
seyn; ja wenn ihre Verdichtung immer so fortgienge, so würde
sie in einer Tiefe von 7 deütschen Meilen das Waßer an
Schwere übertreffen; in einer Tiefe aber die noch nicht 1/3
des Radii der Erde wäre, würde sie schon dichter seyn als
Gold. Diese Dichtigkeit der Luft könte, wenn unterirrdische
Erhitzungen dazukämen, viel zu den gewaltigen Erschütterun-
gen der «Luft» Erde beym Erdbeben beytragen, Die Atmos-
phäre theilt man in Regionen, die unterste gehet von der Mee-
resfläche bis zu der Höhe, wo der Schnee im Sommer nicht mehr
schmilzt. Diese erste Region ist nicht in allen Gegenden der Erde
gleich hoch. In der Zona torrida unter dem Aequator ist die Höhe
der Berge wo der Schnee nicht mehr schmilzt, nicht unter 3/4 deutsche
Meilen. Im Anfange der Zona temperatae nur 1/2, in den
Alpen nur 1/4 Meile, und unter dem Pol beynahe der Oberfläche
des Meers gleich.
Über 18.000 Fuß ist jederzeit Winterkälte.

/Die zweyte Region hebt beym Ende der ersten an, %und geht bis
zur ersten Höhe, wohin sich die Wolken erheben. Dieser ihre
Höhe ist an keinem Orte der Erde völlig bestimt. Bald gehen
die Wolken hoch, bald niedrig. Ueberhaupt scheinen sie nicht
über eine deütsche Meile über die Meeresfläche empor zu stei-
gen. Wenn man diese zweyte Region bis dahin extendiren wollte,
wo die leüchtende Meteoren entstehen Z. E. Nordlichter
Feüerkugeln %und andre mehr, so werden einige deütsche Meilen
erfordert werden, ihre Höhe zu bestimmen.
Die Feüerkugel
die Silberschlag beobachtet hat, stand 16 deutsche Meilen
hoch %und ist 4 Meilen geplatzt.

/Die letzte Region ist noch weniger zu bestimmen sie fängt
an wo die zweyte aufhört, %und gehet bis zur Gränze des Luft- 

/|P_51

/Kreises. Wo keine Wiederkehr des Lichts ist, da muß keine
Luft mehr seyn, daher bestimt man dieses durch die Höhe der
Dämmerung, welche 9_1/2 deutsche Meilen hoch gefunden
wird.
Die letzte Dämmerung ist, wenn die Sonne 18 %Grad über dem
Horizont ist.

/≥ Eigenschaften der Luft ≤
/Die Luft hat folgende Eigenschaften, sie ist

/1) Feucht, alle Luft hat zuvor Feüchtigkeiten in sich, wenn die-
se aber in ihren Zwischenräumen wohlvertheilet ist, so ist
sie heiter %und wird für troken gehalten. In einigen Gegen-
den wird sie mit feüchten Dünsten weit mehr beladen als in
morästigen %und waldichten Gegenden. zE Madera
ist bestän-
dig mit Wolken bedekt; Porto bello in Panama ist so ungesund
daß die Geizigen selbst den Ort fliehen. Essex hat viele Moräste.
es herrscht daselbst das Quartal-Fieber. In Berderabeshi ist eine
sehr große Hitze man schwitzt aber daselbst gar nicht. Ungarn ist
der Kirchhof der Deütschen, nicht durch das Obst, sondern vermöge
der Moräste an der Donau. Virginien ist gesunder worden, nach-
dem die Wälder sind weggeschaffet. An der Küste von Suma-
tra hatten die Engländer eine Factorey die sie verlaßen
mußten. Feüchte Luft wen sie kalt ist, ist schädlich; ist sie
warm so ist sie tödlich.

/2) trocken, Die Luft ist trocken wenn sie trocknet, d. i. ist wenn
sie Feüchtigkeit stark saugt. Räuchig Wetter in Schwe-
den, Sonnenrauch ist ungesund, denn er führt eine gewiße Art
Salz bey sich: Eine sehr trokene Luft ist ungesund, %und ist
Ursache der Hektik der Lungenkrankheiten %und schlimmen Au-
gen. Die Häutchen der Luft troknen zu geschwinde, die Luft

/|P_52

/wird verdickt %und es entstehen Erhitzungen. Im oberen Theil von Egyp-
ten ist in der Zeit des Frühjahrs ehe der Nil steigt sehr trokne
Luft. In Persien %und Arabien ist gleichfalls sehr trokne Luft,
man muß daselbst wie in Egypten die Luft durch %künstliche Springbrun-
nen oder gesprengtes Waßer in den Zimmern anfeüchten.

/3) Sie hegt Salze in sich zE Meersalz welches aus der Luft an vielen
Orten anschießt, wie in der Insul Ormus, %und von den Bächen, die
durch Gebürge fließen, von der Erde ausgewaschen, %und ander-
werts verbreitet wird; daher die mit Salz bedekten Felder in Persien
%und am Capo bonae spei, %imgleichen andere Salze. Daher die corrosivische Luft
auf den Azorischen Insuln, %imgleichen der aus der Luft sich angesetzte Sal-
peter %und Schwefel, oelichte %und mineralische Theile, hält sie auch hin %und
wieder in großen %und kleinen Quantitaeten in sich. Die SeeLuft
ist von andren Eigenschaften als die LandLuft; daher das Genesen
der scorbutischen Seeleute, sobald sie Land betreten, erfolge.

Seeleute riechen die Landluft. Die See hat einen Brackengeruch.

/4) Einige Luft ist sehr rein, daher das ruhige %und heitere Licht der
Sterne in Persien, Arabien %und Chaldäa,
man kan hieselbst die Sterne
von der 7ten Größe sehen; wodurch vieleicht die Astronomie in
diesen Gegenden noch erleichtert worden, vornemlich da man
daselbst die Sommermonate hindurch auf Dächern unterm frey-
en Himmel schläft.

/5) Einige Luft ist wegen ihrer Gesundheit; andere wegen ihre
Ungesundheit berüchtiget. Alle sehr waldichten Länder sind we-
gen ihrer ruhigen Feüchtigkeit ungesund %und bringen Fieber zu-
wege, vornehmlich wenn mit dieser Feuchtigkeit eine große Hitze ver-
bunden ist als Porto Bello. Wenn ausgetretnes Seewaßer in
Pfützen auf dem Lande faulet, als in Sumatra; oder auch em-
por getriebenes Fluß-Waßer, als in Siam, so bringet dieses
Krankheiten %und Fieber. Einige Krankheiten sind bloß eini- 

/|P_53

/gen Ländern eigen; als der englische Schweiß. Die eüropaische
«Lander» Weiber bekommen in Batavia gesalzene Milch.
Brasilien,
Bermudas Inseln, Lißabon, Montpellier sind wegen der gesunden
Luft berühmt. Von Brasilien versichert Temple daß alte %kränkliche
Portugiesen daselbst noch 10 bis 15 Iahr gelebt, die Bäume wer-
fen daselbst niemahls ihr Laub ab. Nova_Zembla ist wegen der Schäd-
lichkeit der Luft berühmt, zu Zeiten des Basilowitz ließen sich Rußen
daselbst nieder, die aber alle daselbst gestorben sind. Gegenden die
etwas bergicht sind tragen zur Gesundheit viel bey.

/Die Luft wird in uns gezogen wie ein Nahrungsmittel. Hales hat
erwiesen wie eine große Menge Luft im Blut %und in %anderen Theilen
des Körpers sich befindet.

/Die venerische Krankheiten sind aus America gekommen. Die @Ighu-
ane@ giebt die venerische Krankheit. Kinderpocken sind nicht bekant
gewesen als 300 Iahre nach Christi Geburth. Die Pest von Siam hat sich
bis an die westindische Inseln ausgebreitet, sie scheint ihrer Sitz in
Egypten zu haben, die wahre Ursache liegt in der Ueberschwemmung des
Nilstroms; in den %nordlichen Ländern ist sie gefährlicher, in Egypten hört sie
auf wenn der Nordwind erzeügt wird, sie unterscheidet sich durch Carfunkel
Geschwür. Rußel bemerkt daß die Pest von Süd nach Nord zieht.
In China ist sie niehmals gewesen; es ist falsch, daß wer sie einmahl
bekommen, vor sie gesichert ist.

/6) Die Luft einiger Oerter leidet gewiße Ungeziefer nicht. Es sind keine
Ratzen in Augspurg, Malta, Candia; keine giftige Schlangen in Gozzo, Fai-
za. In Irrland gab keine giftige Thiere. Auf dem Iagdhause Einsiedel
in Wittenberg, auch gar keine Ratzen. Cobbe berichtet, daß die Europäer,
wen sie aufs Capo bonae spei ankommen, daß Ungeziefer verlieren, was
sie sonst auf ihren Schiffen oder in Kleidern mitgebracht, %und niemahls wie-
der bekommen. Dagegen haben die Hottentotten wegen ihrer garstigen Lebensart
einen guten Vorrath davon. Die blaue Farbe der Luft erklärt man am
wahrscheinlichsten aus dem weißlichten Schimmer der Dünste, der auf den
schwarzen Grunde des leeren Ra«ü»umes gesehen wird %und eine blaue Farbe machen

/|P_54

/muß, so wie weiß auf schwarz dünne aufgetragen, blau machet.

/≥ Von den Winden überhaupt. ≤

/1) Der Wind ist in Ansehung der Luft, was ein Strom in Ansehung des Meers
ist; er wird auch wie die See durch Richtung des festen Landes %und der Berge
sehr eingeschränkt, wie zwey Ströme die einander entgegen gesetzt sind,
einen Meerstrudel machen, so machen 2 Winde, die in verschiedenen
Wirkungen auf einander wirken Wirbelwinde. Die vornehmsten Ur-
sachen der dauerhaften Winde sind, wenn eine Luftgegend mehr erwärmt
wird, als die andere. zE die über dem Lande mehr, als über dem Meere, so
weicht sie dieser, weil sie leichter ist, als die kühlere Luft %und es entsteht
ein Wind in dem Platz der Erwärmung %und dieser dauert so lange fort, als
die vorzügliche Erhitzung wärmet.

/2) Wen eine Luftgegend nach %und nach erkältet, so faltet sie sich zu-
sammen %und verlieret ihre Ausspannung %und machet der wärmenden
Luft Platz gegen ihr zu «st¿<ä>¿en» stämmen. Wenn im Anfange des Herbstes
im tiefen Norden es anfängt kalt zu werden, so zieht die südliche
Luft nach Norden über, so lange als die Zunahme der Wärme dauert, %und
hernach kehret sie wieder zurück.

/3) Von plötzlichen Stürmen die nicht lange wären, sie sind aus der Erde
ausgebrochene Schwefel %und mineralische Dämpfe welche die Elasti-
cität der Luft schwächen, oder in Gährung gerathen; die Ursache unglei-
cher aufeinander stoßenden Winde, die sich anfänglich aufhalten
%und Windstillen machen, hernach mit Heftigkeit sich drücken, %und ent-
setzliche Wolkenbrüche %und <tobende> Stürme machen. Imgleichen macht heftiger
Platzregen oder Hagel einen Wind, der sehr heftig seyn kan. Die Einthei-
lung die die Seeleüte von den Winden machen, ist diese: sie nehmen
die 4 Hauptgegenden Nord, Ost, Süden, West; dan theilen sie jeden Bo-
gen des Horizonts der zwischen 2 HauptGegenden enthalten ist in zwey
gleiche Theile. Sie heißen Nord-Ost, Süd-Ost, Nord-West, Süd-West,
die Buchstaben aber werden so gesetzt, daß die von Nord oder Süd immer zu-
erst kommen, hernach theilen sie diese in viertel Bogen, %und vor die vorige

/|P_55

/Benennung, wozu %und aber auch Nord-Ost, Ost-West auch kommen müßen, immer
die Hauptgegenden, der sie am nächsten liegen als Nord-«Ost», Nord-Ost,
Ost-Nord-Ost, Ost-Süd-Ost, Süd-Süd-West, West-Süd-West, West-
Nord-West, Nord-Nord-West. Die Winde von der vierten Ordnung
entstehen, indem sie die vorigen Bogen wieder halbieren, die vorige
Benennung behalten %und nur zeigen, welcher von den Hauptgegenden sie am
nächsten liegen %und dieses durchs Wörtchen gen ZE Nord gen Osten, Nord-
Ost gen Osten, alle diese Eintheilungen machen 32 Winde aus.
Auf dem Com-
pas nent man sie Strich und jeder enthält 11_1/2 %Grad

/≥ Eintheilung der Winde nach ihren Eigenschaften
/Feüchtigkeit, Trockenheit, Wärme, Kälte %und Gesundheit. ≤

/Die Abendwinde sind in den meisten Gegenden feücht, sind es
aber auch in der ganzen Welt, außer wenn sie über einen verbranten
Boden streichen, als in Persien der Abenwind, der über Arabien strei-
chet. Es mag ein Wind über ein nahes oder entlegenes Meer streichen,
so ist er immer feücht. Dagegen der Ostwind, wenn er gleich noch über grös-
sere Meere streichet; mehrentheils trocken ist. In den Philippini-
schen Inseln regieren des Iahrs 2 Wechselwinde, ein Nord-Ost Wind
die Herbst- %und Wintermonate, und dan ein Süd-Westwind die übrige
Zeit. Iener, ob er gleich über das Mare pacificum wehet, ist trocken.
Ein gleiches ist in Ost %und West-Indien zu merken. ZE in der Gegend
von Neü-Cartagena. Die Süd-Westwinde, die über das atlantische
Meer wehen %und feücht Wetter bringen, sollen heiter %und troken Wet-
ter bringen. Dagegen nur die Westwinde feücht sind. Dies geschie-
het auch nur selbst auf der stillen See, da die Ostwinde heiter
Wetter geben; die Westwinde aber, die über diese See gehen, regen-
haftes. Die Ursache soll in folgenden erkläret werden. Wenn ein
Wind eine Luft mit sich führet, der kälter ist als der %menschliche
Körper, so kühlet er. Ist seine mitgebrachte Luft aber heißer «so küh»
als dieser, so erhitzet er diesen desto <mehr je> schneller er gehet. Solche heiße
Winde sind hin %und her in der Zona torrida anzutreffen, wie Camzin
in Egypten, vornemlich der Samiel in Persien, Arabien «%und Syrien» sind
die ärgsten. Sie blasen mit einer Hitze als wenn sie aus einem Feuer

/|P_56

/ofen kämen. Dieser Wind Samiel sieht röthlich aus, %und wehet
vornemlich im Iunio bis August, %und ist in Sonderheit am Persischen
Meerbusen zu spühren. Die Perser meynen, daß er seine giftige
Eigenschaften von einem Kraut Golbat Nomoar genant habe, wel-
ches häufig in der Wüste von Kerman wächst, weil der Wind, der über
dieses streichet, seinen Blumenstaub fortführet. Es scheinet aber
der Wahrheit ähnlich, daß weil alle diese Gegenden viel Naphta
insonderheit in ihren Boden enthalten, das Saure der Salzpartikel-
chen die der <persische> Wind mit sich führet, mit diesen oelichten Dämpfen aufbrau-
se, sich erhitze %und die rothe Farbe zuwege bringe. Der Wind Samiel töd-
tet, wenn er heftig geht, sehr schnell. Er streicht nicht hoch %und die auf
den Dächern schlafen haben nichts zu befürchten. Meynungen von
dem %plötzlichen Sterben der Israeliten %und dem Heer Sanheribs.

/Es giebt in dem Lande Arabien %imgleichen in den egyptischen Sandwüsten auch
Winde, die Reisende im Sande begraben; daher die Mumien ohne
Balsamirung entstehen. Winde die von den Spitzen hoher Berge
kommen sind alle kalt; daher selbst in Guinea die Nordwinde, die
von dem «im» im untern Theil des festen Landes %befindlichen Gebürge
kommen, Reif %und Kälte bringen. Winde deren Züge gegen einander
streben bringen erstlich Windstillen, dann plötzlichen Sturm, Platz-
regen %und Gewitter zuwege. Die Gewitter entstehen vornemlich
aus dem gegen einander Streben zweyer Winde, welche die Dämpfe
vermengen %und verdicken, dahero nach demselben der Wind sich öfters
verändert, %und die Gewitter gemeiniglich gegen den Wind aufsteigen.

/In den Indischen %und Aethiopischen Meeren folgen in den zwey Iah-
reshälften zwey Wechselwinde aufeinander, welche zu derjenigen
Zeit, wenn sie einander ablösen, erstlich Windstillen, hierauf ein unor-
dentliches Wehen aus allen Gegenden rund um den Compaß, %endlich
Sturm, Platzregen %und Gewitter zuwege bringen, welche wenn sie höch-
stens nur eine halbe Stunde wehen Tornado heißen; wehen sie

/|P_57

/aber etliche Stunden ja wohl Tage so heißen sie Travado. Nicht«s» weit
von der Küste Guinea gegen Abend ist eine Gegend, die man die Gegend
der Travaden nennet, worin solche mit Stürmen, fast beständigen Regen
%und Gewitter abwechselnde Windstillen herrschen. Im Mexicanischen
Meerbusen steigt bey abwechselnden Winden von Nordwest eine schwar-
ze flache Wolke etliche Grade über den Horizont, diese heißet man
die Nordbank, darauf fängt ein reißender Sturm von Nordwest
an, welcher man den Nord nennet. Alle niedrige Wolken treiben mit
großer Schnelligkeit; nur die Nordbank ruhet, bis der Sturm vorüber ist.
Weil vor diesem Winde Nord genant, gemeiniglich ein sanfter Südwest,
hernach eine stille Luft vorhergehet, so siehet man wohl, daß die ent-
gegen strömende Luftzüge erstlich einander aufhalten, dann eine Dre-
hung in der obern Luft verursachen, wo sie die Dünste in ein dicke
Wolke zusammentreiben, woraus die Nordbank entstehet, %und daß die
daselbst sich häufende Luft unterwerts mit großer Gewalt heraus
brechen werde. Die Wolke selbst weil sie im Mittelpuncte dieses
Wirbels ist muß ruhen. Wenn der Wind nach Süden entspringt, so ist
das Unglük am größten. Diese Winde sind dem December %und Iunio eigen.
Die Südwinde die im Iunio, Iulio %und Augusto häufig sind, herrschen
zu der Zeit, wenn die Süd-Westwinde in dieser Gegend vornemlich herr-
schen, die Zurückströmung aber der %nordlichen Luft ihnen bisweilen wie-
derstrebet. Die Orcane in eben diesem Meer %und den umliegenden
Seeküsten treiben Wolken, die wie Pumpen aussehen, anstatt daß
die Nords eine flache Wolke machen. Ihre Farbe ist %gräßlich 1) blaße
Feüerfarbe 2) Kupferroth 3) Schwarz. %Erstlich kömt der Wind aus Süd-
Ost, dan Windstille dann Südwest. Am Capo bonae spei herrscht
der Orcan, der aus einer Wolke, das Ochsenauge genant zu brechen
scheint. Man glaubt %fälschlich daß dieselbe Wolke nicht größer sey als
ein Ochsenauge. Sie scheinet größer als ein ganzer Ochse zu seyn, %und
breitet sich vornemlich über dem Tafelberg aus. Sie entstehet wenn

/|P_58

/auf den Nord ein Südwind folget, aus Ursachen die schon angeführet
worden; doch muß man auch die Gebürge, an die sich die Winde stoßen,
mit in Betrachtung ziehen. Dieses gilt auch von anderen solcher plötz-
lichen Stürmen. Sie herrschen mehrentheils in den Gegenden der
Vorgebürge, Meerengen %und wo viele Inseln sind, %und zu der Zeit, wenn
die Winde stärker abwechseln, als im Herbste %und Frühjahr mehr als in
der übrigen Zeit. Im Chinesischen %und Iaponischen Meer herrschen die Ty-
phona, welche von dem aus dem Meer gebrochenen Dämpfen zu entstehen
pflegen; den das Meer sprudelt %und wallet an dem Orte, die Luft ist
mit Schwefeldünsten angefüllet %und der Himmel siehet kupferfärbig aus.
Das Chinesische Meer ist im Winter als eines von den angränzenden
%und dieses scheinet diese Ursache zu bestärken. Der Typhon bleibt an
einer Stelle %und treibt nicht fort. Mit diesen haben die Waßerhosen
eine große Aenlichkeit. Die Sinesische Meere %und das rothe Meer
haben diese Luft Phaenomena öfters. Man siehet, daß das Waßer
an einem Orte gleichsam kochet, %endlich sich einen Fuß hoch erhebet.
Es steiget ein Rauch mit einem düstern zischenden Getöse hervor,
%und dann scheinen sich die Wolken in den Gegenden herabzusenken, %und
mit den Röhren die Figur eines Trichters oder einer Trompete
abzunehmen. Es windet sich das Waßer in dieser Röhre in die Höhe
%und fällt außerhalb derselben nieder. Schiffe die davon ergriffen
werden, werden ihrer Segel beraubt, sie treiben mit dem Winde
fort.

/≥ Phisikalische Eigenschaft der Winde. ≤

/Wenn alles auf der Erde, <entweder> Meer oder Erde wäre, worauf würde der
Unterschied der Winde beruhen?

/Es muß gesehen werden ob die obere Luft herab, %und die untere Luft
heraufgebracht wird. Die obere Luft ist kalt %und troken, die untere
feücht. Die Luft in der Höhe ist feiner. Die Dünste steigen nicht bis
zu einer namhaften Höhe. Die obere Luft ist elastischer weil die Dünste
die Elasticität aufheben. Wenn die untere Luft heraufgebracht wird
ist umgekehret. Es giebt Ursachen die diese Veränderung zuwege

/|P_59

/bringen. Wenn die Luft sich vom Aequator nach dem Pool zöge, %und der Pol nur
ein Punct ist, den die Menge Luft nicht faßen kan %und sich immer in einem en-
gern Platz befindet. Die vereinigte Luft wird machen, daß da sie sich
nicht ausdehnen kan in die Höhe steiget. Wenn ein allgemeiner Südwind
auf der nordlichen Halbkugel wehete, so würde er die untere Luft herauf
bringen. Ein allgemeiner Nordwind würde die obere Luft herunter bringen.
Ie mehr die Basis zunimt, je mehr nimt die Höhe eines Körpers ab. Wenn der
Nordwind nicht allgemein ist so thut er es zum Theil zE Uebergang Eüropa.
Der Südwind wird zum Theil die untere Luft heraufbringen. Ein jedwe-
der Südwind überladet unsre Luft mit Feüchtigkeiten; denn er bringet
die untere Luft in die Höhe, da sie denn die Dünste fahren laßen muß. Die
«ob»untere Luft ist wärmer, wie die obere, der Südwind bringet in die obere
Luft Wärme, folglich macht er die Wärme größer. Der Nordwind macht
unsre Luft klärer, denn er bringt die obere herab, die an sich klärer ist.

/≥ Schnelligkeit der Winde. ≤

/Ein geschwinder Wind geht nicht schneller als ein Mensch im gehen; ein
ziemlich starker als ein Pferd im Laufen. Ein Sturmwind der Bäume
ausreißt, leget 24 Fuß in einer Secunde zurück. Es gibt auch Stürme
die 60 Fuß in einer Secunde durchlaufen, diese werfen Häuser %und alles
um, worauf sie frey treffen.
Die englischen Rennpferde gehen in
einer %Secunde über 61 Fuß.

/≥ Von Paßal-Winden. ≤

/Ein Wind, der einen Erdstrich ein ganzes Iahr hindurch mehrentheils
eigen ist, heißt ein Paßal-Wind. Zwischen den Tropicis wehet fast
beständig, wenn man sich vom Lande entfernet, ein Ostwind um die ganze
Erde. Dieser entstehet nicht von der zurückgebliebenen Luft, die da
die Erde sich von Abend «nach» gegen Morgen zu drehet, nach bleibet, son-
dern von der nach %und nach von Morgen gen Abend durch die Sonne rund um
die Erde geschehene Erwärmung; denn wie oben gesagt, so strömet
die Luft immer in der Gegend, die von der Sonne <am meisten> erwärmt wird, %folglich
muß sie dem scheinbaren Laufe der Sonne immer nachziehen. Die Seefahrer
können viel geschwinder aus Ostindien nach Europa als von Eüropa dahin

/|P_60

/kommen, weil sie im letzten Fall den generalen Ostwind sowohl
auf dem äthiopischen als indischen Meer gegen sich haben. Diese See-
fahrer müßen auf der Reise von Capo bonae spei nach Europa wohl
auf ihrer Hut seyn, daß sie die St. Helena nicht vorbeyfahren, denn wenn
sie dieselbe einmahl vorbey sind, so können sie nicht wieder dahin gelangen,
weil sie ein starker Ostwind forttreibet, %und müßen in der Insel Assun-
tion frisch Waßer einnehmen. Dieses gilt von allen zwischen der Tropicis
%befindlichen Meeren, dem Atlantischen, Aethiopischen, Stillen %und Indischen.
Allein je weiter vom <Aequator zu> den Tropicis, desto mehr weicht dieser Ostwind
in einer Nebenrichtung aus Süd oder Nord ab, nachdem man sich im süd-
lichen oder nordlichen Hemisphaerio befindet; dort wird er ein Südost
hier ein Nordostwind genent. Diese Winde erstrecken sich auch et-
was außerhalb den Tropicis, doch nicht leicht über den 30 %Grad. Die Winde
Alisees gehören zu den Wirkungen dieses allgemeinen Ostwindes %und sind
solche, die in einem Erdstrich beständig herrschen, obgleich sie nicht die Rich-
tung «über»aus Osten haben. ZE. So herrscht an den Küsten von Peru ein be-
ständiger Südwind, der neben den Küsten Chile bis an Panama fortstrei-
chet, welcher daher kömmt, weil die näher zum Süderpol %befindliche Luft nach
dem Aequatore hinstreichet, der allgemeine Ostwind aber, durch die
Cordillerischen Gebürge gehindert wird, hier seine Wirkung zu
thun. An den Küsten von Guinea ist ein fast beständiger Westwind,
weil die Luft über Guinea mehr als über dem Meer erhitzet wird, %und die
letztere daher genöthiget wird über sie zu streichen, %und zwar in schiefer
Richtung von %.Süd %.West nach %.Nord %.Ost weil die größte Strecke des festen Lan-
des von Africa nach der letzten Gegend hin lieget, da dann die Richtung
der Küsten den Wind völlig westlich macht.

/≥ Von See %und Landwinden. ≤

/Alle Länder der heißen Zonae haben an ihrer Seeküste diese Abwech-
selung der Winde, daß des Tages hindurch ein Wind aus der See ins Land
streichet, %und des Nachts vom Lande in die See. Denn des Tages erhitzet die

/|P_61

/Sonne das Land mehr als das Waßer, daher wird die Meeresluft, die
nicht in dem Grade erwärmet worden, dichter seyn als die Landluft
%und diese aus der Stelle treiben, daher nimt auch die Stärke des See-
windes zu bis nach 12 Uhr oder 1 Nachmittags, von da er immer schwächer
wird, %und des Abends gar nachläßt, als dann zusammen aber erkühlet die See-
Luft schneller als die Landluft, die über einem erhitzten Bo-
den steht, jene ziehet sich also zusammen %und machet dieser Platz,
%folglich streicht alsdan ein Landwind über die See. Die Winde
sind in allen Inseln der Zonae torridae, im Mexicanischen Meer-
busen, in Brasilien, an den Africanischen %und Ostindischen Küsten
anzutreffen. Sie sind ausnehmend nutzbar, nicht allein zur
Abkühlung dieser Länder, sondern auch für die Schiffahrth
zwischen vielen Inseln.

/≥ Von den Moussons oder periodischen Winden. ≤

/In dem ganzen heißen Erdstriche, wo ganze Länder von dem Ae-
quator gen Norden oder Süden sich ausbreiten, herrschen in den be-
nachbarten Meeren jährlich Wechselwinde, Moussons, oder wie
sie die Engländer nennen Monsons genant, nemlich die Monate
Aprill bis September ein Süd-Westwind, die übrigen Monathe
ein Nordostwind. Dieses geschiehet im Meerbusen von Bengala,
den Persischen, Arabischen Meeren, im Archipelago, den Philippi-
nischen Inseln, im mexicanischen Meerbusen %und anderwerts. Im
südlichen Hemisphaerio geschieht eben der Wechsel des Westwin-
des, nur in den gedachten Monaten herrschet der Nordwest %und in
den übrigen der Süd-Westwind.

/≥ Ursache der Moussons. ≤

/Indem ich die Ursache der Moussons erkläre, so gebe ich auch eine
allgemeine The«¿ber»orie aller beständigen periodischen %und der meisten
veränderten Winde. Ich sage nemlich, daß ein Wind der von dem Ae

/|P_62

/quator nach einem von den zwey Polen geht, eine Nebenrichtung nach
Westen bekomme, wenn er erstlich eine Weite hindurch sich beweget
hat. ZE in unserm %nordlichen Hemisphaerio muß ein Südwind in einen
Südwestwind ausschlagen, %und auf der südlichen Seite des Aequator
ein Wind, der von dem Aequator nach dem Süderpol hingehet, ein Nord-
Westwind werden. Denn da die Erde sich um die Axe drehet, so haben
die Theile ihrer Oberfläche die größten Bewegungen, welche unter
dem Aequator sind, %und diejenigen, welche einem oder dem anderen Pole
näher liegen, eine desto schwächere, je näher man zu dem Pole gehet, %und
die Luft, welche die Erde bedeckt, hat allenthalben, wenn kein Wind
ist, gleiche Bewegung mit dem Theil der Oberfläche der Erde, auf
welcher sie ruhet. Also wird die AequatorsLuft, weit mehr Schnellig-
keit der Bewegung von Abend gegen Morgen haben, als die unter den
Tropicis, %und diese weit mehr, als die zwischen den Polarzirkeln pp. Dieses
aber macht an sich noch gar keinen Wind, weil die Luft auf der Oberfläche
der Erde ihren Platz nicht verändert. Sobald aber die Aequators
Luft nach einem von den Polen. zE zu dem Nordpol hinziehet, so ist
dies %erstlich ein Südwind. Allein diese nach Norden ziehende Luft hat
doch von der Drehung der Erde einen Schwung, von Abend gegen
Morgen, der schneller ist, als alle «Polarzirkel» Parallelzirkel, wohin sie
bey weiter Entfernung vom Aequator anlanget; also wird sie unter
die Oerter, wo sie ankömmt, sich mit dem Überschuße ihrer Schnellig-
keit von Morgen gegen Abend «durch» <«fort» fort>bewegen, mithin durch die
Zusamensetzung der %südlichen Richtung einen Süd-Westwind machen.
Aus eben den Gründen, wird aus der Bewegung der Aequators-
Luft nach dem Süderpol hin ein Nordwestwind entstehen, dagegen
wo aus einer vom Aequator entfernten Gegend die Luft zu Ae-
quator hinströmet, so wird in unsrem Hemisphaerio dieses %erstlich
ein Nordwind seyn, da er aus solchen Gegenden der Erde ausgegan-
gen, wo er wegen der kleinen Parallel-Zirkel in denen er sich be- 

/|P_63

/fand, weniger Schnelligkeit von Abend gegen Morgen hatte, als die-
jenigen Theile der Oberfläche der Erde, die dem Aequator näherlie-
gen, wohin er sich beweget, so wird er, weil er nicht so viel Bewegung
von Westen nach Osten hat, als die Oerter, wo er anlanget, nach-
bleiben, also sich schon von %Morgen gegen %Abend zu bewegen, welches in der %nordlichen
Richtung verbunden, in unseren Hemisphaerio einen Nordwind macht,
also wird ein Nord-Westwind in unserer Halbkugel, je mehr er sich dem
Aequator nähert, in einen Nord-Westwind ausschlagen %und im %südlichen He-
misphaerio wird ein Südwind sich in einen Süd-Ostwind aus eben den
Gründen verändern. Hieraus nun kan zuerst der allgemeine Wind unter
der Linie erkläret werden, denn daselbst %und vornemlich zur Zeit der Tag- 
%und Nachtgleiche ist die Luft mehr als anderwerts verdünt. Die Luft
bey den Polen %und andern zwischen ihm %und dem Aequator gelegenen Gegen-
den ziehet also zum Aequator hin, der Nordwind aber verändert sich eben
dadurch in einen Nord-Ostwind %und der Südwind in einen Süd-Ostwind.
Diese Winde werden auch in den tropicis, ein jeder in seinem Hemis-
phaerio anzutreffen seyn; allein unter dem Aequator werden sie, da
sie in einem Winkel zusammentreffen, in Süd-Ostwinde ausschlagen, da
nun vom Merz bis dem September die Sonne die Zonam torridam in
unserem Hemisphaerio am meisten erhitzet, so werden die Länder, die
in derselben oder ihr nahe liegen, ungemein erwärmet werden, %und die
nahe dem Aequator liegende Luft wird den Platz der über dieser ver-
dünten einnehmen; es wird also ein Südwind entstehen, der um des vor-
hererwehnten Gesetzes willen in einen Süd-Westwind ausschläget:
allein in den übrigen Monaten thut die Sonne dieses im %südlichen Hemisphae-
rio, also wird die Luft der %nordlichen Halbkugel herüberziehen %und einen Nord-
Westwind machen. In der Zeit da diese Moussons miteinander
abwechseln werden Windstillen %und Orcane regieren.

/≥ Noch einige Gesetze
der Abwechselung der Winde. ≤

/|P_64

/In unserm nordlichen Hemisphaerio pflegen die Winde wenn sie
von Norden nach %.Nord %.Ost gehen, auf diese Weise den ganzen Zirkel von
der linken zur rechten zu absolviren, nemlich nach Osten, dann nach Süden,
dann nach Westen zu gehen. Allein diejenige Winde, die auf eine ent-
gegengesetzte Art aus Norden nach Westen p laufen, pflegen fast
niemahls den ganzen Zirkel zu absolviren. Im %südlichen Hemisphaerio,
da die Sonne ihren Lauf von der rechten gegen die Linke hat, ist dieser
Zirkellauf auch umgekehrt, wie don_ulca im mari_pacifico ange-
merket hat. Es scheint dieses Gesetz vom Lauf der Sonne herzurühren,
denn der Nordwind schlägt natürlicherweise in einem %Nord-%.Ostwind aus;
allein wenn ihm die %südliche Luft endlich wiedersteht, so wird er völlig
östlich; denn fängt die Luft aus Süden an zurückzugehen %und wird durch
die Verbindung mit dem Ostwinde erstlich %.Süd %.Ost dann völlig südlich, denn
aus dem oben angeführten Gesetze %.Süd %.West denn durch den Wiederstand
der %nordlichen Luft völlig West. Die Winde sind am meisten verän-
derlich in der Mitte zwischen einem Pol %und dem Aequator. In der
Zona torrida sowohl %und in den nahe gelegenen Gegenden als in der
Zona frigida %und in den benachbarten sind sie viel beständiger.
Oefters sind Winde in verschiedenen Höhen der Luft verschieden, sie
bringen aber hernach Windstillen %und darauf plötzliche Stürme, oder
einen veränderten Wind in den niedrigen Gegenden zuwege.
Auf
den Inseln weht der Wind im Tage von allen Gegenden, aufs Land ver-
hält es sich umgekehrt. In der Zona <torrida> sind die nordliche %und westliche
Paßalwinde regelmäßiger als in unsern Gegenden.

/≥ Vom Regen %und andern Luftbegebenheiten. ≤

/In der Zona torrida ist es am regenhaftsten, daselbst fallen auch
größre Tropfen %und mit mehrerem Ungestüm. In den äthopi-
schen Gebürgen %und in den Cordilleren regnet es fast immer Die Süd-
Winde bringen in den Theilen der Zonae torridae %und der anliegenden
Gegenden die in der nordlichen Halbkugel liegen, die anhaltenden

/|P_65

/Regen zuwege, welche die Flüße so aufschwellend machen. In
Sierra_Liona %und einigen andern Gegenden der Küste von Guinea
fällt der Regen in sehr großen Tropfen %und erzeügt Würme. Die
Negers laufen vor dem Regen als vor dem Feüer, %und in einem Klei-
de mit Regen durchnetzet, schlafen sie tödlich, wie denn solche Klei-
der wenn sie naß weggelegt werden, in kurzem verfaulen. In eini-
gen Ländern regnet es gar nicht, in andern selten. Der niedrige
Theil von Peru, wo Lima lieget, ist ganz vom Regen frey; daher man
daselbst flache Dächer hat, darauf Asche gestreuet ist, um den Thau
einzusaugen, weil die Regenwolken ihnen in großer Hitze durch
den allgemeinen Ostwind, der über die Cordillerischen Gebürge
streichet, getrieben über dem Kopfe wegziehen. In Quito hingegen
regnet es alle Tage wenigstens eine halbe Stunde lang. In
dem obern Theil von Aegypten ist es einem Wunder ähnlich, wenn
es in 7 Iahren einmahl regnet. In dem wüsten Arabien sind die
Regen gleichfalls selten.
Wenn man aus dem Thal Quito nach
Popagan in der Audienza Santate will, regnet es so erstaunend,
daß es gefährlich ist, daselbst zu reisen.

/Die Nordlichter sind in Norden am häufigsten. Die Blutrothe
Farbe ist selbst den Lappländern am fürchterlichsten, wie im Südpol.
Ungewitter «werden selbst in» <haben aus> der See ihren Ursprung. Die Landluft
ist glasartig elektrisch, %und die Electricität der See-Luft pechartig.
Wo die electrische Kräfte gleich sind werden sie nicht bemerkt; denn alle
Ungewitter sind nichts anders als Bewegungen des Electrischen in
der Luft. Der Wetterstrahl kömt oft von der Erde in den Wolken, wel-
ches öfters angenommen werden muß. In gebürgigten Gegenden
sind Ungewitter am häufigsten; denn Berge sind die Conductores
der Electricität; Thürme %und Bäume gleichfalls.

/≥ Siebentes Hauptstück.
/Von dem Zusammenhange der Witterung mit den Iahrszeiten. ≤

/|P_66

/Alle Länder selbst kalte Erdstriche haben im Winter eine desto
temperirtere Luft oder Witterung, je näher sie am Meer liegen,
welches in seiner weiten Ausdehnung niemahls frieret. Daher es
am Nordkap im Winter nicht strengere Kälte ist, als im %südlichen Theil
von Lappland. Einige Länder aber haben einen weit strengeren
Winter als andere die oftmahls viel nördlicher liegen. So ist es in
dem Theile von China, der südlicher liegt als Neapolis, im Winter so
kalt, daß es ansehnlich frieret. In Nordamerica sind in der
Breite von Frankreich so strenge Winter, als im nordlichen Theile
von Schweden. Und im südlichen Hemisphaerio schwimmen daselbst, wenn
es mitten im Sommer ist, in einer Polhöhe, so wie die von Engelland
ist, große Eisfelder, welche nie aufthauen. Selbst in Europa
war es in vielen Ländern vordem kälter als jetzo. Die Tiber gefrore
im Winter zur Zeit des Kaysers Augusti gewöhnlich, itzt aber nie-
mahls. Die Rhone gefrore zu Iulii_Caesaris Zeiten; so daß man
Lasten herüber fahren konnte; Itzt aber ist dieses nicht erhöhrt. Das
schwarze Meer war zu Zeiten Constantini_Capronomi Ellen
dick gefrorren. Deütschland am Rhein %und Frankreich werden
uns von den Alten wie Siberien beschrieben. Dieses rührte von
den vielen Wäldern her, welche damahls die meisten dieser Län-
der bedekten, %und in denen der Schnee sehr spät schmilzet, so daß
kalte Winde daher wehen. Itzo sind die Wälder größentheils
ausgehauen, hingegen im nordlichen Theil von America %und Asia
sind sie noch unermeßlich groß, welches eine von den Ursachen
der Kälte in diesem Lande seyn kann: doch kan zuweilen die Beschaffen-
heit des Bodens viel hiebey thun, vornemlich wenn er wie in China
%und Siberien voll Salpeter ist. Im heißen Erdstriche, in dem Theile des-
selben, der in der nordlichen Halbkugel liegt, ist der Winter, wie sie ihn
nennen, in den Sommermonaten, bestehet aber bloß in der Regenzeit,
denn die Sonne ist ihnen alsdan wirklich am nächsten, wie es dann zu

/|P_67

/der Zeit, eine sehr schwule Luft, vornemlich in der Gegend um Cartha-
gena in America %und in Guinea giebt; die übrige Zeit heißt die gute
oder trokene Zeit. In Persien nämlich im mitlern Theile in Sorien %und
Kleinasien ist die Winterkälte oftmahls sehr heftig. In der Halb-
insul dießeits des Ganges kommt auf der Küste Malabar die Re-
genzeit einige Wochen eher, als auf der Küste Coromandel, weil
das Gebürge Gate, welches diese Halbinsul in die Hälfte theilet, die
Wolken, die vom Südwestwinde getrieben werden, eine Zeitlang
von der Ostseite der Halbinsel zurückhält daher man daselbst in
zwey oder drey Tagereisen aus dem Winter, in den Sommer kommen
kan. In der südlichen Halbkugel %und deren Theile der Zonae torridae ist
dieses alles umgekehrt. Die Ursache der Kälte in dem südlichen Ocean
selbst zu derjenigen Zeit, da daselbst Sommer ist, kommt ohne Zwei-
fel von den großen Eisschollen her, die von den Gegenden des Süd-
pols, in diese Meere herabgetrieben werden.

/Im Mittelpuncte scheint ein Körper zu stecken, der die Compaße
regiert %und der sich dreht, daß alle Nordlichter %und Erdbeben mit der Mag-
netnadel Gemeinschaft haben, er kan also auch die Ursache der Wär-
me seyn. Die Geschichte erzählt, daß wo jetzt das Clima gemäßigt, vor-
hin kalt gewesen, %und Beobachtungen zeigen, daß wo jetzt sehr kalt
ist, vormahls sehr warm gewesen.

/≥ Achtes Hauptstück
/Geschichte der großen Veränderungen, welche
/die Erde ehedem erlitten hat, %und noch leidet.

/§ 1.
/Von den allmähligen Veränderungen die noch fortdauern. ≤

/1) Durch Erdbeben. Diese haben manche an der See gelegene
Landstriche versenket %und Inseln emporgehoben. More meint
sehr unwarscheinlich daß die Berge gröstentheils daher entstanden.
Einige aber haben ihren Ursprung gewiß daher.

/|P_68

/Im Meer sind durch Erdbeben Inseln entstanden bey SantOrino.
Durch Erdbeben sind einige Städte versunken. Ganz Italien sreibt
ein schwedischer Reisender, hat sich in der Mitte etwas gesenkt %und gegen die
Küsten zu erhoben; welches durch Erdbeben geschehen seyn muß

/2) Durch die Fluße %und den Regen. Der Regen spühlet die Erde von den Ber-
gen %und hohen Theilen des festen Landes %und schleppen den Schlamm in die gros-
sen Bäche, die ihn in den Strom bringen. Der Strom hat ihn hin %und wieder
anfänglich in seinen Lauf abgesetzt %und seinen Canal gebildet, itzo
aber führt er ihn fort, setzt ihn weit %und breit an den Küsten bey seiner
Mündung ab, vornemlich wird er bisweilen die Länder bey seinem
Ausfluße beschwemmen %und setzt neü Land an. Dieses sind Bege-
benheiten, die durch sehr viele Exempel bestätiget «werden» <sind>. Der Nil
hat das ganze $D$ (Delta) ja nach dem Zeugniße der altesten Schrift-
steller ganz Unteregypten durch seinen Schlam angesetzet, da
hier vor Alters ein Meerbusen war; er thut aber dieses noch. Da-
miate ist jetzt 8 Meilen vom Ufer entfernt; 1243 war es ein See-
hafen. Die Stadt Foa lag vor 300 Iahren an einer Mündung des
Nils %und ist itzo 5 Meilen davon auf dem festen Lande. Ia seit
40 Iahren hat sich das Meer 1/2 Meile weit von der Stadt Rositte
zurückgezogen. Nun kan man deütlich sehen, daß alles Land von
Unteregypten ein Geschöpf des Nils sey, weil an deßen Ufer
das gute Erdreich wohl 50 Fuß tief gehet. Eben dieses ist am
Mißisippi %und Amazonenstrom, am Ganges pp zu merken. Da-
durch wird das feste Land immer niedriger, %und das Regenwaßer,
nachdem das feste Land seinen Abhang verlieret, wird nicht
mehr so viel den Flüßen zugeführet, sondern versieget in der
Erde und troknet in Pfützen aus. Die Flüße füllen ihre Mün-
dung oft mit Schlam %und verlieren dadurch ihre Schiffbarkeit, so
daß neue Inseln %und Bänke in der Mündung großer Flüße ange-
setzet werden.

/Der Nil wird nach Ablauf einiger Iahrhunderte nicht mehr über-
schwemmen; %und der Fluß selbst bekomt nicht mehr so viel Waßer, weil die Ab-
dachung niedriger wird.

/|P_69

/3) Durch das Meer. Dieses zieht sich an den meisten Ländern,
von den Küsten nach %und nach zurück. Es arbeitet zwar an einigen Küsten
etwas ein, aber an andern %und den meisten Oertern setzt es wieder
an. Im östlichen Theil von Holland gewint das Land jährlich 2 bis
3 Klafter. Die Einwohner in Nordboln bemerken, daß die See in
10 Iahren 4_1/2 Zoll niedriger werde, daher viele von den guten Häfen
anjetzt nur kleine Schiffe einnehmen. Die Dünen in Holland %und
England im gleichen die preüßische Nahrungen sind ohne Zweifel
vom Meer aufgeworfene Sandhügel, itzt aber steigt das Meer
niemahlen so hoch wie sie. Man mag urtheilen obs genug sey, dieses da-
her zu erklären, wie die See ihren Schlamm, so die Flüße hineinfüh-
ren, am Ufer absetze, oder ob das Innere der Erde sich seit vielen
Iahrhunderten her immer nach %und nach fester setze; daher der Boden
des Meers immer tiefer sinke, weil sein Bette vertieft wird, %und
sich vom Ufer ziehet. Das Meer «befestigt» be«¿¿»mächtigt sich auch
zuweilen des festen Landes. Man urtheilet daß viele Meerengen
nach %und nach durch die Bearbeitung des Meeres, welches eine Land-
enge durchgebrochen hat, entstanden zE die Straße von Calais. Cei-
lon soll auch ehedem mit dem festen Lande zusammengehangen
haben, wo nicht die Erdbeben auch hieran etwas Antheil nehmen;
Zum wenigsten laßen sich die Raubthiere, die ehedem in Engeland
waren, kaum anders begreifen, als durch den Zusammenhang dieses
Landes mit Frankreich. Der Dollart eine See in Friesland, ist
durch den Einbruch des Meers entstanden. Die Südersee ist ehe-
dem ein bewohntes Land gewesen, ist aber durch die See überschwem-
met

/4) Durch die Winde %und den Frost. Der Wind treibet oefters den Sand
von hohen Gebürgen über niedrige Gegenden oder umgekehrt. In
Bretagne überschwemmet eine solche Sündfluth einen ansehnlichen
Theil des festen Lands, so daß die Spitzen der Kirchthürme nur hervor-
ragen von Dörfern, die ehedem bewohnt waren. In andern Ländern

/|P_70

/aber treibt der Wind den Sand ins Meer und macht Untiefen,
auch wohl gar neües Land. Der Frost sprengt öfters ansehnliche
Theile von Bergen, in deren Ritzen sich Regenwaßer hält, welches in
ihren Ritzen frieret, ab; diese «R»rollen in die Thäler %und richten oefters
große Verwüstungen an. Diese Veränderungen sind nicht von
großer Erheblichkeit.

/5) Durch die Menschen. Diese setzen dem Meere %und den Flüßen, Dämme
%und machen dadurch troken Land, wie am Ausfluß des Po, des
Rheins %und anderer Ströme zu sehen ist. Sie troken Moräste, hau-
en Wälder ab %und verändern dadurch die Witterungen der Länder
ansehnlich.

/Die Landseen nehmen von Zeit zu Zeit ab. Die Ursache scheint
in der Bewegung des Waßers zu liegen. Die Menschen haben einen
Antheil an der Erdveränderungen durch den Ackerbau. Die ganze Ober-
fläche wird durch den Ackerbau getroknet %und folglich niedriger.
Sie macht auch daß der Regen mehr wegspühlt. Wenn Menschen die
Erde bewohnen so scheint das Land ab %und das Meer zu zunehmen.
Wen die Menschen nicht die Erde bewohnten, so würde es umge-
kehrt seyn. Die Gewächserde bleibt nicht in der Gestalt der Moor@erde@,
sondern verändert sie. «¿»Cronstedt glaubt von der Thonerde daß sie
Pflanzenerde sey, weil sie bey Zerreibung viel ähnliches mit der
Pflanzenerde habe. Alle Seemuscheln verwandeln sich in Gyps,
Kalk %und Kreide. Linnäus hält davor daß alle Kalk %und Kreiderde,
nichts weiter als Trümmer der Schalthiere sey, %und daß alle Seethiere
aus vermischter Kalkerde %und alle Landthiere aus vermischter Moor
%und Thon Erde bestehen.

/≥ § 2.
/Denkmahle der Veränderungen, welche die Erde
in den ältesten Zeiten ausgestanden. ≤

/A. Beweißthümer daß d«ie»as «Erde» Meer ehedem die ganze Erde
bedecket habe.

/An allen Orten der Erde, selbst auf den Spitzen hoher Berge fin- 

/|P_71

/det man große Haufen von Seemuscheln %und andere Merkmahle des
ehemaligen Meeresgrundes. In Frankreich bey Tourraine ist ein Strich
Landes, der neun französische Quadrat Meilen begreift, in welchem
unter einer kleinen Bedekung von Erde, eine Schichte von Seemuscheln
angetroffen wird, die 20 Fuß dick ist. Auf allen Bergen in der
Welt, auf allen Inseln hat man diese gefunden, %und sie beweisen
gnugsam, daß die See alles feste Land bedecket habe, nur in den
Cordilleren hat man sie noch nicht gefunden. Weil aber diese die
steilsten von allen Bergen sind, so wird der Schlamm, der von den Ge-
bürgen, durch Regen %und Gießbäche abgeschwemmet worden, längst
die Muschel Schichten mit einer sehr dicken Leimschicht, die man auch
allenthalben findet, bedecket haben. Es ist lächerlich wenn la_Laubere
in seiner Beschreibung von Siam den Affen diese Muscheln bey-
«mißht» mißet, die sie bloß zum Zeitvertreibe, wie sie auf dem Capo
%bona %spei thun, auf die Spitzen hoher Berge sollen getragen haben, oder @wenn@
ein anderer dafür hält, daß die asiatischen Muscheln, die man
auf den europaeischen Bergen findet, von den Kriegsheeren mitge-
bracht worden, so die Kreuzzüge nach dem gelobten Lande thaten.
Man findet aber auch andere Seethiere versteinert, oder in
Steinen abgeformet, allenthalben, auch mitten in dem Halse, daraus
die Gebürge entstehen. Es giebt darin häufige Schlangenzungen
oder versteinerte Zähne vom Hayfisch, das gewundene Horn des Nar-
vals, Knochen von Wallfischen, Theile von versteinerten Seeinsec-
ten, dahin die Iudensteine, Astroiden, Petunckeln p gezählet werden
müßen. Ferner sind in der Gestalt der Gebürge Beweise vom vorigen
Aufenthalte der See über dem festen Lande zu finden. Das
zwischen 2 Reihen von Gebürgen sich schlängelnde Thal, ist dem Schlauch
eines Flußes, oder dem Kanal eines Meerstroms ähnlich. Die bey-
derseitigen Höhen laufen wie die Ufer der Flüße einander pa-
rallel, so daß der aufspringende Winkel des einen, dem einste-
henden Winkel des andern «gleich ist» gegen überstehet. Dieses be- 

/|P_72

/weiset, daß die Ebbe %und Fluth auf dem grenzenlosen Meere, welches
die ganze Erde bedecket, eben so wohl Meerströme gemacht habe
als itzt im Ocean %und daß diese zwischen den Reihen von Gebürgen
sich ordentliche Kanäle ausgehöhlet %und zubereitet haben.

/B. Beweißthümer, daß das Meer öfters in festes Land, %und dieses
wieder in Meer verwandelt worden. Zuerst ist die Betrachtung
der Schichten nothwendig, daraus die obere Rinde der Erde besteht.
Man findet verschiedene Strata oder Schichten von allerley Ma-
terien, als Leimen, feiner Sand, Kalkerde; grober Sand, Muscheln,
pp gleichsam blätterweise über einander. Dergleichen Schichten sind
entweder horizontal oder incliniret %und sind so weit sie sich erstreken
von einerley Dicke. Nun findet man öfters unter den ersten Schich-
ten, eine Schichte des Meergrundes, welches man an den verschütteten
Seepflantzen <%und Muscheln> erkennen kan. Diese Schichte besteht oft aus einer Krei-
deerde, welche nichts anders als Muschelgries oder Seesand ist, dem
folget oft eine Schichte, darinnen Pflantzen, Bäume ja Werkzeüge
der Menschen, Rudera von Städten verborgen sind, bald darauf nach
abwechselnden Schichten der Grund der See. Diese Schichten lie-
gen nicht über einander nach Proportion ihrer specifischen Schwere.

/In Flandern, Friesland %und anderwerts findet man erstens Spuren
vom vorigen Auffenthalte des Meers, darauf 40 bis 50 Faden tief
darunter ganze Wälder in verschütteten Bäumen. Ihre Wurzeln lie-
gen hier sowohl als im Lauenburgischen nach %.Nord %.West %und die Gipfel nach %.Süd %Ost.
In Modena %und 4 Meilen umher findet man 14 Fuß tief unter der
obersten Rinde Trümmer einer alten Stadt, denn eine feste Erdschich-
te, in der Tiefe von 28 bis 40 Fuß Muscheln in einer kreidichten Schichte,
hernach in einer Tiefe von 60 Fuß bald Kreide, bald Erdgewächse.
Im Iahr 1464 ist im Caton Bern aus einer hundert Ellen tiefen
Grube ein Schiff mit 40 Gerippen menschlicher Körper gezogen worden.
Unter einem sehr tiefen Felsen fand man in Uri ein Meßer, im-
gleichen hin %und wieder in den Bergwerken ganze Menschengerippe.

/In Engelland findet man in der Erde Bäume die behauen sind.

/|P_73

/Die Felsen sind ohne Zweifel ehedem weich gewesen. In Schweden
fand man vor kurzem in einem Schachte etliche Ellen tief eine Kröte
in einem Felsen sitzen, die noch lebte, obgleich blind und fühllo«s»ß. Man
findet in den Harzgebürgen so zu sagen Teiche von versteinerten
Fischen. Viele Abdrücke von indianischen Pflanzen %und hin %und wieder
Elephantenzähne, imgleichen «hin %und wieder» Elephanten«zähne»Knochen
in Siberien.

/C. Theorie der Erde, oder Gründe der alten Geschichte derselben.
Scheüchzer und viele andere Physici schreiben diese Merkmale aller
Veränderungen der Sündfluth zu; allein diese ist %erstlich eine gar zu
kurze Zeit über die Erde gewesen, als daß sie solche Veränderungen
hätte zuwege bringen können. Ueber große Muschelbänke, hohe Erd-
schichten, ja wohl gar hohe Felsen aufzuführen, dazu ist eine so kurze Zeit
als die Zeit der Sündfluth war, nicht hinlänglich. Zuweilen aber findet
man abwechselnde Schichten in der Erde vom festen Lande %und See-
grunde. Es ist oft wie in der Gegend von Modena unter einer Muschel-
schichte ein Stratum, welches Producte des festen Landes begreift,
%und unter diesen findet man oft <wiederum> Ueberbleibsel des Meeres, so daß
zu sehen ist daß diese Veränderung des festen Landes in Meer,
%und dieses widerum in festes Land oft auf einander gefolget sind.
Zudem scheint die Sündfluth nur eine allgemeine von diesen Ver-
änderungen gewesen zu seyn, nemlich eine Veränderung alles fes-
ten Landes in Meer, %und dieses wiederum in festes Land; es sind
aber unleügbare Merkmahle, daß dieses mit einigen Strichen
der Erde entweder vor oder nachher sich würklich zugetragen habe,
%und viele Iahre in einem Zustande solcher Veränderungen ver-
floßen. Daß viele ja fast alle Inseln mit dem festen Lande
ehedem müßen zusammen gehangen haben, %und daß alles dazwi-
schen liegende Land in einem Seegrund verwandelt worden,
ist aus den Thieren glaublich die sich darauf befinden. Denn wo
man nicht behaupten will, Gott habe auf jeder weit vom Lande
entlegenen Insel, zE den Azorischen, Latronischen, die Landthiere

/|P_74

/besonders erschaffen, so ist nicht zu begreifen wie sie herüber ge-
kommen, vornämlich die schädlichen Thiere, zE der Stinkdachs. Nun
frägt sichs was alle diese Veränderungen für eine Ursache haben?
Moro glaubt, die Erdbeben wären im ersten Alter der Erde allge-
mein gewesen; es wären Berge aus der See samt den Muscheln
gehoben worden %und anderwerts wäre der Grund des Meers tiefer
eingesunken, das Salz des Meers, sey von der Asche ausgebranter
Materien ausgelaugt %und endlich sey alles in einen ruhigen Zustand
versetzt worden. Nun ist zwar nicht zu läugnen, daß in Peru ganze
Berge anzutreffen, die vom Erdbeben erhoben sind, sie unterscheiden
sich aber von andern kentlich, die Strata liegen nicht so ordentlich
hier als anderwerts, auch ist es nicht glaublich daß bey einer solchen
Wuth des unterirrdischen Feüers, welches Berge aufgethürmet
hat, Muscheln %und Thierknochen unversehrt geblieben; überdem wie
kommen die viele indianische See %und Land-Producte in diese«¿» Gegen«d»-
den? Bonnet bildet sich die erste Erde als platt %und eben, ohne Meere
%und Berge vor. Unter der obersten Rinde war eine große Waßer-
versamlung, der Aequator der Erde war nicht gegen die Ecliptic geneigt,
sondern vielmehr mit ihr zusammen; die oberste Rinde stürzete
«sich» ein %und machte Berge, den Boden der See %und festes Land, allein
hieraus können die nach %und nach geschehenen Revolutionen nicht er-
kläret werden. Woodward glaubet, die Sündfluth habe alle Ma-
terie der Erde, Metalle, Steine, Erde pp aufgelöset, diese aber
hätte sich nach %und nach gesenket, daraus wären die Erdschichten
entstanden, die viele Körper fremder Art in sich schließen.
Aber die Lage der Schichten, die nicht nach der specifischen Schweh-
re geordnet sind, die Abwechselung der Land- %und Seeschichten, wel-
che zeigen, daß die Veränderung nicht nur einmahl sondern öf-
ters mit Abwechselung geschehen, %und die der gesunden Vernunft
wiederstreitende Auflösung aller vesten Körper wiederlegen
diese Begriffe.

/|P_75

/Whiston lebte zu einer Zeit, da die Cometen in Ansehen kamen,
Er erklärte auch die Schöpfung der Erde, die erste Verderbung
derselben nach dem Sündenfalle, die Sündfluth %und das letzte Gericht
alles durch Cometen. Die Erde war seiner Meynung nach im Anfange
ein Comet, die Atmosphere macht es dunkel auf der Erde, da sie sich
reinigte, ward es licht, endlich wurden Sonne %und Sterne erschaffen.
Das inwendige Waßer der Erde wurde mit einer irrdischen Rinde
bedeckt und es war kein Meer; der Schweif eines Kometen berühr-
te die Erde %und da verlohr sie ihre erste Fruchtbarkeit. Ein andrer
Comet berührte die Erde mit seinem Dunstkreise %und daraus wurde
der 40tägige Regen. Die unterirrdischen Gewäßer brachen hervor,
es entstanden Gebürge %und der Boden wurde dem Meer zubereitet,
endlich zog sich das Waßer in die Höhlen der Erde zurück. Außer dem
willkührlichen in dieser Meynung %und den übrigen Unrichtigkeiten
erkläret sie gar nicht die auf einander in langen Zeitläuften
folgende %und abwechselnde Veränderung des Meeres in festes
Land %und umgekehrt. Leibnitz glaubt, die Erde habe ehedem gebrant,
ihre Rinde sey in Glaß verändert worden, aller Sand sey Trüm-
mern dieses Glases, der Leimen %und andere Erdarten wären
der Staub von diesen zerriebenen Glaspartickelchen. Diese
glasartige Rinde dieser Erdkugel sey hernach eingebrochen,
worauf dem Meer sein Bette %und die Gebürge hervorgebracht.
Das Meer habe das Salz der ausgebranten Erde in sich gesogen,
%und dieses sey die Ursache seiner Salzigkeit.

/Linnaeus hält dafür, Gott habe, da die ganze Erde %anfänglich
mit Meer bedecket war, eine einzige Insel, die sich in ei-
nem Berge über die Oberfläche erhob, unter dem Aequator
gesetzt, darauf aber alle verschiedene Arten von Thieren %und
Pflantzen nach der Verschiedenheit der Wärme %und Kälte, die den
verschiedenen Höhen dieses gleich war hinaufgesetzt. Diese Insel
habe jährlich durch das Anspühlen der See, neü Land gewonnen,

/|P_76

/so wie man in Gothland, Dahland %und Bothnien wahrnimt, %und sey
alles feste Land in der Folge vieler Iahrhunderte durch den
Anwachs des Meeres entstanden. Allein dieses aus dem
Meer hervorgekomne Land müßte flach %und eben gewesen seyn,
so wie alle auf diese Art erzeügte Länder; man findet aber
alle Länder der Erde voll hoher Berge.

/Buffon meynet, die Meerströme, welche in dem weiten Ge-
wäßer, welches im Anfange die ganze Erde bedekte, herrschten,
hätten die Unebenheiten %und Gebürge gemacht, %und das Meer hätte
sich nach %und nach auf eine Art, die ihm gnugsam erklärlich ist,
zurück gezogen, %und diese hohen trocken gelaßen.

/≥ Versuch der gründlichen Erklarungsart der alten
Geschichte ≤

/1) Es ist gewiß daß die Erde in ihren ganzen Klumpen flüßig gewe-
sen, weil sie eine Figur angenommen, die durch den Drehungs-
schwung aller Partikeln derselben bestimmet worden, %und man findet
auch bis in den größten Tiefen, wohin man gräbt, schichtenweise
über einander liegende Erdlagen, welche nicht anders als im
Bodensatze einer trüben %und vermengten Maße aufzusuchen
sind.

/2) ist gewi«s»ß daß alles vordem Boden der See gewesen seyn
müße %und das Erdreich nicht auf einmahl hervorgezogen worden,
sondern nach %und nach %und zwar mit einem oftmaligen Rükfalle
in den Grund der See, imgleichen daß dieses lange Perioden
hindurch gedauert habe.

/3) daß Gebürge desto höher sind, je näher sie dem Aequator
liegen.

/4) Daß die Erde unter der obersten Rinde allenthalben hohl
sey selbst unter dem Meeresgrunde, %und häufige %und allgemeine
Einsinkungen haben geschehen müßen, gleichwie jetzt noch eini-
ge besonders vorgehen.

/|P_77

/5) daß, wo die tiefsten Einsinckungen geschehen, dahin das Meer
sich zurück gezogen %und die praecipitia trocken gelaßen.

/6) daß die Einsinkungen am häufigsten in der heißen Zone
als anderwärts geschehen; daher daselbst die meisten Gebürgen
die weitesten Meere, die meisten Inseln %und Landesspitzen
sind.

/7) daß das feste Land bisweilen nieder gesunken, aber nach
langen Zeiten, da der Meeresgrund sich tiefer in die unter
ihm befindlichen Hölen gesenket, wieder verlaßen %und troken ge-
worden.

/Aus allem diesen ergiebt sich folgendes.

/Die Erde war im Anfange eine ganz flüßige Maße, ein
Chaos, in dem alle Elemente Luft, Erde, Waßer pp vermengt
waren. Sie nahm die Gestalt einer bey den Polen gedrukten
Affterkugel an, sie fieng an hart zu werden %und zwar bey der Ober-
fläche zuerst, die Luft %und das Waßer begaben sich wegen ihrer
Leichtigkeit aus dem Inneren der Erde unter dieser Rinde. Die
Rinde sank %und es wurde alles mit Waßer bedecket; damahls
erzeugten sich in allen Theilen Seemuscheln, allein noch war die
Erde nicht ruhig. Das Innre der Erde, sonderte die ihm unter-
mengte Luft mehr %und mehr ab, %und diese stieg unter die oberste
Rinde, da wurden die Höhlen weiter. Weil nun die Gegenden,
wo die ersten Ersinkungen der Erde die @tieste«¿»n@ Thäler machten,
am meisten mit Waßer belastet waren, so sanken sie tiefer,
%und das Waßer verließ viele erhabene Theile, damahls wurde tro-
ken Land, %und es wurde der vorige Meeresgrund durch die Wirkung
der Bäche %und des Regens an den meisten Orten mit einer Schicht
fruchtbaren Erdreichs bedecket. Diese dauerte lange Perioden
fort %und die Menschen breiteten sich immer mehr aus, allein aus
den schon angeführten Gründen, wurden die unterirrdischen

/|P_78

/Hölen immer weiter, endlich sank plötzlich das oberste Gewölbe
der Erde; dieses war die Sündfluth, in welcher das Waßer alles
bedeckte. Allein darauf sank wieder der Meeresgrund
%und ließ einiges Land trocken, dieses daurete fort, so daß
bald dieser bald jener Strich, der vordem im Meeresgrunde
gelegen, in fest Land verändert wurde. Iedesmal überschwem-
te das von dem nunmehr erhöheten Boden herabstürzende Waßer
die niedrigen Gegenden %und bedeckte sie mit Schichten von Materi-
en, die sie von den oberen abschwemte. Es daurete diese Revolution
in einigen Gegenden noch mehr Iahrhunderte. Indem das trokne
Land, da die Gewölbe derselben wegen der unter ihnen befindli-
chen Höhlen nicht mehr fest stunden, einsank %und vom Meer bedecket
wurden, aber nach einem langen Aufenthalt deßelben, da der
Boden des Meers wieder noch tiefer sank, wiederum entblös-
set wurde. Und in der That findet man die unterirrdischen
Wälder, zE in Frießland, im Lüneburgischen so umgeworfen,
daß zu sehen ist, daß das gegen %.Nord %.West gelegene Meer sey über sie
weggestürzet %und habe sich wieder zurückgezogen. Daher komt es
daß die meisten Einsinkungen nahe zum Aequator geschehen,
denn daselbst müßen die weitesten Höhlen entstanden seyn, wie
solches aus den Gesetzen der Umdrehung der Erde könte leicht
erkläret werden. Es ist auch hieraus zu sehen, daß weil durch die
hin %und wieder entstandene Berge die Gleichheit in der Kraft des
Umschwungs der Erde um die Axe verändert worden, die Axe der
Erde sich geändert habe %und das was vorher im hitzigen Climate lag,
in die temperirte, oder kalte Zone versetzet worden, daher bey uns
die Ueberbleibsel von indianischen Thieren, Muscheln, Pflanzen, wie
denn dieses auch häufige Ueberschwemmungen, der vordem trokenen
Länder %und Entblößungen, der vordem im Meeresgrunde befindli-
chen nach sich gezogen. Sollte nicht, da nach der Sündfluth der mit

/|P_79

/Waßer bedeckt gewesene Meeresgrund trocken Land ge-
worden, der größte Theil seiner Salzigkeit von demselben
ausgelauget seyn, dadurch die Salzigkeit des Meeres %und die
Unfruchtbarkeit des festen Landes entstanden seyn?

/≥ Neüntes Hauptstück
/Von der Schiffahrth.

/Von den Schiffen. ≤

/Die Befrachtung des Schiffes wird nach Lasten gerechnet.
Eine Last hält 12 Tonnen, eine Tonne 2.000 %Pfund. Man schätzet die
Schwehre der Last, die ein Schiff tragen kann, nach der Hälfte
desjenigen Gewichtes, welches das Waßer wiegen würde das
im Schiff Raum hätte. e. g. es mag ein Schiff 500.000 Tonnen
Waßer, jede a 2.000 %Pfund faßen, so kan es mit 250.000 Tonnen, oder
mit einer Last von 5 Million Centner beladen werden, welches
aber viel für ein Schiff ist. Der große Ostindienfahrer ist «mit»
von 200 Last oder trägt ein Gewicht von 168.000 Centner, die grös-
ten Portugiesischen Ceroquen, welche viel größer als Kriegsschiffe
sind, steigen bis 1200 Last. Man merket noch an, daß die sonst im
Seewesen unerfahrne Indianer eine Art eines Fahrzeügs,
die fliegende Prora genannt erfunden haben, welche für die
schnelleste in der Welt gehalten wird. Ihr Durchschnitt ist auf
einer Seite gerade auf der andern gebogen, sie hat zur Seite
Ausleger, welche verhindern daß der Wind sie nicht umwirft.

/≥ Von der Kunst zu schiffen. ≤

/Man segelt stärker neben, als mit dem Winde. Aus zwey
Ursachen sowohl weil das Schiff, wenn der Wind gerade hinter
ihm ist gleichsam den Wind fliehet, als auch weil ein Segel
dem andern den Wind auffängt. Ein Seefahrer muß die
Prospecte der Küste, alle Tiefen des Meers an allen Orten,

/|P_80

/die Beschaffenheit des Ankergrundes, die Klippenbrandun-
gen, die in einer Gegend herrschende beständige Winde, die
Monsons, Stürme pp kennen; vornehmlich aber soll er

/1) Die Weltgegenden allezeit genau wißen, dieses geschiehet
vermöge des Compaßes, wenn man die Abweichung des Mag-
nets zugleich erwäget, nur muß man so oft es zu thun mög-
lich ist, durch die Observation des Himmels seine Beobachtun-
gen zu corrigiren suchen.

/2) Er muß wißen, nach welcher Gegend er mit einem gegebenen
Winde nur immerfort segeln «kan» darf, um an einen begehrten
Ort zu kommen. Diese Gegend, nach welcher er fortsegelt, ist nicht
immer dieselbe, nach welcher hin der Ort lieget, wo er hin will,
dieses geschiehet nur wenn beide Oerter, von wo %und wohin er se-
gelt, unter einem Aequator oder Meridiano liegen; denn wenn
zE jemand aus Portugall nach dem Ostio des Amazonenstro-
mes hinseegeln wollte, %und suchte erstlich die Gegend auf, nach welcher
dieses Ostium hinlieget, so würde er finden daß die kürzeste Linie
die aus Portugall nach Peru gezogen worden, nicht imer in ei-
nerley Winkel die Meridianos durchschneidet, mithin nicht immer
nach einer Gegend hin gerichtet ist. Wenn er also nach der Gegend,
nach «der» welcher der Anfang dieser krummen Linie hinzielet, immer
fortfahren sollte, so würde er niehmals den Ort, wo er hin will,
erreichen. Man kan aber nicht in der kürzesten Linie fahren, die
von einem Ort zum andern kann gezogen werden, wenn beyde Oerter
sowohl außer dem Aequatore, als außer demselben Meridi-
ano liegen; denn ein Schiff müßte fast in jeder Stunde die
Richtung seiner Bewegung ändern, welches so genau zu thun
nicht möglich ist, als es die vorgeschriebene Linie bestimmet. Daher
suchet man diejenige Richtung, nach welcher, wenn das Schiff immer

/|P_81

/fortsegelt, es zwar nicht durch den kürzesten Weg durchläufet,
doch aber zu dem Orte hinlanget, Diese Linie ist wenn 2 Oerter
gerade in einem ParallelZirkel liegen der ParallelZirkel selber;
wenn aber die Oerter außerhalb dem Meridian %und Parallelzirkel
liegen, so ist es die Lapodromia, diese wird durch die auf den
Charten mit 32 auslaufenden krummen Linien, die alle Meridiane
in gleichen Winkeln durchschneiden, gezeichnete Rose angezeichnet.
Wie man sich derselben bedienet, die Lapodromie, die von einem
jeden gegebenen Ort zum andern führet, zu finden, ist zu weit-
läuftig zu zeigen.

/3) Muß er die Länge %und Breite eines jeden Ortes wißen, die er-
stere ist am schwersten zu finden. Man bedienet sich dazu
die Sonne %und Mondfinsterniß, der Bedeckung der Sterne durch
den Mond, der Verfinsterung des Iupiters Trabanten; allein
bey allen bleiben noch wichtige «¿¿¿»Fehler übrig, die nicht können vermie-
den werden.

/4) Er muß seinen Weg schätzen %und dieses geschiehet vermittelst der
Taglinien %und einer richtigen Sanduhr. Er muß auch bedacht seyn,
nach einem langen Laufe den Fehler, den ihm die Meerströme
gemacht haben möchten, zu entdecken %und zu verbeßern.

/5) Es ist hiebey noch eine merkliche Abweichung der Tagregister
des Seefahrers von demjenigen, der auf dem Lande gemacht
worden, zu merken. Wenn einer der von %.Osten nach %.Westen die ganze
Welt durchsegelt, so verliert er einen Tag, oder zählet einen
Tag früher als die zu Hause gebliebenen, %und der von Osten nach
Westen umseegelt gewinnt eben so viel; denn wenn sie 30 %Grad
Westwerts seegeln, so ist Ihnen die Sonne um 2 Stunden zu-
rück gewichen, sie zählen also weniger als von dem Ort, von
wo sie ausgefahren, %und also verlieren sie nach %und nach 24 Stunden,

/|P_82

/fahren sie aber eben so viel nach Osten, so komt die Sonne 2
Stunden eher in ihren Mittagskreis %und so gewinnen sie nach
%und nach einen Tag. In Maceo zählen die Portugiesen den Sontag,
wenn die Spanier in Manilla den Sonnabend zählen, denn die letz-
ten sind von Osten nach Westen «erzählet» geseegelt, %und die er-
sten von Westen nach Osten. Magellan hat zuerst die welt
von Osten nach Westen umgeschiffet; als die Portugiesen
über dieser Entdeckung der Spanier in %.Westen unwillig wurden, so
baten sie den Pabst, daß er den Streit zu schichten, den Meridia-
num, der von den westlichen der Capo @no\ve@rdischen Inseln 100
Meilen weg ist, zur Grenze setzen möchte. Ostwerts solten
alle Entdeckungen den Portugiesen, westwärts aber
den Spaniern zukommen. Diese Theilungs-Linie wurde
hernach 270 Meilen westwärts gerücket.

/δRest_leer

/|P_83 δleer

/|P_84 δleer

/|P_85 δleer

/|P_86 δleer

/|P_87 δleer

/|P_88 δleer

/|P_89 δleer

/|P_90 δleer

/|P_91 δleer

/|P_92 δleer

/|P_93 δleer

/|P_94 δleer

/|P_95 δleer

/|P_96 δleer

/|P_97

/≥ Der physischen Geographie zweyter Abschnitt.
enthält die besondern Beobachtungen deßen, was
der Erdboden in sich faßet.

/Erstes Hauptstück.
/Vom Menschen. ≤

/Der Unterschied der Bildung %und Farbe der Menschen in
den verschiedenen Erdstrichen.

/Wenn wir von den Einwohnern der Eiszone anfangen, so
finden wir, daß ihre Farbe derjenigen, die in der heißen
Zone wohnen; nahe komt. Die Samojeden, die danische %und schwe-
dische Lappen, die Grönländer %und die in der Eiszone von America
wohnen, haben eine braune Gesichtsfarbe %und schwarzes Haar.
Eine große Kälte scheint hier eben daßelbe zu wirken, was
eine große Hitze thut. Sie haben auch wie die im heißen Striche
einen sehr dünnen Bart; ihr Körper ist dem Wachsthum der Bäu-
me ähnlich. Er ist klein, ihre Beine sind kurz, sie haben ein brei-
tes %und plattes Gesicht %und einen großen Mund. Die in der tem-
perirten Zone ihnen am nächsten «kommen» wohnen, die Kalmuck
die Siberiacken, die im nordlichen Theil Schwedens an der End-
sees-Bay, haben gelbe Haare; blonde Gesichtsfarbe %und sind grös-
ser von Statur. In der Parallele, die durch Deutschland ge-
zogen um den ganzen Erdkreis läuft %und einige Grade dißeits
%und jenseits sind die größten %und schönsten Leüte. Im nordlichen
Theil des Mogulischen Reichs, in Cochmir, Georgien Mengreli-
en, Circassien bis an die Americanische %englische Colonien, sind die
schönsten Leute, blonde %und wohlgebildet, blaue Augen, sie
herrschen in denjenigen Gegenden, die mit dieser Parallel ge-  ~

/|P_97R δZ_07
/Zufällig Erzeügungen
bey den Menschen so %erblich
sind, sind Abartungen, die nicht %erblich
sind, heißen Varie-
taeten.

/%Erblich sind widerum
gehören, 1) zum Stamm
2) zur Race

/In Siberien findet
man das %ursprüngliche
Schaff, es hat Haar %und
nicht Wolle, %und wehrt
sich tapfer, dadurch daß
es ein Haus_thier ge-
worden ist es abgear-
tet. ~

/|P_98

/gen Norden liegen. Ie weiter nach Süden, destomehr nimt die
brunette Farbe, die Magerkeit %und keine Statur zu, bis sie im heißen
Erdstriche in die mohrische Gestalt ausartet, obgleich nicht in allen
Gegenden derselben gleich stark. Man kan sagen daß es nur
in Africa einige sogenante Negers giebt Nicht allein die gleich-
sam geräucherte schwarze Farbe, sondern auch die schwarzen, wol-
lichten Haare, das breite Gesicht, die platte Nase, die aufgewor-
fenen Lippen machen das Merkmahl derselben aus imgleiche plum-
pe %und grobe Knochen. In Asien haben diese Schwarze, weder die
hohe Schwärze noch völliges Haar, es sey denn, daß sie von solchen
abstammen, die aus Africa herrübergebracht worden. In Ame-
rica ist kein National-Mohr; die Gesichtsfarbe ist kupferfar-
big, das Haar ist glatt, es sind aber große Geschlechter, die von
den africanischen Mohren-Sclaven abstammen. In Africa nen-
net man die Mohren, solche braune Mahometans, die von den
Mauris abstammen; die eigentlich schwarze aber <sind> Negers. Diese
erwehnte Mohren erstrecken sich bis zum Senegal, von da bis
zur Gamba sind die schwärzesten Negers, aber auch die schönsten
von der Welt, vornemlich die Ialoner, die Iulien ausgenommen,
diese sind schwarzbraun. An der Goldküste sind sehr schwarze
%und haben sehr dicke Wurstlippen. Die von Congo %und Angola %imgleichen
die Hottentotten sind nur schwarzbraun, doch haben sie auch eine
mohrische Gestalt. Auf der anderen Seite nemlich der östlichen
von Africa sind die Caffern viel schwärzer als die Hottentotten.
In Abyßinien sind keine eigentliche Mohren, Die Negers
von Sierra_Leone stinken«d» abscheülich. Die Farbe der Indianer
ist Olivenfarbe. Die Farbe der Kalmucken ist der Americani-  ~

/|P_98R δZ_01
/Buffon glaubt, daß
alle Thiere, so Abar-
tungen zeigen, doch
von einem Stamme
entspringen.
/

/Ganz America ist
nur Kupfer rothen
Menschen besetzt,
welche mit allen
Negers keinen Bart
haben, %und nur Haare
auf dem Bauche.

/δZ_15
/In dem Menschen ist
eine Organisation
vermöge der sie sich
in alle Climate schi-
ken, welche man aber
bey Thieren nicht fin-
det. Der Mensch muß
also Keime in sich haben
die «¿»zurük gehalten,
%und entwickelt wer-
den könen. ~

/|P_99

/schen näher, %und der Zuschnitt des Gesichts zeigt eine ursprüngliche
besondre Race.

/≥ Einige Merkwürdigkeiten von der schwarzen Farbe
der Menschen. ≤

/1) Die Negers werden weiß gebohren, außer ihre Zeügungs-
Glieder %und ein Ring um den Nabel sind schwarz, von da ziehet
sich die Schwärze im ersten Monate über den ganzen Körper.

/2) Wenn ein Neger sich verbrennt, so wird die Stelle weiß, die
lange Krankheiten machen die Negers ziemlich weiß, aber ein
solcher durch Krankheit weiß gewordener Körper, wird nach
dem Tode noch viel schwärzer, als vorhin.

/3) Die Europäer, die in der Zona torrida wohnen, werden nach
vielen Generationen nicht Negers, sondern behalten ihre euro-
päische Gestalt. Die Portugiesen am Capo verde, die in 200 Iah-
ren in Negers verwandelt seyn sollen, sind Mulatten.

/4) Die Negers, wenn sie sich nur nicht mit weißen vermischen,
bleiben selbst in Virginien durch viele Generationes, Negers.

/5) Weiße %und schwarze vermengt zeugen Mulatten, dieser
ihre Kinder, die sie mit Weißen zeügen, heißen im spani-
schen America Terceronen, dieser ihre Kinder mit Weißen
Quinteronen, %und dieser mit Weißen erzeügte Kinder heißen
selbst Weiße. Wenn aber zE ein Terceron eine Mulattin
heyrathet, so giebt dieses Rücksprungs-Kinder.

/6) In den Cordilleren sehen die Einwohner wie Europäer
aus. In Aethiopien selbst unter der Linie sind sie nur braun.

/7) Es giebt zuweilen weiße Mohren, die von schwarzen El-
tern erzeuget worden; sie sind mohrisch von Gestalt, haben
krause, schneeweiß«igt»e wollichte Haare, sind bleich %und können
nur bey Mondenlicht sehen. ~

/|P_99R δZ_02
/Es scheint daß die
Hitze <auf der Erde> vordem stär-
ker gewesen als jetzt,
denn da sie %anfänglich
flüßig gewesen so
muß sie durch %und durch
erwärmet gewesen seyn,
die Wärme so wir
noch in der Tiefe
der Erde finden, scheint
ein Ueberrest, von der
uralten Wärme der
Erde zu seyn, denn die
Sonnenhitze dringt
nur 70 Fuß in die
Erde. ~

/|P_100

/8) Die Mohren, imgleichen alle Einwohner der heißen Zone
haben eine dicke Haut, wie man sie denn auch nicht mit Ruthen
sondern gespaltenen Röhren peitschet, wenn man sie züchtiget, da-
mit das Blut einen Ausgang findet, %und nicht mehr unter der
dicken Haut eitere.

/≥ Meynungen von der Ursache dieser Farbe. ≤

/Einige bilden sich ein, Cham sey der Vater der Mohren %und von Gott
mit der schwarzen Farbe bestrafet, welche seinen Nachkommen an-
artet. Man kann aber keinen Grund anführen, warum die schwarze
Farbe eher das Zeichen des Fluchs seyn sollte, als die weiße.

/Viele Physici glauben, es rühre von der Epidermide %und der schwarzen
Materie her, womit sie tingiret ist, andere von dem Corpore reticula-
ri. Allein, weil doch wirklich die Farbe der Menschen durch alle
Schattirungen, der gelben, braunen, dunckelbraunen endlich in
der heißen Zone zur schwarzen wird, so ist wohl zu sehen, daß die
Hitze des Climatis daran Schuld sey; es ist aber gewiß, daß eine
große Reihe von Generationen dazu gehöret hat, damit sie ein-
geartet ist %und unerblich wird. Es scheinet daß die Vertroknung
der Gefäße, die das Blut %und das Serum unter die Haut führen,
den Mangel des Barts, kurze krause Kopf-Haare zuwege bringen
%und weil das Licht, welches durch die Oberhaut in die vertroknete
Gänge des Corporis reticularis fällt, verschlucket wird, der An-
blick der schwarzen Farbe daraus entstehe. Wie sich aber eine
solche zufällige Sache als die Farbe ist, anarten kan, ist so leicht
nicht zu erklären, man siehet aber doch aus andern Exempeln,
daß es wirklich in der Natur in mehrern Stücken so gehe. Es ist
aus der Verschiedenheit der Kost, der Luft %und der Erziehung zu er-
klären, warum einige Hüner ganz weiß werden, %und wenn man

/|P_101

/unter den vielen Küchlein, die von denselben Eltern gebohren
werden, nur die aussucht, die weiß sind %und sie zusammen thut, be-
komt man endlich eine weiße Race, die nicht leicht anders aus-
schlägt. Arten nicht die Engelländischen %und auf trockenem Boden
erzogenen Arabische oder spanische Pferde so aus, daß sie %endlich
Füllen von ganz anderem Gewächse erzeügen? Alle Hunde
die aus Europa nach Africa gebracht werden, werden stumm
%und kahl %und zeügen hernach auch solche Iungen; dergleichen Verände-
rungen gehen mit Schafen, Rindvieh %und andern Thiergattungen
vor. Daß Mohren dann %und wann ein weißes Kind zeügen geschieht
eben so, wie bisweilen ein weißer Rabe, weiße Krähe oder Am-
sel zum Vorschein kömmt. Daß die Hitze des Erdstriches %und nicht ein
besonderer Eltern Stamm hieran Schuld sey, ist daraus zu erse-
hen, daß in eben demselben Lande, die auf seinem flachen
Theile wohnen, weit schwärzer sind als die im hohen Theile, da-
her am Senegal schwärzere Leüte als in Guinea %und in Congo
%und Angola, schwärzer als in Ober-Aethiopien oder Abyßinien,
in den gebürgigten Theil von Peru aber weiße Leüte sich befinden

/≥ Der Mensch seinen übrigen angebohrnen
Eigenschaften nach auf dem ganzen Erdkreise erwogen. ≤

/Alle orientalische Nationen, welche dem Meridiano
von Bengala gegen Morgen liegen, haben etwas von der
Calmuckischen Bildung an sich. Diese ist, wenn sie in ihrer
größten Perfection genommen wird, so beschaffen: ein
oben breites %und unten schmales plattes Gesicht, fast gar
keine Nase, die von dem Gesicht hervorraget, ganz kleine
Augen, überaus dicke Augenbraunen, schwarz Haar,

/|P_102

/dünne %und zerstreute Haarbüschel anstatt des Bartes,
%und kurze Beine mit dicken Schenkeln. Von dieser Bildung
participieren die %östlichen Tartarn, Chinesen, Tunqüinesen, Ar-
racaner, Peguaner, Siamer, Iapaner pp obgleich sie sich hin %und
wieder etwas verschönern. Ohne auf die aberglaübische
Meynungen von dem Urrsprunge gewißer Bildungen
zu sehen; so kan man nichts als etwas gewißes anmer-
ken, daß es in der Gegend von Meliapour auf der Küste
Coromandel viele Leüte mit einem <sehr> dicken Beine gebe,
welches die Dicke eines ganzen Menschen hat; dieses leiten
vernünftige Reisende von der Beschaffenheit des Was-
sers her, so wie die Kröpfe in Tyrol %und Salzburg von dem
Waßer, welches Tufsteine bey sich führet, herzuleiten
sind. Die vorgegebene «Sch» geschwänzte Affen in Borneo
sind Affen. Die Riesen in Patagonien sind erdichtet.
Von der Art mag auch das Volk von rohen %und größten
Lippen seyn, das am Senegal wohnet %und ein Tuch vorm
Maul hält %und ohne Rede handelt. Plinii einäugigte, höcke-
richte, einfüßige Menschen, Leüte ohne Maul, Zwerge ge-
hören auch dahin. Die Einwohner von der Küste von Neü-
holland, haben halbgeschloßene Augen, %und können nicht in
der Ferne sehen, ohne den Kopf auf den Rücken zu bringen.
Dies gewöhnen sie sich wegen der vielen Mücken an, die
ihnen immer in die Augen fliegen. Einige Einwohner
als die Mohren von Sierra_Leona %und die Mungalen die
unterm Gebiet von China stehen, stinken.

/|P_103

/Die Unterhottentotten haben wie viele Männer, wie Colbe
berichtet, ein %natürliches Leder am Osse pubis, welches ihre geni-
talia recht tief bedecket, %und welches sie bisweilen abschnei-
den. Eben dieses meldet Ludolph von vielen aegyptischen
Weibern. Die Mohren %und andre Wilden zwischen den Tropi-
cis, können %gemeiniglich erstaunend laufen. Sie sowohl al«l»s
andere Wilde, haben auch mehr Stärke, als andre civili-
sirte Völcker, welches von der freyen Bewegung, die man
ihnen in der Kindheit erstattet, herrühret. Die Hottentotten
können mit bloßen Augen, ein Schif eben so weit sehen,
als der Europäer mit dem Fernglase. Die Weiber in
dem heißesten Erdstriche zeügen von 9 oder 10 Iahren an
schon Kinder, %und hören vor dem 25ten auf. Don_Ulloa merkt
an daß in Carthagena in Amerika, %und den umliegenden
Gegenden, die Leüte sehr frühe klug werden, aber
sie wachsen nicht ferner am Verstande in demsel-
ben Maaße. Alle Bewohner der heißesten Zone sind
ausnehmend faul. An einigen wird diese Faulheit
noch etwas durch die Regierung %und den Zwang gemäs-
sigt. Wen ein Indianer einen Europäer sieht wohin
gehen, so denkt er: er hat was zu bestellen; kömt er zu-
rück so denkt er: er habe seine Sache schon verricht,
sieht er ihn aber zum drittenmahl fortgehen, so denkt
er: er ist nicht klug; da doch der Europäer zur Lust spat-
zieren geht, welches kein Indianer statuirt, noch sich

/|P_104

/einbilden kan. Die Indianer sind zaghaft; beydes
kömt auch den sehr nordischen Nationen zu. Die Entschlaf-
fung ihrer Geister will durch Toback, Opium, Bang %und an-
dere starke Dinge erwecket seyn. Aus der Furchtsamkeit
rührt der Aberglaube, vornehmlich in Ansehung der Zauberey-
en her, %imgleichen die Eifersucht. Die Furchtsamkeit macht sie,
wenn sie Könige hatten, zu sclavischen Unterthanen, %und bringt
in ihnen eine abgöttische Verehrung derselben zuwege, %und
die Faulheit bewegt sie lieber in Wäldern herum zu lau-
fen %und Noth zu leiden, als zur Arbeit durch die Befehle
ihrer Herren angehalten zu werden. Montesquieu
urtheilt ganz recht, daß eben die Zärtlichkeit, die den
Indianer oder Neger den Tod so fürchten macht, ihn oft
viele Dinge, die der Eüropäer überstehen kan, ärger
fürchten läßt als den Tod. Der Neger Sclave von
Güinea ersäufet sich, wenn er zur Sclaverey soll ge-
zwungen werden. Die indianischen Weiber verbrennen
sich. Der Caraibe nimt sich über eine geringe Gelegen-
heit das Leben. Der Peruaner zittert vor dem Feind,
%und wenn er zum Tode geführet wird, so ist er so gleichgül-
tig, als wenn es nichts zu bedeüten hätte. Die aufge-
weckte Einbuldungskraft macht aber auch, daß er
oft was wagt, aber die Hitze ist bald vorüber %und die
Zaghaftigkeit nimt wieder ihren Platz ein.

/|P_105

/Die Ostiacken, Samojeden, Zemblanen, Einlappen, Grön-
länder, Iavis, Straßeneinwohner sind ihnen in der Zag-
haftigkeit, Faulheit, Aberglauben, Lust an starken Ge-
träncken sehr ähnlich, die Eifersucht ausgenommen, weil ihr
Clima nicht so starke Anreitzungen zur Wollust hat.
Eine gar zu starke und eine gar zu schwache Perspiration,
macht ein dickes klebrigtes Geblüt, %und die größte Käl-
te sowohl «%und» <als> die größte Hitze machen, daß durch Aus-
trocknung der Säfte die Gefäße %und Nerven der ani-
malischen Bewegungen steif %und unbiegsam werden.

/In Gebürgen sind die Menschen dauerhaft, munter,
kühn, Liebhaber der Freyheit %und ihres Vaterlandes.
Wenn man nach den Ursachen der mancherley in einem
Volk eingearteten Bildung %und Naturellen frägt, so
darf man nur auf die Ausartungen der Thiere so-
wohl in ihrer Gestalt als ihren Sitten Acht haben, so
bald sie in ein ander Clima überbracht werden, da
andre Luft, Speise pp ihre Nachkommenschaft ihnen
unähnlich macht. Ein Eichhörnchen, das hier braun war,
wird in Syberien grau. Ein eüropäischer Hund, wird
in Guinea ungestaltet %und kahl samt seiner Nachkommen-
schaft. Die Nordischen Völcker, die nach Spanien über-
gegangen, haben nicht alle eine Nachkommenschaft von
Körpern die lange nicht so groß %und stark als sie waren,
hinterlaßen; sondern sie sind auch in ein Tempera

/|P_106

/ment, was eines Norrwegers oder Dänen seinem sehr un-
ähnlich ist ausgeartet. Der Einwohner der Zonae tempera-
tae %vornehmlich des mittleren Theiles derselben ist schöner am
Körper, arbeitsamer, scherzhafter, gemaßigter in seinen Lei-
denschaften, verständiger als eine Gattung der Menschen
in der Welt. Daher haben diese Völcker zu allen Zeiten
andre belehret %und durch die Waffen bezwungen, die Römer,
die Griechen, die alten nordischen Volcker, Chingiscaner,
die Türcken, Tamerlan, die Eüropäer nach Columbi Entdec-
kung, haben alle %südlichen Länder durch ihre Künste %und Waffen
in Erstaunen gesetzt. Obgleich eine Nation nach langen
Perioden, in das Naturell desjenigen Climatis ausar-
tet, wohin es gezogen ist, so ist doch bisweilen in vielen
Zeiten die Spur von ihren vorigen Aufenthalte anzu-
treffen. Die Spanier haben noch die Merkmale des
arabischen %und maurischen Geblüts, die tartarische
Bildung hat sich über China %und ein Theil von Ostindien
ausgebreitet.

/≥ Von der Veränderung, die die Menschen
in ihrer Gestalt willkührlich vornehmen. ≤

/Die meisten %orientalischen Nationen, finden an großen
Ohren, ein besondres Vergnügen, die in Siam, Arra-
can, die Mugalen, einige Wilde am Amazonenstrome
%und andre Mohren hängen sich solche Gewichte in die
Ohren, daß sie %ungewöhnlich lang werden. In Arracan
%und Siam gehet dieses so weit, daß das Loch worin die

/|P_107

/Gewichte gehangen werden, so groß wird, daß man
einige Finger neben einander einstecken kan, %und die
Ohrlappen auf die Schultern hangen. Die Siamer, Tar-
quineser %und einige andre machen sich die Zähne, mit einem
schwarzen Firniß schwarz. Nasenringe tragen, die Ma-
labaren, Guzeraten, Araber, Bengalen, Popoas aber
einen hölzernen Zapfen durch die Nase. Die Negers am
Fluße Gaban in Africa, tragen in den Ohren %und Nase
einen Ring, %und schneiden sich noch in der Unterlippe ein
Loch, um die Zunge durchzustechen. Einige Amerika-
ner machen sich viele solche Löcher in die Haut um farbig-
te Federn durchzustechen. Die Hottentotten drücken
ihren Kindern die Nase breit, wie einige andre Völcker,
die Arr«¿»acaner mit einer eisernen Platte die Stirne
breit machen, %imgleichen die Caraiser ein Volk am Amazonen-
strome zwingt die Köpfe der Kinder durch eine Binde
wie ein Zuckerhuth zu wachsen. Die Chineserin zerret
immer an ihren Augenliedern um sie kleiner zu machen.
Ihrer jungen Mädchen Füße werden mit Binden ge-
zwungen nicht größer zu werden, als ein Fuß vom
4jährigen Kinde. Die Hottentotten verschneiden
ihren Söhnen im 8ten Iahre einen Testiculum. Die
Türcken laßen ihren schwarze verschnittene alle Zeichen
der Mannheit wegnehmen. Eine Nation in America drücket
ihren Kindern den Kopf so tief in die Schultern, daß sie

/|P_108

/scheinen keinen Hals zu haben.

/≥ Vergleichung der verschiedenen Nahrung der Menschen. ≤

/Der Ostiane, Samojede, der Seelappe, der Grönländer
leben von Fische. Ein Glas Thran ist für den Grönländer
ein Nectar; die etwas weiter zunächst in Süden wohnen,
die von Canada, die von den Küsten von Amerika unterhal-
ten sich von der Iagd. Alle Mogulische %und Calmuckische
Tartarn haben keinen Ackerbau, sondern nähren sich
von der Viehzucht, %vornehmlich von Pferden %und ihrer Milch.
Die Lappen von Renthieren, die Mohren %und Indianer
vom Reiß; die Amerikaner %vornehmlich von Mait oder tür-
kischen Weitzen. Einige herumziehende Schwarze, in der
Africanischen Wüste, von Heüschrecken.

/≥ Abweichungen der Menschen von einander,
in Ansehung ihres Geschmacks. ≤

/Unterm Geschmack verstehe ist das %sinliche Urtheil,
über die Vollkommenheit oder Unvollkommenheit des-
jenigen, was unsre Sinne rührt. Man wird aus der
Abweichung des Geschmacks der Menschen sehen,
daß ungemein viel bey uns auf Vorurtheilen beruhe.

/I) Urteil der Augen. Ein Chineser hat ein Mißfallen
an großen Augen. Er verlangt ein groß vierekigt
Gesicht, breite Ohren, sehr breite Stirn %und eine
kurze Nase, zu einem vollkommenen Menschen. Die
Hottentott«e»in, wenn sie gleich allen Putz der europäischen

/|P_109

/Weiber gesehen hat, so ist sie doch in ihren %und ihrer
Buhler Augen ausnehmend schön, wenn sie sich 6 Streiche mit
rother Kreide 2 über die Augen, 2 über die Backen, 1 über die
Nase %und 1 übers Kinn gemacht hat. Die Araber punktiren ihre
Haut mit Figuren, darin sie eine blaue Farbe einbeitzen.
Die übrige Verdrehung der %natürlichen Bildung um schön auszu-
sehen kan man vorhersehen.

/II) Urtheil des Gehörs. Wenn man die Music der Europäer,
mit der Türcken, Chineser, Afrikaner ihrer vergleicht, so
ist die Verschiedenheit ungemein. Die Chineser ob sie gleich
mit der Music sich viele Mühe geben, finden an der unsri-
gen kein Wohlgefallen.

/III. Urtheil des Geschmacks. In China, in ganz Guinea ist
ein Hund eines der schmackhaftesten Gerichte. Man bringt
daselbst alles bis auf die Ratzen %und Schlangen zu kauf.
Dies geschieht auch an den mohrischen Küsten. In Suma-
tra, Siam, Arracan %und den mehrsten indischen Orten
macht man nicht viel von Fleisch; aber ein Gericht Fische, die
aber vorher müßen stinkend geworden seyn, ist das
Haupteßen. Der Grönländer liebt den Thrangeschmack
über alles. Die Bätelblatter mit der Aracnuß %und ein
wenig Kalck immer zu kauen, ist die größte Ergötzlich-
keit aller Ostindianer, die zwischen den Tropicis
wohnen. Die Hottentotten wißen von keiner Zärtlichkeit ~

/|P_109R δZ_01

/Einige Nationen sind
Hirten einige Iäher
und einige Fischer, %und
zuletzt die das Land
cultiviren.

/Alle Hirten Völker sind
Räuber %wohnen %unter Zel-
ten, %und %verändern ihre Stelle
nach %der Witterung. Die
alten <Leviten> nanten sie Nu-
maden. Die in Arabien
noch wohnen heißen
Beguinen. Die %nordlichen
Numaden halten Pferde, die
südlichen Camele Schafe %und
Rindvieh. ~

/|P_110

/des Geschmacks. Im Nothfall können getretene Schuhsohlen
ein noch so ziemliches Gericht für ihnen abgeben. Allein
das kleine Ungeziefer, dasß sich in ihren Schaffellen nä-
ret, freßen sie bey langer Weile zum Zeitvertreibe auf.

/IV. Urtheil des Geruchs. Der Teüfelsdreck oder die
Assa foetida ist die Ergötzlichkeit aller südlichen Persianer,
der Indianer, die ihnen nahe wohnen zu Suvalda %und an-
dere Sorten. Alle Speisen, das Brod sogar sind da-
mit parfumirt, %und die Waßer selbst riechen davon.
Den Hottentotten ist der Kuhmist, ein Lieblingsgeruch,
imgleichen andern Indianern. Ihre Schaffelle müßen
durchaus darnach riechen, wenn sie nach der Galanterie
seyn sollen. Ein Missionarius wundert sich darüber,
daß die Chineser, sobald sie eine Ratze sehen, sie zwi-
schen den Fingern zerreiben, %und mit Appetit daran riechen.
Allein ich frage dagegen? warum stinkt uns jetzt
der Muscus an, der vor 50 Iahren jedermann so schön
roch? Wie viel vermag nicht das Urtheil anderer
Menschen, in Ansehung unsers Geschmacks ihn zu
verändern, wie es die Zeiten mit sich bringen.

/|P_111

/≥ Zweyter Abschnitt.

/Von den 4füßigen Thieren, die lebendige Iunge gebähren
/Erstes Hauptstück.
/Von denen mit Klauen.

/A. Die mit einer Klaue, oder die Behuften.
/1.) Das Pferd. ≤

/Die aus der Barbarey, haben einen langen, feinen
Hals, dünne Mähnen, sind meistens grau, %und 4 %Fuß - 8 %Zoll hoch.
Die Spanischen vom langen dicken Halse, stärkere Mähne,
breiterer Brust, etwas großen Kopf, voll Feüer; sie
sind die besten Reitpferde in der Welt; die in Chili
sind von spanischer Abkunft (denn in Amerika gab es
ehedem keine Pferde) weit kühner, flüchtiger als jene;
daher die kühne Parforce_Iagd in Chili. Die Englischen
stammen von arabischer Race, sie sind völlig 4 %Fuß - 10 %Zoll hoch,
aber nicht so annehmlich im Reiten, als der Spanier, sie
sind sonst ziemlich sicher %und schnell im Laufen, sie haben
trockene %und gebogene Köpfe. Die Dänische sind sehr
stark, dick vom Halse %und Schultern, gelaßen %und gelehrig,
sind gute Kutspferde. Die Neapolitaner, die von Spa-
nischen Hengsten %und italienischen Müttern gefallen,
sind gute Läufer aber boßhaft, sehr kühn.

/Die Arabischen können Hunger %und Durst vertragen,
sie werden in ihrer reinsten Race ihrer Genealogie
nach aufgezeichnet. Beym Beschälen ist der Secretair ~

/|P_111R δZ_01

/Es sind nicht Ver-
nunft Begriffe, son-
dern Begriffe von der
Bildung der Sachen,
wenn man Thiere in«¿»
gewiße Claße ab-
sondert, wie in den
Systemen.

/Die Cartoffeln sind
aus Peru, %und es ist das
einzige was wir aus
America zur Nahrung
%und Fortpflantzung erhal-
ten haben.

/Die Gegend um %den
Donnstrom scheint
doch die beste Art
der Pferde zu haben.
Wegen ihrer Stärke,
Dauerhaftigkeit %und Schnel-
ligkeit, sie sind aber
so wild, daß man sie nicht zähmen <kan>

/Pallas glaubt daß
der Esel nur eine Ab-
artung vom Pferd ist. ~

/|P_112

/des Emirs, der ein untersiegelt Zeügniß giebt, %und das Füllen
wird auch durch ein Diploma accrediret. Sie freßen nur des
Nachts, halten im flügtigsten Galop plötzlich still, wenn der
Reüter herabfällt. Die Persischen sind nach ihnen die Besten.
Die Cosakischen wilde Pferde sind sehr dauerhaft %und schnell.
Man kan es am Füllen kennen, ob der Beschäler ein gutes
Schulpferd gewesen oder nicht. Die Pferde im heißesten %und
kältesten Erdstriche gerathen viel «beßer» <schlechter>, die auf hohen
Ländern beßer, als in fetten niedrigen. Die Oelandische
Pferde sind die kleinesten, %und hurtigsten unter allen.

/≥ 2.) Das Zebra, ≤

/wird wieder sein Verschulden, fälschlich der afrikanische
Waldesel genannt; denn es ist das schönste Pferd an Bildung,
Farbe %und Schnelligkeit in der Natur. Nur daß es etwas
längere Ohren hat. Es findet sich in Africa hin %und wieder
in Abyßinien, Congo bis auf Capo %bona %spei die Afrikaner
wißen es nicht zu zähmen. Der Mogul kaufte eins für
2.000 Ducaten; die ostindische Gesellschaft schickte dem
Kaiser aus Iapan ein Paar %und bekam 160.000 %Reichsthaler.

/Es ist glatthärig, hat weiße %und kastanienbraune ab-
wechselnde B«r»andstreifen, die vom Rücken anfangen,
%und unterm Bauche zusammen laufen; da wo die braune
%und weiße zusammen laufen, entstehet ein gelber Rei-
fen. Um den Schenckel %und den Kopf gehen diese Linabän-
der gleichfalls.

/≥ 3. Der Esel. ≤

/Die Eselin muß nach der Belegung gleich geprügelt ~

/|P_112R δZ_02-12

/Thiere, die mit einander
vermischt fruchtbare
Iungen zeügen, sind
von einem Stam %und
nur von verschiedener Race.
Vieleicht ist %der Stieglitz
Hänfling, Canarien Vogel
Sperling, alle von einem
Stamme, %und nur Ausar-
ten unter einander. ~

/|P_113

/werden, sonst giebt sie die befruchtende Feüchtig-
keit gleich wieder von sich. Esels %und Pferdhäute werden
in der Türkey %und Persien, durch Gerben %und Einpreßen
der Senfkörner zu Chagrin verarbeitet, der von aller-
ley Farben gemacht wird. Der Maulesel, deren dieje-
nige Sorte, die vom Hengst, Esel %und Pferdstutte ge-
fallen, am meisten ietzo im Gebrauch ist; sie sind größer
als die vom Pferd %und der Eselin gefallen. Die Maul-
esel haben die Ohren, den Kopf, das Kreutz %und den Schwanz
vom Vater, %und von der Mutter nur das Haar %und die
Größe. Es sind also nur große Esel mit Pferds
Haaren. Der Waldesel oder Onager findet sich in
einigen Inseln des Archipelagi %und in der lybischen
Wüste, ist geschlanker %und behender als der zahme
Esel; Maulesel die von ihm gezogen werden, sind die
stärksten.

/≥ B Zweyklauigte Thiere
sind insgesamt gehörnt, das Schwein ausgenommen.

1. Das Ochsengeschlecht. ≤

/Der gemeine Ochs ist in den kalten %und feüchten Län-
dern am besten. Die Holländer nehmen große %und
magere Kühe aus Dännemark, die bey ihnen noch
einmahl so viel Milch geben, vornehmlich eine Zucht,
die von einem fremden Stier, %und einer einheimischen
Kuh in Holland gefallen. Die Afrikanischen Ochsen ~

/|P_113R δZ_03

/Vom Eselsfleisch
soll die δLücke
Wurst in Italien
gemacht werden. ~

/|P_114

/haben %gemeiniglich einen Buckel zwischen dem Schulter-
blatte auf dem Rücken. In Abyssinien sind die Ochsen
von %außerordentlicher Größe wie Camele %und ungemein
wohlfeil. Der Elephanten Ochs, ist dem Elephanten an
Fell, Farbe, %und auch beynahe an Größe gleich ist in Abis-
sinien. Die Hottentottischen Kühe geben nicht anders
Milch, als wenn man ihnen mit einem Horn in die
Mutter bläset. Die Persische nur dann, wenn sie
ihr Kalb dabey sieht. Daher ihre ausgestopfte Haut
aufbewahret wird. Die Edamer, Lüneburger,
Aberdamer, Schweizer %und Parmesan Käse sind die
besten. Die Engelländer ziehen vom «¿»Mastdarm des
Ochsen ein Häutchen ab, %und verfertigen Formen daraus,
worinnen nach %und nach Gold %und Silber, zu dünnen Bläd-
chen geschlagen wird. Dieses Geheimniß verstehet
allein Engelland. Die Irrlandischen Ochsen haben
kleine Hörner %und sind klein. Die in Güinea haben
ein schwammigtes Fleisch, so wie in andern sehr heißen
Ländern, welches zwar groß aussieht aber wenig
wiegt. Das Rindvieh aus der Barbarey hat eine
viel andre Gestalt an Haaren, Hörnern %und übrigen
Leibesbildung als das Eüropäische. Der Büffelochs
hat lange schwarze Hörner, ist wild und geht in Asien,
Aegypten, Griechenland %und Ungarn zu Hause. Sie
können gezähmet werden. Der Auerochs in Pohlen %und ~

/|P_114R δZ_11

/Der Meyländische
Käse, wird Parme-
san Käse genant. ~

/|P_115

/Preüßen ist bekant; er findet sich auch in Afrika
%und Senegal.

/≥ 2. Das Schafgeschlecht

/In Irrland sind viele mit 4 Hörnern. Die Spani-
sche haben die feinste Wolle, die englische nach diesen.
In Irrland, Syberien, %und Lappland laßen sie sich
verschneyen, %und freßen sich einander die Wolle ab.
In Güinea haben die Menschen Wolle, %und die Lämmer
Haare.

/In Engelland, deren Schaafe eine Race von Spani-
schen sind, beügt man die Ausartung sorgfältig vor.
Man kauft oft Widder aus Spanien %und bezahlt sie
wohl mit 100 %Reichsthaler. Das arabische, breitschwänzigte
Schaaf, hat einen Schwanz, der wohl eine Elle breit
%und 40 %Pfund wiegt, ob er gleich ganz kurz ist, besteht aus
lauter Fett, ist ungehörnt. Das arabische lang-
schwänzigte Schaf, hat einen 3 Ellen langen Schwanz,
welchen fortzubringen man einen Rollwagen anbringt.
Das syrische Schaaf hat Ohrlappen, die fast bis auf die
Erde hangen.

/≥ 3. Das Bocksgeschlecht

/Der angorische Bock in Salatien, hat feine glän-
zende Haare zum Zeügmachen. Die Cameelsziege in
Amerika ist 4_1/2 Fuß hoch, kan aufgezäumet, beritten,
%und beladen werden, trägt das Silber aus den

/|P_116

/Bergwerken, arbeitet nach Abend niemahls, %und selbst
bey allen Schlägen seüfzts nur. Die Cameelhaare sind
das Haar von kleinen persischen, türkischen, arabischen, galati-
schen oder angorischen Ziegen. Das Cameelgarn wird am
liebsten mit Wolle vermischt. Die Türken laßen bey hoher
Strafe keinen aus dem Lande. Corduan wird aus Zie-
genleder gemacht. Der Steinbock hat 2 Ellen lange %und
knotichte Hörner; die Knoten zeigen die Iahre an,
sind in den Schweizergebürgen %und Salzburg anzutreffen,
sind die größten Springer unter allen; legen wenn
sie in die Ebene gelocket %und gefangen worden, ihre
Wildheit nie ab, bewohnen die obersten Spitzen der Berge.

/Gemse mit Hack«e»igten rükwärts gebogenen
Hörnern können gezähmet werden, die afrikanische
Gazella ist eine Art davon.

/Der Muscus Bock (Biesam Thier) meistens unge-
hörnet, lebt in China, Persien, Afrika hat eine
Bisamblase, oder Nabeltasche. Man kan ihm den
Muscus mit einem Löffel herausnehmen, man
verfälscht ihn mit deßelben Blute. Bezoar-Thier
fast wie eine Ziege, hat den «Magen» Nahmen wegen
des Magenballs, den man Bezoar-Stein nennet,
bekommen. Unter den anderen Arten von Zie-
genböcken, merken wir nur das Guineische

/|P_117

/blaßgelbe Böckchen an, es ist nicht viel größer
als ein Caninchen, %und springt doch über eine 12 Fuß
hohe Mauer sehr schnell. Das Ziegeneinhorn ist
von Stellern in Kamtzatka entdecket worden.
Die Giraffe oder Camelopardus hat einen lan-
gen Hals, %und ist so groß als ein Cameel, %und wie
ein Parder gefleckt; hat vorwärts gebogene
Hörner.

/≥ 4.

/Die wiederkäuende mit festem astichten
Geweih.

/1. Das Hirschgeschlecht.

/wirft im Frühlinge vom %Februar an bis an den May
sein Geweih ab. Sie kämpfen unter sich und mit Ge-
weih %und zerbrechen es, %und verwickeln sich oft damit,
so daß sie auf dem Kampfplatze gefangen wer-
den. Die Brunstzeit ist im September und währt 6 Wochen.
Zu dieser Zeit wird ihre Haar dunkler, aber ihr
Fleisch stinkend %und uneßbar, ihr Geweih ist von
2 ja 3, obzwar selten von 6 Ellen, wie derjenige
hatte, den König Friedrich_von_Preüßen erlegte.
Iungen verschnittenen Hirschen, wachsen keine
Geweihe.

/≥ 2. Das Reh

/gleichsam ein Zwerggeschlecht von Hirschen mit kür-
zerem Geweih. Unvollkommene verschnittene Reh- 

/|P_118

/böcke treiben ein staudenartiges Geweih, man-
nigmal lockigt, als eine Perucke hervor.

/≥ 3. Das surinamische Hirschgen

/Ist nicht einmahl so groß wie ein kleiner Haas
Sein in Gold eingefaßtes Fußchen, wird zu Tobacks-
stopfen gebraucht.

/≥ b. Die mit schauflichten Geweih

/Das Elendthier. ≤

/Man findet es in nordlichen Gegenden, in Eüropa, Asien
%und Amerika. Die Hottentotten fangen das Elend mit
einer Schlinge, an einem zurückgebogenen Baum welcher
aufschnellet. Seine Stärke in den Beinen ist %außerordentlich.

/≥ c. mit vermischtem Geweih. ≤

/1) Der Dammhirsch, (Dama) mit flacher Geweihkrone, ist
etwas größer als ein Rehbock %und kleiner als ein
Hirsch.

/2) Das Rennthier mit schauflichter Geweihkrone.
Die Weibchen haben auch obzwar kleineres Geweih. Es
gibt wilde und zahme Renthiere. Sie sind die ganze
Oeconomie der Lappen, scharren im Winter mit ihren
Klauen, Most unterm Schnee hervor.

/Zu den zweyklauigten Thieren, gehöret noch eine
ungehörnte Art, nemlich das Schweingeschlecht.

/Die Schweine wiederkäuen nicht, sie haben etwa 6
Eüter mehr, als andre wiederkäuende, sie haben das

/|P_119

/Fett nicht sowohl im Fleisch untermengt, als unter der
Haut. Der Eber frißt die Iungen, wenn er dazu kommen
kann, auf; dieser %imgleichen die Sau öfters andre Thiere, ja
Kinder in der Wiege. Die Eichelmast ist die beste für
«¿»sie. Die Finnen erkennet man an den schwarzen Blutbläs-
chen, die den untern Theil der Zunge einnehmen. In den Heiden
belaufen sich die Zahme und Wilde unter einander; dahero
findet man öfters wilde Schweine, die weiß gefleckt
sind, obgleich sonst das wilde Schwein schwarz ist. Die
Geschichte des Aelians von den wilden Schweinen, die einen
Seeräuber an der Küsten des Tyrrhenischen Meeres ent-
führen wollten. Die Schweindiebe halten den Schweinen
brennend Schwefel unter die Nase. Im Schwarzwalde
werden die Schweine aus den Morästen mit %etlichen Stangen,
darauf Schwefel angestecket ist, vertrieben. Die Bau-
ern bey Bogsach heben den schwimmenden Schweinen, die
übern Rhein setzen, die Hinterbeine auf %und laßen sie
versaufen. Der wilde Eber ist sehr grimmig. In China
sind die Schweine vom schönen Geschmack. Die zahmen
Schweine, wenn sie gleich herüber «nach»<aus> Eüropa gebracht
werden. Doch in den hitzigen Welttheilen schwarz. Das
Mexicanische Muscus-Schwein. Oben am Rücken nahe
beym Schwantze hat es einen Ritz, worinnen durch ver-
schiedene Gänge, ein wahrer %und starker Muscus enthalten
ist. Das Babirousa oder Schweinhirsch auf einigen Mo-
luccischen Inseln, vornehmlich Bouno ist klein, von glattem
Haar, einem Schweinschwanze, %und es wachsen ihm 2 Zähne aus

/|P_120

/den obern Kinladen, in einem halben Cirkel nach den Augen
zu.

/≥ C. Dreyklauichte Thiere
/Das Nashorn

/Die dicke gefaltete Haut hat sonst keine Haare. Es hat
ein nach Proportion seines Körpers kleines Horn auf
der Nase, ist viel größer als ein Ochs lebt in Sümpfen.
Die Alten haben zwey Hörner, eins hinter %und das andre
auf der Nase, leckt den Thieren das Fleisch mit der Zunge
weg. Es hat eine wie ein Lappen abwärts gekrümte
Oberlippe.

/≥ d. Vierklauigte Thiere
/Das Nilpferd

/Sieht von vorne einen Ochsen, %und hinterwärts einem Schweine
ähnlich, hat einen Pferdskopf oder Ochsenmaul, ist schwarz-
braun hat sehr dicke Füße, drey im Umkreise. Sprützt aus wei-
ten Naselöchern Waßer hervor, ist eben so dick %und meist so
hoch als ein Nasehorn. Es hat 4 aus den Kinbacken herausste-
hende Zähne, so groß als ein Ochsenhorn. Sie werden weil
ihre Farbe beständiger ist als von Elfenbein, für beßer
als dieses gehalten. Seine Haut ist an den meisten Stellen
schußfrey, wiegt auf 30 Centner, es wiehert.

/≥ e. Fünfklauigte Thiere
/Der Elephant. ≤

/Er ist eben so nackt wie die vorigen, lebt eben so wie jene in
Sümpfen, ist das größeste Landthier. Die Haut ist grau-
schwarze %und weiße Elephanten sind rar. Es kan seine Haut
durch ein Fleischfell, das unter derselben liegt, umziehen,
daß er Fliegen damit fangen kan. Der Mensch hat eine

/|P_121

/solche sehnichte Fleischhaut an der Stirn. Er hat einen kurzen
Schwanz mit langen borstigen Haaren, die man zu Räumern
für die Tabackspfeifen braucht, besetzt. Er ist 15 und mehr
Schuhe hoch, hat so wie die drey vorige Thiere kleine Augen.
Sein Rüßel ist das vornehmste Werszeüg. Mit diesem
als mit einer Hand, reißt er das Futter ab und bringt es
zum Munde. Er sauget damit das Waßer %und läßt es in
den Mund laufen, er riecht dadurch, und trinkt nur, nach-
dem er das Wasser trübe gemacht hat. Er hebt einen Men-
schen auf und setzt ihn auf seinen Rücken, kämpft damit. Die
Indianer bewafnen ihn mit Degenklingen, er braucht ihn als
einen Täucheröhre, wenn schwimmt und der Mund unterm Was-
ser ist. Er schwimmt so stark daß ihm ein Kahn mit 10 Rudern
nicht entfliehen kan. Aus dem obern Kinnbacken gehen die
2 größten Zähne hervor, deren jeder auf 10 %Fuß lang %und 4 Spannen
dick ist, %und mancher auf 3 Centner wiegt. Mit diesen strei-
tet er, reißt die Bäume aus, zerbricht sie oft, oder verlirt
sie «oft» aus Alter, daher viele Zähne in indischen Wäldern
gefunden werden. Die männliche Ruthe ist länger als ein
Mensch. Der Umkreis in ihrer größesten Dicke ist 2_1/2
Schuh. Seine Zähne sind als ein 4 mahl eingeschnittener Pferde-
huf anzusehen. Sein Huf am Vorderfuß ist allenthalben
1/2 Schuh breit; der Hinterfuß ist länglicht rund 1/2 Schuh lang
%und 1 Schuh breit. Seine Ohren sind wie 2 große Kalbfelle
anzusehen. Der Elephant verträgt nicht die Kälte. In Afri-
ka ist er nicht über 12 %Fuß hoch, in Asien aber auf 18. Wenn sie

/|P_122

/in ein Tobacksfeld kommen, so werden sie trunken, %und ge-
ben tolle Streiche an. Wenn er des Nachts in ein Neger-
dorf geräth, so zertritt er ihre Häuser wie Nußschaalen. Er
thut ungereitzt keinen Schaden; seine Haut ist fast undurch-
dringlich, hat aber viele Ritzen %und Spalten, die doch durch einen
heraus treibenden Schleim wieder verwachsen; wird mit
eisernen Kugeln zwischen dem Aug %und Ohr geschoßen, ist sehr
gelehrig %und klug, daher er in Ostindien eines der nützlichsten
Thiere ist, läuft viel schneller als ein Pferd. Man fängt
ihn wenn man ihn tödten will, in tiefen Gruben, oder wenn man
ihn zähmen will, so lockt man ihn durchs Weibchen in @ver@gehauene
Gänge. Die Negers eßen sein Fleisch.

/≥ Zweyter Abschnitt
/Zäigter Thiere

/1.

/Einzäigte

/Der weiße amerikanische Ameisenfreßer, kommt übrigens
mit anderen Ameisenfreßern überein.

/≥ Zweyzäigte Thiere
/Das Cameel

/a. Das Bectrianische hat zwey Haarbuckel auf dem Rüc-
ken %und zwey unterm Leibe, ist das stärkste und größte
Cameel. Seine Buckel sind eigentlich keine Fleischerhö-
hungen, sondern nur hart ledrigte Stellen mit dichten
langen Haaren bewachsen. Trinkt wie die übrigen we-
nig, trägt bis 10 Center, die ihm, nachdem er sich auf die
Knie zur Erde geleget hat, aufgepacket worden. Geht

/|P_123

/gepackt den Tag bis 10 Meilen, lernt tanzen. Aus seinen
Haaren, die er in 3 Tagen im Frühlinge fallen läßt,
werden schöne Zeüge gewebt.

/b. Der Dromedarius hat nur einen Rücken %und Brustbuckel;
ist kleiner %und schneller im laufen als der vorige, ist in
Syrien, Arabien zu Hause, hat harte Polster in den Knien.
Es gehet an einem Tage ohne Ermüdung 40 französische oder unge-
fähr 30 deutsche Meilen, können bis 5 Tage dürsten.

/c. Das kleine Postcameel geht beinahe eben so schnell als
das vorige. Es ist aber gemächlicher zum Reiten.

/d. Das pyrenäische Schaafcameel, hat die Größe eines
Esels, wird wegen der Wolle und des Fleisches erzogen.

/≥ 3.
/Dreyzäigte Thiere
/Das Faulthier

/a. Das schmächtige, weißgraue amerikanische Faulthier, hat
ein lachendes Gesicht, weiße dicke Haare, plumpe Taille, klet-
tert auf die Bäume; %erstaunliche Langsamkeit. Rettet sich blos
durch sein Geschrey. Wenn es einen schnellen Marsch antritt,
so legt es in einem Tage 50 Schritte höchstens zurück.

/b. Marggrafs Faulthier ist eine Art davon. Der verkleide-
te Faulthiers Affe hat einen Hundskopf %und ist zweyzäigt.

/≥ Der Ameisenfreßer

/a. Der große Ameisenbär, hat eine sehr lange und spitze Schnautze, eine
Zunge, die rund ist, %und die er 1 1/2 Ellen lang herausstrecken kann,
ziehet die Ameisen mit dieser Art von lebendigen Leimruthen

/|P_124

/aus dem Haufen, hat keine Zähne.

/b. Der mittlere falbe Ameisenbär, %und die oben beschriebene 1
zäigte kommen in der Nahrung mit ihm überein.

/≥ 4. Vierzäigte
/1. Panzerthier

/a. Der gepanzerte Ameisenbär auf Formosa %und Siam, hat schuppigte
Panzer, worin er sich wieder alle Anfälle zusammenziehen kan;
lebt übrigens wie die vorige.

/b. Das formosische Teüfelchen. Orientalischer, schuppigter Armodil-
lo, hat einerley Lebensart mit den Ameisenfreßern, aber einen
schönen schuppigten Cuiraß, worin er wieder alle Raubthiere sicher
ist. Einige sind 6 Fuß lang und keine Kugel durchdringt «sie» ihre
Panzer; dazu gehöret auch das amerikanische Schildferkelchen.

/c. Der schönste amerikanische Armodillo lebt in dem äussersten
von Ostindien. Seine Schilder sind glänzend, lebt im Waßer, %und
auf dem Lande.

/≥ 2. Ferkelcaninchen. ≤

/Dahin das Meerschweinchen, daß aus Amerika nach Eüropa ge-
bracht worden; die brasilianische Buschratte; das surinamische
Caninchen %und der javanische Halbhaase gezehlet werden: sie haben
alle eine grunzende Stimme.

/≥ 5. Fünfzäigte. ≤

/Der Mensch sollte unter diesen billig die erste Claße einnehmen,
aber seine Vernunft erhebt ihn über die Thiergattungen zuweit.

/≥ a. Das Haasengeschlecht, ≤

/hat kein scharf Gesicht, aber beßer Gehör, ist verliebt %und furcht-
sam. Begattet sich fast alle 4 oder 5 Wochen, säugt die Iunge
nicht über 3 oder 6 Tage, drückt sich bey der Hetze, verhakt sich ehe
er sich lagert, %und sucht wenn er daraus vertrieben wird, es

/|P_125

/wieder auf. Die Waldhaasen sind stärker als die
Feldhasen. In Norden %und auf den Alpen sind weiße
Haasen. Schwarze Haasen sind selten. Bisweilen hat
man auch gehörnte Haasen, mit einem schauflichten
Geweih angetroffen. Das Caninchen ist ein Zwerg-
haase, sind häufig in Spanien. Die Füchse, Wiesel %und
Iltiße thun unter ihnen starke Verheerungen.

/≥ b. Die Nagthiere. ≤

/Das Eichhörnchen samlet sich Nüße %und Obst, wird in
nordischen Ländern im Winter grau; daher das Grau-
werk, das gestreifte amerikanische Eichhörnchen hat
sieben weiße Bandstreifen längst seinem Leibe.
Das voltigirende oder fliegende Eichhörnchen ist klei-
ner als das gemeine Eichhorn. Seine Haut an den
Seiten verlängert sich in ein Fell, welches an den
Füßen befestiget ist %und womit er fliegt, findet sich
in Rußland, imgleichen mit einiger Veränderung
in Virginien.

/≥ c Das Rattengeschlecht. ≤

/Das Murmelthier ist größer als ein Caninchen, schla-
fen oder freßen den ganzen Tag über.

/Die Schlafratte (Lorex) hat die Größe von einem
kleinen Eichhorn. Die Hamster machet sich Höhlen unter

/|P_126

/den Baumwurzeln, wo sie viel Feldfrüchte sammlet.
Die wohlriechende Waßerratte, so groß wie ein
Maulwurf mit wohlriechendem Fell %und Nieren.

/≥ d Das Mäusegeschlecht

/Dahin gehört die gemeine Hausratte. Es sind weni-
ger Weibchen darin als Männchen. Vom Rattenkönig,
wie ihren Verwüstungen vorzubeügen.

/Die Hausratte oder Maus, die Waßer %und Feldratte
pp sind bekant.

/Die Surinamische Aeneas mit langen ringlichten
Schwantze; daran die Iungen, die auf dem Rücken der
Mutter steigen sich mit ihren Schwänzen anschlingen,
%und in Sicherheit gebracht werden können.

/Die amerikanische Beütel-Ratte oder Philander
ist 31 %Zoll lang. Das Weibchen trägt seine Iungen im
Beütel, welchen es unterm Bauche hat. Wie die Weib-
chen sich auf den Rücken legen %und mit allerley Futter
beladen laßen %und dan ins Nest fortgeschleppet %werden.

/≥ Das Maulwurfsgeschlecht. ≤

/Der Maulwurf gehet in der Erde nur auf Regen-
würmer loß, ist nicht blind.

/≥ Das Geschlecht der 4 füßigen (Thiere) Vögel

/Die Fledermaus, die fliegende Katze, die fliegende
Ratte. Alle diese Thiere haben Hacken an den Füßen;
Der fliegende Hund in Ostindien. In Neuspanien ist

/|P_127

/der größte fliegende Hund

/≥ Das Wieselgeschlecht

/Die Speicherwiesel hat einen häßlichen Geruch.
Der Hermelin ist eine weiße Wiesel. Die Iltis
hat ein Beütelchen am Hintern mit einem stinkenden
Safft, so wie die übrigen Wiesel. Der Marder riecht
gut %und warum; ist ein Baum oder Steinmarder.
Der Zobel ein siberisches %und lappländisches Thier. Der
Ichneumon, die Pharaonis Maus ist so groß als ei-
ne Katze, gestaltet aber wie eine Spitzmaus, zer-
störet die Crocodilleyer %und fängt Mäuse, Ratten %und
Kröten.

/≥ 6. Stachelthiere

/1) Der gemeine Schweinigel mit Ohren 1_1/2 Schuh
langen Stacheln; sie durchwühlen die Erde an weichen
%und niedrigen Stellen. 2.) Das Stachelschwein. Eine
Gattung mit einem Busch am Kopfe; dan 3) eine
andere mit hangenden Schweinsohren, hat Stacheln
wie abgestr<e>iefte Federkiele, welche es, indem es
sein elastisches Fell erschüttert gegen seinen Feind
abschießen kan, %und zwar so daß es 3 Schritte davon
tief ins Fleisch dringet. Von ihm komt der berühmte
Pietro del Porco, oder Stachelschwein Bezoar, der

/|P_128

/in der Gallenblase dieses Thieres erzeügte Stein
in ungefähr ein Zoll im Diameter, röthlich %und voller
Adern, «gepflegt»<wird> in Gold gefaßt um hernach ins Waßer,
dem es eine blutreinigende Kraft giebt, gehängt zu
werden. Ein solcher Bezoar ist zuweilen mit 2.000 %Reichsthalern
bezahlt worden. Der Bezoar ist 10mahl so viel Gold
«wiegt wehrt» werth, als er wiegt; er ist dunkelbraun,
%und sinkt nicht wie jener unter Waßer. Der Affen-
Bezoar ist hellgrün %und auch kostbar; imgleichen in den
Magen der Tauben auf den Nicobarischen Inseln, in den
Magen der Ochsen, Pferde, Gemse, vornemlich
der Bezoarziege erzeügen sich ebenfalls solche Ballen,
welche Blätterweise über einander, wie eine
Zwiebel zusammengesetzt sind, %und in deren Mittelpuncte
sich etwas von unverdauten Kräutern und Haaren findet.

/≥ 7. Das Hundegeschlecht

/Gleichwie der Mensch die Obst- %und Pflanzenarten
durch seine Wartung %und Verpflegung sehr verän-
dern kan: so hat er es auch mit einigen Hausthieren
vornemlich mit den Hunden also gemachet. Daher
arten auch die zahmen Hunde aus, wenn sie wild
herumlaufen. Der Schäferhund der ziemlich seine
natürliche Freyheit hat, scheinet der Stammhund zu seyn. ~

/|P_128R δZ_17

/Buffon glaubt
daß der Schäfer-
hund, der %ursprüngliche
sey. ~

/|P_129

/Von dem kommen der Bauerhund, Windhund, der Is-
länder, der dänische, der große Tartarische mit dem
man fähret. Der Iagd- Spur- Dachs- Wachtel- Hüner-
Hund, Pudel %imgleichen Doggen p Blendlinge, die von
Vermischung zwoer Racen entstehen, aber auch
aufhören; dahin das Bologneser-Hündchen, welches
vom kleinen Pudel %und spanischen Wachtelhunde her-
rührt. Der Mops ist eigentlich vom Bollenbeißer
entstanden. Die afrikanische, vornemlich in Guinea
können nicht bellen. In der Gegend des Capo bon: sp:
giebt es wilde Hunde, die es selbst mit dem Löwen
anbinden, wenn sie in Gesellschaft jagen, den Menschen
aber nichts thun, sondern ihm von ihrer Beüte wohl
etwas laßen. Die Schwarzen glauben, daß unsere
Hunde reden können, wenn sie bellen. Die Hunde
werden bisweilen toll. Ihr Biß, ja selbst ihr Speichel
%und Geruch des Athems, wenn sie den höchsten Grad der
Tollheit erreicht haben, ist ein so schnelles Gift, daß
es den Menschen waßerscheu, rasend machen, ja
tödten kann.

/≥ Das Wolfsgeschlecht

/In Engelland sind sie ausgerottet, in Norden weiß. ~

/|P_129R δZ_02

/Man will bemerkt
haben, daß alle
Bastarde, nicht
viel taugen.

/

/Die Esquimana
in Nordamerika
fahren auch mit Hunde.

/δZ_ 21

/Ie dürrer, %und kälter das
Land ist, desto beßer
ist das Fell des Wolfs. ~

/|P_130

/Dazu gehört der Iackhals*1; dieser soll gleichsam der
Spürhund des Löwen seyn, denn wenn man ihn brüllen
hört, so ist der Löwe auch nicht weit. Er hat die Größe
eines Bollenbeißers, %und ist so grausam als der Tyger.
Der scytische Wolf ist schwarz %und länger auch grausamer als
der unsrige.
<*1 Lupus aureus>

/≥ 9. Das Fuchsgeschlecht. ≤

/Brandfüchse, die am Schwanz, Ohren %und Füßen schwarz
sind, sonst grauhaarig auf dem Bauche %und röthlich aus sehen.
Dem Kreuzfuchse läuft vom Munde an längst der Stirne,
dem Rücken %und Schwantze ein schwarzer Streif der von
einem andern über die Schultern %und Vorderläufe durch-
schnitten wird. Der blaue Fuchs, deßen Haare aschen-
färbig oder graublau sind; der schwarze Fuchs, deßen
Fell sehr hoch geschätzt wird; der braune Fuchs wird
eben falls sehr hoch geschätzet. Der Weißfuchs hat kei-
ne dauerhafte Haare. Der amerikanische Silberfuchs.
Alle Füchse stinken. Sie haben aber, wo der Schwanz
anfängt, eine Stelle steifer Haare, worunter ein
Drüschen, welches einen Geruch von blauen Violen giebt.

/≥ 10. Halbfüchse. ≤

/Darunter die spanische Imetkatze mit wohlriechendem
Fell. Die Zibetkatze hat unter dem Hintern eine Tasche.
3 Zoll lang %und eben so viel breit, darin ein schmieriger
wohlriechender Saft enthalten ist. Man nimt ihr, indem ~

/|P_130R δZ_02

/Die Hyäne, gehört
in Algier zu Hause
%und heißt Dubbe.
Sie kratzt Leichen
aus der Erde.

/

/δZ_14

/Der schwarze Fuchs
wird nur in Siberien
angetroffen, aber
sehr selten, sein
Fell gilt wenigstens
1.000 Rubel ~

/|P_131

/man sie in einem Käfigt setzt alle Tage mit einem
Löffel diesen Saft heraus. Wenn das Thier einen Ueber-
fluß davon hat, so leidet es Schmerzen. Man fänget
sie in Africa %und Asien, in Fallen wie die Iltiße. Die
Dachse schlafen ohne Nahrung in ihren Winterhöhlen.

/≥ 11. Das Katzengeschlecht. ≤

/Die Türken halten sehr viel von der Hauskatze. Ihr Stern
im Auge läßt sich mehr als bey einem Thier zusammenziehen
%und ausdehnen. Die Tygerkatze *1 fliegt allen Thieren
wütend ins Gesicht, %und kratzet Ihnen die Augen aus.
Es ist fast das grausamste Thier unter allen.

/≥ 12. Das Luchsgeschlecht. ≤

/Der Rücken des Luchsen ist roth %und schwarz gefärbt.
Er springt von den Bäumen auf die Thiere. Die Wun-
den von seinen Klauen heilen schwer.

/≥ 13. Parder

/Das Panterthier ist größer als eine englische Dogge,
brüllt wie ein Löwe, hat schwarze wie ein Hufeisen
gestalltete Flecken %und sein Fleisch ist angenehm.
Sein Kopf ist wie Katzenkopf gestaltet. Die Katzenpar-
der sind nicht viel an Größe von den Katzen unter-
schieden.

/≥ 14. Das Tygergeschlecht. ≤

/Es hat gelbe Flecken rund um mit schwarzen Haa-
ren besetzt auf lichtgelben Grunde, springt schneller ~

/|P_131R δZ_09

/*1 ist in Amerika %und
Asien, die Wilden
fürchten sich mehr vor
selbige, als vor dem
Tyger selbst.~

/|P_132

/als irgend ein Raubthier %und klettert, ist so groß wie
ein jährig Kalb %und grausamer als die vorigen. Der
größte Tieger hat schwarze Flecken.

/≥ 15. Das Löwengeschlecht. ≤

/Der Löwe hat eine Mähne, die Löwin nicht, er hat
eine gerunzelte Stirne, Menschen ähnliches Gesicht
%und tiefliegende Augen wie auch eine stachlichte %und
wie mit Katzen Klauen besetzte Zunge womit er
den Thieren das Fleisch ablecken kan. Er kan seine sehr
scharfe Klauen zurücklegen, daß sie sich nicht im Gehen
an der Erde abschleifen. Seine Höhe vom Rücken bis
an die Erde ist 4_1/3 Fuß. Der Löwe braucht keine
List auch keine sonderliche Geschwindigkeit die
Thiere zu überfallen. Alles thut bey ihm die Stärke.
sein Gang ist langsam. Wen er nicht mit dem Schwanz
schlägt %und seine Mähne schüttelt, so ist er aufgeräumt
%und man kan ihn sicher vorbeygehen. Sonst ist das ein-
zige Mittel in der Noth sich auf die Erde zu legen.
Es ist merkwürdig daß er den Weibsbildern nichts
zu leide thut. Exempel von einer Weibsperson un-
ter dem Könige Carl_dem_2ten die im Tour zu London
den Löwengarten reinigte. Ein anderes von der
Herzogin_von_Orleans, einer gebohrnen Pfalzgräfin,

/|P_133

/Die Negerweiber jagen oft die Löwen mit Knitteln
weg. Sie sind den Schwarzen gefährlicher als den
Weißen. Wenn er Blut leckt, so zerreißt er den
im Augenblick. Er tödtet einen Ochsen mit einem
Schlage. Ist nicht in Amerika zu finden. Er kan die
Kälte nicht vertragen, %und zittert in unsern
Gegenden beständig. Seine dicke Knochen haben
nur eine enge Höhle zum Mark %und Colbe versichert,
daß, wen das Mark an der Sonne eingetroknet
ist, sie so hart seyn, daß man Feuer damit anschla-
gen kan. Er fürchtet sich nicht vorm Hahnengeschrey,
wohl aber vor Schlangen %und Feuer.

/≥ 16. Das Bärengeschlecht. ≤

/Er tödtet seinen Feind durch Schläge %und gefährli-
che Umarmungen: Er ist ein großer Honigdieb, klet-
tert auf die Bäume, %und wirft sich wie ein Klumpe
herab. Zwey Monathe im Winter frißt er nichts.
In Pohlen lehrt man ihn tanzen. Der weiße Bär in
Spitzbergen hat einen Hundskopf. Einige sind 6 %Fuß hoch
%und 14 %Fuß lang, schwimmen stark %und treiben auf Eisschollen
so gar bis Norwegen.

/≥ 17. Der Vielfraaß, hiema der Alten. ≤

/Sind schwärzlich oder völlig schwarz. An Größe den ~

/|P_133R δZ_02

/Alle Raubthiere
können sich zum Vor-
rath satt eßen. ~

/|P_134

/Hunden gleich, ist unersättlich wegen seiner geraden
Gedärme; daher er sich des Unflaths, wie der Wolf
und Löwe bald entlediget.

/≥ 18. Affengeschlecht.

/Sie werden eingetheilet in ungeschwänzte, kurz-
geschwänzte oder Pavians %und langgeschwäntzte oder
Meerkatzen.

/≥ a. Ungeschwänzte Affen. ≤

/Der Orang-outang, der Waldmensch, davon die
größten in Afrika Pongos genennet werden, sind
in Congo %imgleichen in Java, Borneo %und Sumatra anzutreffen.
Gehen immer aufrecht sind 6 %Fuß hoch, wenn sie unter Men-
schen gebracht werden, so saufen sie gerne starke
Getränke, machen ihr Bette ordentlich %und decken
sich zu. Die %weiblichen Geschlechts haben ihr fluxum men-
struum, sind sehr melancholisch. Meynung der Java-
ner von ihrem Ursprunge. Es giebt noch eine kleinere
Gattung, welche die Engländer Chimponeze nennen,
die nicht größer ist, als ein Kind von 3 Iahren, aber
Menschen sehr ähnlich. Sie gehen zu ganzen Heerden aus,
%und erschlagen die Negers in den Wäldern. Zu den unge-
schwänzten Affen gehört noch der Affe von Ceylon %und
der Mamonet, mit einem Schweinähnlichen Schwanze.

/|P_135

/≥ b. Pavians

/haben einen Hunds-Kopf %und können sehr geschwinde
auf 2 Füßen gehen. Sie bestehlen das Feld %und die
Gärten. Die Amerikaner glauben alle, daß diese
Affen reden können, wenn sie wollten, aber sie thä-
tens nur nicht, um nicht zur Arbeit gezwungen zu
werden. Fangen Muscheln mit dem Schwanze, oder
legen einen Stein in die ge«fangene»öfnete Muschel. Man
kan hiezu noch zählen die Schooßäfchen oder Sangoins,
deren die größere Art die Farbe %und Größe der Eich-
hörnchen hat, die kleinere aber die Größe einer ge-
balleten Damenfuß hat. Sie sind sehr artig aber
auch sehr eigensinnig %und zärtlich, so daß wenn von dorten
welche nach Eüropa überbracht werden, die mehresten
unterweges crepiren, wenn sie gleich einzeln noch so
«sehr» sauber in Baumwolle eingewickelt sind.

/≥ 6te Claße.

/Thiere mit Flußfeder-Füßen

/I. Das Fischotter-Geschlecht.

/Die Flußotter. ≤

/Gräbt sich Höhlen von den Ufern der Flüße bis in den
nahen Wald, lebt von Fischen, im Winter aber in
aufgeeisten Teichen.

/|P_136

/≥ Die Seeotter, deren Hinterfüße Floßfederar-
tig sind. ≤

/Sie haben die schönste Schwärze unter allen Fellen.
Selbst in Kamtschatka gilt ein schöner Balg 37 %Reichsthaler.
Man fängt sie auf dem Treibeise in der Meerenge
von Kamtschatka. Sie putzen sich selber gern, lieben
ihre Iungen ungemein, %und werden mit Prügeln todt ge-
schlagen.

/≥ 2. Das Bibergeschlecht. ≤

/Der Biber, mit eyförmigen schuppigen Schwanze, sind
in Canada gegen die Hudson-bay sehr häufig. Wie sie
einen Bach verdammen, %und über die Wiese einen Teich
machen. Sie hauen Bäume mit ihren Zähnen ab %und schlep-
pen Stücke Holtz von 3 bis 10 %Fuß lang, welche sie über
Waßer in ihre Wohnung bringen, %und deren Rinde sie
im Winter eßen. Bey Verfertigung des Dammes, dienet
ihnen erst ihr Schwanz zur Mulle oder Schubkarren wo-
rauf, sie Leim auflegen %und an Stelle %und Ort führen,
%und denn zur Mauerkelle, womit sie den Leim auf den
Bäumen comprimiren %und anschlagen. Man speiset ihn
auch; das Bibergeil, (Castoreus) sind nicht die Testiculi
des Bibers, sondern besondere Muscus Säcke, die
im Leibe liegen.

/≥ 3. Seethiere mit unförmlichen Füßen. ≤

/|P_137

/≥ 1 Meerkälber. ≤

/heißen auch Seehunde oder Rotten, haben einen
Rachen vom Hunde; die Hinterfüße sind hinter sich
gestrekt %und können nicht von einander gebracht werden.
Auf den Antillischen Inseln sind einige bis 20 %Fuß lang,
die kleinsten sind die in dem Eismeer, welche auf den
Eisschollen zu 1.000 getödtet werden. Es gibt auch silber-
farbene Meerkälber im süßen Waßer.

/≥ 2. Wallros, ≤

/hat 2 Blaslöcher an der Stirn, heißt auch Meerochs,
hat lange hervorragende Zähne, die verarbeitet wer-
den. Manche sind über 2 %Fuß lang %und acht %Zoll dick. Mit diesen
helfen sie sich auf den Eisschollen als mit Hacken.

/≥ 3. Der Seebär

/ist größer als ein Landbär, hat Vorderfüße, wie
abgehauene Armstumpfe, worin doch die Zeeen verbor-
gen liegen, wird nicht weit vom Kamtschatka gefangen.
Sie streiten gegen einen Anfall in Rotten, %und beißen
ihre eigene Cameraden, wenn sie weichen. Den Sommer
über freßen sie nichts.

/≥ 4. Der Seelöwe. ≤

/In Amerika %und bey Kamtschatka. Die Gestalt komt mit
einen Seebären überein, nur er ist viel größer. Man

/|P_138

/greift ihn nur im Schlafe an, denn er ist sehr grimmig,
hat wenig Liebe vor seine Iunge. Die Seebären
fürchten sich selten vor ihm.

/≥ Von den vierfüßigen Thieren, die Eyer legen, sind
Amphibien

/Der Crocodill hält sich vornemlich in Flüßen %und auf
dem Lande auf, ist schuppicht, bepantzert 20 %und mehr Fuß
lang. Im Gambra Fluß bis 30 Fuß lang. Es ist falsch,
daß er beyde Kinbacken bewegen soll. Er bewegt
nur wie andre Thiere den innern, hat keine Zunge, legt
Eyer wie Gänse-Eyer in den Sand.

/≥ Der Alligator

/wird gemeiniglich mit dem Crocodill verwechselt, %und
ist ihm auch sehr ähnlich, außer daß er den Schwantz
anders trägt, %und eine Muscus-Blase hat, weswegen
er auch einen Biesamgeruch giebt, ist in Afrika %und Ame-
rika anzutreffen, er ist nicht so wild %und räuberisch
als der Crocodill, werden in Amerika Caymans genant,
wie ihre Eyer von Vögeln zerstört, %und wie sie gefangen werden.

/≥ Die Schildkröte. ≤

/Die größeste Gattung von ihnen, wird in verschie-
denen Gegenden von Ostindien gefunden. An den
Eyern alleine können sich wohl 30 Mann satt eßen. ~

/|P_138R δZ_13

/Auf allen unbe-
wohnten Ländern findet
man, daß sich die
Thiere gar nicht vor
den Menschen fürchten,
es scheint also daß
der Mensch nicht ein
natürlicher Feind
derselben ist. ~

/|P_139

/Die Schildkröte geht aufs Land, %und legt wohl
250 Eyer, deren jedes so groß ist als ein Ball. Sie
haben ein dreyfaches Herz. Ihr Fleisch ist köstlich.
Man gewint von ihnen bisweilen mehr als 2 Cent-
ner Fleisch zum Einsalzen.

/≥ Die Seethiere

/Der Wallfisch %und andre ihm verwandte Fische. Er
wird eingetheilt in den Wallfisch, Einfisch, Schwert-
fisch. Säge oder Zähn Fische, Nordcaper, Pottfisch
oder Cachelot %und in das Narval. Der grönländische
Wallfisch hat einen Kopf, der 1/3 von der Leibeslän-
ge ausmacht, ist viel dicker als wie der Finnfisch,
welcher eine Finne oder Floße auf dem Rücken
hat; auch viel größer als der Nordkaper, welcher
nur ein Blasloch hat, hält sich in den %nordlichen Gegen-
den bey Spitzbergen, Nova_Zembla auf; dagegen
der Nordcaper in der Höhe des Nordcaps %und der Fin-
fisch noch weiterhin nach Süden umherschweifen,
nährt sich von einem Waßer-Insect, welches die
Größe von einer Spinne hat %und ganz thranicht ist.
Der Finnfisch aber %und Nordcaper, schlucken ganze
Tonnen Heringe in sich. Diese Thiere haben anstatt ~

/|P_139R δZ_05

/Die Vermengung
der Saamen bey den
Fischen gesieht
außerhalb ihres
Leibes. Sie reiben
sich wechselseitig
%und laßen alsden
den Roggen %und
Milch fahren, wel-
ches sie alsdan
vermengen.

/

/δZ_16

/Der Wallfisch aber
zeügt auf die Art
wie die Landthiere

/

/δZ_20

/Ein mittelmäßiger
Wallfisch, bringt
nahe an 3.000 %Reichsthaler ein,
durch Fischbein %und Thran. ~

/|P_140

/der Zähne Barden, welche aus Fischbein bestehen,
davon das längste bis 2 Klaftern lang ist. Der Pott-
fisch hat am Unternkinnbacken Zähne. Sein Kopf nimt
die Hälfte des Leibes ein, hat einen engen Schlund,
waßergleichen Schwanz, Blaslöcher, woraus er Was-
ser blä«st»ßt, heiß Blut, können ohne Luft zu schöpfen
nicht lange unterm Waßer dauren, gebähren lebendi-
ge Iungen %und saugen sie. Der grönlandische Wall-
fisch wird mit Harpaunen geschoßen, %und mit Lan-
zen völlig getödtet, ist ietzo viel scheüer als vor-
mahls, flüchtet ins Triebeis, daher jetzo der Wallfisch-
fang im Triebeise; hat eine Art Läuse als Krebse.
In dem Magen einer Art Nordkaper Grampus genannt
wird das Ambragries, oder der graue Amra gefunden.
Andere berichten dieses von der Blase des Pottfi-
sches. Einige halten den Pottfisch für denjenigen, der
den Ionam verschlungen. Das Gehirn des Pottfisches
ist das sogenante Sperma ceti *1 der Schwertfisch
tödtet den Wallfisch um der Zunge willen. Der heraus-
ragende Zahn des Sägefisches, ist ausgezackt wie eine
Säge. Der Narval hat einen geraden Zahn aus dem ober-  ~

/|P_140R δZ_18

/*1 wird in der Me-
dicin zu Schweiztrei-
benden Artzneien
gebraucht, man zieht
aber auch Lichte daraus. ~

/|P_141

/sten Kinbacken stehen, der viele Fuß lang ist %und här-
ter wie Elfenbein *1 Diese letzte gebähren aus Eyern.

/≥ Das Manati oder die Seekuh.

/Ist in den amerikanischen %und «karra»antillischen Inseln
bey Kamtschatka anzutreffen, wiegt bis 30 Centner
hat eine unbehaarte gespaltene Haut wie eine alte
Eiche, teucht sich niemahls unter das Waßer, der Rüc-
ken ist immer drüber erhoben, ob es gleich den Kopf
bey seinen unabläßigen Freßen, fast immer un-
term Waßer hat, ist allenthalben sehr zahm, wo
man ihr nicht nachstellt, hat zwey Arme, die den mensch-
lichen ähnlich, %und einen Schwanz, der den Fischschwanz
ähnlich sieht, hat vortreflich Fleisch, welches keine
Maden bekömmt, %und sein ausgeschmolzen Fett über-
trift die Butter, gebährt lebendig %und säugt.

/≥ Der Hay oder Seewolf <Canis> Carckarias

/Spanisch Tuberone genannt. ≤

/Die größte Art derselben heißen Lamiae,
sind 50-60 %Fuß lang, haben 3 Reihen Zähne neben einander.
Sind viel gefräßiger als irgend ein Landthier. Ganze
Menschen in Seegel eingewickelt, samt den Ballast
werden von ihm verschlungen. Alles was aus einem ~

/|P_141R δZ_02

/*1 aber nicht so weiß ~

/|P_142

/Schiffe fallt, Beil, Hammer, Mützen, finden Platz in sei-
nem Magen. Sein Maul ist wohl ein Zoll lang unter
der Schnautze, daher er sich auf die Seite legen muß
wenn er etwas raubt. An den Küsten von Guinea hat ein
Mensch, der in die See fällt, nicht so viel Gefahr, vorm
Versaufen, als vom Hay. Er reißt dem Wallfische
große Stücke Speck aus dem Leibe, wird mit Hacken
an einer eisernen Kette gefangen %und getödtet, ehe
er ins Schiff gebracht wird; sonst schlägt er mit dem
Schwanz, Arm %und Bein entzwey. Einige Fische halten
Verkehr in seinen Magen. Der Pilote neckt ihn,
wie die Schwalben die Eulen. Man hält sie vor den
K@o@mora oder Sauger.

/≥ Der Hammerfisch. ≤

/Ist dem Hay an Größe, Stärke %und Gierigkeit ähn-
lich, hat aber einen Kopf, der zu beyden Seiten
wie ein Hammer ausgeht.

/≥ Der Manta oder Mantelfisch. ≤

/ist eine Art großer Rochen, die vornemlich den
Perlenfischen an den amerikanischen Küsten sehr ge-
fährlich sind, indem sie solche in ihre weit ausge-
breitete Haut, als in einem Mantel einwickeln,

/|P_143

/erdrücken %und freßen.

/Der Braunfisch, der Dorado, der Delphin, der Stöhr,
der Welz %und andre mehr sind Raubfische.

/Der Delphin ist ein sehr gerader %und schneller Fisch,
der Dorado aber ist ein goldgeber Delphin %und der
schnellste unter allen. Der Belluga ist ein Gattung
von Stöhr, aus deßen Rögen der Caviar zubereitet
wird. Sie haben auch, als große Fische, deßen sehr
viel, bisweilen einer bis auf einen ganzen Centner.

/≥ Der Seeteufel. ≤

/ist in einer harten undurchdringlichen Haut eingeschlos-
sen, ist eine Art Rochen 20 bis 25 Fuß lang, 15-18
breit %und 3 %Fuß dick hat gleichsam Stumpfe von Beinen %und
daran Hackenhörner am Kopfe, %und einen Schwantz wie
eine Peitsche mit Hacken.

/≥ Der Meermensch, Serine, Meerjungfer. ≤

/wird in allen 4 Theilen angetroffen. Die zu Fabeln
geneigte Einbildungskraft, hat ihn zu einen Seeme<n>sch
gemacht. Indeßen hat dieses Thier nur seine wenige
Aenlichkeit mit demselben. Sein Kopf, aus dem man
einen Menschen oder «Men» Fischkopf machen kan, mit
großen Ohren, stumpfer Nase %und weitem Munde
ist an einem Körper, der auf dem Rücken mit einem ~

/|P_143R δZ_05

/Die Seeschlange der
Meerwurm, alle Me-
tiers %die vom Glücke
abhangen, sind fast
alle abergläubisch
seine Augen so groß wie
ein paar @jenne@ Teller,
zieht die größe Schiffe
in die See, nach Pontop-
pidans
Bericht.

/

/δZ_21

/Ist ein Plattfisch %und
an %der Küste von Coriga
anzutreffen. ~

/|P_144

/breiten dicken Fell, wie die Plattfische, bezogen
ist, welches an der Seite solche Hacken, wie die
Fledermäuse hat. Seine Vorderfüße oder flei-
schern Floßfedern sind etwas menschenähnlich
Es hat 2 Zitzen an der Brust %und einen Fleischschwanz.
Man nennt ihn auch wegen seines Fettes die Waßersau.

/≥ Einige andre merkwürdige Fische.
/Der Zitterfisch

/wird auch Krampffisch Torpedo genannt, ist in dem indischen
Meere anzutreffen, beynahe rund außer dem Schwanze
%und wie aufgeblasen. Er hat außer den Augen noch 2 Löcher,
die er mit einer Haut, wie Augenlieder verschließen
kan. Wenn man ihn entweder unmittelbar oder vermit-
telst eines langen Stockes, ja vermittelst der Angel-
schnur %und Ruthe berühret, so macht er den Arm ganz fühl-
loß. Er thut dieses aber nicht wenn er todt ist. Kamp-
fer
sagt, daß wenn man den Athem an sich hält, er
nicht so viel vermöge. Er kan gegeßen werden. In
Aethiopien vertreibt man sich mit ihm das Fieber.
Die Ursache dieser seiner Kraft ist unbekant. Er
fängt dadurch Fische.

/≥ Rotzfische. ≤

/Sind durchsichtig und wie lauter Schleim, sind fast in ~

/|P_144R δZ_08

/In den Gewäßern
von Surinam wird
er fast nur allein
angetroffen.

/

/δZ_13

/Rührt man ihn mit
einer Glasstange
oder Lack an, so
giebt er keinen Schlag.
Es scheint also daß
er die electrische
Kräfte nach Will-
kühr in sich hervor-
bringen kan. Er wird
durch ein Magnet ge-
zogen, %und sehr matt. ~

/|P_145

/allen Meeren. Eine Gattung davon heißt Meerneßel
weil sie, wenn sie berührt werden, eine brennende Em-
pfindung machen.

/≥ Blackfisch. ≤

/sieht seltsam aus mit 2 Armen, hat eine Tintenblase wo-
mit er seinen Verfolgern, daß Waßer trübe macht.

/≥ Blaser. ≤

/Wird am Capo %bonae %spei gefunden, bläst sich rund auf wie eine
Kugel, %und ist zu eßen ungemein giftig.

/≥ Fliegende Fische. ≤

/sind nur zwischen den Tropicis, fliegen mit einer Art Floßfe-
dern, aber nur so lange als diese naß sind, haben die
Gestalt %und Größe der Heeringe, fallen oft aufs Schiff
nieder, werden von Raubfischen %und Raubvögeln stets verfolgt.

/≥ Der chinesische Goldfisch, ≤

/ist wegen seiner vortreflichen Gold- %und andern Farben bey
den Chinesern sehr beliebt, der schönste Fisch in der Natur,
fingerlang vom Kopf bis auf den halben Leibe roth. Die
übrigen Theile samt den Schwanz, der sich in einem Büschel
endiget, lebhaft vergüldet. Das Weibchen ist weiß,
der Schwanz silbern.

/≥ Der Krake, das gröste Thier in der Welt.

/Ein Seethier, deßen Daseyn nur auf eine dunkle Art
bekant ist. Pontoppidan thut von ihm Meldung, daß die
Schiffer in Norwegen, wenn sie finden, daß das Loth,
welches sie auswerfen, an derselben Stelle nach %und nach
höher wird, urtheilen daß der Krack im Grunde sey.
Wenn dieser heraufkömt, so nimt er wohl einen Umfang ~

/|P_145R δZ_04

/Er hat den Knochen
an sich, den man Meer-
schaum nennt. Bey Ta-
rento %und Sicilien wird
er häufig angetroffen.
Bey Caffa ist eine
Art von weißen
To«d»hn, woraus der
Meerschaum gemacht
wird, zu den Pfeifen.
Er kömt also aus
der krimischen Tartarey. ~

/|P_146

/von einer 1/2/4 teütschen Meile weg, hat große Zacken die wie
Bäume über ihn hervorragen. Sinkt bisweilen plötzlich
%und kein Schiff muß ihm als denn zu nahe kommen, weil der Stru-
del den er macht, es versenken wurde. Es soll über ihn gut
fischen seyn. Ein junger Krak ist einmahl in einem Fluß
stecken geblieben %und crepiret. Das Meer hat noch nicht
alle seine Wunder entdeckt, wenn der Krak sich übers
Waßer erhebt, so sollen unsäglich viele Fische von ihm
herabrollen. Seine Bildung ist unbekant.

/≥ Von Fischereyen. ≤

/In China fängt man Fische, durch eine dazu abgerichtete
Kropfgans, welcher man einen Ring um den Hals thut,
daß die Fische nicht ganz können verschlucket werden.
Diese schlingt so viele auf als sie kan. Wenn eine einen
etwas großen Fisch fängt, so giebt sie den andern
ein Zeichen, die als dan denselben fortbringen hel-
fen. Eine solche Gans gilt viel. Wenn sie nicht Lust zum
Eßen hat, so wird sie mit Prügeln dazu gezwungen.
Man hat daselbst auch eine Methode mit einem Kahn,
an deßen Seite weiße überfirnißte Bretter
geschlagen sind bey Mondschein Fische zu fangen, denn
als dann glänzen diese Bretter wie ein helles Waßer
%und die Fische springen herüber, und <fallen> in den Kahn, wo sie
des Morgens gefunden werden. Man fängt auch hier
Fische, indem man sie mit in das Waßer gestreüten ~

/|P_146R δZ_11

/Unter den Inseln die
den Nahmen Antillen
führen, sind einige die
den Vortheil guter
Fischereyen haben, welche
die Negers wohlfeil
zu erhalten seyn %und die
Producte <deshalb> also auch
wohlfeiler. e. g. Porto
Ricco.

/An der Küste von Guinea
im Strom Oronoko,
aber vorzüglich am Sene-
gall Strom giebt es
eine unzählige Menge
von Fischen. (Kein Thier
frist Fleisch von Wolff.) ~

/|P_147

/Kuckelskörner dumm machet.

/Der Stockfischfang auf der großen Bank bey Terre
neuve. Der grüne oder weiße Backelgau heißt Ca-
beliau wird eingetrocknet %und eingesalzen. Die getrok-
nete heißen Stockfische. Er ist ein Raubfisch, schlukt
Waßer, Seile %und andere Dinge, die aus dem Schiffe
fallen, geschwinde unter. Er kan aber seinen Ma-
gen ausdehnen, %und das was unverdaulich ist ausspey-
en. Es fischen auf der großen Bank jahrlich bis 300
Schiffer, deren jeder bis 25.000 Stockfische fängt. Alles
geschieht mit Angeln. Der Köder ist ein Stück vom
Häringe, %und hernach die unverdauete Speise in den
Magen des Stockfisches. Es geht mit diesen Angeln
sehr schnell fort. Es finden sich hieselbst umher
erstaunend viel Vögel als Leberfreßer, Pin-
guins. Sie versamlen sich um die Schiffe, um die
Leber zu freßen, die weggeworfen werden. Der
Pinguin hat stumpfe Flügel, mit denen er zwar
auf dem Waßer platschen, aber nicht fliegen kan.

/≥ Der Häringsfang

/Der Häring komt im Frühjahr, aus den %nordlichen Gegen-
den bey Nordcap an die Arcadischen Inseln. Von
da zieht er sich neben den Küsten von Schottland %und ~

/|P_147R δZ_01

/Es giebt eine @heden@-
taine %und eine ambu-
lante Fischerey. Bey
den Barren halten
sich die Fische am liebsten
auf.

/Am Senegall giebt
es eine Art eßbare
Erde. Auch bey Patma
am Ganges Strom
Die negers die von
da nach Martinique
geführt werden, suchen
sich daselbst, auch ein solche
eßbare Erde.

/Stockfischfang, Wall-
fischfang, %und Häringsfang,
«¿» bey der Bank von Terre
neuve, welche wohl 120 Meilen
lang ist, sind @hedentaine@
Fischereyen. Der Stock-
fischfang ist die Schule
der Marinen. Auf
der Ostküste sind die
Steinkohlen vorzüglich an-
zutreffen, die England
employiren dazu viele
Schiffe. Die wesentlichen ~

/|P_148

/ist im Sommer bey Yarmouth, geht auch wohl im Herbste
bis in die Süder- %und Ostsee. Der *1 bloße jährliche Vor-
theil der Holländer nach Abzug aller Unkosten, ist
zum wenigsten 6-7.000.000 %Reichsthaler. Ein andrer holländi-
scher Autor
rechnet überhaupt 25.000.000 %Reichsthaler Einnahmen,
die Ausgabe 8.000.000 %Reichsthaler und das Land profitiret
17.000.000 %Reichsthaler, denn man mus auch den Vortheil nehmen,
den das Land davon zieht, daß sich so viele Menschen
von der Arbeit auf der Flotte mit erhalten. Die En-
gelländer, schiffen auch seit 1750. aber nicht so vorteil-
haft, denn sie wißen nicht die Handgriffe.

/≥ Schaalichte Thiere.
/Die Purpurschnecke. ≤

/Der tyrische Purpur, der das Blut einer Muschel des
mittelländischen Meeres ist, war erstaunlich theuer. Er
soll entdecket seyn an einem Hunde, der diese Muschel
fraß, %und sein Maul schön färbte. In Neuspanien fin-
det sich eine solche Muschel, die aber nur 2-3 Tropfen
solches Saftes in sich enthält, der %anfänglich grün oder
hochroth färbt. Vor alters hatte man auch violetten
Purpur.

/≥ Die Perlenmuschel

/Die Perlenbank bey Bahan %und Apmus im persischen
Meerbusen, giebt die schönsten. Die bey Ceylon %und am ~

/|P_148R δZ_01

/Vortheil daraus,
ist der daß so viel
Matrosen employirt
seyn, die im Fall
des Krieges gut
geübt seyn.

/

/Ein Sta@«d»a@t, der also
eine Marine anlegen
will, muß erst da-
rauf bedacht seyn,
Leute dazu zu bilden.

/

/δZ_15

/*1 Gegenwärtig haben
aber die Holländer
gar keinen Vortheil
beym Häringsfange.
der Staat hat nur den
Vortheil davon daß
so viele employirt
seyn. ~

/|P_149

/Capo Comorin die größesten, %imgleichen Neu_Spanien giebt
große aber schlechte; sind unreife Eyer. Die Perlen-
muschel können, wenn sie nicht recht rund sind, nicht abge-
drehet werden. Viele Länder haben in ihren Flüßen
Perlenmuscheln. Die Täucher verfahren auf verschie-
dene Art, entweder mit einer ledernen Kappe, mit
gläsernen Augen, daran eine Röhre bis über das Waßer
herauf geht, oder mit der Glocke, oder frey, bekommen
%anfänglich Blutstürzen. Des Königs von Muscato Perle
soll nicht sowohl wegen ihrer Größe als Schönheit die
vortreflichste unter allen seyn. Der König von Persien
kaufte %Anno 1633 eine von einer Million 400.000 Livres.
Der jährliche Nutzen vom persischen Perlenfange ist 5.000.000
Ducaten, aber jetzt läßet man sie ruhen. In der Medecin
sind sie nicht mehr <von> Nutzen als Krebssteine %und Eyerschaalen.

/≥ Austern. ≤

/sitzen oefters an einer Felsenbank so feste, daß sie
scheinen mit derselben aus einem Stücke zu seyn.
Einige werden von ausserordentlicher Größe. In
Copenhagen zeigt man eine Auster-Schaale die 2 @Loot@
wiegt, kneipen wenn sie sich schließen mit ungemei-
ner Kraft, pflanzen sich schnell fort. Exempel an
den Küsten von Holland. Man sieht auch Austern, so ~

/|P_149R δZ_01

/Nach 12 Uhr des Nachts
in 24 Iuny, nach Abfeu-
rung eines Kanonenschußes
wird das Netz zum Hä-
ringsfange Bey %den Orca-
den ausgeworfen.

/

/δZ_07

/Im @Elsten@_Strom
in Sachsen giebt es
auch Perlen.

/

/δZ_11

/Die Perle in einer
Muschel, zeigt eine Kal-
heit derselben an. So wie
der Fisch Stein.

/Linnäus hat erfunden
wie man Muscheln eine
solche Kalheit beybringen
kan, die nicht damit be-
haft sind. Perlen be-
stehen aus bloßen Kalk. ~

/|P_150

/zu sagen, an Bäumen wachsen; diese hangen sich
an einen Baum zur Zeit der Fluth, wenn der Baum
unter Waßer gesetzt wird, an die Aeste an %und blei-
ben daran hängen.

/≥ Balanen, oder Palanen Meerdatteln.

/sind länglichte Muscheln, wie der Dattelkern, wer-
den im adriatischen Meere bey Ancona gefunden,
sind in einem festen Stein eingeschloßen, %und dieser
muß vorher mit Hammern entzwey geschlagen wer-
den, dan findet man die Muschel darin lebendig. Die-
ser Stein ist porös %und in die Löcher deßelben ist die
junge Brut gedrungen, hat durch ihre Bewegung
den Stein so viel abgenutzt, daß sie sich aufzuthun,
immer Platz hat. Bisweilen verstopfen sich die Löcher,
aber das Waßer kan doch durch den schwammigten
Stein zu ihnen dringen. Keyßler hat am adriatischen
Meere bey Portoke lebendige Muscheln, im harten
Marmor gefunden. Ihr Fleisch %und Safft glänzen
so wie bey den meisten Austern, wenn sie frisch aufgemacht
werden im finstern.

/≥ Bernacles

/sind eigentlich Stellmuscheln mit einem Stiel, der die Zunge
des Thieres ist. Diese hängen sich mit solchen an die am

/|P_151

/Ufer stehenden Bäumen an, %und weil die Zunge gleich-
sam einen Hals %und gewiße an einem Buschel auslau-
fende gekrümte Haare einen Schwanz von einer jungen
Gans vorstellen, so ist die Fabel entstanden, daß
aus dieser Muschel die Rottgänse, welche sich um
Schottland finden, ohne daß man weiß wo sie hec-
ken entstünden. Man weis aber jetzt, daß diese
Gänse in den allernordlichsten Inseln zE Baisan hecken.

/≥ Seide von Muscheln

/Einige Muscheln hängen sich mit ihrer Zunge an die Fel-
sen an, %und machen ein Gewebe, woraus man als aus
einer groben Seide zu Taranta %und Rheggis Land-
schuhe, Camisolen pp webt. Allein die penna marina
bringt viel feinere Seide zuwege %und daraus wurde
der Byssus der Alten gemacht. Man macht auch
schöne Stoffe zu Palermo daraus.

/≥ Der Nautilus. ≤

/ist eine Schnecke, welche in ihrem inwendigen mit
dem Blackfisch einige Aenlichkeit hat. Wenn sie
zur Lust schiffen will, so pumpt sie zuvor das Waßer
aus den Kammern ihres Gehäuses. Alsden steigt sie
in die Höhe, gießt ihr Waßer aus, %und richtet sich aufwerts

/|P_152

/in ihrem Schiff, spannet ihre zwey Beine, zwischen denen
eine zarte Haut ist, wie ein Seegel aus, 2 Arme steckt
sie ins Waßer um damit zu rudern, %und mit dem Schwan-
ze steüret sie, komt ihr etwas fürchterliches ins Gesicht,
so füllt sie ihre «W»Kammern mit Waßer %und sinkt in die
See unter.

/≥ Die Muschelmünzen

/fast in allen Küsten von Afrika, in Bengala %und anderen
Theilen von Indien, werden einige Gattungen von Mu-
scheln als baar Geld genommen. Vornemlich werden an
den Maldivischen Inseln kleine Muscheln, wie das
kleinste Glied am Finger, gefischet, welche man in Ost-
indien Coris %und in Africa Bougier nennet, welche die
Engländer von den Maldiven abholen %und die hernach zur
Bezahlung kleiner Sachen gebraucht werden.

/≥ Verzeichniß einiger merkwürdiger Insekten,
darunter %erstlich die %nützlichen Insecten, wovon die besten
Gattungen der rothen Farbe kommen. ≤

/Der Gummilac aus Siam, Tuncing, Pegu, Bengala, %und
andern indischen Provinzen. Es ist %eigentlich eine Art von
Wachs, welches von einer Gattung Ameisen auf eine ge-
wiße Art von Bäumen getragen wird, %und darinn sie
in Zellen, wie die Bienen ihre Brut ablegen, deren
Häute hochroth sind, %und die daselbst einen rothen Saft

/|P_153

/zurücklaßen. Man reibet es in Mörsern im siedenden
Waßer %und drükt es durch Leinwand, hernach läßt man
den Safft eintroknen.

/≥ Lochenille. ≤

/Diese rothe Farbe, welche die theüreste unter allen
ist, komt von einer rothen Baumwanze, welche in Neu-
Spanien %und einigen Inseln sich auf dem Baum Nopal
nistet, %und mit Bürsten abgefeget, hernach getrok-
net %und gepulvert wird. Die Frucht der Nopal ist
eine Feige, die hochroth ist %und sehr wohl schmecket.
Man nennet dieses Pulver Carmin, es ist aber oft
nicht recht rein Cermes oder Purpurkörner. Es ist
eine Art Gallus oder Auswachs aus den Blättern
eines Baumes, welcher durch einen Insecten Stich
entstanden. Kermes heißt im arabischen %eigentlich
ein Würmchen, %und diese geben %eigentlich die rothe
Farbe. Kermes wird auch in der Medecin ge-
braucht. Wenn man hiezu den Murex oder die Pur-
purschnecke thut, so siehet man, daß alle rothe
Farbe, die zur Färbung der kostbarsten Zeüge
dienet, aus dem Thierreiche herkommen.

/|P_154

/≥ Von der Caprification. ≤

/In den griechischen Inseln bedienet man sich gewis-
ser Schlupf«er»wespen um die Feigen zu stechen, welche
dadurch viel eher %und vollkommener reifen.

/≥ Eßbare Heüschrecken

/In Africa werden bey verschiedenen Nationen die
große Heuschreken gebraten %und gegeßen. In Tunquin
salzt man sie auf künftigen Vorrath ein. Ludolph
der dieses auf seinen weiten Reisen gesehen hatte,
ließ die großen Heüschrecken, welche Teutschland
1693 verheerten, wie Krebse kochen, aß sie, machte
sie mit Eßig %und Pfeffer ein, %und zuletzt tractierte
er gar den Rath zu Frankfurth damit.

/≥ II. Schädliche Insecten
/1. Die Tarantel-Spinne. ≤

/Ist im Apulischen am giftigsten. Wer von ihr ge-
stochen wird, muß bald weinen, bald lachen, bald
tanzen, bald traurig seyn. Ein solcher kann nicht schwarz
noch blau leiden. Man curirt ihn durch die Music,
%vornemlich «durch» auf der Cither, Hautbois, Trompeten,
Violin, wodurch er vornemlich wenn man den rechten
Ton %und Melodie trifft, zum tanzen, schwitzen, %und %endlich
zur Gesundheit gebracht wird. Man muß manchen ~

/|P_154R δZ_16

/Irrentolati wer-
den diejenigen ge-
nannt so von den-
selben gestochen, man
hat eine besondere
Music vor sie
componirt.

/Tarento ist eine
Stadt am adriati-
schen Meere. ~

/|P_155

/das folgende Iahr wieder «t¿ahnen» *1 laßen. Die
vom Scorpion gestochene Leüte lieben auch die Mu-
sic, aber vornemlich die Sackpfeife %und die Trommel.
Sonst giebt es auch ungemein große Spinne in Guinea,
beinahe wie eine Mansfaust.

/≥ 2. Die Nervenwürmer (colubrillae)

/In Ostindien %und Africa *2 bekomen die Menschen bisweilen
einen Wurm in die Waden, der sich endlich unter die Haut
so weit einfrißt, daß er die Länge von einer Elle %und mehr
bekömt. Er ist von der Dicke eines Seidenfadens, bis
zur Dicke einer Cyther Saite. Der Wurm liegt unter der
Haut, %und macht ein Geschwulst. Man sucht sie behutsam
hervor zu ziehen, den Kopf um ein Stöckchen zu winden,
welches man nach %und nach langsam herauswindet. Wenn der
Wurm reißt, so folgt %gemeiniglich der Tod.

/≥ 3. Die Niguen

/Diese Art Flöhe gräbt sich in Westindien in die Haut, %und
verursacht wenn man nicht das ganze Warzgen, worinnen
sie sitzet ausgräbt den kalten Brand, weil das Gift
sich mit dem übrigen Blute vermischet.

/≥ Andre schädliche Insecten. ≤

/In Congo ziehen große Ameisen in ganzen Schwärmen, ~

/|P_155R δZ_01

/*1 tanzen

/

/δZ_02

/dieser Hang zum Tan-
zen ist eine Hypochon-
drie. Also blos eine
Wirkung von %einsamen
Leben.

/

/δZ_07

/*2 auch in einigen Inseln
von America. ~

/|P_156

/die eine Kuh, oder einen kranken Menschen wohl ganz
auffreßen. Die Comegra eine Art Maden in Carthagena
in Amerika sind so fleißig, daß wenn sie einmahl unter
einem Laden mit Kramwaaren kommen, sie ihn in einer
Nacht völlig zu Grunde richten. Die Loge ist eine kleine
Wanze in America, die, wenn man sie auf dem Fleische
zerdrückt, ein tödliches Gift zurücke läßt. Man bläst
sie weg, wenn man sie auf der Haut siehet. Die Tausend-
füße, rothe Raupen mit 40 Füßen haben einen gif-
tigen Biß %und sind eine groß Quaal der indianischen
Länder. Die Mosqüitos sind eine besondre %schädliche
Art Mücken in Ostindien, %imgleichen auf den niedrigen
Gegenden der Landwege von Panama. In Lappland
ist die gröste Plage von den Viehbremsen.

/≥ Anhang von andern kriechenden Thieren
/Die Schlange

/In den heißen Ländern giebts %etliche von %erstaunlicher
Größe. In den Sümpfen nicht weit vom Ursprun-
ge des Amazonenstroms sind solche, die ein Reh
ganz verschlingen. In Whidah einen africanischen Kö-
nigreiche, am %östlichen Ende der Küsten von Guinea, ist
eine sehr große Schlange, welche unschädlich ist, viel- 

/|P_157

/mehr die giftigen Schlangen, Ratten %und Mäuse ver-
folgt, wird daselbst als die oberste Gottheit angebetet.

/≥ Klapperschlange ≤ *1

/ist die schädlichste unter allen. Sie hat Gelenke in ihren
Schwanze, welche bey trokner Zeit im fortgehen klappern.
Ist sehr langsam %und ohne Furcht. Es wird von allen ge-
glaubt sie habe eine Zauberkraft, oder vielmehr einen
benebelnden oder wohl gar anlockenden Dampf, den sie
ausbläßt, %und dadurch Vögel, Eichhörnchen %und andere Thiere
nöthiget, ihr in den Rachen zu kommen. Zum wenigsten ist
sie viel zu langsam solche geschwinde Thiere, als sie %täglich
frißt, auf andere Art zu erhaschen. Die Wilde
freßen sie, %imgleichen die Schweine.

/≥ Von den Nattern.

/Die Cobra_di_Capello oder die Hutschlange, wegen
einer Haut, welche den Kopf %und Hals umgiebt so genannt.
Soll den berühmten Schlangenstein in ihrem Kopfe
haben; allein Valisnieri behauptet, er wäre nicht
anders als ein gedörretes %und auf gewiße Art zuge-
richtetes Ochsenbein; es hängt stark an der Zunge.
Wie man den Schlangengift aus der Wunde zieht, %und
ihn wieder davon reiniget. Er hat die Gestalt einer
Bohne, ist in der Mitte %weißlich das übrige himmelblau. ~

/|P_157R δZ_01

/Alle Giftschlangen
haben bewegliche
Zähne, welche nicht
zum Freßen, sondern
nur zum Hauen sind.

/

/Fast in allen Sprachen
hat das Wort Gift
einerley Ableitung.

/Die Erfahrung hat %gewiesen
daß <@¿¿¿@> Nationen die kei-
ne Aerzte haben, im
Durchschnitt weniger
Krankheiten sind, als
die welche haben.

/

/δZ_13

/*1 wird nur in
Nordamerica angetrof-
fen.

/

/δZ_15

/Es giebt Gifte die
nur nach gewißen
Umständen Gift seyn,
zE das Schlangengift
nur in ofen Mund, aber
nicht wen man es ist.
Die Engländer eßen
Wieper Suppen zur
Delicatesse. ~

/|P_158

/Einige geben vor, die Braminen in Indien machen
ihn aus wirklichen Schlangenstein *1 mit deren Leber,
Herz %und Zähne, %und einer gewißen Erde vermengt. Zum
wenigsten pflegen gewiße Theile von %schädlichen Thieren
zE das Fell der Hutschlange selbst wieder ihren
Biß gut zu seyn. <*1 Pietra del Cobra>

/≥ Der Scorpion. ≤

/ist in Italien nicht größer als ein kleiner Finger,
hat beynahe eine Krebsgestalt %und verwundet seinen
Feind mit dem Schwanze, worin er einen Hacken hat.
Man bedienet sich des zerdrückten Scorpions um
ihn auf den Stich zu legen %und das Gift wieder aus-
zuziehen. Die Indianer bedienen sich im Nothfall
wieder einen giftigen Biß des Brennens der
gebißenen Stelle. In Indien sind sie viel grös-
ser. Es ist andem, daß wenn man einen Scorpion
unter ein Glaß thut, worunter man Tobacks-
rauch blaset, er sich selbst mit seinem Schwantze
tödte.

/≥ Der Chameläon. ≤

/ein asiatisches %und afrikanisches Thier, einer Eidexe
%ziemlich ähnlich, aber %gemeiniglich viel größer, nähret
sich von Insecten, seine Zunge ist 8 %Zoll %und fast so lang
als das ganze Thier, womit er, wie der Ameisenbär ~

/|P_158R δZ_01

/Condamine berichtet,
daß die Wilde von
sehr großen Schlangen
am Amazonenstrom
sprechen, die einen Menschen
auf einmahl herunter
schlucken.

/

/Die @kleine «von» Bohne@
von Cartagena, soll
die Würkung haben
wenn man von selbi-
gen gegeßen, daß sie
alle Schlangen von
Menschen *1 entfernet.

/<*1 den Tag über>

/Alle Thier die nach
dem Stiche oder Hieb,
eine Inflammation zu-
rück laßen, haben
ein «¿¿»Gifft bey @sey@,
%obgleich nicht in solcher
Menge, daß es
todtlich sey. ~

/|P_159

/Fliegen %und Ameisen fängt. Einige Physici berichten,
daß er seine Farbe nach den farbigten Gegen-
ständen ändere, aber mit einigem Zwang den er
sich anthun müßte. Sie verändern ihre Farbe nach
ihren Affecten. Wenn sie lustig sind, so ist ihre Haut
gefleckt. Allein in der allgemeinen Reisebe-
schreibung wird berichtet, daß sie ihre Farbe be-
liebig %und vornemlich wenn sie recht lustig sind, schnell
aufeinander verändern, aber nicht nach den Gegen-
ständen. Die rothe Farbe bekommen sie nicht. Ihre
Haut ist fast durchsichtig. Dieses kann, weil sie
auch ihre Haut nicht verändern, die Ursache seyn,
daß die Unterlage durchschimmert.

/≥ Der Salamander. ≤

/Seine Unverbrenlichkeit kommt von dem dichten
Schleim her, den er sowohl ausspeyt, als aus allen
Schweißlöchern treibt, %und womit er die Kohlen eine
%ziemliche Zeit dämpft, wenn er darauf geleget wird, @ver@-
brennet doch endlich. In allen Theilen der Welt giebt
man vor, daß die Eidexen Feinde der Menschen sind,
%und die Menschen davor warnen.

/≥ Das Reich der Vögel
/Der Strauß %und der Casuar. ≤

/Es sind vornemlich arabische %und africanische Vögel, ~

/|P_159R δZ_01

/In allen warmen Län-
der findet man, daß
die Menschen in den aller
schlechtsten Stuben schla-
fen, %und daher auch ihre
Wirths_Häuser sehr
elend sind.

/

/Scorpion Oehl, ist
das Oehl worin man
ein Scorpion sterben
läßt, %und wieder sein
Stich gut seyn soll. Er
soll unter allen Thieren
der einzige Selbstmörder
seyn.

/

/Zum Feuerlöschen ist
nichts beßer als A-
laun. Alles Holz was mit
Alaun überzogen ist,
brennt nicht, diese Anmer-
kung ist in %Schweden gemacht
worden.

/

/Addison [[ Adanson ]] hat junge
Negers auf Straußen
reiten sehen.~

/|P_160

/tragen den Kopf höher als ein Pferd, haben Flügel
womit sie nicht fliegen können, laufen schneller als
ein Pferd, bebrüten ihre Eyer nur des Nachts, haben
schöne Federn im Schwantze, eine höckerichte Erhebung
auf den Rücken. Der Casuar ist sonst dem vorigen
ähnlich, hat auf dem Kopf eine Art von knorplichter
Haut, hat statt der Federn Haare, %und an den Füßen
Hufen, schlingt Eisen %und selbst glüende Kohlen her-
unter, aber verdaut das erste nicht.

/≥ Der Condor. ≤ *1

/ist der größte unter allen fliegenden Thieren. In
Amerika aber selten anzutreffen, ist von dem Ende
des einen Flügels bis zum andern gemeßen, 16 %Fuß
breit, kan einem Ochsen das Gedärme aus dem Leibe
reißen, hat aber Füße nur wie Hünerklauen, trägt
Wildpret in sein Nest %und öfters Kinder, vermehrt
sich nicht sehr. <*1 bei Peru %und Chili>

/≥ Der Colibrit, Saufvogel oder Blumhacker: ≤ *2

/Ein amerikanischer Vogel, ist der kleinste unter
allen Vögeln, nicht völlig so groß als ein Käfer,
hat die schönste Federn, die sonst alle mögliche
Farben spielen. Er saugt Safft aus den Blumen.
Es ist in Westindien eine Art Spinne, die ein
Gespinste macht, welches viel dicker %und fester ist, ~

/|P_160R δZ_01

/(Die BärenGalle brau-
chen die Araber wider
Coliken der Pferde.
Und sie tragen ihre
@%Apotheke@ stets bey sich.
Die Tartarische Pferde
sollen sich ein Ader
aufbeißen, wenn
das Blut sie ängstigt.)

/

/Der Pinguin kan gar
nicht fliegen, man fängt
ihn sehr häufig beym
Stockfischfange «g»bey
Terre neuve, er hat
nur ein Paar Stücke
Fleisch an beyden Seiten
ohne Federn.

/

/*2 Seine Eier sind
ohngefähr so groß
wie Erbsen, in Nord-
america soll er singen
%und ein Adler tödten
können ~

/|P_161

/als der unsrigen, darinnen hängt sich der Coli-
brit, als eine Mücke.

/≥ Paradiesvogel

/Ist nur wegen des Vorurtheils zu merken, wel-
ches man gehabt hat, als wenn er keine Füße habe. Sie werden
ihm aber, um ihn desto beßer zu erhalten, abgeschnitten.

/≥ Goldene Hüner

/sind wegen ihrer goldfarbenen Federn, %und andern schönen
Schattirungen, für die zierlichsten Vögel, in der Welt zu halten,
%und werden von den Chinesern sehr hoch geschätzt.

/≥ Pelican ≤ *1

/hat einen so großen Leib wie ein Schaaf, kleinen Kopf, ein
1_1/2 Ellen langen Schnabel, %und am Kopf einen Sack, darin ein
Eimer voll Waßer geht, worin er Meilen weit Waßer
herhohlt, %und seine Iungen mit Fischen füttert. Daß
derselbe seine Iungen mit seinem Blute futtern soll,
gehört mit der Fabel vom Phönix in eine Claße.

/≥ Einige Merkwürdigkeiten des Vogelgeschlechts. ≤

/Die in der heißen Zone sind schöner %und buntfärbiger
aber von schlechterm Gesange. Einige hängen ihre Nes-
ter an die dünsten Zweige der Bäume auf, die über dem
Waßer hängen, dadurch sie vor den Nachstellungen
der Affen frey seyn. Der Guckguck legt se«y»in Ey in
das Nest der Grasmücke, %und bekümmert sich nicht um
seine Iungen. Einige haben Flügel %und können nicht ~

/|P_161R δZ_12

/*1 in Persien sind viele.

/Der Tyger soll bis-
weilen, auf die
Bäume hinauf krichen
um denselben den
Kropf aufreißen
den Durst zu stillen.

/Die Fahrt der Alten,
aus Alexandria
nachs schwarze Meer,
kan man nicht anste-
hen, wenn man nicht
glaubt, daß sie
gewiße Mittel die
Gegend zu kennen, ge-
habt haben.~

/|P_162

/fliegen. zE der Strauß, Casuar %und Pinguin. Man braucht
einige zum Fischen wie die Kropfgans. Andere zum Iagen
des vierfüßigen Wildprets, als vornemlich die Falcken
aus Circaßien. Man lehrt diese aus, indem man ein Stück
Fleisch auf eines ausgestopften Wildes Kopf stecket,
und es auf Rädern fortziehet. Hernach gewöhnt es sich dem
dem laufenden Wild, die Klauen in die Haut zu schlagen, mit
dem Schnabel zu reißen %und in Verwirrung zu bringen.
Andere werden zum Vogelfange abgerichtet, als die
isländische Falcken %und andere mehr. Von der Abtragung
der Falcken, von der Reiherbeitze. Diese Falcken wer-
den einen Schildwach stehenden Soldaten einige Tage
%und Nächte durch, auf den Händen zu tragen gegeben,
daß sie nicht schlafen können, wodurch sie ganz ihre Natur
verändern. Man fängt in China an der Güineischen
Küste %und bey Porto bello wilde Gänse %und Enten durch Schwimmer,
welche ihren Kopf in einen hohlen Kürbis stecken, sie ver-
pflantzen viele Früchte, indem sie den unverdaulichen Samen
den sie gefreßen haben, wieder von sich geben, daher die Mis-
telsaame auf die Eiche komt %und daselbst aufwächst, %imgleichen auf
Linden %und Haßeln. Einige Inseln im Weltmeer, dienen den
Vögeln %vornemlich denen die von Fischen leben, zur Behausung,
so daß einige wohl etliche Zoll hoch, mit Vogelmist bedeckt

/|P_163

/sind, %dergleichen sind an den Küsten von Chili, von Africa un-
ter den Orcaden %und anderwerts. Einige bedeüten, wenn sie weit
vom Lande fliegend angetroffen werden, Sturm, als die
Steinbrecher, eine Gattung Meer-Adler, welche sonst auch
gewohnt sind Schildkröten auf Felsen von einen Höhe fallen zu
laßen, wodurch Aeschylus getödtet worden. Man findet
keine Störche in Italien, %imgleichen nicht in Engelland %und der %östlichen
Tartarey. Taubenpost ist noch jetzo in Modena %und Aleppo, wurde
ehedem in den Belagerungen von Harlem, Ziricksen, Gertrug-
denburg gebraucht, %imgleichen des Ionas Dousa Tauben in Leyden.

/≥ Vom Uberwintern der Vögel

/Man bildet sich %gemeiniglich ein, daß diejenigen Vogel auf
den Winter in wärmere Länder %und weitentfernte Climata
ziehen, welche ihr Futter in unserm %nordlichen Climate nicht ha-
ben können. Allein die Lerche, der Kybitz %und %andere %mehr erscheinen ge-
schwind, wenn einige warme Tage im Frühlinge kommen, %und ver-
schwinden wieder bey anbrechender Kälte. Dieses bewei-
set daß sie auch im Winter hier bleiben. Die Wachteln
sollen auch einen Zug über das mittelländische Meer thun,
sintemahl auf die Insel Capri bey Neapolis der Bischoff
daselbst, seine meisten Einkünfte vom Zuge der Wach-
teln hat, %und bisweilen in der mittelländischen See Wach-
teln auf die Schiffe niederfallen. Allein diese Vögel ~

/|P_163R δZ_02

/Die weiße Islän-
dische Falcken, sind
die besten. ~

/|P_164

/sind zwar Strichvögel, die ihre Oerter verändern, aber nicht
Zugvögel, die in entfernte Länder so gar übers Meer
setzen. Ihr Flug ist niedrig %und nicht langwierig. Es werden
aber öfters Vögel von Wind %und Nebel verschlagen bis in
die See, verwirren sich %und kommen «et» entweder um oder ret-
re@«t»@n sich auf Schiffen. Man hat 100 %englische Meilen von Modena
einen Sperber, auf einem Schiffe gefangen, welcher er-
brämlich schwach aussah. Der Vicekönig_von_Teneriffa
hatte dem Duc_de_Lerma einen Falken geschenkt, welcher
aus Andalusien nach Teneriffa zurückkehrte, %und mit des Ducs
Ringe halb todt niederfiel. Allein, was wollen andere
schwache Vögel, gegen einen so starken Raubvogel sagen.
Warum fliegen die Störche nur aus Frankreich nach En-
gelland über? Die mehresten Vögel verbergen sich
des Winters in die Erde, %und leben wie der Dachs oder
Ameise ohne Futter.

/Die Schwalben verstecken sich ins Waßer. Die Störche,
Gänse, Enten u.s.w. werden in den abgelegenen Brü-
chen von Pohlen %und andern Ländern, in Morrästen, da es
nicht frieret, bisweilen gefunden. Man hat auch in
Preüßen des Winters einen Storch aus der Ostsee
gezogen, der in der Stube wieder lebendig ward, %.vide Klein. ~

/|P_164R δZ_02

/Am Senegal giebt
es Schwalben wenn
bey uns keine seyn,
nisten da aber nicht,
weil im heißen Clima
sie in ihr Neste «oft»
wohl nicht aushalten
könten, %und die Affen
ihnen auch sehr nachthei-
lig, es scheint daher
daß es unsere Schwal-
ben sind, die nur
zur Winterzeit dahin
fliegen.

/

/Man kan den Wind
mit welchem die Vögel
kommen %und wegziehen, auch
wahrnehmen. ~

/|P_165

/≥ Drittes Hauptstück.
/Das Pflanzenreich

/1. Von den merkwürdigen Bäumen. ≤

/Die Bäume sind in der heißen Zone von schwererem
Holtze, höher %und vom kräftigeren Safte. Die Nordlichen
sind lockerer, niedriger %und ohnmächtiger. Das Vieh aber
so wohl als Menschen, sind in jenen Gegenden viel leichter
nach Proportion des äußern Ansehens, als in dieser.

/≥ Bäume, die den Menschen Brod liefern. ≤

/In vielen Theilen von Indien, %imgleichen in den Latronischen
Inseln wächst ein Baum, der große Ballen einer meh-
lichten Frucht trägt, welche als Brodt gebraucht werden
kann, %und die Brodtsfrucht heißet. Der Iago-Baum, der
auf den moluccischen Inseln wächst, sieht aus wie ein
Palmbaum. Er hat ein nahrhaftes Mark«t» Dieses wird
mit Waßer gestoßen, das Gelatinum ausgepreßt
filtrirt; das schleimichte sinckt zu Grunde %und macht da-
raus ziemlich schlecht Brodt, aber beßere Grütze, ist
mit Mandelmilch gegeßen, gut gegen die rothe Ruhr.

/≥ Sehr nutzbare Bäume von der Palmart. ≤

/Die Palmbäume sind von %unterschiedlicher Art. Sie haben alle
dieses gemein, daß sie keine %eigentlichen Aeste haben, sondern
sehr große Blätter, die auf dem Stamm wachsen, der ~

/|P_165R δZ_01

/Aus @Cenasund@, sind
die Kirschen.

/Ueberhaupt sind alle
unsre Früchte aus den
warmen Ländern, @%und@
«ueberh» Europa trug
%anfänglich nichts als Holtz-
äpfel %und Birnen.

/Die Früchte in den heißen
Ländern sind mehr aro-
matisch %und führen mehr
Salze bey sich.

/Alle festen Holze, %und die
Balsam bey sich fuhren auch
die Farbe-Höltzer finden
wir in %den heißen Clima-
ten.

/Seit der Zeit das Col-
bert
die Ausfuhr des
Getreydes verbothen hat
der Ackerbau in Frank-
reich gar nicht %wieder
können empor kommen.
So auch in Schweden,
unter Gostavo Vasa. ~

/|P_166

/gleichsam mit einem schuppichten Panzer bezogen ist. Aus
einer Gattung derselben, wird der Saft gleich dem Bir-
kenwaßer häufig herausgezogen, der wenn er gegohren
hat den Palmenwein giebt. Er ist zu unterscheiden von
den Palmensect auf der Insel de la Palma. Der Cocus-
Baum gehört unter die Palmenarten. Seine Blätter die-
nen, wie die von den andern Palmen zur Bedeckung der
Häuser. Die Rinde der Nuß zu Stricken, die Nuß
selbst zu Gefäßen, %und die darin enthaltene Milch, ist
ein angenehmes Getränke. Die Maldivische Nuß ist
unten getheilt, %und köstlicher als die übrige.

/≥ Der Talgbaum in China. ≤

/trägt eine Hülsenfrucht mit 3 nußartigen Kernen,
wie Erbsen groß, mit einer Talgrinde umgeben, %und
die selbst viel Oehl haben. Man zerstößt die Nüßchen
kocht sie %und schöpft den Talg ab, wozu man Leinöhl
%und Wachs thut, %und schöne Lichte daraus zieht.

/≥ Der Wachsbaum eben daselbst. ≤

/An die Blätter dieses Baumes hängen sich kleine
Würmchen, nicht größer als die Flöhe. Sie machen Zel-
len, aber viel kleiner als die Bienenzellen. Das Wachs
ist härter, glänzender %und theürer als Bienenwachs. Man samm-
let ihre Eyer, %und setzt sie auf andere.

/≥ Der Seifenbaum

/In Mexico hat eine Nuß-Frucht, deren Schaale einen Saft ~

/|P_166R δZ_01

/Wilde Gerste wird
in Sicilien, %und wilder
Haber in Arabien an-
getroffen.

/Soya besteht aus
faulen Fischen, ur-
%anfänglich.

/Der Sago wächst
%vorzüglich auf den muluc-
cischen Inseln, %und
die Grütze, ist der
Mark deßelben
welcher gekörnt
wird, ist eine schlei-
michte Substanz,
welche sehr gut zu an-
dauren ist, gehört
auch unter den
Palmarten.

/@Spallag:\Spalberg@ bemerkt,
daß in Getreyde 2
Species von %unterschiedenen
Ingridientzien 1, ein
milchartige 2, eine kl<e>is-
terartige Substanz
sich befindet. ~

/|P_167

/hat, der gut schäumt %und schön zu waschen ist.

/≥ Ein Baum, der Waßer zu trinken giebt

/Dieser ist der wunderbahre, auf der Insel Ferro, er soll
immer mit einer Wolke bedeckt seyn, %und von seinen Blät-
tern Waßer tröpfeln, das in Cisternen gesamlet wird;
%und da dieser sonst kein Waßer hat, vor Menschen %und
Vieh genug liefert. Sein Stamm soll 2 Faden dick %und 40 %Fuß
hoch seyn, um die Aeste aber soll er 120 %Fuß im Umkreise
haben, Allein in der allgemeinen Historie der Reisen,
wird von einem «¿¿¿»Augenzeugen angeführet, er habe nur
die des Nachts die Waßer giebt, %und zwar jede Nacht 20.000
Tonnen. Die meisten Reisende %und @zwar@ unter ihnen le_Maire
versichern, es wären viel solche Bäume in einem Thal
beyeinander. Dieses Thal wäre von großen Wäldern
umgeben, %und die umliegende Berge werfen ihre Schat-
ten hinein, dadurch die Dünste auf diese Art verdicket
werden %und eine träuflende Wolke machen. Denn in der
St_Thomas Insel sind auch solche Bäume, die aber nur
des Mittags Waßer geben.

/≥ Die Baumwollen Baume. ≤

/trägt eine Frucht wie Aepfel, die inwendig in Zellen
eingetheilt ist, worinn die Wolle steckt. Die Cibowolle
ist eine fast seidenartige feine Wolle eines andern ~

/|P_167R δZ_01

/Der Kleister läßt
sich gar nicht mehr
auflösen.

/Die Kalmücken prae-
sentiren einem Gast
ein Glas gesäurete
Pferdemilch.

/Milchartiger Theil
im Bier, ist der, der
berauscht, der Kleis-
terartige in demselben
macht daß es vielen
nicht bekomt. ~

/|P_168

/Baums, die allein fast nicht kan verarbeitet werden.

/≥ Der Firnißbaum

/in China %und den Moluccischen Inseln. Er giebt das Lack eben
so wie die Bircken das Birckenwaßer. Man steckt eine
Muschelschnecke in seine geritzte Haut, darin er sich samm-
let. Er wird auf dem Holtze fester als das Holz selber
denn wird noch ein besondrer Oelfirniß darüber gezo-
gen.

/≥ Eisenholtz in America ≤

/ist so hart, daß man Ancker %und Schwerdter daraus macht.

/≥ Wohlriechende Holtze

/Von den Sandelbäumen ist das gelbe Sandelholtz das-
jenige, was in Indien am meisten zum Räucherwerk ge-
sucht wird. Es wird auch zu Brey gestoßen, %und von den In-
dianern der Leib damit zur Kühlung bestrichen.

/≥ Farbehölzer

/Fernambu«¿¿»c oder Brasilien_Holzt, der Kern dieses Holt-
zes dienet zum rothfärben.

/Campescheholtz, deßen inwendiger Kern färbt blau.

/≥ Balsam-Bäume. ≤

/Der Balsam von Mecca ist der köstlichste, aber jetzt
nicht mehr zu haben; wird in Arabien aus dem Balsam-
Baum gezapft. Wenn er frisch ist macht sein Geruch Na-
senbluten. Es wird damit dem Groß-Sultan alle
Iahr ein Präsent gemacht. Balsam von Tolu komt
aus Mexico, %und jenem am nächsten, ist weiß oder goldgelb; Pe-
ruvianum ist %schwärzlich; Copaibae ist flüßig %und weiß. ~

/|P_168R δZ_01

/In Brasilien %und
Havana findet man
ihn häufig

/Das Ebenholz wird
%vorzuglich von von der Insel
Bourbon gebracht.

/

/δZ_21

/Die Balsame, sind
ausgequollene oehlich-
te Säfte von Bäü-
men.

/In der arabischen
Sprache heißt Mumie
soviel als Salbe.
Die Mumie minera~

/|P_169

/≥ Gummi_Bäume. ≤

/Aus dem Drago oder Drachenbaum %und deßen Einrit-
zung qu«ä»ilt das Drachenblut, welches roth ist, wird
in vielen Gegenden von Indien gefunden. Gummi
dragant ist hingegen ein weißes wie Würmchen ge-
wundenes Gummi.

/Gummi guttae qüillt aus einem Baum wie aus ei-
nem Pomeranzenbaum.

/Gummi arabicum fließt aus einer aegyptischen
oder arabischen Anaxia oder Schleedorn

/Das Gummi von Sanga (Senegal) komt sehr mit ihm
überein, hat eine kühlende Kraft, wird von den Men-
schen wie Zuckerkant gesogen, wird bey Seidenzeüg
gebraucht, um es glänzend zu machen

/Gummi Capal schwitzt aus dem geritzten Copal_Bäu-
men in Mexico.

/≥ Harzbäume

/Der Kampferbaum in Borneo giebt durch Ausschwitzen
den Kampfer, der auf übergelegte Tücher geschüttet
wird, In Iapan wird es aus dem Sägestaub des Kamp-
fers distillirt, ist aber schlechter, kann auch aus den
Wurzeln des Kaneelbaums distillirt werden. Ben-
zoia oder Assa dulcis fließt aus einem geritzten
Baum in Ceylon, %und Siam, ist sehr wohlriechend. ~

/|P_169R δZ_01

/tis spritzt «spritzt»
aus einem «Felsen»
Felsen in Persien.

/

/δZ_09

/(ist roth)

/δZ_11

/(ist weiß)

/δZ_15

/Er ist gar nicht aus dem
vegetabilischen <Reich>, son-
dern wird im Sande
in der Wüste Sara
gefunden, %und ist mehr
Hartz. Laßt sich daher
nicht im Waßer auf-
lösen, wie alle Gummi
sondern in spirit. vini ~

/|P_170

/Manna dringt in Calabrien aus den Blättern %und geritz-
ten Stamme des E«i»schbaums hervor.

/Der beste Terpentin kömt au«ch»s Fichten %und Lerchenbäumen
in Chyolipe, ist hell %und citrongelb. Der gemeine wird
aus Fichten %und Tannen<Holz> gemacht.

/≥ Medicinische Bäume. ≤

/Die Cascarilla de @Lo«j»xa@ oder Quinqui«¿¿»na Fieberrinde
ist die Rinde eines Baumes bey Kapa am Amazonen-
Strom %und anderwärts in Südamerica, ist ein Specifi-
cum wieder das Fieber, muß von der Chinawurzel
unterschieden werden. Das Sassafras ist die Wur-
zel eines Baumes in Florida. Das Guajaca wird
in venerischen Krankheiten gebraucht. Man kann die
Balsam %und Gummi_Bäume zum theil auch zu medicinischen
Kräutern rechnen.

/≥ Einige Bäume von angenehmen Früchten

/Bennazar oder Plantanen B«ä»aum«en», er trägt Früchte
wie Gurken, die aus dem Stamm wachsen in einen Klumpen
wohl 40-50. Der Callabaum in Africa %und Ostindien
trägt eine castanienartige bittere Frucht, welche sehr
hoch geschätzt wird. Sie ist etwas bitter, macht aber wenn
sie gekörnet wird, alles Getränke sehr angenehm.
Vor 50 solche Nüße, kan man in Serra Leone ein schön
Mädchen kaufen, %und 10 sind schon ein Präsent vor große
Herren. Cacao-Baum ist 18-20 %Fuß hoch, wächst in 4-5 Stämme. ~

/|P_170R δZ_01

/ist ein Purgirmittel

/

/δZ_07

/Die Fieber Rinde
stärkt die Fasern
des Körpers, %und daher
wird sie jetzt fast in
allen Medicamenten ge-
braucht.

/

/δZ_12

/alle bittere Gewächse
wiederstehen die
Säure.

/

/δZ_17

/ist %eigentlich Krautge-
wächs ~

/|P_171

/Die Frucht gleicht einer Melone, die an den Stamm %und
Aesten hängt. In ihren Fächern sind viel gleichsam den
Mandeln ähnlich Nüße. Der Cacao ist constringirend
%und kalter Natur. Die Indianer auf Hispaniola gebrau-
chen %und zerstoßen ihn im Waßer zu Getränke.

/Pistatien, Pitzernüße sind Nußfrüchte in Zucker
gelegt, die junge Frucht aber in Eßig gethan, %und in Per-
sien als Beysütze zu Speisen gebraucht werden.

/Datteln sind den Mandeln ähnliche Früchte, einer
Art Palmbäumen, die in großen Büschen als Trau-
ben am Stamme wachsen.

/Das von bloßen Cacos zubereitete Waßer, ist %ziemlich
unangenehm %und erkaltend, daher auch ein gewißer Spanier
der es zum erstenmale trank, sagte: es wäre beßer
für Ochsen als für Menschen. Man thut aber in Spa-
nien Zucker, Pfeffer, Vanille, Musons %und Ambra hin-
zu, wodurch man ihn hitziger %und wohlschmeckender macht.

/Der Caffeebaum in Arabien, der levantische, in Ame-
rica der surinamische, martiniqüische pp %und in Ostindien
der javanische, ist ein Baum, der einen Kirschbaum so-
wohl an großen Blättern, als an dem Ansehen der
Früchte ähnlich ist. Die getroknete Früchte werden gerollt, ~

/|P_171R δZ_02

/Die Vanille ist eine
Art Schoten, aber nicht
gut in Chocolade, wächst
auf der Insel Cuba

/

/δZ_18

/1646 ist erst in
Marseille welche
getrunken worden.

/Die Hülsen in Arabien
werden auch geröstet,
%und dan getrunken schmekt
aber, wie Thee ~

/|P_172

/da der einer Bohne ähnlicher Kern sich in zwo Helften
theilt. Der levantische Caffee ist selbst in Arabien
theürer, als der Martiniqüische, %und die Iuden führen
vieles von den letztern nach der Türkey.

/≥ Gewürzbäume

/Der Nägelein-Baum ist wie ein Birnbaum; das Nä-
gelein ist seine Frucht.

/Der Muscatenbaum ist ähnlich einem Apfelbaum.
Diejenigen Nüsse, die von einem Vogel, den man Nuß-
eßer nennt, herunter geschluckt werden, %und wieder von ihm
gegangen, werden höher geschätzt. Beide Bäume sind
nur auf den Inseln Amboina <K¿¿tNägelchen> und Banda <Muscate Nuß> anzutreffen.
Auf den übrigen moluccischen Inseln werden sie aus-
gerottet.

/Caneel %und Zimmetbäume auf der Insel Ceilon. Die
Rinde von den jungen Bäumen wird abgeschält, %und giebt
den Caneel. Die Frucht hat nicht so viel wohlriechendes
Oel, aber viel Fettigkeit. Wenige Tropfen, deren ei-
ner 6 %@Groschen@ kostet, auf die Zunge geträufelt, bringen
den Krebs zuwege.

/≥ Andere Merkwürdigkeiten der Bäume. ≤

/In der %östlichen Tartarey, %nemlich der Mugalischen %und Kalmu-  ~

/|P_172R δZ_03

/Im Konigreiche Gemen
in Arabien, wird der
levantische gefunden,
von da er häufig nach
Mecca geführt wird.

/

/Guadelouppe hat
mehr Zucker als Mar-
tinique; %und Martini-
que mehr Caffee.
Auf %der Insel
Bourbon, soll %der
schönste Caffee seyn
auch jetzt viele %@Pflanzungen@
von Muscaten_Nüßen
%und @Kreit@nägelchen. ~

/|P_173

/kischen sind fast gar keine Bäume anzutreffen, sondern
bloß elende Sträuche, daher auch diese Tartarey mehren-
theils in Zelten wohnt.

/Der Mangelbaum von den Holländern Mangellur ge-
nannt, wachst aus der Wurzel in die Höhe, als denn biegt
er sich krum, wächst wieder in die Erde, faßt daselbst
Wurzel, %und wachst wieder in die Höhe %und so weiter.

/Der Banmianen_Baum läßt von seinen Aesten gleich-
sam Stricke oder zähe Zweige herab sinken, die wieder in
die Erde Wurzel faßen, %und dadurch eine ganze Gegend
öfters so bewächst, daß man nicht durchkommen kann.
Wenn er am Waßer wächst, breitet er sich bis ins Was-
ser, da sich dan die Aeste an ihm hängen. Es ist eine
Art Holze oder Buschwerk, die an einigen Orten Ita-
liens wächst, %und nach Heislars und Vitruvii Bericht, we-
der zum Brennen noch zum Schmelzen selbst im foco des
Brennspiegels kan gebracht werden. Es hat das An-
sehen eines Eichenholzes, doch etwas weicher, sieht
röthlich aus, läßt sich leicht schneiden %und brechen,
sinkt im Waßer. In Kauen findt man weder Sand
noch etwas mineralisches. Vitruvius nennet sie La-
rise. Man hat ihn auch bey Sevilla in Andalusien ge-
funden, ist vom Asbest unterschieden. ~

/|P_173R δZ_08

/Der Bahobad wächst
am Senegal, 24 Fuß
im Durchschnitt, %und 12
in der Höhe.

/

/Talipot_Baum auf
Ceylon, seine Blätter
durchschnitten, braucht
man zum @Schreiben, pp@
zusammengesetzt macht
schon ein %ziemliches Zelt
aus.

/

/Cesar «das»<nennt> solchen Baum
Laria, der unver-
brennbar ist. ~

/|P_174

/Ein Baum auf Hispaniola ist so giftig, daß in
seine Schatten zu schlafen tödtlich ist. Die Aepfel
die er trägt, sind ein starkes Gift; %und die Carabien
benetzen ihre Pfeile damit.

/Die Colobasche Bäume in Africa %und Indien tragen
eine Frucht, die wie eine Bologneser-Flasche aus-
sieht, %und von einer geschnittenen gute Kochlöffel ab-
giebt, %und nach Wegnehmung des Halses auch gute Ge-
schirre.

/Die Areckn«ü»uß wächst traubenfärbig wie die Pis-
tatien oder Datteln, %und wird zu der Betel, welchen
die Indianer beständig «brauchen» bey sich führen, ge-
braucht.

/Krähenaugen oder Nuces vomicae sind Kerne, die
auf der Insel Ceylon in einer «¿»Pomeranzen %ähnlichen
Frucht liegen, tödten alles was blind gebohren ist.
Aus dem Berlein der Eichelmistel wird der Vogel-
leim gemacht.

/≥ 2. Von andern Gewächsen %und Pflanzen.
/Der Thee. ≤

/Die Blätter des Theestrauchs in China, die im An-
fange des Frühlings abgebrochen, geben den Kayserthee,
die 2te %und 3te Sorte sind nacheinander schlechter.
Man läßet die erste Sorte in der Sonne troknen %und ~

/|P_174R δZ_10

/Der %eigentliche Arak
ist Reis Brantwein.
Wen selbige aber
mit der Aracknuß
vermischt wird, so
ist es «¿¿¿» der wahre
Ostindische Arack

/

/δZ_20

/Man kennet nur
einen Theestrauch,
%folglich muß der Un-
terschied, aus dem ver-
schiedenen Rösten, oder
Abnehmen %der Blätter
entstehen. ~

/|P_175

/rollet sie mit Händen, die 2te auf Platten über
kochendes Waßer erwärmen, bis sie sich zusammenzie-
hen. Die 3te über Kohlenfeüer. Der beste Thee
komt in den %nordlichen Provintzen zum Vorschein, daher ihn
die Rußen am besten bringen. Die Iaponeser pul-
verisiren ihren Thee ehe sie ihn trinken.

/≥ Kriechende Gewürzpflantze

/Der Pfeffer steigt als eine kriechende Pflantze
an Stangen oder Bäumen bis 18 %Fuß in die Höhe. Er wächst
wie Iohannisbeeren, ist in der Insel Sumatra %und an-
dern %ostindischen Inseln %vornemlich anzutreffen. Der lange
Pfeffer wächst auf einem Strauch %und ist theurer der
weiße ist nicht natürlich, sondern in Meerwaßer
gebeitzt %und an der Sonne getroknet.

/Cubeben gleichfalls auf Iava %und den moluccischen
Inseln. Seine Frucht wächst in Trauben

/Cardamum hat eine Staude wie Rohr; das Gewürz
wächst in Aehren.

/≥ Betel. ≤

/Ist das Blatt von einem kriechenden Gewächse, wel-
ches mit Kiung oder der Aracknuß %und ungelöschten
Kalk von allen Indianern beständig gekaut wird.
Es hat dieser Leckerbischen einen zusammenziehen-
den Geschmak, färbt den Speichel roth und die Zähne ~

/|P_175R δZ_01

/Man hat den grünen
Thee in Verdacht, daß
er Kupfer Theile bey sich hat.
Alle rothe Weine kom-
men aus weißem Saft.
Die Verfälschung vom
Rheinwein geschieht, durch
Silberglätte, %und höchst
gefährlich.

/

/Das Pigment, wächst
in Iamaica, %und soll
das gesündeste unter allen
Gewürzen seyn, %und dan
auch Pfeffer.

/δZ_14

/Auf der Halbinsel
diesseits des Ganges. ~

/|P_176

/schwarz oder schwarzbraun. In Peru braucht man dieses
Blatt mit einem Bischen Erde zu kauen.

/≥ Vanille

/Ist eine Kriechpflantze wie die vorigen. Die Wilden in
Mexico halten seinen Bau geheim, er wächst auf unersteig-
lichen Bergen. Er braucht nicht in der Erde gepflantzt, son-
dern nur an einem Baum gebunden zu werden, aus dem
er Safft zieht %und dan auch Wurzel in der Erde treibt.
Die Vanillen Soote ist voll eines balsamischen %und dicken
Saffts; worin kleine Körnchen stecken. Ist ein %vor-
trefliches Ingredienz der Chocolade.

/≥ Rohr. ≤

/Der Bambusrohr ist %vornemlich merkwürdig, welcher
einer der nützlichsten Gewächse in Indien ist. Es
wächst so hoch wie die höchsten Bäume, hat wenn es
jung ist einen eßbaren Kern, wird ungespalten
zu Pfosten, gespalten zu Brettern, Diehlen p Man
gebraucht die Haut die es inwendig umkleidet zu Pa-
pier. In Peru ist eine Art Bambus, die 1_1/2 %Fuß im Diameter
%und 1_1/2 %Zoll in der Dicke der Rinde hat. Er ist im Vollmon-
de voll Waßer, im Neumonde ist aber wenig oder nichts
darin. Zuckerrohr ist nunmehr in beyden Indien %und
Africa anzutreffen. Aus dem Schaum des kochenden ~

/|P_176R δZ_13

/%Anfänglich wie Span-
gus %und kan gegessen
werden, «zuletzt» <h¿¿¿> kö-
chen sie ihn zu @Senft\Saft@-
stangen, %und zuletzt
wird es zu Diehlen
oder Pfosten gebraucht
auch Kähne draus zu
machen.

/

/Die Alten haben das Zu-
kerrohr nur gekaut. ~

/|P_177

/Zuckers wird Muskebade gemacht, er wird mit Ochsen-
blut oder Eyerweis gereiniget.

/≥ Ananas

/Diese schöne amerikanische Frucht wächset ohngefähr
auf solchen Stamm, wie die Artischocken, hat die Figur
eines Tanzaffens %und die Größe einer Melone. Der Ge-
ruch derselben ist vortreflich %und der Geschmack
nach allerley Gewürzen.

/≥ Wurzeln. ≤

/Rhabarber komt aus China %und der dazu gehörigen Tar-
tarey, Chinawurzel ist ein öfnendes %und blutreinigendes
Mittel. Man bringt sie auch eingemacht nach Europa.
Die Wurzel Ginsing ist das am höchsten in China geschätz-
te Medicament, zu deßen Aussuchung sehr viele 100
Tartarn in der chinesischen Tartarey sich viel Mühe
geben. Es soll graue Haare in schwarze verändern. Man
schneidet kleine Stückchen %und gießt kochend Waßer
darauf. Es begeistert den Menschen mit neüem Le-
ben %und in gar zu starken Dosen genommen bringts hitzige
Krankheiten oder wohl Raserey zuwege. Eine gewiße
Art Ziegen soll das Kraut derselben lie«g»ben, %und ihr Blut
wird daher vor gesund gehalten. Ingwer ist an der
Malebarischen Küste am besten.

/≥ Andere Merkwürdigkeiten der Pflanzen. ≤

/Die Pflantze Hiltot oder Hingisch in Persien giebt

/|P_178

/die Assam foetidam oder den Teufelsdreck. Man schnei-
det ein Scheibchen von der Wurzel ab %und nimt den eben
ausgeschwitzten Safft weg %und so alle Tage ferner
ein Scheibchen. Man braucht ihn in vielen Theilen Indi-
ens in den Speisen. Das Brod muß gar darnach
schmecken %und alle Straßen darnach riechen; es ist
ihr angenehmster Geruch.

/Das Opium wird von einer gewißen Art Mohn
gewonnen, deren Köpfe ins Kreuz eingeritzet wer-
den %und daraus dieser dicke Safft herausqüillt.
Die Arbeiter werden bey dieser Arbeit %schwindlich.
Wirkung des Opii. Ein Clystier, darinnen 6 Unzen
rohes Opium gethan werden, vertreibt die rothe
Ruhr. Bang ist eine Art des Hanfs, deßen Blät-
ter ausgepreßt %und der Safft deßelben von den
Indianern statt des Opii gebraucht wird.

/Die kleine Biene von Cartagena in Amerika
davon wird etwas weniges des Morgens gegeßen; %und
eine lange Zeit darnach nichts genoßen. Alsdann scha-
det dem Menschen den ganzen Tag <über> kein Gift.

/Empfindliche Pflantze, Planta sensitiva, läßt wenn sie
berührt wird, ihre Zweige %und Blätter fallen, als wenn
sie Empfindungen hätte.

/Die Begüicken sind hölzerne Stricke, welche auf

/|P_179

/einer Art Weiden in Amerika wachsen, %und welche die
Indianer, %und welche die Indianer so wie wir unsere
Hanfstricke brauchen.

/Die Weine verändern sich sehr stark, wenn sie
in andre Länder verpflanzt werden. Der Canarien-
sect hat seinen Ursprung aus Rheinwein %imgleichen Vin
de cap. Maderawein ist von Candia hingepflanzt
worden. In der Zona torrida sind keine Weine.
Man macht daselbst starke Getränke aus Reiß %und
die Amerikaner aus Maiz. Reiß bedarf große
Näße, wenn er gerathen soll, %und eine lange Ueber-
schwemmung der Felder. Maiz aber oder türkischer
Weizen wächst wie Rohr wohl 10 %Fuß hoch.

/Aus den Farbeblättern ist der Anill, aus deßen
geritzten Blättern der Indigo gepreßt wird,
merkwürdig, wächst auf der malabarischen Küste.
Die Pietra fungifera ist eine Maße wie ein Stein
in Neapolis, %eigentlich aber eine aus verwickelten ge-
färbten Wurzeln %und Erde bestehenden Maße, worinnen
Pfeffer-Saame ist. Dieser ist ungemein subtil %und
doch sehr häufig darin. Man kan hierauf Pfeffer haben
wenn man will. Man darf nur warme Waßer

/|P_180

/darauf gießen, denn werden die Morcheln in 6 Tage
reif. Diese Morcheln werden auch %ziemlich groß. Zulezt
gedenke ich noch der Fabel von der Palingenesie der
Pflantzen, wovon Kircher Erwähnung gethan hat. Zu
den Zeiten, da die Chimie anfieng zu blühen %und man
allerley Curiosa chymica experimenta machte, kam
diese Meynung auf. Den Anlaß zu diesem Ge-
dichte hat die Vegetation, nachahmende Concretion
%und Crystallisation der Salze gegeben. Das in Cham-
pagner %und Burgognerwein aufgelößte Salz ammoniacum
stellt Weintrauben vor; es thut dieses aber auch im
Waßer. Der Arbor Dianae wird gemacht, wenn Mer-
curius in Scheidewaßer %und Silber auch besonders in
Scheidewaßer aufgelöset wird; darauf diese So-
lutiones vermengt %und bis auf 1/3 in gelindem Feüer ein-
getroknet werden; da sie denn einen Baum mit Stam,
Aeste %und Zweigen vorstellen.

/Der Boranez oder scythische Baum ist ein schwam-
migtes Gewächs um Astracan, wovon Keyßler, der
es in Dresden gesehen hat, sagt, es nehme alle Figuren
an. Weil es nun in die Form eines Baums gedrükt
worden, haben Ungelehrte geglaubt, es wachse wie

/|P_181

/ein Baum. Es ist also falsch daß er das Gras um sich he-
rab freße %und daß die Wölfe ihm nachstellen.

/≥ Das Mineralreich

/I. Hauptstück.
/Die Metalle. ≤

/I. Gold wird in Peru %und andern Theilen von America
häufig entweder gegraben, oder aus der Erde, wel-
che von Gießbächen, die aus dem Gebürgen herab stürzen,
eingefreßen werden, gewaschen. Man findet es in
allen Theilen der Welt. Viele Flüße %vornemlich die in
Guinea geben nach starken Regengüßen, Goldstaub,
denn der Regen wäschet den Goldstaub durch sein Durch-
seigern aus den Gebürgen aus, %und führt ihm nebst dem
übrigen Schlam in die Flüße. Das in Madagascar
ist wegen seiner Zähigkeit %und Leichtflüßigkeit be-
rühmt. Wenn man es mit Quecksilber aus dem Sande,
damit es vermischt worden, gewaschen hat, so sondert
man es ab, indem man das Analgama durch Ochsen-
leder drückt. Die Platina_del_Pinto in Brasilien
ist ein weißes, aber sehr schwerflüßiges Gold, noch
sehr unbekant. Die goldenen Kernlein in den Wein-
trauben, die man vorgiebt in Ungarn gefunden
zu haben, sind Kerne mit einem goldgelben Safte
durchzogen, %imgleichen das in Wien gezeigte an einem Wein-  ~

/|P_181R δZ_17

/Gold ist 19_1/2 mahl
schwerer als Waßer,
die Platina aber
22_mahl. ~

/|P_182

/reben gewachsene Gold. Ungarn ist reich an Gold %und Sil-
berbergwerken. In Chemnitz ist das beste Gold.

/2. Silber ist an vielen Orten der Welt. In den Berg-
werken Potosi *1 oder in de_la_Plata in Südamerica am
häufigsten anzutreffen. Man findet daselbst Klum-
pen Silbererz ohne Saalbänder, als wenn sie ausgeschmol-
zen wären. Man findet hier auch Gebeine von India-
nern, die vor vielen Iahren erstorben %und darauf mit
Silber durchwachsen sind. In Asien ist fast kein Silber,
daher ein großer Gewinst in China mit Umsetzung
des Silbers gegen Gold, denn da sich hier verhält Gold:
Silber = 14:1 so verhält sichs dorten = 11:1.

/3. Kupfer entweder aus Erz oder aus Cimentwaßer.
Das Fahlurische Kupferbergwerk ist eins der berüm-
testen. In Iapan ist ungemein viel Kupfer. Die Ci-
mentwaßer sind Kupfer in vitriolischen Waßer
aufgelößt; worauf das Kupfer durch die Praecipi-
tation gezogen wird, wie bey Neusohl in Ungarn.
Messing wird aus Kupfer mit Galmey vermischt
gemacht. Galmey wird in Pohlen sehr häufig ge-
funden, %und ist ein Halbmetall.

/4 In Engelland in Malacca sind die besten Sorten ~

/|P_182R δZ_03

/20.000.000 Piaster
alle Iahr.

/

/*1 und in Mexico

/

/δZ_08

/Scheidewaßer ist
Salpeter-Geist,
lößt nicht das
Gold auf sondern
Aqua regis.

/

/δZ_13

/Die Berg_Leute
vom Leder, vom
Feuer %und von den
@Federn\Faden@.

/

/δZ_17

/Ueber Arabien ist
stets der indische Han-
del gegangen, wodurch
die Araber das Gold
erhalten; denn sie
selbst haben keines. ~

/|P_183

/Tutenay; in China %und den anliegenden Gegenden ist eine
Art weißen Zins, oder weißen Kupfers, welches aber
mit Galmey versetzt worden, wodurch es ziehbarer
wird. Man macht da von die Tutenacdosen.

/5. Eisen ist allenthalben. Nur ist ein Eisenstein reich-
haltiger, als der andere Eisenerz, wird nicht eher vom Mag-
net angezogen vom Magnet, bis es durch die Hitze des
Ofens gegangen. Man findet Eisen in allen Pflan-
zen, Holze, ja sogar im %menschlichen Blute, Fleisch %und Kno-
chen findet man Eisentheilchen. Die in Peru wusten,
vor der Ankunft der Spanier nichts von Eisen, %und
machten ihre Beile, Meißel u.s.w. aus Kupfer. In
Africa an Senegal %und in Guinea ist der meiste Han-
del der Europäer mit Eisenstangen, %und der Werth eines
Negers wird nach Eisenstangen gerechnet.

/≥ Halbmetalle. ≤

/1. Quecksilber In den Bergwerken von Hydrien %und
Friaul ist es am häufigsten %und wird zuweilen ganz
rein geschöpft. Am meisten stekt es in Zinnober.
Die Bergleute in Hydria bekommen danach starkes
Zittern %und großen Durst. Wenn sie ins Bad gebracht
werden, so schlagen aus ihrem Leibe Kügelchen Qüeck-  ~

/|P_183R δZ_01

/Zinn wo nur der 5te
Theil Bley drin ist
nennt man schon %Englischen
Zinn.

/

/δZ_11

/Die Materie wovon
die Bleystifte ge-
macht werden, ist
eine Art Erde welche
%vorzüglich in Engelland
angetroffen wird. ~

/|P_184

/silber aus. Die Ratten %und Mäuse bekommen hier Convul-
siones %und sterben. Einige Arbeiter sind davon so durch-
drungen, daß eine kupferne Münze in ihrem Munde weiß
wird, oder wenn sie sie mit Fingern reiben, wird ein Wei-
zenkley vors Ausdünsten bewahret.

/2. Antimonium oder Spiesglaß ist %schwärzlich %und wie Bley
anzusehen, ist spröde. Flintenkugeln daraus sind giftig.

/3. Wismuth ist sehr spröde %und gelblich.

/4. Zink ist weißlich blau %und eine Art Bleyerz aber härter,
setzt sich an die Goslarsche Schmelzofen, beym Schmelzen
des Bleyerzes, wo es häufig abgekratzet wird.

/5. Galmey gehöret zu einer Gattung Zink, durch deßen
Zusatz zum Kupfer wird Meßing gemacht.

/6. Arsenik ist halb ein Metall, halb ein Salz, denn er
lößt sich vollkommen im Waßer auf. Der Kobald
%und Operment sind Arten davon

/≥ 2. Brennliche Mineralien %und andere flüßige
brennbare gegrabene Wesen. ≤

/1. Naphta ist weiß, zieht die Flamme an, quillt bey
Bagdad %und Bocker in Persien aus der Erde.

/2. Petrolium ist %röthlich oder dunkelfarb, zieht nicht
die Farben an.

/3. Bergtheer ist dem vorigen sehr ähnlich, aber dicker

/|P_185

/%und klebrichter, stinkt sehr, wird auch Teufelsdreck ge-
nannt.

/4. Der Börnstein scheint aus gehärtetem Naphta
oder Steinoel entstanden zu seyn. Keyßler berichtet,
daß in Italien, an den Orten, wo Börnstein gegra-
ben wird, auch Petrolium quillt. Das Meersalz
mag seine Verhärtung gewirkt haben, %imgleichen eine
zarte Erde.

/5. Ambra ist erstlich flüßig gewesen %und wird
auch öfters so aus der See gefischt, %vornemlich an
den chinesischen %und japanischen Küsten. Allein in
dem Magen des Wallfisches wird er hart gefunden,
der graue Ambra ist der schönste %und wird mit
Reißmehl vermengt.

/6. Guajath ist ein schwarzer Börnstein, leßt sich
schön poliren, schwimt aber auf dem Waßer, ist in
Kron Wallis in Engelland im Wirtembergischen
Lande zu finden.

/7. Erdenpech oder Iudenpech, Asphalt scheint ein ver-
härtetes Erdtheer zu seyn, ist im Meerwaßer
%vornemlich im todten Meer aufgelöset.

/8. Steinkohlen werden %fälschlich vor Holtz, das mit

/|P_186

/Petrolium durchdrungen gehalten, obgleich dies hin
%und wieder anzutreffen ist. Es sind vielmehr Schie-
fer, die mit Steinöhl oder <Erde p.p.> durchdrungen sind. Bey
Newcastle in Engelland die häufigsten, %imgleichen fast an
allen andern Orten. Der Agath ist von ihnen nur
darin unterschieden, daß er anstatt einer steinig-
ten Substanz, eine steinigte Erde zur Basi hat.

/9 Schwefel ist eine Vermischung von 14 Theilen von
vitriolischer Säure %und 1 Theil %brenlichen Waßers, wird
am meisten aus Schwefelkiesen «gemacht» genommen.
Man findet auch gewachsenen reinen Schwefel
bey feüerspeienden Bergen. Der Schwefelkies
bey den Alten Pyrites genannt, ist eisenhaltig,
hart, %und schlägt mit dem Stahl Feuer. Es giebt
auch Kupferkies oder Markesite, die aber hievon
sich unterscheiden. Wenn dieser Kies sich auswittert,
so schlägt der Schwefel aus.

/≥ Von den Salzen. ≤

/Es sind entweder saure, oder alcalische, oder Mittel-
salze, die aus beyden zusammen bestehen. Zu den ersten
gehöret der Vitriol, der entweder kupferhaltig ist
%und blau, oder eisenhaltig %und grau ist.

/Alaun hält außer der vitriolischen Säure eine ~

/|P_186R δZ_19

/Der mehreste Salpe-
ter kömt aus Benga-
lien ~

/|P_187

/Mergelerde; in Solfatra wird Vitriol %und Alaun
gekocht, %und zwar in bleyernen Keßeln durch die
bloße Hitze des Landes.

/Das %mineralische %und alkalische Salz wird sehr selten
gefunden.

/Das Sal ammoniacum ist nicht aus dem Mine-
ralreich, sondern weil wenig Salz in Egypten ist,
so brennet man getrokneten Mist von Thieren mit
untermengtem Stroh. Aus dem Ruß davon, mit
dazu gemengten Kochsalz, wird das Salammonia-
cum praeparirt. Man macht es auch in Sulphatara.

/Mittelsalze sind %eigentlich Kochsalz. Es wird ent-
weder aus dem Meerwaßer, oder den Salz-
qüellen, oder den Salzbergwerken genommen. Das
gediegene Salz in den Bergwerken ist an vielen
Orten der Erde anzutreffen. Bey Cracau sind
die berümtesten.

/Salpeter erzeügt sich in der Natur nicht von sel-
ber, sondern das alkalische wird dazu gesetzt,
daher Mauren, wo der Salpeter anschießen soll,
mit alkalischen Salze müßen durchdrungen
seyn.

/≥ Von den Steinen

/|P_188

/Alle Steine sind ehedem flüßig gewesen. Man
findet nicht allein im harten Fels Dinge frembder
Art, sondern selbst im Crystall, in einigen Natura-
lien Cabinetten, Büschel von Rehhaaren, einen
Tropfen Waßer %und andere Dinge mehr. Man siehet
auch Tropfsteine entstehen %und ein mit subtilen ir-
dischen Theilen %und einem salzigten Wesen angefüll-
tes Waßer kan einen Steinsaft abgeben, der zer-
brochene Steine wieder zusammen wachsend macht.
Wenn dieser Steinsaft mit vielen Salzparti-
kelchen angefüllet ist, so macht er Crystall, oder
allerley Gattungen von diesem, welche eckigt zu-
sammen gewachsene Steine sind. Nachdem der Stein-
saft sehr verfeinert, %und mit %mineralischen Theilen
angefüllet ist, können auch Edelgesteine daraus
erzeügt werden. Man weiß, daß noch anjetzo
in Kalkklumpen sich Feuersteine erzeugen, so daß
die Versteinerung nach %und nach von innen anfängt.
Auf diese Weise hat %erstlich ein salzigt Waßer den
subtilen Erdschlamm geklumpet, hernach aber durch
Vermehrung der Salzpartikeln nach %und nach in Kieseln
verwandelt. ~

/|P_188R δZ_02

/Congelation.

/Alle Art von
Materi die so aus
dem flüßigen ins
feste übergehen,
daß kein zwischen
Augenblick unter ih-
nen angetroffen wird
Schießen immer
regelmäßige Figuren
an.

/Coagulation.

/Wo die Füßigkeit
zur Festigkeit
übergehen, verhält
es sich nicht so.

/Congu«l»rlirte Steine
Marmor ~

/|P_189

/≥ Von den Edelgesteinen. ≤

/Sie müßen überhaupt der Pfeile wiedersten, %und an Glanz- 
oder Durchsichtigkeit %und an Farbe etwas %vorzügliches haben.
Der Diamant ist der härteste unter allen, kan nur
mit seinem eigenen Pulver geschliffen werden, ist
der schwerste. Daß er sich in Bocksblut auflöse
ist eine Fabel. Ein Diamant von 1 Gran wird 6 bis
10 %Reichsthaler werth geschätzet, %und der fernere Werth ist
wie das δ_Figur des Gewichts. zE Einer von 18 %@Gran@ wird die
600 %Reichsthaler gelten, sein Gewicht wäre 40 Karath;
ein Karath war 1/24 einer Mark, %und hält 4 %@¿¿¿@

/Der Florentinische Diamant wiegt 139_1/¿¿¿
Karath. Der berühmte Diamant, den Pitt an den
%herzoglichen Regenten von Frankreich verkaufte, wog
144 Karath. König August bot ihm 800.000 %Reichsthaler,
der Herzog von Orleans aber gab ihm 300.000 %Reichsthaler.
Die abgebrochenen Stücke galten 36.000 %Reichsthaler. Im
Mogulschatze ist einer von 279 Karath. Die Dia-
menten sind in Ost- %und Westindien anzutreffen,
am mehresten aber im galatischen Gebürge,
welches durch die Halbinsel dießeit des Ganges
läuft. Sie liegen in einer Schicht von rothem %und gel-  ~

/|P_189R δZ_02

/Eine Octaedrische
Gestalt. @%.Diamant@

/In gewißen Er-
den werden die De-
manten gefunden.

/4 Gräne macht 1 Ka-
rath %und 1/18 vom %Ducaten
ist ein Karath

/Brillanten, Ro-
sensteine, Dick-
steine, Tafelsteine.
Der Dickstein kan
angesehen werden
als ein roher @«Bril»Dia-
«lant»mant@. Die Ober-
fläche eines jeden
Brillanten ist ein
Achteck. Wenn
der Brillant sein
rechtes Feuer haben
soll, so muß noch
mahl so viel im
Kasten als in der
Krone seyn. ~

/|P_190

/blichten Sande, wie die Kiesel. Im Königreiche Golcon-
da, ist über der Diamantenschicht ein %mineralisches Stra-
tum, welches eisenhaltig zu seyn scheinet. Zu Visiapour
sind deren gleichfalls %und überhaupt liegen die Diaman-
ten in einer rothen Erde, als ihrer Muttererde, wie
die Feüersteine %und die Kreide.

/In Brasilien sind sie in neüern Zeiten, %und zwar sehr
häufig entdeckt worden, da sie vordem für Kiesel-
steine gehalten wurden. Fast in einerley Preise mit
dem Diamant ist der Rubin, der fast einerley
Farbe, Schwere %und Glantz mit ihm hat, nur roth %und
durchsichtig ist. Ist er scharlachroth so heißt er Ru-
bin; ist er gelbroth, so heißt er Hyacinthe

/Sapphir ist ein hellbrauner Stein, durchsichtig %und hart,
in eben dem Werthe, wie die vorigen. Der Smaragd
ist %vortreflich grün. Nachdem er härter ist, nachdem
gilt er auch mehr im Preise. Im Kloster Reichenau
ist der große Smaragd von Carolo %Magno. größer
als ein Foliant 2 %Zoll dick %und 28 Pfund schwer. Iedes
Pfund wird 50.000 %@¿¿¿@ %und also er ganz 1.400.000 %@¿¿¿@ gerechnet.

/Der Amethyst ist durchsichtig, violblau, welches ins röth-
liche fällt.

/Der Topas gelb, entweder goldgelb, oder weißgel-
blicht, er ist nicht so hart als der vorige. ~

/|P_190R δZ_01

/Man rechnet
daß der Demant,
die Hälfte, durchs
Schleifen ver-
liehrt.

/Brillant von
1 Karath wird
120 %Reichsthaler geschätzt.

/

/Den Rosenstein
rechnet man den
5ten Theil so viel
als der Brillant.

/Die Folie vom
Demant, ist schwarz.

/Das Pulver vom
jeden Stein ist
weiß, vom Demant
aber grau. Er
ist der einzige
Stein, welcher im
Feuer versprühet.

/Der Peterburgi-
sche Rosenstein ist
979 Karath. ~

/|P_191

/Der Türkis ist ein %grünlich blauer Stein. Man findet ihn
auch in Frankreich, unter der Gestalt des Thierknochens,
wo er durch Rösten seine Farbe bekömt.

/Opal ist von einer halb durchsichtigen Milch-Farbe,
die aber gegen das Licht allerhand Farben spielt.

/Chrysolith ist durchsichtig %und goldfarbigt, fällt sei-
ne Farbe ins %grünliche, so heißt er Chrysopas; ins Meer-
grüne, so heißt er Ber«y»ryl. Der rothgelbe Rubin
heißt Hyacinth, einige aber sind braungelb, honig-
farb, halb oder ganz durchsichtig.

/≥ Halbedelgesteine. ≤

/sind nicht so hart als jene, aber härter als die gemeine

/Crystall oder Bergcrystal schießt im Schweizerge-
bürge eckicht an, ist oft sehr groß.

/Carniol icht sehr hart, roth, durchsichtig, ist er fleisch-
farbigt, so heißt er Sarder.

/Achat ist vielfärbig, bisweilen ist er weiß.

/Chalcedon ist milchfärbig, %und kaum halbdurchsichtig.

/Onyx ist ein Achat mit weißen %und schwarzen Streifen.

/Sardonyx hat weiße %und gelbe Streifen oder Puncte.

/Lapis Lazuli ist blau mit weißen Flecken, ist mit
Gold eingesprengt; daraus macht man das Ultrama-
rin, eine Blaufarbe, die so theuer als Gold ist. ~

/|P_191R δZ_02

/Der Kalk enthält
den 3ten Theil elas-
tische Luft, der mensch-
liche Blasenstein
aber die Hälfte.

/Man könte also fast
glauben daß der
Diamant wohl 3/4
Theil elastische Luft
zu fast lauter Luft
sey.

/Der Schmergel ist
ein Kieselerde, mit
Eisen durchzogen.

/Im Regenbogen ist
die Ordnung so
Roth Orangegold,
goldgelb, grün, himmel-
blau, Indigo, violet.

/

/Gold, bley, Sibler
Kupfer, Eisen, Zinn,
wenn diese Metalle,
calcinirt werden, @¿¿¿-
¿¿¿@ @Roth@, Bley fält
orangegelb, Silber
goldgelb, Kupfer grün ~

/|P_192

/≥ Von der mosaischen, %und florentiner Arbeit. ≤

/Opus musiuum (mosaische Arbeit) wird aus Glasgüßen
von verschiedener Farbe, die in dünne Tafeln gegoßen
%und in feine Stifte wie Nadeln geschnitten werden,
in einen Teig von calcinirten Marmor, Gummi, Eyer-
weiß %und Oel zusammengesetzt, so daß Portraite gleich-
sam daraus punctiret werden. In einem solchen
von 2 Quadrat sind 2.000.000 Stifter. Man poliert
es hernach wie ein Spiegel. An einem Stück von 80
Quadrat bringen 8 Künstler 2 Iahre zu. In der
Peterskirche zu Rom sind sie häufig. Florentiner
Arbeit wird auf dieselbe Art aus Edelgestei-
nen zusammengesetzt.

/≥ Andere Steinarten. ≤

/Marienglas ist aus durchsichtigen öfters großen
Blättern zusammengesetzt %und schmilzt nicht im grösten Feuer

/Iaspis ist dem Feüerstein an Härte ähnlich, aber vielfärbig.

/Asbest ist ein wäßerichter Stein, der geklopft %und
gewaschen, kann gesponnen werden, daher die %unverbrenliche
Leinwand %und Pappier. Amiant ist eine Gattung davon,
mit geraden %und biegsamen Fäsern.

/Marmor zerfällt im Feüer zu Kalk. Er hat entweder
einerley Farbe, oder er ist gesprenkelt %oder geädert.

/Der Florentiner Stein ist ein Marmor. Man brent
daraus Gips. ~

/|P_192R δZ_01

/(In Peru sind 2)
Berge, wo <der> Sapphir
%und Rubin angetrof-
fen wird.

/

/Kupfer mit Eisen
vermischt, himmelblau,
Kupfer «violet»
Indigo, Zinn vio-
let.

/

/Der %orientalische
Opal komt dem
Demant am Wer-
the %und Härte bey.

/

/Es giebt 3erley
@Plata@-Steine, %nemlich
Kalk, Tohn %und Kisel
Steine, die Ursache
weil es so viel
Erden giebt. zu %den
erstern gehören alle
Marmor. Der
Marmor von Mas-
sacarano
ist %der beste. ~

/|P_193

/Quarz füllet die Riße der Felsen an, %und ist ohne Zweifel
aus einem mit Salz imprägnirten Waßer, was Steinteilchen
mit sich geführet hat, entstanden.

/Der Serpentinstein ist fleckigt, auf grünlichem Grunde.

/Porphyr ist sehr hart %und roth, aber mit Flecken garnirt,
hat bisweilen andere Farben.

/≥ Noch einige andre Steine %und Erdarten. ≤

/Bimstein ist eine ausgebreitete Steinkohle, von der
besten Art der Kohlen, wird also in die Gegend
der feüerspeyenden Berge am meisten gefunden.

/Der mexicanische Steinschwamm, ein sehr trokner loke-
rer Stein, findet sich im mexicanischen Meerbusen
an den Felsen. Man läßt das Waßer durch ihn durchsei-
gen, %und giebt vor daß er als dann sehr gesund sey. Er wird
sehr theüer bezahlet.

/Bologneser Stein ist klein, weißgrau, von ungleicher
Fläche, schwefelhaften Theilen, nicht fest, aber schwerer
als nach Proprotion seiner Größe, wird in verschiedenen
Gegenden Italiens, oft von der Größe einer welschen
Nuß gefunden. Durch die Calcination bekomt er die Ei-
genschaft am Tage Licht ein zu saugen; eines brennenden
Lichtes Schein giebt ihm schon Kraft, aber nicht der Mond, hat
einen schwefelichten Geruch. Balduin ahmt ihm bald her-
nach aus englischer Kreide %und Spiritu nitri nach.

/Man gräbt oft Steine auf, die nicht die Natur, sondern ~

/|P_193R δZ_01

/Auch Alabaster.

/Wen die Kalkerde
mit Vitrioloehl
gesättigt ist, so
wird es Gyps

/

/In Egypten hat man
%vorzüglich mit Granit-
ten %und Porphir gebaut.

/Balus ist ein fein
versteinerter Tohn.

/

/In der Grafschaft
Moutsfeld %und Hohen-
stein findet man
besonders Schiefer.

/In den Schiefern scheint
viel Metall darin
zu seyn, weil sie
im Feüer schmelzen.

/Marienglas ist ein
Kalkstein, das rus-
sische Frauenglas
aber in Thonstein,
welcher in Siberien
angetroffen wird.
Die Römer wußten
Asbest zu machen,
worin si«ch»e die vor ~

/|P_194

/die Menschen gebildet haben, als steinerne Aexte, Was-
serpfeile, %imgleichen in der Schweitz an einem gewißen Orte
eine ungemeine Menge steinerne Würfel, mit ihren
Zeichen von 1 bis 6 bezeichnet.

/≥ Von den Erden sind

/Die Siegelerde (terrae sigillatae) von Lemnus, Malta %imgleichen
Arigna %und Liegnitz zu merken. Sie sind alle etwas
fett, kleben stark an der Zunge, werden bey Fleck-
fiebern %und Durchfall gebraucht.

/Umbra ist eine braune Kreide aus Umbra oder Spo-
leto in Italien<, führt etwas Erdpech bey sich.>

/Adlersteine heißen auch sonst Klappersteine, haben
in der Mitte einen Stein, der das Klappern verursacht.

/Es giebt riechende Steine oder Violensteine %imgleichen
Micksteine, in den neüern Zeiten, ist ein Stein von
der besondern Eigenschaft entdekt worden, daß
er die Asche wie der Magnet das Eisen an sich
zieht.

/≥ Von den Versteinerungen

/Das meiste Flußwaßer hat zarte versteinerte
Theile in sich. Der vorige_Kayser ließ einen Pfahl von
der Donau-Brüke in Servien herausziehen, %und man fand,
daß ob er gleich seit Trajans Zeiten gestanden, dennoch
die Versteinerung kaum einen Finger breit ins Holz
gedrungen. Man wird durch %dergleichen verglichene Beobach-  ~

/|P_194R δZ_02

/nehmsten verbren-
nen, %und also die Asche
%und Knochen, in die-
ser Leinwand <ver>bleiben.

/Die eine Nation
glaubte daß der
Körper der Seele
ein Hinderniß sey
%und verbranten ihn
daher, andre wieder
daß der beste
Aufenthalt der
Seele im Körper
sey, %und balsamir-
ten ihn daher.

/Das Verbrennen
%und Balsamiren
der Körper scheint
also eine Idee
zum Grunde zu haben. ~

/|P_195

/tungen, etwas aufs Alterthum unsers Weltkörpers
schließen können, wenn alle Waßer eine gleiche versteinern-
de Kraft hätten. Die Versteinerungen werden am häu-
figsten in Kalksteine, Marmor, Sandsteinen, Schiefer,
Tuschsteinen %und Feüersteinen gefunden. Man findet ver-
steinerte Erdthiere oder ihre Theile, als in der Schweitz
ist ehedem, ein versteinert Schiff mit vielen Menschen
aus dem Gebürge gezogen worden. Man findet Gewei-
he von Hirschen, Elephanten Zähne pp in der Erde; bis weilen
aber Zähne von sehr großen Thieren, deren Originale
uns unbekant sind. Man hat Vogelnester mit ihren
Eyern versteinert gefunden; Schlangen, Kröten
gleichfalls. Versteinerte Seethiere. Die Schlangen
zeügen δLücke sind Zähne des Hayfisches. In den
Kupferschiefern in Teütschland, findet man genaue
Abdrücke von Fischen. Man findet Zähne von Walroß.
Die Ammons-Hörner sind versteinerte Nautili. Ich
übergehe die schaalichten Seethiere, davon man ungemein
viel Gattungen unter den versteinerten Seethieren
findet. Versteinertes Holz ist gemein. Versteinerte
Wurzel, in einer mergelartigen Steinart heißen @Beinbuch@
oder «o»Osteocolla. Abgedrukte Blätter, Früchte, Mandeln Dat-
teln, Pflaumen pp das seltenste ist eine Melone von dem

/|P_196

/Berge Libanon, daran man alle Kerne, Fächer, %und Häute deut-
lich darin sehen kann. Es sind auch Versteinerungen, deren
Ursprung unbekant ist, als die Donnersteine der Bale@multen@,
welche einige vor Dactylos marines, andere vor Stacheln «der»von
Meerigeln halten. Dazu gehören die Iudensteine, die wie
Oliven aussehen, die Krötensteine, Buffoniten sind kleine
halbrunde, hellbraune Steine, welche einige vor Backzähne
des Hayfisches halten.

/≥ Vom Ursprung der Mineralien

/Der Erdkörper so weit wir in ihm durch Graben gelangen
können, bestehet aus Stratis oder Schichten, davon eine über
die andere bald horizontal, bald nach einer oder der andern
Gegend geneigt fortlaufen, bisweilen hie %und da unter-
brochen sind. Diese können nicht anders als in den großen
Revolutionen der allgemeinen %und oft wieder erneüerten
Ueberschwemmungen durch den Absatz %mancherlei Schlamms
erzeugt worden seyn. Es sind Schichten von allerley
Gestein %und Schiefer, Marmor %und Fels, von Erden pp Das
sie bildende Waßer, welches auch noch im Grunde des
adriatischen»> Meeres, eine Steinschicht nach der andern bildet, hat ohne
Zweifel viel Mineral %und manche Gattungen von Steinen,
durch die Zusammensetzung von «s» verschiedenen Materien
gemacht, welche in den Schwefelkiesen, den sauren vitrio-
lischen Materien %und %andern %mehr in der innern Erde vorgehen,
durch die Ausdämpfungen der arsenikalischen Materie, oder

/|P_197

/sauren %und sulphurischen Dämpfen %und Zusammensetzung
mit einer subtilen metallischen Erde nach %und nach in den
Gesteinen erzeügt zu seyn, %und erzeügen sich noch ferner.
Gemeiniglich liegt eine Gattung Erz in einem Stein
oder Fels als seiner Mutter %und in keiner von den
obern %und untern Schichten, weil diese vielleicht alle
diese Dämpfe gehörig anzeigt %und vereinbaret. Die Na-
tur würkt langsam %und Iahrhunderte durch, durch einen
langsamen Ansatz. Menschen also die geschwinde und
plötzlich solche Zeügungen hervorbringen wollen, betrü-
gen sich gemeiniglich wenn sie Metall aus ihren Princi-
piis zusammensetzen wollen zE als Gold. Man bringt
zwar falsche Edelgesteine zuwege, aber es feh-
let ihnen die Härte %und die genaue Vereinigung
der Materie.

/δRest_leer

/|P_198

/≥ Der physischen Geographie
/III. Theil
/Summarische Betrachtung der vornemsten
Natur-Merkwürdigkeiten aller Länder, nach
geographischer Ordnung.

/I. China. ≤

/Im nordlichen Theil dieses großen Reichs,
sind die Winter kälter, als in gleicher Parallel
in Eüropa gefunden wird. Dieses Reich ist ohne Zwei-
fel das volkreichste %und cultivirteste in der ganzen
Welt. Man rechnet in China so viel Einwohner als
in ganz Eüropa zusammen. Fast durch jede Provintz
sind Canäle gezogen, aus diesen gehen andere klei-
nere zu den Städten %und noch kleinere zu den Dör-
fern. Ueber alle diese gehen Brücken mit einigen
gemauerten Schwiebbogen, deren mittelster Theil
so hoch ist, daß ein Schiff mit Masten durchse-
geln kan. Der große Canal, der von Canton bis
Peking reicht, hat an Länge keinen andern seines
gleichen in der Welt. Man hebet die Schiffe durch
Krähne, %und nicht wie bey uns durch Schleusen aus einem
Canal in den andern, oder über Waßerfälle.

/Die chinesische Mauer ist mit allen Krümmungen ~

/|P_198R δZ_02

/Die Wanderungen
der Völker sind
stets von Osten
nach Westen gewe-
sen.

/Es ist kein Land,
wo die Natur scheint
alle ihre Kostbar-
keiten so zusammen
gehäuft zu haben,
als in Indostan.

/@du_Pon@ merkt an
daß in ganz China
nicht mehr als 80
Millionen Menschen
sich befinden, also
nicht so stark als
Teütschland bevölkert
in welchem 24 Mil-
lionen Menschen sind
%und doch nur den
6ten Theil so groß. ~

/|P_199

/gerechnet 300 teütsche Meilen lang, 4 Klafter dick,
5 hoch oder wie andere berichten, 5 Ellen dick %und 10
hoch. Sie gehet über erstaunende Berge %und Flüße, die
durch Schwibbogen, hat schon 1800 Iahre gestan-
den. Die chinesische Städte sind alle, so fern es
der Grund leidet, accurat ins Viereck gebauet, %und
durch 2 Hauptstraßen in 4 Viertheile getheilet,
daß die 4 Thore, gerade gegen die 4 Weltgegen-
den stehen; die Mauer der Stadt Peking, ist beynahe
100 %Fuß hoch. Der Procellain Thurm in Nanking ist
200 %Fuß hoch, %und in 9 Stockwerk getheilet. 400 Iahr ge-
standen; bestehet aus Procellain, ist das schönste
Gebäude im Orient.

/≥ Sitten %und Character der Nation

/Die Chineser sehen jedermann für schön an, der lang
%und fett ist, kleine Augen, breite Stirn, kurze Nase,
große Ohren, %und wen er eine Mannsperson ist, grobe
Stimme %und großen Bart hat. Man ziehet sich mit
Zänglein die Barthaare aus, %und läßt nur einige
Büschlein stehen. Die Gelehrten schneiden sich die
Nägel an ihrer linken Hand niemahls ab, zum Zeichen
ihrer Profeßion. ~

/|P_199R δZ_01

/Die Erlaubniß die
Kinder wegzunehmen,
die Unsicherheit vor
Diebe welche in ganzen
Haufen kommen, ist ein
Zeichen ihrer schlech-
ten Policey.

/Ein Caßtraat scheint,
immer ein bösartiger
Mensch zu seyn.

/Die Chineser die vor-
dem so viele Kinder
castriren ließen,
scheinen zur Absicht
gehabt zu haben, ihre
Kinder gut versorgt
zu sehen, weil die
ansehnlichste Aemter
an selbige vertheilt
wurden, welches vie-
leicht daher kam, daß
diese nicht so leicht
einen Anfang in der
Familie haben kon-
ten, die Tartarn die
seit 100 Iahren ohngefähr ~

/|P_200

/Der Chineser ist von einem ungemein ge-
laßenen Wesen: Es ist ihnen nichts verächt-
licher als in Iachzorn zu gerathen. Er hält hinter
dem Berge, %und sucht die Gemüther anderer zu
erforschen, betrügt ungemein künstlich.
Sie könen ein zerrißenes Stück Seidenzeüg
so nett wieder zusammen nehen, daß es der
aufmerksamste Kaufmann nicht merkt,
%und zerbrochenes Procellainzeüg flicken sie mit
durchgezogenen Kupferdrath so zu, daß keiner
%anfänglich den Bruch wahr nimt. Er schämt
sich nicht wenn er auf den Betrug betroffen
wird, als nur in so fern er dadurch, einige Unge-
schiklichkeit im Betruge hat blicken laßen.

/Er ist rachgierig, aber er kan sich bis auf beqüeme
Gelegenheit gedulden. Niemand duelliret sich.
Er spielt ungemein gern, ist feige, sehr arbeitsam,
sehr unterthänig, %und dem Complimenten bis zum
Uebermaaße ergeben, im hartneckigten Verehrer
der alten Gebräuche, %und in Ansehung des künftigen
Lebens, so gleichgültig wie möglich. Das chinesi-
sche Frauenzimmer, hat durch die in der Kindheit ~

/|P_200R δZ_01

/in diesem Lande re-
gieren, haben diesen
heßlichen Gebrauch
abgeschaft. Am Ho-
fe des Kaysers
von China waren
%vordem wohl 12.000
Crastaaten. ~

/|P_201

/geschehene Einpreßung, nicht größere Füße
als ein Kind von 3 Iahren. Es schlägt die Augen
immer nieder, zeigt niemahls die Hände, ist
sonst schön genug.

/≥ Eßen %und Trinken

/In China ist alles eßbar bis auf Hunde, Katzen,
Schlangen, u.s.w. Alles Eßbare wird nach Ge-
wicht verkauft, daher füllen sie den Hünern den
Kropf mit Sand. Ein todtes Schwein, wenn es
mehr wiegt wie ein lebendiges, gilt mehr. Daher
der Betrug lebendige Schweine zu vergiften, %und wenn
sie übers Bord geworfen werden, wieder auf
zu fischen. Man hat anstatt der Gabeln 2 Stäb-
chen von Ebenholz. Sie haben auch keine Löffeln.
Sie sitzen nicht wie andre orientalische Völker
auf der Erde, sondern auf Stühle. Ein jeder hat
sein eigen Tischgen beym Tractament. Alles Ge-
tränke wird bey Ihnen warm getrunken,
sogar der Wein, %und das Eßen genießen sie
kalt. Bey Gastmählern schlägt einer den Tact,
%und dann heben alle ihre Gabelstöckchen zugleich
auf %und eßen, oder heben ihr Taßen zugleich auf %und

/|P_202

/trinken, oder thun nur als wenn sie tränken.
Der Wirth giebt die Zeichen, wenn sie anfangen,
etwas zum Munde zu bringen, auch wenn sie
absetzen sollen. Alles geschicht wohl 3 Stunden
still schweigend. Zwischen der Mahlzeit %und Nachtische
spaziert man im Garten. Dan kommen Comoedianten
%und spielen alberne Poßen. Sie tragen Wachteln
in der Hand, um sich an ihnen als Muffen zu wärmen,
die Tartarn machen Bier %und Brantwein aus
Pferdemilch, %und ziehen ihn über Schöpsenfleisch
ab, wodurch er einen starken aber eckelhaften
Geschmak bekömt.

/≥ Complimenten. ≤

/Niemand in China flucht oder schimpft. Alles
was ein Gast, wenn er sich meldet, wenn er den
Besuch abstattet, vor Geberden %und Reden führen
soll, was der Wirth dabey sagt %und thut, ist in
%öffentlich herausgegebenen Complimentir Büchern
vorgeschrieben %und es muß nicht ein Wort davon
abgehen. Man weiß, wie man %höflich etwas ab-
schlagen soll %und wenn es Zeit ist sich zu beque-
men. Niemand muß sein Haupt beym Grüßen
entblößen.

/|P_203

/Dieses wird vor eine große Unhöflichkeit ge-
halten.

/≥ Ackerbau, Früchte %und Manufacturen. ≤

/Die Hügel werden in Terraßen abgestufft.
Der Mist aus Städten auf den Canälen her-
bey geführet, trokene Landereyen unter Waßer
gesetzt. Ein jeder, auch der kleinste Fleck Lan-
des wird genutzt. Der Talgbaum ist oben erklä-
ret worden. Vom Wachsbaum berichtet Salmon,
daß ein Insect wie eine Fliege, nicht allein die
Blätter, sondern auch bis auf den Kern oder
Stamm, die Baumrinde durchstechen, woraus das
weiße Wachs, wie ein Schnee tropfenweise
hervorquillt. Der Theestrauch, Bambusrohr,
von welchen sie fast alle Geräthe, auch so gar
Kähne machen; aus deßen Rinde wird das
überfirnißte Papier verfertiget, welches
sehr dünne %und glatt ist, aber von Würmern leicht
verzehret wird; daher ihre Bücher immer müssen
abgeschrieben werden. Rattang, oder ein zä-
hes chinesisches Rohr, wovon man Ancker-
thaue flicht, welche nicht so leicht faulen als

/|P_204

/die hanfene. Der Firnißbaum mit deßen Lack
die Chineser alles was in ihren Hausern ist, über-
firnißen. Die Wurzel Ginseng oder Mannswurzel,
weil sie sich in zwey Aesten gleich den Lenden
eines Mannes theilet. Der Kayser schickt jähr-
lich 10.000 Tartarn in die chinesische Tartarey
aus um diese Wurzel vor sich zu sammlen; das übrige
können sie verkaufen; sie ist ungemein theüer.
Die Seidenwürmer arbeiten auf den Maulbeer-
bäümen in den südlichen Provintzen von selber. Ihre
Seidenzeuge sind %vornemlich mit Figuren von einge-
webten Drachen ausgezieret. Ihre Tusche oder
chinesische Tinte wird aus Lampenruß verferti-
get, den sie durch Muscus wohlriechend machen.

/Der Kayser ackert alle Iahr einmahl öffent-
lich.

/≥ Von den Wissenschaften, Sprachen
und Gesetzen. ≤

/Ihre Astronomie ist zwar alt, %und in Peking ist
viele 100 Iahre vor Ankunft der Mißionarien
ein Observatorium gewesen. Allein ihr Kalender
war höchst falsch. Die Verkündigung der Finster-
niße erstreckte sich kaum auf den Tag, nicht
aber wie bey uns auf Minuten. Sie ziehen

/|P_205

/aber diese Verkündigung aus Tabellen; daher
man damit zusammen reimen kann, wie es %möglich
ist daß ihre Gelehrten glauben können, der Mond
oder die Sonne werden zur Zeit der Finster-
niße von einem Drachen gefreßen, den sie
mit Trommeln seine Beüte abzujagen suchen.
Es kan aber auch seyn daß dieses ein alter
Aberglaube von den Zeiten der Unwißen-
heit her ist, den die Chineser als hartnäckig-
te Verehrer alter Gebräuche noch bey behal-
ten, ob sie gleich deßen Thorheiten einsehen.
Die Kentniße der Mathematic %und anderer
Wissenschaften, haben die Predigt des Evan-
gelii, in China statt der Wunder gedienet. Die
chinesische Sprache hat nur 330 einsylbige Wör-
ter, welche alle nicht flectirt werden, aber
die verschiedenen Töne, Aspirationes %und Zusam-
mensetzung machen 53.000 Wörter aus. Die
Zeichen ihrer Schrift bedeüten nicht die Töne,
sondern die Sachen selber, %und mannigmal viele
Begriffe zusammen. Z.E. Guten Morgen mein
Herr, wird durch ein Zeichen ausgedrücket.
Die in Conchina %und Tunqüin, verstehen wohl

/|P_206

/der Chineser Schrift, aber nicht ihre Sprache. Ein
Gelehrter muß zum wenigsten 20.000 Cha-
ractere schreiben %und kennen lernen. Sie cu-
riren viele Krankheiten durch die Cauterisation,
oder durch Brennen mit heißen kupfernen
Platen. Einige Kayser %und andere haben sich
lange mit der Grille vom Trank der Unsterb-
lichkeit geschleppet. Die Buchdruckerkunst
ist so beschaffen: man klebt die Blätter
eines wohlabgeschriebenen Buches auf ein
glattes Brett %und schneidet die Caractere
in Holz aus. Die Chineser haben gradus
academicos. Die Candidaten zur Doctorwür-
de werden von dem Kayser %gemeiniglich selbst
examinirt. Mit ihnen werden die wichtigsten
Aemter besetzt. Weil alle ihre Archiven
von einem ihrer Kayser vor 2.000 Iahren,
sind vertilgt worden, so sind ihre alten
Historien bloß Traditiones. Ihr erstes
Gesetz ist der Gehorsam der Kinder gegen
die Eltern. Wenn ein Sohn Hand an seinen
Vater legt, so komt das ganze Land da-
rüber in Bewegung, alle Nachbarn kommen

/|P_207

/in Inquisition, %und er selbst wird condemnirt
in 10.000 Stücken zerhauen zu werden. Sein Haus
%und die Straße selber, darinnen er stand,
werden niedergerißen %und nicht mehr gebau-
et. Das 2te Gesetz ist Gehorsam %und Ehrerbie-
tigkeit gegen die Obrigkeit. Das 3te Ge-
setz ist Höflichkeit %und Complimenten. Diebstahl
%und Ehebruch werden mit Bastonnade bestraft.
Iederman hat die Freyheit in China die Kinder,
die ihm zur Last werden, weg zu werfen, zu
hängen oder zu versäufen. Dies geschieht weil
das Land so volkreich ist, das Heyrathen zu be-
fördern. Ungeachtet ihres Fleißes sterben
doch jährlich in einer oder der andern Provintz
viele 1.000 Hungers.

/In Peking wird %täglich eine Zeitung gedrukt, da
das löbliche oder tadelhafte Verhalten der
Mandrinen samt ihrer Belohnung oder Stra-
fe darinnen steht.

/≥ Religion. ≤

/Die Religion wird hier %ziemlich kaltsinnig trac-
tiert. Viele glauben keinen Gott, andere die
eine Religion annehmen bemengen sich nicht viel
damit. Die Secte der Io ist die zahlreichste.

/|P_208

/Unter diesem Io verstehen sie eine eingefleisch-
te Gottheit, die vornemlich den großen Lama
zu Barantola in Tibet anjetzt bewohnt, %und in
ihm angebetet wird, nach seinem Tode aber
in einen andern Lama fährt. Die tartari-
sche Priester des Io werden Lamas genannt,
die chinesischen Bonzen. Die catholischen Mis-
sionarien beschreiben die Glaubensarti-
kel von diesem Io so, daß daraus erhellet,
es müße dieses nichts anders, als ein ins gros-
se Heydenthum degenerirte %Christenthum seyn.
Sie sollen in der Gottheit 3 Personen sta-
tuiren, %und die zwote habe das Gesetz gege-
ben, %und für das %menschliche Geschlecht sein Blut
vergoßen. Der große Lama soll auch eine
Art des Sacraments mit Brod %und Wein admi-
nistriren. Man verehrt auch den Confucius
oder Cum-fa-en den chinesischen Socrates. Es sind
auch einige Iuden da, die so wie diejenigen auf der
Malabarischen Küste anzutreffen, vor Christi Ge-
burth schon dahin gegangen, %und von dem selbigen
gar nichts wißen. Die Secte des Io glaubt
die Seelenwanderung. Es ist eine Meynung unter

/|P_209

/ihnen, daß das Nichts der Ursprung %und das Ende
aller Dinge sey, daher eine Fühllosigkeit %und Ent-
sagung aller Arbeit, auf einige Zeit gottsee-
lige %Handlungen sind.

/≥ Ehen. ≤

/Man schließt mit den Eltern die Ehen, ohne
daß beyde Theile einander zu sehen bekom-
men. Die Mädchen bekommen keine Mitgabe,
sondern werden noch dazu verkauft. Wer
viel Geld hat, kauft sich so viel Frauen wie
er will. Ein Hagestolz ist bey den Chinesern
etwas seltenes. Der Mann kan wenn er den
Kaufschilling verliehren will, die Frau ehe
er sie berührt zurückschicken, die Frau aber %nicht.

/≥ Ausgeführte Waaren. ≤

/Thée bon, Singlo Thée %und Thée Bing, Queck-
silber, Chinawurzel, Rhabarbar, Rohr, ver-
arbeitete Seide, Kupfer in kleinen Stangen,
Kampfer, Fächer, Schildereyen, lackirte Waaren,
Porcellain, Soya, Borax, Lazursteine, Tu-
renagen. Indianische Vogelnester, sind
Nester von Vögel wie Meerschwalben, welche
vom Schaum des Meers, der mit einem in ihrem

/|P_210

/Schnabel generirten Saft vermenget wird, ist
weiß %und durchsichtig %und wird in Suppen gebraucht,
hat einen aromatischen Geschmack.

/≥ Tunquin. ≤

/hat vordem zu China gehört, liegt China gegen
Südwesten am nächsten. Die Hitze ist hier in
dem Monat um den längsten Tag größer
als unter der Linie. Hier sind die in der
Zona torrida angeführte Moussons regulär,
%nemlich vom Ende des April bis zum Ende des
Augusts Südwest %und Regen, vom August
bis %October häufige Typhons %vornemlich um Neu- 
%und Vollmonde mit abwechselnden %Süd_%West %und
%Nord_%Ost_Winden. Von %November bis April %Nord_%Ost
%und trocken Wetter. Die Ebbe %und Fluth ist hier
von derjenigen in den übrigen Welttheilen unter
schieden. Die erstere dauret 12 Stunden %und die
letztere gleichfalls. Von dem neuen Licht bis
zum ersten Viertel, gleichfalls vom hohen Licht
bis zum letzten sind hohe Fluthen. Die übrige
Zeit sind sie niedrig. In der Zeit der hohen
Fluth fängt das Waßer mit dem aufgehen-
den Monde an zu steigen %und in den niedrigen
Fluthen mit dem untergehenden. Wenn die

/|P_211

/Regen zur rechter Zeit ausbleiben, so verkau-
fen die Leute aus Noth ihre Kinder, Weiber
oder sich gar selbst.

/Das Land ist sehr volkreich. Die Einwohner
sind gelb %und wohlgeschaffen, haben glatte Gesich-
ter, glauben daß es ein Vorzug der Thiere sey
weiße Zähne zu haben, %und färben sich daher die-
selbe im 12-13 Iahre schwarz. Der Betel arac
herrscht bey Ihnen sehr, so wie im übrigen Indi-
en. Sie sind ehrlicher im Handel als die Chine-
ser, verkaufen auch Seidenzeuge %und lackirte Sa-
chen, Indianische Vogelnester %und Muscus pp
Sie haben viel mit der Religion %und Sätzen der
Chineser gemein.

/≥ Cochinchina. ≤

/In der Armee des Königs wird, so wie in
der von Tunqüin, die Probe mit den Soldaten,
die sich am besten zur Leibwache schicken, so
gemacht, daß man die, welche am meisten
%und hurtigsten Reiß freßen können dazu nimt, denn
diese hält man für die tapfersten.

/Die Nation ist nüchtern %und mäßig. Faule Fische
ist ihr bestes Gericht, sie sind trotzig, untreu, die-
bisch, ungerecht %und sehr eigennützig. Das Land ist

/|P_212

/arm. Man bietet die Weiber den Schiffern
für Geld an, %und die Weiber sind sehr begierig
danach.

/≥ Siam, ≤

/%und andere ihm zum theil zinsbare Länder. Die
Halbinsel Malacca ist reich an Pfeffer. Die
Hauptstadt Malacca war ehedem wegen der
berümten Straße von Malacca eine der
reichsten Städte im Orient, daher die Malayische
Sprache allenthalben so im Schwange geht.

/Im Konigreich Siam macht der Strom Me-
nan auch seine gesetzte Ueberschwemmung %und
zwar in den Sommermonaten. Der weiße
Elephant (sie haben selten mehr als einen) wird
aus goldenen Schüßeln bedient, es soll die
Seele irgend eines Prinzen in ihm wohnen,
nachst dem wird ein schwarzer Elephant sehr
hochgeschätzet. Der Siamische Hof, ist der präch-
tigste, unter allen schwarzen Höfen in Asien.
Die Häuser werden auf 6 Bambus Pfeilern
13 Fuß über der Erde wegen der Ueberschwem-
mungen erhöht, %und ein jeder hat zu der Zeit ein
Boot vor der Thür. Die Siamer sind furcht-
sam in Gefahren, sonst ohne Sorgen, nüchtern,

/|P_213

/hurtig etwas zu faßen, aber träge es zur
Perfection zu bringen, trotzig gegen demüthige
%und demüthig gen trotzige, sonst Herren über
ihre Affecten, sie sind klein doch wohlgebil-
det, schwarz mit breiten Gesichtern, spitzer Stir-
ne %und Kinne, sie haben kleine dunkle Augen, kur-
ze Nasen, große Ohren, sie laßen die Nä-
gel mit Fleiß sehr lang wachsen, einige beschla-
gen sie mit Kupfer. Sie enthalten sich sehr
der Schwatzhaftigkeit.

/Sie sind auch voll von Cärimoniem. Exempel
wie sie den Brief ihres Königes an den Kö-
nig von Frankreich
nicht in der untersten Eta-
ge logiren wollten.

/Ihr Geschmak an verdorbenen %und stinken-
den Fischen ist ihnen gemein. @Ballacher@ ist
ein Mus von gestoßenen Fischen, die schlecht
gesalzen worden %und faulen. Sie brauchen
sie als Soya zu Saucen. Eben ein solches
Gericht haben sie aus kleinen halb ver-
faulten Krebsen, die zerstoßen so dünne
wie Senf werden.

/|P_214

/Cocosnußeoel ist sehr eckelhaft für die
Eüropaer, wenn es eine Zeitlang gestanden
hat, sie aber eßen davon allezeit mit großem
Appetit. Sie eßen wie überhaupt in den heis-
sen Indischen Ländern, nicht viel Fische wie @die@
die Europäer sich gleichfalls abgewöhnen.
Was sie aber am liebsten eßen sind die
Gedärme. In ihrem Handel sind sie sehr %ehrlich.
Sie bedienen sich auch der oben genanten
Kouris, die wir hier Mohrenzähne nennen %und
hornförmichte Muscheln sind, statt Münzen.
Es gehen 6-800 derselben auf einen Pfen-
nig. Sie kommen gut mit Gold schlagen zu recht.
In der Mahlerey zeichnen sie wie die Chineser
ungeheüre %und blos %unmögliche Dinge. Das Land
von Siam ist mit einer hohen Schicht Leim
bedeckt, wegen der Ueberschwemmung der Flüße,
%und man findet schwehrlich daselbst einen Feüer-
stein. Unter ihren Gewächsen, merke ich nur
das im Orient so berühmte Aloes Holz an, welches
auch sonst Paradies, Calambach, aquilaholz hieß,
%und in Siam %imgleichen in Cochinchina gefunden wird.
Es ist von so sehr verschiedener Güte, daß ein,

/|P_215

/%Pfund bisweilen mit 3 %Reichsthalern bisweilen mit 1.000 %Reichsthalern
bezahlt wird, man braucht es zum Räuchern
in den Götzentempeln.

/Die Portugiesen nennen das grobe sia-
mische Zinn, das man auch in China hat, Calin,
dazu man Galmay setzt %und daraus Tutenay macht.

/Ihre Wißenschaften sind schlecht. Es ist
zu merken daß die Aerzte durch ein sanftes
Reiben %und Streicheln viele Krankheiten heben.
Sonst wan unbekante Krankheiten vorfallen,
so bilden sie den Kranken ein, er habe eine
ganze Hirschhaut oder einen Klumpen Fleisch
von 10 %Pfund im Magen durch Zauberey, welchen
sie durch Medecin abzuführen versprechen.
Astrologi werden stark gesucht, wenn sie
nicht mit ihren Wahrsagereien eintreffen,
so ist eine gute Prügelsuppe ihr Lohn. In
Rechts_Affairen, wenn der Beweis nicht leicht
%möglich ist, kan man seine Unschuld durch Feüer
oder Waßerproben darthun, so wie vordem
bey uns. Die Priester geben auch den Be-
schuldigten Brechpillen, mit großen Ver-
fluchungen ein, der sich nicht davon erbricht

/|P_216

/ist unschuldig. Im Kriege sind sie schlechte
Helden. In den Kriegen mit Pegu suchen sich
beyde Armeen so lange auszuweichen als
%möglich; treffen sie sich ungefähr so schießen
sie über den Kopf weg, %und sagen wenn einer
ungefähr getroffen wird, er habe es sich selbst
zu verdanken, weil er so nahe gekommen; die
%jährliche Ueberschwemmung macht dem Kriege bald
ein Ende. Sie haben Nonnen %und Mönchs Kloster
in noch großerer Anzahl, als in Portugall selbst.
Die Mönche werde Talepoins genannt. Sie leh-
ren daß alles in der Welt belebte %und unbe-
lebte «und» Wesen eine Seele habe, die aus ei-
nem Körper in die andere übergehe. Sie geben
so gar vor, sich dieser Wanderung selbst zu
erinnern. Man verbrent mit dem Verstorbe-
nen die besten Güter deßelben, %imgleichen oft die
Weiber, damit jener sie in jenem Leben
finde. Denn ihrer Meynung nach, ist die Seele
eine Zeitlang vor der Transmigration, gleich
nach dem Tode in den Himmel oder in die Hölle
versetzt worden. Sie verwerfen die %göttliche
Vorsehung, lehren aber, daß durch eine fa- 

/|P_217

/tale Nothwendigkeit Laster bestrafet %und
Tugenden belohnet werden. Sie vergießen
ungern Blut, preßen keinen Saft aus Pflant-
zen, tödten kein Vieh, sondern eßen es
nur, wenn es von selbst gestorben, daher ihre
milden Kriege mit den Peguanern. Die Tale-
poins leben vom Betteln, sie sind liebreich
%und tugendhaft. Man verehrt bey ihnen %eigentlich
nicht ein höchstes Wesen, sondern den Som-
mona_Cadom
, einen ehedem gewesenen hei-
ligen Talepoin, der nun im Zustande der
größten Glückseeligkeit seyn soll, zu wel-
chen wie sie glauben, die Menschen gewön-
lich, nach vielen Wanderungen in andre Kör-
per gelangen, indem sich ihre Seele, mit
der Seele der Welt vermengt, %und als ein
Funke in dem Himmelsraum übrig ist. Sam-
mona
Cadom aber soll wegen seiner gros-
sen Heiligkeit dahin gelanget seyn. Die
Gottlosen werden zu ewigen Wanderungen
in andre Körper verdammt. Die Unempfindlichkeit ist bey
ihnen die gröste Glükseeligkeit, ihre Leichen, werden verbrennt.

/|P_218

/≥ Pegu. ≤

/Gehört jetzt unter «Io» Ava, die Ebben und
Fluthen sind auf den Flüßen Pegu %und Ava nahe
an ihren Ostiis außerordentlich wütend, der
König nennt sich einen Herrn des weißen Ele-
phanten, so wie der von Siam.

/Außer den Feüer %und Waßerproben, giebt
man den Beschuldigten rohen Reis zu kauen,
unter dem Bedrohen, daß er «st» ersticken
müße wenn er Unrecht habe. Parallele mit
den Hottentotten, denn diese spielen mit
dem %unglückseeligen Menschen so grob, liebkosen
ihn mit ihren Füßen, %und werfen sie derge-
stalt hin %und her, daß den Zuschauern schon
selbst bange wird, %und es ein %klägliches Schauspiel
wird. Die härteste Strafe ist hier, so wie
in den benachbarten Ländern, dem Kurzweil
der Elephanten übergeben zu werden. Die Pe-
guanische Talepoins werden als die gütigsten
Menschen von der Welt gerühmt. Sie leben
von den Speisen, die sie an den Häusern
betteln, %und geben was sie nicht brauchen den

/|P_219

/Armen, sie thut allem, was lebt gutes ohne
Unterschied der Religion. Sie glauben Gott
habe an dem Unterschied der Religion einen
Gefallen, %und halte alle solche Religionen
für gut, die den Menschen gutthätig und
liebreich machen. Sie schlichten mit großer
Bemühung alle Streitigkeiten unter andern
Leüten. Die Weiber machen sich gern mit
Eüropaeern gemein %und bilden sich etwas
darauf ein, wenn sie von ihnen schwanger
werden. Ihre Kleidung ist anstößig.
Ueberhaupt ist die Nation %ziemlich wohl ge-
staltet %und gutartig %obgleich nicht tapfer.

/≥ Arracan

/Sie legen ihren Kindern eine bleyerne
Platte auf die Stirne um sie ihnen breit
zu drücken (sie halten dieses für eine
besondre Schönheit) haben kleine Augen,
machen sich so große Ohren, daß sie bis
auf die Schultern herabhängen, indem sie

/|P_220

/in das Loch, welches sie eingebohret, von Zeit zu
Zeit immer dickere Kügelchen von Pergament
hineinstopfen. Sie sind im höchsten Grad ei-
gennützig. Sie bringen so wie andre Indianer
die Fische dan erst, wan sie stinken, auf dem
Markt. Es hält dort schwer, daß eine Frauens-
person als Iungfer einen Mann bekomme, wenn
sie Zeügniße hat, daß sie schon mit einem
Mann zu thun gehabt, so ist dies eine wichtige
Empfehlung zur Verehligung. Man verbrennt
hier gleichfalls die Leichen. Man hohlt aus diesem
Lande Edelgesteine. Die Büffelochsen die
sonst im wilden Zustande sehr grimmig sind,
werden hier zum Lasttragen %und andern Ar-
beiten sehr wohl gezähmt. Eine Gattung
Waßervögel freßen dieselbe oft bey
lebendigem Leibe auf.

/≥ Asem

/nordwerts von Araccan %und Pegu. ≤

/ist in Ansehung deßen, was das Erdreich her-
vorbringt, eins der besten Länder in Asien,
hat den besten Gummilack, Gold %und Silber,
die Einwohner verfertigen eine schöne Gat- 

/|P_221

/tung Schießpulver, %und es soll auch daselbst er-
funden seyn. Es werden mit dem Verstorbenen
allerley Hausgeräth auch wohl gar Thiere vergra-
ben, damit es ihnen in jenem Leben dienen könne.
Die Einwohner im %nordlichen Theile sehen schön aus, aus-
ser daß sie mit den Kröpfen behaftet sind. Hund-
fleisch ist das Hauptgericht bey Tractamenten.
Salz wird bloß durch Kunst gemacht aus einem
gewißen Kraute, das auf stillstehendem Wasser
wächst, aus deßen Asche sie es auslaugen (die
alten Deütschen sollen es vor diesem auf eben
diese Art gemacht haben.)

/≥ Indostan. ≤

/Der große Mogul ist der alleinige Beherrscher
des großen Landes von den tartarischen Gebür-
gen an bis ans Cap Comorin, der äußersten
Spitze der Halbinsel di«ß»sseit des Ganges %und von
Persien bis Arracan %und Asem. In der gedachten
Halbinsel herrschen zwar viele Könige %und Kaias,
allein sie sind dem Mogul zinsbar, seitdem der
große Aurengsel sie unters Ioch brachte. Die
Einwohner der Halbinsel sind gröstentheils aus

/|P_222

/mohrischen %und arabischem «Gelehrte»<Geschlechte>, weil vor 250 Iah-
ren diese daselbst sich allenthalben ausbreite-
ten. Daher auch hin %und wieder die Gestalt den Afri-
canischen Mohren ähnlich ist.

/≥ I.

/Von der Halbinsel diesseits Ganges. ≤

/Es ist daselbst, wie überhaupt in dem %nordlichen Theile
der Zonae torridae die Abwechselung der Mous-
sons. Allein in den Zweifelmonathen, ehe sich der
Wechselwind recht einrichtet sind entsetzliche
Orkane mit Gewittern zu hören, die grausamen
Schaden anrichten, %und vor denen sich kein Mensch
auf den Beinen erhalten kann. Die Land %und
Seewinde wechseln auch alle Tage ab, die See-
winde wehen von Mittag bis Mitternacht, die
Landwinde die übrige Zeit. Die Regenzeit fällt
%erstlich recht gegen Ende des Iunius ein %und dauret
bis gegen Ende des Octobris auf der Malabarischen
Küste, auf Coromandel fängt sie sechs Wochen
später «ei»an, %und dauret eben so viel Wochen später.
Auf der %westlichen Küste sind mehr Flüße, als auf
der %östlichen. Die Flüße sind alle sehr klein, weil

/|P_223

/sie mehrentheils abgezapft, %und auf die Reißfel-
der geleitet werden, %imgleichen weil sie sich nicht vereini-
gen, um große Flüße zu machen.

/An dem Vorgebürge Comorin ist die Perlenbanc,
wo %vornemlich von den Holländern gefischt wird.

/Unter der Oberherrschaft des Königs Cochin,
auf der Malabarischen Küste, sind einige tau-
send Familien Iuden, die vielleicht zur Zeit Nebu-
cadnezars
hieher gekommen, %und nichts von den Prophe-
ten %und Christo wißen.

/In Golconda %und Visapor sind die berühmten Dia-
mantgruben, deren einige, welche die ergiebigsten
sind, man doch mit Fleiß hat zuwerfen laßen,
damit dieses Edelgestein nicht zu gemein würde.
In dem Gebürge Gatae, wohnen die @Nainqüen@ oder
Fürsten, welche niemahls dem Mogul sind unter-
worfen gewesen.

/In der Bay von Cambaia ist die schnellste Fluth in
der Welt, dem selbst ein Pferd nicht soll entkommen
können. δSpatium Suratte eine der größten Handelsstädte
in Orient gehört dem großen Mogul.

/≥ 2. ≤ ~

/|P_223R δZ_11

/oder Visiapour ~

/|P_224

/≥ Bengala, ≤

/hat überhaupt sehr große Künstler. Ihre Leinwand
übertrift alle andern an Feinigkeit. In Verferti-
gung gemahlter Gläser, Seidenzeüge, eines guten
Mörtels zum Mauren, allerley guter Medicamenter
%und Chineserarbeiten, sind sie berühmt.

/≥ 3.

/Cachemir, ≤

/liegt am Cauensischen Gebürge, hat eine temperirte
Luft, wie die angenehmsten Gegenden von Eüropa,
hat auch Einwohner von solcher Farbe %und Fähigkeit,
solche Früchte, %und wird einem irrdischen Paradise
gleich geachtet.

/≥ Charactere der Einwohner in Indien

/Die Einwohner in Indien sind entweder Heiden,
dazu die Banianen %und Gauren gehören, oder Mohren,
unter welchen man die Mogels oder Tartarn, Perser
%und Araber zählet oder endlich Iuden %und Christen. Die
tartarische Moguls haben sich seit Tamerlans Stif-
tung des indostanischen Reichs, allenthalben sehr
ausgebreitet, %und werden stark befördert, weil
sie tapferer sind als die Landeseingebornen, %und
die Religion des Kaysers haben. Die Banianen
sind sehr %friedliche, %höfliche %und verständige Leute, sie kommen

/|P_225

/keinen Menschen zu nahe, jederman handelt mit ihnen
gern, daher sie auch den größten Reichthum an sich
ziehen. Sie sind sehr emsig auf einen kleinen Vor-
theil, sonst sehr gleichgültig einen jeden Vortrag in
einer jeden Religion anzuhören. Ihr Mitleiden er-
streckt sich auf alles das, was lebet, %und weil
sie vor dem Tödten einen so großen Abscheü haben,
so sind sie auch gar nicht kriegerisch, %und sind jeder-
zeit von andern beherrscht «ge»worden, sie sind sonst
wohl gestaltet, einige gemeine Leute, zeichnen sich
die Stirne, mit langen gelben Streifen, oder Strichen
von geriebenen Sandelholtz oder auch Kuhmist. Die
meisten färben sich die Zähne schwarz.

/Die Bramanen %und Banianen eßen nichts,
was ein Leben hat, oder woraus etwas leben-
diges kommen könte, keine Eyer, keine Saamen
von Früchten, indeßen eßen sie doch Früchte,
Wurzeln, Reiß, Fleisch. Sie halten alle Eüropaeer
für unrein, und trinken nicht mit ihnen aus einem
Gefäße.

/≥ Naturalien. ≤

/Der Banianbaum, ist kein andrer, als der

/|P_226

/oben schon angeführte Mangelbaum, deßen
sich zur Erde beügende Aeste wieder Wurzel
faßen %und sich so ausbreiten, daß wohl ein
Regiment Soldaten darunter Platz hat. Unter die-
sen werden ihre Götzenbilder gestellt. Die Indigo
Pflantze oder Staude oder der Anil welcher oben schon
beschrieben worden, ist noch anzumerken. Pfeffer,
der auf der Malabarischen Küste nebst Ingwer %und
Cardamom anzutreffen. Der Cocos %und Baumwollen-
Baum. Man braucht daselbst mehr die Ochsen als Ca-
meele zum Lasttragen. Die Indostanischen Ele-
phanten sind wegen ihrer Gelehrigkeit %und ungemeinen
Größe berühmt. Der Mogul hat auch Elephanten,
auf die man eine Canone, welche auf ihrer La-
vette herum zu drehen ist, gepflantzet. Der Canonier
e»itzt den Führer des Elephanten, Rücken gegen Rücken.

/Die indianischen Schweine sind sehr dickleibig, aber
ihr Fleisch wird selbst von den Eüropaeern für %köstlich
gehalten. Die Tieger, Leoparden, Wölffe, Affen p sind
sehr häufig in den Wildnißen anzutreffen. Andere
Ungeziefer, Schlangen, Scorpionen, Spinne, Tausendbeinen
wachsen hier zu ungemeiner Größe. Mosquiter %und Wanzen

/|P_227

/plagen die Einwohner ungemein: Man sagt hier auch wie
in Europa, daß es Frösche %und Kröten regne. Die Raub-
vögel sind hier dreister als anderwerts, denn die Ba-
nianen futtern sie. Unter den Bergwerken in In-
dostan kommen blos die Diamantgruben in Betrachtung.
Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Bley wird entweder gar
nicht, oder doch sehr wenig aus der Erde gegraben.

/≥ Wißenschaften. ≤

/Man schreibt auf Palmbaumblätter, mit einem eiser-
nen Griffel. Sie haben auch dünnes Pappier, worauf
sie mit einem Rohr schreiben, das so dick ist als ein
Gänsekiel. Das Couvert von ihren Briefen, ist ein
hohles Bambusrohr, oben %und unten versiegelt.
Die Astronomie ist schlecht. Sie glauben, daß der
Mond über die Sonne stehe, bemengen sich sehr mit
der Astrologie«¿» curiren Colick %und üble Verdauung
durch Brennen auf dem Bauch oder auf die Fußsohlen.
Die Pest der Landeseinwohner greift keine Eüro-
paeer an. Die Bramanen curiren durch Zauberey, sie
machen auch den Schlangenstein. Sie theilen den Tag in
32 Theile ein, die sie durch eine Wasseruhr meßen.

/≥ Einkünfte des Moguls

/Hier werden alle Landeseinkünfte %unwiederbringlich vergraben.

/|P_228

/Die Nabobs saugen des Mark des Landes in sich,
%und werden wieder vom Mogul als Schwämme aus-
gedrückt. Die Könige auf der Halbinsel, erfahren
auch von Zeit zu Zeit die Haabsucht dieses Herrn.
Alles Gold was in Westindien gegraben wird,
was die Eüropaische Bergwerke hervorbringen,
muß sich zuletzt in dem Schatze des Moguls zusammen
finden, von da es nie wieder <heraus> kömt.

/≥ Religion. ≤

/Die Moguls, Perser, Araber sind Mahumedaner.
Die %ursprünglichen Einwohner haben %unterschiedliche Casten oder
Secten. Bramanen, Raschbots %und Banianen; die Bare-
ger welche«s» alles eßen %und die geringschätzigste Ar-
beit thun, werden von allen für unrein gehalten,
aber sie sind doch %unentbehrlich. Die Bramanen sind
von unterschiedlichem Grad ihrer eingebildeten Hei-
ligkeit. Einige waschen sich niemahls, damit sie
nicht etwa ein Thierchen tödten möchten, tragen
ein Neßeltuch auf dem Mund, um nicht ein lebendig
Thier einzuzuiehen. Eßen gar kein Fleisch; einige hey-
rathen nicht. Sie haben allein das Priesterthum
an sich, sie statüiren nur einen %unendlichen Gott, %und
doch 3 Untergötter. Thon Bilder sind sehr mann«e»ich- 

/|P_229

/faltig %und zum Theil monströs anzusehen, daher sagen
die Europäer, sie beten den Teüfel an. Sie reini-
gen sich mit allerley Materien, sogar mit Kuhpiße
%und Mist als den vortreflichsten Reinigungsmitteln.
Sie geben vor die %unterschiedlichen Bilder, zeigen nur Eigen-
schaften eines %und eben deßelben Gottes an.

/Die Kashibots sind den Bramanen am ähnlichsten.
Die Banianen sind die zahlreichsten. Sie haben gegen
alle lebendige Thiere eine besondre Liebe; am mei-
sten aber gegen das Rindvieh, worin die seeligsten
Seelen sollen anzutreffen seyn. Es kan auch niemand
über den Fluß der das Paradies von dieser Welt
scheidet kommen, ohne sich an den Schwanz einer Kuh zu
halten. Mancher ernährt die Ratten %und Schlangen,
weil er sich einbildet die Seelen seiner Verwand-
ten wären in ihnen. Die rechte Hand halten sie sehr
heilig, %und hüten sich nichts verächtliches damit zu thun.

/Die Banianen bauen Hospitäler zE bey Suratte
für Ziegen, Pferde, Kuhe, Hunde pp welche lahm oder alt
werden. Nahe dabey ist ein Hospital für Flöhe %und Wan-
zen. Sie dingen einen armen Mann, daß er sich eine
Nacht von ihnen muß freßen laßen. Sie geben

/|P_230

/alle Iahr ein besonder Gastmahl für die Fliegen.
Ihre Sorgfalt erstreckt sich auch auf die Bäume.
Es ist ein Mönchsorden unter den Heyden, die Faquirs
genant werden, darunter einige büßende sind,
die sich allerhand Marter anthun. Einige nehmen
eine Positur an, die sie niemahls verändern zE
die Hände in die Höhe, den Kopf rükwärts gebogen,
so daß die Gelenke %endlich so verwachsen. Einige
thun ein Gelübde niemahls liegend zu schlafen,
%und hängen sich zu dem Ende in eine Schleife, die sie
an einem Baum befestigen. Diese Buße der Fa-
quirs bringt großen Segen aufs Land. Aber die
herumstreifende Faquirs oder Bettelmönche kom-
men mit den Colenders, oder mit den Mahumeda-
nischen Dervischen überein. Sie schlagen sich zuletzt
zusammen, %und werden Zigeüners, welche alle Religi-
onen wo sie hinkommen, von sich ausgeben. Die
Parsen oder Gauren beten das Feuer an. Sie
wißen von keiner größern Gottlosigkeit, als
das Feüer mit etwas anders als mit Erde aus-
zulöschen. Sie haben vor einen Hahn eben die Hochach-
tung, als die Banianen vor einer Kuh. Sie heirathen
in keine fremde Geschlechter, weswegen sie auch ~

/|P_230R δZ_14

/Nach Thibeth %und Las-
ha stellen die In-
dianer ihre Wall-
farthen an. Welches
eine %gefährliche Reise ist. ~

/|P_231

/ihre alte weiße Farbe behalten, halten sich
auch verunreinigt, wenn ein Fremder von ohnge-
fähr mit ihnen gegeßen %und getrunken hat. Ihr ehr-
lichstes Begräbniß ist in dem Magen der Vögel.
Bey Suratte haben sie auf dem Felde einen Platz der
mit einer hohen Mauer umzogen ist. Der inwendige
Platz ist so gemacht, daß die Feuchtigkeit auswärts
ablaufen kann. Da siehet man eine Menge Leichen
auf eine sehr ekelhafte Art liegen mit ausgefres-
senen Augen, herausgerißene Gedärmen pp diese
werden von Habichten %und andern Vögeln so zuge-
richtet %und gefreßen. Man findet hier auch
Thomas-Christen.

/≥ Ehen. ≤

/In dem Königreiche Calicut soll ein Weib bis
12 Männer zugleich heyrathen können.

/Man verkauft hier, wie sonst in Indien, die
Weiber %und hält sie sclavisch.

/Die Verbrennung der Weiber der Bramanen,
zugleich mit den Männern, geschieht von ihnen
bisweilen freywillig, bisweilen gezwungen. ~

/|P_231R δZ_02

/Thybeth scheint der
Sitz, einer urralten
Religion zu seyn, de-
ren Ursprung unge-
wiß.

/Man glaubt Fo %und Bud-
da
sey einerley. ~

/|P_232

/≥ Von den asiatischen Inseln
/ I. Iapan. ≤

/Von den Einwohnern Niphon genannt. Sie ist nebst
Madagascar %und Borneo unter die größen von allen
Inseln zu zählen; zu welcher noch verschiedene größe-
re %und kleinere Inseln, die durch enge Fahrwaßer
von einander gesondert werden, gehören.

/Sonst besitzt der Kayser etwas auf Corea %und den
südlichen Theil von Kamtschatka. Das Land ist erstaun-
lich volkreich. Von Magasacki bis Ieddo in einer
Länge von 200 deütschen Meilen, reiset man durch
33 große Städte mit Castelen, %und 75 Stadte
ohne Mauren, %und soviel Dörfer, daß immer eins
das andre stoßt, %und man kan viele Meilen weit als
durch eine einzige Straße reisen. Das Land ist sehr
gebürgig, hin %und wieder sind feüerspeyende Berge,
die entweder ausgetobt haben, oder noch toben,
heiße Brunnen, Erdbeben. Im %nordlichen Theil von Ia-
pan ist es %ziemlich kalt, überhaupt aber auf der
Insel unbeständig Wetter, doch regnet es am
meisten im Iunio %und Iulio. Iapan hat ein %geistliches
Oberhaupt der Darii genant, der zu Mecco resi-
dirt, %und ein weltliches der sich Hubo nennt. Der Deiri ~

/|P_232R δZ_03

/Die Iapaneser
könte man die Eng-
länder, %und die Per-
sier die Franzo-
sen von Asien
nennen. ~

/|P_233

/hat keinen andern eigenen Besitz, als die Stadt
Meaco %und die dazu gehörige Landereyen, ob er gleich
vordem über die ganze Insel herrschte. Denn nun-
mehr ist der Kubo der souveraine Kayser über diesel-
be. Kein Haven außer Nagasaki steht den Fremden
offen, %und zwar nur den Holländern %und Chinesern, %und
zwar nicht die Stadt, sondern die Insel Desima
an derselben, darin man die Fremde verschließen
kan.

/≥ Character der Nation. ≤

/Die Iapaneser haben mehrentheils einen großen
Kopf, platte Nase, kleine Augen (obzwar nicht so
sehr als die Chineser) sind klein von Statur,
%und untergesetzt, haben eine braune Gesichts-
farbe %und schwarze Haare. Sie sind vorsichtig,
redlich, artig, fleißig, hart in Ungemächlichkei-
ten. Sonst sind sie argwöhnisch, jachzornig wie
die Tartarn, ungemein hartnäckig, scheüen nicht
den Tod. Sie erben einer vom andern die Rache.
In ihrem Bauen theilen sie nicht ihr Haus in bestän-
dige Zimmer ein, sondern können durch ihre Schirme
so viel Zimmer machen als sie wollen. Alles
Holzwerk von ihren Häusern ist lackirt, sie wißen
so wie die Chineser, von keinen Glasfenstern, son- 

/|P_234

/dern in Oel getränkt Pappier, %und geschliffenen Aus-
terschaalen werden dazu gebraucht. Es ist aber in
allen Häusern ein brandfreyes Zimmer.

/In ihrem Eßen wißen sie alle mögliche, selbst die
giftigen Kraeuter zum Eßen zu zurichten. Butter
%und Käse kennen sie nicht. Ihre Complimente haben
viel ähnliches mit der Chineser ihren, sie sind aber
nicht so beschwerlich. Sie sind überhaupt dem Selbst-
morde sehr ergeben. Zum Beschuß eines großen
Festins, fordert ein vornehmer Herr bisweilen
seine Diener auf, %und frägt sie welcher von ihnen
Lust habe, durch Aufritzung des Bauchs ihn zu
beehren, worauf sich die Bediente noch um die
Ehre zanken. Sie verbrennen ihre Todte.

/In den Strafen hört man nicht viel von andern
Arten, als verbrennen, zerreißen durch
Pferde, Sieden in Oel, kreützigen mit umge-
kehrten Kopfe.

/Die Hurerey ist in Iapan keine Sünde, aus-
genommen, wenn sie von einer verehlichten
Frau ausgeübt wird.

/Eines Menschen Verbrechen, wird durchgehends

/|P_235

/durch den Tod der ganzen Familie bestraft.
Die weibliche ausgenommen. Wenn zwischen Nach-
barn einer Straße Streitt entsteht, so läuft
alles zu, ihm beyzulegen. Geschieht es dan daß
einer erschlagen wird, so muß, es mag der andere
ihn durch Nothwehr getödtet haben oder nicht,
der Thäter erstlich sterben, 3 Nachbarn auf
der Stelle des Unglücks, werden auf 3 bis 4 Mo-
nathen in ihren Häusern mit großen Bäumen ver-
sperret, die andere in derselben Straße müs-
sen einige Wochen Frohn Dienste thun. Ihre Tortu-
ren sind abscheülich. Den Leib mit einem Trich-
ter voll Waßer gießen %und dan auf den Bauch
treten, oder in grobe Leinwand den Delinquenten
steif verwindeln, %und diese mit Waßer begies-
sen, %und ihn dan an der Sonne auf Steine rollen,
sind gemeine Ausfragungsmittel.

/≥ Religion. ≤

/Sie erkennen ein höchstes Wesen, weil es aber viel
zu hoch sey als daß es sich um den Menschen
bekümmern sollte, so beten sie die vergötterten

/|P_236

/Seelen abgeschiedener Menschen an. Sie wißen
von keinem Teüfel, als der den Fuchs beseelt
hat, in dieses Thier fahren auch die Seelen
der Gottlosen. Einige sind allen ihren Grund-
säzen, indem sie die höchste Glükseeligkeit in
der Tugend setzen, den Selbstmord sehr hoch
ha«f»lten den Stoicis ähnlich. Diese Secte heißt
die Syntoisten, %und einige halten sie für Vereh-
rer des wahren Gottes, andere für Atheisten.
Die vorige Christen, die seit der allgemeinen
Verfolgung, hier um Nagasacki noch übrig sind,
werden jährlich genöthigt ein Crucifix %und Mari-
enbild mit Füßen zu treten. Die es nicht über
ihr Gewißen bringen können, werden ins Ge-
fängniß geworfen. Das Verbot des Kay-
sers geht aber %vornemlich auf die katholische
Religion.

/≥ Wißenschaften %und Künste. ≤

/Sie rechnen so wie die Chineser, mit einem mit
Stricken bezogenen Brette, worauf sie etliche
Knüpfchen hin %und her schieben. In der Medecin brau- 

/|P_237

/chen sie das Aderlaßen, wie die Chineser gar
nicht. Zwey Arten zu curiren %nemlich das Maxu-
brennen %und Nadelstechen ist hier allgemein auch
in China berühmt. Sie nehmen die Flocken oder
die Fasern von dem Beyfuß mit breiten Blät-
tern, drehen etwas davon zwischen den Fingern, wie
ein Kegelchen hinauf, %und zünden es mit wohlrichen-
dem Holtze an, %und laßen es bis auf die Haut weg-
glimmen. Es ist dieses nicht schmerzlich. Selbst Kin-
der leiden es ohne zu weinen. In dem Augenblicke,
da das Feüer die Haut berührt, ist in dem Pati-
enten eine Empfindung wie durch die Electrici-
tät. An beyden Seiten des Rückgrads sind die
vornemsten Stellen. Die Verdauung zu beför-
dern brennen sie zwischen den Schultern. Wieder
die Zähnschmerzen brennen sie die Maus an die
Hand auf derselben Seite des leidenden Zahns.
Es werden %öffentlich Statuen verkauft, da die
Theile des Körpers bezeichnet sind, die bey gewis-
sen Zufällen müßen gebrannt werden.

/|P_238

/Das Nadelnstechen geschieht mit Nadeln aus
Gold oder Silber, die 4 Däumen breit lang
sind. Die silberne Nadel ist nicht dicker, als
eine Seite. Sie steckt in einer Röhre, %und
wird einen daumenbreit tief ins Fleisch gedreht.

/Die Iapaneser sind große Meister in
Gold %und Silber, Kupfer, Eisen, %und Stahlarbeiten.
Sie härten den Stahl, ja selbst Gold %und Silber
auf eine verwunderungsvolle Art.

/Papier machen sie aus der Haut unter der
Rinde gewißer Maulbeerbäume. Ihr Acker-
bau ist wegen erstaunlicher Menge der Menschen,
wie bey den Chinesern sehr sorgfältig. Sie
machen Abtritte für Reisende um die Dün-
gung zu gewinnen. Wer ein Stük Landes
ein Iahr unbebaut läßt, verliert sein
Recht darauf.

/Ihr Theebon ist fast eben so wie der Chine-
sische eingerichtet

/≥ Naturalien

/Gold %und Silber wird, wiewohl nicht in großer
Menge in Iapan gegraben. Kupfer ist am häu-  ~

/|P_238R δZ_02

/Die persische
Music soll so
schön seyn, daß
sie einen jedem
gefallen soll.

/Die Perser trei-
ben die Philoso-
phie nach dem Aris-
totel
%und die Me-
decin nach dem Ga-
lenas
. ~

/|P_239

/figsten, %und wird in Stangen wie Lack gegoßen.
Ambregis wird von der See @weichß@ %und klebrig
ausgeworfen, ist aber in dem Magen des Wall-
fisches hart.

/Der Firnißbaum wird in seiner Rinde ge-
ritzt, %und giebt ein Lack, womit die Iapaner alle
Sachen lackiren, worüber sie hernach einen Fir-
niß von Oel %und Terpentin streichen %und mit aller-
ley Farben vermischen, daher die verschiedenen
Farben, die man an den mit Firniß lacquirten
Sachen wahrnimt, herrühren.

/Sie destiliren den Kampfer, aus dem Säge-
staub des Kampferbaums. Indianische Vogel-
nester finden sich hier auch. Der Fisch, der Blaser
genannt, ist ein starkes Gift. Ein Iapaner aß
aus Verdruß, über die spanischen Pocken, die
ihn verzehrten, diesen Fisch, brach aber mit diesem
Gift, alle seine Krankheiten aus, %und ward ge-
sund.

/≥ Philippinische Inseln. ≤

/Mindanao ist gröstentheils Mahomedanisch, %und steht

/|P_240

/unter der Bothmäßigkeit eines Sultans. Die
Abwechselung der Land- %und See-Winde, %imgleichen des
Ost %und %westlichen Moussons %und der Orcane %und Ungewit-
ter, in den Zweifelmonathen, ist hier sehr
richtig. Die Einwohner scheinen ihrer Gesichts-
bildung nach Abkömlinge der Chineser zu seyn,
sie ahmen ihnen auch in der höflichen und rachgie-
rigen Gemüthsart, %und in der Neigung zu betrü-
gen nach.

/Der Saggo oder Plantanenbaum. Dieser
Baum vertroknet, so bald seine Frucht reif
ist, als dan aber schießen wieder andre Sproßen
hervor, die den Abgang der Alten ersetzen. Bin-
nen einem Monat wird der Stamm so dick, als
ein Arm. Wenn er seinen völligen Wachsthum hat,
so schießt oben ein Stengel heraus, woran die
Frucht Traubenweise wächst, deren Fleisch weich
%und süß wie Butter ist, wird von den Indianern
frisch oder getrocknet oder gestoßen %und gegohren
als Wein genoßen. Luconia mit der Hauptstadt
Manilla gehört den Spaniern; diese Insel ist sehr
dem Erdbeben ergeben. Die Einwohner in dem in- 

/|P_241

/nersten gebürgigten Theil sind schwarz, aber nicht von
der Africanischen Art. Die Schwarzen in der Halb-
insel dießeits Ganges, sind fast so schwarz als
die Caffern, haben aber eine regulaire Gesichts-
bildung %und glatte Haare. Es wachsen hier die
meisten Ost %und Westindischen Bäume. Der Baum
Comandag ist so giftig, daß in seinen Schatten
zu schlafen tödtlich ist, %und die Blätter, die von ihm
ins Waßer fallen, die Fische tödten. Von der
Manillischen Gallion.

/≥ Latronische Inseln. ≤

/Es wächst auf ihnen %und den Philippinen die Brod-
frucht, so groß als ein Ballon zart %und süß, wenn
sie getroknet ist, schmeckt sie wie Semmel. Ihre
Prönen oder fliegende Fahrzeüge sind oben
beschrieben, nur daß ich noch hinzusetze, daß auf
der bauchigten Seite, der Ausleger, nemlich ein
schmales Kahn 7 Fuß vom dem Bote ab, an einen
Rahmen befestiget ist, damit das Schif nicht
umschlage, die Platte Seite ist die Windseite,
%und eine jede Spitze ist das Vorder oder Hintertheil.
Sie segeln in 6 Stunden 33 bis 35 deütsche

/|P_242

/Meilen. Die Insel a»uam ist die vornemste.
Timian ist wegen des Aufenthalts des Admi-
rals Anson
in derselben merkwürdig.

/≥ Moluckische Inseln, ≤

/stehen unter der Herrschaft der 3 Könige, von
Ternate, Ticon %und Bachian, welche alle Maho-
medaner sind. Sie haben den Holländern
die Landesherrliche Hoheit abgetreten, %und
kan kein König, ohne Einwilligung der Hollän-
der gewählt werden. Diese haben mit ihnen
auch einen Vertrag gemacht, daß sie für ein
gewißes ansehnliches Iahrgeld die Muscaten
%und Nägelein Blumen auf allen ihren Inseln
ausrotten, ausgenommen Anboina %und Banda,
%und daß sie hin %und wieder Castele zur Bedec-
kung ihrer Handlung anlegen. Die Molucker
sind faul, feige hoffarti«sch»g betrügerisch,
lügenhaft, rächen sich heimtückischer weise,
halten Hurerey für keine Sünde. Es ist hier
wie auf dem festen Lande von Indien ein
Cocos oder andren Palmbäume alles in allem.

/|P_243

/Die Blätter sind ihr Tischtuch auch ihre Teller,
wozu auch Cocos-Schaalen kommen. Ausgehölt
Bambus-Rohr ist ihr Gefäß zum Trinken. Sa-
go ist ihr Brodt. Die Nägeleinbäume werden
bloß auf Amboina %und die Muscaten auf Ban-
da geduldet. Walther Schulz schreibt von denen von
Ternate daß sie Helden im Gefecht sind, aber
eine ewige Rachbegierde haben, sonsten sehr
schwarz aber mit langen Haaren sind.

/Die Landvogtey von Amboina %und den dazu ge-
hörigen Inseln ist sonst die beste, überhaupt a-
ber sind diese Inseln sonst überaus arm, %und
verlohnen den Holländern nicht die Unkosten, wenn
man die Gewürze ausnimmt.

/Der Nägeleinbaum hat einen Birnbaum, %und
der Muscatenbaum einen Apfelbaum.

/≥ Die Insel Celebes oder Macassar. ≤

/Celebes oder der nordliche Theil der Insel, ge-
hört dem Könige von Ternate zu. Macassar aber
der südliche Theil ist unter dem unmittelbahren

/|P_244

/Schutz der Holländer. Sie haben Goldsand, Ca-
lambac, Sandelholz %und Farbehölzer. Die Einwohner
besprengen ihren Tobac mit im Waßer zerlas-
senen Opio, oder thun soviel als ein Nadelkopf
groß i«m»n die Pfeife, wovon sie kühn im Gefechte
werden.

/Die Macaßaren scheinen die einzige kriege-
rische Nation die jenseits der Bay von Bengala
wohnt, zu seyn. Sie werden wie die Schweitzer an
andern Höfen zur Leibgarde gesucht. Der Macassaren
Farbe ist schwärzlich. Die Nase ist platt %und zwar in
der Iugend so gedrückt. Ihre Buchstaben sind den
Arabischen gleich, %und sie scheinen auch von ihrem Ge-
blüte herzu kommen. Sie scheinen edelgesinnt zu
seyn, sind hitzig %und auffahrend, %und nicht zur sclavischen
Unterthänigkeit gemacht. Sie sind Mahomedaner.
Sie schießen ihre Pfeile aus Blasröhren.

/≥ Von den Sundaischen Inseln,
/Borneo. ≤

/Ist die größte unter allen bekanten Inseln.
Die Dünste, die nach der Ueberschwemmung vom

/|P_245

/Erdreich aufsteigen, der Gestank der alsdan
zurückbleibenden Ungeziefer, die kalten Winde,
so plötzlich auf große Hitze folgen, machen diese
Insel zu einem ungesunden Lande. Die Moussons
gehen also, daß vom %October bis in den Aprill West-
winde nebst vielem Regen, von diesem aber bis in
den %October Ostwinde %und troken Wetter auf der
%südlichen Küste sich zutragen. Doch gehet selten ein
Tag hin, da nicht ein Schauer Regen kommt; denn es
ist auch alle Tage ein Wechsel der Land %und See-
Winde, die %nordliche Küste wird nicht besucht.

/Die Fluth geschieht nur einmahl in 29 Stunden,
%und zwar bey Tage, denn in der Nacht wehen die Land-
winde sehr stark gegen dieselbe. Die an den Küsten
wohnen sind Mahomedaner, im innern des Landes
wohnen Heyden; die letzteren blasen auch so, wie die
Macaßaren, ihre vergifteten Pfeile aus Blas-
röhren, diese sind auch mit einer Art von Baionette
versehen. Die von Borneo sind schwarz, haben a-
ber lange Haare. Die Heyden im innern des
Landes machen sich den Leib blau, ziehen sich die ~

/|P_245R δZ_01

/Manilla ist die
Hauptstadt der
Philippinischen Inseln,
überaus fruchtbar,
das spanische Regi-
ment daselbst ver-
dirbt alles.

/

/Der Manimillen-
Baum, ist derjenige
mit deßen Saft
man die Pfeile
vergiftet. ~

/|P_246

/Vorderzähne aus und setzen goldene ein. Man han-
delt allhier Gold in Stangen %und in Staub ein. Dra-
chenblut, Affen %und Ziegen, Bezoar, den besten Cam-
pfer, Vogelnester, schwarzen %und weißen Pfeffer,
der letztere weil er von selbst abgefallen *1, ist
beßer. Hier sind auch Diamanten. Der Orang
outang ist 6 Fuß hoch. Hier herrscht auch die
Meynung vom Drachen, der den Mond verschlin-
gen soll. Die von Borneo glauben, daß alle
Krankheiten vom bösen Geiste herrühren, dem
sie ein Opfer in ein kleines Schiff setzen, %und es
auf dem Fluße weggehen laßen.

/≥ Iava. ≤

/Auf dieser Insel herrschen 5 Könige. Auf der
von Bantam seinem Lande ist Batavia erbaut,
der von Mabaram ist der mächtigste. Von«n»
%November bis in dem Merz sind Westwinde, %und
naß Wetter, vom May bis in den %October Ost-
winde %und trocken Wetter.

/Die Holländer halten in allen ansehnlichsten
Städten auf Iava Vestungen, %und geben allen
Fürsten, ausgenommen den von Palamboang Leibgar-  ~

/|P_246R δZ_05

/*1 %und an der Sonne
gelegen hat

/

/δZ_15

/Es ist fast %un-
glaublich daß in
Iava 13.000.000
Menschen leben
sollen, ob es gleich
nur halb so groß
wie Frankreich.
Der Kayser von Ia-
va hat Frauenzimmer ~

/|P_247

/den um sie in Ruhe zu halten.

/Die herrschende Religion ist die mahomedanische.
Im inwendigen des Landes sind Heyden.

/Die Iavaner sind gelb, %und von breitem Gesicht,
herausstehenden hohen Kinnbacken platter Nase, die-
bisch, trotzig %und sclavisch, bald wütend, bald furcht-
sam.

/Die Europäer wenn sie bey «Ihnen» <ihren Sclaven> eine Außage
herausbringen wollen, so legen sie ihm ein Stöck-
chen, welches gespalten an den Hals %und er muß sa-
gen: schwarzer Iohann wenn ich «un»schuldig bin, so knei-
fe mir den Hals zu, welches zu sagen, er, wenn er
schuldig ist, gemeiniglich nicht das Herz hat, oder
sie geben ihm einen Haufen trocknen Reiß zu
kauen, %und bilden ihn ein, daß, wenn er lügt, es ihn
ersticken werde. Da alsdann diese Vorstellung
oft die Wahrheit herauspreßt. Oder sie geben
ihm einen Stock, eine«s»n Fingers lang, murmeln
etwas darüber, %und machen ihnen weis, daß der-
selben, wenn er bey den Schuldigen eine Zeitlang
gewesen, einen Fingerbreit länger werde. Die-
ser glaubt es, und schneidet etwas davon ab. Man ~

/|P_247R δZ_01

/zur Leibwache. ~

/|P_248

/findet auf Iava viel Pfeffer, Zuckerrohr, Cor-
domon, welcher an einem Rohr ähnlichen Stamme
wächst. Man hat zwar Weinstöcke %und Trauben,
aber man kan keinen Wein davon machen. Es sind
ferner darauf Cubeben, eine kriechende Pflantze,
wie des Pfeffers Tamarinden, eine Art Bäume
wie Castanienbäume, die eine Schotenfrucht tra-
gen. Benziun Bekel %und Titang oder Aracknuß. Es
giebt wie wohl selten Orang_outang, den Rhinoceros,
25 Fuß lange Schlangen, die einen ganzen Menschen
verschlingen. Hessen erzählt, daß man aus dem
Bauche einer solchen Schlange, ein Kind noch lebendig
herausgezogen habe. Unter die großen Landplagen
gehören die Kackerlacks, eine Art Käfer, welche alles
zerfreßen, den Menschen im Schlafe beißen %und
heßlich stinken.

/≥ Sumatra. ≤

/Diese Insel ist ungesund. Die Witterung schlägt
von der größten Hitze, bis zur empfindlichen Kälte
plötzlich um. An den Küsten sind Moräste %und Sümpfe
von ausgetretenem Seewaßer, welches ungesunde

/|P_249

/stinkende Nebel macht. Das Sterben der Frem-
den ist so gewöhnlich, daß man fast alle Furcht
davor verlohren hat. Achen ist das vornemste
Königreich auf dieser Insel an der Norderspitze
derselben; der Regen der hier im naßen Mousson
fällt, ist erstaunlich heftig.

/Die von Sumatra sind %schwärzlich, von platten
Gesichtern, kleinen Nasen, färben sich die Zähne
schwarz %und salben den Leib mit stinkendem Oele.
Sie sind an den Küsten Mohamedaner, im inwen-
digen das Landes Heyden; sie bedienen sich stark
nebst dem Betel arac des Opii %und des Bangs.
Das vornemste Landesproduct ist der Pfeffer,
hernach Reiß %und dan Zuckerrohr. Es wird hier
viel Gold %und mehr als sonst in Asien aus den
Bächen gewaschen.

/Ihre Pränen haben zu beyden Seiten Rahmen als
Ausleger, worauf sie zur Zeit des Sturms 2 Männer
setzen %und zwar auf der entgegen gesetzten Seite das
Umschlagen zu verhüten.

/|P_250

/≥ Inseln Nicobar %und Andomann. ≤

/liegen nordwerts von Sumatra. Die Einwohner
sind lang %und wohlgemacht, dunkelgelb. Sie haben
eine Baumfrucht, deren sie sich als Brod bedie-
nen; denn ander Getreyde haben sie nicht. Sie eßen
auch nicht viel Fleisch. Man beschuldigt sie %fälschlich
daß sie Menschenfleisch freßen sollen. Ueber-
haupt haben die vernünftigsten von allen neüen
Reisenden, diese, manchen unbekanten Völckern
angedichtete Grausamkeit unwahr befunden,
worunter auch Dampier gehört.

/≥ Das Land der Papuas. ≤

/Es ist noch nicht recht ausgemacht ob es eine In-
sel sey. Die Einwohner der Küste sind schwarz
%und leben blos von Fischen. Ihre Religion soll in
Verehrung eines kleinen Steins mit grünen
%und rothen Streifen bestehen. Neüholland ist
von Dampier entdeckt worden im 16 Grad der
Süderbreite. Die Einwohner sind schwarz %und haben
ein wolligt Haar wie die Negers, %und sind fast eben
so häßlich, können die Augen nicht recht aufmachen

/|P_251

/sind so armselig als ein Volk auf der Erde.

/≥ Andere Inseln in diesem Meere

/Die Insel Bal«i»y ostwärts nahe an Iava, heißt
auch Iava minor. Die Einwohner sind fast alle
Götzendiener. Sie sind weisser als die von Iava,
getreü, fleißig, tapfer, %vornemlich ihre Weiber
sehr vernünftig, arbeitsam, gutherzig. Daher
diese gern von Chinesern zu Weibern oder in Iava
zu Sclavinnen, jene aber gern zu Sclaven gesucht
werden. Hier herrscht der böse Gebrauch, daß
die Weiber sich mit ihren verstorbenen Männern
verbrennen müßen. Als im Iahr 1691 der Fürst_-
von_Baly
verstarb, wurden von seinen 400 Wei-
bern 270 mit Dolchen niedergestoßen, worauf
sie eine Taube, die sie in der Hand hielten flie-
gen ließen %und riefen: Wir kommen Kayser, da-
rauf verbrant wurden.

/Auf Solor, Timor %und einigen nahen Inseln,
wird einzig %und allein der rechte Sandelbau, so
wohl der weiße, als gelbe als auch rothe gefunden.

/|P_252

/≥ Ceylon. ≤

/liegt nur 8 Meilen vom festen Lande Indiens.
Die Holländer besitzen die Küsten umher, und der
König von Ceylon das innere des Landes

/Die alten Einwohner des Landes, werden
Cingaleser genannt, sie sind braun von Farbe,
aber nicht häßlich, sind beherzt, munter %und %höflich
sanftmüthig, sparsam aber starke Lügner.
Reiß ist ihre vornemste Kost. Unter ihre vornem-
sten Bäumen gehört 1) der Tallipot hat ungemein
große Blätter, welche wie Windfächer in langen
Falten wachsen. Auf Reisen tragen sie
solche, wieder Regen %und Sonne auf dem Kopfe.
Ein jeder Soldat hat ein solches Blatt statt
eines Zeltes. Der Baum giebt nicht eher Frucht
als das letzte Iahr, wenn er vertrocknen will.
2) der Neffule, aus deßen abgezogenen Safte sie
Iaggorey oder braun Zucker kochen. 3) der Zimmetbaum
ist allein auf dieser Insel anzutreffen, die zwey-
te untere Rinde abgestreift ist der Zimmet. Es
sind verschiedene Gattungen von Zimmetbäumen. ~

/|P_252R δZ_02

/Ihr König wohnt
in Candy.

/

/Zimmet, Muscaten-
nüße %und @Kräudnaegelein@
ist das Monopolium
der Holländer. ~

/|P_253

/Ein jeder Baum geht aus sobald er abgeschälet worden,
%und er muß bis 6 Iahr alt seyn um dazu gebraucht zu wer-
den. Der ganze vortrefliche Geschmak sitzt in dem Häutchen,
welches die Rinde inwendig bekleidet, deßen Oel beym
Trocknen in die Rinde dringt. Das Holz, die Blätter %und die
Frucht, haben zwar etwas von diesem Geruch in sich aber
wenig. Eine Art Vögel, Zimmetfreßer genannt, pflant-
zen diesen Baum durch ihre unverdaute Frucht sehr fort,
wie dan auch nach abgehauenen Bäumen neüe Sprößlinge
ausschießen. Der Geruch dieser Bäume ist weit in die
See zu merken. Aus den Wurzeln macht man Kampfer.

/Diese Insel hat eine große Menge wilder Elephanten,
welche sie zu fangen %und zu zähmen wißen.

/Die Blutigel sind auf Reisen, eine erstaunliche Pla-
ge. Ihr Papier besteht aus Striemen, die aus den Blät-
tern des Tallipot geschnitten werden, worauf sie mit
einem Griffel die Buchstaben ritzen. Sie verehren ei-
nen obersten Gott, beten aber doch auch die Bildniße
der Heiligen %und Helden an. Auf der Spitze des Pico d'Adam
ist ihren Vorgeben nach, noch ein Fußstapfen ihres Gottes
Budda anzutreffen. Diesen Fußstapfen verehren sie.

/Man findet einige prächtige %und sehr alte Tempel, die zu

/|P_254

/einer Zeit müßen erbauet seyn, da ein sehr mächtiger
Monarch über sie geherrschet hat. Denn jetzt wißen sie
nicht einmahl etwas an ihnen auszubeßern. Die Ehemän-
ner sind hier nicht eifersüchtig. Die Weiber werfen ihre
Kinder weg oder verschenken sie, wenn sie ihrer Einbildung
nach, in einer unglüklichen Stunde gebohren werden.
Die Schlange Pimberach schlinget ein ganzes Reh auf.
Die Spinne Demacalo ist so groß als eine Faust, haa-
rigt, glänzend %und durchsichtig, ihr Biß macht wahnsinnig.

/≥ Maldivische Eylande. ≤

/Dives heißt in der Sprache der Einwohner eine
Insel, %und Mala ist die vornemste aller dieser In-
seln, die Hauptstadt des Königes. Aus beyden Wör-
tern ist Maldives zusammengesetzt. Die Reihe die-
ser Inseln beträgt über 200 deütsche Meilen. Sie
sind in 13 Attollons oder Trauben von Inseln «zusamm-»
als so viel Provintzen abgetheilt. Ein jeder Attollon
ist mit einer besondern Steinbrücke umfaßt,
woran sich die Wellen mit Ungestüm brechen. Wenn
sich der König der Maldiven einen König von 12.000
Inseln nennt, so ist dies eine asiatische Vergrößerung.

/|P_255

/Die meisten Inseln sind unbewohnt %und tragen nichts
als Bäume. Andere sind blos Sandhaufen, die bey
einer starken Fluth unter Waßer gesetzt wer-
den. Es giebt hier keine Flüße sondern bloßes
Brunnenwaßer. Nur 4 bis 5 Kanäle, von denen
die zwischen den Attollons fortgehen, können be-
fahren werden, %und diese wegen der reißenden Strö-
me %und der vielen Klippen mit großer Gefahr. Die
Hitze ist hier sehr mäßig. Die Regenmonate
sind vom April bis in den %December mit Westwinden.
Die übrigen Monate mit Ostwinde immer schön
Wetter. Die Maldiver sind schön obschon oliven-
färbig, sie scheinen von den Malabaren ab-
zustammen. Man begräbt hier sorgfältig die
abgeschnittenen Haare %und Nägel als Theile,
die eben sowohl als die übrigen zum Menschen
gehören. Die Hauptinsel Mala liegt in der Mit-
te aller Inseln. Es ist eine Art von Bäumen hier,
deren Holz ungemein leicht ist, mit deren Brettern die
die Täucher in der an versunknen Sachen anknüp-
fen, bringen sie weiße glatte Steine, die mit

/|P_256

/der Zeit schwarz werden hinauf zum Bauen, auch
wohl Canonen.

/Die Religion ist mahomedanisch.

/Die Maldiver eßen mit Niemanden, als mit einem,
der ihnen an Ehrenstellen, Geburt %und Reichthum völlig
gleich ist. Weil dieses nun schwer auszumitteln
ist, so schickt derjenige, der Freünde bewirthen will,
ihnen gemeiniglich einen Tisch mit Eßen «a¿¿»ins Haus.

/Die Betelblätter mit der Aracnuß werden
hier unmäßig gebraucht. Gegen Augenschmer-
zen, wenn sie lange in der Sonne bleiben, eßen
sie eine gekochte Hanenleber %und das hilft wie
Pyran an sich selbst erfahren hat. Die Nation ist
sehr geil. Der Hofstaat des Königs sieht ziemlich
prächtig aus. Maldivische Cocosnüße werden
aus der See ausgeworfen, ohne daß man weis
wo sie herkommen %und sind sehr rar, sollen ein
Arzneimittel seyn. Hier findet man die klei-
ne Muschel Bolis %und in Indien Koris genannt,
die 30 bis 60 Schifsladungen voll vornemlich nach
nach Bengalam geschifft werden %und dort für baar
Geld gehen. Sie gelten auch in Africa. Die

/|P_257

/Einwohner sind künstlich in Arbeiten.

/≥ Persien. ≤

/Das Land hat vornemlich in seinem mittlern
Theil, in den Gegenden von Tauris %und Schiras
@%.eine@ starke Abwechselung von Kälte %und Hitze. Es
giebt viele unbewohnte Wüsteneyen, %imgleichen Salz-
wüsten, die nach dem ausgetr«eten»ockneten Regen-
waßer mit Salz candisirt sind, in demselben.
In der Mitte von Persien ist kein schifbarer
Strom, %und es ist überhaupt nicht leicht, ein Volk
in der Welt, das an der See läge, %und so wenig
Ströme hätte. Vo«¿¿»m %Iuni bis zum %December ist die
Luft überaus heiter. Zum Gomron am persi-
schen Meerbusen in den nahe gelegenen Ge-
genden ist der Ostwind, der über die Wüste
Kermann komt, brennend heiß %und roth. Ist nichts
anders als der Samgel. Diese Insel Ormus
ist 2 Finger dick mit Salz candisiret %und daher
sehr heiß.

/Das Persische Geblüt ist sehr vermischt, %nemlich
von den Arabern, Tartarn, Georgianern, deren ~

/|P_257R δZ_03

/Die Perser sind
eben nicht schön von
Gesicht, aber von
Körper, nach Char-
dins
Bericht. ~

/|P_258

/Weiber sie häufig nehmen. Daher ist in ihrer Ge-
stalt außer der Olivenfarbe kein besonderes
Merkmahl. Die Gauren oder Guebern sind der
Nachlaß von der alten Nation. Zerdust oder Zo-
roaster
ist ihr Prophet. Sie sind häufig in den
%südlichen Provintzen anzutreffen, %und beten das Feüer an.

/Die Perser sind witzig %und artig. Sie lieben
die Poesie ungemein, %und sie gefällt auch selbst
denenjenigen, die kein persisch verstehen. Die
Mädchen werden im 8ten Iahre mannbar, %und im
30 hören sie auf es zu seyn. In Persien ist die
Astrologie in großem Ansehen. Das Reich ver-
wendet an die, welche sich hierin hervorthun an
Geschenken auf 2 Millionen %Reichsthaler. Weil sie al-
lenthalben mit den Medicis %zugleich bey Kranken
gebraucht werden (mit welchen sie doch in immer-
währender Uneinigkeit leben) so stehen sie in
großer Connexion %und können dadurch leicht heimli-
che Dinge erfahren. Eine rühmliche Sache in Per-
sien ist, daß meritirte vornehme Männer viel- 

/|P_259

/fältig im Alter öffentliche Lehrstunden halten,
da sie ihre Wissenschaft %und Erfahrung den Iungen
mittheilen. Was die Religion anbetrift so ist sie
eine Secte der Mahumedanischen, welche aber von
den Türken sehr gehaßt wird. Man findet a-
ber in ihren Schriften, ofters viel reinere
Begriffe vom Himmel %und Hölle als man sie im
Coran liest. Eine artige Fabel, die man hier
von drey Kindern erzählt, deren eins als ein
Kind starb, das 2te gottlos, %und das letzte from
starb. Eine andere Fabel vom Versuche der
Engel in menschliche Leiber überzugehen.

/Die guten Werke sind ihrer Lehre nach Zeichen
der göttlichen Gnade aber verdienen nicht die See-
ligkeit. Die Seele soll nach dem «Leibe» Tode, einen
zarten Luftleib bekommen.

/Adam soll %eigentlich durch das Eßen des verbote-
nen Baums nicht gesündiget haben. Es sey ihm nur
wiederathen worden, weil er diese grobe Speise,
nicht so wie die übrigen ausschwitzen könte. Er sey

/|P_260

/aus dem Himmel gestoßen worden, damit er ihn nicht
verunreinigte. Sonst ist ihre Andacht bey Predigten
sehr schlecht, indem manche Toback dabey rauchen, %und an-
dre sich unterreden pp.

/Hier laufen auch die Derwischen %und Taquirs häu-
fig um. Gegen den Persischen Meerbusen zu giebt
es so genante Iohannischristen, welche von Christo
nichts wißen, außer daß sie vom Taufen viel
Wesens machen %und des Iohannis zum öftern geden-
ken. Naphta fließt hier aus Felsen. Der Schiras
Wein soll der köstlichste in der Welt seyn. Man
trinkt ihn nur heimlich, aber man berauscht sich
öffentlich am Opium, Bang %und Trank von Mohnsaa-
men. Sie rauchen den Tobac durch Waßer. Das
Opium, das sie sehr stark brauchen, wird aus der
Mohnpflantze Hiltot durch Ritzen des Kopfes ge-
zogen. Die Arbeiter bekommen hierbey häufige Schwin-
del. In Chorosan giebt es Mumien, aber bloße
Sandmumien. Die Perlenfischerey trägt 5 Millionen
%Reichsthaler. Ietzt läßt man die Muschelbank ruhen. Sie
ist bey der Insel Baharen vorzüglich. Eine der

/|P_261

/vornehmsten Waaren, die man aus Persien führt
ist die Seide. Tutia ist eine Gattung Erde, welche
in Töpfen gekocht sich an die Seiten ansetzt. Dat-
teln %und Pistatien sind hier schön. Sie folgen dem
Galeno in ihren Curen, %und glauben er habe von Christo
darin sehr viel gelehrt. Er soll seinen Vetter Phi-
lippum
an Christum geschickt haben, der von ihm pro-
fitirte. Avicenna ist ihr großer Philosoph %und
Medicus (Siehe den gegenwärtigen Staat von A-
rabien %und der großen Tartarey, nach Salomons
Beschreibung)

/≥ Arabien.

/Es hat das «große» <rothe> Meer gegen Westen, welches
darum roth scheint, weil im Grunde viel Corallen-
gewächse sind. Die Winde sind auf demselben
fast eben so, als in der Zona torrida gedacht
worden. Suetz ist eine der besten Städte an
demselben; aber Niocha wird von den Eüropäern
am meisten besuchet.

/Medina daselbst ist des Mahomets Grab. Es
ist ein viereckigt Gebäude, 100 Schritt lang, 30 breit,
%und ruht auf Säulen, woran 4.000 Lampen hangen.
Das Grab selbst ist mit einem silbernen Gitter ~

/|P_261R δZ_13

/Es ist so groß wie
alle Länder von
der Türkey zusam-
mengenommen.

/Die arabische Race,
ist nicht sehr ver-
mischt.

/In dem Landstrich
zwischen dem schwarzen
Meer %und dem Caspi-
schen, findet man
viele Völcker deren
Sprache nichts %ähnliches unter
sich haben. ~

/|P_262

/umfaßt %und die Mauer ist auf allen Seiten
mit köstlichem Stoffe umhangen, mit Diamanten
besetzt, welches Geschenke Mahomedanischer Prin-
zen sind. Mecca liegt mehr Südwärts, darin ist
die Kaaba, ein würfelförmiges altes Gebäude,
deßen Dach mit rothem %und weißem Stoff, die Wände
aber mit Damast behänget, welches schon vor Ma-
homets
Zeiten vor heilig gehalten worden. Der
Platz umher ist mit Gallerien eingeschloßen; da-
hin geschehen die Wallfarten. Mascate hat den
mächtigsten Seefürsten in Arabien. Der größte
Theil der Araber wohnt in Zelten.

/Die Cherifen von Mecca %und Medina, kommen von
den Enkeln Mahomeds Hassan her. In Arabien %und
überhaupt unter den Mahomedanern ist das Stehlen
am meisten verhaßt %und selten.

/Die herumschweifende Araber sind in Stämme
eingetheilt, die ihre Scheiks oder Emirs haben.
Einige sind den Türken tributair, die meisten nicht.

/Die Araber sind mittelmäßig groß, schlank,
schwärzlich, haben eine feine Stimme, sind tapfer. ~

/|P_262R δZ_03

/Die Araber in
den Wüsten heis-
sen Beguinen.
Stehen unter Scheiks,
welches so viel
als Aelteste be-
deütet.

/Der Emir der die
Carawane nach
Mecca begleitet
heißt Emir
Hadschi, der sie
aber führet E-
mir Baschi. ~

/|P_263

/Sie punctiren ihre Haut gern mit Nadeln, worinnen
sie ätzende Farben einreiben. Viele tragen Na-
senringe. Sie sind aufrichtig, ernsthaft, liebreich,
%und wohlthätig. Wie ihre Räuberey zu Waßer %und zu
Lande zu entschuldigen sey. Ihre wenigen Brunnen in
den wüsten Gegenden, machen es sehr beschwerlich
zu reisen, aber der Dienst der Cameele erleichtert es.

/Die Arabische Sprache ist die gelehrte im Orient.
Sie halten eben so wie die Türken die Hunde für
unrein, %und scheüen ihre Berührung. Sie nehmen aber
das Windspiel %und den Spürhund aus.

/≥ Natur-Beschaffenheit. ≤

/Das Land ist mehrentheils sandigt %und dürre.

/Der rechte Dattelbaum ist %eigentlich in Persien,
%und Arabien zu Hause. Er ist entweder mänlich oder
weiblich. Der erstere trägt Blumen %und keine
Früchte, der letztere umgekehrt. Von ihrer Begattung.
Das %weibliche trägt nicht eher Früchte, bis es von
dem Staube des ersteren bestäubet ist, der män-
liche hat eine Art Schooten, welche beym Aufplat- 

/|P_264

/zen einen Blumenstaub von sich geben. Der Sy-
rop, der aus Datteln gekocht wird, dient hier an-
statt Butter. Die Aloe %sonderlich von Socotora, ist
hier am besten %und häufigsten. Der arabische Bal-
sam, wird durch Einritzen eines besondern Baumes
gewonnen. Er ist anfangs so stark, daß von sei-
nem Geruch die Nase blutet. Myrrhen. Abel-
Mosch, oder der Saame des Mosch sind Balsam-
körner, sind Saamen einer Pflantze.

/Der Fels in der Arabischen Wüste Sin, darin
noch die Löcher, daraus auf Mosis Anschlagen
mit dem Stock Waßer gefloßen, zu sehen.
Die Griechen haben das Kloster auf dem Berge
Sinai schon auf 1.000 Iahr in Besitz gehabt.
Sie haben hier den besten Garten von Arabien.

/≥ Religion. ≤

/Mahomed, der in Mecca anno 571 gebohren, hey-
rathete eine reiche Witwe Cadigha. Diese machte
seinen %vertraulichen Umgang mit dem Engel Gabriel
«kund» in einer Höhle neben Mecca kund. Er be-
schuldigte Iuden %und Christen der Verfälschung

/|P_265

/der %Heiligen Schrift, gab seinen Coran stückweise
heraus. Ali Osman %und Ababeker waren bald
seine Neübekehrten. Von diesen verbeßerte
Osmann seinen Coran. Mohamed, war liebreich, be-
redt, schön. Seine Schreibart war so vortreflich,
daß er sich oft zum Beweise seiner Sendung
auf die Schönheit seines Styls berief.

/Er bekante daß er keine Wunder thun
könnte, doch dichtet man ihm an, daß er den Mond
in 2 Theile zerspalten, daß eine Schöpskeule ihn
gewarnet, nicht von ihr zu eßen, weil sie ver-
giftet wäre. Man dichtet ihm viel Betrügereyen
an, die er doch nicht gethan hat. Er heyrathete nach
der Cadigha Tode, die Aischa, eine Tochter des
Ababekers, %und hernach auch die Kapsha eine
Tochter des Omars.

/Von seiner Reise durch die 7 Himmel.

/Das Volk in Medina, fing an ihm «nach»<an>zuhängen,
%und er floh dahin bey seiner Verfolgung durch
die Regierung. Diese Aera der Mahomedaner
war 622 nach Christi Geburth.

/Seine Tochter Fatima verheyrathete er an ~

/|P_265R δZ_02

/Die Karavane
von Marocco hat
die gefährlichste
Reise. ~

/|P_266

/den Vetter Aly. Er befahl das Gesicht im
Beten gegen Mecca zu kehren, gab die Vorherbe-
stimmung des Todes vor, als er geschlagen war.
Er nahm Mecca durch Ueberrumpelung ein %und
bezwung einen großen Theil Arabiens, starb
am dem Gifte, welches er mit der Schöpskeule
eingefreßen. Das Gebiet von Mecca ist heilig.
Der Brunnen Zenzem. Alle Mahomedaner sollen
wallfarthen, oder doch andre schicken.

/≥ Asiatische Tartarey. ≤

/Dieses große Land wird fälschlich mit einem
gemeinschaftlichen Namen Tartarey oder Tata-
rey genannt; den diese ist eine von den Horden
gewesen, die sich zu einer gewißen Zeit vor
andere hervorgethan, %und mächtig gemacht haben.

/≥ Rußisches Gebiet
/I Siberien

/Die Einwohner sind Rußische Christen, theils
Mahomedaner aus der Bucharey, theils Heyden ~

/|P_266R δZ_03

/Iulfa die Vorstadt
von Ispahan ist voll
von Armenianern. ~

/|P_267

/von allerley Gattungen, deren die größe Menge ist.

/Die Mahomedaner sind höflich %und eines fried-
lichen Wesens. Sie sind die einzige in diesem Lande,
welche einen Abscheü vors Besaufen haben, denn
was die übrigen, sowohl Christen als Heyden an-
langet, so ist wohl nirgend ein Geschlecht der Men-
schen, da der Saufteüfel so seine Herrschaft
bezeigen sollte, als hier. Siberien ist %vornemlich
in deßen südlichem Theile ein gut Land, es hat allent-
halben Weyde %und Waldungen im Ueberfluß, %und
trägt allerley Getrayde, welches doch gegen Nor-
den zu abnimt, %und weiter nach der Chinesischen
Grentze hin aus Faulheit nicht gebauet wird.
Es hat Silber, Gold, Kupfer, Eisen, Marienglas
Marmor pp In dem Arginskischen Silberberg-
werk, wird im Durchschnitt des Iahres 15 δLücke Silber
gewonnen. Obgleich die Viehweyde hin %und wieder
sehr gut ist, so giebt es doch große Steppen hin
%und wieder «große St» oder Wüsten von dürrem Grase,
welches sie anstecken, %und oft Meilenweit abbrennen.

/|P_268

/Ueberhaupt ist es merkwürdig, daß allenthalben
in diesen Landen, %und wie andre Reisende versichern,
auch in der Mugalischen Tartarey die Erde in die
Tiefe von 3 bis 4 Fuß niemahls im heißesten
Sommer aufthauet. Dieses fand Gmelin mit-
ten im Sommer in Argunskoi, einer Stadt die
noch näher nach Süden liegt, als Berlin. In den
%nordlichen Provintzen scheint dieser Frost in der Tiefe
kein Ende zu haben. In Iakutskoi, sollte ein
Brunnen gegraben «(» werden (denn man muß merken,
daß es in den etwas %nordlichen Theilen von Siberien,
gar keine Qüellen giebt, weil die Erde bald
unter der Oberfläche gefroren ist.) allein diese
Erde war auf 80 Fuß tief immer gefroren,
%und davon kein Ende zu finden. Bey dem Fluße
Iunackan, in dem Lande der Iakuten, sind
einige Eisseen, da es mitten in der Hitze des Som-
mers an den freyen Luft starkes Eis frieret.
In Ieniseiskoi fand Gmelin bey seinem Winter-
aufenthalte eine Kälte, die das Fahrenheitsche

/|P_269

/Thermometer 120 Grad unter 0 brachte, das
Quecksilber schien Luft von sich zu geben,
aber es gewann nicht. In Iakutskoy kan
man die Früchte in Kellern unverletzt er-
halten, weil der Frost niemahls herauskömt.

/Von den Mammons Knochen in Syberien.

/≥ Character der Nation in Syberien

/Die Samojeden, als die äußerste Bewoh-
ner dieses Landes gegen Norden sind klein,
plump, von glatten Gesichtern, brauner Farbe %und
schwarzen Haaren. Ihre Kleidung ist im Sommer aus
Fischhäuten, %und im Winter aus Rauchfellen gemacht.
Ihr Gebäude ist nur ein Zimmer, wo der Heerd in der
Mitten %und das Rauchloch oben ist, welches wenn
das Holz ausgebrant ist, mit einem durchsichti-
gen Stück Eis zugemacht wird, %und zum Fenster
dienet. Ihre Speisen sind frische %und trockene
Speisen. Man gehet hier, wie in dem übrigen
nordlichen Siberien auf langen Brettern, wenn
tiefer Schnee ist.

/|P_270

/Fast alle nordliche Bewohner Siberiens schlucken
den Toback beym Rauchen herunter.

/Die Ostiacken bringen ihr Leben mit der Iagd,
%und dem Fischen zu. Sie thun dies aber mit solcher
Faulheit, daß sie oft in sehr große Noth kommen.
Ihre Kleider machen sie von Störhäuten.

/Unter allen Siberianern möchten wohl die Tun-
gusen, vornemlich in Konnigsche die fleißigsten
seyn, denn ob sie gleich keinen Ackerbau haben, so
sind sie doch ziemlich geschickt, allerley Handarbeit
zu machen, %und fleißig auf der Iagd. Da im Gegen-
theil die Iakuten kaum so viel Lust haben, ihre
Fallen, worinn sie das Eichhörnchen fangen aufzu-
stellen.

/Alle Tartarn die Pferde haben, machen aus
ihrer gesäuerten Milch, einen berauschenden Trank,
oder ziehen auch Brantwein ab. Alle ihre Gedan-
ken, alle ihre Festtage sind auf nichts anders
gerichtet, als hierauf. Wo man Kühe hat, macht
man eben dieses auch aus Kuhmilch. Es ist zu merken
daß um Tobolskoy, so wie in Persien die Kühe keine

/|P_271

/Milch geben, wenn nicht das Kalb oder deßen
ausgestopfte Haut dabey ist. Es ist auch wunder-
bar, daß das Rindvieh sich hier im Winter durch
das Wegscharren des Schnees, das dürre Graß
selbst hervorzusuchen weiß. Außer dem Sau-
fen herrscht die Unzucht %und daher die Venus-
seüche in allen Städten, als Tobolskoi, Ienisei-
koi, Nerzinskoi, Iakutskoi, Argunskoi %und andern
dermaßen, daß man in keinem Lande der
Welt, so viele Leüte ohne Nasen sieht als hier.
Allein es scheint sich endlich ihre Natur so daran
zu gewöhnen, daß sie selten daran sterben.

/Die Faulheit in diesen Ländern ist %erstaunlich.
In Nerzinskoy wird einer lieber sein Haus
umfallen laßen, als es stützen. Kein Verdienst
kan ih«m»n zur Arbeit bewegen, sondern blos die
Gewalt.

/≥ Religion. ≤

/Wenn man die Rußen ausnimt, in denen doch
kaum ein Schatten der Religion ist, %und die Mahume-
daner, so haben die andern Völcker, mit keiner andern

/|P_272

/Gottheit als mit den Teüfel zu thun. Denn ob
sie zwar einen obersten Gott statuiren, so
wohnt der doch im Himmel %und ist gar zu weit; die
Teüfel aber regieren auf der Erde. Alle
Dörfer haben ihren Schamman oder Schama-
nin d. i. Teüfelsbeschwoerer. Diese stellen
sich wie rasend an machen grausame Gebehr-
den, murmeln Worte, %und dan geben sie vor,
den Teüfel ausgefragt zu haben.

/Gmelin hat sich von ihnen oft vorzaubern
laßen, aber jedes mahl ihre Betrügereyen
entdeckt. In Iakutskoy fand er eine Scha-
manin, welche das Volk betrogen, indem sie
that, als wenn sie sich ein Meßer in dem Leib
stach, aber endlich die Herzhaftigkeit hatte,
als er auf sie genau Acht gab, sich wirklich
hineinzustechen, etwas von dem Netze her-
auszuziehen, ein Stück abzuschneiden %und es auf Koh-
len gebraten zu eßen. Sie heilete sich in 6 Tagen.
Allenthalben hat man Bildniße vom Teüfel.
Der Ostiaken ihrer ist sehr unförmlich, der Iakuten
aber eine ausgestopfte Puppe.

/|P_273

/≥ Kamtskutska
/Eine Halbinsel. ≤

/Dieses Land ist wegen des Versuches der
Rußen, die Durchfarth in Norden zu suchen
sehr berühmt. Ihre Beobachtungen sind uns
noch nicht recht bekant geworden. Die Einwohner
sind fleißiger in der Iagd und Fischerey, als
die andern. Siberianer, sehen beßer aus %und
haben beßere Kinder. Sie beschäftigen sich
mit Schießen der Meerottern, %und anderer
Pelzwerke, %und fangen Seekuhe, Seelöwen, Seebä-
ren %und andere Seethiere mehr. Die Astrakanische
Tartarn stehen auch unter Rußland. Die tarta-
rische Vorstadt in Astracan wird nur im Win-
ter von Tartarn bewohnt, im Sommer campiren
sie. Außer dem Belluga, einer Gattung Stöhre,
deßen Rögen der Caviar ist, wird noch der Ster-
lede ein fetterer %und delicaterer Fisch «ge» allhier
in der Wolga gefangen. Der Zaar hat hier Wein-
stöcke pflantzen laßen, welche %ziemlich gut fortgehen.
Dieses Land hat großen Mangel an Regen. Vom

/|P_274

/Merz bis in dem Septembr regnet es hier gar
nicht. Die Nagaischen Tartarn haben ein runz-
lichtes, heßliches Gesicht. An der Ostseite von
Astracan neben dem Caspischen Meer wohnen
die Karakalpacken d.i. Tartarn, die von den schwar-
zen Mützbremen ihren Namen haben, %und zum
Theil unter Rußischem Schutz stehen.

/Gegen Westen von Astracan sind die Cir-
caßischen Tartarn anzutreffen. Ihr Land ist
eine rechte Pflanzschule schöner Weiber, welche
von da in die Türkischen %und Persischen Länder
verkauft werden. Das Land ist schön, aber
die Viehzucht wird mehr als der Ackerbau ge-
trieben. Von hier hat die Inoculation der Pocken
ihren Anfang genommen, weil sie die Schönheit
erhält.

/≥ Muhamedanische freye Tartarn. ≤

/Usbeck hat 3 Abtheilungen 1) die große Bucharey
mit den Stadten Samarca %und Buchara, davon die
erstere eine lange Zeit der Sitz aller Wissenschaften
im Orient war. Balk hat einen besondern Chan,

/|P_275

/die Bucharer sind wohlgesittet %und die alten Ein-
wohner des Landes handeln stark. Sie stehen
alle unter der Protection des großen Moguls,
welcher daher seine besten Soldaten hat. 2.
Kavasm. Die Einwohner deßelben sind wohl-
gesittet %und starke Räuber. 3) Turkensten, daraus
die Türken entspringen.

/Westwerts dem Caspischen Meere, findet man
die Dagestanische Tartarn, die häßlichsten un-
ter allen %und Erzräuber.

/≥ Mogulische Tartarn

/Sie wohnen westwärts %und nordwärts der Küste
Schame oder Xam. Karakarum eine Stadt an
dieser Wüste war die Residenz des Zsichingis_Kan
eines der grösten Eroberer in der Welt. Mogulen
werden von den Chinesern stinkende Tartarn ge-
nennt, wegen ihres übeln Geruchs. In ihrem Lande
%und dem Lande der Kalmucken giebts keine Bäume,
sondern bloße Gesträuche. Sie wohnen daher
nicht in Städten, sondern in Lagern. Das Erdreich
soll allenthalben in der Tiefe von wenig Fuß, selbst

/|P_276

/im Sommer gefroren seyn. Man lebt von der
Viehzucht, %sonderlich Pferden %und Kraeutern.

/≥ Kalmucken
/nennen sich selbst Etuthen. ≤

/Die Kalmucken bewohnen die höchste Gegend der
%östlichen Tartarey, bis an das Gebürge Imaus %und
haben sich ostwärts %und nordwärts ausgebrei-
tet. Sie rühmen sich ächte Nachkommen der alten
Mugalen zu seyn. Ihre Gestalt ist oben beschrie-
ben. Ihr oberster Beherrscher nennet sich Con-
taischa; seine Gewalt erstrekt sich bis Tangut,
obgleich einige Horden sich unter Rußlands
Schutz begeben haben. Im Königreiche Tangut
blühet noch etwas von den Wißenschaften
der alten Mugalen. In Barantola, oder wie
andere es nennen in Potala residirt der gros-
se Oberpriester der Mugalischen Tartarn, ein
wahres Ebenbild vom Pabst. Die Priester die-
ser Religion, die sich von dieser Gegend der
Tartarey bis an das chinesische Meer ausgebreitet

/|P_277

/hat, heißen Lamas. Diese Religion scheint ein in
das blindeste Heydenthum, ausgeartetes %katholisches
Christenthum zu seyn. Sie behaupten Gott habe
einen Sohn, der in die Welt als Mensch gekom-
men, %und in der er bloß als ein Bettler gelebet,
sich aber blos damit beschäftiget habe, die Men-
schen seelig zu machen. Er sey zuletzt in den Himmel
erhoben worden. Dieses «Gm» hat Gmelin aus dem
Munde eines Lama selber gehört. Sie haben auch
eine Mutter dieses Heilandes, wovon sie Bild-
niße machen. Man sieht bey ihnen Paternoster.
Die Mißionarien berichten, daß sie auch etwas
dreyfaches in dem %göttlichen Wesen statuiren, %und daß
der Dalei Lama ein gewißes Sacrament, mit
Brod %und Wein administriren soll, welchen aber kein
andrer genießt. Dieser Lama stirbt nicht. Seine
Seele belebt ihrer Meynung nach alsbald einen
Körper, der dem vorigen völlig ähnlich war. Einige
Unterpriester geben auch vor, von dieser Gottheit
beseelt zu seyn, %und die Chineser nennen einen solchen
einen lebendigen Fo. Das Angeführte, %und daß der

/|P_278

/große Lama, welchen sie auch den ewigen Vater
nennen, wirklicher Pabst «sey» bey den Heiden ist,
%und auch so zu sagen, sein Patrimonium Petri
zu Barantola hat, bestätiget die obige Vermu-
thung. Was «die» einige Reisende vorgeben, daß
die Anhänger dieses Glaubens, den Koth des
Lama als ein feines Pulver bey sich führen,
%und in Schachteln tragen, %und etwas davon auf ihr
Eßen streüen, mag wohl eine bloße Verläum-
dung seyn.

/≥ Niuche oder Manchewe Tartarey

/wohnen in Städten. Die Wissenschaften %und Künste
floriren hier %ziemlich. Diese Tartarn haben
China bezwungen, %und es herrschen noch Kayser
aus diesem Stamme. Sie sind wohlgesittet, bauen
den Acker. In ihren Wüsten wächst die Wurzel
Ginseng. Sie sind von der Religion des Dalai
Lama.

/≥ Von dem Versuche, aus dem nordischen
Eismeere eine Durchfarth nach Indien zu suchen

/Die Rußischen Monarchen, haben seit Czaars

/|P_279

/Peters Zeiten, Schiffe auf diese Expedition
geschicket, theils sind sie von den nordischen Küsten
von Asien fortgesegelt, aber weil man daselbst
in Eise bald einfrieret, so ist versucht worden
in Kamschatka Schiffe zu bauen %und Nordostwerts
eine Durchfarth zu finden. %Capitän Behring scheiterte
an den Curallischen Inseln, aber es wurden den-
noch wichtige Entdeckungen gemacht, die das
Rußische Gouvernement bisher verschwiegen hält.
Soviel ist höchst wahrscheinlich, daß Asien %und Ame-
rica nicht zusammenhange.

/≥ Asiatische Türkey

/Es ist dieses weit ausgebreitete Land in einigen
als den gebürgigten Gegenden von Armenien
%ziemlich kalt, in der Ebene am Seeufer als bey Aleppo
heiß. Bey Erzerom fand Tournefort gegen das Ende
des Iunius noch Eis von 2 Finger dick, %und daß es eini-
gemal schneyete. Daher in dieser Gegend fast gar
kein Holz anzutreffen. Auf dem Berge Libanon fin-
den sich nur noch 16 Stück von den majestätischen Ce-
dern des Alterthums, die aus dem Schnee hervorgewach- 

/|P_280

/sen. Der Boden dieses Landes ist hin %und
wieder salzigt %und voll Naphta. Bey Aleppo
ist ein Salzthal, wo das Zusammengelaufene
Waßer, wenn es austroknet, Salz zurück-
läßt. Man findet auch einige Meilen vom
todten Meere, schon eine Salzrinde auf
dem Felde, %imgleichen hin %und wieder in der Erde.
Die Türken, die diese Länder besitzen, sind
%eigentlich von Tartarischer Abkunft, wohl-
gestaltet, gastfrey mildthätig gegen
Arme %und gegen Reisende, in der Verrich-
tung der Caravanen Seras. Sie sind %ziemlich
der Faulheit ergeben, können stundenlang
beyeinander sitzen, ohne zu reden. Der Geiz
ist ihr herrschend Laster. Sie sollen zwar
keinen Wein trinken, aber man trinkt ihn doch
heimlich. Man hat bey ihnen keinen Adel; keine
Duelle. Ihr Glaube von der Praedestination.
Sie spielen nie um Geld. Sie sind Muhamedaner
von der Secte des Omars.

/|P_281

/≥ Haß gegen die Persianer. ≤

/Es giebt selbst viele Secten unter ihnen, ja
sogar Sceptici %und Atheisten. Mingrelien,
Georgien, %und Iremette sind die Pflanzschu-
len schöner Weiber. Mingrelien ist sehr regen-
haft. Das Erdreich ist hier so durchweicht,
daß man das Getreyde in den umgepflüg-
ten Acker hinwirft, oder zum höchsten
mit einem hölzernen Pfluge umwühlt. Die
Georgianer sind schlechte Christen, unkeüsch,
diebisch, versoffen. Die Armenianer ge-
hören, unter die grösten Kaufleüte im
Orient.

/≥ Der II Welttheil.
/Africa

/I. Das Vorgebürge guter Hoffnung

/Die eigentliche Einwohner sind Hottentotten.
Diese haben nur eine Zigeüner Farbe, aber
schwarz, wolligt Haar wie die Negers %und einen
dünnen wolligten Bart. Sie drucken ihren
Kindern bald nach der Geburth, die Nase

/|P_282

/oberwerts ein, %und haben also eine ungeschickte auf-
gestutze Nase %und dicke Wurstlippen. Einige haben
ein natürliches Fell am Osse pubis, welches ihre
Genitalia bedecket, ob sie gleich noch ein Schaffell
darüber tragen. Thevenot bemerket eben dieses
von vielen Mohrinnen, %und Aegyptierinnen. Sie wer-
den alt, sind sehr schnell zu Fuß. Sie salben %täglich
ihre Haut mit Schöpsenfett alter Butter %und Kieferruß.
Kolbe glaubt, dieses geschehe um die Schweißlöcher
gegen die gar zu große Austroknung der Lufft
zu bewahren. Allein daß es aus Galanterie
geschehe, sieht man daraus weil sie nicht allein
ihre Haare, ohne sie sich jemahls zu kämmen, täglich
mit eben derselben Salbe balsamiren, sondern
auch ihr Schaafpelz, den sie %erstlich mit Kuhmist (wel-
ches überhaupt ihr LieblingsGeruch ist) stark einsalben,
%und %täglich mit Schaaffet %und Ruß schmieren. Ihre übri-
ge Zierrathen sind Ringe von Elfenbein, um die Arme,
ein kleiner Stock mit einer Katze oder Fuchsschwanz
welcher zum Schnupftuch dienet. Nur die Weiber tragen

/|P_283

/Ringe von Schaafleder um die Beine gewickelt. In
den Haaren tragen sie Glas, MeßingsKnöpfe, %und um
den Hals kupferne Ringe. In Festtagen mahlen
sie sich 6 rothe Striche mit rother Kreide über die
Augen, Backen, Nase %und Kinn.

/In ihren Schlachten sind sie mit Wurfpfeilen,
einem Priesterrock %und Picke ausgerüstet %und attaquiren
so lange, als ihr Oberster auf der Pfeife bläßt
mit %wunderlichen Grimacen, indem sie einzeln einen
Ausfall thun, %und bald zurückspringen. Wenn der Oberste
zu blasen aufhöret, so hört das Gefecht auf. Sie
können auf eine erstaunliche Art mit Wurfpfeilen
oder Steinen treffen, %und zwar, indem sie ihre Augen
nicht gerade auf den Gegenstand, sondern oben
unten %und zu den Seiten richten.

/Sie haben eine Menge religiöser Handlungen,
ob sie sich gleich %eigentlich niemahls darum beküm-
mern, was Gott, den sie den öbersten Hauptmann
nennen, sey. Sie verehren den Mond, %und tanzen vor
einer Gattung von Goldkäfern, die sie als eine

/|P_284

/Gottheit verehren. Wenn dieser sich irgend in
einen Dorfe zeigt, so bedeutet es gros Glük,
%und setzet er sich auf irgend einen Hottentotten,
so ist er ein Heiliger. Sie glauben wohl ein Leben
nach dem Tode, aber sie denken niemahls an See-
ligkeit oder Unseeligkeit. Sie scheinen etwas
von dem Iudenthum angenommen zu haben. Der
erste Mensch hat ihrem Vorgeben nach, Noh geheis-
sen. Sie enthalten sich keines andern Fleisches,
als des Schweinfleisches, %und der Fische ohne Schup-
pen. Sie geben aber niemahls eine andre Ursache
an, als weil es so Hottentottengebrauch ist.
Die Hottentotten haben viel natürlichen Witz
%und viel Geschicklichkeit in Ausarbeitung man-
cher Sachen, die zu ihrem Geräthe gehören, sie
sind ehrlich %und sehr keüsch, auch gastfrey.

/Aber ihre Unflä«h»tigkeit geht über alles. Man
riecht sie schon von weiten. Ihre neügebornen
Kinder salben sie recht dick mit Kuhmist %und legen
sie so in die Sonne; alles muß bey ihnen nach Kuhmist

/|P_285

/riechen. Läuse haben sie zum Ueberfluß, wel-
che sie zum Zeitvertreibe eßen. Alle Hotten-
totsche Knaben müßen vor dem 9ten Iahre
eines testiculi beraubet werden. Diese %und
andere Feyerlichkeiten werden damit beschlos-
sen, daß zwey Aelteste die ganze Versammlung
bepißen, welches Weihwaßer sie sich stark
einreiben. Dieses geschieht auch bey Zusammen-
gebung zweyer Eheleüte. Der Iunge wird mit
vielen Ceremonien im 18ten Iahr unter die Män-
ner aufgenommen %und wie vorher bepißt, welches
er sich mit Fett einreibt. Hernach muß er mit
keinem Weibe mehr etwas zu thun haben, %und kan seine
Mutter ungetadelt wohl gar prügeln. Die Wei-
ber müßen die ganze Wirtschaft besorgen;
der Mann thut nichts als Toback rauchen, «s»Saufen
%und etwa zur Lust jagen. Ihre Faulheit bringt sie
oft in große Noth, so daß sie ihre Schuhsohlen
oder die ledernen Ringe um die Füße freßen.
Unter ihre %lächerlichen Gewohnheiten gehört sonderlich

/|P_286

/daß eine Wittwe, die zum zweitenmahle
heyrathen will, sich ein Glied vom Finger muß
abschneiden laßen; dieses fängt von erstem Glie-
de am kleinen Finger an, %und geht so, wenn sie mehr-
malen heyrathet, durch alle Finger durch.

/Was ihr Eßen anlangt, so sind sie die grös-
ten Liebhaber von den Gedärmen. Sie machen
Kochtöpfe aus Erde von Ameisenhaufen, ihr
Löffel ist eine Muschel. Sie braten zwischen
heißen Steinen. Brantwein ist ihr ergötzlich-
stes Getränke, wovon sie nebst dem Toback-
rauchen fast rasend werden. Die Kühe ge-
ben hier auch nicht Milch ohne daß das Kalb
dabey ist. Sie blasen ihnen aber in dem Verwege-
rungsfall mit einem Horn in die Mutter. Die
Butter machen sie durch Schütteln der Milch.
in Sacken von rohen Ochsenhäuten, davon das
Rauhe inwendig ist. Aber sie brauchen sie nur
sich zu schmieren. Kein Volk ist hartnäckigter auf
seine Gewohnheiten. Man hat noch nicht einen Hot-
tentotten zum %christlichen Glauben bringen können.

/|P_287

/Wenn sie Zwillinge bekommen, %und eins ein Mädchen
ist, so begraben sie es lebendig.

/Wenn ein alter unvermögender Mensch nicht
mehr seine Nahrung suchen kann, so schaffen
sie ihn bey Seite, laßen ihm etwas Vorrath
%und darauf verhungern. Sie halten viel zum
Streite abgerichtete Ochsen oder @Backeleyer@.
Ihre Hütten sind wie Heühaufen, %und das Dorf
in die Runde mit Hütten besetzt. In der Mitte
ist das unwehrhafte Vieh. Auswerts die
Streitochsen %und Hunde.

/≥ Naturbeschaffenheit des Landes. ≤

/Vom May bis in den %September sind hier häufi-
ge Regen mit Nordwestwinden, vom %September
bis in den Merz das Gegentheil. Wo das Re-
genwaßer in Pfützen austroknet, bleibt
Salz zurück. Selbst ein Gefäß, das mit sei-
ner Oefnung den Wind auffängt, setzt Was-
ser auf dem Grunde ab, welches salzigt wird.

/Der gute Mousson, oder Südostwind streicht
hoch, %und hat eine ungemeine Gewalt. Dieser

/|P_288

/erhält die Gesundheit. In den Zweifelmo-
nathen ist es sehr ungesund.

/Das Gewölke am Tafelberge, das Ochsen-
auge genannt, ist oben beschrieben worden.

/≥ Producta des Landes

/Das Waßer auf dem Capo ist sehr schön.
Es verliert wenn es bis nach Eüropa gebracht
wird, nicht seine Neüigkeit. Man findet
Eisensteine, daraus die Hottentotten Ei-
sen schmelzen, %und sich ihre Werkzeuge mit Stei-
nen schmieden.

/Man findet Zinnober %und etwas Gold. Es
findet sich hier der Elephant, deßen Mist
die Hottentotten im Nothfall als Toback
rauchen. Löwen, Tyger %und Leoparden, deren
Fleisch sehr schön schmeckt. Das Nasehorn,
deßen Horn, wenn es als ein Becher ausge-
höhlt worden, vom Gifte springt. Das Ze-
bra, der Büffel, das Flußpferd, Stachelschwei-
ne, wilde Hunde, die in Gesellschaft jagen, aber
den Menschen nichts thun. Viel Paviane. Iack- 

/|P_289

/halse, Stinkdachse, die, wenn sie verfolgt
werden, einen solchen Gestank von sich laßen,
daß Menschen %und Thiere ohnmächtig werden.
Große Schildkröten, die Durstschlange,
(prester) die Cobra de Capello, Tausendfüße,
den Nordcaper, Delphine %und Doraden, Hayer, Blaser,
Krampfische. Es findet sich hier auch die Wurzel
Ginseng, %und die Hottentotten, trachten sehr dar-
nach. Der Wein ist schön.

/≥ Das Land Natal. ≤

/wird von Kaffern bewohnt %und ist zum Theil von
den Holländern erkauft. Die Caffern haben
fast nichts ähnliches mit den Hottentotten.
Sie salben sich nicht, wie diese, haben viereckigte
@leinerne@ Häuser, sind sehr schwarz, haben lange
glatte Haare, säen %und brauen Getränke, welches
die Hottentotten nicht thun. Sie handeln mit
den Seeräubern. Die Thiere %und Pflanzen sind
hier eben dieselben, als im Lande der Hottentotten.

/≥ Die Küste Sofala. ≤

/Sie wird jetzt Sena genant, wegen einer por- 

/|P_290

/tugiesischen Stadt dieses Namens. Man hält die-
se Küste vor das Ophir des Salomons mit vieler
Wahrscheinlichkeit. Man findet hier Elephanten
Zähne %und Goldstaub. Mazambick eine Insel ge-
hört den Portugiesen. Oberhalb dieser Küste ge-
hört das Land den Arabern von Muscate, %und eini-
gen Wilden ungastfreyen Nationen, bis an die
Meerenge Bab-al-Mandal.

/≥ Eyland Madagascar. ≤

/Diese Insel wird vor die gröste unter allen
bekanten gehalten. Die Franzosen beherrschen
ein gutes Theil der Küste. Die Einwohner sind
theils schwarze, deren Menge 1.600.000 gezählt wer-
den, theils von arabischer Abkunft. Die Schwar-
ze sind groß, hurtig. Die Weiber schön %und artig.
Niemand bekümmert sich darum, wie sich ein Mäd-
chen vor der Ehe aufgeführet habe, wenn sie nur
hernach treü ist.

/In ihren Kriegen hanget der Sieg blos von der
Tapferkeit des Anführers ab; deßen Tapferkeit
oder Flucht ein gleiches unter dem Volcke nach sich
zieht. Sie haben die Beschneidung, wie die meisten
africanischen Nationen der Küste. Sonsten haben

/|P_291

/sie keine andre Gottheit als eine Grille, die
sie im Korbe futtern, %und worin sie die besten
Sachen setzen. Dieses nennen sie ihr Oly. Die
Ochsen haben hier alle Höcker von Fett. Die Schafe
bekommen sehr breite Schwänze, die aus lauter
Fett bestehen. Es findet sich hier eine Menge
leüchtende Fliegen, welche wenn sie sich des Nachts
auf einem Baum befinden, das Anschein geben,
als wenn der Baum brennet. Eine Art Schlangen
kriecht denen Unvorsichtigen mit großer Geschwin-
digkeit in den Steiß %und tödtet sie.

/Man findet hier auch ein großes Seeungeheüer;
so groß als ein Ochs mit Crocodillfüßen, aber
burstig.

/Auf der Insel haben sie kein ander Gold,
als was sie von den Arabern durch Handel
bekommen haben. Aber %unterschiedliche Edelgestei-
ne finden sich bey ihnen.

/≥ Monomotapa. ≤

/Der Kayser dieses weitläuftigen Landes
herrscht über viel Unter-Könige. Im innern des
Landes, sind Gold %und Silberbergwerke, die sehr

/|P_292

/reichhaltig sind.

/Die Einwohner sind schwarz, behertzt, schnell zu
Fuße. Sie bemengen sich viel mit Zaubereyen. Die
Portugiesen wollen uns weiß machen, es wären
unter den Soldaten dieses Kaysers auch Amazonen-
Legionen, welche sich die linke Brust abbrennen,
%und sehr tapfer fechten.

/≥ Von den Ländern
/Congo, Angola, %und Bengala

/Die Luft in Congo ist gemäßigt. Vom Aprill
bis in den August ist hier Regen mit Nordwest-
winde %und vom %September bis in den April heiter mit
Südost. Obgleich ihnen in diesen letzten Monathen
die Sonne am höchsten ist, so kühlen diese Winde doch
ungemein. Das Erdreich ist sehr fruchtbar.

/Man bauet einige Gattungen von Korn, Hirse %und
Hilsenfrüchte. Man macht Brod aus der Wurzel
Manioc. Die Bananas, Amanas %und andere mehr
finden sich hier. Der Ensada Baum ist mit dem
Banian Baum einerley. Der Migna_minga soll an
Blätter %und Holz giftig seyn. Allein wer durch seine
Blätter vergiftet worden, dem hilft das Holz %und so

/|P_293

/umgekehrt. Die Mißionarien melden hier von ei-
nigen Vögeln, die articulirte Stimmen haben, als deren
einer den Namen Iesus Christ recht vernemlich aus-
sprechen soll, andre deren Geschrey wilde Thiere ver-
räth.

/Man jaget hier den Elephanten, vornemlich um
seines Schwanzes willen, weil das Frauenzimmer
mit seinen Borsten, ihren Hals ausziert.

/In Congo giebt es sehr gefräßige Ameisen, die eine
ganze Kuh auffreßen.

/Unter dem Fischen ist hier auch die Meerjungfer.
Große Schlange Embambe die ein Schaaf auf
einen Bißen verzehrt. Die Einwohner dieser Län-
der sind ganz schwarz. Obgleich auch mit vielen
Mulatten untermengt, %vornemlich in den portugie-
sischen Besitzungen von Angola %und Bengala.

/Bengala hat eine sehr ungesunde Luft. Die Eüro-
päer verlieren hier, ihre gesunde Farbe.

/Die Religion ist hier mehrentheils christlich.
Die heidnischen Einwohner bemengen sich viel mit
Zaubereien.

/≥ Anzicko, Matamba %und die Iaggas. ≤

/Die von Anzicko werden beschnitten. Bey ihnen soll
nach dem Berichte der Missionarien, Menschenfleisch

/|P_294

/von %ordentlich dazu geschlachteten fetten Sclaven auf
dem Markte feil seyn. Die Iaggas sind ein ungemein
weit ausgebreitetes Volk. Sie sind schwarz, kühn, zeichnen
sich mit eingebranten Strichen das Gesicht. Sie leben
vom Raube, bemühen sich nicht den Palmenwein zu
zapfen, sondern hauen den Baum um, %und ziehen den Saft
so heraus. Die Weiber müßen zwey von den obern %und
zwey von den Untern Zähnen sich ausziehen laßen.
Man sagt: sie todten ihre Kinder %und rauben davor erwach-
sene aus andern Ländern. Sie sollen aus Sierra_Le-
ona ausgezogen seyn, jetzt aber haben sie sich in einer
Strecke, von mehr als 900 Meilen ausgebreitet.
Matamba wird auch mehrentheils von Iaggoern bewohnt.

/≥ Küste von Afrika
von den Canarischen Inseln an bis an Congo.
/Canarische Eylande

/Auf der Insel Ferro ist der schon beschriebene Wun-
derbaum. Auf der Insel la Palma, Palmensect, der
unsterbliche Baum ähnt dem Brasilienholze, fault
aber nicht, weder in der Erde noch im Waßer. Auf Te-
neriffa ist der Pic zu merken. %Imgleichen die in Ziegenfell ein-
gekleidete Mumien. Madera hatte vordem lauter
Wald, jetzt ist er weggebrant. Maderawein ist aus
Candia hieher verpflantzt. Vino Tinto ist roth aber schlecht.

/|P_295

/≥ Länder vom grünen Vorgebürge
bis an den Gambra-Fluß. ≤

/Auf der Nordseite des Senega oder Senegal,
sind die Leüte von mohrischer Abkunft, %und keine
rechte Negers; aber auf der Südseite sind so schwar-
ze Negers als irgendwo in der Welt, ausgenommen
die Iulier. Man redet hieselbst von einem Volcke
mit großen rohen Lippen, die niemahls reden, ein
Tuch vor dem Munde haben %und ihren Handel stumm treiben.
An beyden Ufern des Senega herrscht die Muhamedanische
Religion. Am Capo Verde %und den Inseln deßelben schwimt
das Sargasso über einer unergründlichen Tiefe. Diese Inseln
haben eben solche Einwohner, als das benachbarte feste
Land. Die meisten Vögel daselbst haben schwarze Haut
%und Knochen.

/Am Senega ist die Hitze unerträglich.

/Iuli, eines von denen daran gelegenen Ländern, hat
sehr schöne artige schwarzbraune Weiber mit langen
Haaren. Die fleißigen Weiber nehmen hier bey ihrer
Arbeit Waßer ins Maul, damit sie sich des Schwat-
zens enthalten.

/Die Ameisen bauen hier Haufen wie Kegel, die mit
einer Art besten Gips bezogen sind, %und darin nur ein Thier ist.

/Die Art Ialofer, die zwischen dem Gambra %und dem Senega

/|P_296

/wohnen, sind die schwärzesten %und schönsten Negers.
Sie stehlen sehr %künstlich. Man muß ihnen mehr auf
die Füße, als auf die Hände Acht geben. Hier wird
die außerste Treülosigkeit mit Verkaufung der
Sclaven begangen. Der König von Barsalli steckt
öfters seine eigene Dörfer in den Brand um Sclaven
zu fangen, um sich davor Brantwein anzuschaffen,
Eltern verkaufen ihre Kinder, %und diese jene. Von
dem Gambra an hört die Muhamedanische Religion
auf, %und die Götzendiener fangen an.

/≥ Von den Ländern am Ausfluße des Gambra
längst der Küste Guinea bis an den Fluß Gabon. ≤

/An dem Gambra haben die Leüte platte Nasen,
welche die Kinder daher bekommen sollen, weil
sie von den Müttern bey ihrer Arbeit auf dem Rüc-
ken getragen werden. Hier ist auch die Plage mit
den Colubrillen oder langen Würmern, die sich in die
Haut freßen. Alle Gotzendiener langst der genannte
Küste, haben mit Grillen oder Zauberkunst zu thun. Die
Pfaffen machen in dem Lande an dem Gambra Zauber-
zettel, die sie gris_gris nennen. Daher das Pappier sie da-
rauf zu schreiben, hier eine sehr gangbare Sache ist. Die
Soldaten staffiren sich ganz %und gar damit aus. Der
der Kopf hinten und vornen, die Schultern, %und Arme

/|P_297

/sind hiemit geziert. Man hat gar einen ganzen ma-
gischen Cuirass, der aber viel Geld kostet. Mambo Iumbo,
ein Stock, darin ein Popanz oder eine Puppe sich verklei-
det, die Weiber zu schrecken. In Sierra_Leona ist
Regen %und Gewitter nur in Sommermonathen. Die
Gebürge geben den Knall des Geschützes auf eine
fürchterliche Art wieder. Die Fluth komt hier aus
Westen %und Südwest, %und geht dahin immer zurück.

/Die von Sierra_Leona sind nicht völlig Neger schwarz,
aber stinken sehr.

/Man hat hier überhaupt vier Gattungen Bäumen,
von der Palmenart, Datteln, Cocos, Arehe %und Cypreß-
palmenbäume oder Weinbäume, der den besten Pal-
mensaft giebt. Man schneidet nemlich einen Ast
ab, %und hänget an den Stumpf eine Flasche.

/Die wilden Thiere freßen in diesem Lande, wie
man versichert, nur die Negers %und nicht die Eüropäer.

/Es giebt hier auch ein Thier der afrikanische Cunec
genant, so groß wie ein Spürhund, sehr wütend, %und
von der Leoparden Art. Der Löwe ist hier sehr groß
%und eben so majestätisch wie anderwerts. Der Iack-
hals soll vor ihm vorherjagen. Der Elephant ist hier
nicht völlig so groß wie in Indien. Man hat ihm
hier abgemerkt, daß er sich leichter von der Linken

/|P_298

/gegen die Rechte, als umgekehrt drehet, %und deßen
machen sich die Negers zu Nutze.

/Man hat hier den Geis, Antelope genannt, ohngefähr
wie ein Spießer, oder Spieshirsch. Die Demoiselle oder
africanische «f»Pfau ist gerne allein. Der Ochsensauger
ist von der «g»Größe«n» einer Amsel. Der Fischervogel
hängt sein Nest an zarten Zweigen eines Baumes,
die über dem Waßer hangen. Die Oefnung ist je-
derzeit gegen Osten. Der Hay, der Blaser, Turmo-
ra, Pantoufflier, der Hammerfisch, Monati, Torpedo
Schildkröten, Crocodill, Flußpferde, Grampas oder
Nordcapers, sind in diesem Meere %und Küsten.

/Man muß hier auch merken, daß die Seefahrende
bey der Paßirung des Tropici oder der Linie, mit allen,
die sie zum erstenmahle passiren, die Seetaufe vor-
nehmen, der Täufling muß schwoeren den Gebrauch
beyzubehalten.

/Die Aqua_Küste hat ihren Namen von dem Worte
Quaqua, welches die Neger hier immer im Munde führen,
%und ihr Diener heißt. Diese Leute pfeilen sich die
Zähne wie Pfriemen, spitz.

/Die Negers von der Küste Guinea, sind nicht unan-
genehm gebildet sie haben nicht die platten Nasen,
sind stolz. Sie sind aber sehr boshaft %und diebisch.
Atkins %und verschiedene andre geben vor, glänzend gelbe

/|P_299

/Menschen, die als Fremdlinge ankommen, gesehen zu haben.

/Man läßt hier an der Goldküste die Nägel sehr
lang wachsen, um den Goldstaub mit aufzunehmen.

/Die Muhamedanische Morbuten geben die Ursache
der Armuth der Negers daher an, daß von den 3 Söhnen
des Noah, der eine ein Weißer, der zweite ein Mohr
%und der dritte ein Neger gewesen, %und daß die zwey
erstern den letzten betrogen. Die Hayden aber sagen:
Gott hätte schwarze %und weiße Menschen geschaffen,
%und ihnen die Wahl gelaßen, da der Weiße die Wis-
senschaften, der Schwarze aber das Gold begehrt
habe.

/Die Schwarzen an der Küste richten die Weiber
so ab, daß sie Fremde verführen, damit sie selbi-
ge hernach mit Geld strafen können.

/Es werden hier öffentliche Huren gehalten, die
keinem ihre Gunst abschlagen müßen, wenn er auch
nur einen Pfenning gäbe.

/Die Negers glauben hier überhaupt 2 Götter, ei-
nen weißen %und einen schwarzen, den sie Damonio
oder Diabro nennen; der letztere sey boßhaft, %und
könne kein Getreyde, Fische %und %demgleichen geben. Der weiße
Gott habe den Eüropäern alles gegeben.

/Die souveraine Religion aller Negers an der
Küste von Afrika, von Sierra_Leona an, bis in den

/|P_300

/Meerbusen von Benin ist der Aberglaube der
Fetische von dem portugiesischen Worte Fetisso, Zau-
berey. Der große Gott %nemlich bemenge sich @«mit»nicht@
mit der Regierung der Welt, %und habe besondere Kräfte,
in die Priester oder Fetischirs gelegt, daß sie durch
Zauberworte eine jeden Sache eine Zauberkraft
geben können. Sie tragen daher irgend einen solchen
Fetisch z.E. ein Vogelbein, eine Vogelfeder, ein Horn
mit Mist pp. bey sich, welchen sie sich um die Erhaltung
des ihrigen anvertrauen. Schwören heißt bey ihnen
Fetisch machen. Sie haben Fetischbäume, Fetischvö-
gel, Fetischfische. Sie fluchen, daß der Fetisch
sie hinrichten soll. Sie thun Gelübde beym Fetisch.
Daher fast ein jeder von ihnen sich irgend einer
Art von Speise enthält. Sie haben eine Beschnei-
dung, unterhalten ihre Bettler durch öffentliche
Abgaben. Ihre Könige machen eine «¿¿¿ ¿¿¿» elen-
de Figur zu Hause %und gehen wie Schuhflicker. Man
wählt aus allen Ständen selbst aus Lakayen Könige,
da hingegen werden dieser ihre Töchter oft an Sclaven
verheirathet. Der König %und seine Prinzen pflügen ihre
Aecker selber, denn sonst würden sie Hungers sterben,
müßen. Von seinem Tribut muß er das meiste ver-
schenken %und vertractiren. In einigen Provintzen nimt der

/|P_301

/Gläubiger den ersten den besten etwas weg, er wei-
set ihn an den Debitor, mit den er den Proceß führen
muß.

/Ihre Schlachten sind lächerlich. Sie laufen gebückt
oder kriechen auch wohl gar an den Feind, feüren ab,
%und lauffen zurück wie die Affen. Die gefangenen Köni-
ge werden als Sclaven an den Eüropäern verkauft, %und
niemahls ausgelöset. Ihren Gefangenen schneiden sie den
Unterkinbacken lebendig ab, %und hernach zieren sie sich damit
wie auch mit Hirnschedeln.

/Der Sommer fängt mit dem Septembr an %und dauret
sechs Monathe, da ist die Hitze am heftigsten. Die übrige
Zeit, da doch die Sonne am höchsten ist, bleibt wegen
dem beständigen Regen %und Nebel kühle.

/Die Schwarzen hüten sich sehr vor dem Regen, der roth
ist, %und die Haut frißt.

/Man sagt hier auch, daß die Winter vordem kälter,
%und die Sonne wärmer gewesen. Die Tornaden sollen
auch jetzt nicht so heftig seyn als vordem.

/Karmattans sind schneidende Kälte, Nordostwinde,
die von dem Ianuar bis in den Februar dauren. Sie
sind aber dem Meerbusen von Benin eigen.

/Den meisten Goldstaub findet man in Axim
und Ietae. Das Salz von Guinea ist von einer Siedung
sehr weiß, wird aber von der Sonnenhitze bitter
und sauer.

/|P_302

/Unter den Feldfrüchten sind die Potatons, die den
Kartoffeln ähnen in diesen so wie in andern indianischen
Ländern sehr im Gebrauche. Vieh sowohl als Menschen
sind hier leichter am Gewicht, als nach dem äussern Ansehen
zu urtheilen wäre. Man liebt hier das Hundefleisch. Die
Hunde sind hier alle kahl %und stum. Schlange die zwey
%und zwanzig Fuß lang ist, in der man einen völlig aus-
gewachsenen Hirsch findet.

/Im Königreiche Whidah sonst Iuda genannt, sind
die Negers nicht so schwarz, als an der Goldküste.
Sie sind arbeitsam, voller Complimenten, die verschmitz-
testen Diebe in der ganzen Welt. Ein lächerliches
Verdienst, welches sich reiche Frauen, bey ihrem Ab-
sterben zu machen, einbilden, ist dieses, daß sie ihre
Sclavinnen zu %öffentlichen Huren vermachen, %und glauben
davor nach dem Tode belohnt zu werden. Die Eltern
verkaufen hier gewöhnlich ihre Kinder zu Sclaven. Viel
Kinder, viel Reichthum. Man bedient sich hier wie
anderwerts in Africa der Beschneidung. Es ist
eine große Unhöflichkeit vom Tode zu reden.

/Der große Fetisch von Whidah ist eine große
Schlange, die Ratzen %und giftige Schlangen verfolgt. Ein
Schwein fraß einmahl eine solche Schlange, %und das
ganze Schweingeschlecht wurde ausgerottet.

/Man widmet ihr Schlangenhäuser als Tempel. Ihr

/|P_303

/werden Mädchen geheiligt, welche hernach von ihren
Männern müßen geehret werden. Sie sind feige, haben
auch die tolle Gewohnheit, sich wegen der Schulden, an
dem ersten dem besten zu halten. Das Königreich Be-
nin ist mächtig.

/Der Konig von Whidah hat seinen Pallast, Geräthe,
und Tractamente fast auf Eüropäischen Fuß eingerich-
tet. δLücke Der König von Ardrah. Er schickt Gesandte
nach Frankreich. Die Einwohner am Fluße Gum-
bra tragen Ringe in ihren Ohren, Nasen, Lippen,
andere machen ein Loch in die untere Lippe, wodurch
sie die Zunge stecken. Der König von Gambr. trieb
zu Bosmans Zeiten das Schmiedehandwerk.

/≥ Aegypten

/Das Land ist wegen seines fruchtbaren Bodens
%und großer Hitze, im untern Theile sehr ungesund, vor-
nemlich vom 7 April an 50 Tage lang. Die Südwinde
Hametzin oder Camphin genannt, sehr heiße Luft <zu>we-
hen. Die Seüchen die daraus entstehen, hören plötzlich
auf, sobald der Nil auszutreten anfängt. Man hat in
Cairo fast allenthalben schlimme Augen. Der Nilstrom,
würde das Land nicht so weit hinein überschwemmen,
wen nicht durch Kanäle das Waßer herüber gefüh-
ret würde. Unter den Armen des Nils sind nur 2
schifbar, der von Tamiate %und der von Rosetta.

/|P_304

/Die alten Landeseinwohner sind hier nur gelb,
werden aber immer brauner, je näher sie Nubien
kommen. Die größte unter den Pyramiden hat eine
Quadrat Basin, deren 693 ist %und die Schräge Höhe gleich-
fals so viel austrägt.Versuche sie durchzusuchen.

/In den Catacomben oder Gräbern westwerts von
dem Orte der alten Memphis findet man die Mumien,
deren die beste Art nach ausgezogenem Gehirn, und
ausgenommenen Eingeweide mit arabischem Balsam
%und Benzoin eingesalbet in eine Salzlacke eine Zeit ge-
legt, dann inwendig mit den besten Kräutern %und wohlrie-
chenden Sachen angefüllt ist. Eine solche kostet jetzt
4.000 rheinische Gulden. Bey der 2ten Art werden schlech-
tere Ingredienzien genommen, bey der 3ten aber nur Iu-
denpech. Ein Iude in Alexandrien schmierte die in der Pest
verstorbenen Körper zu Mumien an. Auf der Insel Te-
neriffa findet man auch Mumien in Gräbern in Ziegen-
fell eingeneht, die sich sehr wohl gehalten haben.

/Unter den Gewächsen merken wir nur den Papyrus
der alten, eine Art Schilf, da die alten Egyptier
ihr Brod, Kleidung %und sogar Pappier hernahmen. Man
hat in Cairo auch Ofen, darin Hünereyer durch eine
gemäßigte Hitze von schwölenden Kühe oder Cameels-
mist ausgebrütet werden.

/Bey Altcairo ist ein Kirchhof, wo die Copten den Glau-
ben haben, daß die todten Leichname am Charfrey-
tage sich an die Luft herausbewegen. Wie sich die
Copten bey Lesung des Evangelii verhalten.

/|P_305

/Der Crocodill ist einer der ärgsten Feinde in Ae-
gypten; der Ichneumon frißt ihm nicht die Gedärme
durch sondern «sto» zerstört nur seine Eyer.

/Der Ibisvogel ist Aegypten ganz allein eigen,
ist einem Storche sehr ähnlich, %und stirbt sobald er
nur über die Grentze kommt, er rottet die aus Ae-
thiopien kommende Heuschrecken aus. Die Zigeüner
sollen ursprünglich von den alten Landeseinwohner
seyn, welche nachdem die Türken das «¿¿ich»*1 der Mame-
lucken zerstörten, sich in die Wüsten retirirten %und
durch Rauben sich nährten, zuletzt aber gröstentheils
ausgerottet oder verjagt worden.

/Die Christen dürfen hier, so wie in andern türki-
schen Ländern, nicht auf Pferden, sondern auf Eseln reiten.

/≥ Abyssinien

/In den niedrigen Gegenden des Landes als zu δLücke
δLücke Küsten des rothen Meers hin bey Swacken ist
die Hitze ganz unerhört heftig, in den andern gebür-
gigten Gegenden so mäßig wie in Italien oder
Griechenland. Man sieht hie selbst auf den Ber-
gen, entweder niemahls oder sehr selten Schnee. Der
Regen der hier in den Monathen %Iuni %Iuli %und August
als aus Kannen herabstürtzt, ist mit schrecklichem
Donnerwetter verbunden %und giebt dem Nil seinen
Zuwachs. Dies Land ist so gebirgicht %und rauh wie
die Schweitz. Es giebt hier allerley seltsame Fi-  ~

/|P_305R δZ_09

/Reich ~

/|P_306

/guren %und Gestalten von Bergen.

/Dieses Land hat ohne Zweifel edle Metalle, aber
sie suchen sie nicht, damit der Türken Geiz nicht angereit-
zet werde.

/Albuquerque, der aus Portugall an den König von
Abyssinien
geschickt war, gab den Rath um der
Türken Macht zu schwächen, den Nil anderwerts zu
leiten, oder wenigstens sein Waßer durch viele seit-
werts geleitete Bäche so zu vermindern, daß die
Ueberschwemmung in Aegypten nicht die zur Fruchtbar-
keit nöthige Höhe erreichen könte, den sobald der Nil
Abyssinien verlaßen hat bekömt er keinen Strom
mehr in sich %und es sind viele Ströme in Aethiopien
so wie in der großen Tartarey, %imgleichen in Persien,
die das Meer nicht erreichen indem sie in verschie-
denen Aesten sich im Lande verlieren. Unter den
Gewächsen des Landes darunter es die meisten Eü-
ropäischen giebt merken wir nur das Kraut Asozoe,
welches, wenn es die Schlangen berührt sie dumm macht,
%und wer nur die Wurzel deßelben gegeßen von ih-
rem Biß den Tag über frey bleibt.

/Die Aethiopische Ochsen übertreffen die unsrigen
über die Hälfte an Größe. Die Pferde sind hier
muthig %und schön, Schaafe, deren Schwanz wohl 10 bis
40 %Pfund wiegt sind gemein. Das Zebra, das hier Zecora

/|P_307

/heißt, der Cameelopard oder Giraffe, der von
Ludolph so hoch beschrieben wird, daß ein Mensch von
gemeiner Größe ihm nur bis an die Knie reichet %und
einer auf dem Pferde unter seinem Bauch durchreiten
kann. Das Land hat unzählich viel Affen, davon die Benen-
nung mag hergekommen seyn: schlauer Affenland, da
den die Fabel des Herodots, daß daselbst der Tisch
der Sonne alle Morgen auf freien Felde mit gebra-
tenem Wildprett besetzt, anzutreffen, wäre, von wel-
chen das Volk glaube es komme von selbst hinauf, An-
laß gegeben hat ein Land von erdichteter Beqüemlichkeit
%und Schönheit Schlaraffenland zu nennen.

/Der Hippopotamus, Crocodill und %so %weiter sind hier anzu-
treffen. Unter den Vögeln merke ich nur den Pipi,
der diesen Namen von seinem Geschrey hat, welches er,
sobald er einen Menschen merkt %und ein wildes Thier
oder Schlange zugleich gewahr wird, macht, indem er den
Menschen gerade an den Ort hinführt wo es sich be-
findet. Sie haben keine zahme Gänse. Was die Ara-
ber von ihrem Vogel Rach oder Roc für Fabeln er-
zählen %und der Pater Boliva bestätigt, gehöret un-
ter die Merkwürdigkeiten des Schlaraffenlandes.
Die Heüschrecken sind hier groß, schädlich aber gesund
und angenehm zu eßen. Ludolph behauptet, daß Io-
han der Täuffer
%imgleichen die Kinder Israel in der Wüsten

/|P_308

/%dergleichen gegeßen.

/Die Abyßinier sind von Arabischer Abkunft, witzig
wohlgebildet aber schwarz oder falb, mit wolligtem
Haar, ehrlich nicht zanksüchtig. Es giebt unter Ihnen auch
einige weiße Mohren; die Caffern aber, die in
ihrem Gebiete wohnen sind %erstlich so %häßlich %und dann auch
so ungesittet und boßhafft wie die übrigen Negers.

/Sonsten giebt es auch Araber %und Iuden unter ihnen.
Die Religion ist %christlich, allein außer vielen Heyden
sind ihnen die Türken sehr gefährlich, in ihrem Lande.

/Die Abyßinier, ob sie gleich Christen sind, be-
schneiden dennoch ihre Kinder, so wie die Copten.

/Vom Priester Cham, vom Betrüger Zaga Christ.

/≥ Die nordliche Küste
von Africa. ≤

/Die Einwohner sind ein Mischmasch von alten Ein-
wohnern, Arabern, Vandalern %und haben also keine
sonderliche Verschiedenheit von den Eüropäern.
Die Producte des Landes sind so wie in Egypten;
das innere von Afrika am Senegal ist sehr unbe-
kant.

/≥ Das III Welttheil
/Eüropa

/Die Eüropäische Türkey. ≤

/Bulgarien. An dem Berge, welcher dieses Land
von Servien scheidet, ist ein laulichtes %und 60 Schritte
davon ein eiskaltes Bad. Sonst sind hier viel warme

/|P_309

/Bäder. Hier giebt es die großen Adler, deren
Schwanzfedern von den in der ganzen Türkey %und Tarta-
rey zu den Pfeilen gekauft werden.

/Die Dobrucinsche Tartarey an dem Ausfluß
der Donau südwerts sind wegen ihrer Gastfrey-
heit berühmt, da ein jeder Reisender von den Leü-
ten im Dorfe liebreich eingeladen wird, mit ihnen
vorlieb zu nehmen, %und bis 3 Tage mit Honig, Eyer,
%und Brod umsonst aufgenommen wird.

/≥ Griechenland. ≤

/Der Berg Athos in Macedonien, darauf 22
Klöster. Er soll seinen Schatten auf dem Markt-
platz der Stadt Tyrrhenia in der Insel Lemnus
werfen, zur Zeit des Solstitii aestivi. Der
Stix in Morea, deßen Waßer bis zum Tode
kalt, %und so freßend ist, daß er Eisen %und Kupfer
auflöst.

/Die Mainotten, Nachkommen der alten Mace-
donier, sind bis auf diesen Tag von den Türken
nicht bezwungen. Unter den griechischen Inseln ist
Lemnos oder Stalimene, wegen der Terra sigillata
berühmt, welche mit vielen Ceremonien ausgera-
ben wird.

/Bey Negroponte ist der berühmte Eurypus.

/|P_310

/Die Insel Milo oder Malus besteht aus einem
schwammichten %und durchweichten Felsen, worunter
ein beständiges Feuer wirkt, daß man es al-
lenthalben fühlt, wo man die Hand in die Löcher
des Felsens steckt.

/Einige Felder auf dieser Insel rauchen wie
Schorsteine. Alaun %und Schwefel findet sich
hier häufig. Die Luft ist ungesund aber das
Erdreich fruchtbar. Antiparos hat die schöne Grotte
welche voll schöner Bildungen aus durchsichtigen
chrystallichten Marmor ist. In Candia ist das
Labyrinth am Fuße des Berges Ida merkwür-
dig; der vornemste Gang ist 12.000 Schritte lang
%und man irret sich ohne Wegweiser %leichtlich darinn.
Die Insel Santorini ist durch einen gewaltsa-
men Ausbruch des unterirdischen Feüers aus
dem Grunde des Meers erhoben. Auf eben
die Art sind noch 4 andere nahe Inseln aus dem
Meere, welches hier fast unergründlich tief
ist, entstanden. Ueberhaupt ist Griechenland
und seine Inseln an Feigen, Rosinen, guten Wein
pp fruchtbar. Die Einwohner sind sehr von ihrem
vorigen guten Character heruntergekommen.

/|P_311

/≥ Ungarn

/Dieses Land ist in dem inwendigen seines Bo-
dens voll von Mineralien. Die Cimentwaßer,
die verschiedenen «Bergwaßer» Bergwerke, vornem-
lich die Goldbergwerke von Cremnitz %und Schemnitz,
welche letzte %sonderlich Schemnitz das feinste Gold
liefern, aber beide jetzt kaum die Unkosten ver-
lohnen. Die heißen %und %tödtlichen Qüellen %imgleichen die Eis-
höhlen sind Zeügniße davon. An den niedrigen
Oertern, wo die Donau Sümpfe macht, ist die
Luft sehr ungesund. Der Wein ist der beste in
Eüropa.

/≥ Italien

/Dieses Land ist oberwerts von Westen nach
Osten mit einer Reihe Berge Alpen genannt (
welches Wort überhaupt einen hohen Berg an-
zeigt) von Frankreich %und der Schweiz abgeson-
dert, %und mitten durch von Norden nach Süden
durch den Apenninus durchgeschnitten.

/Die Eüropäischen Obstarten sind mehren-
theils alle aus Italien verpflantzt, %und nach Ita-
lien sind sie aus Asien %und Griechenland überge-
bracht worden; Die Apricosen aus Epirus, die
Pfirschen aus Persien, die Citronen aus Me-
dien, die Granatäpfel mala punica aus Carthago,

/|P_312

/die Castanien, aus Castanea in Macedonien, die besten
Birnen aus Alexandria, Numidien, Griechenland, die
besten Pflaumen aus Armenien, Damascus. Lucullus
hat die ersten Kirschen aus Pontus gebracht. Als Alexan-
der
Persien bezwang, war das Holofericum oder Zeüg
aus lauter Seide, so theuer als Gold, nachher wurden
Seidenwürmer aus Griechenland %und Italien gebracht.
Eben dieses ist mit dem Wein geschehen.

/Italien ist vor Zeiten viel waldichter, kälter und
wahrscheinlicherweise unbewohnter gewesen als jetzo.
Die Einwohner Italiens sind nunmehr sehr vermischtes
Geblütes; also ist es schwer ihren Character festzuset-
zen; doch sind sie eifersüchtig, rachgierig %und %heimlich sonsten
sinnreich %und kluge Politici.

/Im Savoyischen Gebürge ist der Mont Cenis der
berühmteste, über welche der Eingang aus der Schweitz
in Italien ist. 1751 wurde einer der Piemontischen Berge
ein feüerspeyender.

/Die Savoyarden sind arm aber redlich. In den Ge-
bürgen reisen die Männer mit Murmelthieren, %und
einen kleinen Kram jährlich aus, %und kommen fast alle
zu gleicher Zeit nach Hause, welches die Ursache ist daß
fast alle Weiber %zugleich ins Wochenbett kommen. In
Savoyen herrschen ungemein große Kröpfe, vor-
nemlich unter den Weibern.

/Piemont ist sehr fruchtbar. Der Berg Rocheme

/|P_313

/lon ist der höchste, unter den welschen Alpen. Eine
Pistole knallet auf den Gipfeln derselben als ein
zerbrochener Stock. Der Berg Viso, der gegen Mittag
dem Thal Lucern liegt ist derjenige, wodurch Han-
nibal
seinen Weg durchgehauen welchen noch zu sehen
ist.

/Auf den höchsten Alpen findet man weiße
Haasen, weiße Rebhüner %und nordische Planzen so
wie in Lappland. Der Rumar ist ein Thier, wel-
ches von einem Stier %und einer Stute, oder einem
Stier %und Eselin gezeugt worden; jener heißt baf
dieser bif. Kopf %und Schwanz sehen einem Stier
ähnlich. Er hat aber keine Hörner, sondern nur wuls-
tige Stellen an den Orten wo sie stehen sollten;
sonst sind sie der Mutter ähnlich aber nicht so
groß als Maulesel, laufen schnell, sind sehr
stark %und freßen wenig.

/Steinöhl wird an vielen Orten Italiens «ger»
von den Bäumen über deren Waßer es sich setzet
geschöpft, %vornemlich bei Modena.

/Bey Bologna wird der bekante Bologneser-
stein, der wen er calcinirt worden, «Lufft»<Licht> in sich
sauget, gefunden. Das unmittelbahre Sonnenlicht
ist für ihn zu stark, darin zerfällt er.

/Von den Meerdatteln oder Bularii, der Art
Muscheln, die in einen schwammichten Stein gefun- 

/|P_314

/den werden ist schon gehandelt. Hier merken wir
nur an, daß ihr Saft im finstern so hell leüch-
tet, daß man dabey lesen kann. Den Muscateler
Wein bey Monte Fiascone ist der beste; daher
die Historie von Est, est. Pietra fungifera
bey Neapel trägt 3 bis 4 Pfeifen, deren man-
che 20 %Pfund wiegt, wovon schon gehandelt worden.

/Die Steine die der Vesuvius auswirft enthal-
ten oft edle Metalle in sich. Die Schwitzbäder
bey Neapel sind Gewölber von dem See Agna-
no, in denen eine Oefnung ist, woraus ein
sehr heißer Dunst herausdringt, der die Ge-
wölbe anfüllt, %und die darin %befindlichen zum Schwit-
zen bringt.

/Solfatara ist ein kleines Thal, in welchem
Dampflöcher sind, die Steine die rings um
eine solche Oefnung liegen sind immer in Be-
wegung, %und wenn man eine Handvoll kleinere
Steine hineinwirft, so werden solche 6 Ellen
hoch in die Höhe getrieben. Solfatara %und Vesuvi-
us haben mit einander Gemeinschaft. Das
Erdreich ist hier hoch %und das Echo donnernd, wenn
ein Stein in ein gegraben Loch geworfen wird.

/|P_315

/Apulien ist ein sandigtes Land ohne Qüellen, wo
Mensch %und Vieh aus natürlichen %und künstlichen Cis-
ternen getränkt werden. Es regnet hier sehr wenig.
Der Wein ist etwas salzigt, aber die Waßerme-
lonen sind vortreflich.

/Von der Tarantal_Spinne %und von den Taranto-
latio ist gehandelt worden. Die Meerenge zwi-
schen Sicilien %und dem heütigen Calabrien, welche
die Straße von Meßina genannt wird, ist wegen
des Stroms merkwürdig, den die Ebbe %und Fluth
macht. Den %nordlichen Strom, der durch die Küste
Italiens bestimt wird ist der stärkste, so daß
die Schiffe selbst nicht mit einem starken Süd-
winde dagegen fahren können, %und selbst nicht qüer
über kan gefahren werden. Bey Messina
gerade vor dem Hafen entsteht ein Wirbel
Charybdis aus dem Wiedereinanderlaufen zwei-
er Ströme. Wenn kein Südwind ist so ist er
ruhig. Malta ist ganz felsigt %und kan die Einwohner
nur auf ein halb Iahr mit Getreyde versorgen.

/≥ Frankreich

/Von der Erde in diesem Lande zeiget Guettard,
daß es dreyerley Arten des Bodens gäbe 1) von
Paris, Orleans, einen Theil der Normandie bis nach

/|P_316

/London sey das Erdreich lauter Sand %und darin kein
ander Metall als Eisen. 2. diesen Kreis umschlies-
se ein andrer, wozu Champagne, Piccardie, Tourrai-
ne, Perry %und ein Theil der Normandie gehören. Die-
ser halte nichts als Mergel in sich. Der 3te Kreis
soll die bergichten Theile des Landes in sich
faßen, sich durch Deütschland %und selbst in
Engelland ausbreiten %und allerley Steinbrüche
%und Metalle in sich enthalten.

/Die Weine in Frankreich Vin d'Eremitage,
Frontiniac, Pontac, Champagner %und Burgunder
sind bekant. Die 7 vorgegebene Wunder des
Delphinats sind lange wiederlegt worden.
Der Gabelnbaum wächst in Languedoc. Sein
Stamm ist 4 Fuß hoch. Oben auf dem Stamme
wächst eine große Anzahl gerader Zweige,
die man durch Beschneiden zu dreyzackigten Ga-
beln bildet, nachmahls werden sie in heißen
Oefen noch mehr ausgebildet. Der %Königliche
Canal von Languedoc ist 40 französische
Meilen lang, halb Fuß Waßer 64 Corps d'E-
cluses, deren einige 2 bis 4 Schleüsen haben.
Der Canal hat 13 Millionen gekostet. Bey dem

/|P_317

/Flecken Balarue in Languedoc ist ein so tempe-
rirter warmer Brunnen, daß er Eyer ausbrü-
tet, demohnerachtet behält das ausgeschöpfte
Waßer doch diese Wärme wenigstens 8 Stun-
den, %und es wird im Feüer langsamer zum Ko-
chen gebracht, als das gemeine Waßer.

/In der Gegend von Clermont sind verstei-
nernde Qüellen, deren eine, eine %ordentliche stei-
nerne Brücke formirt hat, unter welchen ein
Bach fließet. Man hat diese Quelle in viele
Arme zertheilet, %und ihr ihre versteinernde
Kraft meistens benommen. Man trinkt
es ohne Schaden.

/≥ Spanien. ≤

/Dieses Land hat nur 7_1/2 Millionen Einwohner.
Zur Zeit der Mohren %und Gothen hat es wohl 4
mahl so viel Einwohner gehabt. Das Kloster-
leben, die Bevölkerung Indiens, %und die schlechte
Wirthschaft, sind Ursache davon. Die Spanier
sind fast alle mager, dazu der Genuß vieler
Gewürze %und hitziger Getränke beyträgt. Es gibt
selten wo mehr Blinde als hier. Seit der

/|P_318

/Entdeckung Indiens sind über 6.000 Millionen Perso-
nen ins Land gekommen. Die Asturier sind wegen
ihrer Gothischen Abkunft sehr berühmt, ihre Pferde
sind gut. Bey Beiar in Estremadura sind 2 Quellen,
davon eine sehr kalt, %und eine sehr warm ist. Die
Andalusischen Pferde übertreffen alle.

/≥ Portugall

/hat bis 2 Millionen Menschen. Man ist hier so wie
in Andalusien gewohnt, des Mittags zu schlafen,
%und des Abends, Morgens %und Nachts zu arbeiten.
Aus Brasilien ziehn die Portugiesen nur an dem
darin gefundenen Golde %jährlich auf 12 Millionen %Reichsthaler.
Auf dem Gebürge Estrella ist eine See die immer in
einer sprudelnden Bewegung ist.

/≥ Schweden. ≤

/ist arm an Getreyde. Man hat gelernt Brod aus
Birken, %und Fichtenrinden, ja Stroh %und Wurzeln zu backen.
Man hat hier Silbergruben, %vornemlich Kupfer %und Eisen-
bergwerke, auch etwas Gold, hat nicht mehr als 3
Millionen Einwohner. Die Insel Oesland hat kleine
%und muntere Pferde. Die Troelhetta ist ein dreyfacher
Waßerfall den gothischen Elbe.

/In dem %südlichen Theile von Lappland wird einiges Ge-
treyde gesamlet. Die Viehbremsen sind eine %unendliche
Beschwerlichkeit. Lange Fußbretter worauf man einen

/|P_319

/Wolf im Laufen erhascht. Nutzbarkeit des Rennthiers.
Einige besitzen deren etliche 1.000. Die Lappen sind
braun mit schwarzen Haaren, breite Gesichter, einge-
fallene Backen, spitzen Kinn, faul %und feige. Ihre
Wahrsager-Trommeln haben sie mit andern Völ-
kern in diesen Climata gemein. Finnland hat große Perlen.

/≥ Norwegen
/Die Inseln Faeroer %und Island. ≤

/Der Winter ist hier erträglich, außer in den Gebür-
gen; von diesen schießen auch große Schneebälle
herab, die alles zerschmettern; öfters fallen auch
Stücke von Bergen ab. Die %östliche Seite ist in Ansehung
der Witterung von der westlichen sehr unterschieden.
Die schmalen Busen, die das Meer oft bis 8 Meilen
ins Land macht, %und deren etliche die Tiefrinnen genant
werden, nur 50 bis 100 Faden breit aber 400 tief
sind, sind häufig. Der Norwegsche Strand ist an den
meisten Orten steil. Man findet hier viel Mar-
mor %und andere Steinarten, etwas Gold %und Silber,
mehr Kupfer, %und Eisen. Der Mälstrom entsteht von der
Ebbe %und Fluth, nur daß seine Bewegung der an
den Küsten gewöhnlichen entgegen ist. Es soll gar
kein Wirbel darin seyn, sondern nur ein hoch-
spritzendes Waßer. Schelderug aber will viele
%dergleichen Wirbel, die umgekehrten Kegeln gleich

/|P_320

/wären, %und bis 4 Klafter im Durchschnitt, 2 aber in
der Tiefe hätten, gesehen haben. Dieses letztere
geschieht zur Zeit der Springfluth.

/Die Finlappen leben gröstentheils von der Fische-
rey. Die Insel Faeroer haben ziemlich mäßige
Winter %und Sommer. Sie bestehn aus bloßen Felsen,
die aber eine Elle hoch Erde über sich haben. Sie
haben einen Ueberfluß an Schaafen %und Gänsen.

/Die Insel Kille Dimen hat die Eigenschaften,
daß auch weiße Schaafe, die herauf gesetzt
werden, ganz schwarze Wolle bekommen.

/Die Insel Island ist von Morgen nach Abend
mit einer Reihe Bergen durchschnitten, worunter
einige Feüer auswerfen, wobey zugleich der <an>schmel-
zende Schnee schreckliche Gießbäche macht, die die
Thäler verwüsten.

/Man merkt daß wenn Schnee %und Eis den Mund
eines solchen Berges nach %und nach verstopfen, ein
neuer Ausbruch des Feüers nahe sey. Es giebt
viele heiße Qüellen, deren einige ihr Waßer als
kochend in die Höhe spritzend, %und die an solchen Qüellen
wohnen, kochen ihre Speisen in hineingehängten Kes-
seln drinnen auf.

/Die Schaafzucht ist hier ansehnlich. Sie suchen sich
bey gutem Wetter im Winter selber ihr Futter
im Schnee.

/|P_321

/≥ Rußland. ≤

/Die asiatischen Länder sind von den Europäischen
dieses Reichs zwar geographisch unterschieden,
die physische Grentzen aber könte der Fluß Se-
nisea, wie Gmelin meinet, machen. Denn ostwerts
diesem Fluße ändert sich die ganze Gestalt des
Erdreichs sowohl, da die ganze daselbst gelegene
Gegend bergicht ist, als auch andre Pflanzen,
fremde Thiere, als das Bisamthier %und %andere %mehr anzu-
treffen sind. Der Fisch Bell«a»uga der in der
Wolga häufig anzutreffen, schluckt bey der
jährlichen Aufschwellung des Stroms große
Steine statt Ballast herunter, um auf dem
Grunde erhalten zu werden.

/Der Sterlede %und der Stör haben einen
geringen Unterschied, außer daß jener deli-
cater am Geschmack ist. Beim Kloster Troitz
%und «einige» in den Gräbern bey Kiow sind einige
aus %natürlichen Ursachen unverweste Leichen anzu-
treffen, die fälschlich vor Märtyrer gehalten werden.

/δRest_leer

/|P_322

/≥ America.

/I. Süd-America. ≤

/Das Staaten Eyland, zwischen welchen %und der
Feuerinsel, (welche eigentlich eine Menge vieler
Inseln ist) die Lemairische Straße liegt, hat
wegen der öden %und furchterlichen Gestalt ihrer
Berge, %und des fast immerwährenden Regens %und
Schnees, die traurigste Gestalt von der Welt.
Lord Anson schlägt vor, südwärts um die Staaten-
Inseln zu segeln. Das Land der Patagons, ein
sehr flacher Strich Landes an der Magellanischen
Meerenge soll mit Riesen bewohnt seyn; man
hat aber davon keine Versicherung.

/Am Silberfluße sind die reichen Potosischen
Silberbergwerke, so den Portugiesen gehören.
In Paragüay haben die Iesuiten die Wilden zu
einer so guten Conduite gebracht, wie sie nirgends
in Indien haben.

/Chili hat muntere %und kühne Einwohner. Die Ge-
schicklichkeit gewißer Fangriemen sich auf der
Iagd %und im Kriege zu gebrauchen, ist außerordent-
lich. Die Spanischen Pferde«n» werden hier flüchtiger
%und schöner. Kühne, Iagd mit denselben, die Arau-
caner eine in Chili %befindliche Indische Nation, können
noch nicht von den Spaniern bezwungen werden.

/|P_323

/Peru ist an der Seeküste unfruchtbar %und uner-
träglich heiß. Es regnet auch nicht darinn, außer
1720 hat es 40 Tage geregnet, wodurch Städte
%und Dörfer zerschmolzen. Der gebirgigte Theil ist
temperirt %und fruchtbar. Die jetzigen Peruaner
scheinen von ihrer Vorfahren Geschicklichkeit er-
staunlich abgewichen zu seyn. Man findet noch
Mauren von Pallästen, die mit gehauenen Feü-
ersteinen aufgemauert seyn, ob sie gleich
damahls kein eisern Werkzeüg zum Behauen
hatten, sondern blos Kupfer. Ietzo aber ist die
Trägheit der Nation erstaunlich. Man sieht bey
ihnen eine %unbegreifliche Gleichgültigkeit in Ansehung
der Strafen %und Belohnungen, nach des Condamine
Bericht. Die Farbe dieser Indianer ist kupferroth,
sie haben keinen Bart. Das Erdreich im niedrigen
Theil von Peru verliert oft durch Erdbeben sehr
seine Fruchtbarkeit.

/Am Amazonenstrome auf beyden Seiten des-
selben, ist etwas ferne von dem Gebürge Cor-
dillera das Erdreich erstaunlich fruchtbar, so eben
wie eine See, %und ein Kieselstein eben so rar wie
ein Diamant. Denen, die über diese Gebürge von
Westen nach Osten reisen wollen, weht ein unge-
mein heftiger %und oftmahls tödtlich kalter Ostwind,

/|P_324

/entgegen. Die Einwohner des Amazonenstroms
vergiften ihre Pfeile mit einem so schnellen Gifte,
daß sie ein damit nur leicht verwundetes Thier,
noch kaum fallen sehen. Das Fleisch ist unschädlich

/Man sieht hier seltsame Ueberfahrten über
Ströme, da eine gewiße Gattung von gewachse-
nen Stricken, Beincken genannt, über einen Strom
gespant werden, daran ein Pferd an einem Ring
schwebend, oder auch Menschen an Matten hangend
herüber gezogen werden. Ueber das Peruanische
Gebürge nach Panama zu reisen, bedienet man
sich gewißer dazu abgerichteter Esel, welche dieses
an den allergefährlichsten Orten mit großer Geschick-
lichkeit thun. In Papayan wäscht man viel Gold-
staub aus der Erde, die von reißenden Gieß-
bächen, welche von Gebürgen herabstürzen, durch-
schnitten werden.

/Porto Bello am Isthmus von Panama ist eine der
allerungesundesten Städte in der Welt, überhaupt
ist das niedrige Land an diesem Isthmus erstaun-
lich feücht, waldigt, %und durch die unmäßige Hitze
sehr ungesund. Die Niederkunft in Porto Bella
ist fast tödlich. Die Mücken in diesen Wüsten
qüälen die Reisende erstaunlich.

/|P_325

/Die Fledermäuse laßen in Carthagena Menschen %und
Vieh im Schlaf zur Ader. Das Frauenzimmer in dem
spanischen America raucht fast allenthalben
Tobac.

/Auf Hispaniola ist ein Baum, der giftige
Aepfel trägt, deßen Schatten selbst gefährlich
ist, %und in deren Saft die Wilden ihre Pfeile tau-
chen. Das Manati kann hier zahm gemacht wer-
den, %und einige halten es deßwegen vor den Delphin
der Alten. Die Landwinde im Mexicanischen Meer-
busen sind von großer Bequemlichkeit, indem
man dadurch wohl 100 Meilen gegen den allge-
meinen Ostwind seegeln kann. Die Schiffe gehen
mit dem Landwinde in der See, %und mit dem See-
wind wieder zurück. Das große Land Guiana,
in welchem Walther Raleigh auf dem Oronoqua-
Strom auf Entdeckungen ausgegangen, ist nicht
tief in seinem innern bekannt. Es hat viel Gold-
sand, aber die Stadt Manca oder el_Dorado
die am See Parima liegt, %und wo das Gold fast
wie die Steine auf der Straße gemein seyn soll,
ist sehr ungewiß; eben so wie die Ohnköpfe, wovon
fast alle Indianer am Oronoqua reden, die das Maul
auf der Brust, %und die Ohren auf den Schultern haben
sollen, entweder erdichtet, oder Leüte sind, die wie

/|P_326

/viele Indianer den Kopf durch Kunst verstellen.

/Zu diesem Lande gehört auch das Surinam der Hol-
länder. Die I«esui»nsecten sind hier sehr mannigfaltig,
%und oft sehr groß. Unter diesen ist das wandelnde
Blatt; %nämlich eine Heüschrecke; welche in einem zu-
sammengewickelten Blatt zeitig wird, %und nachdem
sie auf die Erde gefallen, Flügel von einer
Farbe %und Gestalt, wie die Blätter zeügt merkwür-
dig. Die Frösche verwandeln sich hier zuletzt in
Fische. Der Laternenträger, eine Fliege, welche
eine Blase, die im finstern sehr helle leüchtet,
am Kopfe hat. Gehen wir von da in die Brasili-
anische Küste weiter hinab, so finden wir diesel-
be mit Portugiesen wohl bewohnt. Das Bra-
silienholz oder der Baum Arbaten macht eins
der vornehmsten Gewächse dieser Länder aus,
wiewohl sie viele andere schöne Producte haben,
deren wir bald erwähnen werden.

/Unten den vielen Nationen der Wilden, die in
den Wüsteneyen, in dem innern des Landes herum
gehen, sind die Tapuqen die berühmtesten. Sie haben
keinen Begrif von Gott, kein Wort das ihn be-
zeichnet, gehen nackt, freßen die gefangenen Fein-
de, obgleich nicht mit so viel Martern als die Canadier,

/|P_327

/durchbohren ihre Unterlippen %und stecken eine Art
grünen Iaspis ins Loch, welches doch die Weibsbil-
der nicht thun, die dafür das Loch im Ohrläppchen
sehr erweitern, kleben sich das Gesicht voll Federn,
dagegen es sich die Weiber mit Figuren bemahlen,
die im Kriege Gefangene werden zuerst sehr gut
gehalten, bekommen so gar eine Beyschläferin, wer-
den hernach getödtet %und gefreßen, aber nicht ge-
martert.

/Man begegnet indeßen allen Fremden sehr
wohl. Diese Menschenfreßer sind eigentlich
nicht am Amazonenstrome, sondern an der Yn-
pura. Der Colibri soll hier schön singen, welches
er in Nordamerika nicht thut. Man sahe in dieser
Gegend vor der Eüropaer Ankunft kein Rindvieh,
%und jetzt hat es sich so vervielfältigt, daß aus Pa-
raguay wohl 40.000 Rindhäute des Iahres aus-
geführet worden sind, wiewohl die wildgeworde-
nen Hunde es sehr aufgerieben haben. Man sagt
auch daß nichts vom eüropäischen Obst in Ame-
rica ehedem gewesen wäre, nun aber sind in Pe-
ru %und den dazu gehörigen etadientiis ganze Wälder
von Aepfel- %und Birnbäumen. Brasilien ist voll
Schlangen %und Affen, die dasigen Papageyen sind die

/|P_328

/besten, nur in Ostindien giebt es graue. Die von
Europa übergebrachten Schweine haben hier wie
in der übrigen Zona torrida ein sehr schönes %und ge-
sundes Fleisch. Die Manioc Wurzel, die sonst
roh gegeßen ein Gift ist, wird von einigen
Brasilianern ohne Schaden roh gegeßen. Viele
Landthiere, die nur bey der Regenzeit Waßer
haben, enthalten doch alsdenn ohne daß man weiß,
auf was Art, eine große Menge Fische. Der
Vogel Vyra ist dem Condor an Größe %und Wildheit
fast gleich, seine Klauen sind schärfer. Es giebt
auch allhier einen Vogel in der Größe eines au-
licutischen Hahns, der wie der Strauß nur lau-
fen kann, aber schneller als ein Windspiel.

/Das Land Paraguay. Hier findet man das be-
rümte Paraguay-Kraut, welches ein Blatt vom
Baum ist %und getroknet als ein infusum gebraucht
wird, öfnet, treibt den Urin, erregt den Schlaf,
ist, wenn es übermäßig gebraucht wird, sehr
hitzig. Von den großen Schlangen dieses Lan-
des hat P. Muntaya %und andere Missionarii viel un-
wahres ausgebreitet. Man redet im Inwendigen
des Landes von einem Volcke der Caesaren, die
im 44ten Grade südlicher Breite wohnen, %und von
einigen unter Carl_V Regierung herübergekom- 

/|P_329

/menen Spaniern abstammen sollen. Die Wilden
dieses Landes sind gefährliche Menschenfreßer.
Die Weiber zerstechen sich das Gesicht, %und die
Männer bemahlen es.

/Die Spanische Poßeßion besteht aus Comanden
%und Reductionen, welche letztere durch Iesuiten re-
giert werden. Die Republic St_Paul besteht aus
hartnäckigten Rebellen, die nicht können zu Paaren
getrieben werden, %und vergrößert sich durch Zu-
lauf loses Gesindels immer mehr. Südwerts
von Buenos_Ayres ist die Küste von Amerika
völlig unbewohnt, %und kan auch nach der Anno 1746
geschehenen Untersuchung nicht bewohnt werden,
da man selbst im Sommer hier ansehnliche Kälte
fühlt; doch sollen auf einer Insel, die ein ge-
wißer Fluß hier macht, Eüropäer seyn.

/δRest_leer

/|P_330

/≥ Nordamerika. ≤

/Die Esquimaux, welche Capitain Ellia 1746
in den Meeren bey der Hudsons_Bay antraf,
waren leutseelig %und klug. Sie fahren mit Hun-
den wie in Siberien, nur die dortigen bellen
nicht, versorgen sich auf ihrer Reise mit einer
Blase voll Thran, wovon sie mit Ergötzlichkeit
trinken. Die etwas südliche Esquimaux sind
ein wenig größer, aber die Franzosen beschrei-
ben sie sehr abscheülich von Gesicht %und wild %und boshaft
von Sitten. Gerathen oft auf ihrer Reise in
große Noth, so daß man hier sein Weib %und Kind
zu freßen genöthiget wird. Sie machen ihre Ca-
noes wie die Grönländer mit Ueberzeüge von Seehun-
de, tragen Hemde von zusammengenehten Blasen
dieser Thiere. Ihre Schneebrillen, die aus einem
Stück Wallroß_Zahn mit einer kleinen Spalte
gemacht sind, thun ihnen sehr gut. Brantwein den sie
schwehrlich meiden können, ist ihnen sehr schädlich. Die
Eltern, wenn sie alt sind, machen ein Tractament %und las-
sen sich von ihren Kindern erdroßeln, aber niemahls
sterben sie durch ihre eigene Hand. Ueber den 27 %Grad
der Breite findet man in Amerika keine Menschen
mehr. Die Länder, welche zu Canada sowohl dem fran-
zösischen als englischen Antheil gerechnet werden,

/|P_321

/sind in Ansehung der Lage ihres Clima im Winter sehr
kalt. Die %.Nord %.West Winde bringen die heiterste Luft %und
größte Kälte. Ie weiter man nach Westen kömmt, desto
kälter ist die Gegend. Die allerwestlichsten Indianer
heißen Assinipolier %und wohnen an einem See, wo
aber noch nicht Eüropäer gewesen. Allein diese In-
dianer haben eine schmutzige rothe Farbe des Leibes
%und welches besonders ist fast keine Haare auf dem
Leibe, als auf dem Kopf %und den Augenbraunen, welche
letztere, jedoch die meisten sich ausziehn. Die thierische
Eigenschaften dieser Wilden sind ausnehmend.
Sie riechen in größerer Weite ein Feüer, als man
es sehen kan, daher sie auch keinen Muscus leiden, son-
dern nur eßbare Sachen gerne riechen. Ihre Einbildungs-
kraft in Erinnerung der Gegenden, wo sie einmahl ge-
wesen, %und ihre Feinigkeit %und Entdeckung der Spuren von
Menschen %und Vieh ist unbegreiflich groß. Unter allen
diesen Völkerschaften, kan man mit der Sprache der
Alonquins %und der Hurons durchkommen, welche beyde sehr
schön nachdrücklich %und rein sind. Alle diese Nationen
haben keine andere Oberhäupter, als die sie sich sel-
ber wählen. Die Weiber haben hierin, %und in andern
Staatsgeschäften großen Einfluß, aber nur den
Schatten der Oberherrschaft.

/Die Iroquesen machen jetzo die größte Völkerschaft

/|P_332

/aus, überhaupt aber werden die Nationen beständig
schwächer. Sie haben kein Criminal-Gericht. Wenn
jemand einen getödtet hat, so weiß man kaum
wes es strafen soll, gemeiniglich thut es die
Familie aus der er ist. Die groste Schwierigkeit
ist, der Rache der Familie des Erschlagenen zu
entgehen. Eine Familie muß durch einen Gefan-
genen wegen deßen, den sie verlohren hat, schad-
loß gehalten werden. Diebe werden zur Revanche
ganz ausgeplündert; nur Verzagte %und Hexen werden
getödtet %und verbrant. Ihre Religionsbegriffe
sind sehr verwirrt. Die Alonquins nennen den
obersten Geist den großen Haasen, %und seinen Feind
den großen Tyger. Nichts ist wütender als ihre
Traumsucht; wenn jemand träumet, er schlage
jemand todt, so todtet er ihn gewiß, traumfest.
Ein junger Mensch muß durch einen Traum erin-
nert werden, was er künftig als seinen Schutz-
geist ansehen soll. Ein Traum einer Privatperson
kan oft Kriege erregen. Im Kriege suchen sie sehr
ihre Leute zu schonen, fechten gegen einander %gemei-
niglich nur durch Ueberfall %und Hinterhallt, bedienen
sich der Kopfschläger %und wehren sich verzweifelt.
Die Gefangenen werden zwar gebunden, aber
%anfänglich gut gehalten, %und wißen nicht ob sie sollen

/|P_333

/geschlachtet, oder zur Ersetzung des Verlustes den
Gebliebenen in die Familie der Ueberwinder auf-
genommen werden. Wenn das erste beschloßen ist,
so singt das Schlachtopfer seinen Todtengesang,
%und man zerfleischt ihn durch langsame Martern, die
oft einige Tage dauern, wobey dieser ganz unem-
pfindlich thut, %und seinen Henkern Hohn spricht, zuletzt
kocht %und frißt man ihn. Dies geschieht mehr aus Be-
gierde den Geist der Erschlagenen durch Rachop-
fer zu besänftigen als aus Appetit. Die im Gefecht
Erschlagenen werden niemahls gefreßen. Kin-
der %und Weiber bereiten sich schon zu solcher Stand-
haftigkeit zu. Die Freündschaft dieser Wilden
ist außerordentlich hochgetrieben. Der Friedens-
stab oder das Calumet ist unter allen diesen
Völckern gebräuchlich, %und ist %eigentlich eine Tobackspfei-
fe, welche oft mit einigen Zierathen ausstaffi-
ret wird, woraus die Häupter beyder Partheyen
rauchen. Man sieht die große Neigung zur Unab-
hängigkeit unter diesen Völckern an der Erziehung
ihrer Kinder, welche bloß durch Worte %und kleine
Beschimpfung, als ihnen Waßer ins Gesicht zu sprüt-
zen bestraft werden. Dies scheint die Ursache
zu seyn, weswegen sich kein Indianer einfallen
läßt, die Lebensart der Eüropäer anzunehmen,

/|P_334

/obzwar diese oft jene wählen. Weiterhin west-
werts in diesem Welttheil sind die Nationen
wenig bekant. Einige drücken den Kindern den
Kopf zwischen 2 Klumpen Leinen in der Kindheit
breit %und heißen Plattkopfe. Unter den Alon-
quins sind Kugelköpfe wegen der Figur, die sie
den Köpfen durch die Kunst geben, die Franzo-
sen, welche die allerwestlichsten Indianer
kennen, berichten, daß man unter ihnen von
einem großen westlichen Meer reden höre,
%und die Reisen der Rußen von Kamtschatka
beweisen, daß Amerika nicht weit davon
sey, %und daß es wahrscheinlicherweise durch nicht
gar zu große Meerengen %und einigen Inseln von
Ischaketskoi Nosh in Siberien abgesondert sey.
Die englische Colonien in diesem Welttheile sind
blühend. In Virginien ist der Winter nur 3 Mo-
nathe lang %und %ziemlich scharf. Der Sommer ist ange-
nehm. Es wachsen daselbst Weinstöcke wild, aber
noch hat kein guter Wein davon kommen wollen.
Ein Baum trägt in einer Art von Schooten Honig
%und eines andern abgezapfter Saft giebt aus 8 %Pfund
Saft 1 %Pfund Zucker, so wie der Ingra aus Cocossaft
gesotten %und in Indien rafinirt wird. Pensylvanien,
Mayland u.s.w. kommen in den mehresten Landes
Producten überein miteinander; sehr viel Holz in
Waldungen, eine Menge von Wild, welches grösten- 

/|P_335

/theils vom Eüropäischen unterschieden ist. Caro-
lina %und Georgien sind am südlichsten gelegen %und
bringen auch schon Seide hervor, %imgleichen in China
befindliche Kraeüter. Einige wollen hier den
Theestrauch %und den Ginseng gefunden haben.

/Wenn man den St_Laurentz_Strom hinauf von
deßen Mündung an das französische Canada
befärth, so hat man anfangs zu beyden Seiten
%ziemlich wüste Länder, bey Quebec aber %und weiter
hinan nach dem Ontario %und Erie-See hinauf
die vortreflichsten Länder in der Welt. La
Hontan
ist auf dem langen Fluß, der in den
Mißisippi läuft, weiter gegen Westen als irgend
ein Eüropaer gekommen, %und hat von den dahinliegenden
Völkern, den Tahuglunken gehört, daß sie bärtig,«t»
wohl bekleidet %und künstlich wären, daß das Ca-
lumet daselbst aufhöre, %und daß sie an einen
salzigten See wohnen. Diejenigen, die den Missi-
sippi herauf gefahren, finden Völker von fast
ähnlichen Sitten in einem sehr fruchtbaren %und wal-
digten, im Winter aber sehr kaltem Lande. Alle
diese Völcker haben sich, seit der Ankunft der Eü-
ropaer sehr vermindert. Man findet bey allen
diesen Nationen, daß der Gebrauch des Kupfers

/|P_336

/viel älter bey ihnen sey als des Eisens. In dem benach-
barten Florida sind die Einwohner sehr beherzt. Sie
opfern der Sonne ihre Erstgeburth. Das Land hat
große Perlen %und ist dem Carolina der Engländer
ähnlich.

/≥ Americanische Inseln. ≤

/Die Boucaniers und Flibustiers, waren %anfänglich See-
räuber, haben die Niederlaßung in St_Christoffle,
Dominique, davon die letztere hernach den Fran-
zosen unterworfen worden, veranlaßet. Im
grösten Theil des spanischen Amerika, sind viele spa-
nische Pferde, öfters auch Hunde die wild geworden.
In Domigo sind beyde, %und haben die Art an sich ein
großes Geräusch zu machen, wenn sie sauffen wollen,
um die Caymanen abzuschrecken. Die Negers welche hier
als Sclaven dienen, sind sehr zahlreich, oft gefährlich.
Die vom Senegal sind die witzigsten. Die Neger-Creo-
len sind witziger als ihre Väter; die von Madagascar
sind nicht zu bändigen; die von Monomotopa kommen
bald um, sind mehrentheils sehr dumm, cachiren sich aber
sehr künstlich, sind dabey hochmüthig. Einige freßen
gerne Hunde %und werden von Hunden angebellet. Sie
sind in Ansehung des Todes sehr gleichgültig, vornem-
lich die von Castelmina tödten sich oft um geringer
Ursachen willen. Einige Herren aber haben sinnreiche
Ursachen gehabt, sie hievon abzuhalten. In den Antillen
ist die Nation der Caraiben hauptsächlich ausgebreitet,

/|P_337

/%und in St_Vincent %und Dominique regieren sie. Sie sind
stark %und groß, machen sich den Leib mit Kacoa roth,
stechen sich viele Löcher in den Lippen %und stecken Knöchel-
gen, Glaskugelchen %und Steinchen hinein. Ihre Stirn ma-
chen sie durch ein Brett ganz platt %und gleichsam einge-
druckt. Ihre Miene scheint melancholisch zu seyn.
Das Caracolio oder blecherne Kopfschmuck derselben,
ist von reinen, schönen unbekanten Metall, welches
sie auch an der Nase %und der Unterlippe tragen. Wollen
nicht gerne Cannibalen heißen, %und können nicht begrei-
fen; wie man das Gold dem Glase vorziehe, eßen
niemahls Salz, sind träge, könen keine Gewalt oder
Härte vertragen, haben eigensinnige Grillen %und
ihr Stolz ist ungemein; niemahls wird einer zur
%christlichen Religion bekehret. In der Rache kennen
sie keine Grentzen %und Versöhnung ist ihnen unbekant,
Ihr Cacique muß im Kriege, in der Stärke, dem
Laufen %und Schwimmen cacelliren. Brauchen das
Schießgewehr wenig, sondern Pfeile mit hölzer-
nen Spitzen, die mit Safte des Mancinillen
Baumes vergiftet sind, %und Keülen.

/≥ Von den Ländern am Eismeer. ≤

/Obgleich die Länder an dem Eismeer zum Theil
zu den 2 andern Welttheilen gehören, so wollen wir

/|P_338

/doch um der Vergleichung mit Amerika willen,
etwas davon hier %kürzlich mitnehmen. Alle Völ-
ker am Eismeere kommen darinn überein, daß
sie beynahe ohnbärtig seyn, doch hat Ellis an der
Hudsons-Bay %und deßen verbundenen Meeren
Völker der Esquimaux angetroffen, die im
Gesicht sehr behaart waren.

/Die Tschukschi, die nordöstlichsten unter
allen Siberiacken, sind ein tapfer Volck am Eis-
meer, gastfrey, ihr Gewerbe ist, so wie hier
überhaupt Fischerey %und Iagd. Die Inseln Nova_-
Zembla, Spitzbergen u. a. m. sind nicht bewohnt,
aber man muß nicht glauben, daß sie so ganz
unbewohnbar sind, als sie die Holländer, die
unter Hemskerk darauf überwinterten, gefunden
haben. %Professor Müller berichtet, daß fast jährlich
einige Rußen, um der Iagd willen den Winter da-
rauf zu bringen. Unter den Vögeln von Spitzbergen
merke ich nur den Eisvogel mit seinen blendend
glänzenden Goldfedern %und den Steuljager, wegen
seiner seltenen Eigenschaft, die ihm den Namen gege-
ben hat, an. Der Wallfisch ist hier dasjenige Thier,
deßen Iagd die Eüropäer am meisten beschäftiget,

/|P_339

/wiewohl ehedem von Wallroßen um ihrer Zähne willen,
auch guter Profit ist gezogen worden. Weiter west-
werts haben die Lappen ein überaus %heßliches Gesicht,
sind aber nicht so klein als man sie beschrieben. An-
no 1753 sahe man einen Riesen, der 7 %Rheinländische Fuß
groß war, in Paris, er war aus Lappland gebür-
tig. Die Zaubereien oder vielmehr die Betrügereien
der schwarzen Kunst, sind hier fast so wie in
Siberien, werden aber immer mehr abgestellet.
Der Abbt Outhier bemerket, daß hier die Pfer-
de zur Sommerszeit aus allen Dörfern in die
Wildniße gelaßen werden, um diese Iahres-
zeit in der Freyheit zuzubringen, da denn die von
einer Dorfschaft sich von selber in einem be-
sondern Bezirk halten, %und mit den übrigen sich
nicht vermengen, auch im Winter von selber in
die Ställe kommen.

/Die Grönländer bewohnen ein Land, welches
mit der südlichsten Spitze Farwe in nicht größ-
rer Breite als Stockholm ist, aber sich bis
auf unbekante Weiten nach Norden erstre-
ket. Die Ostseite dieses Landes ist gelinder,
als die Westseite, %und hat %ziemlich hohe Bäume wieder

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/die Natur dieser Länder. Ie weiter man in die-
sen Himmelsstrichen nach Westen kömt, desto
kälter findet man die«se» Gegend. Nahe bey der
Hudsonsstraße siehet man Eisberge, deren Dicke
15 bis 1800 %Fuß ist, %und die mit einem Stamm von 30
bis 40 %Fuß Dicke wohl Meilenweit umgeben sind.
Weil sie der Wind kaum bewegen kan, so mö-
gen wohl Saecula dazu gehören, bis sie in die
temperirte Zona getrieben werden, da sie
zerschmelzen. Die Eißberge, welche neben den
hohen Bergen in Spitzbergen auf dem Lande
stehen, haben große Aehnlichkeit mit diesen,
%und den gletschernden Alpen, welches zu artigen
Betrachtungen Anlaß geben kan. Hiebey ist
nur noch zu merken, daß das Waßer des Eis-
meers so gesalzen %und schwer ist, als eines in der
Welt. Z. E. Bey Nova_Zembla, wo man in 80 Fa-
den Tiefe das Muschelwerk deütlich sieht.
Man sieht in der Hudsonsstraße eine %unbeschreibliche
Menge Holz in der See treiben. Ein gewißer
Autor hält dieses vor den sichersten Beweis,
daß dies Holz aus wärmern Gegenden herkommen
müße, weil es bis aufs Mark von Würmern

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/zerfreßen worden, die im kalten Erdstrich
nicht anzutreffen sind.

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