|B_Barth_(1759/1782 ?)_
Berlin, Akademie-Archiv: NL.-Kant Nr. 14
Transkript: 1998 / 2000 / 2001 (1. Februar 2006)
Datum: 19.09.2007 / 17.06.2008 / 20.03.2009 / 31.10.2010 / 22. 3. 2011
Grauer Text: übereinstimmend mit Holstein;
Grüner Text: übereinstimmend mit Rink-Zusätzen
Braune Schrift: übereinstimmend mit Volckmann;
Grau Vorrang vor Braun.
Knopf

 

/|P_0

/|P_1 δleer

/|P_2 δleer

/|P_3

/ ≥ Prolegomena.

/Eine jede Wissenschaft muß irgend einen Gegenstand haben, womit sie sich
beschäftigt. Sie kann aber auch mehrere Objecte haben, denn sonst würden
der Wissenschaften unzälich viel seyn. Den Inbegriff aller Gegenstände nennt
man Welt. Es läßt sich also auch eine Wissenschaft denken; deren Gegenstand
die Welt ist d. h. die alles in sich vereiniget, und das heißt Weltkentniß. Diese
Wissenschaft wird die wichtigste und nothwendigste von allen Wissenschaften seyn, weil ohne
sie alle andre nur isoliert, nicht in Verbindung ständen. Sie macht das
Ganze aus; alle andre Wissenschaften sind nur theile von ihr. Alles wird
in ihr mit einander verbunden. - 

/Diese Weltkenntniß geht auf 2 Gegenstände; auf den Schauplatz der
Welt und auf den Lauf der Welt. Von uns ist die Erde eine Welt, weil sie
alle die Dinge in sich begreift, womit wir in Gemeinschaft stehen. Vor uns wird
also auch Weltkenntniß nur so viel heißen als Erdkenntniß. - Den Schauplatz
der Natur erwägt die Geographie, den Lauf der Natur die Geschichte. Beide
also zusammen machen die eigentliche Weltkenntniß aus - aber mit der Welt-
kenntniß versteht man auch oft nur die Kenntniß der Bewohner der welt,
und denn heist sie Menschenkenntniß oder Anthropologie. Hier bekümmern wir
uns gar nicht darum, ob es noch mehrere Weltkörper gibt, genug vor uns ist nun
die Erde die ganze Welt, denn alles andre liegt außer unsrer Sphäre.

/Wenn wir ein gewißes Ganze betrachten, so scheint es zwar sehr natürlich
zu seyn, daß wir von den Theilen zum Ganzen aufsteigen. d. h. zuerst die Theile
erwägen und sie dann erst zur Einheit verbinden; Allein die Erfahrung lehrt
das Gegentheil. Man sehe z. b. einen schönen Pallast. Zuerst wird man ihn
blos anstaunen, weil man nicht alles auf einmal faßen kann. So bald sich
aber in unsrer Idee ein Bild des ganzen darstellt, so wird man nun erst die
Theile desselben genauer untersuchen, und ordnen d. h. an ihre rechte Stelle
setzen. Dadurch wird nun unser Begriff erst recht deutlich, aber nicht erst
gemacht. Der Grund der Idee vom Ganzen lag schon da, als wir nur den
Pallast erblickten. Sie war aber noch nicht ausgewickelt, also verwirrt.
Ausgewickelt, helle und deutlich gemacht würde sie erst durch Betrachtung

/ aller

/δLage_A ~

/|P_3R

Anthropologie»
/Physische Geographie
/
/

/ B. ~

/|P_4

/aller Teile des Pallastes. - Dieses auf die Erde angewandt! so folgt daraus,
daß die Erde zuerst im Ganzen betrachtet werden muß, um nachher alle Theile
derselben ordnen, und iedem Dinge seine rechte Stelle im Raum annweisen
zu können. Damit beschäftigt sich nun die Geographie. Sie muß also billig vor
alle unsre Kenntniße vorausgehen und den Anfang im Kinderunterricht
machen. Sie muß aber als eine wahre Weltbetrachtung behandelt werden,
denn sie soll alle Dinge in ihr natürliches Verhältniß und folglich in Ver-
bindung stellen. Und so behandelt wird die Geographie die Grundlage
aller Weltkenntniß ausmachen. - Alle Geschichte ist im Grunde nichts anders
als Geographie. Der Gegenstand aller Geschichte ist der Weltlauf d. h. die Ver-
änderungen der Dinge in der Welt. Werden nun diese Dinge zu einer und
derselben Zeit erwogen, so ist das Geographie; geschieht solches bei Dingen zu
verschiedenen Zeiten so ist es Geschichte. Darauf beruhet auch der Unterschied
in die alte und neue Geographie. Es laßen sich so viele Geographien denken
als Zeitpunkte sind. Denn sobald die Dinge so betrachtet werden, wie sie
im Raume zu gleicher Zeit sind, so ist das allemal eine Geographie. Man kann also
ebenso gut eine Geographie schreiben von Zeiten der Griechen, der Römer u.s.w.
als von der itzigen zeit, wenn nur Materialien genug dazu vorhanden sind.
Die Weltgeschichte ist also weiter nichts als eine Geographie, die immer weiter
rückt und eben daher sich unaufhörlich verändert. Im Grunde betrachtet ist
also die Geschichte nichts anders als die in verschiedenen Zeiten auf einander
folgende Zustände des Schauplatzes der welt, so wie die Geographie nur
einen Zustand dieses Schauplatzes zu einer Zeit erwägt.

/Alle unsre Erkenntniße der Welt werden geschöpft aus der Erfahrung,
entweder aus eigner Erfahrung, oder aus Nachrichten von anderer Erfahrung -
Diese Nachrichten sind nun entweder Beschreibungen oder Erzälungen. Iene
gehören zur Geographie, diese zur Historie. Die Beschreibungen beziehen sich nun
entweder auf Dinge, wie sie itzt zu gleicher Zeit sind, denn gehören sie zur
neuen Geographie, oder auf Dinge, wie sie vormals zu einer und derselben
Zeit gewesen sind, und denn gehören sie zur alten Geographie. Erzälungen
aber müßen allemal Nachrichten von Dingen zu verschiedenen Zeit seyn,

/ also

/|P_5

/also eine Reihe von Veränderungen, die sich mit den Dingen nach einander zu-
getragen haben, in sich enthalten. Darin besteht der wesentliche Unterschied der Be-
schreibungen und Erzälungen, sowie der Geographie und Historie.

/Ordnung bringen wir in unsre Begriffe, wenn wir einen ieden derselben
in unserm Verstande seine Rechte Stelle anweisen. Wenn wir nun einem Dinge
unter unsern Begriffen eine Stelle geben, so heist das seine logische Stelle;
betrachten wir es aber nach der Stelle, die es auf der Erde selbst <hat>, so ist das seine
phisische Stelle. So ist z. B. die logische Stelle aller Bäume in dem einzigen
Verstandesbegriff Baum; ihre phisische Stelle aber auf der Erde so verschieden,
als die Gattungen von Bäumen verschieden sind, oder vielmehr so verschieden,
als die Stellen auf der Erde verschieden sind, wo dieser oder jener Baum steht.

/Nun nennt man ein System der Anordnung aller Dinge in der Welt nach
Begriffen, ein System der Natur; eine Beschreibung aber aller Dinge in
der Natur nach den Stellen «¿¿» welche sie wirklich auf der Erde einnehmen;
heist: phisische Geographie. System der Natur und physische Geographie sind
also nicht unterschieden im Obieckt, denn sie erwägen beide einerlei Gegen-
stände, nämlich den Schauplatz der Natur, sondern ihr Unterschied besteht
blos in der Verbindung dieses Gegenstandes. Das System der natur hat nämlich
blos mit der logischen Stelle der Dinge zu thun, die phisische Geographie aber
allein mit der phisischen Stelle. Hieraus folgt, daß Dinge die unter derselben
Gattung stehen, sich logisch verwandt sind; diese Dinge aber nur geogra-
phisch benachbart seyn können, wenn die Plätze welche sie wirklich ein-
nehmen, nahe an einander liegen. Das hat man niemals recht erwogen,
und daher findt man <oft> in Systemen der Natur das abgehandelt, was in die
phisische Geographie gehört und umgekehrt.

/So wie Geographie und Historie von einander unterschieden sind, so ist es
auch Naturbeschreibung und Naturgeschichte. Die erstere ist schon sehr ausgebreitet,
mit der letztern aber sieht es sehr kümmerlich aus. Naturgeschichte muß zeigen,
wie die Reihe der Veränderungen beschaffen ist, wodurch die Natur in verschie-
denen Zeiten gegangen ist. Die Naturbeschreibung aber zeigt nur blos den

/ gegen- 

/|P_6

/gegenwärtigen Zustand des Schauplatzes der Natur. Das hat man auch nicht
bedacht, und daher eine Naturbeschreibung für Naturgeschichte verkauft. Iene ist
auch weit leichter als diese. Das einzige Werk was von eigentlicher Naturge-
schichte handelt, ist Buffon epoctier de la nature. Buffon hat aber seiner Einbil-
dungskraft zu sehr den Zügel schießen laßen und daher mehr einen Roman der
Natur geschrieben als wahre Geschichte der Natur.

/Alles auf der Welt ist entweder ein Werk der Natur oder ein Werk des Menschen.
Eine Geographie kann also entweder das erstere oder das andre erwägen und
Wenn sie die werke der Menschen auf dem Schauplatz erwägt, so heist sie politische
Geographie. Wenn sie aber die Werke der Natur auf demselben erwägt, so
heist sie Physische Geographie. Zur letztern also gehöret Betrachtung der Berge,
Wüsten, Felsen, allerlei Metallen, Pflanzen, Thiere, selbst des Menschen als
Produkt der Natur, nicht in so fern er etwas durch seine Freiheit gethan hat
sondern nur in so fern er seinem Naturinstinkt gehorcht. Politische Geographie
hingegen handelt von den verschiedenen auf dem Erdboden befindlichen
Staaten und Reichen, Städten und Dörfern, Regierung. Der erstern und
überhaupt von alle dem, was der Mensch durch seine Kunst hervorgebracht hat.
Aller Kunst des Menschen muß aber doch die Natur zum Fundament liegen.
Der Mensch kann weiter nichts als sie modificiren. Das, was also die Natur
allem menschlichen Handeln zum Grunde legt, ist das erste und Wichtigste.
Und dies erwägt eben die phisische Geographie. Ohne sie kann niemand wahre
politische Geographie haben noch bekommen. Sie wird auch dem Staatsmann
sehr nothwendig seyn. Denn ohne sie wird er nicht wißen, weder, was die
Natur in diesem oder ienem Lande auszuführen verhindert, noch was sie hier
oder dort bewirken kann, wenn sie recht gebraucht wird. Ohne phisische Geo-
graphie wird er also gemeinhin der Natur entgegen arbeiten, und so alle
seine Entschlüße fruchtlos gemacht sehen, anstatt mit ihrer Hülfe die wichtigsten
und nützlichsten Thaten ausführen zu können. Seine Kenntniß kann ohne
phisische Geographie weiter nichts als empirisch seyn. Die phisische Geographie
wird uns auch mehr Vergnügen schaffen, als alle politische jemals thun kann.

/ Denn

/|P_7

/Denn hier sehen wir den Menschen handeln, auf Abwege geraten und irren,
hier sehen wir so oft Werke von ihm die ganz verdorben oder traurige Zeugen
seiner zügellosen Leidenschaften sind: Dort aber sehen wir nur die Natur ihrem
ewigen Gesetzen folgen und alle ihre Werke schön und groß. Ein Hauptnutzen
der phisischen Geographie ist, daß sie unsre Weltkenntniße überhaupt extendirt.
Es kann ein Mensch sehr viel wißen, aber doch von sehr eingeschränkten Begriffen
seyn, nicht wißen, wie er seine Kenntniße an den Mann bringen kann, zumal
wenn die Kenntniß selbst nicht gemeinnützig sind. Das dürfen wir nun hier
nicht besorgen. Alles, was ein Werk der Natur ist, muß ieden Menschen inter-
essiren, und er hört und spricht auch gerne davon. Die phisische Geographie
wird also auch den besten Stoff zum Gespräch im gesellschaftlichen Umgange ge-
ben. Sie ist endlich eine Weltkenntniß die vor allem Reisen erworben wer-
den sollte und billig den ersten Kinderunterricht ausmachen müste.

/ ≥ Die mathematische Geographie

/Diese gehöret wesentlich zur phisischen Geographie, und es muß selbig noch vor
letzterer vorausgehen, weil wir die Erde zuerst im Ganzen betrachten müßen,
um nachher das, was sie enthält, an seine rechte Stelle auf derselben setzen
zu können. wir betrachten daher

/ ≥ 1. die Figur der Erde.Die Erde ist beinahe eine Kugel. Ein ganz kurzer Beweiß
davon ist dieser, daß es uns scheint, als wenn der Polarstern ie weiter wir
nach den Polen reisen, immer höher über den Horizont heraufkomme
und zwar
nach diesem Verhältniß, daß, wenn wir 15 deutsche Meilen reisen, er nun einen
Grat weiter heraufrückt. Wäre nun die Erde flach, so müsten nothwendig
die Sterne, welche über unserm Kopf einmal stehen, auch beständig stehen
bleiben,
wir möchten so weit reisen als wir wollen. Denn die kleine Verän-
derung des Standorts auf der Erde kann unmöglich eine Aenderung in der
bescheinung der Weltkörper am Himmel machen. Aber noch einleuchtender ist
der Beweiß, welcher von den Mondfinsternißen
hergenommen ist. Die Mondfin-
sterniße sind nämlich wie bekannt ist, die Wirkung vom Erdschatten. Der Schatten
aber, den die Erde auf den Mond wirft, ist immer ein Zirkelbogen. Das

/ kann

/|P_8

/kann nun bei keinem andern Körper als bei einer Kugel angehen. Die Erde
ist aber nicht völlig eine Kugel. Denn sie ist an den Polen eingedrückt und
am Aequator erhaben, sie gleicht also der Figur nach einer Pommeranze. Dieses
hatte schon Newton aus theoretischen Gründen unwiedersprechlich erwiesen,
aber im Anfange dieses Iahrhunderts haben Maupertuis und la_Condamine
es auch durch Erfahrungen und Ausmeßung dargethan. Es entstand bei dieser
Gelegenheit ein heftiger Streit mit einigen holländischen Gelehrten; welche
mit der grösten Hitze behaupteten, die Erde sehe aus wie eine Zitrone. Dieser Zank
war so allgemein, daß so gar der Pöbel mit Antheil dran nahm.

/ ≥ 2. Die Größe der Erde. ≤ Ein ieder Zirkel er mag groß oder klein seyn wird von
den Mathematikern willkürlich in 360 Grade abgetheilt. Ein Grad der Erde unterm
Aequator hält aber 15 deutsche Meilen, also der ganze Umfang der Erde
5400 deutsche Meilen. Denn 360 . 15 = 5.400. Diese geographische deutsche Meilen
sind aber sehr von den politischen deutschen Meilen oder den Postmeilen wie sie
in Sachsen zuerst sind angenommen word, unterschieden. Denn diese Post-
meilen halten beinahe 30.000 Werckschuh, die geographischen Meilen aber nach
der neuen richtigen Bestimmung nur 24.000 oder 20.000 Ruthen, auf eine
Ruthe rechnet man 12 Schuh. Diese Bestimmung der geographischen deutschen
Meilen, die auf den Karten gemeine deutsche Meilen genannt werden, beru-
het auf die Ausmeßung eines Erdgrades, die von Maupertius v. Condamine
im Anfange dieses Iahrhunderts bewerkstelliget worden. Nach der alten
Ausmeßung der Erde aber beträgt ein grad der Erde nur ohngefehr 20000
Schuh. Es gibt aber noch andre Erdmaaßen, die auf die Ausmeßung eines
Grades der Erde beruhen. dahin gehöret der sogenannte geographische Schritt,
welches der 1.000te Theil von einer Minute der Erde ausmacht. Eine Minute
der Erde ist aber der 60te Theil von einem Grade, also da 1 %Grad ausmacht 15
deutsche Meilen, so macht eine Minute 15/60 oder
1/4 von einer deutschen Meile
d. h. nach altem Maaß 5.000 %Fuß, nach dem neuen richtigen Maaß aber 6.000 %Fuß. Ein
geographischer Schritt wird also nach dem alten Maaß 5 %Fuß nach dem neuen aber 6 %Fuß seyn.

/ Man

/|P_9

/Man könnte einen Grad der Erde für ein beständiges Maaß annehmen und hat
es auch einzuführen gesucht, aber die Capricen der verschiedenen Nationen haben
solches verhindert. Wenn die Holländer von deutschen Meilen reden, so verstehen sie
darunter immer die geographischen deutschen Meilen. Eine italienische Meile ist der
60te Theil von einem Grad der Erde, also gerade eine Minute oder 1/4 von einer
deutschen Meile. Eine englische Meile ist der 60te Theil von einem Grad der Erde.
Von den rußischen Wersten gehen 7 auf eine <deutsche> Meile. Von den Seemeilen gehen bei
allen Nationen 20 auf einen Grad. Also hat man doch wenigstens auf der See
ein beständiges einstimmiges Maaß. Auf der Oberfläche der Erde zu meßen
bedienet man sich der Klafter oder Ruthen; um die Tiefe der See zu meßen,
der Faden; und in der Tiefen der Erde, in den Schachten, die Lachter. Alle
zusammen sind im Grunde einerlei Maaß, man hat ihnen aber verschiedene
Benennungen gegeben. Ein Unglük ist, daß die Schuhe bei verschiedenen Nationen
auch wieder verschieden angenommen werden. So ist ein Französischer Fuß z. B.
größer als ein Rheinländischer, daraus entsteht nun lauter Verwirrung,
die oft schwer zu heben ist. - 

/Der Durchschnitt der Erde beträgt 1720 deutsche Meilen, dagegen die ganze
Oberfläche derselben ohngefehr 8,892,086 %Quadrat_Meilen. Hievon sind 2/9 bekanntes
Land von 1/9 werden als Waßer angenommen.

/ ≥ 3. Die mathematische Eintheilung der Erdfläche nach Maaßgabe ihrer Bewegung.

/Eine Kugel hat gar keine bestimmte Abtheilung. Denn die besteht aus lauter
Zirkeln, die mathematisch betrachtet alle gleich groß sind, weil sie alle 360
Grade enthalten. Sobald sich aber eine Kugel herumdreht, so sind verschiedene
Punkte und Linien bestimmt, die wir nun näher kennen lernen wollen.

/Zuerst sind 2 Punkte bestimmt, welche stille stehen, wenn sich die Erdkugel herum-
dreht. Diese beide Punkte nennt man die Pole. Die gerade Linie welche man
sich zwischen den Polen gezogen denken kann, heist die Axe. Indem sich aber
eine Kugel um ihre Axe drehet, so beschreibt sie auch einen Cirkel, der gleich
weit von den <beiden> Polen absteht und das ist der Aeqvator. Mit diesem Aequator
werden nun auch eine Menge so genannter Parallelcirkel gezogen

/ die

/δLage_B.

/|P_10

/die die Pole zu ihrem Mittelpuncte haben, und diese Parallelcirkel entstehen
also zugleich mit dem Aequator, sind aber doch von ihm darin unterschieden, daß
sie entweder näher oder weiter diesem oder jenem Pol zu liegen. Wenn man
nun außerdem noch einen Punct annimmt, der gerade über einem gewißen
Ort steht, welchen man den Zenith des Orts nennen kann, so kann man sich auch noch
einen Cirkel denken, der durch diesen Zenith und durch die beiden Pole geht,
und diesen Cirkel nennt man den Meridian. Ein Meridian besteht aus
2 Hälften, davon die eine über uns, die andre unter uns gezogen ist, denn so wie
unsre Antipoden ihren eigenen Zenith so wie wir haben, so haben sie auch einen
Meridian, der wie gesagt, die 2te Hälfte des unsrigen auf der andern Halbku-
gel ist, dieses ihr Zenith nennen wir aber Nadir, so wie sie das unsrige eben
so nennen müßen. Unter einem Meridian können wie man sich leicht
vorstellen kann, viele Oerter liegen. So liegt z. B. Königsberg und Capo de bonne
esperance unter einerlei Meridian. Solcher Meridiane werden sich aber so viel
ziehen laßen, als man sich Zenithe in verschiedenen Oertern oder auf einer
Kugel Cirkel denken kann, die auf obige Art beschrieben werden. Will man
aber einen Meridian bestimmen, von dem man die Entfernung aller
Oerter auf dem Erdboden angeben kann, um ihre Lage daraus zu beurtheilen,
so muß man nothwendig einen gewißen Ort vestsetzen, von deßen Meridian
man zu zälen anfängt, und der für den ersten angenommen werden soll.
Nun zog man den ersten Meridian durch die Insel Ferro, zu den Zeiten
Ludwichs des vierzehnten [[Louis_XIV]], und dieser Meridian wurde eine Zeitlang allge-
mein für den ersten angenommen. Man hat ihn aber ohne Noth verändert, und
itzt ziehen die Franzosen ihren ersten Meridian durch das Observatorium zu Paris,
die Engländer aber durch das Observatorium zu Grenitsch nahe bei London.

/Durch den Meridian und Aeqvator werden nun die Länge und Breite
der Oerter d. h. ihre Lage bestimmt. Die Breite des Orts ist die Entfernung desselben
vom Aequtor; die Länge des Orts ist die Entfernung desselben von Meridian,
entweder in Osten, denn ist solches seine östliche Länge, oder in Westen, denn ist
solches seine westliche Länge. Ebenso ist die Entfernung eines Orts

/ vom

/|P_11

/vom Aeqvator nach dem Nordpol zu seine nordliche Breite, nach dem Südpol
die südliche Breite. Will man die Länge und Breite eines Orts auf den Land-
charten meßen, so sind folgende Lehrsätze zu merken. Man suche den ersten
Meridian auf, wo er den Aequator durchschneit, und zäle am Aeqvator
die Grade bis an den Meridian des gegebenen Orts. so erhält man die Länge
des Orts in Graden, Minuten und Secunden, denn der Aeqvator ist so wie
alle Cirkel in 360 grade, der Grad in 60 Minuten und die Minute in 60 Sekunden
abgetheilet, ieder Grad des Aequators aber hält 15 geographische Meilen
die etwas größer als die gemeine Deutsche Meilen sind, will man nun auch
die Länge eines Orts in Meilen haben, so darf man nur die am Aequator
auf obige Art gefundene Anzal Grade mit 15 multipliciren ZE die Länge
von Königsberg beträgt 39 %Grad, 17 %Minuten, 30 %Sekunden d. h. in geographischen Meilen 589_3/4. Die
Breite eines Ort hingegen wird folgendergestalt gefunden. Man suche den
Parallelkreiß der durch den Ort gezogen ist, oder doch wenigstens den der dem
Ort am nächsten ist und gehe immer mit demselben bis an den Meridian
d. i. auf den Charten der äußerste Rand, auf den Globis aber der meßingne
Cirkel, so wird man an selbigen die Grade der Breite angemerkt finden.
Der Nutzen die Länge und Breite der Oerter allemal angeben zu
können ist sehr groß. Man kann sobald einem diese nur angegeben werden,
gleich wißen wo ein Ort auf der Erde liege, auch durch Rechnung finden,
wie weit er von dem Ort unsres Aufenthalts entfernt sei. Im gleichen wird
der Weg den ein Schiff auf dem Meere nehmen muß, dadurch bestimmt pp

/Dieses war eine Eintheilung der Erde, insofern sie aus der täglichen Um-
drehung derselben um ihre Axe entsteht. Aber auch aus der jährlichen Bewe-
gung der Erde um die Sonne kommt eine wichtige Eintheilung derselben
her nämlich die Eintheilung in ihre Zonen und Climaten.

/Die größeste Entfernung der sonne vom Aequator beträgt 23_1/2 Grad. Der-
ienige Erdstrich nun, welcher unter 23_1/2 Grad vom Aeqvator liegt,

/ wird

/|P_12

/wird die heiße Zone seyn. Die Cirkel welche die Sonne bei ihrer grösten
Entfernung vom Aequator beschreibt, werden die Wendecirkel genannt.
Man kann also die heiße Zone auch so definiren: Es ist der Erdstrich welcher
zwischen den beiden Wendecirkeln der Erde lieget, durch deßen Mitte also der
Aequator oder die Linie gehet. In dieser heißen Zone ist jährlich zweimal
Sommer und einmal Winter, unter dem Aeqvator aber zweimal Sommer
und zweimal Winter, indeßen pflegt es in dieser Zone den ganzen Sommer
hindurch zu rechnen, wodurch die Luft kälter wird, als sie daselbst im
eigentlichen Winter ist.

/Die beiden temperirten Zonen sind die Theile der Oberfläche der Erde,
welche zwischen einem Wendecirkel und zwischen einem Polarcirkel liegen.
Die kalten Zonen der Erde sind die beiden Theile der Oberfläche der Erde,
welche von den beiden Polarcirkeln eingschloßen sind, in deren Mittel also
die Pole liegen. In den temperirten und kalten Zonen ist jährlich einmal
Sommer und einmal Winter. Denen Oertern in der Zona torrida kommt die
Sonne zweimal im Iahr über den Scheitelpunkt. Zu dieser Zeit werfen die
Gegenstände daselbst gar keinen Schatten. Die Oerter in den Polar_Cirkeln
haben einmal im Iahr einen ganzen Tag, und einandermal wieder
eine ganze Nacht. Beide dauern alsdenn 24 Stunden. Unter den Polen
ist ein halb Iahr Tag und ein halb Iahr Nacht.

/ ≥ 4. Phisisch wird die Erde eingetheilt in Land und Waßer. ≤ Das Land wird wieder
eingetheilt in Continent und Inseln; und das Waßer in Ocean, Meer
und Seen. Unter Contin«g»ent versteht man ein oder mehrere Welttheile,

die zusammenhängen. Es gibt entweder nur ein einziges Continent,
nämlich die alte Welt d. h. Asien, Africa und Europa; oder es gibt wol
gar kein Continent, denn im Grunde ist doch alles Land eine Insel, nur
mit dem Unterschied entweder eine große oder kleine Insel. Der Ausdruck Con-
tinent ist auch so wenig bestimmt, daß, als etlichen Iahren Neuholland
entdeckt und beschift wurde, man solches wegen seiner Größe ein Continent nennen
wollte, ob es gleich wirklich eine Insel ist.
Die Inseln sind kleine Theile des

/ vesten

/|P_13

/vesten Landes, die auf allen Seiten mit Waßer umgeben sind. Ocean nennt
man das Waßer, was alles Land einschließt, und das Waßer
welches vom Land eingeschloßen wird heist Meer z. B. das Mittel-
ländische Meer, welches nur allein in der Straße bei Gibraltar mit
dem Ocean zusammenhängt. Ein Theil des Oceans selbst, der beinahe mit
Land eingeschloßen, wird auch eine See genannt als zE die Ostsee.

Gehört aber das Waßer mit zum Land, so heist es ein See, Landsee. So
wie eine See von einem Meer zu unterscheiden ist, so muß man auch einen
Unterschied machen zwischen Landinseln und Meerinseln. Landinseln sind solche,
die mit zum vesten Lande gehören und entweder ganz oder doch zum
Theil nur von den Flüßen des Landes gemacht werden. Meerinseln aber
nennt man diejenigen, welche mit wirklichen Seewaßer umgeben sind.
Der Rand des vesten Landes, welchen das Meer berühret, wird das
Ufer oder die Küste, der Rand eines Flußes aber das Gestade genannt. Halb¥
Inseln sind kleine Theile des vesten Landes, die auf verschiedenen Seiten mit
Waßer umgeben sind, auf einer Seite aber mit einem gewißen Theile
des vesten Landes zusammenhängen. Den Halbinseln sind parallel die
Meerbusen, welche Theile vom Meer sind, die fast ganz vom Land einge-
schloßen werden. Daher muß allemal wo eine Halbinsel, auch ein Meer-
busen seyn.
Halbinseln wenn sie sehr schmal und lang sind werden
Erdzungen genannt. Stücke vom Meer, die zwischen Ländern durchgehen,
und sehr schmal sind heißen Meerengen oder auch Straßen ZE die Straße bei
Gibraltar, die vier Meilen breit ist, aber von sehr hohen Bergen eingeschloßen
wird, so, daß wenn man in der Straße selbst führet, man glauben sollte,
sie wäre kaum ein halbe Meile breit. Denn eine iede Ebene die von
hohen Bergen eingeschloßen ist, scheint dem der sich darinnen aufhält schmal
zu seyn. Ein schmaler Theil des vesten Landes, das zwei größere mit einander
verbindet, und solchergestalt auf beiden Seiten vom Meer umgeben ist,
heist Land- oder Erdenge. Oerter wo man sicher landen und für

/ Sturm

/|P_14

/Sturm und Wellen Schutz finden kann, heißen wenn sie dicht am Meer
liegen, Seehäfen; liegen sie aber an Flüssen so nennt man sie Rehden.
So ist Z.E. Bei Londen zwar kein Seehafen, aber eine vortrefliche Rehde
an der Themse. Sonst gibt es auch viele Oerter, wo man bei stillem Wetter sicher
vor Anker liegen kann, sobald aber ein Sturm entsteht, die Anker
Kappen und sich in die offene See begeben muß, um nicht vom
wieder ans Ufer getrieben zu werden und auf solche Art zu scheitern.
Solche Oerter nennt man schlechthin Ankerplätze.
Es gibt deren eine
Menge an der Küste von Norwegen, wohin die Schiffe, welche «auf» <in> der
Nord- und Ostsee viel vom Sturm gelittern haben, sich gerne hinbegeben.
Diese Ankerplätze erstrecken sich oft etliche Meilen von der Küste an ge-
rechnet in die See. Ein Rehde ist im Grunde auch weiter nichts als ein
Ankerplatz, nur mit dem Unterscheid, daß iene in Flüßen diese aber
auf der See sich befinden. Zwischen dem Lande und der See werden oft
Landbacken angetroffen, die nach einer gewißen Krümme sich in die
See hineinbiegen und also ein Stück von der See einschließen. In
einem solchen Platze ist es auch vortheilhaft Ancker zu werfen, weil
daselbst die Wellen durch das Land abgehalten werden, und folglich
die See daselbst gemeinhin ganz ruhig und stille ist. Das nennen
nun die Engländer die Düne«¿»n. Wenn man also in den Zeitungen
ließt, daß die Englische Flotte in den Dünen liege, so heist das
so viel sie liegt zwischen Dover, Dut und Sandwich auf der See
für Anker. Denn diese Gegend wird von einem Landbecken zu
einem guten Ankerplatze aptirt. Noch ist zu bemerken, daß man die
Einfarth in einen Strom der überhaupt in ein Land hinein eine
barre oder einen Riegel nennt.

/|P_15 δleer

/|P_16 δleer

/|P_17

/ ≥ Allgemeiner Theil der Physischen Geographie
/ Erstes Hauptstück
/ Geschichte des Meeres

/ §_1.
/ Von dem Boden des Meeres und deßen Tiefe

/Der Boden des Meeres ist eine unebene Vertiefung der Oberfläche der Erde.
der Grund der See wird durch das Loth oder Senkblei geprüfet. Der Boden
des Meeres ist sehr uneben und selbst mit Gebürgen besetzt, erhohet
sich nach und nach ie näher man einer Küste kommt oder einem Felsen
kommt, daher aus dem Anblick der Küste die Tiefe des Meeres nahe an
derselben zu erraten; scheinet, doch aber nicht so uneben zu seyn als das
veste Land. Die Tiefe des Meeres ist beinahe so groß als die Höhe der Ge-
bürge die ihm am nächsten sind; dies beweiset die unergründliche Tiefe,
die Finsterniß in der Tiefe des Meeres, die Kälte oder Wärme, imgleichen
der Druck des Waßers. Hieher gehöret auch, wie man den Grund des Meeres
und deßen Materie prüfet. Von der Taucherglocke und Täuchermethode,
verschiedene Sachen heraufzubringen. Neue Vorschläge die Tiefe des Meeres,
wo es am unergründlichsten ist zu meßen.

/Anmerkung ad §_1.

/Das veste Land scheint vom Waßer ganz zerrißen zu seyn, in seinem innern
von Flüßen und kleinen Seen und an den Ufern vom Ocean und den
Meeren. Ein wahres Glück für iedes Land, das so beschaffen ist! Denn durch
die Gewäßer wird die Communication eines Landes mit dem andern leicht
erhalten, dahingegeben Landreisen oft bei weitem alle Vortheile, die
man daraus ziehen könnte, an Kosten überwiegen. - Kein Reich in Europa
ist so sehr durch Meere zerrißen als Griechenland. Daher die frühe Cultur
desselben vor allen andern Gegenden dieses Welttheils. Nächst diesem ist Norwe-
gen von derselben Beschaffenheit. Daher die vielen und schönen Häfen an den
Ufern desselben, der zufluchtsort aller in der Nordsee gefahr laufenden
Schiffe sind. Durch das Loth (ein holländischer Name der Blei bedeutet) wird

/ nicht

/δLage_C

/|P_18

/nicht nur die Tiefe des Meeres, sondern auch die Beschaffenheit des Seegrundes
erforschet. Denn Beides gibt ein Kennzeichen ab, in was für einer Gegend
auf der See man sich befindet. So besteht z. E bei Neu_Jorck in einer Streke
von 10 Meilen der Meeresgrund aus bloßen Muschelschalen. Um nun diesen
doppelten Zwek zu erhalten, muß das Loth auf folgende Weise eingerichtet
seyn. Es wird nämlich an einem langen Seil ein solches Stück Blei angehänget,
daß es den Seeströmen durch seine Schwere widerstehen kann, und denn wird
dieses Stück Blei auch am Ende etwas ausgehöhlt und mit Butter, Talg oder
sonsteiner klebrichten Materie beschmieret, damit es aus dem Seegrunde
etwas von den daselbst befindlichen Produkten heraufbringen kann. Man
kann aber nicht leugnen, daß diese Methode mit einem Senkblei die Tiefe
des Meeres zu meßen, noch immer sehr unsicher ist wegen der vielen Seeströme
die oft das Loth mit sich wegreißen, so daß man anstatt die gerade perpendi-
culäire Linie zu meßen, nun eine schräge Linie mißt. Man hat daher
häufig auf allerlei Maschinen gedacht, durch zusammendrückung der Luft
die Tiefe des Meeres zu finden, denn so könnte man aus dem Verhältniß
des Raumes der comprimirten Luft auf die Stärke der comprimirten
Luft also auch auf die Höhe der drückenden Wasserluft schließen; allein
bis itzt hat man noch kein Mittel gefunden, deßen Ausführung nicht mit sehr
großen Schwürigkeiten verbunden gewesen wäre.

/Wenn man aus dem Anblick der Küste, die Tiefe des Meeres nahe an derselben
errathen will, so muß man sich folgende Regeln merken. 1.) Das Meer ist desto
tiefer, ie steiler die Küsten sind und 2.) wo flache Küsten sind, da ist auch
flaches Meer. Die flachen Küsten muß man sehr vermeiden und sich weit entfernt
davon halten, weil man sonst große Gefahr läuft zu stranden.
Norwegen hat ein sehr steiles Meer, hingegen Pommern sehr flache Küsten.
Ueberhaupt sind in Europa die westlichen und südlichen Küsten die steilsten,
die nordlichen aber und östlichen die flachsten. Das find auch fast in der ganzen
Welt statt. So ist zE bei Patagonien das Meer so flach, daß man schon 2 Meilen
vom Lande Ancker werfen muß.

/ «Vor»

/|P_19

/Vorzeiten banden sich die Taucher eine gebrennte Kappe um mit einem Röhrchen
das zum Waßer herausging, und wodurch weil sie es in den Mund nahmen
ihnen frische Luft zugeführt wurde. Weil sie aber durch dieselbe Röhre die eingeathmete
Luft wieder aushauchen musten, so wurde oft die frische Luft selbst phlogistisch.
Anitzt bedient man sich der Täucherglocken. Dieses sind wirklich Glocken, worin aber
anstatt des Klöppels ein Strik hängt, woran sich der Taucher bevestigen kann. Unten an die
Füße wird ihm eine Kanonenkugel gebunden, damit er geschwinde herunterkommt,
die Hände hat er während seiner Herabfarth, vest an den Leib angeschloßen, um den Leib
hat er ein Körbchen wo er die Muscheln hineinlegt umgebunden und noch andres Seil womit sie
ihn wieder heraufziehen können, welches aber nicht so geschwinde geschehen muß. In einer
solchen Tauchergloke kann das Waßer nun unmöglich bis oben hindringen, weil die compri-
mirte Luft demselben widersteht. Selten kommt da Waßer dem Taucher höher als bis an
die Brust. Doch alles dies könnte ihn für den Todt doch nicht sichern. Denn wenn er gleich vom
Waßer nichts zu befürchten hätte, so würde er doch in der nur innen ausgehauchten Luft
ersticken. Daher ist man auf ein Mittel bedacht gewesen, dem Taucher frische Luft zu ver-
schaffen, und die phlogistische Luft wegzuführen. Dieses geschiehet vermittelst eines
Fäßchens mit Luft, woran man eine Kanonenkugel hängt, damit es untersinkt.

/In diesem Fäßchen hat man ein Ventil angebracht, welches der Täucher sobald er das
Fäschen mit einem Haken an sich gezogen hat, und auf solche Art den von Waßer
leeren Theil der Gloke mit frischer Luft anfüllen kann. Aber zur nämlichen Zeit muß
er auch das Ventil, welches an dem andern Ende des Faßes ist, aufmachen, damit sich die
in der Gloke befindliche brennbare ausgehauchte Luft in dasselbe hineinbegeben kann,
und denn läst er das Fäßchen wieder los, und schikt es also mit unreiner Luft angefüllt,
wieder zurük. Da aber alles dieses mit vielen schwürigen Umständen verknüpft ist, so ge-
brauchen die Täucher itzt gar keine Maschinen, sondern tauchen unter und bleiben so lange
im Waßer als sie aushalten können. Nur die Perlen und andre Dinge werden durch die
Taucher heraufgeholt, die Korallen aber nicht. Diese werden weil sie ästig sind mit Haken
oder Rechen heraufgezogen.

/ ≥ §_2.
/ Von der Farbe und Durchsichtigkeit des Meerwassers.

/Das Seewaßer ist heller und durchsichtiger als selbst das Flußwaßer. Die gewöhnliche Farbe
ist in großen Räumen grünlich, welches ins blaue fällt. Dies beweiset die Farbe von dem
durchscheinenden Grunde. Vom Meergraß; von Seelaub, Porrah, von den Spaniern genannt,
von den Meerpetersilien, vom Leuchten des Meerwaßers; von der weißlichten Milchfarbe,

/ die

/|P_20

/die das Wasser bei den Molukischen Inseln zu einer gewißen Iahreszeit in der Nacht
zu haben pflegt.

/ ≥ Anmerkung ad §_2.

/Das <See>Waßer überhaupt sieht «nicht» «¿¿» hell<er> aus als das «Land» <Flußwaßer>, denn das <Fluß>Waßer läßt das Licht nicht durchfallen.
Wenn man nur ein kleines Gefäß voll Seewaßer schöpft, so sieht es ebenso klar aus als da
reinste Qvellwaßer. Aus dem Grunde sieht alles Waßer selbst das Flußwaßer grünlich aus.
Das weiße, rothe, schwarze Meer haben wahrscheinlich ihren Namen von den Kleidungen
der ehemaligen Einwohner an den Ufern derselben bekommen; ebenso wie weiß
und roth Rußland. So nennt man noch bis itzt eine Gattung von Tartarn,
die schwarzen Tartarn blos deswegen, weil sie schwarze Mützen
tragen. Eine ähnliche Ursache läst sich denken, warum man das Meer,
welches zwischen Kalifornien und Neumexico liegt, Mare Verrnejo
oder Purpurmeer «ge»n«a»ennt «wird». Denn es sind nur wenige Purpur-
schnecken darinn. Man hat dabei die Benennung vom rothen Meer
in Gedanken gehabt oder solche nachahmen wollen. So nennt
man auch das Gebürge in Iamaika das blaue Gebürge,
obgleich alles Gebürge von weiten gesehen blau aussieth. Das
Leuchten des Meeres findet man auch des Sommers im
Nordmeer, aber bei den Molukischen Inseln ist es so stark,
daß es, wo es anspritzt, wie eine reine Flamme aus-
sieth.
Es gibt einen prächtigen Anblik in stokfinsterer Nacht,
Einige geben von diesem Leuchten gewiße kleine Insekten, die sich in
solchen Meeren aufhalten, und so wie unsre Iohannis-würmer leuchten. Nereis
genannt, zur Ursache an, andre hingegen leiten dieses Feuer von den ver-
faulten Fischen im Meer her, und verwerfen das erstere, weil das Waßer
selbst, wenn es schon philtrirt ist, doch noch
leuchtet. Vielleicht laßen sich beide Ursachen mit
einander vergleichen, oder es ist ein wirkliches electri-
sches Feuer.

/ Herr

/|P_21

/Herr George Forster, ehemaliger Professor in Cassel, seit 1780 in Halle, erzälet
in der Beschreibung seiner Reisen, welche er und sein Vater Johann Reinhold
Forster während den Iahren 1772 bis 1775 gemacht hat, um die Südseite unserer
Erdkugel genauer kennen zu lernen, von dem Leuchten der See um die
äußerste Spitze von Africa, folgendes: kaum war es Nacht, als die See rund
um uns her einen großen bewunderungswürdigen Anblik darbot. Soweit
wir sehen konnten, schien der ganze Ocean im Feuer zu seyn. Iede brechende
Welle war an der Spitze von einem hellen Glanz erleuchtet, der dem Lichte des
Phosporus glich, und längst den Seiten des Schiffs verursachte das Anschlagen
der Wellen eine feuerhelle Linie. Hiernächst konnten wir auch große
leuchtende Körper im Waßer unterscheiden, die sich bald geschwind, bald lang-
sam, itzt in einerlei Richtung mit dem Schiff, denn wieder von uns weg be-
wegten. Zuweilen sahen wir ganz deutlich, daß diese Massen als Fische gestal-
tet waren, und daß die kleinere den größern aus dem Wege gingen. Als wir
einen Eimer eines solchen leuchtenden Seewaßers auf Verdek holen ließen;
so fanden wir unzälbare leuchtende Körperchen von rundlicher Gestalt,
die mit Geschwindigkeit darin herumschwommen. Nach 2 Stunden hörte
das Meer völlig auf zu glänzen.

/Manche Meere haben blos davon ihren Namen, was oben über sie schwimmt z.E.
das Graßmeer bei Capo Verde, welches zu allen Zeiten mit Gras bedeckt ist.
Ein dergleichen Grasmer findet man auch bei Kalifornien und bei Capo
St._Luda, der Spitze dieses Landes. Zwischen dem Bermudischen Inseln und der
Küste von America ist auch ein solches Grasmeer, das aber nicht so deicht
damit bedekt ist als die vorangeführten. Die Ursache daß dieses Gras immer
an demselben Ort auf dem Meere zu allen Zeiten angetroffen wird,
liegt in den Winden und Strömen.

/Man hat oft ganz besondre Kennzeichen, woraus man schließen kann, daß
man nicht mehr weit von diesem oder ienem Lande entfernt ist. Sie sieht man
z. E. etliche Meilen von der malabarischen Küste große Menge Seeschlangen,

/ nicht

/|P_22

/nicht weit vom Capo bonae spei das Meer ganz mit Bimstein bedekt, welches von
Morgensfrühe bis auf den Abend über dem Waßer schwimmt, sobald aber nur
die Sonne untergegangen, auch untersinkt, und nicht eher bis des Morgens
wieder zum Vorschein kommt.

/ ≥ §_3.
/ Von der Salzigkeit des Meeres

/Alle Meere die mit dem Ocean Gemeinschaft haben, sind gesalzen, aber un-
gleich zE an den Küsten, wo viele und große Flüße sich ins Meer ergießen,
weniger als an andern, wo nur wenige und kleine Flüße sind; ferner,
nahe an der Oberfläche weniger als in der Tiefe; in den temperirten Zonen
weniger als in denen die nahe an dem Aeqvator oder auch nahe an dem
Eismeer liegen. Denn die Wärme macht hier keinen Unterschied, sondern
nur ob sich große Ströme ins Meer ergießen. Der Salzinhalt ist sehr verschieden.
Bei Maltha ist es bis 1/3 vom Waßer Gewichte, so daß das Seewaßer fast ganz
vom Salz gesätiget ist. Das Meersalz hat noch über dem einen pechartigen
bittern und steinkohlenartigen Geschmak. Die Ursache davon liegt vielleicht
im Erdpech. Selbst die Landseen, die keinen Abfluß haben, sind salzig. Das
todte Meer ist unter allen am meisten salzig, sein Salz trägt bisweilen
nahe an den 4ten Theil seines Waßergewichts aus. Imgleichen das Caspische
Meer, der See bei Mexico, der halb süß halb salzig ist. Es gibt auch süße
Qvellen auf dem Boden des Meeres

/ ≥ Methoden das Seewaßer süße zu machen. ≤

/1. durchs philtriren

/2. durchs frien und wieder aufthauen

/3. durchs distilliren

/4. durchs Faulen und praecipitiren.

/Nutzen dieser Salzigkeit. Das Meer dunstet viele flüchtige Theile dieses Salzes
aus, und dadurch wird der Regen fruchtbar. Es frieret nicht leicht, daher
entstehet der Vortheil für die Seehäfen. zE in England.

/Ursachen dieser Salzigkeit. Halley schreibet sie dem wenigen salze zu, das die
Flüße ins Meer führen, deren süßes Waßer ausdunstet, das salzige aber

/ zurück ~

/|P_22R

/Auch trägt es leichter die Schiffe %und das Holz
derselben faulet nicht so bald.
~

/|P_23

/zurück bleibet. Diese Ausdünstung nimmt in einem Iahr 20mal mehr weg
und es gehören tausende von Iahren dazu, daß das Meer nur einmal ausdünstet.
Diese gänzliche Ausdünstung müste also sehr oft wiederholet werden, wenn es
in dem Grad gesalzen werden sollte. Zu dem führet der Regen und Schnee,
welche aus den Dünsten des Meeres entstehen in der That mehr Salzigkeit
dem Lande zu, als das Flußwaßer. Einige nehmen Salzklippen in der See
an. Beweis aus dem Salz der Insel Ormus, aus den persischen Salzküsten,
und aus dem Salz in den Bergwerken Andalusiens. Es ist aber glaublich,
daß alles dieses Salz aus den alten Meer seinen Ursprung genommen habe,
daher ist die wahrscheinlichste Erklärung aus dem alten Zustande der Erde herzu
nehmen, da das Waßer alles veste Land bedeket, und das Salz desselben
ausgesäuget habe.

/Anmerkung ad §_3.
/Der Salzinnhalt des Seewaßers ist sehr verschieden. In der Nordsee rechnet man
1 Loth auf ein %Pfund Waßer, in der spanischen See 2 Loth auf 1 %Pfund und bei Maltha
4 Loth auf 1 %Pfund Wasser, in der Ostsee 1_1/32 Loth. Um das Waßer mit Salz zu sättigen,
so daß es nicht mehr Salz auflösen kann, gehören 1/4 %Pfund zu 1 % Pfund Waßer. So ist der
Rußische Salzsee im Astrakanischen Gouvernement beinahe mit Salz
gesättiget. Das todte Meer ist bei trokner Zeit so salzigt daß selbst %Menschen
nicht darinnen untersinken. Daß die Salzigkeit dieses Meeres gerade zu
trokner Zeit am grösten ist, kommt daher, weil alsdenn der Iordan nicht so viel
Waßer hereinführet als es ausdünstet. An den Ufer desselben schwimmt auch
viel Asphal oder Erdpech, man hat daher die Ursache der Bitterkeit dieses
Waßers vom Erdpech herleiten wollen; allein angestellte Versuche haben ge-
zeigt, daß alles Meer-Salzwaßer überhaupt gar nichts Vituminöses an
sich habe. Andre leiten diese Bitterkeit von den verfaulten Seefischen her,
allein man kann doch gar keine faulende Materie im Seewaßer finden. Wiegleb
hat daher die wahrscheinlichste Vermuthung, daß die Bitterkeit des Seewaßers
von dem in demselben befindlichen Vitrioldunst herrühre. Denn man kann
aus dem Alcali, oder dem laugenartigen des Kochsalzes und aus Vitriolsäure

/ ein

/|P_24

/ein gewißes Bittersalz zubereiten, wie welches zum Purgiren gebraucht wird
und alle Eigenschaften des Meersalzes hat.

/Wenn man die Kleider in Seewaßer eintaucht und sie denn anziehet,
so kann man dadurch seinen Durst stillen weil sich das Waßer durch die
Haut ziehet, doch möchte es nicht sehr lange währen. Oft haben Schiffer zu
diesem Mittel schreiten müßen, um ihr Leben wenigstens eine Zeitlang
zu erhalten. Seitdem aber ein Engländer Irrwing [[Irving]] ohngefehr vor 12 Iahren
ein ganz simples Mittel erfunden, das Seewaßer zu distiliren und trink-
bar zu machen,
so ist man itzo nicht mehr genöthiget, zu solchen unsichern
und beschwerlichen Mitteln zu greifen. Es ist allerdings sonderbar, wie
nach so vielen vergeblichen Versuchen Irrwing auf den glüklichen Gedanken
gerathen ist, dieses salzige Meerwaßer
durch Flintenläufen zu distiliren,
und wie ihm solches nun auf einmal gelungen ist. Diese Distilation des
Seewaßers kann sogar an demselben Heerde und Feuer, wo das Fleisch
auf dem Schiffe gekocht wird, getrieben werden, so daß man nicht einmal
nöthig hat, das Schiff noch besonders mit Steinkohlen zu diesem Besuch zu
beladen,
Es wäre auch weit beßer, wenn man lauter solch distilirtes
Seewaßer trinken könnte. Denn wie viel Krankheiten kommen auf
dem Schiff blos von dem stinkend gewordenen mit Würmern
angefüllten mitgenommenen Waßer her.

/Aus dem Seewaßer wird an vielen Orten Salz zubereitet zE in Spanien.
Man legt zu dem Ende am Ufer Bassins an, leitet das Seewaßer in
dieselbe herein, und läst es darin so lange stehen, bis alles Waßer wegge-
dunstet und das Salz zurückgeblieben ist. Nothwendig scheint das Salz aber
nicht zur Nahrung zu seyn, denn ehe America von den Europäern
entdeckt war, wuste man noch nichts vom Salz. Für uns aber, die wir
deßen schon gewohnt sind ist es unentberlich.

/Von der Ursache der Salzigkeit des Meerwaßers. Daß alles Salz auf der Erde
ursprünglich aus dem Ocean abgeleitet worden, ist deshalb wahrscheinlich, weil
sich noch immer viele Spuren finden, daß ehemals alles Land vom Waßer
bedekt gewesen sei. Hat nun das Waßer vor dem alles Land bedekt

/|P_25

/so läst es sich doch wol gewiß leichter begreifen, daß das wenige Erdsalz vom
Ocean zurükgelaßen worden, als daß die Salzigkeit des ganzen Oceans
durch Auflösung des Erdsalzes sollte entstanden seyn. Wo aber denn die ur-
sprüngliche Salzigkeit des Meerwaßers hergekommen sey, kann man nicht
bestimmen. Man könnte vielleicht einwenden, daß die Quantität des Erdsalzes
gewiß nicht klein sey könne, da es in Polen und andern Ländern Strata von
Salz gebe, welche 60 bis 70 Meilen lang unter der Erde fortgingen und auf
600 dik wären, daß es in Andalusien und vielen andern Gegenden ganze
Salzberge gebe, die nur ein paar Fuß mit Erde bedekt wären, daß endlich
die Salzwüsten eine ungeheure Menge Salz in sich enthielten; allein das alles
ist doch noch in Proportion der Menge des Salzes welches man im Seewaßer
überhaupt antrift, eine wahre Kleinigkeit, und was die Salzwüsten anbetrift,
so sind diese wol nichts anders als ausgetrocknete Basseins vom alten Auf-
enthalt der See.

/Daß aber die Bitterkeit des Seewaßers wahrscheinlich von der Vitriolischen Säure,
die sich in Dünsten aufgelöset und mit dem Waßer vereiniget hat, herkomme,
kann auch folgende Beobachtung zeigen. An den Küsten von Guinea
nämlich und in Westindien auf den Zuker_Inseln als Barbados, sc. Luca
rostet das Eisen so geschwinde, daß die Uhren kaum ein Iahr dauern, daß die
Meßer in ein paar Tagen Rostfleken haben, daß man alle Iahr neuer Schlößer
an den Thüren haben muß. Das kann nun von nichts anders herrühren, als von der
Vitriolischen Säure, womit die Luft angefüllt ist und welche das Rosten verursacht.

/ ≥ §_4.
/Von der Bewegung des Meeres

/1. Von der Bewegung durch Winde. Bis in welche Tiefen die Stürme das Meer
unruhig machen.
Die Wellen sind von ganz verschiedener Art. In engen Meeren
sind sie zurükschlagend und kurz und für die Schiffer die gefährlichsten. Die Ursache
davon ist: Enge Meere sind nicht so tief, als der Ocean, es können daher auch die
Wellen, wenn der Wind etwas lange anhält, bis auf den Grund des Meeres dringen,
alsdenn aber werden sie von dem Grunde reflectirt und also zurükgeschlagen.

/ Durch

/δLage_D.

/|P_26

/Durch die Bemerkung der Wellenbewegung kann man auch so gar die nahen
Sandklippen entdeken, wenn selbige auch bis 25 Faden unter dem Waßer
seyn sollten. Denn über einer Sandbank werden die Wellen iederzeit zurük-
schlagend seyn, weil sie hier, so bald sie nur in eine mittelmäßige Tiefe wirken,
gleich einen Gegenstand finden, von dem sie zurükprallen müßen. Da die Wellen
aus der Tiefe die Schräge der Sandbank herauflaufen, und dadurch viel Meeres-
waßer, welches iederzeit kälter als das andre ist, weil es nicht von der Sonne
erwärmt wird, in die Höhe gebracht wird, so muß auch nothwendigerweise
bei Sandbänken und Landzungen das Waßer kälter seyn als an andern
Orten des Weltmeeres.

/Von der holen See und den Brandungen. Die Brandungen sind iederzeit an den
Küsten oder wenigstens Sandklippen, welche eine Daßirung (schiefe Abdachung)
haben, worauf also die Wellen hinauflaufen und zurükprallen können.
Zwischen Meßina und dem Königreich Neapel ist eine solche Brandung.
Diese Brandungen haben immer nach einer gewißen bestimmten Reihe von
Wellen eine hohle Welle. Im schwarzen Meer soll diese hohle Welle die zehnte,
an der Sclavenküste in Gvinea aber die siebente seyn. Dieses zu wißen
ist in der Schiffart große Wichtigkeit, indem die Schiffer es schon immer so abpa-
ßen müßen, daß sie eher anlanden, ehe an diesem Ort die siebende, an iener
aber die zehnte Welle nachkommt. Denn oft geschiehet es, daß ein Schiff, dem alle
andre Wellen nichts gethan haben, wenn es von der hohen Welle überrascht
wird, ohne alle Gnade sinken muß. Die Ursache von diesem Phoenomeno ist in dem
Laufe eines plani inclinati zu suchen.

/ ≥ Anmerkung ad. nr. 1.

/Die Tiefe des Meeres und mit ihr die Länge der Wellen nimmt zu, je weiter
man in unserm Welttheil nach Westen kommt. So ist das Meer bei Assow,
oder der Pallus Maecticus und die Strasse von Caffa nur 6 %Fuß tief. Denn kommts
im mitteländischen Meer schon immer tiefer bis nach der spanischen See und dem
Ocean, wo es am tiefsten ist. Von hier nach der Nordsee nimmt die Tiefe wieder sehr ab,
und in der Ostsee ist es wieder an manchen Stellen ganz untief. Daher sind auch
die Wellen in der Ostsee weit kürzer und also gefährlicher als in der Nordsee, und hier

/ schon

/|P_27

/schon viel zurükschlagender als in der spanischen See, wo es wegen ihrer großen
Tiefe auch sehr lange Wellen gibt. Ueberhaupt sind alle Meere die sich ins Land
hinein erstreken, immer untiefer als der Ocean.

/Daß die Wellen im schwarzen Meer so sehr zurükschlagen sind, hat Buffon aus
dem Zurükprallen der Winde, die über die Wallachey und Beßarabien wehen,
an dem Gebürge Caucasus erklären wollen, allein bei einer solchen Streke
von 150 Meilen kann das von keiner beträchtlichen Wirkung seyn.
Neben der Bank von Terreneuve, welche doch 60 bis 70 Meilen weit vom Lande
entfernet ist, findet man die Luft so neblicht und kalt, daß man daselbst im
Sommer Winterkleider anziehen muß. Eben das findet bei allen Rifs oder
solchen Landzungen statt, die sich weit unter der See erstreken, besonders
in den nordlichen Gegenden als bei Scagen in Norwegen. Der Nebel an solchen
Orten entsteht eben daher, weil es daselbst kalt ist, und also die Dünste verdikt
werden. So bringt z.E. ein Stük eis, das aus dem Eismeer in <eine> warme Gegend
getrieben wird, allemal viel Nebel mit sich.

/Hohle See ist, wenn ohne Wind die See in einer starken Wellenbewegung ist.
Freilich muß ein Sturm vorhergegangen seyn, sonst wird das Meer ganz stille
bleiben. In der hohlen See ist das Schiff ein bloßes Spiel der Wellen. Man kann es
auf keine Weise steif halten, so daß es sich den Wellen entgegen setzen könnte,
weil es keinen Wind hat, sondern ganz der Gewalt der Wellen überlaßen,
schwenkt es sich von einer Seite zur andern, die Waaren in demselben fangen
an zu rollen, und zertrümmern von innwendig das Schiff, welches oft gar
an ein anderes getrieben wird.

/Die Alten behaupteten, daß die Brandungen könnten durch Oel gestillet werden.
In neuern Zeiten hat man Versuche darüber angestellt, aber noch nichts entscheiden
können. Doch hat die Societät der Wissenschaften in Brüssel die Sache vor richtig befunden.
Die Bewegung des Meeres durch die Winde kann gar nicht bestimmt werden,
weil der Wind selbst unter keiner Regel steht.

/Die Wellen sind keine fortrükende sondern nur eine schaukelnde Bewegung.
Man kann sich das Meer als aus unendlich vielen Waßersäulen bestehend vorstellen, von
welchen keine sich fortbewegt, sondern alle nur entweder steigen oder fallen;

/|P_28

/2. Von der Ebbe und Fluth. Das Meer schwillt in 24 Stunden 2 mal auf, welches die
Fluth heist, und ziehet sich 2 mal von den Ufern zurük, welches die Ebbe genannt
wird. Die gröste Fluth ist nachdem der Mond durch den Mittagszirkel, der durch
den Ort gehet, entweder oben oder unten durch gegangen ist. Die gröste Ebbe
geschieht <6 Stunden> sowohl zuvor als hernach. So wie der Mond den folgenden Tag 3/4 Stunden
später durch den Meridian desselben Orts gehet so verspätet sich auch die Ebbe
und Fluth auf eben dieselbe Zeit. Im neuen und vollen Licht sind beide
größer als in den Vierteln. Zur Zeit des Aequinoctii sind sie in diesem Licht
am größesten und denn heist sie die Springfluth, sonst die Todte Fluth.
Die Ostsee, das Caspische Meer hat keine, die mittelländische See aber
nur eine. Die gelinde Abschüßigkeit des Ufers trägt auch viel dazu bei;
sie sehr merklich zu machen, obgleich das Waßer nicht höher als anderwärts
steigt noch tiefer sinkt. Die Winde, so die Fluth und Ebbe treiben haben auch
ihren Antheil daran. Die Lage der Küste zieht diesem Wechsel des fluthenden
Meeres eine große Unregelmäßigkeit zu. Die Ursache der Ebbe und Fluth
ist <in> dem vereinigten Anziehen des Mondes und der Sonne zu suchen. Newton
hat bewiesen, daß alle Weltkörper einander anziehen. Die Gewäßer unter
dem Monde werden sowol auf der dem Monde zugekehrten als abge-
kehrten Seite erhoben und 90 Grad von dem Meridian diesen Oerten sinket
das Waßer. Die Anziehung der Sonne hebt das Waßer 2 Fuß hoch, des Mondes
aber 8 Fuß hoch. Durch die Beschaffenheit der Landesküsten wird aber beides
an manchen Orten viel höher getrieben. Im Neu- und Vollmond verbinden sich
beide Anziehungen und daher entsteht die Springfluth. In den Vierteln aber
ist das Anziehen der Sonne dem Anziehen des Mondes entgegen. Daher schwächt
die Anziehung des einen das Vermögen des anderen und wir haben alsdenn
die todte Fluth vornemlich zu der Zeit wenn Tag und Nacht gleich ist. Der
Nutzen der Ebbe und Fluth ist vielfältig. Es gibt an der Mündung vieler
Häfen Barren, oder nahe unter der Oberfläche des Waßers verborgene
Sandbänke, über welche man bei hoher Fluth kommen kann. Mit der
Ebbe sowohl als mit der Fluth kann man oft wider den Wind

/ in

/|P_29

/in der See fortkommen, und wie zu London von entgegengesetzten Gegen-
den ankommen und wegreisen.

/Anmerkung ad nr. 2.

/Die Ebbe und Fluth findet an allen Küsten statt, die am Ocean oder doch an
solchen Meeren liegen, die mit dem Ocean in großer Verbindung stehen. Denn
nur hier ist es möglich, daß das Waßer ohngehindert ab- und zulaufen kann.
Wo sich aber das Waßer durch enge Straßen durchdrängen soll, da kann keine
Ebbe und Fluth seyn. Daher hat auch die Ostsee keine Ebbe und Fluth, weil
der Sund zu enge ist, als daß eine ungeheure Menge Waßer sich in so kurzer
Zeit durch ihn bewegen könnte. Eben das ist die Ursache, warum im mittel-
ländischen Meer ebenfalls keine merkliche Ebbe und Fluth statt findt, weil
nämlich die Straße von Gibraltar nicht breit genug ist zum Ab- und Zulaufen
des Wassers. Fluth nennt man das Erhöhen des Meers über den mittlern Stand,
und Ebbe das Untersinken des Waßers unter denselben. Man darf sich also nicht
vorstellen, daß bei der Ebbe alles Waßer ablaufen müße, ob es gleich aus andern
Ursachen an manchen Orten geschieht.

/Wenn keine Hinderniße da wären (so würde es seyn wenn die Erde ganz
mit Waßer bedekt wäre) so müste allemal wenn der Mond im Horizont auf-
und untergeht, die gröste Ebbe, und wenn er am höchsten oder am niedrigsten,
d. h. im Zenith oder im Nadir des Orts steht, die gröste Fluth seyn. Denn würde
man auch die Höhe und Tiefe der Ebbe und Fluth genau nach der Attraction
der Sonne und des Mondes bestimmen können, wie in den Dictatis geschehen. Da
nun aber das Waßer in seiner Bewegung durch die Küsten allenthalben bald
stärker bald schwächer gehemmet wird, so ist auch dies Phänomen nach Ver-
schiedenheit des Landes gar sehr unterschieden. So gibt es im atlantischen Meer
eine Zukerinsel, wo die Springfluth nur 3 Fuß ist, und im Canal hingegen
bei Frankreich einige Stellen, wo die Springfluth wol bis 70 Fuß hoch gehet.
Ohngeachtet aller Hinderniße, welche die Küsten dem Ab- und Zulaufen des Meeres
entgegenstellen, hält doch die Ebbe und Fluth ihre beständige Zeit, so, daß eine
allemal 3 Stunden nach dem Auf- oder Untergange, diese hingegen eben so lange

/ noch

/|P_30

/nach dem höchsten Stande des Mondes <im Meridian> vor sich gehet. Die Fluth dauert gewöhnlich
nicht so lange, als die Ebbe. Wenn das Waßer an einer Küste 5 Stunden fluthet,
so ebbet es 7 Stunden. An einer Küste sind oft Oerter, wo Fluth und Ebbe
sich gerade entgegengesetzt sind. So ist zE in Hamburg Fluth, wenn in
Holland Ebbe ist und umgekehrt.

/3. Von den allgemeinen Bewegungen des Meeres von Morgen gegen Abend.
Allenthalben weit von der Küste der Länder beweget sich das Weltmeer von
Morgen gegen Abend, besonders in der Zona torrida. Die Ursache ist in der Ebbe
und Fluth zu suchen, welche nothwendig, weil der Mond sich um die Erde von
Morgen gegen Abend zu bewegen scheinet, demselben in diese Richtung
folgen muß. Aber der Ostwind, der den Ocean im heißen Erdstrich beherrscht,
thut auch viel dazu.

/4. Von den besondern Bewegungen des Meeres, die von dieser allgemeinen
herrühren. Die Meerströme sind entweder beständig oder periodisch. Unter die
erstern gehöret der Strom, der zwischen Madagascar und dem vesten Lande
in Africa strömet. Ferner der von dem Vorgebürge St._Augustin in Brasilien
nach den antillischen Inseln fließt, der welche die Straße la_Mere von Westen nach
Osten durchschneidet, und der, welcher in der Magellanischen Meerenge mit ent-
gegengesetzter Richtung strömet. Alle diese Meerströme sind nichts anders
als Wirkungen der Meeresbewegungen durch den Mond oder durch Winde,
in so ferne ihnen durch die Küsten eine besondere Richtung gegeben wird. Die
erste Meerströme ziehen selbst gegen den Wind. Es sind Ströme in den Indischen
und andern Meeren, welche mit den periodischen und andern Winden abwechseln
und jederzeit ihre Richtung behalten. Wo die Ströme zwischen Inseln und Sand-
klippen streichen, sind sie heftiger als im offenen Meer. Viele Ströme, deren es
im Westindischen sonderlich im Mexicanischen Meer gibt, ändern ihre Richtung
der Ebbe und Fluth gemäß.
Meerströme welche durch Winde erregt werden sollen,
setzen zum Voraus, daß der Wind lange anhält, als ganze Wochen und Monate
denn sonst wird der Wind zwar die Oberfläche des Waßers in Bewegung setzen und
Wellen machen, niemals aber einen merklichen Strom hervorbringen.

/ So

/|P_31

/So hat das mittelländische Meer bei der Straße von gibraltar zwei Ströme.
1.) einen obern Strom
d. h. einen solchen der die Oberfläche des Waßers bewegt,
welche aus dem atlantischen Meer in das mittelländische Meer fließt, und zwar
darum, weil letzteres niedriger steht als das erstere. Dieser niedrige Stand
des mittelländischen Meeres aber rührt daher, weil dasselbe wegen seiner
Salzigkeit vielmehr ausdünstet als das atlantische Meer in welches sich noch
dazu sehr viel Flüße ergießen. 2.) einen untern Strom der mit entgegengesetzter
Richtung aus dem mittelländischen Meer in das atlantische fließt und zwar
darum, weil das salzige Waßer in dem mittelländischen Meer wegen seiner
Schwere und seines Drucks sich nothwendig einen Ausgang verschaffen muß.
Auch durch pure Ausdünstung können Meerströme entstehen, welches das Todte Meer
bezeuget. Denn dieses Meer das nichts anders als ein großer Salzstreich ist,
trocknet im Sommer wegen seiner starken Ausdünstung, welche nicht einmal der ganze
Iordan mit seinem Waßer ersetzen kann, dergestalt ein, daß es seine Küsten
gänzlich entblöst. Alsdenn nun entsteht in dem selben ein Strom, der durch das
ganze todte Meer fließt und zwar mit einer solchen Schnelligkeit, daß auch
der stärkste Schwimmer nicht wieder den Strom schwimmen kann. Dieser Strom hört aber
sogleich auf, sobald die Ausdünstung schwächer wird.

/ ≥ Anmerkung ad Nr. 4.

/Da nur ein beträchtlicher Fluß nämlich der Nil in das mittelländische Meer fließt,
solches aber seiner Salzigkeit wegen stark ausdünstet, so muß es nothwendig
weit niedriger stehn, als der Ocean oder das Atlantische Meer, welches gerade eben
so viel Waßer durch die Flüße wiederbekommt als es ausdünstet, und daher
läuft das atlantische Meer in das mittelländische Meer über. Die Salzigkeit des
mittelländischen Meeres rührt eben daher, weil es nur so wenig Flußwaßer bekommt.
Aus eben derselben Ursache läuft auch das schwarze Meer, in welche sehr große
Flüße, als der Bog, der Dnieper, die Donau sich ergießen, in das mittelländische Meer
über. Das Waßer des letztern aber drängt, wegen seiner aus der großen Salzigkeit

/ entst.

/|P_32

/entstehenden Schwere, von unten weg und drükt das Waßer seiner beiden Seiten
Meere aus der Stelle, und macht also einen untern Strom. Würde die Straße
bei Gibraltar und bei Dardanellen verstopft, so würde das mittelländische
Meer so weit austroknen, und sich von dem Lande zurükziehen, bis es einen solchen
Raum einnähme, daß seine Ausdünstung gerade mit dem Zufluß an Waßer im
Gleichgewicht stände. Das schwarze Meer hingegen würde dem große Ueber-
schwemmungen verursachen, bis es sich wieder nach dem mittelländischen Meer
einen Weg bahnen würde. Vielleicht sind nicht auf diese Art die Meerengen
selbst entstanden. Aus eben dem Grunde befürchtet ein «anderer» holländischer Gelehrter
daß Holland mit der Zeit ganz überschwemmt, und nicht eher vom Waßer wieder
befreiet werde, bis die von den Einwohnern geschüttete Dämme alle insgesamt
niedergerißen seyn würden.

/5. Von den Meerstrudeln. Viele geschehen auch durch die reciproke Bewegung
des Meeres in der Ebbe und Fluth, weil sie sich nach dem Monde richten. So gehet
zE der Meerstrudel an den Küsten von Iapan zur Zeit der Ebbe vor sich. Der
Meerstrudel an der Norwegschen Küste ist nicht anders als ein nach dem Monde
abwechselnder Meeresstrom, welcher durch die Lage der Küsten, Inseln und Felsen
nach und nach um alle Striche des Compasses gedrehet wird, daher er in der
Zwischenzeit zwischen Ebbe und Fluth ganz ruhig ist. Indeßen kommen auch
einige Meerstrudel von den Meerströmen her, die vom Winde erregt werden
zE der Charibdis in der Straße Von Messina. Der Charibdis wird von 2 Strömen ge-
macht, die sich wenn ein starker Südwind weht, in der Straße bei Messina be-
gegnen, und wovon der nordöstliche an den Italiänischen Küsten, der Südwest-
liche aber an den Barbarischen Küsten fließt. Iedoch ist dieser Meerstrudel großen
Schiffen gar nicht gefährlich.

/ ≥ Anmerkung ad Nr. 5.

/Außer dem Mälstrom, und der Scilla und Charibdis dicht vor dem Hafen zu
Messina gibt es noch bei der Insel Negroponte, die vormals Euboea hieß, einen Meer-
strudel Euripus genannt, worin sich nach der Sage der alten Dichter Aristoteles, da er
ihn nicht hatte ergründen können, soll hineingestürzt haben. Er beruhet auf der Ebbe und Fluth.

/ 6.

/|P_33

/6. Warum das Meer von den Flüßen nicht voller werde. Die Ausdünstungen nehmen
ebenso viel weg, als die Flüße hineinbringen. Halleys Ausrechnung beim todten
Meer, welches täglich 19 Millionen Tonnen Waßer ausdunstet und durch den
Iordan höchstens 6 Millionen <Tonnen> bekommt. Daher ist nicht nöthig anzunehmen,
daß die Meere eine unterirdische Gemeinschaft haben, wie solches von dem Caspischen
Meer, vom persischen Meerbusen, vom mittelländischen Meer und vom rothen
Meer angegeben wird. Ein Meer welches mit dem Ocean keine Gemeinschaft
hat, ist ein Bassin welches so lange mit Waßer angefüllt wird, bis seine
Oberfläche so weit zugenommen, daß die Ausdünstung der durch die Flüße zuge-
führten Gewäßer gleich ist. Es können aber auch inländische Meere seyn,
die mit dem Ocean durch Meerengen Gemeinschaft haben, und durch die in
ihnen sich ergießende Flüße mehr Waßer bekommen als sie durch die Ausdünstung
verlieren: denn strömet das «F»Waßer aus ihren fretis heraus z. E. Bei dem schwarzen
Meer und der Ostsee; oder sie haben weniger Zufluß, als die Ausdünstung
wegnimmt; und alsdenn dringend beständig durch das fretum das Gewäßer
des Oceans hinzu, wie bei dem mittelländischen Meer. Es müßen hiebei die
2 widrigen Ströme in den fretis erklärt werden da zE das obere Waßer
im Sunde aus der Ostsee herausfließt, das untere Waßer aber aus der Nordsee
in die Ostsee ziehet. Imgleichen da das obere Waßer im schwarzen Meer
durch die Dardanellen ins griechische Meer fließet, und das untere Waßer
in entgegengesetzter Richtung zurükströmet. Dahingegen fließt das Waßer
des atlantischen Oceans durch die Meerenge von Gibraltar oberwärts ins
mittelländische Meer, und in größerer Tiefe findet man bei eben diesem
Freto einen Strom der aus dem mittelländischen Meer ins atlantische geht.

/7. Ob das Meer in allen seinen Theilen gleich hoch ist. Einige Autores haben
behauptet: das rothe Meer sei höher als das mittelländische, und darum sei
es auch unmöglich beide durch einen Canal zu vereinigen. Eben so geben

/δLage_E.

/|P_34

/die Spanier vor, das atlantische Meer sei höher als das stille Meer, und
ein Canal der den Meerbusen von Panama durchschneide sei darum unmöglich.
Valerius [[Varenius]] sagt die Nordsee sei höher als die Südsee d. i. «daß»<als> der Busen der Nordsee
welcher an Amsterdam anspület. Allein alle diese Behauptungen schrei-
ben sich blos von politischen Ursachen her.

/ ≥ Anhang zur Geschichte des Meeres

/Das Eismeer unterscheidet sich von allen Meeren auf dem Globo

/1.) Durch das Eis, welches selbst im Sommer dasselbe gänzlich versperret. Zwischen
den Eisgefilden in diesem Meer welche so groß als ganze Länder sind, flie-
ßen bisweilen besonders im Sommer, wenn die Sonne einigermaßen das
Eis zu schmelzen anfängt, große Meerströme, auf welche man immerhin
sicher genug fahren könnte, wenn nicht das daselbst befindliche Pakeis,
welches sich in den Strömen aufhält, die Schiffarth gefährlich ja unmöglich
machen «¿¿»möchte, denn so bald dieses von den Winden zusammengetrieben wird,
so ist der Untergang und Umsturz der Schiffe unvermeidlich. Was die Dike
des Eises betrift, so hat Capitain Coocke [[Cook]] in seiner letzten Reise das Eis in dem
Australischen Meer 200 Fuß über dem Waßer hervorragend und unter
dem Waßer noch 1.800 Fuß, folglich über 2.000 Fuß dik gefunden, indem
das über dem Waßer hervorragende Eis nur den zehnten Theil seiner ganzen
Dike betrug. Das Waßer des Eismeeres ist süß und könnte folglich getrunken
werden, wenn es nicht wegen der in demselben häufig befindlichen fixen
Luft in dem Menschen Drüsen hervorbrächte.

/Alles dieses Eis verbreitet im Sommer einen Nebel wodurch es den vorbei Reisenden
wie ein Land aussieht, und öfters Unwißenden, indem sie in der Hofnung
ein Land erfunden zu haben, daselbst anlanden wollen, zum grösten Unglük
dient. Von weitem sollen sich die Eisberge und auf einander gehäufte Eis-
schollen unter der Hülle des Nebels den Augen der vorbeifahrenden wie
Thürme und Vestungen oder auch wie Felsen darstellen. Aus Island berichtigte
man vor einigen Iahren, daß das Eis, wenn es a«us»neinander getrieben wird,
zu brennen anfangen. Es ist dieses aber vielmehr von dem Treibholz, so sich häufig
in demselben befindet, zu erklären, welches von dem Eisschollen öfters derge-
stalt zusammengepreßt wird, daß es wegen der starken Reibung in lichte Flammen
ausbricht.

/ 2. durch

/|P_35

/2.) Durch das Treibholz. Es sind große Länder an dem Eismeer, wo kein einziges
Gesträuche geschweige denn ein Baum wächst. Die Einwohner dieser Länder müsten
also nothwendig wegen des großen Mangels an Holz, von der Kälte ganz un-
erträgliche Beschwerden erdulden, wenn es nicht die Vorsehung also veranstaltet
hätte, daß eine ganz unglaubliche Menge von Holz zur See an selbige
Küsten angetrieben würde.

/An den Küsten von Sibirien und Island ist das Holz gleich den Wellen angehäuft,
und besonders im letzten Lande ein solcher Ueberfluß davon, daß man so gar
bis in die entlegensten Oerter Handel damit treibt. Dieses Holz ist aber nicht
blos Brennholz, sondern man findet daselbst auch fast alle Arten von dem
schönsten Färbeholz, dergestalt daß auch selbst das rare Holz, welches nur allein
in Compecte in Iukatan wächst, daselbst angetroffen wird.

/Woher diese erstaunliche Menge Holz herkommt, ist noch immer menschlichten Einsichten
wunderbar und unaufgedekt. Doch ist zu merken, daß dieses Holz sehr oft
von Holzwürmern durchwühlt ist, welches genugsam zeiget, daß es aus heißen
Climatibus herkomme, wie denn auch durch die Magellanische Straße eine
solche Menge Holz aus Südost nach Nordwest geht, daß oft die Schiffe des-
wegen in große Gefahr geraten, und bis weilen ganz Wochen und Monate
in den Häfen stille liegen müßen, um nur vor dem Holzgange gesichert zu seyn.

/ ≥ §_5.
/Von den unbekannten Ländern

/Einige sind nur Theile von bekannten Ländern, als das neue südliche America,
das innere Africa, andere sind nur an ihren Vorgebürgen, und eigentlich blos
an einigen Küsten bekannt. Zu diesen gehören Grönland, Neuholland und einige
Spitzen des Australen Landes. Noch andre werden nur vermuthet zE Meerinseln
im stillen Meer, große Ausstralländer u.s.w. Bei einigen ist man noch beschäftigt
Entdekungen zu machen als durch die Durchfarth in Nordost und Nordwest, da von
die erstere durch die Holländer und Russen, die andere durch die Engländer
versucht wird. Vom alten und verlorenen Grönlande welches dem neuen
gegen Osten liegt. Wenn wir America ausnehmen, wovon wir nur anmerken,
daß der Name Westindien blos auf die Antillischen Inseln geht so müßen wir bekennen,

/ daß

/|P_36

/daß denen Alten wirklich mehrere Länder und zwar das Innere derselben be-
kannter gewesen sind als uns. Sonst ist die große Bucharei, welche von den Persern
Usbek genannt wird, schon seit einigen Iahrhunderten von keinem Europäer
besucht worden. Es wäre aber zu wünschen, daß dieses Land den Europäern be-
kannter wäre, indem es sehr den Anschein hat, daß dasselbe eines der ersten Länder
gewesen sei, welches in Asien bewohnt worden, und zwar aus folgenden Ursachen
1.) Es ist ein sehr hohes Land und es haben folglich bei den vielen Revolutionen
welche die Erde aushalten müßen, die Einwohner derselben dahin flüchten
können. 2.) Wir finden auch, daselbst alle Hausthiere die wir nur irgend
antreffen, wild z.E. wilde Hunde, Katzen, Schafe. Vor Zeiten thaten die
Rußen und griechen große Landreisen, anitzt aber sind blos die Amerikaner
welche noch <dazu> lauter Kaufleute sind, die einzige Nation in der Welt, welche
starke Landreisen unternimmt. Die vornehmste Ursache, warum die Euro-
päer itzt nicht so große Landreisen anstellen, ist vornemlich diese: weil sie sich
denen Barbaren und Wilden sehr verdächtig gemacht haben.

/ ≥ §_6.

/Von den Inseln. Die größesten sind Neuholland, Borneo, Madagascar und Iapan.
Die mehresten liegen zwischen den tropicis. In der Naheit des vesten Landes sind
sie häufiger als weit von demselben im offenen Meer. Was eine Archipeagus
sei zE der Molukischen, Philippinischen und Latronischen Inseln. Von schwimmen-
den Inseln. Es gibt auch einige Insel die sonst bekannt genug gewesen sind.
itzt aber gar nicht mehr können gefunden werden. zE. die Salomonis
Inseln. Ferner Grönland in Absicht auf seine Ostseite. Diese Küste war beson-
ders den alten Norwegern bis zur Zeit der Königin Margaretha bekannt,
denn man findet noch in den Archiven zu Coppenhagen, daß in Grönland
2 Bischöfe und 3 Klöster gewesen sind. Nach dieser Zeit ist dasselbe mit hohen
Eisbergen dergestalt versperret worden, daß es unmöglich ist, selbiges <wieder> zu entdeken,
es sei denn, daß das Eis durch starke Ströme weggetrieben würde. Da die Entdekung
einer Durchfarth durch das Eismeer, den Europäern zu einem sehr erheblichen Nutzen
gereichen würde, so denkt man bis itzt auf zwei Passagen.

/ 1.)

/|P_37

/1.) Auf eine Nordostpassage, welche die Holländer gesucht haben, und die Rußen
itzt suchen. Ihre Absicht ist, ob sie nicht von Archangel durchs Eismeer nach
Iapan kommen könnten.

/2. Auf eine Nordwestpassage, welche die Engländer suchen. Was dem Europäer dabei
interessiret ist dieses, daß er als denn gar nicht den Aequator passiren dürfte.
Von den Klippen und Sandbänken. Vergleichung der Sandbänke und Inseln.
Sandbänke an den Ostiis der Flüße. Die Sandbank bei Terre Neuve, welche felsigt
ist, ist die berühmteste unter allen und ist tief genug unter dem Wasser, um
herüber zu schiffen. Sie ist als ein unter dem Waßer gelegener Felß anzusehen,
der oben ganz platt und von einem Ende zum andern 150 französische Meilen
lang ist, und ohngefehr 50 breit. Er steht 40 bis 50 Faden tief unter dem Waßer,
und ist ganz steil abgschnitten, so daß man nahe dabei auf 150 Faden keinen
Grund findet. Die Sandbänke unterscheiden sich von den Inseln nur gemeinhin
darin, daß sie unter Waßer stehen, und sind entweder

/1. Felsbänke. Diese liegen nun entweder

/a. frei im Meer und sind mit Waßer umgeben oder

/b. sie machen den Saum des Landes aus. Denn heißen sie Bahren. Sonst sind
auch die Bahren sehr häufig vor den Häfen, durch welche Ströme fließen, und
machen große Schwürigkeit. Dergleichen Bahren haben bisweilen greuliche Bran-
dungen zE bei der Küste von Guinea, nach der Sclaven_Küste zu. Eine Bank, die
sich wie eine Landzunge oder Halbinsel unter der See bis weilen über eine
Meerenge erstrekt, nennen wir einen Riff zE die Adamsbrüke bei Ceilon,
nach der Küste Madera zu ist ein solcher Riff bis weilen ein guter Ankerplatz
für Schiffe. Unter diesen Felsenbänken ist wohl die zu «¿¿» <terre> neuve die berühmteste,
welche besonders wegen der Fischerei bekannt ist.

/2. Sandbänke, wobei wir anmerken, daß alle Inseln nichts anders als die Spitzen
solcher Sandbänke sind. Eine Reihe solcher Inseln ist ein Archipelagus, und man
kann daher diese Benennung allgemein nehmen und zE sagen der
Archipelagus der Maldiwen.

/3. Corallenbänke, welche weder Fels noch Sandbänke sind. Das rothe Meer ist ganz
voll von solchen Corallenbänken, und auch viele Inseln im Südmeer sind mit solchen
Corallenbänken umgeben.

/ Von

/|P_38

/Von den Inseln überhaupt merken wir noch an, daß sie fast immer theils an den Küsten
selbst, theils an ihrer Ostseite liegen. Daher findet man auch im West-
meere nur sehr wenige Inseln.

/ ≥ §_7.

/Allgemeine Betrachtung des vesten Landes und der Inseln.

/Gleichwie der Boden des Meeres eigentlich nur ein Thal ist, das mit Waßer über-
schwemmt worden, so ist alles Land ein Berg, deßen Fuß im Grunde des Meeres
anzutreffen ist. Alles Land hat dem zufolge einen Abhang von den Gegenden
seiner grösten Erhohung, bis in die Tiefe des Meeres. Die oberste Höhe des
vesten Landes ist mit Gebürgen besetzt, die nach der grösten Länge desselben
fortlaufen. Auf die abschüßige Fläche des Landes laufen Flüße herab, die
in den Gebürgen ihren Anfang nehmen. Das veste Land hat seine größeste
Erstrekung auf der nordlichen Seite. Ie näher es nach Süden ist, ie mehr ver-
lieret es sich ins Meer, daher die Landespitzen und Halbinseln mehrentheils
nach Süden gerichtet sind. Man findet, wenn man den Lauf der Flüße beobachtet,
daß das meiste Land gegen Süden und Westen steiler und abschüßiger
ist, als gegen Osten und Norden.

/ ≥ §_8.

/ Von den Gebürgen.

/Die Gebürge sind eine Kette von Bergen, welche die höchste Gegend des Landes
nach der Länge seiner größesten Erstrekung einnehmen. In einer Reihe
von Gebürgen ist wiederum eine Gegend derselben die höchste, von da nach beiden
Seiten die Berge immer niedriger werden, bis sie sich ins Meer allmählich ver-
lieren. Die Gebürge werden eingetheilt in Vorgebürge, mittlere Gebürge,
und hohe Gebürge. Die größeste Länge von Europa ist von der westlichen
Küste Portugals bis an die Meerenge des schwarzen Meeres zu rechnen,
und in dieser Richtung geht eine einzige Kette von Gebürgen fort,
die hin und wieder verschiedene Benennungen bekommt. Alle Halbinseln und
Landspitzen haben in der Mitte ein Gebürge, welche sie der Länge nach
durchläuft zE das Apenninische in Italien. Eben so werden die Inseln in ihrer

/ Länge

/|P_39

/Länge von Gebürgen durchschnitten zE Sumatra Madagascar. Die Hauptgebürge
laßen so zu sagen nach der Seite Nebenäste laufen, wie die Alpen, die Apeninnen
und der Taurus. Die untersten Berge laufen mit den Meeresküsten, die ihnen
am nächsten sind, parallel; wo aber 2 Gebürge sich einander durchschneiden,
da suchet man einen Meerbusen, der sich in das tiefe Thal ausbreitet, das
auf solche Weise gemacht ist.

/Anmerkung ad §_8.

/Die große Kette von Gebürgen ist dem Aequator weit näher, als den Erdpolen,
und erstreket sich auf dem alten Erdtheile, weit mehr von Osten gegen Westen,
als von Norden gegen Süden, in der neuen Welt hingegen weit mehr von Norden
gegen Süden, als von Osten nach Westen. Das bemerkungswürdigste hiebei ist, daß
man von diesen in Ansehung der Form und ihres Anfanges durchaus un-
regelmäßig scheinenden Gebürgen, dennoch so zusammenhängende und über-
einstimmige Richtungen wahrnimmt (siehe des HE Bouzguet [[Bourguet]] Lettres Philosoph:
Seite 181.) daß beständig die hervorragenden Winkel des einen Gebürges,
den entspringenden «Gebürgen» Winkeln des benachbarten Berges entgegen
stehen, welcher durch ein Thal, oder durch eine Tiefe von ienem getrennt wird.
Entgegengesetzte Hügel haben immer beinahe einerlei Höhe. Ueberhaupt
nehmen die Berge die Mitte des vesten Landes ein und durchschneiden die
Inseln, die Vorgebürge und übrigen hervorstehenden Erdstriche, den grösten
Theil ihrer Länge nach. Büffon.

/ ≥ §_9

/Von den Wüsten. Diese haben eine Aehnlichkeit mit den Gebürgen, weil alle
wahre Sandwüsten hochliegen, und mit Bergen umgeben sind. Die Wüsten
sind zu unterscheiden von den Einöden, welches Länder sind, die nicht bewohnt
werden, ob sie gleich bewohnt werden könnten. Wüsten aber sind solche Länder,
die zu bebauen gar nicht möglich sind. Oft sind solche Wüsten schon nach Be-
schaffenheit des Climatis unbewohnbar zE Nova Zembla. Bei allen Sand-
wüsten gibt es aber doch noch einige gute Striche Landes die bewohnt werden.

/ können

/|P_40

/können. Dadurch wird es begreiflich, daß auch in den grösten Wüsten doch noch
immer Einwohner sind, welche bequem und frei daselbst leben, und nach
Verschiedenheit des Landes sich bald hie bald dahin ohne Gesetz und einen Führer
begeben. Von solchen Nomadischen Völkern sind die vornehmste die Araber,
welches sich theils in den großen arabischen Wüsten, theils in der Wüste Sara
aufhalten. Die Rußen nennen solche Völker Steppvölker. Da nun in
diesen Wüsten sehr viele Salzgegenden sind, so können sich daselbst besonders
sehr viele Kamele ernähren, daher haben auch die Araber theils Kamele,
theils Pferde, theils Schafe. Alle Sandwüsten sind hohe Ebenen, und mögen zu
den ältesten Zeiten vielleicht stehende Meere gewesen seyn.

/Die Rußischen Steppen unterscheiden sich von den Sandwüsten besonders darin,
daß sie nicht mit Bergen umgeben sind, sondern gemeinhin zwischen
zwei Flüßen liegen. So ist zE zwischen der Donau und dem Dniester
die arabische Steppe. Sie sind an sich selbst würklich fruchtbar, nur mit
der Ausnahme, daß sie ganz frei von Bäumen und Gesträuchen sind,
noch weniger Waldung haben und nur zu einer Iahreszeit etwas Graß.
Die Luft scheint über alle diese Sandwüsten sehr wallend zu seyn. Denn
immer sieht man über sie einen schweflichten Dunst. Die Nächte sind
dabei gemeinhin immer sehr kalt. Die flatternden Dünste, welche man
Sonnenstaub nennt, machen daß die Gegenstände von weitem sehr groß
aussehen und der ganze Himmel mit beständigem Nebel verhüllt ist. Die
Qvellen sind in einer Wüste so tief, daß man bisweilen 100 bis 200 Fuß
tief graben muß, ehe man Waßer find. Da dieses noch über dem gro-
ßen Schwürigkeiten ausgesetzt ist, indem die Bäumen in einer Wüste
schon immer einen großen Platz einnehmen, weil sie immer stufen-
weise tiefer gehen, so daß fast 100 Menschen all ihr Vieh darinn tran-
ken und baden können, folglich schon ein wichtiges Pertinenz zu

/ einem

/|P_41

/meine Gebiete sind, so werden oft wegen eines einzigen Brunnens in einer
dürren Sandwüste große Kriege geführet. Diese Brunnen aber halten
fast immer Waßer von einem pech- und salzartigen Geschmack. Wir
können nicht immer sicher glauben daß die Steppvölker die älteste Nation
in der Welt sind, und die Araber so gewesen sind, wie sie itzt sind, so lange
uns die Geschichte von ihnen Nachricht ertheilt. Man findet auch bei diesen
Völkern sehr viel originelles zE Gastfreiheit, und ihre Lebensart ist eben
dieselbe, als sie bei den Patriarchen war. In den neusten Zeiten nennt
man auch die Sandwüsten platte Formen, welches nicht anders als
hohe ebene Länder bedeutet.

/Die Gebürge und Bergketten ziehen sich gemeinhin in die Runde und
machen Basseins, welche Thäler heißen und vermuthlich ehedem voll
Waßer gewesen sind

/ ≥ §_10
/Beobachtungen auf sehr hohen Bergen.

/1.) Dünne und sehr trokne Luft.

/2.) Es ist die Gegend ganz ohne Wind, ob sie gleich unten in den Thälern ofters
vasten, da es oben ganz stille ist.

/3.) Die Wolken gehen öfters niedriger als die Spitzen solcher hohen Berge, aber
auch öfters höher.

/4. Auf der Spitze der höchsten Berge ist ein immer währender Winter und ein niedriger
Schnee, der nur dadurch sich beständig aufzuhäufen scheint, weil öfters große
Klumpen desselben herabstürzen.

/5. Die Höhe der Berge über der Meeresfläche wird auf zwiefache Art gemeßen,
entweder geometrice, welches sehr weitläuftig ist, oder barometrice, in welchem
man durch viele verglichene Beobachtungen gelernt hat, die Höhe der Berge
durch den Fall des Qvecksilbers sehr genau zu finden. Wenn ich die Höhe der
Berge geometrisch meßen will, so muß ich von dem Ufer des Meeres die Spitze
desselben sehen können, wiewol ich auch dann, wenn ich seine Spitze nicht sehen
kann, mit kaumer <Noth> durch eine Kette von Triangel«¿»n. Die Höhe der Gebürge

/ geom

/|P_42

/geometrisch bestimmen kann. Wenn nun aber die Berge mitten im Lande liegen
so muß ich, wenn ich geometrisch verfahren will, erst die relation Höhe des
Berges, d. h. diejenige, welche der Berg von der Oberfläche worauf er steht, an bis
zu seinem Gipfel hat, meßen, diese denn mit der Höhe des Landes über der
Oberfläche des Meeres addiren und auf solche Art die absolute Höhe des Berges
finden. Da dieses aber unendlich viel Schwürigkeiten ausgesetzt ist, so muß
ich dabei den Barometer haben, wo der Qvecksilber nur durch den Druk der
äußern Luft aufgehalten wird. Ie höher nun der Berg ist, desto weniger
Luft drückt auf das Barometer, folglich wird dasselbe fallen. Nun muß
man berechnen, in was für einer Proportion die Luft mit der Zunahme
der Höhe des Berges abnimmt, zumal da die Luft nach ihren verschiedenen
Regionen bald dichter bald dünner ist.

/Die @Iähen@ von den Pirenäischen Gebürgen sind nur 8-10.000 Fuß hoch, die Alpen
hingegen sind nach den neuesten Nachrichten nicht viel niedriger als die
Kordilleren, welche von Norden nach Süden in Peru fortgehen und bis
20.000 Fuß hoch sind, indem sich die Höhe der Alpen bis auf 18.000 Fuß beläuft.
Der Pilatusberg hieß bei den Römern mons piliatus, weil wenn es Ge-
witter werden und regnen soll, sich eine Wolke in form eines Hutes
um denselben erhebt und ihn umgibt. Der Blocksberg in Deutschland, der eigent-
lich der Brocken oder der Bruch heist, weil nicht weit oben ein Bruch oder ein
Sumpf ist, ist gegen die Alpen gar nichts zu rechnen. Der Aetna ist auf
12.000 Fuß hoch. Weiterhin nach Norden als in Schweden scheinen die Berge
immer niedriger zu werden.

/ ≥ §_11

/Von dem Nutzen der Berge und Gebürge.

/Vermittelst der Höhe des vesten Landes werden einige Flächen der Erde, die sonst
in einem sehr heißen Climate liegen, in eine viel kühlere Luftgegend versetzt,
daher der Theil von Peru, welcher hoch liegt, nämlich das Thal Quito, ob es gleich
der Linie ganz nahe liegt, eine Witterung wie Frankreich oder Italien hat,
und eines immerwährenden Frühlings genüßt. Die Winde welche über die beschneiten

/ Berge

/|P_43

/Berge wehen kühlen die Thäler ab, und ein hoher Berg der in der Zona torrida
liegt, hat fast alle Climate in seinem Bezirk. Gebürge veranlaßen auch
den heftigen Regen, der in ihrem Bezirke fällt, durch welchen und den auf-
thauenden Schnee große Flüße entstehen, welche dürre Länder bewäßert erhalten.

/ ≥ §_12.

/Von den Hölen und Klüften der Berge.

/Viele Berge haben inwendig Hölen zE in Italien und der Schweitz. Im
Pilatusberg in dem Canton Lucern ist eine Höhle, die 300 Schritte fortläuft,
und 10-14 Fuß breit und 16 Fuß hoch ist. Die Höle von Antiporos, einer Insel
des Archipelagus, woselbst die Steine, welche wie Blumenkohl aussehen,
wachsen sollen. Man geht darin durch abschüßige Gänge, die sehr breit und hoch sind,
zu einer Tiefe von 150 faden, und von oben an 300 Klafter. Man findet darin
viele Naturspiele und Tropfsteine. Das Labyrinth von Candia ist schon von Natur
gemacht und nur von Menschen erweitert worden. Unter diesem Labyrinth
ist nicht jenes prächtige Gebäude zu verstehen, welches in Egypten von Daedalus
über der Erde erbaut wurden.
Der vornehmste Gang ist 150 Schritte lang.

/ ≥ Anmerkung ad §_12 ≤

/Die grösten Hölen (man sehe die Transact. philosoph. Abrigd. 2 Theil 323 Seite)
die tiefsten Bergwerke (s. Boyle's Works 3ter Band S. 232) reichen kaum
bis an den 8.000sten Theil des Durchmeßers der Erde. Büffon.

/Die Hölen der Erde sind entweder

/1.) Künstliche, welche von Menschen gemacht sind, zE der Steinbruch bei Mastrich,
wo man ordentlich zwischen steinernen Pfeilern fortgehen kann. Ferner die
Höle Polysyppo, wo man gerade durchfahren kann, wenn man von Rom
nach Neapel reisen will. Auch in den Steinkohlbergwerken gibt es solche große
Hölen, die durch das Ausgraben der Steinkohlen entstanden sind. ZE in England,
wo man in einem Steinkohlenbergwerk so gar bis unter den Grund der See
fortgehen kann. Auch in dem Krakauschen Salzbergwerke finden wir eine
ziemlich große Höle.

/ 2.)

/|P_44

/2.) Natürliche. Alle natürliche Hölen sind nur in Kalkgebürgen, wohin denn auch
dieienigen gehören, welche aus Gyps bestehen. In Granatgebürgen hingegen,
welche aus wahren Felssteinen bestehen, gibt es keinen. Eine sehr merkwür-
dige natürliche Höle ist die auf dem Adlersberge in Crain, wo man sich
wol eine Meile weit in den Berg hineinwagen kann. Ferner die Drachenhöle
in Ungarn, und die berühmte Baumannshöle bei Blankenburg in der
Grafschaft Wernigerode. Der ganze Czyrnitzer-See kommt aus solchen
Höle heraus, und verbirgt sich wieder darunter, daher die Abwechslungen
von Zu- und Ablaufen des Waßers in denselben. In der Baumannshöle
sieht man Tropfsteine, welche wie eine Orgel, und andre die wie ein
Taufstein darauf der Pater steht aussehen. Solche Tropfsteine entstehen
auf folgende Art. Das Regenwaßer seigert sich durch die Spalten in den
Kalkgebürgen durch, nimmt immer etwas von den Kalktheilen weg und
fällt denn herunter. Das Waßer dunstet weg und die Kalktheile bleiben
übrig, werden durch andre Tropfen, die wieder das Waßer «aus»<wege>dunste«te»n
vermehret und setzen mit der Zeit ganze Säulen und mancherlei Ge-
genstände an, denen die Einbildungskraft nachher Namen gibt. Wenn man
die Zeit berechnete, in welcher sich itzt Tropfsteine erzeugen, so könnte man
indem die Größe der Zeit itzt schon in den Hölen befindlichen Tropfsteine
damit verglichen würde, daraus auf das wahrscheinliche Alter der Hölen
selbst schlüßen. Die Alten pflegen auch Meldung zu thun von ganzen Na-
tionen, die in Hölen wohnten, das geschahe nemlich in solchen Orten wo kein
Holz war. Noch itzt findt man in Ungarn an einigen Orten, wo man kein
Holz hat, nur die Dächer über der Erde, die Häuser selbst aber in der Erde.
Die Ursache davon könnte aber nicht die seyn, daß sie sich etwa vor der
Hitze verbergen wollten, denn die Erde selbst wird besonders in ihrer
Oberrinde durch anhaltende Wärme erstaunent erhitzt, so, daß zuletzt die
Hitze in der obersten Rinde derselben bei weitem die Hitze über ihrer Oberfläche
übersteigt. Das sieht man noch itzt an den Egyptischen Pyramiden bei Cairo,

/ wo

/|P_45

/worin im Winter eine erschreckliche Hitze ist, weil die Sonne in den Sommermonaten
diese ungeheure Massen durchgehens erwärmt, und diese Hitze denn in den-
selben eingeschloßen wird und so zurückbleibt. Auch in Maltha wo kein Holz wächst,
leben viele Leute in ausgehauenen Hölen, die umso viel leichter in den Fels
eingehauen werden können, da er aus bloßen Schiefern besteht.

/ ≥ §_13.

/Von der Luftkälte und Luftwärme in der Tiefe der natürlichen und künstlichen Hölen. ≤

/Die Luft ist desto dichter und schwerer, ie tiefer die Hölen sind. In großen Tiefen
ist das ganze Iahr beinahe gleich. An einem der Carpatischen Gebürge ist eine
berühmte Höle, die einen abschüßigen Boden hat, man weiß nicht, wie tief
sie sich im Berge erstreckt. Wenn es im Winter draußen stark frieret, so
schmelzet alles Eis darin, und im Sommer frieret es unleidlich. sonst führt
Boyle an, daß in den Bergwerken, wenn man sich herabläßt, im sommer
zwar bei der zunehmenden Tiefe nach und nach kälter werde, doch aber,
wenn man noch tiefer kommt, die Wärme ansehnlich zunehme.

/ ≥ Anmerkung ad §_13.

/Alle Hölen sind im Sommer kälter, als sie es im Winter sind. Man kann damit nicht
unsere Keller vergleichen, denn diese sind im Winter zwar wärmer als die
äußere Luft, aber nicht wärmer, als sie selbst im Sommer sind, sondern im Sommer
nur kälter als die äußere Luft, aber doch weit wärmer als sie es im Winter
sind. Es kommt nemlich darauf an, daß wir den eigentlichen grad der Wärme
von unserem Gefühl derselben unterscheiden. Denn weil wir warmes Blut haben,
so meßen wir auch die äußere Wärme nach dem Verhältniß unsrer eigenen
Wärme, und sagen denn es sei an dem Orte entweder Kalt oder warm.
Das verhält sich aber ganz anders, wenn wir die Luftwärme nach dem
Thermometer beurtheilen, so findet bei uns im temperirten Climate in
einer Tiefe von 80 Fuß eine Wärme von 96 Grad des Fahrenheidschen Ther-
mometers statt, welches gerade der Grad unserer Blutswärme ist ZE im Keller
des observatorii in Paris. Ein solcher Keller hat auch <beständig> gleichen Grad der Wärme im Winter

/ sowol

/|P_46

/sowol als im Sommer. Denn so tief kann schon die Sommerwärme nicht würken. Aber
wie wenige Keller können 86 Fuß tief gegraben werden, wegen des hervor-
quellenden Waßers. Ein ganz besonderes Phönomenon dieser Art gibt eine
Höle im Carpathischen Gebürge, wo man im Sommer die ganze Höle mit Eis
ausgelegt, im Herbst solches schmelzend und im Winter sie von inwendig
ganz grün werdend siehet. In Champagne ist auch eine solche Höle. Eine Analogie
damit hat die bekannte Erscheinung, daß die vornehmste Ausdünstung der
Körper auf der Oberfläche eine Kälte im innern derselben hervorbringt.
So muß zE wenn man heiß gewordenes Selterwaßer kalt machen will,
naße Tücher um die Flasche geschlagen und diese in den Wind gesetzt werden,
wenn gleich die Sonne auf sie herabscheint. Daher muß auch kein Mensch der
schwitzig ist, in den Wind gehen. Hieraus kann man nun auch das Phönomen
in der Carpatischen Höle erklären. In solchen Hölen die locker sind, wirkt
im Sommer die Sonne sehr stark und bringt also viele Ausdünstungen darin
hervor, oben muß nur die Höle einem starken Winde ausgesetzt seyn, da-
durch wird die Ausdünstung auf ihrer Oberfläche vermehrt, und dadurch Kälte
in ihrem Innern selbst hervorgebracht. Des Weiters aber ist die Höle mit Schnee
bedeckt und entbehrt also des Windes und folglich auch der Ausdünstung.
Daher die Wärme derselben zur Winterszeit. Als die mittlere Wärme
in allen Hölen, sie mögen so tief seyn als sie wollen, nahm der berühmte
Dan. Bernoulli die Kellerkälte von 54 Grad des Fahrenheidschen Thermometers
an, denn er fand, daß er Keller des observatorii von Paris von 86 Fuß Tiefe,
ein Steinbruch bei Dünkirchen von 250 Fuß, und ein anderer von 340 oder
350 Fuß Tiefe in der Grafschaft Roussillon, die mit zum Pyrenäischen Ge-
bürge gehöret, daß alle diese Hölen die Wärme von 54 Grad gemein haben,
und daraus schloß er, daß dieses die allgemeine Wärme der Erde in ihrem Innern
sei. Er schloß daraus ferner, daß wenn man auch noch weiter tiefer in die
Erde hineinkäme, doch dieser Grad der Wärme beständig bleiben würde.
Allein Mons. de Neuron [[Mairan]], Secretaire bei der Königl. Academie der Wissenschaften

/ zu

/|P_47

/zu Paris, hat eine Abhandlung vom Eisen geschrieben, worin er, der sich doch
sonst schon als ein gewißenhafter und Einsichtsvoller Mann bewiesen hat,
behauptet, daß in den Bergwerken vom Elsaß der Grad der innern Erdwärme
sehr verschieden sey. Wenn man des Sommers aus der Luft in den Schach hinein-
komme, so sei hier die Wärme weit stärcker als dorten, und nehme ohne Ein-
schränkung immer zu, ie weiter man komme. Und wie viel Eiskälte, aber auch
hingegen siedend heiße Quellen gibt es nicht im Bergwerk, im Innern der Erde.
Man sieht also wohl, daß eine solche allgemeine Erdwärme nur im Gehirne,
nicht wirklich existirt, sondern es müßen andre Ursachen da seyn, welche be-
weisen, daß an dem einen Orte in gleicher Tiefe es entsetzlich heiß und an ei¥
nem andern entsetzlich kalt ist. Und diese Ursache liegen in einer Materie, die
man Kies nennt, und welche viele Kupfertheile in sich enthält, und weil sie cri-
stillisirt ist, so wie gelber Zuckerkant aussieht. Von dieser Materie liegen an vielen
Orten in der Erde ganze Strata. Wenn man nun in dem Bergwerck gräbt
und auf ein solches Stratum von Kies trift, so daß Luft dazu kommt, so ver-
wittert er, vorausgesetzt, daß er vorher feucht gewesen ist, erhitzt sich, und
schlägt öfters in helle Flammen aus. Im Grunde macht also der Mensch die Wärme
in der Erde, denn würde er nicht in der Erde graben und dadurch der Luft einen
Zugang zu dem Kies verschaffen, so würde dieser auch nicht verwittern und
folglich auch keine Hitze hervorbringen können. Hieraus läßt sich auch leicht
erklären, wie im Rommelsberge, im Harzgebürge in einem Schacht eine Qvelle
voll Waßer seyn kann, das Eiskalt ist, da doch in demselben Schacht eine
erstaunliche Hitze ist. Hier muß nemlich dadurch, daß man die Erde durch
einen Schacht abgeschnitten hat, der Kies entblößt worden seyn und da
durch die Hitze machen. An dem Orte aber wo die Eiskalte Qvelle ist muß
gar kein Kies «seyn» liegen. Daß sich über die innere Erdwärme nicht viel
positives sagen läst, sieht man auch aus diesem Beispiel. Als Gmelin in
Jackutzk am Lewastrom in Sibirien sich aufhielt, so war man beschäftigt

/ daselbst

/|P_48

/daselbst einen Brunnen zu graben. Allein man fand in einer Tiefe von 70 Fuß
das Erdreich noch immer gefroren und muste also mit der Arbeit aufhören.
Vielleicht könnte man mehr gewißes über die innere Erdwärme sagen,
wenn der Einfall des Maupertuis, den er in seinen Briefen, einer Sammlung
von allen zufälligen fliegenden Gedanken hat, wirklich wäre. Dieser große
Mann wünscht nemlich mit Recht, daß die Egyptischen Könige, anstatt
so ungeheure Werke, als die Piramiden sind, über der Erde aufzuführen,
vielmehr das Geld und die Leute darauf verwandt hätten, so tief in die
Erde hineinzugraben.

/ ≥ §_14
/Vorboten und Erscheinungen eines Erdbebens.

/Die Ratzen und Mäuse gehen aus ihren Löchern, oft kreucht auch ein verborgenes
Gewürme aus der Erde, die Thiere fürchten sich, die Menschen fühlen einen
Schwindel. Gemeiniglich ist die Luft vorhero still, aber electrisch. Allerhand
feurige Lufterscheinungen folgen, hierauf heftige Stöße, die kaum eine
Minute fortdauern, wobei die Erde hin und her schwanket, und nicht blos
senkrecht erschüttert wird. Das Meer flieht und läßt den Strand einige
Stunden trocken, bald kommt es wieder zurück. Diese Bewegung ist mehren-
theils mit einem unterirdischen Getöse als eines unterirdischen Sturmes verbunden.
Sie dauert in einem Anhalten schwerlich über 2 oder 3 Secunden.

/ ≥ §_15.
/Gegenden der Erde, die am meisten mit Erdbeben beschweret worden.

/Länder welche als der Fuß großer Berge anzusehen sind, oder als die Fortsetzung
derselben, sind mit Erdbeben beunruhiget zE Peru, Italien. Das Erdbeben
hängt nicht vom Climate ab, doch scheint es in temperirten Zonen, dem Frühlinge
und Herbst mehr als andern Iahreszeiten eigen zu seyn.

/ ≥ §_16.
/Ursachen und Wirkungen des Erdbebens.

/Die warmen Länder zeigen, daß Erhitzungen in dem Innern der Erde vorgehen.
Man kann dieselbe durch die Kunst nachahmen. eine mischung von Eisenfeilstaub,
Schwefel und Waßer in der Erde vergraben, bringt nach etlichen Stunden durch

/ eine

/|P_49

/eine Bewegung der Oberrinde, Dampf und endlich eine lebendige Flamme
zuwege. Alles Feuer erstickt aber durch den Mangel an Luft. Diese Bewegung
der unterirdischen Luft entstehet wie der Wind durch Erhitzung einer Gegend
vor der andern, und daraus kann das Rasseln, welches das Erdbeben begleitet,
erklärt werden. Es gehörete Waßer dazu, um die Salze und Mineralien aus
einander und in Bewegung zu bringen, daher kann der Regen, der sich
durch alle Ritzen und Spalten durchsäuget, das Erdbeben verursachen. Das
Meer ruhet mit einer großen Last auf dem Boden, und widerstehet der
unterirdischen Gewalt kräftig. Daher wird eine verdoppelte Stärke derselben
an den Ufern ausgeübet. Doch bebet auch das Meer, welches der unterirdischen
Hölen wegen in weiten Gegenden zusammenhängt, denn die Erdbeben breiten
sich aus einer Gegend in die andere entlegene und gehen oft einige 100 Meilen
unter der Erde fort. Es ist eigen, daß bei den Erdbeben fremde Dünste aus der
Erde in die Luft fahren, daher denn auch die Aenderungen der Witterung
entstehen. Die Gebäude die einen vesten Grund haben, leiden mehr durch Erdbeben,
als die leicht gebaut sind. Die Richtung des Erdbebens ist die Ursache des Unter-
gang der Straßen, die eben dieselbe Richtung haben.

/ ≥ Anmerkungen ad §. 14. 15. 16.

/Die Lander wo Erdbeben stattfinden sollen, müßen nicht weit von der See liegen.
Das Clima kommt dabei in δLäsion wenigem Betracht. Daß auch die Gegenden, wo keine
feuerspeiende Berge sind, δLäsion demnach nicht von Erdbeben ganz frei sind, zeigen
die Erdbeben in Schweden nahe bei den Kupferbergwerken, in England in
vielen Orten in Deutschland als in Wien und am Rhein, auf allen griechischen
Inseln, in Ungarn beim Carpatischen Gebürge, doch müßen in der Gegend wo
Erdbeben seyn sollen, allemal Berge seyn. In Preußen, Polen u.s.w. ist man
also wohl für Erdbeben sicher.

/Bei dem Erdbeben scheint die Electricität sehr im Spiel zu seyn, denn sie sind oft ganz local
und betreffen oft nur einzelne Personen auf der Straße, bisweilen springen ohne

/ daß

/|P_50

/daß man eine andere Ursache anzugeben weiß, bei einem schwachen Stoß
eines Erdbebens, einzelne Rauten aus den Fenstern ZE in Bologna. Eine
Wirkung von solchen elektrischen Ausdünstungen ist auch der Schwindel, welcher
die Menschen bei einem Erdbeben befällt. Alle herunterhängende Dinge
als die Kronenleuchter in der Kirche, geben durch ihr Schwanken die Annäherung
eines Erdbebens zu erkennen, selbst wenn das Erdbeben nur noch sehr schwach ist.
In Ländern wo die Erdbeben häufig sind, müßen die Leute nicht steinerne
Häuser bauen. Das war das Unglük für die Einwohner des Hafens Calao
bei Lima (denn die Stadt selbst steht noch) denen es auch die Indianer,
deren Häuser von Rohr bei dem nachmaligen Erdbeben unversehrt stehen blieben,
gleich anfänglich sehr ernsthaft abriehten.

/ ≥ §_17.
/Von den feuerspeienden Bergen. ≤ In allen Welttheilen gibt es derselben.

/In der Zona torrida und der nahe gelegenen Erdgegend sind die meisten.
Fast alle Moluckische Inseln haben einen solchen Berg in der Mitte. Einige
haben ehedem gebrannt und sind nun erloschen, andre sind ehedem ruhig
gewesen und haben sich nun eröfnet. Die Wirckungen dieser feuerspeienden
Berge sind bei einigen ein bloßer Rauch, bei andern ein Ausbruch von
Flammen, Auswurf von Steinen und Waßer. Es fließt oft eine Lawa,
oder ein Strom geschmolzener Materie heraus. Oefters spalten ganze Berge
mit großem Krachen, und bisweilen werden ganze Berge umgeworfen, wovon
viele Ruinen in Cordillarischen und in Peru anzutreffen. Das Toben
der feuerspeienden Berge hat mit dem Erdbeben diese Verknüpfung,
daß wenn ZE der Vesuv tobet, das Erdbeben nachläst, und wenn einer
aufhört Flammen auszuwerfen, die erde mit großer Gewalt bewegt wird.
Imgleichen findet man, daß, wenn von zwei nahe gegen einaner gelegenen
Bergen einer Feuer ausgeworfen hat, der andre ruhet und umgekehrt.
Die Ursache ist darin zu suchen, daß wenn das unterirdische Feuer bei einem

/ Erdbeben

/|P_51

/Erdbeben sich nur dadurch entzünden kann, wenn es einen Zugang frischer Luft hat,
daher der Berg, deßen feuriger Dampf überwärts getrieben wird, ruhet.
Sobald aber das Feuer sich entzündet, so stöst es die Luft von sich, und das
Feuer bleibt auf dem Heerde des Berges. Die Erdbeben geschehen auch mit ru-
higen Zwischenräumen, es hebt bisweilen Berge über dem vesten Lande empor.
Die Inseln des Archipelagus zeigen offenbaren ihren Vulcanischen Ursprung.
Im Iahr 1538 entstand bei Pozullo (in Italien) eine gewiße Oefnung in der
Nacht, woraus so viel Sand und Steine geworfen wurden, daß ein Berg daraus
entstand, der 400 Ruthen hoch war, und 3 Italiänische Meilen im Umfange hatte.
1720 wurde bei den Azorischen Inseln aus einem 120 Fuß tiefen Meeres-
grunde eine kleine Insel hervorgetrieben, die eine Meile breit war. 1707 ist
bei der Insel St_Orini im Aegeischen Meer aus einem 80 Faden tiefen Meeres-
grunde eine Insel, die 6 Meilen weit ist, durch ein Erdbeben empor
gehoben worden.

/Anmerkung ad §_17.

/Außer dem Hecla sind in Island Crabla und Catlagnia sehr wichtige feuer-
speiende Berge. Nachdem der Ritter Hamilton, englischer Gesandter in Neapel,
die Gelehrten aufmerksam gemacht hat auf die ausgebrannten Vulcane,
so hat man fast allenthalten in der Welt dergleichen gefunden, als in Bäyern
bei Eger und an manchen Orten in Deutschland. Man hat gewisse Kennzeichen,
woraus man schließen kann, ob an einem Orte oder Gegend ehemals feuerspeiende
Berge gewesen sind. Das beste Merkmal ist, wenn man Produkte der
Vulcane in einem Lande findet. Solche sind

/1.) die Vulcanische Asche, welche man in Italien tuffa nennt, und die Erde, welche man
daselbst terra pozullara heißt. Diese Asche sowol als Erde findet man auch im
Köllnischen in Deutschland unter dem Namen Troß, von dannen sie nach
Holland geführet wird, und daselbst den Namen Cemes bekommt. Dieses ist
nun ein sicheres Kennzeichen, daß Vor Zeiten in dem Churfürstenthum
Kölln ein oder mehrere Vulcane gewesen sind.

/ 2.)

/|P_52

/2.) Bimstein, wobei das Feuer nichts als die poröse Schlacken übrig gelaßen hat.

/3.) Der Säulenstein, welcher allgemein besalt heist und wie ein Pfeiler aussieth
Wenn dieser gegliedert und 5 oder 6 eckig ist, so heist er Riesenstein. Solchen
Besalt findet man sehr häufig im Königsgrätzer Kreise in Böhmen,
im Erzgebürge und Riesengebürge.

/4. Die Lawa, welches ein Strom von geschmolzenen Mineralien ist, die zusammen
ein dickes glüendes Fluidum ausmachen, welches sobald es an die Luft kommt,
erhärtet und zu Stein wird, denn die Lawa sitzt schlackenvest, worüber
man wegglitschen kann. Daher konnte Hamilton als er sich %anno 1779 bei der
Untersuchung des Vesuvs gerade zur Zeit seines Auswurfs zu weit gewagt
hatte, und von einem solchen Lawastrom abgeschnitten wurde, samt
seinem Führer (diese Leute werden doch Bartolomei oder Cicerone genannt)
unbeschädigt über denselben wegsetzen, doch war es ein Glück, daß dieser
Lawastrom nicht sehr breit war, sonst hätte Hamilton darin umkommen müßen.
Die verhärtete Lawa braucht man hernach zu Steinpflaster, wie uns davon
Bernoulli [[Brydone]] in der vortreflichen Beschreibung seiner Reise durch Sicilien
und Maltha Nachricht ertheilt. Man baut selbst Häuser von Lawa. Kommt aber
einmal ein anderer Strom von Lawa darauf zugefloßen, wo wird alles in ein-
ander geschmolzen, Häußer und Steinpflaster zerfließen, und werden mit
nach der See zugeführet. Aus dem Rauch der noch fließigen Lawa fahren
Blitze, welche oft einschlagen und mehr Schaden verursachen als die Vulcane selbst.
Die Lawa vom Aetna ist sehr schwammig und porös, die aber vom Vesuv
sehr dicht und veste. Im Anfange, wenn die Lawa aus dem Vulcan erst
herauskommt, rollt sie sehr geschwinde, allmälich aber geht sie immer lang-
samer und wendet sich von erhabenen Gegenständen weg, endlich stürzt
sie sich ins Meer. Denn ist der Kampf zwischen dem Waßer und dem glüenden
geschmolzenen Metall wunderbar anzusehen, bis endlich eines doch aus der
Stelle gedrängt und die Gegend der See bis eine Meile weit ausgefüllt
wird. Auf solche Art können sich so gar Häfen wirklich von selbst formiren.

/ zE

/|P_53

/zE bei der Stadt Catania, deren Hafen aber durch einen neuen Strom von
Lawa wieder vollgeschütte«l»t wurde. Um die Lawa von fruchtbaren Ge-
genden wegzuwenden, schicke«t»n die Einwohner Leute mit Schafpelz bekleidet,
so daß das rauhe auswärts ist, demselben entgegen, um Erde aufzuschütten.
Damit aber diese Leute von der Lawa nicht beschädigt werden, so spritzt man
von weitem immer auf ihre rauhe Schafpelzer Waßer damit diese naß bleiben.
Es fangen oft Berge an Feuer zu speien, von denen man vorher nie etwas
dergleichen vermuthet hätte. So ward in der ganzen römischen Geschichte
bis auf die Zeiten des Vespasians an den Vesuv gar nicht als an einem feuer-
speienden Berg gedacht, sondern er war mit Wäldern bewachsen und
hatte viele schöne Gärten und viele Weinstöcke, bis er auf einmal durch
seinen Auswurff die ganze umliegende Gegend verwüstete, und dem
ältern Plinius dem Verfaßer der bekannten schönen Briefe, der daselbst
seine Landgüter hatte, das Leben kostete. Doch ist Plinius wol nur von der fixen
Luft, die zu solcher Zeit sich ohngefehr ein paar Fuß über der Oberfläche
der Erde zu bewegen pflegt, getötet worden, nicht von dem Auswurf des
Vulcans selbst. Denn man fand ihn nachher ganz unversehrt an seinem Leibe:
nur mausetodt und alle seine Begleiter die beßer als er hatten
laufen können, waren glücklich gerettet. Er aber hatte sich aus Müdigkeit
hinsetzen müßen, und war dadurch in den Strich der unten nahe bei der Erde
strömenden fixen Luft gekommen, folglich erstickt.

/Der König von Neapel hat einen Thiergarten in dem Krater eines ausgebreiteten
Vulcans (Astenei) wenn nun Feuer daselbst ausbrechen sollte, so würde der
ganze Thiergarten und alle wilde Schweine herausfliegen.

/Ritter Hamilton glaubt, daß der ganze Vesuv weiter nichts als ein aus dem
Krater des benachbarte Monte di Zoma herausgeworfener Kegel sei.
Denn oft machen feuerspeiende Berge durch ihre Auswürfe, daß sie
wieder andre von gleicher Art aufhäufen.

/ Zu

/|P_54

/Zu der Zeit des ersten Auswurfs des Vesuvs wurden 3 Städte ein Raub desselben,
nemlich Herculaneum Pompey und Stabic. Pompey ist nicht mit Lawa sondern
nur mit der Vulcanischen Asche bedeckt, also noch ganz unversehrt. Man
beschäftigt sich itzt sehr damit diese Asche wegzuräumen, allein es ist bei
dieser Arbeit so schlechte Aufsicht, daß die Arbeitsleute aus Faulheit die Asche nicht
aus der Stadt wegbringen, sondern nahe bei noch über der Stadt aufhäufen,
wodurch sie sich denn genöthigt gesehen sie noch einmal abzutragen.
Das Herculaneum ist schon beinahe ganz aufge«deckt»<räumt>, und liegt da wo
itzt die Königl. Lustschlößer Portici v. Resina liegen.

/ ≥ Drittes Hauptstück
/Geschichte der Quellen und Brunnen
/ §_18. ≤

/Von den Ursachen derselben. Die bei den Naturforschern itziger Zeit herrschende
Meinung von den Ursachen der Quellen ist, daß sie von dem Regen und
Schnee
waßer, welches sich in den Schichten der erde durchseigert, und an
einem niedrigen Orte hervorquillt, entstehen. Die oberste Rinde der erden
bestehet aus Schichten von verschiedener Materie, die sich blätterweise über
einander befinden, das Regenwaßer seigert sich durch die lockern Schichten,
von SandKiesel Stein und lockerer Erde, bis es an einen vesten leimigten
Grund kommt, da es unterwärts nicht weiter sincken kann. Alsdenn schleicht
es sich nach dem Abhange der Schichten, woran es stehen bleibt, fort, macht ver-
schiedene Ader und dringt an einem niedrigen Ort hervor, welches eine
Qvelle macht, die noch lange fortdauert, wenn gleich der Regen eine zeitlang
ausgeblieben, weil das Waßer aus den Qvellen nur langsam ausfließt, aber
aber aus einem großen Umfang des nahen Landes, einen allmählichen Zufluß
bekommt, die Sonne auch diese in der Erde befindliche Fruchtbarkeit nicht austrocknet.
Die Schwürigkeiten die darüber gemacht werden sind diese, daß der Regen in
ein ausgetrocknetes Land nicht über 2 Fuß eindringt, da doch bei Grabung der
Brunnen mehr als 100 Fuß tiefe Quelladern angetroffen werden,

/ allein

/|P_55

/allein darauf wird geantwortet

/1.) daß durch Ritzen und Spalten der Erde das Waßer nach einem langen Regen
in den Steinkohlengruben wol 250 Fuß tief und in einem Bergwerck
wol 1600 Fuß tief eindringt.

/2.) daß wenn man eine leimigte Schichte nimmt, welche abhängig ist, über der sich
ein Berg befindet, das Regenwaßer, welches darauf fällt, durch kleine Adern
durch die es sich ausbreitet, in der Richtung nach der Erde fortläuft und also wenn
aus der obersten Spitze des Berges ein Brunnen gegraben worden, daß daselbst
Qvelladern angetroffen werden, die aber nicht von dem auf dem Berge selbst
gefloßenen regenwaßer, sondern von dem, das auf der Ebene auch außer
den Bergen gefallen, und auf die abhängige Schichte, die durch ihn fortläuft,
sich durchgeseigert hat, herzuleiten sind.

/3.) daß oft auf hohen Bergen Qvellen angetroffen werden ZE auf dem Blocksberge,
Tafelberge, am Caput bonae spei u.s.w. allein man findet bei genauer
Untersuchung daß doch ein Theil des Berges höher liegt, als die Qwelle, die
auf demselben entspringt

/4.) Daß einigen Qvellen bei der grösten Dürre ohne Hinderniß fortfließen. Dieses
rühret von der Tiefe der Schichten her, die sich, wenn sie sich einmal vollgesogen
haben beständig naß erhalten, indem sie aus ihrem weiten Umfange nur einen
geringen Theil in die Qvelle liefern. Dahingegen dienet zur Bestätigung
dieser Meinung, daß in Arabien, wo es wenig regnet, auch im dürren Sande
kleine Qvellen gibt, da doch die meisten Qvellen in einem Iahr, wo es gar nicht
regnet, eine allgemeine Abnahme an Waßer leiden, auch wol gar versiegen.
Es sind ganze weitläuftige Länder bekannt, wo man niemals einen Brunnen
anlegen könne. Alles zum Geträncke und übrigen Gebrauch der Einwohner und
des Viehes erforderliche Waßer wird daselbst in Pfützen und Zisternen oder
Schöpfbrunnen aufbewahrt. In den Morgenländern besonders in Arabien,
Aegypten, Persien u.s.w. sind sowol die Springbrunnen, als süße

/ Waßer

/|P_56

/Waßerquellen eine große Seltenheit. Es wär daher bei diesen Völkern eine
wahre Nothwendigkeit für große Waßerbehältniße zu sorgen, worin sie
das Regenwaßer und den Schnee auffangen konnten. In diesen Kunstwerken,
welche die allgemeine Bedürfniße nothwendig machten, findet man zugleich
die schönsten und prächtigsten Denkmäler der Morgenländischen Völker,
denn man trift daselbst Waßerbehälter an, deren Boden an 8 Meilen groß
ist, und welche gemeiniglich eine ganze Provinz mit nöthigem Waßer
versorgen müßen. Man begießet daselbst das Land vermittelst kleiner
Röhren und Bäche, wodurch man das Waßer allenthalben aus diesen Behältern
hinleiten kann. Büffon

/ ≥ §_19.

/Besondere Arten der Qvellen und Brunnen

/Einige Brunnen fließen periodisch, einige derselben kann man durch das
Aufthauen des Schnees, andre durch hydraulische Beispiele, und noch andre wie es
scheint, durch die Wirkungen des Mondes erklären, zu welchen letzten Quellen
dieienige in Island gehören, die mit der Ebbe und Fluth des Meeres gleiche Zeit
halten.
Exempel von den erstern sind häufig in der Schweitz, Italien, Frankreich
und andern Orten. Im Bißthum Paderborn ist der Bolderbaum zu merken,
der alle 6 Stunden sich verliert und denn mit einem Getöse wieder kommt.
Einige sind bitter, viele salzig, noch mehrere haben Eisentheilchen und andre
Mineralien in sich. Etliche führen Gold. In Ungarn, Sachsen, Irland sind Quellen,
die eine vitriolische Feuchtigkeit auströpfeln, die mit Kupfer impraegnirt ist,
welches das so genannte Cämentwaßer bei sich führet, dadurch man Eisen
in Kupfer, wie man es nennt, verwandeln kann. Einige incrustiren oder über-
steinern die eingelegte Körper, nur wenig petrificiren oder versteinern sie.
Ein heißer Brunnen bei Guanca balca in Peru ergießet sich in das benachbarte
Feld, und verwandelt sich in Stein, davon man beliebige Qvadersteine oder
auch Statüen durch Abformen machen kann. Einige entzünden sich, wenn man sich
ihnen mit einem Lichte nähert. Es gibt auch Brunnen, über deren Wasser ein

/ Bitu

/|P_57

/Bituminöses Oel oder Naphta schwimmet, das wegen der herausgehenden brennbaren
Dünste das Feuer gleichsam in sich ziehet. Bei Bagdad werden täglich wol 100.000 %Pfund
Naphta geschöpfet. Es gibt auch sehr kalte Brunnen, welche entweder daher, weil
die Adern, wodurch sie Zufluß bekommen sehr tief liegen, und daher von der sonne
nicht erwärmt werden können, oder weil das Waßer über Gyps fließet, so kalt sind.
Ungemein viele Brunnen mineralischer Berggegenden haben sehr heißes Waßer,
als die warmen Bäder in Deutschland, Ungarn, Schweden, Italien. In Island
sind verschiedene heiße Brunnen, in deren einem, der Geiser genannt, der zugleich
zu einer großen Höhe springt,
ein Stück Fleisch in einer halben Stunde gar
gekocht werden kann. Imgleichen in Iapan. Alle diese Waßer auch im
Carsbad müßen verschiedene Stunden stehen, bis sie sich abkühlen, daß man
sie am Körper leiden kann. obgleich dieses Waßer so heiß ist, muß es doch
eben so lange über dem Feuer stehen als gemeines Waßer, bis es kocht.
Die Ursache liegt in dem mineralischen Gehalte, wodurch sie die Luft einsaugen
sich daran erhitzen und zugleich schwerer werden.

/ ≥ Anmerkung ad §_19.

/Alle Qvellwaßer sind hart, daß Flußwaßer hingegen weich, noch mehr aber das
Waßer der Morräste und Graben. Die Ursache von dem erfrischenden Geschmack
des Qvellwaßers liegt in der fixen Luft. diese fixe Luft kann man aus Kalkstein
oder auch aus Kreises herausziehen, indem man selbigen in Vitriolsäure auflöst.
Wenn die fixe Luft so denn herausgegangen ist, so kann man sie durch Röhren
in das Waßer hereinleiten. Auf solche Art kann man das schlechte Waßer
sehr wolschmeckend und gesund machen: und es ist daher zu verwundern,
warum man in Amsterdam nicht längst auf ein Mittel bedacht gewesen ist,
das daselbst befindliche Grabenwaßer (denn anderes haben sie nicht, außer was
von fremden Orten ihnen zugeführt wird, und doch schlecht genug ist, so daß wir es hier
gewiß nicht trinken möchten, zumal es an Ort und Stelle viel kostet.) Durch einen

/ Zugang

/|P_58

/Zugang der fixen Luft trinkbar zu machen. Waßer das mit sehr viel fixen
Luft imprägnirt ist, hat etwas säuerliches an sich, und löst daher auch
Eisenerde oder Eisenacker (Kalk) die bräunlich ist, auf, daher man auch
allemal Eisentheile darin findet. Wenn man daher bei einer Flasche
Pirmonterwaßer, viel bräunlichten Bodensatz antrift, so zeigt solches an, das
es schon verschaalt d. h. viel fixe Luft daraus verloren gegangen sey
Mit hartem Waßer kann man keine Seife zum Schäumen bringen, Erbsen
kochen sich in hartem Waßer ganz weich, und Kalbfleisch ganz roth. Das
letztere kommt von dem röthlichen Eisenacker in dem harten Waßer her. Wenn
man hartes Waßer zum Waschen braucht, so wird die Haut mit der Zeit
ganz schuppicht und löst sich ab, daher ist es beßer, wenn man weiches Waßer
dazu braucht. Zu unserm Getränke aber müßen wir hartes Waßer haben.
Denn der Genuß des kalten erfrischenden Qvellwaßers ist das Antsepticum
wider die Fäulniß des Körpers, und daher das beste Getränck für ieden Menschen.
Um die Thiere in einem morrästigen Waßer zu tödten, thut man auch
eine große Kanne von etlichen Stof einen gestrichenen Theelöffel voll
Allaun. Und denn muß man fixe Luft hereinschaffen, wodurch alles
was schal ist, es mag Bier, Wein oder Waßer seyn, aufgefrischt werden
kann. Wenn das frische Waßer einen faulen Eiergruch hat, so taugt
es nichts, denn es ist viel Schwefelleber darinn.

/Das natürlich heiße Waßer der Qvellen muß doch länger stehen um sich
abzukühlen, als Waßer welches in demselben Grad über Feuer er-
hitzt worden ist. Die heiße Waßer hauchen einen natürlichen
Dampf aus, wobei man sehr gut schwitzen kann. Daher auch an
solchen heißen Qvellen, oft Schwitzbäder angelegt sind, deren
sich aber nur der gemeine Mann der eine starke Natur hat,

/ bedient.

/|P_59

/bedient zE die Schwitzbäder des Königes von Neapel, ferner bei Pirmont.
In Champagne findt man einen kalten Brunnen. Eben so findt man im Ohren-
burgschen Gouvernement in Sibirien viele Hölen, wo erschreckliches kaltes Waßer ist.
Pallas merkt an, daß alle solchen kalten Brunen in Gyps Stratis liegen,
wozu auch der Alabaster gehöret. Wenn man eine große Qvantität fixe
Luft in die Lunge bekommt, so muß man ersticken. So ist zE bei Pirmont eine
Spalte wo sehr schönes Waßer hervorqvillt wovon aber alle Thiere, die
davon trinken, auf der Stell sterben müßen. so ist auch nicht weit vom Vesuv
die berühmte Grotte del Cane (Hundeloch) welche in der ausgehärtesten Lawa ist,
und einen Sumpf in sich hat, worüber wenn ein Hund gehalten wird, dieser
sogleich Convulsionen bekommt und stirbt, wofern ihn man nicht alsobald
an die frische Luft bringt. Alles dieses rührt von der erstickenden (mophitischen) Luft
her, welche die Italiäner Mophetta nennen, die sich an solchen Orten häufig befind.

Berühmte incrustirende Bäder sind das Pfeffers Bad in der Schweitz, das Bri-
stoler Bad und das Carls Bad. Der Fluß Seberonne im Florentinischen fällt
in einer gewißen Gegend von der Höhe auf Steine herab, und spritzt also
viel Waßerstaub um sich her, der insgesammt mit einem totus von gyps,
alles was man dahin setzt incrustirt. Dieser Gelegenheit bedient man sich um
herrliche Bas reliefs zu machen. Man setzt nämlich allerlei Schwefelformen
an den Ort, wo der Fluß herunterstürzt, «nur»hin, diese werden durch den Waßerstaub
mit Alabaster ähnlichen Kalkerde überzogen und auf solche Art bekomt man
vortrefliche <erha>«e»bene Figuren indem man nachher die Form selbst herausnimmt. Wenn
man ein eisernes Schloß zum Spaß vergolden oder mit Kupfer überziehen will,
so darf man nur blauen Vitriol in Waßer aufweichen und damit das Schloß bestreichen.

/Qvellen wo Naphta schwimmt, werden in Europa nicht gefun-
den. Wohl aber trift man in Irland und England viele Qvellen
an, die voller Blasen sind, welche darüber gehaltenes Stroh entzünden.
Diese Waßerblasen kommen aber blos vom Schwefeldampf her.

/ Vier- 

/|P_60

/ ≥ Viertes Hauptstück
/Geschichte der Flüße
/§_20.

/Vom Ursprung derselben. Sie entstehen aus den Bächen, die ihr Wasser vereinigen,
diese aus den Qvellen die letztern endlich aus dem Regen und Schnee. Wenn
man das Waßer, welches ein Fluß in einem Iahr ins Meer ergießt, berechnet,
so wird die Menge des Regen und Schneewaßers, welches auf die Fläche des-
ienigen Landes fällt, das sein Waßer in den Schlauch des Flußes liefert, groß
genug befunden werden, um nicht allein die Bäche und die aus denselben
entstehenden Ströme zu unterhalten, sondern auch der Thau, den Wachsthum
der Pflanzen, und dasienige auszumachen, welches vom vesten Lande wieder
ausdünstet. Dieses wird dadurch bestättigt, daß nach langer Dürre auch das
Waßer schwindet, daß in Ländern wo es wenig regnet, als in Arabien auch
sehr wenige Flüße entspringen, daß die gebürgigten Gegenden als Abissinien,
Peru und die Cordilleren etc. darinnen fortdauernder Regen fällt, auch
Qvellen zu den angesehensten Flüßen enthalten. Also ist freilich eine Circulation
des Meerwaßers und des Waßers der Flüße, nicht aber eine solche, wie man sich
gemeiniglich einbildet, nemlich vom Meere unterwärts unter dem vesten
Lande bis in die Höhe desselben und von da wieder in das Meer, sondern
die aus dem Meer steigende Dünste welche gleichsam durch eine Distilation in
Wolken, Regen und Schnee verwandelt, und fallen auf die Fläche des
vesten Landes herab.

/Es gibt viele stehende Seen, in die zwar kein beträchtlicher Fluß sich ergießet,
die aber doch die ursprüngliche Qvelle der grösten Ströme der Erden sind.
Wir rechnen dahin den See des Stroms St_Laurentii, und den See Chiamay
die Mutter zweier großen Ströme, welche die Königreiche Asem und Pegu
durchströmen, imgleichen den See der Aßinibolier in America, und einige
Rußische Seen, nicht minder denienigen, aus welchem der Fluß Bog entspringt,
nebst einem andern, wodurch der große Irtist fließet, nebst unzählichen andern
Seen, welche gleichsam Behälter vorstellen, aus welchen die Natur das Waßer nimmt,
das sie allenthalben auf der Oberfläche der Erde vertheilet. Büffon.

/ §.

/|P_61

/ ≥ §_21.

/Von den Bewegungen und dem Abhange der Flüße. Weil dazu, daß ein Fluß
seinen Lauf ins Meer erstrecket, ein beständiger Abhang des vesten Landes
von seiner Qvelle bis zum Meer nöthig, so ist merkwürdig, daß das veste
Land in so großer Strecke als zE Südamerika nach der Lage des Amazonen-
stromes wol 800 Meilen einen einförmigen Abhang bis zum Meere hat, denn,
wenn es hin und wieder große Einbeugungen und Vertiefungen hätte, so würde
diesen Strom viele weitläuftige Seen unterwegens machen. Alle Ströme haben
nicht einen gleich jähen Abhang. Aus den Cordillerischen Bergen, wo der Ama-
zonenfluß entspringt, entstehen viele große Gießbäche, die sich in den stillen
Ocean ergießen. Der letzte Abhang ist viel stärker als der erste. Die Seine,
welche durch Paris fließet, hat auf 6.000 Fuß nur einen Fuß Abfall. Die
Loire aber einen 3mahl stärkern. Die Schnelligkeit eines Flußes soll in der
ganzen Länge seines Laufs zunehmen, weil er aber an seinem ostio breiter
wird und sein Abhang auch daselbst aufhört, so fließet er da am langsamsten.
Die Richtung der grösten Flüße ist auf der Seeküste, wo sie ihre Mündung haben,
allemal beinahe senkrecht. Ihren Lauf nehmen sie gröstentheils fast eben nach der
Richtung, welche an der Kette von Gebürgen bemerkt worden, von welchen sie
ihren Ursprung und Richtung erhalten Büffon.

/ ≥ §_22.

/Einige besondere Merkwürdigkeiten der Flüße. Die Richtung großer Flüße macht
gemeiniglich mit der Richtung der höchsten Gebürge, worin ihre Qwellen <liegen> einen
rechten Winkel, weil dieser Weg der kürzeste ist, von da in die See zu gelangen.
Doch laufen durch 2 Reihen von Gebürgen, von wenigstens 2 Landrüken, und
der Fluß nimmt das Thal von beiden Seiten «her» ein in welches die von beiden Seiten
daraus entsprungene Bäche sich ergießen. Die Flüße zerstören nach und nach das
höhere Ufer, und setzen die abgerißene Erde und Sand am niedrigen ab.
Daher die öftern Veränderungen des Bettes eines Flusses {2- <entstehen> -2}. Man errichtet daher
öfters Buhnen, wodurch der Fluß aber leicht in Verwirrung gebracht werden
kann. Man findet hin und wieder trokene Flüße, Bette von Flüßen am Rhein,

/ Donau

/|P_62

/Donau und andre. Bei dem letztern sind die Arme, wodurch er sich in das caspische
Meer ergoß, verstopft und verfließet fast ganz allein in den See Arar.

/ ≥ §_23.

/Von den ansehnlichsten Flüßen der Erde. Die den längsten Lauf haben, sind der
Nil, der Niger oder Senegal, der Ienesey, welcher auf den mogulischen
Reichs entspringt und ins Meer fließt, der Haang oder Safranfluß, der
Amazonenfluß, Silberfluß, und Mißisippi. Der ansehnlichste ist der de_la_plata,
welcher bei der Mündung 40 Meilen breit seyn soll. Sonst gehören noch dahin
der Oby, die Donau und der Ganges.

/ ≥ §_24.

/Erläuterung der Art, wie sich ein Strom ein Bette bereitet. Man findet bei
den meisten Strömen, daß ihr Bette öfters höher liegt, als das zu beiden Seiten
liegende Land sonderlich nahe an ihren Ausflüßen als am Rhein, Po etc. Bisweilen
sieht man sie durch enge Päße streichen zwischen 2 hohen Ufern, welche sie wie
Mauern von beiden Seiten umschließen. Dies thut der Amazonenfluß nicht weit
von seinem Anfange und die Rhone, wenn sie aus der Schweitz in Frankreich fließt etc.
Man kann leicht errathen, daß da sich im ersten Zustande der noch nicht ausge-
bildeten Erde die Waßer von den Gebürgen in die Thäler ergoßen, selbige
nicht nur das Meer werden erreicht haben, sondern weit und breit das
veste Land würden überschwemmt haben, weil die vielen Unebenheiten
die sich unterwegens fanden, die Ströme nöthigten oft große Thäler an-
zufüllen, und sich in viele Arme auszubreiten. Allein da das Waßer, wo es den
stärksten Abhang findet am schnellsten fließet, so muste hin und wieder ein
schnellerer Zug des Waßers seyn als anderwärts. Nun muß das Waßer in
diesem ursprünglichen Zustande mit diesem aufgelösten Schlamm sehr stark
seyn angefüllt gewesen, und diesen kann es nicht in der Richtung seines
stärksten Zuges sondern an der Seite angesetzt haben. Dadurch erhöhete
es den Boden zu den Seiten so lange, bis die Ufer hoch genug waren, alles
Waßer zu faßen, und so bauete sich «¿¿»der Strom ein Bette.

/An den Gegenden wo er steile Höhen herabstürzte oder mit reißender Ge-
schwindigkeit den Boden herabfloß, arbeitete er den Boden so lange aus,
und trug den abgerißenen Schlam so lange in die niedrigen Gegenden,

/ bis

/|P_63

/bis er durchgehend eine gemäßigte Geschwindigkeit bekäme. Daher sieht man
in der Nähe des Ursprungs eines Flußes ihn zwischen 2 hohen Ufern fließen.
Zuweilen sind die Ufer wie steile Wände zE bey der Rhone, wenn sie sich
aus der Schweitz nach Frankreich wendet, bei dem Amazonenfluß nahe
bei seinem Anfange. Dahero sind auch die meisten Flüße, wie auch
ein ieder Fluß an den meisten Oerter«t»n wegen ihrer Schnelligkeit nicht
unschiffbar, außer an einigen Orten, wo der Boden felsigt ist, oder sich
nicht so leicht von dem Fluß ausarbeiten läst. Von den Veränderungen
der Erde durch die Flüße wird weiterhin das gehörige folgen.

/ ≥ §_25.

/Von den Waßerfällen und andern Bewegungen der Flüße. Der Rhein hat
unterschiedene Waßerfälle, der bei Schafhausen ist senkrecht 175 Fuß
hoch. Der Velino in Italien fällt von einer perpendiculären Höhe von
200 Fuß. Der höchste in der Welt ist der vom Flusse Pogora in Südamerica,
der senkrecht 1200 Fuß herabstürzt; allein der Waßerfall des Flußes Niagra
in Nordamerika ist dennoch der entsetzlichste, weil dieser Fluß eine unge-
meine Breite hat und senkrecht 150 Fuß herabstürzt. Besondere Phaeno-
menen der Waßerfälle. Sie finden sich nur da statt, wo der Fluß über ein fel-
sigten Boden läuft, welches man auch an den Waßerfällen des Nils siehet.
Der Fluß Tunguska in der Westlichen Tartarei fließet auf einem schiefen
felsigten Wege von 1/2 Meile mit einem hohen Geräusch, das über 5 Meilen
zu hören ist, fort. Der Tieber und Niger haben gleichfalls dergleichen.

/Von denen Flüßen die eine Zeitlang unter der Erde fortlaufen, und denn wieder
hervorkommen ist zu merken die Guadiana, welche aber nur in tiefe Thäler
fortlaufen soll, so daß es das Ansehen hat, als wenn «sie» unter der Erde fließe.
Die Greata ein Fluß in Iorck_Hycke läuft wirklich 1/2 Meile unter der
Erde fort. Einige Ströme versiegen, ehe sie den See erreichen zE der Arm
des Rheins, Caltwich genannt, ohnweit Leyden, der Johanni in
der Chinesischen Tartarei, und viele in Persien und im glücklichen
Arabien.

/ Einige

/|P_64

/Einige die sehr lang «ist» <sind> zE der Amazonenfluß, der Senegal haben einige
Meilen von der See Ebbe und Fluth. Einige Bewegungen sind noch weit
in der See zu spüren, worin sie fließen zE des Zaire, der Amazonenfluß,
iedoch hat keiner einen besondern kenntlichen Strom in der See, als von der
Donau im schwarzen Meer, der Rhone im Genfersee und dem Rhein im
Bodensee vorgegeben wird, obgleich die Ströme das Meerwaßer weit von
den Ufern des Meeres süße machen, vornemlich der Amazonenfluß
und der 40 Meilen breite de_la_plata.

/ ≥ §_26.

/Von den Uberschwemmungen der Flüße

/Einige treten zur gesetzten Zeit, vornemlich nahe an ihren Ausflüßen über
die Ufern, und überschwemmen das Land rund umher, welches niedriger
liegt als der Schlauch der Flüße, die Ursache ist der Regen in den Gebürgen,
daraus der Fluß entspringt, und der abthauende Schnee. Unter allen solchen
Flüßen ist der Nil der vornehmste. Er schwillt mit dem Anfange des Sommermo-
nats, und überschwemmt ganz Egypten, wozu aber die Einwohner durch
Leitung des Waßers durch verschiedene Canäle und Erhöhung derselben auf
den Aekern viel beitragen. Egypten ist zu der Zeit ein Meer, worinn die
Städte und Dörfer Inseln sind. Im Anfange des Septembers tritt er wieder
in seine Ufern zurük. Die Ursache dieser Ueberschwemmung ist der Regen,
der alsdenn in den Egyptische Gebürge fällt; zum Theil aber auch der Nord-
wind, der gerade auf die Mündung des Nils bläset, und sein Waßer zurük
treibt. Zur Zeit der Ueberschwemmung höret die Pest, wenn sie gleich die
übrige Zeit des Iahres wütet, auf. Wenn das Waßer nur 12 Ellen hoch steigt,
so ist eine Theurung zu befürchten, steigt es 16 Ellen hoch, so ist ein Ueberfluß,
18 bis 20 Ellen ist schon zu viel. Vor Alters soll der Nil das Land viel höher
überschwemmt haben als itzo, weil nun durch den abgesetzten Schlamm
das Land schon erhöhet worden. Wenn es ausgemacht ist, daß in den heißen
Landstrichen der Regen sich nur zur gesetzten Zeit einfindet, so ist kein
Wunder, daß die Flüße die Ueberschwemmung zu gewißer Zeiten halten,
als der Nil, Zaire, Indus und Ganges.

/ §_27.

/|P_65

/ ≥ §_27.
/Von den Materien, welche die Flüße oder andre Gewäßer bei sich führen.

/Weil die Qwellen der Waßer entweder Eisentheilchen, oder lokere Erde und
Salzpartikelchen oder auch andre Mineralien bei sich führen, so ist kein Wunder,
daß das eine Flußwaßer leichter ist als das andere. Gemeiniglich führen die kleine
Ströme die sich in große ergießen schwerer Waßer als diese. So ist zE das Nekar
schwerer als das Waßer der Rhone, und eben so ist der Mayn, welcher bei Maintz,
und die Mosel, welche bei Coblenz in den Rhein fallen, von schwerer Art als
dieser Strom, welches man denn auch am Eintauchen der Gefäße «¿¿»erkennen
kann. Die Ursache davon ist, weil das Waßer, das mit irdischen und andern
Theilen vermischt ist, in einem kleinen Strom, ohne daß es einige von
diesen fremden Theilen wegen der Geschwindigkeit und Kürze des Laufs
verliert, dahin fließt, sobald es aber sich in einen weiten Schlauch ergießet,
seine Materien leichter fallen lassen kann. Waßer nun, welches noch mit
fremden Theilen vermischt ist, muß schwerer, dasienige aber welches
dieselben schon abgelegt hat, leichter seyn. Die Vereinigung unter-
schiedlicher Waßer kann auch die Praecipitation der Materie, die ein
oder das andre Waßer mit sich führet befördern. Das Themse_waßer hat
den Ruf, daß es sich auf langen Seefahrten am besten erhält, und ob es
gleich stinkend wird, sich doch selbst reiniget. Vielleicht rühret dieses
von den verborgenen Steinkohlen her. Der Schwefel erhält auch sonst die Weine.
Verschiedene Flüße führen Goldsand. In Europa der Rhein, die
Rhone, der Pactolus und Tigris vorher berühmt. Auf den Goldküsten von
Guinea wird itzt der Goldstaub auch Pech gesammelt, vornemlich nach
starkem Regen. Woher es komme, und wie man bei Absonderung des Goldes
von der Erde verfährt, wird in den Anmerkungen gezeigt.

/ ≥ Anmerkung ad § 20-27.

/In Nordamerica gibt es die meisten und größesten Seen,
welche sämtlich süßes Waßer haben.

/ Von

/|P_66

/ Von den Morrästen. Einige sind dadurch entstanden, daß Flüße sich über
plattes Land ergießen, als die Pontinischen Sümpfe, der Mißißippi
Fluß entspringt aus einem Morraste, der auf 80 Meilen ins Gevierte
hält. Irland ist ganz voll von solchen Morrästen. Eine gar besondre
Beschaffenheit haben die Mörräste, welche man gemeinhin die Moor¥
Länder nennt. Die Engländer geben ihnen schlechterweg den Namen Moren.
Sie sind nemlich insgemein höher als das sie umgebende Land und am
Rande mit Torf eingefaßt. Ein solches Moorland, Silwey-Moor
in Lancaster in England riß vor etlichen Iahren aus, weil der «¿¿»Torf den
Druk des durch häufigen Regen zugenommenen Waßers nicht länger
aushalten konnte. Das Waßer war ganz schwarz und dik. Die davon
überschwemmte Gegend wurde herrlich gedüngt und fruchtbar gemacht.
Wattkinson in seiner Reisebeschreibung durch Irland macht von den dasi-
gen Moorländern die Anmerkung, daß unter denselben ganze Wälder
angetroffen würden, dieses kann man auch aus der Menge von Rasen-
torf, der solche Moore umgibt und lauter zerstörte Pflanzen in sich enthält,
erkennen. Dieser Rasentorf wird auch bei uns in großer Menge gefunden,
und hat zu seinem Boden allemal Sand. Auf Sand wächst aber insonderheit
Fichtenholz, also kann auf dem sandigen Boden solcher More auch viel
Nadelholz d. h. Tannen- und Fichtenholz (denn so nennt man dieses zum
Unterschiede von den Bäumen, die Blätter haben) wachsen, so wie man
oben auf diesen Moorländern ganze Wälder von umgeworfenen harten
Holz antrift. Es verlohnt sich also schon blos wegen des Profits an Holz
iederzeit ein solches Moor wo möglich wegzuräumen. Dazu gehöret aber
unbeschreiblich viel Mühe und Zeit, oft ist es auch ganz unmöglich.
Selbst die arbeitsamen Holländer sind noch lange nicht damit völlig
zu Ende gekommen, Denn man findet noch in Oberryssel bis nach
Frießland hin sind sehr viele solcher Morräste. Weit sonderbarer aber ist es,

/ daß

/|P_67

/daß alles, was in solchen Mooren angetroffen wird, unverweslich bleibt. So
fand man in einem irrländischen Moorlande meist einen Menschen, aus
deßen Kleidertracht man schließen konnte, daß er schon über 100 Iahr
darin müste gelegen haben, noch ganz frisch und unverweset. Man suchte
sich durch Vorzeigung desselben eine geraume Zeit lang Geld zu ver-
dienen, indem man ihn, sobald er genug war beschaut worden,
wieder in den Moorast hineinstekte (es versteht sich an einem gewißen
bestimmten Ort) doch wurde er durch das öftere herausziehen, und
dadurch daß er sodann der Luft ausgesetzt wurde, mit der Zeit
ganz stinkend und modericht. Man kann die Möglichkeit eines
solchen wunderbaren Phänomens nicht anders einsehen, als wenn
man bedenkt, daß diese Morrländer endlich alle vegatibilische Eigen-
schaften verlieren, und eine bituminöse Beschaffenheit überkommen.

/ ≥ In specie ad §_22.

/Wenn ein Fluß Schlängelungen macht, so wird das Ufer welches den
Aussprung macht, allemal steil und hoch, dasjenige aber, welches die
Einbucht macht, flach und niedrig seyn. Der Lauf des Stroms oder die
Strombahn hält sich nur immer an dem hohen Ufer. Alles dieses kann
ein ieder selbst bei dem kleinsten Fluße beobachten.

/ δSkizze
/A. B. C. D. = dem ganzen Bette des Flußes
/ a.b = der Strombahn
/x. p. q. r. s. = dem Aussprung des Ufers
/f. l. m. n. o. = der Einbruch des Ufers
/ y : x = Buchen den Strom von den Ufern abzuhalten.
/Siehe Dictata v. w. = Faschinen in gleicher Absicht.
/Diese Mechanik, der Schlängelungen ist von großem Nutzen. Denn dadurch
/ hält

/|P_68

/hält sich der Strom selbst gereiniget, indem er seinen Schlam selbst fortwältzt
und an dem niedrigen Ufer absetzt. Will man ihm aber durch entgegen
gestellte Dämme eine andre Richtung geben, so wird er zuletzt ganz
unschiffbar werden als zE der Po. Am rathsamsten ist, wenn man blos von
den steilen Ufern ihn abzuhalten sucht, und ein Mittel anwendet,
daß er solche nicht verwüste, denn den flachen Ufern wird er keinen
Schaden thun, sondern vielmehr dadurch, daß er daselbst allen seinen
Schlamm absetzt, sie bevestigen. Itzt geht man damit um, den Tieber
ganz aus seinem bisherigen Bette zu verjagen und ihm einen ganz
andern Weg anzuweisen, weil man sich schmeichelt auf seinem itzigen
Grunde eine kostbare und ansehnliche Sammlung von Antiquitaten
anzutreffen. Denn es ist bekannt, daß die Römer einmal bei einem
feindlichen Ueberfall alle ihre kostbare Statüen in die Tieber geworfen
haben. Das wäre nun gewiß eine wichtige, vielleicht aber blos
hirngespinstmäßige Unternehmung.

/ ≥ Fünftes Hauptstück
/Geschichte des Luftkreises.
/ §_28. ≤

/Der Luftkreis druket mit eben so starkem Gewichte, als wenn
die Erde durch ein Meer 32 Rheinländische Schuh hoch bedeket wäre.
Weil die untere Luft durch die Last die auf ihr ruhet, sich zusammen-
drüket, so muß sie je weiter sie dem Mittelpunkte der Erde ist, desto
dichte«¿»r seyn. Ia wenn ihre Verdichtung immer so fortginge, so
würde sie in einer Tiefe von 7 deutschen Meilen das Waßer an Schwere
übertreffen. In der Tiefe aber doch nicht ein 1/3 des radii der Erde wäre, würde
sie schon dichter seyn als Gold. Diese Dichtigkeit der Luft könnte wenn
unterirdische Erhitzung dazu käme, sehr viel zu der gewaltigen Er-
schütterung der Erde beim Erdbeben beitragen.

/ Die

/|P_69

/Die Athmosphäre theilt man in Regionen. Die unterste geht von der Meeres-
fläche bis zu der Höhe, wo der Schnee im Sommer nicht mehr schmilzt. Die
erste Region ist in den heißen Ländern ohngefehr so hoch wie der Mont blanc
in Savoyen, welches wol gewiß der höchste Berg in Deutschland ist, denn er ist
15.000 französische Fuß hoch. Diese erste Region nicht in allen Gegenden
der Erde gleich hoch. In der Zona torrida unter dem Aequator ist die Höhe der Berge
wo der Schnee nicht mehr schmilzt nicht unter 3/4 deutsche Meilen perpendikulär.
Im Anfange der Zonae temperatae nur 1/2 Meile, in den Alpen 1/4 Meile und
unter dem Pol beinahe der Oberfläche des Meeres gleich. Die zweite
Region hebt beym Ende der ersten an, und geht bis zur größesten Höhe,
wohin sich die Wolken erheben. Dieser ihre Höhe ist an keinem Orte der Erde
völlig bestimmt. Bald gehen die Wolken hoch, bald niedrig, überhaupt
scheinen sie nicht über eine deutsche Meile über der Meeres_Fläche empor
zu steigen. Die größeste Höhe, wozu sich die Wolken erheben können, möchte
eine deutsche Meile seyn, daß sie so hoch sich erheben können, sieht man
daraus, weil doch auch die höchsten Berge beschneyt sind.

/Wenn man diese 2te Region bis dahin extendiren wollte, wo die leuchtende
Meteoren entstehen zE Nordlicht, Feuerkugeln und andre mehr, so werden
viele deutsche Meilen erfordert werden ihre Höhe zu bestimmen. Die Stern-
schnuppen scheinen oben auf den Alpen noch eben so hoch zu seyn als unten in
den Thälern. Die letzte Region fängt an, wo die 2te aufhört, und gehet bis
zur Grenze des Luftkreises. Man bestimmt dieses durch die Höhe der
Dämmerung, welche 9_1/2 deutsche Meilen hoch gefunden wird. Die Dämme-
rung läst sich spüren, bis die Sonne 18 Grad unter dem Horizont ist.

/ ≥ §_29.

/ Von den Eigenschaften der Luft.

/1. Sie ist feucht. Alle Luft hat zwar Feuchtigkeiten in sich, wenn diese aber in
ihren Zwischenräumen wol vertheilet sind, so ist sie heiter und wird für trocken

/ gehalten

/|P_70

/gehalten. Daß die feuchte Luft allein dem Menschen nicht schädlich sei, sieht man
daraus, weil doch die Leute an der S«¿¿¿»{2- ee -2}, wo die Luft gewiß feucht seyn muß,
auch selbst in Norden ziemlich gesund sind. In einigen Gegenden wird die Luft
mit feuchten Dünsten übermäßig beladen, als in Morrästen und waldigen
Gegenden zE in der nordlichen Gegend die Landenge von Panama, wo
alles Papier an der Luft so feucht wird, daß die Tinte sogleich darauf verfließt.

/2. Sie ist sehr trocken, wie in Persien, Arabien, und im obern Theil von Egypten,
wo man die Luft durch künstliche Springbrunnen oder gesprengtes Waßer
in den Zimmern anfeuchten muß, weil sie sonst der Länge nach schädlich
wird. In Ländern wo die Luft sehr troken ist, findt man viele Leute mit
schlimmen Augen, weil die Luft die Augenfeuchtigkeit wegtroknet.

/3) Sie hegt Salze in sich ZE. die Salpetersäure, welches man durch dazu bereitete
Erde aus der Luft anzieht. Die mit Salz bedekte Felder in Persien und am
Capo bonae spei haben ihr Salz vermuthlich von dem, was Regenbäche
aus salzigtem Boden ausgewaschen und über niedrige Felder geführt haben.
Die Insel Ormus ist ganz mit einer Salzkruste bedekt. Diese salzigte Säure
scheint zum Wachsthum der Gewächse sehr dienlich zuseyn. Die
Luft enthält aber auch vielleicht etwas Kochsalzgeist. Daher kommt
die Corrasivische Luft auf den Azorischen Inseln, imgleichen der aus
der Luft sich angesetzte Mauersalpeter oder Aphronitrum. Oelichte
oder selbst mineralische Theile hält sie auch hin und wieder in großen
oder kleinen Qvantitäten in sich. Die Seeluft hat andere Eigenschaften
als die Landluft.

/4.) Einige Luft ist sehr rein. Daher das ruhige und heitere Licht der Sterne in
Persien, Arabien und Chaldäa, wodurch vielleicht die Astronomie
in diesen Gegenden mag erleuchtert worden seyn, vornemlich da man
daselbst die Sommermonate hindurch auf Dächern unter freiem Himmel schläft.

/ 5 Einige

/|P_71

/5. Einige Luft ist wegen ihrer Gesundheit andre wegen ihrer Ungesundheit
berüchtiget. Alle sehr waldigte und sumpfigte Gegenden sind wegen
ihrer Feuchtigkeit ungesund und bringen Fieber zuwege. ZE Virginien
bei Anfange der Colonien daselbst, vornemlich wenn mit dieser Feuch-
tigkeit eine große Hitze verbunden ist als Porto_bello. Wenn ausgetroknetes
Seewaßer in Pfützen auf dem Lande faulet, als in Sumatra, oder auch
emporgetriebenes Flußwaßer als in Siam, so bringet dieses Krankheiten
und Fieber zuwege. Von epidemischen Krankheiten, Pest, Aussatz und
ursprünglich Contagionen als Kinderpoken und VenusSeuche. Die Pest
ist nur in Egypten zu Hause, wenigstens findet sichs, wenn man die Be-
richte aus der Lewante ließt, daß die Pest allemal von Süden aus Egypten
herkommt. In America und Africa außer Egypten ist sie noch nie gewesen.
Die VenusSeuche haben die Europäer von den Amerikanern geerbt, als
sie dasselbe entdekt haben. Von endemischen Krankheiten, die nur gewi-
ßen Gegenden eigen sind. Dahin gehöret das Mahl von Aleppo, woran man
ieden der in Syrien gewesen ist, erkennen kann. Ein ieder Fremder bekommt
daselbst einen rothen Flek, der blau und braun wird, endlich fällt die Stelle
ein und wird ein Loch.

/6) Die Luft einiger Oerter scheint einige Ungezifer und Thiere nicht zu leiden.

/Es sind keine Ratzen in Augspurg, Malta, Candia. Keine giftige Schlangen in Gazzo,
Faizza, in Irland gar keine gifftige Thiere, auf dem Iagdhause Einsiedel
in Wittberg keine Ratzen. Cotta [[Colbe]] berichtet, daß die Europäer wenn sie auf
Capo bonae spei ankämen, das Ungeziffer verlieren, was sie auf ihren Schiffen
oder in Kleidern mitgebracht und niemals wieder bekommen. Dagegen
haben die Hottentotten wegen ihrer garstigen Lebensart einen guten Vorrath davon.
Die blaue Farbe der Luft erkläret man am wahrscheinlichsten aus dem weißen
Schimmer der Dünste, die auf dem schwarzen Grunde des Meeres gesehen werden,
und eine blaue Farbe haben müßen, so wie weiß auf schwarz dünne
aufgetragen, blau machet.

/ An ~

/|P_71R δZ_19

/%.Siehe Keyslers Reisen ~

/|P_72

/Anmerkung ad §_29

/In Gamron einem Hafen am persischen Meerbusen, auf einer durchaus
felsigten und sandigten Küste ist die Luft so troken, daß niemand daselbst
schwitzt, sondern troknet sogleich die Feuchtigkeit auf der Haut weg. Sonst ist
daselbst eine erstaunliche Hitze. Zu einem noch höhern Grad der Trokenheit
steigt die Luft in der Thebanischen Wüste, welche Egypten vom rothen Meer
absondert, und ein bloßer Fels ist, da es überdem daselbst niemals regnet
und der Nil bei seiner Ueberschwemmung sich nicht so hoch erheben kann. Die
beiden höchsten Länder in der Welt, die Gegend von Thibet zwischen Sibirien
und Indien, und die Gegend von Paramos oder die wüsten Thäler der
Cordilleren in Peru, haben gleichfalls eine sehr trokne Luft. Daher troknet
man daselbst viele Thiere, insonderheit Schafe, denen man vorhero das Ein-
geweide ausgenommen hat, blos an der Luft auf und kann sie auf solche
Art viele Iahre conserviren. Man hat aber auch Beispiele, daß Körper mit
Eingeweide eben so gut bis in die innersten Theile austrokene, als wenn
ihnen die Eingeweide herausgenommen sind. So findet man selbst in Deutschland,
als in dem Bremischen Bleygewölbe, ferner in Polen in den so genannten
Cryptis Kiowiensibus zu Kiow, ja sogar bei uns in einer Kirche zu
DeutschEylau, Leichen die gar nicht verweset, sondern ganz und gar
ausgetroknet sind. Wenn aber die Luft nicht allein troken, sondern noch
dazu kalt ist, so kann diese Kälte dem Menschen sehr gefährlich werden,
als auf dem Eisgebürgen in der Schweitz. Diese erfuhren die Schweden,
als sie nach dem Tode ihres Königs Carls_<des>_12ten eiligts aus Norwegen nach ihrem
Vaterlande zurückzogen. Denn da erfroren auf den Gebürgen, über
welche sie ziehen musten, über 1500 Mann

/Die Luft ist der Gesundheit des Menschen nur schädlich, wenn sie viel
phlogiston hat. Dieses Phlogiston oder diese brennbare Luft findet man inson-
derheit bei Sümpfen und sumpfigten Wäldern und dunstet aus den Pflanzen

/ sehr

/|P_73

/sehr häufig aus, die in solchen Morrästen wachsen. Das macht also eigentlich solche
Gegenden für die Gesundheit gefährlich, nicht die Feuchtigkeit der an solchen
Orten sich befindlichen Luft. Alle Bäume und Pflanzen dünsten sowol eine
phlogistische als dephlogisticirte Luft, iene wenn sie im Schatten stehen, diese
wenn sie in der Sonne stehen. Daher ist es nicht rathsam des Abends im Sommer
spatzieren zu gehen, weil zu dieser Zeit die Luft mit dem aus allen
Pflanzen fahrenden Phlogiston angefüllt wird, und also der Gesundheit schädlich
ist. So bestraft die Natur den, der wider ihre Gesetze handelt. Indem sie ein-
schlummert, gibt sie dem Menschen zugleich einen Wink ein gleiches zu thun.
Wenn sie erwacht, so ladet sie den Menschen auch zum Genuß neuer
Ergötzungen ein. Bäume muß man im Zimmer nur so lange stehen haben,
als die Sonne darauf scheint, und denn an einen abgesonderten Ort wegsetzen.
Sonst verunreinigen sie durch ihre Ausdünstung die Luft anstatt sie zu
erfrischen. Noch schädlicher ist es abgebrochene Blumen, Kalmus Meyen und
alle solche stark riechende Pflanzen bei sich in der Stube zu haben. Man hat
Beispiele, daß Personen des Nachts vom starken Geruch oder vielmehr von den
phlogistischen Ausdünstungen der im Schlafzimmer befindlich gewesenen
Lilien, Caprifolien, Rosen u. a. m. erstikt sind. Bei sumpfigten Orten trift
man in der Luft erstaunlich viel brennbares (phlogiston an. Das kann
man selbst bei einem Spaziergange auf den Wiesen versuchen, Wenn selbige
unten mit Waßer angefüllet sind, und also weiter nichts als Erdkrusten
über Morräste sind, welches man aus dem Schaukeln des Erdbodens leicht
bemerken kann, so darf man nur einen Stok durch die Kruste durchstoßen,
und über die Oefnung Strohhalmen, die man vorhero angezundet hat, legen,
so wird sich das Feuer, wenn die angezündete Strohhalmen schon längst ver-
brandt sind, doch immer weiter ausbreiten und Nahrung genug finden, fortzu-
brennen. Eben das findet man bei allen Graben. Wenn man des Sommers bis
auf den Boden derselben stößt, so kommen Blasen heraus, welche so gleich anfangen

/ zu

/|P_74

/zu brennen, so bald man einen Strohwisch oder brennendes Papier darüber
hält. An solchen Orten zu wohnen ist wie man leicht denken kann höchst
schädlich. Wir haben davon ein trauriges Beispiel an dem berühmten Sulzer,
deßen frühzeitiger Todt wahrscheinlicher Weise nichts anders zur Ursache hatte.
Denn dieser schätzbare Mann kam wenige Iahre vor seinem Tod auf
den wunderlichen Einfall, das nahe bei Berlin gelegene so genandte Moa-
biter Land, welches ein bloßer Sumpf ist, anzubauen und daselbst seinen
Sommeraufenthalt zu verlegen. Man kann nicht wißen ob Mangel an
Kenntniß der schädlichen Wirkungen solcher Gegenden, oder viel-
mehr zu weit getriebenes Selbstvertrauen auf hinreichende Ein-
sicht der Natur Schranken setzen zu können, ihn diesen unüberlegten Entschluß
ausführen ließ. So viel ist gewiß, daß er nicht lange hernach die traurigen
Folgen davon fühlte, krank ward und starb.

/Unser ganzes Leben beruhet darauf, daß wir das Phlogiston aus unserer
Lunge aushauchen können. Bei iedem Athemzuge ziehen wir ver-
mischte Luft ein (denn alle Luft hat Phlogiston in sich, aber zu verschie-
denen Graden) setzen die reine heilsame Luft in unserer Lunge ab, und
hauchen das übrige nemlich die brennbaren schädlichen Theile weg. Alle
thierische Ausdünstungen phlogisticiren die Luft gar sehr. Daher der Mangel
an frischer Luft in Zimmern, wo viele Menschen beisammen sind, und, wenn
diese Zimmer schon lange Zeit verschlossen sind, die Tödlichkeit erstickende
Kraft der darin befindlichen Luft herzuleiten ist. Eine traurige Erfahrung
davon gibt das sogenannte Kerkerfieber in Frankreich «davon». Einst
sollten Mißethäter, die lange in verschloßenen Gefängnißen hatten sitzen
müßen hingerichtet und ihnen das Todesurtheil zu dem Ende vorgelesen
werden, wobei sich denn der Richter, der ganze Rath und eine große Menge
Volk versammelte. Da man aber die Delinquenten auf den Gerichtshof führte,

/ so

/|P_75

/so starben blos von der höchst schädlichen Ausdünstung der in ihren Kleidern
befindlichen phlogistischen Luft, der Richter selbst, der halbe Rath und ein dritter
Theil der Zuschauer, und zwar gleich auf der Stelle. Weil die Gefangenen aber
nicht auf einmal, sondern nach und nach erst waren an diese Kerkerluft
gewohnt worden, so waren sie auch leben geblieben. Solche phlogistische Luft
trift man auch häufig an <in> den Kajüten und dem untern Raum der Schiffe,
wo die frische Luft keinen Zugang hat. So verlieren die Holländer, welche
jährlich eine große Menge Menschen nach Batavia hinführen, die sich in Amster-
dam von den Seelenverköpers haben berüken laßen, wol ein Drittel davon,
weil sie das Schiff ganz voll damit stopfen. Daher hat man auf Mittel gesonnen,
in die Schiffe zur See frische Luft hineinzuschaffen, und bedient sich zu dem
Ende zweier Arten von Ventilators, wodurch die unreine Luft heraus,
und die reine Luft heringeschaft ist. Man bemüht sich auch ein Mittel
zu erfinden, die Luft mit geringen Kosten zu dephlogisticiren. Sollte man
solches veranstalten können, so würde gewis ieder der es nur irgend
haben könnte, sich bestreben in seinem Zimmer dephlogisticirte Luft zu haben.
Denn der Mensch befind sich in einer solchen Luft so munter und aufgeräumt,
daß es eine Art von Wollust seyn würde, in einer solchen Luft leben zu
können. Frägt man aber, warum denn die Natur uns nirgends eine so reine
ganz dephlogisticirte Luft gegeben, so dienet darauf zur Antwort, daß in
einer solchen Luft wol kaum die Menschen so lange würden leben können,
als sie es itzt <in> einer Luft, die mit Phlogiston vermischt ist, können. Freilich
würde alles weit thätiger zu Werke gehen, aber eben darum würden auch
die Räder unserer Maschine desto eher herumlaufen und stehen bleiben.
Die Seeluft ist ganz und gar nicht ungesund. Denn viele Länder, die doch
nicht weit von der See liegen, sind ihrer gesunden Luft wegen so berühmt
als Lissabon, Montpellier, Nizza. Auch nach Brasilien und den Bermudischen

/ Inseln

/|P_76

/Inseln stellt man Reisen der Gesundheit wegen an. Doch kann man nicht leugnen,
daß einige Seen zE das mittelländische Meer zu einer gewißen Zeit unge-
sund sind, wenn sie nemlich einen Braakgeruch haben. Das kommt aber nur
von den Ausdünstungen der Gewächse in solchen Seen her, die rund um sich viel
phlogistische Luft ausbreiten und daher dem Waßer einen brennlichen Ge-
ruch und Aussehen mittheilen. Dieses findet auch beim frischen und Curischen
Haff statt, und man sagt alsdenn: das Haff glühet.

/Alle säuerliche Mittel sind ein Antiscepticum wider die Fäulniß, weil sie
viel fixe Luft enthalten. Daher ist kein beßer Mittel wider den Scorbut
als Aufguß auf Malz. Eben darin liegt auch der Grund von der heilsamen
Wirkung des Sauerkrauts bei dieser Krankheit. Eben das gilt auch von dem
Waßer der Kokos. Man bohrt die Kokosnüße aus, und trinkt das darinn
befindliche Waßer, welches weißlicht aussieht (als wenn ein paar Tropfen
Milch wären hineingegoßen worden) aus. Die Rußen bedienen sich einer
Diät die sehr antisceptisch ist, und daher von den Engländern zur See auch
gebraucht wird. Sie machen den sogenannten Quass, welches blos
Roggenmehl ist, welches man hat stehen und jähren laßen, und ihren Dzi
eine Suppe; beides vortrefliche Mittel wider die Fäulniß und also auch
wider den Scorbut. Dieser entsteht aber eben von dem beständigen Genuß
des eingesalzenen Fleisches (denn das Bischen Zwiebak will nicht viel sagen)
welches noch dazu oft faul ist, und dem stinkenden Waßer, welches man auf
der See zu Schiffe trinken muß. Auch für die Russen selbst ist diese Diät
sehr heilsam, wenn sich auch gleich mehrentheils auf dem Lande leben. Denn alle
Nationen wozu denn auch die griechische gehöret, die das Veste an sich haben
und also sehr viel Fische eßen müßen, haben um desto eher antisceptische
Mittel nöthig, je mehr sein solcher Fraß die Fäulniß befördert. Die Holländer
sind die einzige Nation die ohne großen Schaden an der Gesundheit sich mitten

/ in

/|P_77

/in Sümpfen und Morrästen aufhalten können. Es ist sogar «¿¿»recht zur Leiden-
schaft geworden, wie die Amphibien, nicht recht auf dem Lande auch nicht recht
im Waßer leben. Daher bauen sie allenthalben, wo sie nur hinkommen,
sich weit lieber in sumpfichten Gegenden, wo sie brav Canäle ziehen können,
an, als an troknen Oertern. Ein Beispiel davon gibt ihr Verfah-
ren bei dem Anbau ihrer Pflanzstadt Batavia auf der Insel Iawa, wo
alle andere Nationen, wenn sie sich nur etliche Wochen daselbst aufhalten,
von der tödlichen Sumpfluft sterben müßen. Denn als sie nach dieser Insel
hinkammen, suchten sie sich mit Fleiß den grösten Morrast <auf derselben> aus, um an diesem
Orte, der vormals Iucata hieß, ihr neues sumpfigtes Amsterdam anlegen
zu können. Woher es komme, daß sie nicht eben so wie andre Völker von einer
solchen Sumpfluft getödtet werden, kann man nicht anders erklähren,
als weil sie schon von Kindheit an gewohnet werden, den Fröschen Gesellschaft
zu leisten. In Africa ist die Luft am schädlichsten, wenn die Regenzeit
einfällt, insonderheit am Senegal und Gambiastrom, auch St_Thomas
in Africa unter dem Aequator, eine große Insel den Portugiesen gehörig,
hat erschreklich ungesund«t»e Luft. Denn auch hier hat man die Hauptstadt
S_Saluator gerade an dem niedrigsten Orte auf der ganzen Insel gebaut,
blos deshalb weil sie bequem zum Handel liegt. Was Gewinnsucht nicht über den
Menschen vermag, selbst sein Leben setzt er ihr nach. Man sieht hieraus deutlich,
daß die Luft in allen sumpfichten Gegenden äußerst schädlich sei. D. Lind,
ein englischer vortreflicher Schriftsteller führt an, daß von dem Winde,
der während seines Aufenthalts zu Rom über die Pontinische Sümpfe wehete,
allein 30 Personen auf der Stelle getödtet worden. Sümpfe aber trift man vor-
züglich in waldigten Gegenden. Ueberhaupt ist es nicht gesund, sich viel in
Wäldern aufzuhalten, weil hier die Bäume doch fast mehrentheils im Schatten
stehen, und also immer phlogistische Luft ausdünsten. Daher fangen Länder, die

/ vorher

/|P_78

/vorher als Wälder sie bedeckten, äußerst ungesund ungesund waren, so gleich viel gesunder
zu werden, sobald man die Wälder lichtet zE die Insel Madera, die vorher
wegen der phlogistischen Ausdünstungen ihrer vielen Wälder ganz mit einem
diken Nebel umhüllt war. Doch machen alle bergigte Gegenden, die mit Wald
bedekt sind, hievon eine Ausnahme. Denn, da hier die Bäume nicht dicht neben
einander, sondern immer über den andern stehen, so kann die Sonne da gut
hineinscheinen, und also machen, daß die Bäume welche sonst, wenn sie im
Schatten ständen, die Luft phlogistisch machen würden, nunmehr da sie in der
Sonne stehen, die Luft dephlogisticiren. Der Aussatz ist beständig in den Städten
des glüklichen Arabiens anzutreffen. Niebuhr gibt davon in seiner Reisebe-
schreibung von Arabien umständliche Nachricht. Die Haut wird etwas blau,
schuppt sich ab, und die mit solcher Krankheit behafteten Leute sind
äußerst geil. Dieser Aussatz ist sehr anstekend. Die Türken sind oft damit ge-
plagt. Er war auch bald nach den Kreutzzügen in Europa, als in Frankreich
wo man noch Lazarethe für die Aussätzige antrift. Das brachten also die
Europäer aus dem gelobten Lande zur Beute mit. Er hat sich aber zu großem
Glüke nicht in unserm Clima erhalten könne. Bei den Negers in Westindien
findet man auch eine ähnliche Krankheit. Die Ursache von diesem Aussatz läst
sich nicht leicht angeben, doch ist so viel gewiß, daß er nicht von der Luft
erzeuget, sondern wie alle andre epidemische Krankheiten durch die
Anstekung ausgebreitet werde.

/Kein Mensch pokt von selbst, sondern die Poken werden durch Contagion dem
Menschen zu Theil. Auf allen Inseln im Südmeer findet man keine Poken.
In Westindien waren auch vor der Entdekung deßelben keine. Die Spanier machten
damit den dortigen Einwohnern ein Präsent oder verkauften sie ihnen vielmehr
für die Venusseuche. In der neuen Welt haben die Poken erstaunliche Ver-
wüstungen angerichtet, weil sie dort was ganz neues waren und man sie
nicht recht zu behandeln wuste. Auch in Europa sind sie nicht vor alten Zeiten gewesen

/ denn

/|P_79

/denn erst im Anfange des 6ten Iahrhunderts thut ein jüdischer Arzt ihrer Erwähnung,
da man vorher in der ganzen Geschichte auch keine Spur von ihnen antrift.
Vielleicht stammen sie aus dem Innern von Arabien her. Doch sind sie in Ostindien
wahrscheinlich schon weit eher als selbst in Arabien gewesen. Denn die Inoculation
ist schon lange vorher daselbst gebraucht, weil die Harems (Frauenzimmer Seraillen)
in Circaßien mit lauter schönen und bübschen Frauenspersonen angefüllt
werden müßen. Wenn aber die Poken inoculiret werden, so kann man
eher die Verunstaltung des Gesichts verhüten, als wenn sie von selbst sich ein-
finden. Die Hauptfrage bei der Pokencur besteht dahin, daß der Kranke kühl
gehalten werden und so viel als möglich sich beschäftige und bewege, also durchaus
nicht im Bett eingeschloßen werde. Die Ursache warum so viele Menschen an
den Poken sterben, liegt nicht so wol in der gefährlichen Beschaffenheit derselben,
als vielmehr in der verkehrten Behandlung dieser Krankheit, und vorzüglich darin,
daß man nicht sogleich auf ihren ersten Anfang achtsam ist. Kein Mensch kann
mehr als einmal sein Leben hindurch die Poken bekommen. Eben das gilt auch
von den Masern. Einige Aerzte rechnen auch den Keichhusten dahin. Die Pest
kommt ebenfalls nicht von der Beschaffenheit der Luft her, sondern durch Anste-
kung. In Egypten und der Türkei ist beständig Pest, weil hier gar keine Sorge
für die Ausbreitung derselben getragen wird. Das beste Mittel dawider ist
unstrittig, daß man sie vom Lande durch Cordons abzuhalten sucht. Daher
hat manbei den iztigen Anstalten nicht leicht eine Pest in Europa zu besorgen.
In Venedig ist man so sorgfältig darauf bedacht, die Pest von den Europäischen
Provinzen abzuwenden, daß alle Personen die aus der Lewante kommen,
sich erst etliche Wochen in gewißen dazu bestimten an der See gelegenen Häusern
aufhalten müßen, ehe man sie durchläst, damit man sehen könne, ob sie von
der Pest angestekt sind. Sobald sich nun eine solche Person an einen Ort
hinsetzt außerhalb dem Pesthause, so gibt am genau Achtung, ob auch

/ irgend

/|P_80

/irgend iemand von den Einwohnern oder andern Fremden sich auf denselben Platz
niederläßt, und wenn solches geschieht so wird dieser sogleich auch in das
Pesthaus gesperrt.

/Die Venusseuche nennt man deshalb Franzosenkrankheit, weil die Französische
Armee bei Belagerung «¿¿»von Neapel ganz damit angestekt war, und diese
heßliche Krankheit in ganz Italien ausbreitete. Man kann diese Krank-
heit nicht anders bekommen als durch einen Concubitum mit einer Person, die schon
davon angestekt ist. Sollte sei einem auch durch andern Umgang mitgetheilet
werden, so wird sie doch ganz schwach und fast unmerklich seyn, also leicht
geheilt werden können. Blos durch Anstekung wird sie also ausgebreitet, und
wird nie auch dem grösten Wollüstling zu Theil, wenn er nur die Gemeinschaft
mit unreinen Personen andern Geschlechts vermeidet. Die Seminal Feuchtigkeiten
werden dadurch vorzüglich angegriffen, und daher ist der erste Ursprung dieser
Krankheiten wol bei den Nationen zu suchen, die Menschenfleiß freßen, als auf
den Südseeinseln, wo sie häufig paßiret. Aber auch in Rußland, besonders in Sibirien,
wie auch in der Lewante und in Spanien ist dieses Uebel sehr gewöhnlich.
Nach diesen Ländern kann es nicht anders als durch Anstekung ausgebreitet seyn.
Die Viehseuche wird ebenfalls nur durch Anstekung fortgepflanzt. Das zeigt
die gute Wirkung von der vortreflichen Einrichtung in dem Canton Bern,
wo man sogleich, wenn sich nur die geringste Spur dieser Krankheit an dem
Vieh in einem Dorfe zeigt, solches tod schlägt und den Schaden vergütet. Das ist
gewiß dafür das beste Mittel. In der Europäischen Türkei ist sie wol beständig.
Das Vieh bekommt diese Krankheit nur einmal. Wenn der Mensch das Fleisch von
solchem verrekten Vieh ißt, so wird er selbst tödlich krank.

/Wo und wie alle diese Epidemische Krankheiten entsprungen seyn mögen,
läst sich schwerlich bestimmen. Das höchste Alter erreichen die Menschen in den
sehr heißen Climaten, und ie mehr man nach den kalten Gegenden
kommt, desto mehr nimmt es ab. Hieraus sieht man, daß die Wärme dem Menschen

/ zu- 

/|P_81

/zuträglicher sey als strenge Kälte. Am Capao bonae spei wo doch ein sehr glükliches
Clima ist, sterben die Leute sehr jung. Vielleicht kommt solches von den daselbst
herrschenden Sturmwinden her.

/ ≥ §_30. ≤

/Von den Winden überhaupt. Der Wind ist dasjenige in Ansehung der Luft, was ein
Strom in Ansehung des Meeres ist. Er wird auch wie die See durch die Richtung
des vesten Landes und der Berge sehr eingeschränkt. Wie 2 Ströme die einander
entgegengesetzt sind, einen Meerstrudel machen, so machen auch 2 Winde die
entgegengesetzt aufeinander wirken, Wirbelwinde. Die vornehmsten
Ursachen der dauerhaften Winde sind

/1.) Wenn eine Luftgegend mehr erwärmt wird als die andre ZE über dem Lande
mehr als über dem Meer, so weicht sie dieser, weil sie leichter ist, als die kühlere
Luft, und es entsteht ein Wind in dem Platz der Erwärmung, welcher so lange
dauert, als die vorzügliche Erhitzung des Orts wärmet.

/2.) Wenn eine Luftgegend nach und nach erkaltet, so faltet sie sich zusammen, ver-
lieret ihre Ausströmung und machet der wärmenden Luft Platz gegen ihr
zu strömen. Wenn im Anfange des Herbstes im tiefen Norden es anfängt kalt
zu werden, so ziehet die südliche Luft nach Norden über, so lange als die Zunahme
der Wärme dauert, und hernach kehret sie wieder zurück.

/3.) Von plötzlichen Stürmen, die nicht lange währen. Sie sind aus der Erde ausge-
brochene Schwefel und mineralische Dämpfe, welche die Elasticität der Luft
schwächen oder in Gährung gerathen. Eben dieses ist die Ursache ingleichen auf
einanderstoßenden Winden, die sich anfänglich aufhalten und Windstillen machen,
hernach mit Heftigkeit sich drüken und entsetzliche Wolkenbrüche und
tobende Stürme «I»machen. Imgleichen macht ein heftiger Platzregen oder Hagel einen Wind,
der sehr heftig seyn kann. Die Eintheilung die die Seeleute von den Winden machen
ist diese: Sie nehmen die 4 Hauptgegenden Nord, Ost, Süd, West, denn theilen sie

/ ieden

/|P_82

/ieden Bogen des Horizonts der zwischen 2 Hauptgegenden enthalten ist, in
2 gleiche Theile. Sie heißen Nordost, Nordwest, Südwest. Die Buchstaben
werden so gesetzt, daß die von Nord oder Süd immer zuerst kommen, hernach
theilen sie diesen in einen viertelbogen, und setzen noch die vorige
Benennungen, wozu aber Nordost und Nordwest auch noch kommen müßen,
immer die Hauptgegenden, denen sie am nächsten liegen, als NordNordost.
Ostnordost, Ostsüdost, Süd_SüdWest. WestSüdWest. WestNordWest. NordNordWest¿
Die Winde von der 4ten Ordnung entstehen, indem sie die vorigen Bogen
wieder halbiren, die vorige Benennung behalten, und nur zeigen, was für
einer Hauptgegend sie am nächsten liegen, und dieses durch das Wort gen
zE Ost gen Ost pp Alle diese Eintheilungen machen 32 Winde aus.

/ ≥ §_31.
/Eintheilung der Winde nach ihren Eigenschafften ¿ Feuchtigkeit, Troken-
heit, Wärme, Kälte und Gesundheit.

/Die Abendwinde sind in den meisten Gegenden feucht, sind es aber in der ganzen
Welt, außer wenn sie über einen verbrannten Boden streichen, als in Persien,
der Abendwind der über Arabien streicht. Es mag ein Westwind über ein
nahes oder entlegenes Meer streichen so ist er immer feucht, dahingegen der
Ostwind, wenn er gleich noch über größere Meere kommt mehrentheils troken
ist. In den Philippinischen Inseln regiren des Iahrs 2 Wechselwinde, der
Nordostwind den Herbst und die Wintermonate, und der Südwind die übrige
Zeit. Iener ob er gleich über das mare pacificum weht, ist troken. Ein
gleiches ist in Ost- und Westindien zu merken zE in der Gegend von Neu-
carthagena. Die Südwestwinde die über das atlantische Meer wehen sind
feucht, und bringen selten heiter und troken Wetter, dahingegen nur
die Westwinde feucht sind. Dieses geschieht auch selbst in der Stillen_See,
da die Ostwinde heiter Wetter geben, die Westwinde aber,
die über die See gehen regenhaftes.

/ Wenn

/|P_83

/Wenn der Wind eine Luft mit sich führet, die kühler ist als der menschliche Körper,
so kühlet er. Ist seine mitgebrachte Luft aber heißer als dieser, so erhitzt er
den Menschen desto mehr, je schneller er geht. Solche heiße Winde sind hin %und wieder
in der Zona torrida anzutreffen. Der Wind Camzin in Egypten und vornemlich
der Zamiel in Persien, Arabien und Syrien sind die ärgsten. Sie blasen mit einer
Hitze als wenn sie aus einem Feuerroste kämen. Dieser Wind Zamiel
führet eine röthliche Luft mit sich und wehet vornemlich im Iunius
bis August, und ist sonderlich am Persischen Meerbusen zu spüren. Die Persier
meinen, daß er seine giftige Eigenschaft von einem Kraut Golbaza_Moar
genannt, welches häufig in den Wüsten von Chermann wächst, habe, weil
der Wind über selbiges streichet, seinen Blumenstaub fortführet.
Es scheinet aber der Wahrheit ähnlicher zu seyn, daß die Winde der Sandwüste
mit der Trompe_de_Mer eine Aehnlichkeit haben, die iederzeit ein electrisches
Feuer in sich enthält. Trompe_de_Mer ist eine Wolke, woraus ein gewaltiger
Wirbelwind stößt, sie heist so, weil die unten enge oben weit ist.
Das Meer wird von ihr empor getrieben, und alles was sich auf demselben
befindet zerschmettert und zerstäubt. Wenn sie über ein Land ziehet, so
hebt sie Bäume, bepakte Wagen, Häuser in die Höhe, reißt Stüken aus
der Erde aus, und führt sie etliche Meilen weit weg. Man nennt sie
auch Waßerhosen. In den heißen Ländern sind sie gefährlicher. Doch findt
man bisweilen selbst im Curischen Haffe etwas ähnliches aber nur schwach.
Vor etlichen Iahren kam eine solche Waßerhose über Königsberg, und hob
alles Wachs, was auf der Bleiche lag empor und zerstäubte es in einem
Wachsregen über die ganze Stadt. Der Sirouco scheint nur ein gemäßigter
Zamiel zu seyn, weil alle diese Gegenden viel Naphta insonderheit in
ihrem Boden enthalten. Die Säure der Salpetertheilchen, die der persische Wind
mit sich führet und im Dämpfe aufbrausen, wovon das beständige Zischen

/ des

/|P_84

/des Windes, wenn wenn er weht, herrühret, müßen erhitzen und die rothe Farbe zu
Wege bringen. Der Wind Zamiel tödtet wenn er heftig gehet, sehr schnell. Mei-
nungen von dem plötzlichen Sterben der Israeliten und dem Heere Sanheribs.
Es gibt in Arabien imgleichen in den egyptischen Sandwüsten auch Winde die
Reisende im Sande begraben, daher denn die Mumien ohne Balsamirung entstehen.
Winde die von den Spitzen hoher Berge kommen, sind alle kalt, daher selbst
im Guinea der Nordostwind Tereno, der von dem im Innern des «vest»heißen Landes
befindlichen Gebürge kommt, große Trokenheit und Kälte bringt. Die Schiffe
bekommen daselbst zu der Zeit von der Trokenheit der Luft große Risse, die sich
sogleich verschließen, sobald der Wind aufhöret. Die Haut platzt zu der Zeit
den Menschen und die Negers fürchten sich auszugehen. Winde deren Züge ein-
ander entgegen streben, bringen erst Windstille, denn plötzlich Sturm, Platz-
regen und Gewitter zuwege. Die Gewitter entstehen vornemlich aus
dem Gegeneinanderstreben 2er Winde, welche Wolken von verschiedener
Elektricität vermengen, daher die Gewitter gemeiniglich gegen den
Wind aufsteigen, und nach denselben der Wind öfters sich endiget. In
dem Indischen oder Aethiopischen Meere folgen in den 2 Iahreshälften
2 verschiedene Wechselwinde aufeinander, welche zu derienigen Zeit,
wenn sie einander ablösen, erstlich Windstille, hierauf ein unter-
irdisches Wehen aus allen Gegenden rund um den Compaß, endlich
Sturm, Platzregen und Gewitter zuwege bringen, welche, wenn sie
höchstens nur eine halbe Stunde währen, Tornados heißen, wenn sie aber
etliche Stunden, ja wol Tage donnern, travados genannt werden.
Nicht weit von der Küste Sierra_Leona gegen Abend ist eine Gegend,
die man die Gegend der Tornaden nennt, worin solche mit Stürmen, fast
beständigen Regen und Gewittern, bei welchen eine Windstille herrscht,
abwechseln. Im Mexicanischen Meerbusen steiget bei abwechselnden Winden

/ gegen

/|P_85

/gegen Nordwest eine schwarze flache Wolke etliche Grade über dem Hori-
zont auf, diese heist man den Vorboth oder auch die Nord«w»bank, darauf
fängt ein reißender Sturm von Nordwest an, welchen man den Nord nennt.
Alle niedrige Wolken treiben mit großer Schnelligkeit, nur die Nordbank
ruhet, bis der Sturm vorüber ist. Weil vor diesem Winde Nord genannt, ge-
meiniglich ein sanfter Südwest hernach eine stille Luft vorhergeht, so siehet
man wol, daß die entgegenströmende Luftzüge erstlich einander aufhalten,
da wo sie die Dünste in eine Wolke zusammentreiben, welche man die
Nordbank nennt, eine Drehung in der obern Luft verursachen, und daß die
daselbst sich häufende Luft endlich unterwärts mit großer Gewalt her-
vorbreche, die Wolcke selbst aber, weil sie ein Mittelpunkt dieses
Wirbels ist, ruhen muß.

/Wenn der Wind nach Süden springt, so ist das Unglük am grösten. Diese
Winde sind dem 1sten October und Iunio eigen. Die Südwinde die im Iunio,
Iulio und August in welchen Monaten sie in dieser Gegend vornemlich
herrschen, wen die Zurükströmung der nördlichen Luft ihnen bisweilen
widerstrebt. Der Orcan Ourageans in eben diesem Meere und die um-
liegenden Seeküsten treiben Wolken die wie Pumpen aussehen, anstatt
daß die Nords eine flache Wolke machen. Ihre Farbe ist gräßlich, denn es
ist 1.) eine blaße Feuerfarbe 2.) Kupferroth und 3. schwarz. Am Capo bonae
spei herrscht ein Orcan, der aus einer Wolke das Ochßenauge genannt,
zu brechen scheint. Man glaubt falsch, daß diese Wolke nicht größer als
ein Ochsenauge sey, sie scheinet größer als ein ganzer Ochse zu seyn und
breitet sich vornemlich über den Tafelberg aus. Sie entsteht, wenn auf den
Nord- ein Südwind folgt, aus Ursachen die schon angeführt worden. Doch muß
man auch die Gebürge, an die sich die Wolken stoßen in Betrachtung ziehen

/ dieses

/|P_86

/dieses gilt auch von andern plötzlichen Stürmen, sie herrschen mehrentheils
in den Gegenden der Vorgebürge, Meerengen und wo viele Inseln sind,
und zu der Zeit wenn die Winde stärker abwechseln, als im Herbst
und Frühjahr mehr als in der übrigen Zeit. Im Chinesischen und Iapo-
nischen Meere herrschen die Typhons, welche von denen aus dem Meer
hervorgebrochenen Dämpfen zu entstehen pflegen. Denn das Meer
sprudelt und wallet an vielen Orten. Die Luft ist mit Schwefel-
dünsten angefüllt, und der Himmel siehet Kupferfarbig aus.
Der Typhon bleibt an einer Stelle, und treibet nicht fort. Mit diesem
haben die Waßerhosen eine Aehnlichkeit. Die Sinesischen Meere
und das rothe Meer haben diese Luft_Phoenomena öfters. Man siehet,
daß das Waßer an einem Orte gleichsam kocht, und endlich sich einen
Fuß hoch erhebt. Es steigt ein Rauch mit einem düstern zischenden Getöse
hervor, und denn scheinen die Wolken in der Gegend herab zu senken,
und mit der Röhre die Figur eines Trichters oder einer Trompete aus-
zumachen. In dieser Röhre wendet sich das Waßer in die Höhe %und fällt
außerhalb derselben nieder. Schiffe die davon ergriffen werden, werden
ihrer Segel beraubt. Sie treiben mit dem Winde fort.

/ ≥ §_32. ≤

/Schnelligkeit der Winde. Ein gelinder Sturm geht nicht schneller als ein
Mensch im Gehen. Ein ziemlich starker als ein Pferd im laufen. Ein Sturm-
wind der Bäume ausreißt, legt 24 %Fuß in einer Sekunde zurük. Es gibt
auch Sturmwinde die bis 60 %Fuß in einer Sekunde durchlaufen, diese werfen
selbst Häuser um.

/ ≥ §_33. ≤

/Von den Paßatwinden. Ein Wind der einem Erdstrich ein ganzes Iahr
hindurch mehrentheils eigen ist, heißet ein Paßatwind. Zwischen den tropicis
wehet fast beständig wenn man sich vom Lande entfernet ein Ostwind
um die ganze Erde. Dieser entstehet nicht von der zurükgebliebenen
Luft, die da die Erde von Abend gegen Morgen sich umdrehet nachbleibt
und in der entgegengesetzten Richtung widerstehet, sondern vor den nach

/ und

/|P_87

/und nach von Morgen gegen Abend durch die Sonne rund um die Erde geschehenen
«¿¿¿»<Erwär>mung. Denn wie eben gesagt, so strömet die Luft immer in der Gegend
die von der Sonne am meisten erwärmet wird, folglich muß sie dem
scheinbaren Laufe der Sonnen immer nachziehen. Die Seefahrer können
viel geschwinder aus Ostindien nach Europa als von hier dahin kommen,
weil sie im letzten Fall den generalen Ostwind sowol aus dem Aethio-
pischen als Indischen Meer gegen sich haben. Diese Seefahrer müßen auf
der Reise von Capo bonae spei nach Europa wol auf ihrer Hut seyn, daß sie
die Insel St_Helena nicht vorbei fahren, denn wenn sie dieselbe einmal
vorbei sind, so können sie nicht wieder dahin gelangen weil sie ein
starker Ostwind forttreibet, und müßen in der Insel Ascension sich mit
Schildkröten und Waßer versorgen. Dieses gilt von allen zwischen den tropicis
liegenden Meeren, dem atlantischen, Aethiopischen, stillen und Indischen.
Allein je weiter vom Aequator zu den tropicis desto mehr weicht dieser
Ostwind in eine Nebenrichtung aus Süd und Nord ab, nachdem man
sich im südlichen oder nordlichen Hemisphaerio sich befindet. Dort ist er ein
Südost- hier ein Nordostwind. Diese Winde erstreken sich auch etwas außerhalb
den tropicis, doch nicht leicht über den 30sten Grad, wo ein westlicher
Passatwind anhebt der bis zum 50ten Grade herrscht. Daher man aus
England um nach Amerika zu kommen sich dem tropico nähert, und daselbst
Ostwind findet, zurück aber zwischen dem 40sten und 50sten Grade der
Breite mit einem Westwinde eine kurze Reise macht. Die Winde
Alisaces gehören zu den Wirkungen dies allgemeinen Ostwindes und
sind solche die in einem Erdstriche beständig herrschen, obgleich sie nicht die Richtung
aus Osten haben zE so herrscht an den Küsten von Peru ein beständiger
Südwind der neben den Küsten Chily bis an Panama fortreichet, welches
daher kommt, weil die näher zum Süderpol befindliche Luft nach dem
Aequator hinstreichet, der allgemeine Ostwind aber durch die Cor- 

/ dill

/|P_88

/dillerischen Gebürge verhindert wird, hier seine Wirkung zu thun.
An den Küsten von Guinea ist fast beständiger Westwind weil die Luft über
Guinea mehr als über dem Meer erhitzt wird, und der letztere daher
genöthiget wird über sie zu streichen und zwar in schiefer Richtung von
Südwest nach Nordost, weil die große Streke des vesten Landes von Africa
nach der letztern Gegend hinlieget, da denn die Richtung der Küsten den Wind
völlig westlich macht.

/ ≥ §_34.
/Von See- und Landwinden

/Alle Länder der heißen Zona haben an ihrer Seeküste diese Abwechselung
der Winde, daß des Tages ein Wind aus der See ins Land streichet,
und des Nachts vom Lande in die See. Denn des Tages erhitzt die Sonne
das Land mehr als das Waßer, daher wird die Meeresluft die nicht in dem
Grade erwärmet worden dichter seyn als die Landluft und diese
aus der Stelle treiben. Daher nimmt auch die Stärke des Seewindes zu bis
nach 12 <Uhr> oder 1 Uhr nachmittags, von da er immer schwächer wird,
und des Abends ganz nachläßt. Alsdenn aber erkühlet die Seeluft
schneller als die Landluft, die über einen erhitzten Boden stehet, jene
ziehet sich also zusammen und machet dieser Platz, folglich streicht
alsdenn ein Landwind über die See. Diese Winde sind in allen Inseln
der Zonae torridae, im Mexicanischen Meerbusen, in Brasilien an den
africanischen und Ostindischen Küsten anzutreffen. Sie sind ausnehmend
nutzbar nicht allein zur Abkühlung dieser Länder, sondern auch für
die Schiffart zwischen vielen Inseln.

/ ≥ §_35.

/Von den Mousons oder periodischen Winden

/In dem Ganzen heißen Erdstriche wo ganze Länder von dem Aeqvator
gen Norden oder Süden sich ausbreiten, herrschen in den benachbarten
Meeren jährlich Wechselwinde. Die Moussons oder wie sie die Engländer
mit einem Indianischen Worte, welches Iahreszeit heißet, nennen 2 Monsons.

/ nemlich

/|P_89

/nemlich im Monate April bis September ein Südwestwind, die übrigen Monate ein
Nordostwind. Dieses geschiehet im Meerbusen von Bengala, dem persischen, Ara-
bischen Meere, im Archipelago, den Philippinischen Inseln, im mexicanischen
Meerbusen und anderwerts. Im südlichen Hemisphaerio geschiehet eben der
Wechsel des Westwindes und in den gedachten Monaten herrscht der Nordwest
und in den übrigen der Südwestwind.

/ ≥ §_36 ≤

/Ursache der Maussons. Indem ich die Ursache der Maussons erkläre, so gebe
ich auch eine allgemeine Theorie aller beständigen, periodischen, und der
meisten veränderten Winde. Ich sage nemlich, daß ein Wind der von dem
Aequator nach einem von 2 Polen gehet, eine Nebenrichtung nach Westen
bekome, wenn er erstlich eine Weite hindurch bewegt hat zE in unserm
nördlichen Hemisphaerio muß ein Südwind nach und nach in einen
Südwestwind ausschlagen, und auf der südlichen Seite des Aequatorius ein
Wind der von dem Aequator nach dem Süderpol hingeht ein Nordwest-
wind werden. Denn da die Erde sich um die Axe drehet, so beschreiben die
Theile ihrer Oberfläche größere Parallelcirkel nachdem sie den Aequator
näher liegen und desto kleiner je näher sie nach dem Pole liegen und
die Luft welche die Erde bedekt hat allenthalben wenn kein Wind ist
gleiche Bewegung mit dem Theil der Oberfläche der Erde auf welcher sie ruhet, hat.
Also wird des Aequators Luft mehr Schnelligkeit der Bewegung von Abend
gegen Morgen haben, als die unter den tropicis, und diese weit mehr als
die zwischen den Polarcirkeln etc. Dieses aber macht an sich noch gar
keinen Wind, weil die Luft auf der Oberfläche der Erde ihren Platz nicht
verändert. So bald aber die Aequators Luft nach einem von den Polen zE
zu dem Nordpol ziehet, so ist es erstlich ein Südwind. Allein diese nach Norden
ziehende Luft hat doch von der Drehung der Erde einen Schwung von Abend
gegen Morgen, der schneller ist als alle Parallelcirkel wohin sie bei weiter
Entfernung vom Aequator anlanget. Also wird sie über die Oerter, wo sie

/ kommt

/|P_90

/ankommt sich mit dem Ueberschuße ihrer Schnelligkeit von Morgen gegen Abend
fortbewegen mithin durch die Zusammensetzung der südlichen Richtung einen
Südwestwind machen. Aus eben dem Grunde wird aus der Bewegung der
Aequators Luft nach dem Süderpol hin ein Nordwestwind entstehen. Dagegen
wenn aus einer vom Aequator entfernten Gegend die Luft zum Aequator hin-
strömet, so wird in unserm Hemisphaerio dieses erstlich ein Nordwind seyn
Da er aber aus solchen Gegenden der Erde ausgegangen, wo er wegen der
kleinen Parallelcirkel in denen er sich befand, weniger Schnelligkeit
von Abend gegen Morgen hatte, als diejenigen Theile der Oberfläche der Erde,
die dem Aequator näher liegen, wohin er sich beweget, so wird er weil er
nicht so viel Bewegungen von Westen nach Osten hat als die Oerter wo
er anlanget, nachbleiben, also sich schon von Osten gegen Westen zu be-
wegen scheinen, welches mit der nordlichen Richtung verbunden in unserm
Hemisphaerio einen Nordostwind macht. Also wird ein Nordwind in unserer
Halbkugel ie mehr er sich dem Aequator nähert in einen Nordostwind aus-
schlagen und im südlichen Hemisphaerio wird ein Südwind sich in einen
Südostwind aus eben dem Grunde verändern. Hieraus nun kann zuerst
der allgemeine Wind unter der Linie erkläret werden, denn daselbst
und vornemlich zur Zeit der Tag und Nachtgleiche ist die Luft mehr als
anderwärts verdikt. Die Luft bei den Polen und andern zwischen ihm
und dem Aequator gelegenen Gegenden ziehet also zum Aequator hin.
Der Nordwind verändert sich eben dadurch in einen Nordostwind
und der Südwind in einen Südostwind. Diese Winde werden auch zwischen
den tropicis ein ieder in seinem Hemisphaerio anzutreffen seyn. Allein
unter dem Aequator werden sie da sie in einen Winkel zusammentreffen in
bloße Ostwinde ausschlagen. Da nun vom Merz bis in den September
die Sonne den Zonam toridam in unserm Hemisphaerio am meisten erhitzt,
so werden die Länder in derselben, oder in denen ihr nahe liegenden ungemein
erwärmt werden, und die nahe dem Aequator liegende Luft wird den Platz der

/ über

/|P_91

/über dieser verdünnten Luft einnehmen. Es wird also ein Südwind entstehen, der um
des vorher erwehnten Gesetzes willen in einen Südwestwind ausschläget. Allein
in den übrigen Monaten thut die Sonne dieses im südlichen Hemisphaerio, also wird
die Luft der nordlichen Halbkugel herüberziehen und einen Nordwestwind machen.
In der Zeit da diese Maussons mit einander abwechseln werden Windstillen und
Orcana regieren.

/ ≥ §_37. ≤

/Noch einige Gesetz«¿»<e> der Abwechselung der Winde. In unserm nordlichen Hemi-
sphaerio pflegen die Winde wenn sie von Norden nach Nordost gehen auf diese
Weise den ganzen Cirkel von der linken zur rechten zu absolviren %.nemlich
nach Osten, denn nach Süden, denn nach Westen zu gehen. Allein dieienigen Winde
die auf eine entgegengesetzte Art aus Norden nach Westen laufen pflegen
fast niemals den ganzen Cirkel zu absolviren. Im südlichen Hemisphaerio da
die Sonne ihren Lauf von der rechten gegen die linke hat, ist dieser Cirkellauf
auch umgedrehet wie im mari pacifico angemerkt. Es scheint dies Gesetz
vom Lauf der Sonne herzurühren, denn der Nordwind schlägt natürlicher
Weise in einen Nordostwind aus, allein wenn ihm die südliche Luft
endlich widerstehet, so wird er völlig östlich, denn fängt die Luft aus Süden
an zurückzugehen und wird durch die Verbindung mit dem Ostwinde erst
Südost denn völlig südlich, denn aus dem oben angeführten Gesetze
südwest, denn durch den Widerstand der nördlichen Luft völlig west. Die
Winde sind am meisten veränderlich in der Mitte zwischen einem Pol
und dem Aequator. In der Zona torrida sowol und in den nahe gelegenen Ge-
genden als in der Zona frigida und den benachbarten sind sie viel beständiger.
Oefters und gemeiniglich sind Winde in verschiedenen Höhen der Luft verschieden,
sie bringen aber hernach Windstillen, und darnach plötzliche Stürme, oder
einen veränderten Wind in den niedrigen Gegenden zuwege.

/Anmerkung ad §_30-37. ≤

/In China ist der Ostwind, ob er gleich über <¿¿¿> Meer<e> weht, troken, und in den

/ phi

/|P_92

/philippinischen Inseln der Westwind, ob er gleich über Land kommt, dennoch feucht.
Die Ursache von der Trockenheit des Ostwindes und der Feuchtigkeit des
Westwindes kann also nicht darin liegen, daß iener über Land und
dieser von der See herkomme, sondern es müßen andre Ursachen da seyn.
Am füglichsten läst es sich so erklären. Der Ostwind scheint nemlich die obere
Luft herab, der Westwind aber die untere Luft herauf zu bringen. Wenn
nun die obere Luft allemal trokener ist als die untere, so muß der Ost-
wind troken, der Westwind hingegen feucht machen. Der Nordwind in Tibet
ist nicht die Ursache von der dasigen erstaunlichen Trokenheit der Luft.
Daß Westwinde, wenn sie über große Sandwüsten wehen, sehr troken seyn
können, erfährt man in Pondichery. Hier weht von 9 Uhr Morgens
bis 1 Uhr nachmittags ein Landwind aus Westen, der Sand mit sich führet,
und ohngeachtet der schreklichen Hitze, doch keinen Menschen wegen seiner
Trokenheit schwitzen läst. Sobald aber um 1 Uhr der Seewind zu wehen
anfängt, so kommt alles in einen gelinden Schweiß, und der Mensch
empfind eine große Erleichterung, ob die Hitze gleich eben dieselbe bleibt.
Der Seewind erstreckt sich sich aber nur 2_1/2 Meile ins Land herein. An eben dieser
Küste weht vom Februar an bis zum April ein beständiger Südostwind,
welchen man den Besen der Küste nennt, weil er daselbst alle Krankheiten
die aus Fäulniß entstehen als Faulfieber und dergleichen auf einmal
vertreibt. Sobald der April zu Ende ist, erfolgt eine Windstille und denn kommt
Südwestwind und sogleich fängt es an zu regnen und alle faulende Krank-
heiten finden sich wieder ein. Im Rom hat man 2 häßliche Winde, nemlich den
Tramontano ein Nordwind der über die Gebürge weht und daher ziemlich
kalt ist. Man sagt daselbst ein Sprüchwort von einem Menschen, der beim Eintritt
in ein Zimmer, «groß» wo er unvermuthet große und vermischte Gesellschaft
antrift, wie verblift da steht: Er hat den Tramontano verloren, weil er doch

/ doch ~

/|P_92R δZ_8

/(I Kants Theorie der Winde) ~

/|P_93

/wenigstens vom Wetter sprechen könnte, wenn er sein Compliment absolviret hat.
Der andere Wind der im untern Theil von Italien und besonders in Sicilien
weht, ist der Sirocco_Wind, der die Hitze oft bis zum 112 Grad Fahrenheitschen
Thermometers treibt, und so matt und träge macht, daß man im Sch«m»erz
von einem schlechten Gedicht sagt: Es ist zur Zeit das Sirocco geschrieben.
Der Mensch kann eine Hitze vertragen, die bei weitem den Grad der Wärme
seines Bluts übersteigt. Die Hitze des menschlichen Bluts ist höchstens nur 97 Grad
Fahrenheitschen Thermometers. Hingegen hat man in Astracan bisweilen
eine weit größere Hitze, wiewol nur auf kurze Zeit. Einmal stieg sie
daselbst bis auf 120 Grad Fahrenheitschen Thermometers, und vor einigen
Jahren stellten einige Engländer darüber Versuche an, die, ob sie gleich sehr
wagehälsig waren, doch «alles» <das> resultat gaben, daß der Mensch sogar in einer
Hitze von 240 Grad Fahrenheidschen Thermometers noch eine ganze Viertel¥
Stunde lang aushalten könne. Das steigt schon weit über die Hitze des ko-
chenden Waßers.

/ ≥ §_38. ≤

/Vom Regen und andern Luftbegebenheiten. In der Zona torrida ist es am regen-
haftesten. Daselbst fallen auch größere Tropfen, und mit mehrerem Ungestüm.
In den Aethiopischen Gebürgen und in den Cordilleren regnet es fast immer.
«¿»Die Südwestwinde bringen in den Theilen der Zonae torridae und in den
anliegenden Gegenden, die in der nordlichen Halbkugel lieget den anhaltenden
Regen zuwege, welcher die Flüße so aufschwellend macht. In Sierra_Leona
und einigen andern Gegenden der Küste von Guinea fällt Regen in
sehr großen Tropfen und erzeugt Wärme. Die Negers laufen vor dem Regen,
als vor dem Feuer und in einem Kleide mit Regen durchnetzet schlafen ist tödlich,
wie denn solche Kleider, wenn sie naß weggelegt werden in Kurzem verfaulen.
In einigen Ländern regnet es gar nicht, in andern selten. Der niedrige Theil von
Peru wo Lima liegt, ist ganz vom Regen frei, daher man daselbst flache Dächer hat,

/ darauf ~

/|P_93R δZ_4

/%.Siehe Bernoulli [[Brydone]] Reisebeschreibung
durch Sicilien. ~

/|P_94

/darauf Asche gestreuet ist, um den Thau einzufangen, weil ein beständiger
Südwind daselbst wehet, der ihnen das ist, was bei uns ein Nordwind. In
Oberegypten regnet es niemals.

/Anmerkung ad §_38. ≤

/In den meisten Ländern unter dem Aequator und überhaupt in der heißen Zone
dauert die Regenzeit gemeinhin ein ganzes halbes Iahr oder doch wenigstens
die Monate hindurch, worinn wir Sommer haben. Wenn aber diese Zeit vorbei
ist, so regnet es auch gar nicht mehr, Dafür ist aber auch in allen heißen
Ländern der Regen weit stärker und wie ein continuirlicher Wolkenbruch,
der in wenigen Stunden alles unter Waßer setzt. Daher rechnet man,
daß in Indien die ganze Summe des Regenwaßers ein ganzes Iahr
hindurch wol 70 bis 80 Zolle betrage, bei uns schon weit weniger, in Holland
nur 30 und in Paris ohngefehr 22 Zolle. Das erste Regenwaßer, was da
fällt nimmt allenthalben <viele> fremde Theile aus der Luft mit und ist daher
sehr unrein. Hat es aber schon eine Zeitlang geregnet, so kann es wol
das reinste Waßer seyn was am wenigsten mit fremden Theilen ver-
mengt ist. In Oberegypten regnet es doch im Herbst etliche Tage, in Unter-
Egypten aber niemals, weil das weder Berge, noch Sümpfe noch Wälder
sind, sondern von der einen Seite die Sandwüste Saara und von der
andern die steinigte Thebaische Wüste liegt. Denn Wälder und Berge
ziehen die Wolken an sich und machen, daß sie in Regen herabfallen, indem
sie solche verdiken. Die Ursache warum der Nil so sehr anschwillt liegt in
dem starken Regen, der in Abyßinien fällt. In Peru wo es auch gar nicht
regnet, hat man alle Häuser blos von Thon gebaut, welche sogleich über den
Haufen fallen, sobald sie durchnäßt werden. Dafür daß es in Peru
garnicht oder doch nur bisweilen sehr wenig regnet, fällt desto
mehr Regen bei den Cordilleren.

/ Sechstes

/|P_95

/ ≥ Sechstes Hauptstück
/ §_39. ≤

/Von dem Zusammenhange der Witterung mit der Iahreszeit. Alle Länder selbst
kalte Erdstriche haben im Winter desto mehr temperirtere Luft oder
Witterung je näher sie am Meere liegen welches in seiner weiten Aus-
dehnung niemals frieret, und niemals so sehr als das Land erhitzt wird.
Daher es am Nordkapp im Winter nicht strengere Kälte ist als im südlichen
Theile von Nordholland und an der Seeküste von Norwegen viel weniger
als im innwendigen. Alle Inseln haben temperirtere Luft als das Continent.
Darin liegt der Grund, daß es in London bei weitem nicht so kalt ist als in Paris,
und das viele Gewächse fortkommen, die hier erfrieren. Die östlichen Länder
eines großen Continents
haben: weit strengere Winter als andere,
die oftmals nördlicher liegen. So ist es in dem Theile von China, der südlicher
liegt als Neapolis im Winter so kalt, daß es ansehnlich frieret. Die ganze
neue Welt ist kälter als die alte Welt.
In Nordamerica sind in der Breite
von Frankreich so strenge Winter als im nordlichen Theile von Schweden.
Im südlichen Hemisphaerio ist es kälter als im nordlichen in gleicher Breite.
Es schwimmen daselbst wenn es mitten im Sommer ist in einer Polhöhe so wie
die von England ist große Eisfelder welche nie aufthauen. Die angebliche
Ursache, daß im südlichen Hemisphaerio kälter ist als bei uns nah, soll in der
Schiefe der Erdaxe liegen.
Selbst in Europa war es vordem in viel Ländern
kälter als itzo. Die Tieber gefror im Winter zur Zeit des Kaisers Augusti
gewöhnlich, itzt aber niemals. Die Rhone gefror zu Julii Caesaris Zeiten
so daß man Lasten darüber fahren konnte, itzt aber ist dieses nicht
erhört. Das schwarze Meer war zur Zeit Constantini_Copronimi dik be-
froren. Deutschland am Rhein und Frankreich werden uns von den Alten

/ als

/|P_96

/wie Sibirien beschrieben. Dieses rührte vermuthlich von den vielen Wäldern her,
welche damals die meisten dieser Länder bedekten, und in denen der
Schnee sehr spät schmilzet, so daß kalte Winde daher wehen. Itzo sind die
Wälder gröstentheils ausgehauen, hingegen im nordlichen Theil von
America und Asia sind sie noch unermeßlich groß, welches eine von den
Ursachen der Kälte in diesen Ländern seyn kann. Doch kann zuweilen
die Beschaffenheit des Bodens viel hierbei thun, vornemlich die in China
und Sibirien, wenn nemlich viel Salpeter in dem Boden ist. Im heißen
Erdstriche in dem Theile desselben der in der nordlichen HalbKugel lieget,
ist der Winter in dem eigentlichen Sommermonate bestehet aber blos
in der Regenzeit, denn die Sonne ist ihnen denn am nähesten, wie es
denn zu der Zeit eine sehr schwüle Luft zE in der Gegend um Carthagena
in America und Guinea gibt. Die übrige Zeit heißt die gute oder trokne
Zeit. In Persien nemlich im mittlern Theile in Syrien und Klein_Asien
ist die Winterkälte sehr heftig. In der Halbinsel diesseit des Ganges
kommt auf der Küste Malabar die Regenzeit einige Wochen eher,
als auf der Küste Coromandel, «¿¿»weil das Gebürge Gate welches diese
Halbinsel in die Hälfte abtheilet, die Wolken die vom Südwinde ge-
trieben werden eine Zeitlang von der Ostsee der Halbinsel zurükhält,
daher man daselbst in 2 oder 3 Tagereisen aus dem Winter in den Sommer kommen
kann. In der südlichen Halbkugel und deren Theile der Zonae torridae ist
dieses alles umgekehrt. Die Ursache der Kälte in dem südlichen Ocean
selbst zu derienigen Zeit, da daselbst Sommer ist, kommt ohne Zweifel von
den großen Eisschollen her, die von den Gegenden des Südpols in diesem
Meere getrieben werden.

/Anmerkung ad §_39. ≤

/Auf der Küste von Malabar ist es sehr oft schon 6 Wochen Winter wenn auf der
Küste von Coromandel noch immer Sommer bleibt, dafür wird aber auch in Malabar

/ eher

/|P_97

/eher Sommer. Die Ursache davon liegt in dem Winde, der durch die Kü«¿»ste
gehindert wird, sich nach Coromandel zu bewegen. Weil die südliche
Halbkugel mit mehreren Meeren umgeben ist, als die nordliche, so kann
da das Waßer niemals so sehr als das Land erhitzet wird, auch hierin
mit ein Grund liegen von der Kälte der südlichen Länder. Eben daher findt
man in den Australländern ein gewißer Mittelgrad der Wärme statt, die fast
zu allen Iahreszeiten gleich ist, wenigstens nur einen sehr kleinen Unterscheid
macht. Terra_de_fuego liegt ohngefehr in derselben Breite wie Preußen
und dennoch froren dort mitten im Sommer 2 englische Matrosen todt.
Recht erklären kann man diesen beträchtlichen Unterschied der Wärme nicht,
obgleich auch das etwas dazu beitragen kann, daß nach astronomischen Grund-
sätzen von der Schiefe der Erdaxe auf unsrer nordlichen Halbkugel der
Sommer iedesmal eine Woche länger dauert als in der südlichen. Das
würde also in 5200 Iahren schon 100 Sommer mehr machen, und das
könnte schon immer einen kleinen Unterschied machen. Man muß sich
nicht vorstellen, daß der Winter daher komme, weil zu dieser Iahreszeit
die Sonne weiter von uns entfernet sei. Es findet vielmehr gerade
das Gegentheil statt. Im Winter sind wir der Sonne am nächsten, aber
die Sonne wirft ihre Stralen denn weit schiefer auf unsre Erdfläche und
geht lange nicht so weit über den Horizont. Darin liegt also der Grund,
daß es im Winter kälter ist als in den andern Iahreszeiten. An allen Orten
die weit vom vesten Lande abliegen oder doch weit in den Ocean hervor-
ragen, ist der Unterschied der Wärme im Sommer und Winter sehr klein zE
auf den Maloischen Inseln (von der darauf befindlichen Stadt St_Malo
also genannt) ostwärts von der magellanischen Meerenge (die Engländer
nennen sie itzt die Falcklands Inseln kann man das ganze Iahr

/ hin- 

/|P_98

/hindurch das Vieh auf dem Felde laßen, ob diese Inseln gleich in einer Breite
wenigstens mit Preußen liegen. Wie geht das zu? Das scheint ja ganz
unserm Satz zu widersprechen, daß das südliche Hemisphaerium kalter
sei wie das nordliche? Denn die FalklandsInseln liegen im Südmeer.
Es läßt sich keine andere Ursache davon angeben, als weil das Meer womit
sie weit und breit umgeben sind, im Sommer nicht so viel erhitzt
und im Winter nicht so sehr erkältet wird, als das veste Land, und daher
einen solchen Mittelstand zwischen Kälte und Wärme iederzeit beibehält.
Daß Asien und Africa wärmer sind als America kommt wahrscheinlich von den
großen Sandwüsten in ienen Welttheilen her, die der äußersten Sonnenhitze
ausgesetzt sind und damit um sich her diese ihnen mitgetheilte Warme
verbreiten. In America sind zwar auch Sandwüsten, so ist das ganze Land
Patagonien sehr sandig, doch gibt es deren nur sehr wenige und
überdem so will dieses nicht so viel sagen, weil die Sandwüsten in Ame-
rica von der Sonne nicht so viel auszuhalten haben, da sie im gemä-
ßigten Erdstriche liegen. Wenn man die Verhältnißmäßige Kälte
und Wärme eines Landes in America mit einem andern in der
alten Welt beurtheilen will, so kann man allemal rechnen, daß
jenes 12 Grad weiter nach Norden lieg«t»e. So frieret es in dieser neuen
Welt unter einer Breite, die ohngefehr der Breite vom Käiserthum
Marocco gleich ist, schon entsetzlich, und unter einer Breite von 50 Grad
ist es gar nicht mehr auszuhalten. Die wahre Gründe davon laßen sich
schwerlich angeben. Genug daß die Sache selbst ganz unleugbar ist.
Die englischen Colonien in Nordamerika erstreken sich ohngefehr in gleicher
Breite wie Italien, Schweitz und Südfrankreich, doch ist daselbst die Kälte
schon weit stärker als selbst bei uns unter einer Breite von 54 Grad.
Sibirien ist wahrscheinlich vor alten Zeiten wärmer gewesen als itzo.
Ein französischer Astronom [[Bailly]] der zugleich Mitglied der Academie der Wissenschaften

/ zu

/|P_99

/zu Paris war, glaubt, daß ehedem etwa 3.000 Iahr von Christi Geburt ein großes
cultivirtes Volk in Asien unter dem 50ten Grad nordlicher Breite, welches
gerade auf das itzige Irkutzk trift, müße gewohnet haben und führt davon
folgende wahrscheinliche Gründe an. Es wären bei allen orientalischen Völ-
kern insonderheit bei den Chinesern viele astronomische Kenntniße anzu-
treffen und zwar solche, die auf eine lange Reihe von Erfahrungen
und Beobachtungen gründen, als ziemlich genaue Berechnungen der
Sonnenfinsterniße und sogar Kenntniße von gewißen Stellungen der
Planeten, die sich kaum in 20.000 Iahren ereignen können. Von
allen diesen schwer zu entdeckenden Phönomenen wüßten aber die die ietzigen
Bewohner von Asien gar keine Gründe anzugeben, nur verrichteten sie
alle astronomische Rechnungen auf eine mechanische Art, ohne die Beobach-
tungen zu wißen, woraus sie abstrahirt wären. Es müße aber doch
nothwendig ein Volk diese Beobachtungen angestellet haben, sonst hätte man
die daraus fließenden Schlüße nicht folgern können. Ueberdem gedenkt Zoroaster
ein großer Weise unter den Persern, der noch itzo durch seine schöne mora-
lische Schriften, Zerdusch oder Zenda_vesta, die auch ins Deutsche übersetzt sind,
sich den Ruhm des grösten Magiers erwirbt, und von den Persern für
einen göttlichen Propheten gehalten wird, eines Volk, das in einer Gegend
gewohnt habe, wo der längste Tag noch einmal so lang gewesen als der kürzte,
also der längste Tag 16 der Kürzte aber nur 8 Stunden. Dieses trift nun
gerade auf den 50sten Grad nordlicher Breite. Dieses Volk soll sich sehr mit
Astronomischen Beobachtungen abgegeben haben. Aus allem diesen schließt er,
daß solches nunmehr ganz von der Erde ausgerottet oder unter andern
Völkerschaften zertheilt worden sei, ehedem aber die gedachte Gegend
bewohnt haben müße, und das Land selbst also bewohnbar und von einem
glüklichen Clima gewesen seyn. Dieses wird um desto mehr bestättiget,

/ wenn

/|P_100

/wenn man noch itzt in den Bergen von Sibirien und selbst an den Ufern
des Eismeeres (wie Pallas berichtet) Knochen von Elephanten und Büffelochsen
also von Thieren, die zu einem warmen Clima gehören, antrift.
Die Astronomie ist wahrscheinlich zu Chaldäa erfunden worden, weil da-
selbst wegen des beständigen heitern Himmels die Leute auf den flachen
Dächern ihrer Häuser schliefen, und also gewiß zuerst gereitzt wurden
das prächtige Schauspiel eines hellen, klaren, bestirnten Himmels zu be-
obachten. Bei schlaflosen Nächten war der Himmel das erste, wo sie ihre
Augen hinrichten konnten. Sie wurden also fast genöthiget ihn zu betrachten.
Sie hatten es auch gern, weil es mit keinen Beschwerlichkeiten verbunden war.

/ ≥ Siebendes Hauptstük
/ Geschichte der großen Veränderungen, welche die Erde ehedem erlitten
hat, und noch leidet.

/ §_40.

/Von den allmähligen Veränderungen die noch fortdauern.

/1.) Durch Erdbeben. Diese haben manche an der See gelegene Landstriche ver-
senket, und Inseln empor gehoben. Moro, ein Italienischer Autor der alle
Veränderungen der Erde aus den seiner Meinung nach ehemals allent-
halben befindlichen großen Vulcanen herleitet,
meinet sehr unwahr-
scheinlich, daß die Berge gröstentheils daher entstanden. Einige aber
haben gewiß ihren Ursprung daher.

/2. Durch die Flüße und den Regen. Der Regen spület die Erde von den Bergen
und hohen Theilen des vesten Landes und schleppen den Schlamm in die
großen Bäche die ihn in den Strom bringen. Daher Strom hat <ihn> hin und
wieder anfänglich in seinem Laufe abgesetzet und seinen Canal
gebildet. Itzo aber führet er ihn fort, setzt ihn weit und breit an den
Küsten seiner Mündung ab, vornemlich wird er die Länder bei seinen
Ausfluße beschwemmen und setzt neu Land an. Dieses sind Begebenheiten
die durch sehr viele Exempel bestätiget sind. Der Nil hat das ganze δDelta, ja nach

/ dem

/|P_101

/dem Zeugniße der ältesten Schriftsteller ganz Unteregypten durch seinen
Schlamm angesetzt, da hier vor Alters ein Meerbusen war. Er thut aber
dieses nicht. Dami«t»ata ist itzo 8 Meilen vom Ufer entfernet 1243 war es ein
Seehafen. Die Stadt Loa lag vor 300 Iahren an einer Mündung des Nils und ist
itzo 5 Meilen davon auf dem vesten Lande. Ia seit 40 Iahren hat sich das
Meer eine halbe Meile weile von der Stadt Rositta, allhier kehrt man
gemeinhin an, wenn man aus Europa nach Egypten geht, zurükgezogen.
Nun kann man deutlich sehen, daß alles Land von Unteregypten
ein Geschöpf des Nils sey«.» «¿»Eben dieses ist am Mississippi und Amazonenstrom,
am Ganges u.s.w. zu merken. Dadurch wird das veste Land immer niedriger
und das Regenwaßer nachdem das veste Land seinen Abhang verliere@r@,
will nicht mehr so viel den Flüßen zuführen, sondern versieget in der Erde
und troknet in Pfützen aus. Die Flüße füllen ihre Mündung oft mit Schlamm
und verlieren dadurch ihre Schiffbarkeit, so daß neue Inseln und Bänke
in der Mündung großer Flüße angesetzet werden. Auf gleiche Weise ist
auch der Boden am gelben Strom in China, und die ganze Landschaft
Lawisianna am Ausfluß des Stroms Mississippi blos aus dem Schlam der
Ströme erzeigt worden. Buffon.

/3. Durch das Meer. Dieses ziehet sich von den meisten Ländern von den Küsten
nach und nach zurük. Es arbeitet zwar an einigen Küsten etwas ein,
aber an andern und den meisten Oertern setzt es wieder an. Im östlichen Theile
von Holland gewinnt das Land jährlich 2 bis 3 Klafter. In Nord-Bothnien
bemerket Celsius, daß die See in 10 Iahren 4_1/2 niedriger werde. Daher
viele von ehemals guten Häfen anitzt nur kleine Schiffe einnehmen.
Die Dühnen in England und Holland imgleichen die Preußische Nehrung
sind ohne Zweifel vom Meer aufgeworfene Sandhügel. Itzt aber steigt das
Meer niemalen so hoch wie sie. Man mag urtheilen, ob es genug sei dieses

/ daher

/|P_102

/daher zu erklären, daß die See ihren Schlamm so die Flüße hereinführen am
Ufer absetze oder das Innere der Erde sich seit vielen Iahrhunderten @hier@
immer nach und nach vester setze, daher der Boden des Meeres immer tie-
fer sinke, weil sein Bette vertiefet wird und sich vom Ufer ziehet. Das
Meer bemächtiget sich auch zuweilen des vesten Landes. Man urtheilet
daß viele Meerengen nach und nach durch die Bearbeitung des Meeres,
welches eine Landenge durchbrochen hat, entstanden ZE die Straße
von Calais. Ceilon soll auch ehedem mit dem vesten Lande zusammen
gehangen haben, wo nicht die Erdbeben auch hieran etwas Antheil nahmen,
zum wenigsten laßen sich die Raubthiere, die ehedem in England waren,
kaum anders begreifen als durch den Zusammenhang dieses Landes
mit Frankreich. Der Dollard eine See in Frießland ist durch den Einbruch
des Meeres entstanden. Die Südersee ist ehedem ein großentheils bewohntes
Land gewesen, das aber durch die See überschwommen.

/4.) Durch die Winde und den Frost. Der Wind treibet öfters den Sand von den hohen
Gebürgen über niedrige Gegenden oder umgekehrt. In Brittanien über-
schwemmet eine solche Sandfluth einen ansehnlichen Theil des vesten Landes,
so daß die Spitzen der Kirchthürme nur hervorragen von den Dörfern
die ehedem bewohnt waren. In andern Ländern aber treibt der Wind den
Sand ins Meer und macht Untiefen oder auch neues Land. Man weiß,
daß in Arabien und Africa die Winde große Sandberge zusammen wehen, daß
sie ganze Ebenen mit Sand überschütten, und daß sie denselben oft eine
lange Strecke, ja wol viele Meilen weit ins Meer führen, und ihn da so
häufig über einander thürmen, daß endlich Sandbänke, Sandhügel (Dunes)
und Inseln daraus gebildet werden. Es ist bekannt, daß die Orcane oder
heftige Sturmwinde eine beschwerliche Geißel für die Antillischen Inseln,
für Madagascar und viele andre Länder sind, wo sie durch ihre
unaufhaltbare Wuth zuweilen Bäume oder Pflanzen ausreißen, und

/ sie

/|P_103

/sie nebst den Thieren und ganz gepflügten Feldern mit fortwehen. Hier
pflegen sie Flüße anzuschwellen und wieder andre auszutroknen,
dort bringen sie ganz neue hervor. Sie reißen Berge und Felsen um,
wühlen Löcher und Schlünde in die Erde, und machen, daß die Oberfläche
der unglüklichen Gegend, wo sie entstehen, ganz unkenntlich wird. Glüklicher-
weise sind nur wenige Erdstriche der schreklichen Wuth dieser ver-
heerenden Stürme blos gestellt. Büfon.

/Der Frost sprengt öfters ansehnliche Theile von Bergen, in deren Ritzen
sich Regenwaßer hält, welches in ihren Ritzen frieret, ab. Diese rollen in
die Thäler und richten öfters große Verwüstungen an. Diese Verän-
derungen sind nicht von großer Erheblichkeit

/5.) Durch die Menschen. Diese setzen dem Meere und den Flüßen Dämme und machen
dadurch troken Land. Wie am Ausfluß des Po, des Rheins und andrer
Ströme zu sehen ist. Sie troknen Morräste, hauen Wälder ab, und verändern
dadurch die Witterung der Länder ansehnlich.

/Anmerkung ad §_40.

/Die Materie welche in diesem und dem folgenden § abgehandelt wird.
nennt man sonst Theorie der Erde. Vor nicht gar langer Zeit war sie ein
Mode-Studium, ist aber itzt in Steken gerathen, weil sie viele Schwürigkeiten mit
sich führet, und viel Genie erfordert recht eingesehen zu werden. Doch haben
auch neuere Schriftsteller manche brauchbare Materialien dazu geliefert
als De_Luque [[De_Luc]] in der Beschreibung der Alpen, Saushiere [[Saussure]], deßen Werke
man itzt auch im Deutschen hat, und Chevalier d'Arcet in seiner Abhandlung
von der Degradation des Pirenäen. Das Hauptwerk in diesem Fach ist
Büffon Epoches de la Nature, worin die vielen wag«en»hälsigen Hypothesen
abgerechnet, viel gutes stehet. Wichtig und nützlich ist diese Materie gewiß.
Denn was kann den Menschen mehr interessiren als den Theil der Schöpfung
recht kennen zu lernen, der den grösten Einfluß auf ihn hat, weil er auf

/ dem

/|P_104

/demselben lebt, was seine Neubegierde stärker reitzen, als den Grund der Ver-
änderungen einzusehen, wovon er täglich die deutlichsten Spuren vor sich
sieht, um daraus wahrscheinlich schließen zu können auf künftige Ereig-
niße, die entweder ihn selbst, oder seine Nachkommen betreffen möchten? Nun
zur Sache! Ieder aufmerksame Beobachter der Veränderungen auf der
Erde findt, daß 1.000 Ursachen oft auch vor dem forschenden Auge verdekt,
mit vereinigten Kräften an ihrem Untergang arbeiten, und gleich-
sam wetteifern unsern Wohnplatz allmählich zu zerstören. Wir sehen
die Wirkungen, grübeln den Ursachen nach, entdeken einige, verfehlen die
meisten und jagen oft Schattenbildern nach, die in dem Augenblik ver-
schwinden, da wir sie erhascht zu haben glauben. Doch ist nie unsre Mühe ganz
fruchtlos. Sie wird zwar sparsam genug, aber doch belohnt. Die Natur
selbst bietet uns Hülfe und Unterstützung dar, wenn wir sie werth
halten, zum Gegenstande unserer Untersuchungen zu wählen.
Wir entdecken zuförderst phisische Ursachen, von der Hand des Schöpfers
gepflanzt, alles, was endlich ist seinem Ende näher zu bringen. Felsen
verweitern und Granatgebürge stürzen in Thäler herab, füllen sie
auf solche Art aus, und machen dadurch das Land eben. Das sieht man deut-
lich an den Piramäen und allen hohen Gebürgen, die von Zeit zu Zeit nie-
driger werden. Aber auch das veste Land selbst wird allmählich dichter und
sinkt zusammen. Kurz alles kehrt in sein Nichts zurük woraus es der all-
mächtige hervorrief. Aber es gibt auch astronomische Ursachen warum
der Untergang der Erde unvermeidlich ist, wiewol erst nach Verlauf
einer Zeit von mehr als 100.000 Iahren. Dahin gehört, daß die Schiefe der Ecliptik
beständig abnimmt und sich allmählich dem Aequator nähert,
bis sie endlich mit ihm zusammen in eine Linie fallen und also gar
keine Abwechselung der Iahrszeiten mehr machen wird. Denn werden

/ wir

/|P_105

/wir allenthalben auf der Erde das ganze Iahr hindurch Tag und
Nacht gleich haben. In unserm Erdstrich würde denn folglich kein Ge-
treide mehr reif werden können, denn es würde zwar nie das ganze
Iahr hindurch kälter werden als den 21 Merz und September aber auch nie
wärmer seyn. Wir würden also schon nicht länger hier bleiben.
Daß es itzt bei uns den 21ten Septemb. gemeinhin wärmer als den
21ten Merz ist, ob die Sonne gleich beidemal einerlei Stand hat, kommt
bei dem Herbst_Aequinoctio von der zurükgebliebenen Sommer-
wärme, so wie bei der Tag und Nachtgleiche im Frühling von
der noch nicht ganz verschwundenen Winterkälte her. Eine andere
astronomische Ursache, die unserer Erde gewiß einmal völlige Ver-
wandlung droht, ist, daß sie sich immer mehr der Sonne nähert samt
dem Monde. Euler hat sogar berechnet, wenn unsre Erde nach
diesen unveränderlichen Gesetzen der Natur einst der Sonne so nahe
wie der Mercur kommen und also ohne Rettung verbrennen wird.
Er setzt diesen Zeitpunkt noch wenigstens 136.000 Iahr hinaus.
So genau läst sichs nicht sagen.

/ ≥ Anmerkung zu den allmählichen Veränderungen die noch fortdauern
/Was Flüße für Revolutionen machen können, lehret der
Amazonenstrom. Wenn man diesen Fluß 2 bis 300 Fuß weit
hinaufreist, so find man nicht einen Stein, der nur so groß
wie eine Nuß wäre, so, daß die Neger nach vollbrach-
ter Reise an den Ufern desselben den ersten Stein, den
sie finden sogar als etwas seltenes zu sich steken. Auch nicht

/ einmal

/|P_106

/einmal Sand find man da. Das kommt nun daher,
weil dieser Strom ehedem das Land weit und breit um sich herum
überschwemmt, und alles mit seinem eignen Schlamm bedekt hat.
Daß England und Frankreich ehemals mit einander zusammen-
gehangen schließt man daraus, weil man dorten ehedem Elend-
thiere, Wölfe Bären und noch im Anfange dieses Iahrhunderts
wilde Schweine angetroffen hat, denn wie sollen diese anders hin-
gekommen seyn. Hingeschwommen sind sie gewiß nicht, weil ja itzt
keins dieser Thiere, nach ihrer gänzlichen Ausrottung mehr dahin kommt.
Daß die See von einigen Ländern sich zurükziehe, sieht man auch
daraus, was Müller in seinen Russischen Berichten an«¿¿»führt, daß
nemlich ganze Meilen von der See weg in Sibirien Fahrzeuge
mit Ankern angetroffen werden, die ehedem daselbst müßen ge-
strandet seyn. Bei Holland, Venedig und Rawenna hingegen
steigt das Meer. In Schweden aber fällt es. Denn die sogenannte
Seehundsteine bei Gebel nicht weit von Stokholm, stehen seit
einigen Iahren viel höher über dem Waßer als vormals. Diese Steine
haben ihren Namen daher, weil die «g¿»Seehunde bei schönem Wetter
auf denselben spielen und sich begatten.

/ ≥ §_41.

/Denkmale der Veränderungen welche die Erde in den ältesten
Zeiten ausgestanden

/1.) Beweißthümer daß das Meer ehedem die ganze Erde bedekt habe.

/An allen Orten der Erde selbst auf den Spitzen hoher Berge findet man große
Haufen von Seemuscheln und andre Merkmale des ehemaligen Meergrundes.
Bei Frankreich in Torvay ist ein Strich Landes der 9 französische Meilen beträgt,
in welchem unter einer kleinen Bedekung von Erde eine Schichte von Seemuscheln

/ anzu- 

/|P_107

/anzutreffen, die 20 Fuß dik ist. Auf allen Bergen in der Welt
auf allen Inseln hat man diese gefunden, und sie be-
weisen genugsam, daß die See ehemals alles veste Land
bedekt habe. Nur in den Cordilleren hat man sie
noch nicht gefunden. Weil aber diese die steilsten von allen
Bergen sind, so wird der Schlamm der von den Gebürgen
durch Regen und Gießbäche abgeschwemmt worden,
längst die Muschelschichte mit einer sehr diken Leimschichte
die man noch allenthalben findet bedeket haben. Man
findet aber auch andre Seethiere versteinert oder in Stein
abgeformt allenthalben auch mitten in den Gesteinen daraus
die Gebürge bestehen. Es gibt darinn häufig Schlangenzeug,
oder versteinerte Zähne vom Heyfisch, das gewundene Horn
des Narwals, Knochen vom Wallfisch und Theile von versteinerten
Insekten, dahin die Iudensteine, Astroiten, Petunkeln pp gezälet
werden müßen. Ferner sind von der Gestalt der Gebürge <Beweise> vom
vorigen Aufenthalte der See über dem vesten Lande zu finden.
Das zwischen 2 Reihen von Gebürgen sich schlingende Thal ist
dem Schlauch eines Flußes oder dem Canal eines Meerstroms
ähnlich. Die beiderseitigen Höhen laufen wie die Ufer der
Flüße einander parallel, so daß der ausspringende Winkel
des einen dem einstehenden Winkel des andern gegen
über stehet. Dieses beweiset, daß die Ebbe und Fluth
auf dem grenzenlosen Meere, welches die ganze

/ Erde

/|P_108

/Erde bedeket hat, eben sowol Meerströme gemacht habe,
als im Ocean, und daß diese von den Reihen zwischen Ge-
bürgen sich ordentliche Canäle ausgehölet und zubereitet
habe.

/ ≥ 2. Beweißthümer, daß das Meer öfters in vestes Land und
dieses wieder in Meer verwandelt worden.

/Zuerst ist die Betrachtung der Schichten nothwendig, daraus die
obere Rinde der Erde bestehet. Man findet verschiedene strata
oder Schichten von allerlei Materien, als Leim, Sand, Mu-
scheln u.d.g. gleichsam blätterweise über einander. Der-
gleichen Schichten sind entweder horizontal oder inclinirt,
und sind, so weit sie sich erstreken, von einerlei Dike. Nun findet
man öfters unter der ersten Schichte eine Schichte des Meergrundes,
welches man an den verschütteten Seepflanzen und Muscheln
erkennen kann. Diese Schichte bestehet oft aus einer Kreiderde,
welche nicht anders als Muschelgrieß ist, denn folget erst eine
Schichte, darinn Pflanzen und Bäume verborgen sind.
Bald darauf nach abwechselnden Schichten dem Grund der See.
Diese Schichten liegen nicht über einander nach Propor-
tion ihrer specifischen Schwere. In Flandern und Frieß-
land und anderwerts findet man erstens Spuren vom vori-
gen Aufnethalt des Meeres, darunter 40, 50 Schuh tief ganze Wäl-
der und verschüttete Bäume. Ihre Wurzeln liegen hier sowol als
im lauenburgschen nach Nordwest und die Gipfel nach Südost.

/ In

/|P_109

/In Modena und 4 Meilen umher findet man 14 Fuß tief unter
der obersten Rinde das Pflaster einer alten Stadt, denn eine
veste Erdschichte in der Tiefe von 28-40 Fuß, denn Muscheln
in einer kreidigten Schichte, hernach in einer Tiefe von 60 Fuß
bald Kreide, bald Erdgewächse. Die Felsen sind ohne Zweifel ehe-
dem weich gewesen. In Schweden fand man vor kurzem in
einem Schacht etliche Ellen tief eine Kröte die noch lebte obgleich
blind und fühllos. Man findet in den Schiffergebürgen Teiche
und versteinerte Fische, viele Abdrüke von Indianischen Pflanzen,
und hin und wieder Elephantenzähne, imgleichen Elephan-
tenknochen in Sibirien.

/ ≥ 3. Theorie der Erde oder Gründe der alten Geschichte derselben. ≤

/Schweichzer [[Scheuchzer]] und viele andre Physici schreiben diese Merkmale
aller Veränderungen der Sündfluth zu. Allein diese ist

/a. nur eine zu kurze Zeit über der Erde gewesen, als daß sie solche
Veränderungen hätte zuwegebringen können. Alle große
Muschelbänke, hohe Erdschichten, ja wol gar Felsen aufzuführen,
dazu ist eine so kurze Zeit als die Sündfluth war nicht hinlänglich

/b. Zuweilen findet man in der Erde abwechselnde Schichten vom ve-
sten Lande und Seegrunde. Es ist oft in der Gegend von
Modena unter einer Muschelschichte ein stratum, wel-
ches Produkte des vesten Landes begreift, und unter die-
sen findet man wiederum oft Ueberbleibsel des
Meeres, so, daß zu sehen ist, daß diese Veränderungen

/ des

/|P_110

/<de¿> des vesten Landes in Meer und dieses wiederum in ve-
stes Land oft auf einander gefolget ist.

/c. Die Sündfluth scheinet nur eine allgemeine von diesen
Veränderungen zu seyn, nemlich eine Veränderung des
vesten Landes in Meer, und dieses wiederum in vestes Land.
Es sind aber unleugbare Merkmale, daß viele
Iahre in einem Zustande solcher Veränderungen
verfloßen, daß viele ja fast alle Inseln mit dem
vesten Lande müßen zusammengehangen haben,
und al«¿»so alles das zwischenliegende Land in
einen Seegrund verwandelt worden ist. Dieses
ist hauptsächlich aus den Thieren glaublich die sich dar-
auf befinden, denn wo man nicht behaupten will,
Gott habe auf ieder weit vom Lande entlege-
nen Insel zE den Azorischen, Latronischen die Land-
thiere besonders erschaffen, so ist es nicht zu begrei-
fen, wenn sie herübergekommen, vornemlich die
südlichen Thiere. Nun frägt es sich, was alle die
Veränderungen für eine Ursache haben?
Moro glaubt, die Erdbeben wärem im ersten
Alter der Erde allgemein gewesen, es wären
Berge aus der See nebst den Muscheln gehoben
worden, und anderwärts wäre der Grund des

/ Meeres

/|P_111

/Meeres tiefer gesunken. Das Salz des Meeres sei von
der zu Asche ausgebrannten Materie ausgelaugt,
und endlich sei alles in einen ruhigen Zustand versetzt
worden. Nun ist zwar nicht zu leugnen, daß in Peru ganze
Berge anzutreffen, die vom Erdbeben erhoben sind, sie unter-
scheiden sich aber von andern ganz kenntlich. Die Strata liegen
hier nicht so ordentlich als anderwärts. Auch ist es nicht glaublich,
daß bei einer solchen Wuth des unterirdischen Feuers, welches
Berge aufgethürmet hat, Muscheln und Thierknochen unversehrt
geblieben, überdem wie kommen die viele Indianische
See und Landprodukte in diese Gegenden Bonnet [[Burnet]] bildete
sich die erste Erde als platt und eben«e» ohne Meere und
Berge vor. Unter der obersten Rinde war eine große Wa-
ßerversammlung. Der Aequator der Erde waren nicht gegen die
Ecliptik geneigt, sondern <fiel> vielmehr mit ihr zusammen. Die
oberste Rinde stürzte ein und machte Berge, den Boden der See
und vestes Land. Allein hieraus können die nach und nach
geschehene Reuolutiones nicht erkläret werden.
Woodward glaubte, die Sündfluth habe alle Materien der Erde,
Metalle, Steine etc. <aufgelöset> diese aber hätte sich nach und nach
gesenket, daraus wären die Erdschichten entstanden, die
viele Körper fremder Art in sich schließen: Aber die Lage der
Schichten die nicht nach der Specifischen Schwere geordnet
sind, die Abwechselund der Land und Seeschichten

/ welche

/|P_112

/welche zeigen, daß die Veränderung nicht nur einmal
sondern öfters mit Abwechselung geschehen und die der ge-
sunden Vernunft widerstreitende Auflösung aller ve-
sten Körper widerlegen diese Begriffe. Whiston lebte zu
einer Zeit, da die Kometen in Ansehen kamen. Er erklärte
auch die Schöpfung der Erde, die erste Verderbung dersel-
ben nach dem Sündenfall, die Sündfluth und das letzte
Gericht alles durch Kometen. Die Erde war seiner Meinung
nach im Anfange ein Komet, die Athmosphäre machte
das Dunkle auf der Erde. Da sie sich reinigte, ward es Licht. Endlich
wurden Sonne und Sterne erschaffen oder vielmehr zuerst gesehen.
Das innwendige Waßer der Erde wurde mit einer irdischen Rinde
bedekt und es war kein Meer, also auch kein Regen und
Regenbogen. Der Schweif eines Kometen berührte die Erde mit seinem
Dunstkreise, und daraus wurde der 40tägige Regen. Die unter-
irdischen Gewäßer brachen hervor, es entstanden Gebürge und der
Boden wurde dem Meere zubereitet. Endlich zog sich das Waßer in
die Hölen der Erde zurük. Außer dem willkürlichen in dieser Meinung
und den übrigen Unrichtigkeiten erklärt sie gar nicht die auf
einander folgende und abwechselnde Veränderung des Meeres
in vestes Land und umgekehrt. Leibnitz in seiner Protogia glaubt,
die Erde habe ehedem gebrannt, «und» ihre Rinde sei in Glas
verändert worden, aller Sand sei Trümmern dieses Glases, der
Leimen von den Erdarten wären der Staub von diesen

/ zer- 

/|P_113

/zerriebenen Glaspartikelchen, diese glaßartige Rinde der
Erdkugel sei hernach eingebrochen, worauf dem Meere sein
Bette und die Gebürge hervorgebracht worden; das Meer habe
das Salz der ausgebrannten Erde in sich gesogen, und dieses sei
die Ursache seiner Salzigkeit. Linnäus hält dafür, Gott habe,
da die ganze Erde anfänglich mit Meer bedeket war, eine
einzige Insel die sich in dem Gebürge unter den Aequator ge-
setzt, darauf aber alle verschiedene Arten von Thieren und
Pflanzen, nach der Verschiedenheit der Wärme und Kälte, die den
verschiedenen Höhen gemäß war hinaufgesetzet; diese Insel
habe jährlich durch das Anspielen der See neu Land gewonnen,
so wie man in itzt Iütland, Laland pp wa«¿¿»hrnimmt, und
so sey alles veste Land in der Folge vieler Iahrhunderte durch
den Anwachs des Meeres entstanden. Allein dieses aus dem
Meere hervorgekommene Land müste flach und eben ge-
wesen seyn, so wie alle auf diese Art erzeugte Länder.
Man findet aber alle Länder der Erde voll hoher Berge.

/Bruston [[Buffon]] meinet, die Meerströme, welche in den
weiten Gewäßern, das im Anfange die ganze Erde
bedekt, herrschten, haben die Unebenheiten und Gebürge gemacht,
und das Meer hätte sich nach und nach auf eine Art
die ihm genugsam erklärlich ist zurück gezogen,
und diese Höhen troken gelaßen.

/ Achtes

/|P_114

/ ≥ Achtes Hauptstück
/Von der Schiffarth.
/ §_42.

/Von den Schiffen.

/Die Befrachtung des Schiffs wird nach Lasten gerechnet. Eine Last
hält 2 Tonnen, eine Tonne 2.000 %Pfund. Man schätzet die Schwere der
Fracht, die ein Schiff tragen kann, nach der Hälfte desjenigen
Gewichts, welches das Waßer wiegen würde, das im Schiff Raum
hat. ZE Es mag ein Schiff 500 Tonnen faßen, eine iede Tonne
hat 2.000 %Pfund, so kann es mit 259 Last tragen.Das Centrum der Schwere
des ganzen Schiffs und seiner Ladung muß unter Waßer seyn,
und dem Mittelpunkte der Größe nicht zu nahe kommen, denn sonst
steht das Schiff in Gefahr umzuschlagen, iedoch muß es nicht zu
tief im Waßer seyn, weil sonst das Schiff schlenkert.
Der große Ostindienfahrer ist von 800 Last. Die grösten
ehemaligen Portugiesischen Caraquen steigen bis 1200
Last. Man merket noch an, daß die sonst
im Seewesen unerfahrne Indianer eine Art
des Fahrzeuges die fliegende Proa genannt,
erfunden haben, welches für die schnellest<e> in der
Welt gehalten wird. Ihr Durchschnitt ist auf
einer Seite gerade auf der andern gebogen, sie
hat zur Seite Ausleger, welche verhindern, daß
der Wind sie nicht umwirft. ~

/|P114R δZ_22

/δ_Figur ~

/|P_115

/ ≥ §_43.
/ Von der Kunst zu schiffen.

/Man segelt stärker, wenn man etwas neben dem Winde
als ganz mit dem Winde fährt, aus 2 Ursachen, weil
das Schiff, wenn der Wind gerade hinter ihm ist, gleichsam
den Wind fliehet, als auch weil ein Segel dem
andern den Wind auffängt. Ein Seefahrer muß
die Prospekte der Küsten, alle Tiefen des Meeres
an allen Orten, die Beschaffenheit des Meergrun-
des, die Klippen, Brandungen, die in einer Gegend
herrschende beständige Winde, die Mausons Winde pp
kennen, vornehmlich aber soll er

/1. Die Weltgegenden allezeit genau wißen. Dieses
geschieht vermöge des Compasses, wenn man die Ab-
weichung des Magnets zugleich erwäget, nur muß man
so oft es zu thun möglich ist durch observation des Himmels
seine Beobachtungen zu dirigiren suchen.

/2. Er muß wißen nach welcher Gegend er in einem
weiten Meer mit einem gegebenen Winde
nur immer fortsegeln darf, um an einen be-
gehrten Ort zu kommen

¿.» Die Gegend nach welcher ihm der Ort lieget, in-
dem er fortsegelt, ist nicht immer die Richtung,

/ die

/|P_116

/die das Schiff nehmen muß. Dieses geschiehet nur,
wenn beide Oerter von wo und wohin er seegelt
unter einem Aequator oder Meridiano liegen, denn wenn ZE
Iemand aus Portugall nach dem Ostio des Amazonenstroms
hinsegeln wollte, und suchte erstlich die Gegend auf, nach
welcher dieses Ostium hinliegt, so würde er finden, daß die
kürzeste Linie die aus Portugal nach Peru gezogen,
worden nicht immer in einerley Winkel die Meridianos durch-
schneidet, mithin nicht immer nach einerlei Gegend hinge-
richtet ist. Wenn er also nach der Gegend, nach welcher der
Anfang dieser Krümmung hinzielet, immer fortfahren sollte,
so würde er niemals den Ort, wo er hin will, erreichen. Man
kann aber nicht in der kürzesten Linie fahren, die von einem
Orte zu dem andern kann gezogen werden, wenn beide Oerter
sowol außer dem Aequator als auch außer demselben Meridiano
liegen; denn ein Schiff müste fast in ieder Stunde die Richtung
seiner Bewegung ändern, welches nicht möglich ist. Daher sucht
man dieienige Richtung, nach welcher wenn das Schiff immer fort-
segelt, es zwar nicht durch den kürzesten Weg fortläuft, doch
aber zu dem begehrten Orte hinlanget. Diese Linie ist, wenn
2 Oerter gerade in einem Parallelcirkel liegen, der Parallelcirkel
selber, wenn aber die Oerter außerhalb dem Meridian und
Parallelcirkel liegen, so ist es die Loxodromie, diese wird durch die
auf der Charte mit 32 auslaufenden krummen Linien, die alle Meri-
dianos in gleiche Theile durchschneiden, gezeichnete Rose angezeiget.
Wie man sich dabei verhält, um die Loxodromie die von einem Ort zum
andern hinführt zu finden, ist hier zu weitläuftig zu zeigen

/ 3 Muß

/|P_117

/3. Müß er die Länge und Breite eines jeden Orts wißen. Die erstere ist
am schwersten zu finden. Man bedienet sich dazu um, sie ausfindig zu
machen der Sonn- und Mondfinsterniß, der Bedekung der Sterne durch
den Mond, der Verfinsterung der Sterne durch denselben. Allein bei
allen diesen Mitteln bleiben doch noch wichtige Fehler übrig, die nicht
können vermieden werden.

/4. Er muß seinen Weg schätzen, und dies geschiehet vermittelst
der Taglinie und einer richtigen Sanduhr. Er muß auch be-
dacht seyn nach einem langen Laufe den Fehler, den ihm die
Meerströme gemacht haben möchten, zu entdecken und zu ver-
beßern.

/5. Es ist hiebei noch eine merkliche Abweichung der Tagregister des
Seefahrers von denienigen die auf dem Lande gemacht wor-
den zu bemerken.

/Wenn einer von Osten nach Westen die ganze Welt durchsegelt,
so verlieret er einen Tag, oder zälet einen Tag weniger,
als der zu Hause gebliebene, und der von Westen nach Osten
umsegelt, gewinnt eben so viel; denn wenn jener
30 %Grad westwärts segelt, kommt er in Oertern, wo man
2 Stunden weniger zälet als an dem Orte wo er aus-
gefahren. und also verlieret er nach und nach
24 Stunden, fährt er aber eben so weit von Westen
nach Osten, so kommt die Sonne 2 Stunde eher
in seinen Mittagscreiß, und so gewinnt er nach
und nach einen Tag. In Macao haben die

/ Port.

/|P_118

/Portugiesen Sonntag, wenn die Spanier in Manilla den Sonn-
abend zählen, denn die letzten sind von Osten nach Westen
gesegelt, und die erster von Westen nach Osten. Ma-
gellan
hat zuerst die Welt von Osten nach Westen umgeschiffet.
Als die Portugiesen über die Entdeckung der Spanier in
Westen unwillig wurden, so baten sie den Pabst [[Alexander_VI]], daß er
den Streit schlichten möchte, der die berühmte Demorcations¥
Linie zog, von welcher alle Entdeckungen ostwärts den
Portugiesen, westwärts aber den Spaniern zukommen sollten.
Diese Theilungslinie wurde von den Capoverdischen Inseln
270 Meilen westwärts gezogen. Alles was von hier aus
180 %Grad nach Westen liegt sollte den Spaniern, was hingegen
sich 180 %Grad nach Osten befind den Portugiesen gehören.

/δRest_leer

/ IIt. Theil

/|P_119

/ ≥ Der Physischen Geographie
/ II_ter Theil
/Er enthält die besondern Beobachtungen deßen, was der
Erdboden in sich faßt.
/Erstes Hauptstük
/Vom Menschen
/§_44.

/ ≥ Der Unterschied der Bildung und Farbe der Menschen in
den verschiedenen Erdstrichen

/Wenn wir von den Einwohnern der Eiszonen anfangen,
so finden wir, daß ihre Farbe denienigen, die in heißen Zonen
wohnen, nahe kommt. Die Samoieden, die dänische und schwedische
Lappen, die Grönländer, und in der Eiszone von America woh-
nen, haben eine braune Gesichtsfarbe und schwarzes Haar.
Eine große Kälte scheinet hier eben dasselbe zu würken, was eine
große Hitze thut. Sie haben auch wie die in heißen Erdstrichen
einen sehr dünnen Bart. Ihr Körper ist dem Wachsthume der Bäume
ähnlich, er ist klein, ihre Beine sind kurz, sie haben ein «kurzes»<breites>
und flaches Gesicht und einen sehr großen Mund. Die in der
temperirten Zonen «ih» am nächsten wohnen (Die Calmuken
und die mit ihnen im Stamm verwandten Völker ausgenommen) und sind von
blonder oder bräunlicher Haar- und Hautfarbe
und sind größer
von Statur. In der Parallele die durch Deutschland gezogen um
den Erdkreis läuft, und einige Grade disseits und ienseits sind
vielleicht die größesten und schönsten Leute des alten und vesten Landes.
Ie weiter nach Süden, desto mehr nimmt die brunette Farbe, die Mager-
keit und kleiner Statur zu, bis sie im heißen Erdstriche in die
mohrische Gestalt ausartet. Man kann sagen, daß es nur

/ in

/|P_120

/in Africa und neu_Guinea wahre Negers «¿¿»giebt. Nicht allein die gleich-
sam geräucherte schwarze Farbe, sondern auch die schwarzen,
wolligten Haare, das breite Gesicht, die platte Nase, die aufgeworfenen
Lippen, machen das Merkmal derselben aus, imgleichen auch die plum-
pen und großen Knochen. In Asien haben die schwarze weder die
hohe Schwärze noch wolligtes Haar, es sei denn, daß sie von solchen
abstammen, die aus Africa herüber gebracht worden. In America
ist kein National Schwarzer, die Gesichtsfarbe ist kupferfarbigt, und
die Haare glat. In Africa nennt man Mohren solche braune, die von
den Mauris abstammen, die eigentlich schwarze aber sind Negers.
Diese erwähnte Mohren erstreken sich längst der barbarischen Küste
bis zum Senegall, dahero sind von da bis zu Gambia die schwärzesten
Mohren, aber auch die schönsten von der Welt, vornemlich die Ialors.
Die Fulier sind schwarzbraun. An der Goldküste sind nicht solche
schwarze, und haben sehr dicke Wurstlippen. Die von Congo und
Angola sind es etwas weniger. Die Hottentotten sind nur schwarz-
braun, doch haben sie eine ziemliche morische Gestalt. Auf der
andern Seite nemlich der östlichen sind die Caffern keine wahre
Negers, imgleichen die Abyßinier.

/ ≥ §_45.

/Einige Merkwürdigkeiten von der schwarzen Farbe der Menschen.

/1. Die Negers werden weiß geboren, ausgenommen ihre Zeugungsglieder
und den Ring um den Nabel, die schwarz sind. Von da zieht sich die
Schwärze im ersten Monat über den ganzen Körper.

/2. Wenn ein Neger sich verbrennt, so wird die Stelle weiß, lange Krankheiten
machen die Negers auch ganz weiß, aber ein solcher durch Krankheit
weiß gewordener Körper wird nach dem Tode noch viel schwärzer als vorhin.

/3. Die Europäer die in der Zona torrida wohnen, werden nach vielen Gene-
rationen nicht Negers, sondern behalten ihre Europäische Gestalt. Die Portu-
giesen am Capo Verde die in 200 Iahren in Negers verwandelt seyn sollen, sind
Mulaken.

/ 4.

/|P_121

/4. Die Negers, wenn sie sich nur nicht mit weissen vermischen, bleiben selbst in
Virginien durch viele Generationes Negers

/5. Weiße und schwarze vermengt zeugen Mulatten. Dieser ihre Kinder
die sie mit weißen zeugen, heißen im spanischen America Terceronen.
Dieser ihre Kinder mit weißen Quarteronen. Deren Kinder mit weißen
Quinteronen, und dieser ihre mit Weißen erzeugte Kinder heißen selbst
Weiße. Wenn aber ZE ein Terceron eine Mulattin heiratet, so gibt dieses
Rüksprungskinder.

/6. Es gibt zuweilen die sogenannte weiße Mohren oder Albinos, welche von
schwarzen Eltern gezeuget werden. Sie sind mohrisch von Gestalt, haben
krause, schneeweiße wolligte Haare, sind bleich und können nur
bey Mondenlicht sehen.

/ ≥ §_46.

/Meinungen von der Ursache dieser Farbe.

/Einige bilden sich ein, Cham sey der Vater der Mohren, und von Gott mit
der schwarzen Farbe bestrafet, welche seinen Nachkommen anartet.
Man kann aber keinen Grund anführen, warum die schwarze Farbe
ehedem das Zeichen des Fluchs seyn sollte. Weil die Farbe der Menschen durch
alle Schattirungen der gelben, braunen und der hellbraunen, endlich
in der heißen Zone zur schwarzen Farbe «gibt» wird, so ist wol zu sehen, daß
die Hitze des Climatis daran Schuld sei. Es ist aber gewiß, daß eine große
Reihe von Generationen dazu gehöret hat, bis sie eingeartet und nun
üblich ist; wie sich aber eine so zufällige Sache als die Farbe ist anarten kann, ist
so leicht nicht zu erklären. Daß Mohren denn und wenn man ein weißes
Kind zeugen, geschiehet eben so, als wenn bisweilen ein weißer Rabe,
weiße Krähe oder weißer Amsel zum Vorscheint kommt. Daß die Hitze des
Erdstriches, und nicht ein besondrer Eltern_Stamm daran Schuld sei, ist dar-
aus zu ersehen, daß dieienige die auf dem flachen Theile desselben Landes
wohnen, weit schwärzer sind als die in hohen Gegenden. Daher am
Senegal schwärzere Leute als in Guinea, und in Congo und Angola

/ schwärzer

/|P_122

/schwärzer als in Oberaetiopien oder Abyßinien. Alle orientalische
Nationen, welche dem Meridian von Bengala gegen Morgen liegen, haben
etwas von der Calmukischen Bildung an sich. Diese ist, wenn sie in
ihrer grösten Perfection genommen wird, so beschaffen, daß oben ein breites
unten ein schmales Gesicht, fast gar keine Nase, die von dem Gesichte her-
vorraget, ganz kleine Augen, überaus dike Augenbranen, schwarze
Haare, dünne und zerstreute Haarpüschel anstatt des Barts,
und kurze Beine mit diken Schinken. Von dieser Bildung participiren
die östlichen Tartarn, Chineser, Tunquinesen, Ar<r>acaner, Peruaner,
Siamer, Iapaner pp ob sie sich hin und wieder etwas verschönern. Von
den Patagonischen Riesen und den Kimohs einer Zwergart im
innern von Madagascar. Unter den Hottentotten haben viele Weiber
wie Cooke [[Colbe]] berichtet, ein natürliches Leder am Geburtsgliede,
welches ihre Genitalia zum Theil bedeket und welches sie bisweilen ab-
schneiden sollen. Eben dieses meldet Ludolph von vielen Egyptischen
Weibern, die mit einem Affenschwanz versehenen Menschen auf
Formosa, im inneren von Borneo pp Die Rytschkos [[Rytschkow]] in seiner «¿¿¿»orenburg-
schen Topographie auch unter den Turcomanen antrift, scheinen
nicht ganz erdichtet. In den heißen Ländern reift der Mensch in allen
Stüken früher, erreicht aber nicht die Vollkommenheit der temperirten
Zone. Die Menschheit ist in ihrer grösten Vollkommenheit in den Racen
der Weißen, die gelben Indianer haben schon ein kleiner Talent,
die Negers sind weit tiefer und die Americaner am tiefsten degradirt,
und unter diesen vorzüglich die Einwohner des Feuerlandes.

/ ≥ Von der tiefen degradation der Americaner. ≤

/Unempfindlichkeit ist ihr Charakter. Ein Sclave der von seinem Herren
über dem Müssiggang betroffen, und deshalb derb abgeprügelt wird, läst
doch so bald der Herr weggegangen ist, wieder die Arbeit liegen und
raucht Tobak, ohne daran zu gedenken daß sein Herr wieder
kommen könnte. Dies gilt insonderheit von den Caraiben, den Ein- 

/ woh

/|P_123

/wohnern des Landes Guinea in Südamerica. Ein solcher Caraibe verkauft
des Morgens seine Hangmatte, ohne daran zu gedenken daß er des
Abends kein Bette haben wird, worauf er sich schlafen legen könnte;
Und wenn es Abend wird, so sucht er sie und ärgert sich daß er seine Hangmatte
die er doch kurz vorher verkauft hat nicht finden kann. Brandwein
mögen sie herzlich gerne saufen. Wenn sie dahero ihre L@eder@häute in Nord-
amerika verkaufen, und etwa ein Faß Brandwein dafür bekommen, so
saufen sie so lange, bis sie einschlafen. Wenn sie ausgeschlafen haben, so fangen
sie sogleich wieder an, und das geht immer so fort, bis sie entweder cre-
piren, oder kein Brandwein mehr da ist. Sie sind auch nicht im mindesten
zur Arbeit aufgelegt, ihr Körper kann auch keine schwere Arbeit
aushalten: des Morgens laßen sie sich von ihren Weibern mit Roku
bemalen, und sitzen dabei ganze Stunden lang still, denn fangen sie
an zu angeln, und wenn sie auch keinen einzigen Fisch bekommen,
so sind sie doch dabei gantz gleichgültig, so lange ihnen nur nicht hungert,
und dabei sitzen sie beständig stille und rauchen ihren Tobak der dorten
wild wächst. Tobakrauchen ist überhaupt ihr liebstes Geschäfte, und dabei
regen sie weder Hand noch Fuß. Sie machen sich auch keine Tobakspfeifen,
weil ihnen dieses zu mühsam ist, immer frischen Tobak nachzustopfen, son-
dern sie nehmen eine gantze Tobaksranke, stecken sie an dem einen Ende an,
und das andere nehmen sie in den Mund, und so rauchen sie denn «immer»
fort. Die Nordamericaner schneiden sich die Hare ab, aber so, daß auf
dem Kopfe eine Stelle voll Har ohngefehr einen Handbreit übrig bleibt,
welches zu einer neuen Vermuthung dient, daß sie von Calmukscher Art sind.
Die Feinde reißen ihnen diesen Schopf mit der Haut weg, «damit ihre» und
putzen damit ihre Sieges-Zeichen aus. Die Feuerländer aber sind so
dumm, daß ohngeachtet bei ihnen eine so entsetzliche Kälte ist, daß 2
Engländer mitten in ihrem dortigen Sommer zu Tode froren, sie doch
noch gar nicht auf den Einfall gekommen sind, an ihren Wohnungen

/ Thüren

/|P_124

/Thüren zu machen, wodurch sie der eindringenden Kälte den Zugang eini-
germaßen verschließen könnten. Vielmehr sind alle ihre Hütten gantz
offen und frei. Sie bedecken sich auch nicht einmal den Unterleib, daher
sie immer vor Kälte zittern. Wie weit stehen diese Völker noch selbst unter
den Grönländern, in deren Lande doch die Kälte noch weit größer ist.

/ ≥ §_47.

/Von den Veränderungen die die Menschen in ihrer Gestalt wirklich vornehmen.

/Die meisten orientalischen Nationen finden an großen Ohren ein be-
sonderes Vergnügen. Die in Siam, Aracan, einige Wilde am Amazonen¥
Strom, und andere Mohren hängen sich solche Gewichte in die Ohren, daß
sie ungewöhnlich lang werden. In Araca und Siam gehet dieses so weit,
daß die Löcher, worinnen die Gewichte gehangen werden, so groß werden,
daß man einige Finger neben einander einsteken kann und die Ohr-
lappen auf die Schulter hängt. Die Siamer, Tunguineser und einige
andre machen sich die Zähne mit einem schwarzen Firniß schwarz. Na-
senringe tragen die Malabaren, Guzaraten, Araber, Bengalen und
Neuholländer. In Neuholland, wo die Menschen noch sehr rauh und wild
sind, fast wie die Einwohner von Terra_de_Fuego, steken sie sich durch die
Scheidewand der Nase einen Knochen von Fisch, welcher wenn er heraus-
fällt, ein großes Loch zu seinem Kennzeichen zurückläst. Selbst
in Arabien haben die Leute Nasenringe, und die Negers ebenfalls,
nur daß sie anstatt Knochen von Fischen vielmehr hölzerne Späne sich durch
die Nase steken. Es gibt auch einige die eiserne Zapfen in der Nase tragen.
Die Nation auf den neuerlich durch Capitain Coocke [[Cook]] bei seiner letzten
Reise entdekten so genannten Fuchsinseln zwischen Kamtschatka
(der östlichen Spitze von Sibirien) und America, bohren sich 2 Löcher durch die
Nase und schlagen sich lange Stiften durch, die sie allemal, wenn sie sich
schlafen legen wollen mit vielem Schmerz ausziehen müßen. Die Negers am
Fluße Gaban in Africa, tragen in den Ohren und in der Nase einen Ring,
und schneiden sich nach und nach in die Unterlippen ein Loch, um

/ die

/|P_125

/die Zunge durchzusteken. Die Hottentotten drüken ihren Kindern
die Nase breit, wie einige andere Völcker, als die Caroiten mit einer
Platte die Stirne breit drücken, so daß die Augen zum Kopf hinaus-
stehen. Diese Caroiten bemalen sich das Gesicht mit Roku, einem roten
Oel, was man in Franckreich Orleans nennet. Dadurch verhindern
sie die zu starke Ausdünstungen ihres Körpers, welche sonst in einem
so feuchten heißen Lande, wie Guiana ist, gewiß erfolgen würden,
sie haben also in ihrem Putz zugleich ein Gesundheitsmittel. Ueberhaupt
ist das Bemalen der Wilden Völker unter allem Putzen doch noch immer
das unschädlichste. Ein Volk am Amazonenstrohm zwinget die Kopfe
der Kinder durch eine Binde wie einen Zuckerhut zu wachsen. Die
Chineser zerren immer an ihren Augengliedern, um sie klein zu
machen. Ihren jungen Mädchen Füße werden mit Binden gezwungen
nicht größer zu werden als ein Fuß von einem 4jährigen Kinde.
Vielleicht liegt die wahre Ursache dieses tyrannischen Gebrauchs blos
in einer Jalousie, um zu verhindern, daß die Weiber nicht auslaufen
können. Denn nun kann das chinesische Frauenzimmer gar nicht aus
dem Hause gehen, sondern muß sich immer in einer Sänfte austragen
laßen und selbst im Zimmer wenn es gehen will, sich beständig an
den Wänden halten. Die Hottentotten verschneiden ihren Söhnen im
8ten Iahre einen testiculum, man glaubt, daß sie dadurch der Zeugung
von Zwillingen vorbeugen wollen, welche sie nicht gerne haben mögen,
weil ihre Weiber nicht auf einmal 2 Kinder wegen schlechter Nah-
rung säugen können. Das kann aber nicht die wahre Ursache
seyn, denn man find doch selbst unter ihnen häufige Beispiele,
daß ohnerachtet sie nur ein testiculum haben, sie dennoch Zwil-
linge zeugen, von welchen sie denn ein Kind wegwerfen.
In Abyßinien ist noch itzt eine Beschneidung der Weiber, an ein

/ paar

/|P_126

/paar Häutchen, die bey ihrer Mutteröffnung sich finden. Die
Türken laßen ihren schwarzen Verschnittnen alle Zeichen der Mannheit
wegnehmen. Eine Nation in America drüket ihren Kindern den
Kopf so tief in die Schultern, daß sie keinen Hals zu haben scheinen,
und daher auch Ohnköpfe genannt werden. Daher auch vielleicht
die Fabel, daß es Menschen gebe, welche die Augen auf der Brust hätten.
Einige Varietäten der Menschen sind von der Art, daß man sie nicht
völlig erklären kann. Dahin gehöret auch die Größe der Menschen
welche sich bey uns gemeinhin nach den Personen richtet, die das
Kind zeugen.

/Was die Patagonier anbetrift, welche in den Knochen sehr stark sind,
und wenigstens 7 Fuß groß sind, so gibt es deren 2 Arten, nemlich
die Araukas, und die Puellisans. Von diesen hat ein Stamm sehr viele
Pferde. Die Engländer haben in Patagonien Riesen gefunden, die
nahe an 7 Fuß groß und sehr dik waren wie Colossen, und zwar
Männer so wol als Weiber, doch sind die Weiber immer kleiner als die Männer.
Ein frantzösischer Botanicus [[Commerson]] der eine Reise nach Madagascar that,
um die daselbst befindlichen Kräuter kennen zu lernen, und zu
untersuchen, sahe daselbst ein Weib von den Bergeinwohnern der Insel
Madagascar, (denn die in dem ebenen Theile dieses Landes wohnen
heißen Caffern), welche man Kumas nennt, die so groß war als ein
9_jahriges Kind.

/Er fand ferner daß ihre Hände so lang waren,
daß sie, wenn sie gerade stand, mit den Fingern bis an die Knie
hinreichen konnte¿. In dem innwendigen von Borneo, Formosa und
andern Inseln hat man Menschen mit Affenschwänzen gefunden. Der
Staatsrath Rytschkob [[Rytschkow]] in seiner Beschreibung der Ohrenburgschen Gou-
vernements schreibt, daß verschiedene Rußen bey den Turcomannen
in Gefangenschaft gewesen und daselbst eine Nation, die aus nicht
mehr als 200 Familien bestand«en» haben kennen lernen, welche alle
insgesammt einen Ansatz zum Affenschwanz gehabt, und

/ Kukuli ~

/|P_126R

/Caffern ist ein arabisches Wort und
heist so viel als Ungläubige. Caffern
ist überhaupt ein Unterscheidungs-
name für alle diejenige Völker,
die zwar wolligtes krauses Har,
obgleich nicht so fein Krauses wie die
Neger; aber auch dabei einen Bart
haben, denn die Negers haben gar
keinen Bart. ~

/|P_127

/Kukuli-Tartari genannt worden. Diese Kuckuli-Tartari sollen
ein Abscheu der andern Tartarn seyn. Stralenburg [[Strahlenberg]] führet an
daß es auch Tartarn gebe, die so geflekt sind wie die Tiger.

/Der berühmte Philosoph Bilfringer [[Bilfinger]] hatte 6 Finger an der Hand. Jacob
Ruhe chirurgus in Berlin hatte auch 6 Finger, und zeugte Kinder die auch 6
finger haben.

/Die Weiber der Samoieden haben nach Klingstaeds Bericht an den
Brüsten eine schwarze Wartze und werden auch sehr früh mannbar.
Die Samoieden und Lappen haben nur sehr wenig Bart, und er-
schrecken sehr leicht wenn man sie unversehens anrührt. Pallas führt
davon ein merkwürdiges Beyspiel an, nemlich daß ein Samoiede,
dem ein Russe unverme«h»rkt einen schwarzen Handschuh angezogen
hatte, darüber in eine solche Wuth gerieth, daß er alles um sich herum
ermorden wollte, bis endlich der Russe auf den glüklichen Einfall kam,
ihm den Handschu wieder abzuziehen, worauf sich iener denn allmählich
wieder erholte, und nachher gestand daß er geglaubt habe, seine
Hand sey in eine schwarze Bärentaze verwandelt worden. So viel
Macht hatte ein Schrek über diesen Samoieden, der blos aus einem unge-
wohnten Anblick erzeugt war. Das kommt wahrscheinlich von der Schwäche
ihrer Nerwen her, welche durch die Kälte sehr leiden. Daher haben sie
auch wie alle weit nach Norden wohnende Völker, sehr viele Entzün-
dungen im Blut, und Seitenstechen ebenfalls eine Wirkung großer Kälte.

/Was die Gemüthsbeschaffenheit dieser Völker anbetrift, so finden in den
Racen der Weißen alle 4 Arten derselben statt, nemlich Naturell
oder die Fähigkeit etwas zu lernen; Geist, d. h. die Fähigkeit der Idee
oder das Vermögen etwas zu erfinden; Instinct, welches der Antrieb der
Affecten und Neigungen zum andern Geschlecht, %.folglich ein principium

/ der

/|P_128

/der Thätigkeit ist; und Disciplin oder die Fähigkeit sich nach Gesetzen
lencken zu lassen. Bei den Indianern ist sehr viel Naturell, aber
wenig Geist, und noch weniger Instinct. Die Deutschen haben weni-
ger Geist als die Engländer und Italiäner weniger Instinct als der
Franzose aber mehr Disciplin. Die Türken oder Tartarn haben
viel Instinkt, aber wenig Disciplin und ziemlich viel Geist,
aber wenig Naturell. Was die Race der Neger anbetrift; so sind
diese ohne Naturell, Geist und Disciplin; haben aber sehr viel
Instinkt. Den Americanern aber fehlet alles, und es bedeutet bei ihnen,
daher auch so gar die Triebfeder der Liebe gar nichts. Sie sind auch
gar nicht fruchtbar. Eine Frau concipirt nicht so lange sie säugt.
Iunges Volk beiderlei Geschlechts schläft mit einander zusammen,
ohne daß ihnen die Lust ankommt, einander beizuwohnen.

/Einen gar sonderbaren Gebrauch, der dennoch sehr ausgebreitet ist,
finden wir in Brasilien, nemlich diesen, daß wenn daselbst eine
Frau ins Wochenbette kommt, sich statt ihrer der Mann ins Bette
legt, und sich von seiner eben erst niedergekommnen Frauen
aufwarten läßt, recht, als wenn er todt krank wäre und
das Kind zur Welt gebracht hätte. So widersinnig dieser Gebrauch ist,
so find man ihn doch noch häufig in Africa. Die wahre Ursache davon
läßt sich schwer einsehen. Bei allen wilden Völkern putzet sich nur
der Mann, welcher sich auch schminket und das Weib gar nicht. Hingegen
auf den Südseeinseln, und besonders auf Neuseeland, deren Ein-
wohner recht wakere Leute sind, die wenn sie von den Europäern
cultivirt würden, vielleicht einst der edelsten Völker auf Erden
werden könnten, putzt sich schon das Weib und der Mann nicht. Doch
tettoniren sich die Weiber nicht auf dem Gesicht, sondern auf dem Hintern,
/ daher

/|P_129

/daher sehen sie im Gesicht schon weit hübscher aus, so wie ihre Bildung
selbst weit gefälliger ist, als bei andern Wilden.

/Als eine Rarität der Menschen-Gattung verdient noch bemerkt zu
werden, was Pallas von den Burälen einem Stamm der Calmüken
anführt, daß dieses Volk nemlich, eine so außerordentliche Leich-
tigkeit hat, daß ein Pferd, welches schon das Tragen eines Calmuken
müde geworden ist, sich sogleich erholt, so bald sich ein Buräle herauf-
sitzt und reitet. Einen solchen Burälen kann man mit der Hand
aufheben und eine ganze Weile so in die Höhe halten. Es wäre aber
zu wünschen, daß Pallas diese specifische Schwere der Leute, durch
ein Gewicht im Waßer untersucht hätte. Diese außerordentliche
Leichtigkeit schreibt er ihrer beständigen Fleischnahrung zu. Denn als
Hirtenvölker, nähren sich diese Leute blos von thierischen Sub-
stanzen, und haben gar keine vegetabilische Nahrungs-Mittel.
Bey den Hottentotten muß sich eine Frau, wenn ihr Mann stirbt,
das erste Glied vom kleinen Finger der linken Hand abnehmen laßen,
und so geht es immer fort, so daß man Frauenspersonen da-
selbst gefunden hat, denen an allen Fingern der linken Hand
das 1ste Glied fehlte, denen also 5 Männer gestorben seyn müßen.
Reicht die linke Hand nicht zu, so kommt es an die rechte.

/Bei vielen Nationen theilen sich die Zähne gantz spitz. Römer
ein Dänischer Oberhauptmann der wol 20 Iahr lang auf der
Küste von Guinea Menschenhandel getrieben hat, führt an, daß
daselbst die Negers mit spitzigen Zähnen nicht gern gekauft würden,
weil sie sehr bös«h»artig und aus dem Lande der Menschenfreßer
wären, daher sie einen großen Appetit am Menschenfleisch hätten.

/ Bei

/|P_130

/Bei diesen Leuten wäre allso die Beschaffenheit ihrer Zähne ein
Merkmal ihrer Gemüthsart. Blumenbach ein berühmter
Naturbeschreiber in Goettingen führet von den egyptischen
Mumien an, daß ihre Schneidezähne sämtlich eine Krone hätten,
so wie unsere Bakzähne und leitet solches von der Beschaffen-
heit der dortigen und ihrer Zeit gewöhnlichen Nahrungsmittel her,
die in lauter Wurzeln bestanden und also die Zähne so ab-
gestumpft hätten. Doch könnte man gegen diese Meinung
2 wichtige Zweifel haben, daß nemlich die Mumien doch wahr-
scheinlich von vornehmen Leuten wären, die auch wol damahls
keine Wurzeln mögen gegeßen haben, und denn, daß man
bei allen andern Völkern, die noch itzo Wurzeln eßen, dennoch
nicht solche stumpfe Vorderzähne antreffe.

/ ≥ §_48.

/Abweichungen der Menschen von einander in Ansehung ihres Geschmaks

/Unter dem Geschmack, verstehe ich das Urtheil über das was allgemein
den Sinnen gefällt. Man wird aus der Abweichung des Geschmaks der Menschen
sehen, daß ungemein viel bey uns auf Vorurtheile beruhe.

/1. Urtheil der Augen. Ein Chineser hat ein Mißfallen an großen Augen. Er verlangt
ein großes vierekigtes Gesicht, breite Ohren, sehr breite Stirn, einen diken
Bauch und eine grobe Stimme zu einem vollkommnen Menschen. Die Hot-
tentotten, wenn sie gleich den Putz der Europäischen Weiber gesehen,
so ist doch in ihren Augen eine andre Frauensperson ausnehmend schön,
wenn sie sich 6 Striche mit rother Kreide, 2 über die Augen, 2 uber die
Baken, einen unter der Nase und einen übers Kinn gemacht hat.
Die Araben punctiren ihre Haut mit Figuren, darin sie eine blaue
Farbe einsprützen. Das punctiren der Haut nennt man auch mit
einem aus der Südseeinseln, insonderheit aus Neuseeland entstandenen
Namen tettoniren. Die übrige Verdrehung der natürlichen Bildung um schön
auszusehen, kann man vorher sehen.

/ 2. Urtheil

/|P_131

/2.) Urtheil des Gehörs. Wenn man die Music der Europäer, mit der Türken,
Chineser, Africaner ihrer vergleicht, so ist die Verschiedenheit ungemein.
Die Chineser ob sie sich gleich mit der Musik viel Mühe geben, finden an
der unsrigen kein Wohlgefallen.

/3.) Urtheil des Geschmaks. In China, in ganz Guinea ist der Hund eins der schmak-
haftesten Gerichte. Man bringt daselbst alles bis auf die Ratzen und
Schlangen zu Kauf. Dieses geschieht auch an den Moßischen Küsten. In Sumatra,
Siam, Aracan und den mehresten Indianischen Oertern, macht man nicht
viel vom Fleisch. Aber ein Gericht Fische, die aber vorher müssen stinkend ge-
worden seyn, ist das Hauptessen. Der Grönländer liebt den Thrangeschmak
über alles. Die Bortelblätter mit der Araknuß und ein wenig
Kalk ist die gröste Ergötzlichkeit aller Ostindianer, die zwischen den tro-
picis wohnen. Die Hottentotten wißen von keiner Zärtlichkeit des Ge-
schmaks. Im Nothfall können getretene Schusolen noch so ein ziemliches
Gericht für sie abgeben. Allein diejenigen von ihnen, welche sich in
ihren Schaffellen nähren freßen sie bey langer Weile zum Zeitvertreib
auf.

/4. Urtheil des Geruchs. Der Teufelsdrek oder assa foetida ist die Ergötzlichkeit
aller südlichen Perser, die Indwiner die ihnen nahe wohnen zu Saualde
und andern Orten. Alle Speisen und so gar das Brodt, sind damit parfumiret,
das Waßer selbst riecht davon. Den Hottentotten ist der Kuhmist ein
Lieblingsgeruch, imgleichen andern Indianern. Ihre Schaffelle müßen
durchaus darnach riechen, wenn sie nach der Galanterie seyn sollen.
Ein Missionarius wunderte sich darüber, daß die Chineser, so bald sie eine
Ratze sehen, sie mit den Fingern zerreiben und mit Appetit daran riechen.
Allein ich frage dagegen, warum stinkt uns itzt der Muscus der vor
kurzer Zeit jedermann so schön roch? Wie viel vermag nicht das Ur-
theil anderer Menschen in Ansehung des Geschmaks ihn zu verändern wie es
die Zeit mit sich bringt.

/ 2tes

/|P_132

/ ≥ Zweytes Hauptstük
/Von den vierfüßigen Thieren, die lebendige Iunge gebähren.
/Erster Abschnitt
/Die mit Klauen
/ §_49.
/I Die mit einer Klaue oder den Behuften. ≤

/Die Haußthiere sind zu unterscheiden von den wilden Thieren. Unter
erstere gehören auch solche, welche der Mensch eben nicht gerne sieht,
die sich aber doch immer zu den Wohnungen der Menschen halten, als zE.
Mäuse, Ratzen. Diese gezähmte Thiere oder Hausthiere sind ent-
weder, 1.) ohne Disciplin, unter diese gehören die Tauben, die Katzen
und die Schweine, 2. unter Disciplin, dahin rechnen wir den Hund,
das Pferd, den Esel, das Kamel, das Rindvieh, den Büffel, den Elephant,
und das Lama, welches vom Schaafgeschlecht ist, rothe Wolle trägt, in Peru
gefunden und daselbst zur Arbeit gebraucht wird. Alle Thiere wenn
sie unter des Menschen Disciplin kommen, arten ganz aus und
verlieren gar sehr viel von ihrer Dauerhaftigkeit, und ganzen
thierischen Capacität. So hat zE. das wilde Schaaf Hare, große Hör-
ner und eine erstaunliche Stärke; da hingegen das gezähmte Wolle
und kleine Hörner hat, auch gantz schwach ist. Büffon führt an,
daß von 300 bis 400 Arten von 4füßigen Thieren und etwa 12.000
Arten von Vögel der Mensch etwa 19 bis 20 Arten zu zähmen gewust
hat, nemlich von den 4füßigen 12 und von den Vögeln 8 Arten.
Doch ist er noch zweifelhaft, ob er den Elephant auch mit zu den
Haußthieren zälen soll, weil er sich nur, wenn er frei ist begattet.

/ ≥ Zu den Thieren mit einer Klaue oder den behuften gehöret

/A Das Pferd. Die aus der Barbarei haben einen langen feinen Hals, dünne
Mähnen, sind meistens grau und 4 Fuß 8 Zoll groß. Die Spanischen von

/ langem

/|P_133

/langem dikem Halse, stärkern Mähnen, breitern Brust etwas
großen Kopf, voll Feuer, sind die besten Reitpferde in der Welt.
Die in Chili sind von spanischer Abkunft (denn in America gab es
ehedem keine Pferde) weit kühner und flüchtiger als iene, daher
die kühne par Force Iagd in Chili. Die englischen Pferde stammen von
arabischer Race, sie sind völlig 4 Fuß 10 Zoll hoch, aber nicht so an-
nehmlich im Reiten als die Spanischen. Sie sind sonst ziemlich sicher
und schnell im Laufen, sie haben trokene und gebogene Köpfe. Die däni-
schen Pferde sind sehr stark, dik von Halse und Schultern, gelaßen
und gelehrig, sind gute Kutschpferde. So auch die Hollsteinsche, welche
häufig nach Rom verschikt werden, weil die Cardinäle in sehr
großen Wagen fahren und doch nur 2 Pferde vorspannen «w»dürfen.
Die Neapolitaner, die von Spanischen Hengsten und Italiänischen
Müttern gefallen, sind gute Läufer, aber boshaft und sehr kühn.
Die arabischen Pferde können Hunger und Durst vertragen,
sie werden um ihrer reinen Race wegen, genealogisch aufge-
zeichnet, deswegen werden sie nicht nach ihrer Vortreflichkeit, son-
dern nach der Abstammung von Pferden irgend eines ihrer alten
Helden geschätzt. Die diplomata, welche oft mehr kosten, als das ganze
Pferd sind also von gar keinem Nutzen. Beim Beschälen ist der Secretair
der Emirs, der ein untersiegeltes Zeugniß gibt, und das Füllen wird auch
durch ein diploma accreditiret. Sie freßen nur des Nachts, halten im
flüchtigsten Galoppe plötzlich still, wenn der Reiter herabfällt, sie
können wol 24 Stunden ohne Waßer leben, und in der brennensten
Sonnenhitzige einige Stunden lang ohne Schaden zu nehmen stehen.
Sie sind sehr gelenksam und ohne Tüke, sodaß ein Araber sich schlafen legen
kann, während daß sein Pferd ganz ruhig um ihn herumgeht. Sie sind aber

/ doch

/|P_134

/doch nicht so schnell wie die englischen. Das sieht man aus dem Wettrennen
die zu Rom in einer besondern Straße Corso genannt, blos mit Pferden
ohne Reiter angestellt werden. Hier sieht man den Vorzug der englischen
Pferde vor allen andern in der Welt. Denn außer ihnen laufen alle andre
Pferde nur höchstens 50 Fuß in einer Secunde, die englischen aber legen
80 Fuß in einer Sekunde zurük. Man schätzt hier die Zeit nach einer
Penduluhr. Die Persischen Pferde sind nach den arabischen die beste. Die
Cosakischen wilden Pferde sind sehr dauerhaft und schnell. Man kann
es am Füllen kennen, ob der Beschäler ein gutes Stallpferd gewesen oder
nicht. Die Pferde in den heißen und Kältesten Erdstrichen gerathen
viel schlechter, die auf hohen Ländern beßer als die in fetten niedrigen.
Die Isländische Pferde sind die kleinsten und hurtigsten unter allen.
Das wilde Pferd flieth alle Waldungen, und wählt sich nur hohe trokene
Ebenen zu seinem Aufenthalt ZE die Steppen daher find man sie auch
nirgends in ganz Europa als am Donfluß. Die daselbst angetroffen
werden haben eine wolligte Haut, mausfahle Farbe, und große Eselsohren.
Sie werden von einem Hengste angeführt, ziehen in großen Horden
herum, und laßen sich gar nicht zähmen. Sie sind sehr schnell, und die
Russen haben sich viele Mühe gegeben sie zu zähmen aber vergebens,
sie stoßen sich lieber in den Ställen die Hälser ab. Wenigstens wäre
zu wünschen, daß man einen Halbschlag von ihnen ziehen könnte,
zumal da die wilde Hengste so frech sind, daß sie den
Russen selbst ihre zahmen Stutten entführen. Dieienige wilde
Pferde, welche sich in der Tartarei aufhalten, heißen Dzijetti,
haben große Ohren, und sind in solcher großen Zal, daß wo sie
gegangen sind, man ganze Meilen weit ihre Fußstapfen
siehet, sie ziehen von der Grenze des Indianischen Ge-
bürges oder der kleinen Bucharey an, bis an die Grentze des
Rußischen Sibiriens gegen Norden herum.

/ Die

/|P_135

/Die Begattung des Esel_Hengstes mit der Pferdstutte
zeigt, daß dieses nicht 2 gantz verschiedene Thierarten sind.
In Sawoyen gibt man vor auch solche Maulesels zu haben,
welche von einem Pferdhengste und Mauleselstutte gefallen,
und nennt sie Bordots. Diese sind sehr klein, weil sie von ei-
ner Eselin abstammen und haben einen sehr ungeschikten Kopf,
der fast wie ein Ochsenkopf aussieht. Daher kommt die Legende
vom so genannten Iumar, davon man auch in Büschings Geo-
graphie etwas findet, der von einem Stier und Eselin er-
zeugt worden seyn soll. Es ist aber durch nähern Untersuchungen
Italiänischer Naturforscher völlig ausgemacht, daß dieser
Iumar weiter nichts als der Bordot ist, und daß kein Stier
sich mit einer Eselin begatte.

/B. Das Zebra wird wieder sein Verschulden fälschlich der Africanische
Waldesel genannt. Denn es ist das schönste Pferd an Bil-
dung, Farbe und Schnelligkeit in der Natur, nur daß es
etwas lange Ohren hat. Es finden sich welche in Africa
hin und wieder in Abyßinien, in Congo bis an Caput bonae spei.
Die Africaner wißen es nicht zu zähmen. Der Mogul
kaufte eins vor 2.000 @%Ducaten@. Die ostindische Gesellschaft schikte
dem Käiser aus Iapan ein Paar und bekam 160.000 %Reichsthaler.
Es ist glatt haarigt, hat weiße und Kastanienbraune abwech-
selnde Brandstreifen, die vom Rüken anfangen und
unter dem Bauche zusammenlaufen. Da wo der braune und
weiße Streif zusammenlaufen entstehet ein gelber Reif.
Um den Schenkel und Kopf gehen diese Kniebänder gleichfalls.

/ C. ~

/|P_135R δZ_14

/So selten die Zebras <auch> sind, so hat doch
ein König_von_Portugal, einmahl
4 Stük vor seiner Kutsche gehabt. ~

/|P_136

/C. Der Esel. Die Eselin muß nach der Belegung sogleich geprü-
gelt werden, sonst gibt sie die befruchtende Feuchtigkeit wie-
der von sich. Esels- und Pferdshäute werden in der Türkei
und Persien durch Gerben und Einpreßen der Senfkörner
zu Chagrin verarbeitet, davon allerlei Farbe gemacht wird.
Der Maulesel davon diejenige Sorte, die vom Eselhengst
und Pferdstutte gefallen, am meisten in Gebrauch ist.
Sie sind größer als die vom Pferd und Eselin gefallene.
Die Maulesel haben die Ohren, den Kopf, den Schwanz, das
Kreutz vom Vater, von der Mutter aber nur die Hare und
die Größe. Es sind also nur große Esel mit Pferdeharen.
Der Waldesel oder Anager findet sich in einigen Inseln des
Archipelagus, in der Lybischen Wüste, und noch häufiger
in der Wüste Baktan, ist schlanker und behender als der zahme
Esel. Die von ihm gezogene Maulesel sind die stärksten.

/ ≥ §_50.

/II. Die zweiklauigte Thiere welche ins gesamt gehäret
sind ausgenommen die Schweine. ≤

/≥ A. Das Ochsengeschlecht. ≤ Der gemeine Ochse ist in den fetten und
feuchten Ländern am besten. Die Holländer nehmen große
magere Kühe aus Dännemark, die bei ihnen noch einmal
soviel Milch geben. Vornemlich von einer Zucht, die von
einem fremden Stier und einheimischer Kuh in Holland
gefallen. In einer Grafschaft in England gibt man für einen
einzigen Stier zur Begattung bis 100 %Pfund Sterling. Das muß
doch auch gewiß eine vortrefliche Ochsen_Race seyn. Die

/ Afr

/|P_137

/Africanischen Ochsen haben gemeiniglich einen Pukel zwi-
schen dem Schulterblatte auf dem Rüken. Der Bisamochs
in Nordamerica hat seinen Namen daher, weil seine Hare,
wenn man einige davon zwischen seinen Hörnern auszieht,
sehr stark nach Bisam riechen. In Abyßinien sind die Ochsen
von einer außerordentlichen Größe wie Kamele und unge-
mein wohlfeil. Der Elephantenochs ist dem Elephanten an Fell,
Farbe und auch beinahe an Größe gleich, und ist in Aby-
ßinien und Aethiopien. Die Hottentottischen Kühe geben nicht
anders Milch als wenn man ihnen mit einem Horn in
die Mutter bläset. Die Persischen Kühe geben nur denn
Milch, wenn sie ihr Kalb dabei sehen, daher deßelben ausge-
stopfte Haut aufbewahret wird. Die Eydammer, Limburger,
Aberdammer, Schweitzer und Parmesan_Käse sind die
besten. Die Irländische Ochsen haben kleine Hörner und sind
klein. Die in Guinea haben ein schwammigtes Fleisch, so wie
in andern heißen Ländern, welches sehr wenig wiegt, und
groß außieht. Die Goldschläger brauchen eine feine Haut,
zwischen welche sie die Goldblättgen dünne schlagen.
Diese Haut wird vom Innwendigen des Ochsendarms
abgezogen und einzig und allein in England praeparirt.
Das Rindvieh aus der Barbarei hat eine ganz andre Gestalt,
an Haren, Hörnern und übrigen Leibes_Bildung als das
Europäische, die barbarische Kuh hat rükwärts gebogene
Hörner. Der Büffelochse hat lange, schwarz, hohle, flache

/ und

/|P_138

/und gekrümmte Hörner, wie die Ziege und wird in Indien
zum Lasttragen gebraucht, er ist wild, und gehört in Asien,
Egypten, Griechenland und Ungarn zu Hause, sie können
gezähmet werden. Der Auerochs in Pohlen, Preußen und
Rußland ist bekannt. Er findet sich auch in Africa am
Senegall; ja so gar in Nordamerica, woselbst er sowie
der Bisamochs dergestalt mit Wolle«n» bewachsen ist, daß
man den Kopf kaum sehen kann, und daher sehr fürchterlich aus-
sieht. Der Auerochs mit einer großen Mähne, ein tapfres
Thier, mag vieleicht der Ur oder Stammochs des Rindsgeschlechts
seyn. Der Büffelochse hingegen scheint von einer ganz
andern Race zu seyn. In Paraguäy in America haben
sich die Rinder so vermehret, daß wol alle Iahr an 50.000
Stük können geschlachtet werden, ohne daß man einen
Mangel daran verspüret.

/ ≥ B. Das Schaaf-Geschlecht.

/Das Schaf scheint wohl das erste unter allen Haußthieren zu seyn,
weil es allenthalben fortkommt, und sogar in den dürren
Wüsten von Lybien und Arabien häufig angetroffen
wird, wohin doch der Aufenthalt des ersten Menschen mit
Recht gesetzt werden kann. Es läst sich auch leicht
zähmen, und kann wenn es zahm ist, fast gar nicht ohne
Menschen leben. Dafür nutzt es ihm aber auch, und am
meisten im Orient, wo man gemeinhin Schöpsenfleisch, nur
«S»selten Rindfleisch ißt. Vielleicht kommt es auch daher,
daß man bey den Poeten den Jupiter mit einem Widderkopf

/ ge- 

/|P_139

/geschildert findet, wodurch sie vermuthlich die große Wohl-
that Gottes in diesem Thier für die Menschen bezeichnen wollten.
In Irland sind viele Schafe mit 4 Hörnern, die Isländische
Schafe haben 3 Hörner, das wilde Schaf hat blos Hare wie ein
Ziegenbok und ist das wahre Stammschaaf. Wilde Schaafe sind
die Mouflons in Corsika und die Argali's in der Munga-
lei bey Sybirien. Die spanischen Schafe haben die feinste Wolle,
man nennt sie auch die Wolle von Segovia, weil in dieser
Stadt der Hauptmarkt ist. Gmelin sagt die Gegenden wo
wir die besten Felle herbekommen, seyn die wo die Thiere
am mehresten hungern müßen. Die Spanischen Schafe machen
eine einzige Heerde aus, welche zur Sommerszeit in den
Asturischen Gebürgen, des Winters aber in Andalusien aufhal-
ten. Die spanischen Schafe kommen während ihres Marsches gar
nicht auf Wiesenland, sondern nur in dürre Gegenden,
wo ganz kurzes Gras wächst, und sind immer in freier Luft.
Diesen beiden Ursachen schreibt man es zu, daß sie die beste
Wolle in ganz Europa haben. Während ihres Marsches kann
man sie nicht eßen, so wie man auch bei uns die Schafe,
welche man zur Wollschur aufzieht nicht zugleich zum
Schlachten aufmästet. Diese Schafe ziehen in einer Heerde
von mehr als 2 Millionen herum, wozu alle Privatleute
ihre Heerden mitgeben. Das Commando bey einem solchen Marsche
führt der General-Inspector über die Königliche Heerde, der
wieder verschiedene Subalterne, Unterbedienten hat.

/ Doch

/|P_140

/Doch ist diese Einrichtung, so nützlich und vortheilhaft sie auch
für die Besitzer der Schafheerde ist, immer noch ein Zeichen
der Barbarei in Spanien, denn man kann leicht denken,
wie viele schöne Ländereien dadurch verwüstet und
unfruchtbar gemacht werden. In England woselbst die Schafe
eine Race von spanischen sind, beugt man der Ausartung
sorgfältig vor. Man kauft oft Widder aus Spanien und
bezahlt sie mit 100 %Reichsthalern. Das Arabische breitschwanzige Schaf
hat einen Schwantz der wol eine Elle breit und 40 %Pfund wiegt,
ob er gleich ganz kurz ist und aus lauter Fett besteht,
das Schaf selbst ist ungehörnt. Das Arabische langschwänzige
Schaf hat einen 3 Ellen langen Schwanz, welchen fortzubrin-
gen man einen Rollwagen anbringt. Das Syrische Schaf
hat Ohrlappen die fast bis an die Erde reichen. Die Wolle
des Americanischen Schafs Vicunna genannt, woraus die
Franzosen Vigogne gemacht haben, ist so zart, daß kaum
die Seide so zart seyn mag. Eine Elle Zeug das aus dieser
Wolle zubereitet worden kostet auf 16 @%Ducaten@ und ein Paar
Handschuh davon in Leipzig 5 %Reichsthaler. Die Wolle selbst ist braungelb.
Das einzige Lastthier welches den Americanern eigen ist,
wird von den Spaniern «¿»Llama (welches Liama, so
wie Vicunna eigentlich Vicunia und Sevilla recht Sevillia
ausgesprochen wird, weil im spanischen oft 2 gleichlauten-
de Consonanten aufeinander folgen und denn allemal
mit dem Vocali (i) zusammen gelesen werden)
genannt. Diese Llamas gehen sehr gravitätisch, und

/ tragen

/|P_141

/tragen ihre langen Hälse selbst beim schnellsten Laufe
ganz gerade wie die Schwäne. Bei ihrem Schritt oder
Sprung, drehen sie, wenn sie auch noch so schwer beladen
sind den Kopf bald rechts bald links herum, recht als ob
sie sich etwas auf ihre Stärke und Bildung zu gute thäten,
%und gern sehen wollten, was die Leute von ihnen dächten.
Mit diesem Llama hat das Vicunna große Aehnlichkeit,
ist aber wild und kleiner, dabei sehr furchtsam. Es hält sich
in den öden cordillerischen Gebürgen auf und wird nicht
geschoren, wenn man seine Wolle haben will, sondern abge-
zogen und die Haut wird denn sammt der Wolle verkauft.
Es würde aber weit klüger seyn, wenn man aus der Heerde,
die man von diesen Schafen mit leichter Mühe zusammen trei-
ben kann, einen nach dem andern nehmen, abscheren und
denn wieder laufen laßen möchte. Es würden sich diese Thiere
alsdenn weit stärker vermehren können.

/Das gantze Schafgeschlecht hat überhaupt eine große Ver-
wandschaft mit den Ziegen, dem Steinbok und der Gemse.

/ ≥ C. Das Bokgeschlecht.

/Der Azorische Bok in Galatien nicht weit vom schwarzen Meer,
hat feine glänzende Hare zum Zeugmachen. Die Cameel-
Ziege in America ist 4_1/2 Fuß hoch, kann aufgezäumet, be-
ritten und beladen werden, trägt das Silber aus den Bergwerken,
arbeitet des Abends niemals und selbst bei den härtesten
Schlägen seufzet es nur. Die Cameelhare sind das Har von
kleinen Persischen, Türkischen, Arabischen, Galatischen oder

/ Azori- 

/|P_142

/Azorischen Ziegen. Das Cameelgarn wird am liebsten mit
Wolle vermischt, die Türken laßen bei hoher Strafe
keine aus dem Lande.

/Das was wir Cameelgarn nennen, soll eigentlich
Kämmelgarn heißen, weil selbiges von der Wolle einer
gewißen Art von Ziegen in Angora einer Stadt in Ga-
latien gekämmet wird. Diese Ziege hat sehr schöne 8 Zoll
lange weiße Hare und heißt in der Türkei Kämmel.
Der Cameel aber hat dort einen ganz andern Namen.

/Corduan wird aus Ziegenleder gemacht, kommt aus Ma-
rocco und hat seinen Namen von der Stadt Cordova in
Spanien, wohin die Mohren selbiges verhandeln. Der Saffian
ist nichts anders als ein feiner Corduan und gleichfalls
ein Ziegenfell. Der Scapf, aus welchem Persischen Wort
man Chagrin gemacht hat, womit man Etuis überzieht,
und welches man auch bei Uhren gebraucht, wird am be-
sten in Persien aus Eselshaut verfertiget, die mit Senf-
körner belegt und gepreßt wird, daher die vielen Er-
höhungen und Vertiefungen in diesem Leder.

/Der Steinbok hat 2 Ellen lange knotigte Hörner. Die Knoten
zeigen die Jahre an, sie sind in den Schweitzergebürgen
und in Salzburg anzutreffen. Sie sind die grösten Springer
unter allen, legen ihre Wildheit ab, wenn sie in die
Ebene gelokt und gefangen werden und bewohnen die
obersten Spitzen der Berge. Gemsen mit Haakigten rük-
wärts gebogenen Hörnern, sie können gezähmet werden.
Die Gemsenjagd ist sehr mißlich. Daher braucht man Flinten

/ mit

/|P_143

/mit 2 Schlößern dazu, womit man 2 Schüße auf einmal
thun kann. Die Africanische Gezella, welche man auch
in Arabien findet, ist auch eine Gattung von Gemsen,
sie haben sehr schöne Augen, und werden von den Leopar-
den, die man vorhero zahm gemacht hat, gefangen. Der Muscus-
Bok (Bisambok) meistens ungehörnt lebt in China, Persien,
Africa, hat eine Bisamblase, oder Nabeltasche. Man kann
ihm den Mo«¿¿»schus mit einem Löffel herausnehmen, man
verfälscht ihn mit deßelben Blute das auch nach Moschus
riecht. Das Bezoar_Thier fast wie eine Ziege wird in Indien
angetroffen, hat den Namen wegen des Magenballes, den
man Bezoar_Stein nennt und welches ein wahres Arze-
ney_Mittel ist bekommen. Die meisten Bezoar_Steine sind
aus dem Magen der Hirsche, so hat man auch Tauben_Bezoar
u.a.m. Die Russen bekommen den Muscus von den Bengalen
und aus Thibet, dieses ist der beste Bisam. Unter den andern
Namen von Ziegenböken bemerken wir das Guineische
blasgelbe Bökchen, es ist nicht viel größer als ein Caninchen,
und springt doch über eine 12 Fuß hohe Mauer weg. Das Zie-
geneinhorn ist von Steller in Kamschatka entdekt worden.
Der Gieraffe oder Camelopardus hat einen langen Hals und
ist so groß als ein Cameel, es ist wie ein Parder ge-
flekt.) hat vorwärts gebogene Hörner, sehr hohe
Beine und wird in Abyßinien gefunden.

/ D.

/|P_144

/≥ D. Das Hirschgeschlecht

/und zwar gibt es

/1. Wiederkäuende mit vestem ästigem Geweihe nemlich,

/a. Der Hirsch. Er wirft im Frühjahr, vom %.Februar bis an den
May sein Geweih ab. Sie kämpfen unter sich mit Geweih
und zerbrechen es, verwikeln sich auch oft so, daß sie auf
dem Kampfplatze gefangen werden. Die Brunstzeit ist
im September und währet 6 Wochen. Zu dieser Zeit wird
ihr Har dunkler aber ihr Fleisch stinkend und uneßbar.
Ihr Geweihe ist von 20-30 ja wohl gar ob zwar selten
von 66 Enden, wie derjenige hatte, den der König Friedrich
in Preußen erlegte. Jung verschnittenen Hirschen wachsen
keine Geweihe. Die Weibchen haben kein Geweihe. Er ist ein
vollkommener Schwimmer und setzt oft über große Ströme.
In einem Alter von 18 Monat ist der Hirsch fähig, seines
gleichen hervorzubringen. An den Augen der Hirsche sind
Vertiefungen oder so genannte Thränenhölen, welche
einen schwarzen Bodensatz von zartem, fetten und
leichten Wesen enthalten, die Hirschthränen oder
Hirschbezoar genennet werden. Eben so endigt sich auch
der große aufgeschlitzte Augenwinkel des Elends
in einer Thränen_Drüse, die 1_1/2 Zoll lang ist, unter
einem spitzigen Winkel.

/b) Das Reh, gleichsam ein Zwerggeschlecht vom Hirsche
mit kürzerm Geweihe. Unvollkommenen verschnittenen
Rehböken sträubet ein straubartiges Geweih manchmal
lokigtes wie eine Perüke hervor.

/ c.

/|P_145

/c. Das Zwerghirschchen ist nicht einmal so groß wie ein
kleiner Haase, sein in Gold gefaßtes Füßchen wird zum
Tabakstopfen gebraucht.

/2. Mit schauflichtem Geweihe. Das Elendthier, welches man in
den nordlichen Gegenden von Europa, Asien und America
findet. Die Hottentotten fangen es mit einer Schlinge an
einem zurükgebogenen Baume welcher aufschwellet.
Seine Stärke in den Beinen ist außerordentlich, wenn es läuft
oder rasch geht, so macht es mit den Hufen so oft es zutritt
ein starkes Geklapper, daß es einem vorkommt, als wenn
die Beine aus allen Gelenken gehen. Es thut aber keine solche
Sätze und Sprünge als der Hirsch. Sie scharren nach Ge-
wohnheit der Hirsche die Erde auf, wenn sie sich niederlegen
wollen, oder wenn die Leidenschaft der Liebe sie rege macht.
In Irland gräbt man itzt sogar Geweiche vom Elend
aus der Erde. Elend kommt aus der Russischen Sprache her,
in der ein iedes Thier, das ein Geweih hat, Elenn, oder
in einem andern slawonischen Dialekt @Olenn@ genennet
wird. In Nordamerica nennen es die Franzosen den Karaibu,
die Engländer aber reden noch von einem Mosel_Thier, welches
nichts weiter als ein erstaunlich großes Elend ist, deßen Ge-
weihe 10-12 Fuß von einander entfernt seyn soll.

/3. Mit vermischtem Geweihe, als der

/a. Dammhirsch (dama) mit flacher Geweihkrone, ist etwas größer
als ein Rehbok, und kleiner als ein Hirsch. Die Weibchen
haben keine Geweihe.

/|P_146

/b. Das Rennthier, mit schauflichter Geweihkrone. Die
Weibchen derselben haben auch ein ob zwar kleineres
Geweihe. Es gibt wilde und zahme Rennthiere. Sie scharren
im Winter den Mooß an den Bäumen unter dem Schnee
hervor und ernähren sich davon. Das Rennthier gehet unter
allen Graßfreßenden Thieren am weitsten nach Norden
und nach den Polargegenden, es läuft sehr schnell son-
derlich über Eis, und ist so munter, daß es auch im tiefsten
Schnee ganze Meilen aushält. Die wilden Rennthiere
halten sich in den Gebürgen des schwedischen Lapplandes
auf. Es ist ein ganz vortrefliches Haußthier und wird
unter andern auch dazu gebraucht, um einen Schlitten,
der einem Kahne gleich ist, fortzuziehen, der Schlitten
wird vermittelst eines Fadens an dem Geweih des
Rennthiers vestgemacht. Im Sommer werden die Renn-
thiere sehr oft toll von den Wild-Bremsen, welche
daselbst wegen der vielen Morräste sehr häufig sind,
es wirft auch so wie der Hirsch alle Jahre sein Geweihe ab.

/ ≥ E. Das Schweingeschlecht.

/Eine ungehärte Art der Schweine wiederkäuen nicht.
Sie haben etwas 6 Eiter mehr als andere 2klauigte Thiere.
Sie haben das Fett nicht sowol im Fleische untermenget, als unter
der Haut. Der Eber frißt die Jungen wenn er dazu kommen
kann auf, dieser imgleichen die Sau freßen öfters andre
Thiere, ja Kinder in der Wiege auf. Die Eichelmast ist die
beste für sie. Die Feinen erkennet man an den Bläschen,

/ die

/|P_147

/die den untern Theil der Zunge einnehmen. In den Heiden
belaufen sich die zahme und wilde mit einander, daher
findt man öfters wilde Schweine die weiß geflekt sind
obgleich sie sonst schwarz aussehen. Der wilde Eber ist sehr
grimmig. In China sind die wilden Schweine von schönem
Geschmak, so wie überhaupt alle orientalische Schweine
sehr schönes Fleisch haben, das weit verdaulicher als das
unsrige ist, und dahero selbst von Kranken genoßen wird.
Die zahmen Schweine wenn sie gleich herüber gebracht werden,
so werden sie doch in den hitzigen Welttheilen gleich schwarz.
Das Mexicanische Muscus-Schwein hat oben am Rüken nahe
beim Schwanz eine Ritz, worin durch verschiedene Gänge
ein wahrer und starker Muscus enthalten ist. Das Babirousa
oder Schwein auf einigen Molukischen Inseln vornemlich
Barro ist klein von glattem Har, einem Schweinschwanze,
es wachsen ihm 2 Zähne aus dem obern Kinnladen in einem
halben Cirkel nach den Augen zu. Die kleinen Schweine sind
auf allen Inseln der Südsee, aber doch kostbar, weil ihr Unter-
halt viel Schwürigkeit macht.

/ ≥ §_51.

/ III Thiere mit 3 Klauen. ≤

/Das Nasehorn hat eine dike in lauter Schilder gefaltene und
ganz unbiegsame Haut, aber sonst keine Hare, ein nach
Proportion seines Körpers kleines Horn auf der Nase, welches
aber doch viel größer als das Horn eines Ochsen ist. Es braucht

/ sein

/|P_148

/sein Horn vorzüglich, die Morräste aufzureißen und
Kräuter hervorzusuchen. Es lebt in Sümpfen. Die alten
hatten 2 Hörner, eines hinter und das andre auf der Nase.
Es lekt den Thieren das Fleisch mit der Zunge ab, und hat
eine wie ein Lappen abwärts gekrümmte Oberlippe.
Sonst ist seine Zunge weich; obgleich einige versichern,
daß die Zunge der Africanischen Nashörner scharf
als ein Reibeisen seyn soll. Wenn man auf das Nashorn
einen Tiger setzt, so bringt jenes diesen ums Leben. Es hat
sehr kurze Beine.

/ ≥ §_52

/IV. Thiere mit 4 Klauen

/Der Hippopotamus oder das Nil-Pferd siehet von forne
einem Ochsen und hinterwärts einem Schweine ähnlich,
hat einen Pferdskopf und ein Ochsenmaul, ist schwarzbraun,
hat sehr dike Füße im Umkreise, spritzt aus weiten Nas-
löchern Waßer hervor, ist eben so dik und meist so hoch,
wie ein Nashorn. Es hat 4 aus dem Kinnbaken heraus-
stehende Zähne so groß als ein Ochsenhorn, sie werden weil
ihre Farbe beständiger ist als das Elfenbein auch für besser
als dieses gehalten: Seine Haut ist an den meisten Stellen schußfrei.
Es wiegt auf 30 Centner, und wird in allen Ländern von
America angetroffen.

/ ≥ §_53.

/V Thiere mit 5 Klauen

/Der Elephant ist eben so nakend wie die vorigen, lebt eben

/ so

/|P_149

/so wie jene in Sümpfen und ist das gröste Landthier. Die Haut
ist grau. Schwarze und weiße Elephanten sind rar. Er kann
seine Haut durch ein Fleischfell, das unter derselben liegt, zu-
sammen ziehen, daß er Fliegen damit fängt. So wie der Mensch,
eine solche sehnigte Haut an der Stirn hat. Er hat einen
kurzen Schwanz mit langen borstigen Haren, die man zum
Räumen der Tobakspfeiffen braucht. Er ist 15 und mehr Fuß
hoch, hat aber so wie die vorigen Thiere kleine Augen.
Sein Rüssel ist das vornehmste Werkzeug, mit diesem als mit
einer Hand reißt er das Futter ab und bringt es zum Munde,
es sauget damit das Waßer und läßt es in den Mund
laufen, er riecht dadurch und trinkt nur nachdem er das
Waßer trübe gemacht hat, er hebt damit einen Menschen
auf und setzt ihn auf seinen Rüken, mit demselben kämpft
er auch. Er ist oft so sanftmüthig, daß man ihm auf den
Kopf Kokosnüße entzwei schlagen kann, doch muß er selbst
auch etwas davon haben, sonst rächt er sich dafür mit
seinem Rüssel. Die Indianer bewafnen ihn mit
Degenklingen. Er braucht den Rüssel wenn er schwimmt
als eine Taucherröhre, wenn der Mund unter Waßer ist.
Er schwimmt so stark, daß ihm ein Kahn mit 10 Rudern
nicht entfliehen kann. Aus den obern Kinnbacken gehen
die 2 grösten Zähne hervor, deren jeder auf 10 Fuß lang
und 4 Spannen dik ist, und mancher auf 3 Centner
wiegt. Mit diesen streitet er, reißt die Bäume aus,
zerbricht dieselbe aber auch oft dadurch, oder verliert
sie aus Alter, daher viele Zähne in den Indischen Wäl-
dern gefunden werden. Die männliche Ruthe ist länger als ein Mensch

/ Der

/|P_150

/Der Umkreiß in ihrer grösten Dicke 3_1/2 Fuß. Seine Zähne sind
als ein 4mal eingeschnittener Pferdehuf anzusehen. Sein Huf am
Vorderfuß ist allenthalben 1_1/2 Fuß breit. Der Hinterhuf ist
länglicht rund und 1/2 Fuß lang und 1 Fuß breit. Seine Ohren
sind wie 2 große Kalbfelle anzusehen. Er verträgt nicht die
Kälte. Die alten Elephanten schlafen im stehen, die jungen aber
legen sich nieder. In Africa ist er nicht über 12 Fuß hoch,
in Asien aber bis 18 Fuß. Wenn sie in ein Tobaksfeld kommen
so werden sie trunken und geben tolle Streiche an, wenn er
des Nachts in ein Neger_Dorf geräth, so zertritt er ihre Häuser
wie Nußschalen. Er thut ungereitzt keinen Schaden. Seine
Haut ist fast undurchdringlich, hat aber viele Ritzen und
Spalten, die aber durch einen hervorkommenden Schleim
wieder verwachsen. Er wird mit eisernen Kugeln zwischen
dem Aug und Ohr geschoßen, ist sehr gelehrig, und klug,
daher er in Ostindien eins der nützlichsten Thiere ist. Er läuft viel
schneller als ein Pferd. Man fängt ihn wenn man ihn tödten
will in tiefen Gruben, will man ihn aber zähmen; so lokt
man ihn durch das Weibchen in verhauene Gänge, oder
wenn man einen wilden Elephanten zwischen 2 zahmen
stellt, so machen diese jenen endlich eben so zahm wie
sie selbst sind, indem sie ihn sobald er Streiche macht, von
beiden Seiten stoßen und schütteln. Die Negers eßen sein Fleisch.
Er läst sich nicht nur zähmen, sondern auch discipliniren.
Wenn man seine große Stärke und Aehnlichkeit mit dem Menschen
betrachtet, so ist er ein bewunderungswürdiges Thier.

/ Büffon

/|P_151

/Buffon bemerkt, daß alle Thiere an denen man den Organ
von Menschen<Händen> findet, auch überhaupt dem Menschen näher
kommen. Der Rüssel dienet ihm anstatt der Hand, der außer
der Biegsamkeit oben an dem Rande eine Musculöse Haut
hat, womit er alles anfaßen und tractiren kann. Ohne Rüssel
müste der Elephant sterben. Denn er kann mit seinem Munde
weder freßen noch saufen, weil derselbe zu hoch ist. Seine
Zähne sind eher für Hörner als für Zähne zu halten, weil sie
im Waßer aufgelöst und zusammengepreßt werden können,
welches bei einem wahren Knochen nicht statt findet,
daher heißen sie auch Maulhörner, sie werden ihm sehr schwer
zu tragen, daher er auch seinen Kopf immer auf etwas legt
um auszuruhen. Er hat kleine Augen, weil diese zum Sehen
immer beßer taugen, als wenn ihre Größe nach der Colossi-
schen Bauart seines Körpers in Proportion eingerichtet wäre.
In Indien werden die Elephanten auch zum Kriege
gebraucht. Sie kosten aber sehr viel zu unterhalten und
schaffen doch keinen sonderlichen Nutzen, weil sie oft in ihrer
Armee mehr Schaden thun, als in der feindlichen. In Africa
thun sie in ihrer Wildheit den Wachsfeldern großen Schaden.
In Surate werden sie dazu gebraucht um die Fäßer ins
Packhaus zu bringen und schieben so gar Steine dafür, damit
sie nicht wieder zurückrollen. Der Elephant ist ein sanftmüthiges
Thier und scheint ein Analogon der Moralität zu seyn.
Er versteht wol Spaß, läßt sich aber nicht neken.

/ Zwei

/|P_152

/ ≥ Zweiter Abschnitt
/Von den Thieren mit Zeen

/ §_54.

/Von den Thieren mit einem Zee

/Der weiße americanische Ameisenfreßer hat einen Zee
und kommt übrigens mit andern Ameisenfreßern überein.

/ ≥ §_55.

/Von den 2zeehigten Thieren. ≤

/Dahin gehöret das Cameel, dieses scheint nur für Sandge-
genden gemacht zu seyn, weil es die Salzkräuter liebt,
daher es auch in America nicht hat gedeihen wollen. Es hat
eine besondre Art von Magen der in gewiße Fächer ein-
getheilt ist, außer seinen 4 Magen, hat es noch einen 5ten
Beutel, der ihm zum Behältniß dienet, um daselbst
das Waßer zu seinem fernern Unterhalt zu bewahren,
und der auch ziemlich geräumig ist. Durch das Zusammenzie-
hen der Muskeln kann es einen Theil dieses Waßers in
seinen Pausch und von da bis an den Magen_Grund zurük-
steigen laßen, weil es in diesem Behälter gesund und lauter
bleibt. Das Cameel mit 2 Bukeln findet sich in Persien,
in der östlichen Tartarei und in den großen Ländern
der Mungalen. Das Cameel wird in verschiedene Ar-
ten eingetheilt, nemlich

/1. Das bactrianische hat einen Harbuckel auf dem Rüken,
und einen unter dem Leibe. Seine Bukeln sind eigentlich
keine FleischErhöhungen, sondern nur harte lederne Stellen
mit dichten langen Haren bewachsen, seine Länge beträgt

/ 10

/|P_153

/10 Fuß und seine Höhe 6 Fuß. Es hat die gröste Stärcke unter allen
Cameelen, und lebt in den Wüsten gegen China, im nordlichen
Indien, auch am Caspischen Meer. Es trinkt wie die übrigen
wenig, trägt bis 10 Centner die ihm nachdem es sich auf die
Knie zur Erde gelegt hat aufgepakt werden. Es geht den
Tag bis 10 Meilen gepakt und lernet tanzen. Aus seinen
Haren die es in 3 Tagen im Frühling ausfallen läst, werden
schöne Zeuge gearbeitet, in Archangel macht man guten
Kamelotte davon.

/2) Der Dromedarius hat nur einen Rüken und Brustbuckel, ist
kleiner und schneller im Laufen als das vorige, ist in
Syrien und Arabien zu Hause, und hat starke Polstern
in den Knien. Es geht in einem Tage ohne Ermüdung 40 Fran-
zösische oder ohngefehr 30 deutsche Meilen und kann bis 5 Tage dursten.

/3) Das kleine Postcameel geht beynahe eben so schnell als das
vorige. Es ist aber gemächlicher zum Reiten.

/4 Das Peruanische Schafcameel hat die Größe eines Esels,
und wird wegen der Wolle und des Fleisches erzogen. Es geht
sehr gravitätisch und trägt den Kopf empor.

/Der Kamelmist, wenn er getrocknet, und zu Staube ge-
macht ist, dient statt dürren Holtzes zum Feuer.

/ ≥ §_56.

/Von den 3zeehigten Thieren

/dahin gehöret

/1. Das Faulthier: Das weißgraue americanische Faulthier
hat ein lachendes Gesicht, weiße dike Hare, plumpe Taille,
klettert auf den Bäumen, ist erstaunend langsam und

/ rettet

/|P_154

/rettet sich bloß durch sein Geschrei, Bei jedem Tritte den es thut
schreit es. Wenn es einen schnellen Marsch antritt, so legt
es in einem Tage höchstens 50 Schritte zurück. Marggrafs
Faulthier ist eine Art davon. Der verkleidete Faulthiersaffe,
hat einen Hundskopf und ist 2zeehig

/2. Der Ameisenfreßer. Der große Ameisenbär hat eine sehr lange
und spitzige Schnautze, eine Zunge die rund ist, und die er
1_1/2 Ellen herausstreken kann, womit er die Ameisen aus dem
Haufen herausziehet. Er hat keine Zähne. Der mittlere falbe
Ameisenbär und der oben beschriebene einzeehigte kommen
in der Nahrung mit ihm überein. Die Ameisenthiere sind
mehrentheils gepanzert.

/ ≥ §_57.

/Von 4zeehigten Thieren. ≤

/Das Panzerthier und zwar der gepanzerte Ameisenbär
(formosa) hat schuppichte Panzer, worin er sich wider alle
Anfälle zusammen ziehen kann, lebt übrigens, wie die vorigen.
Das Formosische Teufelchen, Orientalischer schuppichter Armo-
dillo hat einerlei Lebensart mit den Ameisenfreßern,
aber einen schönen schuppigten Küras, worinnen er
wider alle Raubthiere sich rüstet. Einige sind 6 Fuß lang
und keine Kugel durchdringt ihren Panzer. Dazu gehöret
auch der Americanische Armodillo, er lebt in dem
äußersten von Ostindien. Seine Schilder sind glänzend,
er lebt im Waßer und auf dem Lande.

/ §

/|P_155

/ ≥ §_58.

/Von 5zeehigten Thieren

/Der Mensch sollte unter diesen billig die erste Classe einnehmen,
aber seine Vernunft erhebt ihn zu weit über die Thiergattung.
Es gehört dahin

/1) Das Hasengeschlecht. Der Hase lebt 7-8 Jahr. Er hat schon im
ersten Jahr das Vermögen zu rammeln. Die hauptsächlichste
Rammelzeit ist von Januar bis zum Merz. Er hat kein scharf
Gesicht aber beßer Gehör, ist verliebt und furchtsam,
begattet sich fast alle 4 oder 5 Wochen, säugt sie Junge, die
wenn sie zur Welt kommen offne Augen haben nicht über
3 oder 6 Tage, drukt sich bei der Hetze, verhakt sich ehe er sich
lagert, und sucht wenn er daraus vertrieben wird es wieder
auf. Die Waldhasen sind stärker als die Feldhasen. In Norden
und in den Alpen sind weiße Hasen. Schwarze sind selten.
Bisweilen hat man auch gehörnte Hasen mit einem schauf-
lichten Geweihe angetroffen. Die Zwerghasen sind häufig
in Spanien. Die Füchse, Wiesel und Iltiße thun unter ihnen
starcke Verheerungen. Die Beschaffenheit des Erdreichs hat
auf die Hasen einen starken Einfluß. Die Berghasen sind
größer und diker als die Feldhasen. Die in Norden und in
hohen Gebürgen sind im Winter weiß, die schwarzen
sind selten. Die Hasen in den nordlichen Ländern sind weit
kleiner als die in den südlichen. Von den Nordamericanischen
bereitet man ein vortrefliches Pelzwerk. Die Holzhasen

/ halten

/|P_156

/halten sich im Winter in den Erlen und Fichten_Gründen auf
und bewohnen die Gebüsche. Die Stein- und Sandhasen un-
terscheiden sich in der Farbe. Gehörnte Haasen sind eine Aus-
artung der gesetzlosen Natur, und solche Hörner sind ei-
gentlich ordentliche Geweihe mit Enden versehen. Die Mos-
kauischen Weißen sind die besten und grösten, die man in
Winterkleidungen zum Pelzfutter braucht.

/2. Das Eichhörnchen sammelt sich Nüsse und Obst und wird in den
Nordischen Ländern «grau» im Winter grau, daher das Grau-
werk. Das gestreifte americanische Eichhörnchen hat 7 weiße
Bandstreifen längst seinem Leibe. Das voltigirende
oder fliegende Eichhörnchen ist kleiner als das gemeine.
Seine Haut in den Seiten verlängert sich in ein Fell, welches
an den Füßen bevestiget ist, und womit es flieget. Es findet
sich in Rußland, imgleichen mit einiger Veränderung
in Virginien. Die gemeinen polnischen Eichhörnchen haben ein
graues Fell, das sich aber nie mit der Jahreszeit ändert.
In Schweden finden sich einige, die weiße Füße und einen
weißen Schwanz haben. In Sibirien findet man auch
ganz weiße mit rothen Augen, und hin und wieder
auch schwarze.

/3. Das Rattengeschlecht. Das Murmelthier ist größer als ein
Caninchen, schläft oder frißt den ganzen Tag über. Die Schlaf-
ratte hat die Größe von einem kleinen Eichhorn. Der Hamster
macht sich Hölen unter den Baumwurzeln, worin er

/ viel

/|P_157

/viel Feld-Früchte sammelt. Die wolriechende Waßerratte ist so
groß als ein Maulwurf, mit wolriechendem Fell und Nieren.

/4. Das Mäusengeschlecht. Dahin gehört die gemeine Hausratte.
Es sind weniger Weibchen als Männchen darunter. Die Glises
bei den Römern bedeutete die Schellmaus, welche man noch
itzt häufig in Deutschland und Italien antrift und die
den Winter über schläft. Weil man sie zu Rom als Deli-
cateße aß, so legte man ordentliche Gliraria an. Ihr Fleisch
soll gut schmeken und recht gesund seyn. Die Ratten freßen
sich unter einander selbst auf, wie die Spinnen. Sie sind
wahrscheinlich erst aus America nach Europa gebracht worden,
denn America und die Südseeinseln sind voll davon. Doch
sind sie vielleicht auch schon vorher in Asien gewesen und
haben sich nachhero bis nach Europa ausgebreitet. Vom Rattenkönig.
Wie ihrer Verwüstung vorzubeugen. Die Waßerratte,
Feldratte, Hausratte oder Maus pp sind bekannt. Die Suri-
namsche Maus mit langem ringlichten Schwanze, daran die
jungen, die auf den Rüken der Mutter steigen, sich mit ihren
Schwänzen anschlingen und in Sicherheit gebracht werden
können, ist merkwürdig. Die Americanische Beutelratte
oder Philander ist 31 %Zoll lang. Das Weibchen trägt ihre Jungen
im Beutel, welchen es unterm Bauche hat, die Weibchen legen
sich auf den Rüken, lassen sich mit allerlei Futter beladen,
und schleppen es in das Nest. Die PharaonisMauß ist so groß

/ als

/|P_158

/als eine Katze und zerstört die Eier des Crocodills und frißt
sie auf. Die Bergmaus in Norwegen, Island und Canada
zieht in ungeheuer großen Heerden zu 100.000 herum,
%und zwar was ganz sonderbar ist, immer in einer geraden
Linie, die sie sehr ungerne unterbrechen, und daher über Steine,
Flüße und Menschen herüberzusetzen suchen. Die Feldmaus
schwimmt über Flüße und rudert mit dem Schwanz. Es
versaufen aber deren zu tausenden. Der Maulwurf gehet
in der Erde nur auf die Regenwürmer los und ist nicht blind.
Zum Mäusengeschlecht gehören auch die 4_füßigen Vögel als
die Fledermauß, die fliegende Katze, die fliegende Ratze.
Alle diese Thiere haben Haken an den Füßen. Der fliegende
Hund in Ostindien und neu_Spanien ist der gröste unter
allen fliegenden Hunden.

/5. Das Wieselgeschlecht. Die Speicherwiesel haben einen häßlichen
Geruch. Der Hermelin ist ein weißer Wiesel. Die Iltis hat
ein Beutelchen am Hintern mit einem stinkenden Saft, so
wie die übrige Wiesel. Das Frett ist eine zahmgemachte
Wiesel, die in England dazu gebraucht wird, die Kaninchen
aus ihren Mienen in den Kaninchenbergen heraus zu jagen.

Der Marder riecht gut. Der Zobel ist ein Sibirisches und
Lappländisches Thier.

/6. Stachelthiere. Der gemeine Schweinigel mit Ohren, 1_1/2 %Zoll langen
Stacheln, durchwühlet die Erde an weichen und niedrigen Stellen.
Das Stachelschwein eine Gattung davon mit einem

/ Busch

/|P_159

/Busch am Kopfe, denn eine andre Art mit hängenden Schweins-
ohren hat Stacheln wie abgestreifte Federposen, welche es in-
dem es sein elastisches Fell erschüttert gegen seinen Feind
abschießen kann und zwar so, daß sie 3 Schritte davon tief
ins Fleisch eindringen können. Von ihm kommt das berühmte
Sierra del Porco oder das Stachelschwein_Bezoar. Der in der
Gallenblase dieses Thieres erzeugte Stein, ist ohngefehr 1 %Zoll im Dia-
meter, röthlich und voller Adern, wird in Gold gefaßt und
hernach ins Waßer, dem es eine blutreinigende Kraft gibt,
aufgehängt. Ein solcher Bezoar ist zuweilen mit 200 %Reichsthalern
bezalt worden. Er ist 10_mal so viel Gold werth, als er wiegt.
Der Affen-Bezoar ist hellgrün und auch kostbar. Imgleichen
im Magen der Tauben auf den Micobarischen Inseln, wie
auch in den Magen der Ochsen, Pferde, Gemsen, vornemlich der
Bezoarziege, erzeugen sich ebenfalls solche Ballen, welche
blätterweise über einander wie eine Zwiebel zusammengesetzt
sind, und in deren Mittelpunkt sich etwas von unver-
dauten Kräutern und Haren befindet.

/7. Das Hundegeschlecht. Gleichwie der Mensch die Obst- und Pflan-
zenarten, durch Wartung und Pflegung sehr verändern
kann, so hat er es auch mit einigen Haußthieren vornem-
lich mit den Hunden also gemacht. Im Grunde müßen wir
annehmen, daß itzt gar keine Stamm_Race mehr existirt, sondern
alle Thiere welche man itzt antrift, weiter nichts als Abartungen

/ sind.

/|P_160

/sind. Denn die Stammrace muste den Keim zu allen Abartungen in
sich enthalten und muste sich sogleich in den ersten Zeiten ent-
wikeln, je nachdem sie in verschiedene Gegenden kamen.
Daher arten auch die zahmen Hunde aus, wenn sie wild
herumlaufen. Der Schäferhund der ziemlich seine natürliche
Freiheit hat scheinet der Stammhund zu seyn, und denn
kommen der Bauerhund, Windhund, der Islander, der Dänische,
der große Tartarische, mit dem man fähret, der Iagd- 
der Spür- der Dachs- der Wachtel- der Hünerhund, der Pudel,
imgleichen die Doggen pp. Blendlinge sind solche, die von Ver-
mischung zweyer Racen entstehen, aber auch aufhören, dahin
das Bologneser Hündchen, welches vom kleinen Pudel und spa-
nischen Wachtelhunde herrühret, gehöret. Der Mops ist eigentlich
aus Begattung des spanischen Wachtelhundes mit dem Bollen-
beißer entstanden. Die Africanischen Hunde vornemlich
in Guinea können nicht bellen. In der Gegend der Caput
bonae spei gibt es viele Hunde die röthlich oder gelblich aus-
sehen, diese binden es mit der Löwin an wenn sie in Gesell-
schaft jagen, den Menschen aber nichts thun die ihnen von
ihrer Beute auch etwas laßen. Es gibt auch in Südamerica
ursprünglich dem Lande eigenthümliche Hunde, welche nach
dem Bericht der Engländer sich daselbst wie die Füchse ein-
graben. Die Schwarzen glauben, daß unsere Hunde reden können,
wenn sie bellen. Mit dem Hunde paart sich auch der Wolf,

/ der

/|P_161

/der Fuchs und der Iakaal, ein Zeichen, daß sie von einem
Stamme sind. Der Dubba in Algier oder die Hyäne eine
Fuchsabartung sieht aus wie ein Bollenbeißer. Die Hunde werden
bisweilen toll. Ihr Biß, ja selbst ihr Speichel oder Geruch des
Athems, wenn sie den höchsten Grad der Tollheit erreicht haben,
ist ein so schnelles Gift, daß es den Menschen waßerscheu, ra-
send machen, ja tödten kann.

/8. Das Wolfgeschlecht. In England sind sie ausgerottet nachdem
der letzte in diesem Iahrhundert getödtet worden. In Norden
sind sie weiß. Dazu gehöret noch der Iakaal, dieser soll
gleichsam der Spürhund des Löwen seyn, denn wenn man
ihn brüllen hört, so ist der Löwe auch nicht mehr weit,
er hat die Größe eines Bollenbeißers und ist so grausam als
der Tiger. Man glaubt daß Simsons Füchse solche Iakaalen ge-
wesen sind, weil es deren dort in Syrien und im Caucasus
die Menge gibt und viele Aehnlichkeit mit dem Fuchs haben.
Der Scytische Wolf ist schwarz, und länger auch grausamer
als der unsrige.

/9. Das Fuchsgeschlecht. Brandfüchse die am Schwanz, Ohren und
Füßen schwarz sind, sehen sonst grauhärig auf dem Bauche
und röthlich aus. Dem Kreutzfuchse läuft vom Munde an
längst der Stirn, Rüken und Schwanz ein schwarzer Streif,
der von einem andern über die Schultern und von den
Läufen durchschnitten wird. Der schwarze Fuchs hat das schönste
Fell, so daß ein completter Fuchspelz davon wol auf 100.000 Rubel kostet.

/ Der

/|P_162

/Der braune Fuchs wird ebenfalls sehr hoch geschätzt. Der weiße
Fuchs hat gar keine dauerhafte Hare. Der Americanische
Silberfuchs. Alle Füchse stinken. Sie haben aber wo der Schwanz
anfängt, eine Stelle feiner Hare worunter eine Drüse ist,
die einen Geruch wie blaue Violen gibt.

/10. Halbfüchse. Die Ziebeth-Katze hat unter dem Hintern eine
Tasche 5 %Zoll lang und eben so breit, darinn ein schmierigter
wohlriechender Saft enthalten ist. Man nimt ihr, indem man
sie in einen Käfigt setzet, alle Tage mit einem Löffel
diesen Saft heraus. Wenn das Thier daran einen Ueberfluß hat,
so leidet es Schmerzen. Man fängt sie in Asien und Africa
in Fällen wie die Iltiße. Der «<r>einste» <reinste> und beste Ziebeth kommt
aus Amsterdamm, welcher von den Kaufleuten dem aus der
Levante und aus Indien vorgezogen wird. Der aus Guinea
würde vielleicht der beste seyn, wenn er nicht von den Ein-
wohnern der Levante und von den Indianern
mit allerlei Pflanzensäften, und balsamischen wolrie-
chenden Specereyen vermischt würde. Er ist anfangs weiß,
färbt sich nachhero gelb, und zuletzt schwarz. Der Geruch ver-
ursacht anfänglich Schwindel und Kopfweh. Die Dachse
schlafen ohne Nahrung in ihren Winterhölen.

/11. Das Katzengeschlecht. Die Türken halten sehr viel von Hauß-
katzen. Ihr Stern im Auge läst sich mehr als bei irgend einem Thier
zusammen ziehen und ausdehnen. Die Tiegerkatze fliegt allen Thieren
wütend ins Gesicht und kratzt ihnen die Augen aus. Es ist fast
das grausamste Thier.

/ 12

/|P_163

/12 Das Luchsgeschlecht. Der Rüken des Luchsen ist roth und schwarz
gefärbt, unten ist der Leib weißlich, oder hell melonenfarbig
mit schwarzen Flecken, er hat auf den Spitzen seiner Ohren
gewiße Harbüschel. Diese Harbüschel sind schwarz, so wie
die Ohren selbst am Ende. Er springt von den Bäumen auf
die Thiere. Die von ihm geklauten Wunden heilen schwer.

/13. Der Parder. Das Parderthier ist größer als ein englischer Dogge,
brüllt wie ein Löwe, hat schwarze wie ein Hufeisen ge-
staltete Fleken, und sein Fleisch ist angenehm. Sein Kopf ist
wie ein Katzenkopf gestaltet, die Katzenparder sind
nicht viel an Größe von den Katzen unterschieden. Der Unter-
schied zwischen einem Parderthier und Tiger ist, daß iener
rosenförmige Fleken, dieser aber schwarze Streifen auf
einem grauen Grunde hat.

/14. Das Tiegergeschlecht. Er hat gelbe Fleken rund um mit schwarzen
Haren besetzt, auf lichtgelbem Grunde, springt schneller als irgend
ein Raubthier und klettert, ist so groß wie ein einjähriges Kalb,
und grausamer als der vorige. Der gröste Tieger hat schwarze Fleken,
er wird ienseit des Ganges, im nordlichen Theil und im südlichen
Theil von China gefunden, aber nicht in Africa, er hat einige
Aehnlichkeit mit dem Löwen.

/15. Das Löwengeschlecht. Der Löwe hat Mähnen die Löwin nicht.
Er hat einen Kopf, der so flach ist wie ein Ochsenkopf, eine
gerunzelte Stirn, Menschen ähnliches Gesicht und tief liegende
Augen, wie auch eine stachlichte und wie mit Katzenklauen

/ besetzte

/|P_164

/besetzte Zunge, womit er den Thieren das Fleisch ableken kann.
Er kann seine sehr scharfe Klauen zurüklegen, daß sie sich nicht
im Gehen an der Erde abschleifen. Seine Höhe vom Rüken bis
an die Erde ist 4_1/3 Fuß. Der Löwe braucht keine List, auch
keine sonderliche Geschwindigkeit die Thiere zu überfallen.
Wenn er satt ist, so thut er keinem was, wenn er aber
hungrig ist, so geht er in eine Heerde Schafe, und nimmt so viel
als hinreichend sind seinen Hunger zu stillen; die übrigen
aber läst er gehen. Hingegen der Tieger tödtet die Thiere;
selbst denn, wenn er ihrer auch nicht zur Sättigung bedarf,
und richtet alles zu Grunde wo er hinkommt. Er kann zwar
auch gezähmet werden, so bald er aber Blut sieht zerreißt er
alles. Wenn er nicht mit dem Fuß schlägt und seine Mähnen
schüttelt, so ist er aufgeräumt, und man kann ihm sicher
vorbeigehen. Sonst ist das einzige Mittel in der Noth sich vor ihm
zu retten, wenn man sich auf die Erde legt. Es ist merkwürdig
daß der Löwe den Weibsbildern nichts zu Leide thut zE
von eine Weibs-Persohn unter dem Könige Carl_VI [[Charles_II]], die im
Tower zu London den Löwengarten reinigte. Ein andres
von dem Herzoge_von_Orleans einem gebohrnen Pfalzgrafen.
Die Neger_Weiber jagen oft den Löwen mit Knitteln weg,
sie sind den schwarzen gefährlicher, als den weißen. Wenn
der Löwe genekt wird, so sucht er sich seinen Beleidiger
aus einer ganzen Menge Volks aus. In America ist er nicht
zu finden. Er kann die Kälte nicht vertragen und zittert in

/ unsern

/|P_165

/unsern Gegenden beständig. Seine dike Knochen haben nur eine
enge Höle zum Merkmahl, und Cotte [[Colbe]] versichert, daß wenn das
Mark an der Sonnen eingetroknet ist, es so hart sei, daß man
Feuer damit anschlagen kann. Aristoteles behauptet dieses
gleichfalls; allein Borowski gibt es als unrichtig aus. Er fürchtet
sich vor Schlangen und Feuer.

/16 Das Bärengeschlecht. Er tödtet seinen Feind durch Schläge
und gefährliche Umarmung, dem Menschen saugt er das Blut
aus. Der Mensch kann aber doch vermittelst der Hände,
mit Ueberlegung verbunden, sich gegen ihn vertheidigen, indem
er ihm die Luftröhre zuhält. Er ist ein großer Honigdieb, er
klettert auf den Bäumen und wirft sich wie ein Klump herab
2 Monate im Winter frißt er nichts. In Polen lehrt man ihn
tanzen. Der weiße Bär in Spitzbergen hat einen Hundskopf.
Einige sind 6 Fuß hoch und 14 Fuß lang, schwimmen stark,
und traben auf Eisschollen sogar bis nach Norwegen.

/17. Der Vielfraß oder Hiema des Alten. Er ist schwärzlich
oder völlig schwarz, an Größe den Hunden gleich, und uner-
sätlich wegen seiner geraden Gedärme, daher er sich des Un-
flats wie der Wolf und der Löwe bald entledigt.

/18. Das Affengeschlecht. Was die Gestallt des Affen betrift, so haben
sie eine so große Aehnlichkeit mit dem Menschen, daß Linäus
sagt, er hätte in Ansehung des Körpers noch keinen Unterscheid
zwischen beiden gefunden, der nicht blos Varietät seyn könnte.

/ Die

/|P_166

/Die Affen sind auch sehr geschäftig, können allerlei Grimaßen
machen und mit ihren Fingern Handgriffe thun, die sonst
keinem Thier gewöhnlich sind. Trotz dieser Aehnlichkeit aber
läst sich der Affe doch nie zu einem Hausthier machen. Bos-
heit ist seine Haupteigenschaft, er faßt niemals ein völli-
ges Zutrauen, und in Ansehung seiner Gemüthskraft so zu
sagen, ist der Hund und Elephant ihm weit vorzuziehen.

/ ≥ Das Affen-Geschlecht wird eingetheilt. ≤

/a. in ungeschwänzte Affen. Unter diesen ist der vornehmste
Ourang-Outang oder Wald-Mensch, davon die grösten
in Africa Pandos genennt werden. (Campe, [[Camper]] ein vortreflicher
Anatom und Medicus in Holland, hat eine Abhandlung vom
Ourang-Outang geschrieben, worin er zeigt, daß dieser Affe
im Innern doch ganz vom Menschen unterschieden ist.) Er hat eine
starke Oberlippe die ihn verunstaltet. Sonst hat er aber auch
Kopfhaare auf dem hintern Theil des Kopfes. Sie sind in Congo,
imgleichen in Iava, Borneo und Sumatra anzutreffen.
Wenn sie unter Menschen gebracht werden, so saufen
sie gerne starke Getränke, machen ordentlich ihr Bette
und deken sich zu. Die Waldmenschen sollen oft Weibs-
personen in den Wäldern überfallen, sie schänden, und auch
mit auf die Bäume nehmen und sie daselbst wol nähren.
Die Alten glaubten daß sie ihren Ursprung aus der
Vermischung der Menschen mit den Affen hätten. Sie

/ weinen

/|P_167

/weinen und seufzen bei manchen Handlungen, und bauen sich
Hütten und Schirmdächer gegen Sonne und Regen. Die weiblichen
Geschlechte haben ihren fluxum menstruum und sind sehr
melancholisch.
Guat [[???]] sah ein Weibchen, das sich ihr Bett ordentlich
machte, sich auf Küßen legte, und wenn es Kopfschmerzen hatte,
ein Schnupftuch umband.
Meinung der Fauanen von ihrem Ur-
sprung. Es gibt auch noch eine kleinere Gattung von diesen
Affen, welche die Engländer Chimpanseh nennen, die nicht
größer sind als ein Kind von 3 Iahr, aber den Menschen sehr
ähnlich sind. Einige sind der Statur des Menschen vollkommen
gleich, 5 bis 6 Schuh hoch, einige sind nicht über 2 Pariser Schuh.
Sie gehen zu ganzen Heerden aus und erschlagen Negers in den
Wäldern. Zu den ungeschwänzten Affen gehöret auch
noch der Affe von Ceilon, und der Macman mit einem
Schwein ähnlichen Schwanze. Die ungeschwänzten Affen
haben Waden und auch etwas Gesäß. Ihre Zeen sind so lang
als ihre Finger. Ihr Kopfhar ist hinter dem Naken zu, sie haben
eine sehr große Lippe und es läuft aus ihrer Nase ein be-
ständiger Rotz. Sie sind stark und erhalten in kurzer Zeit
ihre völlige Größe, worin sie gänzlich vom Menschen differiren.
Forster sagt, daß die Menschen auf der Insel Malacca, welche
eine große Aehnlichkeit mit dem Affen haben, mehr Verstand
zeigen als alle andre Negers, welche den Affen gar nicht
ähnlich sehen. Der Waldmann eine Art Affen in Africa,

/ ist

/|P_168

/ist zwischen 3 und 4 Fuß lang. Sie sollen sich Prügel von den
Bäumen nehmen und damit die wilden Thiere verjagen.
Die Affen mögen gerne Feuer sehen. Wenn sie nun einige Begriffe
hätten, so möchten sie sich doch wol selbst Feuer machen, und auf
solche Art die Wälder von Africa verbrennen.

/b. In lang geschwänzte Affen oder Meerkatzen. Sie haben so wie
alle Affen, in der Bake einen Sak, den sie sich mit Feld-
früchten voll stopfen und auch noch die Fäuste voll mitnehmen,
hernach aber wieder fortschmeißen, und frische nehmen.
Daher thun sie sehr großen Schaden. Wenn unter Sie geschoßen
wird, so laufen sie alle zusammen bläken die Zähne und
schmeißen bisweilen auch so gar ihren Unflath den sie in
die Hände nehmen auf die Zähne. Der Affe Longimanus
hat so lange Hände, daß sie beinahe bis auf die Erde reichen.
Einige sind bärtig. Die bärtigen Meerkatzen oder Diane
haben ein weißes Toupe und ahmen dem Menschen sehr nach.
Die schwarze platte Meerkatze hängt sich mit ihrem Schwanze
überall an. Man gibt vor, daß die ganze Meerkatzen ordentlich
eine Musik unter sich machen sollen. Der Lebergelbe Muscus-
Affe ist klein, von gutem Gebrauch und fromm.

/c. Die Pavians. Diese haben einen Hundskopf und können sehr
geschwinde auf 2 Füßen gehen. Sie bestehlen das Feld und die
Gärten, sie sind wollüstig, stark, und haben himmelblaue
Wulsten im Gesichte. Ihr Gefäß ist Zinnober roth. Die
Americaner glauben alle, daß diese Affen reden können wenn
sie nur wollen. Aber sie thäten es nur nicht, um nicht zur Arbeit

/ gez

/|P_169

/gezwungen zu werden. Man kann hiezu noch zählen, die
SchoßAefchens oder Sagains deren die größere Art die Farbe
und Größe eines Eichhörnchens hat, die kleinere Art, aber die Größe
eines geballten Damens_Fuß hat. Sie sind sehr artig aber auch
sehr eigensinnig und zärtlich, so daß wenn welche nach Europa
gebracht werden, die mehresten unterwegens crepiren, wenn sie
gleich einzeln noch so sauber in Baumwolle eingewikelt sind.

/ ≥ Dritter Abschnitt
/Thiere mit Floßfederfüßen

/ §_59.

/Das Fischottergeschlecht

/1. Die Flußotter. Diese gräbt sich Höhlen von den Ufern der Flüße
bis in den nahen Wald, lebt von Fischen, im Winter aber in
aufgeeisten Teichen.

/2. Die Seeotter. Deren Hinterfüße floßfederartig sind. Ihre Felle
haben die schönste Schwärze, daher man selbst in Kamtschatka
für einen Balg 37 %Reichsthaler gibt. Man fängt sie auf den Treib«haus»<{2- eise -2}>
«sern» in der Meerenge von Kamtschatka. Sie putzen sich selber
gern, lieben ihre Iungen ungemein und werden mit Prügeln
todtgeschlagen.

/ ≥ §_60.

/Das Biebergeschlecht. ≤

/Der Bieber ist zwiefach, entweder ein solcher, welcher förmlich
baut und deßen wahrer Sitz in Nord-America ist, oder
der Grubenbiber, welcher auch in Preußen angetroffen
wird, dieser lebt nicht in Gesellschaft, sondern einzeln,
sie sind auch selbst in Canada häufig, wo sie vielleicht
von der Gesellschaft mögen ausgestoßen seyn, diese machen

/ sich

/|P_170

/sich nur ein Loch, gegen die Seite eines Stroms oder Baches,
und haben ein schmutziges und an der Erde abgeriebenes
Fell. Hingegen die erstere Art von Biber, bauen sich or-
dentliche Häuser, und zwar immer nach der Waßerseite zu,
damit sie ihren Schwanz, der sehr delicat schmecken soll,
in dasselbe hängen können. Zu diesem Zwek machen sie sich einen
Damm, der gemeinhin 12 Fuß hoch und unten 3 Fuß breit ist,
gegen dem Waßer steil und nach der Landseite schräge
zuläuft. Im St_Lorenzo_Strom machen die Biber auf
einer kleinen Insel beständig alle Iahr einen Damm über
den Fluß. Die Häute der Biber nimmt man denn am liebsten,
wenn sie schon den Indianern ein Iahr lang entweder
zum Lager oder zum Bette gedienet haben. Der Biber mit
einförmigem schuppigen Schwanze ist in Canada gegen der
Hutsonsbäy sehr häufig. Wie sie einen Bach verdämmen und
über die Wiesen einen Teich machen. Sie hauen Bäume
mit ihren Zähnen ab und schleppen Holz von 10 Fuß lang,
welches sie über Waßer in ihre Wohnung bringen, und
deßen Rinde sie im Winter eßen. Bei Verfertigung des
Damms dienet ihnen erst ihr Schwanz zur Mulde oder
Schubkarre, worauf sie Leim legen und an Stelle
und Ort hinführen, und denn auch zur Maurer_Kelle, womit
sie den Leim auf den Bäumen comprimiren, und an-
schlagen. Das Bibergail (Gail heist so viel als <ein> testiculus)
ist nicht der testiculus des Bibers, sondern besondere Muscus¥
Säke die im Leibe liegen.

/ §

/|P_171

/ ≥ §_61.

/Seethiere mit unförmlichen Füßen. ≤

/1 Meerkälber. (Im holländischen heißen die Seekälber Robben)
Sie heißen auch Seehunde, weil sie einen Rachen von Hunde haben,
die Hinterfüße sind kurz und hinter sich gestrekt, und können
nicht von einander gebracht werden. Auf den Antillischen Inseln
sind einige bis 20 Fuß lang. Die Kleinsten sind die am Eismeer,
welche auf den Eisschollen zu tausenden getödtet werden. Es gibt
auch silberfarbene Meerkälber im heißen Waßer. Von den Häuten
derselben werden die Coffres beschlagen, und die Grönländer
kleiden sich davon.

/2. Wallroß oder Sandpferd, auch Meerdachs, es hat zwar keine
Aehnlichkeit mit einem Pferde, aber derbes Spek. Er hat lange
hervorragende Zähne die verarbeitet werden und beßer
als Elfenbein «aussehen» <seyn> sollen. Manche sind über 2 Fuß lang
und 8 Zoll dik. Mit den Füßen helfen sie sich auf den Eisschollen
als mit Haaken, worauf sie sich immer aufhalten.

/3. Der Seebär. Dieser ist größer als ein Landbär, hat Vorderfüße,
wie abgehauene Armstümpfe, worinn doch die Zeen verbor-
gen liegen. Er wird nicht weit von Kamtschatka gefangen.
Sie streiten gegen einen Anfall in Rotten und beißen
ihre eigene Cameraden wenn sie weichen. Den Sommer
über freßen sie nichts.

/4. Der Seelöwe, in America und bei Kamtschatka. Die Gestalt kommt
mit dem See-Bären überein, nur ist er viel größer. Man greift ihn
nur im Schlafe an. Er ist sehr grimmig und hat wenig Liebe für seine
Iungen. Die Seebären fürchten sich selten vor ihm.

/ Viert

/|P_172

/ ≥ Vierter Abschnitt
/Von den 4füßigen Thieren, die Eier legen.

/ §_62.

/Die Amphibien

/1. Der Crocodill hält sich vornemlich in Flüßen und auf dem
Lande auf, ist schuppig bepanzert, 20 und mehr Fuß «lang»
und im IambraFluß bis 30 Fuß lang. Er wird hauptsächlich
in Egypten, sonst aber auch in ganz Africa im fließenden
Waßer, ja selbst in Siam und der Küste Coromandel
in Ostindien gefunden. Er hat eine große Aehnlichkeit mit
einem Eidex. Man glaubt, der Crocodill habe keine Zunge,
allein er hat wirklich eine Zunge, sie ist aber ganz ange-
wachsen, so, daß wenn er den Rachen aufmacht, man keine
Zunge sehen kann. Doch kann er die Spitze derselben bewegen.
Er fürchtet sich für den Menschen und wenn die Alten ihn
so grausam beschrieben; so ist es blos hyperbolisch gesprochen.
In Siam hat man Gefängniße die von Crocodillen bewohnt
werden. Es ist eine falsche Meinung, daß er beide Kinnbaken
bewegen soll, er beweget nur wie andere Thiere den innern,
er leget Eier wie Gänseeier in den Sand, worinn er sie ver-
scharrt und sich nicht weiter um sie bekümmert. Eine
Abartung vom Crocodill ist

/2. Der Kaiman oder Alligator, welcher gemeiniglich mit dem
Crocodill verwechselt wird, er ist ihm auch sehr ähnlich, außer
daß er den Schwanz anders trägt, und eine Muscusblase
hat, weswegen er auch einen Bisamgeruch von sich gibt.

/ Ist

/|P_173

/Ist in Africa und America anzutreffen. Er ist nicht so wild und
räuberisch als der Crocodill. Wie ihre Eier und Vögel zer-
stört, und wie sie gefangen werden.

/3. Die Schildkröte. Sie werden in dem Indischen Meer und der Südsee,
die gröste Gattung von ihnen aber wird in Ostindien ange-
troffen. Von einigen wird der Schildpat eine hornigte Substanz
gepreßt. Von andern ist das Fleisch sehr wolschmekend und
gesund, womit man sich bei Ascension und den Antillischen
Inseln versorget. An den Eiern allein können sich wol 30 Mann
satt eßen. Die Schildkröte geht aufs Land und legt wol 250 Eier,
deren iedes so groß ist, als ein Ball. Sie haben ein 3faches Herz.
Ihr Fleisch ist köstlich. Man gewinnt von einer Schildkröte bis-
weilen mehr als 2 Centner Fleisch zum Einsalzen. Im Früh-
jahr kommen sie von Iukatan nach den beiden kleinen Inseln
Kujata über 80 Meilen weit in einer großen Heerde über
das Waßer. Sie schlafen am Waßer, haben Knochen wie ein
Ochs und sind oft 4 bis 600 %Pfund schwer. Ihr Fett ist grünlicht.

/ ≥ §_63.

/Die Seethiere. Der Wallfisch und andre ihm verwandte Thiere. ≤

/1. Der Grönländische Wallfisch, (die Wallfische haben einen Schwanz,
womit sie platt auf das Waßer schlagen können, und sind bis 60
Fuß lang) hat einen Kopf der 1/3 von der Leibeslänge aus-
macht, ist viel diker wie der Finnfisch, welcher eine Finne
oder Floße auf dem Rüken hat, auch viel größer als der
Nordcaper, und hält sich in den nordlichen Gegenden bei

/ Sp.

/|P_174

/Spitzbergen und Nova_Zembla auf, dagegen der Nordcaper
in der Höhe des Nordkaps und der Finnfisch noch weiter nach
Süden herumstreifen. Er nährt sich von einem Waßerinsekt,
welches die Größe von einer Spinne hat und ganz thranigt
ist. Der Finnfisch aber und der Nordcaper schluken ganze Tonnen
Heringe in sich. Diese Thiere haben statt der Zähne Barben
welche aus Fischbein bestehen, davon die längsten bis 2
Klafter lang sind und welche ihnen dazu dienen um
den Mund zuzuschließen. Der Pottfisch hat am untern
Kinnbaken Zähne. Sein Kopf nimmt die Hälfte des Leibes
ein, er hat einen engen Schlund, so daß er nicht einmahl ein
Hünerey herunterschluken kann, «¿¿»Meßergleichen Schwanz,
Blaselöcher woraus er Waßer bläst, heiß Fluth, kann
ohne Luft zu schöpfen nicht lange «leben» unter Waßer
bleiben, gebärt lebendige Iunge und säugt sie. Der
Grönländische Wallfisch wird mit Harpunen geschoßen,
und mit Lanzen völlig getödtet, ist itzt viel scheuer
als vormals, flüchtet ins Treibeiß (daher itzo der
Wallfischfang im Treibeiß) hat eine Art Läuse so wie
Krebse. An manchem Wallfisch haben schon Thiere bei seinem
Leben gefreßen, welches vorzüglich der Heyfisch thut. In
dem Magen einer Art von Nordcaper, Grampas genannt, wird
das Ambra grieß oder der graue Ambra gefunden. Andre berichten,
daß dieses von der Blase des Pottfisches herrühre. Einige halten
den Pottfisch für denjenigen, der den Jonam verschlungen.

/ Das

/|P_175

/Das Gehirn des Pottfisches ist das sogenannte Sperma lethi. Der
Schwerdfisch tödtet den Wallfisch um der Zunge willen. Der
herausragende Zahn des Sägefisches ist eingezakt wie eine
Säge, man weiß aber nicht recht den Gebrauch dieses Zahns
der von beiden Seiten wie ein Kamm aussiehet. Der Narual
oder Seeeinhorn hat einen geraden Zahn aus dem obersten Kinnba-
ken stehen, der viele Fuß lang ist und härter als Elfenbein.
Viele «und wie» die meisten Narvals haben, so wie die Rhi-
noceroß zwei Stoßzähne, davon aber einer kleiner ist
als der andre. Diese letztern gebären aus Eiern.

/2. Der Manadi oder die Seekuh, ist bei Iapan in den americani-
schen und Carolinischen Inseln bei Kamtschatka anzutreffen,
wiegt bis 30 Centner, und enthält so viel im Körperlichen
Inhalt als ein Ochse, hat eine unbewahrte gespaltene Haut,
taucht sich niemals unter das Waßer, der Rücken ist immer
darüber erhoben, ob es gleich den Kopf bei seinem unabläßi-
gen Freßen fast immer unter Wasser hat, ist allenthalben sehr
zahm, wo man ihm nicht nachstellt, hat 2 Arme die dem
Menschen ähnlich und einen Schwanz der dem Fischschwanz
ähnlich sieht, hat vortrefliches Fleisch, welches wenn es an
der Sonne getroknet «ist» wird gar keine Maden bekommt und
sein ausgeschmolzenes Fett übertrift alle Butter.

/3. Der Heyfisch oder Seewolf, spanisch Tuberone genannt. Die gröste
Arten derselben heißen Lamiae, sind 50 bis 60 Fuß lang, haben

/ 3

/|P_176

/3 Reihen Zähne neben einander und sind viel gefräßiger als
irgend ein Landthier. Ganze Menschen in Seegel eingewikelt
werden von ihm verschlungen. Alles was aus einem Schiffe fällt,
Beil, Hammer, Mützen findet Platz in seinem Magen. Sein Maul
ist wohl einen Fuß lang unter der Schnautze, daher er sich auf
die Seite legen muß, wenn er etwas raubt. Er ist von der
Gattung der Squalorum, und selbst noch weit räuberischer
als der Squalus maximus, welcher in den Gewäßern von
Norwegen oft 90 Fuß lang gefunden wird. In iedem Kinn-
baken hat der Heyfisch 3 Reihen von Zähnen, die oft selbst
bei uns versteinert angetroffen werden. Sein Fleisch hat einen
urinösen Geschmak, so wie alle See-Fische. Auch die Stockfische.
Seine Leber ist so wie bei allen Fischen thranigt. An den Küsten
von Guinea hat ein Mensch der in die See fällt nicht so viel
Gefahr zu befürchten vor dem Ersaufen als vorm Heyfisch.
Er reißt den Wallfischen große Stüke aus dem Leibe, wird mit
Haaken an einer eisernen Kette gefangen und getödtet
ehe er ins Schiff gebracht wird, sonst schlägt er mit dem Schwanz
Arme und Beine entzwei. Man behauptet, daß der Heyfisch
einen kleinen Fisch, der kaum einen Finger lang ist, zum
Piloten habe, welchen die Alten remora nannten. Er hat
eine Sauglippe, und soll nach alten sowol als neuen Nach-
richten, wenn er sich an ein Schiff anhängt, dasselbe in sei-
nem besten Laufe aufhalten können.

/ 4.

/|P_177

/4 Der Hammerfisch. Ist dem Hey an Größe, Stärke und Gierigkeit
ähnlich, hat aber einen Kopf der zu beiden Seiten wie ein Hammer aussieht.

/5. Der Manta oder Mantelfisch ist eine Art großer Rochen, die vor-
nemlich den Perlenfischern an den americanischen Küsten sehr
gefährlich sind, indem sie solche in ihrer weit ausgebreiteten
Haut als in einen Mantel einwikeln, erdrüken und freßen.
Der Delphin oder Tümmler, weil er sich im Meer herum zu drehen
scheint und die Wellen über seinen runden Rüken sich wölben,
ist ein sehr gerader und schneller Fisch, und von dem Delphin der
Alten, welcher mit einem krummen Schwanze gemahlt wird, wol
zu unterscheiden. Der Dorado ist ein goldgelber Delphin und der
schnellste unter allen. Der Belvia ist eine Gattung von Stör
aus deßen Rögen der Caviar zubereitet wird.

/6. Der Seeteufel ist in einer harten undurchdringlichen Haut einge-
schlossen, ist eine Art Rochen, 20 bis 25 Fuß lang, 15 bis 18 Fuß
breit und 3 Fuß dik, hat gleichsam Strümpfe an den Beinen,
und einen Schwanz wie ein Pottfisch mit Haaken.

/7. Der Meermensch, Syrene. wird in allen 4 Welttheilen ange-
troffen. Die zu Fabeln geneigte Einbildungskraft hat ihn zum
Menschen gemacht. Indeßen hat dieses Thier nur einige Aehn-
lichkeit mit demselben. Sein Kopf aus dem man einen Menschen- 
oder Fischkopf machen kann, mit großen Ohren und stumpfer
Nase, mit einem weiten Munde, ist an einen Körper beve-
stiget, der auf dem Rüken mit einem breiten diken Fell wie
der Pottfisch bezogen ist, welches an der Seite Haaken wie eine
Fledermaus hat. Seine Vorderfüße oder Fleischhörner, Floßfedern

/ sind

/|P_178

/sind etwas Menschen ähnlich. Er hat einen Fleischschwanz, ist auch
ein Plattfisch, hat ein paar Zitzen und bringt lebendige Iunge
zur Welt. Man nennt ihn auch wegen seines Fettes die Waßer-
sau, und die Portugiesen eßen ihn.

/ ≥ §_64.

/Einige andre merkwürdige Fische

/1. Der Zitterfisch wird auch (Torpedo) Krampffisch genannt. Ist in
dem Indischen Meer anzutreffen, beinahe rund außer dem Schwanze
und wie aufgeblasen. Er hat außer den Augen noch 2 Löcher,
welche er mit einer Haut wie Augenlieder verschließen kann.
Wenn man ihn unmittelbar oder vermittelst eines langen
Stokes ja vermittelst der Angelschnur oder Ruthe berühret,
so macht er den Arm ganz fühlloß, man bekommt sodann ein
solches Zittern, daß man ihn den Augenblik loßlaßen muß.
Er thut dieses aber nicht wenn er todt ist. Kämpfer sagt,
daß wenn man den Athem an sich behält, er nicht so viel vermöge.
Er kann gegeßen werden. In Aethiopien vertreibt man mit
ihm das Fieber. Die Ursache dieser seiner Kraft ist unbekannt.
Er fängt dadurch Fische. Der Zitterfisch gehört zu den Platt-
Fischen, wozu die Flünder, die Rochen, die Schollen pp gehören.
Die Flünder haben beide Augen auf der schwarzen Seite, die
sie nach oben kehren, wenn sie im Waßer sind, die gelbe Seite
kehren sie nach unten hin, und verhindern dadurch, daß
sie weniger von den Raubfischen können gesehen werden.
Der Torpedo befindet sich sowol in Europa in der mittelländischen

/ und

/|P_179 δMs_180

/und spanischen See als auch in Africa. Der Zitteraal oder
elektrische Fisch findet sich in den Meeren von Surinam
bey Guinea und in Südamerica. Wenn man ihn mit Siegel-
lak berührt, so gibt er gar keinen Schlag. Der Krampffisch
hat 2 Seitenmuskeln, der Zitteraal aber hat auf dem Rüken
eine Muskel, welche ihm dazu dient, eine elektrische Kraft
auszuüben. Man hat auch so gar einen Funcken aus ihm heraus-
bekommen, womit man spiritus vini hat anzünden können,
so daß gar kein Zweifel ist, daß solches nicht wirklich die Wirkung
der Electricität sei. Wenn man ihm mit einem Magnet nahe
kommt, so wird besonders sein Schwanz sehr gezogen und nähert«,»
sich, allein der Fisch wird matt, stärket sich aber wieder,
wenn man in das Gefäß wo er drein ist, Feilstaub wirft.
Der Tintenfisch wird in der Gegend von Taranto im Neapo-
litanischen häufig gefunden. Die Meerschaumen_Köpfe sind
aus einer gewißen Mergelerde gemacht, welche in der Türckei
bei Caffa und Constantinopel gegraben wird. Der Meer-
schaum aber welcher zum Reinmachen gebraucht wird,
ist von einem Fisch. An der Küste von Brasilien gibt es Fische,
welche Seegler heißen. Sie scheinen von weiten als Blasen
auf der See zu schwimmen, sind halb durchsichtig und sehen aus wie
weißer Perlmutter. Sie haben auch keine Organisation.

/2. Rotzfische sind durchsichtig wie Schleim und fast in allen Meeren.
Eine Gattung davon heißt Meerneßel, weil sie, wenn sie berühret

/ werden

/|P_180

/werden eine brennende Empfindung machen.

/3. Der Blakfisch, eine Art von Polypen, sieht seltsam aus mit
2 Armen, hat eine Tintenblase, womit er seinen Nachfolgern das
Waßer trübe macht und ihnen auf solche Art entwischt.

/4. Der Blaser wird am Capo bonae Spei gefunden, bläst sich rund auf
wie eine Kugel, ist zu eßen, aber ungemein giftig.

/ ≥ §_65.

/Fliegende Fische. ≤

/Diese sind nur zwischen den tropicis, fliegen mit einer Art
Floßfeder, welche sie ausbreiten können wie eine Fledermaus,
aber nur so lange, als diese naß sind, sie haben die Gestalt und
Größe der Heringe, fallen oft aufs Schiff nieder, und werden
von Raubfischen und Raubvögeln unabläßig verfolgt.
Die Ursache warum die fliegende Fische an der Luft crepiren
liegt in ihren Branchiis oder Fischohren, welche bei ihnen
die Stelle der Lunge vertreten. Sind diese nicht naß,
so werden ihre Blutgefäße zusammengeschrumpft, und folglich
muß der Blutumlauf geschwächt und gehemmet werden.

/ ≥ §_66. ≤

/Der Chinesische Goldfisch ist wegen seiner vortreflichen Gold- 
und andern Farben bey den Chinesern sehr beliebt, und
der schönste Fisch in der Natur. Er ist fingerlang, vom Kopf
bis auf den halben Leib roth, die übrigen Theile samt dem
Schwanze der sich in einen Büschel endigt, lebhaft verguldet.
Das Weibchen ist weiß %und der Schwanz silbern. Die Chineser
halten diesen Goldfisch zum Zeitvertreib in porcellainen
Schaalen in ihren Zimmern.

/ §

/|P_181

/ ≥ §_67. ≤

/Der Krake. Das größte Thier in der Welt, hat eine Aehnlichkeit
mit den Medusen, und soll, wenn er im Grunde liegt, eine
Menge von Fischen rund um sich her versammeln. Daher hat
man in Norwegen von einem Reichen das Sprüchwort: er hat über
dem Krake gefischet. Es ist ein Seethier deßen Daseyn nur auf
eine dunkle Art bekannt ist. Pantoppida [[Pontoppidan]] Bischof von Bergen in
Norwegen thut von ihm Meldung, daß die Schiffer in Norwegen
wenn sie finden, daß das Loth was sie auswerfen, an derselben
Stelle nach und nach höher wird, urtheilen, daß der Krake im
Grunde sei. Wenn dieser heraufkommt, so nimmt er einen Umfang
von einer halben Viertel deutschen Meile ein, hat große Zaken,
die wie Bäume über ihm hervorragen, sinkt bisweilen
plötzlich und kein Schiff muß ihm alsdenn nahe kommen, weil
der Strudel, den er macht, es versenken würde. Es soll über
ihm gut fischen seyn. Ein junger Krake ist einmal in einem
Fluß steken geblieben und crepirt. Das Meer hat noch nicht
alle seine Wunder entdekt. Wenn der Krakfisch sich über das
Waßer erhebt, so sollen unsäglich viele Fische von ihm
herabrollen. Seine Bildung ist unbekannt.

/Die Meerschlange oder der Seewurm soll @die@ Dike von dem diksten
Weinfaße haben und so lang seyn, daß er sich über den ganzen
Horizont verbreitet. Er soll eine Mähne haben, womit er ein
ganzes Schiff soll herunter ziehen können. Seine Augen sollen aussehen
wie ein paar zinnerne Teller. Der Geruch von Bibergail soll ihn verjagen.

/ fünf.

/|P_182

/ ≥ Fünfter Abschnitt
/Von den Fischereien

/ §_68.

/Von dem besondern Fischfange in China. ≤

/In China fängt man Fische durch eine dazu abgerichtete Kropfgans,
welcher man einen Ring um den Hals thut, daß die Fische nicht
ganz können verschlukt werden. Diese schlukt so viel Fische auf
als sie kann. Wenn eine etwa einen großen Fisch fängt, gibt
sie den andern ein Zeichen, die alsdenn denselben fortbrin-
gen helfen. Eine solche Gans hilft viel. Wenn sie nicht Lust
zum Eßen hat, so wird sie mit Prügeln dazu gezwungen.
Man hat daselbst auch eine Methode mit einem Kahn, an
deßen Seite weiße Bretter geschlagen sind, bey Mondschein
Fische zu fangen, denn alsdenn glänzen diese Bretter wie
ein helles Waßer, und die Fische springen herüber und fallen
in den Kahn, wo sie des Morgens gefunden werden. Man
fängt auch dadurch Fische, daß man sie mit ins Waßer
gestreuten Kukukskörnern dumm macht.

/Eine kleinere Art von Fischerei ist der Lachsfang. Der
Lachs gehet zu der Zeit, wenn er seinen Leich wirft, beständig
den Strom herauf und zwar da wo der Strom am reißendsten
ist, ja auch oft sogar bei Waßerfällen. Taube merckt an,
daß wenn der Lachs gefangen wird, er ganz unruhig ist,
so bald man ihn aber auf den Kopf Kratzt, ruhig wird. Dieses
rührt daher, weil er auf seinem Kopfe, eine große Menge
von kleinen Würmern hat, die ihm sehr beschwerlich fallen.
Blumenbach folgert auch hieraus das beständige heraufgehen des
Lachsfisches in einem Strom.

/ Der

/|P_183

/Der SardellenFang, welcher vorzüglich an den Küsten von
Rochelle getrieben wird, ist so groß, daß blos die Lok-Speise auf
30 bis 40.000 Livres kostet.

/Der Wallfischfang wozu sich ganze Gesellschaften ausrüsten,
wird jetzt an den Küsten von Spitzbergen und Grönland ge-
trieben, und ist wegen des Pakeises daselbst sehr gefährlich.

/ ≥ §_69.

/Der Stokfischfang auf der großen Bank bey Terre_neuve.

/Die Engländer nennen Terre_neuve Neu_Fundland. Alle Iahre gehen
viele hundert große Schiffe und viele tausend Matrosen dahin ab.
Der gröste Nutzen von diesem Fischfange besteht nicht sowol
in dem großen Gewinn, der immer sehr beträchtlich ist, als vor-
züglich darin, daß sich dabei so viele Menschen ernähren können,
und denn auch in der Cultur der Mariniers. Denen Matro-
sen, die auf den Stokfischfang ausgehen, wird täglich eine
Anzal von Fischen die sie fangen müßen dictirt. Dieses kann
auch mit allem Recht geschehen, weil kein Angelwurf iemals
fehlschlägt. Der grüne oder auch weiße Backeliau heißt
Cabliau und wird entweder eingetroknet oder eingesalzen.
Die eingetroknete heißen Stokfische. Die Stokfische welche
wir bekommen, sind wol alle auf der Doggersbank zwi-
schen den englischen Küsten und Iütland gefangen. Es ist ein
Raubfisch, schlukt allerlei Sachen die aus dem Schiffe fallen,
geschwind herunter. Er kann aber eben so wie der Belluga
seinen Magen umkehren und das was unverdaulich ist aus-
speien. Es fischen auf der großen Bank jährlich bis 300 Schiffer,
deren ieder 25.000 Stokfische fängt. Alles geschieht mit Angeln

/ die

/|P_184

/die mit Keder versehen sind, welches ein Stük vom Hering ist,
und hernach durch unverdaute Speisen in den Magen des Stok-
fisches. Es gehet mit diesem Angeln sehr schnell fort. Es finden
sich hieselbst umher erstaunend viele Vögel, als Leberfreßer,
Penguins, welche keine rechte Federn und Flügel haben,
sondern mit Schuppen bedekt sind, seine Flügel sind stumpf
mit denen er zwar auf dem Waßer plattschen aber nicht
fliegen kann. Sie versammeln sich um das Schiff um die Leber
zu freßen, die weggeworfen wird.

/ ≥ §_70.

/Der Heringsfang

/Der Hering kommt im Frühjahr aus den nordlichen Gegenden
bei Nordcapp an den Arcadischen Inseln. (Auch an den Norwe-
gischen Küsten ist ein großer Heringsfang) Von da zieht er sich
neben der Küste von Schottland und ist im Sommer bey Iarmouth,
geht auch wol im Herbst bis an die Süder- und Ostsee.
Die Heringe folgen allemal einem Insekt, welches man
Heeringsnas, (das ist Heeringsfraß) nennet. Wenn sich dieses In-
sekt, das röthlich ist, von einer Küste wegzieht, so ziehen
auch die Heringe weg. Der Heringsfang wird von den Hollän-
dern an den Küsten von Schottland von den Arcadischen Inseln
an bis Iarmouth getrieben. «Wir bekommen» In der
IohannisNacht wird mit dem Heringsfang der Anfang
gemacht, und damit bis zum December contiuiret. Wir
bekommen schon bisweilen im Frühjahr frische Heringe. Diese sind
aber wirklich schon am Ende des vorigen Iahres bey Iarmouth
gefangen worden.) Das Kennzeichen, woran man die

/ holländischen

/|P_185

/holländische Heringe, von den Berger und Drontheimer Heringen
unterscheiden kann, ist, daß jenen die Kehle ganz ausgeschnitten,
bei diesen aber nur eingeschnitten ist. Der jährliche Vortheil
der Holländer von diesem Heringsfange, nach Abzug aller Unkosten
ist zum wenigsten 60 bis 700.000 %Reichsthaler. Ein andrer holländischer
Autor
[[Huet]] rechnet überhaupt 25.000.000 %Reichsthaler Einnahmen, die Aus-
gabe 8.000.000 %Reichsthaler, alsdenn profitiret das Land jährlich dabei
17.000.000 %Reichsthaler. Man muß aber auch den Vortheil rechnen, den das
Land davon zieht, daß sich so viele Menschen von der Arbeit auf der Flotte
unterhalten. Die Engländer fischen auch seit 1750 aber nicht so vor-
theilhaft, denn sie wißen nicht die Handgriffe.

/ ≥ Sechster Abschnitt
/Schaaligte Thiere

/ §_71.

/Die Purpurschneke

/Der Tyrische Purpur, der das Blut einer Muschel des mittellän-
dischen Meeres ist, ist erstaunend theuer. Er soll an einem Hunde
entdeckt seyn, der diese Muschel fraß und sein Maul schön färbte.
In Neu-Spanien findet sich auch noch eine solche Muschel, die
aber nur 2 bis 3 Tropfen solchen Safts in sich enthält, der
anfänglich grün endlich an der Luft hochroth färbt. Vor Alters
hatte man auch Violetten Purpur. Winkelmann führt an,
daß in einem von den Ruinen der Herculanen man den
Aufzug eines Triumphators in Fresco gemahlt finde (Malerei en
Fresco ist die in naßen Kalk gemahlt ist) deßen Purpurmantel
die Farbe der Weinblätter hatte, welche vom Frost gerührt sind.
Daraus schließt er nun auch auf die Farbe des alten Purpurs.

/ §

/|P_186

/ ≥ §_72.

/Die Perlen-Muschel. ≤

/Sehr viele Schaalthiere haben Perlmuscheln an sich, welches nach
einiger Meinung nichts anders als Mittel sind, deren sich die
Muscheln bedienen, um das Loch zuzustopfen, welches die Bohrwürmer
in der See etwa eingestochen haben. Die Perlenbanck bey Bahem und
Athmus im Persischen Meerbusen gibt die schönsten Perlen. Die bei
Ceilon und am Capo_Comorica auf der Küste von Madera
sind die schönsten, imgleichen hat Neuspanien große aber schlechte
und unreife Perlen. Es werden auch Perlen in dem so genannten
Purpurmeer oder dem Meerbusen von Californien und NeuMexico
gefunden. Die Perlenmuschel können, wenn sie nicht rund sind,
auch nicht abgedrehet werden. Viele Länder haben in ihren Flüßen
Perlenmuschel zE in der Elster in Sachsen und in vielen Seen von
Finnland werden auch Perlenmuscheln gefunden, die dort zum
Regale der Königin gehören. Die Täucher verfahren auf verschiedene
Art: entweder mit einer ledernen Kutze mit gläsernen Augen,
daran eine Röhre bis über das Waßer heraufgeht, oder mit der
Gloke oder frei, sie bekommen anfänglich Blutsturz. Des Königes
von Moscuto Perlen sollen nicht so wol wegen ihrer Größe als
wegen ihrer Schönheit die vortreflichsten unter allen seyn. Der
König_von_Persien kaufte Anno 1633 eine für 1.401.000 Livres.
Scharding [[Chardin]]thut einer Perle aus dem Persischen Meerbusen,
wo die reinsten zum Theil die grösten aber auch die schönsten und
kostbarsten Perlen gefischt werden, Erwähnung, welche
ein Arabischer Fürst mit 300.000 @%Ducaten@ bezahlt haben soll. Der Nutzen
vom Persischen Perlenfang beträgt jährlich 500.000 @%Ducaten@, aber
itzt läst man ihn ruhen. In der Medicin sind sie nicht nützlicher
als Krebssteine und Eierschalen. Wenn die Perlenmuscheln gefischt sind,

/ so

/|P_187

/so wirft man sie an den Strand, wo sie sich aufthun, denn sie beste-
hen aus lauter concentrischen Schalen, welche sich vielleicht aus ihrem
Saft erzeugen. Der Ritter Linné hat ein Mittel erfunden die
Perlen zu multipliciren. Er verändert nemlich etwas an der Perle,
und wirft sie wieder ins Wasser, wo sie sich denn leicht in 3 Perlen
vermehret. Sie müßen vielleicht von dem hervorquillenden Saft er-
zeuget werden. Wahre Perlen unterscheiden sich von den Künstlichen
durch ihre Figur, denn jene sind niemals völlig rund sondern
etwas ekigt. Die künstlichen Perlen werden von den Schuppen ge-
wißer kleinen Fische gemacht, welche man erstlich faulen läst.

/ ≥ §_73. ≤

/Die Austern werden immer in salzigten Waßer und zwar zur Zeit
der Ebbe gefangen, sie sitzen oft an einer Felsenbank so vest, daß
sie scheinen mit derselben aus einem Stük zu seyn. Einige sind von
außerordentlichen Größe. In Coppenhagen zeigt man eine Austerschale
die 2 Loth wiegt. Wenn sie sich schlüßen, Kneipen sie mit ungeheurer
Kraft, sie pflanzen sich schnell fort und werden an den Küsten
von Holland geangelt. Man sieht auch Austern so zu sagen an den
Bäumen wachsen, sie hängen sich nemlich zur Zeit der Fluth,
wenn der Baum unter Waßer gesetzt wird, an die Aeste deßelben
an und bleiben auch hängen. Die Schalthiere Chami sind den Austern
sehr ähnlich, aber sehr groß, so, daß oft ein Chamus bis 2 Centner
wiegt. Im Adriatischen Meer findet man kleine Austern, welche
man Bolagi nennt, und in runden Steinen sitzen. Die Bohr_Mu-
scheln oder Polaren bohren sich in Stein ein und haben viel Aehnlich-
keit mit den Pfahlwürmern, die in Holland viel Schaden an den
Gebäuden und Schiffen verursachen, indem sie sich sammt ihren Schalen ins Holz einbohren.
Die Austern propayriren sich im Leich, aber auch an den

/ klein

/|P_188

/kleinsten Körnern desselben kann man schon die kleinen Schalen
erkennen.

/Unterschiedne Naturforscher bringen mit vielem Schein vor, daß
sich eine gewiße Gattung von Krabben dem Leich der Austern ansetzt.
Man hat das Vorurtheil gefaßt, daß die Tallmuscheln an den Küsten von
Schottland zu Enten würden, welches daher rühret, weil auf eben
den Bäumen woran sie hängen, auch wilde Enten und Gänse herumflattern.

/ ≥ §_74. ≤

/Balanen oder Palanen, Meerdatteln sind länglichte Muscheln wie das Dat-
telkorn, werden im adriatischen Meer bey Ancona gefunden und
sind in einen vesten Stein eingeschloßen, den man vorhero mit
einem Hammer entzweischlagen muß, da man alsdenn die Muschel
lebendig darinn findet. Dieser Stein ist porös, und durch die Löcher
desselben dringt die junge Brut ein.

/ ≥ §_75.

/Von den Bernacklibus. ≤

/Dieses sind eigentlich Stielmuscheln mit einem Stiel, der die Zunge
des Thieres ist. Sie hängen sich mit solcher an die am Ufer stehende Bäume
an, und weil die Zunge gleichsam einen Hals und gewiße an
einem Büschel auslaufende gekrümte Hare, und einen Schwanz
von einer jungen Gans haben, so ist die Fabel entstanden, daß aus
dieser Muschel die Rollgänse, welche sich in Schottland finden, ohne daß
man weiß, wo sie heken, entstanden. Man weiß aber itzt, daß diese
Gänse in den allernordlichsten Inseln heken.

/ ≥ §_76.

/Seide von den Muscheln

/Einige Muscheln hängen sich mit ihrer Zunge an den Felsen an, und
machen ein Gewebe, woraus man als aus einer groben Seide zu
Taranta und Rhaegges Handschuhe pp macht. Allein die o»ena_marina
bringt viel feinere Seide zuwege, und daraus wird der byssus

/ der

/|P_189

/der Alten gemacht. Man macht auch schöne Stoffe zu Palermo daraus.
Die Pe«¿»<n>na_marina ist eine länglichte Muschel, welche sich vermöge
gewißer Fäden von Seiden an Felsen und andere veste Dingen an-
hängt, sie wird an den Küsten von Sicilien bey Palermo und
Meßina gefunden. Sie ist braun.

/ ≥ §_77.

/Der Nautidus

/Nautidus (Schiffküttel) ist eine Muschel welche schnekenförmig ge-
wunden ist, und deren Schale vielkämmericht ist, so, daß sie das Waßer
aus demselben auspumpen und sich auf solche Art leicht machen kann,
in ihrem Innwendigen hat sie eine Aehnlichkeit mit dem Blakfisch.
Wenn sie in der Luft schiffen will, so pumpt sie zuvor das Waßer
aus den Kammern ihres Gehäuses, alsdenn steigt sie in die Höhe, gießt
ihr Waßer aus und richtet sich aufwärts in ihrem Schiffe, spannt
ihre 2 Beine zwischen denen eine zarte Haut ist, wie ein Segel
aus, streket 2 Arme ins Waßer, um damit zu rudern, und
mit dem Schwanze steuert sie, kommt ihr etwas fürchterliches ins Gesicht,
so füllt sie ihre Kammern mit Waßer und sinkt in die See unter.

/ ≥ §_78.

/Die Muschelmünzen

/Fast in allen Küsten von Africa, in Bengala und andern Theilen von
Indien, werden einige Gattungen von Muscheln als baar Geld an-
genommen. Vornemlich werden an den Maldiven kleine weißlichte
Muscheln, die eine Art von Porcellainmuscheln sind wie das kleinste
Glied am Finger geschiffet, welche man in Ostindien Kauris und
in Africa Bonyer nennt, man nennt sie bei uns auch Mohrenzähne,
welche die Engländer von den Maldiven abholen, und die
hernach zur Bezalung kleiner Sachen gebraucht werden.

/ Die

/|P_190

/Die Negers an der Goldküste bedienen sich zu Münzen, einer Art von
bittern Mandeln, welche die Eigenschaft haben, daß wenn man da-
von ein Stük abbeißt und auch das schlechteste Getränk dazu trinkt,
selbiges davon einen recht angenehmen Weingeschmack erhalt.

/Die Indianer haben anstatt der Münze eine Art von Muschel, welche
ein violettes Perlmutter hat. In einigen Gegenden von America
gibt man Cacao_Nüße anstatt Münzen.

/ ≥ Siebenter Abschnitt
/Verzeichniß einiger merkwürdigen Insekten

/ §_79.

/Nützliche Insekten. ≤

/1. Das Gomileck aus Siam, Tunking, Peru, Bengala und andern
Indischen Provinzen. Es ist eigentlich eine Art von Wachs, welches
von einer Gattung Ameisen, auf eine gewiße Art von Bäumen
getragen wird, und darinn sie in Zellen wie die Bienen ihre
Beute ablegen, deren Häute hochroth sind, und die daselbst einen
rothen Saft zurüklaßen. Man reibt es in Mörsern im siedenden
Waßer, und drückt es durch Leinwand, hernach läst man
den Saft eintroknen. Das beste Gomilek ist das, welches an
gewißen Stöken, woran die Ameisen sich mit ihrer Zelle von
Gummi ansetzen, gezogen wird.

/2. Cochenille. Diese rothe Farbe welche die theuerste unter allen ist,
kommt von einer rothen Baumwanze, welche in Neuspanien sich
auf dem Baume Nopal nistet und mit Bürsten abgefeget,
hernach getroknet und gepulvert wird. Die Frucht des Nopals
ist eine Feige die hochroth ist und sehr wohl schmekt. Man nennt
dieses Pulver Carnim. Es ist aber oft nicht recht rein. Der
Kermes oder die Purpurkörner sind eine Art Galläpfel oder
Auswachs aus den Blättern eines Baumes, welcher durch einen

/ In

/|P_191

/Insektenstich entstanden. Kermes heist im Arabischen eigentlich ein
Würmchen und diese geben eigentlich die rothe Farbe. Kermes wird
auch in der Medicin gebraucht. Wenn man noch hiezu die Pur-
purschneke thut; so sieht man daß alle rothe Farben die zur Fär-
bung der Kostbarsten Zeuge dienen aus dem Thierreiche herkommen.
Außer dem Indianischen Cochenille ist auch der polnische eine
prächtige rothe Farbe. Sie kommt von dem Coccus polonicus her,
welches Insekt sich in Polen und Westpreußen sehr häufig
findet, und an der Wurzel des wilden Erdbeeren_Krauts in gro-
ßer Menge sich aufhält.

/Die Galläpfel sind nichts weiter als Puppen von den Wespen,
die ihre Eier auf Eichenblättern gelegt haben. Daher hat auch ein
jeder Gallapfel ein Loch, woraus das Insekt gekrochen ist.

/Von der Caprification. In den griechischen Inseln bedient man
sich gewißer Schlupfwespen, um die Feigen dadurch, daß man
selbige auf sie nisten läst, zu einer frühern und desto voll-
kommern Reife zu bringen. Der Caprificus ist eigentlich eine
Stechfliege, welche in die Blüte des mänlichen Feigenbaumes kriecht,
und sich so lange darinn herumtaumelt, bis sie ganz mit dem
Blumenstaube bedekt ist. Sodenn geht sie auf den weiblichen Feigen-
baum und legt in den Griffel desselben den männlichen Blumenstaub
ab, wodurch selbiger befruchtet wird. Diese caprificirte Fliegen
haben viele Maden in sich, daher man auch in der Le«¿¿»wante
ausruft: Nicht caprificirte Fliegen.

/Eßbare Heuschreken. In Africa werden bei verschiedenen Nationen die
großen Heuschreken gebraten und gegeßen. In Tunquin salzt man

/ sie

/|P_192

/sie auf künftigen Vorrath ein. Ludolph, der dieses auf seinen
weiten Reisen gesehen hatte, ließ die großen Heuschrecken welche
Deutschland 1693 verheerten wie Krebse kochen, aß sie, machte
sie mit Eßig und Pfeffer ein, und traktirte zuletzt gar den
Rath in Frankfurth damit.

/Von solchen Insekten, die der Mensch zu seinem Nutzen gebraucht
sind in unserm Lande 2 Arten.

/1. Die Bienen. In Sibirien sind gar keine Bienen weil sie sonst
erfrieren müsten. In America werden sie englische Fliegen genannt,
weil die Engländer selbige zuerst nach America gebracht haben.
Auch in heißen Ländern hat man Bienen. Am Senegall ist ein
großer Handel mit Wachs, der aber von unserm sehr unterschie-
den seyn muß, weil daselbst gantz fremde Blumen sind. In
Egypten verfährt man mit den Bienen auf eine ganz be-
sondre Art. Es gehen nehmlich im %.Februar von Cairo viele
Fahrzeuge aus, wovon ein jedes auf 200 Bienenstöke hat.
Diese fahren bis nach den Catharacten des Nils, wo es um diese
Zeit schon warm ist, und wo folglich die Bienen schon Blumen
finden. Nachdem sie hier ausgeschwärmt haben, kommen sie
wieder nach dem niedern Theil von Egypten im May_Monat
«zurük» mit dem Fahrzeug zurük, wo sodenn abermals viel
Honig gewonnen wird. Der Honig bläht sehr und ist durch
den Syrup und Zuker schon fast gantz verdrängt worden.
Man könnte auch vielleicht aus dem Honig einen Zuker herausbringen,
der würde aber weit theurer als der eigentliche Zucker seyn,
der diese blähende Eigenschaft doch nicht hat. In Polen wo man
die Bäume nicht viel achtet, haut man den Wipfel derselben ab,

/ bohrt

/|P_193

/bohrt aber ein Loch in den Stamm, und überläßt denn den Baum
den Bienen, die sich darinn anbauen. Die Bauren nennen
ein dergleichen Loch einen Beutel. Bei uns sind aber solche
Beutel verbothen.

/2. Die Seidenwürmer, welche in Tunquin wild angetroffen
werden. Martinet sagt, daß sich außer dem Seidenwurm auf
dem weißen Maulbeerbaum kein einziges andres Insekt
mehr aufhalte. Den Römern war die Seide noch sehr unbekannt.
Daher selbst zur Zeit der Römischen Kaiser ein ouum sericum ganz
etwas unerhörtes war.

/ ≥ §_80.

/Schädliche Insekten. ≤

/1. Die Tarantel-Spinne ist im Apulischen am giftigsten, wenn
man von ihr gestochen wird muß man bald weinen bald lachen,
bald tanzen bald traurig seyn. Ein solcher kann nicht schwarz
und blau leiden. Man curirt ihn durch die Musik, vornemlich
auf der Zitter, Hoboy, Trommeln und Violinen. Wodurch er wenn
man den rechten Thon und Melodie trift zum Tanzen gereitzt
wird, schwitzt und endlich zur Gesundheit gebracht wird. Man
muß manchen das folgende Iahr wieder tanzen laßen. Die vom
Scorpion gestochene Leute lieben auch die Musik, vornemlich die
Sakpfeife und Trommel, sonst gibt es noch ungemein große Spinnen
in Guinea, beinahe wie eines Mannes Faust.

/Tarento ist eine Stadt in Apulien. Daher der Name Tarentula
Tarantelspinne. Diese Spinnen werden sobald ein Fremder dahin
kommt, von den Ciceronen (so heißen da alle Bauern die sich zu Weg-
weisern und Führern aufwerfen und vor Geld einem ieden etwas zu
sehen bringen) gezeigt. Es sind Feldspinnen und haben nicht den geringsten
Gift in sich. Die Sage davon ist durch den Betrug dieser Ciceronen entstanden.

/ Denn

/|P_194

/Denn es gibt in Tarento, wo besonders die Weiber ein Sitzleben führen,
indem sie nichts thun als weben, viele Leute, die, wenn sie Weiber
sind histerische und als Männer hypochondrische Zufälle haben.
Diesen ist es nun allemahl eigen, daß sie bald weinen bald lachen,
und durch Erhitzung beym Tanz Linderung verspüren. Solche Leute
werden denn von den Ciceronen zu den Fremden hingebracht,
und müßen, um Geld zu verdienen sagen: Daß sie von einer
Tarantel gestochen wären. Es wird damit ein ordentlicher Han-
del getrieben.

/2. Die Nerwen-Würmer (Colubrillae) In Ostindien und Africa
bekommen die Menschen bisweilen einen Wurm in die Waden,
der sich endlich unter den Waden so stark einfrißt, daß er die
Länge von einer Elle und mehr bekommt. Er ist von der Dike
eines Seidenfadens bis zur Dike einer Zitter_Saite der Wurm
liegt unter der Haut und macht eine Geschwulst. Man sucht sie
behutsam hervorzuziehen und den Kopf um ein Sakchen zu
winden, welches man nach und nach herauswindet. Wenn der
Wurm reißt so folgt gemeiniglich der Todt.

/3. Die Niguen. Diese Art Flöhen gräbt sich in Westindien in die Haut
ein und verursacht den kalten Brand, weil das Gift sich mit dem
übrigen Blute vermischet. Die Haut bekommt auf dem Flek eine
rothe Erhöhung und der ganze Flek sammt dem Wurm
muß ausgeschnitten werden.

/Die großen Heuschreken, welche ihren Zug immer von Süden nach
Norden nehmen, und sich durch nichts außer durch die Gebürge auf-
halten laßen. Sie freßen alles bis auf die Wurzel weg. Sie
kommen gemeinhin aus Egypten, Arabien und den großen Sandwüsten,
woselbst man sie auch wirklich ißt. Anno 1747 und 48 waren sie in

/ Deutsch

/|P_195

/Deutschland und 1749 in Preußen. Niebuhr sagt, daß sich in der dortigen
Gegend auch eine große Menge von Wachteln befände.

/Der Faden_Wurm (vena Medinenensis«)» weil er in Arabien bei Medina
häufig angetroffen wird) ist ein Sak von lauter kleinen Würmern

/ ≥ §_81.

/Andre schädliche Insekten

/In Congo ziehen ganze Schwärme großer Ameisen, die eine Kuh
oder einen kranken Menschen wohl ganz auffreßen. Die Cameira
eine Art Motten in Ca<r>thagena in Spanien sind so fleißig, daß
wenn sie einmal in einen Kramladen kommen, sie ihn in einer Nacht
völlig zu Grunde richten. Die Loge ist eine kleine Wanze in America,
die wenn man sie auf dem Fleische zerdrükt ein tödliches Gift zu-
rück läßt. Man bläst sie dahero weg, wenn man sie auf der Haut siehet.
Die Tausendfüße, oder rothe Raupen mit 40 Füßen haben einen
giftigen Biß, und sind eine große Qval der Indianischen
Länder. Die Mosquitas sind eine besondre Art schädlicher Müken
in Ostindien, imgleichen auf den niedrigen Gegenden der Land-
wege in Panama. In Lappland ist die gröste Plage von
Viehbremsen. Die WanderAmeisen sind weiß und halten sich in
den Wüsten der warmen Landstriche auf. Ihre Nester sehen aus
wie Zelter und sind aus einem weißen Thon gemacht. Sie setzen
sich bisweilen aufeinmal in Bewegung und wo sie denn hin-
kommen muß alles weichen, und Menschen und Vieh müßen aus
den Dörfern, wohin sie sich setzen herausziehen. In Brasilien hält
man diese Ameisen noch für eine Wohlthat, denn wenn die Leute
wieder in ihre Häuser hereinkommen, so finden sie alles rein von Unge-
ziefer, keine Ratzen, Schlangen pp. Die schwarzen Ameisen sind in Iamaika
und andern Inseln erstaunlich lästig, indem sie sich an alle

/ Sachen

/|P_196

/Sachen ansetzen und sie auffreßen. Die Kakerlaks oder Tara-
kanen worin die Russen ohnerachtet sie so sehr schädlich sind eine
große Heiligkeit setzen. Sie werden hauptsächlich in Ostindien ange-
troffen, sind roth, so groß wie ein Mehlkäfer und lichtscheu.
Die Haußgrillen können am besten durch ein Faß von weich-
gekochten zerdrükten Gelbrüben mit Arsenicum vermischt fort-
geschaft werden. In dasigen Gegenden finden sich Holzwürmer
welche in einer Nacht einen ganzen Fisch zu durchfreßen im
Stande sind. Die Furia infernalis in Finnland. Sie fällt wie es
Linneus beschreibt aus der Luft herab, und frißt sich so ge-
schwinde in die Haut, daß man sie gar nicht attrapiren kann,
worauf sodenn Inflammation und Brand erfolgt. Man zweifelt
noch sehr an der Existens dieses Insekts, welches bräunliche Har-
chen haben soll. Linne gibt vor, daß er selbst als er in Lunden in
Schonen studirte, davon inficirt worden sey.

/<Nota.> Wir haben vermuthlich durch den Handel viele schädliche Insekten
in unsre Länder gebracht, so wie die Europäer die Mäuse
nach America gebracht haben, welche vor Entdeckung desselben
niemals daselbst gewesen sind.

/ ------------- 

/ ≥ Achter Abschnitt
/Anhang von andern kriechenden Thieren.

/ §_82.

/Die Schlange

/In den heißen Ländern gibt es etliche von erstaunender
Länge. In den Sümpfen nicht weit von dem Ursprunge des
Amazonenstrom<¿>s sind solche die ein gantzes Reh verschlingen.
In Vhidha einem africanischen Königreiche am östlichen Ende der
Küste von Guinea ist eine sehr große Schlange, welche unschädlich ist,

/ und

/|P_197

/und vielmehr die giftigen Schlangen, Ratten und Mäuse verfolgt.
Sie wird daselbst als die oberste Gottheit angebetet. Die Klapper-
schlange ist die schädlichste unter allen. Sie hat Gelenke in ihrem
Schwanz welche bei trokner Zeit im starcken Gehen klappern.
Ist sehr langsam und ohne Furcht. Es wird von allen geglaubt,
sie hätte eine Zauberkraft oder vielmehr einen benebelnden
auch wol gar anlokenden Dampf, den sie ausbläst, und dadurch
Vögel, Eichhörnchen und andre Thiere nöthiget in ihren Rachen
zu kommen. Man leitet auch diese bezaubernde Kraft der Klap-
perschlange aus dem Schreken he«¿»<r> welches sie den Thieren einiagt,
indem sie ihre Augen immer auf selbige gerichtet hält, wodurch sie
in Verwirrung gerathen! Zum wenigsten ist sie viel zu langsam
solche Thiere als sie täglich frißt, auf eine andere Art zu
erhaschen. Die Wilden freßen sie imgleichen die Schweine. Die Cobra
oder Hautschlange, wegen einer Haut welche den Kopf und Hals
umgibt, also genannt, soll den berühmten Schlangenstein in ihrem
Kopfe haben, allein ¿alienieri [[Vallisnieri]] berichtet, es wäre nichts anders als
gedörretes und auf gewiße Art zugerichtetes Ochsenbein.
Es hängt stark an der Zunge. Wie man den Schlangengift
aus der «Zunge» Wunde zieht und sie davon reinigt Er hat die
Gestalt einer Bohne, ist in der Mitte weißlicht, das übrige
himmelblau. Einige geben vor die Braminen aus Indien machen
ihn aus wirkliche Schlangenstein, mit deren Leber, Herz und Zähne
nebst einer gewißen Erde vermenget. Zum wenigsten pflegen
gewiße Theile von schädlichen Thieren zE das Fell der Hautschlange selbst
wieder ihren Biß gut zu seyn. Die Hautschlange wird in Africa

/ und

/|P_198

/und am Caput Bonae Spei angetroffen. Die Klapperschlange
hält sich besonders bey umgefallenen Bäumen in America
auf, ihre Gelenke klappern nicht wenn es regnet. Sie hat sehr
fürchterliche Augen, welche wenn sie im Zorne ist feuerroth
sind, daher fürchten sich auch alle Thiere für ihr nur das wilde
Schwein nicht, welches auf selbige losgeht und ihr ohn alle Barm-
herzigkeit Stücke vom Leibe wegreißt. In Nordamerica
ist eine Schlange die den Menschen zwar mit großer Geschwindigkeit
verfolgt und ihn auch beißt der Biß aber nicht giftig ist und au-
ßer der Wunde keinen Schaden verursacht. Die giftigen Schlangen
haben dieses Merkmahl, daß sie an dem Kinnladen 2 bewegliche
Giftzähne haben, an deren Wurzel eine Giftblase ist. Sie haben
keinen Stachel noch weniger stechen sie mit ihrer Zunge, die
zwar spitzig und zum Fang der Insekten gebraucht wird,
aber ganz unschädlich ist, sondern hauen mit ihren Giftzähnen.
Das Schlangengift wirkt nur dadurch, daß es sich in einer offenen
Wunde unmittelbar mit dem Blute vermischt, nicht aber denn wenn
man es herunterschlukt. Daher ist auch das beste Mittel einen von
einer Schlange gebißenen Menschen zu heilen, wenn man das
Gift aussaugt, welches dem Menschen der dieses unternimmt nicht
im mindesten schädlich ist, es sei denn, daß er etwa am Munde
verwundet oder nur geritzt wäre, in welchem Fall sich das Gift
auch sogleich mit dem Blute vermischt und also tödlich seyn könnte.
Sonst aber ist es gar nicht schädlich und wird auch in der Medicin gebraucht.
Die Schlangen schluken alles was sie freßen wollen ganz herunter
als Eidexen, ja die grösten selbst Rehe und Menschen. Ein Engländer
bemerkt, daß die Sternschneutze eine gallartige Materie auf den Feldern,

/ die

/|P_199

/die so wie der Buchbinder_Kleister aussieht, nichts anders sei, als
was die Raben und Krähen von den Fröschen, die sie herunter geschlukt
haben, ausspucken. Die gröste von allen Schlangen ist die Boa_Confrictar,
welche sich um die Thiere schlingt, und sie so zusammen «schl¿» zieht,
daß sie ihnen alle Knochen zerbricht, auch selbst einem Tiger,
so denn schluckt sie selbige mit Haut und Har herrunter.

/ ≥ §_83.

/Der Scorpion

/Er ist in Italien nicht größer wie ein kleiner Finger, hat beinahe
eine Krebsgestalt und verwundet seinen Feind mit dem
Schwanze, worin er einen Haken hat Man bedienet sich des
zerdrückten Scorpions um ihn auf den Stich zu legen und das
Gift wieder auszuziehen. Die Indianer bedienen sich im Nothfall
des Brennens der gebißnen Stelle. In Indien sind sie viel größer.
Es ist an dem, daß wenn man einen Scorpion unter ein Glas
thut, worunter man Tobaksrauch bläset, er sich selbst mit
seinem Schwanz tödtet.

/ ≥ §_84.

/Der Camelion

/Ein Asiatisches und Africanisches Thier einer Eydex ziemlich ähnlich,
aber viel größer, nähret sich von Insekten, seine Zunge ist 8 Zoll
und fast so lang als das ganze Thier, womit er, wie der
Ameisenbär, Fliegen und Ameisen fängt. Einige Physici berichten,
daß er seine Farbe nach den farbigten Gegen<stän>den richtet, aber
mit einem «Sch»Zwange den er sich anthun muß. Allein in den
allgemeinen Reisebeschreibungen wird berichtet, daß sie ihre
Farbe beliebig und vornemlich wenn sie recht lustig sind,
schnell aufeinander verändern, aber nicht nach den farbigten
Gegenständen. Sie verändern also ihre Farben nach den Affecten,

/ wenn ~

/|P_199R δZ_3

/{2- auf der Insel melite
heist sie: Anaconda-2} ~

/|P_200

/wenn sie böse sind so ist ihre Farbe aschgrau und werden
ganz mager, sind sie aber lustig, so sehen sie gelblich aus mit
braunen Fleken, die ihre Stelle verändern. Es gibt viele
Indianer die sie dergestalt discipliniren können, daß sie mit
ihnen spielen und allerlei Künste treiben können. Doch sollen
sie bisweilen auch das Leben dabei einbüßen. Um sie zu
zähmen laßen sie selbige erst hungern und so bald sie beißen
wollen, geben sie ihnen Schläge.

/ ≥ §_85.

/Der Salamander

/Seine Unverbrenlichkeit kommt von dem dichten Schleime her,
den er sowol ausspeit, als aus allen Schweißlöchern treibt,
und womit er die Kohlen wenn er darauf gelegt wird,
eine ziemliche Zeit dämpft, endlich aber doch verbrennt.
In America ist ein Eydex Iduana, welcher vom Kopf an bis zum
Schwanz einen gezakten Kamm hat und gegeßen wird. In allen
Theilen der Welt gibt man vor, daß der Eydex ein Feind der
Schlangen sei und die Menschen davor warne. Schinkus.
Marinus ist ein aphroasidicum und wird aus Egypten gebracht.

/ ≥ Neunter Abschnitt
/Das Reich der Vögel

/ §_86.

/Der Strauß und der Casuar

/Es sind vornemlich arabische und africanische Vögel, tragen den
Kopf höher als ein Pferd, haben Flügel, womit sie nicht fliegen
können, laufen schneller als ein Pferd, bebrüten ihre Eier
nur des Nachts, haben schöne Federn im Schwanze und eine
hochrothe Erhebung auf dem Rücken. Der Casuar ist sonst dem
vorigen ähnlich, hat auf dem Kopf eine Art von Knorplichter Haut,

/ und

/|P_201

/und an den Füßen Hufen, schlingt Eisen ja selbst glüende Kohlen
herrunter, verdaut aber das erste nicht. Der Strauß hat so wie
der Casuar 2 Stacheln unter den Flügeln, welche ihnen zu Sporen
dienen. Der Casuar hat Federn, welche aber nicht in einander
gehechelt sind, sondern die Fasern hängen wie Hare einzeln
um den Kiel.

/ ≥ §_87.

/Der Condor

/Er ist das gröste unter allen fliegenden Thieren in America
aber selten anzutreffen, er hat eine Aehnlichkeit mit dem Geier,
welche beide Aas freßen, und soll nicht mehr wie ein Ey legen.
Er ist von dem einen Ende des Flügels bis zum andern 16 Fuß
breit, kann einem Ochsen die Gedärme aus dem Leibe reißen,
hat aber nur Füße wie Hünerklauen, trägt Wild fort in sein
Nest, %und öfters auch Kinder, vermehret sich aber nicht sehr.

/ ≥ §_88

/Der Colibri, Singvogel oder Blumenhacker. ≤

/Es ist ein americanischer Vogel und der kleinste unter allen
Vögeln, nicht völlig so groß als ein Käfer, hat die schönsten Federn,
die sonst alle mögliche Farben spielen. Es saugt Saft aus den
Blumen. Er heißt auch Sumpfvogel und soll einen Adler in der Luft
tödten können, wenn er ihm unter die Flügel fliegt und ihn
mit seinem spitzigen Schnabel so lange sticht, bis er todt zur Erde
fällt. Es ist in Westindien eine Art von Spinnen, die ein Ge-
spinst machen, welches viel dicker und vester ist als der unsrige;
darin fängt sich der Colibri als eine Mücke.

/ ≥ §_89.

/Paradiesvogel

/Er ist nur wegen des Vorurtheils zu merken, welches man ge-
habt hat, als wenn er keine Füße hätte. Sie werden ihm aber

/ um

/|P_202

/um ihn desto beßer zu erhalten abgeschnitten. Papageye und
Paradiesvögel gibt es auf den philippinischen Inseln. Einige
von den erstern sind nicht größer als ein Sperling.

/ ≥ §_90.

/Goldene Hüner

/Sie sind wegen ihrer goldfarbnen Federn und andrer schönen
Schattirungen für die zierlichsten Vögel in der Welt zu halten,
und werden von den Chinesern sehr hoch geschätzt.

/ ≥ §_91 Der Pelican. ≤

/Er hat einen Leib wie ein Schaf, kleinen Kopf, einen langen
Schnabel und am Kopf einen Sack darin ein Eimer voll Waßer
geht, er füttert seine Iungen mit Fischen. Daß derselbe seine
Iungen mit Blut füttert gehöret mit der Fabel vom Phönix
in eine Classe. Er soll ein Nest bauen von Waßerdichtem Thon,
und selbiges mit Wasser füllen, welches seinen Iungen da er
sich nur im Waßer aufhält, sehr zu statten kommt

/ ≥ §_92.

/Einige Merkwürdigkeiten des Vogelgeschlechts

/Die in der heißen Zone sind schöner und buntfärbiger aber
von schlechtem Gesang. Einige hängen ihre Nester an die dünnsten
Zweige der Bäume auf, die über dem Waßer hängen,
dadurch sie von den Nachstellungen der Affen frei seyn.

/Der Kukuk leget seine Eier in das Nest der Grasmüke und
bekümmert sich nicht um seine Iunge. Einige Vögel haben Flü-
gel und können nicht fliegen. ZE der Straus, Casuar und
Piguin. Man braucht auch einige Vögel zum Fischen als die
Kropfgans, andre zum jagen des 4füßigen Wildes, als vornem-
lich die Falken aus Circassien. Man lehrt diese dem Wild unbe-
merkt nahe zu kommen, indem man ein Stük Fleisch auf eines

/ aus

/|P_203

/ausgestopften Wildes Kopf stekt und es auf Rädern vorziehet.
Hernach gewöhnen sie sich dem laufenden Wild die Klauen
in die Haut zu schlagen, mit dem Schnabel zu reißen und in
Verwirrung zu bringen. Andre werden zum Vogelfang abge-
richtet, als die Isländische Falken u. a. m. Von der Abrichtung
der Falken. Von der Reyher-Beitze. Diese Falken werden einem
Schildwache stehenden Soldaten in die Hände gegeben, um sie
einige Tage und Nächte zu tragen, daß sie nicht schlafen können,
wodurch sie ganz ihre Natur verändern. Man fängt in China
und bei Porto_Bello wilde Gänse und Enten durch Schwimmer, welche
ihren Kopf in einen hohlen Kürbis steken. Sie verpflanzen viele
Früchte, indem sie den unverdaulichen Samen den sie gefreßen
haben, wieder von sich geben, daher der Nistelsame auf die Eiche
kommt und daselbst aufwächst, imgleichen auf Linden und Haßeln.
Einige Tiefen im Weltmeer dienen den Vögeln vornemlich
die sich von Fischen nähren zur Behausung, so daß etliche mal
einige Zoll mit Vogelmist bedekt sind, dergleichen an den
Küsten von Chili, Africa unter den Orcaden und anderwärts.
Einige bedeuten wenn sie weit vom Lande fliegend ange-
troffen werden, Sturm, welche sonst auch gewohnt sind, Schildkröten,
Meeradler, eine Gattung Steinbrecher von Felsen von einer
Höhe fallen zu laßen, wodurch Aeschilus getödtet worden.
Man findet keine Störche in Italien, imgleichen in England
und der östlichen Tartarei. Taubenpost ist noch itzt in Modena
und Aleppo, wurde ehedem in der Belagerung von Harlem,
Zürichsee, Gertrudenburg gebraucht. Imgleichen des Jonas_Dusa Taube

/ in

/|P_204

/in Leyden. Mit der Taubenpost geht es auf folgende Art zu:
Man nimmt wenn man nach Scanderona abfährt, Tauben
die Iunge haben aus Aleppo mit, läßt aber die Iungen in Aleppo
zurük, so bald man nun im Scanderona angelangt ist, so bin-
det man einen Brief an die Flügel der Taube und läst sie
nach Aleppo hinfliegen, welchen Weg sie niemals verfehlen.
Auf solche Art kann man in sehr kurzer Zeit von Scanderona
aus den Einwohnern in Aleppo Neuigkeiten berichten. Die
Fregatte eine Art von Sturmvogel, ist klein und hat so große
Flügel, ¿¿ daß man die Breite zwischen denselben auf 12
Fuß schätzt. Der Meeradler kommt aus der Luft bis aufs
Waßer, schlägt seine Klauen in den ersten besten Fisch, und
nimmt seinen Raub mit sich fort. Wenn dieser ihm nun zu
stark ist, so wird er von ihm mitgeschlept. Die wilden Enten
verpflanzen auch Fische, indem sich an ihren Füßen kleine Fische
anhängen, welche sie denn hernach in andere Landseen verpflanzen.

/ ≥ §_93.

/Vom Ueberwintern der Vögel

/Man bildet sich gemeiniglich ein, daß diejenigen Vögel auf den
Winter in wärmere Ländern «ziehen» und weit entfernte
Climata ziehen, welche ihr Futter in unsern nordlichen Climaten
nicht haben können. Allein die Lerche, Kybitz u.a.m. er-
scheinen geschwind, wenn einige warme Tage im Frühjahr
kommen und verschwinden wieder bei anbrechender Kälte.
Dieses beweiset, daß sie auch im Winter hier bleiben. Die Wachteln
sollen auch einen Zug über das mittelländische Meer thun, sin-
temal auf der Insel Capri bei Neapolis der Bischof daselbst
seine meiste Einkünfte vom Zuge der Wachteln hat, und bisweilen

/ in

/|P_205

/in der mittelländischen See Wachteln auf die Schiffe niederfallen.
Allein diese Vögel sind zwar Strichvögel, die ihre Oerter ver-
ändern, aber nicht Zugvögel die in entfernte Ländern sogar
über das Meer setzen. Ihr Flug ist niedrig und nicht langwierig.
Es werden aber öfters Vögel vom Wind und Nebel in die See
verschlagen, verirren sich und kommen entweder um oder retten
sich auf die Schiffe. Man hat 100 Englische Meilen von Modena
einen Sperber auf einem Schiffe gefangen, welcher erbärmlich
schwach aussahe. Der Vice_König von Teneriffa hatte dem Duc_de_Lerma
einen Falken geschenkt, welcher aus Andalusien nach Teneriffa
zurükkehrte und mit des Ducs Ringe todt niederfiel.
Allein was wollen andre schwache Vögel gegen einen so starken
Raubvogel sagen? Warum fliegen die Störche nur aus Frank-
reich nach England über? Die mehresten Vögel verbergen sich
des Winters in die Erde und leben wie die Dachse oder Ameisen
ohne Futter. Was die Schwalben anbetrift, so hat man die Mei-
nung, daß sie sich den Winter über im Waßer aufhalten.
So viel ist gewiß, daß man oft in einem Fischzuge aus Landseen
ganz geklumpte Schwalben herausgezogen hat. Dieses aber sind
wohl nichts anders als verunglükte Schwalben, denn zur Herbst-
zeit ziehen sich die Schwalben nach berohrten Gegenden,
wo sie noch kühlere Luft und einige Insekten finden. An diese
Röhre hängen sie sich an und wenn dasselbe knikt, so fallen
sie ins Waßer und müßen weil sie zu schwach sind fortzu-
fliegen darin so lange bleiben bis sie verfaulen. Frisch in

/ Berlin

/|P_206

/Berlin führt an, daß er einer Schwalbe, welche in seinem Hause
genistet hatte, einen rothen Band um den Fuß gebunden,
und sie habe fortfliegen laßen, als nun dieselbe nach einem
Iahr wiedergekommen, so habe sie diesen Band noch am Fuße
gehabt, woraus denn zu sehen, daß sich dieselbe nicht im
Waßer müsse aufgehalten haben. Addison [[Adanson]] und andre Engländer
führen an, daß zur Zeit des %.Octobris die Schwalben am
Senegall erscheinen, aber gar nicht nisten, sondern im
Frühjahr wieder ihren Zug nach Norden richten. Die Störche,
Gänse, Enten pp werden in den abgelegnen Brüchen von
Polen und andern Ländern, in Morrästen, da es nicht
frieret, gefunden. Man hat auch in Preußen des Winters
einen Storch aus der Ostsee gezogen der in der Stube wieder
lebendig ward. Auf dem Eismeer gibt es erstaunende Menge
weiße Gänse, welche aber äußerst dum sind und daher
sehr leicht gefangen werden. Es bekleidet sich nemlich
jemand mit Gänsefedern, so, daß er einer Gans ähnlich sieht.
Dieser geht vor die Gänse her und ein andrer scheucht dieselbe,
die Gänse folgen jenem weil sie in dem Wahn stehen als ob er
auch von ihrem Geschlechte sei, und er führet sie in ein Hauß,
wo sogleich die Thüren zugemacht werden, und die Gänse
also auf solche Art gefangen sind. Von_der_Gröben erzält
dasselbe von den Gänsen auf der Küste von Guinea. Die Negers
werfen hier Kürbiße ins Waßer, woran sich denn die Gänse mit der Zeit
gewöhnen. Sodenn schwimmt ein Neger gleichfalls mit einem Kürbis auf
dem Kopf, greift die Gänse bei den Füssen, zieht sie unter das
Waßer und stekt sie in einen Sack.

/ Drittes

/|P_207

/ ≥ Drittes Hauptstük
/Das Pflanzenreich
/Erstes Capitel
/Von den merkwürdigen Bäumen

/ §_94.

/Vorläufige Anmerkungen. ≤

/Die Bäume sind in der heißen Zone von schwererm Holze, höher
und von kräftigerm Saft. Die nordlichen sind lokerer, nie-
driger und ohnmächtiger. Das Vieh aber sowol als die Menschen
sind jenen Gegenden viel leichter nach Proportion
des äußerlichen Ansehens als in diesem.

/ ≥ §_95.

/Von Bäumen die den Menschen Brodt liefern. ≤

/In vielen Theilen von Indien imgleichen in den latronischen Inseln
wächst ein Baum der große Ballen einer mehlichten Frucht trägt,
welche als Brodt gebraucht werden und die Brodsfrucht heißen.
Dieser Brodfruchtbaum ist auch schon mit dem besten Erfolg
nach Surinam verpflanzt. Der Cagobaum der auf den Molukischen
Inseln wächst, sieht aus wie ein Palmbaum. Er hat ein nahr-
haftes Mark, dieses wird mit Waßer gestoßen das gelatinum
ausgeprest und filtrirt. Das schleimigte sinkt zu Grunde,
und macht daraus ziemlich schlecht Brod, aber beßere Grütze,
mit Mandelmilch gegeßen ist es gut gegen die rothe Ruhr. Bei
Patna am Ganges_Strom und am Senegal findet sich eine eßbare
Erde, die wol nichts anders als eine GewächsErde ist, so wie terra
«Cachton» Catchon in der Medicin aus einem gedikten Baumsaft
bestehet. Unser Getreide rechnet man zu den Grasarten. In

/ Schw.

/|P_208

/Schweden wird das Inwendige der Fichtenrinde von Thieren und
in Brod eingebaken auch selbst vom Menschen gegeßen. In Indien
hat man an die Stelle unsers Brodts, Reis, und auf der Küste von
Guinea und in der Barbarei eine Art Hürse, welche man Durrha
nennt und in Ansehung des Wachsthums eine große Aehnlichkeit
mit dem türkischen Weitzen hat. Die Kartoffeln sind eigentlich
aus Peru in unsre Gegenden herrüber gebracht. Eine Art davon
findet sich auch am Senegal. Die Sagogrütze in Indien
ist eigentlich das Mark von einem Palmbaum und eine Kost
welche der allerkrankeste und schwächste vertragen kann.
Wenn der Baum einige Iahre alt ist, so spaltet man seinen
Stamm, und unter der Rinde desselben ist diese Grütze zu finden.
Der Saleb wird aus einem Orchis oder einer Wurzel die aus
2 Bullis besteht, gemacht und ist eine gelatinöse Substanz,
die für hektische Personen sehr gerühmt wird.

/ ≥ §_96.

/Sehr nutzbare Bäume von der Palmart. ≤

/Die Palmbäume sie von unterschiedener Art, sie haben alle
dieses gemein, daß sie eigentlich keine Aeste haben, sondern
große Blätter die auf dem Stamm wachsen, und die gleichsam
mit einem schuppigen Panzer bezogen sind. Aus einer Gattung
derselben wird der Saft gleich dem Birkenwaßer häufig
ausgezogen, der wenn er gegoren hat den Palmwein gibt.
Er ist zu unterscheiden von dem Palmsekt auf der Insel de la
Palma. Der Cocus_Baum gehört unter die Palminirten, seine
Blätter dienen, so wie die von den andern Palmen zu Be-
dekung der Häuser; die Rinde der Nuß, zu Striken; die Nuß

/ selbst

/|P_209

/selbst zu Gefäßen, und die darinn enthaltene Milch ist ein ange-
nehmes Getränke. Die Maldiwische Nuß ist untergetheilt, und
köstlicher als die übrigen.

/Bei manchen Palmbäumen sind die Blätter bis 2 Klafter groß.
Der Kohlbaum schießt oben aus seiner Krone eine öhlsaftige
Substanz, die den Rüben ähnlich ist, und wegen der Aehnlichkeit
des Geschmacks der Kohl des Palmbaums genannt wird.
Dattelbäume gibt es in Africa von Marocco bis Egypten und
in Asien bis Persien. Bei Bassora ist ein Wald von lauter Dattel-
bäumen. Diese Dattelbäume von der Palmart sind von 2
Geschlechtern, nemlich theils männlichen theils weiblichen Geschlechts.
In den Ländern wo sie sehr häufig wachsen, tragen die Ein-
wohner die Datteln in der Tasche und eßen sie so wie bei
uns die Bauern die graue Erbsen, und in Italien die Castanien,
die daselbst so groß sind, daß sich am Aetna ein Castanien-
baum befindet, von deßen Fruchte sich wol 100 Pferde satt eßen
können. Bei den Alten wurde der Dattelbaum Phoenix ge-
nannt, und es scheint die ganze Fabel vom Vogel Phoenix
wohl nichts anders, als die Wiederherstellung und Vereinigung
des Dattelbaums anzuzeigen. Der Cocus_Baum hat oben
in seiner Krone gewiße Nüße welche in einer bastigen
Substanz eingeschloßen sind, die sie fähig macht auf dem Waßer
hin und her zu schwimmen und dadurch vielen entfernten Inseln
zur Speise zu dienen. So kommt auch die Maldivische Cocus_Nuß
eine Frucht die einzig und allein auf den Palmeninseln, itzo
du_Bole wächst, häufig bei den Maldiven an, woher sie

/ auch

/|P_210

/auch ihren Namen hat. Das Holz des CocusBaums läst sich wohl
schlecht zu Geschirren brauchen, weil es sehr schlammigt ist. Hingegen
macht man aus der Nuss desselben, welche eigentlich keinen Kern,
sondern in der Mitte eine Höhlung hat, worin sich Milch befindet,
in Indien eine Art von Becher, die sehr hoch geschätzet werden.
Die junge Blätter werden zu Tischdeken gebraucht. Aus der
fleischigten Substanz, womit die herzförmige Schale der
Cocusnuß überzogen ist, wird ein Oehl ausgepreßt
das sehr ekelhaft ist.

/ ≥ §_97.

/Der Talgbaum in China, ≤ trägt eine Hülsenfrucht mit 3 nuß-
artigen Körnern wie Erbsen groß mit einer Talgrinde um-
geben, und die selbst viel Oehl haben. Man zerstößt die Nüsse,
kocht sie und schöpft den Talg ab, wozu man Leinoehl und Wachs
thut und schöne Lichter daraus zieht.

/ ≥ §_98.

/Der Wachsbaum

/An die Blätter dieses Baums welcher auch in China häufig
wächst, hängen sich Würmchen an, die nicht größer als die Flöhen
sind. Sie machen Zellen aber viel kleiner als Bienenzellen.
Das Wachs ist härter, glänzender und theurer als Bienenwachs.

/ ≥ §_99.

/Der Seifenbaum

/Er ist in Mexico und hat eine Nußfrucht, deren Schale einen Saft hat, der
gut schäumet und schön zu waschen ist.

/ ≥ §_100.

/Ein Baum der Waßer zu trinken gibt. ≤

/Dieses ist der wunderbare Baum auf der Insel Ferro. Er soll immer
mit einer Wolke bedekt seyn und von seinen Blättern Waßer tröpfeln,
das in Cisternen gesammelt wird, und da diese Insel sonst kein

/ Waßer

/|P_211

/Waßer hat, vor Menschen und Vieh genug liefert. Sein Stamm soll
2 Faden dik, und 40 Fuß hoch seyn, @Am@ die Aeste aber soll er 120
Fuß im Umfange haben. In der allgemeinen Reisebeschreibung
wird von einem Augenzeugen angeführt, daß dieser Baum nur
des Nachts Waßer gibt und zwar jede Nacht 20.000 Tonnen.
Das Meer stellt hier einen distilir_Kolben vor, woraus sich die
aufsteigende Dünste über das schattige Thal, weil es daselbst
kalt ist hinziehen, einen Nebel verursachen, und auf die Zweige
der Bäume herabträufeln, und von da hinab in die Cisternen.
Die meisten Reisenden und unter ihnen le_Maire versichern,
es wären viele solche Bäume in einem Thal bei einander. Dieses
Thal wäre von großen Wäldern umgeben und die umlie-
gende Berge werfen ihren Schatten herein, dadurch die Dünste
auf diese Art verdiket werden, und eine träufelnde Wolcke machen,
denn in der St_Thomas_Insel unter dem Aequator die den Por-
tugiesen zuständig sind auch solche Bäume die aber nur
des Mittags Waßer geben.

/In Sibirien wächst ein Rohr, welches immer voll Waßer ist, das
aber mit dem Mondlicht bald ab-bals zunimmt.

/Hepentes. Das Wunderkraut wächst auf der Insel Ceylon. Oben in
der Flasche befindet sich das Waßer, womit es seine eigne Wurzel
befeuchtet.

/ ≥ §_101

/Die Baumwollenbäume

/Sie tragen eine Frucht wie Aepfel, die inwendig in Zellen eingetheilt ist,
worin die Wolle stekt. Die Saatkörner in der Baumwolle sind so häufig,
daß man sie mit Maschinen aus selbiger herausschaffen muß. Die Cibo_Wolle
ist fast seidenartig und von einem andern Baum, die allein
fast gar nicht verarbeitet werden kann.

/ §

/|P_212

/ ≥ §_102

/Der Firnißbaum

/Er wird am meisten in China und den Moluken gefunden, und
vorzüglich in Tunquin, woselbst man sich damit die Zähne
schwarz färbt. Er gibt den Lak eben so wie die Bircken das
Birkenwaßer. Man stekt eine Muschelschnecke in seine geritzte
Haut, darin er sich sammelt. Er wird auf dem Holz vester als das
Holz selbst. Alsdenn wird noch ein besonderer Oelfirniß darüber
gezogen. In Iapan sind alle Häuser überfirnißt.

/ ≥ §_103

/Eisenholz

/Es ist so hart, daß man Anker und Schwerdter daraus machen kann.
Das Franzosenholz ist auch von sehr schwerer Art, und wird in der
Französischen Krankheit gebraucht. Das Ebenholz ist eigentlich nur
ein Kern von einem Baum, welcher in Africa wächst.
Das Mahogniholz, welches aus Westindien kommt, fällt ins röth-
liche und sieht fast aus wie Schildpatt. Hievon ist zu unterscheiden
das Maderaholtz, welches noch zarter ist, aber ins dunkelbraune fällt.

/ ≥ §_104

/Wohlriechende Holze

/Von den Sandelbäumen ist das gelbe Sandholz dasjenige, was in
Indien am meisten zum Rauchwerk gesucht wird. Es wird auch zur
Brei gestoßen und den Indianern der Leib damit zur Kühlung
beschmieret. Das Cedernholz ist ein weiches Holz und wird
am besten in den Bermudischen Inseln angetroffen. Unsere
feine Bleifeder sind damit überzogen. Es hat einen Kaddigsgeruch
der den Insekten äußerst widersteht, daher es vielleicht bei
Naturalien_Sammlungen zu Schachteln am besten zu
gebrauchen ist.

/ §

/|P_213

/ ≥ §_105

/Färbehölzer

/Brasilienholz. Der Kern dieses Holzes dienet zum Rothfärben.
Campesceholz, deßen inwendiger Kern blau färbt. Das
rothe Holz wird auch Fernebuk genannt, welches aber doch
von jenem unterschieden seyn soll. Der Roku welcher auch in Europa
zur Färberei gebraucht wird, ist eigentlich der Kern von
einem Baum der in America wächst. Es heist auch Orelona fälschlich
Orleans und färbt ponceau roth, welches mehr ins gelbe als ins rothe fällt.

/ ≥ §_106.

/Balsambäume

/Der Balsam von Mecca ist der Köstlichste, er wächst eigentlich im
Fürstenthum Gemen, deßen Iman oder Fürst ein Geistlicher ist.
Er wird aber nur in Mecca an den Harem oder die vornehmste
Türken verkauft und ist «j»itzo gar nicht mehr zu haben. Er wird
aus dem Balsambaum gezapft. Wenn er frisch ist, macht sein Geruch
Nasebluthen. Es wird damit nur alle Iahr dem Sultan ein Prä-
sent gemacht. Die Probe ob der Balsam von Mecca ist, besteht
darinn, daß man einen Tropfen davon in ein Glaß Waßer fallen
läst, alsdenn muß sich der Tropfen wie eine Haut über das Glas
Waßer ausdehnen, die sich mit einem Pferdshar aufrollen läst,
so daß nichts glänzendes zurückbleibt. Balsam von Tole kommt
aus Mexico und ist jenem am nächsten, ist weiß aber goldgelb.
Peruvianum ist schwärzlich. Copaiback ist flüßig und weiß.

/ ≥ §_107.

/Gummibäume

/Aus dem Drago oder Drachen-Baum und deßen Einritzung quillt
das Drachenblut, welches roth ist und in vielen Gegenden von Indien

/ ge- 

/|P_214

/gefunden wird. Gummi dragant ist hingegen ein weißes wie
ein Würmchen gewundnes Gummi. Gummi Guttae quillt aus
einem Baum, der einem Pomeranzenbaume gleicht. Gummi Ara-
bicum fließt aus einem Egyptischen oder arabischen Anapi
oder Schleedorn. Der Gummi von Sanga (Senegal) kommt sehr
mit ihm überein, hat eine kühlende Kraft und wird von den
Menschen wie Zukerkant gesogen, er wird bei Seidenzeugen
gebraucht um es glänzend zu machen. Gummi Copal schwitzt
aus den geritzten Copalbäumen, welche in dem Sande in der
Wüste Sara gefunden werden. Es ist eine geharzigte erd-
artige Substanz, nach der Meinung einiger Naturforscher
ist es eine resina (Baumharz) nach andern aber ein bitumen
(Erdharz) Den Gummi Copal aufzulösen ist ein Geschäfte der Liquers,
denn aller Lak hat etwas von diesem Gummi Copal.

/ ≥ §_108

/Harzbäume

/Der Campferbaum in Borneo gibt durch Ausschwitzen den
Kampfer. In Iapan wird er aus dem Sägestaub des Campfers
distilirt, ist aber schlechter. Er kann auch aus den Wurzeln
des Canelbaums distillirt werden. Assa dulcis fließt aus
einem geätzten Baum in Ceilon und Siam, und ist sehr
wolriechend. Manna dringt in Calabrien aus den Blättern
des geritzten Eichbaums hervor. Der beste Terpentin kommt aus
Fichten, ist hell und citronengelb. Der gemeine wird aus
Fichten- und Tannenholz gemacht.

/Unter den Resinis oder Pflanzhartzen ist der berühmteste
der Kampfer. Unter resinae, die auch allemal gummihaftig sind,

/ und

/|P_215

/und Gummi ist der Unterscheid, daß diese sich im Waßer iene aber
nur im Spiritus vini auflösen. Resina elastica welche in
Brasilien und unterschiednen andern Ländern gefunden
wird, ist eigentlich ein flüßiges Harz, welches aber wenn es
troken ist, so elastisch ist, daß ein Ring von demselben der gerade
auf den Daumen paßt, sich also ausdehnen läst, daß man den
Arm hindurch stecken kann, ja, wie andere sagen, ihn sogar
über den Kopf und den gantzen Körper ziehen kann. Er wird
nur durch den Vitriolischen Aether aufgelößt.

/ ≥ §_109.

/Medicinalische Bäume

/Cascarilla_de_Loxa, (Loxa wird ausgesprochen wie Locha,
denn die Spanier sprechen x wie ch aus) oder Quinquina
(Fieberrinde) ist die Rinde eines Baumes bei«m» Loxa am
Amazonenstrom und anderwärts in Südamerica, ist ein
remedium wider das Fieber und muß von der China-
wurzel unterschieden werden. Der so genannte China-Baum
wächst nicht in China, sondern sein Name ist durch Corruption
des Worts Quinquina entstanden. Die Chinarinde ist wider
alle Fäulniß antisceptisch, weil sie viel fixe Luft hat und
roborirt den Magen, wie auch die Fasern des ganzen Körpers,
denn alle bittere Sachen stärken den Magen. Daher braucht
man sie für Faul- und Nerwen-Fieber, Würmern und andern
Krankheiten. Sie hat aber das schlimme an sich, daß sie die
Nerwen und Fasern gewaltig zusammenzieht. Die Columbo¥
Wurtzel wird auch sehr empfolen. Der Saßafraß ist die

/ Wurzel

/|P_216

/Wurzel eines Baumes aus Florida. Guagack wird in Veneri-
schen Krankheiten gebra<u>cht. Man kann die Balsam- und
Gummibäume zum Theil auch zu den medicinischen Kräu-
tern rechnen.

/ ≥ §_110.

/Einige Bäume von angenehmen Früchten. ≤

/Bannanas, oder Plantanen_Kraut, (lateinisch Musa französisch
plantin) auch Pisang, trägt Früchte wie Gurken die aus
dem Stamm wachsen, in einem Klumpen wol 40 bis 50. Der Cola¥
Baum in Africa und Ostindien trägt eine castanienartige
bittere Frucht, welche hoch geschätzet wird. Sie ist etwas bitter,
macht aber wenn sie gekörnt wird, alle Getränke sehr
angenehm. Vor 50 solcher Nüsse kann man in Sierra_Leona
ein schönes Mädchen kaufen und 10 Stück sind schon ein
Präsent vor große Herrn. Der Cacaobaum ist 18-20
Schuh hoch und wächst in 4 bis 5 Stämmen. Die Frucht gleicht einer
Melone, die an dem Stamm und den Aesten hängt, in ihren
Fächern sind viele den Mandeln ähnliche Nüsse. Der Cacao
ist constringirend und kalter Natur. Die Indianer in Hispa-
niola gebrauchen ihn zerstoßen im Waßer zum Geträncke.
Die CacaoMandeln können entweder frisch gegeßen
werden oder auch gelinde geröstet, welches aber sehr den
Magen verdirbt. In der Gesundheits_Chocolade muß außer
dem Cacao und Zuker kein Gewürz, auch «¿»Vanille nicht,
der sehr hitzt, genommen und die Chocolade_Tafeln die auf solche
Art zubereitet worden, in reinem Waßer aufgelößt
werden, und zu lauter Schaum in Querr«¿»eln geklopft

/ wer

/|P_217

/werden. Pistacien (Pilzernüße) sind Nußfrüchte in Zuker
gelegt. Die junge Frucht aber wird in Eßig gelegt und
in Persien als Beisatz zu Speisen gebraucht. Datteln sind
den Mandeln ähnliche Früchte von einer Art Palmbäume,
die in großen Büscheln als Trauben am Stamm wachsen.
Das von bloßen Cacaos zubereitete Waßer ist ziemlich
unangenehm und erkältend, daher auch ein gewißer
Spanier
, da er dieses zum erstenmal trank, sagte: es wäre
beßer für Ochsen als für Menschen. Man thut aber in
Spanien Zuker, Pfeffer und Vanille hinzu, wodurch man
ihn hitziger und wolschmekender macht. Der Caffeebaum
in Arabien, der Levantische in America, der Surinamsche,
Martiniquische und in Ostindien. Der Iawanische Baum
ist sowol in Ansehung der Blätter als der Früchte einem
Kirschbaum ähnlich, der Caffe hat eine hornigte Schale.
Die getrokneten Früchte werden gerollt, da der einer
Bohne ähnliche Kern sich in 2 Hälften theilt. Der Lewantische
Caffe ist selbst in Arabien theurer als der Martini-
quische und die Iuden führen vielen von dem letztern
in die Türckei.

/Der CaffeeBaum ist anfänglich blos in Abyßinien
zu Hause gewesen und in Arabien kaum 100 Iahre
eher bekannt geworden, als bei uns wo der Caffe in der
Mitte des vorigen Iahrhunderts aufkam. Er ist in Arabien

/ vor

/|P_218

/vor noch nicht 200 Iahren durch einen Zufall entdekt worden
von einem Menschen der da fand, daß die Kerne von den Nüßen des
Baums den Schlaf vertrieben, wenn sie geröstet wurden. Dieses
kahm ihm nun sehr zu statten, weil er die Nacht über bei der
Heerde wachen muste. Der Caffe ist ein wahres Gift, weil der
Körper nicht ein Partikelchen davon bei sich behalten kann,
sondern vielmehr alle Kräfte anstrengen muß ihn fort zu
schaffen, wobei denn freilich auch einige unnütze Dinge mit fort-
geschafft werden. In so ferne kann also der Caffe wol als eine
Medicin die Fiebern des Cörpers in Bewegung zu bringen«,»
gebraucht werden, nie aber zu einem alltäglichen Getränke
weil alle gebrannte Oehle durchaus den Körper nicht zur
geringsten Nahrung dienen. Die blauen Caffebohnen sind
unreif, die weißen aber reif.

/ ≥ §_111.

/Gewürzbäume

/Der Negeleinbaum ist wie ein Birnbaum, die Negelein sind
seine Frucht. Das Negelein (Nicht Nelken) hat davon seinen Namen,
weil es wie ein Nagel aussieht. Der Muscatenbaum ist einem
Apfelbaum ähnlich. Diejenigen Nüße welche von einem
Vogel, den man Nußeßer nennt, heruntergeschlukt
worden, und wieder von ihm gegangen werden hochgeschätzt.
Die MuscatenBlüte ein sehr penetrantes Gewürze, welches
in den heißen Ländern am heilsamsten zu seyn scheint,
ist eigentlich keine Blüte, sondern eine bastige Substanz,
die auf der runzlichten Rinde des Muscatenbaums ange-
troffen wird. Beide Bäume sind nur auf der Insel Amboina
und Banda anzutreffen, auf den übrigen Moluken werden
sie ausgerottet. Die Rinde von dem Caneel oder Zimmetbaum

/ auf

/|P_219

/auf der Insel Ceilon, wird abgeschält und gibt den Caneel.
Die Frucht hat nicht viel wohlriechendes Oehl, aber viel Fettig-
keit. Wenige Tropfen davon auf die Zunge geträufelt brin-
gen den Krebs zuwege. Die dienlichsten und gesundesten Ge-
würze die wir haben und gestoßen werden können, sind
Pfeffer und Ingwer. Der weiße Caneel ist von der Küste
Malabar.

/ ≥ §_112.

/Andere Merkwürdigkeiten der Bäume. ≤

/In der östlichen Tartarei nemlich der Molukischen und Kalmu-
kischen sind fast gar keine Bäume anzutreffen, sondern
bloß elende Sträuche, daher auch hier die Tartarn mehrentheils
in Zelten wohnen. Der Mandelbaum wächst aus den Wurzeln
in die Höhe, biegt sich denn krum, wächst wieder in die
Erde, fast daselbst Wurzel und wächst wieder in die Höhe
und das immer so weiter. Der Bamiambas oder Bananen-
Baum in Indostan welcher daselbst auch sehr hoch geschätzet
wird, läst von seinen Aesten gleichsam Strike oder zähe Zweige
herabsinken, die wieder in der Erde Wurzel faßen, und dadurch
öfters eine Gegend so bewachsen ist daß man kaum durch-
kommen kann. Wenn er am Waßer wächst, treibet er sich
bis ins Waßer, da sich denn die Aeste an ih«m»n hängen. Es ist eine
Art Holz oder Buschwerk, welches an einigen Orten Italiens
wächst und nach Vitruvii Bericht weder zum Brennen noch
zum schmelzen selbst im foco des Brennspiegels kann gebracht
werden. Es hat das Ansehen eines Eichholzes aber noch etwas weicher,
sieht röthlich aus, läst sich leicht schneiden und brechen und sinkt
im Waßer unter. Vitruvius nennt es Ladix. Man hat es auch

/ bei

/|P_220

/bei Sewilla in Andalusien gefunden, und ist von Asbest zu
unterscheiden. Im Kauen findet man weder etwas Sand
noch mineralisches drinne. Ein Baum in Hispaniola ist so
giftig, daß in seinem Schatten zu schlafen tödlich ist, die Aepfel
die er trägt sind ein starkes Gift und die Caranen benetzen
ihre Pfeile damit. Die Calabasch_Bäume in Africa und
Indien tragen eine Frucht, die wie eine Bologneser Flasche
aussieht und von einander geschnitten gute Kochlöffel und nach
Wegnehmung des Anis gut Geschirr abgibt. Die Aaraknuß
wächst traubenförmig wie die Pistacien und Datteln und wird
zu der Betel welche die Indianer beständig tragen, gebraucht.
Krähenaugen sind Körner welche auf der Insel Ceilon in einer
Pomeranzen ähnlichen Frucht liegen und alles was blind ge-
boren ist tödten. Aus de«m»n Beerlein der Eichelnistel wird der
Vogelleim gemacht. Der Babao_Baum in Africa wird
für den ältesten Baum in der Welt gehalten und hat in
seinem Durchschnitt bis 24 Fuß. Innerhalb diesem Baum kann
man eine Stube mit einem Kämmerchen anlegen. (Siehe
Laury Natur-Merkwürdigkeiten) Galg welches lange in Alaun-
Waßer gelegen hat verbrennet nicht. Unter die Giftbäume
mag vielleicht auch unser welche Nußbaum gehören, viele
behaupten daß es sehr schädlich sei unter denselben zu sitzen,
oder zu schlafen. Aus dem Gewächse Worora wird ein besonderes
Gift gemacht, welches die Indianer über Feuer einducken und
damit ihre Pfeile benetzen. Das Wild welches davon getroffen
wird, wird sehr geschwinde faul, und das Blut sehr
geschwinde aufgelöst.

/ Zweites

/|P_221

/ ≥ Zweites Capitel
/Von andern Gewächsen und Pflanzen

/ §_113.

/Der Thee

/Der Thee wird blos in China und Iapan angetroffen, und hat Blätter
wie Kirschen. Diese werden aber auf unterschiedene Art zube-
reitet und getroknet. Daher ist es auch noch gar nicht ausgemacht,
ob grüner Thee und Theebou zweierlei Pflanzen sind. Es sagen
vielmehr einige, daß sie nur darin von einander unterschieden
sind, daß iener eine frühere dieses aber eine spätere Art Thee
wäre oder noch andre, daß der Thee auf Kupfer_Platten,
der Theebou aber auf Eisen getroknet würde. Wenn der Thee
mit Kupfertheilen angefüllet ist und folglich auch Grünspan
in sich enthält, so bringt er sehr leicht das vomiren zu wege, denn
alles aufgelöste Kupfer hat diese Eigenschaft an sich.

/ ≥ §_114.

/Kriechende Gewürzpflanzen. ≤

/Der Pfeffer steigt als eine kriechende Pflanze an Stangen oder
Bäumen bis 18 Fuß in die Höhe. Er wächst wie Iohannisbeeren,
und ist in der Insel Sumatra und andern ostindischen Gegen-
den vornemlich anzutreffen. Der lange Pfeffer wächst auf
einem Strauch und ist theurer. Der weiße ist nicht natürlich
sondern im Meereswaßer gebeitzt und an der Sonne getroknet.
Cubeben sind gleichfalls auf Iawa und den Moluken, seine
Frucht wächst in Trauben. Cordamon hat eine Staude wie Rohr.
Betel ist das Blatt von einem kriechenden Gewächse, welches
mit Kiung oder der Aaraknuß und ungelöschtem Kalk von
ausgebrannten Nußschalen von allen Indianern beständig gekaut wird.

/ Es

/|P_222

/Es hat dieses Lekerbißen einen zusammenziehenden Geschmak,
färbt den Speichel roth und die Zähne schwarz oder schwarzbraun.
In Peru braucht man dieses Blatt mit ein Bischen Erde
zum Kauen. Vanille ist eine kriechende Pflanze wie die vorigen
und wächst in Neu-Mexico und Hispanola. Die Wilden in
Mexico halten ihren Baum geheim. Er wächst auf unersteiglichen
Bergen. Er braucht nicht in die Erde gepflanzt sondern nur
an einen Baum gebunden zu werden aus dem er Saft
zieht und denn auch Wurzeln in die Erde treibt. Die Vanillen¥
Sorte ist voll eines balsamischen und diken Safts, worin kleine
Körnchen steken und ist ein vortrefliches Ingredienz der
Chocolade.

/ ≥ §_115.

/Das Rohr

/Das so genannte Spanische Rohr kommt aus den Philippinischen
Inseln. Das BambusRohr ist vornemlich merkwürdig, welches
eins der nützlichsten Gewächse in Indien ist. Er wächst so hoch
wie die höchsten Bäume und hat einen eßbaren Kern. Wenn
er jung ist, so wird er ungespalten zu Sänften_Stangen,
zu Posten pp gespalten zu Brettern und Diehlen pp
gebraucht. Die Haut die ihn innwendig umkleidet, braucht
man zu Papier. In Peru ist eine Art Bambus, die
1_1/2 Fuß im Diameter und 1_1/2 Zoll in der Dike der Rinde
hat. Er ist im Vollmonde voll Waßer, im Neumonde
aber ist wenig oder nichts darin. Zukerrohr ist nunmehr
in beiden Indien und Africa anzutreffen. Anfänglich
war das Zukerrohr, welches mit einer schwammigten Substanz,

/ so wie

/|P_223

/so wie die Linsen angefüllt ist, nur allein in Abyßinien an-
zutreffen, ist aber von da nach unterschiednen Gegenden
besonders nach America verpflanzt worden. Sobald dasselbe
reif ist, so wird es in Mühlen gebracht, wo es zwischen 2 Walzen
gepreßt wird und der Saft alsdenn in Gefäße herabläuft.
Aus diesem haben die Europäer zuerst Zuker gemacht, dieses
so nützliche Lekerwerk, welches unserer Natur völlig gemäß
zu seyn scheint, wie man denn auch aus Frauenmilch Zuker mache kann.
Aus dem Schaume des kochenden Zukers wird Mosquobade gemacht,
sie wird in Hüte zu uns gebracht und hernach gestoßen,
sie wird mit Ochsenblut oder Eier_weiß gemacht. Um dem Zuker
die Säure zu benehmen braucht man den Kalk, welcher ihn
eben gesund macht, eigentlich aber in Syrup bleibt. Wenn
der Zuker nicht mit Kalk gut raffinirt ist, so hat er nicht die
gehörige Causticität sondern noch zu viel Acidum,
folglich auch nicht die Eigenschaft den Schleim und die Feuch-
tigkeit im Menschen aufzulösen. Aus St_Domingo wird auch
ein gewißer feiner Zuker gebracht, welcher ganz weiß
und wie bei uns der Puderzuker ist, nur mit dem Unterschiede,
daß jener schon in der Insel selbst fein gemacht, dieser aber erst
bei uns klein gestoßen wird.

/ ≥ §_116.

/Ananas

/Die schöne americanische Frucht, wächst ohngefehr auf solchem
Stamm wie die Artischoken. Sie hat die Figur eines Tamen-
zapfens, und die Größe«n» einer Melone. Der Geruch derselben
ist fürtreflich, und der Geschmak nach allerlei Gewürz.

/ §

/|P_224

/ ≥ §_117.

/Wurzeln

/Rhabarber kommt aus China und der dahin gehörigen Tartarei.
Chinawurzel ist ein öffnendes und blutreinigendes Mittel.
Man bringt sie auch eingemacht nach Europa. Die Wurzel Ginzing
ist das am höchsten geschätzte Medicament in China, zu deßen
Aufsuchung sich sehr viel 100 Tartarn in der Chinesischen Tartarei
die gröste Mühe geben. Es soll graue Hare in schwarze verwan-
deln, man schneidet kleine Stüke und gießt kochend Waßer darauf.
Es begeistert den Menschen mit neuem Leben, und in gar zu
starker Dosin genommen bringt es hitzige Krankheiten oder
wohl gar Raserei zuwege. Eine gewiße Art Ziegen soll das
Kraut derselben lieben, ihr Blut wird dahero für sehr
gesund gehalten. Ingwer ist an der Malabarischen Küste am
besten. Die Trüffel ist ein Gewächs ohne Kraut und ohne
Wurzel, sonst aber so rund wie eine Kartoffel, und wird
in dem südlichen Theile von Deutschland gefunden. Die Kartoffeln
sind dem Lande überhaupt lange nicht so gesund und nützlich
als das Getreide, welches immer die allerbeste und nahrhafteste
Pflanze ist, dadurch die Menschen ihre gröste Macht über den Boden
ausbreiten. In Südamerica ist ein Hauptnahrungsmittel der
Monoik, eine knolligte Substanz, die an und für sich selbst giftig
ist, wenn sie aber ausgepreßt wird, vielmehr zur Gesundheit
dienet. Durrha, eine Art Hürse, wovon die Araber, Mungalen
und die am Guinea_Fluß leben, wird auch kleiner
türkischer Weitzen genannt. Gewächse deren Saft
milchfarbigt ist, sind gemeinhin giftig.

/ §

/|P_225

/ ≥ §_118

/Andere Merkwürdigkeiten der Pflanzen

/Die Pflantze Hilthot oder Hingisch in Persien gibt den assam foeti-
dam oder Teufelsdrek. Man schneidet ein Scheibchen von der
Wurzel ab und nimmt den ausgeschwitzten Saft weg, und so
alle Tage ein Scheibchen. Man braucht ihn in vielen Theilen Indiens
in die Speisen. Das Brod muß gar darnach schmeken und alle
Straßen darnach riechen. Es ist ihr angenehmster Geruch.
Das Opium, welches dem Menschen zu großen Schaden gereicht
ist sehr häufig in Persien und gantz Indien, es wird von einer
gewißen Art Mohn genommen, deren Köpfe ins Kreutz ein-
geritzet werden, da denn der dike Saft herausquillt. Die
Arbeiter werden bei dieser Arbeit schwindlicht. Der Opium
muntert zwar anfänglich das Gemüth auf und bringt eine
träumerische Glükseligkeit hervor, läst aber eine gänzliche
Ermattung und Dummheit zurük, und verkürzet das Leben.
Wirkungen des Opii. Ein Clystir, darin 6 Unzen rohen Opium
gethan werden vertreibt die rothe Ruhr. Bang ist eine Art
Hanf, deßen Blätter ausgepreßt werden, und deren Saft von
den Indianern statt des opii gebraucht wird. Die kleine Bohne
von Carthagena oder die IgnatiusBohne in America. Wenn
man davon etwas weniges des Morgens und eine lange Zeit
darnach nichts genüßt, so schadet alsdenn dem Menschen den
ganzen Tag über kein Gift. Sie ist von der besondern Art,
daß ein wenig davon gegeßen den giftigen Schlangen einen Scheu
vor dem Menschen verursacht. Es scheinen sich die Schlangenbeschwörer
derselben zu bedienen. Die empfindliche Pflanze (planta sensitiva)
läst wenn sie berührt wird, ihre Zweige und Laub fallen,

/ als

/|P_226

/als wenn sie Empfindung hätte. Die Beguicken sind hölzerne
Strike, welche auf einer Art Weiden in America wachsen,
und welche die Indianer, so wie wir unsre Hanfstrike gebrauchen.
In Lima rauchen die Dames jederzeit Tobak und zwar ohne
Pfeife, indem sie das <eine> Ende von der Stange Tobak im Munde halten,
das andre aber ansteken. Der Spanische Tobak oder Sewillen-
Tobak bestehet aus einer Mischung von Erde aus Armenien, die
nach Sewilla gebracht und mit einem Gewächs vermenget wird.
Das fliegenfangende Blat (dionea muscipula) wächst in
America, so bald sich eine Fliege auf seine rothe Warzen setzt,
so zieht es sich zusammen und fängt selbige auf diese Art, daher
es auch seinen Namen hat.

/In Batawia hat man theils zur Bedienung theils zur Leibwache
die Macassaren, welche oft eine Pfeife Tobak rauchen, der mit
einem im Waßer aufgelösten opio angefüllet ist, wovon
sie sodann ganz toll werden, dergestalt, daß sie auf nichts
als Morden ausgehen. Daher ist auch daselbst eine praemie darauf
gesetzt, wenn man einen solchen Menschen tod schießt: noch beßer
ist es für den, der ihn lebendig fängt, wo sodenn derselbe auf
eine erstaunliche Art gemartert wird. Die B<o>ranez, oder das
Scytische Lamm ist ein lebendiges Thier, welches auf einem
Stamm wächst und weiter nichts als eine schwammigte wolligte
Substanz ist, so wie Pierra funietra oder der Schwammtragende
Stein, nichts anders als ein poröser Stein ist.

/Die Wanderung der Pflanzen, oder die Fortpflanzung derselben
aus einem Lande in ein anderes wird bewerkstelliget.

/1. Durch die See, welche die unterschiedne Palm- und Cocosbäume,
von einer Küste bis zur andern fortpflanzt.
/ §

/|P_227

/2. Durch die Winde. Denn man hat gefunden, daß Länder aus welchen
die Winde bis in ein anders wehen können auch eben dieselbe
Pflanzen haben.

/3. Durch die Flüße, so bringt zE. der Memelstrom mancherlei fremde
Pflanzen aus südlichen Ländern nach Tilsit hin.

/Die Kirschen«bäume» kommen aus Cerasund am schwarzen Meer,
die Apricosen aus Epirus und die Pfirsichen aus Persien,
sind aber aus dasigen Gegenden auch bei uns verpflanzet worden.

/ ≥ §_119.

/Die Weine

/Die Weine verändern sich sehr stark, wenn sie in andre Länder ver-
pflanzt werden. Der Canariensect hat seinen Ursprung
aus Rheinwein, imgleichen Maderawein ist von Candia hinge-
pflanzt worden. In der Zona torrida sind keine Weine. Man macht
daselbst starkes Getränke aus Reis und die Americaner aus
Maysch. Der Reis bedarf wenn er gerathen soll, großer Näße
und einer starken Ueberschwemmung der Felder. Maysch oder
Türkischer Weitzen wächst wie Rohr wohl 10 Fuß hoch. Aus den
Färbeblättern in der Anil und deßen geritzten Blättern
wird Indigo gepreßt. Der Petra hongifera in Neapolis ist eine
Maße wie ein Stein, eigentlich aber eine aus verwikelten
gefärbten Wurzeln und Erde bestehende Massa, worin Pfeffer¥
Same ist, dieser ist ungemein subtil und doch sehr häufig darinnen.
Man kann davon Pfeiffen haben wenn man will. Man darf
nur warm Waßer darauf gießen, so werden die Morcheln in 6 Tagen
reif. Sie werden auch ziemlich groß. Zuletzt gedenke ich noch
der Fabel von der Palingenesie der Pflanzen, wovon Kircher Erwähnung
gethan hat. Zu den Zeiten da die @Chimie@ anfing zu blühen,

/ und

/|P_228

/und man allerlei curiosa chymica experimenta machte, kam
diese Meinung auf. Anlaß dazu gab die Vegetation, nach-
ahmende Concretion, und Cristallisation der Salze. Das in cham-
pagner und Bourgogner Wein aufgelöste Sal_amoniacum stellt
Weintrauben vor. Es thut dieses aber auch im Waßer. Der Arbor
Dianae wird gemacht, wenn Mercurius in Scheidewaßer,
und denn auch Silber besonders in Scheidewasser aufgelöst wird,
darauf diese Solutiones vermenget und bis 1/3 in gelindem
Feuer eingetroknet werden, da sie denn einen Baum mit Stamm¥
Aeste und Zweige vorstellen. Der Boranez oder Scytischer
Baum ist ein schwammigtes Gewächs um Astracan, wovon
Keysler der es in Dresden gesehen hat, sagt: es nehme alle Figuren
an. Weil es nun auch in die Form eines Baumes gedrukt worden,
so haben ungelehrte geglaubt, es wachse wie ein Baum.
Es ist also falsch daß er das Gras um sich her abfreße und daß
die Wölfe ihm nachstellen.

/ ≥ Viertes Hauptstük.
/Das Mineralreich
/Erstes Capitel
/Von den Metallen.

/ §_120.

/Vom Gold

/Das Gold wird in Peru und andern Theilen von America
häufig entweder gegraben, oder aus der Erde, welche von
Gießbächen, die aus dem Gebürge herabstürzen eingefreßen worden
gewaschen. Das Gold scheint nächst dem Eisen das häufigste Metall
auf der Erde zu seyn so daß kein Seesand ohne Gold seyn soll.
Viele Flüße vornemlich der in Guinea, geben nach starkem

/ Regen

/|P_229

/Regen Goldstaub. Denn der Regen wäschet den Goldstaub durch
sein Durchseigen aus den Gebürgen, und führt ihn nebst dem
übrigen Schlamm in die Flüße. Wenn man es mit Qveksilber aus dem
Sande, damit es vermischet worden, gewaschen hat, so sondert man
es ab, indem man das Amalgoma durch Ochsenleder drukt.
In Europa hat das Bannat, und Siebenbürgen am meisten Gold.
In Asien gibt es auch nicht viele Goldbergwerke. In Africa
ist viel Flußgold, besonders gibt es in einem gewißen Lande am
Senegal, wo die Europäer nicht hinkommen dürfen, sehr viel
Waschgold, welches die Einwohner an die Engländer verkaufen.
In America hingegen sind die Goldbergwerke sehr häufig und
reichhaltig, besonders in Brasilien, wo die Goldminen jährlich
wol auf 10 Millionen Piaster gibt und nächst diesem Lande auch in
Mexico. Die Platina del pinto ist ein weißes aber schwerflü-
ßiges Gold, und noch sehr unbekannt. Das Gold ist @18@_mal
schwerer als das Waßer, Platina aber 21_mal schwerer.

Die goldene Körnlein in den Weintrauben die man vorgibt
in Ungarn gefunden zu haben, sind Körner mit einem gold-
gelben Saft überzogen. Imgleichen das in Wien gezeigte an
einer Weintraube gewachsenes Gold. Ungarn ist reich an Gold- 
und Silberbergwerken. In Cremnitz und Chemnitz ist das beste.
Der Preiß des Goldes zum Silber <ist> itzt wie 15_:_1 und in China
wie 12_:_1. ein %Pfund Gold kostet 134 @%Ducaten@. Das Gold ist immer mit
Silber oder etwas Kupfer vermischt, welches aber durch chimische
Kunst abgesondert werden kann. Ein Mad Gold ist so viel als 1/2 %Pfund
und hält 24 Caraht. Das Lovis_d'or Gold hält nur 22 Carat Gold

/ und

/|P_230

/und 2 Carat anderes Metall. Die Ducaten hingegen halten
23_1/2 Carat Gold, und die Zechinen in Italien besonders in Vene-
dig sind 23_7/8 Carat fein. 24 caratisches Gold kann einzig
und allein durch Kunst nemlich durch die Chymie gemacht werden.

/ ≥ §_121.

/Vom Silber

/Silber ist an vielen Orten der Welt. In den Bergwerken Potosi,
oder am de_la_Plata_Fluß in Südamerica ist es am häufigsten
anzutreffen. Man findt daselbst Klumpen Silber_Erz so als wenn
es ausgeschmolzen wäre. Man findet hier auch Gebeine von
Indianern, die vor vielen Iahren verstorben und darauf mit
Silber durchwachsen sind. Die Spanischen Silberbergwerke in
Peru und Neu_Mexico sind sehr reichhaltig. Nächst den Berg-
werken in America, sind die in Sachsen dem Erzgebürge
und dem Harzberge an Silber die reichhaltigsten. In Asien
ist fast gar kein Silber, daher ist in China ein so großer Ge-
winst bei Umsetzung des Silbers gegen Gold, denn da sich hier
das Gold gegen Silber wie 14_:_1 verhält, so verhält es sich dorten
wie 11_:_1. Die Feinheit des Silbers wird nach Loth geschätzt.
Das Silber heißt 16_löthig, wenn wenn unter 16 Loth oder 1/2 %Pfund nur 15 Loth
Silber sind, u.s.w. Diese Feinheit muß dem Silber erst gegeben
werden, denn in der Natur ist das Silber allemal mit Kupfer
vermischt.

/ ≥ §_122.

/Vom Kupfer

/Das Kupfer wird entweder aus Erz oder aus Cämentwaßer
gemacht. Das Peruanische Kupferbergwerk ist eines der be-
rühmtesten. In Europa wird gutes Kupfer, in Schweden inson-
derheit im Fallunschen Kupferbergwerk noch beßeres, am be-
sten aber in Asien in Iapan angetroffen, es wird daselbst in

/ Stangen

/|P_231

/Stangen, so wie das Siegellak gezogen. Das Cämentwaßer ist
Kupfer in Vitriolwaßer aufgelößt, woraus das Kupfer durch
praecipitation gezogen wird, wie bei Neusol in Ungarn. Meßing
wird aus Kupfer mit Galmey vermischt gemacht. Gallmey wird
in Polen sehr häufig gefunden, und ist nichts anders als ein Mineral
von Zink, welches mit Kupfer vermischt das Prinzmetall macht.
In Engelland und Mulacca sind die besten Sorten Tentenni. In
China und den anliegenden Gegenden ist eine Art von weißem
Kupfer, welches aber mit Gallmey versetzet worden, wodurch
es ziehbarer wird. Man macht davon die Tuctenac_Dosen.
Das Korinthische Erzt war wohl nichts anders als Meßing-Zinn,
welches immer Arsenic in sich enthält und wird am meisten
in England angetroffen. Die Engländer machen ihr Zinn sehr dünn,
weiß und klingend. Eine Probe von feinem Zinn ist, daß es
zwischen den Zähnen knistert. Bei uns ist alles Zinn immer mit
Blei vermischt. Daher taugt es auch gar nicht zu Speisegeschirren,
eben so wenig als die glaßirte Teller, worinnen auch sehr viel Blei ist.

/ ≥ §_123

/Vom Eisen. ≤

/Es ist allenthalben, nur ist an einem Orte ein Eisenstein reichhal-
tiger als am andern. Eisenerzt wird nicht eher vom Magnet
angezogen als bis es durch die Hitze des Ofens gegangen. Man
hat Sumpf- und Modererzte, woraus man Eisen schmelzen
kann, aber auch viele Eisensteine. Die Schweden versorgen
wol itzt ganz Europa mit Stangeneisen. Das Gußeisen wird
zu Bomben, Kugeln u.d.gl. gebraucht. Man findet in allen Pflanzen,
im Holz, ja so gar im menschlichen Blute, im Fleisch, Knochen pp Eisen-
theilchen. Die Einwohner von Peru wusten vor Ankunft der

/ Spanier

/|P_232

/Spanier nichts vom Eisen, und machten Beile pp. aus Kupfer. In
Africa am Senegal und Guinea ist der meiste Handel der Euro-
päer mit Eisenstangen, und der Werth eines Negers wird nach
Eisenstangen gerechnet. Die Natur selbst bringt keinen Stahl hervor,
sondern es wird derselbe aus Eisen verfertigt, indem man in einen
Kohlenstoß Stangen Eisen hineinsetzt, wo alsdenn das phlogiston
der Kohlen ins Eisen dringt und den Stahl macht. Es ist also der Stahl
ein phlogisticirtes Eisen, in Steyermark hat wohl das schönste
Eisen zu Stahl.

/ ≥ §_124.

/Vom Queksilber

/In den Bergwerken von Hydrien und Friaul, wie auch in Spanien
in Almados ist es am häufigsten und wird bisweilen ganz rein
geschöpft. In America gibt es noch ein großes Qveksilberbergwerk
in Peru. 1 Pfund solches Queksilber kostet etwa 2 %Reichsthaler und hat
großen Nutzen in Auflösung anderer Metalle. Das Queksilber
stekt am meisten im Zinnober, es gehöret eigentlich zu den Halb-
metallen. Die Bergleute in Hydrien bekommen ein starkes Zittern,
und einen großen Durst, wenn sie an den Tag gebracht werden;
so schlagen aus ihrem Leibe Kügelchen Qveksilber aus. Die
Ratzen und Mäuse bekommen hier conulsiones und sterben. Einige Arbeiter
sind davon so durchdrungen, daß eine kupferne Müntze in ihrem
Munde weiß wird, oder wenn sie sie mit Fingern reiben.
Das Queksilber wird in Weitzenkley vor den Ausdünstungen
bewahrt.

/ ≥ §_125.

/Vom Antimonio oder Spießglas. ≤

/Der Name Antimonium kommt her vom französischen Wort Anti - δLücke
weil die Mönche die gerne fett werden wollten, welches sie an den
Schweinen gefunden hatten, solches fraßen und alle davon crepirten.
Es ist schwärzlich und sieht wie Bley aus, dabei ist es spröde und die
daraus verfertigte Flintenkugeln sind giftig.

/ § ~

/|P_232R δZ_26

/δRechnung: 8/346, 4 ¿

/ 12

/ ¿6 ~

/|P_233

/ ≥ §_126.

/Noch von einigen Metallen.

/Vismouth ist sehr spröde und gelblich. Zink ist weißlicht blau und eine
Art Bleyerz, aber härter, setzt sich an die Goslarische Schmelzofen
beim Schmelzen des Bleyerztes, wo es häufig abgekratzt wird.
Galmey gehöret zu einer Gattung Zink. Arsenik ist halb Metall
halb Salz, denn er löst sich vollkommen im Waßer auf. Der
Kobold und operment sind Arten davon.

/ ≥ §_127.

/Brennbare Mineralien und andre flüßige brennbare gegrabene Wesen. ≤

/1. Naphta ist weiß, zieht die Flamme an, und quillt bei Bagdad
und Baru in Persien, wie auch in Italien aus der Erde. Im
ganzen Mineralreich scheinen alle brennliche Materien sich auf
das Naphta zu beziehen.

/2 Petroleum BergOehl, Steinoel ist röthlich oder dunkelfarb, es ist nichts
anders als ein verunreinigtes Naphta und zieht die Flammen
nicht an, es stinkt sehr wenn es angezündet wird. Naphta ist
das Feinste, Petroleum ist gröber, ist es noch gröber, so heist es
Bergtheer und ist es mit Erde vermischt so sind es Steinkohlen. Der
Bernstein ist auch ein Bitumen. Alle Bitumina scheinen erst
Gewächsarten gewesen zu seyn. Das Wallrod ist nichts anders
als das Gehirn vom Pottfisch.

/3 Bergtheer ist dem vorigen sehr ähnlich, aber diker und klebrigter, es
stinkt sehr und wird daher auch Teufelsdrek genannt.

/4 Der Brennstein scheint aus gehärtetem Naphta oder Steinoehl
entstanden zu seyn. Keysler berichtet, daß in Italien an den
Orten wo Brennstein gegraben wird, auch Petroleum
quillt. Das Meersalz mag seine Verhärtung gewirkt haben.
Imgleichen eine zarte Erde.

/ 5

/|P_234

/5. Ambra ist erst flüßig gewesen und wird auch öfters so aus dem
See gefischt, vornemlich an den Chinesischen und Iapanischen Küsten;
allein in dem Magen des Wallfisches wird er hart gefunden.
Der graue Ambra ist der schönste und wird mit Reismehl vermengt.

/6 Gagath ist ein schwarzer Brennstein und läst sich schön poliren,
schwimmt aber auf dem Waßer, und ist in Cornwallis in England,
wie auch im Würtenbergischen zu finden.

/7. Erdpech, Judenpech oder Asphalt scheint ein verhärteter Erdtheer
zu seyn, ist im Meerwaßer vornemlich im todten Meer aufgelöst.

/8. Steinkohlen, werden fälschlich für Holz das mit Petroleum durchdrungen
gehalten, obgleich es hin und wieder anzutreffen ist; Es sind vielmehr
Schiefer, die mit Steinoel, Erde pp durchdrungen sind. Bei Newcastle
in England, sind sie am häufigsten, imgleichen fast an allen
Orten dieses Landes. Der Gagath ist von ihnen nur darin
unterschieden, daß er anstatt einer steinigten Substanz eine
steinigte Erde zur basin hat.

/9. Der Schwefel ist eine Vermischung von 14 Theilen Vitriolsäure
und 1 Theil brennenden Wesens, er wird am meisten aus Schwe-
fel_Kiesel genommen. Man findet auch gewachsenen reinen
Schwefel bei feuerspeienden Bergen. Der Schwefelkies bei den
Alten Pyrites genannt ist eisenhaltig, hart und schlägt mit dem
Stahl Feuer. Wenn dieser Kies auswittert, so schlägt der Schwefel aus.

/ ≥ Zweytes Capitel
/Von andern Mineralien

/ §_128.

/Vom Salz

/Es gibt entweder saure oder alcaische Salze, aber auch solche die
aus allen beiden zusammen gesetzt sind. Zu den ersten gehört der
Vitriol, der entweder Kupferhaltig, welcher blau ist, oder

/ eisen

/|P_235

/eisenhaltig, welcher grün ist. Alaun hält auch außer der Vitriol-
säure noch eine Mergelerde in sich. In Solphatra wird Vitriol
und Alaun gekocht und zwar in bleiernen Kesseln, oder durch
bloße Hitze der Erde. Das Mineralische und alcaische Salz wird
sehr selten gefunden. Das Sal amoniacum (Salmiac) ist nicht
aus dem Mineralreich, sondern weil wenig Salz in Egypten ist,
so brennt man getrokneten Mist von Thieren mit untergemengtem
Stroh. Aus dem Ruß davon, mit dazu gemengtem Küchensalz
wird das Sal amoniacum praeparirt. Man macht es auch in Solphatra.
Mittelsalze sind eigentlich Küchensalze, und werden entweder
aus dem Meersalze, oder den Salzquellen oder aus den Salzberg-
werken genommen. Das gediegene Salz in den Bergwerken ist an
vielen Orten der Erde anzutreffen. Der Salpeter hängt sich an
die Mauren nicht von selber, sondern das alcaische Salz wird dazu
gesetzt. Daher Mauern wo der Salpeter anschießen soll, mit alcai-
schem Salz müßen durchdrungen werden.

/Alle Steine sind ehedeßen flüßig gewesen, denn man findet nicht
nur in harten Felsen Dinge von fremder Art, sondern selbst im
Crystall in einigen Naturalcabinet«t»en Büschel von Rehharen,
einen Tropfen Waßer und andere Dinge mehr. Man sieht auch
Tropfsteine entstehen. Einige subtile Theile und irdische und einiges
mit salzigtem Wesen angefülltes Waßer können einen Steinsaft
abgeben, der gebrochenen Steine wieder zusammen leimt.
Wenn dieser Steinsaft mit vielen Salzpartikelchen angefüllt ist,
so macht er Crystalle oder allerlei Gattungen von Drissenn,
welches ekigt zusammengewachsene Steine sind. Nachdem der Stein-
saft sehr versteinert und mit mineralischen Theilen angefüllt ist,
so können auch Edelgesteine daraus erzeugt werden.

/ Man

/|P_236

/Man weiß, daß noch anietzt in Kalkklumpen sich Feuersteine er-
zeugen, so daß die Versteinerung nach und nach von innen anfängt.
Auf diese Weise hat erstlich ein salzigt Waßer den subtilen Erden-
schlamm geklumpft, hernach aber durch Vermehrung der Salz-
partikelchen nach und nach in Kiesel verwandelt.

/ ≥ §_129

/Von den Edelgesteinen

/Die Edelgesteine sind alle crystallisirt, welches ein genungsames
Zeichen ist, daß sie vorhero alle flüßig gewesen sind, und hernach
so wie das Salz in gewiße bestimmte Gestalten angeschoßen sind.
Die Edelgesteine müßen überhaupt den Pfeilen widerstehen
und an Glanz oder Durchsichtigkeit und an Farbe etwas vor-
zügliches haben. Die Edelcrystalle stehen nach Verhältniß ihrer
Härte«r» in folgender Ordnung: Diamant, Saphir, Topast,
Smaragd, Rubin, Ametist, Berill, Chrysolith, Granat, und Hyacinth.
Alle Edelgesteine laßen sich im Feuer erweichen, außer der
Diamant, welches der härteste unter allen ist, er wird im
Feuer nicht weich, sondern immer kleiner, bis er sich endlich
ganz verliert und in Staub auflöst, er kann nur in seinem
eigenen Pulver geschliffen werden, welches aschgrau ist, obgleich
sonst der Staub von allen Edelgesteinen weiß ist, und ist der
schwerste. Daß er sich in Boksblut auflöst ist eine Fabel.
Die Leute welche den Diamant suchen, verarmen iederzeit,
indem sie weiter nichts als 6 %Reichsthaler jährlich Lohn und denn Bohnen
zu eßen bekommen. Der Diamant ist 6ekigt und 8seitig.
Dieses ist seine bestimmte Figur, die bei einem ieden andern
Edelgesteine verschieden ist. Die Diamanten sind 2erlei Art,
entweder Brillante oder Rosensteine. Wenn ein Brillant gut soll
geschliffen seyn; so muß die Höhe der Krone gerade halb so viel in

/ sich

/|P_237

/sich enthalten als die Tiefe des Kastens, und 1/3 in der Krone 1/3 aber
im Kasten seyn. Die Krone des Brillants besteht aus lauter
δFigur und Rauten. Die Krone des Rosensteins aber aus lauter δFigur,
die Diksteine sind außer der Mode, und die Tafelsteine
sind nur etwas dünner. Ein Diamant von 1 Gran, wird 6 bis 10 %Reichsthaler
werth geschätzt, und der fernere Werth ist wie der Cubus des Gewichts
zE. einer von 18 Gran wird 600 %Reichsthaler gelten. Der Florentinische
Diamant wiegt 139_1/2 Carad, ein Carad aber ist 1/24 von einer
Mark. Ein vollkommen schöner Diamant, welcher ein Carad
d.i. ohngefehr 1/18 Theil eines holländischen Ducaten wiegt, gilt
zu itziger Zeit 8 Louisd'or, denn als er noch roh war, hat er 2
Carad gewogen, also auch schon 8 Lousd'or gekostet. Ein Carad
wiegt 4 Gran. Ein Carad von rohem Diamant kostet 2 Louisd'or,
ein roher Diamant von 3 Carad 18 Louisd'or. Der berühmteste
Diamant, den Pith [[Pitt]] an den herzoglichen Regenten von Frank-
reich verkaufte, wog 144 Carad. König August bot ihm dafür
80.000 %Reichsthaler. Der Herzog von Orlean aber gab ihm 300.000 %Reichsthaler.
Die abgeschliffene Stüke galten 36.000 %Reichsthaler. Die rußische Kai-
serin
hat einen Diamanten von der Größe eines Taubeneys
unter dem Adler ihres Scepters, er wiegt 779 Carad und
hat 600.000 Rubel gekostet, außer der jährlichen Pension von
6.000 %Reichsthaler die der Armenianische Kaufmann der ihn verkaufte
noch itzt dafür erhält, es ist aber kein Brillant sondern Rosenstein.
Im Mogulischen Schatz ist einer von 279_9/6 Carad und blos
diese 9/6 Kosten 1400 Livres mehr. Nadir-Schach nahm ihn aus
Delly %Anno 1739 weg. Die Diamanten sind in Ost- und Westindien
anzutreffen, am mehresten aber in dem galatischen Gebürge,

/ welches

/|P_238

/welches durch die Halbinsel diesseits des Ganges geht. Sie liegen
in einer Schichte von rothem und gelblichtem Sande wie die
Kiesel. Im Königreich Galconda ist neben den Diamanten-
schichten ein mineralisches Stratum, welches eisenhaltig
zu seyn scheint. In Visapar sind deren gleichfalls, und
überhaupt liegen die Diamanten in einer rothen Erde,
als ihrer Muttererde, so wie die Feuersteine und Kreide.
In Brasilien sind sie in neuern Zeiten und zwar sehr
häufig entdekt worden, sie wurden daselbst anfänglich
vor Kieselsteine gehalten. In Borneo werden die Diamanten
aus dem Waßer gewonnen. Der Diamant welcher von selbst
ins reine grüne zieht ist der Beste. Gerieben zieht der
Diamant Mastix an. Fast in einerlei Preiß mit dem
Diamanten steht der Rubin, der fast einerlei Farbe,
Schwere und Glanz mit ihm hat, nur roth und durchsichtig ist.
Ist er Scharlachroth so heist er Rubin, ist er goldgelb, so heist
er Hyacinth. Ist der Rubin hochroth so heist er Ballasrubin,
ist er aber Kirschroth so heißt er Schienel. Geht er über 3_1/2
oder 4 Carad in Ansehung des Gewichts, so ist er theurer als
der Diamant. Saphir ist ein hellbrauner Stein, durchsichtig und hart,
und in eben dem Werth wie die vorigen. Wenn der Saphir
ganz vollkommen <ist>, so geht er im Werth noch über den Diamant,
sonst aber gilt ein Saphir von 10 Carad gemeinhin «¿»60 Louisd'or.
Der Smaragd ist eigentlich ein americanischer Edelgestein aus
Brasilien, und war wohl vor <der> Entdekung von America nicht
bekannt, er ist hart erstlich grün. Nachdem er härter ist, nachdem
gilt er auch mehr im Preise. Das was man vor alten Zeiten
Smaragd hieß, war wohl nichts anders als der Chrysolith oder

/ wohl

/|P_239

/wol gar ein grüner Flußspaar. Denn in der Capelle von Loretto
wo alle Arten von Edelgesteinen sind, die man der Mutter Gottes [[Maria]]
gewidmet hat, gibt es doch keinen Smaragd darunter. Wahre
Smaragde gelten ohngefehr den 4ten Theil eines Diamants
von gleichem Gewicht. Im Kloster Rechena ist der große Smaragd
von Carl %Magnus. Er ist größer als ein Foliant, 2 Zoll dik und 28 %Pfund
schwer, jedes %Pfund wird 50.000 @%Florin@, und also der gantze Smaragd
eine Million und 40.000 @%Florin@ gerechnet. Der Amethist ist durch-
sichtig und violenblau, welches ins röthliche fällt. Wenn der
Amethist, der auch in Sachsen gefunden wird, so rein ist, daß
er in einen Ring gefaßt werden kann, so gilt er so viel als ein
Diamant. Den orientalischen Amethist hält man für den
seltesten unter allen Edelgesteinen. Der Topas ist entweder
goldgelb oder weißgelblicht, er ist so hart als die vorigen.
Der Sächsische Topas heist Schneckenstein. Türkis ist ein grünlicht
blauer Stein. Man findet ihn auch in Frankreich unter der
Gestalt eines Thierknochens, wo er durch Rösten seine Farbe be-
kommt. Der Opal ist von einer halbdurchsichtigen Milchfarbe, der
aber gegen das Licht allerhand Farben schießt. Der Chrysolith
ist durchsichtig, und goldfarbig, fällt seine Farbe ins grünliche,
so heißt er Chrysopas, fällt er ins Meergrüne so heist er Pergel.
Der Berill und Chrysolith sind darin unterschieden, daß jener
blaulicht grün dieser aber gelblicht grün ist. Der Granat ist
dunckel Kirschroth hell und durchsichtig und wird gemeiniglich
in octandrischer Gestalt in Böhmen gefunden. Wenn er in einem Ringe
gebraucht werden kann, so kommt er an Werth dem Smaragd gleich. Der Hya-
cinth sieht orangengelb aus und wird in Island roh in prismati-
scher Figur angetroffen.

/ §

/|P_240

/ ≥ §_130.

/Von den Halbedelgesteinen

/Sie sind nicht so hart als jene aber härter als die gemeine
Crystalle oder Bergcrystalle. Der Bergcrystall, woraus man
sogar Gefäße machen kann, ist völlig klar, zieht hell Wasser
und wird in den höchsten Gebürgen der Schweitz angetroffen.
Es gehört zu den Halbedelgesteinen der Carniol, welcher
sehr hart, roth und halb durchsichtig ist. Ist er fleischfarbigt so
heißt er Sarder. Der Agat ist vielfarbig bisweilen weiß und
scheint aus vielen Steinen zusammengeflochten zu seyn, denn man
sieht Striche bey ihm. Der Chalcedon ist vielfarbig und kaum
halb durchsichtig. Der Onyx ist ein Agat mit weißen und
schwarzen Streifen. Der Sardonix hat weiße oder gelbe Streifen
oder Punkte. Der Lapis laxoli ist blau, mit weißen Flecken
und mit Golde eingeschränkt, man macht daraus das Ultro_Maria
das so theuer als Gold ist. Der Opal gibt von verschiedenen
Seiten gesehen auch verschiedene Farben, der orientalische ist
so kostbar als der Diamant, sonst sieht er perl- oder milchfarbig
aus und läst aus seiner Mitte ein röthliches Feuer hervor-
schimmern, der beste kommt von Ceilon. Der Nierenstein, den die
Türken gebrauchen ist nichts weiter als ein grünlicher Spekstein.

/ ≥ §_241.

/Von der Mosaischen und Florentinischen Arbeit

/Opus Mosaicum wird aus Glasgüßen von verschiedner Farbe,
die in Tafeln gegoßen und in feine Stüke wie Nadeln
geschnitten werden, in einen Teich von calcerirtem Marmor,
Gummi, Eyer und Oehl zusammengesetzt, so daß Portraits
gleichsam daraus punktirt werden. In einem solchen von
2 Qvadratfuß sind 2.000.000 Stifte. Man polirt es hernach, wie

/ ein

/|P_241

/ein Spiegel. An einem Stük von 80 δQuadrat_Fuß bringen 8 Künstler 2
Iahre zu. In der Peters_Kirche zu Rom sind sie häufig. Florenti-
ner Arbeit wird auf dieselbe Art aus Edelgesteinen zusam-
mengesetzt.

/ ≥ §_132.

/ Andere Steinarten

/Marienglaß ist aus durchsichtigen öfters großen Blättern zu-
sammen gesetzt und schmelzt nicht im grösten Feuer. Iaspis
ist den Feuersteinen an Härte ähnlich aber nicht vielfarbig.
Der Asbest ist ein wäßerichter Stein, aus lauter Fasern zu-
sammengesetzt, der geklopft, gewaschen, und gesponnen werden
kann, daher komt die unverbrennliche Leinwand und Papiere.
Der Amynth ist eine Gattung davon, mit Graden und bieg-
samen Fasern. Der Marmor zerfällt im Feuer in Kalk, hat
entweder einerlei Farbe, oder ist gesprengt oder geädert.
Der Florentinerstein ist ein Marmor. Man brennt daraus
Gips. Der Andarz füllt die Risse der Felsen an und ist ohne
Zweifel aus einem, mit Salz imprignirten Waßer, das
Steintheile mit sich geführt hat, entstanden. Der Serpeankel-
stein ist flekigt und grünlicht im Grunde. Der Saphir ist
sehr hart und roth, aber mit Fleken granirt, hat aus bisweilen
andern Farben. Die grösten Gebürge bestehen aus GranitFelsen.
Der Alabaster ist ein Gipsstein oder ein Kalkstein mit
Vitriolsäure durchdrungen.

/ ≥ §_133.

/Noch einige andere Stein- und Erdarten. ≤

/Bimstein ist eine ausgebreitete Steinkohle, von der besten Art
der Pechkohlen, wird also in der Gegend der feuerspeienden Berge
am meisten gefunden. Der Mexicanische Steinschwamm, ist ein sehr

/ lok

/|P_242

/lokerer Stein und findet sich am mexicanischen Meerbusen an
den Felsen. Man läst das Waßer durch ihn durchseigen und gibt
vor daß es alsdenn sehr gesund sei, er wird sehr theuer bezalt.
Der Bologneserstein <ist> klein, weißgrau und wird in ver-
schiedenen Gegenden Italiens oft von der Größe einer welschen
Nuß gefunden. Durch die Calcination bekommt er die Ei-
genschaft am Tage Licht einzusaugen und im finstern
zu leuchten. Der Schein eines brennenden Lichts gibt ihm schon
Kraft aber nicht der Mond. Er hat einen schweflichten Geruch.
Balduin machte ihn bald nach aus englischer Kreide und
Spiritu Nitri. Man gräbt oft Steine aus, die nicht die
Natur, sondern Menschen gebildet haben, als steinerne
Aexte, Waßerpfeile, imgleichen in der Schweitz
eine ungemeine Menge steinerne Würfel mit ihren
Zeichen 1 bis 6 bezeichnet. Von den Erden sind zu merken,
die Siegelerde (terra sigillata) von Lehmans, Malta und
Anigma. Sie sind alle etwas fett, kleben etwas an der
Zunge, und werden bey Flekfiebern und Durchfall
gebraucht. Umbra ist eine braune Kreide aus Umbria,
oder Spoleto in Italien. Adlersteine heißen sonst auch
Klappersteine. Es gibt riechende Steine oder Violensteine,
imgleichen Müksteine. In der neuern Zeit ist ein Stein
von der besondern Eigenschaft entdekt worden, daß er die
Asche wie der Magnet das Eisen an sich zieht. Der Philtrir
und Bimstein haben ihre Erzeugung aus den Vulcanen, der
erstere wird in Neapel und Mexico gefunden, und gebraucht

/ um

/|P_243

/um trübes Waßer klar zu machen. Turmalein (Aschentrekker)
zieht wenn er erwärmet wird, allerlei leichte Sachen von
einer Seite an und stößt sie von der andern wieder von sich.
Er ist nur von einer Seite durchsichtig.

/ ≥ §_134.

/Von den Versteinerungen

/Das meiste Flußwaßer hat zarte versteinerte Theile
in sich. Der itzige Käiser [[Franz_I]] ließ einen Pfahl von der
Donaubrücke in Servien ausziehen, und man
fand, daß ob er gleich seit Trajans Zeiten gestan-
den, dennoch die Versteinerung kaum einen Finger
breit ins Holz gedrungen. Man würde durch der-
gleichen verglichene Beobachtungen etwas aufs Alter-
thum unseres Weltcörpers schließen können, wenn
alle Waßer eine versteinernde Kraft hätten. Die
Versteinerungen werden am häufigsten in Kalksteinen,
Marmor, Sandsteinen, Schiefer und Feuersteine ge-
funden. Man findet versteinerte Erdthiere oder ihre
Theile. Es ist ehedem in der Schweitz ein versteinertes
Schiff mit vielen Menschen aus dem Gebürge heraus-
gezogen worden. Man findet Geweihe von Hirschen, Ele-
phanten-Zähne pp in der Erde. Bisweilen aber Zähne von
großen Thieren, deren Originals uns unbekannt sind.
Man hat Vögelnester mit ihren Eyern versteinert ge-
funden, Schlangen, Kröten gleichfalls, versteinerte Seethiere.

/ Die

/|P_244

/Die Schlangenzungen otas sapetrae sind Zähne des Hey-
fisches. In den Kupferschiefern in Deutschland fin-
det man ganz neue Abdrüke von Fischen.
Man findet Zähne vom Wallroß. Die Ammons-
hörner sind versteinerte Nautili. Ich übergehe
die schaaligten Seethiere, davon man gemeinhin
viele Gattungen, unter den versteinerten Seethie-
ren findet. Versteinertes Holz ist gemein, ver-
steinerte Wurzel in einer mergelartigen Stein-
art heißen Beinbruch oder Osteocolo. Das seltenste
ist die Melone von dem Berge Libanon, da-
von man alle Körner-Fächer und Häute deutlich
darinnen sehen kann. Es sind auch Versteine-
rungen deren Ursprung uns unbekannt ist, als
die Donnerkeile, die nichts anders als ein
Petrefact aus dem Thierreich sind. Ferner
gehören auch dahin die Iudensteine, die wie
Oliwen aussehen. Buffoniten sind kleine halb-
runde halb braune Steine, welche einige
vor eine Art Zähne des Heyfisches
halten. Die Petrefacten geben uns noch

/ ge

/|P_245

/gewiße Ueberreste aus der Alten Welt. Nur
solche Dinge die von Natur hart sind werden
versteinert angetroffen.

/ ≥ §_135.

/Vom Ursprunge der
Mineralien

/Der Erdcörper in so weit wir in ihm durch Graben
gelangen können, besteht aus Stratis oder Schichten,
deren eine über die andre bald Horizontal, bald
nach einer oder der andern Gegend geneigt fort-
laufen, bisweilen hie und da unterbrochen sind. Diese
können nicht anders als in den großen Revolutio-
nen der algemeinen und oft wieder erneuerten
Ueberschwemmung durch den Absatz mancherlei Schlamms
erzeugt worden seyn. Das sich bildende Waßer
welches auch noch im Grunde des adriatischen Meeres
eine Steinschicht nach der andern bildet, hat ohne Zweifel
viele Mineralien und manche Gattung von Steinen
durch Zusammensetzung von verschiedener Materie
gemacht, welche in dem Schwefel, Kiesel, sauren Vitriol
Materien pp in der innern Erde vorgehen und durch
die Ausdämpfung der Arsenicanischen Materie der

/ sauren

/|P_246

/sauren und sulphurischen Dämpfe, und Zusammensetzung
mit einer subtilen metallischen Erde nach und nach in
den Gesteinen erzeugt zu seyn scheinen, und sich noch
ferner erzeugen. Gemeiniglich liegt eine Gattung
Erz in dem Steine als seine Mutter. Die Natur wirkt
langsam und Iahrhunderte durch, durch einen kleinen Ansatz.
Menschen also die geschwinde und plötzlich solche Zeugung
zuwege bringen wollen, betrügen sich gemeiniglich,
wenn sie Metall aus ihren Principiis zusammen-
setzen wollen, als zE Gold. Man bringt zwar
falsche Edelgesteine zuwege, aber es fehlt ihnen
die Härte und die genaue Vereinigung der Materien.

/δRest_leer

/ IIIter Theil

/|P_247

/ ≥ Der Physischen Geographie
/IIIter Theil
/Summarische Betrachtungen der vornehmsten Naturmerkwür-
digkeiten, aller Länder nach geographischer Ordnung.
/Erstes Capitel
/Von Asien

/ §_136.

/Von China

/Asien ist das große Welttheil wo seinen Ursprung
genommen hat, die Bezähmung der Thiere, der An-
bau der Gewächse und Erfindung der Getreidearten,
die Erfindung der Metalle, die Cultur der Menschen, Re-
ligion und Wissenschaften. Vorzüglich scheint Aethiopien
und Abyssinien der große Sitz gewesen zu seyn, wo sich
die Menschen ausgebildet haben. Egypten konnte es wohl nicht
seyn, da es ein niedriges Land ist und alle Iahr etliche Monate
unter Waßer steht. Die Thiere sind wahrscheinlich da
zuerst gezähmet worden, wo sie eingesperrt gewesen sind
als auf Inseln. Ein Landstrich der großen Wüste von der Tar-
tarei enthält alle die Thiere wild welche man sonst an andern
Orten gezähmt antrift. So findet sich hier nach Pallas Bericht
das wilde Pferd oder Dzigetti, ferner der wilde Stier,
das wilde Schaf- Schwein- Hund- Katzengeschlecht, imgleichen das
Camel welches nur in den Sal«¿»zwüsten angetroffen wird,
indem es Salzkräuter frißt. Wilde Pferde gibt es auch in den
Donischen Steppen. Unsre Getreidearten sind vielleicht in dem
nordlichen Theil von Asien und überhaupt in allerlei

/ Land

/|P_248

/Sandwüsten anzutreffen. Auch die Künste scheinen in «dem»
Indostan und dem angrenzenden Lande Tibet ihren ersten
Ursprung genommen zu haben. So findet man wie Pallas
berichtet, zwischen dem altdeutschen Gebürge in Sibirien und
der Mungalischen Steppe annoch Instrumente die zum Berg-
bau und von Kupfer sind.

/Von China. Der Name China ist ganz corrumpirt Aehnlicher
kommt der wahren Aussprache und Benennu<n>g der Name Sina, daher
auch der itzige öftere Gebrauch desselben. Im Lande selbst hat man
gar keinen besondern Namen für dasselbe, sondern nennt es so
wol als seine Beherrscher mit allerlei prächtigen Titeln: ersteres,
das herrliche Land, das Land unter der «¿»Sonne, und den
König oder Bog_da_chan. Eben so hat man gar keinen besondern
Namen für die Städte. So nennt man zE Nanking die Residenz
gen Norden und Peking die Residenz gen Süden. In dem
nordlichen Theil dieses großen Reichs sind die Winter kälter
als in gleicher Parallele von Europa gefunden wird. Dieses Reich
ist ohne Zweifel das volkreichste und cultivirteste in der Welt.
Man rechnet in China so viel Einwohner als in ganz Europa,
fast durch iede Provinz sind Canäle gezogen, aus diesen
gehen andre kleinere zu den Steppen, und noch kleinere
zu den Dörfern, über alle diese gehen Brüken und einigen
gemauerten Schwiebbogen, deren mittelster Theil so hoch ist,
daß ein Schiff mit Masten durchsegeln kann. Der große Canal
der von Caton bis Peking reicht, hat an Länge keinen andern
seines gleichen in der Welt. Man hebt die Schiffe durch Krane
oder Tretträder und nicht wie bei uns durch Schleusen aus

/ einem

/|P_249

/einem Canal in den andern oder über Waßerfälle. Die große
Chinesische Mauer ist mit allen Krümmungen gerechnet 300 deutsche
Meilen lang und 4 bis 5 Klafter hoch oder wie andre berichten
5 Ellen dik und 10 Ellen hoch. Sie geht über erstaunende Berge
und Flüße durch Schwiebbogen und hat schon 1800 Iahr gestanden.
Alle alte Völker haben den wunderlichen Einfall gehabt ihre Länder
wie Gärten mit Zäunen und Mauern einzuschließen, um
dadurch die Einfälle ihrer Feinde abzuhalten. Dadurch aber
konnten sie diesen Endzwek unmöglich erreichen, weil sie sonst
auch Mannschaft genug haben müsten, diese Mauern mit Soldaten
gehörig besetzen, daher fallen auch noch die Tartarn,
wenn es ihnen beliebt unaufhörlich in China ein. Die Chinesische
Städte sind alle in so ferne es der Grund leidet, ins Qvadrat
gebaut, und durch 2 Hauptstraßen in 4 Theile getheilt, so, daß
die 4 Thöre gerade gegen die 4 Weltgegenden stehen. Die
Mauer der Stadt Peking ist beinahe 100 Fuß hoch. Der Porcellain¥
Thurm in Nanking ist 200 Fuß hoch und in 9 Stokwerke eintheilt,
hat 400 Iahr gestanden, besteht aus lauter Porcellain und ist das schönste
Gebäude im Orient.

/ ≥ Gebäude im Orient. ≤

/Die Mißionarien haben im vorigen Seculo, von den Künsten und von
der Menge der Einwohner in China Verzeichniße gemacht, allein beides
bedarf einer gehörigen Einschränkung. Was also zuerst die Volksmenge
anbetrift, so ist dieselbe nach den neusten und zuverläßigsten
Nachrichten 60 Millionen Menschen, und beträgt folglich nach Propor-
tion kaum den 3ten Theil der Einwohner in Deutschland, weil das Land
selbst, insofern es in seiner Ringmauer stehet, wol 6mal so groß ist.

/ Das

/|P_250

/Das ganze chinesische Reich kann wol fast so groß, wie das Rußische
seyn, wenn man nach diejenigen Nationen dazu gerechnet, die unter
dem Schutz und Tribut des chinesischen Käisers stehen als zE die kleine
Bucharey, das Land Tibet u.a.m. Siehe Recherches philosophiques
sur les Egyptiens et Chinois.

/Die Künste der Chineser schreiben sich insgesammt aus Indostan her
bis auf das Porcelain, welches auch daselbst viel eher als bei uns
bekannt gewesen ist. Die chinesische Sprache und Schrift zeigt
offenbar einen rohen und eingeschränkten Geist der Nation an;
und läst uns hoffen, daß sie ohngeachtet aller scheinbarer Ver-
feinerung nie recht zu sich selbst kommen werde. Ihre Sprache
ist ganz einsilbig und ihre Schrift eine real_Schrift, die bloße
Ideen in sich enthält, daher auch die umliegende Völker ihre
Schrift zwar lesen aber nicht ihre Sprache reden können. Die
Beschaffenheit dieser Sprache macht es unmöglich, daß bei ihnen
eine recht eigentliche Buchdrukerei statt finden kann. Ein
Chineser der Chinesisch «reden» <lesen> und schreiben kann, ist ein wahrer
Gelehrter, denn er muß wenigstens 60.000 Bilder im Kopf
haben, und wenn er etwas schreiben will, für iedes ein-
zelne Wort zugleich ein besonders Bild aufzufinden,
und eben so bei dem lesen mit jedem einzelnen Bilde den
wahren Begriff sesselben verbinden zu können. Die äußerst
schwere und mühsame Kunst ist dahero auch blos das Ge-
schäfte der gelehrtesten Braminen. Was ihre andre Künste an-
betrift, so haben sie zwar das mechanische derselben wohl inne
allein der Geist der Kunst fehlt ihnen gänzlich. So können sie ZE
zwar schöne Farben machen, aber ihre Gemählde haben auch nicht

/ die

/|P_251

/die geringste Aehnlichkeit mit der Sache selbst. Ihre Gelehr-
samkeit besteht im Lesen, Schreiben und Complimenten. Das
chinesische Observatorium ist nicht von den Chinesern selbst,
sondern eigentlich auf Veranstaltung des Kulikan [[Kubilai]], welcher
China eroberte und auch zugleich Herr von Usbeck war,
von einigen der Bucharey durch ihre hieher berufenen
Gelehrten angelegt. In Ihren Häusern «¿»sieht e«¿»s sehr zierlich oder
wenigstens nett aus, denn es ist alles mit ihren gemahlten
papiernen Tapeten behangen. Sie schreiben so grob und ihr Papier
ist so dünne, daß sie nur immer eine Seite vom Blatt beschreiben
können. Die Chineser sind überhaupt wol unter die gesittete
aber nicht geistreiche Nation zu rechnen. Sie lieben ein<nen> diken
Bauch und am Frauenzimmer einen so schwachen dünnen Fuß,
daß sie kaum gehen können, sondern sich nur so fortschleppen
müßen. Das Pulwer ist vermuthlich ehe in China als in Eu-
ropa bekannt gewesen. So viel ist es gewiß daß es die Saracenen
schon im Kriege wider die Spanier gebraucht haben. Das
Alterthum der Chineser ist nicht sehr hoch. Zur Zeit des So¿¿ates [[Sokrates]]
war China noch in viele kleine Staaten zertheilt, ihre Cultur fing
sich von den nordlichen Gegenden des Landes an.

/ ≥ §_137.

/ Sitten und Charakter dieser Nation

/Die Chineser sehen jemanden für schön an, der lang und fett ist,
kleine Augen, breite Stirn, kurze Nase, große Ohren, und wenn er
eine Mannsperson ist, grobe Stimme und großen Bart hat. Man
zieht sich mit Zänglein die Barthare aus und läst nur einige
Büschel stehen. Die Gelehrte schneiden sich die Nägel an ihrer
linken Hand niemals ab zum Zeichen ihrer Profession.

/ Der

/|P_252

/Der Chineser ist von einem ungemein gelaßenen Wesen. Er hält hinter
dem Berge und sucht die Gemüther anderer zu erforschen. Es ist hier
nichts verächtlicher, als in Iachzorn zu gerathen. Er betrügt ungemein
künstlich. Sie können ein zerrißenes Stük Seidenzeug so nett
wieder zusammennähen, daß es der aufmerksamste Kaufmann
nicht merkt, und zerbrochenes Porcelainzeug fliken sie mit
durchgezogenem Kupferdrath so zu, daß keiner anfänglich den
Bruch gewahr wird. Den Schweinen, welche sie zum Verkauf bringen,
wißen sie so geschikt das Fleisch unter dem Fell herauszuziehen,
und an dessen Stelle Sand hineinzustopfen, daß man es ihnen gar
nicht ansehen kann. Er schämt sich nicht, wenn er auf dem Betruge
betroffen wird, als nur in so fern er dadurch eine Unge-
schiklichkeit im Betruge hat bliken laßen. Ein Englischer
Kaufmann hatte einst einen Chineser über einem Betruge mit
Waaren, die er von ihm erhandelt hatte, ertapt, und schimpfte
diesen deshalb braw aus, der Chineser aber sagte ganz gelaßen,
du hast ja selbst daran Schuld, denn du hast mir ja nicht gesagt,
daß du sie besehen würdest, sonst hätte ich es gewiß feiner
gemacht. Er ist rachgierig, aber er kan sich bis auf eine be-
queme Gelegenheit gedulden. Niemand duellirt sich. Er spielt
ungemein gern. Ist feige, sehr arbeitsam, unterthänig und den
Complimenten bis zum Uebermaaße ergeben, ein hartnäkigter
Verehrer der alten Gebräuche und in Ansehung des künftigen
Lebens so gleichgültig als möglich. Die Chineser haben überhaupt
«haben überhaupt» keine Landesreligion. Selbst die Braminen
erwarten von dem obersten Wesen, welches sie erkennen, nichts
weder gutes noch böses. Ihr Geist ist nicht so stark sich über irrdische
Vortheile wegzusetzen, und einen Blik auf ihren Zustand nach dem

/ Tode

/|P_253

/Tode zu wagen. Das Chinesische Frauenzimmer hat durch die in der
Kindheit geschehene Einpreßung nicht größere Füße als ein Kind
von 3 Iahren. Es schlägt die Augenwimpern nieder, zeigt niemals
die Hände und ist übrigens weiß und schön genug.

/ ≥ §_138.

/Eßen und Trinken der Chineser. ≤

/In China ist alles eßbar, bis auf Hunde, Katzen, Schlangen pp
alles eßbare wird nach Gewicht verkauft, daher füllen sie den
Hünern den Kropf mit Sand. Ein todtes Schwein gilt mehr, wenn es
mehr wiegt, wie ein lebendiges. Daher der Betrug lebendige
Schweine zu vergiften und wenn sie über Bord geworfen
werden wieder aufzufischen. Wenn sie an den Fremden lebendi-
ge Schweine verkaufen, so binden sie solchen die Blase zu, da-
mit sie sterben und ihnen also wieder überlaßen werden
müßen. Man hat statt der Gabel 2 Stäbchen von Ebenholz. Sie
haben auch keine Löffel. Sie sitzen nicht wie andre orientalische
Völker auf der Erde, sondern auf Stühlen. Ein ieder hat seine eigene
Tische bei einem Tractament. Alles Getränke wird bei ihnen
warm getrunken sogar der Wein und in porcellainen Tassen
auf den Tisch gesetzt. Eßen genüßen sie kalt. Bei Gastmählen
schlägt einer den Tact und denn heben alle ihre Gabelstäbchen
zugleich auf und eßen, oder heben ihre Tassen auf und trinken,
oder thun nur als wenn sie tränken. Der Wirth gibt ein Zeichen wenn
sie anfangen etwas zum Munde zu bringen, auch wenn sie ab-
setzen sollen. Alles geschieht wol 3 Stunden stillschweigend. Eine
ähnliche Mode findet sich auf den Maldivischen Inseln statt, daß man
nemlich nichts beim Tische spricht, ob man gleich Stunden lang

/ daran

/|P_254

/daran zubringt, und wenn man Tractamente ausrichtet,
nicht die Gäste zu sich bittet, sondern ihnen das Eßen und Trinken
über die Straße ins Haus schickt, aus Furcht, daß man sich sonst bei
Tisch wegen der Rangordnung nicht würde vergleichen können.
Zwischen der Mahlzeit und Nachtische spazieret man im
Garten, denn kommen Comoedianten und spielen alberne Possen.
Sie tragen Wachteln in der Hand, um sich an ihnen als Muffen
zu erwärmen. Die Tartarn machen hier auch Branntwein aus
Pferdemilch, und ziehen ihn über Schöpsenfleisch ab, wodurch er
einen starken aber ekelhaften Geschmak bekommt.

/ ≥ §_139.

/ Von ihren Complimenten

/Niemand in China flucht oder schimpft. Die Policey in China ist
vielleicht die vollkommenste in der Welt. Ueber ieden einzelnen Ein-
wohner wird besondre Aufsicht gehalten. Wenn einer den
andern besucht, so sehen beiden, nachdem der Gast mit vielen
Complimenten in die Stube geführet worden erst eine Zeitlang
zur Erde nieder, denn fängt der Wirth an zuerst zu sprechen
und nun geht das Gespräch fort. Beim Abschiede schikt der Wirth
dem Fremden noch bis an die Eke der Straße einen besondern
Bedienten nach, der ihm in seinem Namen wünschen muß, wohl
nach Hause zu kommen. Alle Geberden und Reden die man führen
soll, wenn man Besuche abstattet, und was der Wirth dabei
sagt oder thut, ist in öffentlich herausgegebenen Complimenten¥
Büchlein vorgeschrieben und es muß nicht ein Wort dabei abge-
hen. Man weiß wie man etwas höflich abschlagen soll, und wenn
es Zeit ist sich zu bequemen. Niemand muß sein Haupt beim Grüßen
entblößen. Dieses wird vor eine große Unhöflichkeit gehalten.

/ §_140.

/|P_255

/ ≥ §_140.

/Akerbau, Früchte und Manufacturen. ≤

/Die Hügel werden in Terassen abgestürzt, der Mist aus Steppen
auf den Canälen herbeigeführt, und trokne Ländereien unter Waßer
gesetzt, ein ieder auch der kleinste Fleken des Landes wird genutzt.
Der Talgbaum ist oben erklärt worden. Vom Wachs«thum»<baum> berichtet
Salmon, daß ein Insekt wie eine Fliege nicht allein die Blätter
sondern auch die Baumrinde bis auf den Kern oder Stamm
durchsteche, woraus das weiße Wachs wie ein Schnee tropfweise
hervorquillt. Der Theestrauch oder Bambusrohr, von welchem
sie fast alle Geräthe auch sogar Kähne machen. Aus dieser Rinde
wird das überfirnißte Papier verfertigt, welches sehr dünne und
glatt ist, aber von Würmern leicht verzehret wird, dahero ihre
Bücher immer müßen abgeschrieben werden. Sinttang oder
ein zähes Chinesisches Rohr, wovon man Ankerthaue flicht, welche nicht
so leicht faulen, als die hanfene. Der Firnißbaum mit deßen Lak
die Chineser alles was in ihren Häusern ist überfirnißen. Die
Wurzel Ginseng oder Mannswurzel, weil sie sich in 2 Aeste gleich
den Lenden eines Mannes theilet. Der Käiser schikt jährlich 10.000
Tartarn in die chinesische Tartarei aus, um diese Wurzel vor
sich zu sammeln, das übrige können sie verkaufen. Sie ist unge-
mein theuer. Die Seidenwürmer arbeiten auf den Maulbeerbäumen
in den südlichen Provinzen von selber. Ihre Seidenzeuge sind vor-
nemlich mit Figuren von eingewirkten Drachen gezieret.

/Die chinesische Tinte wird aus Lampenruß verfertigt den sie
durch Muscus wolriechend machen. Der Käiser akert alle Iahr
einmahl, öffentlich.

/ §. ~

/|P_255R

/δZ_6 {2- Wachsbaum

/δZ_10 Theestrauch

/δZ_14 Sinttang. -2} ~

/|P_256

/ ≥ §_141.

/Von den Wissenschaften, Sprachen und Gesetzen. ≤

/Ihre Astronomie ist zwar alt und in Peking ist viele Iahrhun-
derte vor Ankunft der Mißionarien ein observatorium gewesen;
allein ihr Calender war höchst falsch. Die Verkündigung der
Finsterniße erstrekte sich kaum auf den Tag, nicht aber auf Mi-
nuten wie bei uns. Sie ziehen aber diese Verkündigung
aus Tabellen, daher man damit zusammen räumen kann,
wie es möglich ist, daß ihre Gelehrte glauben können, der Mond
oder die Sonne werden zur Zeit der Finsterniß von einem Drachen
gefreßen, dem sie mit Trommeln seine Beute abzujagen suchen.
Es kann aber auch seyn, daß dieses ein alter Aberglauben
von den Zeiten der Unwißenheit her ist, den die Chineser als
hartnäkige Verehrer alter Gebräuche noch beibehalten haben,
ob sie gleich deßen Thorheit einsehen. Die Kenntniße der Mathe-
matik und andrer Wissenschaften haben der Predigt des Evan-
gelii anstatt der Wunder gedient. Daher sollen auch alle Missionarii
entweder Künstler, als Musici, Mahler u.d.gl. oder Gelehrte, insonder-
heit Astronomen seyn. Die chinesische Sprache hat nur 330 einsilbige
Wörter welche alle nicht flectirt werden, aber die verschiedene
Töne, Adspirationes und Zusammensetzungen machen 53.000 Wörter aus.
Die Zeichen ihrer Schrift bedeuten nicht die Töne sondern die Sache
selber und manchmal viele Begriffe zusammen zE guten Morgen
mein %.Herr wird durch ein Zeichen ausgedrukt. Die in Conchinchina
und Tunquin verstehen wol der Chineser Schrift, aber nicht ihre
Sprache. Ein Gelehrter muß zum wenigsten 20.000 characteres
schreiben und kennen lernen. Sie curiren viele Krankheiten

/ durch

/|P_257

/durch Brennen mit heißen Kupfernen Platten. Einige Käiser
haben sich lange mit der Grille vom Trank der Unsterblich-
keit geschlept. Die Buchdrukerkunst ist so beschaffen: Man klebt
die Blätter eines wol abgeschriebenen Buches auf ein langes
Brett und schneidet die Charactere in Holz aus. Die Chineser haben
gradus academicos. Die Candidaten zur Doctorwürde werden
gemeiniglich vom Käiser selbst examinirt. Weil alle ihre
Archive von einem ihrer Käiser vor 2.000 Iahren sind vertilgt
worden, so sind alle ihre Historien bloß traditiones. Der Käiser
sorgt insonderheit für die Einigkeit seiner Unterthanen. Da-
her es auch verboten wurde die christliche Religion öffentlich zu
lehren, weil solches unter dem Volk factionen verursachte. Ihr
erstes Gesetz ist der Gehorsam der Kinder gegen die Eltern. Wenn
ein Sohn Hand an seinen Vater legt, so kommt das Land darüber
in Bewegung. Alle Nachbaren kommen in Inquisition, er wird con-
demniret in 10.000 Stüke zerhauen zu werden. Sein Haus und
die Straße selber darinnen es stand umgerißen
und nicht mehr erbauet. Das 2te Gesetz ist Gehorsam und
Ehrerbietigkeit gegen die Obrigkeit. Das 3te Gesetz ist Höf-
lichkeit und Complimenten. Diebstal und Ehebruch werden
mit Bastonaden bestraft. Iederman hat in China die Freiheit
die Kinder die ihm zur Last werden wegzuwerfen, zu hängen
oder zu «v»ersäufen. Dies geschieht, weil das Land zu volkreich ist,
um die Heyrath zu befördern. Ohngeachtet ihres Fleißes sterben
doch jährlich in einer oder der andern Provinz viele 1.000
Hungers. In Peking wird täglich eine Zeitung gedruckt,

/ da

/|P_258

/da das löbliche oder tadelhafte Verhalten der Mandarinen samt
ihrer Belohnung oder Strafe darinnen steht.

/ ≥ §_142.

/Von der Religion der Chineser

/Die Religion wird hier ziemlich kaltsinnig tractirt. Viele glau-
ben keinen Gott, andre die eine Religion annehmen geben sich
nicht viel damit. Die Secte der «¿¿»Ioh [[Fo]] ist die zahlreichste. Unter
diesem Ioh [[Fo]] verstehen sie eine eingefleischte Gottheit, die vor-
nemlich den großen Lama zu Barantola in Thibet
anitzt bewohnt und in ihm angebetet wird, nach seinem Tode
aber in einen andern Lama fährt. Die Tartarische Priester
des Ioh [[Fo]] werden Lamas genannt, die Chinesische Bonzen.
Die katolischen Missionarii beschreiben die Glaubensartikeln von
diesem Ioh [[Fo]] so, daß daraus erhellet, es müße dieses nichts anders
als ein ins große Heidenthum degenerirtes Christenthum seyn.
Sie sollen in der Gottheit 3 Personen statuiren, und die 2te Person
habe das Gesetz gegeben und für das menschliche Geschlecht sein Blut
vergoßen. Der große Lama soll auch eine Art Sacraments
mit Brod und Wein administriren. Man verehret auch den
Confucius. Es sind auch einige Iuden da«¿», die so wie diejenigen
welche auf der Malabarischen Küste anzutreffen vor Christi
Geburt schon dahin gegangen und von demselbigen gar nichts
wißen. Die Secte des Foh glaubet die Seelenwanderung. Es
ist eine Meinung unter ihnen, daß nichts der Ursprung und
das Ende aller Dinge sei, daher eine Fühllosigkeit und Entsa-
gung aller Arbeit auf einige Zeit gottselige Gedanken sind. Man
schließt mit den Eltern die Ehe, ohne daß beide Theile mit einander
zu sehen bekommen. Die Mädchen bekommen keine Mitgabe sondern
werden noch dazu verkauft. Wer viel Geld hat, kauft sich so viel

/ Fr

/|P_259

/Frauen als er will. Ein alter Iunggeselle ist bey den Chinesern
etwas seltenes. Der Mann kann, wenn er den Kaufschilling ver-
lieren will, die Frau ehe er sie berühret zurükschiken, die
Frau aber nicht den Mann.

/ ≥ §_143.

/Ausgeführte Waaren

/Theebow, Singlo, Theebing, Quecksilber, Chinawurzel, Rhabarber,
Rohr und verarbeitete Seide, Kupfer in kleinen Stangen, Campfer,
Schildereien, lakirte Waaren, Porcellain, Sago-Boratz, Lazersteine,
Turenaque, Indianische Vogelnester von Vögeln wie Meerschwal-
ben, welche vom Schaum des Meeres der mit einem ihrer
Schnabel generirten Saft vermenget ist, weiß und durchsichtig
sind, in Suppen gebraucht werden hat einen aromatischen Geschmak
haben.

/ ≥ §_144. ≤

/Tunquin hat vordem zu China gehört und liegt China gegen
Südwesten am nächsten. Es ist daselbst ein König, der aber nur als eine
Staatspuppe anzgesehen wird, und ein Feldherr, welcher eigentlich
die Regierung führt. Der Haupthandel in Tunquin ist die Seide.
Die Holländer und Engländer heirateten hier auf eine gewiße be-
stimmte Zeit ein Weib, welche die Stelle einer Factorin vertritt.
Die Hitze ist hier in dem Monat um den längsten Tag größer als
unter der Linie. Hier sind die in der Zona torrida angeführte
Monssons regulär, nemlich von dem Ende des Aprils bis zum
Ende des Augusts südwest Regen, vom August bis October
häufige Typhons vornemlich um Neu- und VollMonde mit
abwechselnden Südwest und Nordostwinden, vom November
bis April Nordost und trocken Wetter. Die Fluth und Elbe ist hier
von derjenigen in andern Ländern unterschieden. Die erstere

/ dauert

/|P_260

/dauert 12 Stunden und die letztere gleichfalls so lange. Vom
hohen Licht bis zum letzten Viertel ist die hohe Fluthe, die übrige Zeit
ist die niedrige Fluth. In der Zeit der hohen Fluth fängt das
Waßer mit dem aufgehenden Monde zu steigen, und in der
niedrigen Fluth mit dem untergehenden. Wenn die Regen zu
rechter Zeit ausbleiben, so verkaufen die Leute aus Noth ihre Kinder,
Weiber oder sich gar selbst. Das Land ist sehr volkreich. Die Ein-
wohner sind gelb und wohlgebildet, haben glatte Gesichter, glauben
daß es ein Vorrecht sei weisse Zähne zu haben. Der Betel-Arac
herrscht bey ihnen sehr, so wie im übrigen Indien. Sie sind ehrlicher
im Handel wie die Chineser, verkaufen auch Seidenzeuge und
lakirte Sachen, indianische Vogelnester und Musons pp und haben viel
mit der Religion und den Sätzen der Chineser gemein.

/ ≥ §_145

/Von Cochinchina

/In der Armee des Königes wird so wie in der von Tunquin
die Probe mit den Soldaten, die sich am besten zur Leibwache schiken,
also gemacht, daß man die, welche am meisten und hurtigsten Reiß
freßen können dazu nimmt, denn diese hält man für die tapfersten.
Die Nation ist nüchtern und mäßig. Faule Fische ist ihr bestes Gericht,
sie sind trotzig, untreu, diebisch ungerecht und sehr eigennützig.
Das Land ist arm. Man bietet den Schiffern die Weiber für Geld
an und die Weiber sind sehr begierig darnach. Man holt aus
Cochinchina allerlei Farbehölzer.

/ ≥ §_146.

/Von Siam und andern ihm zum Theil zinsbaren Länder

/Die Halbinsel Malacca ist reich an Pfeffer. Die Hauptstadt war
ehedem wegen der berühmten Straße, eine der reichsten Städte im

/ Or

/|P_261

/Orient daher die Malegische Sprache allenthalben so im Schwange
ist. Im Königreich Siam macht der Strom Menau auch seine
gesetzte Ueberschwemmung und zwar in den Sommermonaten.
Sie haben selten mehr als einen weißen Elephanten der aber auch
aus goldenen Schüsseln bedienet wird. Es soll die Seele irgend eines
Prinzen in ihm wohnen, nächstdem wird ein schwarzer Elephant
sehr hochgeschätzt. Der Siamsche Hoff ist der prächtigste unter
allen schwarzen Höfen in Asien. Die Häuser werden auf 6
Bambus_Pfählen 30 Fuß über der Erde wegen der Ueberschwem-
mungen erhöhet, und ein jeder hat zu der Zeit ein Bord vor
der Thüre. Die Siamer sind furchtsam in Gefahr, sonst ohne
Sorgen, nüchtern, hurtig etwas zu faßen aber träge es zur
Perfection zu bringen, trotzig gegen demüthige, und de-
müthig gegen Trotzige, sonst Herren über ihre Affecte %und
Sie sind klein, doch wohl gebildet, schwarz mit breiten Gesichtern,
spitzigem Kinn und Stirne, haben kleine dunkle Augen,
kurze Nase, große Ohren, sie laßen die Nägel mit Fleiß sehr
lang wachsen. Einige beschlagen sie mit Kupfer. Sie enthalten
sich sehr der Schwatzhaftigkeit und sind voll von Cerimonien.
Exempel, wie sie den Brief ihres Königes an den König_von_Frank-
reich
gebracht und nicht in der untersten Etage logiren wollten.

/Der König von Awa und die Bramanen haben seit 10 Iahren
dem ganzen Siamischen Königreiche ein Ende gemacht. Awa hat mit
China viel Aehnlichkeit, und die Einwohner haben auch eine einsilbige
Sprache.

/ ≥ §_147

/Das Reich Pegu ≤

/Gehört itzt unter Awa. Die Ebbe und Fluth sind auf den Flüßen

/ Pegu

/|P_262

/Pegu und Awa nahe an ihren Ostiis außerordentlich wütend.
Der König nennt sich einen Herrn des weißen Elephanten, so
wie der zu Siam. Außer den Feuer- und Waßerproben gibt
man den Beschuldigten noch Reiß zu kauen, unter dem Bedrohen
daß er erstiken müße, wenn er unrecht hat. Die härteste Strafe
ist sowol hier als in den benachbarten Ländern dem Kurzweil
der Elephanten übergeben zu werden. Die Peguanische Tale-
puins (Talepuins sind Mönche und Talepuines sind Nonnen in Pegu.
Sie leben von Almosen)
werden als die gütigsten Menschen von
der Welt gerühmt. Sie leben von den Speisen an den heißen
δLücke und geben was sie nicht brauchen den Armen,
sie thun allem was lebt gutes, ohne Unterschied der Religion. Sie
glauben Gott habe an dem Unterschiede der Religion einen
Gefallen und halten alle solche für gut, die den Menschen
liebreich und gutthätig machen. Sie schlichten mit großer
Bemühung alle Streitigkeiten unter den Leuten. Die Weiber
machen sich gern mit den Europäern gemein, und bilden
sich was ein, wenn sie von ihnen schwanger werden. Ihre
Kleidung ist anstößig. Ueberhaupt ist die Nation ziemlich
wol gestaltet und gutartig obgleich nicht tapfer. Mit der Halb-
insel jenseit des Ganges haben die Europäer überhaupt nur
wenig Gemeinschaft. Die Engländer bauen in einem Hafen von
Pegu Schiffe und holen aus diesem Lande Pfeffer.

/ ≥ 148.

/Aracan ≤

/Sie legen ihren Kindern bleierne Platten auf die Stirn um sie ihnen
breit zu drücken, denn sie halten dieses für eine besondre Schönheit.
Sie haben kleine Augen und machen sich große Ohren, daß sie bis auf die
Schultern hängen, indem sie durch das Loch, welches sie eingebohrt von Zeit

/ zu

/|P_263

/zu Zeit ein dickern Keil von Pergament hineinstopfen. Sie sind im
höchsten Grad eigennützig. Sie bringen so wie andre Indianer
die Fische dann erst auf den Markt wenn sie stinken. Es hält schwer
daß eine Frauensperson als Iungfer einen Mann bekommt.
Wenn sie Zeugniße hat, daß sie schon mit einem Mann zu thun
gehabt, so ist dies eine wichtige Empfehlung zur Vereheligung. Man
verbrennt hier wie in vorher angeführten Ländern, die Leichen.
Man holt aus diesem Lande die Edelgesteine. Die Büffelochsen
die sonst im wilden Zustande sehr grimmig sind, werden hier zum
Lasttragen und andern Arbeiten sehr wol gezämt. Eine Gattung
Wasservögel freßen dieselbe oft bei lebendigem Leibe auf.
Ohngeachtet Aracan dem Bengalen sehr nahe gelegen ist,
so wird solches dennoch nicht von den Europäern besetzt, weil
die Trouppen daselbst ungeheure Summen zur Unterhaltung kosten.

/ ≥ §_149.

/Aßem

/Nordwärts von Astraca und Pegu ist in Ansehung deßen was das
Erdreich hervorbringt eins der besten Länder in Asien, hat den besten
Gummilak, Gold und Silber. Die Einwohner verfertigen eine schöne
Gattung Schießpulver und es soll auch daselbst erfunden seyn Es
werden mit den Verstorbenen allerhand Hausgeräthe auch wol gar
Thiere vergraben, damit es ihnen in jenem Leben dienen könne. Die
Einwohner im nordlichen Theil sehen schön aus, außer daß sie mit
Kröpfen behaftet sind. Hundsfleisch ist das Hauptgericht bei Tra-
ctamenten. Salz wird blos durch Kunst gemacht aus einem Kraute,
das auf stillstehendem Waßer wächst, aus deßen Asche sie es laugen. Die alten
Deutschen sollen es vor diesem auf eben diese Art gemacht haben.

/ §

/|P_264

/ ≥ §_150.

/Indostan

/Der große Mogul ist allein Beherrscher des großen Landes von dem
Tartarischen Gebürge an bis an das Caput Comoriae der äußer-
sten Spitze der Halbinsel disseit des Ganges, und von Persien bis
Astracan und Aßsem. In der gedachten Halbinsel herrschen zwar
viele Könige und Cajas, allein sie sind dem Mogul zinßbar, seitdem
der große Aurengzell [[Aurengzeb]] sie unter das Ioch brachte. Die Einwohner
der Halbinsel sind von morischem und arabischen Geschlecht, weil
von 250 Iahren diese daselbst den ersten Fuß setzten und sich
allenthalben ausbreiteten, daher auch hin und wieder die Gestalt
den africanischen Mohren sehr ähnlich ist. Das Reich des großen
Moguls ist wenigstens so groß wie Deutschland, Frankreich,
Spanien und Portugal zusammen. Das Land selbst heist ei-
gentlich Hin, und die Einwohner Hindos. Die Natur
hat dieses Reich «¿»recht sorgfältig abgesondert, gegen Norden
nemlich durch ein großes Gebürge, und gegen Morgen durch
den Ganges_Strom: dennoch ist es immer von andern Nationen
gerupft worden, ohngeachtet es zu keiner Zeit über andre fremde
Länder geherrscht hat. Nie aber hat es sich mit ausländischen
Völkern vermischt. Die itzige Beherrscher welches Tartarn aus
der großen und kleinen Bucharei sind, nennt man Mogols,
und ihr Oberhaupt Großmogol. Hindostan ist das Land der
ehemaligen Hunnen. Tamerlan der sich zu allererst Indostan
unterwarf, war kein Mungal, sondern ein Tartar. Weil er
sich aber zum General der Mungalen aufwarf, so wurden
nachher die Tartarn selbst Mungals genannt. Was die Macht

/ des

/|P_265

/des großen Mogols anbetrift, so ist blos dem Titel nach ein Oberhaupt
so wie bei uns der Römische Käiser, hat nur einen kleinen Strich
Landes unter seiner Herrschaft und kaum 300.000 %Reichsthaler jährlich
Einkünfte. Die Gouverneurs nennt man Nabocs. Hingegen die
Subas sind ReichsEinwohner, die aber nichts mehr abgeben und
den Mogul als einen Gefangenen halten, sich aber doch wenn sie
einen Brief an ihn schreiben, Sclaven des Moguls nennen,
ohngeachtet sie seine wahre Herren sind. Im Iahr 1768 schlugen
die Muratten den Naboc von Decan und eroberten die Haupt-
stadt Delly, wurden aber doch durch die vereinigten Kräfte aller
Subas geschlagen. Denn sonst sind alle Subas vom Mogulischen Stamme
verschieden und getrennt, vereinigen sich aber sogleich, wenn der
ganze Mogulische Staat Gefahr läuft. Die Indische Nation ist ruhig,
sittsam und vielleicht die fleißigte auf dem ganzen Erdboden.
Es ist hier so wie überhaupt in dem nordlichen Theile der Zonae
torridae die Abwechselung der Monsons. Allein in dem Zweifel-
monat, ehe sich der Wechselwind recht einrichtet, sind entsetzliche
Orcane mit Gewittern zu hören, die grausamen Schaden anrichten,
und vor denen sich kein Mensch auf den Beinen erhalten kann.
Die Land- und Seewinde wechseln auch alle Tage ab. Die Seewinde
wehen von Mitternacht bis Mittag, die Landwinde die übrige
Zeit. Die Regenzeit fängt recht gegen Ende des Iulius an und
dauert bis gegen Ende des %November. Auf der Malabarischen Küste
und Coromandel fängt sie 6 Wochen später an und dauert
eben so viel Wochen später. Auf der westlichen Küste sind mehr Flüße

/ als

/|P_266

/als auf der oestlichen. Sie sind alle sehr klein, weil sie mehrentheils
abgezapft und auf die Reißfelder geleitet werden, imgleichen
weil sie sich nicht vereinigen um große Flüße zu machen. An
dem Vorgebürge Camorin ist die Perlenbank, wo vornemlich
von den Holländern gefischet wird. Unter der Oberherrschaft
des Königes Cochin auf der malabarischen Küste sind einige
1.000 Familien Iuden, die vielleicht zur Zeit Nebucadnezars
hieher gekommen und nichts von den Propheten und Christo
wißen. In Golconda und Visapar sind die berühmte Dia-
mantgruben, deren einige, welche die ergiebigsten sind, man
mit Fleiß hat zuwerfen laßen, damit dieser Edelgestein
nicht zu gemein würde. In den Gebürgen Fate wohnen
die Naiquen oder Fürsten, welche dem Mogul niemals unter-
worfen gewesen sind. In der Bay von Cambaica ist die
schnellste Fluth von der Welt, der selbst ein Pferd nicht soll
entrinnen können. Surate eine der grösten Handelstädte
im Orient gehört dem großen Mogul. Die Europäischen
Compagnien machen einen sehr großen Theil von den Be-
sitzungen und der Macht Indostans aus.

/In Bisnapor welches westwärts vom Ganges liegt, findet
man noch die recht alte indische Sitten. Die Zugänge zu
diesem Lande können sämtlich unter Waßer gesezt werden,
daher dasselbe auch iederzeit frei «für» geblieben ist.

/Die Muratten welche eigentlich Hindus genannt werden, machen
die mächtigste Indische Nation aus. Sie sind fast die einzigen,
welche von den Einwohnern Indostans zum Kriege aufgelegt sind,

/ der

/|P_267

/der übrige Theil von Indostan wird von Afians bewohnt. Die
vornehmsten Lehrsätze der Syfi sind: keine positive Religion und
keinen souverainen Oberherren anzunehmen. Die «¿¿»Hindus sind
wirkliche oliwengelbe Indianer, weil ihre Kinder schon so gebo-
ren werden. Sie haben bei der grösten Hitze kalte Hände.
Ormus [[Orme]] merkt an, daß sie mit den schlechtesten Instrumenten
dennoch die vortreflichste Musseline machen können, und über-
haupt eine erstaunliche Biegsamkeit in den Fingern besitzen.
@Laut@ ihrer Religion müßen sie in 4 Classen eingetheilt werden,
nemlich in Braminen, Banjanen, Radzbus und Baramen.
Niemand darf außerhalb seinem Stamme heirathen, noch mit
jemandem aus einem andern Stamme eßen, und dennoch wird
ihre Religion für die einzige gehalten. Sie nehmen keinen ein-
zigen Fremden unter ihre Religion auf und vermischen
sich daher auch mit keiner fremden Nation. Aus den Bramanen
werden die Handwerksleute genommen. Die Bajanen sind außer
den Europäern noch die ordentlichsten Handelleute. Die Radzbus
sind Soldaten. In Muradaba einer Handelsstadt bei ihnen,
die so volkreich groß und reich als London ist gibt es die reichsten
Kaufleute von der Welt. Die «Metamor» $metamorphos$ oder
vielmehr $metakemphis$ (Seelenwanderung) der Indianer,
nach welcher sie in allen belebten Wesen menschliche Seelen ent-
deken bestimmt deutlich ihren Charakter. Ihr daraus entstandener
Abscheu vor alles Blutvergießen geht daher so weit, daß sie sich
auf das sorgfältigste hüten, auch nur das kleinste Insekt im
Sande zu zertreten, und selbst Hospitäler angelegt haben, worin
kranke Hunde und Katzen, ja selbst die Läuse und Flöhe

/ von

/|P_268

/von ihnen gepflegt werden. Die Parses welche sich in Sumatra
aufhalten sind die fleißigsten Leute von der Welt, indem sie immer
das Feld bauen und Bäume pflanzen. Sie verehren das Feuer
als eine Gottheit und löschen es daher auch mit Erde aus. Alle
heilige Bücher sind in todten Sprachen geschrieben, so auch ihr
Zendavesta, der in der Sprache Zend geschrieben ist.

/Bei Iapan sind einige Inseln aus welchen die Mulainen abstammen.
Man findet auch daselbst die Mulaische Sprache. In Iapan, welches
eigentlich die Holländer inne haben, ist ein besonderer Kaiser, wel-
chen sie daselbst nur bestätigen und ihm Leibwache halten.
In den Philippinischen Inseln ist ein altes Volk, und in der Mitte
einiger von denselben sollen noch schwarze seyn, die in die wal-
digsten Gebürge verjagt worden sind. Ceilon hat auch einen
besondern Regenten. Rund um die Küste haben die Holländer
ihr Städte und ziehen aus denselben sehr viel Caneel.
In der Bucharei sind in den Städten Tartarn und auf dem
Lande Nomadischer Völker. In Persien gibt es eigentlich keine
Nomaden, jedoch findet man in einem District deselben eine
Art Leute, die eine Aehnlichkeit mit den Nomaden haben.
Bei den Mungalen nennt man die Städte nurn Lager
und ihren Stamm Horden. Sie bauen sonst nichts Dürr«h»ah
Alle diese Völker sind fast allein fleischfreßende Nationen.
Die Buratten ein Schlag der Calmuken bei Irkuttzkoi haben
weit weniger Bart als die Calmuken und sind so leicht daß
man einen erwachsenen Menschen in die Höhe heben und so auch
tragen kann. Der Grund hievon wird dem puren Gebrauch der
Fleischspeisen zugeschrieben. Die Nomadische Völker welche nur
Viehweide brauchen, haben an allem Akerbau einen Gräuel

/ und

/|P_269

/und können durchaus kein Eigenthum leiden. Daher sind diese
Beduinische Völker schon seit der Zeit des Attilla die verderbteste
Nation gewesen, wovon uns vorzüglich das 12te Iahrhundert
die schreklichsten Beweise aufstellt. An und vor sich sind diese
Mungalen und Kalmuken keine ungesittete Völker aber durch
diese Beduinische Lebensart recht scheußlich verunstaltet worden.

/ ≥ §_151.

/Bengala

/hat überhaupt sehr große Künstler. Ihre Leinwand übertrift
alle andere an Feinheit. In Verfertigung gemahlter Gläser, Seiden-
zeuges, eines guten Mörtels zum Mauerbau, allerlei guten
Medicamenten und Chinesischen Arbeiten sind sie berühmt.

/ ≥ §_152.

/Cachemir

/Liegt am Caäischen Gebürge hat eine temperirte Luft, wie
die angenehmsten Gegenden von Europa, hat auch Einwohner von
solcher Farbe und Fähigkeit, solche Früchte und wird einem irdischen
Paradiese gleich geachtet.

/ ≥ §_153.

/Von den Molukischen Inseln

/Selbige stehen unter der Herrschaft der 3 Könige von Ternate, Tidore
und Bassion, welche alle Muhamedaner sind. Sie haben den Holländern
die Landesherrschaftliche Hoheit abgetreten und es kann kein
König ohne ihre Einwilligung gewählt werden. Diese haben auch
mit ihnen den Vertrag gemacht, daß sie für ein gewißes Iahrgeld
die Muscaten und Nägeleinbäume auf allen ihren Inseln ausrotten,
ausgenommen Amboina und Banda und daß sie hin und wieder
Castelle zu ihrer Handlung anlegen. Die Moluken sind faul,
feige hoffärtig, betrügerisch, lügenhaft, rächen sich heimtückischer

/ Weise

/|P_270

/Weise und halten Hurerei für keine Sünde. Es ist hier so wie
auf dem vesten Lande von Indien ein Cocus oder andrer
Palmbaum alles in allem. Die Blätter sind ihr Tischtuch
auch ihre Teller, wozu auch Cocusschalen kommen. Ausgehohltes
Bambusrohr ist ihr Gefäß zum trinken. Sago ist ihr Brodt. Die
Nageleinbäume werden blos auf Amboina und die Muscaten
auf Banda geduldet. Walter Schulz schreibt von den Einwoh-
nern auf Ternate, daß sie Helden im Gefechte sind, aber eine
ewige Rachbegierde haben, sonsten sehr schwarz sind aber lange
Hare haben. Die Landvogtey von Amboina und den dazu ge-
hörigen Inseln ist sonst die beste, überhaupt aber sind diese
Inseln sonst überaus arm und verlohnen den Holländern nicht
die Unkosten, wenn man die Gewürze ausnimmt.

/ ≥ §_154.

/Die Insel Celebes oder Macaßar

/Celebes oder der nordliche Theil der Insel gehöret dem Könige
von Ternate, Macaßar aber oder der südliche Theil ist unmittel-
bar unter dem Schutze der Holländer. Sie haben Goldsand, San-
delholz und Farbehölzer. Die Einwohner besprengen ihren
Tobak mit im Wasser zerfloßenen opio oder thun so viel als
ein Nadelknopf groß in die Pfeife, wovon sie kühn im Gefechte
werden. Die Macaßaren scheinen die einzige kriegerische Na-
tion die jenseit der Bay von Bengala wohnt zu seyn.
Sie werden wie die Schweizer an den Höfen zur G<u>arde gesucht.
Der Macaßaren Farbe ist schwärzlich, die Nase platt und zwar
in der Iugend so eingedrückt. Ihre Buchstaben sind den arabischen
gleich, und sie scheinen auch von ihrem Geblüte her zu kommen.

/ Sie

/|P_271

/Sie scheinen edelgesinnt zu seyn, sind hitzig und auffahrend, auch
nicht zur Sclavischen Unterthänigkeit geboren. Sie sind Mahomeda-
ner und schießen ihre Pfeile aus Blasröhren.

/ ≥ §_155.

/Von den Sundaischen Inseln

/1. Borneo. Sie ist die gröste unter allen bekannten Inseln. Die Dünste
die nach der Ueberschwemmung vom Erdreich aufsteigen, der
Gestank davon, das alsdenn zurückgebliebene Ungeziffer, und
die kalten Winde welche plötzlich auf große Hitze folgen machen
diese Insel zu einem höchst ungesunden Lande. Die Mousons
gehen also, daß vom %.October bis in den April Westwinde mit vielem
Regen wehen, von diesem Monate aber bis in den %October
Ostwinde und alsdenn ist troken Wetter, doch geht selten ein Tag
hin da nicht Regen kommt, denn es ist auch alle Tage der Wechsel der
Land- und Seewinde. Die nördliche Küste wird nicht besucht. Die
Fluth geschieht nur einmal in 24 Stunden und zwar bey Tage,
denn in der Nacht wehen die Landwinde sehr stark wider dieselbe.
Die an den Küsten wohnen sind Mahomedaner. Im Innern des Landes
wohnen Heiden. Die letztern schießen auch so wie die Macaßaren
ihre vergiftete Pfeile aus Blasröhren, diese sind auch mit einer
Art von Bajonetten versehen. Die von Borneo sind schwarz haben
aber lange Hare. Die Heiden im Innern des Landes machen sich
den Leib blau, ziehen sich die Vorderzähne aus und setzen goldene
ein. Man handelt alhier Gold in Stangen und in Staub ein, Drachenblut,
Affen und Ziegenbezoar, den besten Campher, Vogelnester, schwarzen
und weißen Pfeffer. Der wieder von selbst abgefallen und an der
Sonne getroknet hat, ist «der» beßer. Hier sind auch Diamanten.

/ Der

/|P_272

/Der Orang-Outang ist 6 Fuß hoch. Hier herrscht auch die Meinung
von Drachen die den Mond verschlingen sollen. Die von Borneo glauben,
daß alle Krankheiten vom bösen Geiste herrühren.

/2. Iava. Auf dieser Insel herrschen 5 Könige. Auf des Königs von Ban-
tam seinem Lande ist Batavia erbauet. Der von Materan ist der
mächtigste. Vom %.October bis in den May sind Westwinde und naßes
Wetter, vom May bis in den %.October Ostwinde und troken Wetter.
Die Holländer halten auf allen ansehnlichen Städten in Iava
Vestungen, und geben allen Fürsten, ausgenommen dem von Polan¥
Boang eine LeibGuarde, um sie in Ruhe zu halten. Die herrschende
Religion ist die Mahomedanische. Im Inwendigen des Landes sind
Heiden. Die Iavaner sind gelb und von breitem Gesicht, heraus-
stehenden hohen Kinnbacken, diebisch, trotzig und sclavisch,
bald wütend bald furchtsam. Die Europäer, wenn sie von ihren
Sclaven eine Aussage herausbringen wollen, legen ihnen ein
Stökchen welches gespalten an den Hals und er muß sagen:
schwarzer Iohannes wenn ich schuldig bin so kneife mir den
Hals zu, welches zu sagen er, wenn er schuldig ist, nicht das
Herz hat. Oder sie geben ihm einen Haufen trokenen Reiß zu
kauen, und bilden ihm ein, daß, wenn er lügt, es ihn erstiken
werde, da alsdenn diese Vorstellung oft die Wahrheit auspreßt.
Oder sie geben ihm einen Stok eines Fingers lang, murmeln etwas
darüber und machen ihm weiß, daß derselbe, wenn er bei dem
Schuldigen eine Zeitlang gewesen, einen fingerbreit länger werde.
Dieser glaubt es und schneidet etwas davon. Man findet auf
Iava viel Zukerrohr, Cordamommen, welcher an einem Rohr¥
ähnlichen Stamme wächst. Man hat zwar Weinstöcke und Trauben

/ aber

/|P_273

/aber man kann keinen Wein daraus machen. Es sind ferner darauf
Cubeben. Es gibt wiewohl selten Ourang-Ooutangs, Rhinoceros,
25 Fuß lange Schlangen, die einen ganzen Menschen verschlingen.
Hessen [[Hesse]] erzält daß man aus dem Bauche einer solchen Schlange
ein Kind noch lebendig herausgenommen habe. Unter die großen Land-
plagen gehöret eine Art Käfer, welches alles zerfreßen, Menschen
im Schlafe beißen und häßlich stinken.

/3. Sumatra. Diese Insel ist sehr ungesund. Die Witterung schlägt
von der grösten Hitze bis zur empfindlichsten Kälte plötzlich um.
An den Küsten sind Morräste und Sümpfe von ausgetroknetem
Seewaßer, welches ungesunde stinkende Nebel macht. Das Sterben
der Fremden ist so gewöhnlich, daß man fast alle Furcht davor ver-
loren hat. Achem ist das vornehmste Königreich auf dieser Insel
an der Vorderspitze de«s»<r>selben. Der Regen der hier im naßen Mouson
fällt, ist erstaunlich heftig. Die Einwohner von Sumatra sind
schwächlich, von plattem Gesicht, kleinen Nase, färben sich die Zähne
schwarz und salben den Leib mit stinkendem Oehle. Sie sind an
den Küsten Mahomedaner, in dem Inwendigen des Landes Heiden.
Sie bedienen sich stark nebst dem Betel auch des Araks, opii
und des Bangs. Das vornehmste Landesprodukt ist Pfeffer, hernach
Reiß und denn Zukerrohr. Es wird hier in den Bächen viel Gold
und mehr als sonst in Asien gewaschen. Ihre Prönen haben zu
beiden Seiten Rahmen oder Ausleger worauf sie zur Zeit des Sturms
2 Männer setzen und zwar auf der entgegengesetzten Seite um
das Umschlagen zu verhüten. Ihr Geschmak an verdorbenen und stin-
kenden Fischen ist gemein. Bullachave ist eine Muß von gestoßenen Fischen,

/ die

/|P_274

/die schlecht gesalzen werden und faulen, sie brauchen sie zu ihren
Suppen. Eben ein solches Gericht haben sie aus halb verfaulten Krebsen,
die zerstoßen so dünne wie Senf werden.

/Cocosnußoehl ist sehr ekelhaft für Europäer, wenn es eine Zeit-
lang gestanden hat, sie aber eßen davon mit großem Appetit. Sie eßen,
wie überhaupt in den heißen Indischen Ländern, nicht viel Fleisch.
Was sie aber am liebsten eßen sind die Gedärme. In ihrem Handel
sind sie sehr ehrlich. Sie bedienen sich auch der obgenannten Kiaris,
die wir Mohrenzähne nennen und hornförmichte Muscheln sind
statt des Geldes. Es gehen 6 bis 800 derselben auf einen Pfennig.
Sie kommen gut mit Goldschlagen zurecht. In der Mahlerei zeichnen
sie wie die Chineser Ungeheuer und blos unmögliche Dinge.
Das Land von Siam ist mit einer hohen Schichte Leim bedeckt,
wegen der Ueberschwemmung der Flüße, und man findet daselbst
schwerlich einen Feuerstein. Unter ihren Gewächsen merke ich nur
das im Orient so berühmte Aloeholz, welches sonst auch
Paradies- Calamba- Aquila_Holz heißet, und in Siam
imgleichen in Cochinchina gefunden wird. Es ist von so sehr verschiedener
Güte, daß ein %Pfund bisweilen mit 3 %.Reichsthalern bisweilen mit 1.000 %.Reichsthalern
bezalt wird. Man braucht es zum räuchern in den Götzen-
tempeln. Die Portugiesen nennen das grobe Siamische Zinn das
man auch in China hat, Calin, dazu man Gallmey setzt und Tute-
nac daraus macht. Ihre Wissenschaften sind schlecht. Es ist hier
zu merken, daß die Aerzte durch ein sanftes Reiben und
streicheln viele Krankheiten heben. Sonst wenn unbekannte Krank-
heiten vorfallen, so bilden sie dem Kranken ein, er habe eine ganze
Hirschhaut oder einen Klumpen Fleisch von 10 %Pfund im Magen durch Zauberei,

/ welchen

/|P_275

/welchen sie durch Medicin abzuführen versprechen. Astrologi
werden stark gesucht, wenn sie aber nicht mit ihren Wahrsagereien
eintreffen, so ist eine gute Prügelsuppe ihr Lohn. In Rechts_Affairen
wenn der Beweiß nicht leicht möglich ist, kann man seine Unschuld
durch Feuer- oder Waßerproben darthun, so wie vordem bei uns.
Die Priester geben auch den Beschuldigten Brechpillen mit großen
Verfluchungen ein. Der sich nicht daran erbricht ist unschuldig. Im
Kriege sind sie schlechte Helden. In den Kriegen mit Pegu suchen sich
beide Armeen so lange auszuweichen als möglich, treffen sie sich
ohngefehr, so schießen sie sich übern Kopf weg und sagen wenn einer
ohngefehr getroffen wird: er habe es sich selbst zu verdanken,
weil er so nahe gekommen. Die jährliche Ueberschwemmung macht
dem Kriege bald ein Ende. Sie haben Nonnen- und Mönchsklöster
in noch größerer Anzal als selbst in Portugal. Die Mönche werden
Talepuins genannt. Sie lehren, daß alles in der Welt belebt¿ und
unbelebte Wesen eine Seele habe, die aus einem Körper in den andern
übergehe. Sie geben so gar vor sich dieser Wanderung selbst zu
erinnern. Man verbrennt mit dem Verstorbenen die besten Güter
deßelben, imgleichen oft die Weiber, damit jener sie in jenem Leben
finde, der ihrer Meinung nach dem Tode in den Himmel oder in die
Hölle versetzet worden. Sie verwerfen die göttliche Vorsehung,
lehren aber daß durch eine fatale Nothwendigkeit Laster bestraft
und Tugenden belohnet werden. Sie vergießen ungern Blut, eßen
keinen Saft aus Pflanzen, tödten kein Vieh, sondern eßen es nur,
wann es von selbst gestorben ist, daher ihre milden Kriege mit den
Peguanern. Die Talepuins leben vom Betteln sind liebreich und tugendhaft.

/ Man

/|P_276 δS_278

/Man verehrt bei ihnen nicht eigentlich ein höchste«n»s Wesen son-
dern den Somona Cadan, einen ehedem gewesenen heiligen Talepuin,
der nun im Zustande der grösten Glückseligkeit seyn soll, zu welchen
die Menschen wie sie glauben nach vielen Veränderungen gewöhnlich
in einen andern Körper gelangen, indem sich ihre Seele mit der
Seele der Welt vermengt und als ein Funke in dem Himmelsraume
übrig ist. Sommona Cadan aber soll wegen seiner großen Heiligkeit
dahin gelanget seyn. Die Gottlosen werden zu ewigen Wanderungen
in andern Körpern verdammt. Die Unempfindlichkeit ist bey ihnen die
größte Glükseligkeit. Ihre Leichen werden verbrannt.

/ ≥ §_156

/Von den Inseln Nicobar und Andomaon ≤

/Sie liegen nordwärts von Sumatra. Die Einwohner sind lang
und wohlgemacht, ihre Farbe ist dunkelgelb. Sie haben eine Baum-
frucht, deren sie sich als Brod bedienen; denn anderes Getreide
haben sie nicht. Sie eßen auch nicht viel Fleisch. Man beschuldiget
sie fälschlich, daß sie Menschenfleisch freßen sollen. Ueberhaupt ha-
ben die vernünftigsten unter den Reisebeschreibern manche den un-
bekannten Völkern angedichtete Grausamkeiten als unrecht be-
funden, worunter auch Dampier gehört.

/ ≥ §_157.

/Das Land der Papous. ≤

/Es ist noch nicht recht ausgemacht ob es eine Insel sei. Die Einwohner
der Küste sind schwärzlich und leben blos von Fischen. Ihre Religion
soll in Verehrung eines kleinen Steines mit grünen und rothen
Streifen bestehen. Neuholland ist von Dampier entdekt worden
im 16ten Grad der Süderbreite. Die Einwohner sind schwarz und haben
ein wolligt Har wie die Negers, sind sonst auch eben so häßlich, können
die Augen nicht recht aufmachen und sind das armseligste Volk auf der
bekannten Erde.

/ §

/|P_277

/ ≥ §_158.

/Andre Inseln in diesem Meere

/Die Insel Bali ostwärts nahe an Ceilon, heißt auch Iava minor.
Die Einwohner sind fast alle Götzendiener, sie sind weißer als
die in Iawa geboren, getreu, fleißig, tapfer vornemlich ihre Weiber,
vernünftig, arbeitsam, gutherzig, daher diese gerne von den
Chinesern zu Weibern, oder in Iawa zu Sclavinnen, die Männer aber
gern zu Sclaven gesucht werden. Hier herrscht der böse Gebrauch,
daß sich die Weiber mit ihren verstorbenen Männern müßen ver-
brennen laßen. Als im Iahr 1691 der Fürst_von_Bali verstarb,
wurden von seinen 400 Weibern 270 mit Dolchen niedergestoßen,
worauf sie eine Taube die sie in der Hand hatten fliegen ließen
ließen und riefen: wir kommen Käiser darauf verbrannt zu werden.
Auf Sidore, Timor und einigen nahen Inseln, wird einzig und
allein der ächte Sandelbaum sowol der weiße als auch der gelbe
und rothe gefunden.

/ ≥ §_159.

/Die Insel Ceilon ≤

/Liegt nur 8 Meilen vom festen Lande Indiens. Die Holländer be-
sitzen nunmehro die Küste und der König von Ceilon das Innere
des Landes. Die alten Einwohner des Landes werden Cingubesen
genannt, sie sind braun von Farbe aber nicht häßlich, sind beherzt,
höflich, munter, sanftmüthig, sparsam, aber große Lügner.
Reiß ist ihre vornehmste Kost. Unter ihre vornehmsten Bäume gehört

/1. Der Salispat. Er hat ungemein große Blätter, welche wie Wind-
fächer in langen Falten wachsen. Auf Reisen tragen sie solche
wider Sonne und Regen auf dem Kopfe. Ein ieder Soldat hat ein solches
Blatt statt eines Zeltes. Der Baum bringt nicht eher Frucht als das letzte
Iahr, wenn er vertrocknen will.

/ 2.

/|P_278

/2. Der Neffula, aus deßen abgezogenen Safte sie Kaggowegod oder
braunen Zuker kochen.

/3. Der Zimmetbaum ist allein auf dieser Insel anzutreffen, die 2te
untere Rinde abgestreift ist der Zimmet. Es sind verschiedene Gattun-
gen von Zimmetbäumen. Ein jeder Baum geht aus so bald er abge-
schälet worden und er muß bis 6 Iahr alt seyn um dazu ge-
braucht zu werden. Der ganze vortrefliche Geschmak sitzet in
dem zarten Häutchen, welches die Rinde inwendig bekleidet,
deßen Oehl beym Trocknen in die Rinde dringt. Das Holz
die Blätter und die Frucht haben zwar etwas vom Geruch in
sich aber wenig. Eine Art Vögel, Zimmetfreßer genannt pflanzen
diesen Baum durch deßen unverdaute Frucht sehr fort, wie
denn auch nach abgehauenen Baum neue Sprößlinge aufschießen.
Der Geruch dieser Bäume ist weit in die See zu merken. Aus den
Wurzeln deßelben macht man Campfer. Diese Insel hat eine
große Menge wilder Elephanten, welche sie zu fangen und zu
zähmen wißen. Die Blutigel sind auf Reisen eine erstaunliche
Plage. Ihr Papier besteht aus Strimen, die aus den Blättern
des Talipat geschnitten werden. Sie verehren einen obersten Gott,
beten doch aber die Bildniße der heiligen und Helden an. Auf der
Spitze des Pico d'Adam ist ihrem Meinung nach noch ein Fußstapfen
ihres Gottes Budda, den sie verehren anzutreffen. Man findet einige
prächtige alte Tempel, die zu einer Zeit müßen erbauet seyn,
da ein sehr mächtiger Monarch über sie geherrscht hat, denn itzt wißen
sie nicht einmal an ihnen etwas auszubeßern. Die Ehemänner
sind hier nicht eifersüchtig. Die Weiber werfen ihre Kinder weg und
verschenken sie wenn sie ihrer Meinung nach in einer
unglücklichen Stunde gebohren werden. Die Schlange Kimberach

/ schlingt

/|P_279

/schlingt ein ganzes Reh auf. Die Spinne Democalo ist so groß
als eine Faust, harigt, glänzend und durchsichtig, ihr Biß macht
wahnsinnig.

/ ≥ §_160.

/Vom Maldiwischen Eylande

/Dives heißt in der Sprache der Einwohner eine Insel, und Mal ist die
vornehmste aller dieser Inseln und die Hauptstadt des Königes.
Aus beiden Wörtern ist maldives zusammengesetzt. Sie sind in 13
Attollons oder Trauben von Inseln, als so viel Provinzen abgetheilt.
Ein jeder Attollon ist mit einer besondern Steinbank eingefaßt,
woran sich die Wellen mit Ungestüm brechen. Wenn sich der
König der Maldiwen einen König von 12.000 Inseln nennt, so
ist dieses eine asiatische Vergrößerung. Die meisten Inseln sind un-
bewohnt und tragen nichts als Bäume. Andre sind bloße Sandhaufen,
die bei einer starken Fluth unter Waßer gesetzt werden. Es gibt
hier keine Flüße sondern bloßes Brunnenwaßer. Nur 4 bis 5
Canäle von denen die zwischen den Attallons fortgehen können be-
fahren werden und auch diese wegen der reißenden Ströme
und vielen Klippen nur mit großer Gefahr. Die Hitze ist hier
sehr mäßig. Die Regenmonate sind vom April bis in den %.September
mit Westwinden, die übrigen Monate immer schön Wetter mit
Ostwinden. Die Maldiwer sind schön, obschon weinfärbig, sie scheinen
von den Malabaren her zu stammen. Man vergräbt hier sorgfältig
die abgeschnittenen Hare und Nägel, als Theile die eben sowohl
zum Menschen gehören als die übrigen. Die Hauptinsel Male
liegt in der Mitte aller Inseln. Es ist eine Art von Bäumen hier,
deren Holz ungemein leicht ist. Mit deren Brettern die die Tau-
cher in der See an versunkene Sachen anknüpfen, bringen sie weiße
glatte Steine, die mit der Zeit schwarz werden, herauf. Die
Religion ist mahomedanisch. Die Maldiwer eßen mit niemanden

/ als

/|P_280

/als mit einem der ihnen an Ehrenstellen, Reichthum und Geburt
völlig gleich ist. Weil dieses nun schwer auszumitteln ist, so schikt
derjenige der Fremde bewirthen will, ihnen gemeiniglich einen
Tisch mit Eßen ins Haus. Die Betelblätter mit der Araknuß
werden hier auch unmäßig gebraucht. Gegen Augenschmerzen wenn
sie lange in der Sonne bleiben eßen sie eine gekochte HahnenLeber
und das hilft, wie Pyram [[Pyrard]] an sich selbst erfahren hat. Die Maldi-
wische Cocosnüße werden aus der See ausgeworfen, ohne daß
man weiß, wo sie herkommen, sie sind sehr rar und sollen ein
Arzneymittel seyn. Hier findet man die kleine Muschel Bolis,
in Indien Koris genannt, davon jährlich 30 bis 60 Schiffsladungen voll,
vornemlich nach Bengala geschikt werden und dort für baar
Geld gehen. Die gelten auch in Africa. Die Einwohner
sind künstlich im Arbeiten.

/ ≥ §_161.

/Von Persien

/Das Land hat vornemlich in der Gegend von Tauris und Schiras
starke Abwechselungen von Kälte und Hitze. Es gibt in demselben
viele unbewohnte Wüsteneien, imgleichen Salzwüsten, die nach
dem ausgetrokneten Regenwaßer mit Sand candisirt werden.
In der Mitte von Persien ist kein schiffbarer Strom und es ist
überhaupt nicht leicht ein Land, das an der See läge und so wenig
Ströme hätte. Von %.Juni bis zum %.September ist die Luft überaus heiter.
Zu Gamron am Persischen Meerbusen und in den nahe gelegenen
Gegenden ist der Ostwind der über die Küste Kerman kommt brennend
heiß, roth und nichts anders als der Zamiel. Die Insel Ormus
ist 2 Finger dik mit Salz candisirt und daher brennend heiß. Das
Persische Geblüt ist sehr vermischt, nemlich von den Arabern, Tartarn

/ und

/|P_281

/und Georgianern, deren Weiber sie häufig nehmen. Daher ist in
ihrer Gestalt außer der Olivenfarbe kein besonderes Merkmal.
Die Gauren oder Gurben sind ein Nachlaß von der alten Nation.
Zendust oder Zoroaster ist ihr Prophet. Sie sind häufig in den südli-
chen Provinzen anzutreffen und beten die Sonne an. Die Perser
sind witzig %und artig. Sie lieben die Poesie ungemein, und
sie gefällt auch selbst denjenigen die kein persisch verstehen.
Die Mädchen werden im 8ten Iahr mannbar und im 30sten hören
sie auf es zu seyn. In Persien ist die Astrologie in sehr großem
Ansehen, das Reich verwendet an diejenigen welche sich hierin
hervorthun an Geschenken auf 2 Millionen %Reichsthaler. Weil sie allent-
halben mit den Medicis bei Kranken gebraucht werden, mit
welchen sie doch in immerwährender Uneinigkeit leben, so stehen
sie in großer Connexion und können dadurch leicht heimliche
Dinge erfahren. Eine rühmliche Sache in Persien ist, daß
meretirte vornehme Männer vielfältig im Alter öffentliche
Lehrstunden halten, da sie ihre Wissenschaft und Erfahrung den
Iungen mittheilen. Was die Religion anbetrift, so ist sie
eine Secte der Mahomedanischer welche aber von den Türken sehr
gehaßt wird. Man findet aber in ihren Schriften öfters «und» weit
reinere Begriffe vom Himmel und Hölle als im Coran liest. Die guten
Werke sind ihrer Lehre nach Zeichen der göttlichen Gnade,
verdienen aber nicht die Seligkeit. Die Seele soll nach dem Tode
einen zarten Luftleib bekommen. Adam soll eigentlich durch das
Eßen der verbotenen Frucht nicht gesündiget haben, es sei ihm nur
widerraten worden, weil er diese grobe Speise nicht so wie die
übrigen ausschwitzen könnte. Er sei aus dem Himmel gestoßen

/ worden

/|P_282

/worden, damit er ihn nicht verunreinigte. Sonst ist ihre Andacht
bei Predigten sehr schlecht, indem manche Tobak rauchen,
einige sich unterreden pp Gegen den Meerbusen von Persien zu
gibt es so genannte Iohannes_Christen, welche von Christo nichts wißen,
außer daß sie vom Taufen viel Wesens machen %und des Iohannis
zum öftern gedenken. Naphta fließet hier aus Felsen. Der
Schirachwein soll der Köstlichste in der Welt seyn, man trinkt
ihn nur heimlich, aber man berauscht sich an opium öffentlich,
an Banck und Trank von Mohnsamen. Sie rauchen den Tobak
durchs Waßer. Das opium den sie sehr stark brauchen, wird aus
der Mohnpflanze Killat durch Ritzen des Kupfers gezogen.
Die Arbeiter bekommen häufigen Schwindel. In Choraßan gibt es
viele Mumien aber bloße Sandmumien. Die Perlenfischerei
trägt jährlich 5 Millionen %Reichsthaler ein. Itzt läst man die Muschel-
bank ruhen, sie ist bei der Insel Baharem vorzüglich.
Die vornehmsten Waaren die man aus Persien führt ist die
Seide. Tutia ist eine Gattung von Erde welche in Töpfen
gekocht wird, wird ihr an die Seite setzt. Datteln und Pi-
stazien sind hier schön. Sie folgen dem Galeno in ihren Curen
und glauben er habe von Christo sehr viel gelernet. Er soll sei-
nen Vater Philippum an Christum geschikt haben der von ihm
profitirte. Aviscenna [[Avicenna]] ist ihr gröster Philosoph und Arzt.
Persien ist itzt in einem kläglichen Zustande, seitdem
Nadir Schach 1741 umgebracht worden. Der östliche Theil desselben
heist Candahar und hat einen eigentlichen König, der westliche
Theil wird vom Kering-Kan beherrschet, der nicht längst gestorben

/ seyn

/|P_283

/seyn soll. Persien wird itzt im Handel vorzüglich wegen der rohen
Seide besucht. Die Türkischen Völker überhaupt haben etwas,
welches ganz aller Disciplin widersteht und möchten gerne alle
despotisch regieren. Unterdrükende Neigung und Trotz sind ihre
Nationalfehler. Die Araber welche in den Wüsten wohnen halten
sich immer für vornehmer als die andere. Ihre Lebensart ist
noch bis itzt immer patriarchalisch. Das Land Gemen im südlichen
Theile von Arabien, wo ein besonderer Iman herrscht, ist mit sehr
gesitteten Arabern angefüllt. Es gibt daselbst auch noch viele
Arten von Christen. So wird zE eines Volks vom Berge Libanon
Erwähnung gethan, welches seine eigne Emirs hat, und einen
gewißen Caliphen aus dem 11ten Iahrhundert [[???]] für den Erlöser
des menschlichen Geschlechts annimmt. Die Hassassin nannten ihr
Oberhaupt den alten Schaich von Bergen, welcher sich zur Zeit der
Kreutzzüge sehr berühmt gemacht hat.

/ ≥ §_162.

/Von Arabien

/Es hat das rothe Meer gegen Westen, welches darum so aussieht,
weil im Grunde viel Corallengewächse sind. Die Winde sind
auf demselben fast eben so, als in der Zona torrida. Suetz ist eine
der besten Städte an demselben, sie ist eine neue Stadt etwa im
16ten Iahrhundert erst erbauet, liegt an der Westseite des arabi-
schen Meerbusens und also nicht im Mittelpunkt der Erdzunge.
Sie hat keine Stadtmauer. Die Wohnungen sind fast alle höchst
elend, und die Anzal der Einwohner unbedeutend. Mocha
wird von den Europäern am meisten besucht. In Medina liegt Ma¥
homets Grab. Dieses ist ein 4_ekigtes Gebäude, 100 Schritt lang,

/ 30

/|P_284

/30 Schritt breit und ruht auf 400 Säulen, woran 4.000 Lampen
hängen. Das Grab selbst ist mit einem silbernen Gitter um-
faßt und die Mauer ist auf allen Seiten mit köstlichen Stoffen
umhangen und mit Diamanten besetzt, welches Geschenke ma-
homedanischer Prinzen sind. Mecca liegt mehr südwärts,
darinn das Kiabbé ein wurfelförmiges altes Gebäude, deßen
Dach mit rothem und weißem Stoff, die Wände aber mit
Damast behänget, welches schon vor Mahomets Zeiten vor
heilig gehalten worden. Der Platz umher ist mit Gallerien
eingeschloßen. Dahin geschehen die Wallfarten. Mascate hat den
mächtigsten Seefürsten von Arabien. Der gröste Theil der
Araber wohnt in Zelten. Die Cherifen in Mecca und Medina
kommen von dem Engel Mahomeds Hasson [[Hassan]] her. In Arabien
und überhaupt unter den Mahomedanern ist das Stehlen am
meisten verhaßt und seltesten. Die herumschweifensten Araber
sind in Stämme abgetheilt, die ihre Schaicks oder Emirs
haben, doch hat dieser Mann in einigen Gegenden nicht viel mehr
auf sich, als das Wort Herr in Deutschland. Einige sind den Türken
zinsbar, die meisten aber nicht. Die Araber sind mittelmä-
ßig groß, schlang, schwärzlich, haben eine feine Stimme und sind
tapfer. Sie punctiren ihre Haut gern mit Nadeln, worin
sie ätzende Farben einreiben. Viele tragen Nasenringe. Sie sind
aufrichtig, ernsthaft, liebreich und wohlthätig. Ihre wenige
Brunnen in den wüsten Gegenden machen das Reisen sehr
beschwerlich, aber der Dienst der Cameelen erleichtert es. Die
Arabische Sprache ist die gelehrte im Oriente. Sie halten eben so

/ wie

/|P_285

/wie die Türken die Hunde für unrein und scheuen ihre Berührung. Sie
nehmen aber das Windspiel und den Spürhund aus.

/ ≥ Naturbeschaffenheit

/Das Land ist mehrentheils sandigt und dürre. Der rechte Dattelbaum
ist eigentlich in Persien und Arabien zu Hause. Er ist entweder
männlich oder weiblich, der erstre trägt Blumen und keine
Früchte, der letztere Früchte und keine Blumen. Der weibliche
trägt nicht eher Früchte bis er vo«r»n dem Staube der männlichen
bestäubt ist. Der männliche hat ein Art Schoten, die beim Aufpla-
tzen einen Blumenstaub von sich geben. Der Syrup, der hier aus
Datteln gekocht wird, dient hier statt der Butter. Der Aloe
sonderlich von Socotora. Hier ist sie am besten und häufigsten.
Der arabische Balsam wird durch Einritzung eines besondern Baums
gewonnen. Er ist von Anfang so stark, daß einem die Nase davon
blutet. Myrten. Ab-el-Mohon oder der Same des Mosch sind Bal-
samkörner und Samen einer Pflanze. In der arabischen Wüste
Sinai sind in einem Fels noch die Löcher zu sehen, daraus auf
Mosis Anschlag mit dem Stok Waßer gefloßen. Die Griechen haben
das Kloster auf dem Berge Sinai schon auf 1.000 Iahre in Besitz ge-
habt und haben hier den besten Garten von Arabien. Das berühmte
Pharaonis Thal hat seit Mosis Zeiten seinen Namen nicht verändert,
und erstrekt sich in der Länge 1_1/2 Tagereisen von dem Fuß des
Sinai bis an den arabischen Meerbusen; in der Regenzeit ist es so mit
Waßer angefüllt, daß sich die Bewohner auf den Absturz der
Berge begeben müßen. Die warme Quelle Dsabel Hamann
Faraun an der Ostseite des Meerbusens hat bei den Arabern den Ruf,

/ daß

/|P_286

/Daß der Pharao welcher die Israeliten verfolgt habe, im Abgrund
derselben seine Verstokung büsse und wird dahero auch von ihm benennt.
Die Kette von Gebürgen die sich an einem Ende des Pharaonsthal
aufthürmet wird von den Araberns Dsabel Musa oder Moses
Berg, und die Seite dieser Kette, auf welcher das St_Catharinen
Kloster gebaut ist, Tür Sinai genannt. Diese Kloster liegt ab-
hängig auf dem Felsen. Alles was hineingebracht werden muß,
wird in einem Korbe über eine Rolle an einem Strik bis unter
das Dach gezogen, selbst die Menschen die hinein wollen.

/Religion. Mahomed der in Mecca %anno 571 gebohren, heiratete
eine reiche Wittwe Cadighar [[Chadidja]]. Er machte seinen vertraulichen
Umgang mit dem Engel Gabriel in einer Höle unter Mecca kund.
Er beschuldigte Iuden und Christen der Verfälschung der %.Heiligen Schrift
und gab seinen Coran stükweise heraus. Aly Osmann [[Othman ibn Affan]] und Abu-
becker
[[Abu Bekr]] waren bald seine Neubekehrten. Von diesen verbeßerte
Osmann [[Othman ibn Affan]] den Coran. Mahomed war liebreich, beredt, schon seine
Schreibart war so vortreflich, daß er sich oft zum Beweise seiner
Sendung auf die Schönheit seines Stiels berief. Er bekannte daß er
keine Wunder thun könne, doch dichtete man ihm an, daß er den
Mond in 2 Theile zerspalten, daß eine Schöpskeule ihn gewarnet
nicht von ihr zu eßen, weil sie vergiftet wäre. Man dichtete ihm
viel Betrügereien an die er doch nicht gethan. Er heiratete nach
der Cadighar [[Chadidja]] Tode die Aischa eine Tochter Abubeckers. Das
Volk in Medina fing an ihm anzuhängen und er flohe dahin
bei seiner Verfolgung. Diese Aera der Mahomedaner geschahe
622 Iahr nach Christi Geburt. Seine Tochte Fatima verheiratete

/ er

/|P_287

/er an den Vetter Aly [[Ali ibn Abu Talib]]. Er befahl das Gesicht im Beten nach
Mecca zu wenden und gab die Vorherbestimmung des Todes vor als er ge-
schlagen wurde. Er nahm Mocha durch Ueberrumpelung ein
und bezwang einen großen Theil Arabiens. Er starb vom Gift
welches er mit einer Schöpskeule eingefreßen. Das Gebiet von Mecca
ist heilig. Alle Mahomedaner müßen dahin wallfarthen,
oder doch andre schiken.

/ ≥ §_163.

/Von der Asiatische Tartarei

/Dieses große Land wird fälschlich mit einem gemeinschaftlichen
Namen Tartarei oder Tatarei genannt. Denn diese ist eine
von den Horden gewesen, die sich zu einer gewißen Zeit vor
andern hervorgethan und mächtig gemacht haben.

/ ≥ Rußisches Gebiet

/1. Sibirien. Die Einwohner sind Rußische Christen theils Mahomeda-
ner aus der Bucharei, theils Heiden von allerlei Gattungen, deren
eine große Menge ist. Die Mahomedaner sind höflich und eines
freundlichen Wesens. Sie sind die einzigen in diesem Lande die
einen Abscheu vor das Besaufen haben. Denn was die übrigen, sowol
Christen als Heiden anbetrift, so ist wol nirgends ein Geschlecht der Men-
schen, da der Saufteufel so seine Herrschaft bezeigen sollte als hier.
Sibirien ist vornemlich in dem südlichen Theil ein gut Land,
es hat allenthalben Weide und Waldungen im Ueberfluß und
trägt allerhand Gertreide, welches doch gegen Norden zu abnimmt,
und weiter nach der chinesischen Grenze zu aus Faulheit nicht
gebauet wird. Es hat Silber, Gold, Kupfer, Eisen, Marienglaß,
Marmor pp Obgleich die Viehweide hin und wieder sehr gut
ist, so gibt es doch große Steppen oder Wüsten von dürrem Grase,

/ welches

/|P_288

/welches sie ansteken und Meilen weit abbrennen. Ueberhaupt ist
es merkwürdig, daß allenthalben in diesen Ländern und wie viele
Reisende versichern auch in der Mungalischen Tartarei die Erde
in die Tiefe von 3 - 4 Fuß niemals aufthauet und zwar im
heißesten Sommer. Dieses fand Gmelin mitten im Sommer in
Irkutzkoi, eine Stadt die noch näher nach Süden liegt als Berlin.
In den nordlichen Provinzen scheint dieser Frost in der Erde kein
Ende zu nehmen. In Iakutzkoi sollte ein Brunnen gegraben
werden (denn man muß merken daß es in dem etwas nord-
lichen Theile von Sibirien gar keine Quellen gibt, weil die
Erde bald unter der Oberfläche gefroren ist.) Allein diese
Erde war auf 30 Fuß tief immer gefroren und davon kein
Ende zu finden. Bei dem Fluße Iakutzk in dem Lande der
Iakuten sind einige Eisseen, da es mitten in der Hitze des
Sommers an der freien Luft starkes Eis frieret. In Geniseskoi
fand Gmelin bei seinem Winteraufenthalt eine Kälte die das
Fahrenheidsche Thermometer 128 Grad unter 0 brachte, das Queksilber
schien Luft von sich zu geben, aber es gerann nicht. In Iakutzkoi
hat man die Früchte im Keller unverletzt erhalten, weil der Frost
niemals herauskommt. Die Samojeden als die äußersten Einwohner
dieses Landes gegen Norden sind klein, plump, von glattem Gesicht,
brauner Farbe und schwarzem Har. Ihre Kleidung ist im Sommer
aus Fischhäuten und im Winter aus Rauchfellen gemacht. Ihr Ge-
bäude ist nur ein Zimmer, wo der Heerd in der Mitte und das
Rauchloch oben ist, welches wenn das Holz ausgebrannt hat, mit
einem durchsichtigen Stük Eis zugemacht wird und zum Fenster dienet.
Ihre Speise sind frische und trockene Fische. Man gehet hier, wie in

/ dem

/|P_289

/dem übrigen nordlichen Sibirien auf langen Brettern wenn tie-
fer Schnee ist. Fast alle nordliche Einwohner Sibiriens schluken den
Tobak beim Rauchen herunter. Die Ostiacken bringen ihr Leben
mit der Iagd und dem Fischen zu. Sie thun dieses aber mit
solcher Faulheit, daß sie oft in sehr große Noth kommen. Ihre Kleidung
ist von Störhäuten. Unter allen Sibirianer möchten wohl die
Tungusen die fleißigsten seyn, denn ob sie gleich keinen Aker-
bau haben, so sind sie doch ziemlich geschickt allerlei Handarbeit
zu machen und fleißig auf der Iagd, da im Gegentheil die
Iukaten nicht einmal so viel Lust haben, ihre Fälle, worinn sie die
Eichhörnchen fangen aufzustellen. Alle Tartarn die Pferde
haben, machen aus ihrer gesäuerten Milch einen berauschenden
Trank oder ziehen auch Brandwein ab. Alle ihre Gedanken, alle
ihre Festtage sind darauf gerichtet. Wo man Kühe hat, macht man
<eben> dieses auch aus Kuhmilch. Es ist zu merken, daß in Tobolskij
so wie in Persien die Kühe keine Milch geben, wenn nicht das
Kalb oder deßen ausgestopfte Haut da<bei> ist. Es ist auch wunderbar,
daß das Rindvieh sich hier im Winter durch das Verscharren des
Schnees das dürre Graß selbst hervorzusuchen weiß. Außer dem
Saufen herrscht die Unzucht, und daher die Venusseuche in allen
Städten. Tobolskoij, Ieneiceskoij, Kereinsinskoij, Iacutzkoij, Ar-
gunzkoij und andern dermaßen, daß man in keinem Lande der
Welt so viele Leute ohne Nasen sieht, als hier, allein es scheint
sich endlich ihre Natur so daran zu gewöhnen, daß sie selten daran sterben.
In Nergenskoij wird einer lieber sein Haus umfallen laßen als es stützen,
Kein Verdienst kann einen zur Arbeit bewegen, sondern blos die Gewalt.

/ Rel- 

/|P_290

/Religion. Wenn man die Russen ausnimmt, in denen doch kaum ein
Schatten von Religion ist, und die Mahomedaner, so haben die
andern Völker mit keiner andern Gottheit als mit dem Teufel
zu thun. Denn ob sie gleich eine oberste Gottheit statuiren, so wohnt er
doch im Himmel und ist gar zu weit. Die Teufel regieren allein auf
der Erde. Alle Dörfer haben ihren Schamanen, d. h. Teufelsbeschwörer.
Diese stellen sich wie rasend an, machen grausame Geberden, mur-
meln Worte und denn geben sie vor den Teufel ausgefragt zu haben.
Gmelin hat sich oft von ihnen bezaubern laßen aber iedesmal
ihre Betrügereien entdeckt. In Iakutskoi fand er einen Schaman,
welcher das Volk betrog und that, als wenn er sich ein Meßer
in den Leib stach, aber endlich die Herzhaftigkeit hatte als man
genau auf ihn acht gab, sich das Meßer wirklich hineinzusteken,
etwas von dem Netze herauszuziehen, ein Stück abzuschneiden, es auf
Kohlen zu braten und aufzufreßen. Er heilte sich wieder in 6 Tagen.
Allenthalben hat man Bildniße vom Teufel. Der Ostiaken ihrer
ist sehr unförmlich, der Iakuten ihrer eine ausgestopfte Puppe.

/ ≥ 2. Kamtschatka eine Halbinsel. ≤

/Dieses Land ist wegen des Versuchs der Rußen die Durchfahrt in Nor-
den zu suchen sehr berühmt. Ihre Beobachtungen sind noch nicht recht
bekannt geworden. Die Einwohner sind fleißiger in der Iagd und Fi-
scherei als andre Sibirianer«n» sehen beßer aus und haben beßere
Kleider. Sie beschäftigen sich mit Schießen der Meerottern, und an-
derer Pelzthiere, fangen Seekühe, Seebären, Seelöwen und andre
Seethiere mehr. Die africanische Tartarn stehen auch unter Rußland.
Die tartarische Vorstadt in Astracan wird nur im Winter von
Tartarn bewohnt. Im Sommer campiren sie. Außer dem Belluga

/ eine

/|P_291

/ein Gattung Störe deßen Rögen der Cawiar ist, wird allhier noch
die Störheide, ein fetter und delicater Fisch in der Wolga gefangen.
Der Czaar hat hier Weinstöke pflanzen laßen, welche ziemlich gut
fortgehen. Dieses Land hat großen Mangel an Regen. Vom Merz bis
in den %.September regnet es gar nicht. Die rugaischen Tartarn haben
ein runzlichtes häßliches Gesicht. An der Ostseite von Astracan
neben dem Caspischen Meer wohnen die Calpaken d.h. Tartarn
die von den schwarzen Mützbrämen welche sie tragen ihren Na-
men haben und zum Theil unter rußischem Schutz stehen. Gegen Westen
von Astracan sind die Circassischen Tartarn anzutreffen. Ihr Land
ist eine rechte Pflanzschule schöner Weiber, welche von da in die
persischen und türkischen Länder verkauft werden. Das Land
ist schön aber die Viehzucht wird mehr als der Akerbau betrieben.
Von hier hat die Inoculation der Poken ihren Anfang genommen,
weil sie die Schönheit erhält.

/ ≥ Mahomedanische freie Tartarn. ≤

/Usbek hat 3 Abtheilungen

/1. die große Bucharey mit den Städten Samarkand und Buchara,
davon die erste lange Zeit der Sitz aller Wissenschaften im Orient
war. Baleck hat einen beständigen Chan. Die Bucharen sind wol
gesittet und die alten Einwohner des Landes handlen stark. Sie stehen
alle unter der Direction des großen Moguls, welcher daher seine
beste Soldaten hat.

/2. Kua«s»<r>esem. Die Einwohner desselben sind wol gesittet und starke Räuber.

/3. Turkeston daraus die Türken entsprungen sind. Westwerts vom
Caspischen Meere findet man die dagestanische Tartarn, die häßlichsten
unter allen und Er«¿»zräuber.

/ Nogu

/|P_292

/ ≥ Mogulische Tartarn

/Sie wohnen westwärts und nordwärts der Küste Schamesp an Kurakarum
eine Stadt an dieser Küste war die Residenz des Zsichingis Chan eines
der grösten Eroberer in der Welt. Mogulen werden von den
Chinesern stinkende Tartarn genannt wegen ihres übeln Geruchs.
In ihrem Lande und in dem Lande der Calmüken gibt es keine
Bäume sondern bloße Gesträuche. Sie wohnen daher nicht Städten
sondern in Lagern. Das Erdreich soll allenthalben selbst im Sommer
in einer Tiefe von wenig Fuß gefroren seyn. Man lebt von der
Viehzucht, sonderlich von Pferden, und Kräutern.

/ ≥ Kalmüken. ≤

/Die Kalmüken bewohnen die höchste Gegend der oestlichen Tartarei
bis an das Gebürge Imaus und haben sich ostwärts und nord-
wärts ausgebreitet. Sie rühmen sich ächte Nachkommen der alten
Mungalen zu seyn. Ihre Gestalt ist oben beschrieben. Ihr oberster
Beherrscher nennet sich Can-Taischa. Seine Gewalt erstrekt sich bis
Tangut. Einige Horden haben sich unter Rußlands Schutz begeben.
Im Königreiche Tangut blüht noch etwas von den Wissenschaften
der alten Mungalen. In Barantola oder wie es andre nennen
in Potala residirt der große Oberpriester der mungalischen
Tartarn, ein wahres Ebenbild vom Pabst. Die Priester dieser
Religion die sich von dieser Gegend der Tartarei bis an das
chinesische Meer ausgebreitet, heißen Lamas. Diese Religion
scheint ein bis in das blindeste Heidenthum ausgeartetes catholi-
sches Christenthum zu seyn. Sie behaupten Gott habe einen Sohn
der in die Welt als Mensch gekommen und in derselben er blos als ein
Bettler gelebet, sich aber damit beschäftiget habe, die Menschen
selig zu machen. Er sei zuletzt in den Himmel erhoben worden.

/ Dieses

/|P_293

/Dieses hat Gmelin aus dem Munde eines Lama selber gehört. Sie
haben auch eine Mutter dieses Heilandes, wovon sie Bildchen machen.
Man sieht bei ihnen Pater_noster. Die Missionarien berichten, daß sie
etwas 3_faches in dem göttlichen Wesen statuiren, und daß der
Deli Lama ein gewißes Sacrament mit Brodt und Wein
administriren soll, welches aber kein anderer genüßt. Dieser
Lama stirbt nicht, seine Seele belebt ihrer Meinung nach alsbald
einen Körper der dem vorigen ähnlich war. Einige Unterpriester
geben auch vor, von dieser Gottheit beseelt zu seyn und die Chine-
ser nennen einen solchen einen lebendigen Fo. Das angeführte und
daß der große Lama wirklich selbst bei den Heyden ist, und auch
so zu sagen sein patrimonium Petri zu Barantola hat, bestätigen
die obige Vermuthung. Was einige Reisende vorgeben, daß die
Anhänger dieses Glaubens den Koth des Lama als ein feines Pulver
bei sich führen, in Schachteln tragen und etwas davon auf ihr Eßen
streuen, mag wohl eine bloße Verläumdung seyn.

/ ≥ Montschexe Tartarn

/Die Wissenschaften und Künste floriren hier ziemlich. Diese Tartaren haben
China bezwungen und es herrschen noch Käiser aus diesem Stamme.
Sie sind wohlgesittet und bauen den Acker. In ihren Wüsten wächst
die Wurzel Oinseng. Sie sind von der Religion des Deli Lama.

/ ≥ §_164.

/Von dem Versuche aus dem nordischen Eismeer eine Durchfahrt nach Indien zu
suchen. ≤

/Die Rußischen Monarchen haben seit Czaar Peters [[Peter_I]] Zeiten Schiffe
auf diese expedition geschicket. Theils sind sie an den nordlichen Küsten von

/ Asien

/|P_294

/Asien fortgesegelt, aber weil man daselbst bald im Eise einfrieret,
so ist versucht worden in Kamtschatka Schiffe zu bauen und nord-
wärts eine Durchfarth zu finden. Kap Bering scheiterte an den
Lucarischen Inseln, aber es wurden dennoch wichtige Entdekungen
gemacht, die das Rußische Gouvernement bisher verschwiegen hält.
So viel ist höchst wahrscheinlich, daß Asien und America nicht zusam-
menhängen.

/ ≥ §_165.

/Die Asiatische Türkey

/Es ist dieses weit ausgebreitete Land in einigen, als den gebür-
gigten Gegenden von Armenien ziemlich kalt, in den Ebenen
am Seeufer, als bei Aleppo heiß. In den ersten Gegenden
findet man noch bis gegen Ende des Iunius Eis von 2 Finger dik,
ja es schneiet daselbst manchmal noch. Auf dem Berge Libanon
finden sich nur noch 60 Stück von den majestätischen Cedern des Alter-
thums. Der Boden dieses Landes ist hin und wieder salzigt und voll
Naptha. Bei Aleppo ist ein Salzthal, wo das zusammengelaufene
Waßer wenn es austrocknet ist Salz zurück läst. Man findet auch
einige Meilen vom todten Meer eine Salzrinde auf dem Felde,
auch hin und wieder in der Erde. Die Türken die diese Länder
besitzen, sind eigentlich von tartarischer Abkunft, wohlgestaltet,
gastfrei, mildthätig gegen Arme und gegen Reisende. Sie sind ziemlich
der Faulheit ergeben und können Stundenlang bei einander sitzen
ohne zu reden. Der Geitz ist ihr herrschendes Laster. Sie sollen
zwar keinen Wein trinken, aber sie trinken ihn doch heimlich.
Man hat bei ihnen keinen Adel und keine Duellen. Sie spielen nie
um Geld. Sie sind Mahomedaner von der Secte des Omars [[Omar ibn al-Chattab]]. Es gibt selbst
viele Secten unter ihnen, ja sogar Sceptici und Atheisten.

/ Mingrelien

/|P_295

/Mingrelien, Georgien und Irémette sind die Pflanzschulen
schöner Weiber. Mingrelien ist sehr regenhaft. Das Erdreich ist
hier so durchgeweicht, daß man das Getreide in den ungepflüg-
ten Aker hin wirft, oder höchstens mit einem hölzernen Pfluge
umwühlt. Die Georgianer sind schlechte Christen, unkeusch,
diebisch, versoffen. Die Armenianer gehören unter die grösten
Kaufleute im Orient.

/ ≥ §_166.

/Charactere der Einwohner in Indien

/Die Einwohner in Indien sind entweder Heiden, dazu die
Banjaneo und Grauanen gehen, oder Mohren, unter welche
man die Moguls, Tartarn, Perser und Araber zählt, oder
endlich Iuden und Christen. Die tartarischen Moguls
haben sich seit Tamerlans Stifftung des Indostanischen Reichs,
sehr ausgebreitet, weil sie tapferer sind als die Landesge-
bornen und die die Religion des Käisers haben. Die Ban-
janen sind sehr friedliche, höfliche und verständige
Leute, sie kommen keinem Menschen zu nahe, jedermann
handelt mit ihnen gern, daher sie auch den grösten Reichthum
an sich ziehen. Sie sind sehr emsig auf einen kleinen Vortheil,
sonst sehr gleichgültig einen jeden Vortrag in einer jeden
Religion anzuhören. Ihr Mitleiden erstrekt sich auf
alles das lebet, und weil sie vor dem Tode einen großen
Abscheu haben, so sind sie auch gar nicht kriegerisch, daher sie
iederzeit von andern beherrscht worden. Sie sind sonst wohlge-
staltet. Einige gemeine Leute zeichnen sich die Stirne mit

/ langen

/|P_296

/langen gelben Streifen von geriebenem Sandelholz oder auch Kuhmist,
die meisten färben sich die Zähne schwarz. Die Braminen und
Banjanen eßen nur was ein Leben hat oder woraus etwas
lebendiges kommen könnte, keine Eier noch Samen von Früchten,
indeßen eßen sie doch Wurzeln, Reiß und Fleisch. Sie halten
alle Einwohner für unrein und trinken nicht mit ihnen
aus einem Gefäße.

/ ≥ §_167.

/Naturalien

/Der Banianbaum ist kein anderer als der schon oben angeführte
Mangelbaum, deßen sich zur Erde beugende Aeste wieder Wur-
zel faßen und sich so ausbreiten, daß wohl ein Regiment Solda-
ten darunter Platz hat. Unter diesen werden ihre Götzen-
bilder gestellt. Die Indigopflanze oder Staude ist schon oben be-
schrieben worden. Auch ist hier anzutreffn Pfeffer, nebst Ingber
und Cordomon, ferner der Cocus- und Baumwollenbaum.
Man braucht daselbst auch sowol Ochsen als Cameele zum
Lasttragen. Die Indianischen Elephanten sind wegen ihrer
Gelehrigkeit und ungemeinen Größe berühmt. Der Mogul
hat auch Elephanten auf denen man Canonen welche auf
ihren Laretten herumzudrehen sind, pflanzt. Der Canonier
ist mit dem Führer des Elephanten Rüken gegen Rüken.
Die ostindianische Schweine sind dikleibig, aber ihr Fleisch wird
von den Europäern für köstlich gehalten. Die Tieger, Leoparden,
Wölfe pp. sind in den Wildnißen häufig anzutreffen. Anderes
Ungeziefer, Schlangen, Scorpionen, Spinnen, Tausendbeine sind hier
in ungemeiner Größe. Mosquitae und Wanzen plagen die
Einwohner ungemein. Man sagt auch daß es hier Frösche und Kröten
regne. Die Raubvögel sind hier dreister als anderwärts, denn die Ban-
janen futtern sie. Unter den Bergwerken in Indien kommen blos die
Diamantengruben in Betrachtung, Gold, Silber, Eisen, Bley und Kupfer werden
entweder grob oder doch sehr wenig aus der Erde gegraben.

/ §

/|P_297

/ ≥ §_168.

/Wissenschaften

/Man schreibt auf Palmbaumblätter mit einem eisernen Griffel.
Sie haben auch ein dünnes Papier worauf sie mit einem Rohr
schreiben, das so dik ist als ein Gänsekiel. Das Couvert von ihren
Briefen ist ein hohles Bambusrohr und unten versiegelt. Die
Astronomie ist schlecht. Sie glauben daß der Mond über der Sonne
stehe, bemengen sich sehr mit der Astrologie, Kuriren Kolik und
übele Verdauung durch Brennen auf dem Bauch oder auf den
Fußsohlen. Die Pest der Landeseinwohner greift keinen Europäer
an. Die Braminen Kuriren durch Zauberei, sie machen auch den
Schlangenstein. Den Tag theilen sie in 32 Theile ein, die sie durch
eine Wasseruhr meßen.

/ ≥ §_169.

/Einkünfte des Moguls

/Hier werden alle Landes_Einkünfte unwiederbringlich vergraben.
Die Nabocs saugen das Mark des Landes in sich und werden wie-
der vom Mogul als Schwämme ausgedrukt. Die Könige auf den Halb-
inseln erfahren dieses von Zeit zu Zeit. Alles Gold was in
Ostindien gegraben wird, muß sich zuletzt in dem Schatze des Moguls
zusammen befinden, von da es nie wieder heraus kommt.

/ ≥ §_170.

/Religion

/Die Moguls, Perser und Araber sind Mahomedaner. Die ur-
sprünglichen Einwohner haben unterschiedene Secten, eine davon
ist die so genannte Secte des Lama, die sich nicht allein in Hindostan,
sondern auch im Lande Thibet und der kleinen Bucharey sehr
ausgebreitet hat. Selbst in China haben viele Einwohner die Re-
ligion des Lama angenommen, die sehr vieles eigene in ihrer Einrichtung hat.

/ Der

/|P_298

/Der oberste Regent im Lande ist ein Geistlicher und heißt Dalai
Lama. Dieser hat seinen Sitz im Lande Thibet. Man glaubt von
ihm daß seine Seele sich beständig in seinen Nachfolger begebe,
und daß also von dem ersten Lama an, dieselbe Seele bis itzt alle
Dalai Lamais beseele. Das ganze Priestergeschlecht wird schlecht-
weg Lama genannt. Der Dalai Lama wird für sehr heilig
gehalten, so wie der Pabst in Europa zur Zeit der Barbarey, die-
ses geht so weit, daß die Einwohner von Thibet seine Excrementa
sogar für heilig halten und sie getroknet über ihre Speisen streuen.
Nach dem Dalei Lama folgt das weltliche Oberhaupt Taischo-
Lama, der die besondre Gabe ihrer Meinung nach besitzt,
die Seele des vorigen Dalai Lama oder auch eines
seiner verstorbenen 7 Cardinäle wieder zu erkennen,
sollte sie auch etliche Iahre hernach erscheinen. Bei dieser
Gelegenheit wird ein großes Festin gegeben. Alles
dieses mag wohl seine gute politische Ursachen haben.
Der Dalai Lama ertheilt dem Volk seinen Segen
mit dem Scepter, den Kardinälen mit der Hand und
dem Taischo-Lama durch Berührung der Stirne desselben.
Er selbst aber empfängt von dem Bogdo_Lama der
noch über ihn ist den Segen. Ferner gehören unter ihre
Secten die Bramanen, Naschbots und Bajanen. Die
Paräer, welches alles eßen und die geringschätzigsten
Arbeiten thun, werden von allen für unrein gehalten,
ob sie gleich unentbehrlich sind. Die Bramanen sind durch
ihre eingebildeten Heiligkeit unterschieden. Einige waschen
sich niemals, damit sie nicht etwa ein Thierchen tödten möchten,

/ tragen

/|P_299

/tragen ein Neßeltuch auf dem Munde, um nicht ein le-
bendiges Thier einzuziehen, eßen gar kein Fleisch, einige
heirathen auch gar nicht. Sie haben allein das Priester-
thum an sich. Sie statuiren nur einen unendlichen Gott
und 3 Untergötter. Ihre Bilder sind sehr mannigfaltig und
zum Theil monströs anzusehen, daher sagen die Europäer,
sie beten den Teufel an. Sie reinigen sich mit allerlei
Materie sogar mit Kühpiß und Mist, als der vortref-
lichsten Reinigungsmitteln. Sie geben vor die unter-
schiedlichen Bilder zeigen nur Eigenschaften eines und
eben desselben Gottes an. Die Naschbots sind den Bramanen
am ähnlichsten, die Banjanen sind die zalreichsten. Sie
haben gegen alle lebendige Thiere eine besondre Liebe
am meisten gegen das Rindvieh, worinn die seligsten
Seelen sollen anzutreffen seyn. Es kann auch ihrer
Meinung nach niemand über den Fluß der das
Paradies von dieser Welt scheidet kommen, ohne sich
an den Schwanze einer Kuh zu halten. Mancher er-
nährt die Ratten %und Schlangen, weil er sich einbildet,
die Seelen seiner Anverwandten wären in ihnen.
Die rechte Hand halten sie sehr heilig und hüten sich
nichts verächtliches damit zu thun. Die Banjanen bauen
Hospitäler z.E bei Surate, für Ziegen, Pferde, Kühe
und Hunde, welche lahm oder alt werden. Nahe dabei ist
ein Hospital für Flöhe und Wanzen, sie dingen einen

/ armen

/|P_300

/armen Menschen, daß er sich von ihnen muß freßen
laßen. Sie geben alle Iahr ein beßer Gastmal für die Fliegen.
Ihre Sorgfalt erstrekt sich bis auf die Bäume. Es ist ein
Mönchsorden unter den Heiden dieses Landes, welche
Foquirs genennet werden, darunter einige Büßende sind,
die sich allerlei Marter anthun. Einige nehmen eine
gewiße Positur an, die sie niemals verändern zE
die Hände in die Höhe und den Kopf rückwärts gebogen,
so daß die Gelenke endlich so verwachsen. Einige thun
ein Gelübde niemals liegend zu schlafen, und hängen
sich zu dem Ende in einer Schleife, die sie an einen
Band bevestigen. Diese Buße der Faquirs bringt wie
sie glauben großen Segen aufs Land. Aber die
fremden streifenden Faquirs oder Bettelmönche kommen
mit den mahomedanischen Derwischen überein. Sie schlagen
sich zuletzt zusammen und werden Zigeuner, welche
alle Religionen, wo sie hinkommen, bekennen. Die
Parsen oder Tauren beten das Feuer an. Sie wißen
von keiner größern Gottlosigkeit als das Feuer mit etwas
anders als mit Feuer auszulöschen. Sie haben für einen
Hahn eben dieselbe Hochachtung als die Banjanen für
eine Kuh. Sie heirathen in keine fremde Geschlechter, daher
sie auch ihre alte weiße Farbe behalten. Sie halten sich
auch für verunreiniget, wenn ein Fremder von ohnge-
fehr mit ihnen gegeßen oder getrunken hat. Ihr ehrliches
Begräbniß ist in dem Magen der Vögel. Bei Surate haben

/ sie

/|P_301

/sie auf dem Felde einen Platz, der mit einer hohen Mauer
umzogen ist. Der innwendige Platz ist so gemächlich an-
gelegt, daß die Feuchtigkeiten auswärts a«¿¿»blaufen.
Da sieht man eine Menge Leichen auf eine sehr ekelhafte
Art liegen, mit ausgefreßenen Augen, herausgerißenen
Gedärmen, welche von den Habichten und andern Vögeln
so zugerichtet und gefreßen werden. Man findet in
diesen Ländern auch Thomas-Christen.

/ ≥ §_171.

/Ehen

/In dem Königreiche Massuliput soll ein Weib bis 12
Männer zugleich heirathen können. Man verkauft hier wie
sonst in Indien die Weiber und hält sie sclavisch. Die
Verbrennung der Weiber der Bramanen zugleich mit
den Männern geschieht von ihnen bisweilen freiwillig,
bisweilen gezwungen.

/ ≥ §_172.

/Von den Asiatischen Inseln

/1 Von Iapan. Sie ist nebst Madagascar und Borneo unter
die grösten von allen Inseln zu rechnen, zu welcher noch viele kleinere
und größere Inseln die durch enge hohe Waßer von
einander abgesondert sind gehören. Sonst besitzt der Käiser
etwas auf Kurili dem südlichen Theile von Kamtschatka.
Das Land ist erstaunlich volkreich. Von Meaco bis Yeddo
reiset man in einer Länge von 200 Meilen durch 33
große Städte mit Castellen und durch 75 Städte ohne Mauren,
und durch so viel Dörfer daß immer eins das andre stößt,

/ daher

/|P_302

/daher man viele Meilen weit als durch eine einzige
Straße reisen kann. Das Land ist sehr gebürgigt, hin
und wieder sind feuerspeiende Berge, die entweder
ausgetobet haben oder noch toben, heiße Brunnen %.und %dergleichen
deswegen auch bisweilen Erdbeben entstehen. Im nord-
lichen Theil von Iapan ist es ziemlich kalt, überhaupt
aber auf der Insel sehr unbeständig Wetter, iedoch
regnet es am meisten im Iunius und Iulius. Iapan
hat ein geistliches Oberhaupt, Dairo genannt, der zu
Meaco residirt, und ein weltliches, Kabo genannt. Der
Dairo hat keinen andern Besitz als die Stadt Meaco,
und die dazu gehörige Ländereien, ob er gleich vorhero über
die ganze Insel herrschte: denn nunmehro ist der Kabo
der souveraine Käiser über dieselbe. Kein Hafen außer
Nagasocki steht den fremden offen und zwar nur
den Holländern und Chinesern.

/ ≥ Charakter der Nation ≤

/Die Iaponeser haben mehrentheils einen großen Kopf,
platte Nase, kleine Augen (obzwar nicht so sehr als die
Chineser) sonst sind sie klein von Natur und untersetzt,
haben eine braune Gesichtsfarbe und schwarze Hare.
Sie sind sehr argwöhnisch, jachzornig wie die Tartarn,
ungemein hartnäkig und scheuen nicht den Todt.
Sie erben die Reihe einer vom andern. In ihrem Bauen
theilen sie ihr Haus nicht in beständige Zimmer, sondern

/ können

/|P_303

/können durch ihre Schur so viel Zimmer machen als sie
wollen. Alles Holzwerk ihrer Häusern ist lakiret. Sie wißen
wie die Chineser von k«l»einen Glasfenstern, sondern in
Oehl getauchtes Papier und geschliffene Austerschalen
werden dazu gebraucht. Es ist aber in allen Häusern
ein Brandfreies Zimmer. In ihrem Eßen wißen sie alle
mögliche, selbst die giftigen Kräuter zuzurichten. Käse
und Butter aber eßen sie nicht. Ihre Complimente
haben viel ähnliches mit den Chinesern ihren, sind aber
nicht so beschwerlich. Sie sind überhaupt dem Selbstmorde
sehr ergeben. Zum Beschluß eines Festins zE fordert
ein Vornehmer bisweilen seine Diener auf, %und frägt
sie welcher Lust habe durch Aufreißung des Bauchs
ihn zu beehren, worauf sich die Bediente noch um
die Ehre zanken. Sie verbrennen ihre Todten. In den
Strafen hält man nicht viel von andern Arten als
vom Verbrennen, Zerreißen durch Pferde, sieden im
Oehl und Kreutzigen mit umgekehrten Kopfe. Die Hurerei
ist in Iapan keine Sünde, ausgenommen wenn sie von
einer verehelichten Frau ausgeübet wird. Eines ieden
Menschen Verbrechen wird durchgehends durch den Tod
der ganzen Familie gestraft, die weiblichen Geschlechts aus-
genommen. Wenn zwischen Nachbaren einer Straße Streit
entsteht, so läuft alles zu ihn beizulegen. Geschieht es daß einer
erschlagen wird, so muß der Thäter er mag ihn durch

/ Noth

/|P_304

/Nothwehr getödtet haben oder nicht, erstlich sterben,
die Nachbaren werden auf der Stelle des Unglücks 3 bis 4
Monate in ihren Häusern mit großen Bäumen ver-
sperret, die andern in derselben Straße müßen einige
Wochen Frohndienste thun. Ihre Torturen sind abscheulich,
den Leib mit einem Trichter voll Wasser begießen und
dann auf den Bauch treten, oder i«m»n gelbe Leinwand den
Delinquenten vest verwindeln und diese mit Waßer
begießen, und ihn denn an der Sonne auf die Steine rollen,
sind gemeine Aussagungsmittel.

/Religion. Sie erkennen ein höchstes Wesen, weil es aber ihrer
Meinung nach viel zu hoch ist, als daß es sich um die
Menschen bekümmern sollte, so beten sie die vergötterten
Seelen abgeschiedener Menschen an. Sie wißen von keinem
Teufel als von dem der den Fuchs beseelt hat, in welches
Thier auch die Seelen der Gottlosen fahren. Einige sind in
allen ihren Grundsätzen, indem sie die höchste Glück-
seligkeit in die Tugend setzen und Selbstmord sehr
hoch halten, den Stoikern ähnlich. Diese Sekte heist
die Syntoisten, einige halten sie für Verehrer des wahren
Gottes, andere für Atheisten. Die vorigen Christen die
seit der allgemeinen Verfolgung hier um Nagasacki
übrig geblieben sind, werden jährlich genöthiget ein
Crucifix und Marienbild mit Füßen zu treten; die
es nicht über ihr Gewißen bringen können werden
ins Gefängniß geworfen. Das Verbot des Kaisers aber
geht vornemlich auf die catholische Religion.

/ Wiss

/|P_305

/Wissenschaften und Künste. Sie rechnen so wie die Chineser
mit einem mit Striken bezogenen Brette worauf sie
etliche Knöpfchen hin und her schieben. In der Medicin
brauchen sie die Aderlaße so wie die Chineser gar nicht.
Zwei Arten zu curiren nehmlich das Muzabrennen
und Nadelstechen ist hier allgemein und in China berühmt.
Sie nehmen die Fleken oder Fasern von dem Beyfuß mit
breiten Blättern, drehen alles davon zwischen den Fin-
gern wie ein Kügelchen hinauf, und zünden es mit wol-
riechendem Holze an und laßen es bis auf die Haut
abglimmen. Es ist nicht schmerzlich, selbst Kinder leiden es.
In dem Augenblike, daß das Feuer die Haut berührt
geschieht bei Patienten eine Empfindung wie durch
die Electricität. An beiden Seiten des Rükgrads sind
die vornehmsten Stellen. Die Verdauung zu befördern
brennen sie zwischen den Schultern. Wider die Zahn-
schmerzen brennen sie den Menschen an der Hand,
auch wohl auf derselben Seite des leidenden Zahns.
Es werden öffentlich Statüen verkauft, dadurch Theile
des Körpers bezeichnet sind, die bey gewißen Zu-
fällen müßen verbrannt werden.

/Das Nadelstechen geschieht mit Nadeln aus Gold und
Silber. Die Nadeln sind 4 Daumen breit und lang.
Die silberne Nadel ist nicht diker als eine Seite. Sie
stecken in einer Röhre und werden einen Daumen tief
ins Fleisch gedrehet. Die Iaponeser sind große Meister in

/ Gold- 

/|P_306

/Gold- Silber- Kupfer- Eisen- und Stahlarbeiten. Sie härten
den Stahl und machen selbst Papier aus der Haut, in der
die Rinde gewißer Maulbeerbäume ist.

/Ihr Akerbau ist wegen der erstaunender Menge der
Menschen wie bei den Chinesern sehr sorgfältig. Sie machen
Abtritte für Reisende um die Düngung zu gewinnen.
Wer ein Stük Land ein Iahr unbebaut läßt, verliert
sein Recht darauf.

/Ihr Theebau ist sonst eben so gut als der chinesische eingerichtet.

/Naturalien. Gold und Silber wird obwol nicht in großer
Menge in Iapan gegraben. Kupfer ist am häufigsten
und wird in Stangen wie Lack gegoßen. Ambra wird
von der See klebricht und weich ausgeworfen, ist
aber in dem Magen des Wallfisches hart. Der Firnißbaum
wird in seiner Rinde geätzt und gibt einen Lack,
womit die Iaponeser alle Sachen laquiren, worüber
sie hernach einen Firniß von Oehl und Terpentin streichen
und mit allerlei Farben vermischen, daher die verschiedene
Farbe, die man an denen mit Firniß laquirten Sachen
wahrnimmt, herrührt. Sie distilliren den Kampfer aus dem
Sägestaub des Kampferbaums. Auch Indianische Vogelnester
finden sich hier. Der Fisch der Blaser genannt, ist ein starkes Gift.
Ein Iaponeser aß aus Verdruß über die spanischen Poken
die ihn verzehrten deßen Fleisch, hierauf brach aber mit diesem Gift
alle seine Krankheit aus und ward gesund.

/ ≥ 2. Von den phil«l»ippinische Inseln.

/Mindanao ist gröstentheils mahomedanisch und steht unter
der Bothmäßigkeit eines Sultans. Die Abwechselung der

/ Land

/|P_307

/Land- und Seewinde, %.imgleichen die östlichen und westlichen
Moussons, die Orcane und Ungewitter in den Zweifel-
monaten ist hier sehr wichtig. Die Einwohner scheinen
ihrer Gesichtsbildung nach Abkömmlinge der Chineser zu seyn,
sie ahmen ihnen auch in der höflichen %und rachgierigen
Gemüthsart und in der Meinung zu betrügen nach.
Der Sago- oder Plantanen_Baum vertroknet so bald seine
Frucht reif ist, alsdenn schiessen aber wieder andre
Sproßen hervor, die den Abgang der alten ersetzen. Binnen
einem Monat, wenn der Stamm so dik als ein Arm ist,
und wenn er seinen völligen Wachsthum hat, so schießt
oben ein Stempel heraus, worauf die Frucht traubenweise
wächst, deren Fleisch weich und süß wie Butter ist, welche
von den Indianern frisch oder getroknet oder gestoßen
und gegohren als Wein getrunken werden.

/Luconia mit der Hauptstadt Manilcha gehöret den Spaniern.
Diese Insel ist sehr dem Erdbeben unterworfen. Die Einwohner
in dem innern gebürgigten Theile derselben sind schwarz,
aber nicht von der africanischen Art. Die Schwarzen in
der Halbinsel disseit des Ganges sind fast so schwarz wie die
Caffern, haben aber eine reguläre Gesichtsbildung und
glatte Hare.

/Es wachsen hier die meisten ost- und westindischen Bäume.
Der Baum Comonday ist so gifftig, daß in seinem Schatten
zu schlafen tödlich ist, und die Blätter die von ihm ins
Waßer fallen, die Fische tödten.

/ 3.

/|P_308

/Von den latronischen Inseln. Auf diesen sowol als auf den
pilippinischen wächst die Brodfrucht, so groß als ein Ballen,
ist zart und süß, wenn sie getrocknet wird, schmeckt sie wie Semmel.
Ihre Pframen oder fliegende Fahrzeuge sind oben beschrieben,
nur ist hier noch hinzuzusetzen, daß auf der bauchigten
Seite ein Ausleger nemlich ein schmaler Kahn, 7 Fuß von dem
Borde ab an einen Stamm bevestigt ist, damit das Schiff
nicht umschlage. Die platte Seite ist die Windseite und eine
iede Spitze ist das Vorder oder Hintertheil. Sie segeln in
6 Stunden 33 bis 35 deutsche Meilen. Die Insel Gugnon
ist die vornehmste. Timian ist wegen des Aufenthalts des
Admiral Anson in derselben merkwürdig.

/δRest_leer

/|P_309

/ ≥ Zweites Capitel

/Von Africa.

/ §_173.

/Das Vorgebürge guter Hoffnung. ≤

/Die eigentliche Einwohner sind Hottentotten. Diese haben
nur eine Zigeuner_Farbe, aber schwarz wolligt Har
wie die Negers und einen dünnen wolligten Bart. Sie drü-
ken ihren Kindern bald nach der Geburt die Nase ober-
wärts ein, und haben also eine ungeschikte aufgestuzte
Nase und dike Wurstlippen. Einige haben ein natürliches
Fell am Ossa pubis, welches ihre Genitalia bedeket, ob sie gleich
noch ein Schaffell darüber tragen. Serenet [[Thevenot]] bemerkt eben
dieses von vielen Mohrinnen und Egyptiern. Sie werden alt
und sind sehr schnell zu Fuße. Sie salben täglich ihre
Haut mit Schöpsen_Fett um die Schweißlöcher gegen die
gar zu große Austroknung der Luft zu bewahren, allein
daß es aus Galanterie geschehe sieht man daraus, weil
sie nicht allein ihre Hare, ohne sich sich jemals zu kämmen, täg-
lich mit eben derselben Salbe balsamiren, sondern auch
ihren Schafpelz, den sie erstlich mit Kuhmist (welches über-
haupt ihr Lieblingsgeruch ist) stark einsalben, täglich mit
Schaffett und Ruß schmieren. Ihre übrige Zierrathen sind
Ringe von Elfenbein um die Arme, ein kleiner Stok mit
einem Katzen- oder Fuchsschwanze, welcher zum Schnupftuche dienet,
Nur die Weiber tragen Ringe von Schafleder um die Beine
gewikelt. In den Haren tragen sie Glaß und MeßingsKnöpfe,

/ und

/|P_310

/und um den Hals Ringe. In den Festtagen machen sie sich
6 große Striche mit rother Kreide über die Augen, Baken
Nase und Kinn. In ihren Schlachten sind sie mit Wurfpfeilen,
einem Parier_Stock und Pike ausgerüstet und attaquiren
so lange bis ihr Oberster auf der Pfeife bläst, mit wun-
derlichen Grimaßen, indem sie einzeln bald einen Ausfall
thun, und bald zurükspringen. Wenn der Oberste zu blasen
anfängt, so hört das Gefechte auf. Sie können auf
eine erstaunliche Weite mit Wurfpfeilen oder Steinen
treffen und zwar, indem sie ihre Augen nicht gerade
auf den Gegenstand richten, sondern oben, unten und zu
den Seiten. Sie haben eine Menge religiöser Handlungen,
ob sie gl«s»eich sich eigentlich niemals darum bekümmern,
was Gott, den sie den obersten Hauptmann nennen sey.
Sie verehren den Mond und tanzen vor einer Gattung
von Goldkäfern, die sie als eine Gottheit verehren. Wenn
dieser sich irgend in einem Dorfe zeigt, so bedeutet
es großes Glück, und setzt er sich auf irgend einen
Hottentotten nieder, so ist er ein Heiliger. Sie glauben wol
ein Leben nach dem Tode aber sie denken weder an Se-
ligkeit noch an Unseligkeit. Sie scheinen von dem Iuden-
thum etwas angenommen zu haben. Der erste Mensch hat
ihrem Vorgeben nach Noh geheißen. Sie enthalten sich keines
Fleisches als des Schweinfleisches und der Fische ohne Schuppen,
sie geben aber niemals eine andre Ursache davon
an, als weil es so Hottentotten_Gebrauch wäre. Die Hotten-
totten haben vielen natürlichen Witz und viel Geschicklichkeit

/ in Aus

/|P_311

/in Ausarbeitung mancher Sachen, die zu ihrem Geräthe
gehören. Sie sind ehrlich und sehr keusch, auch gastfrei, aber
ihre Unflätigkeit gehet über alles. Man riecht sie schon
von weitem. Ihre neugebohrne Kinder salben sie recht
dik mit Kühmist und legen sie so in die Sonne. Alles muß
bei ihnen nach Kuhmist riechen. Läuse haben sie zum
Ueberfluß, so daß sie selbige zum Zeitvertreib eßen.
Alle Hottentotten müßen von dem 9ten Iahr eines
testiculi beraubet werden. Diese und andre Feierlich-
keiten werden damit beschloßen, daß 2 Aelteste die
ganze Versammlung bepißen, welches Weihwaßer
sie stark einreiben. Dieses geschieht auch bey Zusammen-
tretung zweier Eheleute. Der Iunge wird mit vielen
Cerimonien im 18ten Iahr unter die Männer auf-
genommen und vorhero bepißt, welches er sich mit Fett
einreibt. Hernach muß er mit keinem Weibe etwas zu
thun haben, und kann sie prügeln auch wol gar die
Mutter. Die Weiber müßen die ganze Wirthschaft be-
sorgen, der Mann thut nichts als Tobakrauchen, saufen
und etwa zur Lust jagen. Ihre Faulheit bringt sie
oft in Noth, so, daß sie ihre lederne Schusolen oder auch
die lederne Ringe um die Finger freßen. Unter ihre
lächerliche Gewohnheiten gehöret auch sonderlich, daß eine
Wittwie zum 2ten mal heirathen will, sich ein Glied
vom Finger muß abnehmen laßen. Dieses fängt vom
ersten Gliede am kleinen Finger an, und geht so, wenn
sie mehrmahls heirathet, durch alle Finger durch. Was ihr

/ Eßen

/|P_312

/Eßen anbelangt, so sind sie die grösten Liebhaber von
Gedärmen. Sie machen Kochtöpfe aus Erde von Ameisen-
haufen, ihr Löffel ist eine Muschel, sie braten zwischen
heißen Steinen. Brandtwein ist ihr ergötzlichstes Getränke,
wovon sie nebst dem Tobak_rauchen fast rasend werden.
Die Kühe geben hier auch nicht Milch, ohne daß das
Kalb dabei ist. Sie blasen ihnen aber im Verweigerungs¥
Fall in die Mutter mit einem Horn. Die Butter ma-
chen sie durch Schütteln der Milch in Säken von hohen
Ochsenhäuten, davon das rauhe auswendig ist, aber sie
brauchen sie nur um sich zu schmieren. Kein Volk ist
hartnäckiger auf seine Gewohnheiten als dieses. Man
hat noch nicht einen Hottentotten zum christlichen
Glauben bringen können. Wenn sie Zwillinge be-
kommen und eins ein Mädchen ist, so begraben sie es
lebendig. Wenn ein alter unvermögender Mensch nicht
mehr seine Nahrung suchen kann, so schaffen sie ihn
bei Seite, laßen ihm etwas Vorrath und darauf ver-
hungern. Sie halten viel zum Streit abgerichtete Ochsen.
Ihre Hütten sind wie Heuhaufen und das Dorf in
die Runde mit Hüten besetzt. In der Mitte ist das
unbewehrte Vieh. von außen die Streitochsen und Hunde.

/ ≥ Naturbeschaffenheit des Landes.

/Vom May bis in den %September sind hier häufig Regen mit
Nordwestwinde; vom %September bis in den May das Gegentheil.
Wo das Regenwaßer in Pfützen austroknet, bleibt Salz
zurük. Selbst ein Gefäß, das mit seiner Oefnung den
Wind auffängt, setzt Waßer auf den Grund ab,

/ welches

/|P_313

/welches salzigt ist. Der gute Mousson, oder Südostwind streicht
hoch und hat eine ungemeine Gewalt. Dieser erhält
die Gesundheit. In den Zweifelmonaten ist sehr ungesundes
Wetter. Das Gewölk am Tafelberge das Ochsenauge ge-
nannt ist oben beschrieben worden.

/ ≥ Produkte des Landes.

/Das Waßer auf dem Capo ist sehr schön. Es verliert wenn
es bis Europa gebracht wird nicht seine Neuigkeit. Man
findet Eisensteine, daraus die Hottentotten Eisen schmelzen,
und sich ihre Werkzeuge mit Steinen schmieden. Man
find Zinn und etwas Gold. Es find sich hier der Ele-
phant deßen Mist die Hottentotten im Nothfall als To-
bak rauchen, auch Löwen, Tiger und Leoparden, deren
Fleisch ihnen sehr schön schmekt. Das Nasehorn, deßen
Horn, wenn es als ein Becher ausgehöhlt worden vom
Gifte springt; ferner das Zebra; der Büffel, das Fluß-
pferd, das Stachelschwein, wilde Hunde, die aber in Gesell-
schaft den Menschen nichts thun; viele Pawiane,
Steindachse, die wenn sie verfolgt werden, einen solchen
Gestank von sich laßen daß Menschen und Thiere ohn-
mächtig werden; große Schildkröten, Durstschlangen (Prester)
die Cobrade Capello, Tausendfüße, Nordcaper, Delphine,
Doraden, Heuer, Blaser und Krampffische. Es find sich auch
hier die Wurzel Giahl«a»<e>ch, nach der die Hottentotten
sehr trachten. Der Wein ist schön.

/ ≥ §_174.

/Das Land Natal.

/Es wird von Caffern bewohnt, und ist zum Theil von den

/ Holl- 

/|P_314

/Holländern gekauft. Die Caffern haben fast nichts ähnliches
mit den Hottentotten, sie sollen sich nicht wie diese salben,
haben ekigte leimerne Häuser, sind sehr schwarz, haben
lange glatte Hare, säen und brauen Getränke, welches
die Hottentotten nicht thun. Sie handeln mit den See-
räubern die Thiere und Pflanzen sind eben dieselbe
als bei den Hottentotten.

/ ≥ §_175.

/Die Küste Sofala

/Sie wird itzt Iena genannt, wegen einer portugisischen
Stadt auf derselben gleichen Namens. Man hält diese Küste
vor das Ophyr des Salamonis [[Salomon]] mit vieler Wahrscheinlich-
keit. Man findet hier Elephantenzähne und Goldstaub.
Mozambek eine Insel gehöret den Portugiesen. Ober-
halb der Küste gehöret das Land den Arabern von
Neuscate, einige wilde und gastfreie Nationen aus-
genommen bis an die Meerenge Bab-al-Mandal.

/ ≥ §_176.

/Das Eyland Madagascar

/Diese Insel wird für die gröste unter allen bekannten
Inseln gehalten. Die Franzosen beherrschen guten Theils
die Küste. Die Einwohner sind theils Schwarze, deren
Menge auf 1.600.000 beträgt, theils von arabischer Ab-
kunft. Die schwarzen sind groß und hurtig, die Weiber
schön und artig. Niemand bekümmert sich darum wie
sich ein Mädchen vor der Ehe aufgeführet habe, wenn
sie nur hernach treu ist. In ihren Kriegen hängt der
Sieg blos von der Tapferkeit ihres Anführers ab, deßen
Tapferkeit oder Flucht ein gleiches bei dem Volke nach sich zieht.

/ Sie

/|P_315

/Sie haben die Beschneidung wie die meisten africanischen
Völker der Küste. Sonst haben sie keine Gottheit als
eine Grille, die sie im Korbe futtern, und worinn sie die
bösen Sachen setzen. Dieses nennen sie Olï. Die Ochsen haben
hier alle Höker von Fett. Die Schaafe bekommen sehr
breite Schwänze, die aus lauter Fett bestehen. Es findet
sich hier eine Menge leuchtende Fliegen, welche wenn
sie sich des Nachts auf einen Baum setzen, das Ansehen
geben, als wenn die Bäume brennen. Man findet
hier auch ein großes Seeungeheuer, so groß als ein
Ochse mit Crocodillfüßen, aber borstig. Auf der Insel haben
sie kein ander Gold als was sie von den Arabern durch
Handel bekommen, aber unterschiedene Edelgesteine finden
sich bey ihnen.

/ ≥ §_177.

/Monomotapa

/Der Kaiser dieses weitläuftigen Reichs herrscht über viele
Unterkönige. Im Innern des Landes sind Gold- und
Silberbergwerke, die sehr reichhaltig sind. Die Einwohner
sind schwarz, behertzt, schnell zu Fuße. Sie bemengen
sich viel mit Zaubereien. Die Portugiesen wollen uns weiß
machen, es wären unter den Soldaten dieses Kaisers auch
Amazonen-Legionen, welche sich die linke Brust ab-
brennen und sehr tapfer fechten.

/ ≥ §_178.

/Von den Ländern Congo, Angola und Benguela.

/Die Luft von Congo ist gemäßigt. Vom April bis in
den August ist hier Regen mit Nordwestwind, und vom

/ %.September

/|P_316

/%.September bis in den April heiter mit Südostwind. obgleich
bei ihnen in diesen letztern Monaten die Sonne am höchsten
«steht» ist, so kühlen die Winde doch ungemein. Das Erdreich
ist sehr fruchtbar. Man bauet einige Gattungen von
Korn, Hirsen und Hülsenfrüchte. Man macht Brod aus der
Wurzel Mavive. Die Bananas, Ananas %.und %.andere %.mehr finden
sich hier. Der Ensadenbaum ist mit dem Bananbaum ei-
nerlei. Der Mignamingo soll von Blättern und Holz giftig
seyn. Allein wer durch seine Blätter vergiftet worden,
dem hilft das Holz et vice versa. Die Missionarien melden
hier von einigen Vögeln, die articulirte Stimmen haben,
als deren einer den Namen Iesus Christus recht ver-
nemlich aussprechen soll, andere, deren Geschrei wilde
Thiere verräth. Man jagt hier den Elephanten vor-
nemlich um seines Schwanzes willen, weil das Frauens-
zimmer mit seinen Borsten ihren Hals auszieret. In
Congo gibt es sehr gefräßige Ameisen, die eine
ganze Kuh auffreßen. Unter den Fischen ist hier auch
die Meerjungfer, die große Schlange und Embomba,
der ein Schaf auf einen Bissen verzehrt zu finden. Die
Einwohner dieser Länder sind ganz schwarz, obgleich
auch mit vielen Mulatten untermenget, vornemlich in
den portugiesischen Besitzungen von Angola und Benguela.
Benguela hat eine sehr gesunde Luft. Die Euro-
päer verlieren hier ihre gesunde Farbe. Die Religion
ist hier mehrentheils christlich. Die Heiden halten viel von
Zauberei.

/ §

/|P_317

/ ≥ §_179.

/Ansiko, Matamba und Iagos.

/Die von Ansiko werden beschnitten. Bei ihnen soll nach dem
Berichte der Missionarien Menschenfleisch von ordentlich
dazu geschlachteten fetten Sclaven %.öffentlich auf dem Markte
feil stehen. Die Iagos sind ein ungemein weit ausge-
breitetes Volk. Sie sind schwarz, kühn und zeichnen sich
mit eingebrannten Strichen das Gesichte. Sie leben vom
Raube und bemühen sich nicht einmal den Palmwein
zu zapfen, sondern hauen den Baum um und ziehen
den Saft so heraus. Die Weiber müssen sich 2 von den obern
und 2 von den untern Zähnen ausziehen laßen. Man sagt,
sie tödten ihre Kinder und rauben davor Erwachsene
aus andern Ländern. Sie sollen aus Sierra Leona ausgezo-
gen seyn, itzt haben sie sich aber in einer Strecke von
mehr als 900 Meilen ausgebreitet. Matomba wird auch
mehrentheils von Iagos bewohnt.

/ ≥ §_180.

/Die Küste von Africa von den africanischen
Inseln an bis an Congo.
/Von dem Canarischen Eylande.

/Auf der Insel Ferro ist der schon beschriebene Wunderbaum;
la_palma Palmensect. Der unsterbliche Baum ähnt
dem Brasilienholze, faulet aber weder in der Erde noch
im Waßer. Auf Teneriffa ist der Pico zu merken, %.imgleichen
die in Ziegenfellen eingehüllte Mumien. Madere hatte
vordem lauter Wald, itzt ist er weggebrannt. Madera_Wein ist
aus Candia hieher verpflanzt. Wino Tinto ist roth und schlecht.

/ §

/|P_318

/ ≥ §_181.

/Länder vom grünen Vorgebürge bis an den Gambia_Fluß.

/Auf der Nordseite des Senegall oder Senega sind Leute
von mohrischer Abkunft und keine rechte Negers; aber
auf der Südseite sind sehr schwarze Negers ausgenommen
die Iulier. Man redet hier von einem Volke mit großen
rothen Lippen, die niemals reden, ein Tuch vor den
Mund haben und ihren Handel still treiben. An beiden
Ufern des Senegall herrscht die mahomedanische Religion.
Am Capo Verde und den Inseln desselben die Saragossa
gegen über ist eine unergründliche Tiefe. Diese Inseln
haben eben solche Einwohner als das benachbarte veste
Land. Am Senegall ist die Hitze unerträglich. Iuli eines
von denen daran gelegenen Ländern hat sehr schöne
artige schwarzbraune Weiber mit langen Haren.
Die fleißigsten Weiber nehmen hier Waßer ins Maul
bei ihrer Arbeit, damit sie sich des Schwatzens enthalten.
Die Ameisen bauen hier Häuser wie Kegel, die mit
einer Art des besten Gipses überzogen sind, und darin
nur ein Thier ist. Die Art Ialoffer, die zwischen dem
Gambia und Senegall wohnen, sind die schwarzesten
und schönsten Negers. Sie stehlen sehr künstlich. Man muß
ihnen mehr auf die Füße als auf die Hände Achtung
geben. Hier wird die äußerste Treulosigkeit mit
Verkaufung der Sclaven begangen. Der König von
Barsola
stekt öfters seine eigene Dörfer in den Brand,

/ um

/|P_319

/um Sclaven zu fangen und sich davor Brandtwein an-
zuschaffen. Eltern verkaufen ihre Kinder und Kinder
ihre Eltern. Von Gambia an hört die mahomedanische
Religion auf und die Götzendiener fangen an.

/ ≥ §_182

/Von den Ländern am Ausflusse des Gambia längst der
Küste Guinea bis an den Fluß Gabon.

/Am Gambia haben die Leute platte Nasen, welche die
Kinder daher bekommen sollen, weil sie von den Müttern
bei ihrer Arbeit auf dem Rücken getragen werden. Hier
ist auch die Plage mit den Colubrillen oder langen Wür-
mern, die sich in die Haut freßen. Alle Götzendiener längst
der genannten Küste haben mit Grillen oder der Zau-
berkunst zu thun. Die Pfaffen machen in dem Lande
am Gambia Zauberzettel, die sie Grisgris nennen, dahero das
Papier worauf sie schreiben eine so gangbare Waare ist.
Die Soldaten stafiren sich damit ganz und gar aus, der
Kopf hinten und vornen, und die Schultern und
Arme sind damit gezieret. Man hat davon einen ganzen
Menschlichen Küraß, der aber viel Geld kostet. Mambo fambo
ist ein Stük darinn ein Popanz oder Puppe sich verkleidet,
die Weiber zu schrecken. In Sierra Leona ist Ungewitter
und Regen nur in den Sommermonaten. Die Gebürge geben
den Knall des Geschützes auf eine fürchterliche Art wieder.
Die Fluth kommt hier aus Westen und Südwesten und geht
dahin immer zurük. Die von Sierra Leona sind nicht völlig
Negerschwarz, aber sie stinken sehr. Man hat hier

/ auch

/|P_320

/hier auch überhaupt 4 Gattungen Bäume von der
Palmenart: Datteln, Cocos, Arch und Cypreßpalmbäume
oder Weinbäume, die den besten Palmsaft geben. Man
schneidt nemlich einen Ast ab, und hänget an dem Stamm
eine Flasche. Die wilden Thiere freßen in diesen Ländern
wie man versichert die Negers und nicht die Europäer.
Es gibt hier auch ein Thier der africanische Cumen ge-
nannt, so groß wie ein Spürhund, sehr wütend und von
Leoparden Art. Der Löwe ist hier sehr groß %und eben so
majestätisch wie anderwärts. Der Iakhals soll vor ihm
vorher jagen. Der Elephant ist hier nicht völlig so groß,
wie in Indien. Man hat ihm hier an ihm bemerkt, daß er
sich leichter von der linken zur rechten, als von der
rechten zur linken drehe, und dieses machen sich die
Negers zu nutz. Man hat hier den Geiß, Antelopa
genannt, ohngefehr wie ein Spießer oder Spießhirsch.
Die Demoiselle oder africanische Frau ist gerne allein.
Der Ochsenseiger ist von der Größe einer Amsel. Der
Fischer_Vogel hängt sein Nest an die zarten Zweige
eines Baumes, die über dem Waßer hängen, die Oefnung
ist iederzeit gegen Norden. Der Heifisch, der Blaser,
der Tourmorad, Pantouflier, der Hammerfisch, Monati,
Torpedo, Schildkröten, Crocodill, Flußpferd, Granepas
oder Nordcaper sind in diesem Meer und Küsten. Man
muß hier nach merken, daß die Seefahrer bei der Paßirung

/ des

/|P_321

/des Tropici oder der Linie mit allen die sie zum ersten¥
mal paßiren, die Seetaufe vornehmen. Der Täufling muß schwören
diesen Gebrauch beizubehalten. Die Aqua_Küste hat
ihren Namen von dem Worte Ququa, welches die Negers
hier immer im Munde führen und ihr Diener heißt. Diese
Leute schneiden sich die Zähne so spitzig wie Pfriemen.
Die Negers von der Küste Guinea sind nicht unangenehm
gebildet, sie haben nicht platte Nasen, sie sind stolz, aber
sehr boshaft und diebisch. Adkings [[Atkins]] und verschiedene andre
geben vor, glänzende gelbe Menschen die als Fremdlinge
ankamen gesehen zu haben. Man läst hier an der Goldküste
die Nägel sehr lang wachsen, um den Goldstaub mit
aufzunehmen. Die Mahomedanische Morutten geben die
Armuth der Negers daher an, daß von den 3 Söhnen des Noha [[Noah]]
der eine ein weißer, der andre ein Mohr und der 3te
ein Neger gewesen, und daß die 2 erste«r»n den letztern
betrogen. Die Heiden aber sagen: Gott hatte schwarze
und weiße Menschen erschaffen, und ihnen die Wahl
gelaßen, da denn die Weiße die Wissenschaften «und» die
Negers aber das Gold begehret haben. Die Schwarzen an der
Küste richten die Weiber so ab, daß sie Fremde verführen,
damit sie selbige hernach mit Geld strafen können. Es
werden hier öffentlich Huren gehalten, die keinem
ihre Gunst abschlagen müßen, wenn er auch nur
einen Pfennig gäbe.

/ Die

/|P_322

/Die Negers glauben hier überhaupt 2 Götter, einen weißen
und einen schwarzen, den sie Daemonio oder Diabro nennen.
Der letzte sei boshaft und könne kein Getreide, Fische
%.und %der %.gleichen geben. Der weiße Gott habe den Europäern alles
gegeben. Die souveraine Religion aller Negers an der
Küste von Africa von Sierra Leona an bis in den Meer-
busen von Bonin ist der Aberglauben der Fetische von dem
Portugiesischen Worte Fetisso (Zauberei) Der große Gott
nemlich bemengt sich ihrer Meinung nach nicht mit der
Regierung der Welt und habe besondre Kräfte in die
Priester oder Fetischos gelegt, daß sie durch Zauber_Worte
einer ieden Sache eine Zauberkraft geben können. Sie
tragen daher irgend einen solchen Fetisch ZE ein Vogelbein,
eine Vogelfeder %.und %.der %.gleichen bei sich, welchem sie sich und die
Erhaltung der Ihrigen anvertrauen. Schwören heist bei
ihnen Fetisch machen. Sie fluchen, daß der Fetisch sie hin-
richten soll. Sie thun Gelübde beim Fetisch, daher fast ein
ieder von ihnen sich irgend einer Art von Speisen enthält.
Sie haben eine Beschneidung. Ihre Könige machen eine
elende Figur zu Hause und gehen wie Schuhflicker.
Man wählt aus allen Ständen selbst aus Lakuten
Könige, dahingegen er dieser ihre Töchter oft an Sclaven
verheiratet. Der König und seine Prinzen pflügen ihre
Aecker selbst, denn sonst würden sie Hungers sterben
müßen. Von seinem Tribut muß er das meiste verschenken

/ und

/|P_323

/und vertractiren. In einigen Provinzen nimmt der Gläubiger
dem ersten dem besten etwas weg und weist ihn an den
Debitor mit welchem er den Process führen muß. Ihre
Schlachten sind lächerlich. Sie laufen gebükt oder kriechen
auch wol gar an den Feind, feuren ab, und laufen zurük
wie die Affen. Die gefangene Könige werden als Sclaven
an die Europäer verkauft und niemals ausgelöst.
Ihren Gefangenen schneiden sie den untersten Kinnbaken
lebendig ab, und hernach zieren sie sich damit wie auch
mit Hirnschadeln. Der Sommer fängt mit dem %.September an
und dauert 6 Monate, da die Hitze am heftigsten ist.
Die übrige Zeit da doch die Sonne am höchsten ist, bleibt
kühl wegen des beständigen Regens und Nebels. Die Schwar-
zen hüten sich sehr vor dem Regen der roth ist und
die Haut frißt. Man sagt hier auch, daß der Winter
ehedem kälter und der Sommer wärmer gewesen. Die Tor-
naden sollen auch nicht so heftig seyn als vordem.

/Formuthons sind schneidende Winde aus Nordost, die
vom Ia<n>uar bis in den %.Februar dauern. Sie sind aber dem
Meerbusen von Benin eigen. Den meisten Goldstaub
findet man in Apin und Jettun. Das Salz von Guinea
ist von einer Seidung sehr heiß, wird aber von der
Sonnenhitze bitter und sauer. Unter den Feldfrüchten
sind die Palatons die den Kartoffeln ähnlich sind, in diesen
so wie in andern Indianischen Ländern sehr im Gebrauch.

/ Vieh

/|P_324

/Vieh sowol als Menschen sind hier leichter im Gewicht
als nach der äußerlichen Ursach zu urtheilen wäre. Man
liebt hier das Hundefleisch. Die Hunde sind hier alle kahl
und stumm. Es gibt hier eine Schlange die 22 Fuß lang ist,
und in der man einmal einen völlig ausgewach-
senen Hirsch gefunden hat. Im Königreiche Vida sonst Iuda
sind die Negers nicht so schwarz als an der Goldküste.
Sie sind arbeitsam, voller Complimenten, und die
verschmitztesten Diebe in der ganzen Welt. Ein lächerliches
Verdienst, welches sich reiche Frauen bei ihrem Absterben
zu machen einbilden ist dieses: daß sie ihre Sclavinnen
zu öffentlichen Huren vermachen und glauben dafür
nach dem Tode belohnt zu werden. Die Eltern ver-
kaufen hier ihre Kinder als Sclaven: viel Kinder viel
Reichthum. Man bedient sich hier wie anderwärts in
Africa der Beschneidung. Es ist eine große Unhöflich-
keit vom Tode zu reden. Der große Fetisch von «f»Vida
ist eine Schlange, die Ratzen und giftige Schlangen ver-
folgt. Ein Schwein fraß einmal eine solche Schlange und
das ganze Schweingeschlecht wurde ausgerottet. Man
widmet ihr Schlangenhäuser als Tempel. Ihr werden
Mädchen geheiligt, welche hernach von ihren Männern
müßen geehret werden. Sie sind feige und haben auch
die tolle Gewohnheit sich wegen des Schadens am ersten
den besten zu halten. Das Königreich Benin ist mächtig.
Der König von Vida hat seinen Pallast, Geräthe und

/ Trak

/|P_325

/Traktamente fast auf Europäischen Fuß eingerichtet. Der
König von Ardrah schikt Gesandte an den König von
Frankreich
[[Louis_xiv]]. Die Einwohner am Fluße Gambia tragen Ringe
in ihren Ohren, Nase und Lippen, andere machen ein Loch
in die untere Lippe, wodurch sie die Zunge steken.

/ ≥ §_183.

/Aegypten

/Im ganzen Niederegypten irren räuberische Araber
herum, die alle Reisende ausplündern. Sie machen so gar die
Fahrt auf dem Nil unsicher. Das Land ist wegen seines
fruchtbaren Bodens und großen Hitze im untern Theile
sehr ungesund, vornemlich vom 7ten April an 50 Tage
lang, da die Südwinde Hamehin und Camsin sehr heiße
Luft zuwehen. Die Seuchen welche daraus entstehen hören
plötzlich auf, so bald der Nil auszutreten anfängt. Gegen
dem Meere hin besteht der Boden aus feinem Sand
und ist unfruchtbar. Man hat in Cairo fast allenthalben
schlimme Augen. Der Hafen von Ka«p»hira heist Bulak.
Der Nilstrom von dem oben schon gehandelt, würde das
Land nicht so weit hinein überschwemmen, wenn nicht durch Canäle
das Waßer herbei geführt würde. Der Nil führt immer
so viel Schlamm mit sich, daß er die Canäle, welche nicht mit
der grösten Sorgfalt gereiniget werden, nach und nach
verstopft und unschiffbar macht. Unter den Armen
des Nils sind nur 2 «S»schiffbar nemlich der von Damiate

/ und

/|P_326

/und der von Rosetta oder Raschid. Mitten im Nil nahe bei
Kahira stehet auf der Insel Nodda der berühmte Mikkias
oder Nilmeßer, dieser Mikkias wird an einer großen
Mosquee gefunden. Er bestehet aus einem großen Bassin,
das mit dem Nil Gemeinschaft hat, und in deßen Mitte
eine Säule aufgerichtet ist, welche die verschiedenen Grade«¿»
des Anwachses des Wassers anzuzeigen dient. Der nil
ist bei Kahira 2946 Fuß breit und bei Damiate nicht
viel über 100. Die Ursachen von der Verschiedenheit dieser
Breite sind die vielen Canäle. Eben daher steigt auch
der Nil zu Cahira gewiß über 24 zu Raschid aber
und Damiate nicht über 4 Fuß. Er fängt alle Iahr in
der Mitte des Iunius an zu steigen, hält im allmählichen
Anschwellen zwischen 40 und 50 Tage an und nimmt
nach und nach wieder ab, bis er im Anfange des Iunius
im folgenden Iahr wieder auf seine gröste Tiefe ge-
sunken ist. Dieses Anschwellen verursacht der häufige Regen
der die heißesten Sommermonate hindurch in Abyßinien
fast täglich fällt, indem das Regenwaßer sich in den Ge-
bürgen mit vielen Bächen und Quellen vereinigt,
und sich in den Fluß zusammendrängt. Sobald der Fluß
zu steigen anfängt werden alle Canäle sorgfältig
gereinigt und bis zu einem gewißen Anwachs des Nils
mit Dämme verstopft gehalten. Den Canal der Cahira
durchschneidet, öfnet man mit großem Gepränge, und diese
Durchgrabung der Dämme ist zugleich ein Zeichen, daß man

/ keinen

/|P_327

/keinen Mißbrauch zu besorgen hat, und die Abgaben
an den Sultan bezalen müsse. Alles trinkbare Waßer zu
Kahira muß Tag für Tag in ledernen Schläuchen auf
Cameelen und Eseln aus dem Nil gebracht werden«,». Das
Nilwaßer ist zwar etwas trübe, wird aber in wenig
Stunden klar, wenn man die Töpfe innwendig mit bittern
Mandeln reibt.

/Die alten Landeseinwohner sind hier nur gelb, wer-
den aber immer brauner, je näher sie Nubien kommen.
Die gröste unter den Piramiden hat einen QuadratBassin
von 693 Fuß, deren schräge Höhe gleichfalls so viel be-
trägt. Zunächst bei Cahira an dem westlichen Ufer
des Nils stehen auch 3 Piramiden, davon die gröste
440 bis 444 Fuß hoch ist. Die meisten Piramiden bestehen
aus weichen Kalksteinen, worin man um desto leichter
allerlei Hyrogliphen hat eingraben können; einige
aber sind harte Granit_Felsen. Diese ungeheure Massen
haben eben ihrer Größe wegen der alles zerstörenden
Raubbegierde der Türken Trotz geboten, und sich, da
überdem noch die physische Ursache einer troknen
Luft und heißen Climas statt finde«t»n, auf 3.000
Jahre lang im Stande erhalten. In den Katakomben
oder Gräbern westwärts von dem Orte der alten
Stadt Memphis findet man Mumien, davon die beste
Art nach ausgezogenem Gehirn und ausgenommenen

/ Ein- 

/|P_328

/Eingeweiden mit arabischem Balsam und Benzoim
eingesalbet, in eine Salzlake eine Zeitlang geleget,
und denn innwendig mit den besten Kräutern und
wohlriechenden Sachen angefüllet ist. Eine solche kostet
itzt 4.000 Rheinische Gulden. Bei der 2ten Art werden
schlechtere Ingredienzien genommen, und bei der
3ten Art nur Iudenpech. Es ist von den Türken scharf
verboten die Mumien der alten Egyptier auszuführen,
doch gelingt es einem bisweilen durchzuschleichen oder die
Nachsicht des Pächters zu erkaufen.
Ein Iude in Alexandrien
schmierte die in der Pest verstorbenen Körper zu Mu-
mien ein. Auf der Insel Teneriffa findet man auch
Mumien in den Gräbern in Ziegenfell einhüllet,
die sich sehr wohl gehalten haben. Suetz ist von Cahira
ohngefehr 23 deutsche Meilen weit. Zwischen beiden Orten
liegt eine Wüste in einer Länge von 23 Stunden,
wo man weder Häuser, noch Waßer, noch Pflanzen
antrifft. Suez liegt unter dem 29 %Grad 25 %Minuten nordlicher Breite.
Unter den Gewächsen merken wir nur den Papyrus
der Alten, eine Art Schilf, davon die alten Egyptier
ihr Brodt, Kleidung und sogar Papier hernahmen. Da in
Egypten beinahe kein Holz wächst, so braucht man
den Mist der Esel und Camele zur Feurung. Dieser Mist
liefert einen Ruß, der in Bombenförmige mit Thonerde
überschmierte Phiolen von starkem Glase gestopft wird
und hernach den Salmiac liefert.

/ Man

/|P_329

/Man hat in Cairo auch Ofen, darin Hüner durch eine ge-
mäßigte Hitze von Kuh- oder Kameelsmist ausgebrütet
werden. Bei AltCairo ist ein Kirchhof, wovon die Copten
den Glauben haben, daß die Todten am Char-Freitage
sich in die Luft herausbegeben. Der Crocodill ist einer der
«grö»<ärg>sten Feinde in Aegypten. Das Ichnevmon frißt ihm
nicht die Gedärme durch, sondern zerstört nur seine Eier.
Des Ibis_Vogel ist Egypten ganz allein eigen, und ist
einem Storche sehr ähnlich, er stirbt so bald er nur über
die Grenze komt und rottet die aus Aethiopien kommende
Heuschrecken aus. Die Zigeuner sollen ursprünglich
von den alten LandesEinwohnern seyn, welche nachdem
die Türken das Reich der Mammeluken zerstöret sich
in die Wüste retirireten und vom Raube sich lebten, zu-
letzt aber gröstentheils ausgerottet und verjaget wurden.
Die Christen dürfen hier so wie in andern türkischen Län-
dern nicht auf Pferden sondern auf Eseln reiten, oder
zu Fuß gehen. Karren und Wagen hat man in
Egypten nicht, «sondern sie» Alles wird durch Esel oder
Cameele getragen Waßer- und Windmühlen gibt es
auch nicht, sondern sie werden von Ochsen getrieben,
die auch Oehl und Safran preßen und Getreide
dreschen müßen.

/Die Regierungsform in Egypten nähert sich einer
bürgerlichen noch mehr einer militairischen Aristocratie.

/ Die

/|P_330

/Die Gesetzgebende und Handhabende Gewalt wird durch
einen Diwan oder un<a>bhängigen Rath ausgeübt. Der Sultan
ist mehr Schutzherr als Oberherr. Seine gemäßigte Ein-
künfte daraus sind eher Geschenke als Abgaben zu nennen.
Die Bäys sind wirkliche Fürsten

/Die beträchtlichen Gegenstände der Ausfuhr sind:
rohes Leder, Saffran, Flachs, Leinwand, Baumwolle,
Zukerrohr, Reiß, Salmiak, gelbes Wachs und Senne_Blätter.
Auswärtige Waaren empfängt Egypten an Tuch,
Papier, Cochenille, Pfeffer, GewürzNägelein, Zinn, Eisen,
Blech, Zinnober, Nadeln, Queksilber und Glasperlen
%.imgleichen Caffé. Niederlagen sind in Aegypten von Ara-
bischem @Ganne@. Die Landessprache in Egypten ist arabisch,
und wird von allen Copten und Türken sowohl
als von den Egyptiern gebraucht.

/ ≥ §_184.

/Abyßinien

/In den niedern Gegenden des Landes als an den
Küsten des rothen Meeres bei Siraken ist die Hitze
ganz außerordentlich groß, in den andern gebirgigten
Gegenden aber so mäßig als in Italien oder Griechenland.
Man siehet daselbst auf den Bergen fast niemals
oder selten Schnee. Der Regen der hier in den Monaten
Iu«l»nius, Iulius und August«us» als aus Kannen herab-
stürzt, ist mit schrecklichen Donnerwettern verbunden, und
gibt dem Nil seinen Zuwachs. Dieses Land ist so gebirgigt
und rauh als die Schweitz. Es gibt hier allerhand seltsame

/ ge- 

/|P_331

/Gestalten von Bergen. Dieses Land hat ohne Zweifel edle
Metalle aber sie suchen sie nicht, damit der Türken Geitz nicht
gereitzt werde. Es gibt in Aethiopien viele Störche %imgleichen in
der großen Tartarei und Persien die das Meer nicht er-
reichen können, indem sie an verschiedenen Orten im Lande
sich verlieren. Unter den Gewächsen des Landes, darun-
ter es die meisten europäische gibt, merken wir nur das
Kraut Asozä, welches wenn es die Schlange berühret,
sie dumm macht, und wer nur die Wurzel desselben
gegeßen, von ihrem Biß den Tag über frei bleibt. Die
Aethiopischen Ochsen übertreffen die unsrige über die Hälfte
an Größe. Die Pferde sind hier muthig und schöne Schaafe,
deren Schwanz wol 10 bis 40 %Pfund wiegt sind gemein. Das
Zebra so hier Zekora heist, das Cameel, der Leopard oder Giraffe,
welcher von Ludolph so groß beschrieben worden, daß ein
Mensch von gemeiner Größe ihm nur bis an die Knie reicht,
und einer zu Pferde unter seinem Bauch durchreiten kann.
Das Land hat unzählich viel Affen, davon die Benennung
Schlaraffenland mag hergekommen seyn, da denn die Fabel
des Herodots, daß daselbst der Tisch alle Morgen auf freiem
Felde mit gebratenem Wildprett besetzt anzutreffen wäre,
von welchen das Volk glaubt, es käme von selbst hinauf,
Anlaß gegeben hat, ein Land von erdichteter Bequemlich-
keit und Schönheit Schlaraffenland zu n«a»ennen. Der Hippo-
totamus und Crocodill ist hier anzutreffen. Unter den
Vögeln merke ich nur den Pipi, der diesen Namen von
seinem Geschrei hat, welches er sobald er Menschen merkt,
und ein wildes Thier oder Schlange zugleich gewahr wird,

/ macht,

/|P_332

/macht, indem er den Menschen gerade an den Ort
hinführet wo es sich befindet. Sie haben keine zahme Gänse.
Was die Araber von ihrem Vogel roi erzählen und
der Pater Bolina [[Boliva]] bestättiget, gehört unter die Merk-
würdigkeiten des Schlaraffenlandes. Die Heuschrecken sind
hier groß, gesund und angenehm zu eßen. Ludolph
behauptet, daß hier Iohannes der Täufer %.imgleichen
die Kinder Israel in der Wüsten dergleichen gegeßen.
Die Abyßinier sind von Arabischer Herkunft, witzig
wohlgebildet, aber schwarz oder falb mit wolligtem Har,
ehrlich nicht zanksüchtig. Es gibt unter ihnen auch einige
weiße Mohren. Die Caffern aber die in ihrem Gebiete wohnen
sind häßlich und eben so ungesittet und bos-
haft wie die übrigen Negers. Sonsten gibt es auch
Araber und Iuden unter ihnen. Die Religion
ist christlich, allein außer vielen Heiden sind ihnen
die Türken sehr gefährlich. Die Abyßinier, ob sie gleich
Christen sind, beschneiden dennoch ihre Kinder so wie die Copten.

/ ≥ §_185.

/Die Nordliche Küste von Africa.

/Die Einwohner sind ein Mischmasch von allerlei Völkern,
Araber, Vandalen pp und haben also keine sonderliche
Verschiedenheit von den Europäern.

/Die Produkte des Landes, sind so wie in Egypten.

/Das Innere von Africa am Senegal ist sehr unbekannt.

/ Dri

/|P_333

/ ≥ Das dritte Capitel
/ Von Europa.

/ §_186

/Die Europäische Türkei.

/Bulgarien. An dem Berge, welchen das Land von Servien
scheidet ist ein lau«g»lichtes und 40 Schritte davon ein eiߥ
kaltes Bad. Sonst sind hier sehr viel warme Bäder. Es gibt
hier große Adler, deren Federn insbesondere vom Schwanze
in der ganzen Türkei und Tartarei häufig gekauft
werden. Die Dobrinsche Tartarn an dem Ausfluß der Donau
südwärts sind wegen ihrer Gastfreiheit berühmt, da
ein ieder Reisender von den Leuten im Dorfe liebreich
eingeladen wird, mit ihnen vorlieb zu nehmen, und bis
3 Tage mit Honig, Eier und Brodt umsonst aufgenommen wird.

/Griechenland. Der Berg Athos in Macedonien auf welchem
22 Klöster sind, soll zur Zeit des Solstitii aestivi seinen
Schatten bis auf den Marktplatz der Stadt Stalimene
auf der Insel Lemnos werfen. Das Waßer des Nils in Morna
ist bis zum Tode kalt und so freßend, daß es Eisen und
Kupfer auflöst. Die Mainotten Nachkommen der alten
Macedonier, sind bis auf diesen Tag von den Türken
nicht bezwungen worden. Unter den griechischen Inseln
ist Lemnos oder Salimene wegen der terra sigillata sehr
berühmt, welche mit vielen Ceremonien ausgegraben wird.
Bei Negroponte ist der berühmte Eurypus. Die Insel
Milo oder Melus besteht aus einem schwammigten durch-
weichten Felsen, worunter ein beständiges Feuer wirket,
so, daß man es allenthalben fühlt, wo man die

/ Hand

/|P_334

/Hand in die Löcher des Felsens stekt. Einige Felsen
auf dieser Insel rauchen wie Schorsteine. Alaun und
Schwefel findet sich hier häufig. Die Luft ist ungesund
aber das Erdreich ist fruchtbar. In Paros ist eine schöne Grotte
welche aus durchsichtigem crystallischen Marmor bestehet.
In Candia ist das Labyrinth am Fuß des Berges Ida
merkwürdig. Der vornehmste Gang ist 12.000 Schritte lang,
und man geht selbst ohne Wegweiser leicht darinnen. Die Insel
Santorini ist durch einen gewaltsamen Ausbruch des
unterirdischen Feuers aus dem Grunde des Meeres erhoben.
Auf eben diese Art sind noch 4 andere rohe Inseln aus
dem Meer welches hier fast unergründlich tief ist, ent-
standen. Ueberhaupt ist Griechenland samt seinen
Inseln an Feigen, Rosinen, guten Wein %.und %.der %.gleichen fruchtbar.
Die Einwohner sind sehr von ihrem vorigen guten Charackter
heruntergekommen.

/ ≥ §_187.

/Ungarn

/Dieses Land ist im Innwendigen seines Bodens voll von
Mineralien. Die Caementwaßer, die verschiedene
Bergwerke, vornemlich die Goldbergwerke zu Chemnitz
und Cremnitz, wovon sonderlich letzteres das feinste Gold
liefert, itzt aber beide kaum die Unkosten verlohnen;
die heißen und tödlichen Quellen, %.imgleichen die Eishöhlen sind
Zeugniße davon. An den niedrigen Orten wo die Donau
Sümpfe macht, ist die Luft sehr ungesund. Der Wein
ist der beste in Europa.

/ ≥ §_188.

/Italien

/Dieses Land ist oberwärts von Westen nach Osten durch
eine Reihe von Bergen (die Alpen genannt welches Wort

/ über- 

/|P_335

/überhaupt einen hohen Berg anzeigt) von Frankreich
und der Schweitz abgesondert, und mitten durch von
Norden nach Süden von den Apeninischen Gebürgen
durchgeschnitten. Die europäische Obstarten sind mehren-
theils alle aus Italien verpflanzt, und nach Italien
sind sie aus Griechenland und Asien überbracht worden,
als die Apricosen aus Epirus, der Pfirsig aus Persien,
die Citronen aus Medien. Die Granatäpfel (mala punica)
aus Carthago, die Castanien aus Castania in Macedo-
nia, die besten Birnen aus Alexandrien, Numidien
und Griechenland, und die besten Pflaumen aus Armenien
und Damascus. Lucullus hat die ersten Kirschen aus Pontus
gebracht. Als Alexander Persien bezwang, wurde das holo-
sericum oder Zeug aus lauter Seide so theuer als Gold
bezalt, nachhero wurden Seidenwürmer nach Grie-
chenland und Italien gebracht. Eben dieses ist auch
mit dem Wein geschehen.

/Italien ist vor Zeiten viel waldigter, kälter und wahr-
scheinlicher Weise auch unbewohnter gewesen als itzt.
Die Einwohner Italiens sind nunmehro sehr vermischten
Geblüts, also ist es schwer ihren Character zu bestimmen,
doch sind sie eifersüchtig, rachgierig und heimlich, sonsten
sinnreich und kluge Politici.

/In Sawoin Gebürge ist Mons δLücke der berühmteste, über
welchen der Eingang aus der Schweitz nach Italien ist.
Anno 1751 wurde einer der romantischen Gebürge zum
feuerspeienden Berge. Die Sawoiarden sind arm, aber
redlich. In den Bergen reisen die Männer mit Mauleseln

/ aus

/|P_336

/aus samt einem kleinen Kram und kommen fast alle
zu gleicher Zeit nach Hause, welches auch die Ursache
ist, daß hier fast alle Weiber zugleich ins Wochenbette
kommen. In Sawoyen herrschen ungemein große Kröpfe,
vornemlich unter den Weibern.

/Piemont ist sehr fruchtbar. Der Berg Rauschenaton ist
der höchste unter den welschen Alpen. Eine Pistole
knallet auf dem Gipfel desselben als ein Stok den man
zerbricht. Der Berg Urso, der gegen Mittag dem Thal
Lucern gegenüber liegt, ist derjenige, wodurch Hani-
bal
seinen Weg durchgehauen, welcher noch zu sehen ist.
Auf den höchsten Alpen findet man weiße Hasen, wei-
ße Rebhüner und nordische Pflanzen, so wie in Lap-
land. Der Rümor ist ein Thier, welches von einem
Stier und einer Stutte oder einem Stier und
einer Eselin gezeugt worden. Iener heist Baf,
dieser heist Buff. Kopf und Schwanz sehen einem Stiere
ähnlich, er hat aber keine Hörner, sondern nur höke-
richte Stellen an den Orten, wo sie stehen sollten.
Sonst sind sie der Mutter ähnlich aber nicht so groß als
Maulesel, laufen schnell, sind sehr stark und freßen
wenig. Steinoehl wird an verschiedenen Orten Ita-
liens von den Bäumen, über deren Waßer es sich
ergießt, geschöpft %.vornemlich bei Modena. Bei Bologna
wird der bekannte Bologneser Stein, der, wenn er calci-
oniret wird, Licht in sich saugt, gefunden. Das unmittel-
bare Licht ist für ihn zu stark, darinn zerfällt er. Von
den Meerdatteln einer Art Muscheln die in einem

/ schw

/|P_337

/schwammigten Steine gefunden werden, ist schon gehan-
delt. Hier merken wir nur noch von ihnen an, daß
ihr Saft im Finstern so helle leuchtet, daß man dabei
lesen kann. Der Muscateller Wein ist bei Monte Fiascone
der beste. Petra hangifera bei Neapel trägt 3 bis 4
Pfeifen, wovon schon gehandelt worden. Die Steine die
der Vesuwius auswirft, enthalten oft edle Metalle
in sich. Die Schwitzbäder bei Neapel sind Gewölbe vom
See Agrano, in denen eine Oefnung ist, woraus ein
sehr heißer Dunst herausbricht, der die Gewölber anfüllet,
und die welche sich darinnen befinden zum Schwitzen bringt.
Solfatera ist ein kleines Thal, in welchem Dampflöcher sind.
Die Steine die rings um eine solche Oefnung liegen,
sind immer in Bewegung, und wenn man eine Hand
voll kleine Steine hineinwirft, so werden solche 6 Ellen
hoch getrieben. Solfatera und Vesuwius haben mit
einander Gemeinschaft. Das Erdreich ist hier hoch
und das Echo donnernd, wenn ein Stein in ein ge-
grabenes Loch geworfen wird. Apulien ist sandigt,
ohne Quellen, wo Menschen und Vieh aus künstlichen
Cisternen getränkt werden. Es regnet hier sehr wenig.
Der Wein ist etwas salzigt, aber die Waßermelonen vor-
treflich. Die Meerenge zwischen Sicilien und dem
heutigen Calabrien, welche die Straße von Meßina
genannt wird, ist wegen des Stroms merkwürdig,
den die Ebbe und Fluth macht. Der nordliche Strom,

/ der

/|P_338

/der durch die Küste Italiens bestimmt wird, ist der
stärkste, so daß die Schiffe selbst nicht mit einem
starken Sturmwinde dagegen fahren können, ja
selbst nicht einmal queer über fahren können.
Bei Messina gerade vor dem Hafen entsteht ein
Wirbel genannt Charibdis, aus den 2 gegen einander
laufenden Strömen. Wenn kein Südwind ist,
so ist er unruhig. Maltha ist ganz felsigt und
kann die Einwohner nur auf 1/2 Iahr mit Ge-
treide ernähren.

/ ≥ §_189
/Frankreich. ≤

/Von der Erde dieses Landes bezeugt Guett_Fordt [[Guettard]],
daß es dreierlei Arten des Bodens gebe 1.) In Paris,
Orleans und in einem Theil der Normandie sei das
Erdreich lauter Sand und darin kein ander Metall,
als Eisen. Diesen Kreiß umschließt ein 2ter, wozu
Champagne, Picardie, Turenne Berry und ein Theil
der Normandie gehören; dieser halte nichts als Mergel
in sich; der 3te Theil soll die bergigte Theile des
Landes in sich faßen, selbst durch Deutschland und
England sich ausbreiten und allerhande Steinbrüche
und Metalle in sich halten. Die 7 vorgegebene Wunder
des Delphinats sind lange widerlegt worden. Der
Gabelbaum wächst in Languedoc. Sein Stam ist bis 4
Fuß hoch. Oben auf dem Stamme wächst eine Anzal ge-
rader Zweige, die man durchbeschneiden zu 3zakigten

/ Ga

/|P_339

/Gabeln bildet. Nachher werden sie im heißen Ofen
noch mehr ausgebildet. Der Canal von Languedoc ist
40 französische Meilen lang, hat 6 Fuß Waßer und
64 Corps d'_l'eau, deren einige 2 - 4 Schleusen haben.
Der Canal hat 13 Millionen gekostet.

/Bei dem Flecken Ballarye in Languedoc ist ein so tem-
perirter warmer Brunnen, daß er Eier ausbrütet,
demohngeachtet wird das Waßer langsamer zum
Kochen gebracht als das gemeine Waßer, obgleich das
ausgeschöpfte diese Wärme 8 Stunden lang behält.
In der Gegend von Clermont, sind versteinernde
Quellen, davon eine eine ordentliche steinerne Brücke
formirt hat, unter welcher ein Bach fließt. Man hat
diese Quelle in verschiedene Arme getheilt, und ihr
dadurch meistens die versteinernde Kraft benommen.
Man trinkt es ohne Schaden.

/ ≥ §_190.
/Spanien

/Dieses Land hat nur 7_1/2 Millionen «Menschen» Einwohner.
Zur Zeit der Gothen und Mohren hat es deren wol 4
mal so viel gehabt. Das Klosterleben, die Bevölkerung
Indiens und die schlechte Wirthschaft sind Ursachen davon.
Die Spanier sind fast alle mager, wozu der Genuß
vieler Gewürze und hitziger Getränke sehr viel
beiträgt. Es gibt selten wo mehr Blinde als
hier. Seit der Entdekung Indiens sind viele Menschen

/ aus

/|P_340

/aus dem Lande gegangen. Die Asturier sind we-
gen ihrer gothischen Abkunft sehr berühmt. Ihre Pferde
sind sehr gut. Bei Bejon in Estremadura sind 2 Quellen,
davon eine sehr kalt und die andre sehr warm
ist. Die Andalusischen Pferde übertreffen alle.

/ ≥ §_191.
/Portugall

/Hat bis 2 Millionen Menschen. man ist hier so wie in
Andalusien gewohnt, des Mittags zu schlafen, und des
Abends, Morgens und die Nacht zu arbeiten. Aus
Brasilien ziehen die Portugiesen nur allein an dem
darinn gefundenen Golde 12 Millionen. Auf dem
Gebürge Estrella ist ein See der immer in einer
sprudelnden Bewegung ist.

/ ≥ §_192.
/Schweden. ≤

/Ist arm an Getreide. Man hat gelehrt Brodt aus
Birken- und Fichtenrinden, ja aus Stroh und Wurzeln
zu baken. Man hat hier Silbergruben, vornemlich Kupfer- 
und Eisenbergwerke, auch etwas Gold. Es hat 3 Millionen
Einwohner. Die Insel Oestland hat kleine und muntere Pferde.
Die Trolhatta ist ein 3facher Waßerfall der gothischen Ebbe.
In dem südlichen Theil von Lapland wird einiges
Getreide gesammelt. Die Viehbremsen sind eine unendliche
Beschwerlichkeit. Lange Fußbretter, worauf man einen
Wolf im Laufen erhascht. Nutzbarkeit des Rennthiers,
einige besitzen deren etliche 1.000. Die Lappen sind braun,
mit schwarzen Haren, breiten Gesichtern, eingefaltenen Baken,
spitzem Kinn, faul %und feige. Finnland hat große Perlen.

/ §

/|P_341

/ ≥ §_193.
/Norwegen nebst den Inseln Farons und Island

/Der Winter ist hier unerträglich außer in den Gebürgen,
von denen auch große Schneeballen herabstürzen, die alles
zerschmettern. Oefters fallen auch Stüke von Bergen herab.
Die östliche Seite ist in Ansehung der Witterung von der
westlichen sehr unterschieden. Der schmale Busen den das
Meer oft 8 Meilen weit ins Land macht, und deren etliche,
die Brisinen genannt werden, nur 80 bis 100 Faden breit,
aber 400 Faden tief sind, sind häufig. Der Norwegische
Strand ist an den meisten Orten «¿»steil. Man findet
hier viel Marmor und andere Steinarten, etwas Gold
und Silber, aber mehr Kupfer und Eisen. Der Mälstrom
entstehet von der Ebbe und Fluth, nur daß seine Bewegung
der andern Küste entgegengesetzt ist. Es soll gar kein Wirbel
darinn seyn, sondern nur ein hochsteigen des Waßers. Schel-
derung
[[Schelderup]] aber will viele %.dergleichen Wirbel, die umgekehrten
Kegeln gleich wären, und 4 bis 5 Klafter im Durchschnitte,
aber 5 Klafter in der Tiefe hätten, gesehen haben. Das
letztere geschieht zur Zeit der Springfluth. Die Finnlappen
leben gröstentheils von der Fischerei. Die Insel Farons hat einen
ziemlich mäßigen Winter und Sommer. Sie besteht aus bloßen
Felsen, die aber eine Elle hoch Erde über sich haben. Sie
haben einen Ueberfluß an Schaafen und Gänsen. Die
Insel Killadimon hat die Eigenschaft an sich, daß auch weiße
Schafe die hier ausgesetzt werden, ganz schwarze Wolle
bekommen. Die Insel Island ist von Morgen nach Abend mit
einer Reihe von Bergen durchschnitten, worunter
einige Feuer auswerfen, wobei zugleich der schmelzende

/ Schnee

/|P_342

/Schnee erschrekliche Gießbäche macht, die die Thäler verwüsten.
Man merkt, daß wenn Schnee und Eis den Mund eines
solchen Berges stopfen, der Ausbruch des Feuers nachlaße.
Es gibt viele heiße Quellen, deren einige ihr Waßer
kochend in die Höhe spritzen, und die daran wohnen,
kochen ihre Speisen in den darin gehengten Keßeln. Die
Schafzucht ist hier sehr ansehnlich. Sie suchen sich bei gutem
Wetter auch selbst im Winter ihr Futter herbor.

/ ≥ §_194.
/Rußland. ≤

/Die Asiatischen Länder sind von den Europäischen
dieses Reichs zwar geographisch unterschieden, die physische
Grenze aber könnte der Fluß Ieniza,
wie Gmelin meint, machen. Denn ostwärts dieses
Flußes ändert sich die ganze Gestalt des
Erdreichs, da die ganze daselbst gelegene Gegend
bergigt ist, und auch andere Pflanzen, fremde
Thiere als das Bisam_Thier %.und %.andere %.mehr anzutreffen
sind. Der Fisch Belluga, so in der Wolga anzu-
treffen, schlukt bei jährlicher Aufschwellung des
Stroms große Steine statt Ballast herunter,
um auf dem Grunde erhalten zu werden.
Der Störled und die Störe haben einen geringen
Unterscheid, außer daß iener delicater von Ge-
schmack ist. Beim Kloster Troitz und in den Gräbern von
Kiajo sind einige aus natürlichen Ursachen unver-
weste Körper, die man fälschlich für Märtyrer ausgibt.

/ Viertes

/|P_343

/ ≥ Viertes Capitel.
/ Von America

/§_93

/1. Südamerica

/Die Eiland zwischen welchen und der Feuerinsel, wel-
che eine Menge vieler Inseln ist, die leimarische
Straße liegt, hat wegen der öden %.fürchterlichen Gestalt
ihrer Berge, %und fast immerwährenden Schnees und Regens,
die traurigste Gestalt von der Welt. Lord Anson schlägt
vor, südwärts um die Staateninseln zu segeln.

/Das Land der Patagons ein sehr schlechtes Land an der
Magellanischen Meerenge, soll mit Riesen bewohnt seyn,
man hat aber davon keine Versicherung, ihre Mittelgröße
soll 7 Fuß betragen. Am Silberfluß sind die reichen po-
tosischen Bergwerke, so den Portugiesen gehören. In
Paraguay haben die Portugiesen die wilde Einwohner
zu einer so guten Conduite gebracht, als nirgendwo.

/Chili hat muntere %und kühne Einwohner. Die Geschicklichkeit
gewißer Fangriemen zu gebrauchen, ist außerordentlich.
Die Spanischen Pferde sind flüchtiger %und kühner %und be-
sonders gut zur Iagd. Die Arausoner, eine in Chili be-
findliche Isaakische Nation, kann noch nicht von
den Spaniern bezwungen werden.

/Peru ist an der Seeküste unfruchtbahr %und unerträglich heiß. Es
regnet auch nicht darin, außer %anno 1720 hat es 40 Tage
geregnet, wodurch Städte %und Dörfer überschwemmt wurden.
Der gebürgigte Theil ist temperirt %und fruchtbar. Die itzige

/ Peru

/|P_344

/Peruaner scheinen von ihrer Vorfahren Geschiklichkeit ent-
setzlich abgewichen zu seyn. Man findt noch Mauren
von Pallästen, die von gehauenen Feuersteinen aufgeführt
sind, ob sie gleich damals keine Eisenwerkzeuge zum
bauen hatten, sondern blos Kupferne; itzt aber ist die
Trägheit der Einwohner erstaunlich. Man sieht bei ihnen eine
unglaubliche Gleichgiltigkeit in Ansehung der Strafen
%und Belohnungen nach Condamin [[Condamine]] Bericht. Die Farbe dieser
Indianer ist kupferroth, sie haben keinen Bart.
Das Erdreich im niedrigen Theile von Peru verliert
oft durch das Erdbeben seine Fruchtbarkeit. Am Amazonen-
strom auf beiden Seiten desselben etwas von den Ge-
bürgen Cordilleras ist das Erdreich erstaunend fruchtbar.
Denen die über diese Gebürge von Westen nach Osten
reisen wollen, weht ein ungemein heftiger
kalter %und oftmals tödlicher Ostwind entgegen. Die
Einwohner am Amazonenstroms vergiften ihre Pfeile mit
einem so schnellen Gifte, daß sie <ein> damit nur leicht
verwundetes Thier können faulen sehen; das Fleisch aber
ist unschädlich. Man sieht hier seltsame Ueberfahrten über
Ströme, darin gewiße Gattungen von mit Wachs
überzogenen Striken, Büjaken genannt, über einen
Strom gespannt werden, daran ein Pferd an einen
Ring schwebend oder auch in Matten hängend herüber
gezogen wird. Die über die Peruanische Gebürge nach

/ Panama

/|P_345

/Panama reisen, bedienen sich gewißer dazu abgerich-
teten Esel, welche dieses an den allergefährlichsten Orten
mit großer Geschicklichkeit thun. In Papagan wäscht
man viel Goldstaub aus der Erde, die von reißenden Gieß-
bächen, welche vom Gebürge herabstürzen, durchschnitten wird.

/Porto_Bello am Isthmus von Panama, ist eines der unge-
sundesten Länder von der Welt, überhaupt ist das niedrige
Land an diesem Isthmus %erstaunlich feucht, waldigt und
wegen der unmäßigen Hitze sehr ungesund. Die Nieder-
kunft in Portobello ist fast tödlich. Die Mücken in diesen
Wüsten quälen die Reisenden erstaunend. Die Fleder-
mäuse laßen in Carthagena %Menschen %und Vieh im Schlaf
zur Ader. Das Frauenzimmer im Spanischen America
raucht fast allenthalben Tobak. Auf Hispaniola ist ein
Baum, der giftige Aepfel trägt, «trägt» deßen Schatten
sehr gefährlich ist, %und in deßen Saft die Wilden ihre Pfeile
tauchen. Der Morasti kann sehr zahm gemacht werden,
%und einige halten ihn deswegen für den Delphin der Alten.
Die Landwinde vom Mexicanischen Meerbusen sind eine
große Bequemlichkeit, indem man dadurch wohl 100
Meilen gegen den allgemeinen Ostwind segeln kann. Die
Schiffer gehen mit dem Landwinde in die See %und kommen
mit dem Seewinde wieder zurük. Das Land Gujana
in welchem Walter Raleigh auf dem Uranque_Strom auf

/ Ent- 

/|P_346

/Entdeckungen ausgegangen ist; ist nicht tiefer in
seinem Innern bekannt. Es hat viel Goldsand, aber die
Stadt Manha oder Eldwardo, die an dem See Parima
liegt, %und wo das Gold fast wie die Steine auf der Straße
gemein seyn soll, ist ungewiß, eben so wie die Ohn-
Köpfe, wovon selbst alle Indianer u»rangue reden,
%und die den Mun«¿»d auf der Brust, %und die Ohren auf den
Schultern haben sollen, entweder erdichtet oder Leute
sind, die wie vielen Indianern den Kopf durch die
Kunst verstellen. Zu diesem Lande gehört auch das
Surinam der Holländer. Die Iesuiten sind hier mannig-
faltig %und groß. Unter diesen ist das wandelnde Blut,
%.nemlich eine Heuschreke, welche in einem zusammenge-
wikelten Blatt zeitig wird, %und nachdem sie auf die Erde
gefallen, Flügel von einerlei Farbe %und Gestalt bekommt, wie
die Blätter zuerst waren, merkwürdig. Die Frösche ver-
wandeln sich hier zuletzt in Fische. Der Laternenträger
eine Fliege, welche eine Blase, die im finstern sehr leuchtet,
am Kopfe hat. Gehen wir von da in die Brasilianische Küste
weiter hinab, so finden wir dieselbe von Portugiesen wohl
bewohnt. Das Brasilienholz macht eines der vornehmsten
Gewächse in diesem Lande aus, wiewol es noch weit schö-
nere Produkte hat. Unter die vielen Nationen der Wilden
in den Wüsten, die in das @Iunre@ des Landes herum gehen,
sind die Iaphyren die berühmtesten. Sie haben keinen Begriff

/ von

/|P_347

/von Gott, auch nicht einmal ein Wort, das ihn bezeichnet,
gehen nakend, freßen die gefangenen Feinde, %.obgleich
nicht mit sovielen Martern als die Canadier. Sie
durchbohren ihre Lippen %und steken eine Art grünen Iaspis
ins Loch, welches iedoch die Weibbilder nicht thun,
die davor das Loch im Ohrläplein erweitern. Sie kleben
auch das Gesicht mit Federn, dagegen es sich die Weibsbilder
mit Farbe bemalen. Ein im Kriege gefangener wird
%anfänglich sehr gut gehalten, bekommt sogar eine
Beischläferin, aber nachgehends wird er getödtet
%und gefreßen aber ohne gemartert zu werden. Man
begegnet allen Fremden sehr wohl. Diese Menschenfreßer
sind %.eigentlich nicht am Amazonenstrom, sondern
an der Iapuer. Der Colibri soll hier sehr schön singen,
welches er in Nordamerika nicht thut. Man sahe in
dieser Gegend vor Ankunft der Europäer kein
Rindvieh, %und itzt hat es sich so ver«f»vielfältiget, daß aus
Paraguay wohl 40.000 Rindshäute ausgeführt
werden, wiewol die wildgewordene Hunde es
fast getrieben haben. Man sagt daß nichts vom Euro-
päischen Obst ehedem in Africa gewesen
sei, nun aber sind in Peru %und den dazu gehörigen
Ländern ganze Wälder voll Aepfel %und Birnbäume.

/ Bra- 

/|P_348

/Brasilien ist voll Schlangen und Affen, die dasigen Papa-
geien sind die besten, nur in Ostindien gibt es graue. Die
von Europa überbrachten Schweine, haben wie in der übri-
gen Zona torrida hier gutes Fleisch. Die Manive Wurzel
die sonst roh gegeßen ein Gift ist, wird von einigen Bra-
silianern ohne Schaden noch gegeßen. Viel Landteiche, die
nur bei der Regenzeit Waßer haben, erhalten doch alsdenn,
ohne daß man weiß auf was für Art, eine große Menge
Fische. Der Vogel Pyro ist dem Vogel Condor an Größe
%und Wildheit fast gleich %und seine Klauen sind noch schärfer. Es gibt
hier auch einen Vogel in der Größe eines Calekutischen
Hahns, der wie der Straus nur laufen kann, aber schneller
als ein Windspiel

/Das Land der Paraguay ist der Geburtsort des berühmten
Paraguaykrauts, welches ein Blatt von einem Baum ist
%und getroknet als ein infusum gebraucht wird, den Urin
treibt, den Schlaf erregt, %und wenn es übermäßig gebraucht
wird sehr hitzig ist. Von der großen Schlangen dieses Landes
hat %Pater Muntage [[Montoya]] %und Missionarien viel unwahres ausge-
breitet. Man redet im Inwendigen des Landes von einem
Volk, den Cesaren, die im 44ten Grad südlicher Breite
wohnen %und von einigen unter Carl_V Regierung herunter
gekommenen Spaniern abstammen sollen. Die Wilden dieses
Landes sind gefährliche Menschenfreßer. Die Weiber zerstechen sich
die Gesichter, %und die Männer bemahlen sie sich. Die Spanische Possession
bestehet aus Reductionen welche letztere durch Iesuiten regieret

/ werden

/|P_349

/werden. Die Republik St_Paul besteht aus hart-
näkigen Rebellen die <nicht> können zu Paaren getrieben werden,
% und es vergrößert sie den Zulauf des bösen Gesindes immer mehr.
Südwärts von Bunas_Ayres ist die Küste von America
völlig unbewohnt %und auch nach der %anno 1746 geschehenen Unter-
suchungen nicht bewohnt werden, da man daselbst im Sommer
ansehnliche Kälte fühlt; doch sollen auf einer Insel, die
einen Fluß macht, Europäer seyn.

/ ≥ §_196.

/2. Nordamerica

/Die Esquimaux, welche Capitain Ellip [[Ellis]] 1746 in dem
Meere bei der Hundsons Bay antraf, waren leutselig kluge
Leute. Sie fahren mit Hunden wie in Sibirien, nur die dorti-
gen bellen nicht, versorgen sich auf ihrer Reise mit einer
Blase voll Thran, wovon sie mit Ergötzlichkeit trinken.
Die etwas südlichen Esquimop sind etwas größer, aber
die Franzosen beschreiben sie als sehr abscheulich von Gesicht,
%und boshaft von Sitten. Sie gerathen oft auf ihrer Reisen in
große Noth, so, daß man hier sein Weib %und Kind zu freßen
genöthiget wird. Sie machen ihre Canonen so wie die
Grönländer mit Ueberzeuge von Seehunden %und tragen Hemde
von zusammen genäheten Blasen. Dieser Thiere ihre Schneebrillen,
das ist ein Stük Wallroßzahn, mit einer kleinen Spalte gemacht,
thun ihnen recht gut. Der Brandtwein den sie %.schwerlich meiden
können, ist ihnen sehr schädlich. Die Eltern wenn sie alt sind, machen
ein Tractament %und laßen sich von ihren Kindern erdroßeln,
aber nie sterben sie durch ihre eigene Hand. Ueber den 67ten

/ Grad

/|P_350

/Grad der Breite find man in America keinen Menschen mehr.
Die Länder welche zu Canada, sowohl dem französischen als
englischen Antheil gehören sind in Ansehung der Lage ihres
Climatis im Winter sehr kalt. Die Nordwinde bringen die
erste Luft %und gröste Kälte mit. Ie weiter man nach Westen
komt, desto kälter ist die Gegend. Die allerwestlichsten In-
dianer Assenipolier wohnen an einer See, wo aber noch nicht
Europäer gewesen. Die Indianer haben eine schmutzige
rothe Farbe des Leibes, %und welches besonders ist keine Hare
auf dem Leibe, als auf dem Kopf %und die Augenbraunen, welche
letztere sich iedoch die meisten ausziehen. Die thierische Eigen-
schaften dieser Völker sind ausnehmend. Sie riechen im grösten
Winter ein Feuer, welches man kaum sehen kann, daher
sie auch keinen Muscus leiden sondern nur eßbare
Sachen führen %und riechen. Ihre Einbildungskraft in Erinnerung
der Gegenden, wo sie einmal gewesen %und ihre Feinheit, in
Entdeckung der Spuren der Menschen %und des Viehes ist %.unbe-
greiflich groß. Unter allen ihren Völkerschaften kann man
mit der Sprache der Alonpuings %und der Hurons durchkommen,
welche beide sehr schön, reinlich %und nachdrücklich sind. Alle
diese Nationen haben keine andre Oberhäupter als die
sie sich wählen. Die Weiber haben hier einen großen Einfluß
in Staatsgeschäften, aber nur den Schatten der Oberherrschaft.

/Die Iroquesen machen die gröste Völkerschaft aus, überhaupt
aber wird die Nation beständig schwächer. Sie haben kein
Criminalgericht. Wenn jemand einen getödtet hat, so weiß man
kaum, wer ihn strafen soll. %.Gemeiniglich thut es seine eigene Familie.

/ Die

/|P_351

/Die gröste Schwürigkeit ist der Rache der Familie des Erschlagenen
zu entgehen. Eine Familie muß durch einen Gefangenen
wegen des verlornen schadloß gehalten werden. Die Diebe
werden ausgeplündert: nur Verzagte %und Hexen werden
verjagt oder auch wohl gar verbrannt. Ihre Religionsbe-
griffe sind sehr verwirrt. Die Alanquen nennen
den obersten Geist den großen Hasen %und seinen Feind den
großen Tiger. Nichts ist wütender als ihre Traumsucht.
Wenn jemanden träumet er schlüge einen todt, so tödtet
er ihn gewiß traumvest. Ein iunger Mensch muß durch einen
Traum erinnert werden, wen er künftig als seinen
Schutzgeist anbeten soll. Ein solcher Traum eines Privatmannes
kann oft einen Krieg erregen. Im Kriege suchen sie ihre
Leute zu schonen, fechten gegen einander aber %.gemeiniglich
durch Ueberfall %und Hinterhalt, bedienen sich der Kopfschläger
und wehren sich tapfer. Die Gefangenen werden zwar gebunden,
aber im Anfange gut gehalten, %und wißen nicht ob sie geschlachtet,
oder zur Ersetzung des Verlustes der Gebliebenen in der Familie
werden aufgenommen werden. Wenn das erste beschloßen ist, so
singt das Schlachtopfer seinen Todtengesang, %und man zerfleischt ihn
durch langsame Martern, die oft einige Tage dauern, wobei
dieser ganz %.unempfindlich thut %und seinen Henkern Hohn spricht.
Zuletzt kocht %und frißt man ihn. Dieses geschieht mehr den Geist
des erschlagenen durch ein Rachopfer zu versöhnen als aus
Appetit. Kinder %und selbst Weiber bereiten sich zu solcher Stand-
haftigkeit zu. Die Freundschaft dieser Wilden ist %.außerordentlich

/ hoch

/|P_352

/hoch getrieben. Der Friedensstab oder das Cälament ist unter
allen diesen Völkern gebräuchlich, %und ist eigentlich eine Tobakspfeife,
welche mit einigen Zierraten ausstaffiret worden, woraus
die Häupter der Partheien rauchen. Die große Neigung
zur Unabhängigkeit bei allen diesen Völkern, kommt
wohl von der Erziehung der Kinder her, welche blos durch
Worte %und kleine Beschimpfungen, als ihnen Waßer ins
Gesicht zu sprützen, bestraft werden. Dieses scheint auch
die Ursache zu seyn, weswegen sich kein Indianer
einfällen läst, die Lebensart der Europäer anzunehmen,
ob zwar diese oft iene wählen. Weiterhin westwärts in
diesem Welttheile sind die Nationen weniger bekannt.
Einige drüken den Kindern den Kopf zwischen 2
Klumpen Leimen in der Kindheit breit %und heißen Plattköpfe.
Unter den Honquens sind Kugelköpfe wegen der Figur,
die sie den Köpfen durch die Kunst geben. Die Fran-
zosen, welche die allerwestlichsten Indianer kennen,
berichten, daß man unter ihnen von einem großen
%.westlichen Meere reden höre, %und die reisende Russen von
Kamtschatka beweisen, daß America nicht weit davon
sei, %und daß es wahrscheinlicher Weise durch nicht gar zu
große Meerenge %und einige Inseln von Ischakets¥
Koynos in Sibirien abgesondert sei. Die englische Co-
lonien in diesem Welttheile sind blühend. In Virginien
ist der Winter nur 3 Monate lang %und %.ziemlich scharf.
Der Sommer ist sehr angenehm. Es wachsen daselbst Wein-
stöke wild, aber noch hat kein guter Wein daselbst
fortkommen wollen. Ein Baum trägt in einer Art
von Schachten Honig %und einen von abgezogenen Saft, er gibt

/ aus

/|P_353

/aus 8 %Pfund Saft 1 %Pfund Zucker, so wie der Ingra aus Cocossaft ge-
sotten %und in Indien raffinirt wird. Pensilvanien %und
Marieland kommen in den mehresten Landesprodukten
überein, haben sehr viel Holz in den Waldungen %und eine
Menge Wild, welches gröstentheils vom Europäischen unter-
schieden ist. Carolina %und Georgien sind am südlichsten gelegen,
%und bringen auch schon Seide hervor, %.imgleichen in China be-
findliche Kräuter. Man find hier viel Theer. Wenn man
den St_Laurenzstrom hinauf, %und deßen Mündung aus dem
französischen Canada überfährt, so hat man zu beiden
Seiten %.anfänglich ziemlich wüste Länder; bei Quebek aber
%und weiter hinein die vortreflichsten Länder von der Welt.
Diejenigen die den Mississippi hinaufgefahren sind,
finden daselbst, fruchtbare, waldigte, im Winter aber
kalte Länder, die ziemlichermaaßen bewohnt sind,
deren Völker sich doch aber seit der Europäer Ankunft
%.ziemlich verändert haben. Man find bei allen diesen Nationen
daß der Gebrauch des Kupfers viel älter sei als der Gebrauch
des Eisens. In dem benachbarten Florida sind die Einwohner sehr
beherzt. Sie opfern der Sonne ihre Erstgeburth. Das Land hat
große Perlen %und ist dem Carolina der Engländer sehr ähnlich.

/ ≥ §_197.

/Americanische Inseln.

/Die Niederlaßung in Domingo, davon das letztere hernach den
Franzosen unterworfen worden, veranlaßte die Seeräuber.
In grösten Theil vom Spanischen America sind viele spanische Pferde,

/ öfters

/|P_354

/öfters auch Hunde die wild geworden. In Domingo sind
beide %und haben die Art an sich, ein groß Geräusch zu machen,
wenn sie saufen wollen. Die Negers, welche hier als Sclaven
dienen, sind sehr zalreich, oft gefährlich. Die von Senegall sind
die witzigsten, die von Madagascar sind nicht zu bändigen;
die von Monomotapa kommen bald um, sind mehrentheils
dumm, cachiren si«nd»ch aber sehr %künstlich %und sind dabei hoch-
müthig. Einige freßen gerne Hunde %und werden von Hunden
angebellet. Sie sind in Ansehung des Todes sehr gleichgültig
%und tödten sich oft geringer Ursachen wegen. In den antillischen
Inseln ist die Nation der Caraiben %hauptsächlich ausge-
breitet, %und in St_Vincent %und Domingo regieren sie.
Sie sind stark %und groß, machen sich den Leib mit Cocon
roh, stechen sich viele Löcher in die Lippen, %und steken Knö-
chelchen, Glaßkügelchen %und Steinchen hinein. Ihre Stirn machen
sie durch ein Brett ganz platt %und gleichsam eingedrükt. Ihre
Miene scheint melancholisch zu seyn. Ihr blecherner Kopf-
schmuk ist von reinem, schönen, unbekannten Metall,
welches sie auch an der Nase %und den Unterlippen tragen.
Wollen nicht gerne Canibalen heißen, %und können nicht
begreifen wie man das Gold dem Glase vorzieht. Sie eßen
niemals Salz %und können keine Gewalt oder Härte vertragen,
haben eigensinnige Grillen %und ihr Stolz ist ungemein groß; niemals
wird einer von ihnen zur %.christlichen Religion bekehrt. In der Rache
kennen sie keine Grenzen %und Versöhnung ist ihnen unbekannt.
Sie brauchen das Spießgewehr wenig, sondern Pfeile mit
mit dem Saft des MarieniltenBaums vergiftet sind, %und große Keulen.

/ §

/|P_355

/ ≥ §_198.
/Von den Ländern am Eismeer

/Obgleich die Länder am EismMeer zum Theil auch zu den 2 andern
Welttheilen gehören, so wollen wir doch, um der Verglei-
chung mit America willen, hier zum Schluß etwas davon
%.kürzlich anführen. Alle Völker am Eismeer kommen darin überein,
daß sie beinahe unbärtig sind. Doch sind in der Hudsons¥
Bay Völker angetroffen worden, die im Gesicht sehr behart
gewesen. Die Tschuschki, die nordlichste Nation unter allen
Sibirianern sind ein tapferes Volk am Eismeer, sehr
gastfrei, ihr Gewerbe ist, so wie hier überhaupt Fischerei %und
Iagd. Die Insel Nova_Zembla, Spitzbergen %.und andere sind un-
bewohnt, aber man muß nicht glauben, daß sie so ganz
unbewohnbar sind; den nach %.Professor Miller [[Müller]] Bericht bringen fast
%.jährlich einige Russen um der Iagd willen, den Winter darauf
zu. Die Europäer beschäftigen sich hier am meisten mit der
Iagd des Wallfisches. Weiter westwärts haben die Lappen
ein überaus häßliches Gesicht, sind aber nicht so klein als man sie
beschrieben. Die Zauberei, die Betrügerei %und Schwarzkunst sind
hier fast wie in Sibirien %und werden niemals abgestellt.
Die Grönländer bewohnen ein Land, welches vorne mit der
südlichen Spitze in nicht größerer Breite als Stokholm ist, aber
sich bis auf unbekannte Weiten nach Norden erstrekt. Die
Ostseite dieses Landes ist gelinder als die Westseite %und hat ziemliche
Bäume, wider die Natur dieses Landes. Ie weiter man in diesem

/ Strich

/|P_356

/Himmelsstrich nach Westen kommt, desto kälter findet man die
Gegend. Nahe bei der Hudsonsstraße sieht man Eisberge,
deren Dike 15 bis 1800 Fuß ist, %und die mit einem Stein 40 - 50
Fuß dik, Meilenweit umgeben sind. Weil sie der Wind kaum
bewegen kann, so mögen wol Iahrhunderte dazu gehören
bis sie in die temperirte Zone getrieben werden, %und daselbst
zerschmelzen. Die Eisberge, welche neben den hohen Bergen
in Spitzbergen auf dem Lande stehen, haben große Aehn-
lichkeit mit diesen, %und den glätschernden Alpen, welches zu
artigen Betrachtungen Anlaß geben kann. Hiebei ist
nur noch zu merken, daß das Waßer des Eismeeres so ge-
salzen %und schwer ist als eines in der Welt. Man sieht in der
Hudsonsstraße eine unbeschreibliche Menge Holz in der See
treiben. Ein gewißer Autor [[???]] hält dieses vor den sichersten
Beweiß, daß dieses Holz aus warmen Ländern herkommen müsse;
weil es bis aufs Mark von Würmern zerfreßen ist, die
im kalten Erdstrich nicht anzutreffen sind.

/Finis

Zuletzt geändert: 04.11.2021