|B_Hesse_(1770)_
Helsinki, Universitätsbibliothek: Eö.V.19.
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14.12.2018 / 04.03.2019 / 20.09.2019 / 13.02.2020

Knopf

/|P_1

/ ≥ Collegium
/
/ über
/
/ die
/ Physische Geographie.
/ Vom Hrr. Profes. Kant
/ gelesen
/ im Jahr
/ 1770.
/ Königsberg in Preußen,
/ - Georg Hesse
/
/ {2- Johann Danckwart. 1788. -2}

/|P_2 δleer

/|P_3

/Alle unsere Erfahrungen, welche wir machen,
sind von der Verknüpfung der Dinge auf unserer
Erde hergenommen, und machen zusammenge-
nommen die Geschichte aus. Die Geschichte des
Vergangenen ist die Geschichte im engern Ver-
stande, die Geschichte des Gegenwärtigen aber
ist die Geographie oder Cosmographie, welche den
gegenwärtigen Zustand der Erde erzählet. Die Erde
kan mathematisch %.und physisch betrachtet werden: Im
erstern Verstande ist die Geographie matematisch,
im andern physisch. Die letzte ist die Naturbeschrei-
bung der Erde, %.und eigentlich die Historie der Natur.
Sie kan entweder abgehandelt werden, wenn man alle
obiecte auf der Erde sich wählet %.und in gewiße Claßen
abtheilet, oder man kan die seltensten, wunderbar-
sten %.und nützlichsten Dinge darunter aussuchen. Die
beste Wahl ist die 1.) auf diejenigen Dinge fällt,
über die es sich am meisten philosophiren läßet
2.) Nach denen die mehreste Nachfrage ist, und die
uns im bürgerlichen Leben am nützlichsten sind.
Der Nutzen dieser physischen Geographie ist sehr
groß, denn a.) kann man sich keine Philosophie
der Natur ohne die Historie der Natur erwerben:
b.) kann man ohne die Kentniß des Menschen nach seinen
verschiedenen Ausartungen unter den verschiedenen
Himmelsstrichen in der Moral nicht fort kommen.
3.) Ist sie das Fundament der Historie und der Politic,

/ in

/|P_4

/in welcher man nothwendig die Beschaffenheit und
Fruchtbarkeit des Bodens, der Länder, die Natur der
Einwohner wißen muß. 4.) dienet sie unvergleichlich
bey Lesung der Historie. 5.) Ist sie im Umgange und im
gesellschaftlichen Leben unentbehrlich.

/Die Erde wird vor eine Kugel gehalten, %.und sie ist es
auch beynahe. Dieses siehet man beynahe an dem Cirkel-
förmigen Schatten der Erde im Monde, auch aus den
Meßungen, die auf der Erde geschehen sind. In neuern
Zeiten hat man gefunden, daß sie von der Figur der
Kugel abweiche %.und länglich sey, so daß die Axe kürzer
als der aequator ist, %.und also einer Pommeranze gleiche.
Das Verhältnis des aequators zu der Axe ist wie 177
zu 178.

/Die Größe der Erde ist bisher sehr uneigentlich durch 5.400
Meilen bestimmet worden, denn da man zum Maaßstabe
der Meile immer den 15 «Grad» Theil eines Grades an-
genommen, %.und wenn man 360 durch 15 multipliciret,
diese Zahl herauskömmt, so weiß man nichts, als daß
sie 360 Grad habe. Man muß sie aber nicht durch sich selbst
meßen, sondern eine andere Größe annehmen, %.und dieses
sind Ruthen. Der König_von_Frankreich ließ zwischen
Paris %.und Amiens einen Grad ausmeßen, und da befand man,
daß der 15 Theil deßelben 24.000 Werkschuhe oder 2.000
Rheinländische Ruthen ausmache. Da nun in Sachsen die
Meile 30.000 Werkschue enthält, %.und man nach derselben
mehrentheils die Meilen in Deutschland reguliret, so
siehet man, daß dieselben von einer Geographyschen Meile
sehr differiren. Da eine Minute der 60ste Theil von einem

/ Grade ~

/|P_4R

/δZ_6

/die Erde ist vor den übrigen
Weltkörpern der Aufmerk-
samkeit des Menschen
würdig. Nicht darum,
als wenn sie unter den
großen Werken des
Allmächtigen mit vor-
züglicher Pracht her-
vorstralte, sondern weil
sie des Menschen Wohn-
platz, %.und der Bezirk
seiner Herrschaft ist. ~

/|P_5

/Grade ist, %.und der Grad 15 Meilen beträgt, so ist eine Mi-
nute 1/4 Meile, und diese 1/4 Meile enthält 6.000 Werckschue.
Ein geometrischer Schritt ist der 1.000ste Theil von einer
Minute der Erde, also hat er 6 Fuß. Von den französischen
Meilen gehen 25 auf einen Grad, und von den Englischen
¿»7. Eine Toise bedeutet ein Maas, von 6 französischen
Füßen. Die Rheinländische Ruhte ist 2 Klafter groß,
jeder derselben hält 6 Rheinländische Schue. Eben so
viel hält ein Faden, deßen man sich die Tiefen zu
meßen bedienet. In denen Bergwerken bedienet
man sich der Lachter, welche in Dreßden 17 Dresdner
Ellen ausmachen, aber in allen Ländern verschieden
sind.

/ ≥ Eigentliche Physische Geographie. ≤

/Sie bestehet aus 3 Theilen. Der erste Theil betrach-
tet die Oberfläche der Erde, %.und was darauf angetroffen
wird, ohne die Bewohner %.und Geschöpfe derselben. Der
2te %.Theil handelt von denen Producten der Erde. Der 3te
betrachtet alles in seiner Verbindung, in so fern es
sich auf diese Physicalische Dinge gründet.

/ ≥ Der 1ste Theil

/Das Meer macht 2/3 von der <Fläche der> Erde aus, %.und gehet mit ver-
schiedenen Krümmungen %.und Biegungen durch die Länder.
Es heißet Ocean in so ferne es als ein großes zusammen-
hängendes Waßer betrachtet wird. Viele glauben, daß
man die große Meere innerhalb denen Ländern auch
Oceane nennen müße, weil sie große Waßerhalter
vom gesaltzenen Waßer %.und von dem Ocean abgeschnit-
ten sind. Seen sind Busen, die durch eine enge Oef-
nung mit dem Ocean zusammenhängen, %.und sind

/ Ver- 

/|P_6

/Vertiefungen derselben zwischen den Ländereyen. Man
nennet sie auch Bays oder Golfos. Einige nennen den
See Golfo der länger als breiter ist, %.und sich tief ins Land
erstrecket, %.und Bay den, der breiter als lang ist. Die Meer-
engen, welche diese Bayen mit dem Ocean verbinden,
werden Straßen, im Französischen pas, im Spanischen
Estreto genannt. Die berühmtesten Straßen sind I.lich
in Europa. aa.) Die Straße von Gibraltar, welche 5
bis 6 Meilen breit ist, aber wegen der entsetzlichen
hohen Küsten denen Seefahrenden lange nicht so breit
scheint. b.b.) Die Straße von Meßina bey Neapolis. c.c.)
Der Canal zwischen Calais %.und Dovre: oder Pas de Calais.
dd) Der Sund bey Dännemark. ee) Die Straße von
Constantinopel. II. In Asien aa.) das Tretum Weigath
zwischen Nova Zembla dem Oby_Strohm gegen über bb.)
Die Straße von Malacia, wodurch man ehedem nach Indien
gieng. cc.) Die Straße Sunda, die heutige Fahrt nach Indien.
III. In Africa. Die Straße zwischen den Küsten von Abys-
sinien Babalmandat.

/IV. In Americka. 1lich) Die Hutsons_Straße. 2.) die Straße
Davis, welche beyde wegen des Wallfisch Fanges berühmt
sind. 3.) Der canal Bahuma. 4.) Die Magellanische Meer-
enge. 5. Die Lunerische Straße.

/ ≥ Der Boden und die Tiefe des Meeres. ≤

/Der Meers Grund enthält viele ungesehene Merck-
würdigkeiten. Man kan ihn durch nichts als durch das Senck-
bley examiniren. Selbiges hat die Figur eines Kegels
%.und wird gewöhnlich 30 %Pfund schwer gemacht, weil seine Schwere
nothwendig die Schwere des Seils übersteigen muß, da-
mit es gleich zu mercken ist, wenn es Grund gefaßet hat.

/ Unten

/|P_7

/Unten macht man eine Höhlung %.und schmieret Talch oder
Butter darein, damit es etwas von dem Grunde mit-
nehmen kan. Vermittelst dieses Senckbleyes hat man er-
fahren, daß der Boden des Meers, wie das feste Land
ungleich %.und gebürgig sey, %.und daß nicht allein hohe Berge,
sondern auch Berg Reihen darin befindlich sind. Weil
der Meeres Grund eine continuation von dem festen Lan-
de ist, so ist es natürlich, daß wenn die Küsten steil sind, der-
selbe auch steil herunter laufe, %.und im Gegentheil an
flachen Küsten flach sey. Dieses bestätigen auch Erfahrun-
gen. In Portugall %.und Norwegen, wo die Küsten steil
sind, können die Schiffe gleich als in einem Hafen nahe
an den Küsten laufen. Sie können also auch bey Nachtzeit
sicher wißen, wie die Küste woran sie kommen, beschaffen
ist, denn nimmt die Tiefe des Meers allmälig ab, so ist die
Küste flach, ist hingegen die Abnahme sehr mercklich,
so ist sie steil. Dampier hat angemercket, daß die östli-
chen %.und südlichen gemeinhin steil, die Nordlichen %.und Westli-
chen gemeinhin flach sind. Die Meere welche mit dem
Ocean zusammenhängen, sind desto flacher, je weiter
sie von ihm entfernet sind, %.und desto tiefer, je näher sie ihm
sind. Das Mittelländische Meer ist von dem Innländischen
am tiefsten. Der Graf Marsille hat seine größeste
Tiefe bis 1.000 Faden oder 7.000 Fuß gefunden, %.und zu-
gleich angemercket, daß die Tiefe des Meers der Höhe
der anliegenden Berge mehrentheils ähnlich wäre.
Doch dieses sind ungewiße Muthmaßungen, weil man
eine Tiefe von einer halben Meile mit dem Senckbley
nicht mehr meßen kan. Die zweite Art das Meer
zu untersuchen, ist, daß man Täucher hinein schicket.

/ Einige

/|P_8

/Einige davon können ganz frey vermittelst eines
Seils sich herunter laßen, %.und den Athem an sich halten.
Andere bedienen sich lederner Kappen, die oben eine
lange von Leder gebrannte Röhre haben, wodurch ihnen
frische Luft zugeführet wird. Sonst bedienet man sich
auch der Glocken, welche unten mit Gewichten versehen
sind, daß sie nicht umschlagen können. In solcher Glocke
gehet eine Stange bis auf die Mitte, an welcher unten
ein Querbalcke ist, daß der Taucher die Beine darum
schlagen kan. Je tiefer die Glocke kommt, desto mehr drin-
get das Waßer hinein, doch so daß der Taucher durch
den Wiederstand der innern Luft, frey, %.und trocken bleibet.
Um ihm frische Luft zuzuführen bedienet man sich sehr wohl
verpechten Fäßgens, welche mit 2 Hähnen versehen
sind, durch deren einen man die Luft hereinläßt, wor-
auf der Taucher durch den andern sie wieder in die Glocke,
in welcher auch ein Hahn ist, bringet. Auf solche Art kan
sich ein Taucher 1/4 Stunde unter dem Waßer erhalten.
Die Zeit die ein Mensch sich ganz frey im Waßer aufhalten
kan, ist bey den Mehresten nur eine Minute. Indeßen
erzählet man von einem Italiäner Cola Pesci der zur
Zeit Königs Friedrichs zu Neapel gelebet hat, daß er
sich so lange er nur wollen, unter dem Waßer aufhalten
können. Er hat immer sehr über die Seepolypen geklagt,
die ihn mit ihren großen Füßen erschreckten. Er blieb
endlich unter dem Waßer weg, %.und man glaubt, daß er von
einem Hayfisch gefreßen worden. Es ist zu vermuhten,
daß sich bey ihm das Foramen ovale am Herzen nicht
geschloßen hat, daher er auch ohne Luft leben können.

/ Dieses

/|P_9

/Dieses Loch gehet durch das Septum, welches die beyden
Herzkammern trennet, %.und wodurch das Blut bey einem
Kinde vor der Geburth gleich aus der lincken, in die rechte
Herzkammer gehet, ohne den Weg durch die Lunge zu
nehmen, wie es hernach geschiehet. Dieses Loch schlie-
ßet sich gleich nach der Geburth zu. Buffon versuchte
bey jungen Hunden es offen zu erhalten, indem er sie
gleich nach der Geburth in warme Milch legte, worin
sie einen gantzen Tag lebten.

/Reines Waßer hat in einer kleinen Quantitaet keine
Farbe. Doch so wie man die Luft im Zimmer auch nicht
sehen kan, wenn man sie aber bis an den Horizont durch-
siehet, sie uns blau erscheinet; eben so siehet das
Waßer in großer Menge grünlich aus. Doch ist diese
Farbe in See %.und Flußwaßer sehr unterschieden. Die
Durchsichtigkeit des Seewaßers ist größer als die
Durchsichtigkeit des Quellwaßers, weil jenes mehr
in continuum ist als dieses. Daß aber eine Sache desto
durchsichtiger sey, je mehr sie in continuum ist, lehret
die optick.

/In denen wärmsten %.und in den kältesten Ländern ist
das Meerwaßer am meisten gesaltzen, %.und deswegen
am durchsichtigsten, so daß man es gegen 10. bis 15.
Klafter durchsehen, %.und viele Seethiere, Schildkröten,
conchilien, darin bemercken kan; wo denn auch der
Grund des Meeres durch das Waßer scheinet. Man
glaubet daß einige Meere von der durchschimmernden
Farbe des Grundes ihre Namen bekommen haben, %.und
daß auf diese Art die Benennung des rohten Meers

/ entstanden ~

/|P_9R

/δZ_3

/hivon siehe die An-
merkung pag. 81.

/δZ_11

/Ein Cubic_Fuß <Fluß>Waßer wie-
get 64 %Pfund, eben so viel See-
Waßer aber 76 %Pfund.

/Ein Cubic_Fuß ist ein vier-
ecktes Gefäß, welches
einen Fuß lang, breit %.und
hoch ist.

/δZ_17

/Da«s»s Waßer ist nach
den Gesetzen der Natur
in beständiger Bewe-
gung; es muß also ei-
nen geringen Zusammen-
hang, und nur wenige
Berührungspuncte
haben; wodurch die
runde Figur der Thei-
le am bequemsten ist. ~

/|P_10

/entstanden. Doch ist dieses darum nicht wahrscheinlich,
weil der Grund des rohten Meeres nicht übeall
roth, sondern auch kreidigt %.und leimigt ist. Vielmehr
mag sein Name daher entstanden seyn, weil die
Einwohner von Arabien die rohte Farbe sehr lieben,
%.und die Weiber sich die Finger roth malen.

/Das Meerwaßer leuchtet bey Sommerzeit ungemein,
so daß wenn eine Welle über ein Schif schlägt, die
Schifleute mit lauter Funcken bedeckt zu seyn scheinen.
Einige glauben, daß dieses eine Würckung glänzender
Würmgen wäre, welche sich im Sommer in großer Menge
darin aufhielten. Doch hat man die rechte Ursache noch
nicht erforschen können.

/Man findet die Oberfläche von einigen Meeren mit
besondern Dingen bedeckt. So ist der Sargassa, Spanisch
Porrey ein Gewächs in der Gegend von Capo Verde %.und
Capo St._Luca darauf so häufig %.und dicht in einander
gewachsen, daß ein Schif schon recht guten Wind haben
muß, wenn es durhdringen soll. Dieses Gewächs be-
decket das Meer einige Meilen weit, %.und bleibet
beständig auf einer Fläche. Man glaubte anfänglich,
daß in diesen Gegenden das Meer sehr flach seyn müße,
aber man fand seine Tiefe unergründlich. In dem
Africanischen Meere hat ein Schiffer die See, einige
Morgen nacheinander so weit mit Birnstein be-
decket gefunden, daß man vom Mast davor den Horizont
nicht hat sehen können. Es ist selbiger aber am Tage
zu Grunde gegangen. So findet man auf der Indischen
Reise einige Meilen weit die See mit Schlangen be-
decket, welche sich nahe am Lande aufhalten.

/ Im

/|P_11

/Im Seegrunde können die Taucher alles deutlich
erkennen, so bald aber oben auf der Fläche die ge-
ringste Bewegung entstehet, wird unten alles
dunckel. Um dieses zu verhindern hat der Taucher
eine Röhre mit Oehl im Munde, aus welcher er,
wenn eine Bewegung entstehet einige Tropfen auf
den Ort fließen läßet, wo er etwas entdecken
will. Dieses Oehl breitet sich auf dem Waßer aus,
%.und macht alles helle.

/Der gantze Ocean, alle Mittelländische %.und große
Meere sind salzig. Doch ist das Verhältniß der Salz-
theile gegen die Waßertheile verschieden. In eini-
gen Meeren verhält es sich zum Waßer wie 1 zu
28. in andern wie 1. zu 40. Dieses allgemeine
Verhältniß im Durchschnitt ist ohngefehr wie 1. zu
35. Dieser Unterscheid scheinet daher zu kommen, daß
diejenigen Meere am wenigsten gesalzen sind, in
welche sich viele Flüße ergießen. In dem heißesten
Clima ergießen sich nach Proportion der Länge der
Küsten sehr wenig Flüße ins Meer, daher ist hier
das Waßer weit mehr gesalzen. In dem nordlichen
Clima ist diese Ursache ebenfalls. Man findet oft unter
eben dem Clima verschiedene Grade der Salzigkeit,
nachdem man einem Fluße nahe oder ferne ist. Die
von dem Ocean ganz abgeschnittene Meere sind auch meh-
rentheils salzig. Z.E. das Caspische, das todte Meer. Bey
Mexico findet man eines, das halb süß halb saltz ist. Doch
giebt es auch Inländische Seen, die ganz salzig sind, %.und
andere die süß sind. Die Ursache ist wohl die, daß in allen

/ diesen

/|P_12

/diesen Seen sich Flüße ergießen, %.und auch abfließen.
Es muß also nothwendig das Salzwaßer abgefloßen,
%.und an deßen Stelle das süße Quellwaßer hineinge-
kommen seyn. Eben diese Ursache findet auch bey denen
süßen Seen statt, aus denen kein Fluß ausfließet
weil man entweder vermuhten kan, daß ehedem ein
Abfluß darinnen gewesen, oder noch jetzt sich unter der
Erde ein Fluß daraus ergießet. Einen solchen See
findet man in Siberien, welcher Baybal heißet.
Wenn das Verhältniß des Salzes zum Waßer wie 1 zu
3_1/2 ist, so sagt man, daß das Waßer mit Salz gesä-
tiget sey. Solches Waßer hat beynahe das todte Meer,
da das Verhältniß in demselben wie 1 zu 4 ist. Daher
sincken Menschen %.und Thiere nicht auf demselben, sondern
schwimmen wie Korckholz.

/Das Meerwaßer führet eine eckelhafte Bitterkeit
mit sich, welche nach Pech schmecket, %.und Erbrechen und
Beklemmung der Brust, wenn man es trincket, ver-
ursachet. Doch soll es verschiedene Nationen geben,
welche es vertragen können. Diese Bitterkeit hat
den Geschmack von Steinkohlen, %.und es ist zu vermuhten,
daß eine große Menge davon in dem Meere vorhanden
sey. Man findet auch auf dem Mittelländischen, beson-
ders aber auf dem todten Meere, viele Klumpen Pech,
welcher wahrscheinlich die Fettigkeit von denen Stein-
kohlen ist. Man nennet es Judenpech. Alle Versuche die
man macht, das Meerwaßer zum Gebrauch gut zu
machen, sind vergebens gewesen. Wenn man es abdäm-
pfen läßet, so bleibet wohl das Salz zurück, aber die

/ Bitterkeit

/|P_13

/Bitterkeit treibet man mit herüber. So haben auch die
mannigfaltigen Versuche durchs filteriren nichts gehol-
fen. Wenn man es im Faße faulen läßt, %.und eine Menge
Sand hineinschüttet, so scheinet der Sand diese Bitterkeit
am ersten anzunehmen. Die Schiffer müßen sich also bisher
noch immer mit süßem Waßer versorgen. Hiezu ist das
Flußwaßer am besten, weil es sich am längsten halten
kan. Besonders ist das Themse_Waßer darin berühmt.

/Das gesalzene Waßer ist wohl das original_Waßer auf
unserm Erdboden. Denn da im Anfange der Welt das Waßer
mit der Erde vermischt gewesen, %.und es sich hernach in den
Vertiefungen abgesondert hat, so hat es viele öhligte schwe-
feligte %.und andere Theile von Pech %.und andern substanzen
mitgenommen. Also muß man nach der Ursache des süßen
Waßers fragen. Diese bestehet in der Abdämpfung des
Meers, woraus der Regen entsteht, %.und dieser unterhält
die Quellen.

/Das Seewaßer gefrieret selten, %wenn es aber gefrie-
ret, so ist die Eiskürste <oben> süß.

/In tiefen Grüften %.und in tiefen Kellern ist mehrentheils
gleiche Kälte %.und Wärme. So ist es ebenfalls in dem Meere.
In einer Tiefe von 100 Klaftern, weil die Sonnenstrahlen
nicht so weit durchdringen können. Daher darf man nur
unter einem heißen clima ein Gefäß voll heißen Ge-
tränckes auf diese Tiefe herunter laßen, so ist es ganz kalt,
wenn man es herauszieht. Selbst im Eismeere, wenn die
Fläche ganz mit Eisschollen bedeckt ist, ist unten niemals
eine Frostkälte.

/Der Druck des Meerwaßers ist vermöge seiner Tiefe

/ sehr

/|P_14

/groß. Der Graf Marsille hat in dem Mittelländi-
schen Meere eine Bouteille mit Korckholz fest zuge-
stopft, heruntergelaßen, %.und da sie von ihm herauf gezogen
worden, gefunden, daß der Stopsel ganz in den Hals ein-
gedruckt war, %.und ein paar Löffel süß Waßer durch den
Stopsel sich filteriret haben. Die Täucher können auch in
einer mäßigen Tiefe nicht mehr diesen Druck vertragen.
Die Salzigkeit des Meerwaßers verursachet auch, daß
die Schiffe stärcker können beladen werden als im süßen
Waßer. Deswegen kan man auch auf der See weit leichter
schwimmen, %.und ein erwachsener Mensch soll nach gemachten
Versuchen, nur 2 %Pfund schwerer seyn als das Waßer. Dieses
geringe Gewicht läßt sich durch Geschicklichkeit, besonders
wenn man auf den Rücken schwimmet, sehr leicht über-
winden.

/Die Bewegung des Meers geschiehet zuerst durch die
Wellen. Diese Bewegung erstrecket sich nur ohngefehr
10 Klafter tief, wo die Taucher keinen Sturm mehr
mercken. Alle Wellenbewegung ist nicht fortrückend,
noch fortgehend. Denn wenn der Wind das Waßer in eine
schwemmende Bewegung versetzen möchte; so könnte
man nicht den Weg, den das Schif in einer gewißen
Zeit durchläuft, durch das Lag meßen. Dieses ist ein
leichtes Brett, welches man auswirft, %.und woran ein
Seil ist, das man immer nachläßt %.und hernach aus der
Länge des Seils die Länge des «Meeres»<*1> weiß.

/Die größesten Wellen sollen selten 8 bis 10 Fuß steigen,
so daß sie vom cacumine bis in die cavitaet 20 Fuß aus-
macht. Die schwankende Bewegung der Wellen setzet das
Waßer zwar nicht in eine fortrückende Bewegung,
wenn der Sturm nur einige Tage anhält, dauret er aber

/ Wochen ~

/|P_14R

/δZ_26

/*1 Weges ~

/|P_15

/Wochen ja Monahte lang, so entstehen Seeströhme. In Eu-
ropa soll die Spanische See die längsten %.und besten Wellen
haben. Auf der Mittelländischen %.und OstSee sind sie kürzer.
Die Ursachen davon müßen die Untiefen %.und die Unebenhei-
ten des Bodens in diesen Meeren seyn, woran sich die Wel-
len brechen, denn sonst haben alle Wellen eine gleiche Länge.

/Die Brandungen auf der See sind gefährlicher als die
Wellen. Vornehmlich ist an der Küste von Africa bey dem
Strohme Seenegall, wo eine lange Seebanck in die See
gehet, %.und eine Barre (ein Damm) von der Mündung des
Strohmes ist die Brandung sehr gefährlich. Auch bey Pil-
lau %.und an den Küsten der OstSee überhaupt findet man
große Brandungen. Diese Brandung findet da statt, wo
das Ufer ein planum inclinatum ist, worauf das Waßer
bey großen Stürmen hinanläuft, %.und indem es zurückschlägt,
die ihr entgegen kommende Welle %.und vermittelst die-
ser alle übrige Wellen bricht %.und alles umschmeißet was
ihr begegnet. Vor dieser Brandung sich zu schützen, haben
die Schiffer die allgemeine Bemerkung gemacht, daß
nemlich zuerst eine kleine Welle ans Ufer schlägt, und
die Wellen denn immer größer werden, bis zu der 7 oder
8ten, welches die größeste ist, die denn mit Wuth zu-
rückschlägt. Hierauf erfolget wieder eine Welle %.und
das Spiel gehet von Neuem an. In diesem Zeitpuncte
von 7 Wellen müßen sie mit dem Both das Ufer hinan¿
fahren, %.und denn so schnell wie möglich laufen, daß die große
Welle sie nicht erreichet. Diese große Welle wurde
von denen Römern fluctus decumanus genennet. Von
denen Brandungen unterscheidet sich die hohle See. Wenn ein

/ Sturm

/|P_16

/Sturm schon lange aufgehöret hat, so bleibet die See noch
eine lange Zeit darnach in eine schlankende Bewe-
gung, %.und dieses nennet man die hohle See. Sie ist viel
gefährlicher als ein großer Sturm, weil die Schiffe
alsdenn dem Spiel der Wellen gäntzlich ausgesetzet
sind, %.und kein Wind es aufrecht erhalten kan. Hier geschie-
het es, daß wenn viele Schiffe zusammengehen, eines an
dem andern zerschmettert wird.

/Eine andere Ursache der heftigen Bewegung des Meers
ist die Ebbe %.und Fluth. An allen Küsten derer Meere, die
mit dem großen ocean verbunden sind, schwillt das
Waßer alle 24 Stunden 2 mal auf, %.und macht Fluth, sincket
2 mal %.und macht Ebbe. Die ganze Bewegung richtet
sich augenscheinlich nach dem Monde, denn wenn er am
folgenden Tage «s» 3/4 Stunde später aufgehet, so kömmt auch
die Fluth 3/4 Stunde später. Bey dem vollen %.und neuen
Licht ist die Fluth größer, bey dem aequinoctio, da
Sonne %.und Mond zusammenwircken, am größesten, und
heißen Springfluhten. Wenn der Mond im Meridiano
eines Ortes stehet, denn ist an den Küsten, die unter dem
Meridian liegen, sowohl auf der zugekehrten als ab-
gekehrten Halbkugel der Erde Fluth; %.und an den Küsten
die 90 Grad vom Meridiano entfernet sind, Ebbe.
Die Bewegungen der Ebbe %.und Fluth verhalten sich so re-
gelmäßig nach dem Monde, daß sie in dem Calender
angezeiget werden können. 6 Stunden lang schwillt
das Waßer %.und fluhtet, 6 Stunden lang nimmt es ab, %.und
ebbet, denn fluhtet es wieder 6 %.Stunden %.und darauf ebbet es
6 %.Stunden.

/Diese Bewegung ist in denen Meeren nicht sehr merck-
lich, die mit dem Ocean nur durch enge Fahrten zusam- 

/ menhängen

/|P_17

/menhängen, weil in diese enge Fahrten bey der Fluth
nicht eine solche Quantität Waßer hineindringen kan, daß
sie mercklich würde. So ist die Ostsee, welche nur durch den
Sund %.und die 7 Belte mit dem Ocean zusammenhängt. Im
Mittelländischen Meer hat man nur bey Venedig die Ebbe
%.und Fluth. Es haben auch die Alten selbst Aristoteles davon
nichts gewust, daher erstaunte Alexander so sehr, als
er sie beym Indus_Strohm zum ersten male sah. Bey
Venedig beträgt das anschwellen 3 Fuß, in allen Inseln die
sehr weit vom festen Lande liegen, ohngefehr 6 Fuß. Wo sich
aber das Meer in Straßen preßen muß, da steigt es erstau-
nend. Bey Bristol ist die Bewegung im aequinoctio etliche
40 Fuß. Besonders an flachen Küsten ist sowohl die Fluth
als die Ebbe außerordentlich starck, so daß bey dem Golfo
di Gambaza in Indien ein schnelles Pferd der Fluth kaum
entlaufen kan. Die Franzosen nennen die Springfluth - 
Mascaret, %.und diese ist nichts anders, als wenn ein großer
Berg Waßer aus der Erde käme. Das Gesetz der Ebbe
%.und Fluth ist in allen Landen etwas unterbrochen. An ei-
nigen Orten ist die Fluth am Tage starck, weil alsdenn
die Seewinde sie noch mehr befördern, %.und des Nachts
schwach, weil alsdenn die Landwinde ihr wiederstehen.
Der Nutzen der Ebbe %.und Fluth ist sehr groß, weil man
mit der Fluth oft über Barren %.und Untiefen in einen
Hafen kömmt, der sonst gar nicht schifbar wäre. Selbst
gegen Winde kan man mit der Fluth einlaufen %.und mit
der Ebbe herausgehen. Die Ursachen dieser Bewegung
hat Nevton mit ungezweifelter Gewisheit darge-
than.

/ Von

/|P_18

/ ≥ Von denen Meerströhmen

/Mitten im Ocean, besonders an den Küsten %.und in den
Meerengen sind Meerströhme, %.und es ist beynahe kein
Meer davon auszunehmen. Ein jeder Schiffer muß eine
genaue Kentniß davon haben. Man kan sie aber nicht, wenn
man auf dem Schiffe ist erfahren, sondern man findet sie
allererst in der Zusammenrechnung. Denn da der Schiffer
durch das Lag wißen kan wie geschwinde er fähret, so kan
er auch wißen, in wie lange Zeit er an einen bestimmten
Ort seyn könne. Ist er nun eher oder später da, so schließt
er ganz sicher, daß ein Meerstrohm ihm entweder behülflich
gewesen, oder ihn verhindert habe.

/Im ganzen Ocean ist eine strömende Bewegung von Osten
nach Westen, welches schon Columbus bemercket hat, denn von
Ost-Indien nach Europa legt man die Reise früher zurück,
als es nach der Berechnung heraus kömmt. Sonst giebt es
viele dergleichen Ströhme auch in der Ostsee %.und besonders
sind sie im Cattegat gefährlich. Die Ursache dieser Ströhme
setzet man in die Bewegung der Ebbe %.und Fluth, %.und bey denjenigen
kan sie es wohl seyn, welche immer stehen bleiben. %.wenn
auch kein Wind ist, auch wohl wieder den Wind gehen. Andere
aber die sich bloß nach dem Winde richten, entstehen auch
wohl vom Winde.

/Noch ist zu mercken daß in allen Meerengen 2 Ströhme sind,
ein oberer %.und ein unterer. ZE. In der Straße von Gibraltar
in dem Cattegat der Ostsee. Ist das Innländische Meer
gesalzen, so geht der obere Strohm hinein %.und der untere
hinaus, wie es sich bey Gibraltar befindet. Ist das Inn-
ländische Meer nicht so gesalzen, so geht der obere Strohm hin-
aus %.und der untere hinein, wie bey der Ostsee. Und diese Be-
merckung von den 2 Ströhmen in denen Meerengen ist

/ allgemein

/|P_19

/allgemein, weil es nicht so leicht 2 zusammenhangende
Meere giebt von gleicher Salzigkeit.

/ ≥ Vom Meerstrudel. ≤

/Auf den Homannschen Karten trift man eine erschreckliche
Abzeichnung des Mählstrohms an den Küsten von Norwegen
an. Man beschreibt ihn daß er einige Meilen im Umfange
habe, %.und daß er wechselsweise alles anziehe, %.und wieder zer-
malmet von sich werfe, daß er selbst die Wallfische verschlinge
und sie zermalme. In neuern Zeiten hat man erfahren, daß
dieser Mählstrohm nichts als die Ebbe %.und Fluth ist, wo der
Strohm 6 Stunden von Norden nach Süden, %.und 6 Stunden von
Süden nach Norden gehe. Doch ist er freylich bey der Fluth
so heftig, daß er ein Mühlenrad treiben könnte, wovon
er auch den Namen hat. Man hat angemercket, daß er
sich in 12 Stunden rund um den Compaß drehe. Doch ist er
den Reisenden nicht sehr gefährlich, indem man ihn
mit einem Both durchschneiden kan. Der 2te Strudel
ist die Charibdis vor dem Hafen von Messina, dem die
felsigte Küste Capo Scilis, ehedem Scylla, gegen über
lieget. Er wird durch 2 entgegen kommende Ströhme
nemlich durch den Seestrohm, der von Norden nach Süden
geht, %.und durch den vom Südwinde erregten entgegen-
gehenden Strohm, verursachet. Die Relationen der
Alten von ihm sind sehr übertrieben. So viel Gewalt
hat er, daß er ein großes Schif in seinem Lauf aufhal-
ten kan; %.und daß kleine beladene Fahrzeuge darein sinken.

/Zwischen der Insel Negro Porte im Archipelago ist der
berühmte Strudel EδLückeypus der in einem schnellen Aufwal-
len %.und plötzlichen fallen des Waßers bestehet. Er ist eine
Würckung der Ebbe %.und Fluth welcher durch die vielen In- 

/ seln

/|P_20

/seln aufgehalten wird, so daß zur Zeit der Springfluth
das Waßer im Hafen aufschwillt, weil es aber nicht so
gleich einen Zufluß hat, alsbald fällt. Die Alten machen
ihn so berühmt, daß sie schreiben; Aristoteles habe sich hin-
ein gestürzet, weil er seine Ursache nicht hat er-
forschen können.

/ ≥ Ob die Meere unterirdische Gemeinschaft haben?

/Diese Frage ist entstanden, weil man es nicht hat errahten
können, warum die Meere nicht voller würden. Da sie doch
einen beständigen Anwachs aus den Flüßen bekämen.
Wer aber weiß, daß sie beständig ausdämpfen, %.und daß von
dieser Ausdämpfung die Flüße unterhalten werden,
darf diese Hypothesyn nicht annehmen. Die Gründe
derer welche diese unterirdische Gemeinschaft behaupten
sind folgende: 1lich) erzächlet ein Pater Kirchner, daß
ein Persischer Scribent Paradia berichte, daß man auf
dem Persischen Golfo oft Weidenblätter wahrnehme,
ob bey diesem See gleich keine Weiden stehen, %.und daß es
also wahrscheinlich sey, daß sie durch den unterirdischen
Abzug aus dem Caspischen Meere herkämen. Es ist aber
sehr zu glauben daß dieses Seekräuter sind, die den
Weidenblättern ähnlich sehen. 2.) Sollen auf dem Caspischen
%.und auf vielen andern Meeren Strudel seyn, welche
das Waßer einschlucken. Es ist aber oben erwiesen,
daß diese Strudel von der Ebbe %.und Fluth herkommen.
3) hat man diese Meinung deßwegen sehr angenommen,
weil man glaubte daß die innere Gestallt der Erde
mit der Strucktur eines Thieres viel ähnliches habe,
daher man die Berge für das Gerippe der Erde, %.und die
Meere für die Saftröhren derselben annahm. Die

/ Gründe

/|P_21

/Gründe wieder diese Meynungen sind 1lich: daß %wenn
diese Gemeinschaft stattfände, alle Meere eine gleiche
Fläche haben müßten, da doch von einigen, besonders vom
Caspischen %bekannt ist, daß es vielhöher als das schwarze Meer
stehet. 2.) Es könnten auch nicht die Meere austrocknen,
sondern der unterirdische Zufluß würde so gleich den Man-
gel ersetzen, %.und gleichwohl trocknet das Caspische Meer
auf 100 Ruhten Land aus.

/Auf dem Eismeere sind die ungemein große Eisschollen,
Eisfeldern, %.und das darauf schwimmende Holz, welches
man Treibholz nennet, merckwürdig. Die größesten
dieser Eisschollen nennet man Eisfelder, welche auf
einige Quadrat Meilen in ihrem Umfange haben, und
auf 100 Klafter dick seyn sollen. Die größesten Stürme
können sie nicht bewegen; ob sie gleich durch die allge-
meine Bewegung der Meere von Osten nach Westen, %.und
die besondere Bewegung der nordlichen Meere von Norden
nach Süden alle Jahre unmercklich getrieben werden.
Die Schiffer können in den Buchten dieser Eisfelder
ganz sicher wie in einen Hafen fahren, %.und wie durch eine
Straße zwischen zweyen durchgehen. Es giebt verschiede-
ne Thiere; besonders weiße Bähren %.und Vögel darauf, %.und
man kan darauf jagen. Man trift auch große Seen von
süßem Waßer darauf an. Man glaubet mit Recht, es
haben ganze Jahrhunderte dazu gehöret, daß diese ungeheure
Klumpen zusammen gefroren sind.

/Von diesen Eisfeldern sind unterschieden die Eisschollen, welche
viel kleiner sind, aber doch auch oft einige 100 Ruthen im
Umfange haben, %.und so hoch wie hohe Thürme sind. Sie wer-
den oft vom Meere umgeworfen, %.und stürzen wenn sie ab-
fallen, die Schiffe in den Abgrund. Die Matrosen müßen

/ sehr

/|P_22

/sehr behutsam seyn, wenn sie hinauf gehen, %.und immer
ein Both mitnehmen, denn oft zerspringet eine solche
Eisscholle in viele Stücke, %.und denn müßen sie sich mit dem
Both reteriren. Das Treibholz findet man auf dem
Meere in solcher Menge als wenn es geflößet würde,
%.und es überdeckt das Meer ganze Meilen weit, so
daß die Bewohner der Küsten kein ander Holz brauchen.
Da man Würme darin findet, %.und es in Lappland keine
giebt, so muß es wahrscheinlicherweise, aus warmen
Ländern, vermuthlich aus dem noch unbekannten Theile
von Amerika kommen.

/ ≥ Vom festen Lande. ≤

/In Betrachtung der Meere kan man alles feste Land, wie
einen Berg ansehen, %.und im Gegentheil das Meer wie ein
Thal, worin sich das Waßer gesamlet hat. Dem ersten
Ansehen nach scheinet auf dem festen Lande eine große
Unförmlichkeit zu seyn, %.und Bournet glaubet, daß ihre
jetzige Ungestallt eine Folge des Sündenfalls sey.
Doch wenn man sie näher betrachtet, so findet man,
daß sie mit erstaunender Kunst zu den mannigfaltigen
Zwecken, wozu sie dienet, eingerichtet ist 1.) Siehet man
daß aller Unförmlichkeit ohngeachtet das feste Land
mit einem gleichförmigen Abhange gegen die Ströhme
abgedacht sey, %.und daß diese Abdachung durch keine Berge
oder Unebenheiten unterbrochen werde, ohnerachtet
der weiten Strecke vieler Flüße, so wie der Donau-
strohm der auf 150 Meilen schifbar ist, %.und der Amazonen-
strohm der 11.000 französische Meilen lang seyn soll, der
Nilstrohm, der Ganges. 2.) Daß die Ströhme alle auf einer
inclinirten Fläche laufen, %.und daß so viele Flüße, welche

/ in

/|P_23

/in einem großen Fallen wieder ihren besondern Rinnsaal
«sie» haben. 3.) Daß zwischen den verschiedenen kleinen Flüßen
die großen Ströhme das Waßer zuführen, Landesrücken
sind, von denen sie ihr Waßer sammlen.

/ ≥ Von denen Gebürgen. ≤

/Es giebt einzelne Berge, die auf großen Ebenen stehen,
welche aber selten sind. Aber die Reihen von Bergen
oder Bergstrecken sind häufiger, welche auf dem Landes-
rücken fortgehen. Man glaubt, daß durch alle Theile der
Welt eine Bergkette fortgehe, welche aber nach der
verschiedenen Lage der Flüße von vielen andern
durchkreutzet wird. Jede große Insel hat in der
Mitte eine Bergstrecke, welche bey einer mercklichen
Breite wieder von einer andern durchkreutzet wird.

/ ≥ Von unbekannten Ländern

/1) Von denen man den Umfang aber nicht das Innere ken-
net. Africa ist in seinem Umfange fast ganz bekannt.
Die africanische Küste, das rohte Meer, die Küste
der δLücke werden von den Europäern häufig berei-
set, aber von dem Innern weiß man nichts. Auf der
Barbarischen Küste sind die Europäer höchstens
120 Meilen ins Land gekommen, %.und die große Wüste
Sara ist noch ganz auf dieser Seite unbekannt. Den Fluß
Seenegall befahren die Europäer auch wegen des
Negern Handels, der auch an den Küsten von Congo
getrieben wird. Bey dem Capo bonae spei ist man
höchstens 50 Meilen ins Land gedrungen, %.und überhaupt
kennet man nicht den 4ten Theil von diesem großen
Welttheile. Hieran ist die Treulosigkeit der Europäer

/ Schuld,

/|P_24

/Schuld, welche an den Küsten die Negers aufgegriffen
haben, %.und jetzt deswegen so verhaßt sind, daß sie sich
kaum ans Land wagen dürfen. Man siehet, daß das
Inwendige sehr goldreich seyn muß, weil die Negers
häufig Goldstaub zu denen Europäern an die Küsten
bringen.

/Von Amerika ist ein großer Theil in seinem Umfange
bekannt, von dem Innern sehr wenig. Die Portugiesen
haben nur einen kleinen Streif vom Königreich Brasilien.
Den Amazonen_Fluß sind wohl einige Europaeer
hinaufgefahren, aber niemals ins Land der Ama-
zonen gekommen. Im Lande Guiana kennet man
nichts als seine Flüße, die man des Handels wegen
befährt. In diesem Lande soll eine See Parima,
%.und an demselben ein Stück Land seyn, welches die
Spanier elle Dorada nennen, das voller Gold
seyn soll, welches aber mit Gebürgen besetzt ist,
%.und nur enge Päße, in welche die Indianer keinen
einlaßen. Man redet von einer Nation, genennet
Cesareer, an der Magellanischen Meerenge, wohin zur
Zeit Carls_des_5ten die Matrosen von 3 Schiffen sich bege-
ben %.und mit Indianischen Weibern sich vereiniget, %.und diese
Nation gestiftet haben. Sie laßen keinen Europäer ans
Land.

/2) von denen Ländern da man nur einige Küsten kennet.
Hierunter gehöret Asien, welches lange nicht in seinem
Umfange bekannt ist. Man sagt jetzt, daß ein Rußisches
Schif es gantz durchs Eismeer umseegelt habe, und man
gefunden, daß es nicht mit Amerika zusammenhänge.
Amerika ist gegen Westen auch gänzlich unbekannt. 3tens)

/ Länder

/|P_25

/Länder die man ehedem gekannt hat, %.und jetzt verlohren sind.
Dieses ist daher geschehen, weil man sich nicht die Lage dersel-
ben, wie weit sie nach Osten oder nach Westen liegen, hat mercken
können. So hat man die Salomonischen Inseln, welche die Spanier
vor 200 Jahren beseßen jetzt ganz verlohren. Der merckwürdig-
ste Verlust, ist der von der östlichen Küste von Grönland, wohin
man vor Zeiten nur von Island überstechen durfte. Nach der
Beschreibung, die man in den Archiven von Dännemarck fin-
det, muß sie weit beträchtlicher als die südliche gewesen
seyn. Zur Zeit der Königinn Margaretha 1389 sind 2
große Städte Garde %.und Albe mit einem Bischöflichen Sitze
%.und vielen Klöstern daselbst gewesen, %.und man hat einen ansehn-
lichen Handel dahingetrieben. Diese Königin hatte sich von
diesem Grönland Tafelgelder vorbehalten, %.und weil sie
glaubte, daß die Kaufleute ihr untreu gewesen wären, so ließ
sie einige davon arretiren %.und ihnen sehr hart begegnen. Ein
solches Verfahren schreckte alle ab dahin zu reisen. Der Hof
schickte einige Schiffe hin, die aber niemals zurückkamen.
Hernach vergaß man bey den großen Kriegen Grönland. Die
folgenden Könige schickten wieder einige Schiffe hin, davon
aber einige ganz ausblieben, andere die Nachricht brachten:
daß man wegen des Eises nicht hinkommen könnte. Es ist
zu vermuhten, daß ein Eisfeld wo Grund gefaßt, %.und den
Weg verbauet habe. Übrigens ist der ganze Süderpol noch
unbekannt, %.und überdem eine große Menge Inseln. Man hat
schon seit langer Zeit 2 proyecte gehabt, einen nähern
Weg nach Ost-Indien zu finden, weil der bisherige theils
langwierig, theils wegen der zona torrida sehr beschwerlich
ist. Den einen Weg schlagen die Engeländer vor, ob man

/ nicht

/|P_26

/nicht durch die Hudsons_Straße dahin kommen könnte? Den
andern Weg haben die Holländer versuchet, nemlich Nordost
durchs Eismeer zu fahren. Beydes ist noch nicht geglückt.
Man bemühet sich auch jetzt sehr die Austral_Gegenden näher
zu entdecken. Weil man Untiefen %.und viele Inseln befürch-
tet, so getrauet man sich nicht, sich auf das unbekannte Meer
weit zu wagen, sondern hält sich immer ganz nah an den
Küsten von Amerika, %.und fähret das Capo Horn deicht vorbey.

/ ≥ Von den Inseln

/Alle Inseln sind nahe an dem festen Lande, %.und in einiger Ent-
fernung von demselben, sind entweder gar keine oder sehr
kleine. Die Ursache ist weil die Inseln ein continuum der
Bergreihen des festen Landes sind, %.und deswegen nur an
den Küsten, wo der Grund seicht ist, hervorragen. Viele
derselben haben in der Mitte einen hohen Berg, wie ein
spitziger Kegel, den die Portugiesen Pico nennen, so
wie auf Teneriffa. Ein Meer darin viele Inseln liegen,
nennt man Archipelagus, wegen der Aehnlichkeit mit
dem griechischen Archipelago.

/ ≥ Von den Sandbäncken. ≤

/1) Rechnet man dazu die Barren, welches Sandbäncke sind,
die den Durchgang durch einen Paß oder Hafen verhindern.
Von der 2ten Sorte sind die, welche eine lange Strecke
längst den Küsten fortlaufen, die auch sonst Duhnen heißen.
Die größeste dieser Art ist bey Terre neuve. Dieses ist ein
Felsbanck, welche sich 130 Meilen erstrecket, %.und halb so
breit ist. Sie hat ohngefähr 25 Faden Waßer über sich, und
ist wegen des Stockfischfanges sehr berühmt, weil die
Fische sich ihr, wegen des Lichtes das darauf ist, nähern.
Man kann sie schon in einer ziemlichen Entfernung mercken,

/ weil

/|P_27

/weil es als denn sehr kalt wird, %.und die Wellen sich schon brechen.
Zwischen England %.und Schleßwig geht die Dreggersbanck, welche
auch ohngefehr 25 Faden Waßer über sich hat, %.und wegen des
Fischfanges ebenfalls berühmt ist. Solche Bäncke sind überdem
die Schulen vor die Matrosen. An den Küsten von Brasilien ist
auch eine gefährliche Felsbanck, welche die Spanier des-
wegen ab rollos i. e. aperi oculos nennen.

/ ≥ Von den Wüsten. ≤

/Solche sind entweder unbewohnte Länder, oder solche, die
nicht bewohnt werden können. Die letztern sind entweder
von Natur so, oder sie sind unwohnbar gemacht, dergleichen
man zwischen der kleinen %.und crimmischen Tartarey findet,
wo alles das Gras, die Kräuter, die Bäume weggebrannt
sind, um die Crimmischen Cosacken von den Zaparogschen
abzusondern. Es werden aber durch die Nachläßigkeit der
Menschen oft unwohnbar gemacht, besonders in gebürgig-
ten Gegenden. Natürliche Wüsten sind die Länder, wo
Menschen wegen der gar zu großen Hitze oder Kälte,
oder wegen Beschaffenheit des Bodens nicht beständig
wohnen können. Wegen der Kälte ist Grönland, zum Theil
Nova Zembla, die Gegend von Archangel unwohnbar
%.und wüste, wenn man nemlich auch die Länder zu Wüsten
rechnet, wo die Menschen nur von ihrer Jagd %.und Fischerey
leben können. Wo eine große Hitze mit einem Mangel
an Regen verbunden ist, können auch keine Menschen wohnen,
%.und solche Länder sind daher Wüsten, wie die Küsten von
Peru %.und die Gegenden in Egypten sind, wo der Nilstrohm
nicht hinreichet.

/Alles Land das hoch liegt, %.und eben ist, ist mehrentheils
wüste, weil es nicht von Flüßen kan fruchtbar gemacht

/ werden

/|P_28

/werden, sondern alle Quellen von diesen Landesrücken sich
in die umliegenden Ströhme ergießen. Hingegen giebt
es sehr selten Wüsten, wo das Land hoch, aber gebürgigt ist.
Zwischen dem Caspischen Meere %.und dem See Ariel liegt ein
solcher hoher flacher Landstrich, der eine große Wüste
ausmacht. In Asien ist die große Wüste Gabi, die über
200 Meilen lang %.und 100 Meilen breit ist. In Arabien
ist die große Syrische Wüste, zwischen Palestina %.und Irai
Arabi oder Mesopotamien, wo man in 8 Tagen, wenn
man reiset, nichts als weißen Sand siehet. Persien
wird durch eine Wüste in 2 Theile getheilet. In Africa
ist die große Wüste Sara, welche an alle bewohnte
Reiche anstößet %.und die auf 300 Meilen lang ist. Einige
von diesen Wüsten haben fliegenden andere schweren
Sand. In Persien findet man Cörper, die in diesem
Sande erhalten sind. In der Wüste Sara, %.und in der Syri-
schen Wüste werden oft ganze Carawanen von diesem
Sande verschüttet, ja ein ganzes Heer des Cambyses
ist davon begraben worden. Dieser fliegende Sand brei-
tet sich immer weiter aus %.und macht die umliegenden
Länder auch unfruchtbar. So ist das ehemals so frucht-
bare Palmira, deßen Königin Zenobia denen Römern
einen so großen Wiederstand that, jetzo gantz wüste.
Von diesem Reiche trift man noch verschiedene Rudera
an, %.und noch schönere von Balbeck, besonders von einer
Stadt Rasim, wo man viele steinerne Statüen und
Pyramiden findet, %.und woher die Africaner glauben, daß
die Stadt mit allen ihren Einwohnern sey versteinert
worden.

/ ≥ Von Bergen Thälern %.und Höhen. ≤

/ Gewiße

/|P_29

/Gewiße Pyramidalische Erhöhungen, die kugelförmig sich
erheben, nennet man Berge. Sie besetzen mehrentheils die
höchsten Landesrücken. Alles Land erhebet sich von dem Ufer
des Meers oder Flußes, bis an den Berg in einer unmerck-
lichen Abdachung, die aber in einer großen Weite ansehnlich
wird. So ist bey Quito das Land 12.000 Fuß höher als das
Ufer. Das Mitlere der Tartarey bey Schamo an den Indischen
Grenzen ist, ob es gleich eben so warm als Wien liegt, we-
gen seiner Höhe so kalt, daß das Land im Sommer nur
2 Fuß aufthauet. Die Höhe eines Berges von seinem Fuß
an zu meßen geht geometrisch sehr leicht an. Aber die
ganze Erhöhung des Berges über das Ufer des Meers
geht so leicht nicht an; da die mehresten Berge so weit
vom Meere entfernet sind, daß man nach ihnen von dem-
selben nicht visiren kan, welches nur in Peru %.und bey dem
Pico auf Teneriffa geschehen kan. Die Höhe des Landes wor-
auf der Berg steht mit Triangeln auszumeßen, läßt
sich auch nicht so leicht thun. Die Möglichkeit dieser Aus-
meßung ist nur seit der Erfindung des Barometers
bekannt. Mitten im vorigen Seculo entdeckte Johann
Bapt. Torricelli die Schwere der Luft durch eine Röhre,
die er oben zumachte, %.und unten offen dieselbe in ein Gefäß
mit Quecksilber setzte, da denn das Quecksilber in ei-
ner Höhe von 18 bis 30 Zahlen stehen blieb. So bald dieses
erfunden war, fiel man gleich darauf, daß da die Seule
der Luft an dem Meere, %.und auf dem Berge verschieden seyn
muß, die auf das Quecksilber drückt, das Quecksilber
daher auch auf dem Berge niedriger stehen werde. Man
urtheilte, nemlich daß da die Luft 14.000 mal leichter ist

/ als ~

/|P_29R

/δZ_2

/Die nicht beträchtliche
Erhöhungen derselben
werden Hügel genen-
net.

/Man theilet die Berge
in die ursprüngliche
oder Ganggebürge,
Flötzgebürge %.und in die
so durch bloße Zufälle
entstanden sind, ein.

/Die Ganggebürge mon-
tes originarii sind
die höchsten.

/Die Flötzgebürge be-
sitzen nur eine mit-
telmäßige Höhe.

/Beyspiele von Gangge-
bürgen sind in Europa
die hohen Hartzgebürge,
die hohen Thüringschen
Gebürge, die hohen
Tyroler %.und Schweizer-
gebürge.

/Die Flötzgebürge um-
zingeln die Ganggebür-
ge, werden fast auf der
ganzen Erdfläche an-
getroffen.

/Durch die Flötze ver-
stehet man Schichten von
Erden %.und Steinen, wel-
che horizontal über
einander liegen. ~

/|P_30

/als das Quecksilber, der Berg worauf das Quecksilber
1 Fuß fällt 14.000 %Fuß hoch seyn würde. Hier fand sich auch eine
Schwürigkeit, daß nemlich die Luft unten dichter %.und oben
leichter ist, welche also noch den glücklichen Ausgang der
Erfindung hinderte. Hier zeigte nun Mariotte daß die
Dichtigkeit der Luft sich verhalte, wie die Last die darauf
ruhe, %.und Bernouilli, Salzterre brachten die Regeln, nach
welchen die Dichtigkeit der Luft abnimt, in Tabellen,
nach denen man sich jetzt der Barometer zur Außmeßung
der Berge bedienen kan, %.und wo man findet, daß in einer
Höhe von 72 Fuß das Quecksilber eine Linie falle. Dem-
nach finden diese Ausrechnungen, wegen der verschiedenen
Witterveränderungen in denen verschiedenen Ländern
große Ausnahme. In Peru stehet der höchste Berg 22.000
Werckschu perpendiculair über die Fläche des Meeres;
also noch nicht eine völlige deutsche Meile. Der Pico auf
Teneriffa ist nach Tevillers Außmeßung 1.758 Fuß hoch, ob
er gleich dem Augenmaaß nach, weit höher läßt, weil er
näher an der See liegt, daher ihn die Alten auf 2 deut-
sche Meilen geschätzt haben. Die höchsten Berge auf den
Alpen, wie der St._Gotthard sind nach Scheuchzers Auß-
meßung nicht höher als 12.000 Fuß aber Gruner bringet
einige darunter höher als den Pico auf Teneriffa aus.
Alle Berge können als unregelmäßige, kugelförmige Co-
loßen angesehen werden, daran einige perpendiculair
abgeschnitten sind. Der Dauphine scheinet wegen seiner
steilen Höhe beynahe ein umgekehrter Kegel zu seyn, ob
er gleich oben, wohl noch einmal so klein ist, als unten.
Buffon führet an, daß Bourguet bemercket habe, daß
man durch die Thäler der Berge als durch Festungswercke

/ gehen

/|P_31

/gehen kan, %.und daß sie immer einen ausspringenden Winckel
formiren, daß ein Thal gegen über immer der Fuß eines
andern Berges ist, %.und es also schlangenweis zwischen der Ber-
gen fortgehe. Der Berg Athos, der bis auf die Insel Limnus
nach dem Bericht der Alten seinen Schatten soll geworfen haben,
ist nicht einmal so hoch, daß der Schnee im Sommer darauf lie-
gen bleiben sollte. Je höher man einen Berg hinaufsteiget, desto
dünner wird die Luft, weil ein jedes Medium, das sich zusam-
men drücken läßt, sich durch seine Last zusammendrückt,
daher die Luft unten, weil eine größere Säule auf ihn ruht, noth-
wendig dichter seyn muß. Mariotti hat zwar ein Gesetz er-
funden, daß die Schwere der Luf sich wie Last verhalte, die
darauf ruht, welches aber wegen der Dünste, womit die
unterste Luft immer angefüllt ist, mit der Erfahrung
nicht zusammentrift. Die höchste Verdünnung der Luft
ist halb so dicht wie die unterste, indem auf dem höchsten
Berge Chimbura so das Quecksilber von 20 Zoll auf 14
herunter fällt. In dieser halb so dünnen Luft, als die Ge-
wöhnliche hat sich gleichwohl die französische academie 3
Wochen ohne die geringste Unmächlichkeit aufgehalten. Daher
die sonst vorgegebene Engbrüstigkeiten eher vom Steigen
als von der veränderten Luft herkommen.

/Die Wolcken welche sich oft in Nebel auf die Erde sencken, sind
unterschieden hoch, doch im Sommer immer höher als im
Winter. Ihr höchster Stand ist eine deutsche Meile. Die
mehresten hohen Berge ragen mit der Spitze über die Wolcken
hinaus, %.und man geht durch dieselben als einen Nebell. Bey
dem Aufgange der Sonne machen sie dem Auge unten einen
eben so blauen Himmel, wie oben, welches Schauspiel aber
wenn die Sonne über den Horizont ist, verschwindet. Der

/ Schall

/|P_32

/Schall nimmt auf den Bergen wegen der dünnen Luft merck-
lich ab, %.und gehet auch weil die dünne Luft weniger Spann-
kraft hat, als die dicke, nicht so schnell fort, wie unten.
Wenn man oben eine Pistole loßschießet, so knallet sie nicht
mehr, als wenn man ein Sprackholtz zerbricht, welches
auch eines Theils daher komt, daß der Schall sich nicht woran
stoßen, %.und gedoppelt zurück kommen kan, wie auf der Erde
in Thälern %.und Wäldern geschiehet. Nach einer geraumen
Zeit kehrt er mit einem erschrecklichen Getöse auf den
Berg zurück.

/Auf großen Höhen wird die Luft allmählig kühle, in der
größesten Hitze verändert sie sich gar nicht mehr, und
ist eben so wohl im Sommer als im Winter die strengste
Kälte darauf. In dem heißesten Weltstriche in Peru ist
ebenfalls auf den Bergen diese Witterung. In einer
Höhe von 15.000 Fuß schmilzt kein Schnee mehr, %.und in einer
Höhe von einer deutschen Meile ist die Kälte schon unverän-
derlich. Hieraus siehet man daß die Wärme nicht von der
Sonnenhitze allein herkommen kan, sondern daß ein beson-
ders Elementar Feuer die Erde %.und alle Körper umgiebt, %.und
durchfließet, welches desto dünner wird, je höher man ist, %.und
daß die Sonnenstrahlen es nur in die Bewegung setzen.
Daß die Wärme nicht von dem reflectirten Sonnenlicht
herkommen könne; erhellet daraus, weil es sonst auf
denen Inseln am kältesten seyn müßte, indem das Waßer
am wenigsten reflectiret.

/Hieraus folget nun, daß, je höher ein Land über dem Meere
liegt, es desto kälter seyn werde. Dieses bestätigen die Er-
fahrungen, denn in dem Thal Quito welches unter der Linie
lieget, ist es so kalt, wie bey uns im Anfange des Frühlings.
Daher sind die Länder unter der zona torrida am Seeufer,

/ wie

/|P_33

/wie Seenegall %.und andere unerträglich heiß, welche doch aber von
den Seewinden viel Erfrischungen bekommen. Da aber diese
Seewinde nicht tief genung ins Land hineingehen können, so
müßen die andern Länder unbewohnbar seyn, wenn sie nicht
höher lägen, %.und daher temperiret wären. So ist es in Peru viel
gemäßigter als in Neapel, indem die Stadt Quito darin 12.000
Fuß höher als die See liegt. Die Alten wußten von dieser
Eigenschaft der Länder nichts, daher sind die Länder, welche
hinter Egypten, Aethiopien %.und Nubien, welche sie kanten,
lagen, vor unerträglich hielten, %.und sich also nicht beküm-
merten, dieselbe weiter zu durchreisen, %.und ihre Eigen-
schaften zu durchforschen. Diese Meynung ist dahero der Ent-
deckung mehrerer Länder sehr hinderlich gewesen.

/Die Höhe des immer schmelzenden Schnees ist 1«7»2.000 Fuß nem-
lich in Peru. In Frankreich schmilzt es schon in der Höhe von
9.000 Fuß, %.und je weiter es nach Norden gehet, desto niedri-
ger darf die Höhe seyn. Ob der Schnee gleich immer liegen
bleibet, so dunstet er doch aber so wie das Waßer aus, und
der unterste verlieret sich endlich gar. Ja auf einem erdig-
ten Boden wird unten durch die Wärme der Erde viel weg-
gezehret. Im Sommer schmilzt es auf mittlern höhen
bey Tage etwas, welches in der Nacht wieder gefrieret. Im
Winter schmilzt er gar nicht, daher kan man die Sommer %.und
Winterschichten sehr gut unterscheiden. Wenn er in so hohen
Klumpen anwächst, daß er sich nicht mehr erhalten kan, so
stürzet oft eine große Maße herunter welche die Schweitzer
Lavinen nennen. Diese sind entweder Streu oder Schloß-
Lavinen. Die Streu Lavinen zerstreuen sich, erfüllen die
ganze Luft, %.und überdecken, wenn sie herunter kommen
oft ein Land auf 100 Schue. Der Schnee setzet sich als denn
so fest, daß ein Mensch sich vergebens heraus zu arbeiten

/ suchet.

/|P_34

/suchet. Die Schloßlavinen sind große Schneebälle, welche
sich im Herunterwältzen immer vergrößern, %.und endlich
so entsetzlich werden, daß sie Bäume %.und Häuser fortreißen,
%.und ein ganzes Dorf so überdecken, daß keine Spur davon
übrig bleibet. Nach Gruners Bericht, können die Vögel solche
Schloßlavinen verursachen. Im Jahr 1558 ward ein Dörfgen
Bergamaletto in Savoyen von so einem Ballen ganz über-
decket, %.und eine Frau aus einer Höhe von 30 Fuß gesund her-
ausgebracht, welche in einem Stall von einer Ziege sich
unterhalten hatte.

/Auf den hohen Bergen scheinet die Kälte von ganz anderer
Art, als im Thal zu seyn. Das Glätscher_Eis von denselben
thauet niemals auf. Auf denen Cordileras in Peru läßt
man geschlachtete Kälber durchfrieren, die man nachgehens
im ganzen Lande, ohne daß sie im geringsten alt werden,
ausführet.

/Man hat auf diesen Gebürgen erstarrete Cörper gefunden,
die in Stellungen, die sie noch bey warmen Blut gehabt haben,
kniend, die Hände faltend, auf einmal erstarret sind, wel-
ches so geschwinde von einem scharfen Winde geschehen seyn
muß.

/Wenn man nach Popanan durchs Thal Quito reisen will, und
einen Ostwind antrift, so ist man beynahe verlohren. Es
laßen alsdenn die Reisenden alles im Stich, um sich nur das
Leben zu retten.

/Zwischen den Alpen Gebürgen ist ein Thal 33 Meilen lang,
welches das Eismeer heißet, weil es ganz %.und gar mit
Eis überdecket ist, %.und so aussiehet als wenn Wellen darauf
gefroren werden. Aus diesem Eismeer entstehen die grösten
Flüße. Man unterscheidet darauf, Eisberge, Eisthürme, und
Eistafeln. Diese Eistafeln sind von dem geschmolzenen Waßer

/ auf

/|P_35

/auf dem Abhange zwischen den 2 Bergen angefroren, %.und sind
bis 30 Fuß dick. Es giebt darein Schrunde oder Ritzen, wel-
che unten manchmal trocken, aber oft voll geschmolzenem
Waßer sind. Wer in eine solche Ritz die voller Waßer ist,
hineinfällt, kömmt so leicht nicht heraus. Man hat daher
Menschen alhier «Men» gefunden, welche ganz frisch gewesen
sind an niedrigen Ritzen von dem Waßer hervorgespület
gefunden, von denen man aber hernach erfahren hat, daß sie
vor 80 Jahren hinein gefallen sind. Diese Eisfelder grenzen
mit den schönsten Gegenden, %.und den besten Viehweiden zusam-
men. Daher auch der Name Alp entstanden, welches im Schwei-
zerischen eine Weide bedeutet. Es giebt darauf Eisthürme
von 150 Fuß, welche nach Langhansens Beschreibung des Mor-
gens feuerroth sind, %.und rauchen. Sie entstehen von dem ge-
schmolzenen Schnee der Berge, welches Waßer sich hin %.und wieder
in den Eisfeldern einfrißt %.und auf diese Weise die Thürme
formiret. Bey warmen Jahren frißt es sich wohl bis auf den
Grund der Eisfelder, daher die Thürme höher werden, da sie
hingegen in der Kälte wo das Waßer gefrieret, manchmal
wieder verschwinden. Es thauet auch zuweilen ein solcher Eis-
thurm ganz ab, da man den aus der Erde ein Salz ausgraben
kan, wovon sich ein heilsamer Spiritus abziehen läßt, welcher
Glätscher_Spiritus heißet, %.und woraus man siehet, daß dieses
Glätscher_Eis eine ganz besondere Eigenschaft haben muß.

/Von den Eisthürmen sind unterschieden die Eisberge welche von
gediegenem Eise oft 1.000 Klafter perpendiculair hoch sind, und
2 Stunden im Umfange haben. Nach Langhansens Muthmaßung
sind sie also entstanden: Wenn nemlich das Thal so hoch wie die
Berge auf 1.000 Klafter vollgeschneyet ist, so hat sich in war-
men Jahren dieser Schnee vergletschert, %.und ist daher ein solch
entsetzlicher Eisklumpen entstanden. Wenn der Schnee in wär- 

/ meren

/|P_36

/meren Zeiten auf den Bergen wieder geschmolzen, so hat
das Waßer rund um diese Eisberge angefreßen %.und ihnen die
runde Form gegeben. Auf dem Pico auf der Insel Teneriffa
ist vermuthlich die Kälte deswegen nicht so groß, weil aus
der Höle auf demselben beständig ein Schwefeldampf auf-
steiget. Vermuthlich hat er ehemals Feuer gespieen. Übrigens
bedeckt sein Schatten weil er so frey stehet, den ganzen
Horizont, %.und steigt bis an den Himmel.

/Der Hauptnutzen der Berge bestehet im Ursprunge der Ströhme.
Zwischen den größesten Eisfeldern sind unverliegende Ma-
gazine von Waßer, welche es bey der dürresten Zeit den
Flüßen, die sonst austrocknen würden, zuführen. Der 2te
Nutzen der Berge ist, daß auf demselben mehr Getreyde als auf
dem flachen Lande %.und auch weit beßeres wachsen kan. Daher die
Schweitz ohne die vielen Berge so viel Einwohner nicht er-
nähren könnte. Sie sind 3tens die Ursache des Regens.

/Es ist eine allgemeine Erfahrung, daß es in allen Ländern
die weit von der See liegen %.und keine Berge haben, wenig reg-
net. So sind die ungeheuren Wüsten in Arabien %.und Persien,
in Egypten %.und Nubien. In Abyßinien aber welches gebürgigt
ist, regnet es jährlich 1/4 Jahr, %.und in Peru, wo das große Gebürge
Cordileras ist, regnet es ganze Monathe hindurch.

/ ≥ Von denen Hölen %.und Grüften in den Bergen
%.und auf dem ebenen Lande. ≤

/Die mehresten Hölen trift man in denen Gebürgen, auf der
Ebenen aber sehr selten an, daher einige geglaubet haben,
daß alle Berge hohl wären. Die Adelsbergsche Höle im Her-
zogthum Crain ist so groß, daß man schon 2 Meilen mit Fackeln
darin umgegangen ist. In dem Pilatus Berge in der Schweitz,
eigentlich mons pileatus, weil die Wolcken eimen Huth

/ gleich

/|P_37

/gleich sehen %.und um ihn machen, ist eine Höle von 300 Fuß. In
Franckreich in Maux öfnete man vor einiger Zeit eine, woraus
von der Zeit an klares %.und helles Waßer gelaufen. Die Baumanns-
höle im Harzgebürge ist wegen des Tropfsteins oder des Felsen-
saftes, welcher allerhand Figuren bildelt, %.und dem Aberglauben viel
Materie schaffet, sehr bekannt. Man stellet sich rudera von Städten,
Personen, Mönchen %.und Taufsteinen darunter vor. Man findet in den
Gebürgen, besonders die aus einer Art von Steinen bestehen, ent-
setzliche Spalten, die unergründlich sind. Oft sind diese Spalten
mit einem andern Steine gleichsam zugeheilet, %.und denn heißen
sie Gänge, der Stein darin heißt die Gangart, %.und der Stein des
ganzen Gebürges, die Bergart. Sind die Spalten offen, so hei-
ßen sie Klüfte.

/Die Menschen haben was die künstlichen Hölen anbetrift, noch
nicht über 1.500 Fuß durch ihre Arbeit Hölen gemacht. Die
Salzbergwercke bey Krasoian, die bishero beynahe die tiefsten
sind, gehen noch nicht so tief. Da diese Hölen gemeinhin weit
im Lande sind, so ist man noch selten so tief gekommen, als die
Meeres Fläche ist. Die Bergwercke sind unter den gemachten
Grüften die berühmtesten. Der Marmorbruch bey Mastricht
kan einige 1.000 faßen, %.und ruht auf vielen 100 Pfeilern, welche
man zu Stützen gelaßen hat. Die Steinkohlen Bergwercke in
England bey Beilhäven, erstrecken sich so tief, unter die See,
daß die größesten Schiffe darüber fortgehen. Sie sind aber auch
mit einer Menge von Pfeilern die bis 8 Klafter im Umfan-
ge haben gestützet. Zwischen Laubach %.und Klagenfurth im Her-
zogthum Crain, geht durch ein Gebürge ein Bach, worauf man
mit einem Kahn durch daßelbe fahren kan. Oben sind in den Felsen
Löcher eingehauen, daß es darinnen Licht ist. In Egypten sind
die Katapulken, welche perpendiculair wie Brunnen ausge-
hölet sind. Bey Kiow sind die heiligen Gräber, worinnen
die Leichen nicht verwesen. In diesen cruptis muß der Boden

/ sehr ~

/|P_37R

/δZ_14

/Man bewundert mit
Recht die Tiefen einiger
Bergwerke. Nach des Hr.
Schobers Bericht ist die
allertiefste Grube 2.000
Fuß. Was ist aber die tie-
fe, welche die menschliche
Arbeit zu erreichen ver-
mögend gewesen ist, ge-
gen die höchsten Berge
welche die Natur aufge-
thürmet hat? Sie be-
trägt beynahe nur den 10ten
Theil.

/Wie wenig kann der Mensch
den innern Bau der Erde
erforschen, da er mit
schwerer Arbeit nur
kleine seichte Tiefen
in ihre Oberfläche zu
graben vermögend ist. ~

/|P_38

/sehr trocken seyn, daß er alle Feuchtigkeit von denen Cörpern
absorbiret. In dem Bleygewölbe in Bremen erhalten sich
die Cörper ebenfalls frisch. In Helmstadt ist auch ein solches
Gewölbe. Die Ursache davon scheinet der beständige Zugwind
zu seyn, welcher durchgehet, %.und alle Fäulniß von den Leichen
wegnimmt.

/In allen Grüften ist die Luft temperirter, als oben, so daß es
im Sommer nicht so heiß, %.und im Winter nicht so kalt ist. Die
Schachten deren eine Oefnung niedriger als die andere ist, haben
den Vortheil, daß sie immer frische Luft haben, daher sie
auch Wetterschachten heißen. Im Sommer geht in denselben
die Luft zur niedrigen Oefnung aus, %.und im Winter zur
hohen. Die Schachten deren Oefnung perpendiculair ist, sind
bey heiterem Himmel finster, weil die Sonne die in der
zona temperata niemals über den Scheitelpunct zu stehen
kommt, %.und den obern Theil erleuchtet, da hingegen bey bewölk-
tem Himmel, die erleuchteten Wolcken Licht hineinwerfen.
Es ist so wohl in den Grüften als in allen Behältnißen eine
ruhige %.und alte Luft, höchst schädlich, daher muß man sich vor
Keller oder Gewölbe, die in langer Zeit nicht geöfnet sind,
sehr in Acht nehmen, %.und vorher die Probe mit einem Lichte
machen, wenn dieses nicht ausgehet, so können auch Men-
schen darin leben.

/Die Grotte del Cane in Neapel geht perpendiculair wie
ein Brunnen herunter, wo in einer kleinen Höhe über dem
Waßer schwere Schwefeldünste schweben, welche eine Hund, wenn
man ihn bis auf die Tiefe herunterläßt, so gleich ersticken.
Die Erfahrung lehret es, daß in einer gewißen Tiefe die
Luft jederzeit gleich sey. In dem Keller des observatorii
zu Paris, welcher 84 Fuß tief ist, steht das Thermoter fast
beständig hoch, %.und steiget manchmal im Sommer nur einen
Grad. In einer Erzgrube zwischen Calais %.und Bologne steht das
Thermometer immer gleich hoch, wie im Keller des observatorii.

/ In

/|P_39

/In Acashane in Italien, verändert es in einer Tiefe von 360
Fuß, ebenfalls nicht mehr diesen Stand. Was die Hölen anbe-
trift, die zu Schwitzbädern gebraucht werden, so rühret ihre
Wärme von den nahen warmen Quellen her.

/Dennoch giebt es Höhlen, worin es im Sommer kalt, %.und im
Winter warm ist. Dergleichen ist eine in den carpatischen Gebür-
gen Zelitz, %.und die 2te in der Franche Comté 5 Meilen von Be-
sançon. In ersterer so bald oben der Schnee anfängt wegzu-
thauen, frieret es große Eiszapfen, %.und wenn es oben ganz warm
wird, so gefrieret unten alles Waßer. Die Kälte ist desto
strenger, je heißer der Sommer ist. Im Herbste fängt das Eis
darum allmählig an aufzuthauen, %.und im strengsten Winter ist
es ordentlich heiß darinnen. In der Franche comté wo die
Höle 80 Fuß hoch, 120 lang, %.und eben so breit ist, findet man es
eben so beschaffen. Die Ursache davon scheinet zu seyn, daß im
Sommer das Elementar Feuer, wegen der obern Hitze, desto
stärcker herausgeht, um sich mit ihr zu verbinden. Es macht
überhaupt alles, was die Ausdünstung eines Cörpers ver-
mehrt, ihn auch kälter, weil mit der Ausdünstung das
Elementar Feuer herausgehet. Wenn man dahero ein Ther-
mometer mit Waßer oder Spiritus anfeuchtet, %.und es alsdenn
mit einem Blasbalge trocknet, so fällt es.

/ ≥ Vom inwendigen Bau der Erde. ≤

/Die Materie woraus die Erde bestehet, es sey Felsen oder
Erde, ist entweder gleichartig, oder man findet strata oder
Schichten von verschiedenen Arten. Diese Schichten sind in
ihrem ganzen Umfange gleich dick, liegen aber nicht gleich
nach den Regeln der specifischen Schwere, sondern es liegen
oft strata von schwererer Art unter den leichtern.

/Die Strata in den Felsen sind die Gänge, welche die Klüfte der-
selben anfüllen. Die Klüfte in denen Gebürgen sind unten weiter

/ als

/|P_40

/als oben, woraus man siehet, daß sie nicht vom Zusammentrock-
nen der Gebürge herkommen können. Den Stein womit diese
Klüfte angefüllet sind, pflegt man petram parasyticam
zu nennen.

/Die Erde welche noch nicht mit Graben veränderlich ist, heißet
Jungfern Erde. Dieselbe ist in Schichten von verschiedener Höhe
%.und Materie abgetheilt. Findet man in einer dieser Schichten
Muscheln oder andere Sachen, so bleiben sie beständig in derselben,
über ihr, auch unter derselben sind welche anzutreffen.
Zwischen diesen stratis sind die Quelladern der Brunnen.
Die Meynungen von dem Centralfeuer in der Erde haben beson-
ders Cartesius %.und nach ihm Leibniz in Ansehen gebracht. Sie
glaubten daß inwendig in der Erde ein großes Feuer wäre,
%.und daß die ganze Erde ehedem als ein Comet gebrannt hätte,
daß sich hernach ihre Oberfläche abgekühlet habe, aber inwen-
dig noch das Feuer sey. Herr von Meran berichtet, daß
das Thermometer in denen Elsasischen Gebürgen, nachdem
es oben <2 Grad> über 0 gestanden, in einer Tiefe von 52 Lachter
10 Grad, %.und von 222 Lachter 18 Grad über 0 gewesen wäre.
Hievon aber läßet sich nicht allgemein schließen, weil die
Ursache dieser Wärme warme Quelladern %.und entzündete Schwe-
feladern seyn können. Es ist überdem die Zunahme der Wärme
von 18 Grad in einer Tiefe von 222 Lachter so groß, daß wenn
sie von dem Centralfeuer herrührte, bis auf die Hälfte des
Centri schon alles Glas seyn müßte, %.und es in kurzer Zeit,
bis auf die Oberfläche kommen müßte. Es ist vielmehr zu
glauben, daß da alle Cörper, vom Drücken oder vom Preßen
eine Hitze bekommen, die unterirdischen Feuer von der ge-
ringsten Verrückung der Erdschichten, als einer solchen Last,
von einigen Meilen herkommen könne, %.und daß eben dieses
auch die Ursache der Erdbeben seyn kan.

/Monsieur de_Meran, der insbesondere die Meynung von

/ dem

/|P_41

/dem Centralfeuer in der Erde vertheidiget hat, schreibet ihm
alle Fruchtbarkeit der Erde zu. Er nimmt an, daß in denen kalten
Ländern %.und unter den Erdschichten, ein Grundstein liegen müßte,
welcher das Centralfeuer von ihnen abhielte. Dieser Grundfels
aber würde sich wohl nicht so bald erwärmen, als die Erde,
aber wenn er einmal geglühet wäre, würde er den Boden weit
wärmer als die lockere Erde machen.

/ ≥ Von denen Erdbeben, von andern Ausbrüchen Feuer-
speiender Berge, und ihren Phaenomenis. ≤

/Ehe sich die Erdbeben äußern, zeigen sich in der Luft besondere
Erscheinungen. Oft ist sie roth, %.und voller Blitze, oft erheben sich
rasende Stürme, so daß man darauf verfallen könnte, daß die
Ursache des Erdbebens über der Oberfläche anzutreffen wäre.
Sensibeln Personen fängt der Kopf an zu schwindeln, die Thiere
werden unruhig, %.und laufen voll Angst herum. Das Erdbeben
selbst geschiehet so plötzlich, als wenn eine Mine aufgesprenget
wird, %.und ist immer Stoßweise. Es dauert kein Stoß über eine
halbe Secunde, %.und die Stöße selbst halten sehr selten eine Mi-
nute an. Die Bewegung hält ihren Strich %.und es ist wahrschein-
lich, daß sie Wellenförmig ist, wie solches bey aller Erschüt-
terung angetroffen wird. Ein jeder Stoß ist ein Analogon
von einer Welle. Daher leidet ein Ort, wo der Strich die
Länge durchgehet, am mehresten, weil die Gebäude,
bald auf die Spitze, bald auf die Tiefe der Wellen zu stehen
kommen.

/Bey einem Erdbeben ist gemeinhin auch ein Seebeben,
wobey die See ungemein wütend %.und unruhig wird, %.und wo
man auch die Stöße auf den Schiffen mercken kan. In Preu-
ßen hat man schon dergleichen Seebeben verspüret, weil
sie bey der geringsten Bewegung des Bodens sehr merck-
lich sind. Diejenige Länder welche nahe an der See %.und in
hohen Gebürgen liegen, sind dem Erdbeben am mehresten ausge- 

/ setzt. ~

/|P_41R

/δZ_2

/Es ist besonders merk-
würdig, daß alle sich weit
ausbreitende Erdbeben
allezeit nahe an den Ufern
des Meers, oder selbst in
dem Grunde deßelben ih-
ren Ursprung genommen
%.und sich darauf über das fe-
ste Land ausgebreitet ha-
ben.

/Beobachtung bey dem 1755
geschehenen großen Erdbeben
von Spanien %.und Portugall.

/Vor %.dem 1 %.November entstunden
aus den Ausdünstungen der
Erde feurige Lufterscheini-
gungen, die mit einem
Knalle zerplatzten. Zu
Tariffa kam eine epidemische
%.Krankheit unter die Bienen;
wovon viele Stöcke aus-
giengen. %.Den 15 %.October bemerk-
te man, nebst dem %.Donnerwetter
einen heftigen Gestank in
der Luft. In allen Provin-
zen des Reichs spürte man
einen ungewöhnlichen Ab-
gang des Waßers. In vie-
len Orten veränderten sich
auch die Eigenschaften des-
selben. An vielen Orten
waren auch die Thiere sehr
unruhig. Aus den gesunke-
nen Brunen zu Carmona
kam eine Menge Schlangen,
Heydexen %.und ander Ungezie-
fer hervor. Zu Librya zeig-
te sich eine Menge Ratzen,
die ganz dumm %.und unsinnig
herumliefen. Die Ausdün-
stungen wurden immer häu-
figer; je näher der erste
%.November kam. Zu Olias hat-
te man in der Nacht vorher
bemerket, daß die Lichter sehr
dunkel brenneten, %.und mit
einem dicken vielfarbigen ~

/ setzt

/|P_42

/setzt. So ist der untere Theil von Italien, Island und Peru be-
schaffen. Auch auf denen mehresten Inseln wird es gespühret.
Länder hingegen, welche flach liegen, haben schon nicht so
viel vom Erdbeben zu befürchten. Die Ursache scheinet zu
seyn, weil die Erddecke auf den Bergen dünner ist, und
die entsetzliche Dicke der Erdschichten auf dem flachen Lande
den Ausbruch verhindert. Das Erdbeben hält mehrentheils
einen Strich durch ganze Länder. So wurde das Erdbeben
von Lissabon %.anno 1752 in Asien %.und Amerika gespühret.

/Die Feuerspeyende Berge sind die Rachen des Auswurfs
des unterirdischen Feuers. Wo dieselben angetroffen
werden, da ist das Erdbeben nicht so heftig. Wenn in Neapel
der vesuvius speyet, so sind die Erdbeben sehr gelinde, aber
weit entsetzlicher, wenn er sich verschloßen hat. Die Oef-
nung des vesuvii hat 1/4 Meile im Umfange, %.und liegt an
der Seite des Berges. Daher ist die Nordliche %.und Oestliche Seite
schön angebauet, %.und fruchtbar, aber auf der südlichen und
westlichen siehet er erschrecklich aus. Man findet auch
aber sehr selten, Feuers Ausbrüche auf der Ebene. So
ist in Italien der Monte Di Cedri ein sehr großer Berg
von der Asche eines solchen Ausbruchs entstanden, der sich
hernach von selbsten verstopfet hat. Die Ursache der Erdbeben
so wohl als der Feuerspeyender Berge muß in der Mate-
rie liegen, die sich in der Erde entzünden. Besonders fin-
det man den Marcasiten oder Schwefelkieß, welcher in
der Luft, wenn er ein wenig angefeuchtet wird, sich ent-
zündet. Wenn nun auf eine solche Schichte von Schwefel-
kieß die See durchdringet, so muß sie sich nothwendig ent-
zünden, doch gleich verlöschen, weil die wenige innere
Luft gleich verschwindet. Der Aetna ist in den aller äl-
testen Zeiten bekannt gewesen. Aber der vesuvius ist al-
lererst zu den Zeiten des Kaysers Ti«¿¿»tus berühmt geworden,

/ da ~

/|P_42R

/δZ_2

/hüpfenden Nebel umgeben

/waren.

/Die Erscheinungen, welche man
im %.october einzeln gesehen hat-
te, äußerten sich den 1 %.November
alle vor dem Ausbruch des
Erdbebens binnen weni-
gen Stunden.

/Das %.Erdbeben fieng an gegen Mit-
tags um 1/4 nach 10 Uhr. An
vielen Orten rißen sich die
Thiere loß, %.und liefen auf
das Feld, oder von da nach
hause. Zu Lebrisa, Me-
dina, Sydonica %.und Corduba
kam das Waßer oft ko-
chend herausgebrodelt,
%.und breitete einen heßli-
chen Gestank aus. Das
Waßer bey St._Domingo
war lange Zeit so dick %.und
stinkend, wie aus einer
Morastpfütze.

/δZ_28

/Der Aetna liegt im
Ländgen Catanea, im
Königreich Sicilien.
Die Einwohner nennen
ihn Mont Gibello.
Er ist erstaunlich hoch.

/Der Vesuv liegt im
Königreich Neapolis,
%.und ~

/|P_43

/da er das Herculaneum ganz %.und gar verschüttet hat. Diese
Stadt ist im jetzigen Jahrhunderte wieder entdecket. Sie lag
ungefähr 63 Palmen, deren jede 4 Zoll hält, unter der Ober-
fläche der Erde. Die unterste Erde war von harter Asche, und
darunter hatte sich die Lawa ergoßen, welche so hart als ein
Fels ist. Man hat darin verschiedene Pergamene gefunden,
welche aber von der Hitze der Lawa ganz mürbe gemacht sind.
Die merckwürdigsten Entdeckungen sind die Statuen, die
sehr kostbar sind. Besonders hat man eine große Anzahl von
Priapis aus Metall gefunden, welche amuleta der Weiber, um
der Fruchtbarckeit willen scheinen gewesen zu seyn. Die Lawa
ist der Fluß von geschmolzenen Metallen %.und Steinen mit un-
termengter Asche, welcher wie ein Brey bey dem Ausbruche
des Feuers ganz zähe herunterquillt, alles verbrennet,
wo sie hinkommt, %.und wenn sie kalt ist, zu Steinen wird. Die
mehresten Straßen in Neapel sind damit gepflastert, %.und man
macht Tische, Dosen, %.und verschiedene andere Sachen daraus. Bey
der Entdeckung des Herculanei hat man auch die rechte Pur-
perfarbe wiedergefunden, denn man hat ein Bild mit dem
Triumpf eines römischen consuls unversehrt heraus-
gebracht, wo diese Farbe wie Weinbeeren aussiehet.

/ ≥ Von den Quellen %.und Brunnen. ≤

/Die Quelle ist der Grund des Brunens, %.und der Brunnen
das gesammlete Waßer aus den Quellen. Doch wird auch
beydes manchmal verwechselt. Es giebt einige Quellen,
die periodisch sind, das ist, die manchmal mit dem Waßer
inne halten. Die Ursache davon ist der Mangel oder Zufluß
des Schmeltzwaßers vom Schnee, daher auch diese Quellen
gewöhnlich im Sommer offen sind. Der gleichen ist der Engst-
ler Brunnen in der Schweitz, der Pfefferbrunnen, welche
sich nach der Abwechselung des Mondes richten vid. Varenii
Geographia naturalis:

/ Es ~

/|P_43R

/δZ_2

/%.und wird von den Ein-
wohnern Monte di
Somma genennet. Er
ist auf der süd %.und westlichen
Seite mit schwarzer Asche,
Schlacken %.und Steinen bedeckt.
Je höher man den Berg hinn-
an kommt; desto heißer fin-
det man seinen Boden.
Man höret in demselben
ein starkes Knallen %.und Ge-
töse. Hin %.und wieder sind
Rauchlöcher, aus welchem
ein Dampf in die Höhe stei-
get. Seine Hauptofnung ver-
ändert die Gestallt bey jedem
heftigen Ausbruche der Flam
me. Wenn er wütet; so
macht er vorher ein er-
schreckliches Getöse, davon
alle umliegende Oerter
erschüttert werden; dar
nach streuet er Asche und
wirft Steine aus.

/δZ_23

/Die wäßrigen Dünste
steigen am häufigsten
aus dem Meere auf,
%.und werden hernach in
den Wolken durch die
Winde über der ganzen
Oberfläche der Erde ver-
theilet. Sie fallen aber
nicht nur sonderlich im
Schnee %.und Regen nieder,
sondern sie sammlen sich
auch an den Spitzen der
Berge ~

/|P_44

/Es giebt mineralische Quellen, welche salzig sind, aber nicht
die Bitterkeit des Meeres an sich haben. Andere haben we-
der Geruch noch Geschmack %.und sind doch mineralisch, der-
gleichen das Pfefferbad in der Schweitz ist. Man unter-
suchet die mineralischen Waßer dadurch, daß man davon
etwas in Violen_Syrup hineingießet. Wenn sie ihn grün
färben, sind sie alcalisch, %.und wenn sie ihn roth färben, sauer,
welches experiment man überhaupt auf der blauen Farbe
machen kan, z. E. auf blau Papier, Kornblumen p. Die
alcaischen Brunnen sind von den sauren unterschieden.
Von dem sauren Salz ist des vollkommenste der vitriol,
%.und vom Alcali das Saltz Tartari oder die Pottasche. Alle diese
alcalische Brunnen sind Gesundbrunnen, dergleichen das
Emserbad in der Wetterau ist.

/Es giebt Brunnen, welche ein Salz natrum bey sich führen,
das aus dem acido %.und alcali zusammengesetzt ist, %.und welches
wenn es durch die Kunst gemacht wird, das Wundersaltz
heißet. Ein solches natrum führet der Brudel in Carlsbade bey
sich, (denn das Carlsbad bestehet aus 3 Brunnen, aus diesem
Brudel, dem Sauerling, %.und dem Mühlstrohm. Es bestehen über-
haupt alle bittre Waßer, aus diesen beyden Salzen. Andere
Brunnen führen Eisen vitriol mit sich, %.und sind die harten
Waßer. Man erkennet sie, wenn man sie auf abgezogene
Säfte von den Pflanzen, auf Theewaßer p. gießet, da
sie denn schwarz werden. Diese eisenhaltige Waßer stärken
sehr die Nerven, %.und dienen daher in allen Kranckheiten, die
von der Schwacheit derselben herkommen. Solche Waßer sind
auch der Spa.. Schwalbacher, Pyrmonter %.und Egerbrunnen,
worunter der Pyrmonter brunnen der beste ist. Einige
Brunnen sind schwefelicht, welche eine große Erdfettigkeit mit
vitriol verbunden haben. So ist z. E. der Brunnen in Baden, %.und
die Seifartige Brunnen in der Schweitz, wie denn die Seife aus
fett %.und einen Alcali der Pottasche bestehet. Wenn man diese Waßer

/ resolviret ~

/|P_44R

/δZ_2

/Berge, weil diese kalt
sind %.und den Winden im
Wege stehen, %.und hieraus
ist der Ursprung der
Quellen %.und Flüße zu er-
klären.

/Aus den Quellen flie-
ßet das Waßer immer
gegen niedrigere Orte
an der Oberfläche der
Erde, %.und verursacht da-
durch Bäche, oder
wenn es theils aus meh-
rern Quellen, theils durch
Regenwaßer oder ge-
schmolzenen Schnee,
theils durch den Zu-
sammenfluß mehrerer
Bäche vermehret
wird, Flüße.

/δZ_20

/Die Stellen, an wel-
chen Brunnen bequem
anzulegen sind, kan
man finden, wenn
man sich des Morgens
oder Abends auf die
Erde leget, so daß das
Gesicht gegen die
aufgehende oder unter-
gehende Sonne ge-
richtet ist, %.und alsdenn
Achtung giebet, wo
aus der Erde viele
Dünste als ein Ne-
bel aufsteigen. ~

/|P_45

/resolviret, so bekömmt man nicht alle seine bestandtheile
heraus, sondern ein subtiler Dunst verfliegt, welches
macht daß der Chymicus sie nicht wieder zusammensetzen
kan. Daher ist der Pyrmonter Brunnen, wenn er nicht zur
Stelle getruncken, sondern verführet wird, nicht mehr so
kräftig. Es giebt einige sehr heiße Brunnen, die beynahe
dem kochenden Waßer beykommen, dergleichen ist das Pfef-
fer Bad, das Achner Bad, das Carlsbad. In Japan giebt es
sehr viele, womit die Christen ehemals gequälet wurden.
Die Schwitzbäder sind die Ausdampfung solcher warmen Quellen;
dergleichen es besonders in Neapel viele giebt. In Island ist
der Geser, wo das siedend heiße Waßer Mauerdick 60 Klafter,
doch nur zu gewißen Zeiten in die Höhe springt. Diese war-
men Waßer kühlen sich weit langsamer ab, als die künstlichen
warmen Waßer, %.und wenn es einen Grad der Wärme mit dem-
selben hat, so wird mehr als 3 mal so viel Zeit zu dem Abküh-
len erfordert. In Carlsbade %.und in Aachen muß es wohl 6 Stun-
den stehn, ehe es kalt wird. Dem ohngeachtet wird eben so
viel Zeit erfordert, es zum Kochen zu bringen, als das kalte
Waßer gebraucht, %.und wenn es kalt geworden ist, wiegt es mehr,
als da es warm war. Es ist wahrscheinlich, daß die Luft mit
ein ingrediens derselben ist, %.und daß es, so bald es an die Luft
kommt, dieselbe eben so einschlingt, als das Waßer woraus
die Luft ausgepumpet ist.

/Es giebt kalte Quellen, welche ob sie gleich frey an der Sonne
liegen, doch niemals warm werden. Eben so wie oben die Wär-
me von Mineralien herkommt, so muß auch hier die Kälte da-
von herkommen, besonders von Salzen. Es giebt einige Brunnen,
die brennbar sind. Die Ursache davon ist 1.) der darauf schwimmende
Naphta, eine gewiße Fettigkeit, welche sich gleich entzündet, so bald
man nahe mit dem Lichte daran kommt. In England giebt es einen
Brunnen in Schropfschrie welcher zugedeckt ist, %.und der ebenfalls
gleich anfängt zu brennen, wenn ein Licht in der Nähe ist, und
besonders an den Stellen am stärcksten, wo Blasen von unten

/ in

/|P_46

/in die Höhe steigen. Vermutlich steigt in diesen Blasen die
brennbaare Materie hinauf. Schöpft man aber aus dem Brun-
nen, so ist es wie ordinair Waßer %.und brennet nicht. In der
Woywodschaft «¿¿»Crackau giebt es einen, welcher das Steigen und
Fallen an sich hat, %.und von selbst brennt. In Italien giebt es einen
Brunnen, deßen Boden brennt. Die berühmtesten Cement_Wa-
ßer sind bey Nesal in Ungarn %.und bey Altendorf in Sachsen. Dieses
sind die Kupferhaltigen Waßer mit vitriol vermenget, wo das
Kupfer, wenn man Eisen hineinwirft, an welches sich der vitriol
hängt, aufgelöset wird, %.und zu Grunde fällt. Das Cementirte
Kupfer ist das reinste, %.und besonders zu legirirungen in Silber
am Besten. Wenn man dieses Cementwaßer mit andern Wa-
ßern mischt, %.und man hängt eine eiserne Tafel darüber, so
wird sie nach kurzer Zeit in eine kupferne verwandelt.
Zu denen giftigen Brunnen gehören zuerst die Cementwaßer,
denn das aufgelösete Kupfer ist ein Gift, welches man an
Grünspahn siehet, welcher ein mit δLücke aufgelösetes
Kupfer ist. Einige führen auch arsenicum bey sich. Die mehresten
stoßen nur schwefelichte Dämpfe aus, welche mehr den
Thieren als Menschen schädlich sind. So findet man an den Brun-
nen bey Gerüchstein in der Eichel %.und bey Nesal in Ungarn
stets eine Menge Vögel, Haasen, %.und andere Thiere liegen.
Es giebt viele Salzquellen, welche ein gutes Kochsalz enthalten,
doch kan man es nur als denn mit Vortheil sotten, wenn die
Sohle, die Quelle selbst, ein gut Gehalt hat, %.und das Holz wohl-
feil ist. An diese Quellen hat man Gradier_Häuser, worin
man die Sohle auf Stroh %.und Raserlagen gießet, damit sie
durch Abtröpfeln, Waßer abdünstet, %.und man «¿¿»also Holz ersparet.
Im Lüneburgschen, in Schwaben, überhaupt in ganz Deutsch-
land giebt es viele Salzquellen, doch verlohnet es sich nicht
überall zu sotten. Die Berühmtesten sind die Salz_Kohtem
bey Hölle.

/ Von

/|P_47

/ ≥ Von der Versteinerung. ≤

/Das Steinhaltige Waßer ist entweder von der Art, daß seine
Steintheile in die Fasern des Holzes, %.und alles deßen was man
hineinlegt, dringet %.und denn heißet es ein versteinernd Waßer,
oder die Theile hangen sich nur an die Oberfläche der Dinge, %.und denn
heißet es ein über«@versteinernd@»<steinernd> Waßer, dergleichen bey
Carlsbad ist, welches alles, was man hineinlegt, in kurzer
Zeit mit einer Lasar überzieht. Der Tropfstein in der Band-
manns %.und Drachen Höhle kömmt ebenfalls von solchem Stein-
haltigen Waßer her, in dem selbiges, da es heruntertröpfelt,
abdünstet, so daß die Steintheile nur übrig bleiben, doch ist
dieses Waßer weder Menschen noch Vieh schädlich, %.und man sie-
het, daß es inwendig im Magen nicht eben dieselbe Würckung
haben müße, die es an äußern Theilen hat. 70 Meilen von
Lima in Peru giebt es ein heißes Waßer, welches indem
es sich weit über die Felder ergießet, hart %.und zu einem
weißen Stein wird. Man kan daraus Statüen machen, wenn
man es in Formen gießet %.und kalt werden läßet. Von diesem
Steine kommen auch die ungeheuren Quadratstücke her, die man
in Peru in den Gebäuden antrift.

/ ≥ Vom Ursprunge der Quellen. ≤

/Vor Halley glaubten die mehresten Philosophen, daß der Zu-
fluß der Quellen aus unterirdischen Röhren herkäme. Cartesius
meynte, daß es von dem unterirdischen Feuer im Dampfe aufge-
löset würde, welche in die Berge hinaufsteigen, %.und indem sie kalt
geworden, wieder zu Waßer gerinnen, %.und auf diese Art die
Quellen unterhielten. Doch alsdenn müßte man beym Graben
die Dämpfe in der Erde antreffen, %.und es müste in den Erd-
schichten «naß» naß seyn. Einige bildeten sich ein, daß das Waßer
sich wie Löschpapier in die Höhe sauge. Dieses aber wieder-
streitet den experimenten, in dem man es in Löschpapier oder

/ Asche

/|P_48

/Asche, geschweige denn in der Erde, nicht über einen Fuß hoch-
bringen kan. Zudem, wenn dieses auch möglich wäre, so würde
doch die Erde, wenn sie eine Kraft hat es anzuziehen, auch eine
Kraft haben es zurückzubehalten, %.und so würden doch keine
Quellen entstehen können. Diejenigen welche glauben, daß
die communication der Meere unter der Erde, die Ursache
sey, müßen zeigen, warum denn das Quellwaßer nicht sal-
zig sey. Denn es müßte entweder das Salz mitbringen
oder die Erdröhren, durch welche es sich saugt, mußten sich
von dem Salz schon längst verstopfet haben.

/Halley zeiget, daß Regen %.und Schnee hinlänglich sind alle
Quellen zu unterhalten, %.und daß alle Quellen %.und Flüße sich
in der Quantitaet ihres Waßers nach Regen %.und Schnee
richten. Es muß demnach die Circulation der Waßer
vermittelst der Wolcken geschehen. Der Ocean %.und alle Meere
dünsten beständig viel aus, %.und diese Dünste samlen sich in
Wolcken, welche es in Schnee %.und Regen wiedergeben. Dieses
bezeigen auch die Erfahrungen, denn in einem Lande wo es
gar nicht oder sehr selten regnet, hat man auch keine Quellen;
dergleichen in Africa die großen Wüsten sind. Es nehmen
ferner alle Quellen, wenn es lange genung nicht geregnet
hat, ab, da sie hingegen bey häufigem Regen %.und Schnee zuneh-
men. Wie kan aber der Regen zu solchen Tiefen dringen,
als man Quellen in der Erde findet. Hier muß man wißen,
daß nicht ein %.und eben dieselbe Schichte auf der Oberfläche
fortläuft, sondern daß sie oft in höhern Gegenden von andern
Erdschichten bedecket ist. Das Waßer sauget sich auf einer
Schichte in die Erde fort, %.und wenn man also in den höhern Land-
schichten Waßer haben will, so wird man bis auf diese Erd-
schichte graben müßen, wo man die Quelle antrift. Es
müßen aber alle Quellen von der Art seyn, daß sie das
Waßer immer abführen, denn sonst wenn es stehen bliebe, würde
es den Boden durchweichen.

/ Von

/|P_49

/ ≥ Von den verschiedenen Flüßen der Erde. ≤

/Viele Quellen sind nur im innern der Erde enthalten, einige sam-
len sich auf der Oberfläche %.und dienen den Flüßen zum Ursprunge. Eine
andere Ursache der Flüße ist das geschmolzene Waßer vom Eise und
Schnee von den Bergen. Ein Strom ist eine Laufrinne, worin das
Waßer von der Höhe sich samlet, %.und vermittelst derselben in
allmähliger Abdachung nach dem Meere zugeführet wird.
Diese Ströhme zu unterhalten tragen große Erdstriche von 100
%.und mehr Quadrat Meilen bey, worauf der Regen fällt, und
die in verschiedenen Abdachungen %.und sehr viel kleinen Bächen
das Waßer dem großen Strohme zuführen. So bekommt die Warte
von vielen %.und großen Landrücken in Pohlen ihr Waßer, %.und sie
führet es wieder der Oder zu, in welchen auf eben diese Art
der Regen der in Schlesien fällt, seinen Einfluß hat, welches
Waßer denn die Oder wieder in die See führet.

/Der Ursprung der Flüße muß also viel höher seyn als der
Ausfluß derselben. Der Ursprung des Amazonenflußes ist
über seinen Ausfluß auf 12.000 Fuß erhöhet. Das Gefälle
eines Strohms bestehet in dem Verhältniß der Höhe über das
Meer. In der Länge desselben, die Linie a. b. zu b. c. %.und ist in
allen Theilen des Laufes gleich proportioniret.

/Wenn das Gefälle bey zwey Ströhmen gleich ist, so muß die
Schnelligkeit des Laufes bey dem langen viel größer seyn,
weil die Schwere desto mehr auf ihn wirckt, je länger er
läuft.

/Oft aber ist das Gefälle sehr unterschieden. Auf den Gebür-
gen Cordileras entspringet so wohl der Schmaragden als
Amazonenfluß. Dieser hat auf 300 Meilen zu laufen, da
jener nur ungefehr 12 hat, wo also das Gefälle des Schma-
ragden Flußes auf 70 mal größer ist, als des Amazonen
Flußes. Alle Flüße haben näher zu der Quelle, ein stär-
ker Gefälle, als bey dem Ausfluß. Von dem Gefälle ist der
Fall unterschieden, welches die Höhe des Flußes ist. Wolf.

/ Kühn ~

/|P_49R δ_Figur ~

/|P_50

/Kühn %.und andere haben angenommen, daß der Fluß auf 200 Fuß
1 Fuß Fall haben müße. In neuern Zeiten aber hat man be-
mercket, daß der schnellste Fluß auf 6.000 Fuß nur einen Fuß
Fall habe. Wäre das wahr was Wolf annimmt, so müßte die
Quelle des Amazonen_Flußes, der 800 Meilen lang ist, 4
Meilen in seinem Ursprunge über das Meer erhaben seyn.
Wenn ein Strohm schon mehr als 4 Fuß in einer Secunde
Geschwindigkeit hat, so ist er unschifbar. Da aber die meh-
resten Flüße unter 4 Fuß haben, so sind sie auch beynahe
alle schifbahr. Der Waßerfall ist eine Würckung von dem
Gefälle des Strohms, welches auf einmal so unterbrochen
wird, daß es wohl 10 mal geschwinder anhebt. (vid. fig A.)
Er findet bey lockern %.und erdigten Boden nicht statt, weil er
sehr bald die Spitze b wegspühlen %.und c. d. planiren würde. Die
Waßerfälle sind also nur auf steinigsten Böden. In Europa
sind die Fälle des Rheinstrohms die merckwürdigsten, %.und
unter denen besonders der Fall bey Schachhausen, welcher
von 75 Fuß Höhe herunterschießet. Dieser ist wegen seiner
Breite %.und Schnelligkeit der ansehnlichste in Europa, obgleich
ein Bach im Lauterbrunnen 1.000 Fuß perpendiculair
herunterfällt, %.und unten in Regen zerstäubet, daher er
der Staubbach heißet. Die Alten haben die Nilfälle ganz
erschrecklich beschrieben, %.und Herodot berichtet, daß ganze
Völcker sich wegen seines Getöses hatten von ihm entfer-
nen müßen. Jetzt hat man gesehen, daß der größte Nilfall
8 Fuß hoch ist, aber «e» dennoch wegen seiner Breite remar-
quable bleibet.

/In Nord-Amerika ergießt sich der Aevi vermittelst der
See Niagara in den See Contagio, welcher ob er gleich
nur 150 Fuß fällt, doch wegen seiner Breite ein großes
Lerm machet.

/Der Strohm bey Bahuda bey Santafae fällt 12.000 Fuß
perpendiculair, kurz vor dem Fall ist eine Insel wo sich
die Thiere, wenn sie schon in den schnellen Strohm kommen,

/ retten, ~

/|P_50R

/δZ_10-12: δ_Figur ~

/|P_51

/retten, %.und die daher jederzeit ganz voll Wildprett ist. Unten im
See findet man auch beständig eine Menge von Geflügel
%.und Wildprett.

/Es giebt einige Flüße, die sich in der Erde verlieren, aber doch
wieder hervorkommen. So ist die Guadiana %.und die Rhone
beschaffen. Viele verlieren sich allmählig im Sande oder in
einen andern Boden, %.und erreichen die See nicht, dergleichen ein
Arm vom Rheinstrohm ist, der sich bey Kattwick verlieret. In
Asien ist eine große Menge solcher Flüße, in Persien ebenfals,
wo viele in den ungeheuren Wüsten eine Strecke fortfließen,
%.und sich alsdenn verlieren, in der großen Tartarey auch, über-
haupt in allen Ländern, die hoch liegen, %.und in der Mitte keine
Gebürge haben. Die Ursache davon ist, daß der Boden aller Län-
der viel Waßer der Flüße verschlucket, welches man daraus
sehen kan, daß wenn man ohngefähr 1/4 Meile von dem Fluße
gräbt, das Waßer mit dem Fluße in gleicher Höhe steht.
Wenn nun der Fluß keinen Zufluß hat, %.und das Erdreich δLücke ist,
so kan es leicht geschehen, daß er sich ganz %.und gar in diese Hölen
vertheilet. Überdem geht auch durch die Ausdünstung viel
fort. Es kan aber auch ein Fluß durch Mittel so geschwächet
werden, daß er nicht die See erreichet, wenn man nemlich vie-
le Arme von ihm ableitet, welches besonders die Einwohner der
Malabarischen Küste thun. Die Schlengelungen der Flüße sind
die schönsten Anstalten der Natur, wodurch sie sich selbst conser-
viren. Daher kommt es daß der kleinste Bach die größesten
Canäle, die durch die Kunst gemacht sind an Dauer übertrift,
weil die Menschen dieses Kunststück der Natur in ihrer
Mechanick noch nicht abgelernet haben.

/Die Ufer der Flüße sind sich mehrentheils parallel, %.und wo der
paralelismus aufhöret, da sind gemeinhin Untiefen %.und Sand-
bäncken. Der Winckel den der Fluß in a machet, heißet der
Einsprung, %.und die gegenüberstehende Landzunge b. der Aussprung.

/ Der ~

/|P_51R

/δ31-32: δ_Figur ~

/|P_52

/Der Ufer des Einsprungs ist mehrentheils hoch, %.und der Ufer des
Aussprungs niedriger. Weil der Ufer des Einsprungs steil ist,
so frißt er immer was davon ab, er setzet es hingegen am
Aussprunge wieder an, welches ebenfalls der Lager Platz
des Schlammes, den der Fluß bey sich führet ist. Wenn er diesen
Schlamm nicht absetzen kan, so verschlammet er sich in kurzer
Zeit, welches bey denen Canälen, wenn sie nicht immer gerei-
niget werden, geschiehet. In der Structur der Erde scheinet
schon diese Mechanick der Flußbewegung zu liegen. Wenn man
sich auf dem Lande weit herum siehet, so findet man daß die
Hügel mehrentheils so geschlengelt liegen, %.und dieses läßet
vermuhten, daß vielleicht ehemals weit mehr Flüße ge-
wesen sind. Wenn die Baukünstler diesen Schlengelungen
der Natur nachgehen, %.und besonders des Kunstücks des steilen
%.und flachen Ufers recht gewahr werden, %.und von ihr annehmen
möchten, so würden vielleicht ihre Canäle dauerhafter
seyn.

/Es würden Ströme, die sich nicht selbst hohe Ufer aufgeführet
haben, ganze Länder bedecken, wenn man ihnen nicht Dämme
setzte. Wo Dämme nöthig sind, da ist es am besten sie dop-
pelt zu machen, deren äußerer am höchsten ist. Außer diesen
Dämmen gehören auch noch andere Wercke dazu, damit der
Fluß sein eigen Bett nicht zerstöhret, indem er die steilen
Ufer immer wegsphület. Hiezu dienet die Buhle, welches
ein querer Wall ist, der den Anfall eines Strohmes von
dem Orte abhalten soll, der am mehresten leidet. Er wird
schief gegen den Anlauf des Flußes gemacht, damit er zurück
pralle %.und seinen Strohm nach der andern Seite nehme. Meh-
rentheils aber ist der Schade damit verbunden, daß sich zwi-
schen der Buhle %.und dem andern Ufer ein todtes Waßer setzet,
%.und die Ordnung des Laufes aufgehoben wird. Es ist bey ei-
ner solchen Ausbeßerung am besten eine Futterwand über
das Ufer zu ziehen, %.und auf diese Art den Paralelismus
des Strohms zu conserviren.

/ Man

/|P_53

/Man pflegt Ströhme durch Canäle zu vereinbahren, welche
auch manchmal das Waßer aus dem einen in den andern sehr
herüber ziehen. Andere haben nicht einen mercklichen Lauf
des Waßers, %.und dieselben müßen beständig gereiniget
werden. Der berühmteste davon ist der ladogische Canal,
aus der Wologda in den Ladoga See bey Novogrod. Er fängt
bey der Mündung des Strohmes an, %.und geht bis Schlüßel-
burg in den Newa_Strohm, welches der Ausfluß des La-
doga See in die Ostsee ist. Der Czaar Peter_I. ließ ihn
mit großen Kosten anlegen, wegen der Unerfahrenheit und
Furcht der Schiffer auf der See zu fahren, denn man konnte schon
vorher aus dem Wolga_Fluß durch den Ilmer_See %.und die Wologda
in den Ladoga_See, %.und also durch ganz Rußland zu Waßer
negociiren. Jetzt gebrauchen die Rußen den Canal nicht
mehr %.und fahren auf der See ganz sicher.

/In Frankreich verbindet der Canal von Languedoc die
Garonne mit dem Mittelländischen Meere. Er ist 40 Meilen
lang %.und nach Colberts Angabe mit vieler Kunst angelegt,
indem die Schiffe vermittelst den Schleusen auf hohe Berge
gebracht werden. Dem ohngeachtet passiren ihn wenige Schiffe,
weil es sehr langsam darauf geht, %.und der Zoll ziemlich hoch ist.

/Die kleinen Ströhme führen gemeinhin schwerere Waßer bey
sich, als die großen. So ist das Waßer des Neckar %.und des Mayn
schwerer als des Rheinstrohms, daher die Fahrzeuge wenn sie
aus dem Mayn in den Rhein gehen, etwas sincken. Die Ur-
sache ist weil in den kleinen Flüßen noch die ausgesp«h»ühlten
Steintheilgen durch die Schnelligkeit mitgeführet werden,
welche in dem großen %.und langsamern Fluß zu Boden fallen.
Der Ganges soll das leichteste Waßer enthalten. Es ist aber
zu glauben, daß er nur wegen des Aberglaubens der India-
ner in diesem Ruf stehe, weil diese es vor besonders heilig
halten, sich den Leib, wenn sie ihn mit Kuhmist eingesalbet
«haben» haben, damit abzuwaschen.

/ Einige

/|P_54

/Einige Ströhme führen Mineralien mit sich, doch mehrentheils
nichts anders als Gold. Der Pactolus %.und Tagus waren bey den
Alten die berühmtesten, ob man jetzt gleich in Tagus keinen
Goldsand findet. In America sind, besonders in Pagagan %.und der
Terra firma, wo man von dem Gebürge Cordilleras herabkommt,
die kleinen Flüße voller Gold, so auch die Bäche in Guinea. Das
Gold welches die Portugiesen jährlich aus America bringen, %.und
sich auf 15 Millionen Piasters beläuft, ist lauter gewaschen
Gold, doch ist es niemals über 22 Carat. Man findet allein das
Gold gediegen, %.und niemals in einer minera. Andere Metalle
haben Arsenicum oder Staubschwefel gemeinhin bey sich. Dahin-
gegen Gold ganz gediegen in Felsen eingeschloßen, oder im
Fluße gefunden wird. Daß man andere Metalle, als Silber,
Eisen, Kupfer, in den Flüßen nicht findet, kommt daher, daß
alle diese Metalle in der Feuchtigkeit rosten %.und aufgelöset
werden. Gold hingegen wird nicht anders aufgelöset als von
aqua regia, welches aus vitriol mit dem Spiritu des Meer-
saltzes verbunden, bestehet. Da nun dergleichen nicht im Waßer
oder in der Luft ist, so rostet auch das Gold nicht, %.und die Platina
welches ein weißes Metall das eben so schwer als Gold ist,
hat ebenfalls diese Eigenschaft an sich. Das Quecksilber ist
seltener als Gold, ob es gleich wegen der wenigern Brauchbar-
keit nicht in solchem Wehrt ist. Es ist aber zu glauben, daß
bey jedem Metall Quecksilber ist, nur daß es im Schmelzen
davon abdünstet. Eisen ist wohl nebst dem Golde am häufigsten,
denn die Asche des Holzes, die Pflanzen, ja unser Blut selbst
enthalten Eisentheilgen, %.und Gold findet sich vermuthlich in
allem Sande, %.und allen Steinen, nur daß es nicht überall
gleich häufig ist.

/Die Art das Gold zu waschen ist verschieden. In Europa ist es
sehr Mühsam. Man muß den Sand erst viele mal abschläumen
hernach wird der Schlamm auf einem schiefen ungehobelten
Brett, oder groben Tuche heruntergespühlt, da denn das Gold
zwischen den Ritzen des Brettes oder Tuches sitzen bleibet.

/ Alsdenn

/|P_55

/Alsdenn wird es sorgfältig ausgeklaubet. In Guinea nimmt
man, wenn sich die Bäche verlaufen den Schlamm, backt daraus
Kuchen %.und trocknet ihn an der Sonne, denn zerschlägt man ihn, %.und
verdünnet ihn mit Waßer, wo endlich das Gold auf dem Bo-
den seiner Schwere wegen, zurückbleibet, welches denn
von dem noch übrigen Schlamm mit Quecksilber abgesondert
wird. Die Probe ob es ächter Goldstaub sey, macht man mit Schei-
dewaßer, welcher wenn Kupferfeilstaub darunter ist, schwarz
wird. Gold hält mehrentheils etwas Silber in sich, Silber
aber niemals Gold. Silber hält wieder Kupfer in sich, so
daß es scheint, daß ein specifice schwereres Metall das
leichtere enthält.

/ ≥ Von den vornehmsten Flüßen der Erde,
und ihren Nutzen. ≤

/Die Flüße geben Anlaß zu den wichtigsten Abtheilungen der
Länder, weil sie natürliche Grenzen %.und Mauren derselben
sind. So war schon ehemals der Rheinstrohm die Scheidewand
zwischen Germanien %.und Gallien, %.und auch jetzt sind sie Grenzen
großer Länder. Vermittelst ihrer kommen sehr viele Län-
der in Gemeinschaft des Handels, da die großen Flüße von
beyden Seiten viele Nebenflüße einnehmen, %.und die Producte
aus allen den Ländern, die sie durchfließen, zusammensamlen.
Daher haben die Gegenden, die an dem Ausfluß eines Stroh-
mes ins Meer liegen, in der Handlung große Vorzüge.
Unter den Alten war die Donau der berühmteste Fluß. Der
Rheinstrohm war schon zu den Zeiten Julius Caesars sehr groß.
Der Nilstrohm ist zu allen Zeiten von Überschwemmungen
die er in Egypten macht, bekannt gewesen, besonders weil
man die Ursache davon nicht wußte. Der Euphfrat %.und Tygris
schloßen das gesegnete Mesopotamien ein. Den Ganges kann-
ten die Alten eben so wohl, doch wußten sie von den großen
Ströhmen, in Asien den Opstrohm, %.und den Genisey, in Africa
von dem Seenegall, %.und in Americka von dem Amazonen %.und Lau

/ rentuis

/|P_56

/rentuis_Strohm nichts. Der Amazonen_Fluß nimmt allein 2
solche Ströhme in sich, die so groß wie der Nilstrohm bey Cairo.
Der Rio Della_plata in America hat bey seinem Ausfluß
30_1/2 Meilen. Der Zairen Fluß ist auch einige Meilen breit, %.und
so schnell, daß er noch bis 10 auch 12 Meilen in die See süß
Waßer macht.

/Die Überschwemmung des Nilstrohms ist deswegen berühmt,
weil ohne dieselbe Egypten unbewohnbar seyn würde, indem
es gar nicht daselbst regnet. Sie kommt von den entsetzlichen
Regen-Güßen her, die im Monathe May %.und Junius in Ae-
thiopien %.und Abyssinien geschehen, her. Da die Alten diese Län-
der nicht kannten; so mußte ihnen nothwendig die Ursache dieser
Überschwemmung verborgen seyn.

/Zu den Zeiten des Herodes stellte sich die Überschwemmung
zeitiger ein, %.und gieng auch höher als jetzt. Theils muß das
Gefälle der Quellen abgenommen, theils der Strohm mit
dem Schlamm das Land erhöhet haben. Diese Veränderung hat
die Fruchtbarkeit von Egypten sehr verhindert, indem das
Waßer sich nicht so weit ausbreitet als ehemals. Zu dem
kamen die alten Egyptier der Natur zu Hülfe, indem sie Waßer-
leitungen dahin machten, wo die Überschwemmung nicht
hinreichte. Die heutigen Egyptier versäumen dieses. Die
jährliche Überschwemmung füllet auch die Brunnen %.und Waßer-
halter der Egyptier an, welches sie das gantze Jahr unter
hält.

/ ≥ Von den Landseen, Sümpfen und Morästen. ≤

/Dasjenige was man δLücke nennet, ist ein Waßer, welches
rings um von Ländern umgeben wird. Es giebt solche sal-
zigte Seen, wie das todte %.und caspische Meer, andere die
einen Abfluß in die Meere %.und einen Zufluß von Flüßen
haben sind süß, doch gemeinhin nicht von großem Umfange.
Süße Seen die keinen Abzug haben sind selten, doch giebt es
einige, dergleichen der Baenckalsee in der Rußischen Tarta- 

/ rey

/|P_57

/rey ist. Er muß aber doch irgendwohin durch Quelladern sein
Waßer ergießen. In Europa hat man ansehnliche süße Seen,
wie der Boden %.und Genfer See ist.

/Der Czirnizer See im Herzogthum Crayn ist ohngefehr eine Mei-
le lang %.und eine halbe breit, %.und hat das besondere an sich, daß er
alle Jahre um Jacobi durch 18 Löcher ganz abläuft %.und im %.October
wiederkommt. In diesen Löchern bleiben die Fische zurück, wo es
sich alsdenn gut fischen läßet. Oft, besonders bey einem Un-
gewitter stürzet eine quantitaet Waßer aus solchen Löchern
heraus, %.und bringet schwarze blinde Enten mit, die aber bald
sehend werden. Dieses Phaenomenon scheinet auf eben der
Ursache zu beruhen, durch welche das flüßige aus einem Vexier
Becher, wenn es zu einer gewißen Höhe gestiegen ist, ganz
abläuft.

/Alle Moräste scheinen ehedem Seen gewesen zu seyn, indem
man oft versunckene Sachen, Ancker %.und allerley Schifsgeräthe
findet, welche sonst nicht hätten herein kommen können. Solche
Seen müßen allmälig von dem Schlamm der Berge angefüllet
worden seyn, %.und die Pflanzen die der Schlamm genähret hat,
haben ihn endlich ganz angefüllet. Die Moräste haben gemein-
hin keine feste consistenz, sondern ihr Grund ist locker, fett
%.und schwarz, %.und heißet Meer Erde, unter welcher immer
Waßer ist. Wenn man dieses Waßer auch durch Graben ablei-
ten will, so wird doch der Grund nicht fest, weil die Erdschichten
darin nicht in Ordnung sind. In diesen Morästen findet man den
Torf, welcher in allen Ländern, besonders in Engelland %.und Hol-
land sehr häufig ist. Das Land wo der Torf gefunden wird, ist
gemeinhin mit unordentlichen Hügeln besetzet, ist dabey Ei-
senhaltig, unfruchtbar %.und mager. Da dieser Grund sehr los
ist, so geschiehet es besonders bey Hamburg %.und im ganzen
Hollsteinschen, daß bey Überschwemmungen das Waßer über
die Oberfläche dringet, %.und ein großes Stück von einem solchen
Lande aufhebet %.und weg schwemmt. Der Torf ist seiner Natur nach
noch nicht ganz bekannt, ob sich gleich die Holländer viel Mühe

/ mit

/|P_58

/mit ihm geben, um ihn noch besonders zu einem noch beßerm
Gebrauch zu bereiten. Er bestehet hauptsächlich aus einem
fetten Erdschlamm, der mit den verfaulten Theilen der
Pflanzen %.und mit dem Oehl derselben sich vermenget hat,
%.und aus vielen kleinen Haarwurzeln. Daß er brennbar
ist %.und glühet kommt vom Schlamm her. Seitdem man den
Torf genauer beobachtet hat, so findet man daß er entwe-
der gar nicht wachse, oder solches doch sehr unmercklich ge-
schehe, so daß eine sehr lange Zeit dazu gehören muß, die
ausgestochenen Plätze wieder anzufüllen.

/ ≥ Vom Luftkreise. Zweiter Abschnitt. ≤

/Der Luftkreis kan angesehen werden als ein grenzenloses
Meer von flüßiger Materie. Die Erde ist mit einem ocean
von flüßiger Materie umgeben, welcher 800 bis 1.000mal
leichter als das Waßer ist. Unten ist die Luft schwerer als
auf den Bergen, weil die Luftsäulen, die darauf ruhen,
verschieden sind. Unter dem aequator steiget das Quecksilber
im barometer nur 28 Zoll, da es bey uns 29 steiget.
Je höher der Luftkreis über uns ist, desto kälter wird er,
so daß in einer Höhe von 6.000 Fuß ein beständiger Winter,
%.und eine halbe Meile hoch der strengste Frost ist. Wenn daher die
obere Luft durch irgend eine Ursache herunter gebracht
wird, so wird unser Kreis auch kalt. Der Nord %.und Ostwind
sind besonders von der Art, daß sie diese kalte obere Luft
herunterbringen, hingegen der Süd %.und Westwind bringen
die untere Luft aus andern Ländern zu uns, %.und machen
daher auch die obere Luft wärmer.

/Man pflegte sonst den ganzen Luftkreiß in 3 Regionen
zu theilen. 1) in den, da der Schnee nicht mehr schmilzet,
2) in den, bis welchen die Dünste steigen. 3) in den, wo sich
der ganze Luftkreiß endet.

/Der Schnee schmilzt unter dem aequator in einer Erhöhung von
3.000 Klaftern über der Meeresfläche nicht. Je näher es zu den

/ Pohlen ~

/|P_58R

/δZ_11

/%.Definition der Luft.

/Die Luft ist ein flüßi-
ger %.und elastischer Kör-
per, welcher die gan-
ze Erde bis auf eine
gewiße Höhe um-
giebet, %.und in uns die
Empfindung des Hö-
rens hervorbringt.

/Die ganze Menge Luft
welche unsere Erde um-
giebet, wird die At-
mospähre derselben
genannt.

/Die Höhe der Atmospä-
re über der Erde,
beträgt wenigstens
20 teutsche Meilen. ~

/|P_59

/Pohlen kommt, desto kleiner wird die Höhe des nicht schmel-
zenden Schnees, so daß unter den Pohlen in einer Höhe von
300 Klaftern er vielleicht nicht mehr schmiltzt. Einige Dün-
ste können nach den angestellten Beobachtungen einige
Meilen hinaufsteigen. Anno 1761 ward die Höhe einer
Feuerkugel aus zwey Standpuncten in Sachsen %.und in Bran-
denburg, auf 6 Meilen ausgerechnet. Dieses aber sind sub-
tile Feuerdünste. Die feuchten Dünste die die Figur der Wolken
annehmen, steigen selten über eine Meile, %.und im Winter
kaum eine halbe. Die Höhe dieser Dünste komt auf ihre Feinheit
%.und auf den Boden an. Denn je feuchter derselbe ist, desto mehr
ziehet er die Dünste an, %.und desto niedriger stehen sie also. Die
letzte Grenze ist die, wo die Luft keine Elasticitaet oder
Ausspannungskraft mehr hat. Dieselbe ist schwer zu bestim-
men, denn da ein Cubick_Zoll Luft 1.000 Cubick_Zoll Raum
anfüllen kann, so wird die obere Luft, wenn ihre Elasticitaet
nicht mehr verhindert wird, sich in dem leeren Raum
sehr weit ausdehnen können. Man hat die Höhe des Schei-
nens von der Sonne welcher schon eine halbe Stunde und
länger vor ihrem Aufgange zu sehen, %.und nichts anders ist,
als der obere Theil des Luftkreises erleuchtet, auf 9 teut-
sche Meilen ausgerechnet.

/ ≥ Von der Feuchtigkeit %.und Trockenheit der Luft. ≤

/Die feuchte Luft ist nach den verschiedenen Umständen dem
Menschen bald schädlich, bald nützlich. Denn da wir unter der Haut
zweyerley Gefäße haben, welche theils ausdünsten, theils
einschlucken, nemlich die extremitaeten der venarum und
arteriarum, so wird uns im Schlaf als in dem Statu ab-
sorbendi, die feuchte Luft höchst schädlich seyn. Doch ist sie bey
einer großen Ausdünstung nützlich, damit die Ausdünstungs-
gefäße geschmeidig erhalten werden. Bey einem schwachen Kör-
per der wenig ausdünstet, ist sie ebenfalls sehr schädlich. Doch

/ eine

/|P_60

/eine feuchte %.und zugleich frische Luft ist noch weit schädlicher, der-
gleichen in allen Ländern in dem heißen Weltstriche, die Mor-
räste und viel Wälder haben, angetroffen wird. Z.E. die Insel
Madura, Virginien etc.

/Diese Luft ist so ermattend, daß man zu zweyen Geschäften
zu träg ist. Ob die Luft gleich an den Seeküsten beständig feucht
ist, so ist sie doch in den Ländern, wo viele Morräste %.und Wälder
sind, viel feuchter %.und angreifender, %.und in diesen Ländern reg-
net es weit mehr als in andern: Eine heiße %.und feuchte Luft
ist am schädlichsten, weil die Schweislöcher sich alsdenn öfnen
%.und viel Feuchtigkeit verschlucken. Daher wird in Porto_bello
%.und bey den Landengen von Panama selten ein Mensch über
40 Jahr alt, %.und die Weiber reisen in andere Länder um die
6 Wochen zu halten.

/Eine gar zu trockene Luft ist ebenfalls sehr ungesund, weil
sie die Bläßgen in der Lunge austrocknet %.und spröde macht,
zudem verdirbt sie die Augen, da alsdenn viele Salztheile
aus der Erde aufsteigen %.und sie sehr angreifen. In Ober Egypten
wo es nicht regnet %.und weder Wälder noch Morräste sind, müßen
die Vornehmen künstliche Springbrunnen in den Zimmern
anlegen %.und mit Quästen die Luft anfeuchten.

/Die Luft enthält eine Menge Theile aus allen Reichen,
der Stein Pflanzen und Thier Reiche, indem von allen
verbrannten Pflanzen %.und allen faulenden Thieren Dünste auf-
steigen. Es ist daher der Regen jederzeit unrein Waßer und
noch mehr der Thau.

/Die See %.und Landluft sind sehr unterschieden, 100 Meilen in der
See höret man schon fast kein Gewitter mehr. Die Landschaft die-
net denen die auf der See kranck geworden, zur Genesung.
Sie ist eine von unsern vornehmsten Nahrungstheilen, weil
wir bey jeder respiration wenigstens den zehnten Theil davon
zurückbehalten. Es muß daher auch die wegen der verschiedenen
Pflanzen, Bäume, Gewächse, verschiedene Luft auf unsern Cör-
per auch nahmhafte Eindrücke thun.

/ Es

/|P_61

/Es herrschet ferner in der Luft eine besonders saure Materie
(acidum aeneum) welches sich an die Wände setzet, %.und gemeinhin
Salpeter genennet wird. Es fehlen dazu noch die oehligten %.und laug-
haften Theile der Thiere. Es scheinet als wenn ein Theil von dem
Meersalze flüchtig würde %.und die Luft anfüllete, wovon an den See-
küsten in dem heißen clima die Metalle an freyer Luft, in kurzer
Zeit, %.und die Uhren in der Tasche rosten. Daher entstehet der Scorbut
auf der See. Diese Kranckheit hat gantz besondere Symptomata.
Der Patient ist wenn er liegt ganz lustig, so bald er aber bewegt
wird, ist er öfters gleich des Todes. Eine unvermuhtete Neuig-
keit affrontiret ihn eben so. Ein Mittel dagegen sind bittere
%.und saure Pflanzen z.E. Citronen, Kreße etc. wornach der Krancke
auch sehr begierig ist. Doch so bald er an das Land gebracht wird
%.und diese Bewegung nur noch ausstehen kan, so wird er plötzlich
gesund, %.und schlucket voller Begierde die Landluft ein.

/Einige Luft ist sehr rein, nemlich von allen Dünsten befreyet, wo
man alsden die kleinesten Sterne entdecken kan %.und die Berge
am Horizont ohne den blauen Überzug uns erscheinen, welches be-
sonders im Sommer nach einem Regen ist. An dem Persischen Meer-
busen von Gomorra an bis in Chaldaea ist 3 Monathe hindurch
eine solche reine Luft, daß die Sterne nicht einmal das zitternde
Licht haben. Die Einwohner schlafen diese Zeit über auf den Dächern.
Es ist dahero nicht zu verwundern, daß in Chaldaea die Sternkunde
ihren Anfang genommen. Ehemals reisete man der Gesundheit
wegen besonders nach den Bermudischen Inseln. Hernach fanden sich
viele Ratzen hinauf, deswegen verließ man sie, die Ratzen sollen
sich jetzt auch verlohren haben, die Luft aber muß <sich> doch wo geän-
dert haben. Nachher kam Brasilien sehr in den Ruf wegen seiner
gesunden Luft, %.und freylich muß ein beständiger Frühling %.und die Aus-
dünstung so vieler Blumen viel zur Gesundheit beytragen. Jetzt
gehen die Engelländer %.und auch andere Nationen, wenn sie ihre Ge-
sundheit dauerhaft machen wollen, nach Montpellier, wo die
Luft, der Umgang %.und die Gegenden schön sind.

/Sehr tief im Walde zu wohnen, besonders auf einer Ebene«g» ist
wegen der Moraste sehr ungesund. Übrigens hat auch die Insel

/ Phomus

/|P_62

/Phomus unter dem aequator, in Sumatra das Fort Beniol,
%.und Nova zembla an der Seeküste sehr ungesunde Luft. Beson-
ders fällt hier ein Thau, welcher gleichfals alles ersticket.

/Es giebt einige Kranckheiten, die einem Lande eigenthümlich
sind, %.und endemisch heißen. Wenn sich eine Kranckheit über ein
ganzes Land zu einer Zeit ausbreitet, so heißet sie epidemisch.
Die Pest in Egypten endemisch, denn von da haben die Europäer
sie zuerst bekommen, indem man vor der communication
mit der Levante von keiner Pest wußte. Im vorigen Seculo
war in Engelland die Schwitzkranckheit sehr häufig, welche
allein die Engelländer, wenn sie auch außerhalb Landes reise-
ten, befiel. In Aleppo ist eine Kranckheit, welche einige
Flecken an irgendeinem Orte des Leibes zurückläßt, der
hernach faulet, ein tiefes Loch macht, aber endlich zuheilet.
Er heißet der Flecken von Aleppo. In Martinique ist eine
Kranckheit welche die Schwarze Pest von Siam heißet. In Ost-
Indien ist eine endemische Kranckheit, Elephantiades, wo man
einen Fuß bekommt der so dick ist als ein ganzer Mensch.
Ebenfalls herrschet hier auch der Aussatz (lepra) wodurch gan-
ze Glieder weggefreßen werden. Die Pest die in Egypten
ihren Ursprung hat, kan nicht anders als per contagium ent-
springen. Es ist daher Europa vor ihr ziemlich sicher, wenn die
communication mit der Levante gut besetzet ist. In Venedig
hat man Häuser, welche Quarantainen heißen, wo sich zur
Zeit der Pest in der Levante jede Person die von da kommt,
40 Tage aufhalten muß, um zu sehen, ob sie rein ist. Die Pest
unterscheidet sich durch die Carfunkel Geschwürre, welches
eine Art einer bösen Rose ist. Sie hat ihr eigen ferment, wel-
cher dem Blut wie Hefen muß mitgetheilet werden, um
es in Gährung zu bringen. In Egypten scheinet sie beständig
zu seyn, nur daß sie einmal heftiger wie das andere ist. Be-
sonders befördern die Südwinde sie sehr, da hingegen die
Nordwinde sie vermindern. Die Ungarische Pest reißet auch
in Ungarn %.und andern Orten viele Menschen weg, ist aber niemals
so allgemein %.und bößartig als jene. Der Sitz der Viehseuche schei- 

/ net

/|P_63

/net besonders in der Europäischen Türkey zu seyn, %.und sie wird eben-
falls per contagium mitgetheilet. Die Kinderpocken sind ohn-
gefehr 330 Jahr nach %.Christi Geburth erst entstanden. Ihr Ursprung
ist wahrscheinlich in Arabien. Weder Galenus noch Hypocrates
haben ihrer gedacht, welches unverantwortlich wäre, wenn sie
schon bey ihrer Zeit bekannt gewesen wären. Weder Römer,
noch Griechen, noch Juden haben von ihr gewußt, denn auf allen
alten Bildseulen, findet man nicht eine einzige Pocken-
grube.

/Die venerische Kranckheit haben wir aus Americka, wo die
Einwohner sie bekommen sollen, wenn sie von einer gewißen Art
Eidexen gegeßen haben. Da die Franzosen sie zu den Zeiten Carls_des_5ten
zuerst mitbrachten, so starb gleich ihr König Fran-
ciscus_der_1ste
davon. Man kann sich kaum einbilden, daß diese
Kranckheiten haben in der Welt von neuem entstehen können,
da sie vorher nicht gewesen sind. Es muß doch etwa durch den
Genuß einer natürlichen Speise, die durch eine Zusammen-
setzung zweener Kranckheiten, woraus diese neue entsprun-
gen ist, gekommen seyn.

/Die Westphäler, die Schweitzer %.und viele Pommern werden
von dem Heimweh afficiret. Es scheinet daß besonders arm-
selige Nationen %.und die an groben Speisen gewohnt sind, damit
behaftet sind. Je mehr ihre vorige Lebensart der Einfalt
der Natur nahe gekommen, desto größer mag das Verlan-
gen darnach seyn, wo sie nach ihrem natürlichen Hange ganz un-
gekünstelt %.und von keinem bemerkt leben können. Diese Sehnsucht
ereignet sich besonders bey denen Schweizern ganz wieder
die Vorstellung der Vernunft. Sie mögen sich auch noch so zu bere-
den suchen, daß der vorige Zustand elend, %.und der jetzige weit
beßer ist, so müßen sie durchaus ins Vaterland. Wenn sie hin-
kommen so gefällt es ihnen nicht, %.und sie kommen gemeinhin
wieder. Besonders befällt sie dieses Übel bey einem gewißen
Tag, dem Kuhreigen, der in ihrem Vaterlande gewöhnlich ist,
wo sie alsdenn in eine Schwermuth fallen, %.und im Stande sind
ihr Leben daran zu setzen, das Vaterland zu suchen.

/ Von

/|P_64

/≥ Von den Winden. ≤

/Alle Winde bringen entweder die obere Luft herunter,
oder die untere Luft hinauf. Jene verursachen die Kälte,
diese die Wärme. Der Nord, Nord_Ost %.und Ostwind verursachen
die Kälte, der Südwind mit seinen collateralibus die
Wärme. Es ist nicht möglich, daß die Winde, die Kälte oder
Wärme, aus den kalten %.und warmen Ländern unmittelbar
herüber führen sollten. Denn erstlich würde die Luft auf dem
langen Wege das Temperament von jeder Luft, durch die
sie ziehet, annehmen. Ferner könnte alsdenn die plötzliche
Veränderung des Wetters nicht stattfinden, weil der Wind
zu einer solchen Reise eine geraume Zeit gebrauchen
würde, %.und endlich würde die Kälte des Nord %.und die Wärme
des Südwindes auch eine Ausnahme leiden, weil es in
Norden oft wärmer ist, als bey uns, %.und in Süden es manch-
mal stärker frieret.

/Die Winde verursachen demnach, die Kälte oder die Wärme,
durch die verschiedene Bewegungen der Luft nach unten
oder nach oben. Weil der Südwind, je näher er sich nach dem
Nordpol hinbeweget, desto mehr zwischen den Meridianen
eingepreßet wird, so schwellet er die Luft an, daß sich die un-
tere nach oben beweget, %.und dadurch die obere Region erwär-
met. Der Nordwind breitet sich immer mehr aus, je mehr
er sich von seinem Pohle entfernet, %.und macht dadurch der
obern Luft Platz herunter zu dringen %.und uns Kälte zu ver-
ursachen. Da der Nordwind wenn er lange wehet, in einen
Ostwind, %.und der Südwind in einen Westwind verändert
wird, so haben diese eben dieselbe Eigenschaften. Wenn der
Wind aber über nahe gelegene beschneyte Gegenden ziehet,
oder über rauchende Brandstäten, so macht er darnach kalt,
oder warm. Jedoch wenn solche Oerter weit entlegen sind,
so verlieret er diese affection.

/Die Hitze des Sandes macht in Africa, %.und in der Wüste Syri-
ens, den Südwind erstickend heiß. Doch kühlt der Nordwind
auch ab. Die größte Erhitzung der Winde kommt wohl von den
Ausdünstungen des Bodens her, denn wenn die laugenhaften

/ und ~

/|P_64R

/δZ_2

/≥ %.Definition des Windes

/Der Wind, ist eine merk-
liche Bewegung eines
Theils der Atmospähre
in eine andere Gegend
derselben.

/Die gewöhnlichen Win-
de gehen selten wei-
ter als einige Meilen
fort, die Sturmwinde
aber können in 24
Stunden über einen
ganzen Welttheil
fortgehen.

/Ein Wirbelwind beste-
het aus 2 starken
Winden, welche ein-
ander entgegen bla-
sen, %.und daher wo sie
zusammenstoßen, die
Luft in einem Krei-
se herumtreiben. ~

/|P_65

/und die Salmiac Theile die in der Luft sind, sich mit dem Oehl-
theiligten des Naphta auf dem Boden vermengen, so müßen
sie sich entzünden. Dieses ist die Ursache von dem Winde S_δLücke
(Engel des Todes, welche in der Wüste Syriens von dem Persischen
Meerbusen bis nach Palaestina zu wehet. Doch hält er niemals
über eine viertel Stunde an; die Luft ist alsdenn ganz feurig.
Wen er betrift, der wird plötzlich getödtet, %.und wenn man einen
solchen Menschen eine Stunde nachher anfaßet, so bleibt die
Haut an den Fingern kleben. Man muß um ihn zu entgehen,
entweder aufs Dach steigen, oder sich auf die Erde werfen.
Dieser Sand ist nichts anders als eine subtile Flamme,
die von der Entzündung der Salmiac %.und Naphta_Theile ent-
stehet. Es scheinet überhaupt, als wenn zu jeder Entzündung
in der Luft zweyerley Arten von Theilen gehören. Daher ist
auf der See selten ein Gewitter, weil die öhligten Theile
der Landluft dazu fehlen, %.und es erzeuget sich ein Wetter,
wenn dieses sich mit dem Sauren der Seeluft vermenget.

/Der Compaß oder die Rosa nautica bestehet aus 32 Gegenden,
welche immer von der nächsten Haupt_Region den Namen be-
kommen. So heißet a Nord gen Ost zu, b. NordNordOst, c. Nord
Ost gen Norden, d. Nordost, e. Nordost gen Osten, f. OstNordost,
g. Ost gen Norden.

/In dem Erhitzen der Luft %.und dem dadurch entstehenden Strom
an der andern Himmelsgegend, bestehet die vornehmste Ur-
sache der Winde. Eine zweyte ist, wenn die Luft durch die Kälte
zusammengezogen wird, da als denn die umgebende Luft den
Platz wieder anfüllet. Aus der erstern Ursache wehen bestän-
dig Winde aus den zonis temperatis nach der zona torrida
%.und die hier durch die Hitze verdünnete Luft steiget oberwärts
%.und streicht wieder nach den Polar Gegenden zu. Diese Bewe-
gung der Luft muß beständig währen, weil in der zona
torrida gleichsam der beständige Heerd des Sonnenfeu-
ers ist, wo die Luft verdünnet wird, %.und immer neue hin-
streichet. In den kalten Gegenden ist die Ursache der Winde

/ nicht ~

/|P_65R

/δZ_22: δ_Figur ~

/|P_66

/nicht beständig, denn so «be» bald der leere Platz von der zusam-
mengezogenen Luft ausgefüllet ist, so ist alles stille. Es giebt
noch andere Neben Ursachen von den Winden, da sie durch den Druck
oder die Preßung der Luft entstehen können. ZE. wenn ein ge-
waltiger Regen oder Hagel fällt.

/Die Winde sind wie die Luft, feucht %.und trocken, kalt %.und warm,
gesund %.und schädlich. Wenn man von der Verschiedenheit des Bo-
dens abstrahiret, so ist der Ostwind in den mehresten Welt-
gegenden trocken, %.und der Westwind feucht. Diese Beschaffenheit
des Westwindes komt nicht von den großen Meeren her, wor-
über er streicht. Denn in den Ländern welche Südwärts gro-
ße Striche Land haben, ist dieser Wind doch feucht, %.und hingegen
der Ostwind in denen, welchen die grösten Meere Ostwärts
liegen, doch trocken. Zwar verlieret der Westwind wenn
er über große Länder streichet merklich seine Feuchtig-
keit. Doch in der ganzen Welt ist der Ostwind beständig trocken.
Die Ursache von dieser Beschaffenheit ist, weil der Ostwind
als ein ausgearteter Nordwind, die obere Luft herunter
bringt, welche rein ist, hingegen der Westwind die untere
hinauf bringt, welche als denn in der Höhe die schwereren
Dünste fallen läßet. Der Nord %.und Südwind haben daher eben
diese Beschaffenheiten, doch so daß auf dem nördlichen Hemis-
phaerio der Nordwind trocken %.und auf dem Südlichen der Süd-
wind also ist.

/Der Ostwind ist der ausgebreiteste in der ganzen Welt, %.und
streicht vornemlich auf dem ocean zwischen den Wende Cirkeln.
Es giebt zweyerley merkwürdige Winde, die Passat Winde
%.und die Moussons. Erstere halten beständig einen großen Strich,
%.und die Moussons wehen eine gewiße Jahreszeit über. Der
östliche Passat Wind wehet beständig zwischen den Wende Cir-
keln auf dem großen Atlantischen %.und Indischen ocean, doch muß
man schon sehr weit vom Lande weg seyn, wenn man ihn un-
unterbrochen spühren will. Die Meynung ist sehr wahr-
scheinlich, daß die Bewegung der Sonne, von Morgen gegen
Abend, die Ursache davon sey, denn alsdenn dehnet die Sonne
die Luft am ersten in Osten auf, welche anschwillt %.und nach

/ Westen ~

/|P_66R

/δZ_3

/Wenn ein angesträngtes
Bemühen vermögend
wäre, die Bürde der
menschlichen Schwäche
abzuwerfen, so würde
sich der Mensch schon längst
in eine Spähre erhoben
haben, wo er aus den
Wirkungen der Natur
die Ursache dieser Wir-
kungen mit Gewisheit
wißen könnte. Aber
Zweifel umringen
ihn, %.und eine dicke Fin-
sterniß verbirgt selbst
die Dinge, welche ihn
umgeben, vor seiner
forschenden Seele;
wenn er das Wesen
der Dinge bestimmen
%.und die erstern Trieb-
federn der Wirkun-
gen in der Natur aus-
spähen will.

/Damit nicht eine tod-
te Stille die Luft ver-
derbe, noch hinreißen-
de Seuchen den Erd-
ball entvölkern, er-
halten wohlthätige
Winde die Luft in
steter Bewegung.
Diese stärkende Luft
zieht der Mensch mit
jedem Odemzuge in
sich. Durch den Bey-
stand der Winde um-
schiffet er die Erde,
%.und holet von entfern- 

/ ten ~

/|P_67

/Westen abfließet. Dieses ereignet sich nur unter den tropicis,
weil die Sonne nur dort über den Scheitel stehet, %.und sich nie-
mals weit entfernet. Dieser Passat_Wind erstrecket sich ohn-
gefehr 9 Grad über die tropicos %.und also ohngefehr 32 Grad vom
aequator. Auf dem nordlichen Hemisphaerio verändert er sich in
einen Nordostwind, %.und auf dem südlichen in einen Südost. Die
Ursache ist, weil die Luft aus den Polar_Gegenden, in die zonam
torridam wegen der verdünneten Luft hereinstreichet, so
machen diese zusammenstoßende Winde den Nordost %.und Südost. 32 Gra-
de über dem aequator hinaus, trift man einen sehr regulairen
Westwind, welcher ohngefehr auf 30 Grad anhält. In den sehr
nordlichen Gegenden wehet gemeinhin ein Nordwind. Diese
verschiedene Winde befördern ungemein die Schiffahrt. In In-
dien an der Küste der Bengalen von Caramandel streichet
die Winter_Monathe über vom November bis in den Merz ein
Nordost, %.und unsere Sommer_Monathe über ein Südwest. Weil
jener trockene %.und heitere Luft bringet, nennen sie die Winter
Monathe den Sommer, %.und weil der Südwind Regen bringet,
die Sommer_Monathe den Winter. Vom Merz bis in den May
sind die Zweifel_Monathe %.und beständig ungewißer Wind. Dieses
ist die schlimste Jahreszeit, wo sich die mehrsten Stürme und
Wetter ereignen. Wenn die Sonne ins nordliche Hemisphaerium
trit, welches bey uns der Sommer ist, so erhitzet sie das Land
mehr als das Waßer, %.und deswegen streicht die Luft von Süden
in die engen Cirkel nach dem Nordpol, %.und so entstehet der
Südwestliche Mousson. Wenn die Sonne ins Südliche hemis-
phaerium tritt, so wird unser nordliche abgetheilt, %.und die
Luft streicht in das Südliche zurück, %.und macht den Nord_Ost-
lichen Mousson. Aus allen Küsten in dem heißen Weltstriche
weht den Tag über ein Seewind, %.und die Nacht durch ein Land
Wind. Da durch die Hitze der Sonne am Tage die Luft über
dem Lande mehr verdünnet ist, wie über dem Meer, so streicht
diese kältere Luft über das Land hin. Des Nachts wird die
Luft über der See mehr abgekühlt als über dem Lande, %.und enger

/ zu ~

/|P_67R

/δZ_2

/ten Völkern Schätze,
%.und was die Natur sei-
nem Vaterlande nicht
gegeben hat. ~

/|P_68

/zusammen gezogen, daher füllet die Landluft den leer ge-
wordenen Platz an. Dieses macht nicht allein die Küsten bewohn-
bar, indem sie des Tages von der kalten Seeluft abgekühlet
%.und des Nachts von der Landluft gemäßiget, sondern es be-
fördert auch die Schiffarth von einer Küste zur andern un-
gemein.

/In der zona temperata, wird das Gesetz der beständigen Win-
de durch das viele Land vielleicht aufgehoben. Doch haben
wir eine analogie von denen Moussons, indem die Regen-
zeit wie in der zona torrida bey uns gemeinhin im August
eintrift, %.und den Frühling über es mehrentheils trocken ist.
Bey den Polar_Cirkeln ist der Nordwind ein ziemlich bestän-
diger Wind, indem die Luft unter dem aequator verdünnet
wird, %.und nach den Polen abfließet. Dieses scheinet auch die Ur-
sache vom Nordlicht zu seyn, indem diese Luft die subtilen
Dünste und die electrische Materie mit nach Norden herüber
bringt.

/ ≥ Von den Stürmen. ≤

/Die Vorgebürge %.und Landesspitzen, alle Straßen, alle Gegen-
den in der See, die durch Inseln besetzet sind, haben die heftig-
sten Stürme. In der zona torrida sind sie in den Zweifel
Monathen sehr groß. Der Orcan welcher in der mexicanischen
Sprache vragon heißet, ist dem mexicanischen Meerbusen ei-
genthümlich. Sonst giebt es auch zwey besondere Arten, welche
man den Nord %.und Süd nennet. Solche heftige Stürme dauren
nicht über eine halbe Stunde. Bey dem capo bonae Spei ist
der Sturm des Ochsen_Auges merkwürdig. Es ist hieselbst ein
sehr hoher abgeschnittener Berg, welcher der Tafelberg hei-
ßet, %.und das Ende des Gebürges, welches von Südwest herun-
ter läuft, ausmacht. Unter diesem Berge zeiget sich anfäng-
lich ein kleines Wölckgen, so groß wie ein Ochsen_Auge, wel-
ches sich aber bald ausbreitet %.und den ganzen Tafelberg über-
decket worauf plötzlich ein gewaltiger Sturm %.und Wetter

/ kommt

/|P_69

/kommt. Noch ist ein besonderer Windwirbel, die Waßerhose
(trompe de mere, die Waßertrochte) berühmt, welcher beson-
ders auf dem Mittelländischen %.und rohten Meere angetroffen
wird. Es scheinet sich als denn ein Theil von einer Wolcke in
Gestalt einer Trompete herab zu laßen. Das Waßer geräth
in große Aufwallung %.und wird in vielen Säulen mit einem
Klange, wie einem Gänse_Geschrey in die Höhe gewirbelt. In
einiger Entfernung fällt es wieder herunter %.und ersäuft
alles, worauf es trift. Wenn es sich über ein Land ergießet
so richtet es eine entsetzliche Verwüstung an.

/ ≥ Das Verhältniß der Witterung
zu den Landstrichen und
dem clima. ≤

/Die Wärme %.und Kälte der Länder komt oft mehr auf die hohe
Lage, %.und ob sie am Meere liegen, als auf die Nähe oder Entfer-
nung vom aequator an. Wenn man von Europa Westwärts
reiset, findet man immer eine gelinde Luft, hingegen ist
es unter eben der Breite in America eine sehr strenge Kälte.
Peiking welches eben so südlich als Neapel liegt, ist sehr kalt.
Im südlichen hemisphaerio ist in Ländern, die mit uns ei-
nen gleichen Grad Breite haben, sehr kalt. Man findet dort
in einer Nähe zum aequator, in der ohngefehr Engelland lie-
get, große Eisschollen auf dem Meere treiben. Einige setzen
die Ursache darin, weil die Sonne im nordlichen hemis-
phaerio 8 Tage länger sich aufhält, so daß wir in 25 Som-
mern einen Sommer mehr haben, %.und in 2.000 Sommern
100 mehr. Hieraus würde folgen, daß unsere Länder auch
ehemals wären kälter gewesen, dieses ist auch sehr wahr-
scheinlich. In vorigen Zeiten ist die Tyber zugefroren, wie
Horatz %.und andere Authores schreiben, jetzt geschiehet solches
niemalen. Die Rhone ist zu Caesars Zeiten dick zugefroren,
jetzt frieret sie selten und sehr dünne. Piemont %.und Italien wird
von den Römern wie Siberien beschrieben, jetzt ist es das

/ fruchtbarste

/|P_70

/fruchtbarste Land. Eines Theils mag die Aurottung der Wälder
die Ursache davon seyn, da der Boden jetzt mehr erhitzet wird
%.und der Schnee eher schmelzen kan.

/ ≥ Von dem alten Zustande %.und den Veränderungen
der Erde. ≤

/Einige Veränderungen dauren noch fort, %.und würcken beständig
auf die Erde, dergleichen die Erdbeben %.und die feuerspeyenden
Berge sind. Doch kan man dieselben nicht als Ursachen der all-
gemeinen veränderten Gestallt der Erde angeben, weil sie
sich nur in gewißen Ländern ereignen, %.und nicht allgemein
sind. Man trift jetzt in einigen Ländern, wo keine feuerspeyende
Berge mehr sind, beym Graben die Lava, allein in andern
findet man nicht die geringste Spur von derselben, sondern
die Erdschichten liegen daselbst in ihrer natürlichen Ordnung.

/1.) Ist der Regen eine allgemeine Ursache der Veränderung,
denn ob er gleich in kurzer Zeit nur wenig Veränderungen
macht, so werden sie doch in die Länge nahmhaft genung.
Er führet den Schlamm von den hohen Gegenden in die Thäler und
applaniret auf diese Art immer mehr die Erde. Der Trape-
zische Fels in Rom, der ehemals sehr steil gewesen seyn muß,
weil die Mißethäter davon herabgestürzet wurden, ist jetzo
ganz gemächlich zu besteigen. So sind andere Berge mehr er-
niedriget. In alten Städten findet man beym Graben das
Steinpflaster einige Schu tiefer, als es jetzo liegt, weil der
Regen allmählich den Schlamm von den höhern Gegenden über-
geführet hat.

/2.) Sind die Bäche %.und Ströme allgemeine Ursachen der Verände-
rungen der Erde. Die kleinen Giesbäche, die von den Bergen
sehr schnell fließen, sind im Stande ganze Berge so unter zu
waschen, daß sie einstürzen. Dieses war die Ursache des Un-
glücks der Stadt Plürs im vorigen Seculo. Mit diesem

/ Schlamm

/|P_71

/Schlamm von den Bergen füllen sie die Thäler aus, oder sie
führen ihn zu den Strömen hin, welche damit ihr Ufer verhö-
hen, oder ihr Bette verändern. Es ist zu vermuthen daß alle Ströh-
me, an deren Ufer jetzt breite Flächen sind, ehemals darüber
hingefloßen, %.und hernach mit dem Schlamm sie verhöhet %.und sich
in enge Bette zurückgezogen haben. Auf diese Art setzen sie be-
sonders am Ausfluß die schönsten Wiesen an. Ganz UnterEgypten
ist wie die Alten sagten, ein Geschenck des Nilstrohms, %.und soll ehe-
mals ein Meerbusen gewesen seyn. Der Nil fährt noch fort, von
Jahr zu Jahr die Ufern durch den Schlamm zu verhöhen %.und zu er-
weitern, %.und es ist zu glauben, daß jedoch nach einer sehr langen
Zeit, es mit seiner jährlichen Überschwemmung ein Ende neh-
men werde. Foa, welches vor 300 Jahren an der Mündung
des Nils lag ist jetzt 6 Meilen davon entfernet. Holland %.und
die Niederlande scheinen gröstentheils von den Flüßen ange-
setzt zu seyn, indem der Boden sehr schlammig ist. Die Flüße spüh-
len auch immer mehr ihren Rinnsaal aus, %.und indem er immer
mehr horizontal wird, so wird ihre Abdachung kleiner %.und ihre
Schnelligkeit schwächer. Da auch die Höhen immer niedriger ge-
worden sind, so hat der Zufluß von den Bächen nothwendig abneh-
men müßen, deren Waßer sich jetzt entweder in die Erde sauget,
oder in Pfützen stehen bleibet. Aus dieser Ursache werden Flüße all-
mählig impassable besonders bey denen Mündungen. So sind jetzt
von den vielen ostiis des Nils nur 2 befahrbar. Einige Flüße ver-
ändern auch ganz ihren Lauf %.und verlaßen die alten Rinsäle ihrer
Arme. So siehet man auch ein großes Bette, welches der Tygris
verlaßen hat, %.und vom Rheinstrohm ebenfalls alte Rinsale. Im An-
fange der Erde sind vermuthlich die Waßer von den Höhen ohne
Regel abgefloßen, bis sie sich mit der Zeit durch die Abwer-
fung des Schlamms ein regulaires Fluthbette gemacht haben.
Ja es scheinet, als wenn die ganze Erde ehedem flüßig gewesen.

/ Dieses

/|P_72

/Dieses siehet man 1.) aus den Schichten der Erde, welche nicht
anders, als indem sie flüßig %.und weich gewesen, sich so können
abgesondert haben. Als die Erde anfing zu trocknen, %.und Thäler
sich formirten, so mußte das Waßer nothwendig überall hervor
dringen %.und die ganze Erde bedecken, da es hernach in die Thäler,
die jetzigen Meere, herabfloß. Damals hat vermuthlich die
lockere Erde von dem durchdringenden Waßer alle ihre Gestalt
angenommen.

/3.) Ist das Meer die Hauptursache der Veränderungen der
Erde. Dieses hat vermuthlich ehemals die ganze Oberfläche
bedecket, %.und sich nur nach %.und nach in seine Basseins zurück
gezogen. Einige Länder sind noch bis jetzt den Gefahren der
Veränderung von den Meeren, wie ehemals ausgesetzt,
unter welche besonders Holland %.und die Niederlande gehö-
ren. Holland muß ehemals gröstentheils unter Waßer
gewesen seyn, denn es liegt niedriger als das Meer.
Die Südersee hat im 2ten Seculo nicht die Hälfte von
ihrem jetzigen Umfange gehabt.

/An einigen Küsten wird Land abgerißen, an andere vielleicht
vom Meere wieder angesetzet. Alle diese Veränderungen der
Meere beschäftigen jetzt die Gelehrte, ein Hauptgesetz vor
dieselben auszufinden. Einige glauben, daß das Meer von
Jahr zu Jahr sincke, %.und daß diese Veränderung in einem Jahr-
hundert 15 Rheinländische Fuß austrage. Dieses sey die Ursache
daß jetzt Länder entblößet sind, die vormals unter Wasser
gewesen. Sie haben für diese Meynung folgende Beweise:

/1.) findet man daß niedrige Seeküsten von Jahr zu Jahr zunehmen,
indem die Sandwälle %.und Muscheln sich immer weiter vom Waßer
entfernen.

/2.) findet man in Syberien an dem Eismeere auf eine Meile
weit vom Ufer Fahrzeuge liegen, die ehemals von ihm auf-
gespühlet worden.

/3.) Siehet man in Klein Asien bey Tyrus, in dem Fels eingehau- 

/ ene

/|P_73

/ene Tröge, worinnen die Alten das Meerwaßer gesamlet,
%.und an der Sonne Saltz daraus gesotten haben. Diese Saltz_Pfan-
nen sind jetzt sehr weit vom Meere entfernet.

/4.) hat %Herr Professor Celsius in Upsala bey Gewel am Bothni-
schen Meerbusen eine merckwürdige Beobachtung deswegen
angestellet. Es liegen daselbst vor der Mündung des Hafens
Steine, worauf die Seehunde zu gewißen Zeiten kommen,
%.und von denen man sie desto beßer fangen kan, die daher auch See-
hund_Steine heißen. Der Magistrat der Stadt hat selbige an die
Bürger verpachtet, %.und es sind in den Stadtbüchern von einigen
Jahrhunderten die Verschreibungen nebst der Beschreibung die-
ser Steine zu finden. Der Professor Celsius fand darinnen,
daß vor einem Jahrhundert die Steine lange nicht so hoch her-
vorgeraget haben, als jetzt. Besonders merckte er einem Stein
an, der vor 100 Jahren nur 2 oder 3 Fuß hervorgeraget, wel-
cher nach 50 Jahren schon so hoch gewesen, %.und einen Absatz gehabt,
daß der Eigenthümer den obern Theil habe absprengen müßen,
woran die Spuren jetzt noch zu sehen sind, %.und noch so hoch ist, daß die
Seehunde nicht mehr hinauf klettern können. Er rechnet dieses
Fallen des Meers aus, %.und bringet auf ein Seculum 4 Fuß 5 Zoll
hinaus. Wenn die See am Bothnischen Meerbusen sinckt, so müßen
alle Meere sincken.

/5.) Findet man am bothnischen Meerbusen Strandrücken, welches
Absätze von Sand sind, die ehemals das Waßer bey Stürmen
abgespühlet hat, %.und jetzt so hoch liegen, daß sie von ihm nicht mehr
erreichet werden. Wenn diese vorgebliche Abnahme der Meere
ein beständiges Gesetz wäre, so könnte man das Alter der
Länder darnach ausrechnen.

/Die Gegner dieser Meynung führen sie zu wiederlegen an:

/1.)_lich finde man an den Küsten von Finnland eine Menge Fichten,
die sehr nahe an dem Meere stünden, %.und welche nach der Zahl
der Holtzzirckeln 400 auch wohl 500 Jahre alt seyn müßten.
Vor dieser Zeit müßte nach Celsius Berechnung das Meer

/ 20

/|P_74

/20 Fuß über ihnen gestanden haben, %.und sie müßten also im Waßer
gewachsen seyn, welches nicht angehet.

/2.) finde man alte Schlößer, besonders eine dergleichen in Dän-
nemarck, wo das Gemäuer nur 2 Fuß von der Fläche des Mee-
res stände, %.und welches 600 Jahr alt wäre, folglich nach der ange-
nommenen Hypothese unter dem Waßer gebauet seyn müßte.

/3.) Sey es eben so möglich daß die Steine am Bothnischen Meerbu-
sen gehoben, als das Meer gesuncken wäre, weil es eine
gewiße gährende Erde gebe, welche aufschwillt, %.und sich wie ein
Teich in die Höhe begiebt. Auf dieser Erde könten die Steine
stehen. Ja auch die große Stücke Eis, welche sich an die Steine
angesetzt, könten sie näher zum Land gerückt haben, welche
Würckung man oft an Pfählen wahrgenommen, doch dieses ist
nicht warscheinlich, denn wenn auch dem Eise eine solche Kraft
eingeräumet würde, so könte es ja die Steine eben so gut
weiter in die See, als ans Land bewegen, da doch seit einem
ganzen Seculo die Steine regulair erhöhet worden sind.

/4.) In Italien am Adriatischen Meere scheinet das Waßer an-
sehnlich gestiegen zu seyn. Denn die Kirche zu Ravenna des gro-
ßen Theodosius liegt jetzt so niedrig, daß das Waßer zur Zeit
der Fluth ihren Boden naß machet. Manfredi der dieses schreibet
traut dem damaligen Baumeister doch mehr Einsicht zu, als daß
er die Kirche so angeleget haben würde. Es kan dieses auch nicht
vom Sincken der Kirche herkommen, denn sonst müßte sie doch
Riße haben. Eben dieser Manfredi führet die Marmorbanck
an dem Marcus_Platz zu venedig an, welche gebauet ist, um
davon in die Gondeln zu steigen. Jetzt wird dieselbe zur Zeit
der Fluth ganz überschwemmet, %.und so wird sie doch nicht angele-
get seyn.

/5.) Der Abt Winckelmann in Rom berichtet, daß im Neapolitani-
schen noch ein forum von einem Tempel, der vermuthlich dem
Bachus gewidmet gewesen, zu sehen sey, der aus sehr viele

/ Säulen

/|P_75

/Säulen von Egyptischen Marmor bestanden, welche durchgängig
von der See umgeschoben %.und durchlöchert sind. Dieser Tempel
muß doch vermuthlich vorher auf dem Lande gestanden haben,
darnach unter dem Waßer gewesen %.und wieder hervorgekommen
seyn. So wohl diese als die übrigen Beobachtungen laßen ver-
muthen, daß es periodische Abwechselungen des Sinckens und
Steigens der Meere gebe. Aus dem Verhalten des Meers in
Holland läßt es sich eher vermuhten, daß es steige, als daß
es falle. Denn wenn das letzte wäre, so könnten die Holländer
der Arbeit überhoben seyn, das Meer in den Schrancken zu
halten %.und das Waßer abzuleiten. Lulof in Leyden hat die Beo-
bachtungen der Ingenieurs gesamlet, welche behaupten, daß dort
das Meer von Jahr zu Jahr steige<2> ansehnlich<1>, %.und er glaubet, daß
es periodische Zeiten des Steigens %.und Fallens geben müße. Er
meynet man sey ungewiß, ob das Meer in Ansehung Hollands
steige, oder ob Holland als ein neues aus Schlamm %.und Mohr
Grund bestehendes Land sincke. Doch müßte diese Veränderung
an den Gebäuden %.und den Mauren zu mercken seyn, ob es gleich übri-
gens nicht unmöglich wäre, weil man das Sincken der Meere
doch aus dem Sincken ihres Bodens herleiten muß. Die hypothese
von dem Sincken des Meers ist sehr beliebt %.und sinreich. Linnaeus
der ein guter Natur_Geschichtschreiber aber kein Natur_Philo-
soph ist, nimt dieselbe an %.und macht daraus besondere Folgerun-
gen. Da er das Alter der Welt viele Jahrhunderte über die
Schöpfung heraussetzet, welche wie er glaubet, nur auf Men-
schen, Thiere, Pflanzen etc. sich beziehe, so nimmt er an, die gan-
ze Erde sey mit einem tiefen ocean bedeckt gewesen. In ihm
sey eine Menge See %.und Muschelthiere gewesen, von den Trüm-
mern der Muscheln wären die Erdschichten entstanden. So habe
das Meer, die in ihm aufgelösete Materien abgesetzt, %.und
die Erde verhöht. Wo Ströhme gewesen wären hätten nicht

/ die

/|P_76

/die fremden Theile absetzen können. Ueber solche Gegenden
habe sich das Largasse erzeuget, %.und nachher wären daselbst all-
mählich die Berge formiret worden. Das Meer sey von Anfang
an nach seinem Gesetze gefallen, %.und habe zuerst in der zona
torrida eine Insel von den Bergspitzen formiret. Diese Insel
sey der erste Aufenthalt der Menschen, Thiere, %.und der Pflanzen
gewesen, welches auch mit der biblischen Geschichte zusammenstimme,
nach welcher Adam alle Thiere gekannt hat. Da die Insel in
der Mitte einen Berg gehabt, so wäre an dem Ufer der See
eine heiße, mitten auf dem Berge eine gemäßigte, %.und auf
der Spitze deßelben eine kalte Luft gewesen, so daß alle Thie-
re %.und Pflanzen ihre gehörige Luft gehabt hätten. Wäre alles
das richtig, so müßte auch noch jetzo in der zona torrida Thiere
%.und Pflanzen aus allen Himmelsstrichen anzutreffen seyn, welches
aber nicht ist. Über dem muß man nicht Spruchstellen zu prin-
cipiis der Philosophie besonders der speculativischen machen.
So viel kan man aus den Beobachtungen, da man überall
tief in der Erde ganze Lagen einige Meilen weit, (wie bey
Touraine in Franckreich) von Auster %.und Muschelschaalen antrift,
schließen, daß die See nicht allein die Erde bedecket, sondern
auch lange darauf gestanden habe. Ja auf den höchsten Bergen
findet man Theile von Seethieren %.und Seepflanzen, die in
Felsen eingeschloßen sind. Wahrscheinlich ist es wohl, daß
das Waßer regulair sincke, %.und daß es sich plötzlich zurück
gezogen habe. Einige Beobachtungen zeigen, daß das Waßer
besonders im Pflanzenreich seine Flüßigkeit ablegen, %.und sich in
feste Substanzen verwandeln kan, so wie die Bäume bloß vom
Waßer gewachsen sind. Auf diese Art könnte das Waßer die
Pflanzen ernähren, welche durch die Verwesung in die Dün-
gung verwandeln, %.und also zum Nachtheil des Meeres die
Erde vermehren könnten. Es ist ungezweifelt gewiß, daß
der ganze ocean ehemals die Erde überdecket habe, da
man in dem Innersten der Berge Überbleibsel vom Wallfische

/ und

/|P_77

/und vom Heyfische, wie auch von andern Seethieren antrift.
Ferner ist zu vermuhten, daß vor dieser Überschwemmung ein
Zustand des festen Landes vorhergegangen sey, da man in Siberi-
en ganze Elephanten_Gerippe, %.und von Geldern an bis ins Lüne-
bergsche ganze Wälder unter vielen Erdschichten vergraben an-
trift. In Modena lieget 30 Fuß tief in der Erde ein ganzer
Wald von Nußbäumen, %.und in Engelland Knochen von Crocodillen
%.und von Menschen. Es müßen also die Länder vorher bewohnt ge-
wesen %.und hernach überschwemmet worden seyn. Es kan auch die
Sündfluth nicht als eine hinreichende Ursache von dieser Über-
schwemmung angesehen werden. Denn die strata, die die See mit
ihren Producten mit Muscheln %.und so. %.weiter ausgefüllet hat, können
in so kurzer Zeit nicht entstanden seyn. Es muß sich auch öfters
%.und wechselsweise zugetragen haben, daß das Waßer die Erde
überdecket hat, %.und hernach wieder zurückgetreten ist, indem
die strata des Seegrundes mit den Schichten des festen Lan-
des abwechseln. Denn man trift zuerst Seegrund, denn den Grund
vom festen Lande, denn wieder Seegrund %.und zuletzt wieder festen
Boden an. Die Sündfluth scheinet wohl eine allgemeine Revolution
gewesen zu seyn, anstatt daß andere Überschwemmungen nur
einzele Länder betroffen haben. Wie aber die Erdschichten sind
gebildet worden, läßet sich schwer vorstellen. Die hohen Berge
bestehen nicht aus denselben, sondern mehrentheils aus einförmli-
chen Felsklumpen. Je näher sie der Ebene kommen, desto regel-
mäßiger findet man schon ihre Lagen. Die Flätgebürge welche
ziemlich niedrig sind, bestehen schon aus stratis. Es ist zu ver-
muhten, daß in dem allerältesten Zustande der Erde, da sie so
viel Waßer in sich verschluckt gehabt, %.und sie nunmehr sich zu setzen
anfing, das gewaltig herunterströmende Waßer die verschie-
dene Arten der Erde von den Bergen in die Thäler herab gefüh-
ret, %.und in solche Schichten ausgebreitet habe, welches um desto leich-
ter war, da damals nur die Erde noch mehrentheils aus Schlamm
bestand. Damals hatte vermuthlich die Erde noch den ganzen Ocean

/ in

/|P_78

/in sich verschlucket, welcher da sie zu trocknen anfing, überall-
hervorbrach, %.und durch die Gewalt die Ströme bildete. In die-
sem Zustande des Chaos wurde der ganze Luftkreiß mitver-
schlucket. Wo die Luft durch das trockene der Materie zuerst
herausdrang, senckte sich die Erde %.und formirte Thäler, in
welche das Waßer abfloß. Es mußte aber nothwendig noch
in dem Innern der Erde viel Waßer verschloßen bleiben,
welches sich in große Hölen samlete. Wenn diese Hölen un-
ter einem festen Lande sich formirten, so sanck der Boden nach
%.und das Waßer überschwemmete wieder das feste Land. Wenn
unter dem Seegrunde sich solche Lufthölen eröfneten, so
sanck das Meer %.und trat von dem festen Lande zurück. Dieses
sind vermuthlich die Ursachen von den ehemaligen vielfältigen
Revolutionen, da viele 1.000 Jahr %.und %.noch %.mehr dazu gehören mü-
ßen, ehe ein solcher Cörper, als unsere Erde völlig trocknet,
so kan man glauben, daß das Innere der Erde noch flüßig
sey, %und daß die Beobachtungen des Fallens %.und des Steigens
des Meers von solchen Lufhölen herkommen, nachdem sie sich
unter einem festen Lande oder dem Seegrunde fanden.

/Newton zeiget, daß die Erde, als ein im Anfange flüßiger
Cörper durch seine Bewegung keine andere als seine jetzige
sphaeroidische Gestallt habe annehmen können. Alle Uneben-
heiten die wir jetzo drauf antreffen, sind von dem Zusam-
mentrocknen dieser durchweichten Maße entstanden. Sie
ist natürlich durch das Trocknen kleiner geworden. Ob sie
noch eintrocknet %.und kleiner wird, ist schwer zu bestimmen.
Wäre dieses so müßte unser Luftkreis durch die heraustre-
tende Luft noch immer zunehmen, %.und würde alsdenn von
Zeit zu Zeit andere Würckungen auf Thiere %.und Pflanzen machen.
Dieses läßt sich auch vielleicht aus den veränderten Witte-
rungen schließen, %.und die Frage, wie die Luft aus der innern
Erde hervor käme, läßt sich vielleicht dadurch beantworten, daß die

/ Oefnungen

/|P_79

/Oefnungen der Feuer speyenden Berge dazu dienen.

/Bournet schrieb im vorigen Seculo zuerst eine Theorie der Erde
(historia telluris sacra) Hierin nimt er an, daß auch damals
noch, als Menschen sie zu bewohnen anfingen, sie völlig eben
%.und das Waßer unter der obern Rinde gewesen wäre. Dieses
sey der Zustand der Erde zur Zeit des Paradieses. Hernach
wäre durch die Wärme der Sonne das Waßer hervorgetre-
ten, %.und also die Unebenheiten entstanden.

/Boduard erkläret alle Veränderungen der Erde aus der Sünd-
fluth, %.und glaubet daß dieses Waßer eine solche ätzende Kraft ge-
habt habe, daß es alle Cörper im Schlamm aufgelöset habe, %.und
daß in diesen Schlamm die Muschel_Schaalen gesuncken wären.
Aber bey dieser Kraft würden w«i»eder die Muscheln noch die
Arche Noä selbsten verschonet geblieben seyn.

/Wisthon nimmt an, daß die Erde zuerst ein Comet gewesen sey,
%.und daß als durch die Hitze der Sonne, alle ihre Feuchtigkeit aus-
gedünstet wäre, sie unter die Planeten gesetzet worden. Sie
wäre im Anfange nur vom Thau befeuchtet worden, %.und die Sünd-
fluth sey das Waßer gewesen, das ein nahe vorbeygehender
Comet aus seinem Schweif ausgeschüttet hätte.

/Buffon leitet so wie Linnaeus die Veränderungen der Erde,
von der regelmäßigen Abnahme des Waßers her.

/ ≥ Von der Schiffarth. ≤

/Die Ladung der Schiffe, welche nach Lasten gerechnet wird, die
12 Tonnen hält, davon jede 2.000 %Pfund wiegt, wird nach dem Cör-
perlichen Inhalte derselben berechnet. Wenn man denselben in
Cubick_Schuen gefunden hat; so wird wenn man diesen zu 64 %Pfund
annimt, die Hälfte der Summe die Ladung des Schifs aus-
machen. Das Vordertheil des Schiffes wird breiter als das
Hintertheil gebauet, gleich den Fischen %.und Schwimm_Vögeln.
Den Mast setzet man um 1/16 Theil näher nach dem Vordertheil,
damit es sich nicht drehen kan. Wenn man vor dem Winde

/ seegelt

/|P_80

/seegelt, so muß nicht ein Seegel die andere decken. Gehet
das Schif neben dem Wind; so weicht es ob zwar nicht viel
von der geraden Linie ab, weil die ganze Länge des
Schiffes dem Waßer zur Seiten wiederstehet. Diese Ab-
weichung heißet die Derive des Schiffes.

/Das Log ist ein dreckeckigtes Brett, welches unten mit Bley
vergoßen ist, damit es auf einer Stelle bleibe. Die Linie wor-
an es herausgeworfen wird, ist in Faden abgetheilt, %.und heißet
die Log Linie. Diese wird auf dem Schiffe abgehaspelt, während
daß ein anderer an einer Sand_Uhre merckt, wie viel Faden
in einer gewißen Zeit abgelaßen werden. Auf diese Art
kan man wißen, wie weit das Schif in einer gewißen
Zeit gegangen ist, %.und wenn der Schiffer immer diesen Lauf
nebst der Direction des Schiffes %.und seiner Derive auf die
Carte trägt, so kan er immer wißen, wo er sich befindet. Doch
wird der Gebrauch dieser Loglinie, durch die Meerströhme sehr
gehindert, denn wenn der Meerstrohm mit dem Schiffe eine Rich-
tung %.und eine Schnelligkeit hat, so bleibt das Log in Ansehung
des Schiffes immer auf einer Stelle, oder wenn der Strohm
in entgegengesetzter Richtung geht, so kan das Schif auf einer
Stelle bleiben, %.und die Loglinie wird doch abgehaspelt werden
müßen. Doch sind auf dem großen Ocean die Meerströhme
selten.

/ ≥ Von der Breite %.und Länge eines Orts. ≤

/Die Entfernung vom aequator %.und der Bogen eines Meridians
zwischen dem aequator %.und einem Orte zeiget seine Breite an.
Durch dieselbe kan man wißen, wie weit man von Norden nach
Süden, oder von Süden nach Norden gekommen ist. Die Länge
des Orts ist die Entfernung von einem gewißen Meridian,
welcher beständig bleibt. Vermittelst der Länge kan man
wißen, wie weit man von Westen nach Osten %.und von Osten nach
Westen gefahren. Durch die Breite %.und durch die Länge kan man ac-
curat den Ort wißen, wo man sich befindet. Die Breite ist leicht zu

/ finden

/|P_81

/finden, denn man kan es an der veränderten Lage der Sterne %.und
der Sonne wißen, wenn man einen Grad weiter vom aequator ge-
kommen. Doch mag man noch so weit östlich oder westlich gekommen
seyn, so bleibt die Gestallt des Himmels eben dieselbe. Man
hat zu diesen observationen jetzt einen Schifstuhl erfunden, wel-
cher balanciret, %.und immer horizontal bleibet, %.und nicht von dem
Schiffe mit beweget wird. Man bedienet sich auch hiezu des
Compaßes, welcher doch in verschiedenen Gegenden auch ver-
schieden von Norden abweicht. Die Erfindung der longitudinis
maris ist eine Methode, von einem jeden Orte in der Welt zu
finden, wie weit er östlich oder westlich von einem andern Orte
entfernet liege. Dieselbe hat vor kurzer Zeit Hallison in
Engelland durch eine sehr accurate Schifsuhr, welche vermit-
telst vieler Faden die man zu verschiedenen Zeiten aufziehen
muß, wenig oder nichts abweichet, hervorgebracht. Bisher
hat man diese noch nicht gehabt, denn perpendiculUhren, welche
die genauesten sind, sind auf dem Schiffe unbrauchbar, und
die gewöhnlichen Feder Uhren sind bisher immer abgewichen.

/ ≥ Besonderer Theil der Physischen
/Geographie. ≤

/Von den Geschöpfen, die die Erde nähret, von den Thieren, Pflan-
zen Mineralien nach Beschaffenheit des Bodens %.und der Lage.

/ ≥ 1. von den Thieren

/Unter den Thieren ist das vornehmste der Mensch. Er ist ge-
bauet, daß seine Stellung %.und Gliedmaßen zeigen, daß er zu
mehrern Handlungen aufgeleget ist, als irgend ein ander
Thier. Es ist mit ihm so wie mit andern Thieren, daß man
ihn in verschiedenen Himmelsstrichen, verschieden antrift. Es
scheinet daß es von den Menschen eben so wohl racen gebe, als
von andern Thieren, zE. von Pferden, von Hunden. Je mehr
als die Reisen %.und die commercia zugenommen haben, desto mehr
haben sich die racen vermenget, %.und es haben sich Blindlinge

/ eingefunden, ~

/|P_81R

/δZ_24

/Die Menschen, 4füßige
Thiere %.und Vögel haben
zwey Herzkammern, roh-
tes %.und warmes Blut,
die Amphibien %.und Fische
haben nur eine Herz-
kammer, rohtes %.und kaltes
Blut.

/Ein vollständiger Mensch
wieget ohngefehr 180 %Pfund
%.und zwar wiegen die festen
Theile 45, das Blut 70
%.und die übrigen Feuchtig-
keiten 65 %Pfund.

/ Das ~

/|P_82

/eingefunden, welche aus zwey vermischten racen «be»<ent>stehen,
dergleichen sind die Spanier von den Gothen %.und Mohren, die En-
geländer, von den alten Britten %.und Sachsen. Man findet nur
reine racen in solchen Ländern, die viele 100 Jahre hindurch, nicht
von fremden Völckern sind überschwemmet worden. Ja die
racen bleiben auch kennbahr, wenn auch zwey bey einander woh-
nen, nur sich nicht mit einander vermischen, dergleichen sind die
Juden.

/Aus dem folgenden wird man sehen, wie viel kennliche racen es
in dem menschlichen Geschlechte gebe, in wie fern das Clima oder
die Früchte des Landes darauf einen Einfluß haben, %.und welches
die ersten StammRacen sind. In dem warmen Clima ist der
Europäer weiß, der Asiater Olivenfarbe, der Africaner
schwarz %.und der Americaner kupferroth. In Zügen %.und Stellun-
gen findet man bis an das Caspische Meer, wohlgebauete Cör-
per; weiter hin fangen schon die Calmuckischen Gesichter an.
In Norden kan man den terminum aquo setzen, weil über
den 70 Grad alles unbewohnbar ist. In allen Gegenden des Eis-
Meers, im Nordlichen America, in der HudsonsBay, in Grau-
land, im Nordlichen Lappland, die Samojeden, die Jakuten in Asien
bis zu den Schuschchi sind alle klein von Natur, haben platte
Gesichter, ausgebogene Kinnbacken, dünne Lefzen, kleinen
Bart, schwarzes %.und gleiches Haar, %.und haben kein ander Haar
auf dem Leibe, als auf dem Kopf. Sie sind übrigens schwarz von
Gesicht. Sie kommen so wohl in allen diesen Stücken den Bewohnern
des heißen climatis bey, als auch darin, daß ihre Weiber früh-
zeitig fruchtbar werden. Übrigens sind sie kurz von Beinen
%.und haben breite Hüften. Sie sind munter %.und dreist. Einige haben
geglaubt, daß ihre geräucherte Farbe wirklich vom Rauch her-
käme; aber wenn ihre Kinder ganz klein in andere Länder
gebracht werden, so behalten sie doch dieselbe. Die Schweden
haben lichtgelbes Haar, blaue Augen, einen Bart, und sind

/ großer ~

/|P_82R

/δZ_2

/Das Blut, welches ein
rohter Saft ist, der aus
dem Nahrungssafte ent-
stehet, %.und in den Adern
vermöge der Bewegung
des Herzens einen be-
ständigen Kreislauf
hat, bestehet theils aus
blos flüßigen Theilen,
welche das Salzwaßer
genennet werden, theils
aus rohten irdischen
Kügelgen, welche darin
schwimmen.

/Die ganze Menge des
Blutes eines gesunden
Menschen wird in we-
niger als 6 Minuten
einmal in dem gan-
zen Körper herum-
getrieben.

/Ein gesunder Mensch,
welcher in 24 Stunden
8 %Pfund nahrhafte Speise
%.und Tranck zu sich nimmt,
verliehrt in eben der
Zeit 5 %Pfund durch die
Ausdünstung, %.und 3 %Pfund
durch die natürlichen
Wege.

/Die Anzahl der Knochen
beläuft sich bey einem
erwachsenen Menschen
auf 256, bey Kindern
aber, in welchen ver-
schiedene Theile der
Knochen noch nicht zu-
sammen gewachsen sind,
zählet man über 300. ~

/|P_83

/großer Statur, unterscheiden sich wenig von den Deutschen.
Die Rußen haben ebenfalls wohlgebauete Cörper, doch mehrentheils
schwarzes Haar. Wenn man aus der zona frigida in die tempera-
tam komt, so findet man die Natur in ihrer Vollkommenheit, be-
sonders im Alterthum. Die Deutsche waren ehemals alle von großer
Statur, hatten goldgelbe Haare, blaue furchtbare Augen, jetzt sind
es mehrentheils Blindlingsracen von Römern, Tartern etc.
In den Niederlanden, in Sachsen, in Westphalen findet man noch
am mehresten die alten Deutschen, weil diese Länder von frem-
den Völckern nicht so starck sind überschwemmet worden, als
die näher nach Ungarn liegen. Die Engeländer unterscheiden
sich als Nachkömlinge von den Sachsen, in ihrer Statur, %.und ihrem
Naturell von den Deutschen nicht. Die Franzosen %.und Spanier
sind von den Deutschen in der Gesichtsfarbe, %.und in einem nicht so
wohl gebaueten Cörper sehr unterschieden. Man findet unter
ihnen nicht solche starcke %.und wohlbeleibte Leute, als unter den
Deutschen. Dieses muß in der Verschiedenheit des climatis und
der Nahrungsmittel liegen. Die Deutschen macht das Bier so
starck, welches die Franzosen %.und Spanier nicht haben. Ihr Boden
bringet nicht so nahrhafte Producte %.und sie sind mehr der Mäßig-
keit ergeben. Die Spanier sind klein, mager, haben schwarze
Haare %.und ein braun Gesicht. Die Pohlen sind auch von den Deut-
schen schon etwas verschieden, %.und scheinen mehr ein tartarische
race zu seyn, doch sind sie ihnen ähnlicher, als die Italiäner.
Die nordlichen Völcker haben flache Gesichter Gesichtsbildung mit ein-
gebogene Kinnbacken. Die Deutschen, Schweden, Engeländer,
Italiener, Griechen kommen in der Gesichtsbildung mit ein-
ander überein. Die Calmucken, die Mungalischen Tartarn, die
Chineser, die Einwohner von Siam, haben flache Gesichter, Nasen,
die nicht darunter hervorragen, lange %.und kleine Augen, und
einen kleinen Bart. Man kan einen Kalmucken von dem an-
dern schwer unterscheiden. Die Africaner haben mehrentheils

/ aufgeworfene

/|P_84

/aufgeworfene Nasen, %.und dicke Wurstlippen, worin sie mit den
Hottentotten übereinkommen. Sie haben ebenfalls keinen Bart.
In Europa scheinet die alte race sehr ausgegangen zu seyn. Die
Griechen müßen nach den alten Statüen die Nasen mehrentheils
in gerader Linie vor der Stirn gehabt haben. Unsere gepletsch-
te Nasen müßen von den Tartern nach Europa gebracht seyn.
Die Italiener weichen von den Römern sehr ab, doch finden
sich in Rom noch auf 500 Familien vom Pöbel, die auch die
alten römischen Gesichter %.und Liebe zur Freyheit haben. Die Re-
ligion %.und der Stand des Menschen hat in seine Minen einen ganz
besondern Einfluß. Ein Quäcker hat eine ganz gezwungene
Mine, die ihm durch die Gewohnheit sie zu verzerren, natür-
lich geworden ist. Bey den Printzen findet man Minen der Dreistig-
keit, die sie sich ihres Standes bewußt, von Jugend auf annehmen.
Die Minen sind die natürliche Sprache des Menschen, die er nicht
verhelen kan. Die Ursache von dem Unterscheide der Gesichter
der Nationen ist schwer anzugeben.

/Die Rußen sind in einem ganz mercklichen Gesichtszuge und
auch in einem besondern Gemüths_Character von den Deutschen
unterschieden.

/Die Ostindianer haben eine Art von Gelaßenheit %.und Furchtsam-
keit im Gesichte, %.und dieses ist auch ihr Charackter. Die Alten
trafen die proportion der Theile des menschlichen Cörpers,
weil sie viel nackte Personen von großer %.und mitlerer Statur
auf dem Kampfplatz sahen, %.und sich daraus die mitlere Größe
in die Einbildung nahmen.

/Wenn man einige 1.000 von einer Nation meßen sollte, so
würde man, wenn man alle diese Höhen addiret, %.und durch die
Menge der Personen dividirte die mitlere Größe %.und die rechte
Proportion finden. Diese aus allen Erscheinungen gezogene
Regeln, ob sie gleich in einer einzigen alle zusammen enthal-
ten sind, machen das Natürliche aus.

/ Die

/|P_85

/Die Schönheit ist von der Proportion ganz unterschieden, durch
sie wird der Geist ausgedruckt. In den Zügen, in dem Munde
stecket noch immer was den Leidenschaften %.und dem Verstande
gemäß ist. Die Schönheit muß huldreich, der Held muß ruhig
seyn.

/Man unterscheidet sonst vornehme %.und gemeine Gesichter. So
wahr wie dieser Unterschied ist, so beruhet er doch nicht auf der
Grundbildung, sondern auf den Minen, die ein Mensch von Ju-
gend auf annimt, nachdem er sich seines Standes bewußt ist.

/Eine Hauptrace der Menschen ist die schwarze. Man nennet die
Schwarzen fälschlich Mohren, welches die alten Mauritaner
oder Marroccaner sind, die Spanien gegen über liegen, weiß
sind %.und schöne Weiber haben. Die Schwarzen oder Negers sind
schwarz über den ganzen Leib, haben eine dicke, jedoch weiche
%.und sanft anzufühlende Haut. Der Neger hat Wolle statt den
Haaren auf dem Kopfe, %.und keinen Bart, worin er einigen an-
dern Nationen, besonders den Americanern ähnlich ist. Er hat
eine eingedruckte %.und aufgeworfene Nase, dicke Wurstlippen,
eine starcke Statur ist ziemlich fleischigt %.und starck. Der Grad
ihrer Schwärze ist sehr verschieden. In sehr flachen %.und heißen
Ländern, sind die Negers am schwärzesten. Am Seenegall
giebt es die Schönsten, wo sie schwarz wie Ebenholtz sind, wei-
ße Zähne wie Elfenbein %.und einen recht guten Bau haben. In
gebürgigten Ländern in Guinea %.und in andern Gegenden sind
sie nicht so schwarz. Im Inwendigen von Africa besonders in
Abyßinien sind sie auch nicht sehr schwarz, wo sie auch nicht ein
so sehr wolligtes Haar haben. Sie werden alle weiß, doch mit
einem schwarzen Ringe um den Nabel gebohren, der sich nach
zwey Monathen über den ganzen Leib ausbreitet. Wenn man
einen Neger zur Ader läßet, so hat er ganz schwarzes Blut,
das von unserm ganz unterschieden ist. In der epidermide «ist»

/ ist eine

/|P_86

/eine Tintermäßige Schwärze, welche von dem schwarzen Blut
abgesondert zu seyn scheinet. Wenn ein Neger sich verbrennt,
wird die Stelle weiß, so wie bey den Pferden auf den gebrannten
Stellen weiße Haare wachsen. In Kranckheiten bleichen sie sehr
aus, vermuthlich von der Zurücktretung des schwarzen Blutes,
so wie wir blaß werden. Wenn sie todt sind, werden sie noch schwär-
zer, als sie lebend waren. Es trägt sich manchmalen auch zu,
daß ein weißes Kind, ohne den schwarzen Ring um den Nabel
zur Welt kommt. Dieses hat an statt daß die Negers schwarze Augen
haben, ganz blaße, eine weiche %.und schwammigte Haut %.und wollig-
te Haare. Dergleichen aber sind nur Ausartungen %.und keine
besondere race. Sie sind bey Tage blind, %.und sehen nur bey Mon-
denschein, man nennet sie weiße Negers, albinose. Ihre
weiße Farbe ist von der Europäischen ganz unterschieden, sie
ist wie Kalck %.und der Todtenfarbe ähnlich. Sie sind sehr dumm
%.und ganz viehisch. Daher werden sie von denen andern Negers
ausgestoßen %.und retiriren sich in die Wälder, woraus sie sich
aber in der Nacht an den Schwarzen rächen.

/In Ost-Indien in einigen von den Moluckischen Inseln, fin-
det man auch einige von diesen albinis, die dort Cacelix
heißen (von einem stinckenden Käfer) weil sie entsetzlich
stincken. An den Istmus von Dalien soll ein ganzes Volck
solcher albinos seyn, aber man weiß es nicht zuverläßig.
Die Schwarzen haßen sie wegen ihrer Stupiditaet, nicht
weil sie weiß sind, denn sie haßen selbst die schwarze Farbe,
%.und halten den guten Gott vor weiß, %.und den bösen für schwarz. Nie-
mals zeuget ein ordentlicher Weißer, einen Schwarzen, %.und
wenn eine weiße Frau ein schwarz Kind zeuget, so ist es aus-
gemacht, daß solches von einem Neger ist. So bringet auch nicht
eine Schwarze ein weiß Kind zur Welt, denn der Albinos ist
eigentlich kein Weißer. Der eigentliche Sitz der Neger ist
in Africa, ausgenommen einige Inseln in Ostindien, die
Philippinischen Inseln %.und Neu_Guinea. Unter den Austral- 

/ Ländern

/|P_87

/Ländern weiter nach dem Süderpol, findet man eine bunt-
scheckigte Menge von Einwohnern, denn auf einer Insel findet
man lauter Schwarze, auf einer andern lauter Weiße
an, %.und noch auf einer andern weiße %.und schwarze zusammen,
die sich aber haßen %.und nicht vermengen.

/In gantz America ist kein Schwarzer, in Asien ebenfalls nicht,
nemlich die eigentlich dahin gehören sollten. Die Gesichtsfarbe
der Neger ändert sich nicht, wenn sie auch wo anders verpflan-
zet werden, wenn sie sich nur nicht mit Weißen vermengen. Ih-
re Kinder bleiben immer schwarz, %.und die albinos immer weiß.
Doch wenn sie sich mit Schwarzen vermengen zeugen sie Blend-
linge. Am Capo verde soll es Portugiesen geben, die Negers
sind. Diese müßen von Portugiesen herkommen, die sich mit
Negers vermenget haben.

/Die Verschiedenheit der weißen %.und schwarzen race pflanzet
sich durch die cohabitation fort, %.und ein Blendling hat etwas vom
Vater %.und Mutter an sich, so wie bey den Thieren von verschiedenen
racen eine Mittelgattung entspringet. ZE. der Maulesel von
einem Hengst %.und einer Esels_Stute. Der Blendling der Neger
heißet Noulate. Wenn dieser ein weißes Weib nimmt, so zeu-
get er den Tercerol, dieser den Quarterol, der Quarteroll
den Quinteroll, wo der Unterscheid gäntzlich aufhöret. Die
Spanier in America können durch den Anblick allein diese
Gattungen sogleich unterscheiden.

/Alle die in Americka erzeuget werden, %.und keine Indianer sind,
heißen Creols, so giebt es Spanische, Französische, Englische, Neger-
Creols p. Der Blendling, den ein Weißer mit einer India-
nerin zeuget, heißet Mestice.

/Die Caffern auf der Küste von Africa sind schwärzer als die
Hottentotten. Diese sehen ganz geräuchert %.und sehr heßlich aus.
Die Ursache von der schwarzen Farbe der Neger ist noch nicht
bekannt. Die nechste %.und allgemeine Meynung ist, daß die Hitze
des heißen Weltstriches %.und die Sonne die Ursache sey, besonders
da die Nationen immer brauner werden, je näher sie dem ae

/ quator

/|P_88

/quator zu liegen. Doch ist die Sonnen_Wärme nur eine zu-
fällige %.und äußerliche Ursache, welche keinen Character in der
Natur des Menschen eindrucken kan, der sich fortpflanzet. Die
Tunquins nähen ihren Kindern die Gesichter aus, doch kommt
niemalen eins damit auf die Welt. In Marocco sind die ei-
gentlichen Mohren schwarzbraun, von der Sonne gefärbet, doch
sind ihre Weiber, weil sie nicht sonderlich der Sonnen Hitze aus-
gesetzet sind, weiß %.und schön. In der ganzen zona torrida sind
nirgends Negers als in Africa, ausgenommen einen kleinen
Strich in der terra australi. In ganz Asien %.und ganz America
giebt es keine Negers, Tunquin liegt so heiß als Seenegall,
%.und hat doch weiße Einwohner. Wenn man sie als eine Stamm-
race angeben wollte, so müßte man die weiße %.und die Oliven
Farbe auch dazu machen, %.und dieses wäre dem Ursprunge der
Menschen wiedersprochen, welcher von einem einzigen Men-
schen herrühret. Man müßte also eines von beyden als eine
Ausartung ansehen. Welche aber? Ist Adam weiß oder schwarz
gewesen? Vermuthlich weiß, denn da nur ein Theil der Welt,
nemlich Africa die schwarze Farbe enthält, so ist diese wohl
die Ausartung.

/Africa ist ein Land welches am wenigsten mit fremden Völ-
ckern vermenget worden ist, %.und wo die Bewohner viele Jahr-
hunderte hindurch ihr Geschlecht ruhig fortgepflanzet haben:
denn es ist von der Seite Europa %.und Asiens durch die große
Wüsten ganz unzugänglich gemacht. Es hat ihnen also die
Beschaffenheit des Bodens %.und das clima am ersten einen
Character allmählich eindrucken können, welcher erblich
geworden ist.

/In Asien haben sich immer fremde racen eingemischet.
America muß nicht so lange bewohnt seyn, als nöthig wäre,
dieses Merckmal einzuätzen. Denn die Spanier finden es noch
ziemlich leer, %.und lauter neulich eingeführte Staats_Verfaßun-
gen. Doch bleibt es immer ein Rätzel, wie der Eindruck

/ der

/|P_89

/der Luft %.und der Sonne so auf die Africaner gewürcket haben
sollte. Da oft Misgeburten die zufällig erzeuget werden,
eine Ursache von gantz besonderen racen seyn können, wie das
Geschlecht des Baltingers, davon jeder 6 Finger hatte, %.und
wie vor einiger Zeit ein Mann in Engelland war, der mit
Stacheln wie ein Stachelschwein bedeckt war, %.und einen Sohn
mit eben solchen Stacheln zeugte, so kan auch ohngefehr ein
schwarzes Kind gezeuget seyn, woraus eine besondere race
entstanden, die gehaßt von den Weißen, sich anfangs in Wäl-
dern aufgehalten haben, %.und hernach mächtig geworden sind,
so daß sie die Weiße ausgerottet haben.

/In Aethiopien haben die Weiber eine natürliche Schürze wel-
che sie sich aber wegschneiden oder wegbrennen. Auf der In-
sel Mosa %.und Borneo giebt es Menschen, die Affen Schwänze ha-
ben. Bey uns sind die Riesen oder Patagonier merckwür-
dig. Ihre Größe ist 7 bis 8 Fuß. Zu Zeiten Maximilian_des_ersten
war ein Riese aus Tyrol gebürtig. Gemeinhin ent-
stehen sie zu unsern Zeiten durch Kranckheiten. Pigmaeische
Leute finden wir besonders in Lapland. Die klein aufgemach-
te Augen findet man auch in Neuholland. Einige wollen
solches dem fliegenden Staube zuschreiben, vielleicht
aber kan es auch schon in ihrer Natur liegen.

/Das Gesicht ist bey jedem Menschen als die expression seiner Ge-
sinnungen anzusehen, %.und seine Minen verrahten gemeinhin sei-
ne Gemüthsart. So zE. die Caraiben die auf den antillischen
Inseln wohnen, sehen sehr melancholisch aus, %.und sind auch in der
That tiefdenkend. Die Talente des Gemüths zeigen sich nicht
so gut bey andern, als bey denen Europäern. So zE. sind die
Negers überhaupt sehr dumm, %.und in ganz Africa haben sie noch
überdem ganz etwas Läppisches %.und Kindisches an sich. Sie sind
zE. so plauderhaft, daß ob sie gleich den ganzen Tag gearbeitet, sie
doch die ganze Nacht hindurch plaudern. Und ob gleich manche von

/ der

/|P_90

/der Sclaverey los sind, %.und auch etwas besitzen, so hat man doch
nie unter ihnen Männer wie unter andern Nationen gefunden,
die sich irgend worin hervorgethan hätten. Die im äußern Nor-
den scheinen den Negers in der Stupiditaet ziemlich gleich zu
kommen, als zE. die Samoieden.

/Die Nord-Americaner sind gar nicht lustig, sie sind alle ganz
ernsthaft, ja so gar ihre Kinder. Ihr Character ist eine gewiße
Kaltsinnigkeit %.und Trägheit, %.und sie scheinen das Gegentheil der
Europäer zu seyn.

/Die Americaner haben eine große Gleichgültigkeit, %.und der Eu-
ropäer übertrift sie alle an Muth. Es giebt in Siberien noch
einige Familien, die wie Tyger gefleckt sind.

/Die Riesen sind besonders in Patagonien anzutreffen. Die Nach-
richt aber, daß hier eine ganze Nation derselben anzutreffen sey,
ist noch nicht völlig gewiß. Sonst ist die Riesen Größe in unsern
Gegenden nichts anders, als eine Kranckheit, %.und sie ist jederzeit
mit einer großen Schwäche verbunden.

/Es haben einige Aethiopische Weiber eine besondere Schürze, die
am osse pubis befestiget ist, %.und bis über die Knie gehet. Sie schnei-
den sie aus Meynung des Übelstandes weg.

/Voltaire glaubet, daß gleich bey der Schöpfung jedes Land mit
seinen eigenthümlichen Einwohnern besetzet worden, %.und also nicht
alle Menschen von einem Stamm wären. Der Lappe wäre wie
das Rennthier, der Grönländer wie der Wallfisch seinem
Lande angebohren. So wäre auch Africa das eigenthümliche
Land der Neger, %.und America der kupferrohten Menschen. Dieses
aber ist ganz unmöglich.

/Wenn ein Mensch als ein neuer Weltbürger auf die Erde kommt,
so ist er noch unwißend, durch Künste %.und Werckzeuge sich zu er-
nähren. In unsern Gegenden kan man nicht anders als durch
den Ackerbau leben, wozu eine große Kunst %.und Erfindung
gehöret hat. Eben das kan man von ganz Europa sagen. Ob
darin wohl einige Früchte natürlich wachsen, als Aepfel, Birnen
u.s.w., so können diese doch nicht das Leben unterhalten, %.und fehlen

/ im ~

/|P_90R

/δZ_6

/Die verschiedene Stärke
%.und Spannung der Nerven
macht den Unterscheid
der Temperamente. ~

/|P_91

/im Winter. Überdem weiß man auch noch wohl die Zeit, da
alle diese Früchte nach Europa überbracht worden. In heißen
Weltstrichen findet man so viele nahrhafte %.und beständige Früch-
te noch jetzo, daß die Wilden im Walde sich davon nähren können.
Da findet man den Cocos_Baum, die Datteln, die Palmrinde, eine
unzählige Menge von Thieren. Es muß also der erste Stamm
nothwendig im heißen Weltstriche gewesen seyn, %.und die verschie-
denen Figuren der Menschen müßen Ausartungen von diesem Stam-
me seyn, wovon die besonderen Beschaffenheiten der Himmelsstri-
che Ursache sind. Die kleine Statur der Lappen kommt mit dem
nordlichen Himmelsstriche überein, in welchem alles kleiner
wird. Selbst um der Einheit willen muß man das menschli-
che Geschlecht von einem Stamm ableiten. Wenn man sich blos an
der Vernunft hält, so wird man in der Vorstellung der ersten
Menschen ganz blind. Wenn er so wie wir, keine Verbindung mit
einer himmlischen Macht gehabt hätte, so hätte er nicht leben
können. Von Natur hat der Mensch keinen Instinct sein Futter zu
unterscheiden, selbst zu gehen, oder irgend eine Gefahr zu unter-
scheiden. Er kennet die Früchte die zu seiner Nahrung dienen. Al-
les das aber muß er erst lernen. Hätte Gott dem ersten Menschen
die Kentniß aller dieser Dinge verschaffen, so müßte er diesen In-
stinckt durch die Zeugung fortpflanzen, %.und wir müßten ihn noch jetzt
haben. Es muß daher mit dem ersten Menschen ganz was außer-
ordentliches vorgegangen seyn, denn wenn er keinen gehabt hätte,
der ihn lehren könnte, so hätte er umkommen müßen. Es muß ihn
nothwendig eine Kraft, die von der Ordnung der Natur unterschie-
den ist begleitet haben.

/≥ Die Verschiedenheit der Menschen, in Ansehung der
Fähigkeiten, des Cörpers %.und des Gemüths
nach der Verschiedenheit des Bodens
%.und des climatis

/Alle wilde Nationen haben einen besondern Gebrauch der cörper-
lichen Gliedmaßen, zu solchen Handlungen, wozu Stärcke %.und Behen-
digkeit erfordert wird. Die Hottentotten laufen so schnell, daß sie
einen Haasen mit Händen greifen, %.und von einem Reuter schwer

/ einge- 

/|P_92

/eingeholet werden können. Die Indianer ebenfalls. Sol-
che Eigenschaften findet man bey Nationen, die wenig Werk-
zeuge haben, sich ihrer bey solchen Handlungen zu bedienen, %.und
sie zu erleichtern. Die Kunst hebt bey uns sehr den Gebrauch
der natürlichen Kräfte auf.

/Die Nordamericaner sind ebenfalls sehr schnell, aber halten
es nicht mit den Engeländern aus, weil sie schlechte Nahrung
haben. Eines Theils befördert es auch den Gebrauch der Glied-
maßen bey den Wilden, weil sie niemals fett werden, so wie
alle wilde Thiere, die unruhig, furchtsam %.und in steter Bewe-
gung sind. Im Schwimmen haben sie eine große Geschicklich-
keit, %.und werfen sehr genau mit Steinen nach einem gewißen
Ort. Sie haben eine große sinnliche Empfindung, so daß sie eher
das Feuer riechen, als ein Europäer den Rauch davon sehen
kan. Sie finden durch den Geruch den Brandwein im Hause, wenn
er gleichwohl verwahret %.und verschloßen ist. Sie können ein
Schif %.und die Nation darauf in der Ferne beßer erkennen, als
andere mit dem Tubus.

/Die Mutter von gesitteten Nationen hat immer künstliche
Mittel %.und Gehülfen ihr Kind zu warten, daher wird die Er-
ziehung des Kindes ziemlich gemächlich. Es wird getragen
%.und braucht sich nicht an der Brust der Mutter zu halten. Hin-
gegen muß das Kind bey denen Negers sich an der Mutter
halten, welche unterdeßen arbeitet. Es kreucht auf der
Erde herum, %.und lehret sich selbst gehen. Auf solche Weise stärcket
es die Muskeln von Jugend auf. Da die Eltern ziemlich früh,
sich nicht mehr vor seinen Unterhalt bekümmern; so muß
es ihn selbst suchen, %.und exerciret seinen Verstand, in der Erkent-
niß die dazu gehöret, sehr starck.

/Montesquieu hat besonders den Einfluß des Climatis auf
den Character der Nationen aufgesucht, %.und die Einrichtun-
gen der Gesetze davon hergeleitet. Hume wiederspricht ihm
%.und hält diesen Unterschied der Charactere vor zufällig.

/ Alle

/|P_93

/Alle Negers haben von den Weißen einen ganz verschiedenen
Character. Unter der unzähligen Menge die von America nach
Europa überbracht sind, %.und die man in allerley Künsten %.und
Wißenschaften unterwiesen hat, hat nicht ein einziger irgend
ein Talent zu Künsten oder Wißenschaften gezeiget, da
hingegen beynahe jeder Weißer doch zu etwas aufgelegt
ist. Es haben ferner alle Negers den Gemüths Charackter
des Läppischen an sich. Sie erfreuen sich an Kleinigkeiten,
%.und tanzen wie die Weiber. Sie sind bey der tiefsten Sclaverey
den Possen sehr ergeben, %.und es zeiget sich überhaupt bey ihnen
kein mänliches Wesen. Der Neger ziehet auch seiner Na-
tion die Weißen so vor, daß er bey keinem andern Neger
dienet, wenn er nur zum Weißen kommen kan. Ja wenn
die Negers in Jamaica, wo sie frey sind, mit den Enge-
länder zusammen ins Gefechte gehen, so fordern sie sich im-
mer Weiße zu Anführern, weil sie selbst den Mangel der
Klugheit %.und Tapferkeit bey sich fühlen.

/Ihren Aberglauben könnte man ihrer schlechten Regierungs-
art beymeßen, wenn sich ihre Regierungsart nicht auf ihren
Character %.und auf ihre Begriffe von Recht %.und Unrecht gründete.
Der Schwarze ist zum Sclaven gemacht, %.und verdienet jederzeit
einen Herren. Er befindet sich auch beßer, wenn der Weiße ihn
regieret, als wenn er sich selbst regieret.

/Die Einwohner in Asien, die sich durch ihre Gesichtsbildung
von den Persern %.und Arabern unterscheiden, besonders die India-
ner jenseit des Ganges haben eine ganz besondere Freyheit.
Sie sind von Anbegin der Welt Sclaven gewesen. Man kan im-
mer einen Europaeer gegen 10 dieser Indianer rechnen, da-
her haben die Portugiesen mit solcher Leichtigkeit ganz Indien
eingenommen. Die Tartarn sind immer ihre Meister gewe-
sen.

/Die Lappen hat Gustav_Adolph vergebens gesucht zum Kriege
zu gebrauchen. Die Chineser sind ebenfalls feige. Die Tartarn
haben sie beständig bezwungen. Sie erschrecken wenn man

/ sie

/|P_94

/sie hart anredet, sind daher auch sehr sittsam %.und poli. An Ta-
lenten fehlet es ihnen beynahe, so wie denen Negers. Sie ha-
ben in so vielen Jahrhunderten sich in den Wissenschaften gar
nicht hervorgethan, so daß kein einziger unter ihnen berühmt
worden, %.und man etwas von ihnen lernen könnte. Sie mahlen
aber nichts nach der Natur. Ihre imagination ist bourlesque.
Sie können keinen Zug, keinen Charackter in ihren Gemälden
ausdrücken. Sie haben auch keinen Geschmack an Europäi-
schen Kunstücken. Sie haben keinen andern Fleiß, als den
man beym Sitzleben %.und bey der Gemächlichkeit anwenden
kan. Der Chineser sitzet den ganzen Tag, mahlet entweder
baumwollene Tücher, oder arbeitet im Weberstuhl. Er ist
bey seinem Fleiß träge. So lange ihn nicht die höchste Noth,
oder der Geitz zur Arbeit treibet, so schlägt er die Füße
kreutzweise in einander, rauchet Toback oder schläft. Vom
Spazieren gehen hält er nichts. Diese Faulheit erstrecket
sich durch den ganzen heißen Weltstrich. Sie sind ausnehmend
geizig, %.und da sich dieses Laster auf alle erstrecket, so muß
ein gewißer fond dazu seyn.

/Der Indianer %.und der Türcke sind bis auf dem höchsten Grad
niederträchtig geizig. Keine Art des Gewinstes ist ihm
zu schändlich. In China ist der Betrug ganz offenbahr, %.und
wenn sie nur ihre Kasten angefüllet haben, so berauben
sie sich aller Gemächlichkeiten des Lebens. Alle diese
Nationen sind sehr bilderreich zE. in Räthseln ihre Weis-
heit einzuschließen, in Fabeln %.und in Sprüchwörtern zu reden.
Sie haben gar nicht die rechte Erkentniß der Wahrheit, %.und
den rechten Gebrauch der Vernunft. Don Juan mercket
an, daß die Creolen in Nord_Americka, schon in dem 12
Jahre große Genies zeigen, aber dieses sey auch der
höchste Punct ihrer Vernunft, %.und weiter können sie nicht.
Es scheinet als wenn alle Nationen eine gewiße Grenze der
Vernunft hätten, über die sie nicht kommen können, %.und daß
diese Grenzen nach den verschiedenen Climaten verschieden seyn.

/ Die

/|P_95

/Die Rußen werden vermuthlich nicht höher kommen, als sie
jetzt sind. Da sie jetzt alle Vortheile haben, sich in den Wißen-
schaften hervorzuthun, so bringen sie es doch nicht höher.

/Die Spanier haben mehr Talente als sie bisher gezeiget, denn
zuweilen thut sich doch ein großer Geist unter ihnen hervor.
Die Regierung hindert das Wachsthum ihrer Geschicklichkei-
ten.

/Die Pohlen haben ein ganz besonderes Naturell. Sie haben
eine leichtsinnige Denckungsart, %.und scheinen gar nicht zur
Ausführung großer Wercke aufgeleget zu seyn. Die Wißen-
schaften steigen auch bey ihnen nicht höher, %.und ihre Bered-
samkeit bleibt immer bey der Allmächlichkeit.

/Die ganz verschiedenen Gesichtszüge der Nationen, scheinen
Zeichen ihrer verschiedenen Charactere zu seyn. Der Neger
ist voll von Aberglauben, von dem er nicht abläßt, wenn er
auch in andere Länder verpflanzet wird. Viele Nationen
haben einen besondern Hang zur Wollust, besonders in dem
heißen clima. Daß man die nordlichen Nationen besonders
die Rußen in diesem Verdachte gehabt, kommt von übelen Kranck-
heiten unter ihnen her, welche aber eines Theils Folgen
ihrer Unsauberkeit sind.

/Die Südlichen Nationen müßen ihre Weiber immer einsper-
ren, weil sie sich sonst ohne Zurückhaltung den Ausschwei-
fungen überlaßen möchten. Die Natur, die do«t»rt alles eher
zur Reife bringet, wo es schon Mütter von 9 Jahren giebt,
scheint diese Leidenschaft bey ihnen zu einem höhern Grade
zu treiben.

/Die Regierungsarten der Länder sind verschieden; doch
sind die sittlichen Empfindungen %.und die Urtheile über
die Moralitaet bey allen Nationen eben dieselbe.

/Alle Menschen sehen die Unwahrheit, die Lieblosigkeit, die
Verletzung der Freundschaft, die Lügen, die Verläumdung %.und
andere Laster als verhaßt an.

/Die Hottentotten haben einen solchen Abscheu vor den Lügen

/ daß ~

/|P_95R

/δZ_4

/Siehe pag. 296 ~

/|P_96

/daß sie noch beständig ein Liedgen singen, weil ein Hollän-
der, der, als diese Nation in ihrem Lande ankahm, einem Ein-
wohner eine Rolle Toback zu tragen gab, %.und ihm Brodt dafür
versprach, aber ihm hernach keines gab: In diesem Liede sin-
gen sie beständig: Er versprach ihm Brodt %.und gab ihm doch
kein Brodt.

/Die Nordamerikaner halten die Verträge, die William Pen
als er Colonien bey ihnen anlegte, mit ihnen errichtete,
%.und einen Strich Landes abkaufte, bis auf den heutigen
Tag ganz heilig.

/Die Heydemacken die vom Raube leben, halten den Raub
nicht vor erlaubt, sondern er rühret bey ihnen von einer
Meynung her, daß Fremde sie beleidiget hätten. Unter ihnen
selbst trift man keinen einzigen Dieb an. Daß viele
wilde Nationen besonders in den Austral_Ländern ganz
entsetzlich stehlen, muß einen nicht befremden. Sie sehen
andere Menschen, wie ein Wild das andere an, sie glauben
daß sie alle geraubte Sachen gefunden hätten, indem sie
nichts vom mühsamen Erwerben wißen. Unter sich selbst
stehlen sie auch nicht.

/An der Küste von Guinea ist der Gebrauch, daß, wenn je-
mand dem andern etwas schuldig ist, der Gläubiger dem
ersten, dem besten, den Werth von der Schuld wegnimmt,
%.und ihn auf seinen Schuldner verweiset, dieser ersetzt sei-
nen Schaden bey einem andern, %.und so wird die ganze Na-
tion aufrührig gemacht, bis es endlich auf den Schuldner
kommt, der wenn er nichts hat, zum Sclaven verkaufet wird.
Auf diese Art bleibt das Eigenthum eines jeden sicher. Die
grausame Rache der Indianer an ihren Feinden, kommt von der
Nothwendigkeit her, sich ihnen furchtbar zu machen, weil
ihnen der Schutz einer Obrigkeit mangelt.

/Man weiß nicht, ob die Regierung eine Folge von dem Cha-
rackter der Nationen, oder der Charackter eine Folge von
der Regierung sey, doch ist es natürlich, daß eine Nation die

/ eine

/|P_97

/eine Regierung unter sich aufrichtet, sich nach ihrer Neigung
%.und nach ihren Charackter darin richten werde, %.und daß diejenigen,
die das Volck regieren, es nach seiner Gemüthsbeschaffen-
heit regieren werden. In Asien können sich die Einwohner kei-
nen Begrif von einer freyen Regierung machen. In Europa
siehet man noch immer, auch unter der Dienstbarkeit einen
Schatten von Freyheit. Die Regierung ist auch niemals so stren-
ge. Der Einfluß von dem allgemeinen Geist der Freyheit - 
macht, daß die Regenten selbst denen Unterthanen immer ge-
wiße Rechte einräumen.

/Die Türcken haben einen besondern Gemüths_Charackter, der
keine andere Regierung als die jetzige ist, verstattet. Sie sind
melancholisch, ernsthaft %.und scherzen niemals. Da die melancho-
lischen Gesinnungen mit Zwietracht %.und Empörung schwanger
gehen, so ist ihre Regierung auch unruhig %.und gefährlich.

/Es haben einige geglaubet, daß das Bestreben nach Freyheit und
die Tapferkeit bey denjenigen Völckern anzutreffen sey, die viel
Fleisch äßen. Daher wären die Teutschen %.und Engeländer so tapfer.
Doch aus dem Kraut %.und den Wurzeln wird eben so wohl ein Nah-
rungssaft praepariret, als aus dem Fleische, nur daß das Fleisch
mehr davon enthält, %.und die Früchte also im größern Maaße
müßten genoßen werden. Die Schweden, Spanier, Franzosen
haben viel Muth, %.und eßen doch wenig Fleisch.

/Es liegt die Aufnahme der Künste %.und Gewerbe ja der Sitten,
sehr an den Dingen, die zur cörperlichen Natur gehören. Alle
Länder, die keine Hausthiere haben, können nicht regieret
werden. In gantz America außer Mexico %.und Peru giebt es
keine Regierung, weil es kein Hausvieh giebt, die Europäer
fanden weder Pferde, noch Schaafe, noch Schweine, noch Hunde.
Die Einwohner wußten nichts vom Acker, von einer Hand-
thierung, noch von sonst etwas, was zum Hauswesen gehöret.
Sie hatten alle so viel zu thun, daß sich ein jeder selbst nähren
konnte. In diesem Zustande kan keiner den andern unterdrücken,
es kan auch keiner faullenzen, um andere vor sich arbeiten
zu laßen, welches bey Regierungen geschiehet. Wenn der

/ Mensch

/|P_98

/Mensch Hausthiere hat, so kan er sie nur in einer gewißen
Gegend nähren, er muß sich einen Platz dazu umzäumen, %.und
auf einer Stelle bleiben. Als denn aber um der Sicherheit
willen, mit seinem Nachbaren in Societaet treten. Diese
aber können durch nichts anders als durch Gesetze %.und Regie-
rungen gesichert werden. Daher werden alle Nationen, die
Hausthiere haben, beherrschet. Doch sind diejenigen am frey-
esten, die nichts als Pferde haben. Das Pferd findet weit eher
an irgend einem Orte sein Futter, auch kan der Mensch leicht da-
mit von einem Orte zum andern kommen. Er würde gantz
frey seyn können, wenn das Pferd nicht eine eingeschränckte
Weide haben müßte, %.und es nicht wäre, daß er sich deßen durch
eine Societaet versichern müßte.

/Die Tartarn haben beynahe eine gesetzenlose Regierung, weil
sie nichts als Pferde haben. Weniger frey sind diejenigen, die
Rindvieh haben. Da dieses Vieh so nützlich ist; so legt sich der Mensch
desto mehr darauf. Er muß daher immer an einem Orte blei-
ben, weil dieses Vieh langsahm ist, %.und auch gute Weide haben muß.
Dieses ist die faulste Lebensart, %.und die Menschen können darin auch
nicht sehr gedruckt werden.

/Der Ackerbau ist das Siegel der Sclaverey. In allen Ländern
wo man diesen nötig hat sind Unterdrückungen. Von der Zeit
der Erfindung deßelben an, kan man den Unterscheid des Her-
ren %.und des Knechts, des Königes %.und des Unterthanen machen.
Da man bey dem Ackerbau auf einer Stelle fest ist, %.und das
Eigenthum deßelben große Sicherheit bedarf, so sind Societaeten
dazu nötig, %.und man muß sich als denn zu einer strengen Beobach-
tung der Gesetze verstehen.

/Egypten scheinet das rechte Land der Sclaverey zu seyn, weil die
Abtheilung der Länder %.und die mühsame Bewäßerung der Äcker
so viel Arbeit erfordert, %.und weil die Einwohner gar nicht von
dem Fluße weichen können, von dem sie allein das Waßer
bekommen.

/ Von

/|P_99

/≥ Von der Verschiedenheit der Menschen, die
aus ihrer Willkühr entspringet.

/1.

/Von den Veränderungen des Cörpers. ≤

/Die mehresten wilden Nationen haben einen Geschmack an
langen Ohren, besonders die Nordamerickaner, die Brasilianer,
in Ost-Indien, in Arrackan, in Siam. Sie schneiden sich die Knorpel
über dem Ohrläppgen aus, %.und hangen in das Loch Gewichte %.und aller-
ley Zierrahten, welche mit der Zeit die Ohrlappen beynahe bis
auf die Schultern herabziehen. Sie hängen sich besonders gefärb-
te Schlangenhäute, Korallen, Muschelschaalen, Metalle p hinein.
Wenige Nationen künstlen an der Nase. Die Hottetotten
drücken den Kindern die Nase ein, %.und kommen der Natur
dadurch zu Hülfe, die ihnen schon ohnedem eingedruckte Na-
sen verliehen hat. An den Küsten von Malabar, bey den
Arabern am rohten Meere p. tragen besonders die Weiber
Nasen Ringe, die bis über den Mund hängen. Am Fluß Ga-
bon stecken sich die Einwohner hölzerne Zapfen durch die Na-
se. Die Arabischen Weiber machen sich die Nägel roth %.und die Lippen
blau. Die Brasilianer, besonders die Tapuias machen sich ein
Loch unter der Lippe, %.und legen einen grünen Stein herein.
Dieses Loch wird so groß, daß sie 2 Mäuler zu haben scheinen. Die
Americkaner künstlen an der ganzen Figur des Kopfes. Die Ca-
raiben drucken ihren Kindern vermittelst bleyernen Pla-
ten die Stirne %.und die Knochen über den Augen so ein, daß
die Augen aus dem Kopfe ganz heraus stehen, %.und sie ohne
alle Mühe über sich sehen können. In Nord-Americka for-
miret eine Nation ihren Kindern die Köpfe, so wie Zucker-
hüte, die daher Spitzköpfe heißen. Andere Völcker, die Ohnköpfe
drucken sich den Kopf so tief in die Schultern, daß er an die
Brust angewachsen zu seyn scheinet, %.und die Schultern darüber
hervorragen.

/An dem Müßippi_Strohm zerfetzen sich die Einwohner den
ganzen Leib, %.und reiben ihn mit Farben ein. Die Tungusischen
Tartarn nehen ihren Kindern das Gesicht mit blauem Zwirn

/ aus.

/|P_100

/aus. Dieses war sonst nur bey ihnen Ehre vor die Helden. Die
Hottentottischen Weiber schmincken sich das Gesicht mit 6 Strichen
von rohter Kreide.

/Einige Nationen zwingen die Füße zu einem gewißen Wuchs.
Die Cyrkaßischen Weiber machen ihren Kindern hölzerne Schue,
in welchen der Fuß nicht wachsen kan.

/Die Chineserinnen schnüren die Füße so ein, daß sie nicht grö-
ßer sind, als sie bey uns die Kinder von 3 Jahren haben. Daher
sind sie immer ungesund %.und können nicht gehen. Die Hottentotten
bilden sich ein, daß ein Mensch mit 2 testiculis Zwillinge
zeuge. Dieses zu verhindern schneiden sie schon den Kindern
im 8ten Jahre eines davon aus, %.und stopfen an deßen statt eine
Kugel von Schaafsfell hinein.

/Die Einwohner von Tunquin %.und einige auf den Phillippinischen
Inseln färben sich die Zähne schwarz, weil sie glauben, daß
die weißen Zähne für die Thiere gehören. Sie bedienen sich dazu
eines Safts vom Firnißbaum, der ein wahres Gift ist.

/Die Czakozi machen sich Löcher in den Backen %.und stecken sich
Wallroßzähne hinein, wie ein paar Schweinshauer. Die Ein-
wohner von Borneo setzen sich goldene Zähne hinein, oder über-
ziehen sie nur mit einem Goldblech.

/ ≥ 2.

/Von den verschiedenen Nahrungsmitteln
der Nationen

/Viele Nationen leben bloß von vegetabilibus. Die India-
ner vom Reiß, von Cocosnüßen, von BarbusRöhr p. Der
Reis ist das vornehmste Nahrungsmittel von ganz Ostin-
dien; In Egypten %.und im Obertheil von Arabien, die Datteln.
Die Nord-Americkaner haben den Maitz oder Türkischen
Weitzen, den sie rösten %.und zermalmen. In Süd-Americka
ist die Wurzel Manenck das vornehmste Nahrungsmittel.
Es wird aus derselben zuerst der Saft ausgepreßet, der
giftig ist, alsdenn wird sie geröstet, zermalmet %.und das Mehl
heißet Cassive. Die Indianer thun mit einer Handvoll da-
von eine gute Mahlzeit. Ganze Nationen besonders

/ die

/|P_101

/die Brasilianer, die Nord-Amerikaner leben von der Jagd.
In Asien lebt keine Nation davon allein. Von der Fischerey
lebt der Grönländer einzig %.und allein, auch die Einwohner an
der Straße Davis, die Samojeden %.und alle Einwohner am Eis-
meere. Viele Nationen leben von einer oder der andern
Zucht der Hausthiere, die Tatarn leben allein von den
Pferden. Ihre Milch säuren sie %.und ziehen einen spiritum aus,
der ihnen zum Brandwein dienet.

/Von den Rennthieren leben die Lappen ganz allein. Ohne
diese Thiere würde ein Land das keine Früchte hervor-
bringet, ganz Wüste seyn müßen. Sie freßen ein sehr kur-
zes Moos, das in den Eisgebürgen anzutreffen ist, %.und wel-
ches sie unter dem Schnee hervorklauben. Das Rennthier
macht dem Lappen sein Haus, Hof, Kleider, Fahrzeug,
kurz alles aus. Manche arabische Nationen freßen die Heu-
schrecken zur Wiedervergeltung, wenn diese ihnen ihr
Land von allen Früchten entblößet haben, denn in Arabi-
en ist der wahre Sitz der Heuschrecken.

/Die Menschen denen die Natur ohne ihre Bemühung ihre Nah-
rung ertheilet, bleiben in einer großen stupiditaet. Sie
muß etwas karg gewesen seyn, wenn die Menschen sich durch
Fleiß %.und Künste hervorthun sollen. Die Fruchtbarkeit von
Pohlen, ist an der Faulheit seiner Einwohner Schuld. En-
gland, Franckreich, Deutschland p. welche nicht so gesegnete
Länder sind, sind durch den Fleiß der Menschen reich %.und blü-
hend.

/Einige Nationen, die Bewohner von Labrador %.und in der Hutsons-
bay trincken Seewaßer. Sonst ist das süße Waßer das ge-
wöhnlichste Geträncke. Der Wein ist nicht ein natürlicher
Tranck, sondern gehöret unter die künstlichen, indem er
gähren und in Fäßer gefüllet werden muß. Die Geschick-
lichkeit, die vegetabilien durch die Gährung %.und Preßung
zum geistreichen Geträncke zu machen, ist nur in der Zo-
na temperata möglich, wo sie allein in die geistreiche
Gärung treten.

/In der Zona torrida wächset vortreflicher Wein, er tritt

/ aber

/|P_102

/aber bald in die Säure und hernach in die faule Gährung. In
Franckreich ist Wein mit Waßer das gewöhnlichste Geträn-
cke. In Norden gehört der Wein schon unter die seltenern.
Hingegen hebt hier der Gebrauch des Bieres an, welches
besonders Deutschland eigenthümlich ist.

/In Africa, in Indien läßt man einen Saft vom Palmen-
baum gähren, der aber innerhalb 24 Stunden muß aus-
getruncken werden.

/Vom Reiß wird der Arrack %.und von den Zucker-Röh-
ren der Rum abgezogen. Die Tatarn ziehen von der
gegohrene Pferde_Milch einen Brandwein ab, thun
auch manchmal Hürse_Grütz dazu. In China zieht man
sie über Schöpsen_Fleisch ab, wodurch der Brandwein ungemein
stark wird.

/Je roher die Nationen sind, desto mehr trachten sie nach rau-
schenden Sachen; der Brandwein ist ein von den schädlichsten
Geträncken. Er rottet als ein Gift ganze Völckerschaften aus.
In Siberien hindert er nicht nur die propagation; sondern
befördert auch die venerische Kranckheit. Die Negers wißen dar-
in kaum Maas zu halten, %.und saufen sich oft auf der Stelle
zu todt. Eine Menge Sclaven wird um Brandwein von ihnen
verkauft. Sie sind seit dem sie das Geträncke kennen nicht
mehr so starck %.und behende auf der Jagd, %.und es ist deswegen
ein ansehnlicher Mangel an Peltzwercken. Der Brandwein
thut auch bey ihnen viel gewaltigere Wirckungen als bey den
Europäern, weil ihre Fasern reitzbahrer sind.

/Das zweyte Mittel in den heißen Ländern sich zu berauschen
ist das opium, welches noch schädlicher als Brandwein ist,
%.und bey dem Rausche noch abzehret. In geringer Quantitaet
macht es dem Menschen lustig, äußerst zufrieden, %.und zu den
grösten Schmerzen ganz unempfindlich. Es macht das Blut
sehr flüßig, welches sich in die kleinesten Gefäße drengen
%.und ausdehnen kan. In größer Portion genommen, macht

/ es

/|P_103

/es wütend %.und eingebildet tapfer. Daher die Türcken es ehe-
mals einnahmen, als sie ins Treffen giengen. Doch bald dar-
auf folget eine sehr große Mattigkeit. Die Natur gewöhnt
sich sehr bald an das opium, so daß man deßen Gebrauch her-
nach mit Gefahr des Todes unterläßet. Von diesem opio wird
in Indien an dem Hofe des großen Mogulls ein Tranck
zubereitet, um einen Prinzen, der vom Throne ausgeschloßen
werden soll, langsahm daran sterbend zu machen. Wo das
opium nicht angetroffen wird, da hat man eine Art von
weiblichen Hanf, deßen Saft sehr rauschet.

/ ≥ Von den Kleidern %.und Wohnungen

/In China sind wegen der häufigen Seide, die seidenen Kleider
sehr üblich. In Europa gegen Norden zu, trug man wegen der
häufigen Jagd ehemals Thierhäute. Hernach kamen bey der
Schaafszucht die wollenen Kleider auf, %.und endlich die Kleider von
Leinen. In Indien %.und Africa wo die Baumwolle wächset, hat man
baumwollene Kleider. Sonst gingen die Einwohner nackend
%.und machten sich Schürzen von Federn.

/Die Häuser der Indianer bestehen aus Baumrinden. Die Cal-
mucken haben Zelte aus Filtz, die sehr warm sind. Bey allen
wilden Nationen sind Pfeile %.und Bogen üblich. Die Americaner
hatten sonst hölzerne Säbel, von sehr harten gebrannten Holtz, wo-
mit sie verwunden konnten.

/ ≥ Vom Geschmack der Nationen

/Der Geschmack bezeichnet eben so wohl den Charackter ande-
rer Menschen, als andere Eigenschaften. Der Geschmack entstehet
weder durch die Anstrengung der Vernunft, noch durch die Er-
wegung des Nutzens, sondern man ziehet dabey, durch ein bloß
sinliches Empfindungs_Urtheil eine Sache der andern vor. Der
Geschmack der Augen über die Schönheit, ist bey allen Völckern
nicht einerley. Bey den Griechen scheint er wohl am allervoll-
kommensten gewesen zu seyn, welches man aus der Regelmäßig-
keit ihrer Bildhauerkunst %.und Baukunst siehet. Die Gebäude der

/ Chineser ~

/|P_103R

/δZ_10

/Siehe pag. 165 vom weiblichen Hanf. ~

/|P_104

/Chineser, Indianer, Egypter, verräthen keinen Geschmack, ob
sie gleich groß sind. Die Chineser haben überhaupt keinen Geschmack,
auch nicht in der Schönheit des Leibes. Gantz kleine Augen, eine
große Stirn, ein dicker Bauch, ein starcker Bart, machen bey
ihnen einen schönen Mann aus.

/Viele andere Nationen scheinen einen übelen Geschmack zu
haben, weil sie roh %.und wild sind.

/Der Geschmack des Gehörs äußert sich besonders in der Mu-
sick. Alle Nationen haben Musick, doch ist sie nach ihren verschie-
denen Charackteren verschieden. Der Türcke hat eine solche
melancholische Musick, daß der Europaer sie nicht hören kan. Aus
der Spanischen Musick erkennet man das Gravitaetische der Na-
tion. Der Pohlnische Tantz fänget sich gravitaetisch an, endiget sich
aber läppisch, %.und dieses ist auch der Charackter der Pohlen. Aus
den Englischen Tänzen siehet man ihre ausgelaßene %.und wilde
Lustigkeit. Die Chineser können keinen Geschmack an der Euro-
päischen Musick besonders an der Menge der Instrumenten
finden. Sie kennen die Harmonie in der Musick, aber so
wenig, als in der Baukunst. Franzosen %.und Italiener haben
wohl den mehresten Geschmack. Die Engländer wenig, ob sie
sonst wohl viel Vernunft %.und Richtigkeit in Urtheilen besitzen.
3. Der Geschmack des Gaumens ist bey den Nationen auch sehr
verschieden. Die Caraiben %.und Grönländer genießen kein Saltz.
Der Eckel ist oft nur eingebildet, %.und kommt nicht auf den Gaumen
an. Oft können wir Speisen oder Geträncke durch recommendation
wohlschmeckend finden zE. der Caviar, die Austern p. Der «Geschmack»
Eckel entstehet durch den eigentlichen Geschmack %.und Geruch, doch
kan er auch sehr durch Nebenbegriffe erreget werden. In der
Tartarey %.und in China ist ein Pferd das beste Gerichte. Auf dem
Chinesischen Marckte siehet man Hunde, Katzen, Ratzen und
Eulen herumtragen.

/In Norwegen aß man bis zur Christlichen Religion Pferde
Fleisch, wo es der Pabst erst untersagte. Jetzt haben die dortigen
Einwohner einen eben so großen Eckel davor, als wir. Die
Indianer laßen die Fische faulen, ehe sie sie eßen, %.und von gefaul-
ten Krepsen machen sie eine Art von Zoya, deren Gestank sonst

/ die

/|P_105

/die Ratzen verjagt. Sie käuen ferner den gantzen Tag Betel-
blätter mit arekang, die einen zusammenziehenden Geschmack
haben, so wie die Matrosen den Taback.

/Die Hottentotten eßen die Gedärme des Viehes, mit dem was da-
rin ist zusammen, %.und braten sich die Häute, ja auch in der Noth die Schu-
sohlen. Die assa foetida (Teufelsdreck) ist ein Lieblingsgeruch
vor die Indianer, ja sie backen ihn ins Brodt. Der Kuhmist ist der
Balsam der Hottentotten, worin sie ihre Kinder herumwälzen,
%.und es hernach an der Sonne recht einziehen laßen.

/Einige Chineser zerdrucken die Wanzen, %.und halten sie mit großer
Wohllust an die Nase. Unter allen Wilden ist das weibliche Geschlecht
in der tiefsten Sclaverey, ob es gleich bey ihnen von größerer Impor-
tanz ist, als bey gesitteten Nationen. Im Orient herrschen die Wei-
ber vom Innersten ihres Gefängnisses aus, %.und nur aus Jalousie
werden sie ins Serail gebracht. Die Nationen die den Geschmack
am feinsten excoliret haben, laßen auch die Weiber herrschen,
%.und wo der Geschmack am größesten ist, herrschen sie bis zu der Ver-
achtung der Männer.

/ ≥ Von den Thieren. ≤

/Es sind ehemals vermuthlich alle Thiere wild gewesen, %.und die je-
tzigen Hausthiere haben durch die Ku«st»nst dazu müßen gebracht wer-
den. Das erste Hausthier ist das Pferd; in Numidien ist daßelbe
in der größten Vollkommenheit, von schönem %.und stolzen Bau. Die
arabischen Pferde haben mit ihnen einerley Tugend, doch nicht eine
solche schöne Figur. Sie haben aber noch diesen Vorzug, daß sie sehr
wenig freßen, viel ausstehen können, sehr flüchtig %.und dabey so
zahm sind, daß der Reuter sich schlaffen legen kan, %.und das Pferd sich
dennoch nicht von ihm entfernt.

/In Arabien %.und in Mauritanien giebt es nicht einen Menschen- 
sondern einen Pferde-Adel. Man hat hier Pferde, die ein schrift-
liches Stammregister von 300 Jahren haben, da es denn von einem
Pferde entspringet, was ein Nachkommen des Mahomets, oder
ein berühmter Held p. geritten hat. Eine solche edle Stute wirft

/ in

/|P_106

/in Gegenwart des fürstlichen Secretairs, %.und es wird alsdenn
ein Zeugniß mit der Unterschrift des Fürsten, von der rechten
Abstammung des Füllen ausgefertiget. Es werden solche
Pferde öfters mit 10.000 %Reichsthaler bezahlet.

/Der Grund der Araber hievon ist ganz richtig, denn wenn sich nur
nicht solche racen miteinander vermengen, so kommen immer
Nachartungen darin vor.

/Das dänische Pferd ist dauerhaft, stark %.und schön, %.und dienet sehr gut
zu Kutsch_Pferde. Die Neapolitanische sind auch gute Kutschpferde
werden aber leicht tückisch %.und wild. Die Englischen Pferde sind
wohl unter den Europäischen, die berühmtesten. Sie sind flüchti-
ger als die Barbarischen, welche Barben heißen. Diese laufen
im Wettrennen ohne Reuter nicht so stark, als die Englischen
mit dem Reuter. Denn diese legen in einer Secunde 60 bis
61 Fuß zurück, die Barben hingegen nur 56 bis 57 Fuß. Ein
Englisches Pferd hat einstens 80 Fuß in einer Secunde zurück-
geleget. Die Spanischen Pferde sind flüchtig, halten aber nicht lan-
ge aus. Das Tartarische Pferd ist dauerhaft, %.und nimt mit schlech-
tem Futter vorlieb.

/Das Zebra, welches einige, wie wohl falsch, den Arabischen Wald-
Esel nennen, da dieser noch besonders vorkommt, hat mit dem Pfer-
de die größte Aehnlichkeit. Es ist nicht völlig so groß; hat Esels-
Ohren, %.und gelbe %.und braune Bandstreifen um den ganzen Leib. Es
wird selten gezähmet, %.und ist im Innersten von Aethiopien und an
dem capo bonae spei anzutreffen.

/Der Esel ist ehemals mit mehrerer Achtung begegnet worden,
als jetzt. Er ist auch eines von den nützlichsten Thieren. In
Spanien kostet ein guter großer Esel noch einmal so viel
als das schönste Pferd, weil von ihm mit einer guten Stute
begattet, ein großer Maulesel entspringet. Der Maulesel
hat die Eigenschaft, daß er sich nicht fortpflanzet, sondern immer
gezeuget werden muß. Der Esel artet bey uns aus, %.und wird
viel kleiner. In Egypten %.und Candia giebt es wilde Esel (onager)

/ die

/|P_107

/die immer einerley Farbe haben, %.und schlancker sind als die Zah-
men. Die Eselshaut wird besonders in Persien zu chagrin
verarbeitet. Man macht die Haut erst auf eine gewiße Art
weich, streut alsdenn harte Senfkörner hinauf, %.und preßet sie, wodurch
man sie so scharf %.und spitzig macht.

/Unter den gespaltenen Thieren ist 1lich das Rindgeschlecht. Die-
ses begreifet in sich a.) den Bullen. b.) die Kuh. c.) den Ochsen wel-
cher ein geschnittener Bulle ist. In Africa hat das Vieh eine gantz
andere Gestallt. Es hat einen Höcker auf dem Rücken. In Asien
aber scheinet es recht zu Hause zu seyn. In Americka war
vor der Ankunft der Europäer keines anzutreffen. In Europa
sind die Ungarischen, die Englischen p Ochsen am berühmtesten.
Die Englische %.und Holländische Butter %.und Käse sind vorzüglich schön,
im gleichen der Parmesan Käse, der in Mayland gemacht wird.
Das Hamburgsche %.und Irrländische Peckelfleisch ist in der Welt
am bekantesten. Der Handel mit Häuten ist aus Pohlen her,
am stärckesten. Die Lütticher, Englischen %.und Königsbergsche Sohlen
sind die besten. Die Engeländer allein wißen aus der innern Haut
des Ochsendarmes die Blätter zu machen, zwischen denen das
Geld geschlagen wird.

/Der Auer_Ochs ist ehemals in Deutschland häufig gewesen. Allein
als die Wälder ausgehauen worden zog er sich nach Pohlen, von da
nach Litthauen %.und endlich nach Rußland.

/Das Schaaf ist das nützlichste %.und zahmste Hausthier. Sein Balg
ist die erste Kleidung der Menschen gewesen. Die Europäer trafen
es in America nicht an, aber sie fanden an deßen Statt in Peru
%.und Mexico ein Schaafs_Camel oder Kamelziege an. (Wikunna)
Es siehet einem Schaafe sehr ähnlich, ist jedoch etwas größer,
zugleich ein Lastthier, %.und hat eine sehr feine braune Wolle,
welche die Spanische übertrift, %.und am mehresten in den Hüten,
statt Biber_Haaren gebraucht wird.

/Es giebt viele Schaafe mit 4 Hörnern. In Corsica trift man wel-
che mit mehrern an. Die Spanischen Schaafe sind wegen ihrer Wol-
le am berühmtesten, besonders ist die Wolle von Gegovia bekannt,

/ wo

/|P_108

/wo die beste zu Marckte gebracht wird. Die Spanischen Schaafe
sind der Stamm von dem Englischen, %.und man muß noch bis jetzt
die racen immer durch Spanische Widder renouiren. Die Schwe-
den haben auch Spanische Schaafe herüber kommen laßen, wel-
che aber wegen des kalten climatis %.und schlechten Futters
gantz ausgerottet sind, %.und Haare statt Wolle tragen. So geht
es mit allen Schaafen, die in Norden sind. Es wird von ihrer
groben Wolle ein grobes Tuch (Wollmar) gemacht. Aus Island
wird viel geräuchertes Schöpsen %.und Schaafsfleisch ausgeführet.
Hier trift es sich oft, daß die Schaafe sich niederlegen %.und gantz
verschneyen, wo der Eigenthümer dieses einzige Mittel hat,
sie wieder zu finden, daß der sich niederlegt, %.und siehet, wo ein
Rauch aufsteiget. Das ist gemeinhin der Ort, wo sie liegen.
In Arabien %.und im Marockanischen giebt es ein Schaaf mit einem
solchen breiten %.und langen Schwanz, der den vierten Theil von sei-
ner Länge beträgt. Er ist das delicateste vom ganzen Schaaf,
%.und man legt ihn gemeiniglich auf ein Karrchen, daß er desto
beßer bewahret werde.

/Das Bocks Geschlecht ist ein hartes %.und unruhiges Thier, brauchet
aber wenig Sorgfalt. Der ungarische Bock ist eine Art von Ziege,
welche fleckigte %.und glänzende Haare hat. Eine Menge von Leuten
beschäftiget sich bloß damit, dieses Haar zu Garn zu spinnen,
das alsdann unter dem Namen des Kamel Garns, von der Be-
nennung der Ziege Cameel nach Europa gebracht wird.

/Corduan ist eigentlich aus Ziegenleder gemacht, %.und entweder
in Cordua erfunden, oder wird doch daselbst sehr häufig gemacht.

/Der Steinbock hält sich nur auf den Gebürgen im Schnee auf.
Er kommt sehr wenig in die niedern Gegenden %.und nähret sich von
Moos. Wenn er vom Jäger bis auf die Felsspitzen verfolget wird,
%.und er ihm nicht ausweichen kann, so thut er aus desperation
auf den Jäger einen Sprung, wo entweder dieser oder er
selbst herunter stürzen muß. Sein Geweyhe ist, wenn er den
Kopf zurückleget, beynahe so lang als er selbst.

/ Die

/|P_109

/Die Gemse hat ein gerades Hörnchen, das oben kurz gekrümt
ist, %.und womit sie sich herunterwärts anhackt. Sie komt schon in nie-
drige Gegenden.

/Die Gaselle ist in Africa %.und Arabien sehr beruffen. Sie sieht sehr
sanftmüthig aus, %.und hat ein paar schöne große Augen. Man jägt
sie gewöhnlich mit zahmen Leoparden.

/Der Muscus Bock oder das Bisam Thier ist in Ost-Indien berühmt
überhaupt in allen Ländern jenseit des Lomostrohms %.und des Gen-
nesey. Es trägt seinen wohlriechenden Saft in einer äußern haarig-
ten Blase, welche anfangs so starck riecht, daß man Nase bluten
davon bekommt. Das Fleisch ist wegen des Geruches gar nicht zu ge-
brauchen. In Americka giebt es ein Muscus-Schwein, das einen
ähnlichen Saft hat, der aber ienem doch nicht beykomt.

/Die Bezoar-Ziege. Von dieser kommt ein Stein, der in der Gallen-
blase erzeuget wird, %.und daher nennet man jeden Gallen Blasen-
Stein Bezoar. Es giebt 1.) den Schwein-Hirsch Bezoar. 2.) Das
Stachelschwein Bezoar. 3.) Den Affen Bezoar. Alle diese B...,
von denen manche so groß als Muskat_Nüße sind, führen eine ge-
wiße Bitterkeit mit sich, die sich in Wein extrahiren läßet.
Man glaubt diese extraction sey vor alle faulende Fieber gut.
Ehemals bezahlte man einen solchen Stein oft mit 100 %.Reichsthalern. Jetzt
ist sein Ansehn sehr gefallen.

/In Guinea giebt es ein blasgelbes Böckgen, welches wenig größer
als ein Kaninichen ist, %.und welches über eine Mauer von 12 Fuß
hoch fortspringet. In Surinam giebt es kleine Hirschen, die so
groß wie Haasen %.und sehr niedlich gebauet sind. In neuern Zei-
ten hat man in der Gegend von Siberien das ZiegenEinhorn
entdeckt, welches ein Bockshorn vor der Stirne hat. Das Ein-
horn der Alten welches wie ein Pferd gestaltet seyn soll, ist
nicht in der Welt. Es hat vielleicht der große Seefisch (Narwall)
mit einem gewundenen Zahn, von 6 bis 7 Fuß Anlaß zu dieser
Erdichtung gegeben.

/Das Camelopard welches einen langen Hals hat %.und fleckigt
wie ein Parder ist hat Ziegenhörner.

/ Der

/|P_110

/Der Hirsch wirft sein schweres Geweyh vom Febr. bis in den
May ab. In dieser Zeit wird er matt %.und kranck. Im Septembr.
ist seine Brunstzeit, welche 6 Wochen währet. Es geschehen als-
dann viele blutige Kämpfe unter ihnen, wer die Hirschkuh
anführen soll. Diese sehen den Kampf gantz gelaßen zu, und
folgen dem Sieger. Der Jäger kann aus der bloßen Gefährte
oder Spur des Hirsches erkennen, ob es eine Kuh oder ein Hirsch
sey, ob sie tragend sey oder nicht, ob das Geweyhe groß sey
oder nicht. Die Hunde müssen so abgerichtet seyn, daß sie im-
mer derselben Gefährde folgen, wenn auch 10 andere Spuren
von Hirschen darunter liefen. Bey der par force Jagd ist das
Ende dieses: daß der Hirsch sich stellt, %.und sich nicht mehr von der
Stelle rühret.

/Das Reh ist gleichsam «das»<ein> Zwerg_Geschlecht von Hirschen. Der
Rehbock «treibt»trägt,<trägt> wenn er geschnitten ist, ein kronenartiges
Geweyh. Alsdenn verändert er seine Natur %.und seinen Geruch so,
daß ihn alsdann die Rehböcke aufsuchen können.

/Das Elend Thier hat ein Schauflichtes Geweyh. Jetzt wird
es in Preußen %.und Litthauen auch in Nord-Amerika angetroffen.
Es ist sehr starck, geht durch Morräste, schwimmt über Flüße,
%.und wenn es sich stellt, wehret es sich sehr gefährlich mit den
Füßen. Seine Haut gilt am mehresten.

/Ohne das Rennthier konnte Lapland nicht bewohnet werden, wo
vor alle andere Thiere kein Futter wächset; dieses sucht sich
ein paar Hände voll Mooß unter dem Schnee hervor, woran
es recht fett wird. Es hat gut Fleisch. Die Lappen würden auch
schon unter den bemittelten Theilen von Europa gezählt wer-
den können, wenn die Wölfe %.und eine große Stechfliege nicht große
Verwüstungen darunter anrichten möchten. Die Wölfe jagen
sie in die Wälder, wo sie sie zerreißen. Einige Stechfliegen
legen ihre Eyer in die Blätter %.und Rinden der Bäume, derglei-
chen die Schlupfwespen sind, die den Gallapfel erzeugen. Die
mehresten dieser Stechfliegen legen ihre Brut in andere Thiere.
Oft ist die Haut des Hirschen gantz voll von solchen Eyern, %.und das

/ Würmchen

/|P_111

/Würmchen nähret sich darin. Der Hirsch wird auch von einer
verfolgt, die ihm in die Nasen Löcher kriecht, von da ins Maul
%.und an die Wurzel der Zunge ihr Geschmeiß hinlegt. Den Renn-
thieren legt diese große Stechfliege die Eyer in die Ohren.

/Zu den zwey Klauigten Thieren gehören auch die Schweine.
Man weiß nicht daß die Patriarchen sollten Schweine gehabt haben,
weil sie vielleicht damals noch nicht gezähmt gewesen sind, denn
es kostet viel Mühe sie zu zähmen, %.und sie werden bald wild. Da
beynahe bey allen Thieren das Fett mit dem Fleische vermenget
ist, so setztet es sich bey dem Schweine über das Fleisch %.und bekleidet
es. Sonst haben sie eine Kranckheit, die Finnen, wenn schwarze
Bläsgen den Untertheil der Zunge einnehmen. Das wilde Schwein
gehet gerade zu auf den Jäger los, wenn es von vorne ange-
schossen wird. Schießt man es von hinten an, so fliehts. Alle
wilden Schweine sind schwarz. In den Wäldern belaufen sich oft
die zahmen Schweine mit den wilden Ebern, wo die Brut sehr
den wilden ähnt. Bey Brisach fangen die Bauren die wilden Schwei-
ne indem sie über den Rhein schwimmen, so, daß sie sie bey den
Hinterbeinen erhaschen, %.und den Kopf untertauchen.

/Das Babberusa oder der Schweinhirsch hat zwar nicht Borsten,
aber doch einen Schweinskopf, %.und ein paar Hauer die sich zurück
biegen, und demselben oft ins Gehirn hineinwachsen, wovon es
alsdenn sterben muß.

/ ≥ Vom Elephant, Rhinozeros %.und Hyppotamas. ≤

/Diese drey Thiere halten sich entweder im Waßer oder doch in den Sümp-
fen auf. Sie haben eine Haut, die überall geborsten %.und sehr hart ist.
Sie haben in proportion ihrer Größe, sehr kleine Augen, weil kleine
Augen eben so gut als große sehen. Das Horn auf der Nase des Rhinoze-
ros ist weit größer als ein Ochsen_Horn. Man glaubt daß in einem
Becher von diesem Horn, das Gift seine Krackt verlieren soll. Seine
Haut ist schuppigt %.und Schuß_frey, hat auch viele natürliche Falten,
daß es sich biegen kann. Die Oberlippen hängt dem Thiere spitzig
herab, der Kopf ist bey der Schnauze wie gehöllt. Der Rhinozeros ist
dreyklauigt.

/ Der

/|P_112

/Der Hyppotamus bedeutet ein Fluß_Pferd. Sonst er auch das Nilpferd.
Man findet es aber nicht allein im Nil, sondern auch im Fluß
Zaire in Congo %.und bey dem Capo bonae spei. Es hat mit dem
Pferd nur das Wiehern gemein. Sonst sieht es von vorne ei-
nem Ochsen ähnlich, %.und von hinten einem Schweine. An Größe
kommt es dem Rhinozeros bey. Es hat ein paar Hauer, die fei-
ner %.und weißer als Elfenbein %.und so groß als Ochsen_Hörner sind.
Seine Haut ist Schußfrey, %.und man muß ihm, um ihn zu tödten, hin-
ter die Ohren treffen; die Haut ist eine vollkommene Ladung
vor einen Elephanten, der gewöhnlich zehn Centner trägt.
Es ist sehr scheu %.und kommt nur des Nachts aus dem Fluße, um sich
zu begatten.

/Der Elephant ist ein fünfklauigtes Thier. Er hat bey seiner
Majestätischen Größe %.und Stärcke eine solche Sanftmuth,
daß er ein Hausthier abgeben kann. In Ceilon wächset er zu
einer Höhe von 15 Fuß, von der Erde bis zum Kopf gerechnet.
Er hält sich in Sumpfichten Gegenden auf, %.und wühlt mit den Zäh-
nen die Morräste um, welche auswärts gewachsen sind. Er frißt
besonders ein Kraut, welches in Arabien Busa, in Africa
Banamas heißet. Im zahmen Zustande füttert man ihn unter
andern mit Reiß. Alle Elephanten sind aschgrau, %.und sie haben
kein rechtes behaartes Fell, welches auch oft spaltet. Ein
weißer %.und schwarzer Elephant sind Seltenheiten. Der weiße
wird in Indien mit besonderem respect angesehen, weil man
glaubet, daß in ihm die Seele eines großen Königes oder Philo-
sophen wohne. Daher nennet man die Könige von Siam %.und Pegu
Herrn vom weißen Elephant. Sein Schwantz ist kurz, doch mit
solchen dicken Haaren besetzt, daß man sie zu Tobacksräumern
gebraucht. Seine Ohren sind so groß als ein paar Kalbsfelle.
Mit dem Rüßel (monus) reißet er, da er sich nicht auf die
Erde bücken kan, das Kraut ab %.und stopft es ins Maul. Er schöpft
damit Waßer oder spritzt es sich ins Maul. Wenn er schwimmt,
so hat er den Rüßel über dem Waßer, womit er Athem schöpft.
Er hat darin ein solch feines Gefühl, daß er einen Schilling
aufheben kan. Er reißt damit große Aeste ab, wirft einen

/ Menschen

/|P_113

/Menschen in die Höhe, %.und setzet sich den Reuter auf, welcher ihm,
um ihn zu regieren, bald nach dieser, bald nach jener Seite, mit
einem Hammer einen Schlag giebt. Seine Zähne sind von verschie-
dener Größe. Einige sollen in die Krümme gemeßen 5 bis 10
Fuß lang seyn. Einer davon wiegt bis 3 Centner. Man findet
seine Zähne in den Wäldern in sehr großer Menge, so daß an der
Küste von Malambike %.und Sophala, die Einwohner ihre Dörfer
damit, statt Phälen, umgeben. Sein Fuß sieht als ein vier-
mal gespaltener Pferds_Fuß aus. Er ist so behend, daß ein Pferd
ihn nicht einholen kan. Er wird leicht scheu, %.und dann ist er nicht
mehr zu discipliniren. Er ist friedsahm %.und greift keinen Menschen
an. In Africa sucht man ihn nur zu tödten, weil er die Reiß
%.und Tobacksfelder sehr verwüstet. Man macht Gruben, in de-
ren Mitte ein spitziger Pfha«l»l ist, %.und bedeckt sie mit Reisern.
Doch fängt man auf diese Art keine andere als junge Elephanten.
Die alten reißen einen Ast %.und versuchen damit solche Oerter,
die ihnen verdächtig vorkommen. In Ost-Indien fängt man sie
nach dieser Art: Man führet aus der Wildniß eine lange Allee,
%.und lockt durch zahme Weibgen den Elephanten in einen gewißen
Bezirck. Man giebt wenn sie dahin gebracht werden, auf sie Acht
denn man kann es erkennen ob sie zu zähmen oder nicht? In
dem letztern Fall sucht man sie zu tödten. Man discipliniret
ihn zwischen 2 zahmen Elephanten, die ihn in kurzer Zeit bän-
digen. Einige Elephanten große Lasten. Man pflanzt Canonen
auf ihnen, welche rücklinks abgefeuret werden. Man hat sie
ehemals zum Kriege gebraucht, allein sie haben in ihrem Heer, eben
so viel Schaden, als in dem feindlichen angerichtet. Wenn der Ele-
phant Toback gefreßen hat, so ist er besoffen %.und rennt alles über
den Haufen. Man rühmt seine besondere Klugheit %.und Gelehrigkeit.
Es gab einst ein Herr seinem Elephanten auf 50 Eimer Waßer
täglich in den Garten zu tragen, um ein Bassin anzufüllen, da
er hernach sah, daß es in einer gewißen Zeit nicht voll werden
würde, so sollte er 60 tragen. Den 51 Eimer aber schlug der Ele-
phant schon ab. Die zeeichten Thiere sind von den klauigten

/ unter- 

/|P_114

/unterschieden. Die Zeen sind mit Gelencken beweglich. Unter
diesen zeeichten sind zu mercken 1.) die ein_zeeichten, dergleichen
ist der americanische Eisenfreßer. Zu den zwey_zeeichten gehört
das Cameel. Der Cameel mit einem Puckel heißet der dromeda-
rius (das Trampelthier). Das große Camel mit 2 Puckeln in
dem Bactrianischen, die kleinen heißen die Post_Camele. Sie
haben eine oder zwey hartledrigte Stellen auf dem Puckel, %.und auf
dem Bauch, auch auf den Knien dergleichen. Diese sind mit lan-
gen Haaren bewachsen, welche sich in der Mitte scheiteln. Er hat
einen langen Schwanz als einen sattsahm kleinen Kopf %.und einen
Haasen Maul. Diese Gestallt macht, daß alle Thiere sich vor ihm scheuen.
Es kann sehr lange Durst leiden, indem es in seinem Leibe ordent-
liche Fächer hat, worin es eine große Quantitaet Wasser beheer-
berget. Die Araber schneiden es in der größesten Not auf und
saufen das Wasser daraus. Es träbt sehr starck, doch am stärcksten
der Dromedarius. Man lehret die Cameele auf folgende Art tan-
zen. Man setzt sie auf eiserne Platen, welche an Seilen hängen,
%.und worunter glüende Kohlen stehen. Wenn sie sich wegen der Wär-
me anfangen zu bewegen, so fängt man an zu trommeln
%.und zu pfeiffen. Nach einigen Wiederholungen springen sie bey einer
ähnlichen Music.

/Das Faulthier wird in Südamericka angetroffen. Es hat ein
gleichsahm lachendes Gesicht, welches mit Wolle bewachsen ist.
Seine Langsamkeit ist so groß daß eine Tagreise von 50 Schritten
schon bey ihm etwas seltenes ist. Bey der Bewegung jedes Glie-
des schreyet es so erbärmlich, daß alle Thiere davor fliehen.
Es klettert auf einen Baum %.und frißt sich satt, wird aber während
des Herunterkletterns beynahe wieder mager.

/Der Ameisen_Freßer hat eine Zunge, die so lang ist wie er selbst,
%.und die mit einem klebrichten Saft bedecket ist. Er rollt sie im
Maul zusammen. Wenn er sie ausstrecket, so laufen die Ameisen
herauf %.und alsdenn schlucket er sie herunter. Die Panzerthiere sind
insgesamt Ameisen_Freßer. Ihr Panzer bedeckt sie ganz, %.und ist

/ schuppicht

/|P_115

/schuppicht daß sie sich bewegen können.

/Zu den fünf_zeeichten Thieren gehört zuerst der Mensch. Der Haase
ist auch fünfzeeicht. Der Waldhaase ist größer als der Feldhaase. Er
begattet sich alle 4 oder 5 Wochen. Der schwarze Haase ist nur eine
Ausartung %.und nicht eine besondere race. Die Caninchen sind eine
Art von Zwerg_Haasen. Man legt in Spanien Caninchen_Berge
an, die sie ganz durchlöchern. Um sie heraus zu treiben, läßt
man ein Windwieselchen darein, vor dem sie alle aus ihren
Löchern herausstöbern.

/Zu den Nag_Thieren gehöret das Eichhörnchen. Sein Balg ist das
bekannte Grauwerck. Es wird besonders in Siberien grau. Alhier
hat man auch ein fliegendes, der voltigierer genannt. Es ist
ihm das Fell an die Vorder %.und Hinterfüße angewachsen, wodurch
er sich etwas in der Luft erheben kan. Doch kan er damit nicht
fliegen, sondern er thut nur ungewöhnliche Sprünge.

/Zu dem Ratten_Geschlecht gehöret 1.) das Murmelthier %.und die Schlaf-
ratte. Diese beyden Thiere können bey großer Kälte nicht aufge-
wecket werden. Das erstere ist etwas größer als ein Kaninchen,
das letztere so groß als ein Eichhörnchen. 2.) Der Hamster. Er
hat an der Seite bey den Backen einen Schlauch, worin er den Vor-
rath in die Wohnung bringet. Darin ist sein Magazin von dem
Lager unterschieden, %.und man sieht darin Abzüge vor das Waßer.
Er dörret sich das Getreyde durch seine eigene Wärme. 3.) Der
Maulwurf. Er sucht nicht die Pflanzen auf, sondern ist nur durch
das Aufwühlen der Erde, den Gärten schädlich. Er sucht besonders
die Regenwürmer. Er hat nur Augen, die ihn benachrichtigen
können, daß er am Lichte ist. Um ihn auszurotten, bedienet
man sich geschälter Hasel_Nüße, die in der Brühe von Kranichs-
Augen (nux vomica) gekocht sind.

/Zu dem Mäuse_Geschlecht gehöret 1.) die Hausratte. Sie beißet
die Pferde von den Krippen weg %.und frißt das Futter auf. Den
Tauben beißet sie die Kröpfe durch, %.und holet das Korn heraus.
Wenn sie recht überhand nehmen so vertilgen sie sich unterein- 

/ ander.

/|P_116

/ander. 2.) Der Surinamische Aeneas: Er hat einen langen Schwantz
den er um einen jeden Gegenstand zuschnüren kan. Um diesen
schlingen die Jungen ihre Schwänze %.und so trägt der sie fort. 3.) Der
Philander oder die Americanische Beutelratte. Sie hat einen
offenen Sack, den sie zuschnüren kan. In diesen gehen ihre Jun-
gen hinein, wenn sie saugen wollen. Bey bevorstehender Gefahr
kriechen die Jungen in den Sack, sie schnürt denselben zu %.und läuft
davon.

/Zu den fliegenden Thieren gehöret 1.) der fliegende Hund, der
in Mexico anzutreffen ist. 2.) Die fliegende Katze. 3. Die
Fledermaus.

/Zu den Wieseln gehöret die Speicherwiesel, der Iltis, der
Baum %.und Stein_Marder. Die Wiesel ist ein niedlich Thiergen,
hat aber einen heslichen Geruch. Sie verstöhret die Mäuse.
Das Hermelin ist eine große Wiesel. Der Iltis hat einen
Saft in einem Beutelgen, der so elaboriret wird, wie der
Saft der Zibethkatze, außer daß er stinckend ist. Der Zobel
gehöret auch zum Wiesel_Geschlecht. Er wird mit stumpfen Bol-
zen geschoßen, um das Fell zu schonen.

/Die Pharaonis Maus ist größer als eine gewöhnliche, und
säuft die Eyer der Crocodillen aus. Die Norwegsche Bergmaus
ist in Norwegen %.und Nord_Americka anzutreffen. Sie sollen alle
17 Jahre in den Gebürgen anfangen zu wandern. Alsdenn
ziehen sie unaufhaltsam in einem großen Heere, in gera-
der Linie nach dem Meere zu. Sie schwimmen über die Seen,
klettern über die Schiffe, laufen die Menschen hinauf, nur
daß sie noch von der geraden Linie abweichen. Man glaubt
daß sie sich im Meere selbst vertilgen.

/Zu den Stachelthieren gehöret 1.) der Schweinigel, der in
sumpfigten niedrigen Gegenden herumwühlet. Seine Stacheln
sind 1_1/2 Zoll lang, die ihn beynahe vor allen Feinden sichern.
2.) Das Stachelschwein in Africa, deßen Stacheln die Länge
eines Federkiels haben %.und gehölt sind. Er kann einige davon,

/ indem

/|P_117

/indem er sich zusammenziehet, abschießen, welche ziemlich tief
in die Haut seines Feindes eindringen sollen. Man zeiget noch
die Haut eines Löwen der auf diese Art getötet seyn soll, voller
Stacheln. Doch ist zu vermuhten, daß ein solches verwundetes
Thier, sich die Stacheln selbst aus Ungeduld weiter hinein stö-
ßet, %.und daß sie selbst nicht so tief eindringen können. Sein Bezoar
(pietra del porco) ist röthlich, voller Adern %.und hat einen Zoll
im Diameter. Er galt ehemals bis 7.000 %Reichsthaler. Der Bezoar des
Schwein_Hirsches gilt zehnmal so viel an Golde, als er wiegt.

/Der Hund ist ein solches nützliches Thier, daß der Mensch fast
durch ihn allein Herr von den übrigen Thieren werden kan. Er
unterscheidet sich von allen Thieren durch seine Geselligkeit.
Sonst ist er seiner Natur nach wild %.und alsdenn dem Menschen gefähr-
lich. Viele Gattungen von Hunden sind nicht besondere racen.
Der Bologneser ist ein Blendling vom Pudel %.und der Spanischen
Wachtel, der Mops ein Blendling von zwey andern Arten. Doch
ist zE. der Taxhund, der dazu gebauet ist, in den Fuchs %.und Dachs-
löchern zu graben, der Windhund der zum Laufen eingerich-
tet ist, der Schäferhund, wohl eine besondere race. Im Nord-
lichen Theile von Asien %.und Americka, giebt es Hunde, deren
man sich zur Schlittenfahrt bedienet %.und mit denen man große
Reisen thun kan. In Africa giebt es eine Gattung wilder
Hunde, welche in den Wildnißen von Africa in großen Hee-
ren selbst auf die Jagd ziehen. Sie beschützen den Menschen,
wenn er in ihrer Gesellschaft geht vor allen andern Thieren.
Der Englische Hund ist wegen seiner Stärcke %.und Kühnheit bekannt.
Er läßet nicht ab, wenn er einmal eingebißen hat, %.und ist allein
seinem Herren getreu. Die Hunde werden oft mitten im
Winter toll. Sie bekommen alsdenn trübe Augen, werden
schüchtern %.und betrübt. In diesem Zustande ist es Zeit sie zu
tödten. Der Mensch, den er alsdenn leckt, oder der auch nur sei-
nen Athem einzieht, bekommt einen ähnlichen Anfall. Bey
dem Menschen äußert sich dieses Übel oft allererst nach einem
Vierthel oder nach einem halben Jahre. Er wird zuerst traurig, %.und
hernach Waßerscheu, oder verfällt in die Hydrophobie die

/ Luft

/|P_118

/Luft vergeht ihm, so bald er einen Tropfen Waßer sieht, %.und er
bekömmt die heftigsten convulsiones, wenn er das geringste flüßige
herunter bringen will. In diesem Zustande hat der Mensch noch
seine Vernunft. Man hat von solchen Personen erfahren, daß
sie alsdenn einen unwiederstehlichen Trieb haben, andern ins
Gesicht zu spucken, oder sie zu beißen. Hierauf folget die Ra-
serey %.und endlich der Tod. Das beste Mittel dawieder soll noch seyn,
wenn man dem Patienten Weineßig in großer Quantitaet giebt,
%.und die Wunde damit auswäsche, %.und überhaupt alles Saure, wel-
ches das alcalische des Giftes sogleich verschlinget. Sonst ist
es auch sehr gut, gleich Mercurialien zu gebrauchen.

/Das Wolfs_Geschlecht scheinet einige Aehnlichkeit mit den Hun-
den zu haben, doch haben sie eine ganz andere Natur. Der Wolf
hat eine unbezwingliche Tücke. Er ist zwar zu discipliniren
zeiget aber doch, wenn er älter wird, immer seine Bosheit.
Er ist sehr gefräßig, kan dabey aber lange hungern. In der
größesten Noth frißt er faul Holtz, Erde %.und Moos. Am Anfange
des Jahres ist seine Brunstzeit. In Pohlen macht man um ihn
zu fangen zwey Zäune ins Gevierte, %.und zwischen ihnen einen
solchen engen Gang, daß der Wolf sich nicht umdrehen kan. In
dem äußern Zaun ist eine Thür mit einer Feder, %.und innerhalb
dem innern ein Schaaf. Wenn der Wolf das Schaaf schreyen hö-
ret, so geht er in die Thür hinein, in dem Gange rund herum, %.und
macht indem er die Thüre vorbey gehet, dieselbe wieder zu. Als-
denn ist es leicht ihn zu schießen. Man vergiftet ihn auch sonst
mit Kranen Augen, alsdenn aber verlieret man den Balg,
weil er sich so verstecket daß man ihn nicht finden kann. Im
Norden wird der Wolf weiß, der schwarze ist sehr rar.

/Das Fuchs Geschlecht. Es giebt einen Brandfuchs, einen Kreutz-
fuchs, einen Schwarzfuchs, einen Braunfuchs %.und einen weißen
Fuchs. Dem Kreutzfuchs läuft auf dem Rücken ein schwarzer
Streif in die Länge, %.und einer über das Kreutz die Vorder-
füße herunter. Der Schwarzfuchs giebt die beste Pelterey. Er

/ ist

/|P_119

/ist schöner als Zobel, aber sehr rar. Der Braunfuchs ist nächst
dem schwarzen am besten. Sein Bau ist dem Bau des Taxen sehr
ähnlich, daher ocoupiret er oft, dieses Lager. Auf der Jagd sucht
er die Hunde auf die Spur von einem Reh zu führen, weil sie
daßelbe lieber jagen.

/Unter die Halbfüchse gehöret 1) die Spanische Genith_Katze. 2)
die Zibeth_Katze. Sie hat einen wohlriechenden Saft, den sie
durch gewiße Drüsen ausschwitzet, %.und der sie wegen der Menge
oft so ängstiget, daß sie sich an den Bäumen blutig reibet, um
ihn loß zu werden. Sie hat den Bart %.und die Klauen von der Katze
%.und das übrige vom Fuchs. Die Hyena der Alten hat die größe-
ste Aehnlichkeit mit einem gewißen Thier Duba, das man
in algier antrift. Es hat einen flachen Kopf %.und weites Maul,
nähert sich sehr dem Menschen, hält sich auf den Kirchhöfen auf
%.und scharret die menschlichen Cörper aus der Erde. Es ist so groß
als ein guter Bullenbeißer.

/Die Dachsen zehren im Winter von dem Futter was ihre Brust
als ein Panzer umgiebt, %.und das sie sich aus einem Loch bey dem
Schwanze heraus saugen. Alle Arten von Katzen besonders die
Tiger Katzen sind sehr gefährlich. Sie springt den andern
Raubthieren ins Gesicht, %.und kratzt ihnen die Augen aus.

/Der Luchs wird unter andern auch in Litthauen angetroffen.
Es giebt einen Katz %.und einen Kalbluchs. Er hält sich auf den Bäumen
verborgen, %.und fällt seinem Feinde gleich in die Augen.

/Der Parder ist etwas größer als eine Englische Dogge. Man
bedienet sich in Asien seiner zur Jagd, indem er mit einigen
Sprüngen, ein Wild erhaschet. Er hat schwarze Flecken, die wie
Hufeisen aussehen. Alle diese Thiere haben schmackhaft Fleisch.

/Der Tyger hat einen runden Katzen_Kopf, %.und auch einen solchen
Bart. Seine Klauen kan er zurücklegen, damit er sie auf der
Erde nicht abschleife. Alle Raubthiere überhaupt haben solche
Klauen. Der Tyger ist das unzähmbarste %.und raubsüchtigste

/ Thier.

/|P_120

/Thier. Seine Haut ist mit gelben Flecken besetzt, die rund um
mit schwarzen Haaren bewachsen sind. In Asien %.und China giebt
es einige mit schwarzen Flecken, welche grausamer als
alle andern sind.

/Der Löwe ist in der Fabel der König der Thiere. Der verdie-
net auch diesen Namen einigermaßen. Alle übrige Thiere
fürchten ihn. Selbst die Hunde, die sonst auf alles loß fallen,
scheuen sich vor ihm beym ersten Anblick. Er hat ein flaches
Gesicht, %.und ist mit einer starcken Mähne umhangen. Der
Löwin fehlt diese Zierde, %.und <sie> sieht beynahe als ein Hund aus,
ist aber noch wilder als der Löwe. Er hat eine stachlichte Zunge,
mit der er die Thiere bis auf das Blut lecken kan. Seine
Höhe ist bis auf den Kopf gerechnet 4_1/2 Fuß. Der Africanische
ist der größeste. Er braucht in seinen Anfällen niemals
List, sondern jederzeit Gewalt. Er fällt nicht leicht auf ei-
nen Menschen, so lange er noch ein Thier zum Raube hat.
Wenn er satt ist, so ist er faul %.und furchtsahm, %.und die Weiber der
Neger treiben ihn alsdenn mit Prügeln zum Dorf hinaus.
Die Neger frißt er lieber, als die Weißen, vielleicht, weil sie
nackend sind. Er thut dem weiblichen Geschlecht so leicht keinen
Schaden. Wenn er unwillig ist, so peitscht er sich selbst mit dem
Schwanze, %.und alsdenn muß man sich auf einen Baum retiri-
ren, denn er klettert nicht die Bäume heran. Colbe sagt:
Daß er solche harte Knochen habe, daß man mit einem Stahl
Feuer daran schlagen kan. Wenn er nach Europa gebracht wird,
kan er die Kälte nicht vertragen, %.und scheint ein beständiges
Fieber zu haben. Wenn man ihn zahm macht, so muß man ver-
hüten, daß er kein Blut zu sehen bekommt, denn sonst überfält ihn
alle vorige Wildheit. Er soll das Hahn-Geschrey scheuen, und
sich vor einem umdrehenden Rade fürchten. Er scheuet so wie
alles Raubthier das Feuer.

/Das Bären_Geschlecht, ist besonders in Norden anzutreffen.
Der Bär ist sehr zum Zorn %.und zur Wuth geneigt, %.und muß daher
sehr strenge discipliniret werden. Er lebt nicht so sehr von

/ Thieren

/|P_121

/Thieren, sondern klettert auf die Bäume %.und frißt den Honig
aus. Er lebt theils vom Getreyde, %.und frißt besonders gern un-
reifen Haber. Den Winter über liegt er in der Höle %.und saugt
an den Klauen, nicht um sich zu nähren, sondern die Speichel-
drüsen zu drucken %.und den Durst zu stillen. Es umgiebt ihn eine
Fetthaut, woraus das Fett selbst von den Blutgefäßern re-
solviret wird. Er klettert niemals vom Baume sondern
wirft sich herunter. In Pohlen setzet man ihm Brandwein
hin, woran er sich besäuft %.und einschläft. Alsdenn binden ihn die
Bauren %.und führen ihn mit sich. Er muß im Anfange der Disci-
plin alle Tage so geprügelt werden, daß keine heile Stelle
an ihm bleibet. Man haut ihm auch oft die Vordertatzen weg
%.und bricht ihm die Zähne aus. Er kan mit einem Schlage eine
Kuh tödten. Seinem Gegner zieht er manchmal die Haut
vom Kopf weg. Wenn er geschoßen wird, geht er auf seinen
Feind loß. Sonst soll er sich die Löcher zustopfen. In den unbe-
wohnbarsten Gegenden von Norden, in Nova Zembla hält
sich der weiße Bär auf. Er ist viel größer als der braune,
hat einen Hundskopf %.und brummet so wie unsere Bären. Er
geht auf den Fischfang aus, %.und tief in die See hinein, um etwa
ein Aas von einem Wallfische anzutreffen. Alsdenn setzt er
sich auf eine Eisscholle %.und läßt sich damit forttreiben. Sein
Peltz ist zur Pelterey gar nicht brauchbar.

/Der Vielfraß ist schwärzlich %.und manchmal völlig schwarz.
Er ist so groß, als ein Hund. Während des Freßens entledi-
get er sich des Unraths, welches auch der Wolf thut. Es haben
ihn einige fälschlich vor die Hyena der Alten gehalten. Die
Affen sind von verschiedenen Arten. Es giebt lang geschwänz-
te Affen oder Pavians %.und 3.) ungeschwänzte oder Menschen
Affen. Die Meerkatzen hängen sich mit dem Schwanze an den
einen Ast und schwingen sich so lange, bis sie einen andern Ast
von andern Bäumen erhalten, besonders wenn zwischen zwey

/ Bäumen

/|P_122

/Bäumen Waßer ist, welches sie sehr scheuen. Sie sind böse Thie-
re %.und verwüsten sehr das Land. Die Neger haben von den
großen Affen die Meynung, daß sie wohl reden könnten,
wenn sie nur wollten. Sie thäten es aber nicht, damit
sie nicht zur Arbeit gezwungen würden. Von den Meer-
katzen giebt es eine Art, die Leder gelbe Muscus_Affen,
welche sehr schön sind. Die Paviane sind noch schädlicher als die
Meerkatzen. Sie haben die Größe von einem Hunde %.und auch
seinen Kopf. Wenn sie ausgehen, die Gärten auszuplündern,
so klettern einige über die Mauer, andere bleiben darauf
sitzen, %.und jene werfen diesen das Obst zu. Die Affen haben al-
le einen Sack an der Backen, worin sie sich den Vorrath zu-
sammentragen. Die Sangins sind Schooß-Aefgen, welche aller-
liebst aussehen, %.und sehr zärtlich sind. Sie sind nicht größer
wenn sie sich zusammenrollen als eine Mannsfaust. Man
muß sie über See in Baumwolle eingewickelt transpor-
tiren. Die Menschen_Affen gehen jederzeit aufrecht. Es ge-
hört zu dieser Gattung 1.) der Orang_Outang, welcher bis 6
Fuß hoch ist, wenn er auf den Hinterbeinen steht. In Africa
heißet er Pongos. 2.) Der Czembunese. Der Oran_Outang
hat an den Vorder %.und Hinterfüßen solche lange Zehen, als Men-
schen_Finger. Sie sind nicht sonderlich rauch, haben Haupthaar,
doch nur im Genicke %.und eine ziemlich lange Oberlippe.
Ihre Weibgen sollen den fluxum menstruum haben. Sie
machen unter allen am ähnlichsten die Handlungen der
Menschen nach. Daher haben einige geglaubt, daß sie viel-
leicht Bastarde von Menschen wären. Doch zu geschweigen
daß aus zwey so verschiedenen Arten gar nichts entsteht, so
nimmt man auch nicht den geringsten Verstand an ihnen wahr,
%.und sie zeigen nicht mehr thierische Klugheit, als die übrigen
Thiere. Bonnet urtheilet: daß diejenigen Thiere, die am
wenigsten einförmig arbeiten, dem Menschen am nächsten

/ kommen.

/|P_123

/kommen. Der Biber %.und die Biene arbeiten ihr Haus immer
nach einem Modell, %.und sind deswegen am unvollkommensten,
weil sie davon nicht abweichen können. Die vollkommnern
Thiere sind nicht an eine Art des Verfahrens gebunden, und
haben von Natur einen Trieb sich nach den Umständen zu rich-
ten.

/ ≥ Von den Thieren, die auch lebendige Junge
gebähren, aber am mehresten im
Waßer leben. ≤

/Die Fluß_Otter gräbt sich von den Ufern an, bis in einen
Wald eine Höle. Sie nährt sich von faulen Fischen.

/Die Seeotter ist ein niedlich Thiergen. Sie hat einen schönen
schwarzen Balg, der aber sehr schwer ist. Sie hat Füße von Fischar-
ten.

/Die Biber sind unter den Thieren das, was die Bienen unter den
Insecten sind. Sie haben unter sich eine Republick, %.und bauen
gemeinschaftlich, doch jederzeit nach einerley Grundriß, wel-
cher unabhängig von ihnen in ihrer Bauart liegt, %.und von dem
sie nichts wißen: Sie haben einige Zähne als Hauer an den Sei-
ten herausstehen. Mit diesen segen sie die Bäume ab, welche
sie nach der bequemsten Seite zu fällen wißen. Alsdenn zer-
hauen sie ihn in kleine Klötze. Einige Aeste davon schleppen
sie ganz weg, um einen Damm vor einen Fluß zu machen.
Sie haben sehr breite Schwänze, womit sie den Leim als auf
einer Schubkarre«n» führen, %.und deßen sie sich zugleich statt
einer Kelle bedienen, ihn anzuklatschen. Alsdenn führen
sie einen Damm auf, indem sie zuerst ordentlich Pfähle setzen,
%.und den Leim daran anschlagen. Oben ist er 5 bis 6 Fuß %.und unten
über 12 Fuß breit. Auf der Landseite ist er abgedacht, %.und auf
der Waßer Seite steil. Auf dieser Seite bauen sie die Häuser
an, welche aus zwey Stockwercken bestehen, %.und von Klötzen zusam-
mengesetzt sind. Sie halten sich darin nachdem das Waßer steigt,

/ entweder ~

/|P_123R

/δZ_7

/NB Die Menschen, die 4füßigen
Thiere, die Wallfische, Del-
phine %.und Aale, kommen le-
bendig auf die Welt. Die
übrigen aber entstehen
aus Eyern, welche ent-
weder von den Thieren
selbst oder durch die Wär-
me der Sonne ausge-
brütet werden. ~

/|P_124

/entweder unten oder oben auf. Die Schwänze müßen sie jederzeit
im Waßer haben. Das beste Mittel sie zu bekommen ist, einen
solchen Damm durzustechen, wo man sie alsdenn leicht todt schlagen
kann. Sie sind in ihrer Arbeit so fleißig, daß sie eine ganze Reihe
von Jahren hindurch, über einen ganzen Strohm jährlich einen
Damm aufführten, welches sie endlich, da er alle Jahre zerstöhret
wurde, müde wurden. In Nord-Americka sind sie am häufigsten.
Man kauft ihre Häute, wenn die Indianer sie schon einige Zeit
hindurch gebraucht haben, weil die Wolle alsdenn lockerer ist. das
Castoreum (Bibergeil) ist inwendig im Cörper, gleichsahm in
einem Muscus_Beutel enthalten %.und nicht die testiculi, welche
äußerlich sind.

/Die Meerkälber gehören zu den Thieren, die stumpfe unförmige
Vorderfüße haben, welche als abgehauen aussehen. Die anderen
Füße sind hinterwärts gestreckt, die sie nicht an den Leib zie-
hen können. Es ist eine Haut daran befestiget, welche ihnen
zum Schwimmen dienet. Diese Meerkälber heißen auch sonst
Seehunde. Sie halten viel Thran in sich, %.und ihr Fell wird zum
Beschlag auf coffres gebraucht.

/Der Wallroß sollte eigentlich der Meerochs heißen. Aus dem obern
Kinnbacken sind ihm ein paar Zähne herausgewachsen, womit er
sich auf die Eisschollen hilft. Es sind diese bis 2 Fuß lang %.und im
Umfange 8 Zoll dick. Sie werden nicht so leicht als Elfen-
bein. Dieses Thier hat zwey Blaslöcher an der Stirn, das
Waßer auszusprützen.

/Der Seebär gehöret nach Kamschatka, %.und hat außer dem Brum-
men mit den Landbären nicht viel ähnliches. Er ist kleiner als
dieser. Wenn sie attaquiret werden, so wehren sie sich alle, %.und auf
dem der die Flucht nimmt, fallen alle andern loß. Sie sind unter-
einander sehr gesellig. Die Seelöwen sind viel stärcker %.und
spielen immer den Meister über sie.

/ ≥ Von den vierfüßigen Thieren, welche sich theils im Waßer
theils auf dem Lande aufhalten, %.und in Eyern gebären.
/ %.de amphybiis

/Der Crocodill ist ungefehr 20 Fuß lang, hat einen weiten

/ Rachen

/|P_125

/Rachen %.und keine Lippen, die Zähne zu bedecken. Er hat solche kurze
Füße %.und einen solchen Schwanz, als die Eydechse, hat auch eben eine
solche innere Structur, so daß er nichts anders als eine unge-
heure Eydechse ist. Es giebt:

/1. den eigentlichen Crocodill. 2.) Den alligator welcher den
Schwanz aufwärts gebogen %.und einen Muscus_Geruch hat. Der Cro-
codill hält sich in der See auf. Er zermalmet alles was er nur
ertappen kan. Doch kan ihm ein Mensch gut ausweichen, weil
er sich nicht wohl bewegen kan, %.und in gerader Linie zuschießt.
Die Zunge ist ihm an der Seite angewachsen, so daß er die Spitze
nur ein wenig rühren kan. Oberhalb den Cataracten des Nils
sollen Nationen seyn, welche ihn so fangen, daß sie sich im Waßer
auf ihn setzen, %.und indem er den Rachen überbiegt, ihm einen
Prügel hineinstecken, da ihm alsdenn das Waßer erstickt.
In Siam, wo es viele Crocodillen giebt, besetzet man die
Schlößer der Gefangenen damit, indem man sie in die wei-
te Waßer Graben, die die Schlößer umgeben, setzet, wo alsdenn
sich niemand getrauen darf herüber zu schwimmen.

/ ≥ Von ungeheuren Seethieren. ≤

/Der Wallfisch hat warmes Blut %.und gebieret lebendige Jungen.
Er säugt sie selbst. Alle große Seethiere können nicht immer
unter dem Waßer bleiben, sondern müßen hinauf kommen
Luft zu schöpfen. Die verschiedenen Arten des Wallfisches sind:
1.) Der Grönländische Wallfisch, welches der gröste unter allen ist.
Er ist über 100 Fuß lang. Sein Kopf ist 1/3 von seiner Länge. Der
Schwantz ist bis 3 Klafter breit, %.und liegt auf dem Waßer hori-
zontal. Wenn er damit schlägt, so giebt es ein großes Geräusch.
Durch seine Nasenlöcher spritzt er das Waßer 3 Klafter hoch.
Er hat keine Zähne, sondern seine Gaumen haben Baarden,
von denen eigentlich das Fischbein genommen wird. Sein Kopf
sieht sehr ungeschickt aus, beynahe wie eine Flintenkolbe.
Seine ganze substanz ist fast nichts als Thran, denn seine Haupt-
nahrung ist ein Ungeziefer oder Seespinne, die sich im Grunde
der See sehr häufig aufhält, %.und die er in großer Menge mit
dem Waßer einschluckt, %.und mit der Zunge zerdruckt. Dieses

/ Ungeziefer

/|P_126

/Dieses Ungeziefer ist lauter Thran. Sein Schlund ist enge %.und seine
Augen nicht größer als Ochsenaugen. Seine größeste Stärcke
ist im Schwanze, vor dem sich die Schiffe %.und chaluppen sehr in
Acht nehmen müßen. Sein größester Feind ist eine Art von Kä-
fer, wie ein Krebs gestaltet, der sich an seine genitalia setzet, %.und
ihm große Stücke ausfrißt. Sonst verfolgt ihn auch der Schwerdt-
fisch, der ihn mit seinem Schwerdte tödtet, %.und ihm nichts als die
Zunge nimmt. Der Hayfisch ist ebenfalls sein Feind. Die Ribben
die man von ihm zeiget, sind nicht vom getödteten, sondern vom
gestrandetem Wallfisch, wenn sie durch die Luft von der Fettig-
keit ausgezehret sind, ohne welches sie sehr stincken. Der Wall-
fischfang ist wegen der Eisschollen sehr gefährlich, aber ein-
träglich, denn ein einziger Wallfisch bezahlt eine Reise schon über-
flüßig. Man nimmt ihm nichts als den Thran, der auf der Stelle
gesotten %.und in Fäßer gethan wird, %.und die Baarden wovon der Fisch-
bein ist. Wenn man ihm nahe genung ist, wirft man ihm eine
Harpune ins Leib, die an einem Seile befestiget ist, wobey
aber immer ein Beil in Bereitschaft gehalten wird, um es
abzuhauen, wenn es sich verwickeln sollte, denn sonst würde
der Wallfisch die chaluppe mit sich in den Grund ziehen. Man
fährt ihm immer nach %.und wenn er herauf kommt um Luft zu schöpfen,
welches er öfters thun muß, besonders wenn er erhitzt ist, so
sticht man ihn mit Picken, um ihm die Lebenstheile zu ver-
letzen, welches daraus zu sehen, wenn die Waßer Strahlen die er
sprützet mit Blut vermenget sind. Wenn er todt ist, steigt
man auf ihn hinauf, legt ihm einen Thau um den Schwanz, da-
mit man ihn nicht verliere, wenn er zu Grunde gehen sollte. Als-
denn haut man ihm das Speck %.und die Barden aus, %.und läßt das
übrige den Seevögeln. Ein zweyte Art ist der Nord_Caper, der
bis aus Nord_Cap herunter kommt. Er hat derb Fleisch %.und nicht so viel
Thran, wird daher auch nicht so gesucht. Er schluckt Fisch, Heringe p
herunter.

/Der Finnfisch ist schwanck %.und schmal, hat eine fleischigte Gräte auf
dem Rücken, wovon er auch den Namen hat. Er kommt tief in die
Nord_See %.und wird wenig gesucht.

/ Der

/|P_127

/Der Grönländische Wallfisch hält sich im Eismeere bey Nova Zembla,
Spitzbergen %.und der Straße Davis auf. Der Pottfisch %.und Finnfisch kommen ins
Mittelländische Meer. Ehemals war der Wallfisch leicht zu finden %.und zu
tödten, als die Menschen ihn noch nicht scheu gemacht hatten. Jetzt flieht
er, so bald er ein Schif sieht, %.und geht, wenn er geänstiget wird, unter
das Eis. Man wagt sich ihm jetzt unter die großen Eisfelder nach, da
man von denen nichts zu besorgen hat. Doch kann man ihm nicht gleich
beykommen, indem er unter den Eisschollen fortgeht, %.und wenn er
auch ein solch Eisfeld umschiffen muß. Manchmal stirbt er auch
unter der Eisscholle, wo man ihm alsdenn gar nicht beykommen kann.

/Der Pottfisch oder die cahelotte hat auch ziemlich viel Thran, doch nicht
so viel als der Grönländische Wallfisch. Man bekommt aber von ihm das
sperma ceti, oder den Wallrath. Sein Kopf macht beynahe die Hälfte <(a)>
von ihm aus, so daß er einen ganzen Menschen verschlingen kann, des-
wegen glaubt man auch sehr wahrscheinlich, daß dieser Pottfisch den
Propheten Jonas verschlungen habe. Denn der Grönländische Wallfisch
kommt niemals in das Mittelländische Meer %.und hat auch eine solche
enge Kehle, daß er kaum ein Ey herunter schlucken kan. Im Gehirn
hat er ein Oehl oder Fett welches der Wallrath ist. Er hat davon eine
große Menge. Man sieht es oft auf den Küsten von Neuschottland
auf dem Waßer schwimmen. Es ist ein Schweiß treibendes Mittel.
Sonst gießet man in Engelland auch Lichte aus dem sperma ceti, wel-
che weißer als Wachs sind. Der Ambre Gris hat mit dem Bernstein
die Aehnlichkeit, daß er auf Kohlen geworfen sehr wohl riecht. Man
bedient sich seiner vornemlich im Orient, in den Pagoden zum Götzen
Rauchwerck. An den Küsten von Tunquin wird er oft noch ganz
klebricht ausgeworfen. Es glauben einige, daß dieser Ambre
gris eigentlich ein Oehl auf dem Grunde des Meers sey, wo-
von der Pottfisch manchmal etwas herunterschlucke. Wenn
man von Schottland nach Norwegen fährt, so begegnet man
ganze Züge von Finnfischen. Sie sind sehr leicht zu erschrecken.
Der Schwerdtfisch kommt sehr selten in die Ostsee, nur wenn er sich
darin verirret. Er ist ansehnlich, groß, %.und ein Feind von dem
Grönländischen Wallfisch, dem er nach nichts, als nach der
Zunge, welche ein großes Stück Speck ist, trachtet. Er tödtet
ihn, indem er ihm sein Schwerdt in den Bauch stößet. Der Säge- 

/ fisch

/|P_128

/fisch hat ein großes Schwerdt, welches gewunden ist, %.und solche Zähne
als eine Säge. Man weiß noch nicht den rechten Gebrauch dieser
Art von Waffen. Vermuthlich wird er so wie der Schwerdtfisch mit
diesem Rüßel, dem Wallfisch zum Schrecken dienen.

/Der Marwall sonst das Seeeinhorn, hat ein gewundenes Horn
aus der Schnauze herausstecken, welches 6 bis 7 Fuß lang %.und von
feinen %.und weißen Knochen ist.

/Das Manati oder die Seekuh ist in Kamschatka %.und den curilischen
Inseln auch in Westindien ziemlich häufig. Es wiegt bis 30
Centner, hat stumpfe Füße %.und endiget sich hinterwärts in
einen Schwanz. Seine Haut ist wie eine alte Eiche überall
zerborsten. Es kann sich nicht ganz untertauchen, sondern der
Rücken muß immer oben bleiben. Sein Fleisch ist so angenehm
wie Kalbsfleisch, sein Fett so schön, wie Butter. Das Fleisch wird
nicht so leicht faul. Dieses Thier heißet auch sonst Lamentin.
Bey Westindien soll es so zahm seyn, daß sich die Kinder auf
seinen Nacken setzen, %.und mit ihm herumschwimmen. Es ist sehr
dumm %.und daher auch leicht zu fangen.

/Der Hayfisch (corcaerias) spanisch Tuberal, englisch Scharck, der
Seewolf, der Wallhund ist das gefährlichste Seethier. An der Küste
von Gindo ist eine Barre vor dem Hafen, %.und zur Zeit des Südwindes
eine große Brandung. Alsden versamlen sich dort so viele
Hayfische, daß so bald ein Both umschlägt sie die Menschen
gleich weg haben. Wenn die Schiffe mit Negers nach Amerika
gehen so werden sie von einigen Hayen begleitet, die sich von
den Leichen, die aus den Schiffen geworfen werden, %.und von
alten Überbleibseln von Speisen nähren. Sie schnappen gleich
alles weg, was aus dem Schiffe herausfällt, so daß man in ihrem
Magen, Hammer, Beile p gefunden hat. Der Hay ist lang, hat einen
dicken Kopf %.und das Maul unter der Schnautze, so daß er sich
erst auf die Seite legen muß, wenn er den Raub freßen will.
Er hat oben %.und unten 3 Reihe Zähne die alle in einander paßen,
%.und in einer dicken Haut sitzen. Es kan ihm kein ander Fisch
wiederstehen, %.und das feste Land hat nicht ein solches Raubthier.

/ Wegen

/|P_129

/Wegen seiner Fräßigkeit ist er leicht mit dem Hamen zu fangen.
Alsdenn muß man ihm, wenn er herauf gewunden wird, den Schwanz
abhauen, sonst schlägt er damit alles entzwey. Seine Leber ent-
hält viel Thran. Es saugt sich oft ein kleiner Fisch, von denen
eine große Menge ein Schif aufhalten kan, an den Hay.

/Der Hammerfisch, kommt dem Hayen in so weit bey, außer daß sein
Kopf wie ein hölzerner Schlägel ist, worunter er das Maul
hat.

/Der Mantelfisch ist eine Art von sehr großen Plattfischen. Er wi-
ckelt in seine Haut, als in einen Mantel seinen Raub vorher ein.

/Der Braunfisch ist an den Küsten von Holland. Der Dorade %.und Del-
phin sind zwischen den Tropicis. Der Dorade ist ein goldgelber
Delphin.

/Der Seeteufel hat Hörner %.und eine Art von Klauen. Sein Schwanz
sieht wie eine Peitsche aus, woran auch Klauen sind.

/ ≥ Seewunder oder unbekannte Seethiere. ≤

/Der Meer-Mensch. Von diesem gehen abergläubische Erzehlungen
im Schwange. Eine der vornehmsten ist eine Aussage die Pantop-
pidan
erzählt %.und Lootson von Helsingöhr beschworen hat, ein
solches Thier gesehen zu haben, %.und noch eine andere ins oberhalb
Drontheim gestrandeten. Es ist schwer zu sagen, ob diesen Erzäh-
lungen Glauben beyzumeßen. Der Eid eines Matrosen ist von
geringer Bedencklichkeit. Vornemlich betrachten solche abergläu-
bische Leute ein solches außerordentliches Thier nicht genau, und
suchen sich nur je eher je lieber zu entfernen. Eine gewiße Art
von Plattfisch in der Mittelländischen See %.und an den Africanischen
Küsten hat mit dem menschlichen Bilde einige Aehnlichkeit. Denn
der Kopf, die Lage der Augen %.und die Nase kommen etwas damit
überein. Imgleichen hat er eine Art von Händen, die aber
mit einer Haut fest an den Leib angewachsen sind. Die Brü-
ste machen ihn noch ähnlicher, welche aber bey allen Seethieren
sind, die warm Blut haben %.und lebendige Junge gebähren. Die
Portugiesen nennen ihn einen Meer-Sau, %.und machen sich kein
Bedencken ihn zu eßen.

/ Der

/|P_130

/Der Seewurm oder die Seeschlange von der Pantoppidan eben-
falls viele, aber ziemlich glaubwürdige Beweise giebt. (Von die-
sem aber muß man unterscheiden die Nattern, die sich bey dem Indi-
schen Meere bey Malabar aufhalten.) Ihre Größe beschreibt er fol-
gendermaßen: Sie sey von ungeheurer Länge, habe 20 und
mehr Krümmungen, durch welche ein großes Boot durchfah-
ren könne. Ihre Dicke beträgt mehr als das größeste Weinfaß.
Ihr Kopf sey einem Pferdskopf ähnlich. Sie habe eine weiße Mähne.
Sie könne wegen der sehr großen Augen nicht in die Sonne sehen,
deswegen rudere man auch gegen die Sonne um ihr zu ent-
gehen. Sie zu vertreiben nehmen die Fischer Bibergeil mit sich
oder fahren ihr gerade zu auf den Leib, worüber sie erschrickt.
Ein See-Offizier schoß auf sie, aber ohne eine andere Würckung,
als daß sie zu Grunde ging. Ihr Unflat bedeckt oft gantze
Strecken auf dem Waßer. Es kommen alle diese seltene Thiere
nie bey ganz stillem Wetter %.und ruhiger See heraus. In Nor-
wegen zweifelt niemand daran.

/Der große Kracke, der nach Pantoppidans Bericht, das größe-
ste Thier in der Natur ist. Die Norwegischen Schiffer sind völlig
davon gewiß. Man urtheilet daß ein Kracke auf dem Grunde
sey, wenn bey Herablaßung des Senkbleyes, der Seegrund
nicht so tief an einem Orte als sonsten ist, oder wenn er sich gar
zu heben scheint. In diesem Fall eilet man schnell davon.
Denn sieht man in einiger Entfernung, wie sich allmählich
ein Berg über das Waßer hebt, auf welchem große
Zacken, als ungeheure, unbelaubte Bäume hervorragen.
Sein Umfang ist bis auf eine viertel Meile. Sein Cörper
scheinet keine regulaire Figur zu haben. Wenn er sich erhoben hat
so fallen aus seinem Schleim, den er vielleicht ausdünstet,
eine Menge Fische, von denen er stets umgeben ist, so daß über
ihn die reichsten Fischzüge geschehen. Wenn er sich plötzlich herun-
ter läßet, macht er über sich einen großen Strudel, den man
sehr vermeiden muß. Ein junger Kracke ist einesmals in
der Mündung eines Flußes stecken geblieben, der mit sei-
nem Gestanck ein ganzes Kirchspiel inficiret hat. Einen

/ ähnlichen

/|P_131

/ähnlichen Bericht hat man von einem See-Officier, der eine
Karte von der See aufnehmen sollte, %.und eine auf der alten Karte
nicht bezeichnete Insel mit großen Zacken %.und verdorrten Bäu-
men antraf, die die Schiffer die Teufels_Insel nannten, %.und ihm
sagten, daß sie bisweilen an verschiedenen Orten hervor kähme.
Er läßt sich nur bey gänzlicher Seestille sehen, scheinet überhaupt
sehr selten zu seyn, %.und nur an den Norwegischen Küsten.

/Daß es im Seegrunde nicht nur seltne, sondern auch ungeheure
Thiere geben müße, ist gar nicht unglaublich. Auf dem Lan-
de würden gar zu große Thiere durch ihre eigene Last zusammen-
fallen. Hier aber werden sie vom Waßer getragen %.und überall
unterstüzet. Daß diese Thiere so unbekant sind, kommt 1.) davon
her, weil sie nicht anders als bey gänzlicher Stille zum
Vorschein kommen, wo alsdenn kein Schiff fortkommen kan.
2.) Daß sie aber nur an der Norwegischen Küsten wahrge-
nommen werden, davon lieget nach dem Pantoppidan der
Grund, theils in der Beschaffenheit der Ufer, die in ganz
Europa nirgends so steil %.und so tief sind, theils in der
Lebensart der Einwohner, die fast bloß von der Fischerey
leben, %.und dabey dreist sind,%.und sich bey allen Jahreszeiten und
Witterungen tief in die See wagen.

/ ≥ Einige merckwürdigere Fische. ≤

/Der Zitterfisch (Torpedo) in den Africanischen Meeren hat die be-
sondere Eigenschaft, daß er ein Betauben in den Gliedern ver-
ursacht, wenn man ihn unmittelbar oder mit einem Stock
berühret. Deswegen man einen ganzen Fischzug fahren läßt,
wenn ein Torpedo darunter ist. Die Betäubung hat eine Aehn-
lichkeit mit dem Schmerze des gestoßenen Ellbogens. Durch
diese Eigenschaft hält der Zitterfisch, viele Raubfische, die ihm
nachstellen, von sich ab. Woher dieses Ersterben der Glieder eigent-
lich herkomme, ist unbekannt. Man bindet ihn einem Fieber-
haften auf den Leib %.und curiret ihn damit.

/Rotzfische sehen aus wie Gallerde, %.und scheinen bey dem ersten
Anblicke keine thierische organa sensoria zu haben. Sie zerflie- 

/ ßen

/|P_132

/ßen in den Händen, einige laßen ein Brennen zurück, %.und heißen
Meerneßeln.

/Der Blackfisch (Sepia) bey Tarento, imgleichen in der Nordsee, hat
in sich eine Blase, die mit einem sehr dunckeln schwarzen Saft ange-
füllet ist, den er außläßet %.und sich vor den Raubfischen in einer schwar-
zen Wolcke verstecket. Er hat einen Knochen in der Mitte seines
Cörpers, an welchem alle seine Muskeln angewachsen sind. Aus
diesem Knochen werden die Meerschaum-Pfeifen Köpfe gemacht,
wenn er vorher calciniret %.und vom Oehl befreyet ist, welcher her-
nach zerstoßen mit Gummi vermenget in Formen gegoßen
%.und beschnitten wird. Diese Knochen schwimmen oft auf der See
%.und werden von den Wellen an den Strand geworfen, woher auch
vielleicht die Benennung komt.

/Der Blaser ist ein giftiger Fisch in den Tropical Meeren, der
sich wie eine Kugel aufblähet %.und mit großer Schnelligkeit sich
um seine Axe herum dreht. Die Indianer tödten sich aus Ver-
zweiflung damit. Aber ein venerischer Mensch der ihn, um sich
zu tödten, verschluckte, ward durch das Gift von der Kranckheit
frey. Dieser Fisch hat mit den Polypen an der Brasilischen Küste
eine große Aehnlichkeit. Im Mittelländischen Meere soll es
eine große Gattung Polypen geben, die oft ein Täucher ergrei-
fen.

/Das Medusenhaupt ist ein Klumpen, der 5 Strahlen hat, an de-
rem jeden eine Menge Füße befindlich sind. Er wird von Pantop-
pidan
für die junge Brut der Kracken gehalten.

/Fliegende Fische haben Floßfedern, mit denen sie sich aus dem Waßer
erheben können, %.und eine Zeitlang herumflattern, aber nur so lan-
ge als die Floßfedern noch feucht sind. Doch ist die Meynung des
Profeß. Michaelis, daß in Salamim solche Fische gewesen, unge-
gründet. Sie sind in den Tropicis sehr häufig, sie werden im
Waßer von dem Delphin %.und allerhand Fischen, %.und in der Luft
von Vögeln verfolget.

/Goldfische sind roth, Kopf %.und Schwanz Goldfarben. Der Schwanz ist

/ ein

/|P_133

/ein schöner güldener Quast. Das Weibgen ist weiß, %.und der Schwanz
silberfarbig. Der Fisch ist kaum einen Finger lang. Die Chineser hal-
ten sie in porcelainen %.und gläsernen Schalen. Sie sind sehr empfind-
lich gegen die Veränderung des Wetters, wie vermuthlich alle
Fische, wegen ihrer Blase, die bey schwerer äußerer Luft, schwer
auszudehnen ist, %.und sie unruhig macht.

/Der Stockfisch ist auf den Schiffen so nötig, daß sein Fang der be-
trächtlichste ist. Er ist auch nützlich die Matrosen zu exerciren, weil
er in den entfernsten %.und gefährlichsten Oertern gefangen wird. Der
Stockfischfang von Terre neuve ist allein die Schule der französischen
Matrosen. Es ist daselbst in der Gegend von Cap Breton eine Steinbanck,
von 100 Meilen in die Länge, %.und 50 in die Breite, worüber das
Waßer ohngefehr 25 Faden steht. Hierüber streichen die Stock-
fische zu einer gewißen Jahreszeit, vielleicht weil es darauf
lichter %.und wärmer ist, %.und sie ihren Lauch darauf laßen. Es fahren
jährlich ohngefehr 300 Schiffe nach Terre neuve %.und jedes kan bis
25.000 Stockfische fangen. Sobald die Angel herausgeworfen wird
so hat ein Fisch angebißen, daher vor jeden Matrosen ausgerechnet
ist wie viel er in einem Tage fangen kan. Man findet oft in dem
Magen dieser Fische, allerhand Sachen, als Meßer, Steine p. Sie
sollen aber die Eigenschaft haben, daß sie den Magen ausschütten
können, indem sie ihn umkehren. Den Stockfisch zu trocknen bedien-
ten sich die Franzosen der Insel Terre neuve. Nachdem sie diese
verlohren, haben die Spanier ihnen zwey kleine Inselgen ein-
gegeben.

/Der Hering ist eigentlich im Eismeere zu Hause. Daselbst hält
er sich im Winter auf, weil es vielleicht alsdenn dort wärmer
in den Höhlen ist. Im %.Februar fängt er schon an sich den südlichen
Gegenden zu nähern. Im Johannis ist er bey den Arcadischen In-
seln, wo die Holländer ihn fangen. In der Johannis Nacht wird nach
12 Uhr das Zeichen gegeben, die Netze auszuwerfen. Er zieht
sich allmählig weiter vom Nord_cap, %.und geht mit einem gro-
ßen Schwarm nach Drontheim von da nach Bergen. Er zog
ehemals auch durch die Ostsee, verlohr sich aber darauf. Jetzt
nähert er sich wieder derselben, %.und seit einigen Jahren hat man
bey Gothenburg eine entsetzliche Menge gefangen. Ein anderes

/ Heer

/|P_134

/Heer gehet durch die Irrländische See. Sie vertheilen sich über-
haupt in 4 Heere, die sich im Herbst wieder vereinigen, und
ins Eismeer zurückziehen. Die Holländer haben mit dem
Heringsfange viel Geld verdient, %.und man rechnet daß sie ehe-
mals nach Abzug aller Unkosten 7 Millionen Holländische Gulden
jährlich damit gewonnen haben. Dieser große Vortheil aber ist an-
sehnlich geschmälert, da jetzt mehrere Nationen auf den Herings-
fang ausgehen, vielleicht auch, weil der Geschmack an den He-
ringen nicht mehr so allgemein ist. Auf den Holländischen Schif-
fen wird dem Heringe gleich der Kopf abgeschnitten, %.und er mit
Salz in die Tonnen gepackt. Daher haben die Holländischen He-
ringe vor den andern den frischen Geschmack voraus.

/ ≥ Von den schaalichten Thieren. ≤

/Zu diesen gehören 1.) die Schnecken, 2.) die Muscheln zu denen man
auch die Austern rechnen kan. Beyde haben außer der inneren
Einkleidung noch eine grobe äußere Schaale, die aus 2 Thei-
len besteht, welche sie öfnen können. Die Schnecken winden
sich wie der Hopfen um den Stamm, alle nach einer Gegend
hin. Die Purpurschnecke ist bisher noch unbekannt. Winkel-
mann
hat bey der Entdeckung des Herculanei gefunden,
daß die Purpurschnecke der Alten, wie die Blätter des Wei-
nes ausgesehen habe, die im Herbst abfallen. In America
findet man jetzt eine Schnecke, deren Saft ein unver-
gleichliches %.und unwandelbares roth enthält.

/Jede Muschel hat inwendig eine Lasur, welche das Perlen-
mutter ist. Dieses hat das changeant oder das Farbenspie-
len an sich, an statt daß bey den andern Muscheln, diese inne-
re Kleidung ungemein dünne ist. So ist bey dem Nautilus
(Schifsküttel) die ganze Schaale von Perlmutter. Aus einer
ähnlichen Nation, erzeugen sich in dem Fleische der Muschel,
Körner, die aus vielen Schichten, wie die Zwiebeln bestehen,
%.und Perlen heißen, %.und die gleichsam ein Magenball bey den
Muscheln sind. Sie finden sich nur bey einer Kranckheit der
Muschel. Es haben mehrentheils alle Muscheln auch im süßen

/ Waßer

/|P_135

/Waßer, Perlen, doch sind sie nicht von der Größe, wie im Salz-
waßer. Linnaeus soll durch ein Mittel in Schweden die Mu-
scheln gezwungen haben, Perlen zu erzeugen, welches Geheim-
niß er aber keinem entdecket hat. Am Persischen Meerbusen
bey Baharen %.und Elkatif giebt es die größesten %.und schönsten
Perlen. Bey dem Capo Comarin an der Küste von Madura sind
sie auch zwar in großer Anzahl, aber nicht von der Güte, wie
jene. Wenn die Muscheln gefischet sind, müßen sie erst faulen,
welches einen unerträglichen Gestanck verursachet. Alsdenn
werden sie in Gefäße gethan %.und Waßer darauf gegoßen, da denn
die Perlen auf den Grund fallen. Die Kleinsten davon heißen
Perlen Saamen, womit man entweder etwas auslegt, oder
sie auch zur Arzeney, statt der Krebssteine gebrauchet.

/Die Perle ist nicht eine junge Brut der Muscheln, sondern
eine Würckung ihrer Kranckheit. Man findet Perlen in
Sachsen, im Elster_Strohm, in Finnland, in Schweden, in Neu_Spa-
nien %.und in Mexico in großer Menge. Man kan die Perlen der
Muschel herausnehmen, %.und sie unverletzet wieder ins Waßer
setzen. Doch ist dieses nicht bey der Menge an der Küste von
Madura, practicable. Wenn die Perlen auf die oben beschriebe-
ne Art abgesondert sind, so siebet man sie durch Siebe von
Draht, %.und nach den Nummern der Seite werden sie bezahlt.
Die größeste Perle die man bisher gefunden, im Königreich
Mosca in Arabien, soll so groß seyn, als eine Muskat Nuß.
Die Engeländer hatten ehemals bey den Persern einen Antheil
an der Perlen Fischerey, als sie ihnen die Portugiesen von der
Insel Ormus vertreiben halfen.

/Die Englischen Austern sind die besten. In Indien giebt es eine
Art, wovon die Schaalen 2 Centner wiegen. Sie scheinen über-
haupt alle immer mehr zu wachsen, wenn sie nur nicht gestöhret
werden.

/Es giebt eine Meer-Muschel, die im Inwendigen des Steines
angetroffen wird. Man findet sie im Adriatischen Meer bey Ancona,

/ wo

/|P_136

/wo sie Meer-Dattel heißet. Sie muß nothwendig in diesem
Steine von seiner ersten Bildung an, viele Jahrhunderte durch
geseßen haben. Man trift sie auch im Marmor. An den Küsten von
Schottland führet die Fluth bisweilen die Muscheln hoch ans Ufer
bis auf die Gesträuche, an welche sie sich ankneipen, %.und mit der Zeit
wieder ins Waßer fallen. Weil nun zu dieser Zeit die Roth_Gänse
sich in der See zeigen, %.und man ihren Ursprung nicht weiß, so haben
einige geglaubet, daß die Muscheln sich in Gänse verwandelten.
Man nennet beyde Bernackels.

/Dactilus marinus ist eine Muschel, welche eine Zunge hat, wo-
mit sie sich in andere Muscheln wie im Steine bohret.

/Pinna marina webt mit ihrer Zunge eine gewiße Seide, woran
sie sich hängt. In Sicilien webt man von dieser Muschel seidene
Zeuge, %.und man glaubet, daß der byssus der Alten daraus bestanden
habe. Der Nautilus siehet sehr schön aus. Er ist als ein Horn gewun-
den. Wenn man ihn versteinert in der Erde findet, so heißet er das
Ammons_Horn. Seine Schaale bestehet aus verschiedenen Kam-
mern, in deren untersten er sitzt, wenn er auf dem Grunde der
See ist. Wenn er in die Höhe will, so steigt er aus einer Kammer in
die andere, %.und macht indem er das Waßer auspumpet, sein Haus
immer leichter, bis er endlich oben ist. Er spannet ein paar Füße
aus, die das Segel vorstellen, mit 2 andern rudert er.

/Es giebt eine kleine Muschel, die sehr weiß %.und gezackt ist, welche
in Ostindien Coris %.und an den Küsten von Africa Bugis heißet,
%.und die bey den Maldinischen Inseln gefischet wird. Dieses ist die
dortige Münze. In Bengalen gehen ohngefehr 10 auf ei-
nen Schilling.

/Die Corallen (zincken) sind im Grunde der Mittelländischen
See, %.und des rothen Meeres. Sie wachsen so ästig, wie krüpliche
Bäume. Es giebt rothe %.und weiße Corallen, welche dem Meer
diese Farben mittheilen. Man macht die so genannte Corallen
davon. In neuern Zeiten hat man entdecket, daß dieses Ge-
sträuche ein Behältniß vor ein See-Inseckt sey, das den
Polypen des süßen Waßers ziemlich ähnlich kommt. E«r»s hat
aus den Regelmäßigen Löchern, die in den Stauden sind, Füße

/ von

/|P_137

/von kleinen Thiergen. Sie backen diese Hölen, wie die Bienen
ihre Zellen zusammen. Mons. Trembelin hat die Eigenschaft der
Polypen erfunden.

/ ≥ Von den Inseckten. ≤

/Ihr Name kommt von secare her, weil sie Einschnitte, einen am
Kopfe, den andern unter dem Bauche haben. Linnaeus unterscheidet
sie dadurch von den andern Thieren, daß ihr Knochen Gebäude auswen-
dig ist. Es kommen die besten rothen Farben von den Inseckten her. Zu
diesen gehöret erstlich die cochenille 2.) der Gummilar 3. der
Kermes. Der Gummi_Lack ist eine Art Wachs, den eine kleine
Ameise zusammen trägt, %.und Zellen daraus bauet, worin sie ihr
Geheimniß leget. Ehe der Wurm herauskriecht, muß man das
Wachs in die Wärme bringen, wo er stirbt, %.und mit seinem Blu-
te, dem Wachs die Farbe giebt. In Bengalen stecket man Stöcke
in die Erde, woran die Ameise das Wachs trägt, welches viel reiner
seyn soll. Die cochenille ist die schönste Farbe in der Färberey.
Man brauchet sie auch sonst, viele andere Farben auf dem Zeuge
zu befestigen. Sie kommt von einer Baumwanze, welche sich in
Americka von den Blättern eines Baumes, Bomal, der
rothe Feigen trägt, nähret. Man bürstet sie mit großer Behut-
samkeit von den Blättern ab. Alsdenn wird sie im Backofen
getrocknet %.und zerrieben. Kermes heißen die Purpur_Körner
welche eine Art von Galläpfel sind. Diese wachsen auf eichenen
Blättern, wenn eine Schmeißfliege ihr Geschmeiß dahin geleget
hat. Dieser Wurm ist blutroth, %.und färbt mit seinem Blute das
Gewächse.

/Die Heuschrecken ziehen jederzeit von Norden nach Süden, und
sie laßen sich von dieser Linie durch nichts, als die höchsten Gebürge
abwenden. Ihr eigentlicher Auffenthalt ist in heißen Ländern,
in den Wüsten <von> Arabien, in Egypten, in Nubien p. Sie verdun-
keln mit ihrem Schwarm die Sonne. Sie freßen alles kahl bis
auf die Wurzel weg. Nach Europa kommen sie jederzeit über die
Wallachey, Siebenbürgen %.und Ungarn. Des Morgens können sie
nicht auff«f»liegen. Alsdenn kan eine Heerde Schweine zwar ei-
nen kleinen Theil von ihnen vertilgen, der aber gegen die Menge
unmercklich ist. Sie crepiren alle in eben dem Jahre, doch laßen
sie ihr Geschmeiß in der Erde zurück. In Egypten, Arabien p.

/ trocknet ~

/|P_137R

/δZ_4

/1. Die Insecten haben
kein Gehör %.und keinen
Geruch, aber einen uns
unbekannten Sinn in
den Fühl-Hörnern. Das
Gewürme hat kein
Gehör, keinen Geruch
%.und gröstentheils auch
kein Gesicht.

/Die meisten Insecten, in
sonderheit die Schmetter-
linge, verwandeln sich
dreymal. Die ganze
Lebenszeit der Insecten
dauert oft nur einige
Tage, selten länger
als einige Monathe. Auch
dauren verschiedene, z.E.
viele Fliegen, auch den
Winter hindurch, welchen
sie mit Schlafen zu brin-
gen, %.und die Krebse können
10 bis 12 Jahr leben.
Die Mücken entstehen
aus Würmern, wel-
che wie kleine Aale
aussehen, %.und sich im Waßer
aufhalten. ~

/|P_138

/trocknet man sie %.und speiset dieselben. Die heutigen Ausleger der
Schrift halten davor, daß es Heuschrecken gewesen wären, die den
Kindern Israel in der Wüste zur Speise vom Himmel gesendet
worden. Die eigentliche Bedeutung des hebräischen Wortes ist
verlohren gegangen, %.und Lutherus hat daßelbe willkürlich durch
Wachteln übersetzet.

/In Europa sind wenige Spinnen giftig. Die berüchtigste ist
die Tarantula, in Tarento, einer Stadt in Apulien im Unter-
theil von Italien, welche in einer heißen Gegend liegt, und
wenig Waßer hat. Diese Tarantula soll durch ihren Stich,
die Ursache von einer Kranckheit seyn, welche den Menschen
in Melancholie %.und Wahnsinn stürzet. Hievon soll er nicht
anders als durch eine Musick auf der Zitter oder Hautbois
oder violin können befreyet werden. Er soll alsdenn einen un-
wiederstehlichen Trieb zum Tanzen haben, %.und so lange tanzen,
bis er aus Müdigkeit niederfällt. Diese Tanztollheit soll bey
einem solchen Tarantulato alle Jahre wiederkommen. Ein
Schwedischer Medicus, der sich in Tarento aufgehalten, berichtet,
daß diese Spinne auf dem Felde sey, %.und den Landleuten nichts
tue, daß die eingezognen Frauenzimmer in der Stadt am mehre-
sten dieser Kranckheit unterworfen wären, daß man keinen
einzigen Beweis habe, daß diese Kranckheit von der Taran-
tula herkomme, sondern daß man sie ihr, weil man die rechte
Ursache nicht wiße, zuschreibe. Vielleicht rühret diese Schwer-
muth %.und dieser Wahnsinn von gewißen hysterischen Zu-
fällen her, %.und vielleicht schlägt, die sonst so große Neigung
des Frauenzimmers zum Tanzen, in eine Tanztollheit aus.

/In Ceilon ist ein Spinne von der Größe einer Mannsfaust, De-
moculo. Diese webt ein Netz, worin sich kleine Vögel fangen
laßen.

/Die Nervenwürmer (Colubellae) sind eine Elle lang, %.und so
dünn als eine Seyte. Sie winden sich in einen kleinen Hau-
fen zusammen, %.und liegen unter der Haut, als ein kleiner Schwulst.
Wenn man diesen Nervenwurm herausziehen will, muß man sich
vorsehen, daß er nicht abreiße, denn sein Saft ist tödtlich. Er setzet
sich gemeinhin in die Wade. In Amerika ist eine Art von Flöhe

/ Nuyen

/|P_139

/Nuyen, die sich unter die Haut freßen. Sie müßen mit einem
ganzen Stück Fleisch ausgeschnitten werden.

/Die Wanderameisen halten sich in den Wüsten von Arabien auf.
Zu Zeiten ziehen sie in die Städte %.und Dörfer der Neger. Sie freßen alles auf
was sie antreffen. Sie verzehren eine ganze Kuh. Ein Krancker, der
keine Hülfe hat, ist verlohren. Die Portugiesen geben ihnen alsdenn
ihre Häuser preiß, die sie von Mäusen, Katzen, Heuschrecken p. rei-
nigen In der Gegend von Carthago in Americka giebt es eine
Art Inseckten, die in einer Nacht einen Kramladen<2> ganzen<1>
in Faden zerstöhren können.

/Die Wanze Coja, in America ist so zart, daß wenn man sie auf der
Haut fühlt, %.und nach ihr schlägt, man sie gleich zerdrückt. Ihr Blut
ist das größeste Gift, sobald daher der Neger merckt, daß ihn
etwas beißet, so geht er zu einem andern, der sie wegblasen
muß.

/Die Mastike eine Mücke, sticht das Gesichte, daß es hoch davon auf-
läuft. Der Kakelaks, ein stinckender Käfer, %.und der Tausendfüßer
beißen %.und stechen sehr gefährlich.

/ ≥ Von den kaltblütigten Thieren. ≤

/Zu diesem gehöret 1. die Schlange. Sie ist bey uns selten recht gif-
tig. Die Wiper ist uns noch am gefährlichsten. Alle eigentlich gifti-
ge Schlangen haben bewegliche Zähne. Sie haben Zähne zum Freßen,
%.und andere zum vergiften. Diese sind hohl, krumm, zart, stecken in
einer Haut %.und können so niedergeschlagen werden, wie die Klauen
der Kazen. Das Gift sitzt unter einem Bläsgen unter dem
Zahn, %.und fließt durch die Höhlung heraus. Wenn man der Schlange
diese Zähne ausgebrochen hat, so kann sie gar nicht schaden. Die
Wipern braucht man bey uns zur Nervenstärckung. Ihr Fleisch
giebt einen schönen Gallert. Alle Schlangen vergiften nur durchs
Beißen. Ihr Geifer ist nicht schädlich, wenn er sich nicht unmittel-
bar mit dem Blute vermenget. Man kann ihn sicher in den Mund
nehmen %.und herunterschlucken. Doch muß man sich vorsehen, daß
nicht die geringste Wunde vom Zahnfleisch, oder sonst im Mun-
de sey. An den Grenzen von Egypten bey Libien halten sich gan-
ze Familien auf, die mit den Schlangen, denen die Giftzähne
noch nicht ausgebrochen sind, so umgehen, wie sie wollen. Sie

/ stopfen

/|P_140

/stopfen die Schlangen in den Busen %.und laßen sie in dem Munde
herumlaufen. Eben diese Schlangen tödten andere Thiere auf
der Stelle, wenn sie ihnen zu nahe kommen. Die Römer erweh-
nen schon dieser Leute, %.und nennen sie Marsos %.und Phyllos. Sie
laßen sich zu diesem Kunstücke, von einem türckischen Priester
vorher einweihen, um ein Blendwerck zu machen. Sie halten
diese Kunst so geheim, daß man sie seit so vielen Jahrhunderten
nicht von ihnen erfahren hat. Es ist zu glauben, daß sie etwas
eßen, oder ihren Cörper womit bestreichen müßen, das den Schlan-
gen zuwieder ist. In Chartagena giebt es eine kleine Boh-
ne, wenn man diese ißt, so fliehen alle giftige Thiere, an dem
Tage da sie gegeßen werden, von den Menschen. Ludolph nennet
eine Pflanze Assa zoe die auch diese Eigenschaft haben soll.

/Zu den giftigen Schlangen gehöret 1. die Klapperschlange, im Nord-
lichen Theile von America. Jetzt sie da nicht mehr so häufig,
weil die Europäischen Schweine sie ziemlich aufgerieben haben,
%.und vor denen sie auch fliehen. Die Europäer selbst schlagen sie todt,
wo sie sie nur antreffen. Die Indianer thaten dieses nicht, sondern
schonten sie, weil sie glaubten es wäre der Teufel. Die Schlange
ist von der Dicke eines Mannsschenckels hat 4 Fuß in die Länge
%.und einen Schwanz der aus verschiedenen Gelencken bestehet, welche
mit einer dürren Haut überzogen sind. Wenn sie diese Glieder
bewegt, so giebt die dürre Haut einen Schall. Wenn es aber
geregnet hat, so geschiehet dieses nicht. Alsdenn gehen die Indi-
aner nicht aus, weil man sich ohne das Geklapper vor der
Schlange nicht hüten kan. Sie kriecht sehr langsam fort, %.und kan
keinem Thier entfliehen. Sie kann nicht springen, doch hebt sie
sich auf dem Schwanze höchstens so hoch, daß sie dem Menschen
den Schenckel verwunden kann. Sonst giebt es eine andere
Schlange in America, die dem Menschen wie ein Pfeil nachschießt,
aber nicht giftig ist. Die Klapperschlange bietet den Menschen
den Kopf. Wenn sie böse ist, so hat sie solche rothe schreckliche Augen
daß man sich oft vor alteration, nicht vor ihr reteriren kann. Alle
Thiere haben vor ihr Furcht. Wenn sie böse ist, so klappert sie starck
%.und haut alles was ihr zu nahe kommt, danieder. Ihr Gift ist pené

/ trant

/|P_141

/trant %.und es hilft wenig davor. Sie lieget gern unter umgefal-
lenen Bäumen, daher die Indianer auch nicht leicht auf einen
Ast treten. Das merckwürdigste ist, die ihr imputirte Eigenschaft,
daß sie Thiere frißt, %.und so dum machen kann, daß sie ihr von selbst
in den Rachen fallen. Hasselquist hat durch hinlängliche Zeug-
niße der Reisenden dieses bestätiget gefunden. Sie kann nach
dieser Kraft einen Vogel nöhtigen, vom Baume herunter
zu fallen. Anders konnte man sich die Sache auch nicht vorstellen,
da sie Thiere frißt, die unendlich viel schneller als sie sind.
Es ist fast zu vermuhten, daß sie einen benebelnden Dampf aus-
stößet, der von weitem schon die Sinne der Thiere verwirret. Ein
Schwein ist von dieser Bezauberung sicher, weil das Fett vor
aller Beschädigung des Giftes schützet. Ihr Fleisch ist gut zu
eßen. Condamine führet eine Schlange im Amazonen_Strohm an,
die so groß, wie ein ungeheurer Baum seyn soll. Sie wäre sehr
unbeweglich, %.und fräße gleichwohl die flüchtigsten Thiere, die sie
so gar durch einen beneblenden %.und süßen Dampf zu sich hin-
lockt. Die Durstschlange verursachet durch ihren Biß einen
großen Durst. Cobra di capello, die Hutschlange, hat oben auf dem
Kopfe einen Hauth, wie eine Kappe. In ihrem Kopfe soll der be-
rühmte Schlangenstein seyn. Doch ist er ein Werck der Kunst
von calcinirten Ochsen-Knochen mit einer Art Erde. Er saugt
sich an die Wunde, %.und fällt nicht eher ab, bis alles Gift heraus
ist. In der Milch läßt er es wieder fahren. Es ist besonders daß
gemeinhin die Theile von den giftigsten Thieren, das beste Ge-
gengift sind. So ist das beste Mittel wieder den Biß des Scor-
pions, wenn man ihn zertritt %.und auf die Wunde legt, oder Scorpi-
ons_Oehl brauchet. Das Wipern %.und Schlangen_Fett sind auch die
besten Mittel wieder ihren Biß.

/Der Scorpion ist so groß, wie ein kleiner Finger. Sein Schwanz
ist zur Seite gebogen, %.und hat an der Spitze einen Stachel, wo-
mit er sticht, wenn er getreten wird. In Italien ist er
sehr häufig. Man findet ihn im Stroh, im Bette, in den Pan-
toffeln p. Man hält ihn vor einen Selbstmörder, denn wenn man
ihn unter ein Glas setzet, %.und Tobackrauch hineinbläset, so

/ wird

/|P_142

/wird er unruhig, bekomt convulsiones %.und haut sich selbst mit
dem Stachel. Doch ist zu vermuhten, daß dieses eher von unge-
fehr geschiehet %.und nicht aus dem Triebe sich um das Leben zu bringen.

/Der Cameleon ist mehr in der Allegorie der Dichter, als in der
Naturhistorie beruffen. Er ist eine Art von Eidexen doch etwas
größer, %.und hält sich in Africa %.und Arabien auf den Bäumen auf.
Er ist ein Ameisen_Freßer, %.und hat eine Zunge die so lang ist, als
er selbst, %.und die er im Munde zusammenrollen kann. Sie ist mit ei-
nem klebrigten Safte bedeckt, woran die Ameisen sitzen bleiben.
Er verändert seine Farbe nach Belieben. Wenn er böse ist, so siehet
er aschgrau %.und ganz mager aus. Manchmal ist er fahlgelb mit
braunen Flecken, oft ist er auch grünlich. Doch die rohte Farbe
nimmt er gar nicht an. Man hat geglaubet, daß er ganz ge-
nau die Farbe des Bodens annehme, worauf er liegt. Dieses
komt eines Theils davon, weil seine Haut ziemlich durchsich-
tig ist.

/Der Salamander ist eine Eidexe. Der Umstand daß er im Feuer
ausdauren soll, ist unrichtig, doch hält er ziemlich lange auf
den Kohlen aus, weil er aus zwey großen Schweislöchern
einen klebrichten Saft herausfließen läßt. Er muß aber
endlich doch crepiren.

/ ≥ Von den Vögeln. ≤

/Einige Vögel können nicht fliegen, ob sie gleich Flügel haben. Der
Straus %.und der Casuar bedienen sich beyde nur der Flügel, um ihren
Lauf geschwinder zu machen, %.und sich zu lüften.

/Anstatt daß bey andern «Thieren»<Vögeln> das faserigte Wesen, das aus dem
Kiel wächst in einander gefügt ist, so stehen sie bey diesen beyden
beynahe wie Borsten, %.und ihre Federn sehen wie Haare aus, ausge-
nommen die Schwanzfedern, welche weiß %.und sehr schön sind, an-
statt daß die übrigen grau sind. Der Straus (Strateo-camelus)
weil er einen langen Hals, einen höckerichten Rücken,
%.und einen kleinen Kopf hat, trägt mehrentheils den Kopf so
hoch als ein Reuter auf dem Pferde sitzet. Er hält sich in den
Wüsten, in den dürresten Gegenden auf. Er legt die Eyer in den
Sand %.und brütet sie des Nachts. Des Tages thut dieses die Sonne.

/ Von

/|P_143

/Von den Arabern wird er durch ihre schnelle Hunde %.und Pferde ver-
folgt. Im Anfange läuft er schneller als alle Hunde, endlich
aber ermüdet er. Er reißet einem jeden Thier auch dem
Menschen, wenn er gegen ihn springt, %.und ihn trift, den Bauch auf.
Auch mit dem Schnabel wehret er sich. Wenn er getödtet ist, so
schneidet man ihm ein Loch in den Hals, bindet es hernach
zu, %.und schüttelt ihn hin %.und her, wodurch alles Fett im Leibe zu-
sammenläuft, das man hernach aus dem Loch, wie Blut her-
ausgießet. Unter dem Flügelknochen hat er einen Stachel,
wie ein Hahnensporn. Einige glauben, er sporne sich selbst
damit an, andere, daß er sich damit zur Ader laße. Vielleicht
ist das letztere gegründet.

/Der Casuar ist etwas kleiner als der Straus, %.und hat ein
Hornhaut auf dem Kopfe. Er hat starcke Füße, doch nicht Hufen,
ist schwarz, hat strupfigte Haare, wie Borsten. Er schlucket
manchmal glüende Kohlen mit herunter, weil er sehr ge-
fräßig ist. Doch geht alles unverdauet weg. Überhaubt
brauchen alle Thiere von Musculösen Magen noch immer etwas
Hartes unter dem Futter, damit es eher davon zermalnet
werde. Thiere von häutigen Magen aber zermalmen theils
das Futter schon mit den Zähnen, theils wird es durch den Spei-
chel aufgelöset.

/Der Condor, Cuntar ist nirgends anders als in Americka. Er
ist das größeste fliegende Thier. Von einem Flügel bis zum
andern gemeßen, hat er 16 Fuß. Er würde furchtbarer seyn, wenn
er Klauen hätte. Doch hebt er oft ein Schaaf oder ein Kalb auf, %.und
flieget mit davon. Er vermehret sich wenig %.und leget höchstens
zwey Eyer, welche auch nicht immer auskommen können, denn er ist
sehr rar. Die Indianer hohlen sich aus seinem Neste allerley Wild-
prett, welches er sich für die Jungen zusammenholet. Sie tref-
fen auch oft in seinem Neste ein Kind von ihnen, auch manchmal
noch wohl lebendig an.

/Der Colibri ist der kleinste Vogel. Er heißet auch sonsten der Bie-
nen_Vogel. Der Zaunkönig ist gegen ihn so groß, wie ein Adler.
Seine Eyer sind wie Erbsgen. Die kleinste Art ist so groß wie
ein Käfer. In der Natur ist er der schönste Vogel, denn er

/ spielet

/|P_144

/spielet mit seinen Federn das kostbarste changeant. In Brasi-
lien soll er seyn, doch nicht in Nord_Amerika. Überhaubt sehn
die Vögel in Americka unvergleichlich aus haben aber ein
häßliches Geschrey. Die Spinne Democulo, von der oben gere-
det ist, soll ihn in ihrem Netze fangen. Er soll den Adler ums
Leben bringen, indem er sich ihm unter die Flügel setzet, %.und ihm
seinen spitzigen Schnabel in das Fleisch drücket.

/Der Paradies_Vogel ist von sehr feinen Federn die blasgelb
sind, %.und sehr schön aussehen. Die Indianer von Jewa tragen
ihn auf dem Kopfe wie eine Mütze, weswegen ihm auch zu
jederzeit die Füße weggeschnitten sind.

/Der Pelikan. Man sagt, von ihm, er ritze sich die Brust
auf, %.und füttere auf diese Art seine Jungen. Er hat den un-
geschicktesten Schnabel, der breiter %.und länger als ein
Reiher Schnabel ist. Unter dem Schnabel hat er einen
Sack, in dem er wohl einen Eimer Waßer beherrber-
gen kann. In dem Neste soll er einen Vorrath von Waßer
aufbehalten können, daher Tyger %.und Löwen in großer
Waßers Noth sein Nest aufsuchen, aber die Jungen
unbeschädigt laßen sollen, damit sie das Nest nicht zer-
stöhren. Es ist aber eher zu glauben, daß sie den Jungen
das Waßer aus den Kröpfen saugen.

/Die goldenen Hüner von China. Die Weibgen sind silber-
farb, %.und die Mängen goldgelb mit den schönsten Schattirungen.
Es ist besonders daß unter den Menschen das Weib schöner
ist, als der Mann, %.und unter den Thieren das Männgen
immer schöner ist als das Weibgen. In den heißen Zonen
sind die Vögel weit blutfarbiger als in den kältern.
Z.E. der Pfau, der mexicanische Papagey. In Pohlen ist ein
Vogel R¿¿bitz der in Italien Pendulino heißet. Er ist eine
Art von Meise aber etwas kleiner. Er macht sich sein Nest
aus Fasern, die er von den Pflanzen ziehet, er strickt
es ordentlich mit Maschen, so daß es als ein grober Hand-
schu aussiehet. Er hängt es mit Bändern an den Baum,
%.und von der Seite ist eine Oefnung, wo er hineinschlei- 

/ chen

/|P_145

/chen kan. An der Küste von Guinea findet man an den
Ufern der Flüße eine Menge von Nestern so häufig hengen,
daß es Früchte zu seyn scheinen. Sie schweben alle über
dem Waßer, weil die Affen, die gerne die Nester aus-
spähen, das Waßer scheuen.

/Der Pinguin kann vom Lande nicht auffliegen. Er muß
zuerst ins Waßer gehen, wenn er auffliegen will.

/Der Kuckuck hat nicht sein eigen Nest, sondern suchet
die Grasmücken Nester auf, %.und vertheilet darin seine
Eyer. Die Grasmücken brüten mit ihren Eyern das
Kuckucks Ey aus, %.und denn kommt der große Kuckuck hervor.
Sie ernähren ihn so lange mit ihren Jungen, bis er ausflie-
gen kan. Es ist aber falsch, daß er die Grasmücke, die ihn
ausgebracht hat freße, denn er ist kein Raubvogel. Nach
Johanni federt er, %.und siehet so grau aus wie ein Falcke.

/Von den Falcken sind die Isländischen weißen die besten.
Man richtet ihn zur Jagd ab. Entweder läßt man ihn nur
am Stricke auffliegen, um durch die Furcht die Vögel
dahin zu bringen, daß sie sich bücken, wobey sie sich als-
denn nicht hüten %.und man das Netz über sie spannen kan.
Er wird auch dazu gebraucht, daß er die Vögel erhasche. Be-
sonders ist deswegen die Reyherbeitze merckwürdig. Man
sucht die Nester der Reyher auf, %.und läßt den Falck, wenn
der Reyher die Jungen abfüttert, aufstoßen. Der Reyher
sucht sich zuerst von vorne %.und von hinten zu entledigen,
alsdenn stößet er auf, %.und sucht immer über den Falck zu
kommen. Wenn der Falck doch endlich über ihn kommt, so hält er
den Schnabel in die Höhe, %.und sucht den Falck darauf zu
spießen. Es gelingt ihm manchmal damit, doch wird er die
mehrste Zeit gefangen. Man thut ihm weiter nichts, als
daß man ihm einen Ring, um den Hals wirft, worauf
die Jahrzahl stehet, wenn er gefangen worden. Alsdenn
läßt man ihn wieder laufen.

/ Man

/|P_146

/Man braucht auch sonst den Falck zur Hasenjagd, in
Persien große Thiere, Hirsch und Rehe zu beitzen. Man
richtet ihn hiezu so ab. Man befestiget eine Rehhaut auf
einer Karre, %.und giebt dem Falck niemals sein Futter
anders, als zwischen dem Kopf %.und dem Geweyh. Man
fähret mit dem Karren, während daß er frißt fort.
Giebt man ihm alsdenn einen Morgen nichts zu eßen,
so stößt er auf das Reh %.und zerfleischet es. Man sucht
ihn überhaupt, wenn man ihn auf alles abrichten will,
erst wahnsinnig zu machen %.und ihm seine Thierische Nei-
gungen zu benehmen, indem man ihn 3 bis 4 Tage
niemals einschlaffen läßet. Alsdenn stößet er auf alles
zu, so daß er oft kaum mit dem Leben davon kommt.
Wenn er federt, bekommt er seine thierische Begriffe
wieder, %.und sucht weg zu schleichen. Alsdenn muß man
ihn wieder abtragen.

/Die Krop-Gänse in China gebraucht man um Fische
zu fangen, die sie in den Kropf schlucken, um welchen
ein Ring ist, durch den man sie herauspreßet. Eine
Gattung wilder Gänse in America, Africa %.und China
fängt man so. Man wirft hohle Kürbiße auf das
Waßer, woran sich die Gänse gewöhnen %.und spielen.
Alsdenn machen die Schwimmer einen Loch in den Kür-
biß, stecken den Kopf hinein, %.und schwimmen den Gän-
sen nach. Sie ziehen die Gänse eine unvermerckt nach
der andern «bey»<an> den Füßen herunter.

/Die Vögel bringen die Saamen von vielen Pflanzen
in andern Gegenden herüber. Der Caneel-Vogel in
Ceilon legt den Saamen den er nicht verdauen kann, in

/ Ge- 

/|P_147

/Gegenden hin, wo sonst kein Caneel wächst. In den Molucki-
schen Inseln bringt ein gewißer Vogel die Muskat-Nüße
in ganz fremde Gegenden. Der Meistel_Saamen wird
wahrscheinlich durch die Vögel auf die Eichen_Blätter
gebracht. Diese Meistel ist eine planta parasitica,
die ihre Wurzel in andere Pflanzen legt. Die Beeren des
Meistel_Krauts geben den Vogelleim. Es giebt ganze
Inseln die bloß zur Wohnung der Vögel dienen, diese
sind mit Mist 2 bis 3 Fuß hoch bedeckt, so daß nichts
darauf wachsen kann. Bey Peru sind solche Inseln, worauf
die Vögel Guanas heißen %.und mit deren Mist man die meh-
resten Felder von Peru dünget. Es soll einen Sturm be-
deuten, wenn man in offener See Landvögel gewahr
wird. Besonders zeiget sich ehe Stürme sind, weit
vom Lande eine Art von Adler (ossifraeja). Es kann bis-
weilen ein Sturm schon in der Ferne wühten %.und den
Vogel auf die See verschlagen, der ehe drauf ankommt
als der Sturm selbst.

/ ≥ Von den Zügen der Vögel. ≤

/Man pflegt Strichvögel diejenigen zu nennen, d«e»ie im
Frühlinge %.und im Herbst in großen Strichen ziehen, doch
nicht aus dem Lande, dergleichen sind die Lerchen %.und die
Droßeln. Die Zugvögel sind diejenige, welche im Winter
die kalten Länder räumen, %.und in wärmere ziehen. Es
verlieret sich eine Menge von Vögel im Winter, die ihr
Futter nicht haben können %.und von denen man auch alsdenn
keinen einzigen findet. Andere verlieren sich auch, doch
zeigen sie sich im Winter dann %.und wann beym warmen
Wetter wieder. Z.E. die Lerchen. Unter den Zugvögeln

/ sind ~

/|P_147R

/δZ_2

/Zahllos sind die lebendigen
Geschöpfe der Erde. Die Luft,
das Meer, %.und die Erde wim-
meln von ihnen. Auch in
denen Räumgen, die dem
menschlichen Auge zu
klein sind, zeigen die Ver-
größerungsgläser le-
bendige Gewürme in
großer Anzahl. Ein
Tropfe, den der Mensch
von seinem Finger sprü-
zet, ist ganzen Völker-
schaften von Gewürmen
ein Meer. Die reiche Na-
tur hat ihre Schätze von
mancherley Art, zur Nah-
rung der Creatur, allent-
halben ausgestreuet.
Und wo sie auch ihre Schätze
hingestreuet hat, da sind Ge-
schöpfe, die sich davon sätti-
gen. Alles auf %.und in der
Erde ist voll davon. ~

/|P_148

/sind zuerst die Störche zu mercken. Diese nehmen ihren
Abschied ganz regelmäßig, versamlen sich alle an
einem Tage %.und es bleibt keiner von ihnen zurück. Doch
hat man nie in einem anderm Lande die Ankunft die-
ser Vögel bemercket. Wie können sie auch, besonders
die kleineren, einen solchen Zug thun? Die Wachteln
die in Italien, nach dem Mittelländischen Meere zie-
hen %.und da verschwinden, fliegen sonst sehr schwer, und
würden die Reise über die See nicht thun können.

/Von den Schwalben ist noch am ersten zu glauben, daß sie in
entfernte Länder ziehen, da sie einen solchen schnellen
«Pflug» <Flug> haben. Man hat auch am Seenegall einsmals
ein großes Heer Schwalben ankommen gesehen, zu der
Zeit als man sie in Europa vermißte. Die Schwalben
die man bisweilen aus Waßern, wo Rohr wächst, fischet,
%.und die wenn man sie in ein warmes Zimmer bringet,
wieder aufleben, beweisen noch nicht, daß sie insge-
samt den Winter über unter dem Waßer bleiben.
Vielleicht sind dieses verunglückte Schwalben, die sich
bis spät in den Herbst hier aufhalten, %.und denen es, weil
die Mücken zu fehlen anfangen, sehr kümmerlich geht.
Sie suchen alsdenn ihre Nahrung, bey dem Waßer im Schilf
auf, wo es ruhig ist, %.und fallen alsdenn von dem Rohr
ins Waßer herunter. Gleditsch band einen rohten
Faden von rohter Farbe die im Waßer nicht ausfält, einer
Schwalbe um den Fuß, %.und als sie das folgende Jahr wieder-
kaam war der Faden noch roth. Es muß nothwendig ein
großer Theil Schwalben im Waßer umkommen, weil sie

/ von

/|P_149

/von keinen Thieren oder Menschen aufgerieben wer-
den, %.und sich doch nicht sonderlich vermehren. Es samlen
sich auf einer Insel Capri, an den Küsten von Italien
eine große Menge von Wachteln hin, die doch nirgends
anders hinkommen, als über die See. Der Bischof von Ca-
pri hat von denselben die mehresten Einkünfte. Bonnet
glaubet, daß die Vögel alle mit gewißen Winden gehen
%.und mit andern kommen. Auf diese Art könnten die Wach-
teln, %.und noch eher die Störche diese Reise thun, doch mag
ein großer Theil von diesen Zugvögeln unter Wegens
umkommen, welches auch die Ursache von ihrer Vermin-
derung seyn mag. Viele Thiere brauchen den Winter
über keine Nahrung, sondern bringen ihn in einer
Art von Schlaf zu. Die Inseckten %.und Frösche ziehen nicht
weg, %.und leben auch nicht den Winter über. In Americka
soll es eine Schlange geben, die man trocknen und
einige Jahre hindurch aufbehalten kann, die aber im
warmen Waßer wieder auflebt.

/ ≥ Vom Pflanzen_Reich

/Alle Bäume haben in wärmeren Climaten dichteres
Holz, die Früchte mehr Kräfte %.und öhligte Theile. Die
Bäume wachsen auch zu einer größeren Höhe. Gegen Nor-
den nehmen sie allmählig ab, bis sie endlich nichts als
Strauch werden, %.und in Lapland wächset nur das Rennthier
Moos. Das Rheinsche Eichen_Holz ist das beste, bey uns
ist es schon schlechter, in Norwegen noch schlechter als
bey uns, %.und endlich weiterhin wächst kein Eichenbaum mehr.

/ In ~

/|P_149R

/δZ_19

/Hiezu gehören alle Körper
der Erde, welche eine organische
Struktur %.und eine
Art des Lebens aber
keine Empfindung
%.und willkührliche Be-
wegung haben.

/b) Eine organische Struck-
tur ist eine solche Ein-
richtung eines Körpers,
vermöge welcher in
demselben Absonderungen
%.und Vereinigungen fester
%.und flüßiger Theile nach
den Gesetzen der Bewe-
gung vorgehen. ~

/|P_150

/In den wärmern Climaten findet man Bäume %.und Pflan-
zen, die den Menschen im rohesten Zustande, ohne alle seine
Bemühung unterhalten können. In den Nordlichen Gegen-
den kan sich der Mensch nur durch Kunst %.und Mühe unterhal-
ten. Hieraus sieht man, daß die Menschen nicht glebae
adstricti seyn können. Zu den Früchten, der wärmern
Climaten gehöret

/1.) Der Brodtbaum, auf den Ladronischen %.und Philipinischen
Inseln. Seine Frucht ist sehr nahrhaft, sie ist größer wie
ein Ballon, %.und hat inwendig ein Mehl, wie Semmelmehl.

/2.) Der Sagobaum auf den Moluckischen %.und Sudaischen
Inseln. Es kommt von ihm die Sago_Grütze. Der inwen-
dige Kern des Baums, wird mit heißem Waßer gestampfet,
wo den ein schleimigtes Wesen herauskommt. Wenn sich
dieses setzt %.und trocknet, so wird es ein Leim. Dieses
körnet man %.und mahlet es zu Grütze. Diese Sago_Grütze
ist schwächlichen Personen sehr gut, %.und soll in Kuhren sehr
heilsahm seyn.

/3.) Der «¿»Palmbaum. Er ist so nutzbar, daß der Indianer
sich allein davon ernähren kann. Die eine Seite bohrt man
an, %.und zapft den Saft heraus, welcher Palmenwein
heißet. Er muß am 2ten Tage getruncken werden,
sonst verdirbt er. Der Palmen_Seckt ist ein Trauben-
saft von der Insel La_Palma. Alle Bäume von der
Palmen Art haben eigentlich keine Aeste, sondern aus dem
Kopfe des Stammes kommen die großen Blätter hervor.
Der Stamm ist schuppigt, so daß man leicht heranklettern

/ kan. ~

/|P_150R

/δZ_2

/Einige Pflanzen dauren
den Winter hindurch fort,
%.und schlagen im Frühjahre
entweder aus den Zwei-
gen oder den Wurzeln
von neuen aus, welche
daher perennirende
Pflanzen heißen; an-
dere verdorren im
Herbste, welche jähr-
liche %.Pflanzen heißen. ~

/|P_151

/kan. Oben an dem Stamm sitzen die Früchte, welches die Dat-
teln sind, die eine Hauptfrucht in Egypten %.und Arabien
ausmachen. Die Palmenbäume haben beyderley Geschlechter.
In Egypten bindet man die Blühten vom männlichen
Stamm, an die Zweige des weiblichen. Ein weiblicher Stamm
trägt auch zwar Früchte, doch kan diese Frucht nicht einen
andern Baum fortpflanzen. Sie ist überdem unschmack-
haft %.und kommt nicht zur Reife.

/Der Cacosbaum ist eine Art von Palmenbäumen. Die
Cacosnuß dienet dem Indianer an der Stelle aller Haus-
gerähte. Wenn er oben ein Stück wegschneidet, so hat er
ein Trinckgeschirr. Schneidet er sie in 2 Hälften und
macht Stiele daran, so hat er Löffel. Aus dem Stamme
des Baums macht er sich einen Kahn, %.und von der Bast-
rinde die ihn umgiebt, Stricke. Mit den großen Palm-
blättern deckt er sich den Tisch %.und die kleinern braucht er
zu Tellern. Die Spitze des Blattes dienet ihm zur Nadel
%.und die Fasern zu Zwirn. Die Maldivische Cacosnuß ist
wie ein Herz halb getheilt. Man fischet sie aus dem
Grunde der See bey den Maldivischen Inseln. Auch giebt
das Bambus Rohr wenn es jung aus der Erde wächst, %.und
die Frucht der Banamas, die ein Strauch ist, %.und so hoch
als ein Baum wächset, vortrefliche Speisen ab.

/Der Talchbaum in China trägt eine Hülsenfrucht
mit 3 Nüßen oder Körnen, die mit einer Talchrinde
überzogen sind, wenn man sie kocht, schmelzet der Talch
ab.

/Der Wachsbaum hat auf seinen Blättern ein Wachs,

/ welches

/|P_152

/welches ein kleines Inseckt heraufträgt. Es ist härter als Bie-
nen_Wachs %.und die Lichte davon werden glänzender %.und weißer.

/Der Seifbaum ist in Mexico, hat eine Frucht, deren Schaale
einen Saft hat, welche wenn er geliefert, eine Seife giebt.

/Der Wunderbaum ist auf der Insel Ferro. Es ist daselbst ein
großes Thal, welches im Berge eingeschloßen %.und rund umher
mit Bäumen besetzt ist, %.und das in der Mitte eine Cisterne
hat. Zur Nachtzeit läuft von diesen Bäumen das Waßer
in diese Cisterne, womit die ganze Insel Ferro versorget
wird. Es sollen wohl 20.000 Tonnen Waßer in dieser Cister-
ne jederzeit enthalten seyn. Die Ursache davon scheinet die-
se zu seyn. Die Dünste die sich aus dem Meere erheben, ver-
dicken sich um die Berge %.und sammlen sich über den «Th¿al»<Thal>
%.und da sie wegen des Schattens da geliefern, so tröpfeln
sie auf die Bäume herab. In der St._Thomas_Insel unter
dem aequator soll ein eben solches Thal seyn.

/Der Wollenbaum ist einer von den nöhtigsten. Dieser
hat den Menschen wohl das erste Kleid gegeben. Der Baum
trägt die Wolle ganz vollkommen. Die Frucht sieht wie eine
Castanie aus, ist jedoch so groß als ein Apfel %.und mit verschie-
denen Fächern versehen. An der Sonne platzet sie auf, %.und die
Frucht dringet hervor. Man darf sie alsdenn nur heraus-
klopfen %.und spinnen. Die Zibiwolle in Americka ist die fein-
ste, kann aber ohne andere nicht verarbeitet werden.

/Der Firnißbaum (Toxico Dendron) in China %.und Japan auch in
Florida, hat einen Saft, der ein tödlich Gift ist. Die Chineser
%.und Japaner streichen damit ihre Mobilien %.und Häuser an, und
der Firniß springt niemals ab. Man zieht manchmal eine
Lackfirniß darüber. Die Indianer färben sich mit diesem

/ Firniß

/|P_153

/Firniß die Zähne schwarz.

/ ≥ Zu den harten Holzen gehöret ≤

/1.) Das Cedernholz auf den Inseln Bourbon %.und Mauritius
in der Africanischen See.

/2.) Letternholz, welches sehr dicht %.und hart ist. Es wird in Süd-
americka bey den Ströhmen Surinam %.und Berebis, die sich in
das Land Suana ergießen, angetroffen.

/3.) Das Mahoniholz wird an der Küste Masquibus und
in Jamaica gefunden. Es ist röthlich %.und färbt etwas.

/4.) Das Eisenholz (Sideroxilon) wird zu Anckern, Schwerdtern
p. von den Indianern gebraucht.

/Das Cedernholz ist ziemlich weich, hat einen schönen Ge-
ruch %.und ist gelb von Farbe. Dieses ist aber von dem auf dem Li-
banon verschieden, worauf noch einige Bäume stehen sollen.
Der Baobad ist der merckwürdigste. Man findet ihn in
dem Innersten von Africa am Senegall. Er ist 12 Fuß hoch,
24 Fuß im diameter %.und sein Umkreiß über 72 Fuß. Sein
Holz ist sehr weich. Die Engeländer glauben, daß er einige
1.000 Jahre müße gewachsen seyn, weil er sehr langsam
fortgehet, wenn man ihn verpflanzt. Die Neger schonen ihn
wegen den schönen Schatten sehr. Seine Frucht sieht wie
ein δLücke Kürbis aus. Sie enthält ein faserigtes We-
sen, worin Körner wie Bohnen stecken %.und welche die
Indianer zur Kühlung eßen. Seine Aeste sind in pro-
portion dick %.und biegen sich ganz zur Erde, so daß der Baum
von weiten wie eine grüne Halbkugel aussiehet.

/ ≥ Zu den wohlriechenden Hölzern gehöret ≤

/1.) Der Sandelbaum. Der gelbe ist der beste zum Rauchwerck.

/ Den

/|P_154

/Den Staub vom Sandelholz vermengen die Indianer mit
Oehl %.und balsamiren sich damit die Haut.

/2.) Der Columbaccobaum. Er ist am mehresten zum Rauch-
werck zu gebrauchen. Er wächset an den Küsten von Ca-
chinchina. Die Indianer bedienen sich seiner in den Pago-
den, %.und deswegen ist das Holz so theuer, daß ein %Pfund davon
bis 1.000 %Reichsthaler kostet. Nur einige Stücke von diesem Baum
haben das wohlriechende Harz. Einzelne Stücke von diesem
Baum, heißen auch Paradies-Adler, Aloe-Holz. Die Farbe
Hölzer werden besonders zum blau %.und roth färben gebraucht.
Zum Rothfärben dienet das Brasilienholz, der Baum heißet
Arbuton. Zum Blaufärben gehört das campeche_Holz,
von der Bay Campeche. Es giebt auch Balsambäume.

/Alle Balsam«bäume»<e> sind ausgeschwitzt %.und verdickte Säfte
aus den Bäumen. Die vornehmsten sind

/1.) Der Balsam von Tolu auf Mexico. Er ist goldgelb und
einer von den wohlriechensten. Der Beste ist der Balsam
von Mecca. Der Baum wächset in den Wüsten von
Arabien, %.und gehöret einigen Arabischen Fürsten. Der Bal-
sam wird in Mecca verkauft. Der Türkische Kayser muß
als Protector des Mahomedanischen Glaubens eine gewiße
Quantitaet, jedoch vor Geld, davon haben. Das übrige kommt
an die vornehmsten Herren. Er ist besonders bey der Viel-
weiberey, ein starckes roborans, %.und erhält sehr die Schön-
heit. Nach Paul Lucas Bericht soll ein Saft Sekkis daraus
praepariret werden, der die Schönheit wieder herstellet. Von
diesem rechten Balsam kommt keiner nach Europa, der nemlich
ausgeschwitzt wäre, sondern der, den wir bekommen, ist durch
Kunst aus den Zweigen %.und Blättern des Baums extrahiret.

/ Den

/|P_155

/Den rechten Balsam von Mecca probieret man so. Man neh-
me ein Trinckglas mit Waßer, %.und laße einen Tropfen davon
hinein fallen. Wenn er ächt ist, breitet er sich gleich wie eine
Haut aus %.und spielt kleine hellfarbigte Puncktgen. Diese
Haut kann man mit einem Pferdehaar so zusammenrollen,
daß nicht das geringste auf dem Waßer bleibt. Keine Sorte
von dem, welchen man nach Europa bringet, hält diese
Probe. Er ist immer mit Sescie_Oehl oder Terpentin von
Chio versetzet.

/Gummi_Bäume. Gumita sind Säfte die aus Bäumen aus-
schwitzen %.und vom Waßer sich auflösen laßen.

/Resinae aber, die von Oehl %.und Spiritu vini nur aufgelö-
set werden können. Manche Arten von Gummi enthalten
auch Resinae %.und öhligte Theile, der gleichen ist Gummi conal.
Ihn aufzulösen ist ein Kunststück. Der spiritus vini lößt
ihn nicht auf, weil er ein Gummi ist. Am besten soll er
aufzulösen seyn, wenn man zuerst Rosmarie_Oehl %.und als-
denn Spiritum vini daraufgießet. Drachenblut heißet
eine Art Gummi welches roth ist. Es schwitzt aus dem
Drachenbaum.

/Gummi gutti quillt aus einem Baum, der wie ein Pom-
meranzen Baum aussiehet, kommt besonders aus Arabien
%.und Aethiopien.

/Gummi arabicum oder vom Senegall kommt von diesem
Fluß, beym capo blanco %.und bey Fort Anguin. Es machen
diese beyde ein großes Stück der Handlung aus. Er giebt
den Seidenzeugen den Glanz %.und die Franzosen können ihn
gar nicht entbehren. Beyde Gumita nähren die Neger,
%.und haben gewöhnlich ein Stück davon im Munde. Eine ganze

/ Caravane

/|P_156

/Caravane, die auf ihrer Reise, durch ungestüme Wetter auf-
gehalten wurde, nährte sich daran 3 Wochen.

/Zu den Resinis gehöret

/1) Der Kampfer, der beste ist der von Borneo, %.und zwar
der, der aus den Aesten %.und Blättern ausgeschwitzt ist.
Man schüttelt ihn des Morgens ab.

/2.) Bensoin (assa dulcis) eine Art von Resina in Ceilon
%.und Siam. Man braucht ihn die Leichen zu balsamiren.

/Manna ist ein klebrigter Saft der aus einer Art Eschen-
blättern ausschwitzet.

/Der beste Terpentin kommt aus Chio %.und Zipeon %.und ist Citro-
nen gelb.

/Die cascarilla de Loya (Fieberrinde) ward ehemals
Quinquina genannt, weil die Frau eines Gouverneurs
von Lima so soll geheißen haben, die dadurch vom Fieber
befreyet worden. Es ist auch ein ganz gewißes Mittel
dafür. Sie stärcket die Nerven, reiniget den Cörper
%.und wird jederzeit in Wundfiebern gebraucht. Sie kommt
nicht aus China, sondern wächset in Americka.

/Zuacakley. (Franzosenholz) soll ein gewißes Mittel wie-
der die venerische Kranckheit seyn. Es ward ehemals
starck gebraucht. Jetzt braucht man mehr den Mercurius.

/Der Bananasbaum in Ostindien Pisa, auch Musi,
ist nichts als ein Kraut, weil er in jedem Jahr neu
aufschießet, %.und keine holzigte Fasern hat. Er trägt eine
Frucht wie eine Gurcke.

/Der Calabaum in Africa hat eine Frucht, wie eine

/ Castanie

/|P_157

/Castanie, deren Kern eine schöne angenehme Bitterkeit
hat, wornach alles Geträncke schön schmeckt.

/Der Cacaobaum gehöret in Americka zu Hause. Er
wächst wie ein Gesträuche aus der Wurzel mit verschiede-
nen Aesten. Seine Frucht siehet wie eine Melone aus,
welche Bohnen gleich den Mandeln enthält. Daraus wird
die Schoccolade gemacht. Die Bohnen werden wie Coffee
Bohnen gebrannt. In Americka braucht man sie auch un-
geröstet. Es kommt zu der Schoccolade noch langer Pfeffer
%.und vanille. Dieses ist ein schmieriger Saft, darin eine
Art von Schote wächst, an einem Kraut, daß sich um die Bäu-
me, wie Hopfen schlingt. Die Pistacien sind eine Art von
Datteln, vom Palmbaum.

/Der Coffee_Baum ist dem Arabien eigenthümlich, und
von da in andere Länder verpflanzt. Man brachte ihn 1640
nach Europa. Er ist an Größe der Blätter %.und der Frucht dem
Kirschenbaum ähnlich. Die Frucht ist mit einer röthlichen
Fleischhaut überzogen, worunter die Bohne ist. Der Baum
muß immer durch Waßerleitungen an der Wurzel benetzet
werden. Der Caffée heißt in Arabien der Leuantische,
weil man ihn da kaufet. Diese Bohnen sind klein, blau und
von schönem Geschmack. In Arabien hat man den Bohnen-
Sultan, %.und Hülsen_Caffée. Die Hülse giebt, wenn sie ge-
röstet %.und gekocht wird, einen schleimigten %.und kühlen
Saft von sich, den die Araber, wie wir den Thee nach
dem Coffée trincken. Sie trincken den coffée ohne Zucker
%.und Milch. Aus Arabien kam zuerst der Baum, durch den
Amsterdamischen Bürgermeister Withon nach Java, wo
der Javanische Caffée herkommt. Seine Bohne ist groß und

/ gelb

/|P_158

/gelb, aber wohlschmeckend. Die Holländer verpflanzten
ihn nach Surinam %.und Berebis, die Franzosen nach Martinique
wo er jetzt in so großer Menge ist, daß in der Türckey mehr
martiniquischer als Leuantischer caffée getruncken wird,
weil er wohlfeiler ist. Er ist am gesundesten wenn er un-
gekocht getruncken wird. Auf das Brennen der Bohnen
kommt alles an. Sie müßen nicht lange braten %.und wenn
sie gut durchgehitzt sind viel Feuer bekommen.

/Die Muscat-Nüße %.und Kreid-Nägelchen sind in einem klei-
nen districte anzutreffen. Der Baum von den Muscatnüßen
sieht wie ein Apfelbaum %.und der von den Kreidnägelchen
wie ein Birnbaum aus. Die Muscatnüße wachsen auf der
Insel %.und dem Gouvernement Banda; die Kreidnä-
gelchen in dem Gouvernement Arbona. Diese beyde sind
unter den Moluccischen Inseln die vornehmsten. Von die-
sen %gedachten Inseln sind mehrere Könige, welche alle Maho-
medaner sind. Sie stehen unter holländischem Schutz. Die-
se geben ihnen eine Pension, daß sie die beyden Bäume
ausrotten müßen, damit keine andere Nation sie bekomme.
Die Muscatnüße werden auch unreif eingemacht, sind aber
nur vor den Magen eines Indianers. Die Holländer
treiben mit diesen beyden Gewürzen das monopolium
in der ganzen Welt. Sie bemühen sich auch, sie jederzeit
in einem hohen Preise zu erhalten. Wenn ihre Magazine
zu sehr damit angefüllt sind, so wird eine quantitaet
die mehr als 2 Millionen werth feyerlich verbrannt.

/Der Caneel eigentlich Zimmet. Der Baum wächst
auf Ceilon, welche Insel auch gänzlich in der Holländer
Händen ist, weil sie rund um die Küste besetzet haben.

/ Unter

/|P_159

/Unter der obersten Rinde liegt eine Saftrinde, welche das
schöne Oehl enthält, das der Zimmet hat. In Ceilon selbst
wird schon viel Caneel_Oehl praepariret. Die Holländer
haben das monopolium damit. Ein abgeschälter Kaneel-
baum geht aus. Daher können auch nur große Wälder die-
ses product erhalten. Aus den Wurzeln des Caneelbaums
wird auch Kampfer gemacht. In der östlichen Tartarey,
in den districten der Kalmucken, sind die Bäume sehr
rar. Dieses kommt von der hohen Lage des Landes her, indem
in der Erde ein beständiger Frost steckt.

/Der Banianen_Baum hat seinen Namen von einer Ka-
ste der Indianer (so heißen die Seckten von der Braminischen
Religion) die Banian heißet. Sie hält unter diesem Baum
ihren Gottesdienst. Die Aeste kehren von selbst zur Erde
zurück, faßen Wurzeln %.und treiben wieder einen solchen
Baum heraus, %.und dieses geht so weit fort, daß ein ganzes
Regiment unter einem solchen Baum lagern könnte.

/Der Marlibaum treibt seine Aeste in die Höhe,
die hernach wieder in die Erde zurückehren %.und unter
einander so verwachsen, daß man gar nicht durchkommen
kann. In Americka wachsen auf einem gewißen Baum
Baivicken, welches eine Art natürlicher Holzstrücken
sind, die so starck sind, daß man hangende Brücken daran
befestigen, auch sie zu Anckertauen brauchen kan.

/Le_Clero giebt von einem Baum Bericht, wovon
ihm ein Stück von einem Apotheker aus Sevilla zu-
geschickt worden, welches im Ofen_Feuer fest blieb, und
seine Gestallt nicht veränderte. Es war weich wie ein
Lindenholz. Auch unter dem Brennspiegel blieb es eini-
ge Zeit unverändert. Keisler führet an, daß dieses Holz

/ von

/|P_160

/von einem Strauchwercke komme, welches im obern
Theil von Italien wächset. Vetruvius nennet dieses
Gewächse Larix. Es ist aber noch nicht bekannt, ob diese
ganze Sache so richtig sey, denn neuerlich hat man entdeckt,
daß das Holz welches in Alaun %.und Pottasche gesotten wird,
ebenfalls unverbrennlich sey.

/Der Manzenillen_Baum ist der berühmteste Gift-
baum. Sein Saft ist das stärckste Gift. Wenn man dar-
unter schläft, schwillt man auf %.und die Tropfen, die von ihm
herunter fallen, machen Blasen. Die Indianer tigiren
ihre Pfeile mit dem Saft.

/Der Calabaschen Baum ist in Africa anzutreffen, deßen
Frucht wie eine Flasche aussieht.

/Der Areckabaum trägt die Arecka_Nuß, welche die In-
dianer mit Bethel käuen. Der eigentliche Arack aus
Ostindien soll nicht bloß von Reis gezogen, sondern auch
mit dem Saft von dem Arecka_Baum meliret seyn.

/Die Krähen_Augen sind Körner von einer Pommeranze
ähnlichen Frucht, auf der Insel Ceilon.

/ ≥ Zu den Sträuchern gehöret ≤

/1.) Das Theestrauch. Es wächst in China, Japan %.und Tunquin
- Seine Blätter sehen wie Weidenblätter aus. Sie werden
zu verschiedenen Zeiten abgepflückt, %.und diese Verschiedenheit
macht den Unterscheid der Theesorten aus. Die erste her-
ausspritzende Blätter geben den feinsten Thee, die
dicken %.und letzten, den gröbsten. Der Kayserthee bestehet
aus den Blühten %.und den ersten Blättern. Von der rechten

/ Art

/|P_161

/Art kostet in Japan selbst ein Pfund bis @80@ %Reichsthaler. Die
Blätter werden auf eisernen Platen über den Kohlfeuer
gerollt. Die Ursache daß er gedörret wird, sind, daß er
sich trocken halte %.und etwas von den groben Feuchtigkei-
ten verliere. Die ihn mit Händen rollen, bekommen
davon zersprunge Häute. Bey dem feinsten Thee mü-
ßen sie Handschue anziehen. Wenn sie den Thee rollen
müßen sie nichts wiederliches eßen, %.und sich sehr reinlich
halten. Er muß wohl dreymal geröstet werden, wenn
er sich gut halten soll. Aus den nordlichen Provinzen
von China kommt der beste, daher bringen ihn die Rußen.
Die Chineser haben ihn zum gewöhnlichen Geträncke %.und
consumiren den mehresten. In Europa ist er etwas über
100 Jahre bekannt. Die Japaneser reiben ihn zu Pulver,
ehe sie ihn trincken. Der Theebou ist annehmlich im
Geschmack %.und färbt gar wenig. Er muß eine ganz beson-
dere Art %.und vom grünen Thee ganz unterschieden seyn.

/ ≥ Von den kriechenden Gewürz-
Pflanzen. ≤

/1.) Der Pfeffer. Er windet sich die Bäume oder Stangen
hinauf, wie Hopfen bis zu 18 Fuß. Die Frucht hängt an
ihm, wie Johannis Beeren. Der weiße Pfeffer soll im
See-Wasser gebeitzt seyn. Der lange oder Guineische
Pfeffer in America, pimento ist nur vor die Indianer.
In Sumatra wird viel Pfeffer gebauet. Auf der ganzen
Küste von Malabar wird mit Pfeffer gehandelt.

/2.) Die Coubeben wachsen auf den Moluccischen Inseln

/ auf

/|P_162

/auf Java, Sumatra. p.

/3.) Die Cardememme wächst auf einer Staude wie ein
Rohr in Aehren. Das Kraut Bethel wächst in Ostindien.
Man genießet es mit der Arecka_Nuß %.und denn heißet es
Bethel_Areck. Die Indianer brauchen es und praesentiren
es sich, wie wir den Schnupftoback an. Man bestreut zuerst
das Bethelblat mit Muschelkalck, alsdenn wickelt man die
Arecka_Nuß ein, %.und so genießet man es. Es hat einen
zusammenziehenden %.und bittern Geschmack. Die Indianer
können es nicht entbehren. Die Vanille findet man
besonders in Cuba %.und Mexico.

/ ≥ Von verschiedenen Rohrarten. ≤

/1.) Das Bambus_Rohr. Wenn es völlig ausgewachsen ist,
hat es bis 1_1/2 Fuß im diameter %.und ist so hoch wie ein
kleiner Mastbaum. Wenn es ganz jung ist, ißt man
es wie jungen Hopfen oder Spargel. Man macht es
auch alsdenn mit Gewürzen ein. Von mittelmäßiger
Höhe dienet es zu guten Stangen, um Portechaisen %.und andere
Sachen zu tragen. Wenn es völlig ausgewachsen ist, wird
es gespalten, am Feuer gerade gemacht, %.und zu Brettern
gebrauchet. Des ungeschnittenen bedienet man sich zu
Pfösten. Zu Siam ist der größte Theil der Städte auf Bambus
Rohr gebauet. Die Indianer machen auch Kähne daraus.
Aus dem Inwendigen deßelben zieht man eine Haut
ab, die zu Papier gebraucht wird, welches unter dem
Namen des Seidenpapiers nach Europa kommt. Es
wird aber von den Würmern bald zernaget. In
America giebt es eine Art von Bambus_Rohr, in wel- 

/ chem

/|P_163

/chem inwendig immer ein kühlendes Waßer steht,
welches die Indianer in großer Waßersnoth aufsuchen.
Dieses steiget %.und fällt mit dem Monde.

/Das Zuckerrohr. Die Alten kannten den Zucker nicht.
Er ist uranfänglich aus Asien. Nachdem ist er in Ame-
rica sehr ausgebreitet. Jetzt bauen ihn alle Englische,
Holländische, Französische %.und Dänische Colonien, in Mar-
tinique, Guadalupe, Jamaica, Saenit_Domingo. Es
ist ein knotigtes %.und poroeses Rohr, welches ziemlich
hoch wächst. Inwendig hat es diesen süßen Marck. Man
rafiniret ihn mit Ochsenblut %.und mit Kalck. Etwas
weniges vom Kalckwaßer bleibet im Zucker, der übri-
ge Kalck sincket zu Boden. Der feine Zucker ist nicht
so süß, wie der grobe, weil eine Art von süßem
Schleim, durchs rafiniren abgezogen wird. Der Schaum
vom Zucker ist die Musquebad. Wenn die geformten
Hüte trocknen, so läuft der Syrup ab.

/ ≥ Wurzeln zu Medicamenten. ≤

/1.) Die Rhabarber_Wurzel. Sie kommt aus China, in
der alten Sprache bedeutet rha, so viel wie Wolga, weil
die Rußen sie aus China nach der Wolga brachten. Sie
wird aus der Crimmischen Tartarey gebracht, %.und macht
ein Hauptartickel der Handlung aus. Die beste ist die,
welche die Rußen bringen.

/2.) Die Chinawurzel muß von der China_Rinde oder
der Fieberrinde unterschieden werden. Die Rinde kommt
aus America, die Wurzel aber aus China %.und ist ein Schweiß

/ treibendes

/|P_164

/treibendes %.und blutreinigendes Mittel.

/3.) Genseim (Mauswurzel) kommt aus China, %.und siehet
wie Allraun aus. Der Kayser von China schickte im
vorigen Seculo wohl 10.000 Tartarn aus, um sie aufzu-
suchen. In China wird sie so hoch bezahlt, daß sie gar
nicht nach Europa kommt. Die Chineser geben vor,
sie könnte einen alten Mann verjüngen, sie verwan-
dele die grauen Haare in schwarze, sie stelle im
letzten Kampfe auf einige Zeit den völligen Gebrauch
der Sinne wieder her. Man trinckt sie wie Thee in-
dem man sie in kleine Scheibgen zerschneidet: In
kleiner quantitaet genoßen macht sie lustig %.und heiter,
in großer aber berauscht sie.

/ ≥ Eßbare Gewächse. ≤

/Hiezu gehören die Tartuffeln, welche hier nach
Preußen aus der Pfalz gekommen sind, %.und von hier nach
Schweden. Die Triffel findet man im Warteburgschen
%.und in der Schweitz. Man richtet Hunde %.und Schweine
ab, sie aufzusuchen. Sie liegt in der Erde, wie eine
Castanie %.und hat keine Wurzel.

/Die Maniac_Wurzel ist knolligt, liegt in der Erde.
Sie kan nicht anders gebraucht werden, als wenn man den
Saft herauspreßt, denn der ist ein Gift, das übrige
wird geröstet %.und zu Mehl gemahlen. Eine Handvoll
davon macht einen Neger satt. In America ist dieses
das Hauptlebensmittel. Das Mehl davon heißet cassave.
Inganes eine knolligte Wurzel, ein Haupteßen des Negers
an der Küste von Guinea. Sie hat die Figur einer gelben

/ Rübe ~

/|P_164R

/δZ_14

/Der Taback oder Toback
ist ein Kraut, welches
man in Europa nur erst
seit der Entdeckung von
America kennet. Die
Spanier haben ihm die-
sen Namen zuerst
beygeleget, %.und solchen
von der Provinz Tabaco
im amerikanischen
Königreiche Jucatan
entlehnet, wo sie dieses
Kraut zuerst gefunden
%.und es nach dem Exempel
der Indianer zu ge-
brauchen angefangen
haben.

/Der Schnupftaback ist das
Pulver von den Tobacks-
blättern. Unter den
Kautabacken, wird der
varinas vor den besten
gehalten. Selbiger
wird im Spanischen

/Ame~

/|P_165

/Rübe, %.und ist eben so breit als sie lang ist.

/Hiltat eine Pflanze. Ihr Gummi heißet das Teufelsdreck
%.und es wird von ihr genommen, wenn man die Pflanze bis
auf den Strunck abschneidet, wo er alsdenn herausquillt.
Man kan dieses oft wiederholen, wenn man neue Scheiben
abschneidet. Lateinisch heißet dieses Gummi assa foetida.

/Opium eine Art von Mohnsaft wird in Asien sehr ge-
braucht. Es schwitzt aus den Vogelköpfen heraus, wenn sie
geritzet werden. Diese Ausdünstungen machen die Arbei-
ter ganz schwindelicht. Ein Gran davon bringt den Eu-
ropäer schon zum Schlaf. Der Asiater schluckt es zu gan-
zen Drachmen ein.

/Die Opiumfreßer sind jetzt in der Türkey sehr verachtet.
Die Ursache von dem Gebrauch des opiums steckt wohl in
dem Verboth des Weins, weil sich der gemeine Mann
doch irgend auf eine Art benebeln mag.

/Banck ein weiblicher Hanf, deßen ausgepreßter Saft den
Indianern statt des opiums dienet.

/Die kleine Bohne vor Carthagena in America %.und das
Assazoe in Abyssinien soll jedes die Eigenschaft haben,
vor dem Biß der Schlange, den Tag über, da man es ge-
noßen, zu bewahren.

/Planta sensitiva, sie wächset niedrig %.und hat einen lan-
gen Stiel woran viele kleine Blättergen sind. Wenn man
eines davon anrühret, so zieht die Pflanze das Blatt
zurück %.und hebt es allmählig wieder auf. Verschiedene Bäu-
me besonders der Tamarinden_Baum legen ihre Blätter
am Abend zusammen %.und schließen sie am Tage auf. Dieses
aber kommt nicht allein vom Lichte her; denn sie thun es
auch im Keller. Diese Sensibilitaet ist ein Analogon

/ von ~

/|P_165R

/δZ_2

/America gezogen.
Nach diesem folgt an
Güte der virginische,
%.und der Brasilien-
Taback. Diese und
mehrere Sorten sind
gesponnener oder so
genannter Kanaster
Taback.

/Der Türkische Taback
besteht in kleinen
wachsgelben Blättern,
die büschelweise zu-
sammen gebunden sind.
Er ist auch ungemein
stark.

/Der Schnupftaback
hat fast so viele Na-
men, als Länder %.und
Orte sind, wo er
herkomt. ~

/|P_166

/von der animalischen Strucktur. Diese Reitzbarkeit
heißt bey den thierischen Cörpern die Irritabilitaet.
Alle Fibern, welches die principia der Musckeln sind,
haben dieselbe, doch weder die Nerven noch die Sehnen.

/Die Weine gerahten gar nicht in der zona torrida.
Die Trauben sind zwar daselbst schön, gerahten aber nicht
in die geistige Gährung. Sie gerahten nur in der zona
temperata %.und sind desto stärcker je näher die Länder der
zona torrida sind.

/Vino secco heißet trockener Wein, weil man entweder
wenn er gegohren hat, nicht Waßer dazugießt, oder weil
man die Beeren vorher in der Luft trocknen läßt. Die
berühmtesten Seckte sind: der von Molaga, Canarien
%.und Maluasier Seckt. Unter allen Weinen sind dieje-
nigen die besten, die durch das Alter sich verbeßern, besonders
der Ungarische %.und Rheinwein. Der rohte Wein in Franck-
reich ist zur Verdauung sehr dienlich, ohne daß er sehr erhitzet.
Champagner %.und Bourgogner Wein verschlimmern sich durch
die Dauer.

/Vino cotto gekochter Wein ist in Italien %.und läßt sich nicht
verführen. Durch die Verflanzung in andere Länder bekommen
die Weine ganz andere Eigenschaften. Der Vin de cap soll
vom Rheinwein herstammen. Nach Astracan sind Rheinsche
Reben verpflanzt worden, welche aber ganz andere Trau-
ben, die ungemein süß sind tragen.

/ ≥ Färbe Kräuter

/Pastell ist ein Kraut blau zu färben um den Indigo zu
spaaren. Ehe der Indigo zu bereitet wird, heißet er An«¿»in
Borannez. Das Scytische Lamm ist eine schwammigte Pflanze,

/ die

/|P_167

/die eine kleine Aehnlichkeit mit einem Schaaf hat, aber durch
eine Form die complete Gestalt davon bekommen kann.

/Pietra frugifera, in Italien, eine versteinerte Maße von
Erde %.und Sand, mit viel Wurzeln durchwebet. Innerhalb 5 Tagen
wachsen darauf Morcheln. Man wäscht den Stamm alsdenn ab, und
er wiederholet immer seine Ergiebigkeit.

/Chymische vegetationen, sind die Chymische Anschießungen
verschiedener Salze %.und Metalle. Wenn man in Champagner oder
Bourgogner Wein Sal amoniacum thut, %.und man dünstet es
ab, so stellet sich ein Weinstock mit Trauben dar.

/Wenn man den Mercurius in Scheidewaßer auflößet %.und bis auf
1/3 abdünstet, so stellet sich der arbor Dianae mit vielen Aesten
vor.

/ ≥ Von den Mineralien, als Materien
die weder leben, noch sich fort-
pflanzen. ≤

/Zu dem Mineralien_Reich gehören. 1.) Die Metalle.
2.) die Salze, 3.) die Oehle, 4.) die Steine.

/Man theilet die Metalle in edle %.und unedle ein. Diese Ein-
theilung ist mehr bürgerlich, als physisch. Die edlen nennet
man die, die den größesten Werth der Dinge bezeichnen. Ei-
nige zählen von den Metallen 7, andere 6. Die erstere schlie-
ßen das Quecksilber als das siebente Metall mit ein.
In diesem Seculo hat man ein neues Metall erfunden, -
welches man das siebente oder 8te Metall nennet.

/Das Gold ist das schwereste %.und edelste Metall. Es ma-
chen viele Eigenschaften daßelbe vor andern vorzüglich.

/1.) läßet es sich dehnen.

/2.) rostet es nicht.

/ 3tens ~

/|P_167R

/δZ_14

/Zu dem Mineral_Reich
gehören alle Cörper
auf der Erde, welche
bloß zusammengesetzt sind,
aber weder Leben, Em-
pfindung noch will-
kührliche Bewegung
haben.

/δZ_26

/Wenn das Gold ganz
rein ist, nennet man
es 24 Karat, sobald
ein Gran Metall
dabey ist, 23 Karat
u.s.w. ~

/|P_168

/3tens verfliegt es nicht im Feuer. Es wird niemals in
einer Minera angetroffen, oder mit schwefelichten Thei-
len %.und Schlacken vermengt, sondern immer rein, man mg
es im Hornstein oder in Körnern finden. Es ist eines der
häufigsten Metalle in der Welt, wird aber selten an ei-
nem Orte in quantitaet angetroffen %.und ist deswegen so
rar. Alle Flüße führen Gold, welches sie doch aus den Ber-
gen auswaschen müßen. Aller Meer Sand enthält Gold.
Es muß vermuthlich auch im Boden der festen Länder seyn.

/Das Eisen ist nebst dem Golde das häufigste Metall. Die
alte Welt enhielt viel Gold. Doch ist es gegen die neue
nicht zu rechnen. In America giebt ein Goldbergwerck
bey Brasilien allein 12 Millionen Piasters Ausbeute.
Alles Gold silbert, oder alles Gold enthält Silber, aber kein
Silber enthält Gold. Das feinste Gold hält 24 Carath, denn
in so viel Theile wird die colmische Marck eingetheilt.
Ein Carath wird in 12 Gran eingetheillt. Die Holländischen
Ducaten sind 23 Carath, 8 Gran fein; die Zechmer ent-
halten 23_3/8 Carath. Die Guineas 22 %Carath. Das ordinaire Gold
aus Madagascar ist das welches am ehesten in den Fluß
geräth. Bey uns steht jetzt das Gold gegen Silber, wie
15 gegen eins. Vor 100 Jahren war es wie 12 zu 1.
In Indien steht es jetzt noch wie 11 zu 1.

/Die Metalle folgen sich in ihrer specificischen Schwere
so: Gold, Quecksilber, Bley, Silber, Kupfer, Eisen, Zinn.
Das 8te Metall, das in neuern Zeiten entdecket worden,
heißet platina (oder so viel als klein Silber, denn
Plata heißet im Spanischen Silber) Es siehet wie Silber

/ aus ~

/|P_168R

/δZ_25

/Die Platina wird
bey Rio di Pinto in
dem spanischen Ameri-
ca gewonnen. ~

/|P_169

/aus, wird in kleinen eckigten Stückgen gefunden,
mit verschiedenen Eisentheilgen vermengt. Es ist bey-
nahe so schwer als Gold, %.und wenn es recht gereiniget wür-
de, würde es vielleicht noch schwerer seyn. Es ist spröde
welches vielleicht von denen darin enthaltenen Eisen-
theilgen herkommt. Es rostet nicht %.und ist feuerfest. Wäre
es ziehbar wie Gold, so würde es vortreflich zur Ver-
silberung dienen; die Sachen die damit überzogen
wären, würden nicht rosten %.und immer glänzend blei-
ben.

/Der König_von_Spanien hat alle diese Gruben zuwer-
fen laßen, weil solches zur Verfälschung des Goldes
dienen könnte. Jedoch ist dieses nicht zu besorgen, weil
es seltener als Gold ist.

/Silber ist in allen Welttheilen, doch in Asien sind die
Gruben nicht nahmhaft. Vor der Erfindung von America
waren in Europa große Silberbergwercke. Aber die
neue Welt hat diese ganz verdunckelt, besonders sind die
Bergwercke voll Silber. Das Silber heißet völlig rein,
wenn es 16 Loth Nitti hat. Hält es 16 Loth Brutto,
so heißt es 10 löthig, wenn es 10 %.Loth Nitti hat, 12 löthig.
Man legiret das Silber mit Kupfer.

/Das Kupfer wird hauptsächlich in Schweden gewonnen.
Das Cement_Kupfer wird aus Ungarn gebracht. In Sach-
sen ist auch ein Cement_Brunnen. Dieses Kupfer ist am
besten zur Legirung zu gebrauchen. Das Japanische Kupfer
scheinet noch feiner als das Cement_Kupfer zu seyn. Zu Le-
girung des Goldes bedienet man sich des Kupferdraths von
Nürnberg, welcher durch die Kunst sehr ziehbar gemacht

/ worden ~

/|P_169R

/δZ_2

/Der Bergmann nen-
net alles Kobold,
was im Schmelzen
kein Metall giebt;
sondern nach Schwe-
fel %.und Arsenik stin-
ket, %.und andere Metal-
le raubet oder sprö-
de machet. ~

/|P_170

/worden ist.

/Das Meßing entspringet aus Gallmey mit Kupfer
vermenget.

/Das Zinn ist das leichteste Metall, %.und desto feiner je leich-
ter es ist. Es muß immer etwas Bley hinzugethan wer-
den. Das englische Zinn von Cornwalles ist das Beste.
Ohne Eisen ist kein Land. In der Asche aller Pflanzen, in
dem Blute der Thiere p ist Eisen. Das reinste natürliche
Eisen heißt Stahl. Das beste Stahl ist in Steyermarck. Man
macht jedes Eisen auf folgende Art zu Stahl. Man thut
in ein ein großes Gefäß schichtenweise brennende Horn-
spähne, Schusohlen, Salpeter p. mit Eisen belegt. Man
dämpft das Feuer, so daß es nun in der Glut erhalten
wird. Man löscht hernach das Eisen in Mistlohe mit
Salpeter ab. In Rußland giebt es viel Eisen, in Schwe-
den das Mehreste %.und selbiges ist auch in Europa am ge-
bräuchlichsten.

/Das Quecksilber unterscheidet sich von den übrigen Metal-
len durch die Flüßigkeit. Er ist entweder in einer Mutter
zE. im gegrabenen Cinnober, oder man findet ihn auch wie
in kleinen Grübgen zusammengelaufen. Alsdenn heißet er
Jungfern_Quecksilber (argentum vivum). Er wird haupt-
sächlich gebraucht, die mineram von dem Silber zu unter-
scheiden. Die größesten Quecksilber Gruben sind bey doria
in Triol der Kayserinn Königinn gehörig. Die Arbeiter
haben hier viel Quecksilber in sich, welches im Bade,
durch die Schweislöcher heraustritt. Wenn sie einen Ducaten
in die Mine nehmen, so wird er weis. Aus Quecksilber
%.und «Cinnober» Schwefel macht man Zinnober. Das Quecksil- 

/ ber ~

/|P_170R

/δZ_18

/Das Quecksilber ist ein flüßiger
undurchsichtiger Körper,
welcher eine Silberfar-
be hat, %.und von sehr schwerer
Art ist.

/In dem Waßer ver-
lieret es ein 14 Theil
von seiner Schwere. ~

/|P_171

/ber wird vornehmlich zum amalgamiren gebraucht.
Durch das amalgamiren zieht man den Goldstaub aus
dem Sande. Das Quecksilber löset alle Metalle auf außer
Eisen. Die Spiegel werden durch ein Amalgama von en-
glischen Zinn belegt.

/Antimonium (Spies_Glaß) schwärzlich wie Bley, dienet
zur Reinigung der Metalle.

/Zinck ist weislichblau, eine Art von Bley_Erzt, setzet
sich an die Bleyöfen bey Goslar.

/Gallmey ist eine Art von Zinck, wird auch als Stein ge-
graben. Je mehr Gallmey in den Kupfer genommen
wird, desto weißer wird das Meßing. Zinck zum Meßing
hinzugethan giebt Prinzmetall.

/Arsenic (pigmentum) Fliegenstein oder Fliegengift,
läßt sich vollkommen im Salz auflösen. Es wird in allen
Metallen angetroffen.

/Cobal zum Blau färben, ist arsenicalisch %.und wird in
Sachsen gegraben.

/ ≥ Einige Gattungen brennlicher Mineralien. ≤

/Naphta. Es ist so subtil, daß es schon in der Entfernung
Feuer fängt. Man findet es in Europa, jedoch häufiger
bey Bacu in Persien, wo die Erde davon so voll ist, daß
sie brennet, wenn man mit dem Licht nahe hinan kömmt.
Steckt man eine Rolle Papier in die Erde, %.und hält ein
Licht darüber, so brennt oben eine kleine Flamme, ohne
daß das Papier angesteckt wird. Es ist noch ein Stamm
von Feuer_Anbetern übrig, %.nemlich die Persis. Diese reisen
nach Bacu, weil sie dieses Feuer vor ein ewiges halten.

/Petrolium scheinet ein unreines Naptha zu seyn, doch

/ hat ~

/|P_171R

/δZ_10

/Er wird in Spanien, En-
geland zu Sommerset, in
Schweden zu Stollberg
in Norbecke, auf
dem Harze in dem
Rammelsberg bey
Goßlar, in Franken,
Westphalen etc. an-
getroffen.

/Je schwerer er wiegt
desto beßer ist er,
%.und destomehr Zuwachs
giebt er, nebst der
Farbe, dem Kupfer
am Gewichte.

/Der gegrabene Gall-
mey giebt, gleich
nach der Brennung,
nicht allein viel
vitriol, sondern
auch nicht wenig
alaun. ~

/|P_172

/hat es nicht solche flüchtige Dünste. Es stincket sehr
heßlich.

/Bergtheer sonst Teufelsdreck, ein dicker klebriger
Saft, hat grobe Materien %.und stincket sehr.

/Erd oder Juden_Pech ist vielleicht ein verhartetes
Erdtheer. Es ist leichter als Waßer, scheinet seine Bit-
terkeit dem Meere mitzutheilen. Man findet es auch
auf dem mittelländischen Meer.

/Die Steinkohle ist ein Art von Erdtheer, welcher mit
Steintheilen angefüllet ist. Einige darunter sind
recht dicke Pechkohlen, die vor die Schmiede gut sind.
Andere sind schon beßer vors Camin. In London dienen
sie statt alles Holzes, %.und der Rauch davon macht die
Wäsche in einem Tage schwarz. Steinkohlen Gruben
sind fast in der ganzen Welt, doch nicht allenthalben
gleich ergiebig. In England bey Wincklhawen sind die
berühmtesten, welche eine große Strecke unter der
See fortgehen.

/Der Bärnstein scheinet ein gehärtetes Naphta zu seyn,
einiger ist durchsichtig wie Glas, anderer braun wie
Zuckerkant. Der blasgelbe, der ins grünliche fällt
ist der Beste, welcher Kunstfarb heißet. Wahrscheinlich
ist der Bärnstein ehemals flüßig gewesen. Man fin-
det in ihm Inseckten von aller Art, wo die subtilesten
Flügelgen sich nicht gerunzelt haben. Doch findet man
keine andern als Land_Insecten, %.und bisher hat man noch
keine Seethiere <darin> angetroffen. Er ist kein Baum sondern
ein Erdharz, welche Harze sich durch Chymische Proben
ganz unterscheiden. Da alle Mineralien in Schichten lie-
gen, so ist es wahrscheinlich, daß er noch erzeuget werde,

/ weil ~

/|P_172R

/δZ_19

/Der Bernstein hat haupt-
sächlich das Königreich
Preußen zu seinem
Geburtsort. Von sei-
nem Wesen %.und Ur-
sprung ist unter den
Gelehrten viel ge-
stritten worden. Ei-
nige halten ihn für
ein Product aus dem
Pflanzenreich, andere
für ein %.Erdpech. ~

/|P_173

/weil er sich nicht erschöpft. Er heißet auch sonst Ambre
jaune.

/Ambre gris ist das kostbarste Räuchwerck von allen
Harzen, er ist auch beßer als Calumbaco_Holz. In
vielen Medicamenten ist er brauchbar. Man findet ihn
auf der See schwimmen. An den Chinesischen Küsten
soll eine Art von Wallfischen seyn, die ihn im Magen
haben. Vermuthlich ist dieses der Pottfisch in deßen Ma-
gen er sich nicht generirt, sondern der ihn manchmal
vom Grunde der See einschluckt.

/Galath ist ein schwarzer Bärnstein, schwimmt auf
dem Waßer %.und riechet schön.

/Der Schwefel bestehet aus einer Art von Erdharz ver-
mengt mit vitriol_Säuren. Man macht auch Schwefel
aus 14 Theilen Vitriol_Oehl %.und einen Theil brennend
Oehl. In mäßiger quantitaet dienen die Schwefel «Däm»
Dämpfe zur Reinigung der Luft. Man findet den Schwe-
fel entweder in besondern Steinen oder Schwefelkiesen,
oder auch rein gewachsen. Der Kies ist hart %.und giebt
mit dem Stahl Feuer.

/Alle Salze sind entweder saure (acida) oder Laugen-
salze (Alcali) oder mittlere Salze. Das vornehmste saure
Salz ist vitriol. Das vornehmste Alcali, Weinstein_Salz,
auch Pottasche (cineres clavellati) imgleichen Salmiac.
Zu den mittleren Salzen gehöret das Küchen_Salz, Meer-
salz, Quellsalz, Steinsalz, Alaun p.

/Salpeter ist ein künstliches Salz %.und nur in neuern Zei-
ten erfunden. Es müßen besonders Salpeter Wände auf-
gerichtet werden, woran die sauren Theile aus der Luft
die thierischen %.und andern Theile aus dem Mist sich ansetzen.
Der mehreste kommt aus Ost-Indien, vielleicht giebt

/ die ~

/|P_173R

/δZ_23

/Der Weinstein setzet
sich an den Boden der
Weinfäßer.

/Es werden dergleichen
Salze auch aus Pflan-
zen %.und Holz oder Asche
zubereitet. Dazu die
Pottasche gehöret.

/Durch Zusetzung der Pott-
asche, kan der Bleykalch
wieder zu Bley redu-
ciret werden. ~

/|P_174

/die Erde ihn daselbst.

/Der Salmiac entstehet auf folgende Weise. Wenn die Kühe
%.und Cameele in Egypten misten, so samlen die Einwohner
diesen Mist ein, welchen sie eines Theils zum brennen
brauchen. Doch die größeste quantitaet wird nach Nie-
der Egypten gebracht, wo er in gläserne Gefäße ge-
brannt, %.und durch das Salz, welches sich ansetzt, der Salmiac
gewonnen wird.

/ ≥ Von den Steinen

/Die Edelgesteine unterscheiden sich von andern in der
Härte. Sie müßten die Feile ausstehen können. Alsdenn
gehöret der Topas auch dazu. Sie sind auch schwerer als
die anderen Steine. Die Farben %.und der Glanz unter-
scheiden sie vornehmlich. Die Edelgesteine sind entweder
Farbesteine, oder Crystallsteine. Zu diesen gehöret:

/Der Diamant. Er ist durchsichtig, kan mit nichts als
mit seinem eigenen Pulver geschliffen werden, welches
geschieht wenn man es auf stählernen Scheiben streicht.
Er verlieret in vielen Jahren nichts von seiner Politur,
ist schwerer als alle übrige. Die Benennungen die
von der Kunst herrühren, sind 1.) Der brillant 2.) der
Rosenstein. 3.) der Tafelstein. Er wird zum Brillant
wenn er oben eine eckigte Fläche hat, woran rund um
Triangel angeschliffen sind, welchen Rauten gegen-
über stehen, die in den Kasten hineingehen. Soll er
vollkommen brillantiren, so müßen 2/3 im Kasten und
1/3 draußen seyn. Da er aber alsdenn wenig ins Auge
fällt, so ist er nur vor Kenner %.und gilt im Publico
wenig.

/2.) Der Rosenstein. Es laufen lauter Triangel in einer

/ Spitze ~

/|P_174R

/δZ_9

/Die meisten Steine sind
gleich in der ersten Schöpfung
hervorgebracht worden,
indeßen werden noch
beständig sowohl neue
Steine aus flüßigen
Cörpern, welche Erd-
theile enthalten,
theils im Waßer,
%.theils in der Erde, theils
in den Menschen und
Thieren erzeuget,
als auch die Alten
durch Ansetzung neu-
er Theile vergrößert.
Daher man den Stei-
nen auch einen Wachs-
thum, jedoch nur in
uneigentlichen Ver-
stande zuschreibet. ~

/|P_175

/Spitze oben zusammen. Man schleift den Diamant zum
Rosenstein, wenn er zum Brillanten nicht dick ge-
nung ist.

/3.) Der Tafelstein ist viereckigt in der Fläche, er ist am
gestrecksten %.und schlechter als die beyden erstern. An der Sei-
ten sind Façetten angeschliffen.

/Die Demante werden alle polirt, einige schwarz mit
einem auf gewiße Weise gebrannten Helfenbein. Dieses
geschieht nur darum, daß kein anderes Licht darin spiele
als sein eigenes. Hat der Stein aber eine besondere Farbe,
so giebt man ihm ein Folie, die diese hebt. Der Demant
hat eine Feder, wenn er einen kleinen Riß hat, dieses
trift sich, wenn man den Stein entweder sprenget, in dem
der Demant ist, oder auch, wenn die Stücke zum brillantiren
abgeschlagen werden. Der Demant wird nach Carathen
geschätzet, doch nicht nach Gold_Gewicht, 1/8 Dukaten schwer ist
ein Carath Diamant_Gewicht. Wenn ein Brillant von
einem Carath 50 Reichsthaler kostet, so kostet einer von 2 Carath
4 mal 50 Reichsthaler %.und so wird die Summe vom Gewicht
immer mit sich selbst multipliciret.

/Die Demante werden entweder aus der Erde gegraben
oder in Flüßen gefunden. Besonders bey Borneo bringet
man aus den Flüßen Kiesel hinauf in welchen Deman-
ten liegen. Diese sind aber klein. In America %.und Asien
findet man sie in der Erde. In America nur in Brasilien.
In Asien nur auf der Halbinsel dißeits des Ganges
auf der Küste coromandel in den Königreichen Docka,
Galconda, Visampur, in den gatischen Gebürgen. Die
Halbinsel jenseit des Ganges enthält die Farbensteine,

/ Rubinen

/|P_176

/Rubinen, Saphiren p. In Ostindien ist der Hauptgeburthen-
ort des Demants. Die Gegend wo er gesucht wird ist die
armseeligste. Leute die ihn suchen, thun es nur aus der
höchsten Noth. Es ist diese Arbeit als ein hazard_Spiel
anzusehen. Erstlich müßen sie ein Stück Land pachten %.und
2.) gewiße Demante an die Krone abgeben. Alsdenn ar-
beitet eine Menge Arbeiter auf diesem Lande, %.und manche
Jahre vergeblich. Sie finden den Demant in verschiedenen
Erden, in rohter, in schwarzer, von welcher Erden er auch
gemeinhin «er auch» eine gewiße Farbe annimmt. Er
liegt immer in einer Schichte %.und nicht in vielen zer-
streuet. Man findet alsdenn kleine Kiesel, welche die
Haut des Deamanten sind. Man schüttet die Erde auf
einen Platz der mit Steinen ausgelegt ist %.und den rund
um eine kleine Mauer umgiebt. Man gießet Waßer
darauf %.und stößet die Erde, damit sie von den Steinen los-
gespühlet werde. Man läßt es alsdenn ablaufen, da
denn die Steine zurückbleiben. Die dabey arbeiten
müßen ganz nackend seyn, damit sie nichts stechlen.
Man hat sehr gewiße Merckmale, woran man die Steine
erkennet, in welchen Demanten liegen. Doch muß man
sie auch manchmal zerschlagen. Unter den größern ge-
schiehet hierauf ein examen. Man schleift eine Seite
des Steines an, damit der klare Demant zu sehen sey.
Man setzt sich in eine dunckele Cammer, worin nur
durch eine kleine Oefnung Licht hineinkommt, %.und examini-
ret den Stein Stunden lang. Der florentinische Demant
wiegt 139_1/2 Carath. Der größeste Demant in Franckreich,
den der Herzog Regent vom Engländer Pitt vor 300.000 Reichsthaler
kaufte, wiegt 144 Carath. Pitt hätte vom Könige Augusto

/ in

/|P_177

/in Pohlen 800.000 Reichsthaler haben können, aber er wußte nicht
ob ihm die Bezahlung ganz sicher wäre. In dem Schatze
des Moguls, soll ein Demant von 279 %Carath seyn. Keisler
glaubt, der florentinische Demant sey gar nicht in der
Welt, da die Reisende nichts als ein Modell von ihm zu sehen
bekommen. Der große Mogul läßt sich alle Jahre mit lauter
Demanten abwägen, doch kann es leicht ein Blendwerck da-
mit seyn, indem sie alle in Papier eingepackt %.und versiegelt
sind. In Brasilien hat man vor einigen Jahren Demants-
Gruben entdecket, %.und um deswillen eine ganze Stadt an
eine andere Stelle getragen. Hier sollen sie ungewöhn-
lich groß %.und in großer Menge seyn. Daher mögen die De-
mante auch jetzt häufiger bey uns seyn, aber der Luxus
ist dagegen auch weit größer, %.und daher in dem Werthe des
Demants auch kein Abfall zu besorgen.

/Der Rubin ist in der Härte, in dem Glanze %.und in dem
Preise gleich nach dem Demant. Er ist vornemlich in dem
Königreich Peru auf der Halbinsel je«¿»nseit des Ganges.
Die Metalle sollen denen Farbsteinen nach proportion
ihrer specificischen Schwere, die Farben geben.

/Gold färbt roth, Silber Goldgelb, Bley orangefarb, Ku-
pfer grün, Eisen blau.

/Nächst dem Rubin ist der Sapphir, ein hellblauer Stein
im Königreich Ava auf der Halbinsel jenseit des Gan-
ges. Die welche einige Flecken haben, bekommen den Namen der Luxsapphire.

/Der Smaragd ist ein vortreflich grüner Stein, %.und allein
in America anzutreffen. Diese beyden letztern werden
weniger gebraucht, weil die nicht so lebhafte Farben
spielen. Im Kloster Reichenau soll ein Smaragd, so
groß wie ein Foliant seyn 28 %.Pfund schwer %.und 2 Zoll dick.
Kenner aber halten ihn alle für einen gefärbten Stein.

/ Wäre ~

/|P_177R

/δZ_17

/Der scharlach oder hoch-
rohte ist der theuerste.

/δZ_23

/Vornemlich auf Ceylon
%.und in dem Königreiche
Pegou.

/δZ_26

/In dem Feuer verän-
dert <man> seine Farbe in die
blaue, bekommt aber
die vorige wieder, wenn
er kalt worden ist. ~

/|P_178

/Wäre er ächt, so müßte er wenigstens 140.000 %Florin werth seyn.

/Der Topas ist der Härte nach gleich nach dem Rubin zu
setzen. Doch hat er wenig Leben %.und spielet schwach. Die
Goldgelben %.und weislichgelben sind die besten.

/Der Ametist ist violet_blau, vermuthlich vom Eisen ge-
färbt.

/Der Türkis ist ein grünlichblauer Stein. Er ist ein verstei-
nerter Zahn, von einer Art von Seethieren. Wenn dieser
gefunden wird, ist er gräulich %.und hat einige dunckelblaue
Puncte. Wenn man ihn röstet so verbreiten sich die dunckel-
blaue Flecken, über den ganzen Stein %.und machen es grün-
lich_blau. Man macht ihn durch die Kunst sehr genau
nach. Man läßt Kupfer durch spiritum cornu cervi
auflösen. Hierin legt man ein Stück Elfenbein, das
über dem Feuer gedorret ist, %.und läßt es 14 Tage darin
liegen, so bekommt man einen künstlichen Türkis, den
der Kenner selbst vom wahren nicht unterscheiden
kann.

/Der Opal heißet auch sonst der Element_Stein, weil er
bald milchweiß, bald bläulich, bald röthlich aussieht. Den
orientalischen opal bekommt man hier selten zu sehen,
dieser ist so zart wie eine Perle. Man kauft ihn in der
Levante %.und er gilt beynahe dem Demant gleich.

/Der Chrysolith ist durchsichtig %.und hat eine Goldfarbe.
Wenn er ins Grünliche spielet, heißet er Chrysopas.

/Der Hyacinth ist ein rothgelber Rubin. Er ist vieleckig.
Die Halbedelgesteine wiederstehen der Feile nicht, sind
aber der Farbe nach sehr schön, %.und werden manchmal ei-
nigen Edelgesteinen vorgezogen. Es gehöret dahin

/ 1.) ~

/|P_178R

/δZ_2

/Die Figur ist Prisma-
tisch %.und die Farbe
bloß gelb.

/δZ_7

/Weil die Türkise zu-
erst aus der Türkey
zu uns gebracht wor-
den sind, so sind sie
mit dem Namen der
Türkise beleget wor-
den.

/δZ_19

/Die häufigste Nachah-
mung dieses Steins
geschiehet durch das
Beinglas, kommt aber
dem Aechten bey weitem
nicht bey.

/δZ_24

/Er ist unter den Edelstei-
nen der weichste %.und
kann der Feile nicht wie-
derstehen. An dem Stahl
giebt er nur wenig
Funken. ~

/|P_179

/1.) Der Crystall. Man hat davon Stücke, wovon man große
Gefäße ausarbeiten läßet. Der Bergcrystall scheinet nur
ein, an den Bergspalten zusammengenommenes Waßer
zu seyn, welches eine große Menge Steintheile in sich
enthält. Er schießet in eckigten %.und prismatischen Figu-
ren an. Man nennet daher das Anschießen des Salzes
in eckigten Figuren, das Crystallisiren. Küchensalz schießt
in lauter Würfeln an, der Salpeter in spitzigen Figuren.

/2.) Der Carneiol in Böhmen, häufiger in Ungarn, halb
durchsichtig, sehr hart, heißet Sarder wenn er recht fleischfarb
ist. Die Negers in Madagascar halten sehr viel auf ihn.

/Der Achat ist im Feuer schlagen dem Feuerstein ähnlich.
Man sieht darin offenbar das Zusammenschießen von Schlamm,
worin Moos gewesen. Wenn er rein ist gilt er sehr viel.

/Der Calcedor ist milchfarbigt. (Chalcedonicus)

/Der Onix ist ein Achat mit weißen %.und schwarzen Streifen.

/Lapis Lazuli (Lasur_stein) ist sehr kostbahr, wird zu Rock-
knöpfen gebraucht, ist dunckelblau %.und hat Goldkörnergen
in sich. Wenn er calciniret ist, macht man von ihm das schön-
ste blau, das ultramarin wovon 1 Loth bis 50 Reichsthaler gilt.

/Opus mosaicum (Mosaische Arbeit.) So heißet überhaupt
alle eingelegte Arbeit, auch das Tafelwerck mit verschie-
denen Holzen. Jetzt nennet man diejenige Arbeit so,
die aus Glasstiften in einer Art von Kitt eingedruckt
wird. Man gießet Glastafeln von allerley Farben, diese
werden in Stiften geschnitten, %.und wie die Lettern bey
den Buchdruckern in Fächer reguliret. Den Kitt macht
man von Gummi, cacinirten Marmor %.und Eyerweis. In
diesen werden werden die Glasstiften gedruckt. Alsdenn

/ trocknet ~

/|P_179R

/δZ_9

/(Carneolus) ~

/|P_180

/trocknet es %.und die Fläche wird poliret. Es dauren solche
Gemälde Jahrhunderte hindurch. Die Peterskirche in Rom
wird jetzt damit ausgezieret. Florentiner Arbeit ist
eine Art von mosaischer Arbeit, wo aber anstatt der Glas
güße Edelgesteine genommen werden, indem man alle
Farben aus den Edelgesteinen herausbringet. Die Fläche
wird mit Demaat_Pulver polirt.

/Marienglas ist ein Stein, der aus lauter Blättern zusam-
mengesetzet ist, doch dabey sehr durchsichtig. Man findet
Stücke die 2 Fuß dick sind. Es wird zu Fenstern auf
den Kriegsschiffen auch zu Laternen gebraucht. Die
feinsten abgespaltenen Stücke brauchet man zu micros-
copischen observationen, um die Inseckten darin un-
ter zu schieben. Es wird endlich undurchsichtig, da es
sich in kleine Schuppen auflöset.

/Der Jaspis hat allerley Farben. Die gewöhnlichsten
ist dunckelblau. Er ist so hart als ein Feuerstein.

/Der Asbest ist ein faserigter Stein, wovon unverbrennli-
ches Papier %.und Leinwand gemacht wird. Man zerklopfet
erstlich den Stein, daß die Fasern auseinander gehen, %.und
legt sie ins Waßer. Darauf spinnet man sie mit Flachs
doch so, daß man immer die Finger mit Oehl befeuchtet.
Man macht hievon Leinwand %.und wirft sie ins Feuer, da
denn der Flachs verbrennet %.und der Asbest zurückbleibt.

/Der Marmor ist ein Stein, der in Kalck zerfällt. Man
hat weißen, schwarzen p. Der schönste Gips wird von Ala-
baster gemacht. Marmorbrüche findet man in allen
Ländern. Beym Bauen müßen die Stücke so zu liegen
kommen, wie sie in den Schichten lagen.

/ Der ~

/|P_180R

/δZ_17

/In der Witterung soll
er seine Farbe ver-
lieren %.und mürbe wer-
den. Es giebt auch
Hölzer %.und Muschelwerck
die in Jaspis ver-
wandelt worden sind.
ZE. in dem Coburgi-
schen, Erzgebürgischen
Böhmen %.und Heßen. ~

/|P_181

/Der Florentinerstein (eine Art Marmor) scheinet auf
paille_Grund, Trümmern von Schlößer, Städten p im
prospect zu zeigen.

/Quatz ist eine petra parasitica, welche aus den Spal-
ten der Felsen herzuquellen scheinet %.und wie eine Nath
den Riß erfüllet. Man glaubt wenn er in höherer
Art fein ist, so sey er der Crystall, %.und der feinere Cry-
stall werde der Demant.

/Porphir %.und Granith sind hart, roth mit Flecken. Die Alten
bezogen damit die Pfeiler.

/Der Binsenstein scheinet nicht von der Natur unmittel-
bahr hervorgebracht zu seyn, sondern von dem Feuer aus
gebrannt %.und seine Gestallt bekommen zu haben. Er ist schwäm-
migt, leichter als Waßer, wird in Ländern angetroffen
wo Erdbeben %.und feuerspeyende Berge sind.

/Der Mexicanische Stein-Schwamm p. (Filtrier_Stein) wird
noch in England gebraucht. Er ist eine petra parasitica
%.und setzet sich im Persischen Meerbusen an einen Felsen
an. Man macht eine kugelförmige Vertiefung darin,
%.und setzet ihn über ein andres Gefäß. Wenn man das unrein-
ste Waßer hineingießt, so läuft es nach 2 Stunden ganz
klar durch %.und ist trinckbar.

/Der Bologneser Stein hat die Eigenschaft, daß wenn er
im Feuer calciniret worden, er am Tage Licht einsauget,
%.und es im duncklen wieder von sich giebt %.und leuchtet. An
der Sonne zieht er so viel in sich, daß er zerfällt. In
Baumwolle gewickelt, behält er das Licht lange. Auch
im Waßer zieht er es an sich. Das Mondenlicht aber
nicht, weil es zu schwach ist. In neuern Zeiten hat man ihn
nachgemacht, indem man Kalckkörper brennet %.und mit
Spiritus nitri durcharbeitet.

/ Saxa ~

/|P_181R

/δZ_11

/Der Bimsstein ist
vermuthlich Asbest,
welcher vom unter-
irdischen Feuer
ausgebrant ist. ~

/|P_182

/Saxa ceraunea (Donnersteine.) Man findet steinerne
Beine, Aexte, Pfeile. Fälschlich hielt man sie ehemals
vor natürliche Steine. Es sind Waffen der Alten, deren
sie sich bey ihren Opfern bedienten, wo sie keine eiserne
brauchen dürften. Eben so hat man bey Baden eine
ganz ungeheure Menge Würfeln ausgegraben. Wahr-
scheinlich haben die Römer hier das Bad gebraucht, %.und
alsdenn Würfel gespielet. Als in Rom diese Spiele ver-
boten wurden, so haben diese Römer entweder solche
selbst vergraben oder es ist auf Befehl geschehen.

/Terra sigillata (Siegelerde) in Lemnos %.und Schlesien.
In Lemnos ist die berühmteste, wo sie jährlich mit gro-
ßen Feierlichkeiten gegraben wird. Wenn sie gut seyn
soll, muß sie an die Zunge starck anhängen. Sie
wird bey Fleckfieber %.und bösen Kranckheiten gebraucht.
Die Egyptische Siegelerde soll das Marck von der Frucht
des Baumes Baobad seyn.

/Umbra (von Umbria) ist eine braune <fette> Kreide.

/Der Adler_Stein (Klapperstein) hat inwendig noch einen
andern, welcher hin %.und her klappert.

/Violen_Stein. Er riecht wenn er gerieben wird wie Violgen.

/Der Schweinstein hat einen Schweinsgeruch, wenn man
ihn schlägt.

/Tourbalin (Trippel, Aschenzieher) hat die Härte eines
Edelgesteines, ist ziemlich flach, zieht wenn er warm ist
Asche %.und andere leichte Cörper an sich.

/Alle Steine sind vermuthlich ehedem flüßig gewesen, wel-
ches man aus den Schichten, aus ihren Figuren, %.und aus den
Sachen die darin enthalten sind, siehet. Es müßen sich ver- 

/ muthlich ~

/|P_182R

/δZ_1

/Man findet sie hin
%.und wieder in Teutsch-
land besonders an den
Flüßen. Sie sind aus
festen Steinarten
gemacht, werden
theils mit einem Lo-
che, theils ohne daßel-
be gefunden.

/δZ_18

/Der feinste Umbra soll
aus Engelland von
Bristol kommen.

/δZ_24

/(Terra Tripolitana)
ist unter den Zähnen
scharf, %.und fast wie san-
dig zu fühlen, ohner-
achtet man keinen
Sand aus ihr scheiden
kann. ~

/|P_183

/muthlich auch jetzt noch Steine erzeugen, ob man gleich
nicht Gelegenheit hat die Natur in dieser Arbeit %.und im
Geliefern zu überraschen. Es giebt viele Materien aus
dem Pflanzen %.und Thierenreich, welche entweder mit
Steinen durchdrungen, oder davon überzogen worden.
Die Versteinerungen sind das Durchdringen der Cörper
vom Steinsaft. Einige zum Pflanzen oder Thierreich
gehörige Cörper sind, ob sie gleich ganz Steine sind, ihren
Ursprung nach noch ganz genau zu erkennen. Man sie-
het versteinerte Bäume, Nüße, ja man hat eine ver-
steinerte Melone vom Berge Libanon. Es scheinet fast,
als wenn nicht ein versteinender Saft die Cörper durch-
drungen hat, sondern daß eine subtile materie die
Säfte die darin waren consolidiret hat, so wie die ossa
helmontiana zwey vermengte Flüßigkeiten wie Horn
so fest machet. Es giebt versteinerte Vogelnester, Schlangen
p. Man findet auch einige Cörper, die offenbahr aus
dem Pflanzen oder Thierreich herstammen, deren Na-
tur man aber, ehe sie petrificiret worden, nicht ge-
kannt hat.

/Das Ammons Horn hält man vor einen versteinerten
Nautilus.

/Die Schlangenköpfe (Glossopetrae) sollen die verstei-
nerte Zähne vom Hayfisch seyn.

/Die Judensteine sehen aus wie kleine Olivgen, man
hält sie vor versteinerte Stacheln vom Meer Igel.
Die Steine gehören deswegen zum Mineralreich, weil
sie sich nicht fortpflanzen, %.und nicht innerlich sondern
äußerlich wachsen. Thiere %.und Pflanzen haben ein innig-
liches Wachsthum. Die Steine zeigen gar nicht eine
solche orgin«a»isation, daß man glauben könnte, daß sie

/ innerlich ~

/|P_183R

/δZ_25

/Die dünnen Juden-
steine bekommen den
Namen Judennadeln. ~

/|P_184

/innerlich wachsen sollten. Wenn man nun Steine fin-
det, die alle gleich aussehen, so muß man glauben, daß
sie nicht aus den Mineralien sind, sondern daß sie durch
Saamen sind erzeuget worden. Die Judensteine sehen
einer so wie der andere aus, %.und sind in Franckreich
sehr häufig.

/Die Donnersteine haben die Länge eines Fingers,
sind walzenförmig, an beyden Enden abgerundet,
sehen gelb aus, haben durch die Axe ein Loch. Zerschlägt
man sie, so sieht man eine Menge Strahlen von der
Axe nach der Peripherie laufen. Man glaubt, daß es
ein versteinerter Seewurm sey. Doch findet man kei-
ne Spur der organisation darin.

/Die Buffoniten (Krötensteine) sind halb rund, haben
Punckte wie Warzen, sehen alle ganz einerley aus. Man
findet sie zu tausenden. Einige halten sie vor Backen-
zähne vom Hayfisch.

/ ≥ Dritter Theil der Physischen
Geographie. ≤

/Die politische Verfaßung der Länder, gründet sich auf der
natürlichen Beschaffenheit des Bodens, der anliegen-
den Meere, des Climatis, der Producte von Pflanzen
%.und Thieren %.und der Menschen. Nach der Verschiedenheit
dieser Stücke, muß auch die politische Einrichtung
verschieden seyn. Der Gesetzgeber muß alles dieses
zu Rahte ziehen. Jedoch der Geist der Nationen rüh-
ret nicht wie Montesquieu behauptet vom Clima, son-
dern wahrscheinlich von den racen her. Man muß

/ sehen ~

/|P_184R

/δZ_2

/Für den Menschen allein
hat Gott die Natur mit
Pracht %.und Schönheit, die
alle Kunst weit über-
trift, so reichlich bestreu-
et. Wer nicht darauf ach-
tet, der vernichtet den
Endzweck Gottes, und
beraubet sich selbst ei-
nes Vergnügens, daß
zugleich sein Hertz fühl-
bar machen %.und seinen
Verstand erhöhen wür-
de. ~

/|P_185

/sehen wie die Natur der politischen Verfaßung zum
Grunde liege, denn aber auch, in wie weit die wirckliche
Einrichtung der Staaten ihr manchmal wiederstreiten.
Aller Handel als ein Theil der politischen Verfaßung
ist aus den producten %.und dem Fleiß der Einwohner her-
zuleiten.

/ ≥ Von der Beschaffenheit einzelner Länder
auf dem Erdboden nach den Welt-
theilen.

/1.) Asia %.und darin

/China.

/Dieses Land ist unter allen Ländern der Erde das
älteste. Selbst Egypten kan nicht so lange bewohnet seyn,
denn wegen der Überschwemmungen des Nils muß man
glauben, daß das Meer ehemals ganz Nieder-Egypten
bedecket habe, %.und daß der Nil es mit seinem Schlamm nur
nach %.und nach angesetzet. China dagegen ist ein erhabe-
nes Land. Nach den ältesten Geschichten, die wir nur
haben, ist China eben so blühend %.und eingerichtet, wie je-
tzo gewesen. Es ist in proportion seiner Ausdehnung
das vollkommenste Land in der ganzen Welt. Es ist darin
der größeste %.und allgemeinste Fleiß, %.und die mehreste Policey.
China ist zwar so groß, wie ohngefehr Deutschland, Pohlen
%.und Franckreich zusammen genommen, allein es hält weit
mehr Einwohner als ganz Europa in sich. Die Menge
der Menschen ist dermaßen groß, daß ohngeachtet ihr
Fleiß alle Vorstellung überschreitet, so daß sie den Men-
schenkoth durch Canäle auf das Land führen, doch kein
Jahr vorbey gehet, wo nicht in einigen Gegenden bis
1.000 Hungers sterben. Die Ursache dieser Bevölke- 

/ rung

/|P_186

/rung ist

/1.) Die absolute Gewalt, die die Eltern über ihre Kinder
haben, welches sie sehr zu heyrahten antreibt.

/2.) Daß der ehelose Stand bey ihnen beschimpft ist.

/3.) Daß sie nicht starck außer Land reisen. Die mehresten
reisen nach der Levante, kommen aber immer wieder.
Ihre mehresten Städte sind in quadrat gebauet, und
werden in rechten Winkeln von den Straßen durchschnitten.
Eine mittelmäßige Landstadt ist, welche 100.000 Ein-
wohner enthält. Auf den Flüßen bauen sie lange Flöße
worauf eine Art von Gebäuden stehet. Es wohnen darin
ganze Familien, welche Handlung treiben, denn durch
das ganze Land gehen Canäle, worauf man von einem
Ende bis zum andern kommen kan.

/Der Porcelaine Thurm von Nanking ist ein sehr künstliches
Gebäude von lauter Porcelaine. Er ist 180 Fuß hoch. Die
Chinesische Mauer ist wohl das größeste Wunder in der
Welt. Sie hat ein Länge von beynahe 150 Deutschen
Meilen. Hin %.und wieder ist sie durch unübersteigliche
Gebürge unterbrochen. Einige sagen daß sie 5 Klafter
in der Höhe %.und 4 %Klafter in der Dicke habe. Wahrscheinli-
cher aber ist der andere Bericht: daß sie 10 Ellen hoch %.und
5 %Ellen dick sey. Sie steht schon seit 1.800 Jahr %.und ist unbe-
schädigt, außer daß sie hin %.und wieder durch Erdbeben
erschüttert worden. Es sind verschiedene Thürme vor
die Wächter darauf. Jetzt sind sie den Chinesern nicht
mehr nötig. Ehemals dieneten sie ihnen wieder die
Tartarn, diese aber sind gegenwärtig ihre Herren.

/ Die

/|P_187

/Die Missionarii haben die Chineser so gerühmt, daß
man sie ehemals in allen Stücken vor vollkommen hielt.
Kaufleute aber, die aus der Handlung ihren Charackter
kennen lernen, Reisende, die sie aus Gesandschaften kennen,
machen ganz andere Beschreibungen von ihnen. Die
Chineser sind wie die Indianer, äußerlich gelaßen und
nicht auffahrend. Doch zeigen sie in diesem gelaßenen Ver-
fahren schon eine Gemüthsart, die zum Betruge ge-
neigt ist. Er ist bey ihnen auch allgemein %.und nicht anstößig.
Sie freuen sich öffentlich, wenn sie einen Fremden be-
trogen haben. Diese Neigung zum Lügenhaften %.und Ver-
stellen, kommt von Ihrem großen Eigennutze her. Dem Vor-
theile setzen sie alle reputation hindan. Sie sind feige, tau-
gen nicht zum Kriege, sind unterthänig %.und recht gute Va-
sallen. Sie haben gar keinen Begrif von einer freyen
Regierung. Die Chineser sind hartnäckige Verehrer ihrer
Gebräuche, wenn sie sie gleich als Irrthümer erkannt haben.
ZE. zur Zeit der Sonnenfinsterniß behalten sie noch im-
mer die alberne Gewohnheit bey, ein großes Geschrey und
Music auf der Straße zu machen, um den Drachen zu ver-
jagen, der sie verfinstern soll, ob sie gleich von diesem
Irrthum schon längst unterrichtet sind. Sie haben kein
Genies, ihre Wissenschaften steigen niemals höher. Man
schämet sich nicht in China als ein Betrüger bekannt
zu werden, sondern man schämet sich ein einfältiger
Betrüger zu seyn. Man muß sich auf ihren Märckten
sehr hüten, nicht hintergangen zu werden. Sie machen
künstliche Schweinschinken aus Holz, %.und beziehen sie mit
der Haut, so daß sie ganz natürlich aussehen. Sie holen
aus den Capaunen das Fleisch mit Haacken heraus und
stopfen sie voll Sand %.und anderen Sachen. Sie sind so dem

/ Spiel

/|P_188

/Spiel ergeben, daß sie oft sich, ihr Weib %.und ihre Kinder
zu Sclaven verspielen. Bey Ihnen die Religion zu pre-
digen, ist eine der leeresten Bemühungen der Europäer
gewesen. Sie fragen nichts nach dem andern Leben, wenn
sie nur in diesem Leben viel Geld verdienen können. Die-
jenige, welche noch bekehret sind, haben nur die Cere-
monien des Christenthums angenommen. Die Missionarii
brachten nach China viel Gelehrsamkeit %.und Mathematiek
mit %.und machten sich dadurch bey dem geschickten Kayser
Kamchin, dem Tartar, sehr beliebt. Sie nahmen dem
Hofe zu gefallen die Christliche Religion an.

/Der Geschmack der Chineser ist nicht delicat. Auf ihrem
Marckte findet man Pferdefleisch, Kröten, Eulen, Ratzen p.
Alles Eßen kommt bey ihnen kalt auf den Tisch, %.und das Ge-
träncke warm in Taßen. Das Eßen ist schon zerschnitten
%.und sie eßen es mit zwey Stäbgen von Elfenbein oder Holz.
Bey einem Traitement sitzet jeder der Gäste an einen
besondern lackirten Tisch. Es wird kein Wort geredet,
man sieht immer auf die Bewegungen des Wirths. So-
bald dieser die Taße ansetzet oder einen Bißen nimmt, so
thun es ihm alle andere auf ein Tempo nach. Diese Pan-
tomime währet ungefehr zwey Stunden. Nach der Mahl-
zeit gehet man in den Garten. Hier genießet man das
Desert, dann läßt man Comödianten kommen, die übri-
gens sehr schlecht sind, außer daß sie vortrefliche Taschen-
spieler %.und Balonier_Künste machen. Die mehresten Ge-
spräche bestehen in Lobeserhebungen, die man dem
Wirthe beylegt. Sie sitzen nicht, wie die übrigen orien-
talischen Völcker auf der Erde, sondern auf Stühlen.

/ Ihre

/|P_189

/Ihre Haupt Delicatesse ist geschnitten Hünerfleisch mit
Reis. Dieses Gericht heißet Pillo. Von den Tartarn haben
sie gelernet, einen Brandtwein vom Pferde_Milch machen,
der über Schöpsen_Fleisch abgezogen ist. Statt der Muffen
sollen einige wenn es kalt ist, lebendige Wachteln in den
Händen tragen. Sie sind sehr den Complimenten ergeben.
Diese sind das Hauptstück der Erziehung, %.und man lernet
sie wie die Catechismus_Fragen auswendig. Der Gast
weis, was er sagen soll, wenn er ins Haus tritt, und
der Wirth was er antworten soll. Die Bauren com-
plimentiren auf dem Wege. Die Complimenten sind ein
Landesgesetz %.und man glaubt, daß dadurch die Ruhe im
Lande sehr erhalten werde, denn wenn die Bauren com-
plimentiren müßen, so haben sie nicht Zeit sich zu
prügeln. Man hört auch gar nicht bey ihnen ein solch
grobes Schimpfen wie in Europa. Die Mannspersonen
statten zu Pferde ihren Besuch ab, %.und machen ihn vorher durch
ein Billet bekannt. Der Wirth %.und der Gast sitzen eine ganze
Weile mit niedergeschlagenen Augen stille, bis endlich
einer einen Discours anfängt. Beym Grüßen wird das
Haupt nie entblößt.

/Ihr Land ist so eingerichtet, daß in keinem einzigen Lan-
de außer Holland, der Fleiß so viel sollte gethan haben.
Alle Städte und Dörfer haben durch Canäle Gemeinschaft.
Alle Hügel sind durch Tarassen abgestützt.

/Der Thee ist die vornehmste Frucht bey ihnen. Sie haben kei-
ne rechte Blumen, aber die Bäume tragen die schönsten
Blühten. Ihre Gärten sind mittelmäßig, jedoch die Haupt-
eintheilung der Reviere derselben ist die schönste. Sie
laßen darin das Schöne mit dem Schrecklichen abwechseln.

/ Aus

/|P_190

/Aus einem schönen %.und reizenden Garten, kommt man in ei-
ne Art von Wildniß, nach diesem eröfnet sich eine roman-
hafte schöne Aussicht, von Einsiedeleyen, heiligen Tempeln
%.und unabsehlichen Gängen. Der Rhabarber, den man aus
China bekommt, kommt eigentlich aus der Chinesischen Tarta-
rey her. Ihre Manufacturen sind Seidenzeuge. Sie können
in diese Goldpapiere so zierlich einweben, daß man es vor
geschlagen Gold halten sollte. Ihre Tusche bestehen aus Ruß
%.und Ambra. Die Chinesische Sprache ist eine der Seltsamsten
indem sie nur aus 330 einfachen Wörtern bestehet. Alle
übrige Wörter entspringen daraus, nach der Verschiedenheit
des Tons oder Hauchs, den man hinzusetzt %.und nach ihrer
manigfaltigen Verbindung. Ihre Schreibekunst hat viel be-
fremdliches %.und zeiget Unwißenheit. Unsere Characktere
sind nominal_Characktere, welche nicht die Sachen aus-
drücken, sondern die Zeichen, wodurch wir die Sachen aus-
drücken, andeuten. Sie haben aber Real_Characktere. Die-
se Art ist noch bey allen rohen Völckern, dergleichen Schrift
waren der alten Egypter Hyeroglyphen oder Hyerogram-
mata. Sie bezeichneten dadurch die Sachen selbst, oder ihre
Symbola. ZE. Der Hahn zeigte die Wachsamkeit, die Katze
die Tücke an. Auf ihren Obelisken findet man wundersame
Ideen, welche alle Vorstellungen der Gottheit sind. Endlich er-
fand man es, die Namen die wir den Sachen geben zu bezeich-
nen. Die Chineser bezeichnen nicht die Worte, sondern die
Sachen selbst, %.und da ihre Buchstaben keine Beziehung auf ihre
Sprache haben, so können alle Nationen ihre Bücher lesen, ohne
ihre Sprache verstehen zu dürfen. ZE. Ein König heißet bey
ihnen Cha %.und wird so bezeichnet: ⌶. Verschiedene andere Na-
tionen bedienen sich ihrer Schreibart. Man muß bis 4.000 Cha-
racktere kennen, um wenige Bücher lesen zu können. Ge- 

/ lehrte

/|P_191

/lehrte müßen davon wohl bis 80.000 inne haben. Die Buch-
druckerkunst soll bey ihnen über alles in Europa seyn. Je-
doch ist sie von der Europäischen ganz unterschieden. Sie
drucken mit unbeweglichen Lettern. Selbige schneiden sie
in Tafeln von weichem Holze. Sie sind nicht mehr als zu
einem Buch zu gebrauchen. An statt aller Philosophie, haben
sie eine Art von Moral, dieses sind Lehren, die ohnedem schon
jedweder weiß. Sie rühren von Confucius her, welcher
ohngefehr 300 Jahre vor %.Christi %.Geburt gelebet hat.

/Obgleich in China kein Adel ist, so sind seine Nachkommen doch
als ein Adel anzusehen. Bey jeder Stadt ist dem Confucius
ein Monument errichtet, wohin sie jährlich eine procession
thun. Sonst haben sie beynahe keine Wißenschaften. Ihre Ma-
thematick ist elend. Die leichtesten Sätze des Euclides sind
ihnen unbekannt. Einige Handgriffe im Feldmeßen haben
sie. Aus gewißen Tabellen sagen sie die Mondfinsterniße
voraus, aber nicht auf Stunden %.und Minuten. Von der Medicin
wißen sie gar nichts, außer die Hausmittel der alten Wei-
ber. Es fehlet ihnen deswegen besonders an Theorie, weil
sie keinen Menschen anatomiren dürfen. Sie hüten sich sehr
jemanden den Kopf abzuschlagen, damit der Mensch nicht
zerstückt werde, lieber hängen sie ihn. Sie haben besonders
2 Methoden zu curiren.

/1.) Das Brennen oder die cauterisation, indem sie mit ku-
pfernen Platen dem Krancken in den Bauch %.und die Fußsohlen
brennen.

/2.) Das Nadelstechen. Die äußere Einrichtung der Wißen-
schaften haben sie ganz vollkommen. Sie haben Academien %.und
academische Gradus. Das was man bey uns Doctor nennet,
wird bey ihnen mit solcher Sorgfalt erworben, daß der Kay-
ser selbst zugegen ist, %.und den Doctorandum examiniret denn

/ der

/|P_192

/der Kayser ist gewöhnlich einer der Gelehrtesten im Lan-
de. Die Doctores müßen sich nach einigen Jahren wieder exa-
miniren laßen, %.und werden wenn sie schlechter bestehen, wohl
gar removiret. Es giebt in China, Staats %.und Krieges_Man-
darine. Die Staats_mandarine müßen alle Doctores seyn.
Ihre Gesetze sind sehr drohend. Die Bastonade oder Stockprü-
gel sind einem Mandarin etwas ganz gewöhnliches. Ihre
vornehmste Gesetze sind 1.) Der Gehorsam der Unterthanen
gegen den Kayser.

/2.) Der Gehorsam der Kinder gegen ihre Eltern.

/3.) Die Complimente. Da die väterliche Gewalt uneingeschränkt
ist, so werden jährlich viele 1.000 Kinder verkauft. Die-
ses ist auch nicht so sehr übel. Manche Eltern können ihre
Kinder nicht ernähren, oder ihre Erziehung ist schlecht. Vie-
le Personen würden bey uns armer Leute Kinder gerne
erziehen, wenn sie nur sicher wären, daß sie ihnen hernach nicht
weggenommen würden. Wenn ein Kind sich unterstehen soll-
te, den Vater zu schlagen, so sagt das Chine«¿¿»sische Gesetz, soll
es in 10.000 Stücke zerhauen werden, welches eine sehr
harte Strafe anzeiget. Wer aber die Eltern umbringet,
soll nicht nur allein umkommen, sondern alle Nachbarn
sollen den Kopf laßen %.und die ganze Straße soll verwü-
stet werden. Diese Unterthänigkeit der Kinder gegen
die Eltern, führet sie schon zur Sclaverey an gegen die
Obrigkeit. Es giebt da wohl zwar Empörungen, aber
sie werden alle mit Blutvergießen geendiget, so daß ent-
weder die Kayserliche Familie oder die Empörer ausge-
rottet werden. In Peking werden alle Tage Zeitungen
ausgetheilt. Es steht nur darin, wen«n» der Kayser zum
Mandarin erhoben «worden» %.und wen er abgesetzet hat. Poli- 

/ tische

/|P_193

/tische Neuigkeiten findet man gar nicht darin. Die Reli-
gion haben sie noch von den alten Zeiten her beybehalten, so
absurd sie auch ist. Sie thun es deswegen, damit der ge-
meine Mann nicht sehe, daß die Mandarinen sich irren
können. Sie sind auch in der Religion nicht sehr eifrig. Sie
haben zweyerley Pfaffen, die Bonzia %.und die Lamos. Erste-
re sind von der alten Chinesischen, letztere von der Tartari-
schen Religion. Der oberste Lamos heißet Dali Lama, und
hat seinen Sitz in Barantola %.und Groß_Tibeth. Dieser
giebt vor daß in ihm ein Geist Fo wohne, %.und man nennet
ihn den ewigen Vater, weil der Geist Fo so gleich einen
andern Lamos beleben soll. Die Religion des Fo ist sehr
alt. In einigen Stücken kommt sie mit der Christlichen über-
ein. Sie sagen: ihr Gott soll in einem menschlichen Cörper
eingekleidet gewesen seyn %.und von Menschen gelitten ha-
ben. Sie haben eine Art von Communion mit Brodt %.und Wein.
Die Religion ist älter als das Christenthum. Der Budto
der Ceylaner, der Xaka der Japaneser %.und der Fo der
Chineser sollen eben daßelbe Wesen seyn. Dieser Gott soll
ein berühmter Talipoin gewesen seyn. Alle diese Religionen
nehmen die Seelenwanderungen an. Die Seckte des Fo be-
hauptet, daß wenn alle Seelen von den Cörpern werden ge-
trennet seyn, so werden sie wie Funcken mit dem göttli-
chen Feuer verbunden %.und gleichsam vernichtet werden.

/Sonst giebt es unter den Chinesern auch Atheisten. Die
Ehen in China sind wie in allen Ländern des Orients.
Der Bräutigam muß die Braut von ihren Eltern kaufen,
%.und er bekommt sie nicht eher zu sehen, bis das Beylager
soll gehalten werden. Jedoch, wenn sie ihm nicht gefällt,
kan er sie zurückschicken, er muß sie aber noch nicht berüh- 

/ ret

/|P_194

/ret haben, %.und er verlieret alsdenn sein Kauf(schilling) pretium.
Die Weiber sehen ziemlich weis aus, weil sie immer in
den Zimmern sind. Man hat ihnen durch Zwang kleine Füße
gemacht, daß sie nicht gehen, sondern nur wackeln können,
damit sie nicht auslaufen. Daher sind die Weiber auch
alle kräncklich, weil sie immer sitzen müßen. Die Chine-
ser handeln mit Thee, Quecksilber, Rohr, Kupfer in
kleine Stangen, laquirten Fechern, Porcelaine, Zoya,
Borax, welches ein künstliches Salz ist, womit man die
Metalle zum Schmelzen bringet, mit Indianischen Vogel-
nestern p. Die Vogelnester werden zu Brühen gebraucht.
Sie sollen aus dem schleimigten Wesen von einem Fisch-
rogen bestehen, welcher auf dem Waßer schwimmet, und
wovon eine Seeschwalbe sich dieses Nest bauet. Es ist wie
Leim, aber durchsichtig %.und weiß.

/ ≥ Vom Königreich Tunquin. ≤

/Es grenzet an China nach Südwesten, %.und liegt zwischen China
%.und der Halbinsel jenseit des Ganges. Die Regierung be-
stehet aus zwey Herren, dem General %.und dem Könige. Der
General regieret wircklich, der König hat nur den Namen
der Regierung %.und läßt sich etwa alle Jahre einmal sehen.
Der König heißet Chua, der General Bua. Die Tun¥
quiner
sind so ehrlich, wie die Chineser betrügerisch sind.
Sie bedienen sich der Chinesischen Schreibart, sie sind rein
arbeiten sehr in Seyde, verkaufen seiden_Stoffe, Muscus
Ambra p. Die Holländer führen daselbst die Handlung
auf eine ganz besondere Art. Der Holländer, der in
Europa eine Frau hat, heyrahtet in Tunquin die andere,
jedoch nur auf einige Jahre, welches das Weib auch weiß.
Er giebt ihr Geld %.und sie besorgt die Fabriquen %.und läßt Zeu- 

/ ge

/|P_195

/ge arbeiten. Von dem Gewinst bekommt sie einige Procente.
Unterdeßen reiset der Holländer in andere Länder. Er zeu-
get auch mit ihr Kinder, die er ihr wenn die Jahre vorbey
sind, auf dem Halse läßt, %.und nach Europa zurückgeht.

/ ≥ Von Cochinchina. ≤

/Es stößet westwärts an Tunquin. Die Einwohner sind
sehr treuloß %.und haben schon viele Schiffe, die bey ihnen über-
wintern, zu Grunde gerichtet. Sie sind faul %.und wollüstig.
Ihr König (Camtaja) wählet sich eine Leibwache, und
hält alsdenn diejenigen vor die Tapfersten, die den mehresten
Reiß freßen können.

/ ≥ Von Siam. ≤

/Es liegt weiter Westwärts an der Spitze eines Meer-
busens %.und den Strohm Menan hinauf. Die Hauptstadt hei-
ßet volia. Die Missionarii beschrieben die Einwohner
sehr reich, andere reden sehr verächtlich von ihnen. Sie
sind excoliret genung, haben Wißenschaften, einen ein-
gerichteten Staat, Aemter p. Der Siamische Hof ist
unter den Höfen der Schwarzen, der Mächtigste. Der
Strohm Menan tritt jährlich aus, %.und das ganze Land
wird zur Regenzeit überschwemmet, daher alle Häuser
auf Phälen von Bambus_Rohr stehen. Der weiße Ele-
phant wird hier sehr hoch gehalten. Die Könige auf der
Halbinsel jenseit des Ganges, heißen in ihren Titeln,
Herren vom weißen Elephanten, weil jeder praeten-
diret einen einmal gehabt zu haben. Ihre Mönche hei-
ßen wie die Chinesische Talipoins. Die Nation ist
hochmühtig, sclavisch gegen den Überwinder, furchtsam
in der Gefahr. Sie können sehr ihre Affecten verber-
gen %.und haben immer den Schein der Sittsamkeit an sich.

/ Sie

/|P_196

/Sie sind ehrlicher als die Chineser, haben kurze Nasen und
etwas kalmuckisches im Gesicht, lieben große Ohren, has-
sen kleine Augen, eine spitze Stirne %.und Kinn. Sie laßen
die Nägel lang wachsen %.und beschlagen die Spitzen mit
Kupfer. Sie enthalten sich sehr der Geschwätzigkeit. Im
vorigen Seculo war ein gewißer constantinus, ein
gebohrner Grieche am Siamesischen Hofe, bis zur Stelle
eines Staats_Rahts gestiegen. Er suchte eine Alliance
mit Franckreich %.und diesem Hofe zu errichten, %.und endlich
das ganze Land Franckreich in die Hände zu spielen.
Er kam aber in einem Aufruhr ums Leben.

/Sie eßen faulende Fische aus Geschmack. Balachaun eine
Soce aus gefaulten Fischen, brauchen sie statt Zoya, im-
gleichen verfaulte Krebse. Altes Cacao_Nuß_Oehl
welches entsetzlich stinckt, genießen sie jederzeit.

/Im Handel sind sie ehrlich. Es gelten bey ihnen die
weißen Muscheln Coris statt des Geldes. Sie schlagen
sehr gutes Geld. Sie zeichnen lauter Fratzen, wie die
Chineser. Unter den Gewächsen ist bey ihnen das Aloe-
holz. Sie haben eigentlich keine einzige Wißenschaft.
Ihre Medicin bestehet eigentlich in einigen vergeblichen
Zaubereyen. Sie bilden dem Patienten ein, er habe et-
was im Magen, %.und hievon suchen sie ihn zu befreyen.
Sie heben auch durch ein bloßes Reiben viele Kranckhei-
ten, indem sie dadurch die Haut electrisch machen. Astro-
logen suchet man hier sehr starck. Wenn ein Geständ-
niß von einem Inquisiten herauszubringen ist, so geben
ihm die Priester trockenen Reiß zu käuen, %.und beschweren

/ ihn

/|P_197

/ihn, daß wenn er nicht die Wahrheit sage, er an dem Reiß
ersticken sollte. Da dieses trockene Mittel immer mehr
im Halse quillt, %.und die Priester stets mit Bedrohungen
vor ihm stehen, so sagt er das Verbrechen aus. Sonst ge-
ben sie ihm auch Brechmittel. Ihre Mönche heißen Ta-
lipoins %.und die Nonnen Talipoinen, welche ohne Unter-
scheid der Religion allen Menschen wohlthun. Sie glau-
ben die Seelenwanderung, verbrennen die Gestorbenen,
verwerfen die Vorsehung, %.und glauben daß die Belohnung
der Tugend %.und die Bestrafung des Lasters nach der Ord-
nung der Natur vor sich gehen werde. Es scheinet, als
wenn sie überhaupt keine Gottheit annehmen, sondern
nur ein ewiges Schicksahl.

/ ≥ Von den Königreichen Pegu, Aga
und Arrackan. ≤

/Dieses sind Länder der Olivenfarben Indianer, sie ha-
ben etwas Kalmuckisches im Gesicht %.und langes schwar-
zes %.und spitziges Haar. Sie sind in der Feigheit dem
Chineser sehr ähnlich. Ihre Religiösen heißen Tali-
poins, welches wohl die gütigsten Menschen auf der
Erde sind. Ihr principium ist die Redlichkeit %.und Wohlthätig-
keit. Sie gehen mit einer Trommel herum, %.und was man
ihnen giebt nehmen sie stillschweigend an, %.und thun davon
allen Arten von Menschen etwas Gutes.

/Arrackan liegt Nordwärts von Pegu am Bengalischen
MeerBusen. Die Einwohner lieben sehr lange Ohren. Man
durchbohret denen Kindern, die Ohrlappen, %.und stecket eine
Rolle Pergament hinein, welches man immer vergrößert,

/ bis

/|P_198

/bis das Loch so groß wird, daß man 3 Finger durchstecken
kann. Alsdenn hängen sie allerhand Steine, Muscheln p.
hinein. Sie sind feige %.und verzagt im Kriege. Diese Feigheit
wird durch die Idée der Seelenwanderung sehr befördert,
indem sie glauben, man könne im Treffen leicht gegen
seinen Vater %.und Grosvater seyn. Ein Frauenzimmer wel-
ches noch rein ist, bekommt nicht so leicht einen Mann, sie
muß ein Zeichen haben, daß sie schon einen andern gehabt
habe. Nordwärts liegen noch einige unbekannte Länder als
Tipra, Assem p.

/ ≥ Von Indostan. ≤

/Es heißet eigentlich auf Indisch, Hindustan. Das Wort Stan
bedeutet ein Land, %.und dieses Land heißet also Hind. Es
liegt zwischen Persien %.und zwischen Tipra %.und Assem. Nach
Norden grenzet es an das Gebürge Imaus, jetzt mustock.
Südwärts hat es die Halbinsel dißeits des Ganges, %.und
den Bengalischen Meerbusen. Ein Theil von Indostan
heißet Mogulistan. Hier giebt es «M»Nabobs welche Ma-
homedanische Gouverneurs sind, %.und die Raias, Indianische
Prinzen, die jedoch dem Großmogul tributair sind. Im
vorigen seculo hat der Großmogul Oranzep Indostan souverain
gemacht, jedoch haben sich die mehresten Raias dieser Sou-
verainitaet entzogen, %.und sind entweder in ein Bündniß
mit den Europäern dem %Groß_Mogul nur tributair geblie-
ben, oder haben sich ganz %.und gar frey gemacht. Anno 1740
gieng Schach Nadir aus Persien über Candahar und
drung in Indien, wie ehemals Alexander bey Nahor ein.
Ein Verrähter überlieferte ihm die Päße, %.und der %Groß_Mogul
mußte sich ihm unterwerfen. Er gab ihm Verweise, wegen

/ seiner

/|P_199

/seiner üblen Regierung, %.und sagte: er wäre gekommen
sie in Ordnung zu bringen. Er ging hierauf nach Delli, der
jetzigen Hauptstadt im Mogulschen Reich. Hier ließ er
alles Geld aus Indien zusammentragen, %.und man sagt, er soll
hundert Kronen zusammengebracht haben. Man zahlet dort nach
Rupien. Eine Rupie beträgt 3 französische Livres. 100.000 Ru-
pien heißen ein Lock, welches ohngefehr 25.000 Ducaten beträgt.
100.000 Lock machen eine Krona. Jedoch bestand dieses alles
nicht im baarem Gelde, sondern auch in Edelgesteinen und
andern Kostbarkeiten des Reichs. Nach dieser Zeit hat der
%.Groß_Mogul nie sein Ansehen wieder erhalten können.
Der Nabob von Bengalen macht sich jederzeit von ihm
unabhängig, der Nabob von Deckan ebenfalls. Er hat
das größeste Land unter sich %.und nennet sich Zalu Dujan,
Reichsgenoß Canzler. Er hat auch die mehresten Nabobs unter
sich. Jedoch ist er so wohl den Engländern als dem %Groß_Mogul
tributair. Die Macharaten wohnen auf der Halbinsel dißeits
des Ganges, nach der Westseite an der Küste von Malabar.
Sie thun große Streifereyen %.und heißen sonst zipagus, welches
Indianische Soldaten sind, die Europäisch exerciren %.und mondiret
sind. Die Topassen machen alle Manieren von der Nation
nach, der sie dienen. Die Bagassen wohnen auch hier. Dieses
aber sind keine verschiedenen Nationen, sondern Indianer,
die andern auf verschiedene Art dienen. Man stellet einige 100
Europäer %.und einige 1.000 Maharaten zu Felde, welche nur
dienen um die Lücken voll zu machen. In Bengalen ist
die Haupthandlung auf dem Strohm Ganges. Es sind keine
rechte Städte daran, sondern nur große Dörfer. Weiter
hinauf am Ganges kommen Städte wie Benares ist. In Ben-
galen wird vortrefliche Leinwand gewebt. Es ist hier ein
Zusammenfluß von der Handlung aus ganz Indien. Die andern
Länder auf der Halbinsel dißeits des Ganges sind mit alten

/ Indianern

/|P_200

/Indianern bewohnt. Sie sind Olivenfarbig, sehen ganz anders
aus, als wie Muhamedaner, sind klein, feige, still, fleißig,
sclavisch, mit wenigem zufrieden. Ihrer Religion nach
sind sie in verschiedenen Kasten (Seckten) eingetheilt, die
Religion ist wahrscheinlich uralt. Ihre Priester heißen
Bramanen %.und die Religion die Bramanische. Jedoch giebt
es eine besondere Kaste der Bramanen, woraus die Prie-
ster wie die Leviten genommen werden. Ihr %.heiliges Buch heißet Vedam.
Man hat deren drey. Es ist in neuern Zeiten aus Indien von
dem Franzosen Perron gebracht, %.und sein Auszug daraus heißet
Chastres. Der Vedam ist in der Sprache sans_Orip geschrie-
ben, welches eine verlohrne Sprache ist, die wenige mehr ver-
stehen. Es heißet darin: Gott habe die Welt erschaffen, die
Menschen aber waren damit nicht zufrieden gewesen. Dar-
auf habe Gott drey mächtige Wesen hervorgebracht, den Bra-
ma
, den Vischun %.und den Radir, den Brama zu erschaffen,
den Vischun zu erhalten, %.und den Radir zu zerstöhren. Wir
lebten jetzt in dem 9ten Zeitalter der vierten Welt.
Die erste wäre durchs Waßer zerstöhret, die 2te durch
Luft %.und Stürme. Die 3te durch die Erde, durch Erdbeben, %.und
die vierte würde durchs Feuer untergehen. Alsdenn würden
alle Seelen in den Schoß des Allmächtigen Gottes versamlet
werden. Den Vischun beten die meisten an, einige fangen
auch schon an, den Radir anzubeten, damit er noch mit der
Zerstöhrung verziehe. Jedoch vergeßen sie dabey die höchste Gott-
heit nicht. Sie beten auch den großmächtigen Affen Hanuman
an, welcher das LuftPferd des Vischun soll gewesen seyn.
Sie statuiren die Metempsiochosin, daher eßen sie nichts,
was Leben hat. Sie haben 4 Hauptkasten. Ihr Brama er-
schuf im Anfange 4 Menschen, den ersten machte er zum Kauf- 

/ mann

/|P_201

/mann, von dem kommt die Kaste der Banianen, den 2ten zum
Soldaten, den 3ten zum Priester %.und den 4ten zum gemeinen
Mann. Diesem gab er ein lustiges Temperament, dem Priester
ein melancholisches, dem Soldaten ein kriegerisches, %.und dem
Kaufmann ein pflegmatisches. Die Banianen sind sehr red-
lich %.und reich. Man kan auf sie ganz sicher Wechsel δLücke
allein sie wollen auch große Heilige seyn, %.und sind dabey sehr
abergläubisch. Ein Banian tödtet niemals eine Laus, Floh
oder Mücke, sondern wenn er sie fängt, schickt er sie ins Hospi-
«Sal»tal. Die recht Heiligen haben jederzeit ein Flor vor dem
Munde, damit sie nicht etwa eine Mücke erdrucken oder in
sich ziehen. Sie haben einen Besem, womit sie die Erde vor
sich weg fegen, damit sie keinen Wurm zertreten. Bey Surate
ist ein großes Hospital vor Fliegen, Mäuse %.und Mücken. Alle Jahr
geben sie den Fliegen ein großes Traitement mit süßem Milch.
Zur gewißen Zeit nöhtigen sie jemanden ins Hospital zu gehen,
%.und sich von den Flöhen %.und Mücken stechen zu laßen. Die Kaste
der Barayer, oder der schlechten Leute, thut die niedrigste
Handlung %.und ist sehr verachtet. Ein Baniane ruft einen
Barayer schon von weitem zu, daß er ihm aus dem Wege
weichen soll, damit sein Hauch ihn nicht verunreinige.
Es giebt noch eine Art von Indianer die ein Ausschuß aller
übrigen sind. Sie leben wie das wilde Vieh in den Wildnißen.
Wenn ein Baniane einen solchen erblicket, so ist er berechtigt
ihn zu erschlagen. Man haßet dieselbe so, weil man glau-
bet, daß sie Aeser freßen. Die Faquirs ziehen herum %.und büßen
die Sünden. Auch unter den Privat_Personen giebt es solche
Heilige, die sich zeit Lebens ein gewißes Gelübde aufge-
leget haben. Alsdenn halten sie sich bey den Pagoden auf, welche
unter den Banianen_Bäumen aufgerichtet sind. Man trift
hier einige an, die nicht anders schlafen als in hangen«t»den Schlei-
fen. Andere knien beständig %.und laßen sich die Hände in die Höhe

/ binden

/|P_202

/binden, in welcher Stellung sie endlich verwachsen. Sie
werden in diesem Zustande von andern Leuten gefüttert.
Es giebt eine Art mohamedanischer Bettelmönche (calenter)
die den Persianischen Mönchen, Dervis ähnlich sind. Man glaubt
aus diesen letztern Arten %.und den Faquirs sollen die Zigeuner
entstehen. Die Indianer verehren die ewige allmächtige
Gottheit. Außerdem ruffen sie noch den Raman, welcher
dem Vischun in dem Streite mit den Riesen soll beyge-
standen haben. Der Kuhmist ist bey ihnen heilig. Es schei-
net überhaupt die symbolische Vorstellung der Gottheit
durch Thiere, eine große Ursache der Abgötterey bey den
Alten gewesen zu seyn. Die Indianer rühren den Kuhmist
ein, %.und bezeichnen sich die Stirne damit. In dem Ganges
haben sie eine Art von Taufe, welche sie oft wieder-
holen. Der Indianer salbet sich alsdenn mit Kuhmist
ein, %.und sagt ehe er ins Waßer steigt; Herr wie mein
Cörper jetzt mit Unflath bedecket ist, so ist meine Seele
bedeckt mit Sünden. Wenn er heraussteigt, so sagt er:
Herr, wie mein Cörper jetzt von Unflath abgewaschen
ist, so hast du meine Seele von Sünden gereiniget. Sie
verbrennen ihre Leichen, wo sie es nur vor den Muhameda-
nern thun können. Es werden mit dem Mann immer einige
Weiber verbrannt, die gemeinhin sehr schwer daran gehen.
Sie rufen den Gott Ram dabey an, %.und stürzen sich mit Krän-
zen auf dem Kopf auf den Holzstoß. Man glaubt, der Mann
wird im Himmel so gleich mit den Weibern wiederum ver-
einiget. Die Passis sind die alten Perser, welche das Feu-
er anbehten. Die Mohamedaner haben gesucht, diese Religion
ganz auszurotten, %.und sie sehr verfolget. Jetzt halten sich
noch einige in Indien bey Gusarath auf. Sie sehen

/ nicht

/|P_203

/nicht gut aus, sind aber ruhig %.und fleißig. Einen Baum
zu pflanzen halten sie vor eine Religionssache. Die größe-
ste Sünde bey ihnen ist, Feuer mit Waßer aus zu löschen.
Ihr großer Prophet ist Zorcaster, den sie Zerdusch nennen.
Sein hinterlaßenes heiliges Buch heißet centa varda,
welches in der alten Sprache cent geschrieben ist, die wenige
mehr verstehen. Der Zorcaster muß wenigstens 1.000
Jahre vor %.Christi %.Geburt gelebet haben. Er sagt: Gott habe die
Welt in 6 Epochen geschaffen, die zusammen ein Jahr aus-
machen. Es wären 2 Urwesen, der gute Gott heiße Ormus,
%.und der böse Ariman. Diese hätten sich lange um die Herr-
schaft der Welt gestritten, endlich hätten sie sich dieselbe
getheillt. Von dem bösen Gott käme das Laster, die Kälte,
die Finsterniß p. Von dem guten Gott aber Tugend, Licht,
%.und Wärme her. Der Zorcaster nennet sich einen Propheten
des guten Gottes. Er führet ihn manchmal redend ein zE.
Ich bin die Wahrheit selbst, %.und der, der die Wahrheit giebt p.
Die Parsis unterhalten ein beständiges Feuer auf einem
Berge, wenn es aber ja ausgeht, so können sie es nur wie-
der anzünden, indem sie Holz an einander reiben. Das
Feuer können sie überhaupt nur mit Erde dämpfen. Sie
wißen kein beßer Begräbniß als im Magen der Vögel,
daher werden die Todten öffentlich auf einen großen ummau-
erten Platz auf Rösten gelegt, wo sich eine unzählige Men-
ge Geyer %.und anderer Raubvögel versamlet. Die Religion
des Fo herrscht unter allen Mogulischen Tartarn, unter
den Chinesern %.und vielen benachbarten Königreichen. Sie
scheinet mit der Religion der Siameser, Peguaner, Zin-
gulösen, Japaner p. überein zu kommen. Die Bramanische
Religion ist unter allen Indianern ausgebreitet. Die Tür-
cken meynen, daß alle seelig werden, die eine gelehrte Re- 

/ ligion

/|P_204

/ligion haben, das ist, eine solche, die ein Buch zum Grunde
hat. Sie glauben die Bücher könnten gar nicht lügen, doch
halten sie ihre für die beste %.und vollständigste. Die Einkünf-
te des %.Groß_Moguls sind ehedem erstaunend groß gewesen,
%.und haben bis 2.000 Millionen Livres betragen. Jetzt ver-
helfen die Engländer ihm noch zu einigen Einkünften.
Von Bengala bekommt der Nabob, der %.Groß_Mogul und
die Indische Compagnie jeder den 3ten Theil. Alles
Geld aus Europa muß sich in dem Schatze des %Groß_Moguls zu-
sammen finden. Die Europäer gewinnen aus dem Verkehr
mit den Indianern 1/3 %.und 2/3 Gewinnstes bleiben da. Die
Engländer fangen an sich jetzt der Gewalt zu bedienen,
um den %.Groß_Mogul %.und dem Nabob Geld auszupreßen.
Die Geschicklichkeit der Indianer erstreckt sich nicht wei-
ter als auf einige Handarbeit. Der Mahomedaner Wißen-
schaft bestehet in ihrem Coran, außerdem haben sie einige
wenige astronomische Geschicklichkeit. Der gemeine In-
dianer ist so arm, daß er gar nichts eigenes hat. Die
Nabobs %.und der %Groß_Mogul erpreßen alles von ihnen. Man
bedienet sich der Elephanten, vornemlich aber einer Gat-
tung Büffel, welche die Waaren durch ganz Indien
transportiren. Es ist hiezu eine besondere Art Ochsen-
treiber, die in großem Ansehen stehen, %.und einen vom
%.Groß_Mogul gesetzten Anführer haben.

/ ≥ Von Persien

/Persien ist ein Land, welches viele fruchtbare Gegen-
den, aber auch viele Wüsten hat. Es hat nicht merckliche
Gebürge, daher auch nicht Flüße, außer an den Grenzen,
den Tigris %.und Euphrat. Im Lande ist keiner schifbar.

/ Die

/|P_205

/Die Mehresten trocknen im Sommer aus, %.und viele erreichen
nicht die See, sondern versiegen im Sande. Daher fin-
det auch kein rechter einländischer Handel statt. Der
große Handel durch Persien, vor Entdeckung der Reise zu
Waßer nach Indien, ging ehemals durch die Gegend von
Bathora, wo man über Land nach Candahar gieng, wel-
ches an der östlichen Spitze von Persien, an Indostan liegt.
Persien hat viele Wüsten, weil es ein hoher Landes-
rücken ist, %.und keine Gebürge hat. Im ganzen ist es ein
sehr vortrefliches Land. Es hat ein schönes Clima.
Jetzt ist sein Hauptproduit die Seide. Wo Persien ans
Gebürge Ararat stößt in Armenien, da ist es sehr
kalt. Es frieret daselbst in Maymonath. Sonst hat Per-
sien schöne Weine, besonders die von Schiras, welches
der Beste in der Welt seyn soll. Obgleich die Perser
Mohamedaner sind, so laßen sie sich doch den Wein wohl
schmecken. Die alten Perser sahen heslich aus, jetzt ver-
schönern sie sich immer mehr durch die Cyrkaßischen
Weiber. Der Religionen sind in Persien hauptsäch-
lich 3.

/1.) Die Mohamedanische welches die herrschende ist.

/2.) Die Religion der Parsis, die sich noch hin %.und wieder
im Südlichen Theil findet.

/3.) Der Armenianer, welches Christen sind. Sie sind
in Persien die Handelsleute, so wie es die Banianen
in Indien sind. Übrigens giebt es Johannis_Christen,
welche zwar die Taufe haben %.und von einem Johannes
reden, aber sonst keine Christliche Grundsätze haben. Die
Ehen sind bey ihnen sehr zeitig. Im 8ten Jahr sind bey

/ ihnen

/|P_206

/ihnen die Mägdgen mannbar, aber im 30sten hören
sie schon auf zu zeugen. Die Perser sind der Lustbar-
keit ergeben, frey, ungebunden, machen wohlklingende
Verse. Die Mahomedanische Religion hat 2 Hauptseckten.
Die Suma %.und die Schih. Zu jener gehören die Türcken
zu dieser die Perser. Sie trincken viel Wein. Eine Art
von Predigt haben sie, während der selben spielen viele
%.und rauchen Toback, denn %.und wenn rufen sie dem Prediger
Beyfall zu. Wer 3mal in Mecca gewesen ist, heißet
Hadschi. Die Perser sagen, mit dem, der einmal in Mecca
gewesen, wohne nicht in einem Hause, mit dem, der 2
mal da gewesen, nicht in einer Straße, %.und ziehe
aus der Stadt worin ein Hadschi ist. Schach Nadir
wollte eine neue Religion aufbringen, die beßer wäre
als alle übrige, damit die Perser nicht außer Land wall-
fahrten sollten. Er wollte sie aus der Bibel, dem Tal-
mud %.und dem Coran zusammenschmieden. Sie sind übrigens
wohl gewachsen, zu allerhand Künsten auferlegt, schöne
Reuter.

/Chorasan liegt Nordwärts von Persien. Es hat viele Wüsten,
die einen fliegenden Sand haben, welcher viele Rei-
sende vergräbt. In Persien wird vorzüglich das opium
gesamlet, auch die Pflanze, wovon die assa foetida ge-
samlet wird, findet man hier.

/Baharab %.und Elkabis gehören einem Persischen Fürsten.
Es sind daselbst Perlenfischereyen. Die Wissenschaften der
Perser sind nicht sonderlich, jedoch haben sie ein Astronomie.
In den Curen folgen sie dem Galen %.und dem Avincenna:
Galen soll von Christo nach ihrer Meynung die Arzeney
Kunst gelernet haben.

/ Von

/|P_207

/ ≥ Von Arabien

/Arabien stößet Westwärts an Persien, Südwärts hat es
das Arabische Meer, Ostwärts den Arabischen Meerbu-
sen. Es wird ins steinigte, wüste %.und reiche Arabien ein-
getheilt. Die Wüste ist steinigt, worin einige Bodu-
nien, welches herumstreifende Araber sind, herumziehen.
Es ist darin der Berg Sinai %.und auf demselben ein Ba-
ramiten Kloster, nebst einem vortreflichen Garten,
welchen man mit solcher Mühe angeleget hat, daß die Er-
de dazu, zu Schiffe gebracht ist. Auf dem Berge welches
ein hoher Fels ist, trift man alte Aufschriften an, wel-
che die Araber von dem Durchzuge der Kinder Israel her
rechnen. In der Wüste Syriens findet man die E-
mirs, welche keine Städte haben, sondern Haufen-
weise herumziehen. Sie sind in Stämme abgetheillt
%.und haben ihre Fürsten. Man findet bey ihnen auch das
Patriarchenleben. Sie sind sehr gastfrey, in der Fremde kan
man sich bey ihnen hinsetzen %.und mit ihnen eßen. Die Ara-
ber sind sehr mäßig, ernsthaft %.und im Durchschnitte auf-
richtig, aber alle die schon handeln sind Schelme. Sie
haben einen hohen Geist, sind tapfer, geschickt, durch sie
wurden die Wißenschaften in Europa ausgebreitet.
Sie haben die Algebra erfunden. Man findet auch Hel-
den unter ihnen, denen nur Geschichtschreiber ihrer
Thaten fehlen.

/Das glückliche Arabien besteht erstlich aus dem She-
rifat von Mecca. Der Sherif von Mecca ist der oberste
geistliche Fürst. Sein Land ist heilig %.und es darf <es> niemand
als ein Muselmann oder ein Verehrer des Islans betre-
ten.

/2.) Aus dem Sherifat von Yemen, welches das größeste

/ Land

/|P_208

/Land ist in Arabien.

/3.) Aus dem Sherifat Muscal, welches an der Spitze
von Arabien, an dem Persischen Meerbusen, gegen über
der Insel Ormus liegt. Die Europaeer nennen es das
Paradieß, welches von Engeln bewohnet wird. Das
Land hat das schönste clima. Die Einwohner sind
die besten Menschen. Man findet keine Betrunckenen,
keiner stiehlt, alle sind gastfrey. Eben diese Menschen
aber sind Seeräuber, welches aus dem Irrthum her-
kommt, da sie glauben, sie können alle Menschen der Reli-
gion wegen haßen. Der Sherif von Mecca ist ein Ab-
kömling von Mahometh. Mecca liegt am Arabischen
Meerbusen, nicht weit von der Straße Babelmandas.
Dieses ist der einzige Handelsort, wohin Europäer
kommen können. In Mecca ist ein quadrat gemau-
erter Platz mit einer Gallerie. In der Mitte steht die
Cava, welches ein Gebäude wie ein Würfel ist. Dieses
ist der %.heilige Ort, wohin jeder Mohamedaner entweder
selbst, oder durch einen andern wahlfahrten muß. Das
Gebäude ist ganz schlecht, %.und wird alle Jahr mit schwar-
zem Damast, der mit goldenen Frangen besetzet ist, bezo-
gen. Je mehr man gewahlfartet hat, desto heiliger ist
man. Außer dem Platze ist der Brunnen Zerzem, wo
die Hagar hingeflohen seyn soll. Man trinckt aus dem
Brunnen %.und nimmt auch wohl etwas vor andere mit. Man
hört auch daselbst eine Predigt. Es sind alda 4 Prediger-
stühle vor 4 Seckten; diese Seckten haßen sich einander
so, daß die Türcken sagen, die Perser würden die Esel seyn,
worauf die Juden nach der Hölle reiten würden. Es ist

/ falsch

/|P_209

/falsch, daß der Sarg des Mahomets in Medina frey
in der Luft schweben soll. Der %.Groß_Mogul ist von
der Türkischen Seckte, der Suma. Ehemals waren die
Wißenschaften bey den Arabern in großem Flor. Jetzt
sind sie, da sie mit den Türcken verbunden sind, gefallen.
Die arabische Sprache ist in allen Mohamedanischen Län-
dern, die gelehrte, doch kan man mit der Persischen wei-
ter kommen. Jene hat das Besondere, daß sie eben dem-
selben Subiect in verschiedenem Zustande ganz verschie-
dene Namen giebt, zE. ein liegender Löwe hat eine
Benennung, worin das Wort Löwe gar nicht vorkomt.

/ ≥ Von der großen Tartarey

/Die große Tartarey ist uns noch sehr unbekannt, denn
die dortigen Länder sind sehr unsicher zu reisen. Das
Rußische Eigenthum erstreckt sich auf das casansche
Gouvernement %.und das eigentliche Siberien. Es gehören
viele heidnische Völcker unter Rußischer Bothmäßigkeit,
die Samojeden, Vagolegen, Wodjacken, Czeremissen,
%.und Czuvassen. Diese sind noch zum Theil in Europa.
Unter den Tartarn, die unter der Rußischen Bothmäßig-
keit gehören, verstehet man lauter Muhamedaner. In
dem Tobolskischen Gouvernement gehören noch die Osti-
acken. Die Tungusen machen die stärckste Nation im
Nordlichen Siberien aus. Sie nähen sich das Gesicht mit
Zwirn aus, der durch zerstoßene Kohlen gezogen ist. Alle
Nordliche Nationen hengen an Zaubereien. Ihr Gott ist kein
guter Gott, sondern sie bethen ihn nur aus Furcht an, doch
haben sie nicht dabey die Idee des Teufels. Die Mehresten

/ beten

/|P_210

/beten ein Fell von irgend einem Thiere an. Ihre Priester
heißen Schamanen %.und ihre Priesterinnen Schamaninen.
Diese geben sich vor Zauberer aus, %.und haben die Zauberdrommel
im Gebrauch. Die Lappen hatten sie ehemals auch, wie auch
die Americkaner in der Hudsonsbey. In allen diesen Län-
dern ist wegen der Steppen beschwerlich zu reisen. Es ist
ein trockner Boden, worauf hohes Gras wächset, welches
gleich verdorret. Dieses Gras stecken sie an, %.und die Asche
giebt einen guten Dünger ab. In Siberien giebt es vor-
trefliche Gegenden, besonders am Wolgastrohm im Ca-
sanschen Gouvernement. Chimbury ist eine Stadt, die
zur Handlung mit den benachbarten Tartarn dienet. Ca-
tharinenburg liegt in Casan. Es werden daselbst die Erzte
rafiniret, welche aus Siberien kommen. Durch alle diese
Länder ziehen die Rußischen Kaufleute in Caravanen
%.und bringen auf der Reise bis 3 Jahre zu. Ihre vornehmste
Waare ist roth Tuch, wovor sie Peltereyen %.und Silber eintau-
schen. Jedoch nehmen die Siberischen Peltereyen jetzt sehr
ab, woran der Brandwein Schuld ist, der die Orientalische
Nation sehr faul zur Jagd macht. Außerdem sind auch
die Rußischen Zölle sehr hoch.

/Kamschatka gehöret zuletzt zu den Rußischen Possessionen
welches Land nur an den Küsten kan bewohnet werden. Es
scheinet unter der obersten Erde eine Eisschichte zu liegen.
Der Anadir ist hier der letzte Fluß, der sich nach Osten er-
gießt. Es ist daselbst eine Festung Nadirs Koyostrock, wo-
hin manchmal Rußische Gefangene gebracht werden. Hier
fährt man mit Hunden. Südwärts von diesen Rußischen
Provinzen liegen die freyen Tartarn, die Lesci, Dagestani,
%.und die Negaci. Sie sind sehr heslich liegen zwischen dem
caspischen Meer %.und dem See Arran.

/ Die

/|P_211

/Die Turkomannen machen noch eine Nation an dem caspischen
Meer aus. «S»Von einer Art Tartarn sind ohngefehr noch 100
Familien übrig, die eine Art von Schwänzen wie Affen
haben. Sie werden von allen andern gehaßt, %.und sind bis
auf die wenige ausgerottet. Alle Tartarn von Arral
sind Heyden, die rechten Calmucken sind von den Chinesern
im vorigen Jahrhundert völlig ausgerottet. Die Mungalen
sind eine alte berühmte Nation welche in Europa ehe-
mals große Eroberungen gemacht, jedoch sich selbst da-
durch entvölckert haben. Die Ost-Tartarn sind diejenige,
welche China erobert haben. Diese sind die gelehrte Tartarn.

/≥ Von den Inseln in Asien
/a. Von Japan

/Dieser Name ist den Einwohnern der Insel unbekannt. Sie
nennen sie Nipon welches die vortrefliche Insel bedeudet.
Sie ist größer als Großbritannien. Ob sie so groß sey als Ma-
dagascar oder Borneo ist ungewiß. Die vornehmsten Städte
darauf sind Ieddo %.und Meaco. Der Kayser von Iapan besie
tzet noch einige Inseln, nordwärts, welche zusammen Terra
Iedso heißen, %.und die die Rußen neuerlich entdecket haben.
Südwärts von Iapan liegen die Inseln siquidos, welche von
einer überaus fleißigen Nation bewohnet werden. Iapan
übertrift in der Bevölckerung China. Wenn man von Na«a»-
gasaki bis nach der Haupt Stadt Ieddo reiset, welches eine
Tour von 180 Meilen ist, so trift man 33 Städte mit Castelen,
25 ohne Mauren %.und unzählige Dörfer an. Auf der Landstra-
ße sieht man sich immer in einem Gedrenge von Menschen.
Eines Theils kommt dieses vom großen Geschleppe her, welches die
Vornehmen mit sich führen. Das Land ist inwendig ziemlich
gebürgigt, es giebt auch darin feuerspeyende Berge. Es

/ ist

/|P_212

/ist nicht sonderlich fruchtbar, aber durch den Fluß der Ein-
wohner vortreflich angebauet. Wer sein Land ein Jahr über
nicht bauet, geht deßelben verlustig. Es hat eine tempe-
rirte Wärme %.und eine ziemliche Winterkälte. Im vorigen
Seculo wurde es noch von vielen Königen beherrschet, wel-
che mehrentheils schon Christlich waren. Doch hernach nahm
die heidnische Religion überhand %.und die Könige wurden un-
ter ein Joch gebracht. Jetzt ist in Iapan ein Geistliches %.und
weltliches Oberhaupt. Das %.Geistliche heißet Dairi, %.und das letztere
Cubo Samma. Ersterer residiret in Meaco, dieser in Ieddo.
Vermuthlich hat vordem der Heydnische Pabst, die oberste Ge-
walt im Lande gehabt, weil man glaubet, daß Anfangs die
Länder von den Göttern selbst wären regieret worden, und
diese hernach ihren Priestern die Herrschaft übergeben hätten.
Jetzt ist der Dairi nur ein Schatten eines Regenten. Jedoch
hat er nächst dem Cubo Samma, das größeste Ansehen, und
auch eine große Macht, weil er unzählige Priester unter sich
hat. Es muß auch jederzeit eine Gesandschaft bey ihm anspre-
chen. Iapan ist jetzt den Europäern sehr unbekannt, weil sie
alle daraus verjagt sind. Allein die Holländer dürfen noch hin-
kommen, jedoch sind sie in der Insel Desima verschloßen, wo
ihre Schiffe, Matrosen p eingesperret sind. Es wird alles
aufgeschrieben, was todt oder lebendig auf dem Schiffe ist,
so daß kein Holländer im Lande bleiben kan. Die Europäer
sind wegen der Portugiesen verjagt, welche bey der Einfüh-
rung der %Christlichen Religion zu viel vehemenz brauchten.
Alle Jahre auch nur bisweilen alle 3 Jahre geht von der Ge-
gend von Bungo ein Kayserlicher commissarius mit einem
Kreutz herum, welches alle die als Christen verdächtig sind
mit Füßen treten müßen. Doch die Holländer dürfen es nicht
thun. Wenn sie aber gefragt werden, ob sie Christen wären, so
antworten sie nein, wir sind Holländer. Dieses ist wohl

/ nicht

/|P_213

/nicht eine Verleugnung der %.Christlichen Religion, sondern
nur eine Anzeige, daß sie nicht solche Christen sind, wie
die Portugiesen. Die Nation ist klein, untersatzig, braun
von schwarzen Haaren, sie ist klug, tapfer, von großem Geiste,
trotzig, aufrichtiger als die Chineser %.und vielleicht die tapfer-
ste Nation in ganz Asien. Sie ist besonders wegen ihrer Stand-
haftigkeit %.und Verachtung des Lebens bekannt. Der Japaner
kan nur durch die entsetzlichsten Marter zu einem Bekent-
niß gezwungen werden. Man nimmt Seegeltuch, %.und bindet
es dem inquisiten unter dem Halse, wie einen Trichter über
dem Kopfe. Man gießet alsdenn Waßer hinein, so daß es
bis über die Nase steht. Da er nun nicht Luft schöpfen kann, so
muß er das Waßer herunterschlucken. Bekennt er alsdenn
noch nicht, so gießet man wieder Waßer hinein, %.und so muß
er eine Menge Waßer hineinschlucken, daß die Augen ihm
aus dem Kopfe stehen, %.und er eine unüberwindliche Herzens
Angst bekommt. Dieser Marter können die Japaneser nicht
widerstehen. Sonst neht man auch den Inquisiten in naße
Leinwand, %.und läßt sie an der Sonne trocknen, %.und rollet ihn so
auf spitzigen Steinen. Diese Plage überwinden viele.
Wenn ein Verbrechen begangen wird, so wird nicht allein
der Verbrecher gestraft, sondern auch seine Familie, weil
man praesumiret, daß diese ihn schon als ein solchen muß ge-
kannt haben. Wenn ein Mensch auf der Straße getö«t»dtet wird,
so werden alle Nachbaren gestraft, weil sie jedem, der da
schreiet zu Hülfe eilen sollen. Einige kommen in die Ve-
stung, andere werden auf gewiße Zeit, wie zur Pestzeit in
ihren Häusern vernagelt. Die nächsten Verwandten eines Va-
termörders müßen mit sterben, weil man glaubt, daß er
schon lange vorher ein solcher Bösewicht gewesen seyn muß.
Die Japaner sind große Selbmörder aus einem mittelmäßi-
gen Verdruß. Gewöhnlich schneiden sie sich den Bauch mit einem

/ Kreutzschnitt

/|P_214

/Kreutzschnitt auf, besonders zeiget sich dieser Trotz bey Scla-
ven %.und Bedienten. Wenn ein Herr ein großes Festin giebt,
%.und frägt, wer sich ihm zu Ehren den Bauch aufschneiden will,
so zancken sich seine Bedienten um diesen Vorzug. Ihre Häuser
sind mehrentheils laquirt, weil sie den Firniß_Baum
Toxico Dendron im Lande haben. Dieser Saft ist wenn er
genoßen wird, ein Gift, conseruiret aber sehr das Holz.
Inwendig ist alles laquirt. In jedem Hause ist ein brand-
freyes Zimmer, sonst ist alles von Holz. Sie machen sich mit
beweglichen Wänden viel oder wenig Zimmer. Papier_Wände
mit Lack überzogen, sind bey ihnen sehr gebräuchlich. Sie
erkennen zwar ein höchstes Wesen, stehen aber dabey
in dem Wahn, daß es demselben zu gering schätzig sey,
sich mit den Menschen abzugeben. Es hätte also die Herr-
schaft den Regenten übergeben, %.und sey übrigens gegen
die Welt ganz indifferent. Dieses ist die Idee aller Wil-
den. Sie beten viele abgeschiedene Seelen der Menschen
%.und andere mächtige Geister an. Sonst giebt es bey
ihnen viele Atheisten.

/Die Medicin ist bey ihnen sehr unvollkommen. Sie zer-
gliedern eben so wenig, wie die Chineser einen mensch-
lichen Körper. Ihre vornehmste Curen sind das Noxa
brennen %.und das Nadelstechen. Das fleckigte Wesen aus
dem Beyfuß mit breiten Blättern ist das Noxa. Man
rollet es zwischen den Händen %.und macht Kerzgen daraus.
Man benetzt es unten ein wenig, %.und setzet es auf die
Haut, denn zündet man es an. Wenn es an die Haut kommt,
macht es anfangs eine angenehme warme Empfindung,
geht aber plötzlich aus. Es hebt die Colic, Gliederreisen
p. %.und scheinet beynahe eine electrische Würckung zu haben.
Zum Nadelstechen machen sie eine goldene Nadel, so dünn

/ wie

/|P_215

/wie eine Clavier_S«e»aite <Saite>. Sie wißen das Gold besonders
zu härten. Diese Nadel ist in eine enge metallene Scheide
eingeschloßen. Oben ist ein Heft welche sie hindert, daß
sie nicht weiter als ein halb oder 1/4 Zoll heraus gehen
kann. Der Arzt sticht so tief an den gehörigen Oertern des
Leibes hinein, %.und drucket dadurch etwas Blut heraus.
Die Japaneser haben die Real_charactere der Chineser.
Ihre Wißenschaft ist dieser ihrer ebenfalls gleich. Ihre
Theologie ist darin von der Chinesischen unterschieden,
daß sie keine Anbeter des Fo sind. Sie zerreiben den
Thee vorher in Staub, ehe sie ihn trincken. Es giebt eine
sehr theure Sorte Thee bey ihnen, die allein der Hof braucht.
Sie arbeiten porcelain, ihr Kupfer ist das feinste unter
allen, welches sie in Stangen wie Lack gießen. Ambre
gris findet man an ihren Küsten. Sie machen Kampfer
aus dem Holze, oder den Sägesphänen des Kampferbau-
mes

/≥ b. Von den Philippinischen
Inseln

/Sie sind Südwärts dem aequator näher, wurden zur
Zeit Philippi_des_2ten entdeckt, davon einige den Spa-
niern unterworfen sind. Mindana hat ihren eigenen
Herren %.und ist die größeste. Lusson worauf die Hauptstadt
Manilla heißet, ist von Spaniern besetzt.

/Es scheinen auf diesen Inseln 3 besondere Nationen zu wohnen,

/1. eine schwarze,

/2. eine, die der Chineser sehr ähnlich ist,

/3. eine ziemlich wilde, die sich im Inwendigen der Inseln
aufhält. Von der letztern sagt man, daß sie geschwänzet seyn
soll. Die Bewohner von Manilla sind große Vertheidiger
ihrer Freyheit. Sie können von den Spaniern nicht so leicht

/ zu

/|P_216

/zu den gewöhnlichen Sclaven_Arbeiten gezwungen werden.
Die beste Frucht sind die plantanen. Dieses ist ein Gewächs,
das alle Jahr neu ausschießt %.und so hoch %.und dick als ein Baum
wird. Es trägt eine Trauben ähnliche Frucht, die so groß
als ein Kürbis ist.

/ ≥ c. Von den Ladronischen Inseln

/Sie liegen weiter nach Osten, %.und sind die einsamsten un-
ter allen, heißen auch sonst die Marianische Inseln. Den
Namen der Ladronischen haben sie von den Diebereyen,
die bey der Entdeckung der Spanier, die Einwohner an
ihnen ausübten. Tinian ist darunter besonders berühmt,
wegen des Admirals Ansons Auffenhalt.

/Guan %.und Rota sind noch von den Spaniern besetzt, die an-
dern Inseln sind von ihnen ganz entvölckert. Die Ladrones
sind stark, wohlgebaut, gehen mehrentheils nackend. Die
Weiber gebiethen absolute über die Männer, %.und machen
wieder sie gemeinschaftliche Sachen. Es giebt deswegen
junge Leute, die gar nicht heyrahten wollen, %.und die unter-
deßen in einer Art von Bordel ihren Trieb befriedigen.

/≥ d. Die neu Philippinische Inseln

/Man ist noch nicht da gewesen, sondern man hat nur einige
Indianer aufgefangen, die dahin verschlagen worden, und
die sie im Sande bezeichnet haben.

/≥ e Von den Moluccischen Inseln

/Sie sind von Indianern bewohnt, die besondere Könige haben.
Der König von Terrate ist der vornehmste unter ihnen.
Alle diese Könige sind Mahomedaner. Sie stehen nicht
unter der Herrschaft der Holländer, sondern sie sind

/ nur

/|P_217

/nur rund um von ihnen eingesperret. Damit sie nicht
mit andern Nationen handeln. Sie bekommen auch jährlich
von ihnen ein Gewißes, daß sie Kreidnägelgen %.und Muscat
Bäume auf den übrigen Inseln ausrotten. Diese kostbare
Gewürze sind nur in dem Gouvernement Amboina
%.und Bando anzutreffen. Im ersten die Kreidnägelchen, in
Bando die Muscat_Nüße. Hier haben die Holländer über-
all Forteressen. Die Einwohner haben mehr Herz, als
wie alle andere Indianer. Neben den Moluccischen Inseln
liegen die Inseln Timor, Labor p. wo tapfere Indianer sind
die in holländische Dienste gehen.

/ ≥ f. Die Sundaische Inseln

/Neben der Straße Sunda liegen die Inseln Borneo, Macassa
%.und Celebes. Diese Beyde sind nur auf ihren südlichen Theilen
bekannt %.und die nordlichen völlig unbekannt. Die Macassarer
machen eine Nation aus, die nicht unter der Bothmäßig-
keit der Holländer sind, sondern nur manchmal ihre Bun-
desgenoßen abgeben. Sie sind die Tapfersten im Orient
%.und sehr zu fürchten, wenn sie Toback mit opium gerauchet
haben. Sie haben eine Sprache, die der Arabischen ähnlich
ist. Borneo ist auch nur auf der südlichen Seite besuchet.
Sie ist vielleicht die größeste in der Welt. Das inwendige
des Landes kennet man auch noch nicht. Sie handelt mit
Gold, mit Diamanten, mit Pfeffer %.und Kampfer. Der schön-
ste Kampfer schwitzt aus den Blättern, %.und wird des Morgens
ausgeschüttet. Unter den Waffen ist das Blasrohr am ge-
wöhnlichsten. In dieses laden sie einen kleinen Pfeil der
aus Rohr bestehet %.und mit Eisen beschlagen ist. Sie vergif-
ten ihn mit dem Saft des Camanduco oder Macnoillen
Baum. Ob die Wunden gleich sehr leicht sind, so sind sie doch
tödtlich, wenn man nicht auf der Stelle den Ort ausbrennen kan.

/ Die

/|P_218

/Die Insel Iava enthält viele kleine Könige, die aber
alle dem Kayser von Iava untergeordnet zu seyn scheinen,
welcher ehemals in der Stadt Meterap residirte.
Die Holländer rechnen die Einwohner auf 30 Millionen;
daß es also stärcker bevölckert ist als franckreich, welches
beynahe so groß ist %.und nur 20 Millionen hat. Der Kay-
ser hat eine Leibwache von Holländern. Sonst wird sein
Haus von lauter Weibern bewacht. Die Javaner sind die-
bisch, sclavisch, wütend, bald wieder verzagt. Sond sind
sie arbeitsam. Es wächset auf Iava Pfeffer, Zucker-
rohr, Cardamonna, Cubeben, Benzoe, Bethel, Pe-
nancki, die Orecka_Nuß p. Man trift hier den Rhinozeros,
den Orang_Outang, die Kakelax, welches eine Art klei-
ner Käfer sind, die sie sehr beunruhiget.

/Die Insel Bana liegt ostwärts dicht an Iava. Sie ist
wohl bewohnet %.und scheinet unter einem Iavanischen Könige
zu stehen. Die Weiber daselbst sind tugendhaft %.und treu. Ihre
Einwohner werden von den Holländern gern in Dienste
genommen. Weiter hin ist noch eine große Menge von In-
seln, die aber noch nie von den Europäern besucht wor-
den sind. Das Land der Papous ist ein sehr ander Land-
strich, der sich Südostwärts, weiter nach den Austral_Län-
dern erstrecket. Die Insel Timor soll sehr bewohnt seyn,
allein man kennet sie nicht, weil die Holländer alle Eu-
ropäer von dieser Farth ausschließen. Die Nicopanische
Inseln sind von Herrenhütern mit Colonien besetzt. Die
Einwohner werden für Menschenfreßer ausgegeben, ver-
muthlich weil sie denen Europäern, die ihnen ihr Land weg-
nehmen wollten, gefährlich in der Gegenwehr gewesen,
denn es giebt wirklich keine Menschenfreßer außer in
America, wo sie die Gefangene zum Siegeszeichen speisen.

/ Auf

/|P_219

/Auf der Insel Formosa ist der Gebrauch, daß keine
Frauenspersonn vor dem 30sten Jahre niederkommen
muß, wes wegen sie sich die Frucht abtreten laßen.

/≥ Die Insel Sumatra

/Diese Insel ist nur durch die Straße Banda von Iava
getrennet. Die Europäer haben hier wenig Besitz. Die
Engländer haben auf der Insel das Fort Marlbroug um
den Pfeffer_Handel zu unterstüzen, sie müßen sich
aber sehr vor den herumstreifenden Einwohnern in
Acht nehmen. Die Küste ist sehr ungesund, wegen des
vielen stinkenden Seewaßers, welches die Fluth zu-
rückläßt. Das einzige Königreich Achen, so an der
nordlichen Spitze von Sumatra lieget, wird hier
regelmäßig beherrschet. Doch bestehet es aus nichts
als aus einer Stadt %.und einen kleinen Bezirk. Die
Hauptreligion auf der Insel ist Muhamedanisch. Der
König ist bey der Tafel von Weibern umgeben, wie
überhaupt die dortigen Könige am liebsten Weiber
zu ihrer Leibwache haben.

/≥ Die Insel Ceilon

/Sie lieget nahe am festen Lande von Indien, %.und wird
durch eine Meerenge abgesondert, wodurch große
Schiffe wegen einer Untiefe nicht gehen können,
welche die Adamsbrücke heißet. Sie ist ein sehr gro-
ßes Land, welches rund um von den Holländern be-
setzt ist, %.und inwendig von einem Könige regieret wird
der sich manchmale, jedoch vergebens bemüht, sich
von ihrer Herrschaft loszumachen. Er lebt als wie
ein Gefangener der Europäer, die fast überall durch

/ ihre

/|P_220

/ihre Künste %.und Klugheit Herren %.und Beherrscher sind.
Die Holländer haben die wenigen Häfen mit guten Fe-
stungen besetzt, jetzt aber geht es mit ihnen fast zu Ende.
Zuerst besaßen die Portugiesen die Insel, die es eben so
machten %.und von den Holländern vertrieben wurden.
Die ganze Insel ist mit Wald besetzt, %.und diese Wälder
bestehen aus CimmetBäumen, woraus der Cannel kom-
met. Die Safthaut tritt in die Rinde %.und wird von der
Sonne krum gerollt %.und getrocknet. Jeder Baum der
geschälet ist, ist verlohren %.und gehet aus. Doch wird es
nicht an Cannel mangeln, weil es wegen seiner
Hitze nicht sehr häufig gebrauchet wird. Die Einwohner
der Insel heißen Cingulösen %.und sollen ganz weiße
Menschen seyn. Diese %.Cingulösen sind ziemlich tapfer %.und geübt
im Gebrauch des Säbels %.und der Pfeile. Sie verehren ei-
nen Gott Buddim, der vermuthlich mit dem Fo der Chi-
neser einerley ist. Dieser soll mitten auf der Insel
auf einen Berg Piood Adam vom Himmel herabgestie-
gen seyn, %.und einen Fußstapfen eingedruckt haben, wel-
cher sehr heilig gehalten wird. Dieser Fußstapfen ist
überaus sehr groß, daher nach diesem Berge auch viele
große Wallfarten geschehen. Die Insel hat übrigens
sehr vieles Ungeziefer, besonders sehr große Schlangen,
darunter in sonderheit die Klapperschlange merkwürdig
ist. In Ceilon ist auch noch ein großer Perlenfang, der
dem von Baharem am nächsten kommt. Weil Ceilon sehr
waldigt ist, so hat es auch sehr viele Morräste. Das Holz
des Zimmet oder Canelbaums dienet zum Kampfer. Die
Cingulöser schreiben auf einem Blatt des Talipotbaums,
man ritzet auf demselben Buchstaben ein, %.und dieselben
werden schwarz. Dieser Baum träget solche Blätter, mit

/ deren

/|P_221

/deren einem man sich vollkommen bedecken kann. Man
kann sie wie einen Fächer zusammenlegen, %.und 2 davon
machen ein Zelt aus, daher die Soldaten sie auch immer
mittragen müßen, %.und sie zum Theil auf dem Marsch
zu Parasols brauchen. Man siedet aus diesem Tali-
potbaum auch Zucker.

/≥ g. Die Maldinnischen Inseln

/Das Maldivische Meer ist ganz mit Inseln bedeckt, so
daß sich der Beherrscher der Maldivischen %.Inseln einen Her-
ren von 12.000 Inseln nennet. Sie liegen auf Felsen-
banken %.und nur an 3 Orten kann man mit Schiffen ankom-
men, mit kleinen Fahrzeugen aber dergleichen sich die
Malabaren bedienen, kann man überall hinlangen. Ei-
nige von diesen Inseln werden oft unter Waßer gesetzt
%.und sind unfruchtbar. Sie werden von einem Mohameda-
nischen Könige regieret, welcher auf der Insel Malo
seine Residenz hat, daher wallfahrten die Einwohner
auch nach Mecca. Dieser König ist sehr schwach. Die See-
räuber der Malabarischen Küsten haben ihn oft aus
seiner Residenz aufgehoben. Die Einwohner verwahren
alle Nägel %.und Haare, welche sie mit dem Verstorbenen
begraben. Sie sind hochmühtig %.und eitel im Rangstreit,
deswegen bey Traitamenten jedem Gaste das Eßen
ins Haus geschicket wird. Die Maldivische Cacoßnuß
fischet man aus dem Grunde der See. Sie wird auf dem
Lande nicht gefunden %.und man muß glauben, daß
sie ein Seegewächs sey. Sie siehet wie ein Ey aus. Die Ein-
wohner sind zwar sehr arm, dieses aber hindert nicht
ihren Stolz. Man fischet alhier auch die Muschel coris

/ oder

/|P_222

/oder Bugis, die in einigen orientalischen Ländern
zu Münzen dienen. Die Maldiver bedienen sich ihrer
zum Handel 8 bis 9 gehen auf einen Preußischen Schil-
ling.

/≥ 2) Africa

/Alle Bewohner der westlichen Küste von Marocco
bis an den Senegall sind nicht eigentliche Schwarze, son-
dern Mohren. Sie handeln mit den Europäern bey dem
capo Blanco mit Gummi arabicum, mit Sclaven
%.und etwas Staubgold. Vom Fluß Sanegal fangen die Ne-
gers an, bis an den Gambia_Strohm. Bey dem Sene-
gal sind noch Negers %.und Mohren untermengt. Die
Negers von Jalvo sind die Schönsten %.und Schwärzesten,
hernach kommen die Negers von Fuli, %.und alsdenn die von dem
Mandiga_Strohm. Die Fulier sind die geschicktesten
%.und sehr fleißig besonders die Weiber. Da sonst alle Ne-
gers gerne plaudern, so haben die Weiber von Fuli
Waßer im Munde, um sich von dem Gewäsche zu ent-
halten. Die Engländer haben ein ganz neues Gouver-
nement, Senegambria, errichtet über alle Länder
vom Senegal bis an den Gambia_Strohm. Es sind hier
2 Könige, nemlich der Brack, welches der König der Ja-
lover ist, %.und der Damel, der näher nach dem Gambia
Strohm herrschet. Mit diesen beyden stehen die Engländer
in Alliance. Die Negers von Fuli sind mehrentheils
zwischen dem Senegall %.und dem Gambia_Strohm ver-
breitet. Die Mandiganer sind die südlichste Nation,
welche im Ackerbau am fleißigsten %.und die Redlichsten

/ unter

/|P_223

/unter den Negers sind. Sonst stehlen alle Negers
erstaunend. Mit den Zehen können sie etwas un-
vermerkt aufheben, %.und hinterwärts in die Hand brin-
gen. Sie wißen ihre Weiber so abzurichten, daß
sie den Europaeischen Matrosen ins Netz locken, daß der
Mann auf Satisfaction dringen kann. Die Religion
in diesen Ländern ist eine Art von Mahumedanischer
Religion, jedoch mit heydnischen Gebräuchen unter-
menget. Ihre Pfaffen heißen Marmuths, von denen
einige lesen %.und schreiben können. Diese handeln mit
Grigri, welche eine Art Zauberzettel sind, worauf
Sprüche aus dem Coran stehen. Diese sollen wieder
alle Gefahr der Feinde sichern. Der Neger stecket
sie sich unter die Binde. Die Reichen laßen sich solche
ganze papierne Panzer verfertigen. Von dem Gambia
Strohm geht die africanische Küste bis an das capo Frer-
ra Leona, von da fängt die Pfefferküste an, welche
schon zu Guinea gehöret. Alsdenn komt die Zahnküste
wo viele Elephantenzähne gefunden werden. Hier
auf die Goldküste %.und endlich die Sclavenküste. Auf
der Goldküste sind die Negers sehr bösartig, auf der
Sclavenküste sind sie schon beßer, %.und es ist alda mehr Re-
gierung. Es sind alhier verschiedene Königreiche,
als von Andra Vuida. Dieses macht auch, daß der
Sclavenhandel sehr groß ist, weil die Könige viele
von denen verkaufen, die sie im Kriege erbeuten.
Die übrigen Negers haben keine ordentliche Regie-
rung. Ein Neger König hat nichts mehr, als ein
Stück Land, welches er selbst bebauen muß, %.und eini- 

/ ge

/|P_224

/ge Kleider anzuziehen, wenn er Audienz giebt, die
er aber hernach bald wieder verwehren muß. Die
Negers glauben einen weißen %.und einen schwarzen Gott.
Diesen letzteren beten sie an, den sie Diabo nennen,
welchen Namen sie von den Portugiesen haben. Sie ver-
stehen aber darunter nicht im eigentlichen Verstande
den Teufel, sondern ein fürchterliches mächtiges
Wesen. Auf der Goldküste wird ein großer Handel mit
Goldstaub geführet. Die Negers waschen ihn aus dem
Schlamm der Ströme. Der Churfürst Friedrich_Wil-
helm
hatte auf der Goldküste ein Fort, welches er
aber an die Holländer überließ. Castel del mina
ist die Hauptstadt der Holländer. Capo corfo ist ein
Vorgebürge, worauf die Engländer ein Castell haben.
In diesen weitläuftigen Ländern derer Negers, hei-
ßet eine Religion, die Religion der Foetische, von
dem Portugiesischen Wort Foetisch, der Zaun. Das
Fundament derselben ist, daß es eine Gottheit gebe,
der es aber viel zu niederträchtig wäre, sich mit je-
den einzelen Neger abzugeben. Sie hätte also in ihre
Priester eine Macht gelegt, daß wenn sie einige Dinge
mit ihren Machtsprüchen belegten, diese eine besonde-
re Kraft erhielten. Diese mit solchen Machtsprüchen
belegte Dinge heißen Foetische, welche die Negers
anbeten, %.und von ihnen alles Gute erwarten. Sie machen
Muschelschaalen, Vogelfedern %.und andere solche Kleinig-
keiten zu Foetischen. Jeder Neger hat einen besondern
Foetisch, welchem zu gefallen, er sich einer Art Speise

/ enthält

/|P_225

/enthält. Im Königreich Vuida ist die Foetisch_Schlange,
welche nicht giftig ist %.und andere Schlangen fortbeißet.
Sie hat einen großen Tempel. Weil der Neger sie nicht
fortjagt, so ist sie sehr dreist, %.und kreucht überall in
den Häusern herum %.und frißt alles aus. Bey denen
Foetischen werden alle Gelübde gethan %.und alle Eide
geschworen. Der gröste Foetisch ist das Meer. Jedoch
haben die Pfaffen weislich geordnet, daß man es nur
bewundern, aber ihm nichts opfern sollte. Diese Ne-
gers haben keine besondere Regierung. Wenn jemand
einem andern etwas schuldig ist, so nimmt der Gläu-
biger dem ersten dem besten etwas weg, %.und ver-
weiset ihn auf seinen debitorem. Dieses geht immer
weiter, so daß das Eigenthum eines ganzen Dorfs
unsicher wird, alle machen alsdenn gemeintschaftliche
Sache %.und zwingen den debitorem dem creditori zu
bezahlen. Die Canarischen Inseln gehören denen
Spaniern, außer Madera welches denen Portugie-
sen gehöret. Allhier giebt es sehr schöne Leute %.und
es scheinet daß die alten Einwohner gesitteter ge-
wesen sind, weil man daselbst MuδLücke in Ziegenfel-
len eingenähet findet. Ferro ist wegen der Wun-
derbäume berühmt. Madera hat sehr viel Wälder
%.und liefert dahero viel Bauholz. Man sah sie ehemals
vor eine bezauberte Insel an, weil sie wegen der star-
ken Nebel von denen ausdünstenden Wäldern, wie
eine Wolke aussah. Jetzt sind die Wälder schon häufig
ausgehauen. Der Madera_Seckt von Reben aus

/ Candia

/|P_226

/Candia ist sehr schön. Die Engländer trincken den meisten
%.und besten, weil die Franzweine zu viel Zoll tragen, %.und
die Engländer mehr von den Portugiesen, als von den Fran-
zosen profitiren. Er geht zuerst nach Jamaica, %.und liegt
daselbst 4 Wochen in der Sonne. Alsdenn bekomt er ei-
nen Attest vom Gouverneur, daß er ein rechter
Madera_Wein sey. Er ist dem Ungarischen Wein ähn-
lich. Der Vino secco von getrockneten Trauben hat
auch einen sehr guten Geschmack. Die Negers am Se-
negall, müßen von den Mohren oder Mauris wohl
unterschieden werden, welche nur braun sind. Süd-
wärts am Senegall ist die Nation der Jalover, wel-
ches sehr schöne Negers in Absicht der schwarzen Far-
be sind. Eine Frucht von Capo Verde ist das Gummi
am Senegall, welches dienet Seidenzeug zu glän-
zen, auch in der Noth nahrhaft zu eßen ist, imglei-
chen der Baum Bachat, den man aber anfangs
nicht vor einen Baum hat halten können, indem er
12 Fuß hoch, sein Stamm wohl 24 Schu dick ist, %.und die
Aeste sich wieder an die Erde biegen, so daß er von
weitem wie eine Halbkugel aussieht. Die Negers
werden leicht melancholisch %.und ersäufen sich oft, aus
Furcht vor der Sclaverey. Sie sind von Natur sehr
stupid %.und zu keinen Wißenschaften aufgelegt.

/An der Südlichen Spitze von Africa ist vornemlich das
Capo bonae spei (capo de bonne esperance) merkwür-
dig. Allhier haben die Holländer, nachdem sie die Portu- 

/ giesen

/|P_227

/giesen vertrieben haben ihr etablissement. Die
eigentliche Nation bey diesem capo bonae spei sind
die Hottentotten. Die Europäer haben aber daselbst ver-
schiedene neue colonien angelegt, doch sind sie gänzlich
ausgeartet %.und schon halbe Hottentotten. Ein gewißer
Colbe hat sich daselbst 7 Jahre aufgehalten, %.und diese Ge-
gend daher auch am besten beschrieben. Das Land ums
capo ist eine der vortreflichsten in der Welt. Es hat
eine sehr schöne Viehzucht %.und versorget alle ankommen-
de Schiffe mit frischem Fleisch. Das Vieh ist groß %.und fett.
Es hat schönes klares Waßer, welches sich bis nach Europa
am besten hält. Kein einziges Volk, das so seiner
natürlichen Freyheit nachhängt, als die Hottentotten.
Sie kommen in den Unflähtereyen dem thierischen Zu-
stande am nechsten. Sie wohnen in Dörfern, die aus
Hütten bestehen, welche in der Figur eines Heuhau-
fens von Baumrinden gebauet sind %.und im Kreise
an einander stehen. Draußen sind die «S¿»<St>reitbullen
%.und die Hunde, um die wilden Thiere abzuhalten,
inwendig ist das andere Vieh. Jede Familie schlichtet
ihre Sachen, außer daß die Aeltesten in dem Dorfe
in den wichtigsten Fällen zu Rahte gezogen werden.
Sie führen auch Kriege, wieder die andern wildern
Hottentotten, die tiefer im Lande wohnen. Ihr Ge-
fechte aber ist nicht sehr blutig, sie springen wie die
Affen hervor, %.und werfen WurfPfeile aufeinander,
kriechen aber gleich wieder zurück. Sie haben große,
eingedrukte %.und sehr breite Nasen %.und sehen daher sehr

/ heslich

/|P_228

/heslich aus. Dem ohnerachtet ist ein Hottentottisches Mägd-
gen sehr geschäftig sich liebreitzend zu machen. Sie färbt
sich mit rohter Kreide 5 Striche über das Gesicht. Ihre
Kleidung besteht in Schaafspelzen. Die Weiber bewi-
ckeln die Füße mit Schaafsdärmen, weil sie unter
den Gesträuchern die Kräuter suchen müßen. Ihr
Putz besteht darin, daß sie den ganzen Leib mit Schaafs-
fett %.und alten Butter einschmieren. Sie gießen Milch
in eine Kuhhaut, welche sie rütteln, bis die Butter
sich in die Haare setzt, die sie alsdenn herausschrappen.
Ihre Haare salben sie ebenfalls mit Schaafsfett ein,
worauf sich hernach der Staub setzet, %.und eine Kruste
über den ganzen Kopf macht. Sie haben eine Art der
Beschneidung, indem sie im 8ten Jahr jeden Knaben
ein testiculum wegschneiden, damit er nicht Zwil-
linge zeugen möge, %.und wo ein solches ja geschieht, so
vergraben sie ein Kind, weil die Mutter nicht beyde
ernähren kann. Im 17ten Jahr wird der junge Hottentott
unter die Männer aufgenommen, %.und es werden dabey
besondere Ceremonien gebraucht, welche sich damit
endigen, daß die Aeltesten des Dorfs dem neuen
Mann mit ihrem natürlichen Weyhwaßer besalben.
Die Würkung dieser Aufnahme ist, daß alle Weiber un-
ter ihm stehen, %.und er seiner Mutter so gleich den Ge-
horsam aufkündiget. Ein jedes Weib, wenn es zum 2ten
male heyrahtet, muß sich ein Glied von einem Fin-
ger abnehmen laßen. Bey der 3ten %.und 4ten Ehe geschiehet

/ solches

/|P_229

/solches ebenfalls. Die Hottentotten tanzen bey dem
Vollmonde, jedoch wißen sie dann keine andere Ur-
sache anzugeben, als: Es ist Hottentotten Gebrauch.
Sie eßen kein Schwein ohne die Haut, %.und keinen Fisch
ohne die Schuppen. Sonst eßen sie auch alles mit den
Gedärmen. Sie rauchen gerne Toback, %.und geben für
ein %Pfund einen Ochsen. In einer ganzen Gesellschaft ist
nur eine Pfeiffe, jeder schluckt einen Zug davon
herunter, wovon sie benebelt werden, %.und Poßen rei-
ßen, ohne doch jemanden zu schaden. Ihre Kühe ge-
ben nicht leicht Milch, weswegen sie ihnen in den Hin-
tern blasen. Ihr Eßen bereiten sie, indem sie eine
Höhle mit Steinen auslegen %.und diese Steine glühend
machen, worin sie alsdenn die Töpfe setzen. Sie haben
nicht die geringsten Begriffe von Gott. Da sie aber
von den Holländern von einem Gott gehöret haben, so
nennen sie ihn den großen Capitain, weil sie keinen
Vornehmern als einen Holländischen Schifscapitain
kennen. Ihre Feste nennen sie mit einem holländischen
Namen Andensmacken, welches bey den Holländern
Bußtage bedeutet. Sie verehren einen grauen Gold-
käfer, den sie vor heilig halten. Wenn sich dieser auf
eines Hottentotten Kopf setzet, so fallen die andern
ihm zu Füßen, %.und verehren ihn als einen heiligen
Mann. Kupferne Knöpfe %.und Glascorallen sind ihre
größeste Zierde. Sonst sind sie geschickt, stark %.und sehr
behende, sie sehen mit bloßen Augen so weit, wie

/ andere

/|P_230

/andere mit Tubis. Man findet bey diesem capo bonae
spei bestätiget, daß im südlichen Hemispherio, ein
halbes Jahr südwest, %.und ein halbes Jahr Südostwind we-
het. Oft ist es auf dem Capo so ungestüm, daß nie-
mand ausstehen kann, %.und die Schiffe der Holländer lei-
den alsdenn große Noth.

/Ferner ist in Africa zu merken die Küste der Caffern.
Auf dieser Küste ist wenig bekandt außer Soffola, das
den Portugiesen gehöret. Monomotapa, wo der Neger
Handel ist, %.und Zanguebar, wo eigentlich keine Neger
wohnen. Man kann nicht allen Nachrichten von diesen Ge-
genden glauben, weil sie mehrentheils verfälscht sind,
%.und nur von den gefangenen Sclaven ihren Ursprung haben.
Die Insel Madagascar ist sehr groß. Die Einwohner
sind von Arabischer Abkunft, sie üben sich sehr im Schleu-
dern, welches sie von Mohamed gelernet haben mögen,
übrigens aber sind sie sehr dumm, %.und verehren den Gold-
käfer, so wie die Hottentotten.

/≥ Von Egypten

/Egypten ist nichts anders als eine Küste von beyden
Seiten des Nilstroms. Weit vom Nilstrohm ist das
Land unbewohnbar, weil es gar nicht regnet. Von
den 7 Ausflüßen des Nils sind Diamate %.und Ro-
sette nur schifbar. Wenn es in Egyten einmal regnet,
so zerschmelzen auch alle Leimhäuser. Die vornehmsten
Thiere des Landes sind, der Crocodill %.und der Hippota

/ mus

/|P_231

/mus oder das Nilpferd. Dieser Hippotamus hält sich ober-
halb den Catharacten des Nils auf, %.und ist nach dem Rhino-
zeros das größeste Thier. Er zermalmet den Crocodill
wo er ihn nur antrift. Der Crocodill ist jetzt selte-
ner als vorhin. Daß die Pharaonische Maus die Eyer der
Crocodillen zerstöhren soll, geheöret unter die Fabeln,
solches geschiehet vielmehr von einem Raubvogel. Der
Ictis ist eine Art von Reyher, den die Alten verehreten.
Ehe der Nil das Land überschwemmet, treibt der Nord-
wind hohe Wolken, %.und dieses ist ein Zeichen einer
glücklichen Überschwemmung. Jetzt sind die Überschwem-
mungen weit kleiner, als ehemals. Der Zufluß des
Nils ist jetzt schwächer geworden, vermuthlich weil die
Gebürge in Abissynien sich immer mehr applaniren.
Vom April bis zum solstitio, herrschet in Egyten ein
Südwind, der sehr gefährlich %.und heiß ist. Zu dieser Zeit
herrschet auch die Pest am mehresten, welche zwar nur
alle 8 Jahre merklich wird, aber wohl beständig da zu seyn
scheinet, %.und nur durch den Nordwind gemildert wird.
Bey den Überschwemmungen ist Egyten ein großer See,
der durch die Kunst in Canäle vertheilet wird, welches a-
ber den schönsten Anblick verursachet. Die Egyter sind von
Gesichtsfarbe braun, %.und zwar unter Türkischer Bothmä-
ßigkeit, haben aber einen gebohrenen Egytier zum Gou-
verneur, der sehr große Gewalt hat. Hier ziehen die A-
raber Hordenweise herum, %.und sind von eben so guter ex-
traction, als die in den Arabischen Wüsten reisen. An den

/ Lybi- 

/|P_232

/Lybischen Grenzen giebt es Muhamedanische Familien,
die mit giftigen Thieren umgehen, ohne daß sie ihnen scha-
den. Sie behalten dieses Geheimniß vor sich. In Egyten
ist der Ursprung der δLücke, die wohl in 100 Ellen Lein-
wand eingewickelt sind. Auf derselben sind viele Hye-
rogliphen gemahlet, die die Gemüthsart der Verstorbe-
nen anzeigen. Die gewöhnlichsten Gräber sind wie
Brunnen gestaltet. Die Leiber sind des Eingeweides
entledigt, %.und das Gehirn ist mit Hacken herausgezogen.
Die vornehmen Leichen sind mit arabischen Balsam, die
gemeinen aber nur mit Judenpech einbalsamiret.
Eine gute δLücke, die nicht mit Judenpech verfälscht
ist, kostet wohl auf 1.000 %Dukaten. Balsamiret werden nur
die Cörper dererjenigen, welche man nach ihrem Tode
in ihrem Gerüchte tugendhaft befunden hat.

/Die Egyptischen Pyramiden werden wegen ihrer Höhe be-
wundert. Sie sind nichts anders, als gemauerte Berge,
mit Quadersteinen ausgelegt, die inwendige Gänge
haben. Die Steine sind so groß, daß man sich gar keinen Be-
grif von den Maschinen machen kann, die sie haben herauf-
bringen können. Die Spitzen der %Pyramiden gehen nach den 4
Weltgegenden. Tief in Egyten ist das Labyrinth, wel-
ches ein Tempel von ungeheurer Größe ist, der aber
den griechischen Tempeln an Schönheit gar nicht gleich
kommt. Die Türken brechen aus demselben noch vielen Mar-
mor %.und Jaspis. Es sieht wie eine große Stadt aus. Hier

/ findet

/|P_233

/findet man noch die Rudera vom Tempel aller Götter, wor-
in 365 Gözenbilder waren, in der Gestalt aller Thiere.
Jeden Tag beschien die Sonne eines von denselben, welches
von dem ganzen Volke angebehtet wurde. Die Hyerogliphen
sind ein Überbleibsel von der alten Schreibekunst, nach
welcher man Sinnbilder erfand, um sich auszudrucken.
Zu den alten Einwohnern von Egypten gehören die Coptischen
Christen, wovon die mehresten schon Muhamedaner sind. Sie
sind sonst in der %.Christlichen Lehre ziemlich rein, haben aber den
Aberglauben, daß die Todten noch am Charfreytage aufer-
stünden. Sie leben im äußersten Druck %.und Verachtung.
Die Zigeuner sollen auch aus Egypten ihren Ursprung haben,
heut zu Tage sind sie daselbst sehr dünne gesäet, in Ungarn
%.und Siebenbürgen aber am häufigsten. Es ist wahrscheinlich
daß sie ein Oberhaupt haben.

/Nordwärts von Egypten liegt, Nubien %.und Abyssinien.
Abyssinien ist die Quelle des Nils, ohne welchen Egypten
kein bewohnbares Land wäre, denn daselbst regnet es
sehr häufig. Es ist gebürgigt %.und folglich temperirt. Wenn hier
die Regensströme herabstürzen, welche den Nil auf-
schwellen, %.und zugleich die entsetzlichsten Gewitter in
den Gebürgen toben, alsdenn haben sie daselbst Winter,
sonst ist es das angenehmste Land. Die Abyssinier schei-
nen von Arabischer Abkunft zu seyn, sie sind nicht comple-
te Negers, jedoch haben sie wolligtes Haar. Von Nubien
%.und Abyssinien gehen nach Egypten immer große Caravanen,
welche Gummi Arabicum, Goldstaub, Semesblätter,

/ Sclaven

/|P_234

/Sclaven p dahin bringen. So bekannt ehemals Abyssi-
nien war, so unbekannt fängt es jetzo an zu werden.

/Oberaethiopien ist ein sehr großes Land. Es fallen
hier die Platzregen, im Julius, Junius %.und August, die
den Nil unterhalten. In neuern Zeiten hat man
angefangen zu zweifeln, ob der Nil noch dißeits
dem aequator entspringet. Wenn er aus Abyssinien
kommt so nimt er wenig Waßer mehr mit sich. Das
Land ist sehr gebürgigt, %.und hat ein mildes Clima, es
ist fruchtbar an allen Orten von Vieh, %.und halt also auch
eine starke Viehzucht, es fehlet ihm nur an einer
beßern Cultur. Das Gras wächset alhier so hoch,
daß man 50 Schritt weit, das Vieh auf dem Felde,
nicht mehr sehen kann; das Land hat keine rechte
Städte. Der Käyser ist von Muhamedanern um-
geben, die ihn sehr haßen. Er kann sich auf seine Nation
gar nicht verlaßen, sonsten würde er sich furchtbar
machen können. Aethiopien enthält mehrentheils
Christen, deren Begriffe sehr rein sind, sie beschneiden
ihre Kinder %.und halten die %.Heilige %.Schrift für die einzige
normam fidei. Es scheinet daß ehedem in Aethio-
pien viel Litteratur gewesen. Die %.Aethiopische Sprache
ist der arabischen sehr ähnlich. In Aethiopien ist auch der
camelopardus (Gier_Affe) anzutreffen. Die %Aethiopischen
Esel haben alle Buckel. Man findet hier auch das
breitschwänzigte Schaaf, imgleichen das Kraut Assazöe,

/ welches

/|P_235

/welches des Morgens genoßen, allen giftigen
Thieren wiederstehet. Mit den Aethiopiern
waren die Europäer eine Zeitlang im Bunde,
allein die Portugiesen machten, daß daßelbe wie-
der aufgehoben wurde.

/≥ Die Küste der Barbarey bis an
Marocco

/Die barbarischen Küsten haben einen großen Über-
fluß an Palmbäumen %.und Datteln. Der Boden der-
selben ist überhaupt sehr fruchtbar, nur ist zu
beklagen, daß die Einwohner das Land nicht ge-
nung cultiviren, indem sie sich auf die Seeräube-
rey legen. Wein wird daselbst gar nicht gebaut.
Die Barbarische Kuh ist von ganz besonderer Art.
Löwen, Tyger %.und Leoparden findet man daselbst
in großer Anzahl, aber keine Elephanten. Es
giebt auch Cameele daselbst, %.und die Duba, welches
die Hyera der Alten seyn soll. Sie hat im Nacken
ein langes strupfigtes Haar %.und eine Art von Mäh-
ne. Sie ist dem Hunde ähnlich %.und belfert die ganze
Nacht. Die Wüste Sara ist nicht durchgehends eine
Wüste, sondern hat viele fruchtbare Landstriche.
Die berühmtesten Raubnester sind Algier, Tunis,
Tripoli di Barbaria, das Gefährlichste ist Sall.
Die Mohren legen in Muggador eine neue Festung

/ an

/|P_236

/an. Die Europäischen Mächte könnten sie wohl aus-
rotten, haben es auch zum Theil schon gethan.

/≥ 3.) Europa ≤

/Von diesem Welttheile handeln viele Geographien
sehr weitläuftig, daher wir nur etwas weniges
dazu bemerken wollen. In der Europäischen Tür-
key ist zuerst

/Bulgarien. Es hieß ehedem Thracien %.und ist ein
Theil von Romelien, wie es die Türken nennen.
In diesem Lande ist ein Gemengsel von allerley
Nationen. Die Bessarabischen Tartarn sind unter
sich die beste Nation von der Welt, das Mein und
Dein ist unter ihnen ganz sicher, weil sie alle-
samt arm sind. Ferner ist

/Griechenland zu merken. Die Producte von Griechen-
land sind Feigen, Orangen Bäume, Corinthen, Rosinen,
Weine. Die angenehmste Gegend ist Thessalien,
besonders wegen der sehr angenehmen Thäler. Das
Gebürge Athos erstreckt sich bis an die See, %.und ist
als der Sitz der heutigen griechischen Gelehrsamkeit
anzusehen. Jeder District hat noch den alten Cha-
rackter der alten Einwohner. Die Athenienser
sind das, was die Franzosen, die Lacedemonier
was die Engländer, %.und die Maniotten, was jetzt

/ die

/|P_237

/die Schweizer sind. Die heutigen Boeotier sind
wie die alten, die gröbsten. Das alte Griechenland
aber ist im ganzen genommen fast unkennbar. Es
ist Schade, daß die Türken Feinde der Bildhauer-
kunst sind, sonst wir weit mehrere kostbare Denck-
mähler des Alterthums haben. Der Archipelagus
%.und Egypten versorgen Constantinopel mit Ge-
treyde. Bey Negro ponte ist der Euripus ge-
wesen.

/Cypern ist ein schönes Land, welches die Vene-
tianer boshaft an sich gebracht haben. Creta ist
ein natürliches Labyrinth am Berge Ida.

/Ungarn. In ober Ungarn ist der beste Seccowein.
Ungarn überhaupt ist der Kirchhof der Deutschen,
%.und ein Ort der mit allen Epidemischen Kranckhei-
ten geplagt ist. Die Ungarische Pest entstehet von
den vielen Pfützen %.und Morrästen. Die Wiesen sind
daselbst sehr fett, daher die Ungarische Ochsen
die besten in Europa sind. Ungarn hat Melonen,
Pflaumen %.und anderes Obst, einen ganz vortrefli-
chen Boden, dagegen der unsrige eine Stief-
mutter ist. Die Deutschen eßen die Ungarische
Pflaumen so gerne, daß es bey den Armen ordent-
lich verboten werden muß. Hier wächset auch
wilder Weizen. Wegen der Nähe der Türken
müßen fast alle Einwohner Soldaten seyn. Die

/ Berg- 

/|P_238

/Die Bergwerke sind schlecht %.und tragen insgesammt nicht so
viel ein, als das einzige Kupferbergwerk bey Neu-
sohl.

/Italien Die Werke des Genies, so wie die Producte
des Landes sind von Griechenland nach Italien, von
Italien zu uns gekommen. An sich waren die Römer
geneigter zum Ruhm der Patriotischen Tapferkeit.
Als Cato Censor war, kam der erste Medicus aus
Griechenland herüber. Jedoch haben sie es in Künsten
denen Griechen niemals gleich gethan. Der Character
der heutigen Römer, ist dem Character der Alten
ganz unähnlich, %.und noch läppischer als eines jungen
Franzosen, der sich nichts übel nimmt %.und unaussteh-
lich ist, jedoch hat der französische Witz noch mehr ange-
nehmes. Der Italienische Witz ist scharf %.und frazen-
haft, daher sieht man sie oft ins Lächerliche verfal-
len %.und die Italiener mit Glas, ihren kleinen
Kunststücken, Murmelthieren %.und andere derglei-
chen Dingen, die Welt durchlaufen. Alle Schuputzer
in Franckreich sind Savoyarden. Italien hat mehr
Academien als ganz Europa zusammengenommen, %.und
es herrscht daselbst doch die größeste Unwissenheit,
weil die Religion bey ihnen den Gebrauch der
höhern Vernunft hindert. Desto mehr aber findet
man daselbst die schönen Künste %.und Wißenschaften
befördert, wozu die Italiener auch vorzuglich Genie
bezeigen. Savoyen %.und Piemont ist das Gebürgigste
von Italien. Der Savoyard ist der ehrlichste, der

/ Pie

/|P_239

/Piemonter aber der gröste Schelm in Italien. Ita-
lien hat viel Oehl, Oliven, auch Weine. ZE. die
lacrimas Christi. Die Seide %.und Wolle ist nicht
so gut wie die Spanische. In Campagna Di
Roma sind viele Bettler wegen der vielen
Geistlichen, %.und der Wallfahrten dahin. Die Cice-
roni sind Leute, die denen Fremden die Alter-
thümer %.und Merkwürdigkeiten zeigen, aber selbst
unwißend sind. Die Regierung ist die feinste
%.und künstlichste.

/In Venedig herrschet unter dem Schein der Frey-
heit, die größeste Sclaverey. Der gebürgigte
Obertheil von Italien hat einen großen Getrey-
de_Bau, die andern Gegenden geben Oehl und
Seide.

/Bey Neapel ist das Land hitzig, Apulien hat
keine Brunnen.

/Sicilien ist die Kornkammer von Italien %.und je
näher nach Süden, desto giftiger sind die Thiere.
Sardinien ist unfruchtbar, Corsica gebürgigt,
%.und von der Natur vertheidigt.

/Malta ist nichts als ein Fels %.und dienet nur
wieder andere Mächte zu streiten. Hier woh-
nen noch alte Carthaginenser. Aus Mangel
des Holzes, wohnet man hier in Höhlen unter
der Erde.

/Frankreich. Es ist fast so groß wie Deutschland,

/ aber

/|P_240

/aber nicht so bewohnet, %.und seit 200 Jahren sehr entvöl-
kert, durch die übertriebene Proiecte der Financiers.
Es giebt in Frankreich nur 2 Stände, entweder sehr
arme, oder sehr reiche Leute, das Land %.und die Stadt.
Nicht alle Provinzen tragen gleich viel, Champagne
bringet so vielen kostbaren Wein, lange nicht so viel
ein, als wenn es Getreyde hätte. Die Weine von Lan-
guedoc sind sehr stark. Bey Bourdeaux wächset
der Pontac, der aber nicht zu uns kommt, weil
er von den Engländern schon auf der Stelle bezah-
let wird; imgleichen der Frontignac %.und der Franz-
wein, aus deßen Hefen der Franzbrandwein ge-
macht wird. Am Montpellier sind die gesundesten
%.und angenehmsten Gegenden, %.und die Zuflucht derer,
die von den Franzosen inficiret sind. Daher macht
man sich verdächtig, wenn man in Montpellier ge-
wesen ist. Der Charackter der Einwohner von
Frankreich ist so wie ihn Iulius Caesar beschreibet.
Sie sind witzig, lustig, leichtsinnig. Das Nachahmen
ist sonst nur der natürliche Character der Frau-
enzimmers, die Franzosen ahmen sich aber alle so
sehr nach, daß wer 10 gesehen, alle gesehen hat.
Sie sind gerade das Gegentheil von dem Engländer.
Ein junger Franzose ist wegen seiner läppischen
Dreistigkeit %.und Munterkeit unausstehlich, indem
er sich gar nichts übel nimmt, allein ein alter
Franzose ist liebenswürdig, er behält etwas

/ von

/|P_241

/von seiner Lustigkeit, die aber sehr gemäßiget
ist. Er ist gesellig bis zur Leidenschaft, so daß
er ohne Gesellschaft nicht leben kann. Die Franzo-
sen schätzen so gar die Verdienste eines Mannes,
besonders eines Gelehrten, nach der Gesellig-
keit. Das Heiligste unter allen, die Religion
opfern sie einem bon mot auf, %.und ein bon mot
macht Lerm %.und Zwiespalt in ganz Paris. Die
Franzosen reden %.und schreiben wieder den König
frey, %.und der Hof läßt ihnen diese kützelnde Rache,
weil er keinen Aufruhr zu befürchten hat, denn
sie laßen alles über sich ergehen. Sie sind auch zu
tiefen Wissenschaften aufgelegt, excoliren sie
aber nur so weit, daß sie auch darüber witzeln
können. ZE. in der Moral, Metaphysik. Sie geben
den Thon, in Gesetzen, Moden %.und Sentiments an, wel-
ches ihnen doch gar nicht zukommt, %.und dennoch wird die-
ses alles vom ganzen gesitteten Europa befolget.
Die französische Artigkeit in Sitten, dienet bey ihnen
statt der Tugend. So fein %.und zärtlich die Franzosen
auch sind, so grausam %.und wütend können sie im Ge-
gentheil seyn, wie solches die ehemals angerich-
tete abscheuliche massacres bezeugen, die ihres
gleichen nicht haben. ZE. Die Pariser Bluthochzeit,
%.und die Verfolgung der Hugenotten. Noch jetzt wird
mancher Meuchelmord in Frankreich ausgeübt, oft
verschwindet eine Person %.und eine Art von Staats

/ In

/|P_242

/Inquisition verbiehtet die genaue Untersuchung
wo dieselbe geblieben sey. In allen Künsten, sogar
in der Tugend %.und überhaupt hat der Franzose mehr
Gout als Sentiment. Die Französischen Uhren fallen
beßer in die Augen, die Englischen aber gehen beßer
%.und accurater. Der Deutsche verbindet den Gout der
Franzosen mit dem Sentiment der Engländer sehr
glücklich, daher gefällt der Franzose in der Gesell-
schaft so gleich, der Engländer niemals, der Deutsche
nicht bey dem ersten Anblick. Hernach aber desto
mehr %.und beßer.

/Spanien Es hat ungefehr 7_1/2 Million Einwohner,
wird aber immer schlechter. Zur Zeit der Mohren blü-
heten daselbst mehr Wißenschaften als jetzo. Die
Entvölkerung des Landes geschiehet durch die Austrei-
bung der Mohren. Ihr Hochmuth ist sehr groß, %.und oft
sehr lächerlich. Der gemeine Mann suchet die Hoheit
seines Hauses %.und seiner Familie zu behaupten. In
Asturien nennen sich die Bauren Illustres, weil sie
vom alten gohtischen Stamm sind, %.und bedenken sich ei-
nem Grafen ihre Tochter zu geben, der etwa von
den Mohren abstammen könnte. Dieser Stolz kommt der
Spanischen Nation zwar eigenthümlich zu, zeiget aber
seine lächerliche Stärke nur in den innern Provinzen,
die keinen Handel mit fremden Nationen haben.
In den Haupt %.und Handelsstädten siehet man, daß der

/ National

/|P_243

/National_Charackter ganz verschwindet. Zwischen
den Spaniern %.und Franzosen ist beständig eine Anthi-
pathie %.und selbige machen niemals zusammen eine
Gesellschaft aus. Der Spanier ist ernsthaft, der
Franzose macht alles lächerlich. Sonst sind die Spanier
rechtschaffene Leute, nur Schade, daß ihre Religi-
on sie gänzlich in der Blindheit %.und im Aberglauben
erhält, denn die Geistlichen unterdrücken alle
Gelehrsamkeit. Ferner sind die Spanier tapfer,
tragen lieber die Flinte als die Sense, sind
eifersüchtig %.und oft abendtheuerlich, besonders
im Alter.

/Portugall Es hat noch nicht 2 Millionen Men-
schen. Ohne Brasilien könnte es nicht bestehen,
daher das Sprüchwort entstanden: nehmet Spa-
nien zwey Drittheil %.und sein Geld, %.und es wird
doch noch ein Portugall daraus. Die Einwohner
von Portugall sind lauter Juden, treuloß, verräh-
terisch %.und schlechte Soldaten. Ihr einziges Glück
ist die Entdeckung der Goldminen %.und der Handel
mit Demanten in Brasilien. Sie müßen wegen
Mangel der Manufacturen sogar Schue, Strümpfe,
%.und Degengehänge für die Armee von den Auslän-
dern kaufen. Der König wollte schon einmal
Tuchfabricken anlegen, allein die Engländer
schlugen auf einmal ihr Tuch ab.

/England. Es ist die größeste Insel in der Welt %.und hat

/ das

/|P_244

/das Clima aller Inseln, %.nemlich eine temperirte,
neblichte %.und unbeständige Luft. Es giebt hier gar
keine Oefen, sondern nur Camine. Die Schaafe wei-
den den ganzen Winter über im Felde. Die Witte-
rung ist fruchtbar, aber niemals so heiter %.und ange-
nehm als in Deutschland %.und Frankreich. Dieses scheinet
auch einen Einfluß auf die Gemühtsart der Einwoh-
ner zu haben. Die Westliche Küste am Canal zwischen
Irrland %.und England ist fruchtbar aber nicht sehr bewoh-
net. Die großen Flüße tragen auch viel zur Fruchtbar-
keit eines Landes bey, %.und geben die schönsten Wiesen
zur Viehzucht, in welcher England noch von der Schweitz
%.und Holland übertroffen wird, aber nicht im Acker-
bau, welchen die Engländer über alles andere treiben,
auch geht nichts über ihre Wollenmanufacturen,
welche vortreflig genug sind. Jedoch ist ihr Einkom-
men davon nicht so groß, %.und mehr abhängend von
andern Nationen, als der Ackerbau. England führt
mehr Getreyde aus, als alle Hafen in Europa zu-
sammengenommen. Die Engländer haben kein Holz,
aber unerschöpfliche Steinkohlengruben. Von Mine-
ralien hat es nur das Zinn, welches das leichteste
%.und beste ist, das wenigste Bley hat %.und in Convalley
gegraben wird. Es ist als eine Insel von feindlichen
Einfällen gesichert %.und hat daher nicht über 18.000 Land-
soldaten. Die Flotte darf nur vigiliren %.und fremde
Landungen abhalten. Ehe die Engländer eine Flotte

/ hatten

/|P_245

/hatten, wurden sie beständig von den Norwegern
%.und Angelsachsen angegriffen. Der freye Geist der
Engländer stammt von dem *1 Blut der Angelsachsen
her. Nur die Deutschen hatten %.und kannten die
rechte Freyheit, gegen sie waren die alten Re-
publikaner, die freyen Griechen %.und Römer
doch nur Sclaven. England leidet gar keine Un-
terthänigkeit %.und keine Sclaven. Ein Durchreisen-
der verlieret seine Unterthanen, wenn sie auf
Englischen Schutz proclamiren. Ein Neger_Scla-
ve, der vom Schiffe an das Land schwimmet,
ist frey. Dieses macht daß ein jeder Engländer
bis auf den geringsten seinen Werth fühlet,
daß er wie die Griechen alle andern Nationen,
ausgenommen die Deutschen, verachtet, %.und hat ü-
berhaupt einen Einfluß in *2 seinen Character.
Dieser ist nicht einfach, so daß eine Denkungs-
art der ganzen Nation zukäme, sondern
singulaire ein jeder urtheilet nach seinem
Kopfe, daher hat die Mode hier die wenigste
Gewalt.

/Deutschland. Dies Land ist am volckreichsten. Es
hat %.nemlich auf 24 Millionen Menschen, da Frank-
reich nicht 20 Millionen, England %.und Spanien
7_1/2 Millionen haben. Es hat sehr temperirte Cli-
mata, %.und ist zum Handel sehr wohl gelegen, we- 

/ gen ~

/|P_245R

/δZ_3

/*1 deutschen

/δZ_17

/*2 ganzen ~

/|P_246

/gen der vielen Häfen %.und Flüße, sein Handel
aber ist mehrentheils einländisch %.und daher
am vortheilhaftesten. Es hat vor En«d»tdeckung
von Indien, das «wenigste» <meiste> Silber gehabt, hat al-
le nötige Lebensmittel, auch schöne Weine
%.und Edelgesteine. Es führet mehr aus, als es von
andern bedarf, sogar England handelt mit Deutsch-
land mit Verlust, es hat schöne Wälder, schöne Brun-
nen, warme Bäder %.und die größeste Mannigfaltig-
keit in diesem Stück. Nur ist es zu beklagen, daß
es zum Schauplaz aus- %.und einländischer Kriege be-
stimmt ist, %.und dazu durch seine offene Lage %.und die
Verbindung des Reichs wird. Die Deutschen sind
das edelste Volck in Ansehung ihrer Talente %.und Kün-
ste, in allen Arten von Künsten %.und Wißenschaften
geschickt %.und in vielen vortreflich. Sie sind zum Kriege
gebohren %.und wißen am besten zu befehlen %.und zu ge-
horchen. Sie sind die Erfinder der Buchdruckerkunst
%.und des Pulvers %.und sind sie gleich nicht die glücklich-
sten in Erfindungen, so sind sie doch die Standhafte-
sten in der Cultur des Erfundenen, indem sie
die größeste Emsigkeit besitzen. Im Durchschnitt
hat Deutschland größere Männer hervorgebracht, %.und
mehr Kenntniße bis auf den gemeinen Mann ver-
breitet, als Frankreich, wo der Adel öfters nicht
recht schreiben %.und lesen kann. Der Character der
Einwohner von Oberdeutschland, welches Katho-
lisch ist, ist sehr von dem Character der Einwohner

/ Nieder

/|P_247

/Niederdeutschlandes unterschieden. Jene sind
nemlich durch Schuld der Religion stupid %.und
unwißend gegen diese. Sie räumen auch die-
sen Vorzug denen Protestantischen Deutschen
selbst ein. Die Oberdeutsche Sprache hat denen
Franzosen die ganze deutsche Sprache vereckelt.
Der Deutsche hat mehr Phlegma als der Fran-
zose, jedoch mehr Geselligkeit als der Englän-
der. Er brilliret nicht so in Gesellschaften
%.und in Schriften mit dem französischen Witze, sei-
ne Sentiments %.und seine Freundschaft aber wer-
den höher geschätzt.

/Schweden. Es hat noch nicht 3 Millionen Ein-
wohner, wegen des unfreundlichen climatis
in Europa %.und des unfruchtbaren Bodens, den die
überflüßigen Proiectmacher schlecht verbeßern.
In Finnland dünget man den Acker mit Asche,
welches zwar nicht viel, aber lange verschlägt.
Wegen dieser Unfruchtbarkeit des Landes
müßen die Schweden viel Getreyde kaufen
oder gegen Eisen %.und Kupfer eintauschen. Wolle
%.und Leinen müßen sie kaufen. Wenn Schweden ein
Staat bleiben soll, so müßen die Einwohner sich
zur Genügsamkeit der Natur gewöhnen, daher
ist die Pracht verboten, doch verwenden sie mehr
auf Sammet, Wein %.und Seide, als andere Länder.
Die Schweden sind mehr zu tiefen als zu schönen
Wißenschaften aufgelegt, besonders zu mechanischen

/ Künsten

/|P_248

/Künsten %.und zum Kriege. Sie sind sehr jachzornig %.und
erbittert. Schweden hat weniger Phlegma als
Deutschland, %.und die größeste Seemacht an der Ostsee.
Es ist eine große Antipathie zwischen den Schweden
%.und Dänen, von welcher zum Theil viele Kriege
herrühren.

/Rußland ist durch seine Lage %.und Flüße zum Han-
del bequem. Es hat 2 racen von Einwohnern. Die
Einwohner in Finnland, Ingermannland, an der Ladoga
See, sind wie die finnschen Bauren plump, faul und
ungesittet; die aber von Moscau bis Casan schei-
nen eine original_race der Rußen zu seyn, sind
aufgeweckt, witzig %.und der Bauer daselbst ist
raffinirter als der französische. Rußland liegt
sicher, denn von Schweden hat es nichts zu besor-
gen, von den Türken auch nicht viel, die Tartarn
können auch nichts mehr machen %.und müßen den
Canonen weichen. China ist zaghaft, %.und kurz es
hat eine so gute Lage zur dauerhaften %.und stets
anwachsenden Macht, daß nur eine Universal
Monarchie von Rußland zu befürchten ist. Es
liegt also blos an der Regierungsform, daß
das Land nicht das mächtigste ist. Der Character
einer Nation zeiget sich nur in der Freyheit, Un-
glück macht boshaft %.und trotzig, Sclaverey lasterhaft.
Hiernach beurtheile man den Character der Rußen,
so lange sie unter der zum Theil sclavischen und

/ bar- 

/|P_249

/barbarischen Regierung liegen. Man rechne al-
so ihre Laster zE. daß sie tückisch, versoffen
%.und mistrauisch auch sogar gegen Freunde sind,
nicht zu ihrem Character.

/Pohlen. Dieses Land hat einen weit beßern
Boden als Rußland, die Einwohner aber sind
faul, %.und pflügen mit einem hölzernen Pfluge.
Pohlen ist ziemlich volckreich, es liegt bloß an der
Regierung, daß es nicht ein ganz anderes An-
sehen bekommt, daß die Einwohner nichts als
elend Latein können %.und die Künste hier ein
Ende haben. Die wunderliche Regierung, der
gesetzlose Adel, der sclavische Bürger %.und Bauer
machen, daß Pohlen gar kein Staat ist, noch wer-
den kann. Der Character der Pohlen ist schlech-
ter als der %.Character der Rußen. Sie sind feige und
verzagt, biegsam in ihrer Sclaverey, weichlich
%.und leichtsinnig.

/Dännemark. Dieses Land ist nicht sehr mächtig,
der Boden ist mittelmäßig fruchtbar, sonst
aber hat es einen Mangel an Manufacturen.

/Norwegen. Es kann nur an den Küsten bevöl-
kert werden. Die Einwohner sind tapfer %.und von
beßerem %Character wie die Dänen, die bis auf
ihre Sprache denen Ausländern verhaßt sind.
In Dännemark ist der Handel mit Rindvieh das

/ Wesent- 

/|P_250

/Wesentliche. Die Norweger leben blos von der Fi-
scherey, die Engländer haben sie sehr gerne in ihren
Seediensten. Die Dänen sind gar nicht im Kriege
weder tapfer, noch glücklich, haben alle gelbe Haa-
re, daran man die alten Dänischen Familien in
England noch erkennet. Bey einer guten Regierung
könnte Norwegen weit mehr bevölkert werden.
Tiefer ins Land sind oede %.und wüste Gebürge,
worin die Einwohner mit Lebensgefahr auf die
Seevögel jagen.

/Island. Es verhandelt sein kleines Rindvieh an
Holland, imgleichen eine grobe Wolle, von einer
Art Schaafe, hat auch eine Universitaet, auf der
sich Gelehrte hervorthun.

/≥ 4) America

/Diese neue Welt ist uns auch neu, wegen der neu-
en Geschöpfe, die auf derselben anzutreffen sind.
Keine einzige Thierart von den größern Thieren
der neuen Welt ist einerley mit den Thierarten
aus der alten Welt. Man findet hier nicht den Ele-
phant, den Hyppotamus, den Rhinozeros, das
Cameel, das Pferd, Ochsen, Hunde, Esel, Schweine,
Gieraffen, Gemse, Steinböcke p. Amphibien fin- 

/ den

/|P_251

/den sich noch zum Theil zE. der Crocodill, der
Alligator. Das Cameel geräth gar nicht in diesem
climate. Das Pferd, das Rindvieh, der Hund sind
kleiner geworden, nachdem man sie dahin gebracht
hat. Das Schwein ist gut gerahten. Der Amerika-
ner ist ganz von andern Menschen verschieden.
Er ist bey weitem nicht so verliebt, %.und daher auch
nicht so gesellig. Die Weiber werden hier mit grö-
ßem Kaltsinn %.und Unterdrückung gehalten.
Die Einwohner der neuen Welt haben keinen
Bart, %.und sind bey weitem nicht so stark am Leibe,
als die Menschen aus der alten Welt. Sie sind
gar nicht munter %.und lebhaft. Die Spanier haben
den alten Stamm der Indianer sehr geschwä-
chet. Auf vielen Amerikanischen Inseln treiben
die Seeräuber ihr Gewerbe, schon seit der Zeit,
als sich die Spanier daselbst festgesetzt haben.
Die Negers vom Seenegall sind die witzigsten
Leute %.und die am besten aussehen. Die Neger_Cre-
olen sind geistreich %.und halten die andern Negers
verächtlich. Ihre große Einsicht kommt von der Er-
weiterung ihrer Sprache her. Alle Negers sind
sehr hochmühtig, bey jeder Gelegenheit putzen sie
sich. Sie sind sehr dum, wißen es aber ziemlich
zu verbergen. Eine ehedem berühmte Nation
ist jetzt ganz heruntergekommen, %.nemlich die Nation
der Caraiben. Sie beßaßen ehedem viele Inseln,

/ und

/|P_252

/%.und auf St._Vincent %.und St._Domingo herrschen sie
jetzt noch wirklich. Sie können gar nicht zu Sclaven
gemacht werden, denn sie bringen so gleich, entwe-
der sich oder ihre Herren um. Sie sehen sehr me-
lancholi
sch aus, welches die erstaunende Unem-
pfindlichkeit %.und das Phlegma macht. Wenn der
Caraibe aufsteht muß ihn sein Weib mit Rac-
ku
mahlen. Sie stechen sich Löcher in die Lippen %.und
drucken sich Steine %.und Glaskugeln hinein. Den
Kindern drucken sie den Kopf oben platt. Die Süd-
liche Spitze der Magellanischen Straße ist 12 deut-
sche Meilen lang, zwischen America %.und dem Archi-
pelago
del Fugo. Sie ist bey dem Sturm gefähr-
lich, weswegen man durch die Straße le_Maire
fähret. Man könte zwar die offene See halten, al-
lein man will es nicht wagen in der unbekannten
See zu schiffen. An der Spitze von America wohnen
die Caesarier, die weiß sind, %.und unter Carl_dem_5ten
mit ihren Schiffen daselbst gestrandet sind.

/Chili ist ein vortreflicher Strich der Spanier. Die
alten Einwohner von Peru sind sehr faul %.und phleg-
matisch, die von Chili aber sind desto lebhafter,
gute Jäger %.und Soldaten, darunter besonders die
Nation der Arrocaner merkwürdig ist mit wel-
chen die Spanier immer unglückliche Kriege gefüh-
ret. Die Pferde von Chili übertreffen die Spanischen
an Tugenden, sie sind starck, dauerhaft, schnell, lau- 

/ fen

/|P_253

/fen an dem Rande eines Felsen ganz sicher setzen
wie der Steinbock von einer Klippe auf die
andere über den Abgrund hinweg, %.und der Par
force_Jäger darf sich ihm nur ganz überlaßen.
Die Chilier werfen sehr geschickt mit Fangerie-
men vom Pferde, sie stehen mit den Spaniern in
capitulation %.und die Spanier müßen sich sehr vor
einen Aufruhr fürchten, weil ihnen alsdenn die
Arrocaner, die bey ihnen als Gesinde dienen am ge-
fährlichsten sind. In Peru finden die Fremden vie-
le neue Plagen, als eine Art Fledermäuse, wel-
che dem Menschen im Schlafe ganz leise die Adern
öfnen, giftige Ungeziefer, als die Mustücken.
Hier findet man alte Gebäude, welche viel Geist
%.und Kunst zeigen, wovon die heutigen Einwohner
gar keine Spur aufweisen können. Sie sind übri-
gens sehr gleichgültig, arbeiten nicht länger als
ihnen der Christliche Herr auf dem Halse steht,
sonst rauchen sie gleich eine Pfeiffe Toback, und
erwarten ihre Prügel so geduldig, wie sie den
Tod entgegen gehen. Man findet hier noch Überbleib-
sel von einer alten Pracht zE. bey Lima ist eine
Mauer von geschliffenen Feuersteinen, ob die Ein-
wohner gleich keine eiserne sondern nur Kupfer-
ne Beile %.und Meßer haben. Ihre Sprache ist arm,
%.und kann keine abstrahirte Ideen bezeichnen.
Die Producte sind Cascarilla di Lochya oder

/ Loya

/|P_254

/Loya am Amazonen_Strohm, welche vor das Fieber
%.und andere Meereskranckheiten dienet. Hier giebt es
auch gewachsene Stricke, die man zu Brücken ge-
braucht. Die Reise aus Quito nach Papayan herab
geschiehet über die Cordileren, ist aber sehr gefährlich,
weil es darin 10 Monate regnet, daher die mit
Gold beladenen Esel mit Zittern %.und Beben, am
Rande des Abgrundes hinwegglitschen. Der Ama-
zonen_Strohm ist der gröste in der Welt, er nimmt
3 Ströme ein, die größer sind als der Nil bey Cairo.
Das Land um den Amazonenstrohm ist flach %.und schlam-
migt, ohne Steine %.und Sand, so daß die Indianer sich
wundern, wenn sie einmal einen Stein finden.
Das meiste Gold wird in Papayan aus den Flüßen
gewaschen, die aus den Cordileren entspringen.
In Quiana bauet man wegen der reißenden Thie-
re die Häuser auf Bäumen. In Surinam hielt
sich ehemals die Jungfer Nerian auf, um daselbst
Insecten zu zeichnen, die hier größer sind, als irgend-
wo in Europa. Hier ist das wandelnde Blatt, oder
eine Raupe die mit dem Blatt wächset, %.und wenn es
abfällt mit ihm herum kriechet.

/Brasilien gehöret den Portugiesen, die goldreichsten
Bergwerke tragen 12 Millionen Piasters Jährlich.
Ferner findet man alda viele Demanten, Indigo,
Zuckerrohr, das Brasilienholz zum Färben, einen
Hauptartickel des Handels. In Brasilien ist eine

/ sehr

/|P_255

/sehr gesunde Luft, krancke Personen verlängern ihr «L»
Leben daselbst, welches vielleicht auch von den See-
reisen herkommen kann; denn Landkranke werden auf
der See gesund.

/Paraguay hatte kein Rindvieh vor Ankunft der
Europäer, jetzt hat es häufige Obstbäumen Wälder
%.und sehr viel Rindvieh. An den della_Plata_Strohm
werden jährlich bis 40.000 Rindshäute ausgefüh-
ret, die wilden Hunde aber schaden dem Vieh, und
rotten es aus. Es giebt hier schöne Papagayen, da
die in Ostindien nur grau sind. Die Nahrung der
Einwohner ist die Maniai_Wurzel, deren Saft
ein Gift ist, aber gedörret %.und gepreßt ein nahr-
haftes Mehl abgiebt, davon ein Löffel voll dem
mäßigen Indianer genug ist. Hier findet man auch
den größesten Raubvogel, Condor. Paraguay ist
unter Portugall %.und Spanien vertheilet.

/Patagonien ist flach, %.und wenn es mit Indianern
bewohnt ist, so müßen sie ihre Niederlaßung %.und ihren
Sitz tiefer im Lande haben, weil die Küste unbe-
wohnbar %.und sandigt ist. Unter den Amerikanischen
Inseln sind merkwürdig, Cuba, Jamaica, die An-
tillen haben Zucker, Coffee, Cacao, vordem besaßen
sie nur die Spanier. Diese Inseln sind voller Negers,
welche Indigo, Zucker %.und Toback_plantationen
bauen. Die alte Nation ist ausgerottet. Der Rest

/ davon

/|P_256

/davon sind die Caraiben auf den Antillen. Dominique,
Vincent besitzen sie ganz allein, sie haben eine flache
Stirn, ein sehr melancholisches Gesicht %.und träumen
immer von Nordamerika. Die äußersten Länder in Nor-
den sind zwar nur zum Theil bekannt, aber man trift
keine Menschen mehr an, wenn man über den 75 Grad
der Breite heraus kömt. In der Hudsonsbey, in der
Straße Davis, in Grönland %.und an einigen andern Oer-
tern sind noch Nationen. Die Grönländer ernähren
sich von nichts als vom Fischfange, welcher ihnen Spei-
se, Kleider %.und alles verschaft. Die Franzosen nennen
alle Einwohner der Länder Nordwärts, von St._Lau-
rentius_Strohm an, Esquimaux, weil sie rohes Fleisch
eßen. Diese Einwohner haben die Gewohnheit, daß
die Kinder die Eltern todt schlagen, wenn sie stumpf
zu werden anfangen. Die Einwohner an der Straße
Davis sind leutselig, liebreich %.und gefällig.

/Alle Amerikanische Nationen haben eine große Über-
einstimmung unter einander, sie sind alle kuperroth,
behende, haben keinen Bart, %.und sind von keiner dau-
erhaften constitution. Übrigens incliniren sie
sehr zur Freyheit, allein man findet selten Spuren
davon bey Ihnen.

/ ≥ Ende der Physischen Geographie

/δSchlußstrich

/δRest_leer