MS_Werner

Marburg UB: Ms 1038/1 [Nachlaß Adickes]
Fassung vom: 23. Januar 2006 / ... / 20.08.2008 / 08.05.2015
Blaue Schrift: Inhaltliche Abweichung zu Ms Kaehler.

Knopf

 

/|P_1
/ ≥ P. Kant
/ Vorlesungen
/ Über die Physische Geographie. ≤
/
/
/
/
>/

/|P_2 δleer

/|P_3

/ ≥ Prolegomena.

/ §_1. ≤

/Bey allen unsern Erkänntnißen müßen wir
zuvörderst auf die Quelle und <den> Ursprung
derselben sehen, nachgehends aber auch auf den
Plan der Ordnung, oder die Form, wie diese
Erkenntniße geordnet werden können, at-
tendiren, denn sonst sind wir nicht im Stan-
de, uns in vorkommendem Fall, da wir
dieselben nötig haben, auf dieselben zu
besinnen; wir müßen sie also gleichsam
in Fächer, noch eher, als wir sie selbst er-
langen, eintheilen.

/ ≥ §_2. ≤

/Was die Quellen und den Ursprung unserer
Erkänntniße anbetrift, so schöpfen Wir alle
unser Erkänntniße, entweder aus der rei-
nen Vernunft, oder aus der Erfahrung,
die nachher selbst die Vernunft instruiret,
die reine Vernunft Erkänntniße giebt
uns unsere Vernunft, die Erfahrungs-Er-
känntniße aber bekommen wir durch die Sinnen.

/ Weil

/δLage_A

/|P_4

/Weil unsere Sinnen nicht weiter reichen, als
diese Wel«l»t ist, so erstrecken sich auch unsere
Erfahrungs-Erkänntniße blos auf die gegen-
wärtige Wel«l»t. So, wie wir aber einen dop-
pelten Sinn haben, nehmlich einen äußern
und einen innern Sinn; so können wir nach
beyden die Wel«l»t als den Innbegrif aller Erfah-
rungs-Erkänntniße betrachten. Die Wel«l»t als
einen Gegenstand«t» des äußeren Sinnes, ist
Natur, und als ein«en» Gegenstandt <des> innern
Sinnes, ist Seele oder der Mensch.

/Die Erfahrungen der Natur und des Menschen
machen die Welt Erkänntniße aus. Die Kännt-
niß des Menschen lehret mich die Ant<h>ropologie
die Känntniß der Natur, lehret mich die Phy-
sische Geographie.

/Die Physische Geographie ist also der erste theil
der Weltkänntniß, sie gehöret zu einer Idée,
welche man die Vorübung in der Erkänntniß
der Wel«l»t nennen kann. Der Unterricht der-
selben scheinet noch sehr zu fehlen, sie ist die-
jenige, von der man in allen Verhältnißen

/|P_5

/in die «M»<m>an in der Wellt kommen kann, nüz-
lichen Gebrauch machen kann; es ist also nöthig,
sich bekannt zu Machen, daß sie die Erkänntniß
sey, «in» die man durch Erfahrung verbeßern
könne; wir anticipiren unsere künftige
Erfahrung, die wir hernach in der Welt
haben werden, durch diesen Unterricht,
und diesen allgemeinen Abriß, der uns
einen Vorbegrif von allem giebt.

/Derjenige, der viel gereyßet ist, von dem
sagt Man; er hat die Wel«l»t gesehen; aber
zur Känntniß der Wellt gehöret Mehr,
als die Wellt sehen. Wer von seinen
Reyßen Nuzen haben will, der muß sich
schon im voraus einen Plan von seiner
Reyße machen; wer ohne allen Begrif
reyßet, siehet die Wellt nur als einen
Gegenstand«t» des äußeren Sinnes an,
und hat nicht den geringsten Nuzen davon.

/Das 2te Stück der Weltkänntniß,
ist die Känntniß des Menschen. Der
Umgang mit Menschen erweitert unsere

/ Er- 

/|P_6

/känntniße; es ist aber nöthig, von allen
künftigen Erfahrungen eine Vorübung
zu geben, und dieses zeiget die ant<h>ropo-
logie. Hier wird gesehen, was in denn
Menschen pragmatisch ist und nicht specu-
lativ. Der Mensch wird darinnen nicht
physiologisch, daß man die Quellen der
phaenomönen unterscheiden sollte, son-
dern Cosmologisch betrachtet. - Es fehlet
noch immer an Unterweisung, alte Er-
känntniße die man erworben hat, in
Ausübung zu bringen und einen, sei-
nem Verstande und dem Verhältniß
gemäß, worinne Man in der Wellt
steht, nüzlichen Gebrauch zu machen, oder
unsern Erkänntnißen das pragmatische
zu geben, und dieses ist die Känntniß
der Wellt. - Die Wellt ist das
substratum und der Schau_Platz,
wo das Spiel unnserer Geschicklichkeit
vorgehet; es ist der Boden, wo unsere

/|P_7

/Erkänntniße erworben und angewandt
werden. Damit aber dasjenige in Aus-
übung könne gebracht werden, was der
Verstand«t» sagt, daß es geschehen soll, so
muß man die Beschaffenheit des Subjectt
kennen; dann «eh» @ender@ gehet es nicht an,
bis Man den Menschen kennet, worinn der
soll vorgebracht werden. Wir müßen {2- ferner -2}
auch im ganzem die Gegenstände unserer
Erfahrung kennen lernen, so daß unsere
Erkenntniße kein Aggregat sondern ein
System aus Machen. Denn im System ist
das ganze eher, als die Theile; im aggregat
aber sind die Theile eher. So ist es mit al-
len Wißenschaften, die uns eine Ver-
knüpfung hervorbringen, z. B. die
Enzyclop«e»<ae>dia, wo das ganze erst ein Zu-
sammenhange erscheinet. Die Idée ist ar-
chitectonisch, die schaffet die Wißenschaften;
Wer e. g. ein Haus bauen will, der
macht sich zuerst im ganzen eine Idée

/ aus

/|P_8

/aus dieser Idée werden hiernach alle Theile
abgeleitet. Diese Vorbereitung ist also auch
eine Idée von der Kenntniß der Wel«l»t.
Ich mache mir einen architectonischen Begrif,
welches ein Begrif ist, worinne das Mannig-
faltige aus dem ganzen gezogen wird.
Das ganze ist hier die Welt, der Schau-
platz, wo ich alle Erfahrungen anstellen
werde: Umgang und Reyßen sind es, die
den Umfang aller unserer Erkänntniße
erweitern. Umgang lehret mich die Menschen
kennen; es gehöret aber viel Zeit dazu, die
Menschen durch Umgang kennen zu lernen;
wenn wir aber schon durch Unterweisung
vorbereitet sind; so haben wir schon ein
«g»Ganzes, einen Innbegrif von Kenntnißen,
die mich den Menschen kennen leehren«,».
Nun können wir jede Erfahrung in
ihre Claße sezen. Durch Reyßen erwei-
tert Man die Kenntniße der äußern
Wel«l»t, welches aber von wenigem Nuzen

/|P_9

/ist, wenn man nicht vorhero durch Unter-
weisung vorgeübt ist; wenn Man also sagt:
Er kennet die Wellt, so verstehet man da-
runter, daß er den Menschen und die Na-
tur kenne.

/ ≥ §_3. ≤

/Von denen Sinnen fangen sich unsere Erkennt-
niße an, sie geben uns die Materie, der
die Vernunft nur eine Neue Form giebt,
Der Grund von allen Kenntnißen, liegt also
in denen Sinnen, und in der Erfahrung,
und zwar entweder in der eigenen, oder in
der fremde Erfahrung, «und zwar entwe-
der in der eigenen, oder in der fremden
Erfahrung.» Wir sollten uns wohl nur
mit unserer eigenen Erfahrung beschäfti-
gen, weil aber unsere eigene Erfahrung
nicht hinreicht, alles zu erkennen, indem
der Mensch in Ansehung der Zeit nur
einen kleinen Theil derselben, durchlebet,
und also darinne wenig selbst erfahren
kann, und in Ansehung des Raums, wenn

/ er

/δLage_B

/|P_10

/er gleich reyßet, doch vieles nicht selbst erfah-
ren kann, so müßen wir uns fremder Erfah-
rung<en> bedienen. Diese muß aber zuver-
läßig seyn, die mündliche kann aber nicht
so zuverläßig seyn, als die schriftliche.
Wir erweitern also unsere Erkänntniße
durch Nachrichten, so, als wenn wir in der
ganzen vorigen Welt gelebt; wir erweitern
unsere Känntniße der gegenwärtigen
Zeit, durch Nachrichten fremder, entlegenen
Länder, so, als wenn wir selbst da wären,
Alle fremde Erfahrung«en» {2- aber -2}, ist entweder eine
Erzählung oder eine Beschreibung; die erste
ist eine Geschichte, die andre eine G<eog>raphie.
G<eog>raphie ist überhaupt, jede Beschreibung«.»,
beschreibe ich einen Orth; so heißet sie To-
pographie, beschreibe ich aber die ganze
Erde, so heißet sie Geographie.

/ ≥ §_4. ≤

/Was den Plan der Ordnung betrift, so mü-
ßen wir allen unseren Erkenntnißen eine

/|P_11

/Stelle anweisen. Wir können aber unseren
Erfahrungs-Erkenntnißen eine Stelle anwei-
sen unter dnen Begriffen, oder nach Zeit
und Raum, wo sie würcklich anzutreffen sind.
Die Eintheilung der Erkenntniße nach Begrif-
fen, ist die logische Eintheilung; die Ein-
theilung nach Zeit und Raum, ist die Phy-
sische. Durch die Logische wird ein Syste-
ma naturae, z. B. des Linné, durch die
physische Eintheilung wird eine geographi-
sche Natur-Beschreibung; z. B. das Rinder-
geschlecht wird gezählet unter die 4füßig-
ten Thiere, oder unter die, mit gespaltenen
Klauen. Dieses wäre eine Eintheilung
in Meinem Kopf, also eine logische Einthei-
lung. Das Systema naturae ist gleichsam
eine Registratur des ganzen, da stell ich
ein jedes Ding unter seinem Titel,
wenn sie gleich in der Wel«l»t, in verschie-
denen weit entlegenen Pläzen seyn. In
der Physischen Eintheilung aber, werden sie
nach denen Stellen, die sie auf der Erde

/ ein- 

/|P_12

/einnehmen, betrachtet. Das System weiset
die Stellen an, in der Claßen_Eintheilung;
die geographische Naturbeschreibung aber wei-
set die Stelle an, wo sie würcklich auf der
Erde zu finden sind. Z. E. die Eydexen
und die Crocodillen sind einerley, der
Crocodill ist nur eine ungeheure Eydexe;
sie sind aber an verschiedenen Orten: der Cro-
codill im Nil, die Eidexen auf dem Lande.
Überhaupt betrachtet man hier den Schauplatz
der Natur, die Erde selbst und die
würcklichen Stellen, wo die Dinge an«zu»ge-
troffen werden; im Systemate naturae
aber wird nicht nach ihrem Geburts-Ort,
sondern nach ähnlichen Gestalten gefragt.
Die Systeme die schon geschrieben sind, möch-
te man lieber nennen: Das aggregat der
Natur, aber nicht ein System. Denn ein
System sezzt schon die Idee«n» des ganzen
voraus, aus der die Mannigfaltigkeit
der Dinge abgeleitet wird. Eigentlich

/|P_13

/haben wir noch kein Systema naturae, in
denen jezzigen Systemen sind nur die Dinge
Zusammen gefliehen und geordnet. Die Beschreibung
der Zeit nach, ist Geschichte, dem Raume nach ist Geo-
graphie. Es sind hier also zwey Stücke, Geschichte
und Geographie, welche unsere Erkänntniße
in Ansehung der Zeit und des Raumes erweitern.
Die Geschichte betrift die Begebenheiten, die in
Ansehung der Zeit, sich nach einander zugetragen
haben. Die Geographie aber, betrift Begeben-
heiten, die sich zu gleicher Zeit, in Ansehung
des Raumes zugetragen, und welche nach
verschiedenen Gegenständen, wovon sie handelt,
baldt die physische, Moralische, theologische,
Politische, Mathematische, bald«t» die Geographie
der Gelehrsamkeit, bald«t» der Handlung
genannt wird. Die Geschichte desjenigen,
welches zu verschiedenen Zeiten geschiehet, wel-
ches die eigentliche Historie ist, ist nichts
anders, als eine continuirte Geographie,
daher es der Historie zur größten Un-
voll{2- ständigkeit -2} gereichet, wenn man nicht

/ weiß

/|P_14

/weiß, an welchem Orte es geschehen, oder was
für eine Beschaffenheit es dam«it»als gehabt hat;
Es ist also die Historie von der Geographie
nur in Ansehung der Zeit und des Raumes
von einander unterschieden. Die erste ist
eine Nachricht von Begebenheiten, die auf
einander folgen, in Ansehung der Zeit,
die andere aber eine Nachricht von Bege-
benheiten, die neben einander im Raum
vorgehen. Geschichte ist eine Erzählung,
Geographie aber eine Beschreibung deßen,
was im Raum zu gleicher Zeit vorgehet.
Dahero haben wir Natur-Beschreibung,
nicht aber Natur-Geschichte. Dieser Nahme
ist sehr falsch, den einige brauchen, und
indem wir nur den Nahmen haben, so
glauben wir auch die Sache zu haben;
und denn denckt keiner daran, an ei-
ner solchen Geschichte zu arbeiten. Die
Geschichte der Natur, enthällt die Mannig- 

/|P_15

/faltigkeit der Geographie, so, wie sie in
verschiedenen Zeiten gewesen ist, aber nicht, wie
es jezt zu gleicher Zeit geschiehet, denn das ist
Natur_beschreibung. Wenn ich aber die Be-
gebenheiten der ganzen Natur, wie sie zu allen
Zeiten beschaffen gewesen <ist>, vortrage, so
liefere ich eine Natur-Geschichte. Z. B.
Wann ich betrachte, wie die verschiedene Racen
der Hunde, wegen vieler Umstände der
Luft, der Erde p aus einem Stamme entsprun-
gen, *1 so wäre das eine Natur-Geschichte,
und solche Naturgeschichte könnte Man
von allen Stücken der Natur liefern,
z. E. von denen Pflanzen. Alleine sie hat
das beschwerliche an sich, daß man sie
mehr durch Experimenta errathen müßte,
als daß man eine genaue Nachricht
von allen geben könnte; dann die Natur
Geschichte ist so alt, als die Welt, und
wir haben kaum von der Zeit Nachricht,
als man anfieng zu schreiben. Die

/ Ver-  ~

/|P_15R δZ_11

/{2- *1 und welche
Veränderungen
mit den Hunden
zu allen Zeiten
vorgegangen sind, -2} ~

/|P_16

/Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit einer
Sache, mit allen Zeiten zu beobachten, ist wah-
re Philosophie. Wann man die wilden Pfer-
de in denen Steppen zahm machen könnte; so
wären das, sehr dauerhafte Pferde; und Man
merckt an, daß Esel und Pferdte aus einem
Stamme herkommen, und daß dieses wilde
Pferd«t», das Stammpferd«t» wäre; denn dieses
Pferd«t» hat lange Ohren: ferner das Schaaf
ist der Ziege ähnlich, und nur die Cultur
macht die Verschiedenheit; So ist es auch mit
dem Weine. Also, den vorigen Zustand der
Natur, so durchzugehen, was sie zu allen
Zeiten für Veränderungen erlitten <hat>, wäre
die Naturgeschichte. Wann man aber den
Titel übel anbringt; so bemüht sich keiner
um die Sache zu stande zu bringen, weil
man glaubt, man hat sie schon.

/Geographie bedeudet also eine Natur-
Beschreibung, sie geht auf die ganze
Erde. Geographie und Geschichte fül- 

/|P_17

/len die Strecken unserer Erkenntniße aus;
Geschichte die ganze Strecke der Zeit, und Geogra-
phie die ganze Strecke des Raums; {2- Wir -2} denken wir uns
alte und Neue Geographie, denn Geographie
ist zu allen Zeiten gewesen. Z. E. Zur Zeit des
Aristoteles war eine andre Geographie.
Was ist nun eher, Geschichte oder Geographie?
Die Geschichte legt die Geographie zum
Grunde; dann die Begebenheiten müßen
sich doch, worauf beziehen. Geschichte ist
immer im Fluße, aber die Dinge verrü-
cken sich, und geben zu gewißen Zeiten
eine ganz andre Geographie. Also ist
die Geographie das Substratum.

/Wann wir nun die alte Geschichte des
Menschen haben, so müßen wir auch eine
alte Geographie haben. Die Geographie
der gegenwärtigen Zeit, ist, die wir am
besten kennen, und dient die alte ver-
mittelst der Geschichte aufzuklären. {2- Al-
le -2} die Geographie in denen Schulen ist sehr
mangelhaft. Es ist nichts, was den gesunden

/ Ver

/δLage_C

/|P_18

/Verstand des Menschen mehr erhällt, als
die Geographie; dann der gemeine Verstand
erstreckt sich auf die Erfahrung; Nun kan
man seinen Verstandt nicht «mehr» extendiren
wenn man keine Kenntniße in der Geographie
hat. Es giebt sehr viele Persohnen, dene
die Nachrichten der Zeitungen, sehr gleich-
gültig sind, das kommt daher: sie können
die Nachrichten nicht an ihre Stelle bringen,
sie haben keinen Plan von der Erde, vom
Meer δLücke und von der ganzen Ober-Fläche
der Erde. Z. E. Wann von der Farth der
Schiffe ins Eiß-Meer etwas gemeldet
wird, so ist das eine solche interessante
Sache, daß die Erfindung oder Möglich-
keit der Durchfarth durchs Eiß-Meer in
ganz Europa große Veränderungen zu
Weege bringen möchte. Es giebt keine
Nation, wo der Verstand sich bis auf den
gemeinen Mann extendire, als die Englische;
die Ursache sind die Zeitungen, denn

/|P_19

/diese sind theils für Kluge, theils für Nar-
ren. So, wie auch keine Nation in der
Conduite bis auf den gemeinen Mann, sich
erstrecket, als die französische. Es muß also
ein extendirter Begrif der ganzen Oberfläche
<der Erde> zum Grunde liegen, denn sonst sind alle
Nachrichten «unempfindlich» {2- uns gleichgültig -2}, man weiß sie gar
nicht anzuwenden. Die Peruaner sind so
dumm, daß sie alles, was man ihnen giebt,
in den Mund stecken, weil sie keinen
Gebrauch davon machen können, so ist es auch
mit solchen Leuthen, die keinen Gebrauch von
den«en» Nachrichten machen können, und für
sie keine Stelle haben.

/ ≥ §_5. ≤

/Die Physische Geographie ist also ein allge-
meiner Abriß der Natur, und weil sie nicht
alleine den Grund der Geschichte in sich enthält,
sondern auch den Grund der übrigen Geogra-
phi<en>, so werden die Haupt_Stücke einer jeden
hierinne abgehandelt werden, und zwar:

/ 1.) die

/|P_20

/1.) Die mathematische Geographie, worinne von
der Gestallt, Größe und Bewegung der Erde
geredet wird.

/2.) die moralische Geographie, worinne von den
Sitten und verschiednen Characteren der Menschen
nach den«en» verschiedenen Gegenden geredet wird.
z. E. Wann in China und Japan, der Va-
termord so erschrecklich ist, daß nicht alleine
der Mißethäter selbst, auf die grausam-
ste Arth zu Tode gemartert, sondern auch
die ganze Familie getödtet, und die Nach-
baren in der nächsten Straaße in der Ve-
stung gebracht werden, weil sie glauben,
daß es ein solches Laster «ist» sey, das
nicht auf einmahl entstehen kann, sondern
nach und nach im Schwange gegangen,
und solches die Nachbarn mercken und
es angeben können; so wird es hingegen
in Lapplandt für eine sehr große Lie-
bes-Pflicht gehalten, wenn ein Sohn sei-
nen auf der Jagdt ermüdeten Vater
mit einer Sehne vom Rennthiere umbringt

/|P_21

/dahero es derselbe auch allezeit seinem
liebsten Sohne anvertrauet.

/3.) Die Politische Geographie. Wenn der erste
Grundsaz einer Gesellschaft ist, ein all-
gemeines Gesez und eine unwiederstehliche
«Macht» Gewalt bey der Übertretung des
Gesezes; die Geseze sich aber gleichfalls
auf die Be{2- schaffen -2}heit des Bodens beziehen;
so wird gleichfalls hiervon geredet werden.
Es wird darinne auch sowohl vom Zu-
stand der Wilden, als welcher derjenige
ist, in welchen nur einzelne Familien
leben, als auch vom gesellschaftlichem
Zustande geredet werden. Diese Geo-
graphie gründet sich gänzlich auf die
physische. Wann in Russlandt die Flü-
ße nach Süden fließen möchten, so
wäre das für das ganze Reich ein
großer Nuzen, nun fließen sie alle {2- aber -2}
ins Eis_Meer. In Persien sind zwey
Regenten, der eine hat seinen Siz in
Ispahan, der andere in Canda{2- «la»har -2}.

/ sie

/|P_22

/sie können sich aber gar nicht überwältigen.
Die Ursache ist die große Wüste, die
dazwischen liegt, und größ{2- er -2} δLücke, als
ein Meer ist.

/4.) Die Handlungs Geographie; «w»Weil ein Land
dasjenige im Überfluße hat, welches ein
anderes gänzlich entbehren muß; so wird
durch die Handlung in der ganzen Welt,
ein gleichförmiger Zustand«t» erhalten. Es
wird die Ursache gezeigt, warum ein
Land«t» dasjenige im Überfluß hat, was
das andre entbehret. Durch die Handlung
sind die Menschen an Meisten verfeinert
und untereinander bekannt geworden.

/5.) Die Theologische Geographie. Weil die
Theologische Principien mehrentheils nach
Verschiedenheit des Bodens, eine Veränderung
erleiden, so wird hievon auch das nötige
gezeiget werden. Alexander Roht [[Ross]] hat die
Religion der ganzen Welt beschrieben,

/Überdem werden hier die Abweichungen von der
Natur, in dem Unterschiede zwischen der Jugend
und dem Alter, ferner dasjenige, was

/|P_23

/jedem Lande eigen ist bemerket. Z. E. Thiere,
jedoch nicht die Einheimischen, es sey denn, daß
sie in verschiednen Ländern anders beschaffen
wären. Z. E. in Italien schlagen die Nach-
tigallen nicht so starck, als in denen Nordischen
Provinzen; in wüsten Insuln bellen die
Hunde gar nicht. Pflantzen, Steine, Kräuter
und Gebürge. Der Nuzzen von dieser Wi-
ßenschaft ist sehr weitläuftig, sie dienet
zur guten Auseinanderordnung unserer
Wißenschaften, zu seinem eigenen Ver-
gnügen und zur Unterhaltung der Gesell-
schaften. Es kommt alleine daher, daß, wie
ein Schriftsteller [[¿¿¿]] sagt, nirgends als in En-
gelland der Pöbel von gelehrten Materien
soviel zu discouriren weiß, weil die Eng-
lischen Zeitungen 5 Bogen starck sind, und
überhaupt von allen Veränderungen in der
Welt handeln, und diese unter allen
gemeinen Leuthen verbreithet werden.

/ ≥ §_6. ≤

/Ehe wir zur Abhandlung der Physischen

/ Geographie

/|P_23R δAdickes

/|P_24

/Geographie selbst gehen, so müßen wir <¿>
erst, nachdem wir einige vorläufige An-
merckungen zum voraus geschicket haben,
uns einen {2- Vor -2}begrif von der mathematischen
Geographie machen, wie derselbe in der
physischen Geographie nöthig ist.

/Wir erwägen aber darin, die Figur, Größe
und Bewegung der Erde.

/Was die Figur der Erde anbetrift, so ist
selbige beinahe Kugel rund, oder wie es
Newton aus den central-Kräften und der
Anziehung genauer bestimmet hat, so hat die
Erde die Form einer Sphaeroide, welches
auch hernach, durch doppelte Beobachtungen
und Ausmeßungen bestätiget ist. Es
wird aber nicht die kugelrunde Figur
deswegen aufgehoben, weil sich viele Berge
auf derselben befinden, dann diese kommen
gar nicht in Betracht, gegen die ganze Erde,
sondern weil alle Materie die nach dem Pole
zu liegt, sich nach denen Gesezen der Schwehre

/|P_25

/und der Schwungs-Kraft gegen den aequator
zu sammlet und aufhäuft, so, daß dadurch
ihre Form in eine Sphaeroide umgeschaffen wird,
welches auch geschehen würde, wenn sie ganz mit
Waßer umfloßen würde, und zwar deswe-
gen, weil um den Pol gar kein, bey dem Aequa-
tor aber die stärckste Bewegung ist. «die stär-
ckeste Bewegung ist,» Dahero auch der Durch-
schnitt, der durch die beyden Pole geht, klei-
ner ist als der aequator. Newton hat bewiesen
daß ein jeder Körper der sich bewegt, eine sol-
che Gestalt annehmen muß. Ist die Figur
der Erde, eine Sphaeroide, so giebt es auch
Antipoden, die eben so den Himmel über
sich, und die Erde unter ihren Füßen haben.
Die gemeine Meynung, als wenn diejenigen,
die unter uns wohneten, und uns die Füße
zu kehren, herunter fallen müßten, ist Pöbel-
haft, denn nach denen Gesezen der Schwehre,
die aus der Anziehung der Erde entspringen
muß sich alles mit der Erde, nach dem
Mittelpunckt derselben bewegen, so, daß

/ nicht

/δLage_D

/|P_26

/nicht das kleinste Partickelchen von der Erde
wegfliegen kan; weil der Diameter 1720.
Meilen, der höchste Berg auf der Oberfläche
der Erde kaum 1. {2- deutsche -2} Meile beträgt, so machen die
Berge in Ansehung der Figur, gar keine
Veränderung; weil beinahe auf der einen Seite
der Erde das feste Land und Berge sind,
und das Waßer auf der andern Seite; so hat
man vermuthet, daß in Süden auch Länder
«sind» seyn müßen, und zwar aus dem
Grunde, damit die Erd«e»{2- Kugel -2} ein Gleichgewicht
haben sollte,* so weiß man nicht, ob man sich
die Wellt als ein Schiff vorstellen «sollte» soll,
indem die eine Seite nicht schwehrer beladen
seyn muß, als die andere, wegen des Gleich-
gewichts. Für einen Cörper, der da schwimmt,
ist es nöthig. Wollte man nun glauben, daß
sich die Erde nach einem Punckte außer ¿ der
Erde¿ richte, so wäre es nöthig ein Gleichge-
wicht anzunehmen, alleine auf der Erde hat
alles seine Schwehre, nach dem Mittelpunckt.
Auf der Erde ziehen sich alle Theile an und ~

/|P_26R δZ_12

/{2- * Wenn man
das nun an-
nimmt, -2} ~

/|P_27

/ein Cörper zieht den andern an, und je größer
seine Maaße ist, desto stärcker zieht er an,
da nun die Erde, die größte Maaße von allen
Cörpern auf derselben hat; so muß sie «unter-»
alle andern Körper am stärcksten anziehen.
und daraus entspringet die Schwere aller Cörper
gegen die Erde. Der Umschwung der Erde, der noch
außer der Anziehung nötig ist, ist eine Kraft, vermö-
ge welcher alle Cörper von der Erde weggeschleudert
würden, wenn nicht die Schwere, die weit stärcker ist,
solches verhindern möchte. Unter dem Pol hat der
Cörper seine ganze Schwere, weil da die Schwungs-
Kraft am schwächsten ist.* Wann wir annehmen,
daß die Erde eine völlige Kugel wäre, und
alles Waßer von der Erde weg wäre, und es
stünde ein Berg auf der Erde, so müßte die-
ser Berg, er möchte seyn, wo er wolle, allmählig
unter den Aequator rücken, bis er endlich völlig
unter ihm wäre, oder wäre die Erde eine
völlige Kugel und es wären 2. Berge, so
würden sich beyde aequilibriren.

/Also ist jede Kraft des Schwunges vermögend
die Materie dem aequator immer näher zu
bringen, zulezt kämen alle Gebürge, unter den

/ Aequator ~

/|P_27R δZ_13

/{2- * Der Unterschied
ist nur unter
dem Aequator,
wo die Schwungs-
kraft am stärksten
ist. -2} ~

/|P_28

/Aequator zu stehen. Obgleich die Bewegung
sehr klein ist, so macht sie doch etwas, weil sie
ohnaufhörlich ist, und wir niemahls die kleinste
Kraft, für nichts halten, dann wenn sie noch so
klein ist, so kann sie durch vielfältige vergrö-
ßerung eine gewiße Größe erhalten. Der Floh
stößt die Erde durch seinen Sprung zurücke, alleine
wie sich die Maße des Flohes zur Maße der gan-
zen Erde verhält; so verhält sich auch der Stoß des
Flohes, zur Bewegung der Erde, die durch diesen
Stoß entstehet. Die Ekliptic fällt auf den Ae-
quator, ob es gleich sehr langsam zugehet, so ist
es doch etwas. Also muß man sich daran nicht
stoßen, ob nicht die Pole verrücket werden,
wenn Materie von der einen Seite der Erde,
auf die andere gebracht würde. Es ist dieses
zwar richtig, aber nicht in dem Mindestem
Grade zu besorgen, dann wann wir den
Mindesten Grad annehmen, so würde er mit
der Zeit doch größer.

/Alle Länder brauchen nicht in Ansehung des
Gleichgewichts in Proportion zu stehen, die
Ursache ist diese: die Erde ist keine Kugel
sondern sie ist abgeplattet, oder eine Sphaeroide

/|P_29

/welches ein jeder flüßiger Cörper wird, wenn
er sich be@«¿¿¿»w@egt. Die Erde ist also unter dem Ae-
quator erhoben und 4_1/2. deutsche Meilen unter
dem Aequator höher, als unter den«en» Polen,
dahero haben wir unter dem Aequator einen
Berg von 4_1/2. deutschen Meilen hoch. Gegen diesen
Berg können alle Berge und Länder nicht den
1.000ten Theil ausmachen, denn der Fuß der«er»
größten Berge ist nur eine halbe deutsche
Meile, und dieser gehet um den ganzen
Aequator, folglich kann das ganze feste Land
ihn nicht verrücken, und die Axe der Erde kan
sich also auch nicht verrücken, sondern sie bleibet
beständig. Diese Figur und Abplattung
der Erde ist eine natürliche Folge, der
Schwungs-Kraft, und der Anziehung.

/ ≥ §_7. ≤

/Die Größe beträgt im Umfange 5.400. deut-
sche Meilen, wovon der Diameter 1720. Mei-
len ist. Weil aber eine deutsche Meile für
den 15ten Theil eines Grades angenommen wird,
jeder Circkel aber 360. Grade hat, er mag groß
oder klein seyn, und jeder Grad in 15. Theile

/ kan

/|P_30

/kan getheilet werden, so kann die kleineste
Kugel nach diesem Maaß 5.400. Meilen haben,
dann wenn ich die 360. Grad des kleinsten
Zirckels durch den 15ten Theil eines Grades,
also mit 15. multiplicire, so bekomme ich
5.400. heraus, dennoch weiß ich nichts, wenn
ich weiß, die Erde ist 5.400. Meilen lang, von denen
jede der 15te Theil des Grades ist.

/Es müssen also die Meilen bestimmet werden.
Die Sachßen haben eine doppelte Meile, eine Poli-
cey_Meile, welche 30.000. Werckschuhe in sich hält,
und eine Geographische Meile, die 2.000. Rhein-
ländische Ruthen oder 24.000. Werckschuh enthällt.
Ein Geometrischer Schritt oder der 1.000ste Theil
einer deutschen Meile macht 5. Fuß, und nach der
Neuesten Ausrechnung derselben 6. Fuß %.Rheinländisch
aus. Ein Klafter, Toise, Faden welcher auf
See-Fahrten und ein Lachter, so bey Berg-
wercken gebraucht wird, enthalten 6. Fuß oder
8. Dresdener Ellen.

/ ≥ §_8. ≤

/Die Erde hat eine Bewegung von Abend gegen
Morgen, daher ist der Aufgang der Sonne,
und des Gestirnes in entgegen gesezter, Rich- 

/|P_31

/tung der Erdbewegung, folglich von Morgen,
gegen Abend. Die Bewegung des Stern_him-
mels, ist nur ein scheinbahre Bewegung,
dann, weil wir die Bewegung der Erde
nicht sehen, indem wir darauf sind, so
haben wir eine scheinbare Bewegung des
Himmels, alleine wir wißen nicht, ob der
Himmel oder die Erde sich bewege. Z. E.
Wann auf der offenen stillen See ein
Schif für Ancker liegt, und Mein Schif
wird von einem Meer-Strohm, und nicht
vom Winde getrieben, so weiß ich nicht,
ob Mein Schif oder das andere sich bewege.
Also wißen wir auch nicht, ob wir oder
der Stern-Himmel seine Stelle verändere
daß die Erde sich beweget, mußte mit vieler
Subtilitaet bewiesen werden. Wenn die
Erde gar keine Bewegung hätte, so würde
kein Circkel auf derselben bestimmt seyn,
alleine, da sie eine doppelte Bewegung
sowohl um ihre Axe, als um die Sonne
hat, so originiren sich folgende Punckte @<%und>@ Linien

/ I.) Aus

/|P_32

/I.) Aus der Bewegung der Erde um ihre
Axe, entstehen

/1.) Zwey Punckte, welche gar keine Bewegung
haben «sollten» sollen, sondern fest sind,
und um die sich die ganze Erde dreht.
Diese heißen die Pole, der NordPol und
der Süd-Pol. Die Linie die ich mir durch
die Pole gezogen dencke, heißet die Axe.
Also habe ich schon auf der Kugel-Fläche
wo man sonst nichts unterscheiden kan,
2. Punckte und 1. Linie, weil aber die
Axe innwendig lieget, so geht sie mi@«r»ch@
weiter nichts an.

/2.) Durch diese beyde Punkte kann ein Cir-
ckel gezogen werden, der die Erde in der
Hälfte durchschneidet, und das ist der Me-
ridian. Nun kann man unendlich
viele Meridiane ziehen, weil man aus
den beyden Punckten viele Circkels zie-
hen kann. Wie ziehe ich den Meridian
jedes Orts? Hierdurch kommt die 2te
Art von Punckten vor, die durch jeden
Zuschauer bestimmt wird, und nicht be- 

/|P_33

/ständig ist. In der Mitte der Erde ist
ein Centrum, von diesem Centrum kan
ich mir eine Linie über meinen Kopf,
bis wieder zum Centro ziehen, und diese
ist das Zenith und das Nadyr, die ein
jeder für sich bestimmt. Zwischen 2. Punkte
kann nur eine Linie bestimmt werden,
in der Erde ist ein Punckt und über mir
auch einer, und da kan ich eine Linie
ziehen. Es hat also ein jeder sein Zenith
weil jeder eine Linie vom Centro der
Erde, über seinen Kopf, biß wieder zum
Centro ziehen kan. Daher kann auch jeder
seinen Meridian haben. Viele Örter
haben einen Meridian, der Meridian
von Königsberg gehet bis durchs Vorge-
bürge der guten Hofnung. Der Meri-
dian theilet die Erde in 2. Theile, der
eine ist der Östliche und der andere der
Westliche Theil. Die Örter die i@n@ einem
Meridian liegen sind nicht in Osten
und Westen, sondern in Süden und
Norden unterschieden, indem ein Ort
weiter nach Süden oder Norden seyn muß.

/ In

/|P_33R δAdickes

/δLage_E

/|P_34

/In dem Meridian selbst, sind 2. Theile,
der Meridian unseres Orts und der An-
tipoden, welcher auch der antipodische Me-
ridian heißt. Wann die Sonne bey uns
Mittag macht, so ist sie in unserem Meri-
dian; um Mitternacht aber ist sie im
antipodischen Meridian. Es giebt also,
so viele Meridiane, als Örter sind,
und Örter, die nur in Norden und
Süden unterschieden sind, haben einen
Meridian.

/3.) Durch die Umdrehung der Erde, um ihre
«Linie» Axe, wird noch eine Linie bestimmt.
Dieses ist der aequator, der von beyden
Polen gleich weit entfernet ist, und in
dem die Bewegung am allergrößesten
ist; denn je näher die Örter am Pol
sind, desto kleiner sind die Circkel,
und also auch die Bewegung.

/Die Linie die gleich weit von @%denen@ Polen
abstehet, theilet die Erde in 2. gleiche Thei-
le, in die Nord- und Süd-Seite.

/Der Meridian war verschieden, aber

/|P_34R δAdickes

/|P_35

/es giebet nur einen Circkel, der gleich weit von
den«en» Polen abstehet.* Weil ich aber nicht weiß,
von wo ich eigentlich die Grade zu zählen,
anfangen solle, indem es gleich viel ist, von
wo ich anfange, und der aequator keinen
festen Punckt hat, sondern man nach Belieben
wählen kann; so hat man auch nach Be-
lieben einen {2- ersten -2} Punct auf dem aequator an-
genommen und festgesezet, von dem Man
anfangen muß, die Grade des Aequa-
tors zu zählen. Dieser erste Punckt
ist durch die Ziehung des Meridians
auf der Insul Ferro angenommen wor-
den, von @dan@ theilt Man den aequator
von Westen nach Osten, weil die Dre-
hung so ist, in die bestimmten Grade
der erste Meridian {2- also, -2} der den aequator
schneidet, kann willkührlich angenommen
werden. Die Einigung wäre hier zu
wünschen. Man hat also 2. Zirckel, die
einander im rechtem Winckel durch-
schneiden, Wann ich nun Z. E. den
Unterschied von Königsberg und

/ Moscau ~

/|P_35R δZ_2

/{2- * und also
determinirt
ist. Es ist also
nur ein einziger
Aequator, obgleich
viele Meridiane.
Die Hälfte der Er-
de heißt ein e»e-
misphaerium, da-
her haben wir ver-
mittelst des Ae-
quators 2 Hälften,
nemlich das
südliche %und nord-
liche Hämisphä-
rium. Man kann
auch durch den Me-
ridian 2 H«ä»<e>mi-
sphärien machen,
das östliche %und west-
liche, aber die hat
die Natur nicht be-
stimmt. Oerter in ei-
nem Meridiane sind
in Süden %und Norden,
nicht aber in Osten
%und Westen unter-
schieden. Oerter in
einem Aequator
sind in Osten %und We-
sten, aber nicht in
Süden %und Norden un-
schieden; daher
kann der Aequator
zum Unterschiede in
Süden %und Norden, %und
der Meridian in We-
sten %und Osten @dienen@. Nun
hat jeder Cirkel 360 %Grad,
also auch der Aequa-
tor. Dieser dient zu be-
stimmen, wieviel Grade
ein Ort «von » <nach> Osten «@nach@»
von Westen abstehet. -2} ~

/|P_36

/Moscau von Westen nach Osten wißen will,
so ziehe ich den Meridian von beyden Städten
und beyde Meridianen durchschneiden den
Aequator. Nun zähle ich den Unterschiedt
der Grade im aequator; der Bogen zwi-
schen beiden Meridianen und die Zahl der
Grade, macht den Unterschied der Örter in
Westen und Osten.

/Alle Grade auf dem Meridian sind Gra-
de der Breite, und alle Grade auf dem Ae-
quator sind Grade der Länge.

/Was bedeu@«d»t@et die Breite und Länge des Orts?
Die Breite ist die Entfernung des Orths
vom Aequator und wird auf dem Meri-
dian abgezählet. Die Länge ist die
Entfernung des Orts vom Meridian
und wird auf dem aequator abgezählet.
und zwar vom Westen nach Osten.
Sie wird auch die Länge des «Orts»
Meeres genennet, und ist wegen Einerley-
heit der Gestalt des Himmels, sehr
schwehr ausfündig zu machen; die
Breite {2- ist -2} hingegen leicht zu finden

/|P_37

/<weil> sich bey Veränderung der Breite auch je-
derzeit die Gestalt des Himmels ändert, und
überdem der Pol_Höhe gleich ist. Es giebt
weil 2. δLücke {2- a»emis -2}phaerien sind, auch zwey-
erley Breiten, eine Nördliche und eine
Südliche Breite, die größte mögliche
Breite ist 90 %Grad, und dieses ist der Pol.
Der Ort unter dem Aequator hat gar
keine Breite, die Länge ist die Ent-
fernung vom Meridian in Osten und
Westen, und wird auf dem Aequator
abgezählet. Ich muß aber erst, einen
ersten Meridian haben, von dem ich an-
fangen kann, die Grade des aequa-
tors zu zählen. Dieser ist beliebig
auf der Insul Ferro angenommen,
«@noch@» Nun zähle ich von Westen nach
Osten, auf dem Aequator. Es sollte
also ein Ort, weil ich von Westen
zähle, keine andere, als Westliche
Länge haben, daher hat Philadelphia
320 %Grad westliche Länge, obgleich der

/ Ort

/|P_38

/<Ort> nur 40. %Grad vom ersten Meridian abstehet,
nehmlich, wann ich von Osten die Grade zu-
rücke zähle; zähle ich aber die Westliche
Länge, so muß ich vom ersten Grade
an um die ganze Erde die Grade he-
rum zählen; es sollte also die Länge
stets westlich gezählet werden, man ist
aber davon abgegangen, weil es zu
weitläuftig schien, die Grade herumzu-
zählen, daher sagt man: Philadelphia
hat 40. %Grad östliche oder 320. %Grad westliche Länge.
Der aequator, der die Erde in 2. bestim-
te Hemisphaerien theilet, macht ver-
schiedene andere Circkel, die mit ihm
Parallel gezogen werden, es können
dergleichen viele seyn, sie heißen, Ta-
ges_Circkel - Circuli Diurni, zwischen
dem Parallel-Circkel ist die verschie-
denheit der Örter die Man @«C¿»{2- Cli -2}mate@
nennet. Örter die in einem Parallel¥
Zirckel liegen, haben einerley «Länge» {2- Breite -2},
Örter die in einem Meridian lie- 

/|P_39

/gen, haben einerley länge, weil die
ersten gleich weit vom * Meridian abstehen.
Örter die in einem Parallel-Circkel
liegen, haben einerley Clima, die aber
unter dem {2- @%.selben@ -2} Meridian liegen haben
verschiedene Climata, weil der Meridian
durch alle Climata durchgehet. Die
Climata werden also durch Parallel-
Circkel bestimmt. Es können Örter
die in verschiedenen Hemisphaerien liegen
aber gleich weit vom aequator abstehen,
einerley Clima haben. Örter, die
in einem Meridian liegen, haben ei-
nerley Mittags-Zeit. Örter die in
einem Parallel-Circkel liegen, ha-
ben nicht einerley Mittags_Zeit, aber
einerley Tages_Länge; also Örter die
in einem Meridian liegen, haben zwar
zu gleicher Zeit Mittag, aber nicht gleiche
Tages-Länge. Die Alten theileten die
Örter in solche Climata ein, daß, wo
der Tag um eine Stunde länger

/ wurde ~

/|P_39R δZ_2

/{2- * Aequator,
und die andere
gleich weit von -2} ~

/|P_40

/wurde, ein Neues Clima war.

/II.) Die andere Bewegung, die die Erde
hat, ist der Iahres-Lauf der Erde, oder
ihre Bewegung um die Sonne. Der Circkel
ist die Bahn der Erde, oder die scheinbare
Sonnen-Bahn. Die Erde bewegt sich in
solchen Circkeln, in deren Mittel_Punkt die
Sonne ist. Wann die Axe der Erde
mit der Bahn derselben, einen rechten
Winckel machen möchte, oder wenn sie
immer perpendiculair auf derselben
stünde, so würde die Sonne immer
im Aequator seyn, * und die Iahres-
Wechselung würde aufgehoben seyn.
Nun steht aber die Axe nicht perpen-
diculair auf der Bahn, sondern sie
weicht von der Perpendiculairen Stel-
lung 23_1/2 %Grad ab. Wann nun die Erde
eine schiefe Richtung hat, so muß
folgen, daß ein Hemisphaerium {2- von -2} der
Sonne abgelegener, als das andere sey,
und folglich die Veränderungen der
Jahres-Zeiten daraus entstehen. ~

/|P_40R δZ_13

/{2- * und deswegen
auch jederzeit
Tag %und Nacht
gleich machen.
Alsdenn würde
das ganze Jahr
hindurch auf
der Erde Aequi-
noctium seyn -2} ~

/|P_41

/Die Bewegung hat das besondere an sich
daß die Erde mit der Bewegung
um die Sonne, jederzeit einerley
Richtung der Axe hat. Die Stellung
der Axe, i@n@ Ansehung der Sonne,
ist einerley; @den@ 21. %.December steht die
Erde in Norden, also ist die Nörd-
liche Seite der Erde, wegen der schie-
fen Richtung abgebogener, folglich ist
es Winter; denn als_dann bescheinet
die Sonne die Erde nicht einmahl
bis an den Pol, sondern der größte
Theil der Nördlichen Seite, muß ohnbe-
schienen bleiben, folglich ist der Tag
kürzer. Wann aber die Erde den 21%ten
Mertz in Westen stehet, so stehet
die Sonne just im aequator, und alle
Örter haben Tag und Nacht gleich, denn
die Sonne bescheinet beyde Pole gleich.
Den 21. Iunius bescheinet die Sonne
den größten Theil des Nordlichen He-
misphaerii, und der kleinste Südliche

/ Theil

/δLage_F

/|P_42

/Theil ist unbeschienen, folglich dem 21. December
entgegen, also, ist der größte Theil Tag. Den
21ten September steht die Sonne wieder im aequator,
folglich ist zum 2ten Mahl im Iahre Tag und Nacht gleich.
Der Unterschiedt der {2- Jahres -2}_Zeit beruhet also auf der schie-
fen Stellung der Erde in ihrer Bahn. Wann
die Erde noch schiefer stünde, so wäre im Nord-
lichem Theil im Winter gar kein Tag, und
im Südlichem Theil im Sommer aber gar keine
Nacht. Es beruhet also auf der Stellung der
Erde, wie sie von der Vorsicht gesezzet ist,
was wir für Veränderungen der IahresZeiten
haben.

/Diese Stellung muß aber für uns die zut{2- r -2}räg-
lichste gewesen seyn, weil sie die Vorsicht
wählete. Aus dieser Bewegung der Erde
um die Sonne, entstehen folgende «Tropici-»
Zirckel:

/1. Die Tropici, welche durch diejenige Punkte
gezogen werden, wo die Sonne am
höchsten vom Aequator abgehet, und wie-
derum umgekehret. Dieses ist eine

/|P_43

/Weite von 23. %Grad «bis» 31. %Minuten und auf jeder Halb-Ku-
gel ist einer von diesen Wende_Zirckeln
befindlich, sie machen die Schiefe der
ll»cliptick aus; wenn dieses nicht wäre,
so möchte die ll»cliptick auf den Aequa-
tor fallen, und der Iahres-Wechsel
fehlen; also ist die Abweichung der El-
liptik vom aequator auch 23 %Grad 31. %Minuten un-
terschieden. Die Sonne ist in irgend
einem Orthe zwischen den WendeZirckeln
über dem Scheitelpunkt, aber sie tritt
Nienahls in den Ort, der außerhalb
dene WendeZirckeln ist, über dem
Scheitelpunckt. Also in einem tiefen
Brunnen fällt die Sonne in den
Örtern zwischen den WendeZirckeln
bis auf den Grund, aber in denen
Örtern «¿¿¿» außen den Wende-
Zirckeln, strahlt sie auf die Seiten.

/2.) Die Polarcirkeln werden in einer Weite
von 23 %Grad 31. %Minuten von den Polen gezogen,

/ und

/|P_44

/und auf jeder Halb_Kugel ist einer
von ihnen. Alles, was innerhalb denen
Polar-Circkeln ist, hat wenigstens einen
Tag, @«ein»im@ Iahr, keinen Aufgang und keinen
Untergang der Sonnen.

/3.) Endlich müßen wir noch einen Zirckel
anführen, der weder durch die Bewegung
der Erde um ihre Axe, noch um die
Sonne, sondern der durch die Optic
erzeuget wird. Und dieses ist der
Horizont, welches ein Zirckel ist, der
vom Zenith und Nadyr gleich weit
abstehet.

/ ≥ §_9. ≤

/Die Zonen oder die Gürtelstriche der Erde,
sind folgende:

/1.) Die heiße Zone liegt zwischen den beyden
Tropicis: Weil der Aequator die Erde
in 2. Hemisphaerien theilet, so kann
Man sagen, daß es 2. heiße Zonen
gäbe, nehmlich auf jeder HalbKugel

/|P_45

/eine @%und@ also wird eine nördliche und
eine Südliche {2- heiße -2} Zone seyn, auf jeder
Seite des aequators.

/2.) Die 2. temperirte Zonen liegen zwi-
schen den Wende-Zirckeln und Polar-
Zirckeln, * weil gegen die Mitte dersel-
ben die meisten Menschen und Thier-
Arten zu leben, im Stande sind; je-
doch ist <in> derselben näher am Wende_Zir-
ckeln oft heißer als am Aequator,
weil daselbst die Sonne länger schei-
net und länger Tag ist, als unter dem
aequator, wo beständig Tag und Nacht
gleich ist, und also die Nacht lang ge-
nug ist, daß sich die Erde %abkühlen
kann.

/3.) Die 2. kalten Zonen liegen zwischen
dem Polar-Circkel und dem Pol
auf beiden Seiten Halb-Kugeln.

/Die Zonen haben ihre Beziehung auf die
Tages_Länge, der Gegenden. Die {2- heiße -2} Zone be- 

/ greift ~

/|P_45R δZ_6

/{2- * %und heißen
deswegen so, -2} ~

/|P_46

/begreift die Örter unter sich, wo der
Tag und die Nacht gleich lang ist. Alle
Örter in diese«n»r Zone«n» haben die Sonne
2. Mahl im Iahr über ihren ScheitelPunkt.

/Die Temperirten Zonen begreifen die
Örter unter sich, worinne der längste
Tag «ist» noch unter 24. Stunden ist. Örter
in den Temperirten Zonen, haben die Sonne
niemahls über ihren Scheitelpunckt, sie
haben aber {2- das -2} ganze Iahre Tag und Nacht.
In den Kalten Zonen sind endlich die
Örter, wo der Tag ein halb Iahr währet,
also ist der Tag immer länger, je weiter
Man nach dem Pole kommt. Einer
der unter dem Pol wohnet, hat den Aequa-
tor zum horizont, und folglich bleibt
die Sonne immer in seinem horizont
das ganze halbe Iahr, so wie sie dann
hernach das ganze halbe Iahr, unter
seinem horizonte ist.

/|P_47

/ ≥ Abhandlung
Der Physischen Geographie. ≤

/Wir theilen die Physische Geographie ein

/ ≥ §_10. ≤

/1.) In den allgemeinen Theil, worinne die Erde
als der Schauplatz nach den Elementen erwogen,
und von den Bestand«t»-Theilen der Erde, von
dem Waßer, der Luft und der Erde selbst
gehandelt wird.

/2.) In den besondern Theil, wo von denen be-
sondern Producten und Eigenschaften gehandelt
wird.

/ ≥ Sectio 1.

/Artic. 1. vom Waßer.

/ §_11. ≤

/Die Oberfläche der Erde wird in das Waßer
und in das feste Landt eingetheilet. Hier
aber werden wir nicht von den Flüßen, %Ströhmen,
Quellen, sondern vom Meeres-Waßer, als
der Mutter aller Gewäßer reden, weil jenes
nur Producte der Erde sind, und von dem
Meer ihren Ursprung haben.

/ ≥ §_12. ≤

/Das allgemeine Waßer ist gleichsam, ein gro- 

/ ßes

/|P_48

/ßes Behältniß und ein tiefes Thal, wo sich
das auf der Erde befindliche Waßer gesam-
let. Das feste Land aber ist nur eine Erhö-
hung über daßelbe. Es ist auf der Erde
viel mehr Waßer, als festes Land befindlich
und dieses ist gleichsam eine große Insel,
weil sie rund um mit Waßer umgeben wird
Das allgemeine Waßer, welches das Land um-
schließet heißt Ocean, und das allgemeine
Land heißet continent. Das Continent ist
schwehr zu bestimmen, indem es beynahe
kein continent giebt, weil der ocean alles
festes Landt umgiebt, und der allgemeine
archipelogus ist. - Man nennet aber {2- doch -2} @dieses@
feste Land, welches ununterbrochen fortge-
het, das Continent.

/Das Waßer welches viele Inseln hat, heißt
Archipelogus, der allgemeine Archipelogus ist
der Ocean. Das Waßer, welches vom Lande
umgeben wird, heißet das Einländische
oder «¿¿¿»Mittelländische Meer, das was ein Ein-
ländisches Meer, in Ansehung des Waßers
ist, das ist die Insel in Ansehung des

/|P_49

/Landes, dann das erste ist mit Land, das an-
dere aber mit Waßer umgeben. Diejenigen
Waßer, die Salz enthalten, werden Meere genannt,
von den Einländischen Meeren haben auch einige
Salz, und obgleich sie vom Ocean abgeschnitten
sind, so haben sie doch Zusammenhang und
werden auch Meere genannt; - der ocean ist
die Mutter alles Wesen, * denn er bedekte
zuerst die Erde, die hernach aus seinem
Schooß hervor kam.

/Die Abtheilung des Oceans ist willkührlich,
aber auch natürlich; unter dem Pol heißt
er das Eiß-Meer, hernach der große at-
lantische und zwischen America und Europa
der Pacifische ocean. Ein Buse@n@ oder
Golfo heißt ein Gewäßer, welches sich
ins Land erstreckt, und von demselben
umschloßen wird, jedoch mit einem
Theil der See zusammenhängt; es ist
also nichts anders, als ein an einer Seite
eröfnetes Mittelländische Meer, jedoch muß
er länger, als breit seyn; ist er aber

/ breiter ~

/|P_49R δZ_8

/{2- * auf der Erde -2} ~

/δLage_G

/|P_50

/breiter, als länger, so heißt er eine Bay.
wiewohl beydes Promiscue genomen wird@,@
@denen@ Busen ist in Ansehung des Landes @die@
HalbInsel entgegen gesezt, welches ein Land
ist, welches sich ins Waßer erstrecket, von
demselben umschloßen ist, aber ans Landt
anhängt. Z. E. Italien und das Adriatische
Meer. Eine Straaße ist ein Gewäßer, wel-
ches von 2. Seiten mit festem Lande um-
geben, an 2. Orten aber mit dem Waßer
zusammen hänget. Der Straaße ist auf
dem festen Lande der Isthmus entgegen
gesezzet, welches ein schmaler Strich Landes
ist der von 2. Seiten mit Waßer umge-
ben ist, und mit dem Lande zusammen
hängt. Das Mittelländische Meer, «¿¿¿»
wäre mit Recht ein Busem des oceans
zu nennen, weil es vom Ocean nicht
%abgeschnitten ist. Weil aber die Straaße
bey Gibraltor sehr enge ist, so wird es
als abgeschnitten angesehen. Das

/|P_51

/Adriatische Meer aber ist ein brühmter
Busem.

/Die Merckwürdigsten Meer-Busem
sind:

/I.) In Europa. 1. Golfo_di_Venetia.

/2. Golfo di Genua.

/3. die Bay von Biscaya.

/4.) der Botnische und
Finnische Busem.

/5.) das weiße Meer, ein
Golfo des Eis_Meeres, bey
Archangel.

/II.) In Asien. 1. der Arabische Meer_Busen
oder rothe Meer.

/2.)der Persische Meerbusen,
wo Euphrat und Tyger
hineinfließen.

/3.) {2- der -2} Bengalische.

/4.) der Siamsche.

/5.) der {2- Penschmitzlische -2} zwischen Kamt-
schatka und Siberien.

/III.) In Africa, der Meerbusen von Benin

/ sonst

/|P_52

/sonst keine vorzügliche.

/IV.) in America 1) der Mexicanische zwischen
der {2- Halbinsel -2} Iukatan und der Insul
Cuba, andere rechnen auch Cuba zum
Mexicanischem Meeres-Busem
alleine so weit erstreckt er sich
nicht, so, wie auch nicht ganz
America West-Indien heißet,
sondern nur die Insuln beym
Mexicanischem Meer-Busem.

/2.) Der Busem von Campeche.

/3.) Die Bay von «Tomburas» {2- Honduras -2}, von wo
das Zimmer_Holz kommt.

/4.) Die Bay aller Heiligen.

/5.) Die Bay von Californien.

/6.) Die Hudsons_Bay.

/Die berühmtesten Straaßen sind:

/I.) In Europa 1.) Die «Bay» <Straaße> bey Gibraltar, bey
den Hollaendern schlechtweg, die
Straaße, dahero die Schiffer, die
nach der Levante wollen, Straaßen¥
Fahrer genannt werden; sie ist

/|P_53

/4. Meilen breit, kommt aber den«en»
Schiffern wie gegraben vor, weil
die Küsten sehr hoch und steil
sind.

/2.) Die Straaße von Caffa verbindet
das asowsche Meer mit dem
schwarzen.

/3.) Die Straaße von Constantinopel
verbindet das schwarze Meer
mit dem Marmor_Meer.

/4.) Die Dardanellen sind der Canal
zwischen dem Marmor-Meere
und dem Mittelländischem.
Dardanellen heißen Schlößer
die das Meer vertheidigen.

/5.) Der Canal.

/6.) Der %.Sankt_George_Canal, bey den
Hollaendern der umgekehrte Ca-
nal %zwischen Engelland und Irrland.

/7.) Der Sund, welches soviel, als
Untief Waßer ist.

/8.) Der kleine und große Belt

/ alle

/|P_54

/alle zwischen der Nord_See
und Ost-See, von welcher ge-
wißer Verträge mit Dae@nn@emarck
halben, der Sund befahren %werden
darf.

/II.) In Asien 1.) Die Straaße Babel Mandal
oder Babel Mandel, %.das %.heißt die
Trähnen-Pforte, weil hier viele
Schiffe scheitern.

/2.) Die Straaße von Ormus. Hier
war vorhero der größeste
Marckt von der Wellt.

/3.) Die Straaße von Malac{2- k -2}a.

/4.) Die Straaße von Sune«¿»ta.
Von dieser Straaße, wo die
Holländer fahren, haben die
Insuln den Nahnen, Sundasche. *

/III.) In Africa. Die Straaße von Mozambique.

/IV.) In America.

/a.) im Nordamerica.

/1.) Die Straaße Davis, nach der West-
lichen Küste von Groenlandt, ~

/|P_54R δZ_14

/{3- * 5.) Die Meerenge Balamboang
zwischen I@ava@ und der Insel Baly. -3} ~

/|P_55

/der Wallfischfang geht theils nach
Groenlandt * und einem wüstem
Lande; dahero diese Davis_fahrer
heißen.

/2.) Die Hudsons-Straaße.

/3.) Die Straaße von Bahama.

/b.) in Süd-America.

/1.) Die Magellanische Straaße,
80. Meilen lang, zwischen der Insel
del_Fuogo und Patagonien.

/2.) Die «le M@e@yrische» {2- la_Mairische -2} Straaße; einige
fahren durch die Magellanische
andere durch diese.

/ ≥ §_13. ≤

/Was die Figur und Gestalt des Waßers be-
trift, so ist daßelbe den uner@m@eßlichem
Raum gleich, und hat gar keine Figur.
sondern giebt diese vielmehr dem Lande,
Alleine da man bemercket, daß fast alle Flü-
ße aus America, Europa und dem größtem
Theil Asiens, sich in das Atlantische Meer
ergießen, ferner zwischen America und Asien

/ eine ~

/|P_55R δZ_2

/{2- * oder Spitzbergen,
theils in die
Straße Davis zwi-
schen Grönland -2} ~

/|P_56

/eine kleine We«¿»ite nach den Neuesten Entde-
ckungen sich befindet, auch ein Französischer
Autor [[¿¿¿]] beobachtet, daß man, wann Paris zum
Stand-Ort genommen wird, alles Land beysam-
men auf der einen Halb-Kugel siehet, so
ist zu vermuthen, daß das Atlantische
Meer gleichsam ein großes Bass@i@n gewesen,
und daß das darinne befindliche Waßer
gleichsam den Damm ausgerißen und auf
solche Art eine Communication mit dem
übrigem Gewäßer erhalten. Und es ist
würcklich zu vermuthen, daß das Waßer
{2- vorhin -2} vom Lande gleichsam eingeschränket worden,
und dahero eine Figur gehabt - von
der wir im Capitel von dem alten Zu-
stande der Erde, mit mehreren reden wollen.
Wann man die Ufer mit dem Boden des
Meeres vergleicht, so wird man finden,
daß sich derselbe beständig nach denen
Ufern richtet, daß, wenn {2- daßelbe -2} steil,
auch der Boden steil, und wann daßelbe
schräge unter gehet, auch der Boden schräge

/|P_57

/sey, Sollte dieses bloß einem plözlichem Endzwecke
bey zu meßen seyn, so würde man keinen
Grund anzu geben wißen, warum nicht der
Boden anders beschaffen sey, als das Ufer, und {2- es -2}
würde verwegen geurtheilet seyn, wann
wir diese Einrichtung für die vollkommste
erklären wollten. Daß dieses auch so
sey, erhellet aus der General-Regel für die
Schiff«arth»{2- er -2}, welche der berühmte Schiffahrer
Dampier gegeben hat, daß, wo das Ufer
steil sey, man auch leicht ans Land fahren
könne, wo aber daßelbe schräge sey, man
davon in einer gewißen Entfernung bleiben
müße; Ie weiter vom Lande, desto tiefer
wird das Meer, dann das Land fährt
mit allmähliger Abschüßigkeit ab, dann
indem das Meer nur ein Thal ist, so ist
der See-Grund eine Fortsezung der Landes¥
Fläche. Was überdem den Boden des
Meeres anbetrift, so werden wir finden,
daß derselbe dem Boden des Landes sehr
gleichförmig sey, indem ganze Stücken von

/ Bergen ~

/|P_57R δZ_1

/δZeichen

/δZ_11

/δZeichen

/δZ_22
Zeichen ~

/δLage_H

/|P_58

/Bergen im Waßer anzutreffen sind, dergestalt,
daß das Waßer am Vordertheil des Schifs
20. Loth, am Hintertheil des Schiffes {2- aber -2} öfters 200.
bis 300. Loth tief sey. Man hat auch ein
Profil vom Grunde des Meeres, wie er aus-
sehen möchte, wann das Waßer abfließen
würde. Auch die Materie des Seegrundes
ist dem Erdgrunde gleich. Die Spizen von
denen Bergen im Waßer, wann sie breit
sind und über das Meer hervor ragen,
heißen Insuln. Lange Sandbäncke, die die
Küsten bedecken, deßwegen man auch an die
Küsten nicht kommen kann, heißen Barren
oder Riegel. Z. B. bey Africa, die Küste von
Coromandel hat keine Hafen, weil ein
Barr vor ist. Ein Riff ist eine Untiefe
im Meer, wo eine Sandbanck ist, die sich
vom Lande anfängt, und sich weit ins
Meer {2- er -2}streckt, aber doch noch unter dem Waßer.
Aus allem diesem ist zu vermuthen, daß
eine große Revolution auf der Erde, vor-
gegangen sey, daß der Boden des Meeres

/|P_59

/eingesunckene Länder wären, und daß
eine gleiche Kraft gewesen, welche den Bo-
den des Meeres locker gemacht, mit derje-
nigen, welche das übrige Land hervorragend
und convex gemacht hat. Doch finden sich
auch große Ungleichheiten, zwischen dem Boden
des<4> Meeres<5> und<3> des<1> Landes<2>, und man muß
denen nicht beystimmen, die da glauben,
daß er derselben völlig ähnlich sey; Es
befinden sich im Meere Sandbäncke und
Erdbäncke, als die Dogers_Bank, welche sich
von Engellandt biß Gothland erstrecket, dieses
ist ein langer Hügel, der von beiden Seiten
abschüßig ist, wo sie @anckern@ können.
Dieses ist auf dem Lande nicht. Es sind
in der See lange nicht solche Berge, als
auf der Erde, und auf dieser nicht solche
Ebenen, wie im Waßer. Das vorhero
angeführte, ist eben die Ursache, warum
Man so wenig@{2- e -2}@ Hafen in der Welt antrift,
weil nehmlich in den wenigsten Örtern, die

/ Ufer

/|P_60

/Ufer steil sind, und zum Hafen erfor-
dert wird, daß man deicht beym Lande,
anlegen, und vor Stürmen und Wellen si-
cher seyn könne, auch daß daselbst mit
jedem Ancker Grund anzutreffen sey..
Es giebet aber auch Moräste und Triebsand,
wo das Anker versincken kann, oder der
Seegrundt ist steinigt, wodurch das
Anckerthau zerrieben wird. Am lie@b@sten
anckert Man an den«en» Küsten und das
sind Rheeden; es ist aber schlimm, wo
die Küste voller Rheeden ist, als in
Coromandel. Der Boden aber ist erst
als dann zum Anckern tauglich, wo
das Schiff lange vor Ancker liegen kann,
und wo der Seegrundt nicht steinigt,
sondern weich ist. Außer dem Platz
gut zu anckern, wird noch zum Hafen
erfordert, daß Man sich dicht ans
Land nähern kan, ferner, daß er inn-
wendig geräumig sey, aber gegen das

/|P_61

/Meer eine schmale Öfnung habe, damit
er gut defe@n@dirt werden kann, und damit
der Anfall der See, die Schiffe nicht be-
unruhigen kann. In Norwegen sind sehr
häufig Hafen anzutreffen, so, daß Man
sie nicht einmahl alle benennen kann.
Überhaupt trift Man in Europa die mei-
sten Hafen an, welches auch wohl die Ur-
sache seyn muß, weswegen daselbst der
Handel am Meisten blühet.

/Ferner ist anzumercken, daß in Westen
und Süden, die meisten steilen Ufer, in
Norden und Osten aber, weniger derselben
seyn, welches wohl des wegen ist, weil
sich das Waßer oder der Strohm des
Oceans, das in denen alten Zeiten hö-
her war, von Osten gegen Süden floß
und das Erdreich, welches er mit sich
fortführete, am ersten sich an der West-
Seite ansezte.

/ ≥ §_14. ≤

/Was die Art und Weise die Tiefe

/ zu

/|P_62

/zu erforschen anbetrift, so müßen wir
anmercken, daß solches durch ein, an ein
dünnes Seil befestigtes Gewicht, welches
die Holländer Loth nennen, und 30. %.Pfund
schwehr ist, geschiehet. Das Gewicht selbst,
hat die Gestalt eines Zucker_Huthes
und einen umgebogenen Boden, es
muß auch eine größere Schwere, als
das Seil selbst haben, damit man mer-
cken kann, wenn es auf den Boden
gekommen. Man hat bemercket, daß die
größte Tiefe des Meeres, den ohnweit
davon gelegenen höchsten Bergen gleich sey,
wann man ohngefehr 2/3. davon wegnimmt,
folglich würde die größte Tiefe 2.000.
Rheinländische Ruthen betragen. Daß
die Ost-See nicht tief ist, kommt daher,
weil das benachbarte Pohlen und Preussen
flach ist. Wann man nun gleich nicht
annehmen wollte, daß das Seil oder

/|P_63

/überhaupt ein jeder schwehrer Cörper, durch
sein eigen Gewicht zerreißen könne, so
ergiebt sich dennoch die Schwürigkeit von
selbst, auf eine solche Art die Tiefe
auszumeßen, weil man ein solches Seil,
welches eine deutsche Meile lang wäre,
zu verfertigen nicht im Stande wäre,
überdem {2- da -2} das Schif mehrentheils fortgehet,
ob es gleich stille zu stehen, scheinet,
und im Grunde des Meeres öfters
Ströhme sind, die eine ganz entgegen ge-
sezte Richtung, als das Meeres_Waßer
haben; so bekommt Man Mehrentheils an
statt der perpendiculairen Tiefe, eine
«S»chiefe; dann es giebt öfters an einer
Stelle des Meeres 2. verschiedene Ströhme,
der eine ist der, welcher vom Lande her-
kommt, der andre aber scheinet {2- von -2} den
«¿»Wind, durch die Ebbe und Fluth, sei-
nen Ursprung zu haben. Der eine
Strohm gehet also auf den Boden des

/ Meeres ~

/|P_63R δZ_19

/δZeichen ~

/|P_64

/Meeres, welcher weder durch Winde, noch durch
andre Hinderniße, eine andre Richtung
bekommen kann; der andre aber auf der Ober-
fläche d@e@ßelben. Man kann auch durch
dieses Loth, die Beschaffenheit des Meer-
Grundes zu erfahren, Gelegenheit haben, weil
die Höhlung des Gewichts mit Talch beschmie-
ret ist, an welchem sich der Sand, die
Muscheln pp einhangen. Dieses dienet dazu
damit die Schiffer aus der Beschreibung an-
derer, nebst der gefundnen Tiefe des
Meeres, zur Nachtzeit wißen können, wel-
chem Ufer sie gegenüber sind, welches
sie zu Tages-Zeit, aus der Gleichheit des
auf See-Charten v«o»er«ge»zeichneten und
des gegenüberstehenden Ufers wißen
können, zur Nachtzeit aber öfters
weiter fahren, als sie bey Tage sehen
Konnten. Weil sich aber auch der Grund
des Meeres oft abwechselt; so kan Man
nicht allemahl schlüßen, wie weit man ist,
dahero man auch die Tiefe zu Hülfe

/|P_65

/nehmen muß. Wann z. E. 20. Meilen vom
Ufer sandigter Grund ist, und 40. Meilen
auch sandigt ist, so muß man die Tiefe wi-
ßen, wann es nun tiefer ist, als an dem
Ort, der nur 20. Meilen entfernet ist, dann
schließt man, daß man schon weiter ist.

/ ≥ §_15. ≤

/Zur Curiositaet, dienen auch die Täucher, wel-
che vermittelst einer hölzernen und unten am
Boden mit {2- eisernen Banden befestigten -2} Glocke, in die das
Waßer nicht bis oben zu, wegen der Luft,
dringen kann, ins Waßer, um das versun-
ckene hervor zu bringen gelaßen werden.
In der Mitte dieser Glocke, ist eine Kette,
an welcher sich ein Mensch mit den Füßen er-
halten kann. Diese Taucher werden gebraucht, {2- theils
wegen der -2} Perlen, die sie bey Californien
an der Küste von Mexico und Zeylon
finden, theils um die Beschaffenheit des
See-Grundes zu erfahren. Man hat es
mit denen Glocken so weit gebracht, daß eine

/ Gesell- 

/δLage_I

/|P_66

/sellschaft von 12. Persohnen, unter dem Wa-
ßer gewesen. Sie können auf 2. Stunden
unter dem Waßer bleiben, und auch lesen,
aber nur nicht reden. Denn der Schall ist
unerträglich, dahero einer ins Waßer
fiel, da der andere auf der Trompete
blies. Es können sich aber die Täucher
wegen Mangel der Luft, - welche ihnen
{2- aber -2} dennoch auf einen Winck in einem
Faß, woran oben und unten ein Hahn
befestiget ist, und durch dieser neuen Luft
erfolgenden Druck, die zum respiriren
untaugliche Luft verdrängt wird, zuge-
schickt werden Kann@«,»-@, nicht lange im Waßer
erhalten. Doch diese gröste Ungemäch-
lichkeit, entstehet zwar nicht von dem Man-
gel der Luft, als vielmehr von der Ver-
giftung dieser Luft, mit seinen eige-
nen Ausdünstungen. Calapesche [[Pesce]] soll

/|P_67

/im Stande gewesen seyn, so lange un-
ter dem Waßer zu bleiben, als er nur
wollte; als er aber einmahl eine ins Wa-
ßer geworfene goldne Schaale herauf
bringen sollte, so kam er nicht Mehr zum
Vorschein; {2- und -2} ist er vermuthlich von denen
H@a@yfischen, über deren Anfall er sehr klagte
verzehret worden. Man bringt auch ver-
sunckene Sachen auf eine andere Arth in
die Höhe, indem man leedige Fäßer
daran fest Machet, die als dann vom
Waßer in die höhe gehoben werden. Die
Taucher bekommen auch sonst nur, eine
von gebrandtem Leder verfertigte
Kappe, die mit einer langen Röhre ver-
sehen. Es kommt aber das Unvermögen
der Menschen, lange im Waßer aus zu-
halten, daher, weil das Blut nur ver-
mittelst der Lunge in die linke Herz-
Kammer, die von der rechten durch eine

/ Scheide- 

/|P_68

/Scheide-Wand abgesondert wird, komen
kan, aus welcher es sich in die große Aorte
in die übrigen Glieder und Adern ergießt.
Diese beyde HerzCammern haben in Mutterlei-
be, durch ein Loch, das foramen ovale
heißt, communication. Sollte dieses erhal-
ten werden können, so dürfte vielleicht
dieses Unvermögen können gehoben werden,
dahero können die Kinder im Mutterleibe
leben, ob sie gleich daselbst im Waßer
sind. Einige [[Buffon]] haben diesen Versuch mit
Iungen Hunden vorgenommen, welche
sie sogleich, nachdem sie geworfen w@aren@,
in heißer Milch warfen, in welcher sie
lange Zeit aus dauern konnten.

/ ≥ §_16. ≤

/Was die Farbe des Meerwaßers anbe-
trift, so ist sie, wann Man es von
weitem siehet, bläulich grün, im Glaß
aber à_part genommen ganz klar; das

/|P_69

/süße Waßer sieht mehr grünlicht aus, und man sieht
die Gränze der Ost_See vom Meer-Waßer, durch ei-
nen weißen Streif unterschieden. An einen Tropfen
Waßer oder rothen Wein, siehet man keine eigent-
liche Farbe, sondern man wird sie bey einer gro-
ßen Quantitaet gewahr. Eben so sagt man, daß
ie»er Luft d«@er@»ie blaue Farbe zukommt; alle Berge
die Man von weitem siehet, scheinen gantz
blau zu seyn. Einige Meere, als das rothe,
weiße, schwarze, haben nicht ihren Nahmen
von der Farbe, wie einige vorgeben, daß das
rothe Meer von einem gewißen rothen San-
de oder Korallenfuncken, und das schwarze
Meer von dem Schatten, der an der Küste
gelegenen Länder benannt werden; sondern
vermuthlich von der Kleidung der um-
liegenden Einwohner. Das Meerwaßer
ist durchsichtig, und dieses Kommt vom
Salze her, daher Man da, wo es am salzig-
stem ist, 20. Faden tief, auf den Boden
und bey den südlichen Insuln, so gar die
Schildkröten auf dem Boden, als auf einer
grünen Wiese, gehen sehen kann. Die

/ Durch- 

/|P_70

/Durchsichtigkeit des Meeres, entstehet folgen-
der Maaßen: Das Licht gehet durch einen
Mittelraum, in welchem die Particuln conti-
nuirlich hinter einander liegen fort, und wird
nur durch einen leeren Raum, wie Newton
sagt, zurücke getrieben, oder beßer zu sagen,
wann das Licht nicht mehr von Cörper
angezogen wird, so geht es zu der Materie,
von welcher es ausgegangen, und {2- von -2} welcher es
stärcker, als vom leerem Raum, welcher
gar keine attraction hat, angezogen wird,
wieder «die» zurück, folglich wird auf eine
solche Art der Cörper durchsichtig; doch muß
eine Materie, wofern sie sichtbar seyn soll,
nicht ganz durchsichtig seyn, weil sonst alle
Strahlen durch sie durchgehen, und nicht von
ihr ins Auge zurück geworfen werden.
Nun wird das Salz vom Waßer am allerer-
stem und Mehrestem aufgelöset, folglich
sind diese Partickelchen Salz im Waßer
continuirlich hintereinander, und auf sol-
che We«¿»ise ist das Meer_Waßer durchsichtig.
Diese Durchsichtigkeit hat das Meer_Waßer

/|P_71

/nur als dann, wann eine gänzliche St«¿»ille
anzutreffen, dann zu einigen Zeiten ist es weit
stiller und ruhiger, als in denen Flüßen,
und stehenden Seen, so bald sich aber die
Oberfläche, nur ein wenig beweget, so wird
es gleich ganz dunckel, weil die Lichtstrahlen
nicht ganz fortzugehen im Stande sind. Es
ist aber das Meer-Waßer klarer, als das Fluߥ
Waßer, denn dieses führet nicht alleine
vielen Schlamm mit sich, der sich nicht
leicht sezen kann, sondern der große Schaum
auf der Oberfläche deßelben, prallet die
Lichtstrahlen zurücke, und Machet es {2- dadurch -2} undurch-
sichtig. Das süße Waßer hat auch viel
Luft, die in Bläsgen vertheilet ist, und das
Macht eben das süße Waßer undurchsich-
tig. Das Salz treibet aber im salzigem Wa-
ßer die Luft weg und sezt sich an die
Stelle, das Salz versezt das Waßer in einen
gewißen Zusammenhang. So, wie auch
ein Zerstoßenes Glaß nicht durchsichtig ist,
ob es gleich ein jeder Theil deßelben ist,
dieses verhindert die Luft, so baldt Man

/ es

/|P_72

/es aber durch Oel oder andere flüßige Ma-
terien in Zusammenhang bringt; so wird
es immer durchsichtiger, da nun das Salz
das Waßer gewißer Maaßen zu einem
Continuo macht, so muß das Meer_Waßer
am durchsichtigstem seyn. Will aber der-
jenige, der unter dem Waßer ist, - 
nach oben sehen, so braucht er nur ein wenig
Öhl aus dem Munde zu laßen, wodurch
ihm gleichsam ein Fenster gemacht wird,
hingegen kann dieses derjenige, der
oben ist, durch einen Stroh_halm verrichten@«,».@
Unter dem Waßer sieht das Sonnenlicht
dem Mondenlicht gleich.

/Es giebt in der Mitte des Atlantischen
Meeres, zwischen America und Europa, einen
Strich vom Meere, von 200. bis 300. Meilen,
welcher von dem Kraut, woran weißliche
Breren sind, ganz grün, wie eine Wiese
aus siehet, dergestalt, daß ein etwas starcker
Wind dazu erfordert wird, wann das
Schif ohngehindert gehen soll. Die Spanier
nennen das Kraut, {2- Sargaßo -2}, auch Meer- 

/|P_73

/Petersilien, es befindet sich im Mardel Nord,
bey den Capo {2-¿¿»er -2}dischen Insuln, wie auch bey
der Küste von Californien; es ist auch noch
an verschiedenen andern Stellen, doch durchge-
hends nicht so viel, als an dem benannten Orthe.
Weil von Westen sowohl, als Osten, nehmlich von der
Americanischen und Europaeischen Küste, eben der-
selbe Wind wehet, welcher in der Mitte Zusam-
men stößt, und einen Wirbel formiret, so daß
das Kraut, welches beyde Winde mit sich «¿¿¿»führen,
in diesem Wirbel herumgedrehet, und beysammen
erhalten wird. Ein China_Fahrer [[¿¿¿]] hat an einer
Spize bey Africa am Capo bonae spei 3. Tage
nach einander des Morgends einen ganzen Strich
vom Waßer mit Bims_steinen bedeckt gefunden,
die aber beym hohen Tage verschwunden. Dieses
ist weiter noch nicht bestätiget, allein der
Grund davon, wäre leicht zu entdecken.
Die Bimssteine sind etwas, doch nicht viel
leichter als das Waßer, des Mittags wird da-
ßelbe leichterer Arth, indem es von der gro-
ßen Sonnen-Hize erwärmet wird, und die
Bimssteine schwehrer und «die Steine leichter»
gehen also zu Grunde; des Morgends aber und
in der Nacht kühlt sich das Waßer ab,

/ wodurch

/δLage_K

/|P_74

/wodurch das Waßer schwehrer und die Steine
leichter werden, und dahero oben schwimmen.
An andern Küsten schwimmen sehr viele Wa-
ßerpflanzen, an den Küsten von Malabar,
welches die Seefahrer für ein Kennzeichen hal-
ten, daß sie dem Lande nahe seyn, dahero
sie die Rechnung abschließen, und das Te Deum
laudamus singen; {2- ja -2} alles so thun, als wann
sie schon würcklich gelandet wären.

/ ≥ §_17. ≤

/An einigen Stellen scheinet das Waßer ganz feu-
rig und glänzend zu seyn, so, daß die Matro-
sen, die davon besprüzet werden, ganz mit
Funcken bedeckt zu seyn scheinen. Nach dem
man [[¿¿¿]] mit einem Mikroscop daßelbe unter-
suchte, so hat man gefunden, daß der Glanz
von gewißen Würmern, die den Johams-
Würmern sehr ähnlich seyn, und im Finstern
leuchten, entstehe«n». Dieses Leuchten des
Waßers, kommt auch zum Theil vom Schlamm
der Fische und von dem generirendem Fisch-
saamen. Man hat auch eine Menge Insecten,
die da leuchten, z. E. der Laternenträger,
das Meerwaßer hat bey denen Moluckschen
Insuln zur warmen Iahres-Zeit des

/|P_75

/Nachts, eine so weißliche Farbe, als wann es aus
lauter Milch bestünde.

/ ≥ §_18. ≤

/Wann wir die Salzigkeit des Meerwaßers be-
trachten wollen, so bemercken wir, daß der Ocean
gleichsam ein sehr großes Salz-Magazin, und
daß das See-Waßer ordentlicher Weise sehr
salzig sey, wo es nicht mit beträchtlichen Ströh-
men, die süß Waßer bey sich führen, ver-
menget wird. Z. E. wie der de_la_Plata
Strohm, der an der Mündung 80. Meilen breit
ist. Die Grade des Salzwaßers beruhen also
auf den Zufluß des süßen Waßers. Wenn
ein Meer weniger ausdünstet, als es Zufluß
vom süßem Waßer hat, dann ist es weni-
ger salzigt. Der Zufluß bey der Ost-See, * als
die Ausdünstung, folglich ist die Ost_See, we-
niger salzigt. Wann ein Mehr aber mehr
ausdünstet, als es Zufluß vom süßen Wa-
ßer bekommt, welches das Salz vermindert,
so ist es salziger. Z. E. beym Mittelländischen
Meer, welches bey nahe den 8ten Theil Salz hat.
Bey dem Caspischem Meer ist die Ausdünstung
größer, als der Zufluß vom {2- süßen -2} Waßer, folglich
sind diese Meere salzigter. Die Ausdünstung
des Todten Meeres ist so starck, daß es im

/ Sommer ~

/|P_75R δZ_16

/{2- * ist größer -2} ~

/|P_76

/Sommer einige Meilen trocknet, so, daß Man da-
rauf gehen kann, und deßwegen ist es auch
sehr salzigt. Wir observiren auch, daß, * wo es
sehr warm und sehr kalt ist, das Waßer am
Salzigsten seyn müße. Die Ursache warum
das {2- Meer -2}Waßer in denen heißesten Örtern,
am salzigstem ist, bestehet in der Ausdün-
stung, wodurch das Salz in dem Waßer
zurücke bleibt, und in den kältesten Örtern
kommt es daher, weil das hineinfließende
Fluß_Waßer in große Eisschollen, die gleich-
sam als große Länder herumschwimmen,
gefrieret.

/ ≥ §_19. ≤

/Eine solche Salzigkeit, giebt es sowohl im Oce-
an, als in den Mittelländischen Meeren,
worunter der See in Russlandt, bey dem
Wolga_Strohm nach Archangel und bey der
Neu errichteten Colonie Sadow zu mercken ist.
Er ist zu Manchen Zeiten, so mit Salz, wie im
Winter mit Eis beleget, daß Man darüber
gehen und fahren kann. Ferner gehöret
noch hieher, der Lacus Asphaetites oder das
Todte Meer, welches eigentlich nur ein Iordan
ist, deßen Ufer erweitert worden, weil der ~

/|P_76R δZ_3

/{2- * %.ordentlicher Weise -2} ~

/|P_77

/Iordan in dieses Meer hineinfließet, und mit ihm
einerley Richtung hat. Wann @er an@ seinen Ufern
austrocknet im Sommer, so stinckt das verfaulte Waßer
darinne so starck, daß die Vögel, so herüber fliegen, {2- davon -2}
sterben sollen. Es kommt solches von einem
Pech her, welches den Steinkohlen ähnlich siehet,
der größte {2- Grad -2} der Salzigkeit ist "ein Loth Salz
auf 14. Loth Waßer, wenn mehr Salz hinkommt,
so gehet es auf den Boden, und wird nicht
mehr vom Waßer aufgelöset."

/ ≥ §_20. ≤

/Das Fundament zum Salz ist eine Kalckigte Erde
und ein Salz_Geist, welcher in einer ganz beson-
dern Säure bestehet. Es giebt dreyerley
Säuren, Vitriol, Salpeter und Küchen-
Salz_Säure. Im Koch-Salz ist außer der
Säure alcali fixum oder KalckErde, welche
das See-Waßer in sich enthält.

/Vom Koch-Salz sind 3.erley Arten, SeeSaltz,
Stein_Saltz und QuellSaltz. Das Salz befindet
sich sowohl im Waßer als auf dem festen Lan-
de, und hier in den sogenannten Salz_Quellen
und Bergwercken. Wann wir die Ursachen
des Salzwaßers untersuchen wollen, so mü-
ßen wir zuerst fragen: Welches war das
ursprüngliche Waßer, das süße oder das

/ salzigte

/|P_78

/salzigte? Wann man es philosophisch be-
trachtet, so ist es das einfache gewesen,
aus dem hernach das zusammen gesezte, durch
Zuthuung entstehen konnte; das süße Wa-
ßer aber ist das einfache, und so scheinet
es auch zu gegangen zu seyn. Wo die Ströhme
ausfließen, da ist Sandt, dieser ist petri-
ficiret oder praecipitirt. Wie wird es aber
salzigt? Man [[¿¿¿]] glaubt es wäre durch die all-
mählige Abspühlung des Salzes von denen
Pflanzen und Gewächßen, die einen %kleinen
Grad von KochSalz bey sich führen, durch
die Wegführung der Ströhme in die See
gekommen, so, daß es sich da gesammlet
hat, alleine als dann müste die Wellt Mil-
lionen Iahre gestanden haben, wenn es auch
auf solche Art Möglich wäre, und die Ströh-
me müsten auch salzigt seyn, weil sie
dieses Salz wegführeten. Alleine die See
giebt @ehender@ dem Lande Salz, als das Land
der See. Im heißem Clima rostet alles
Eißen, die Uhren in den Taschen. Dieses
kommt vom Salz, welches in die Luft aufsteigt * ~

/|P_78R δZ_23

/{2- * aus der
Luft aber -2} ~

/|P_79

/durch den Regen aber auf die Äcker und Pflan-
zen fällt, und sie noch viel mehr fruchtbar
machet, als, daß es vom Lande durch die
Ströhme in die See sollte weggeführet
werden, selbst die Ströhme saugen noch Mehr
Salz, als daß sie es wegführen sollten.
Viele glauben, daß Gebürge von Salz
im Meere sind, die durch das Waßer
aufgelöset werden, alleine als dann müßte
das Waßer salzigter werden, je Mehr die
Berge aufgelöset werden *1. Die Salz{2- Flöthse -2}
rühren noch vom Meere her, welches vorhero
da war, und abgefloßen ist, und das Salz
zurücke gelaßen hat.

/Sollte das Salz des Oceans vorhinn auf
der Erde gewesen seyn, *2 so müste noch
das Salz in allen Bergwercken anzutreffen
seyn. Welches ist aber nun die Ursache?
Es scheinet wohl eigentlich seinen Ursprung
vom Meerwaßer zu haben, und eine
ursprüngliche {2- Eigenschaft -2} des Waßers zu seyn,
welches im ersten Zustande der Erde das
Salz aufgelöset hat, denn in dem inn- 

/ wendigem ~

/|P_79R δZ_11

/{2- *1 Im Gegentheil
ist es noch um-
gekehrt

/δZ_16

/*2 und vor dem
Meerwaßer ab-
gespühlt worden
seyn -2} ~

/|P_80

/wendigem der Erde befindet sich noch Salz,
dieses beweisen die feuerspeyende Berge,
welche eine Menge von Kalcksteine, Salz
und Asche heraus werfen; es ist zwar
kein Koch-Salz, sondern Laugsalz, alleine
dem Koch-Salz liegt doch etwas Lauch-
Salz zum Grunde.

/ ≥ §_21. ≤

/Weil das süße Waßer bey der Schiffarth
auf langen {2- See- -2}Reißen, zulezt sowohl ver-
faulet, als auch gar austrocknet, und durch
die Fäulniß großen Schaden anrichtet,
indem es, weil es sich entzündet und
lange Würmer bekommt, eine rechte
Pest für die Schifs_Leuthe ist, * so hat
Man darauf gedacht, wie das Meer_Waßer
süße zu machen wäre? welches auch ein
gemeiner Schiffer [[Irving]] erfunden, obgleich sich
viele Gelehrte des_halb Mühe gegeben.
Die größte Schwürigkeit aber ist diese:
daß das Schiff viele Steinkohlen führen
muß, alleine wann es Kein Handlungs-  ~

/|P_80R δZ_15

/{2- * %und also die
Ursache von
allen Seekrank-
heiten ist. -2} ~

/|P_81

/Schiff ist, sondern {2- nur -2} auf Entdeckung ausgehet,
dann gehet es wohl an. Man glaubte, daß
die See-Kranckheiten, von der ansteckenden
Luft herkämen, dahero Man Ventilators
angebracht hat, welches auch wohl zum
Theil, mit eine Ursache seyn kann, wie
denn auch eine arretirte Spiz-Buben¥
Bande, viele durch ihre vergiftete Luft
tödteten; alleine die vornehmste Ursache
ist wohl, das stehende süße Waßer.

/Die Art das Meer_Waßer süße zu Ma-
chen, geschiehet durch die Destillation,
wobey beständig 3. Stücke seyn müßen.
Der Distillier-Kolben, der Kühl-Helm,
wo die Dünste in die Höhe steigen, und durch
die Kälte in Tropfen herunter fallen und
endlich die Vorlage, worinne das {2- flüßige Wesen -2},
welches distilliren soll, hinein fließet. In
der Natur geschieht die destillation auf
dieselbe Arth, das Fluß-Waßer ist eben
so, aus dem Meer-Waßer destilliret.
Die Sonne ist das Feuer, der Ocean der
Distillier-Kolben; die oberste Region ist
der Kühlhelm, wo die Dünste aufsteigen

/ und

/δLage_L

/|P_82

/und sich in Wolcken sammlen, d«er»ie Erde ist
die Vorlage, wo das Waßer abfließet;
weil aber auch einige flüchtige Salze mit
in die Höhe steigen, so ist es kein Wunder
daß wir kein vollkommen reines Waßer
haben. Alleine weil demohngeachtet bey dieser
Operation die Pechartigen Theile * zugleich in die
Höhe gehen; welche eben die Bitterkeit in dem
Meer_Waßer hervorbringen, so ist es dennoch
nicht zu genißen.

/Man glaubet, daß die Bitterkeit des See-Waßers
von den bitum{2- in -2}eusen Theilen, die im Meere
seyn sollen, herrühren; alleine die Bitterkeit
kommt vielmehr von «Salz» Kalck, denn alle
Producte des See_Waßers sind kalckartig,
und wann dieser Kalck mit Salz meliret wird,
so kommt die Bitterkeit heraus. Man hat hie-
rauf Öhl auf das Waßer gegoßen, an wel-
chem sich die Pechartigen Theile, weil sie
Mehrentheils so schwehr sind, als das Oel
hängen, wodurch die Bitterkeit dem Waßer
in etwas %benommen wird. Alleine jezt soll
man in Engelland sowohl als in Franckreich ~

/|P_82R δZ_7

/{2- * mit dem
Waßer -2}

/δAdickes ~

/|P_83

/eine Arth das Meerwaßer vollkommen süß zu
machen, erfunden haben.

/Außer diesem ist noch eine Art zu mercken, aus
dem Meer_Waßer Salz zu bringen, man macht
nehmlich an dem Meer ein Bassin, in welches
man das See_Waßer herein laufen läßet,
worauf denn daßelbe von der Sonnen_Hize
ausgezogen wird, und das Salz zurücke
bleibt, wie solches in Franckreich geschiehet,
alleine weil es schwarz ist, so muß es puri-
ficiret werden. Das französische Salz
heißet Boy_Salz, das SPanische Salz von
Cadix, ist dem Hallischem ähnlich. Das
Salz von Genua ist auch weiß, aber etwas
sauer, welches aber mehr vom Boden, als
vom Salz herkommt: Die Nordlichen Länder
machen kein Salz, weil das Waßer nicht so
salzigt ist. An dem Eiß-Meer kann Man
auch kein Salz Machen, ob es gleich salzigt
genug ist, denn dazu gehöret warme
Luft, die dorten nicht ist.

/ ≥ §_22. ≤

/Wir bemercken, daß die Seeluft, von der

/ Landt- 

/|P_84

/Land_Luft so sehr verschieden ist, daß die
Menschen, die auf der See den Schaarbok be-
kommen, nur den Kopf auf das Land legen
dürfen, und Mehrentheils sogleich davon ge-
heilet werden; dahero vielleicht auch die Ge-
witter von der Vermischung der See_Luft,
mit der Land_Luft %herkommen Mögen.
Das See_Waßer aber ist für kranke Leuthe
gesund, dahero die Krancken oft durch eine
See-Reyse curiret werden. Dahero dachte
auch Linné [[Lind]], ein Hospital «a»in der See anzu-
legen. Dieses alles scheinet blos vom Salz
herzurühren.

/Der Nuzzen des Salzes im Meer_Waßer ist
vielfach und sehr groß. Es dnüstet et-
was aus, fällt auf den Acker und Macht
ihn fruchtbahr; es kann auch größer@e@ bela-
dene Schiffe tragen. Das Meerwaßer
kann auch größere Thiere tragen, die
im süßem Waßer sincken Mochten. Man
kan im See_Waßer beßer schwimmen,
als im Fluß-Waßer, wie denn auch ~

/|P_84R δZ_11

/δZeichen ~

/|P_85

/der Admiral Braddrik [[Brodrick]], da er im lezten Krie-
ge zwischen denen Spaniern und Engellaendern
sein Schif durch den Brandt verlohr, eine ganze
Stunde mit schwimmen aushalten konnte,
er nahm seine Papiere in den Mund, und
sein Matrose nahm seine Kleider und des-
wegen retteten sie ihm am ersten. Das
Baden im Salz-Waßer ist gesunder, es er-
hält aber nicht die See, wie einige Meynen
¿»ie{2- der -2} die Fäulniß, welches man bey der Über-
schwemmung des Oceans bey der hohen Fluth
auf der Insul Summatra bemercket hat,
da das See-Waßer biß 14. Tage auf dem
Lande stehen geblieben, biß es nehmlich
durch das Waßer wieder weggespühlet
u»ird«e», und aus Mangel der Bewegung da-
selbst so stuncket, daß das Castel der
Holl{2- än -2}d{2- er -2} 2. Mahl ausgestorben, und
sie auch deswegen das Castel verlaßen
haben. Weil das Salzwaßer schwehrer ist,
so ist auch der Druk {2- des -2} See_Waßers sehr groß,

/ der

/|P_86

/Der General Morseille [[Marsigli]], der Mehr ein Natur-
Forscher als General war, hat eine Bouteille
300. Faden tief herunter gelaßen, nachdem er
vorhero einen Ring angemachet hatte, daß sie
gerade herunter gehen konnte; so trieb der
Druck des See_Waßers das Korckstopsel so
tief herein, als es nur möglich war, ja
durch den Korckstopsel au«f»ch eine kleine qvua-
titaet Waßer, welches süß war, indem
die Salz-Theile nicht durchgehen konnten.
Eine solche Waßer_Säule «wird» <vom> 12.000. Cubic¥
Schuh, wann ein Cubic-Schuh auch nur 4. %.Pfund
schwehr ist, das wäre eine gute Preße.
Solche Preße wäre möglich durch das
Gefrieren des Waßers vermittelst der
B¿¿ke, indem das Waßer, wenn es ge-
froren, alle mögliche Gefäße von ei-
nander zu «¿¿¿¿»drängen im Stande ist. Die Schwe-
re des Salz_Waßers scheinet auch wohl die
Ursache zu seyn,. daß sich die großen ~

/|P_86R δZ_1

/δZeichen ~

/|P_87

/Seethiere nicht in süßen Waßer aufhalten;
weil sie darinne sincken Möchten; welches im
See-Waßer, welches durchs Salz schwehr wird,
nicht geschiehet. Noch ist zu mercken, daß
das Salz nicht zum «Boden» Leben nothwendig
ist, da viele Völcker z. E. die Caraicken
ganz ohne Salz leben.

/ ≥ §_23. ≤

/Iezt folgt in der Betrachtung der Meere, die
Ausdünstung derselben. Es ist bis jezt für
eine unauflößliche qvuestion gehalten wor-
den, warum das Meer-Waßer nicht höher
steige, da doch täglich soviel Zufluß aus
den Flüßen kommt, dahero Man auf die
Meynung geräth, welche schon die alten behaup-
teten, daß die Meere einen unterirrdi-
schen Zusammenhang hätten und das Waßer
durch dieselben unterirrdische Cannele zu-
rücke trete; viele erdichdete Geschichten
wollen den Zusammenhang derer Meere

/ %bestätigen

/|P_88

/bestätigen, alleine die Narren brigen stets
Geschichten zum Vorschein. Die alten glaubten
immer die Circulation des Waßers, {2- müß-
te -2} unter der Erde geschähen. Alleine da
man die Arithmetic auf die Physic ange-
wandt hat, so hat Man gefunden, daß die
Circulation über der Erde geschiehet,
nur sie ist nicht sichtbahr und {2- zwar -2} vermit-
telst der Destillation. Man sahe ein,
daß die Ausdünstung des See_Waßers
weit mehr beträgt, als täglich aus den
Flüßen hinzukommt, indem die sch@malen@
Flüße in Ansehung der {2- Breite des Oceans -2}, über den
sich doch die Ausdünstung erstreckt, sehr we-
nig Waßer einbringen, und der Ocean
durch den Zufluß der Ströhme allein, klei-
ner werden müßte; wenn er nicht andere
unsichtbare Quellen haben möchte. Die-
ses wird aber {2- doch -2} durch den Regen, Schnee pp,
der perpendiculair auf die See zurücke
fällt, wieder ersezzet; so, daß der Ocean ~

/|P_88R δZ_10

/{2- Meer -2} ~

/|P_89

/eben so viel aus dünstet, als er von denen
Flüßen einen Zuwachß erhält. Er würde
aber, wenn er solchen nicht erhielte, täglich
um 30. Zoll niedriger werden, welches für
eine so geraume Fläche sehr viel ist.

/Im ganzen {2- Oceano -2} ist der Zufluß durch
Flüße, der Ausdünstung gleich, weil die
Flüße nicht Mehr Waßer geben können, als
sie durch die Ausdünstung bekommen. Weil
aber einige Meere vom {2- Ozean -2} abgeschnitten
sind,, und keinen Zusammenhang mit
demselben haben, als das Caspische Meer;
einige wieder kleine Basseins haben, als
die OstSee, und dem ohngeachtet doch
viele beträchtliche Flüße einnehmen;
so Können solche Meere höher seyn, als
der Ocean, da es wieder auf der an-
dern Seite Meere giebt die zwar Zu-
sammenhang mit dem «¿»{2- Ozean -2} haben, aber
größere Bassins haben, und gar keine oder
wenige Flüße einnehmen, folglich die
Ausdünstung größer, als der Zufluß

/ seyn

/δLage_M

/|P_90

/seyn muß; so müßen solche Meere Niedriger
seyn, als der Ocean. Ein solches Meer z. Ex.
ist das Mittelländische Meer. Wenn die
Straaße bey Gibraltar würde vermauert
werden, daß kein Zufluß ins Mittellän-
dische Meer käme, so würde es %wegen
seiner Ausdünstung, die wegen der großen
Oberfläche deßelben groß seyn muß,
und wegen des wenigen Zuflußes durch
Flüße eintrocknen müßen: Das
Bassin würde also immer kleiner werden,
es würde aber nicht continuiren immer
auszutrocknen, sondern es würde alsdenn
gerade aufhören, wenn die Ströhme
gerade soviel {2- Waßer -2} einbrächten, als das Meer
ausdünstet, in dieser Höhe würde es
hernach immer stehen bleiben. Iezt aber
geht beständig ein Strohm aus dem
Ocean in das Mittelländische Meer,
von welchem wir bey Gelegenheit der
Ströhme, noch mehr reden wollen,

/|P_91

/der den Verlust ersezzet, aber doch nicht
so starck ist, das Mittelländische Meer mit
dem Ocean in gleicher Höhe zu erhalten.
Das rothe Meer soll höher seyn, als das
Mittelländische und der atlantische {2- Ocean -2}
höher, als der Pacifische.

/Die {2- Landengen von Suetz und Panama -2}
trennen die be{2- yd -2}en ungleichen Meere vonei-
nander, doch weil der {2- Ozean -2} und das
Pacifische Meer * zusammen hängt, so
dürfte wohl die Ursache der Spanier
um die Unmöglichkeit der Durchstechung
der {2- Landenge dar -2} zu thun, und die
Verbindung beyder Meere zu verhindern,
mehr eine politische als physicalische
seyn, damit die Engelländer und übri-
ge See_Mächte desto eher bewogen w«e»{2- ü -2}rden,
ihnen den Besiz von %denen Ländern
nicht strittig zu machen, indem sie von
der Weite und Rauhigkeit des Weeges
bishero davon abgeschrecket sind. Etwas

/ könnte ~

/|P_91R δZ_10

/{2- * an vielen
Orten -2} ~

/|P_92

/könnte doch wohl der Atlantische Oceon hö-
her seyn, als der Pacifische, denn es ist
ein allgemeiner Strohm von Osten nach
Westen, und der könnte das Waßer im
Atlantischem Meere etwas häufen.

/ ≥ §_24. ≤

/Die Bewegung des Waßers ist dreyerley:

/1.) Durch die Wellen, wovon der Wind die Ursache ist.

/2.) Durch die Meerströhme.

/3.) Durch die Ebbe und Fluth.

/Was die Wellen anbetrift, so ist zu mer-
cken, daß das Waßer in denselben nicht
fortläuft, sondern beständig auf einer
Stelle stehen bleibet, und nur eine schau-
ckelnde Bewegung erhält, indem der
Wind eine solche quantitaet Waßer
wegen seiner Leichtigkeit nicht zu bewe-
gen im Stande ist, doch bewegt derselbe
auch in dem Fall, daß er lange anhällt
das Waßer {2- selbst -2} Hieraus kann er- 

/|P_93

/kläret werden, warum die Taucher in 2.
bis 3. Stunden, den Wind nicht @em@pfinden
können. Es scheinet als wenn die Bewe-
gung «¿¿¿»die Wellen, fortrücket, weil die
folgende Wellen, nach und nach schwellen,
alleine es ist nur eine schauckelnde, oscil-
lirende, steigende und fallende Bewe-
gung. Man kan dieses erfahren, wenn
Man SPreu aufs Waßer wirft, und einen
Stein, der Wellen erreget, hinein wirft,
so siehet Man, daß die Spreu bey der
Wellenbewegung auf einer Stelle bleibt.
Man kann solches auch darthun, aus
der Art zu meßen, wie weit man
auf der See gefahren, denn Man hat
außer der Art zu calculiren - wo Man
die Gestalt des himmels mit der Zeit,
welche man über die Farth zugebracht,
vergleicht, wann man nehmlich nach der
Breite gegen den Aequator oder den
Pol reyßet, eine andere Arth, die Weite

/ zu ~

/|P_93R δZ_4

/{2- der -2} ~

/|P_94

/zu meßen, die darauf beruhet, daß
das Waßer in der See, auf einer Stelle
bleibt. Man wirft nehmlich ein Brett
aus, welches Man Looch nennet, woran
das eine Ende des Thaues befestiget
ist, und aus der Länge des Thaues,
welches Man abgewunden {2- nebst der -2} Zeit,
in welcher Man vom Brett entfernet ist;
beurtheilet Man die Weite, die Man
gefahren. Wann also das Waßer nicht
auf einer Stelle bliebe, so würde auch
das Brett mitschwimmen. Würde man
nur keinen festen Punckt haben, von
dem Man zu Meßen anfienge; so würde
man auch die Weite, die man gefahren,
nicht Meßen können. Admiral Anson
Maaß die weite seiner Reyße, und
kam 3. Wochen später an die Insul, als
er sollte, dann ein Strohm war ihm ent-
gegen gekommen, der das Looch zurücke
getrieben, und er dachte, daß er sich

/|P_95

/vom Looch weiter bewegte.

/Die Wellen sind entweder lange oder
kurze, oder zurücke schlagende Wellen; die
ersten sind die besten, und besonders im Bis-
cajischen Meere anzutreffen, die mittleren sind
aber wegen der schauckelnden Bewegung, die
das Schif, die Fäßer und andere Waaren
auch selbst d«¿¿»ie Leuthe«n» {2- erhalten, -2} sehr schlimm.
Was die lezteren betrift,, so giebt es solche,
da, wo Untiefen sind. Das Waßer wird
nehmlich vom Winde gedrückt, und weil
die Wellen an Felsen anstoßen, so
werden sie wieder zurücke geschlagen.
Die lange Wellen sind niemahls da,
wo steile sondern flache Küsten sind,
und zwar in der Mitte und nicht Nahe
an derselben. Im Grunde der See ist
es ruhig, die Wellen_Bewegung ist nur
auf der Oberfläche des Waßers. Es
würde wohl der Wind sogleich oder bald
darauf das See_Waßer bewegen Können,
wann daßelbe auf einer Stelle bliebe,
alleine weil beständig in die Stelle des
alten Waßers, neues Kommt; so muß

/ der

/|P_96

/der Wind {2- beständig -2} neuen {2- Qu -2}an{2- titaeten -2} des Waßers
einen Stoß geben, wodurch er nicht so ge-
schwinde das untere Waßer bewegen kann.
Wo aber das Meer nicht tief genug ist
z. E. {2- in -2}ie»{2- er -2} Ost_See, so kan der Wind das
Waßer bis auf den Grund bewegen, wo-
her die kurzen und zurückeschlagende
Wellen entstehen.

/Durch solche Wellen kan die Seestürzung
erfolgen, diese ist, wann eine Welle
berstet, dieses geschiehet, wann der Wind
von der Seite ist, und Man die Welle
aufhällt. Ie enger ein Meer, desto {2- un -2}tiefer
ist, desto untiefer ist es, dahero haben die
Wellen kein freyes Spiel, sondern sie sind
abgebrochen.

/An der Kürze der Wellen kann Man die
Sandbäncke erkennen.

/Alle {2- Rifs -2} haben kalte Luft und Nebel,
dieses ist schwer zu erklären, aber es ist
dieselbe Ursache, als die der kurzen Wellen.

/|P_97

/Die Ursache liegt im Boden. In der tiefen
See, ist eine Keller_wärme,, welche 70. fuß
in der Erde anzutreffen ist, und auch in
der größten Tiefe beständig gleich ist.
{2- ¿ach -2} dem Pariser Observatorio und im Ver-
hältniß der obern Luft, ist diese Keller¥
Wärme bald warm, bald kalt. Sie ist 25_1/2. %Grad
nach dem Fahrenheidschem Thermometer,
da nun das untere Waßer kälter ist,
als das obere, so muß der Wind * auf sol-
chem {2- Riff -2}, wo es nicht tief ist,
und wo er also das Waßer bis auf
den Grund bewegen kann, von unten nach
oben bringen, und folglich, weil es oben wär-
mer ist, als die untere Kellerwärme, so
muß es hernach, wann das kalte Waßer
nach oben kommt, kälter werden.

/Die eigentliche und größte Höhe der
Wellen kann man nicht genau wißen,
doch behaupten einige, daß sie niemahls
höher, als 24. fuß steigen, welche in 2.

/ Theile ~

/|P_97R δZ_10

/{2- * das Waßer -2} ~

/δLage_N.

/|P_98

/Theile getheilet für die Höhe oder das Thal an der
Welle, eine Höhe von 12. fuß, über die Ober-
fläche des Meeres giebt.

/Bey Gelegenheit der Wellen_Bewegung kan Man
auch anführen, die Bewegung des Waßers,
die da entstehet, wann ein seegelndes
Schif das Waßer schneidet; diesen Weg, den
das Schif Macht, kan man auf 500. Schritte
kennen, und ist dem Schiffer sehr nüzlich,
um zu sehen, wie weit er vom Winde
von der geraden Farth zur Seite abge-
trieben.

/ ≥ §_25. ≤

/Die 2te Bewegung des Waßers wird durch
die Meerströhme verursachet, die Ursache
der Meerströhme ist@«:»@

/Wenn ein Sturm lange angehalten hat,
und das Waßer auf dem Boden des
Meeres in Bewegung gebracht ist, so dau-
ret die Bewegung der Wellen, die vom
Boden herkommen, noch fort, wann gleich ~

/|P_98R δZ_14

/δZ_14-16 δumklammert ~

/|P_99

/der Sturm schon längst aufgehöret, und
diese Bewegung, welche den Schiffern
sehr gefährlich ist, wird von den Schiffern die
hoh«l»e See genannt. Bey einem Winde
kann die Bewegung der Wellen dem
Schiffe nicht schaden, wann aber der Wind
aufgehöret und die Bewegung noch fort-
dauert; so ist das Schiff einem Ball gleich
indem es nicht fortkommen kann, sondern
sich {2- @immer@ -2} muß bewegen läßen, da sich dann alles
im Schiffe loßreyßt und fortrollet,
daher ist die hohle See so sehr gefährlich,
Die hohle See ist also eine {2- Wellen- -2}Bewegung
nach dem Winde. Man glaubt, wann Man
Öhl auf dieses Meer gießen möchte, es als-
dann stille werden würde. Es ist wahr,
daß Öhl eine kleine Waßer-Bewegung
stille Machet; Wann das See-Waßer ganz
stille ist, so kann Man wegen seiner Durch-
sichtigkeit, die vom Salze herrühret, oft
etwas auf dem Boden sehen, so baldt sich
aber nur das Waßer runzelt, so ists im

/ Grunde

/|P_100

/Grunde ganz finster, so, als wann eine Wel-
le vorbey gienge, daher läßt Man von
unten nach o«¿¿»ben Öhl, da es als dann ruhig,
und helle, wie durch ein Fenster wird, und
dieses Machen sich die Taucher zu nuze.
Bey einer solchen Bewegung gehet es zwar
an, aber nicht bey größern Bewegungen
des Meeres. - Einst %bekamen Schiffe
mit Öhl beladen, eine hohle See, sie wur-
den aneinander geschmettert, das Oel
ergoß sich aufs Meer, es wurde aber
doch nicht ruhig, wie Muschenbroeck
sagt, viell@ei@cht ist aber die Nachricht nicht
zuverläßig.

/Eine andere Art der Bewegung, sind die
Brandungen des Waßer«s» mitten in der
See hat die Bewegung, welche ein Perpen-
dicul hat, %.das %.heißt nemlich eine oszillierende,
da nehmlich daßelbe in gleicher Zeit steigt,
in gleicher Zeit aber auch fällt. Gegen
das Land aber werden die Wellen zurück

/|P_101

/geschlagen, so als wenn der Faden des Perpen-
diculs verkürzt wird, wann also eine
Welle vom Lande zurücke kommt, so steigt
die andere in die Höhe, folglich ver«¿¿¿»einigt
sich die zurücke kehrende Welle mit der
aufsteigenden, und ergießen sich daher
weiter aufs Land.

/Die Ursache der Brandungen, ist folgende:
Die Wellen an den Ufern und Küsten kön-
nen nicht ein gleiches Spiel mit den andern
Wellen Machen, weil sie vom Lande auf
gehalten werden, dahero hohlt die andere
Welle die erste ein, folglich ist die
2te höher, die 3%te hohlt diese wieder ein,
und ist wieder höher, und immer so
fort, biß endlich der Druck der %lezteren
am stärckesten ist, und sie alsdenn
zurücke treibt, da es alsdann wieder
vom Anfange gehet, dieses Nennen die
Schiffer Brandungen. In Gu{2- inea -2}
ist die größte Welle, die 7te oder 8te,

/ auf

/|P_102

/auf deren Übergang die Schiffer warten
Müßen, woferne sie nicht nebst dem Booth
verschlungen werden wollen, «warten».
Diese größte Welle ist vielleicht die gewe-
ß@en@, die die Lateiner fluctum decuma-
num nannten.

/ ≥ §_26. ≤

/Die 2te Bewegung des Waßers, wird durch
die Meer_ströhme verursachet. Die
Ursache der Meerströhme ist zu sezzen {2- suchen -2},

/I.) In der {2- Bewegung -2} des {2- Ozeans -2} von
Osten nach Westen; diese kommt von
der Um{2- dreh -2}ung der Erde um
ihre Axe von Westen nach Osten
indem dadurch das Waßer zurük
geschleudert wird.

/II) {2- In -2} folgenden Stück@e@n, nehmlich:

/1.) In der Ausdünstung.

/2.) Im Winde.

/3.) In der Ebbe und Fluth wovon %unten
ein Mehreres.

/|P_103

/Da wir im 23ten § aus der Ausdünstung gese-
hen haben, daß Meere, die Zusammenhang mit dem
Ocean haben, weil einige von ih@«r»n@en kleinen Bas-
sins und vielen Zufluß * haben, und dahero
weniger ausdünsten, andere aber größere
Bassins und wenigen Zufluß durch «weniger»
Flüße erhalten, also stärcker ausdünsten;
die erste von ihnen also höher, und die andern
niedriger als der Ocean seyn müßen, so
muß in dem Straßen, wo nehmlich solche
Mittelländische Meere mit dem Ocean zusam-
menhangen, beständig ein Strohm, der von
keinem Winde erregt wird, anzutreffen
seyn, durch welchen sich entweder das Wa-
ßer, aus dem Meer, wann es höher ist, in
den Ocean, oder das Waßer aus dem
Ocean, in das Meer, wann es Niedriger ist,
ergießet; Man wird auch deutlich sehen kön-
nen, von wo der Strohm läuft, entweder
vom Ocean, oder vom Mittelländischem
Meer, wann man nehmlich die Anzahl der
Flüße, und ob sie beträchtlich oder Klein

/ sind ~

/|P_103R δZ_4

/{2- * von Flüße -2} ~

/|P_104

/sind, welche in das Meer hineinfließen,
auch die Oberfläche dieses Meeres weiß.
Man hat aber solchen Strohm nur bey der
Straaße von Gibraltar, durch welche«n» die
Mittelländische See, mit dem Ocean zusam-
menhängt; bey dem Sund und denen bey-
den Belten, wodurch die OstSee mit der
NordSee Zusammenhängt, observiret.

/Außer diesem obern Strohm, giebt es noch
einen, der unten auf dem Boden flie-
ßet, der bey einer jeden Straaße anzu-
treffen, und dem obern Strohm beständig
entgegen gesezt ist. Buffon will dieses
in seiner Natur_Historie ganz verwerfen,
weil er es nicht begreifen konnte; alleine
die Erfahrung lehrt es dennoch, daß
es also sey. Man läßt Nehmlich, ein
Boot auf den Sund aussezen und ein
Strick, woran ein Faß mit etlichen eyßer-
nen Kugeln angebunden war, ins Wa-
ßer werfen, als dieses Faß eine gewi-
ße Tiefe erreicht hatte, so wurde das
Boot dem obern {2- Strohme -2} ganz entgegen

/|P_105

gesezt», fortgezogen. In der Straße bey
Gibraltar geht der obere Strohm hinein, und
der untere heraus. Im Sund ist es um-
gekehrt, da geht der oberste heraus und
der unterste hinein. Die Ursache ist
diese, das Mittelländische Meer ist Niedriger,
als der Ocean, weil es Mehr aus dünstet, daher
kommt der Zufluß vom Ocean, der den Ober-
strohm formiret. Die Ost_See ist aber höher, als
der Ocean, weil der Zuwachß von {2- süßem Waßer -2} grö-
ßer ist, als die Ausdünstung, folglich gehet
der oberste {2- Strohm -2} hinaus. Weil nun das Waßer
im Mittelländischem Meer, wegen der Ausdün-
stung salziger, und also auch specifisch schwerer
als der Ocean ist, so gehet der unterste Strohm
aus demselben in den Ocean, und weil
das Waßer der OstSee leichter ist, als
das des Oceans, so geht der unterste {2- Strohm -2} aus
dem Ocean in die OstSee. Der Unter-
Strohm entstehet aus dem Druck des Waßers,
nehmlich die Säule vom Waßer im Mittel-
ländischem Meer ist schwerer, weil sie salziger

/ ist

/δLage_O

/|P_106

/ist, als die Säule des Oceans, folglich treibt
das schwerere Waßer durch den Druck des
leichtern zurücke, woher der Unterstrohm
entstehet. In der OstSee, ists aus derselben
Ursache umgekehrt. Ist also die Ausdün-
stung größer, als der Zufluß, so gehet
der oberste Strohm hinein, und der
untere hinaus, ist aber der Zufluß
größer, als die Ausdünstung, so ist es
umgekehrt; darnach kann Man alle Meere
beurtheilen.

/ ≥ §_27. ≤

/Wann die Winde die lange anhalten,
nach einem Strich gehen, so gehen auch die
Ströhme, die sie verursachen, nach einem
Strich. Im Pacifischem Ocean ist aber ein
Strohm, der an der Küste, eine andere
Richtung Nimmt, und an den Sundaischen
Inseln wehen die Winde im Sommer
von Westen nach Norden und im Winter
von Norden nach Westen. Die Ströhme in
den Moluccischem Insuln sind sehr heftig.

/|P_107

{2- Sommer -2}» {2- Meere -2} zwischen Ländern haben gefährliche
Ströhme, z. E. der Catagat, dann da treibt
der Strohm das Schif unvermerckt an die
Küste. Die Känntniß der Ströhme inte-
ressirt die Schiffer sehr.

/Es giebt auch in dem Mittelländischem
Meere mitten in der See und an den Küsten,
eine Arth von Ströhmen, welche bey der
Straaße von Gibraltar westwärts nach
Franckreich, Spanien, rings um den
Adriatischen Meerbusen, nach der Levante
und wiederum von hier, an den Africani-
schen Küsten herumlaufen. Die Ursache
ist vielleicht diese, das Waßer aus dem
schwarzem Meer, fließet«,» weil es δLücke {2- höher -2} ist,
in das Mittelländische Meer ab, weil nun
von der Africanischen «Küste» Seite keine
Flüße, hingegen, von der andern Seite vie-
le Flüße hineinlaufen; so wiederstehet
das Waßer von der WestSeite dem hi-
neindringendem Waßer, aus dem schwarzen
Meere, und Muß bey denen Africanischen

/ Küsten

/|P_108

/Küsten verbleiben, sobald aber das Waßer
einmahl in den Gang gebracht worden, so
behält auch daßelbe seinen Lauf, und flößt
beständig fort.

/ ≥ §_28. ≤

/Die Würckung zweyer Ströhme ist der Stru-
del. Bey Messina kommt der Südliche
dem Nordlichen entgegen, und einer
hält sich an der einen, und der andere
an der andern Seite. Solche zwey Gegen-
Ströhme geben ein todtes Waßer, davon
ist das Graß-Meer. Wenn 2. Winde
sich be«e»gegnen und theilen; so ist zwischen
ihnen ein todtes Waßer. Die See aber
wirft alles, was nicht gleiche Bewegung
mit ihr hat, und was dem Strohm
nicht folgen Kann, auf die Seite, wo es
ruhiger ist. Die Merckwürdigsten Strudels
sind: Scylla, Charibdis, Eurypus und
der Mahlstrohm. Von diesen Meer-
Strudeln können zwar kleine Fahrzeuge,
aber nicht große Schiffe verschlungen

/|P_109

/werden, sondern die Schiffe bringen den
Strudel selbst in Unordnung; wann
aber Schiffe im Mählstrohm verunglücken,
so geschiehet es des wegen, weil sich die
Winde aller Augenblicke ändern, und
weil die Schiffe an die Felsen stoßen
und zerscheitern.

/ ≥ §_29. ≤

/Daß im dem ganzen Weltgebäude, nichts
ruhig, sondern daß sich jederzeit die Cörper
einander zu nähern bemühen, oder sich
abziehen, hat Newton bewiesen. Eben
derselbe hat dargethan, daß die Schweh@re@
der Cörper nichts anders, als eine An-
ziehung, die von dem ganzen Klumpen,
und nicht von dem Mittelpunkte alleine
actuiret wird, sey. Obnun gleich, die An-
ziehung des Mondes; bey den Körpern
auf unserer Erde, nicht zu mercken
ist, weil die Erde solchen Cörpern
näher, als der Mond ist; so äußert die- 

/ selbe

/|P_110

/selbe {2- sich -2} doch würcklich, und ist bey flüßigen
Materien, als dem Waßer, vorzüglich
zu mercken. Wann die Anziehung
des Mondes, in der ihm zugekehrten Seite,
nur eben so starck, {2- wäre, -2} als im Mittelpunckte
und der ihm abgekehrten Seite der Erde,
so würde das Waßer der Erde gleich hoch
stehen; alleine weil die zugekehrte Seite
dem Monde näher ist, als der Mittelpunckt
der Erde, und dieser wiederum näher,
als die abgekehrte Seite der Erde, so
würckt der Mond stärcker auf die zu-
gekehrte {2- Seite -2}, als auf den Mittel_Punkt,
und auf diesen mehr, als auf die
abgekehrte Seite. Dieserhalb erhebt
sich das Waßer, auf der, dem Monde
zugekehrten Seite, und weil es vom
Monde angezogen wird, so wird es im
Ansehung der Erde leichter. Das Waßer
nun, welches zu den Seiten der Erde,
mit dem Mittelpunckt der Erde gleich

/|P_111

/starck angezogen wird, sucht sich mit dem
Waßer auf der zugekehrten Seite, in ein
Gleichgewicht zu sezzen. Da nun das Wa-
ßer auf denen Seiten schwehrer, als auf der
obern Seite ist, so wird auch weniger Wa-
ßer an denselben, eben soviel wiegen,
als vieles auf der dem Monde entgegen
gesezten Seite, weil auf dieser das
Waßer weniger vom Monde angezogen
wird, folglich wird es auf der obern
Seite schwellen, auf der Mittlern Seite
aber, abnehmen. Der Mittelpunckt der
Erde, wird aber Mehr vom Monde angezo-
gen, als ihre vom Monde abgekehrte Seite,
folglich wird der Mittelpunckt sich vom
Waßer, oder welches einerley ist, das
Waßer von ihm entfernen, und auf
der andern Seite schwellen. Weil nun
der Mond dem Scheine nach in 24. Stunden
rund um die Erde läuft; so wird der- 

/ selbe

/|P_112

/selbe, dieses geschwollene Waßer mit sich
{2- zie -2}hen, folglich wird an jedem Orthe,
das Waßer des Tages 2. Mahl schwellen,
und sincken. Weil aber der Mond we-
gen seiner Bewegung um die Erde,
in einem jedem Tage 3/4. Stunden
später, als in dem vorigem aufgehet,
bis er wiederum in einem Monathe
um die Erde herum gekommen; so wird
auch das Schwellen 3/4. Stunden später kom-
men müßen. Es wird aber auch
das Waßer, wegen der großen Quantitaet
sich nicht sogleich bey der Anziehung des
Mondes sammlen können, dahero ist es
auch Kein Wunder, daß dieses Schwellen
erst nach 3. Stunden, wann der Mond
aufgegangen, am größestem ist. Die
Fluth soll am stärcksten seyn, wann der
Mond im Meridian ist, bliebe er im Meri-
dian stehen, so würde es auch so seyn,
indem er aber schon weiter ist, ehe sich das
Waßer sammlet, so kann das Waßer

/|P_113

/nicht sobaldt zusammen laufen. Die Fluth im
weitem Ocean ist klein, dann das {2- große -2} Waßer
kann sich nicht so leicht sammlen, dahero sie
an den Innsuln, des Pacifischen Meeres
nur 6. Fuß und in Bristol 20. Fuß hoch
ist, wo große Busen sind, da sind
auch große Fluthen. Meere die vom
Ocean abgeschnitten sind, haben keine
Fluth und Ebbe. Obgleich ferner die
Sonne von der Erde weiter entfernet
ist, als der Mond; da dieser nehmlich
nur 60. jene aber 20.000 Erd_Diameter ent-
fernet ist, so äußert sich dennoch auf der
Erde, weil sie wenigstens 10.000.000. Mal
Mehr Maaße hat, auch eine Merckliche
Anziehung. Im {2- Neu -2}monde, wo die
Sonne mit dem Monde in einerley
Gegend des Himmels stehet, oder in
Conjunction mit ihm ist; «¿¿»nur im «v»{2- V -2}oll-
Monde, wo sie einander opponiret, oder 180. %Grad
von einander sind, werden ihre Anziehungs¥
Kräfte vereiniget werden, und also wird

/ zu

/δLage_P

/|P_114

/zu dieser Zeit das größte Schwellen und
Niedrigste Sincken des Waßers seyn Müßen.
In der opposition muß dieses auch geschehen,
«und» weil auf der, dem Monde zu- und abge-
kehrten Seite der Erde, das Waßer gleich hoch
schwellet. In den Vierteln des Mondes
wird aber die Sonne da anziehen, wo das
Waßer wegen Anziehung des Mondes
sincken soll, folglich wird die Wirckung des
Mondes hierdurch verringert werden, und zur
Zeit des ersten und lezten Viertels, das ge-
ringste schwellen und sincken des Waßers
seyn. Da nun Newton ausgerechnet hat,
wie der Mond, wenn er nur alleine das
Waßer der Erde anziehen sollte, das Wa-
ßer 10. Fuß, und die Sonne, wenn sie dieses
Waßer alleine anziehen sollte, 2. Fuß in
die Höhe heben würde, so muß das Waßer
in der Conjunction und Opposition der
Sonne und des Mondes 12. Fuß, in denen
Quadraturen aber, da sie 90. %Grad von einan-
der entfernet sind, nur 8. Fuß schwellen
und sincken. In der hohen See, wird es

/|P_115

/langsam und allmählig geschehen. Bey den Meer-
busen aber, wo ihm das Land wiederstehet,
wird das Waßer mit einem impetu hierin
dringen müßen. Iedoch kommt die größte
Fluth erst 3. Tage nach der Conjunction,
und Opposition.

/Alles dieses bestätiget die Erfahrung,
zum Beweise, daß der Umlauf des Mon-
des *, von dem Steigen des Waßers, wel-
ches die Fluth heißt, und von dem Fallen
deßelben, welches die Ebbe genannt wird,
sey. Die Fluth zur Zeit des Neu und Voll-
Mondes, heißt die Spring-Fluth, zur Zeit derer
beyden Viertel aber, die todte Fluth. Doch
wird das Waßer eigentlich nur 6. Fuß in
die Höhe gehoben, bey der größten Fluth.
Es ist aber {2- oft -2} an manchen Örtern Ebbe, wann
nicht weit davon Fluth ist. So ist in Hamburg
Ebbe, wenn im heilige Landt, einer Insul, die
15. Meilen von dieser Stadt ist, Fluth ist. Dieses
kommt daher, weil die Flu{2- th -2}en nach den Be-
schaffenheiten des Landes, öfters verzögert

/ werden. ~

/|P_115R δZ_9

/{2- * wirklich
die Ursache -2} ~

/|P_116

/werden, und nicht zu rechter Zeit kommen.
indeßen kommen dennoch zur bestimmten
Zeit, an einem jeden Orte, Ebbe und Fluth.
London hält es für ein großes Praerogativ
daß sowohl die Schiffe aus Schottlandt als
Franckreich mit der Fluth einlaufen, und
mit der Ebbe auslaufen können. Es läßt
sich aber solches füglich erklären, indem die
Fluth aus 2. Meeren zugleich in den Canal
fließet. Die Ebbe in denen Flüßen dauret
länger, als die Fluth, weil sich das Waßer
sehr hemmet. Die Ebbe ist auch reyßender
als die Fluth, das Todte, Caspische, Mittel-
Ländische Meer und die OstSee, haben
keine Fluth, weil sie vom Ocean abge-
schnitten sind. Bey Venedig zeigt sie sich
zwar, aber sie ist klein.

/Die Anziehung des Mondes ist eben so alt,
als er {2- selbst -2}, und eben eine solche Kraft,
als die Schwehre, daher sie bis zum Centro
dringt, daher «reicht» auch die Bewegung ~

/|P_116R δZ_21

/{2- * des Waßers -2} ~

/|P_117

/durch Ebbe und Fluth, bis auf den Grund;
sie bringt also Wirckungen herfür, die die
Wellen nicht effectuiren. Sie ist die Ursache
der großen Veränderung auf der Erde.

/Einige Ströhme und Strudel sind Wirckungen
der Ebbe und Fluth. So ist der Euripus,
den man aus den Fenstern von Eubo«¿¿»ea im
Archipelagus sehen kann, eine Wirckung der
Ebbe und Fluth, weil er sich beständig nach
dem Stande des Mondes richtet. Er wird
zu dieser Zeit unruhig, und seine Wel-
len bewegen sich sehr, brausen und schla-
gen sich zurücke, ohne, daß der geringste
Wind dazu kommt. Die große Uhnähn-
lichkeit zwischen Ebbe und Fluth hat die Na-
turkündiger bisher aufgehalten, die rechte
Ursache zu entdecken, und nach der bekannten
Fabel soll sich Aristoteles in ihn geworfen
haben, weil er die Ursache davon nicht er-
gründen konnte.

/ ≥ §_30. ≤

/Außer dieser Anziehungs-Kraft, welche

/ sich

/|P_118

/sich durch den ganzen leeren Raum erstrecket,
ist keine Würckung einer fremden Kraft, auf
unserer Erde, außer dem Licht zu verspühren.
Es scheinet dieses nur eine zitternde Bewegung
des Aethers, so, wie der Schall von der zittern-
den Bewegung der Luft herkommt zu seyn.
Die einzige Sonne bringt in dieser Rücksicht
eine merckliche Veränderung hervor, indem
der Mond ein 300.000 Mahl schwächeres Licht,
als die Sonne hat, weil er nicht allein, viele
Strahlen, die er von der Sonne abborgt,
verschlückt, sondern auch viele derselben
zurücke schlägt und zerstreuet, dahero auch
sein Licht, es mag noch so viel concentrirt
werden als es will, nicht die geringste
Wärme hervor bringen kann. Die Wir-
ckung dieser Kraft der Sonne und der
übrigen Körper, erstreckt sich nur biß auf
die Oberfläche dieser Erde.

/ ≥ §_31. ≤

/Iezt folgen in unserer Betrachtung, die Merck-
würdigkeiten derer Eiß-Meere, deren es

/|P_119

/zwey, das Nordliche nach dem Nord_Pol, und das
südliche, nach dem Süd_Pol zu, giebt. Das
Eis bindet sich aber nicht an die «Sonne»,
Zone, sondern es wird auch öfters bis 50. Grad
in die Breite angetroffen.

/Hieher gehört anfänglich das Treib-Eis,
welches daselbst sowohl in großen und
abgesonderten Stücken, welche dahero Eis-
{2- stre -2}cken heißen, als auch im großen und
zusammen hängenden Streifen, welche Eis-
felder heißen, anzutreffen ist. In der
Straaße Davis, haben die Wallfischfahrer
Gelegenheit, das Eis zu betrachten, aber
nur der 8te Theil von einem Eis-Stücke
reicht über das Waßer hervor, die Eis-
Stücke ragen oft 60. bis 120. Schuh über
das Waßer hervor und erstrecken sich
Meist bis 500. Schuh unter das Waßer.
Weil das Eis, wann es zerschmelzet, {2- gern -2}
in Röhren zerspaltet; so sehen diese Stücke
von weiten, wie {2- große -2} Städte aus und der

/ Nebel

/|P_120

/Nebel - welcher von denen Ausdünstungen
der Eisberge herkommt, und daher zu
einem Untrüglichem Merckmahl diene
Könnte, die Eisstücke zu erkennen, - 
wo{2- mit -2} diese Eis_Stücke beständig be-
decket sind, und gleichsam ihre Sphaere
ausschm«@ü@ck»achen, verhindern noch Mehr,
diesen Betrug zu entdecken und wahr zu
nehmen. Obgleich in diese Länder nur
Fahrzeuge {2- deswegen -2} hingehen, um Wallfische zu
fangen, und sich {2- daher -2} daselbst nur das
halbe Iahr, worinne beständig Sommer
ist, aufzuhalten pflegen, so könnte
doch {2- vielleicht -2} irgend ein Fahrzeug in der langen
Nacht in diesen Gegenden herumschweifen,
Wann sie nun diesen Betrug nicht wahrneh-
men und ihn dafür halten, was er vor-
zustellen scheint, so wäre das Zerschei-
tern des Schiffes nothwendig; woferne
nicht der Nebel, womit diese Eisberge
beständig bedeckt sind, die Schiffer durch

/|P_121

/seine außerordentliche Kälte warnen Möchte.
Was die Eisfelder betrift, so sind selbige
öfters so groß, daß 24. Stunden erfor-
dert werden, sie mit aufgespannten
Seegeln vorbei zu laufen, und die dahero
fast die Größe eines Königreiches
Preussen haben. Es giebet auch zwischen
solchen 2. Eisfeldern Straßen, wie die,
bey Gibraltar, wo man, weil ihre Be-
wegung langsam ist, oder sie sich auch
gar nicht bewegen, mit den Schiffen
durchfahren kann. In den Buchten der
Eisfelder, können die Schiffer, so, wie
in einem Hafen vor Anker liegen,
wo alsdann die Leute auf die Fischerey
und Jagdt ausgehen. Es befinden sich
auch auf ihnen große Teiche, worinne
süßes Waßer anzutreffen ist, und zu
welchen die Schiffer ihre Zuflucht Nehmen,
und zu weilen auch allerhandt Thiere, als
See-Hunde, weiße Bären und %:dergleichen

/ welche

/δLage_Q

/|P_122

/welche sich wegen des Fischfanges dahinn
begeben. Wann sich nun solche Felder
von dem festem Lande, woran sie sich
zu weilen ansezen, trennen, so werden
solche Thiere, ehe sie es wahrnehmen,
vom Lande weggeführet, und auf
solche Weise können fremde Thiere in
fremde länder versezzet werden.

/Ein solches Eiß zerberstet auch bald in 1.000 stü-
cke, so, wie das Glas, welches geschwinde abge-
kühlet ist, und durch Abbrechung der SPize, so
erschüttert wird, daß es zerspringt. Daher nimmt
Man auch Kähne auf diese Eis_«sch@o@llen»<Felder> mit,
das schädlich«st»e des Eises, ist, daß es die
Fahrten verstopfet. Wann auf den Untiefen
und Sandbäncken, die doch nur Nahe am Lande
sind, ein solches Eis-Stück Grund faßet,
so, daß es sich nicht Mehr zusammen stopfet,
Das Eis in solchen Eisfeldern siehet ganz
blau aus - dies soll ein beständiges Eis
seyn - und es hat am Ende einen Saum,
welcher aus noch härterem Eiße bestehet,

/|P_123

/und vor welchem die Schiffer, um nicht ent-
zwey gescheitert zu werden, sich sehr in acht
nehmen Müßen. - Woher kommt aber ein
solches Eiß? Da das gesalzene Waßer nicht
gefrieren kann, so siehet Man leicht ein,
daß es gefrohrnes süßes Waßer ist,
welches d«ie»enselben Meer«e»en, aus den Flüßen
Siberiens, und anderer Länder zu geführet
wird. Dieses Waßer fänget an zu frie-
ren und weil es sich Mehrentheils biß ans
Landt erstrecket, so sezt sich das übrige Wa-
ßer an dieses Eis an, und auf solche
Art erhält es einen ansehnlichen Zuwachß.
Zu diesem Waßer kommt auch noch, das-
jenige, was von denen Bergen auf das Eis
herunter läuft, und wann es also auf
eine solche Art angewachßen ist, so bekommt
es immer Mehr Zuwachß im Winter, als
es im Sommer durch das schmelzen verliehrt,
und da es überdem {2- oft -2} ganze Reyhen von Iahren
auf derselben Stelle bleibt, so ist es kein
Wunder, daß es groß wird, es reicht

/ öfters

/|P_124

/öfters bis auf den Grund, und da überdem die
großen Eisstücke, von unten, vom Waßer abge-
waschen werden, umfallen, und die Schiffe, welche
zwischen ihnen durchfahren, zu Boden drücken, ob
sie gleich bißweilen wieder gefunden werden, und
sich auch die Schiffer mit ihren Böthen über die
Eisberge retiriren können - so kann in
diesem Meeren, keine gewiße Straaße ge-
halten werden.

/Die andre Merckwürdigkeit dieses Meeres,
ist das Treib-Holz, es wird daselbst von
einem Strohme, welcher von Nord«we»ost nach
Süd {2- west -2} gehet, in die Hudsons-Bay, Davis-
straaße und herumliegende Örter ange-
trieben.

/Es ist daßelbe voller Holzwürmer, und
es ist kein Kennzeichen, daß es vor kur-
zer Zeit, auf der Oberfläche der Erde ge-
standen. Alle Küsten des Eis-Meeres
haben kein Holz, und in NovaZembla
nicht einmahl «einen» Strauch, und es fehlt
doch allen den Küsten nicht an Holtz.

/|P_125

/indem es ihnen hier ordentlich zu geflößet
wird. Es sind viele Arten von Holtz, die
auch im warmen Clima wachßen; An vielen
Orten ist es so aufgethürmet, vom Aus-
werfen, daß die Einwohner damit
Handel treiben, oft wird es vom Eise so
Zusammen gepreßt, daß es Feuer fa-
ßet und brennet. Zum Brennen brau-
chen es die Einwohner nicht, indem sie
dazu Thran von den See_Hunden haben,
und die Groenlaender haben noch einen
gewißen Topf-Stein, aus dem sie Gefäße
machen Können, worinnen sie den Thran
gießen, hernach anstecken, und den Keßel
über das Feuer sezen, sondern zu den
Nuzen ihrer Hütten, welche sie nachgehends
mit Fellen belegen, ferner zu den Ribben
ihrer Fahrzeuge, welche sie nachgehends gleich-
falls mit Fellen belegen und endlich zu den
Schaften ihrer Ruder.

/ Woher ~

/|P_125R δZ_16

/δZeichen ~

/|P_126

/Woher oder von welchem Ort kommt dieses
holz? Von Siberien und den herumlie-
genden Gegenden, Kann es keinesweges
kommen, weil in denselben gar kein {2- e -2} «holz-»
a» {2- ä -2} um {2- e -2}, außer denen, die {2- höchstens -2} 6. Finger dicke
sind, anzutreffen, auch beweisen solches
die Holz-Würmer, welche in diesen Nord-
lichen Gegenden nicht angetroffen werden.
Es wird also aller Wahrscheinlichkeit nach
von dem Stücke des noch nicht entdeckten
und versunkenen America herkommen.
Dann selbst auf unserem Lande findet
Man viele versunckene Wälder, öfters
Mehrere über einander. Z. E. erst ein
Fichtenwaldt, dann Sand, darauf ein
Eichenwaldt, und dann Schlamm. Das
wurmstichige dieses Holzes, ist auch über-
dem eine Anzeige, daß es seit sehr
langer Zeit versuncken.

/Man hat bemercket, daß das Holz aus den
warmen Ländern kommt, dann aus dem

/|P_127

/Eis_Meere gehet ein Nord«we»{2- ö -2}stlicher Strohm,
dieser Macht, daß «@von@»{2- an -2} den Küsten ein ent-
gegengesezter Strohm ist, und dieser Zug
von Süden nach Norden, muß das Holz dahin
treiben, die Züge des Meerwaßers, gehen * von
Norden nach Süden und an den Küsten von
Süden nach Norden. Im südlichem Eis-
Meere, findet man auch, ein solches Holz,
z. E. in der Magellanischen Straaße, ist auf
der Insul @Molovina@, wo die Schiffe aus
Europa anlanden, eine Englische Besazung,
die mit Holz aus der %Magellanischen Meer-
Enge versorget wird.

/Noch ist anzumercken, daß die Eis_Meere {2- gegen -2}
dem Pole zu, vielleicht vom Eiße bef@ryet@
seyn, weil der Strohm von Nord-Ost, nach
Süd-West, daßelbe in den Gegenden,
worinne man sie jezt antrift, treibet.

/ Articulus_II. ~

/|P_127R δZ_5

/{2- * in der
Mitte -2} ~

/|P_128

/ ≥ Articulus_II.

/Vom Lande.

/ §_32.≤

/Unter dem Worte Landt, verstehet man alles
dasjenige, was über die Fläche des Meeres
erhaben ist, ob man gleich die Sand_Bäncke mit
darunter verstehet, woraus nachgehends durch
die Anspühlung mehrerer Materien aus dem
Waßer, als Corallen{2- junken, @Cakaos@ -2},
deßen Saamen das Waßer mit sich führen
kann, die Insuln entstehen. Die Muth-
Maßung bekräftiget die Erfahrung, daß
sich alle SPizen der Vorgebürge nach Süden
richten.

/Es wird solches in das feste Land, und
in die Insuln abgetheilet, obgleich jenes auch
nichts anders als eine große Insul
ist, von deren Gränzen man nur eine
obscure Idée hat. Man [[¿¿¿]] hat %wahrgenommen,
daß sich das Land aneinander zu hängen,
bemühet, und daß auf einer Halb_Kugel
Mehr Landt, auf der andern aber Mehr
Wäßer sey. Daß auch über dem mitten im

/|P_129

/Ocean {2- fast -2} gar keine, oder wenigstens gar
nicht beträchtliche Insuln wären. Auf dem
festen Lande findet Man aber

/1.) Länder, deren Umfang und Inwendiges bekannt ist.

/2.) Länder, deren Umfang nur bekannt ist.

/3.) Solche, von denen Man bloß die Küsten kennt.

/4.) Die man würcklich gesehen, und nicht
mehr gefunden.

/5.) solche, die den Alten bekannt gewesen
aber verlohren sind.

/6.) Solche, die man nur vermuthet.

/Unter die ersten rechnet Man Europa,,
zu der zweyten Arth gehört aber Asien
in welchem Man z. E. das Land der
freyen Tartarey, die große und
kleine Bucharey, wo der große Lama
residiret, die Länder, die am Caspi-
schem Meere, und der See Ava liegen,
das ganze Stück vom glückseeligem
Arabien, worinne Mecca und Medina
liegt, und wohinn die Europaer gar

/ nicht ~

/|P_129R δZ_18

/δZeichen ~

/δLage_R

/|P_130

/nicht kommen können, so, daß in einer Stadt
200. Meilen von ihnen, zur Zeit des Handels
derselben, die Thore zugeschloßen werden,
damit sie ihrer Meynung nach, die heilige
Luft nicht anstecken, sehr wenig bekannt.

/Die Entdeckung von Ti«¿»bet in Asien
wäre eine derer «¿»wichtigsten, als dann
hätten wir den Schlüßel zu aller Geschich-
te; es ist das höchste Land, folglich muß
es zuerst bewohnet gewesen seyn, und
von da müßen die übrigen Länder
bevölckert worden seyn, und auch alle
Wißenschaften von dorten haben.

/Die {2- India -2}nische Gelehrsamkeit Muß
aus Tibet gekommen seyn, so, wie wir
alle unsere Künste, aus Indostan,
haben. Den Ackerbau, die Ziffern, das
Schachtspiel. Man glaubt, Abraham habe
an den Gränzen von Indostan gewohnt,
dieser Wohnplaz der Künste und Wißen-
schaften verlohnte sich der Mühe der Untersuchung.

/|P_131

/Die 2te Entdeckung, die die Alterthums-
Forscher interessiret, wäre die Entde-
ckung von Egypten. Überhaupt ver-
dienet Africa die größte Untersuchung
und es scheinet den Alten Mehr im Inn-
wendigen bekannt gewesen zu seyn,
als uns, weil sie zu Lande reyßten.
Von Africa sind auch noch sehr viele
Küsten, den Europaern unbekannt,
und die Mitte entzieht sich ganz ihren
Augen. Egypten kennen sie nur genau,
welches aber nur 3, höchstens 7. Meilen
breit ist. Man hat Ursache eine ganze
See, in welcher der Sengal, welcher nicht ins
Mittelländische Meer fließet, @hierin@ zu sezen.
Es ist übrigens ein Land, worinne die
größten und schönsten Thiere, auch die
besten Pflanzen anzutreffen sind. Die
furchtsamen Portugiesen besezen die besten
inwendigen Gegenden von Africa, mit
Can{2- nibale -2}n oder Menschenfreßern, die

/ die

/|P_132

/die Menschen zum schlachten mästen sol-
len; alleine überhaupt dürfen wir solchen
Nachrichten von Menschenfreßern nicht trauen,
weil die Erfahrung lehrt, daß sie nur ihre
Kriegsgefangene, wann sie lebendig
sind, mit den größten Solemnitaeten
schlachten. Überdem so sind die Nahmen
auf der Charte von Africa sehr «bet@räc@ht-
lich», betrüglich, denn man glaubte, wenn
der Nahme da ist, so müste das Ding
auch da seyn, wenn Man aber nicht
weiter konnte, so sagte Man, es sind
Menschenfreßer. Die Ursache, daß das
innwendige von Africa, so unbekant
ist, wie die Länder im Monde, liegt
Mehr an den Europaern, als an den Afri-
canern, indem sie sich durch die Neger¥
Handlung sehr furchtbar gemacht haben.
Die Entdeckung von Egypten, ist be-
sonders wegen des Baues der Pyramiden
merckwürdig, dann Man ist noch nicht

/|P_133

/bis in das Innwendige der Pyramiden ge-
kommen, man hat aber bemercket, daß sie
sehr künstlich und mechanisch gebauet
seyn sollen, Man Kommt als in @einen@ Fel-
sen_Gebürge; sie haben unter irrdische
Gänge, wo die Pharaonen begraben sind
und wo sie ihre geheime Wißenschaften
betrieben; nun fehlt uns Nur die Entde-
ckung des Pharaonischen Alphabeths. *
Durch das Pharaonische Alphabeth wären
wir im Stande, die Aufschriften der
Mumien zu lesen. Egypten aber hat
seine Wißenschaften aus Aethiopien
und Abyssinien. Die Wallfarthen ge-
schehen nach dem Orte, wo die Religi-
on entstanden, als nach Jerusalem,
Mecca, von Ind«¿»ien nach Tibet, und also
auch aus Egypten nach Abyssinien.

/Niebuhr rieth, daß man die Cop-
tischen Clöster, wo viele Alterthümer sind
untersuchen solle; wann also die Cop

/ tische ~

/|P_133R δZ_9

/{2- * sowie auch
das phönizische
Alphabet durch
@ein@ige @Buch@-
staben glück-
lich entdeckt
wurde -2} ~

/|P_134

/tische SPrache und das Pharaonische Al-
phabet erfunden werden könnten; so
könnte Man alle Alterthümer entdecken,
Die Küste von Africa wird zwar von
den Europaeern besucht, ihre Reisen aber
dahinn sind sehr gewalthätig, indem
Iährlich 60. bis 80.000. Negers nach America
geführet werden, dahero 30. Meilen ins
Land, den Europaern schon unbekannt
«sind.» ist. Unter denen Ländern aber, deren
Umfang {2- un -2}bekannt ist, gehöret auch Ame-
rica, deßen Nordlicher Theil nach Russ-
land zu, noch nicht entdeckt, und in deßen
Südlichem Theile auch noch Länder, beson-
ders an den Brasilianischen Küsten un-
bekannt sind. Mehrentheils sind es die
Berge, die von weitern Untersuchungen
abschrecken, da doch die Berge eigentlich
die Grund-Stücke und das erste
seyn, was Man im Lande antrift,

/|P_135

/daher man nicht ohne Grund vermuthen
Kan, daß dasjenige Land, welches von
denen Bergen am Waßer übrig ist, von
ihnen angespühlt sey. Daß Man aber {2- nur -2} bey
den Küsten von Africa stehen geblieben
und bey dem Umfange der übrigen Länder
*2 wohl eines Theils der Endzweck der Meisten
Schiffarthen die Habsucht, andern Theils
aber die Unfruchtbarkeit *3 die Ursache
zu seyn - Peru wäre vielleicht
Niemahls wegen Unfruchtbarkeit sei-
ner Ufer entdecket worden, wann die
Spanier nicht so glücklich gewesen,
wären, in das Paradies von America
von der Landseite zu Kommen. Das
südliche america möchte noch Mehr die
Wiß_Begierde der Entdeckungen nach
sich ziehen.

/Unter die Länder, deren Küsten Man nur
kennet, gehören die Ufer in dem Süd- 

/ lichem ~

/P_135R δZ_6ff

/{2- *1 @Anfang@

/*2 scheint

/*3 der «¿Ufer -2} ~

/|P_136

/lichem Haemisphaerio, welche von Rhoden [[Redern]]
einem Mitgliede der Academie derer
Wißenschaften in Berlin, in einer da-
selbst verfertigten Charte verzeichnet.
Eben dieses ist der Ort, wo man noch
viele Länder vermuthet. In Neu_hol-
land welches so groß, als halb Europa
ist, sind sehr wilde Leuthe, so, daß
sie nicht einmahl SPiel-Sachen und roth
Leder annehmen, welches doch andere
thun, folglich wird das Inwendige
noch lange unbekannt bleiben.

/Überhaupt ist die Nation in Süden in
den allerniedrigsten Graden der Mensch-
heit, indem sie nichts Mehr interess@ir@et
als das Eßen. Die Wilden in
Norden, obgleich sie weiter {2- gegen den Pol -2}
wohnen, sind weit interessanter. Zu
den Ländern, die Man vorhinn gekant
hat, nachgehends aber verlohren gegangen
sind, gehöret eines Theils das alte

/|P_137

/Groenlandt, worauf zu den Zeiten der Wahl
der Königin Margaretha verschiedene Städte
und 2. Clöster gewesen, und deren
Bischof bey dieser Wahl, da diese Kö-
nigin die Herrschaft über die 3. Nor-
dischen Reiche bekam, gegenwärtig ge-
wesen ist, welches aber durch die
%Nordischen {2- Kriege -2} und durch den Zwang,
@den@ Margaretha denen Kaufleuthen, die
dahinn fuhren, auflegte, ganz vergeßen
worden, und deßen Einwohner viel-
leicht in den Zustand der Wilden
gerathen sind, * eine Gesellschaft aus-
zu Machen; andern Theils aber die Sala-
monischen Innsuln, welche leztere aber
nicht beträchtlich gewesen; und von
welch@en@ die heutige Georgen_Insel
gleichfalls eine seyn Mag. Die Ursach,
daß leztere nicht Mehr gefunden werden
können, ist erstlich: daß die Farth

/ der ~

/|P_137R δZ_13

/{2- * welches bestän-
dig geschiehet,
wenn nicht
genug Perso-
nen sind, -2} ~

/δLage_S

/|P_138

/Spanier aus America zu den %Philippinschen
Inseln in Asien {2- vormals -2} durch die südliche und
Nordliche, jezt aber nur alleine durch das
Nordliche Haemisphaerium geschiehet, zwey-
tens aber auch, weilen damahlen die Schif-
fern nicht im Stande waren, die L«¿»{2- än -2}ge
der Örter zu finden.

/Unter den Farten, die wegen Entdeckung Neuer
Länder geschehen, sind jezt diejenigen, die
vornehmsten, die da veranstaltet worden,
zu untersuchen, ob Asien mit Amerika zu-
sammenhänge, und zwar geschiehet sie, von
den Russen, nach Nordost von Kamtschatka
um die Spize von Russland herum, welche,
wie Müller, deßen Beobachtungen, unter %denen
die wir von Russland haben, die besten
sind, schreibt, schon erfunden seyn soll«¿».
Alleine würde dieses seyn, so würde
man von Archangel bis Kamtschatcka
auf ofnem Meere %fahren können, welches
aber noch nicht bewerckstelliget ist.

/|P_139

/@Von@ denen {2- Eng -2}ländern aber geschiehet sie
nach Süd{2- we -2}st um America. Man macht Schwü-
rigkeiten bis zu den Polen herauf zu reißen,
weil als dann alle Reglen der Schiffarth
aufhören Möchten, denn in diesem Fall
hat Man keine bestimmte Welt-Gegendt.
Norden, nennen wir sonst die Gegendt,
welche gegen den Pol zu gehet. hier ist
aber der Pol im Zenith und nicht im
Horizont, da nun durch Norden die übri-
gen Gegenden bestimmt werden könnten,
die aber hier nicht angenommen werden können,
so können auch nicht die übrigen Gegenden
bemercket werden.

/Die Entdeckung Neuer Länder vermehrt
die Känntniß der Menschen im Ansehung der
Erde, und befördert die Gemeinschaft.

/Der größte Zweck aber ist, die Wißbegierde
der Menschen, ohngeachtet der kleinen Vortheile
des Genußes, die man durch die Entde-
ckung erlanget. Viele Reißen sind nur
bloß aus Wiß_Begierde aber nicht aus

/ dem

/|P_140

/dem Princip der oeconomie angestellt.
Z. E. die Figur der Erde zu bestimmen
Die größte Entdeckung wäre wohl die Durch-
farth in Norden, durchs Eiß_Meer.

/Hierdurch würden wir einen gr«ö»oße«r»n Auf-
schluß haben, die Wellt würde uns ganz
offen stehen, die Neuesten Reyßen gera«@d»t@en
nach Norden - Landvogt Engel wid-
mete sich ganz, um die Möglichkeit der
Durchfarth durchs Eis_Meer zu finden;
Ostwärts bey Spitzbergen, soll offene
See seyn, dieses stimmt auch mit der
Vermuthung überein, dann wo die
Küsten nahe sind, da stopft sich
das Eis.

/ ≥ §_33. ≤

/Die Länder sind entweder bewohnt
oder nicht. Ist lezteres, so heißen
sie Wüsten. Doch muß dieses Wort
mit Einsch@rän@ckung gebraucht werden,

/|P_141

/dann einige Gegenden, wie die %americanischen
um Peru herum, worinne man nur dann und
wann «nur» sehr selten Horden herum ziehen sieht,
und wo das Paradies von america befindlich
ist, sind nur aus Willkühr der Menschen, ohne
daß sie die Natur dem Menschen dazu bestimet
hat, ohnbewohnt, und dahero {2- alsdenn -2} heißen sie:
{2- Einöden -2}; andere aber wo{2- rin -2} ein rother Sand,
welcher eine Art von Ei{2- senstaub -2} ist, anzu-
treffen ist, heißen Heyde-Länder, auf
deren Boden nichts, als Heide-Kraut
wächßet.. Die Wüsten sind eigentlich
Örter, die von der Natur dazu bestimmt,
und eingerichtet sind, daß die Menschen
nicht darinne wohnen könen, diese sind:

/1.) Sandwüsten, worinne nichts, als ein flie-
gender Sandt oder Pflock-Sandt zu finden
ist. Hierunter gehört in Asien die
Wüste Ghobi. Eine anderweiti{2- ge -2} Wüste,
die Persien in 2. Theile, in deren einem
Ispahan, in der andern aber Candahar
die Hauptstadt ist, abgesondert, und

/ die

/|P_142

/die Syrische Wüste in Arabien.

/In Africa ist die merckwürdigste, die
die Wüste Saara, die auch vielleicht
die größte unter allen ist, und in Ame-
rica ist gar keine erhebliche. Weil
der Saamen wegen des Sandes nicht tief
genug in die Erde kommen kann, so
wird er zugleich mit dem Sande fortge-
wehet, und es kann folglich auf einem
solchen Boden nichts wachßen. In allen
Wüsten dieser Art bemerckt Man, daß
nirgends Flüße oder andere Gewäßer
anzutreffen sind, daß die Flüße, die
um und an ihnen entspringen, alle ihr
Waßer von @denen@ Wüsten abkehren,
und daß, wann gleich von Bergen, die
an ihnen liegen, @einige@ Flüße sich he-
runter schlängeln, so bemerckt Man,
daß sie sich von einer Seite, nach der
andern von der Wüste abwenden.

/|P_143

/Hieraus entstehet der große Mangel an
Waßer und wann man sich gleich be-
mühet hat, Brunnen unter der Erde zu
graben, so hat Man doch bemercket, daß
daßelbe Salz, welches eine Eigenschaft
des Flog-Sandes zu seyn scheinet, mit
sich führet, auch ist die Bemühung
vergebens gewesen, das Waßer aus
den entfernten und be{2- wäße -2}rten %Ländern
in die Wüsten zu leiten, weil die
Canaele, durch welche es geführet
wird, verfallen, auch von den herein-
fallenden Heuschrecken, und andern Vö-
geln, die sich allda wegen großer Hize
Nach dem Waßer zu großen Scha{2- aren -2}-
@nen@ dringen, stinckend gemacht wird
Weil sich nun jederzeit die Flüße
von denen Wüsten wegwenden, diese
aber ihren Lauf nach der Niederen Seite
wenden, so müßen die Wüsten erhaben

/ seyn

/|P_144

/seyn, und weil, wenn irgend ein Berg
darinne anzutreffen wäre, auf diesen
das Regen_Waßer sich herabsencken, sich
in die Erde ziehen, und nicht ermangeln
würde, in einen Fluß oder Quell aus-
zubrechen, so muß die Wüste flach,
und ohne Berge «seyn», folglich eine
erhabene Ebene seyn; und so bald es
umgekehrt, eine erhabene Ebene giebt,
so ist alda eine Wüste. Die Sandwüsten
sind beständig mit Bergen, von %denen
sie aber durch ein dazwischen liegendes
Thal abgesondert werden, umgeben.

/2.) Die gröste Kälte, durch welche nehmlich
alle schöpferische Wercke der Natur, er-
sticket werden, macht die Länder ohnb{2- e -2}¿-
wohnbahr, welches keines weges die
Hize thut, Maaßen an Örtern, wo
es am heißesten ist, die fruchtbarr-
sten Gegenden, z. E. Bengalen, das

/|P_145

/beste unter allen Ländern anzutreffen ist
Im 70. %Grad der Breite werden die Pflanzen
schon spahrsam, und nach dem 75. %Grad findet
man weiter nichts Mehr, als Renn-
Thier-Mooß, welches ein wei{2- ßes -2} Mooß
ist, von dem die Rennthiere allein sehr
fett werden, ob es gleich keinen Saft
hat. - Doch, da wir bemercken,
daß die Menschen mehr und «Mehr»,
stärcker von Thieren als Pflanzen er-
nähret werden, und also die Thiere vor-
züglich zu ihrer Nahrung erschaffen zu
seyn scheinen, so scheinet die Rauhig-
keit der Kälte, maaßen diese so, wie
die Wärme ihre Pole hat, und um sel-
bige sich herum zu bewegen scheinet,
und wodurch nach einer %gewißen Zeit
das Clima {2- verändert -2} wird, daß z. E.
die beyden Punckte der größten Kälte
nicht auf einer Stelle bleiben - den
Menschen nicht zu verhindern, diese

/ Ge- 

/δLage_T

/|P_146

/Gegenden zu bewohnen, weil er allent-
halben seine Nahrung findet, indem die
Renthiere in @denen@ allerkältesten Ge-
genden, in Nova Zembla und Spizbergen
seyn und leben können. Der Mensch ist
folglich für die ganze Erde gemacht,
und eben, daß sein Leib von der
Natur so gebildet ist, daß er durch
die Gewohnheit ein jedes Clima, wann
es gleich entsezlich verschieden, gewohnt
werden kann, entstehet der verschiedene
National_Character.

/3.) Die Steppen sind Gegenden, worinn
keine Wälder und Gewäßer anzu-
treffen sind, sonst aber mehrentheils
einen sehr fruchtbaren Boden haben,
sie müßen gleichfalls, so, wie die
Sand_Wüsten hohe Ebenen seyn, sind
aber, an statt daß erstere mit «%hohen»
Bergen umgeben, zwischen 2. Flüßen

/|P_147

/eingeschloßen. Es wachsen in ihnen Melo-
nen, die schönsten Blumen, Kirschen und
schöne Früchte, die aber nur alle, auf
kleinen Sträuchern wachßen. Hieraus sieht
Man, daß zum wachßen der Bäume
nothwendig das Aufsteigen der Dünste
aus denen Quell-Adern und nicht alleine
Regen erfordert werde. Die Wälder
dienen den Menschen und Thieren zur
Sicherheit und Schirm, wann also diese
im Gegenden fehlen,, so werden sie von
ihnen verlaßen. Hierzu zählen wir
die Bessarabische zwischen der Donau und
Dniester, die oczakowsche zwischen dem
Dnieper, * die Crimmsche zwischen dem
Dnieper und Donn.

/ ≥ §_34. ≤

/Innseln sind nichts anders, als Berge,
deren SPizen über die Oberfläche des
Meeres hervorragen. Große Inseln

/ sind ~

/|P_147R δZ_15

/{2- * und Dniester; -2} ~

/|P_148

/sind dem Continent Näher, und die Küsten
laufen parallel mit dem festen Lande,
die größten sind Borneo und Fo{2- mahon -2},
wo das Land große Busen machet,
da ist ein archipelagus z. E. der Archi-
pelagus der Maldiwen und Philippinen.
Man hat angemercket

/1.) daß die Berge in einer %immerwährenden
Kette fortgehen, und daß nicht auf
einmahl und hintereinander hohe und
Niedrige Berge anzutreffen seyn, son-
dern nach und Nach, die Berge zu- und
abnehmen.

/2.) daß wie Dal@e@_Rumpel [[Dalrymple]] sagt, die beträcht-
lichsten Innseln am Lande wären,
und in dem Pacifischem und überhaupt
in allen Meeren, die Innseln von dem
Anspühlen des Meeres-Waßers %entstanden
seyn; dahero sie auch gemeinhinn von
der einen Seite, von welcher sie nehmlich

/|P_149

/Zuwachß erhalten, steil, von der andern aber
sehr flach sind. Es ist dahero leicht
die Ursache einzusehen, warum die
größten Insuln am Lande seyn, weil
nehmlich auf denselben, und nahe an
denselben die höchsten Berge sich befin-
den, daher sie auch am Mehrestem
hervorragen können.

/ ≥ §_35. ≤

/Berge sind nichts andres, als %Erhöhungen
unter dem Waßer, über den Boden
des Meeres. Es sind dahero auch al-
lenthalben, wo Bänke seyn, Untiefen. Die
Untiefen sind aber zu weilen denen Schiffern
schädlich, zu weilen auch nüzlich. Der erste
Fall findet statt,, wenn die Schiffe
wegen der Untiefen müßen sizen blei-
ben; der leztere aber, wann sie die
Untiefen zum Anker werfen brauchen
können. Denn zu einem guten Anker-
Grunde wird erfordert

/ @1.@) daß

/|P_150

/1.) daß der Thau des Anckers den Grund erreichen Könne,
und daß der Schif von ihm nicht aller Bewegung
beraubt werde, folglich, daß das Seil @eine@ schräge
Lage bekommen könne, und daß das Meer nicht
gar zu tief sey, ferner daß das Seil nicht gar
zu schräge liege, und daß das Schif durch das
viele herumschleudern nicht schaden bekomme,
folglich das Waßer nicht gar zu Niedrig seyn
müße, %.das %.heißt eine Tiefe von ohngefehr 10. bis
12. Faden haben müße.

/2.) daß der Boden selbst, weder sumpfigt noch vol-
ler kl@einer@ Steine sey, oder gar aus Pflugsand
bestehe, sondern daß er entweder groben
Sand, oder eine gute TonErde habe, dann
im erstem und lezterem Fall, sinckt das
Anker gar zu tief hinein, daß es nicht in
die Höhe gezogen werden Kann, im andern
Fall aber zerreibet sich das Thau, an den
Steinen, wodurch dem Schiffer ein großes
Unglück gedrohet wird.

/In Europa ist die Iaggersche Banck die größte.
wo au@«f»ch@ «5.» Fischereyen geschehen; die merckwür-
digste Felß-Bäncke sind die bey Terreneuve,
welche an 100. Meilen lang ist, und worauf ein
großer Cabbeljau und Stockfischfang getrieben

/|P_151

/wird, Überhaupt wird auf allen Bäncken ein
großer Fischfang getrieben, weil sich die
Fische nicht gerne auf dem Boden des Meeres
aufhalten mögen, sowohl, weil es im Grund
des Meeres sehr finster ist, als auch, weil in
der Höhe eine ge«wiße»{2- mäßigte -2} Kellerwärme ange-
troffen wird, so daß Man die Angel herein
werfen und gleich wieder herausziehen darf;
wann Man die besten Fische dieser Arth
haben will. Sie ist des wegen von weitem
zu kennen, weil die Wellen von denen
Felsen zurücke geschlagen werden, und in
Unordnung gerathen. Es findet sich auch
über ihr ein sehr kalter Nebel, die Ursache
davon ist unbekannt. - {2- Ferner -2}
diejenige Fels_Banck, worauf die %Maldiwischen
Insuln, deren Anzahl sich ohngefähr gegen
1.000. erstrecket, von denen {2- sich -2} der Maldiwische Kö-
nig, obgleich nach der übertriebenen Morgen-
ländischen Sprache, einen Herrn von 10.000.
Inseln nennt, ruhen. Einige Straßen %zwischen
diesen Inseln sind so beschaffen, daß Man

/ gar

/|P_152

/gar nicht durch dieselben %durchkommen kann,
die vornehmste von Ihnen ist, die Insel Mala,
wovon vielleicht auch die Malabarische SPrache
herkommt.

/Die brühmtesten Sandbäncke sind die Dünen,
die bey den Englischen Küsten, ihre Figur
zeigt schon an, daß sie vom Anspühlen
der Meerströhme entstanden sind.

/Rehden nennet Man endlich die Sandbäncke
welche sich in denen Häfen zu ihrer Bedeckung
befinden. Auch haben wir die sogenannten
Muschel-@Brücke@ zu mercken, worauf der gröste
Perl-Fang getrieben wird. Sie ist im rothem
Meere.

/ ≥ §_36. ≤

/Bey der Bau_art des festen Landes, sind 3.
Stücke zu mercken;

/1.) die Landrücken

/2.) die Basseins und

/3.) die Platten Formen.

/Der Landrücken ist derjenige Ort, wo die
höchste Gegend des Landes ist. Der Rücken

/|P_153

/vom Landrücken ist der Berggrad, so, wie der
Rückgrad. Er ist gemeiniglich das Fundament
an Bergen, doch findet man auch öfters auf
ihm keine Berge. Ein allgemeines Kennzeichen
dieselben zu unterscheiden, ist, daß sich auf
ihm die Flüße nach allen Gegenden %ausbreiten
oder scheiteln. Man [[Buache ?]] hat angemercket, daß
dieser Landrücken sich bemühet, die Länder
in Bassins abzutheilen, und zu umgeben.
Ins besondere ist dieses da zu mercken, wo
die politischen Gränzen mit den Physischem
übereinkommen. Böhmen ist ein Land von
solcher Art, es erhällt alle sein Waßer,
von herumliegenden Bergen, die es ein-
schließen, welches durch einen Canal der El-
be wiederum abgeführet wird, und es wür-
de, wann diese Öfnung verstopf werden
Möchte, ein Waßer-Behältniß werden.
Es ist der Fluß Elbe, gleichsam eine Wurzel,
welche aus den Zweigen oder Flüßen, die in
Böhmen entspringen erzeuget wird, wie
das Blut durch die {2- Venen -2}, nachdem viele

/ von

/δLage_U,

/|P_154

/von seinen Partikelchens, von den feinsten Röhr-
chens, die sich bis unter die haut erstrecken in
Dünsten verwandelt und expirirt worden,
nach dem Herzen zurücke geführet wird. Es
sind auch vermuthlich in al@«l»t@en Zeiten die phy-
sischen Gränzen, mit den politischen über-
einge kommen, ehe noch die vielfältigen
Kriege entstanden. Alle Länder wä-
ren erst Basseins, aus denen sich das Waßer
in den Ocean ergoßen hat. Die Büstem
sind {2- auch -2} Bassins, deren ein Theil eingesuncken
ist. Der Ocean ist wohl das größte von
diesen Bassins, welcher von Africa, America
und durch eine Reyhe von Bergen, wie Buasche
bemercket, die unter dem Waßer, von
America bis Africa zu gehen, eingeschloßen
wird. Saara ist eine platte Form, so groß
wie Europa.

/ ≥ §_37. ≤

/Berge sind Erhöhungen über die Oberfläche
der Erde. Sie sind durch die vielen Brüche,
die auf der Oberfläche der Erde entstanden,
vermuthlich erzeuget worden, wie dann auch

/|P_155

/jezt im Kaukas«u»isischem Gebürge, viele Berge
die aus einer thonartigen Materie bestehen, zum
Vorschein kommen, die aber, weil die Natur,
mehrentheils zu ihrer Reife gediehen, eine solche
Härte nicht erlangen Können, als wie die
übrigen Berge, die aus ihrem flüßigem
Zustande, in ihren jezigen übergegangen sind.
Die Berge bestehen entweder aus einem ewi-
gen Steine, welches die Fels_Berge sind, oder
aus Erde und Sand, welches die Sandberge
heißen.

/Wann viele Berge %zusammen sind, so hei-
ßen sie ein Gebürge. Wann aber dieses
Gebürge in einer immerwährenden Linie,
sie mag gerade oder krumm seyn, fort-
gehet, so heißet es eine BergKette.

/Es bestehet aber eine BergKette, aus
einem Stamm, und aus Ästen. Der Stamm
der Berge ist der Art, wo viele Berge bey-
sammen seyn. Andere aber sind Berge, die
aus dieser Linie eigentlich entspringen,
und eine andere Richtung nehmen. Die

/ Schweitz

/|P_155R δZ_20

/δZeichen

/|P_156

/Schweitz scheinet eigentlich der Stamm von allen
Bergen in Europa zu seyn. In Schweden Zin-
gelt sich gleichfalls eine Bergkette um das
ganze Land, von welcher viele Äste ausge-
hen, zwischen denen die Flüße, als welche
von denen Bergketten und dem Landrücken
ausgehen, und von denen Bergen zur Seite
mehr Zuwachß erhalten, sich nach dem
Finnischem Meer_Busen ergießen. Eine
andere BergKette gehet von dem Capo
finis Terrae zu denen Pyrenaeischen Gebürgen,
von da, zu denen Alpen_Gebürgen, und von
da weiter fort. - Noch eine andere
BergKette umgiebt das halbe America;
noch eine anderweitige schließet einen gro-
ßen Theil von Russlandt und das Eis-
Meer in sich. Überhaupt findet Man
Niemahls einen Fels-Berg gantz alleine,
sondern beständig viele zusammen.
Dieselb@en@ werden gegen das Meer zu, immer
niedriger, und auf einer etwas großen
Insel, trift man jederzeit, wenn sie

/|P_157

/länger, als breit {2- ist -2}, durch die größte Länge, eine
Bergkette gehen, als in Surinam, oder wann
sie eben so breit, als lang ist, in der Mitte
einen Stamm von Bergen, deßen Äste sich
nach allen Seiten gegen das Meer erstrecken.
Die Erde welche sich auf %verschiedenen Bergen
findet, scheinet nur zufällig dahin ge-
kommen zu seyn, weil man unter ihnen
Bäume, Muscheln und andere Dinge findet.

/ ≥ §_38. ≤

/Folgende Beobachtungen von den Bergen sind
Merckwürdig.

/1.) Soll die obere Luft, wegen ihrer großen
Dünnigkeit, nicht bequem zum Athem holen
seyn. Allein nachdem viele Mitglieder
der Academie der Wißenschaften zu Paris
sich über 3. Wochen auf dem höchsten Berge
in Peru, und auf der ganzen Erde auf-
gehalten haben, obgleich die Luft {2- daselbst -2} noch
einmahl so dünne, als in Paris war,
und die Luft das Quecksilber um
14. %Zoll in die höhe hob, da es doch zu

/ Paris

/|P_158

/Paris 28. %Zoll stieg, so hat Man wohl angesehen,
daß die Schwierigkeit Athem zu hohlen,
sowohl in der Bangigkeit, die man em-
pfindet, wann man an die Rückkehr
denckt, als auch in der Structur der Mus-
keln, die durch das viele Bewegen
und ausspannen der Lunge hinderlich
seyn, liegen, daß der Athem nicht so-
wohl wegen Dünne der Luft, als zum
Theil aus Ermüdung herrühre, bewei-
set auch dieses, daß Man die Adler
noch über den höchsten Bergen hat %fliegen
sehen, die doch die Luft tragen
muß. Die dunne Luft ist eine
Quelle der Munterkeit.

/II.) Sollen die Leuthe, die um diese Berge
wohnen, sehr starck und tapfer seyn,
und auf alle Weise ihre Freyheit
zu mainteniren suchen. Alleine dieses
kommt daher, weil es in dieser Gegend
sehr leicht ist, sich mit wenigen Leuten
gegen große Corps zu wehren, und

/|P_159

/weil auch die Berge auf ihren SPizen unbe-
wohnt, und unbewohnbahr. Auch in den Thälern
wenige Reichthümer zu hoffen seyn, wenige
nach diesen Gegenden verlangen. Es ziehen
auch die Leute, die sich in diesen Gegenden
befinden, beständig herum, dann %diejenigen
Völcker, welche von Pflanzen leben, sind am
freyestem, weil sie solche allenthalben finden,
die von den Pferden und von ihrer Milch,
als wie die Tartarn leben Können, folgen
gleich nach ihnen. Weniger frey aber sind
diejenigen, die vom Rindvieh leben und
die größten Sclaven sind, endlich solche Völ-
cker, die den Ackerbau cultiviren, weil sie
nicht allenthalben, ein dazu bequemes Landt
antreffen.

/Alles dieses, «hat» <daß> die Einwohner in den bergig-
ten Gegenden starck seyn, und keines weges
die Luft der gröste Unterscheidt zwischen den
Bergschotten und denen Engelländern, und denen
Schotten in denen Niedrigen Gegenden kommt aber
daher, weil leztere sehr weichlich erzogen
werden.

/ III.) Soll

/|P_160

/III.) Soll die Luft in diesen Gegenden die
Ursache von dem Heimweh, der Schweizer
seyn, Maaßen diese, wann sie in andere
Länder kommen, und besonders ihren eigen-
thümlichen Gesang, die Charrager spielen
hören, melancolisch werden, und wann Man
ihnen nicht erlaubt, in ihre Heymath zurücke
zu kehren, sterben.

/Allein dieses kommt

/1.) Von der Vorstellung dieser Leute, welche
sie sich von der Gemüthsruhe, welche in allen
Ländern statt findet, wo die Menschen in
Mehrerer Gleichheit leben {2- her -2}, hernach auch

/2.) deswegen, weil sie hier @m@ehrere Kräfte
anwenden müßen, um ihren Unterhallt
zu erlangen. Dieses ist auch die Ursache
von der Heim{2- weh -2} der Pommern und Westphae-
ler. Es soll auch in keinem Lande der Selbst-
Mord so gewöhnlich seyn, als in der Schweitz.
Da doch dieser nur Mehrentheils die Reichen
betrift, die Schweizer aber doch sehr arm
sind. Es sind aber nur diejenigen, wel-
che in andern Ländern gewesen, und

/|P_161

/schon an ihren Ergözlichkeiten einen Geschmack gefunden
haben, die sich selbst des Lebens berauben, weil
sie solche in ihrem Lande nicht finden.

/Diese Veränderung in ihnen Machet auch, daß sie
alle einmüthig ihr Vaterland nicht so, bey ihrer
Rückkehr, als bey ihrer Wegreyße gefunden
zu haben, und halten also die Veränderung
des Subjects, für die Veränderung der Sachen,
weil sie jene wahrzunehmen nicht im Stande
sind.

/Das Heim{2- weh -2} der Schweizer ist eine Sehnsucht, oder
ein Bestreben mit dem Bewustseyn der Ohnmög-
lichkeit. Es ist beßer, wo gar keine Hofnung ist,
dann alsdann hat Man gar keine Sehnsucht;
sondern man sezt schon sein Gemüth in die Si-
tuation, wo man nicht Mehr zu hoffen hat;
daher ist nichts beschwerlicher, als Kräfte an-
zustrengen, mit dem Bewustseyn der
Ohnmöglichkeit. Das Heimwe{2- h -2} findet be-
sonders da statt, wo schlechte Gegenden sind,
denn je größer die Sim{2- plizität -2} des Lebens
ist, desto größer ist der Affect des Gemüthes
und der Begierden. Die Unzufriedenheit

/ Nimmt

/δLage_V

/|P_162

/nimmt zu, mit unseren Begierden, beson-
ders, wann man sich eines beßeren Lebens <{2- erinnert -2}>
oder sieht, wie es bey andern beßer ist. Die
Familien_Annehmlichkeit ist größer, je dürf-
tiger die Familien sind, und jemehr ihnen
die Natur entzogen hat; jemehr Man aber
mit eigenem Interesse beladen ist, welches im
luxu ist, desto weniger hängen die Menschen
zusammen.

/IV.) Wann man für die Höhe der<1> ganzen<4>
der<2> Oberfläche<3> Erde<5>, die Höhe des Meeres
annimmt, so ist es sehr leicht, die Höhe
der Berge, durch die Trigonometrie zu
finden. Wann sie aber davon weit
entfernet sind, so kann solches wegen der
vielen einschleichenden Fehler, nicht geschehen.
Wann man nun bemercket, daß die Deich-
tigkeit der Luft mit ihrer Höhe, von der
Erde abnimmt, weil sie in den obern Ge-
genden nicht von einer so hohen Luft ge-
drücket wird, und daß überdem in ei-
ner Entfernung von 70. Fuß, die Deichtig- 

/|P_163

/keit der Luft eine Linie abnimmt, so hat
Bern«¿»oulli die höhe der Berge, durch das Baro-
meter, welches ein Instrument ist, die Rich-
tigkeit und Schwehre der Luft zu finden,
zu calculiren angefangen, allein man fand
nachgehends, daß die Deichtigkeit nicht nach
einem gewißen Geseze abnehme, dergestalt,
daß wenn gleich die obere Luft in die
Stelle der untern gebracht, und mit einem
gleichem Gewicht beschweret werde, sie den-
noch keine solche Deichtigkeit haben würde.
Mariotte meinet zwar, daß der Luft soviel
an Deichtigkeit abgienge, als an elastischer
Kraft einen Zuwachs erhielte, indem die
Theile der Erde, die sich in Dünste ver-
wandelt und in der Luft die unten ist,
sich aufhalten, mehr anziehende Kraft haben,
und die Luftheile mehr im Zwange erhal-
ten, es fand sich aber, daß auch dieses Ge-
sez nicht anpaßend war. Dieses sind
nun die Schwürigkeiten, die sich bey Me-
ßung derer Berge ereignen. Die beste

/ Methode

/|P_164

/Methode ist, zu gleicher Zeit auf die Höhe de«¿»s
Berges und am Ufer des Meeres, Observa-
tiones anzustellen, und durch die Verglei-
chung miteinander, ihre Höhe herauszubringen.

/V.) Daß der Berg Pico, einer der berühmte-
sten sey, seinen Schatten weiter, als die
Tangenten «werfe» d. i. über 12. Meilen werfe
und daß um diese Gegend die Luft,
sehr schwarz, von der Reperkutirung des
Schattens gegen die Luft zu, aussiehet.

/VI), daß eine Reyhe von Bergen, jederzeit eine
andre gegen über habe, daß die erst@«en»{2- ere -2}@ das
Vorgebürge seyn, und aus unordentlich
über einander geworfenen Steinen bestehe,
daß die andere Reyhe der Gebürge, das
Mittlere, und die dritte, das Haupt-Ge-
bürge heiße; daß, das Mittlere <{2- mehrentheils -2}> Metal-
artig, und das Hauptgebürge aus Puren
Steinen bestehe, und daß sie auf der
andern Seite wieder auf eben die Arth
fortgehen.

/VII.) Daß isolirte Berge allezeit fürchterlicher

/|P_165

/als Gebürge aussehen, weil die ersten am
Niedrigsten, und die nachfolgenden hohen
davor nicht gesehen werden können.

/ ≥ §_39. ≤

/Die Luft auf den Bergen ist w«ie»eit kälter, als
in d«ie»en untern Gegenden, so, daß das be-
ständige Eis und Schnee, das Kennzei-
chen der höchsten Berge ist. In einer Höhe
von 1/4. Meile ist keine Abwechßelung
der Witterung, sondern ein beständiger
Winter. Hieraus siehet Man, daß der
Zusaz der Sonnen_Hitze, nicht eigentlich durch
die Sonnenstrahlen, sondern viel mehr
durch die Erregung der Erden_wärme hervor-
gebracht werde. Eine solche Erdenwärme
scheinet eigenthümlich der Erde zuzukommen,
weil Man in der Tiefe, wo Man hinein-
gräbt, und die Sonne nicht hereinkommen
kann, noch allezeit warm findet. Die
Wärme wird der Luft so mit getheilet,
wie die Electrische Materie den Federn. Sie

/ scheinet

/|P_166

/scheinet sich nach dem Cubo Diametrorum
auszubreiten und eine feine und subtile
Materie zu seyn, die in alle Cörper hinein
dringet, und mit der electrischen ganz
übereinkommt; außer daß durch diese
die Electrische Würckungen entstehen, wann
diese Materie in einer zitternden Bewegung
geräth; die Wirckungen des Feuers aber
als dann, wann sie von einer Particel,
in da«¿»s andere übergehet.

/Dieses bezeiget, daß es nur 3. Mahl so
warm ist, zwischen der Kälte, wo es am
stärcksten frieret, und wenn es im Som-
mer am heißestem ist.

/Perrault mercket an, daß es alsdenn warm
ist, wann die Dünste ihre Figur
und Form nicht verändern. Das Fahren-
heidsche
Thermometer zeigt die Wärme,
wo das Waßer schon siedet 212. %Grad und die
Grade der Wärme des Blutes 96. %Grad und
im heißen Sommer 70. %Grad an - daß die
Kälte der Luft, {2- und -2} der hohen Bergen,

/|P_167

/vom Mangel der Erd{2- enwärme -2} entstehet,
zeigt an, daß im {2- Sommer -2} auf den höch-
sten Bergen, der Schnee<2> obere<1> liegen bleibt,
der unterste aber schmelzet. In der Zona
torrida erheben sich große Berge und
auf deren SPize, ein ewiges Eiß; Es
wird also die Wärme darunter nicht
so starck seyn, als sie beschrieben wird,
ja nicht einmahl so groß, als in denen
längsten Tagen unter den temperirten Zonen.
weil die Sonne daselbst länger über dem
Horizont bleibet, als in der Zona torrida,
wo die Nacht beständig 12. Stunden lang
ist, und es also eher darinne abkühlen
kann, als in denen gemäßigtern Erdstrichen,
wo die Nächte sehr kurz sind. Es beweiset
ferner auch, daß die Hize im Sommer,
nicht unmittelbahr von denen Sonen_strahlen
herrühret, und daß die Wärme in den
langen Nächten, niemahlen ganz verschwin-
det. Die gröste Wärme ist nicht des
Mittags, sondern gleich Nach Mittag, obgleich die

/ Sonne

/|P_168

/Sonne Nachmittags schon etwas sch{2- wäch -2}er würckt.
Alleine auf die Auf{2- be -2}haltung der vorigen
Wärme, und den Zuwachs der Mittags_Wär-
me, ist die gröst Möglichste Wärme, da-
hero auch die heißeste nicht im Solstitio
ist, wo doch die Wirckung *1 am stärckesten
ist, sondern ein«e»{2- ige -2} Zeit nach dem Solstiti«o»i,
wo die vorige Wärme, die schon die Erde
erhizt, zu dieser hinzukommt, und also die
höchstmöglichste Hize producirt wird, wo
aber Eis und Schnee ist, da kann keine
Hize aufbehalten werden, dahero ist die
Wärme daselbst nur so starck, als
die Wirckung der Sonne.

/Linnée ein sehr wiziger Kopf und ein Nach-
eiferer des Buffons meinet, daß das Paradieß
auf einer Insel in der Zona torrida geweßen,
da alles übrige Land von dem uralten Meere um-
schloßen war,, weil auf den hohen Bergen, alle ver-
schiedene Climata, als *2 «auf» des Meeres der hizi-
ge, auf der Mitte der Berge das gemäßigte,
und oben auf der Spize der Berge d«er»as kalte
Erdstrich anzutreffen gewesen, dahero sich auch ~

/|P_168R δZ_6

/{2- *1 der Sonne

/δZ_20

/*2 am Ufer
des Meeres -2} ~

/|P_169

/alle Arten der Thiere und Pflanzen darinne
haben aufhalten können, und Adam sie auf eine
leichte Art «habe» kennen lernen p und benennen
konnte. Er beweiset es daraus, daß an den
Ufern {2- von -2} Schweden, das Waßer niedriger
werde, und es also auch vorhero gesuncken,
und ferner seiner Meynung nach, so sincken
wird, daß kein Waßer mehr zu sehen seyn
wird. Da nun der Landrücken von der
Zona torrida am höchsten ist, so wäre es
auch zuerst hervorgekommen. Der Schnee
kommt aus einer Höhe von 12.000. Fuß herunter,
und wann Man also weiß, wann der Schnee
in einem Lande schmelzt, so kann Man ohn-
gefehr wißen, wie hoch der Berg ist.

/Es kommt aber die Kälte auf den hohen
Bergen, nicht «einst» daher, weil die Strahlen,
die von den umliegenden Gegenden «nicht einst»
repercutiret werden, nicht auf sie fallen kön-
nen, denn die Landschaft Quitto ist so be-
schaffen, daß sie gleich einem Berge anzuse-
hen ist, indem sie weit höher, als das Meer
lieget; und demnächst zwischen 2. Reihen von

/ Bergen

/δLage_W

/|P_170

/Bergen anzutreffen ist, also als ein weites
Thal anzusehen ist, obgleich hier die Strahlen vor
unendlich vielen Gegenden zurück geschlagen wer-
den, und auf diese Landschaft fallen, so ist es
dennoch in ihr weit kälter, als in den ländern
die unten deicht bey ihr seyn, dahero ihre Ein-
wohner auch weiß aussehen.

/ ≥ §_40. ≤

/Unter der Zona torrida schmilzt der Schnee, in
der Höhe von 2.200. @K@laftern, noch weiter hi-
nauf in der Höhe von 12.000. Fuß «und» end-
lich unter dem Pol, vielleicht Niemahls von der
Erde ab. Es dürfte also der Schnee, aus Wol-
cken, die eben so hoch von der Erde erhoben
sind, herunter fallen. Dahero jemand, der auf
solchen Bergen ist, die Beschaffenheit des Schnees
experimentiren kann. Es scheinet auch vermuthlich,
daß der Regen im Sommer mehrentheils aus
Schnee, wiewohl auch bisweilen aus Regen-
Wolcken herkommt., weil in den oberen Gegenden
beständig einerley Witterung herrschet, daher
auch der H@a@gel, Schnee zu seyn scheinet, deßen

/|P_171

/obere Rinde abgeschmolzen ist. Weil auf der
Spize des Berges Genchenza noch Schnee liegt;
so muß zu weilen der Schnee noch aus höheren
Gegenden kommen. Weil der Schnee auf solchen
hohen Bergen niemahls schmelzt, so haben einige [[¿¿¿]]
davor gehalten, daß der Schnee so alt, als die
Wellt wäre, alleine Man [[¿¿¿]] hat gefunden, daß
derselbe in vielen und besondern Schichten hin-
ter einander liegt, davon der vorderste am lo-
ckersten ist, und hierauf immer fester
wird, ja, daß Man ganz sicherlich des
Schnees Iährlichen Zuwachß erkennen Könne,
gleichwie man das Alter des Fisches, aus
den Zusäzen seiner Schuppen, die Man
durchs Microscop gewahr werden kann,
zu beurtheilen im Stande ist. Er wird aber
durch die Erdenwärme aufgelöset und
fließet herunter. Es geschiehet auch, daß
der Schnee selbst, welcher unten auf der
SPize des Berges ist, ausdünstet, und diese
Dünste mitten durch die <{2- übrigen -2} Schneepartickelgens

/ fortfliegen

/|P_172

/fortfliegen. Man siehet also, daß der Schnee {2- auch -2}
von denen höchsten Gebürgen, nach und nach ab-
gehet und anderer an seine Stelle kommet.
Öfters geschiehet es, auch, daß der Schnee durch
den Staub, welchen die Luft allezeit mit sich
führet, und sich auf den Schnee sezet, der
leztere auseinander gebracht wird herunter-
gestürzet «wird», worauf dann in weniger
als einer Minute, ganze Dörfer unter Schnee
gesezzet werden, und Persohnen verschüttet
sind, die hierauf so gefunden <{2- worden -2}>, als wann
sie einbalsamiret gewesen; ja, es ist zu
glauben, daß selbst nach vielen Iahren
solche Persohnen, wann man viele @rei@tzende
Materien z. E. Niesewurz adhibiren Möch-
te, zum Leben gebracht werden könnten;
weil die Machine ihres Lebens, gleich einer
Uhr, stille gestanden, weil dieser trockene
Schnee, mehrentheils von einer Crystallenen
Kruste zusammen gehalten wird, so kann
dieselbe durch %einen geringen Zufall

/|P_173

/z. E. wann sich ein Vogel darauf sezt, zerbro-
chen werden, worauf denn der viele Schnee, we-
gen Abschößigkeit des Berges herunter fällt.
Diese sind die St@a@ub-la«¿»winnen, welche nur die
Gegenden bedecken, und sind von den rollenden
Lawinnen in dem Stück zu unterscheiden,
daß diese Häuser Bäume, und alles was
ihnen wiederstehet, zerknicken. Wann ein
Schnee_Partickelchen sich an das andere an-
hängt und in Bewegung gebracht wird,
so vereinigen sich mehrere mit ihnen,
welche sich dann endlich in einen großen
Klumpen, ehe sie auf die Erde kommen,
vereinigen. Iene sind deswegen schlimm,
weil man ihnen soleicht nicht entgehen kann,
diesen ist man aber noch im Stande,
wann Man sie zeitig siehet, zu ent-
kommen, dahero Man in der Schweiz ver-
schiedene Anstalten z. E. spizige und {2- nach -2}
einer Seite zugebogene gepflanzte Bäume

/ siehet,

/|P_174

/siehet; In einem Thal, welches selbst erhöhet
und folglich auch daselbst starck frieret, fließt
von diesen hohen Bergen das Waßer herunter;
wann es aber herunter läuft,, so frieret es
schon.. Hieraus entstehen die Eis_Tafeln oder
Eis_Mäntel. - Unter ihnen befindet sich
ein beständiges Waßer, und daher entstehen
auch die größten Flüße. Z. E. der Rhein.
Es sind dieselben öfters bis 20. Fuß dicke
und innerhalb dem Eiße befinden sich
große Höhlen, worinne es sehr finster
aussiehet. Das Eiß, welches überhaupt in
diesen Gegenden angetroffen wird, wird
das Glä{2- tscher -2}-Eis genannt. Sie haben öf-
ters curieuse Figuren und Gestalten
angenommen, so, daß sie öfters oben
eine solche Gestalt haben, als wann die
Wellen des Meeres im Zustande der
Unruhe mit einmal frieren sollten.

/Endlich sind noch die schrecklichsten EisBerge

/|P_175

/welche die Gestalt eines Kuchens haben, und
von dem Abfluß des Waßers von den gro-
ßen und erschrecklichen Bergen, in denen
zwischen ihnen liegenden Thälern entstehen.
Die Wärme entsteht sowohl aus chymischen
Ursachen, wann man nehmlich eine Mate-
rie zu der andern thut, als auch mecha-
nisch, wann 2. Cörper zusamengerieben
werden. Das Waßer in Acken, welches
sehr heiß ist, muß eben so lange, wenn es
gek@o@cht werden soll, über dem Feuer
stehen, als wann es kalt wäre, und wenn
es wieder in der Luft ab{2- gek -2}ühlet werden
soll, so muß es länger stehen, als das
gekochte Waßer. Es hat also chymische
Ursachen, oder {2- ein -2} Principi@ium@ der Gäh-
rung der Wärme, welche durch die
Luft Nahrung bekommt, und dadurch
die fermentation befördert. So geht es
auch mit dem Glät«z»scher_«Waßer»<Eis>, welches

/ ein

/|P_176

/ein Principium der Kälte in sich hat,
wenn es dahero im Waßer aufgelöset
werden soll, so muß es länger stehen,
als das andere Eis, weil es als dann zum
Theil noch immer frieret. Eben so, kann
man auch Kälte aus Chymischen Würckun-
gen hervorbringen, wie P. Braun eine
solche Kälte produciret hat, daß das
Quecksilber gefrohren, da man vorhero
höchstens nur den Salmiac dazu bringen
konnte. - Die Eisberge in der Schweiz
sehen bläulicht aus, so, wie auch die in
SPizbergen, doch nicht so blau als jene.
Wann man ein Stück von diesen Eis-
Glätschern ins Thal bringt, so wird es
ohngeachtet der Wärme nicht aufgelößet,
wann mans gleich einen halben Tag im Wa-
ßer liegen läßt. Dieses machet vermuth-
lich das Salz, welches sich in dem Eiße
befindet, wie denn auch Langhals [[Langhans]],

/|P_177

/ein Landphysicus in der Schweitz, aus denen
geschmolzenem «Eis» und zu Waßer gewor-
denen Eisglät«z»schern, wenn es sich in die
Erde gezogen, einen Spiritus gemachet, wel-
cher eine empfindliche Säure bey sich gefüh-
ret, die aber so baldt Man es geko{2- stet -2}, ver-
schwindet. Auf diese Art kann Man
im Sommer Mitten auf dem Felde Eis-
Keller anlegen, wenn man nehmlich
Schichten weiß Eis nimmt, und Salz
dazwischen streuet, nachgehends aber mit
Erde beleget. Wann die Sonne das Eis
schmelzet, so fällt in diesem Fall das
Salz mit dem Waßer zusammen, und
in Augenblick, «da das Waßer aufge-
löset» wird wieder Eis; weil aber das
Salz im dem Augenblicke, da das Waßer
aufgelöset wird, Kälte hervorbriget,
so verschwindet sie dennoch nach einer l¿gen
Zeit, wann die Sonne lange auf das
Eis würcket. - Hierbey Mercken wir

/ auch

/δLage_X

/|P_178

/auch die Erdstürze an, welche entstehen,
wann die Flüße durch ihren Fall die
Erde von den Felsen, worauf sie ru-
het, wegspülen. Zuweilen aber sind
Berge, welche eine solche Höhe haben,
daß sie füglich mit Schnee bedeckt
seyn könnten. z. E. der Pico, alleine
man findet auf ihnen Niemahls oder
nur dann und wann Eis und Schnee.
Es kommt aber von dem großem Rauch
und Feuer, welches aus allen diesen
Bergen heraussteiget und den Schnee
dergestalt schmelzet, daß er mit einem
solchem Stoß herunter {2- schi -2}eßet, daß er
nicht einmahl die Zeit zum schmelzen
übrig behält. Man [[Brydone]] hat gefunden, daß
auf dem Berge Aetna «@man@ pflegt» {2- fast -2}
die angenehmste Aussicht von der Welt
zu finden, von wo man die sowohl
gebauete Stadt Messina und andere
Länder übersehen Kann. Die Rauhigkeit
der Luft macht auch, daß Man den

/|P_179

/gestirnten Himmel schöner sehen kann, als
man sich vorstellet. Alleine die Einwohner
der dortigen Gegend, als auf dem Aetna
sind gegen solche Reize unempfindlich.
Die Gedanken sind hierbey das angenehm-
ste, alleine der rohe Mensch geht Mehr
aufs Gefühl, als auf die Empfindung
des schönen.

/ ≥ §_41. ≤

/Die Gewitter_Wolcken sind Mehrentheils die
niedrigsten, dahero ist man auf solchen
hohen Bergen, vor allem Gewittern sicher,
und frey, und Man siehet den Blitz
unter seinen Füßen, wie er aufwärts
und Nieder wärts fähret. Es samlen
sich auch die Wolcken {2- @gar@ -2} um die Berge herum,
dahero auch der Pilatus_Berg hiervon %seinen
Nahmen Mons_Pilatus bekommt, weil seine
SPize kegelförmig ist, und die Wolcken
gleichsam den übrigen Theil des {2- Huthes -2}
ausMachen. Es scheinet, als wenn die

/ Berge

/|P_180

/Berge die Wolcken anziehen, denn alle
Wolcken sind electrisch; daher regnet es
auch in den Gebürgen sehr starck, und
die Wälder sind sehr groß, so daß die
Gebürge die Mutter der Wälder sind.

/Zwey Engellaender bestiegen einen Berg in
ihrem Vaterlande, es @um@gab aber selben
damahls eine Gewitter-Wolcke; da
sie nun durch dieselbe hindurch %steigen
wollten, so muste der eine von ihnen
durch die in den Wolcken enthaltene
Dünste ersticket werden. Fürchterlich
soll es auch auf den Bergen {2- auch -2} deßwegen
aussehen, weil man sowohl über, als
unter denselben, das Blaue des Himmels
siehet. Wann Man auf ihnen einen Pi-
stohlen_Schuß thut; so ist es, als wenn
ein Stock zerbrochen würde, nach einer
langen Zeit kommt er, nachdem derselbe
von allen Winckeln und Gegenden rep@er@

/|P_181

/cutiret worden, und ein hundert fältiges
Echo zu wege gebracht, mit einem erschreck-
lichem Krachen zurück.

/ ≥ §_42. ≤

/Hölen befinden sich nur in Felsbergen und
es giebt sowohl natürliche, als künstliche.
die leztere Machen wohl die sogenannte Berg-
wercke aus. Wenn in diesen Hölen die
Erdschichten horizontal fortgehen, so hei-
ßen sie Stollen, wann sie aber vertical
fortgehen, so werden sie Schachten genannt.
In Stollen findet Man die Bruch und
Marmor-Steine, das <{2- Stein- -2}>Salz und die Stein-
Kohlen in Engelland. Sie sind öfters so
groß, daß ganze Städte darinne Raum
haben. In Engelland gehen die Stein_Kohlen¥
Wercke bis unter das Meer, wo die größ-
ten Kriegs_Schiffe darüber gehen, sie
werden aber von großen Pfeilern, von
eben der Materie unterstüzet. Das Stein- 

/ Salz

/|P_182

/Salz findet Man zu weilen zu Wielicza in
Pohlen. Endlich ist zu mercken, daß in
der Länge, wenigstens bey den Stollen
kein Ende zu finden ist, wann Man
gleich eine Meile weit, wie in Wielicza
fortgegangen ist, und die Gränzen von
beiden Seiten determiniret hat. Sie
werden in die Haupt und {2- Stech- -2}-%Stollen
eingetheilet. In jenen %kommen alle Stollen
zusammen und gehören der Landeshoheit,
die andern Privatis. In Schachten findet
Man die Metalle, deren Ende Man jeder-
zeit, weil sie nehmlich Kegelförmig zuge-
hen, finden kann. Unter die Natürlichen
Hölen, ist die Martins_Höle in der Schweiz,
wo das Licht zur SommersZeit gerade
in dieselbe fällt und eine andere
auf dem Pilatus_Berge, zu mercken. Weil
öfters eine Kälte, bloß von einem
Winde, welcher Dünste bey sich führet,
verursachet wird, so ist es auch kein

/|P_183

/Wunder, daß es in diesen Hölen sehr
kalt ist., weil ein beständiger Wind da-
rinnen herrschet. Außerdiesen ist noch die
berühmte Baumanns_Höle, wegen der in
Stein verwandelten Tropfen zu mercken.
Man will darine baldt einen Mönchen
am Taufstein, wo viele Pathen gestanden,
bald etwas anders darinne observiret haben.
Es findet sich in dieser Höle, eine Arth
von Kalkspath; weil nun die herein-
fallende Tropfen denselben gleich auflösen;
so werden diese, wann das wäßerigte
aus{2- ge -2}dünstet, versteinert, und pflegen
Mehrentheils gleich dem Einse sich im
Röhren zu formiren. Eben so gehet es
mit dem Marmor, wenn der Mine-
ralische Spiritus bey seiner Erzeugung
dazu kommet, so macht er daß die
Farbe des Marmors höher wird, und
ein jeder nach seiner Einbildung darin

/ obser

/|P_184

/obseviret. Noch ist eine Höle zu mercken,
in welcher viele Nahmen eingeätzet stehen,
und über den Stein erhoben sind, weil
nun hierinn Harz gewesen, und durch
die Öfnung hervor gedrungen; so ist da-
ßelbe durch die Länge der Zeit erhärtet,
woraus man fälschlich das Wachsthum
der Steine geschloßen. Es giebt eine Höle
in den karpatischen Gebürgen, worinne
eine Witterung, die derjenigen, die
auf der Oberfläche ist,, ganz entgegen
befunden wird, so, daß wann hier der
Winter anfänget, in der Höle laulicht
wird, und wenn es oben am %stärcksten
frieret, daselbst Graß wächßet und
so warm wird, daß sich die wilden
Thiere dahinn retiriren; wann es da-
gegen auf der Erde warm wird; so
fängt es an in der Höle kalt zu wer-
den, bis zu der Zeit, da es oben

/|P_185

/am wärmsten ist, unten Eiszapfen, die wie
eine Tonne dick sind frieren, dahero
auch die Ungarn selbige brauchen, um
ihre Getränke kalt zu erhalten. Um ein
Getränke kalt zu erhalten, muß Man den
Krug mit Naßen Tüchern umgeben,
und in den Wind hängen, wo es dann
ganz kalt wird.

/Hieraus sollte Man schließen können,
daß wann an einem Ende kalt wird
das andere in den Zustandt der Wärme
übegehet. Es möchte auch eine Art
Gewißheit von der Wahrheit dieser
allgemeinen Formal entstehen, wann
Man nur noch beweisen könnte, daß
wenns an einem Ort wärmer wird,
es in dem entgegen gesezten auch kälter
werde. - Die Thermometer zeigen
in einer Schmiede, wo es heiß geworden

/ ist,

/δLage_Y

/|P_186

/ist, Kälte an, und ein heißes Ei{2- sen -2} wird
an dem einem Ende noch heißer, wann
Man das andere Ende, in kalt Waßer
steckt. Man hat im Sommer einige Fuß tief
unter der Erde Waßer vergraben und darüber
ein starckes Feuer gemacht, worauf es plözlich
sehr kalt geworden; daher scheint das Feuer,
welches über etwas ge@m@acht wird, das unter
ihm vorhandene kalt zu machen, und dasje-
nige, was unter {2- et -2}was gelegt wird, daßelbe
warm zu machen. Diese Erfahrung scheint
gleichfals den vorhinn angeführten Satz,
zu bestätigen. Was die Luft in diesen
Hölen anbetrift, so findet sich daselbst
ein großer Haufen Dünste, die der Ge-
sundheit theils schädlich, theils nüzlich sind,
Es soll auch in einige Hölen eine sehr
warme Luft anzutreffen seyn, welche von
einer Schichte Schwefel_Kies, der von ohnge-
fehr entblößet worden, und den die

/δAdickes

/|P_187

/freye Luft ausgewittert hat, entstehet - 
Aus diesem Kies wird unser mehrester
Schwefel gesotten - %.Monsieur de_Meran [[Mairan]]
führt an, daß wie die Leute in ein
Bergwerck @kamen@, so war die Luft kalt,
weiterhinn nahm die Wärme zu, so,
daß er zulezt glaubte, unten müßte
Feuer seyn; allein wann die Hize in der-
selben Proportion zunehmen sollte, so
müste sie im Centro, da hier nur eine
kleine Tiefe war, etliche Tausend mahl
stärcker seyn. Im Rombal«d»sberg im
{2- Harz -2}gebürge ist es eben so heiß, und ei-
ne Quelle von Waßer ist so kalt, daß
Man es nicht in den Zähnen %halten kann.

/Die große Kälte ist eine Würckung von
dem vorbey fließen des Waßers durch
Gyps und Stein. Eben dieser [[Mairan]] sagt auch,
daß die Hize in den Bergen entstanden,
da die Schachten angeleget worden, durch

/ welche

/|P_188

/welche der Schwefel_Kieß entblößet wür-
de. Das schädlichste von den D{2- ämpfen -2}
ist der Bergsch<{2- w -2}>aden, welcher allein genommen
tödlich, mit andern Materien aber zusammen
genommen gesund, ja das beste unter al-
lem Ingredienzen im %Gesundbrunnen ist.
Ein jeder «¿»Vogel, der über eine mit
Bergschwaden gefüllte Höle fliegt, auch
ein jeder Mensch, der ihr zu nahe kommt,
muß davon augenbliklich sterben. Er
befindet sich auch öfters in alten Brunnen,
wie es nicht längst in Litthauen bey
Grabung eines solchen %Brunnens geschehen.
Man muß folglich zur Praecaution ein
b@rennen@d Licht in den Brunnen herunter
laßen, wann dieses ausgehet, so ist
dieses eine Anzeige vom Daseyn de@s@
B@er@gschwa¿dens, bleibts aber brennen,
so ist er davon bef@re@yet.

/|P_189

/ ≥ §_43. ≤

/Obgleich der von der Petersburger Academie
der Wißenschaften nach Siberien geschikte
P. Mallin [[Gmelin]] 3. Grade vom Polar_Zirckel
einen Brunen graben gesehen,, worinne das
Erdreich bestänndig %gefrohren war, so hat
Man dennoch durch häufige %Betrachtungen
gefunden, daß in Hölen von 300. Fuß
tief, und immer weiter in allen %Gegenden
der Wellt, eine solche gemäßigte Keller¥
Wärme, wie in dem Keller des Observa-
torii zu Paris, anzutreffen sey. Obgleich
diese allgemeine Beobachtungen, durch
durch die {2- angeführte -2} besond@ere@ Erfahrung
eingeschränket werden. Wann wir {2- nun -2} hieraus
schließen, daß in der Erde durch und
durch, eine Wärme anzutreffen sey,
so entstehet die Frage: woher entstehet
diese aber? «Z. B.» Sie kann keines weges
von der Sonne %herkommen, weil die von

/ ihr

/|P_190

/ihr erregte Hize, von der auf den Tag fol-
genden Nacht, und auf den Somer folgenden
Winter gänzlich zerstreuet wird. Wann nun
die Erde die Gestalt einer Sphaeroide <{2- daher -2} %be-
kommen, daß sie sich um ihre Axe be-
wegt, und ihre Theile im Aequator einen
weit größeren Weg zu laufen und eine
weit größere Schwungs-Kraft zu em-
pfinden haben, als die unter denen
Polen; so würden sie in ihrer Schwere
vermindert, obgleich, wie Newton gewie-
sen, die Schwungs_Kraft unter dieser
Linie nur der 228te Theil der Schwehre ist,
damit diese Materien aber einerley
Schwehre behielten, so mußte die Materie
unter dem aequator höher werden, als
unter den Polen, damit sie dieser die
Waage hielten; so muß sie vorhero im
flüßigem Zustande gewesen seyn.

/|P_191

/weil nur flüßige Materien diese Ei-
genschaften haben - dann diese gro-
ße Wahrscheinlichkeit, läßt es nicht zu,
daß Man glauben sollte, die Erde
wäre unmittelbahr so, wie sie jezt ist
hervorgebracht - Ist sie aber flüßig
gewesen, so müßen ihre Theile eine
Natürliche Wärme, damit sie in Ver-
bindung bleiben, gehabt haben. In ihrer
Anziehung werden auch die hizigsten Theile
sich vermuthlich nach dem Centro gesenkt
haben, dahero wir in demselben zwar
nicht ein eigentliches Feuer, aber
doch eine andere hizige Materie z. E.
in Fluß gebrachte Metalle, in das
Centrum hinein sezen dürfen, weil ei-
gentliches Feuer sich nicht ohne Luft
erhalten zu %können scheint. Ehe wir aber
das innwendige der Erde erwägen,

/ müßen

/|P_192

/müßen wir die 2. großen Phoenomena
das Erdbeeben und die Feuerspeyende
Berge betrachten.

/ ≥ §_44. ≤

/Es giebt tief in der Erde liegende Hö-
len@«,»@, das zeigen die Erdbeeben, und
da diese öfters durch ganze Wellt-
Theile durchlaufen, so müßen sie sehr
tief seyn. Vor dem Erdbeeben gehen
viele verschiedene Prognostica vorher,
die aber nur von %denen Einwohnern *, wo
die Erdbeeben häufig sind, bemerckt
werden, diese sind:

/I.) Die Menschen fangen an schwindlich zu
werden. Dieses kann nicht vom
schaukeln der Erde herkommen, weil
dieser Zustandt vor dem Erdbeeben
vorhergehet, sondern vermuthlich
von gewißen Dünsten, die von
der Erde hervorsteigen; dieses beweiset ~

/|P_192R δZ_11

/{2- * der Länder, -2} ~

/|P_193

/auch

/II.) Daß alle Thiere vorhero unruhig werden,
diese haben überhaupt eine feinere Wit-
terung, als die gesitteten Menschen, ja
auch die Wilden übertreffen hierinne
die gesitteten Menschen.

/III.) Daß Razen und Mäuse, wie auch

/IV.) Am Ufer des Meeres, alle Gewürme
aus ihren Löchern hervorkommen.

/V.) Daß sich in der über sie erhobenen
Luft <{2- Metheoren -2}> erzeigen. Es herrscht zu dieser
Zeit Mehrentheils eine Windstille.
Diese Merckmahle zeigen an, daß
mit der Luft eine Veränderung
vorgehet. Die Erdbeben kehren sich
an kein Clima; besonders wüthen
sie an denen Gebürgen, wo die Ge-
bürge mit denen Küsten Parallel
laufen, da ist der Schau_Platz der
Erdbeben.

/δLage_Z

/|P_194

/Ist die Ursache der Erdbeeben Nahe an der
Oberfläche der Erde, oder tief in dem
innern derselben? Hierinne wollen sich die
Physiker noch nicht einigen. Lehmann
erklärt es durch den Kies@«-Stein». Wenn@ Man
Feilspäne mit Schwefel vermischt und ver-
gräbt; so hizet es auf und speyet
Feuer. Aber in der Erde giebt es k@ein«-
ne»@ Eyßen. Aller Schwefel wird aus
Kies geschmolzen, und das Kies wird
durch die Luft erhizt. Aber wie will
man hier{2- aus -2} den Zusammenhang der «Luft
erk¿hren»? Erdbeben erklären? Bey
Zwickau brennt @«zE»ein@ Stein_Kohlen-Berg-
werck schon seit 100. Iahren, und kann
noch viele 100. Iahre brennen, wie
langsam gehet das, wie schnell dage-
gen das Erdbeeben. Es muß also
die Ursache nicht @Mehr \ Nahe@ an der Ober-
fläche, sondern tiefer zu suchen seyn.

/|P_195

/Unsere Erde ist flüßig gewesen, Man
findet keinen Cörper in der Wellt,
der nicht Zeichen seiner vorigen Flüßig-
keit an sich haben sollte. Alle Steine,
unsere Knochen sind erst flüßig ge-
wesen, die Bäume sind aus einem
flüßig«t»em Saft entstanden. Ein jeder
flüßiger Cörper wird aber {2- erst -2} @a@uf
der Oberfläche hart, also wurde die
Krust der Erde auch zu erst fest, und
so gieng es immer weiter zum Centro
hinn. Ieder Klumpen trocknet erst von
außen. Ist die Erde jezt schon ganz
fest, durch und durch, oder ist sie
in ihrem Innwendigem noch flüßig.?
Es ist wahrscheinlich, daß in der Mit-
te der Erde ein Chaos, ein weiches
Wesen ist, wann aber die Erde ganz
fest seyn wird, so wird sie auch auf- 

/ hören

/|P_196

/hören {2- be -2}wohnbar zu werden. Dann aus
dem Innwendigen steigen noch Dünste
auf, die der Erde die Fruchtbarkeit
geben. Wäre die Erde fest, so könnte
auf der Erde keine andere Verände-
rung geschehen, als durch Sonne und
Mond. Da aber unsere Witterung
und andere Veränderungen unabhängig
von Sonne und Mond ist, so muß unter
unsern Füßen die Ursache liegen.

/Bey dem Erdbeeben selbst bemercken wir

/I.) Eine schauckelnde Bewegung, diese in den
Etagen hoher Häußer, auf hohen Thürmen
und Bergen besonders zu mercken, weil die-
selbe im Schauckeln einen großen Bogen beschrei-
ben. Wann die Schauckelung lange anhält,
so werden sie in ihren innern Theilen erschüt-
tert, und fallen um. Es wird die Erde
von einer Materie unter ihr, gleichsam
aufgeblähet, und weil sie immer nach einer

/|P_197

/Seithe fortgehet; so sagt Man, daß die Erd-
beeben einen besondern Strich halten, welches
Man aus der Bewegung derer Kron-Leuchter,
und dem Umfallen der Stühle, nach welcher
Seite sie nehmlich fallen, beurtheilet. Das
Meer erhält öfters gleichfalls eine Schaucke-
lung, die mit der Ebbe und Fluth gar
keine Verwandtschaft hat, und zwar weil
an einer Seite der Boden niedriger wird;
fällt daselbst auch das Waßer, und weil
es an der andern höher war, so fällt es
gleichfalls, damit es in ein Gleichgewicht
komme. Es ist aber solches bey Waßern
die da weitläuftig sind, nicht zu mer-
cken. Wann in denen Straaßen das
Erdbeeben nach der Länge fortgehet;
so werden ganze Straaßen zerstöret, weil
sich die Häußer von einer Seithe zur an-
dern schl{2- en -2}kern, und einmahl über das andere
an einander stoßen; gehts aber nach der

/ Breite

/|P_198

/Breite der Straaßen fort; so werden die
Häußer, weil sie sich einstimmig bewe-
gen, erhalten, weil eigentlich das Umfallen
und Umstürzen derselben, von dem Fort-
rücken der sich aufblähenden Erde herrüh-
ret.

/II.) Sind auch selbst Stöße, welche nur in
einer Zwischenzeit vernommen <{2- werden -2}> und <{2- die -2}> nicht
länger, als höchstens eine Secunde wäh-
ren, zu mercken. Auf der See empfin-
den die Schiffe nur allein die Stöße,
welches ihnen deßwegen fürchterlich vorkommt,
weil sie dadurch an den Boden des Meeres
gebracht zu werden, glauben. Die Ebenen
sind der Gefahr des Erdbeebens nicht so sehr
exponiret, als die gebürgigte Länder, da-
hero Man in Pohlen und Preußen Nie-
mahls etwas davon bemercket. Sie breiten
sich ferner nach und nach zu weit entlegenen

/|P_199

/Örtern in einem immer währendem
Striche fort und aus, so, daß sie in
kurzem von Lissabon aus, biß nach der
Innsel Martinique fortgehen. Merckwürdig
ist dieses, daß sie einen Weg Nehmen,
welcher dem Striche derer Gebürge fast
gleich kommt.

/ ≥ §_45. ≤

/Feuerspeyende Berge kan man als Canonen
betrachten, durch deren Mündung eine ihnen
angemessene Ladung hervorgeworfen wird,
derjenigen, welche eine zu denen ältesten
Zeiten schon gekannt hat, ist der Vater der
feuerspeyenden Berge, der Aetna, er ist
12.000. Fuß perpendiculair über der Ober-
fläche des Meeres. Seine SPize ist also
mit Schnee bedeckt; seine Basis ist vie-
le Meilen {2- weit -2}; an seiner Seite sind
andere Er{2- uptionen -2} oder kleine Berge, au-
ßer dem @K¿@rater oder Kelch, die aber doch

/ alle

/|P_200

/alle größer, als der Vesuv sind, und wo-
von ein jeder seinen Krater oder Rachen
hat. Er hat nicht zu allen Zeiten Feuer ge-
spyen, sondern war einige hundert Iahre
ruhig. Einige von seinen kleinen Ber-
gen sind mit Wäldern bewachsen, die
einen Krater zeigen. So weit die Ge-
schichte der Römer reichet, hat Man schon
Nachricht, daß der Aetna gespyen. - 
Wann er zu speyen anfangen will; so
höret Man um und in Neapel, unter
der Erde ein großes Krachen und Raßeln,
als eines Wagens. Hierauf erhebt sich
aus der Oefnung des Berges eine Säu-
le von Dämpfen, welche«r» am Tage wie
Rauch und in der Nacht, wie Feuer aus-
siehet, sonst aber wie Plinius berichtet,
als ein Baum gestaltet seyn soll, w«o»ie
dann der Rauch anfänglich als eine Säule

/|P_201

/heraufsteiget, dann aber von der Luft
nach allen Seiten hingedrücket wird.
Dann wirft er eine unbeschreibliche Menge
Asche {2- aus -2} und es folgen große Steine,
worunter auch viele Bims-Steine anzu-
treffen sind; öfters kommt auch aus ihm
eine ungeheure Quantität heißes Wa-
ßer, als dann quillt endlich eine große
Lawa hervor, welches ist, die geschmolzen
und öfters Metallartig ist, so, daß auch
die Neapolitanischen Goldschmiede, oft et-
was Goldt hervorbringen. Mehrentheils kommt
diese Lawa so dick, als ein Berg hervor, manch-
Mahl ist sie auch so flüßig, daß sie in kur-
zer Zeit einige Meilen fortrücket; endlich er-
härthet sie sich, so, daß sie in Neapel zum
Straßen_Pflaster gebrauchet wird. Es ist aber
die Lawa des Aetna und Vesuvs einiger Maa-
ßen * unterschieden. Der Auswurf des Aetna

/ geschiehet ~

/|P_201R δZ_19

/{2- * von einander -2} ~

/δLage_AA

/|P_202

/geschiehet Mehrentheils nur nach der Südlichen
und Westlichen Seite, und weil einige Wei-
ne zum gutem Fortkommen «einigen» einen
steinigen Boden erfordern, so findet Man
auf seiner Nördlichen und Östlichen Seite
die schönsten Weine, und unter {2- der -2}selben die
sogenannte Lacryma_Christi. Wann der
Aetna nicht so Nahe am Meere wäre; so
würde er weit größeren Schaden anrichten,
als jezo geschiehet.

/Der Vesuv hat nicht von je her Feuer ge-
worfen, sondern war ein schöner mit
{2- Wald -2} bewachßener Berg, und hat von Erbau-
ung der Stadt Rom bis auf den Vesp@a@sian
nicht gespyen, * und darauf wieder 500. Iahr
geruhet und wieder bewachßen. Die ersten
Nachrichten von seinem Auswurfe, haben
wir von der Zeit, da die Stadt Herculanum ~

/|P_202R δZ_13

/{2- * kann aber
wohl vorher ge-
spien haben
zu Vespa-
sians
Zeiten
hat er gespien -2} ~

/|P_203

/mit seiner Asche {2- be -2}decket wurde. Man hat
diese leztere seit einigen Iahren im Graben
entdeckt, und darinne viele Haus_Mobilien
worunter auch einige Bilder sind, von denen
Mehrentheils die Farben noch ganz frisch sind,
nur kein Licht und Schatten kann in ihnen
ausfündig gemacht werden; viele derselben
findet man al_fresco oder in gegypsten
Kalck gemahlen. Bücher findet Man sehr
selten darinnen, und da selbige auf
Schilf geschrieben, und in Rollen zusam-
men gewickelt sind, * so muß die größte
Behutsamkeit angewandt werden, selbige
auseinander zu bringen, daher ein Mönch
öfters 3. Wochen zubringen muß, nur
um einige Zoll an ihnen auseinander zu
bringen, daher sich auch solche Arbeit sehr
gut für die Mönche schickt. Merckwürdig
ist es auch, daß die Nahmen, welche die

/ Alten ~

/|P_203R δZ_12

/{2- * auch durch
die Asche
ganz @locker@
geworden sind: -2} ~

/|P_204

/Alten den Büchern gaben, mehr vom Schilf,
Bast und Baumrinden herkommen. Da
Man auch jezt das Amphitheater gefunden,
und keinen Menschen darinne erblicket,
wie man dann nur überhaupt 2. darin-
nen «erblickt» angetroffen, daher die übri-
gen sich noch zur rechten Zeit reteriren und
selbst alle Alte und Kinder haben mitneh-
men können; so muthmaßet Man, daß
sie damahls nicht im Amphiteater gewesen,
wie mans in denen alten Schriften findet.
Nachdem man selbst, biß unter diese
Stadt weiter nachgegraben, nehmlich nicht
durch, sondern zur Seithe der Lawa, so
hat Man noch weit«ere» ältere Lawa gefun-
den, dahero derselbe schon länger ausge-
worfen haben muß, und weil der Vesuv
Mehrentheils als dann auszuwerfen anfängt,

/|P_205

/wann der Aetna aufhöret, so müßen
beyde Communication miteinander haben,
der Berg Heckla auf der Insul Island,
die Mehr nach America, als nach Europa
gehöret, und davon die eine Helfte unter
der Zona «torrida» temperata, die andere
aber unter der Zona frig«¿»ida liegt, wirft
eine große Menge von Asche und Waßer
aus, das von der erstaunenden Menge des
auf ihm liegenden Schnees herkommt. Man
will aber auf ihm keine Lawa ge{2- sehen -2}
haben. Der Berg Catapaccio in America
unter dem Cordillarischem Gebürgen, hält
im Speyen, ordentliche Zwischen_Zeiten und
Pausen. Man kan ihn also, und alle
dergleichen Berge, als Kalckofens, mit
einer einzigen Öfnung ansehen, indem
das Feuer, die Luft durch seine Electricitaet

/ aus- 

/|P_206

/ausjaget; so kann es darauf ohne Luft
nicht brennen; es begiebt sich also die Luft
wieder hinein, und das Feuer fängt wie-
der an, rege zu werden. Die Feuerspey-
ende Berge sind Niemahlen alleine, son-
dern mit vielen verbunden, sie sind auch
sowohl in der Zona torrida als frigida,
wiewohl hier nicht so häufig, als dort.
Man findet auf einigen Bergen große
Höhlen, und in denselben viel@en@ Rauch,
es müßen also diese Berge vormahls
Feuer gespyen haben, und nachgehends
ausgebrannt seyn, wie dann auch gantze
Inseln ausgebrannt sind. Bey Cölln, an
den Gebirgen siehet Man SPuhren von
Kratern, in diesen Kratern sind Waßer-
Teiche, die doch erst Feuer werfen, und
nachhero noch werfen können. In Heßen sind {2- viele -2}
Kraters, und man verkauft auch dorten

/|P_207

/Troß_Steine, * welche nichts anders sind, als die
Taffa der Italiaener.

/Es kocht in einem solche Berge, ehe er Feu-
er auswirft. Der Rauch der Vulcane soll
electrisch seyn, indem er eben so blizt, wie
die Gewitter-Wolcken, und mehr Schaden thut
als der Aetna selbst. Beym Auswurf selbst
ist immer ein Plaz_Regen. Die Lawa
fließet wie Brey aus dem Rachen der Vul-
cane, sie ist ganz zähe und fließet ganz
langsam. Die Lawa, die aus dem Aetna
fließet, ist so groß, als 4. Berge des Ve-
suvs, in der Nacht glühet sie, wie Feuer,
wann sie hart wird, so ist sie wie Stein,
wovon die Kirchen gebauet werden; allein
wann eine Neue Lawa auf eine solche
Kirche fließet; so schmelzet sie die alte,
wovon eine solche Kirche gebauet war, so,
daß die Kirche mit wegfließet. Oft wen-
det sich der Strohm der Lawa, durch eine

/ ihm ~

/|P_207R δZ_2

/{2- * womit man
unter dem
Waßer mau-
ren kann, -2} ~

/|P_208

/ihm entgegen gesezte Hinderniß, besonders
wann man ihn den Weg {2- bahnet -2}, als
z. E. in Batavia, wo sie vorbey ins Meer
fließet. Auf der Lava will sich
nicht so leicht die Erde fest sezen, obgleich
die Gegend und der Berg, wo die Asche ist,
<sehr> fruchtbahr und von Bäumen bewachßen ist,
deren Durchschnitt 80. Fuß ist. Wo ist aber
die Erde auf die alte Lawa gekommen?
Die Erde hat sich nach und Nach generiret,
dann auf dem glattesten Steinen gen@er@irt
sich was. Die Luft bringet erst Staub,
und {2- da -2} sezt sich immer Mehr dazu, biß endlich
Erde wird, welches aber sehr lange dauren
Muß. @Binlo@ [[Brydone]] sahe eine große Lawa, die
noch keine Erde hatte, und sagte: sie mü-
ste noch Jung seyn. Obgleich sie seit dem
Punischen Kriege gefloßen war. Wann man
Cat@anea@ einen Brunnen gräbt, so ko@mm@t Man
durch 5. oder 6. Schichten von Lawa, die mit

/|P_209

/Erde bedecket war, und Builo [[Brydone]] sagt: daß
hierzu 16.000. Iahre erfordert würden. Moses
giebt das Alter des Menschlichen Geschlechts an, aber
nicht das Alter der Erde. Die Erde mag sich schon
einige hundert Iahre gebildet haben, dadurch
darf Man sich nicht einschränken laßen, den
Physischen Gründen Raum zu geben; bey
Gott ist eine Zeit, wie der Tag zum Schaffen
zu viel, und zur Ausbildung der Erde zu
wenig.

/In Peru sind viele Vulkane, und man sieht,
viele Schichten von Lawa, die mit Erde be-
wachßen sind, worauf wieder Neue Verwüstun-
gen folgten. Dieses ist die Ursache, warum
das Menschliche Geschlecht, nicht einen festen Fuß
zur bürgerlichen Verfaßung, hat faßen können.

/ ≥ §_46. ≤

/Wann wir nach die Ursachen fragen, woher
die Erdbeeben entstehen, so meynen einige
Physiker dieselben aus %Chymischen Gründen herzu- 

/ leiten

/δLage_BB

/|P_210

/leiten, als wann sie durch die Elacticitaet
hervorgebracht werden, da«¿»ß der Schwefelkies, <{2- welcher -2}>
an der freyen Luft verwittert, und der Regen,
der nachgehends darauf gefallen, davon
die Ursache sey. Da aber der Schwefelkies
nur in wenigen Schichten angetroffen wird,
das Erdbeeben auch durch so weite Länder
nach entfernten Örtern sich hinziehet; so
dürften sie vielmehr aus Mechanischen Ursa-
chen herzuleiten seyn. Das Kochen und Ras-
seln um und in Neapel, gleicht dem Win-
de, welchen wir in der Luft über dem
Erdboden hören; dahero dürften es vi@e@lleicht
Dämpfe seyn, die sich durch alle unterirr-
dische Hölen durchziehen, und einen Aus-
weg auf die Oberfläche * suchen. Die Luft
kan sehr zusammen gedrückt werden, und
wird dadurch elactischer; man [[¿¿¿]] hat so gar
ausgerechnet, daß die Luft, welche von ei@ner@
andern LuftSäule, d«¿¿»ie den 7%ten Theil des <{2- halben -2}> Erd-  ~

/|P_210R δZ_16

/{2- der Erde -2} ~

/|P_211

/Diameters beträgt, so dichte wie Gold gemachet
werden. Es würde aber die Schwürigkeit entste-
hen, ob die Atmosphaere von den Dünsten unter
der Erde nicht als dann vergrößert würde;
alleine sie scheinet einen eben so großen Ab-
gang zu leiden, als sie Zuwachs erhält, indem
die Schwefel_Dämpfe eine sehr große Quanti-
taet Luft verschlucken; es g«i»ehet überdem «eine»
sehr viele Luft auf die Transpiration
der Menschen, Thiere und Pflanzen, und so
hat Man [[¿¿¿]] gefunden, daß die Luft einen
sehr großen Theil, am Gewicht des Menschen
habe; man findet auch die Luft, so, wie
das Waßer, so, voller fremden Materien
daß Man nicht weiß, welches Gewicht, der
Luft zuzuschreiben ist. Es ist auch sehr wahr-
scheinlich, daß «sich» alles, was sich über un-
serem Haupte repraesentiret, vorhero unter
unsern Füßen gewesen. Wir finden auch

/ solche

/|P_212

/solche Feuerspeyende Berge in der See,
und daß dieselben, weil der Rauch erst sehr
späthe durchs Waßer durchbrechen kann,
nicht so zu mercken ist; auf diese Arth sind
ohnlängst 2. von denen Antillischen Inseln
entstanden, und es läßet sich also hiervon
auf die Entstehungs-Arth aller Inseln
schließen. Es läßt solches der Rauch, den Man
öfters in der See wahrnimmt, nebst denen
observirten Bimms_Steinen sehr vermuthen,
daß es auch in der See feuerspeyende
Berge giebt, und daß es also nothwendig
mechanische Ursachen von ihnen seyn müsten.
Die Erde scheinet sich von oben zuerst ausge-
arbeitet zu haben, in dem Innwendigem
aber noch lange nicht zu ihrer Reife %gekommen
zu seyn, daß noch Theile nach dem Centro
der Erde gezogen werden, einige %Partikelchen
sincken, andere fallen, ja, es hat das An- 

/|P_213

/sehen, als wann die Erde aufhören würde
bewohnbahr zu seyn, wann sie gänzlich zu ih-
rer Perfection gediehen seyn wird, weil
als dann keine Pflanzen, Bäume p wachsen
würden, wann keine abwechselnde Witte-
rung{2- en -2} wären, und sonst nichts, als Sonne,
Mond und Sterne auf der Erde würcken
würden. In diesem chaotischen Zustande
des Eingeweides der Erde, müßen noth-
wendig unter die zur Reife gediehene
dicken Rinde der Erden, viele Höhlen
und Gänge eingeschloßen seyn, in welchen
die Luft eingeschloßen wird. Und diese«s»
scheinet es zu seyn, die durch die Feuer-
speyende Berge ihren Ausweg suchet, und
durch ihre Gewalt, eine große quantitaet
Materie vor sich hertreibet; diese scheinet es
zu seyn, welche die Erdbeeben verursachet,
und also eine Hervorbringerin, so wohl

/ des

/|P_214

/des Erdbeebens, als * der Feuerspeyenden Berge
und ihres Auswurfes zu seyn, da selbige
eine Communication haben müßen, indem
Man findet, daß, zu der Zeit, wann ein
Erdbeeben aufgehöret hat, der Aetna zu
speyen anfänget. Aber umgekehret kan
man nicht sagen, daß, wo Feuerspeyende
Berge sind, auch Erdbeeben seyn müsten.
Die Erderschütterungen und die Auswürfe
wechßeln, die Auswürfe leeren das un-
terirrdische Feuer aus, und sind denen
entlegenen Gegenden heilsam, obgleich sie
die nahen verwüsten. Weil man nun
Niemahls die Tiefe, aus welcher die Materie
der Feuerspeyenden Berge geworfen wird,
entdecken kann; so muß die Kruste der
Erde erstaunlich dicke seyn. Wann wir
nun annehmen, daß selbige aller
Orten gleich dicke ist; so sehen wir zugleich ~

/|P_214R δZ_1

/{2- * auch des
Auswurfs -2} ~

/|P_215

/die Ursachen ein, warum die Erdbeeben in
der See nicht so heftig, als an denen an ihr
liegenden Vorgebürgen seyn, weil nehmlich
die eingesperrte Luft, außer der allenthalben
gleich dicken Erdrinden, in ersterer eine
erstaunliche quantitaet Waßer zu heben
hat, dahero sie an Örter übergehet, die
ihr weniger Widerstand leisten können.
Das Feuer bricht in der SPize des Berges
aus, da ist keine Ursache, dann der
Berg ist durch den Auswurf entstanden.
Der Berg bestehet aus Schichten, die im
Waßer erzeuget sind, folglich muß der
Berg durch den Auswurf entstanden seyn,
nachdem der Auswurf der wäßerigten
Dünste und der Substanzen des unter-
irrdischen Chaos aufgehöret hat; so wirft
er jezt feurige Materien aus. In Italien
findet man einen Aschen-Berg, der von

/ dem

/|P_216

/dem Auswurfe der feuerspeyenden Berge
geschaffen ist; Im Kauckasischem Gebürge
entdecket Man [[¿¿¿]] noch Berge, die aus der Erde
hervor quillen, man erblicket noch Inseln,
worinne man ganz andere Schichten, als
in der ordentlichen Erde, z. E. eine Schicht
Sand, dann eine Schicht blauen Thon findet,
welche dahero auf eine ähnliche Arth entstan-
den seyn müßen. Wir bewohnen nur also
fürchterliche Ruinen.

/ ≥ §_47. ≤

/Wann man an einem Cörper sowohl die
Figur, als Structur erwogen hat, so muß
man auch die Mixtur deßelben, oder aus
was für Theilen derselbe zusammengesezet
seyn, untersuchen. Wir wollen bey dieser
Gelegenheit also. 1.) den Zusammenhang derer
SteinTheile, 2tens aber auch die Erdschichten
selbst untersuchen. Dann überhaupt ist es
anzumercken, daß, da die Erdbeeben oder ~

/|P_216R δZ_19

/{2- @erwägen@ -2} ~

/|P_217

/andere Verwüstungen keine Änderung her-
vorgebracht, die Materien in gewißer Ordnung
die dennoch nicht in allen Ländern gleich ist,
übereinander geleget sind, und würde, wann
ein jedes Land seinen Boden examiniret
hätte, eine Geographia subterranea zu-
stande gebracht werden können, wovon
Gotthardt [[Guettard]] ein Franzose den besten Versuch
geliefert hat. Die Erde ist nicht anzuse-
hen, als ein Schutt und Klumpen von
gemengter Materie, sondern sie lieget in
Lagen und Schichten, auf welchen die
Möglichkeit der Quellen beruhet, dann
wann die Erde nur Schutt von gemengter
Materie wäre, so wären keine Quellen.

/Es giebt solche Insuln, die aus gemengter
Materie bestehen, wo aber auch keine Quel-
len sind. Z. E. die Insul Ascension. Al-
lenthalben bedecket die Erde, eine so genannte

/ Dam- 

/δLage_CC

/|P_218

/Damm-Erde, welche von verfaulten Gewächßen
entstanden, und welche seit der Römer Zeiten
ohngefehr vom 2.ten Iahrhunderte an um 6. Fuß
zugenommen hat, wie Man [[¿¿¿]] es aus den
Halden, oder dem Orte, wohinn die nicht Me-
tallartigen Steine eines Bergwerckes abge-
sondert geworfen werden, bemercket hat.
Da aber das Getreyde, welches Iährlich abge-
mähet wird, und von denen Menschen con-
sumiret wird, mithinn auch nicht auf der Er-
de verfaulen kann, einen Theil von der
Damm_Erde aus machet; so muß dieselbe
bey uns beständig verringert werden, wie
man dann auch solches bey den Scheitelfahren,
da nehmlich der daran gelegene Acker etwas
gesuncken, erfahren hat.

/Nach der Damm- oder Gewächs-Erde kommt
der Thon, welcher erst Gewächs-Erde gewesen
seyn muß, so wie die K{2- alck -2}erde, eine
Seethier_Erde zu seyn scheinet, dann das lau- 

/|P_219

/gichte befindet sich in allen Kalken und Krei-
den, welches aus al«l»ten Schaalthieren und Mu-
scheln herkommt. Nach diesen Schichten von Er-
de kommen allerley Sandschichten, Kies, Sand,
Pflugsand, Quell und Trieb-Sandt, hernach
eine Laage von Stamm-Erde. D{2- iese -2} Laa-
gen liegen übereinander, und sind von ver-
schiedener Dicke, aber was für Dicke eine
Erdlaage an einem Orthe hat, dieselbe Di-
cke erstrecket sich so weit, als sich das Erd-
laager erstrecket. Die Dicke de«s»r Laager«s»
nennt Man das Laager, an sich, aber beson-
ders in Bergwercken: Flöths. Wann ein La-
ger gewiße Producte hat; so hat das an-
dere keine, daher muß eine Revolution
gewesen seyn, wo das Lager entstanden.
Die Erdlager liegen nicht horizontal, son-
dern sie haben solche Abböschungen, wie
die Landes-Flächen; dann das Land ist
ab{2- nei -2}gig@«t»@, so, daß sich das Waßer sammlen

/ kann

/|P_220

/kann, und im Innwendigem ist es eben so;
Zwischen den Erdlaagern ist eine Abböschung,
wo sich das Waßer durchbohret. Wann an
einem Orte ein Laager 200. Fuß tief
ist, so ist daßelbe Lager weit davon am
Tage.

/Die Stein_Gebürge werden mit einem allge-
meinem Nahmen Felßgebürge genannt, ob-
gleich der Fels eine besondere Gattung von
Steinen ist, gleichwie die Steine, aus
welchen wir die Treppen-Stuffen machen, er-
stens aus gewißen glänzenden Theilen oder
dem SPaat, dann aus gewißem Schiefer,
welchen Man den Glimmer Nennet, und dann
endlich aus einem lockerem M@arck@ bestehen. Die
Fels_gebürge befinden sich mehrentheils
auf denen Landesrücken; welcher der Theil
des Gebürges ist, wo die SPizen der Berge
gleichsam in einer Menge zusamengesezet

/|P_221

/sind. und erstrecken sich auch weit unter densel-
ben fort, bis sie sich endlich in denen Erd-
schichten verlieren. Die Schichten in den Bergen
sind entweder Gang oder Flöths weise geordnet.
Die Gänge der Berge sind SPaltungen
in denen Bergen, die bis zu einer ewigen
Tiefe fortgehen. D. h. die auf der andern
Seite keine Oefnung haben und Perpendicu-
lair sind. Sie sind entweder hohl oder mit
einer Materie erfüllet, mehrentheils quillt
in sie der Saft des Steines, welcher sich
nachgehends erhärtet und in Metall degene-
riret, und Man findet auch nur in diesen
«g»Gang«bahren»-Bergen, die kostbahresten Metalle,
als Gold und Silber. U«¿¿»eber diesen Gängen
und unter denselben befindet sich das übri-
ge Taube Gebürge. Gebürge heißet der Stein,
woraus der Berg vorzüglich bestehet. Es hän-
gen sich aber die Metalle, besonders Goldt
und Silber nicht unmittelbahr, sondern ver- 

/ mittelst

/|P_222

/mittelst eines feinern Stoffes und Materie
von beyden Seiten, welche die Salbämder
heißen, mit dem übrigem rohen Gebürge
zusammen, deßen über dem Gange er-
habene Theil das hängende, das unter
demselben gelegene, das liegende genannt
wird. Das Stück von dem Gebürge aber,
welches dem Gange von oben das nächste ist,
heißet das Dach, das jenige ab@er@, was sich ihm
am Meisten von unten nähert, heißet die
Seele des Ganges. Es continuiret aber nicht
selten dieser Gang in einer geraden Linie
durch die %übrigen Berge fort, daher heißet
ein Gang, deßen Richtung in Gedancken ver-
längert wird, ein Streichen. Diejenige Rich-
tung aber, die er nach der Erde durch den
Berg nimmet, heißet das Fallen deßelben.
Das Streichen des Berges, pfleget öfters ohnun- 

/|P_223

/terbrochen zu seyn.

/In denen Flöths-Bergen sind die Schichten
der Steine so geordnet, daß dieselben ho-
rizontal oder in einem Winckel von 45. %Grad - 
vom Horizont entfernet sind, und eine SPal-
tung, welche in denen Flöths_Bergen substitui-
ret, wird, den Anfang und das Ende zu den
beiden Seiten des Berges <{2- habe -2}. Sie umgeben
Mehrentheils die Gangberge, enthalten fast
kein Metall und findet sich in ihnen noch
etwas davon; so richtet es sich nach denen,
die in den Gangbergen enthalten sind.
Ist in denen Gangbergen z. E. Goldt, so ist
etwas davon auch in denen Flöthsbergen,
anzutreffen. Es pfleget auf ihnen erst
Damm-Erde zu seyn, dann KalckErde,
darauf blauer schwarzer Schiefer, ferner Mar-
mor, welcher nichts anders, als eine KalckErde
ist, die poliret werden kann, zu folgen;

/ zulezt

/|P_224

/zulezt kommt Man auf SteinKohlen_Schichten,
und dann auf eine rothe Erde. In dem
Schiefer dieser Flöths_Berge siehet Man
Harn_Kraut, Fische pp ganz deutlich aus ge-
drückt, und der darauf liegende Schiefer
gleichet einem großen Teich. Die vielen
Überbleibsel der alten Wellt zeigen an,
daß die Flöths_Berge schon zu den Zeiten
einer bewohnten Wellt und von denen
herunter fließenden Materien, der damahls
noch etwas flüßigen Ganggebürgen entstan-
den zu seyn, und daß diese leztere schon
lange vorhero gewesen, auch wird dadurch
dieses noch bestätiget, daß die untere
Schichte nicht gar zu lange flüßig gewesen
und die obere vorhero verhärtet seyn Mü-
ßen, indem die untere Schichten nach der
Seite, wo der gröseste Druk gewesen, dün-
ner, auf der andern aber dicker ist«¿¿».

/|P_225

/Nachdem Gothard [[Guettard]] gefunden, daß Steine, die
in einer Gegend sehr häufig seyn, in
der andern gar nicht angetroffen werden,
so hat er endlich entdeckt, daß die Sorten
der Materien der Erde, in Kreiße ein-
getheilet seyn, daß der größte {2- Kreiß -2} Metall¥
artig, der mittlere von diesem einge-
schloßene Creyß aus Schmergel_arten beste-
he, dann der lezte, innerhalb welchem
auch Preußen lieget, sandstein_artig
sey.

/Annotat. Wann ein Körper ganz %vollkommen
ist, und seine Theile eine ewige und feste
Laage haben, so können sich diese nicht
und folglich auch {2- selbst -2} der ganze Körper in
seinem Innwendigen verändern. Da nun
aber auf der Erde so vielfältige Verän-
derungen von ihr selbst erfolgen, die
fälschlich von den Einflüssen der Sonne

/ und

/δLage_DD

/|P_226

/des Mondes hergeleitet werden; so vermuthet
Man, daß sie in ihrem innwendigem noch nicht zur
Perfection gediehen. Weil die Magnet-Nadel
auf jedem Puncte der Erde nach Norden zeigt;
so muß die Ursache davon, außer ihr in dem
Innwendigen oder dem Mittelpunckt der Erde
gesuchet werden. Weil diese aber alle Iahre
mehrentheils 2/3. eines Grades von Norden weichet - 
- %.anno 1766. stand dieselbe in Dantzig gerade in
Norden, jezt aber im 12ten Grade davon - 
so schließt Man, daß ihre Ursache veränder-
lich, folglich, daß in dem Innwendigem
der Erde noch nicht alles ausgearbeitet sey.

/ ≥ §_48. ≤

/Quellen, Flüße, Ströhme und Moräste gehö-
ren zum festen Lande; alles reduciret
sich auf Quellen, wann diese nicht in
einer Rinnsaal ablaufen können; so formi-
ren sie Moräste. Weil das Waßer im
uraltem Zustande der Erde, durch eine sal- 

/|P_227

/zigte Erde durchgehen mußte; so lösete es
das Salz auf. Folglich ist das Salz_Waßer die
Mutter aller Gewäßer. Das Seewaßer dün-
stet aus, die Dünste verdicken und sammlen
sich in Wolcken, werden von den Winden
vom Waßer weg zu den Ländern getrieben,
fallen in Schnee und Hagel auf die Berge,
sencken sich von da, zur Erde nieder, und
bespeißen die Quelladern und Flüße.
Auf dem Lande kann also nicht Mehr Waßer
seyn, als die See durch Ausdünstungen
von sich giebt. Das Waßer, welches durch
Schnee und Regen auf die Erde kommt,
bohret sich zwischen den Erdlaagern, wo Ab-
böschungen sind, durch, welches Quelladern
sind. Wann das Lager horizontal wäre,
so könnte sich das Waßer nicht abziehen.
Solche Adern vereinigen sich, die nur bloß
Würckungen des in der Erde gefloßenen
Waßers sind, * so entstehet ein Brunnen.

/ Quell-  ~

/|P_227R δZ_15

/{2- * die Adern
machen durch
ihre Vereinigung
Quellen. Wenn
die Quelladern
abgeschnitten sind: -2} ~

/|P_228

/Quell-Adern haben mit den nächsten Flü-
ßen Zusammenhang, und geben ihnen Nah-
rung; dahero kommts, daß sie mit ihnen
gleich hoch stehen. Wo eine Quelle ist,
da ist das Land rund umher höher, und
es ist in der ganzen Erde kein Beyspiel,
wo es nicht seyn sollte. In Gebürgen ist
alles voller Quellen. In {2- eb -2}nen Ländern
können auch {2- viel -2} Quellen seyn, wann auch die
hohen Gegenden weit ab sind. Sandwüsten
haben keine Quellen, weil keine Erhö-
hungen sondern nur Ebenen sind, wo der
Regen perpendiculair fällt und sich nicht
abziehen kann; einsaugen kan sich das
Regenwaßer nicht sehr. Auch in Sandwüsten
müste man, {2- obgleich -2} sehr tief, doch auf Quellen
kommen, aber so tief, ist so gut, als keine
Quellen. Das Qullwaßer ist hart, das ste-
hende Waßer ist weich, dahero sich im wei-
chem gut Kochen läßet, und die Seife

/|P_229

/schäumet, welches aber nicht im harten ist. Ein
Quell und ein Brunnen sind ganz Synoni-
misch, außer, daß Man d@en@ Brunnen eine
künstliche Quelle nennen könnte, und daß
das Waßer sich von ihm, wie in den Quel-
len geschiehet, nicht fortbewegt. Folgende Clas-
sen der Flüße und Quellen sind Merck-
würdig, als:

/I.) Periodische Quellen, da das Waßer eine
Weile hervor quillt, nachgehends aber aufhö-
ret zu fließen. Es kommt daher, weil
ihre Ursachen gleichfalls periodisch sind. Im
Sommer schmelzt der Schnee auf den Bergen
und fließet herunter, im Winter aber
bleibt er liegen, und thauet nicht ab. Da-
her giebt es Quellen, die im Sommer Wa-
ßer geben, im Winter aber nicht fortflie-
ßen, wie man davon in der Schweiz häu-
fige Beyspiele hat. Weil aber einige
Berge niedriger sind, als andere, die neben

/ ihnen

/|P_230

/ihnen stehen, und folglich als dann, * in denen
längsten Tagen, den höhern Bergen im Mit-
tage scheint, von ihrem Schatten bedecket wer-
den, so kan von ihnen selbst, in den heiße-
sten Tagen nicht, sondern nur zu der Zeit,
wann die Sonne im Mittage perpendiculair
über ihnen stehet, der Schnee schmelzen, und
daher giebt es Quellen, die nur im Anfange
des Frühlinges zu «schmelzen» <fließen> anfangen. Einige
fließen nur des Nachts, aber nicht bey
Tage. Dieses kommt von der Weite der
Quellen, von der SPize des Berges, welcher
ihr Waßer zufließen läßet, her, weil
nehmlich das Waßer Zeit haben muß, sich
durch die Berge zu sencken, wann es im
Tage abgethauet wird, und daher nur erst
zur Zeit de@«s»r@ Nachts hervorkommen. Einige
Quellen wechßeln wunderbahr ab, i@n@dem sie
sich in ihrem Lauf nach dem Monde richten,
welches sehr schwehr zu begreifen ist, wie ~

/|P_230R

/{2- * wenn die
Sonne -2}

/δAdickes ~

/|P_231

/der Mond einen Einfluß auf den Brunnen
haben soll. Man muß aber wißen, daß
es einige Länder giebt, wo der Mond sowohl
auf Gewächße, als Menschen und Witte-
rung einen großen Einfluß hat, und
zwar unter dem Pol und unter dem Aequa-
tor. - Lind von denen Krankheiten «der Men-
schen» in verschiedenen Weltgegenden sagt,
daß wann in Bengalen das Fieber einge-
rißen, sich das Sterben der Menschen nach
dem Monde richtet, und besonders in der Fluth
sehr viele sterben. Dieses kann nicht auf
dieselbe Arth, als Ebbe und Fluth erkläret
werden, denn daß muß eine große Fläche
seyn, wo der eine Theil angezogen wird, damit
der andere falle. Hier aber in den Quellen
zieht er den ganzen Theil an, da als dann
keine Veränderung geschiehet. Es ist aber doch
nicht ohnmöglich, dann der Mond würckt auf
unsern Luftcreyß, so, wie auf unsere Erde.

/ Wann

/δAdickes

/|P_232

/Wann er das Waßer 10. Fuß hebt, so hebt er
auch die Luft 10. Fuß. Denn die Entfernung
der Luft vom Monde ist eben so anzusehen
als die Entfernung de«n»s Waßers, dann eine
1/2. Meile in die Höhe ist die Luft schon sehr
dünn. Es kann aber ein anderes flüßiges,
woraus die Electrische Erscheinungen und Meteo-
ren entstehen, die Erde umgeben. Diese
flüßige athmosphaere kann nach verschiedenen
Wirckungen des Mondes, indem sie in
allen Menschen und Gewächßen stark wirckt,
auch verschiedene Erscheinungen hervorbringen:
Wir wollen es nicht läugnen, aber auch nicht
fest annehmen, dann vieles müßen wir ver-
werfen, obgleich wir die Ohnmöglichkeit Nicht
{2- darthun -2} können, weil sie denen Grundsäzen
der Vernunft zu wieder sind, und dadurch der
Einbildung und den Magischen Würckungen
die Tür geöfnet würde.

/II.) Gesundbrunnen, worinnen das Waßer Minera

/δAdickes

/|P_233

/lien bey sich führet. Das hauptsächlichste in ihnen
ist, die sonst alleine für sich genommen, dem
Menschen und Thieren höchstschädliche «Besch¿¿den»
Bergschwaden, «welchen die Schweizer G¿sti«c»ht
Nennen, und» der eigentlich der spiritus rector
«ist» der Gesund_Brunnen ist, auch von denen
Alten quinta essentia genannt wird. Man
extrahiret auch, aus dem so starcken Caneel_Öhl
den spiritus Rector, welcher ein so kleines
Quentlein aus machet, * des Caneel_Öhls, so nach
wie vor, daßelbe Gewicht behält, welcher gar keine
Schwere hat, die Waßer eigentlich zusammen
hält, und von den Chymicis noch nicht hat ent-
decket werden können. So baldt δAdickes dieses heraus
ist, so wird das übrige ganz trübe; daher scheint
es auch, daß er selbst in denen gemeinen
Wäßern, wiewohl in geringerer Quantitat
anzutreffen ist, dann wann daßelbe gekocht
ist; so wird es trübe, und bekommt einen
ganz andern und schlechtern Geschmack, wie vorhero
da es frisch war, und Man schließet daraus

/ mit ~

/|P_233R

/{2- * daß das
Uebrige -2}

/δAdickes

/δLage_EE ~

/|P_234

/mit Recht, daß durch das Kochen etwas von ihm
separiret worden.

/III.) Alkalische Quellen, worinne das Alcali
oder das LaugenSalz, welches aus der Asche he-
raus gezogen wird, befindlich ist. Wann man
Violen-Syrup darauf gießet, so wird alles
alkalische davon roth, und hieran können
sie erkannt werden.

/IV.) Vitriolische Quellen, worinne das Vitriol
de¿ Laugensalz mit brennartigen Materien
angetroffen wird. Der Violen_Syrup färbt
das vitriolische grün. Man kann auf folgendes
experimentiren, ob in einem Waßer alcali oder Vi-
triol zu finden ist; wann man das blaue
Papier mit dem flüßigtem bestreicht; bekommt
es eine rothe Farbe: so ists Alcali, bekomts
aber grüne; so ists vitriol «darinne».

/Der Aer fixus hat eine große Wirksamkeit
auf alle Völcker; wann die Kreyde durch Vitriol¥
Öhl aufgelöset ist, und die Luft in verschloße- 

/δAdickes

/|P_235

/nen Gefäßen ausgetrieben wird, und in einem
Gefäß, worinne Waßer ist, gesammlet wird;
so ist die Luft der Kreyde, der Aer fixus.
Wann das Waßer mit diesem Aer fixus an-
gefüllt ist; so schmeckt es wie Pyrmonter Brunnen.
Das Sezen des Waßers auf den Boden kommt
auch daher, wann das Mineralische Waßer,
in welchem Einsen-Ader oder eine Art von Kalck-
erde ist, und die Luft der Aer fixus ist, sehr
stark gekocht «ist» wird; so wird die Ader durch
den Aer fixus, oder durch die Mineralische
Luft aufgelöset, der Aer fixus aber geht durch
das viele Kochen heraus, und in der Stelle
fällt eben so viel vom Ader, der durch die Luft
aufgelöset war, zu Boden, die Geträncke wer-
den dadurch schaal, wann der Aer fixus heraus
gehet.

/V.) Bittre Quellwaßer, worinne Vitriol und
ein acidum angetroffen wird, aus deren Zu-
sammensezung das Bittre, so, wie aus Blau

/ und

/|P_236

/und Gelb die grüne Farbe entspringt, ent-
stehet.

/VI.) Seifen artige Waßer, wenn Alcali mit
fettigten Theilen z. E. mit Tran in ihnen ver-
mischt wird. Der Zucker ist aus einem solchem
seifen artigem Waßer entstanden, weil es
erstlich, wie das Salz vom Waßer aufgelöset
wird, ferner aber auch wie die fettigten Theile
brennt.

/VII.) Warme Brunnen, aus welchen das Waßer
so baldt es hervor bricht, ganz heiß ist. Es wird
an der Luft, * noch heißer. Es kocht aber dieses
Waßer keines weges eher, als anderes gemeines.
Brunnenwaßer, wann es über das Feuer
gesezet wird, woraus erhellet, daß diese
Hize nicht von gewöhnliche«r»m oder Natürlichem
Feuer, sondern durch die Vermischung des
Waßers mit mineralischen Theilen hervorgebracht.
werde. Es muß auch in dem Waßer, als dann
wann es heraus genommen wird, eine Gährung
entstehen, welche zu vermehren die Luft ~

/|P_236R δZ_12

/* wann es nehmlich von
den übrigen Waßer-
Theilen des Brunnens
abgesondert wird
sehr langsam kalt,
ja es wird im An-
fang an der Luft ~

/|P_237

/noch im Anfange behülflich ist, die aber durch
eben dieselbe Luft, durch die Länge der Zeit
vernichtet wird. In Island ist ein solcher
warmer Brunnen, der zugleich ein lebendiger
SPringbrunnen ist, 50. Fuß hoch, und in der
Dicke eines Mannes aufströhmt, dabey so heiß
ist, das ein Stück Schöpsenfleisch in weniger
als einer Secunde kochend wird.

/VIII. Kalte Brunnen. Diese Kälte, welche «@noch@»
einige Brunnen_Quellen haben, scheinet nicht
natürlich, sondern chymisch durch den Zusam-
men{2- satz- 2} verschiedener Materien, so, wie aus
Schnee und Scheide_Waßer zusammen ge-
nommen, entstanden zu seyn.

/IX.) Cement_Waßer, welches das Einsen in
Kupfer verwandelt, es ist gleichsam ein
Mittel, wodurch das Kupfer aufgelöset,
und mit ihm selbst vermischet wird, wann
nun nachgehends eine andere Materie wieder
aufgelöset und praecipitiret wird; so kommt
das Kupfer in die Stelle der vorigen @Ei@sen

/ Parti

/|P_238

/Partikelchens. Es siehet zwar eine solche Stange
Eisen, die hernach verkupfert worden,
nicht eben so, wie gesch{2- lagenes -2} Kupfer, son-
dern wie mit kupf@er@igten Strahlen untermischt
aus. In Ungarn ist es keine Seltenheit,
sondern wird zu den Regalien gerechnet.

/X.) Giftbrunnen. Es kommt dieses von
der gar zu großen Menge Mephitis oder
Bergschwaden her, die darinne ist. Thiere,
die davon trincken, müßen ersticken, und
wann die Quantitaet groß ist auch die
Menschen. - {2- Die Hundsgrotte -2} ohnweit Neapel
ist wegen eines solchen giftigen {2- Waßers -2}
berühmt, wovon auch selbst die Hunde ster-
ben müßen. In Pyrmont ist ein solcher
Brunnen, welcher aus einem alten Fels-
Berge hervor ströhmet, der aber sehr von
dem gesunden und berühmten Pyrmonter
Waßer unterschieden ist.

/XI.) Süße Brunnen, welche ihre Süßigkeit

/|P_239

/vermuthlich von denen aufgelöseten Bley_Parti-
kelchens bekommen haben, und dahero sehr
schädlich sind. Das Bley ist überhaupt dem
Menschlichem Cörper sehr nachtheilig, und da die
Materien, mit welchen die Gefäße zusam-
men gelöthet werden, entweder aus einer
Mixtur von Silber und Kupfer, oder aus
Zinn und Bley bestehen, wovon das erste
das Schlagloth, das leztere aber das Zinnloth
genannt wird; so ist in manchen Ländern das
erste Löthen, nicht aber das leztere erlaubt, weil
das Zinn eben des wegen, weil es mit vie-
lem Bley vermischt ist, schädlich ist. - 

/Das Englische Zinn führet am wenigsten
Bley mit sich - Es ist auch eine höchst-
schädliche Practique den Mosler und Rheinweinn
mit Bley zu vermischen, wodurch er eine
große Süßigkeit erhält; man kann sie
aber an den wohlfeilen Preisen und dem
trüben Aussehen erkennen, weil, wann

/ die

/|P_240

/die Weine dieser Art süße sind, alt und
theuer seyn müßen. In Holland werden
solche Fäßer, worinne solche vermischte Wei-
ne gefunden werden, zerschlagen und der
Betrüger mit einer harten Leibes-Straafe,
in einigen Ländern sogar mit der Lebens-
Straafe belegt, auch glacirte irrdene Scheiben
sind deßwegen schädlich, weil das glasiren
mit Vermischung des Sandes und Bleies
geschiehet, und diese Bley_Theile hernach durch
das Eßen aufgelöset werden. Kupfer
ist eben so schädlich; wann in solchen Gefäßen
das Eßen lange stehet; doch ist {2- die -2} Praecau-
tion Eißen ins Eßen herein zu werfen, zu
recommendiren, weil daßelbe dem Menschli-
chem Cörper zuträglich ist, vermuthlich des-
wegen, weil in unserm Bluthe gleichfalls
Einsen_Theile gefunden werden, und darneben
unsere Nerven roboriren. Die Schädlichkeit
des Kupfers und Bleyes, kommt wohl eigent- 

/|P_241

/lich daher, von dem darinne befindlichem Vi-
triol, weil nun noch im gebranntem Holze
ein dickes Vitriol_Öhl zurücke geblieben, wel-
ches mit den übrigen Theilen des Holzes wegen
seiner Schwehre nicht auffliegen können,
so sind sie äußerst schädlich; daß aber ein
solches Öhl in ihnen zurücke geblieben, erhel-
let daraus, daß wenn Man Feuer an sie
heran bringt, sie wieder zu brennen anfan-
gen. Diese Kohlen enthalten das metallische
Vitriol, als welche die durchs öftere Schlagen
auseinander gebrachte Metalle, die ihre
Schmelzbarkeit verlohren haben, wiederum ver-
einiget, da sonst die übrigen Vitriole
sie zerfreßen. Das gebrannte Holz ist selbst
schädlicher als Steinkohlen, weil Man in
diesen nur Schwefel antrift, der aber in
gehöriger quantitaet dem Menschen eher
nuzzen als Schaden bringt. Daher ist eine
sehr unrecht angebrachte SPahrsamkeit, wann
Man die Ofen_Löcher eher, als das Holz recht

/ ausgebrannt

/δLage_FF,

/|P_242

/ausgebrannt ist, zumachet, weil der so schädliche
Kohlen-Dampf in denen Stuben verschloßen
gehalten wird.

/XII.) Salz-Quellen, worinne das Waßer mit
Salz vermischet ist. Es ist das Salz auf dem
Lande, mit dem Meerwaßer_Salze einerley,
und wird auch wohl vermuthlich von ihm hergekom-
men seyn. In manchen Flüßen trocknet das
Waßer aus, und das Salz bleibt ganz allein zu-
rücke. Das Quell-Waßer, woraus das Salz
ausgekocht wird, heißet die Sole. Das Mehreste
Salz wird wohl aus dem Meere gesotten, *
in andern Salzbrüchen, als in Rußland z. E.
Gelton an der astracanschen Steppe; in andern
Salz-Gebürge. In denen Persischen Wüsten
sind viele SalzQuellen. Das todte Meer
hat soviel Salz, als es noch halten kann, um
klar zu bleiben.

/XIII.) Versteinernde Waßer. Sie sind vermuth-
lich mit Kalck-SPaath vermischt, welche Partickelgens ~

/|P_242R δZ_12

/{2- * In einigen
Ländern giebt
es Salzquel-
len, -2} ~

/|P_243

/sich hernach an die Vegetabilien anhängen. Eigent-
lich übersteinern nur die mehresten Flüße;
oder das Holz und die Vegetabilien werden
gleichsam mit einer Kruste, welche man den
Bufstein nennet, überzogen, wie es im
Carlsbadt geschiehet, wo das Holz nach einigen
Stunden, seitdem es im Waßer gelegen,
ganz übersteinert «ist», keinesweges aber ganz
durch und durch versteinert wird; der Stein-
saft sezt sich an dem Holze nach und Nach
an. Im Brunnen zeiget es sich, daß
diese Steinkruste Kalcksteinartig seyn;
doch giebts auch einen Teich in Schottlandt
und einen Fluß ohnweit Lima, da die
hereingeworfene Sachen, ganz und gar
versteinern, dahero sie auch einerley Größe
nach, wie vor behalten. Dieses ist so
wahr, daß in dem gemeldetem Fluße
ohnweit Lima, das Waßer so beschaffen ist,

/ daß

/|P_244

/daß wanns in eine Form gegoßen wird,
sich in derselben steinerne Statuen bilden,
und dieses ist eben eine Merckwürdigkeit
für Naturforschern, dagegen die Überstei-
nerungen in der Drachen und Baumanns¥
Höle, nur als MerckZeichen für Handwercks-
Burschen gelten. Es entstehet die Frage: Ob
Waßer, die so viele Steintheile bey sich füh-
ren, auch dem Menschen schädlich sind? Es
scheinet, hieraus<2>, daß<1> der so beschwehrliche
Stein entstehen würde, und daß das Wa-
ßer in den Gliedern, selber sich in Stein
verwandeln würde; allein es ist ein sehr
falscher Schluß, von den Wirckungen, die
gewiße Materien außer unsern Cörpern
haben, auf diejenigen, die sie in unsern
Cörpern hervorbringen würden, zu folgern.
Es kommt alles auf die Beschaffenheit
unserer Säfte an, und der Stein selbst

/|P_245

/wird aus jeder Nahrung, wann die Säfte ver-
dorben sind, zu wege gebracht. Es dürften viel-
leicht die Stein_Theile eben so wenig, wie die
Würme, welche sich fast in jedem Cörper, und
in einem jedem, eine besondere Art befinden.
Dieses erstrecket sich sogar bis auf die Läuse,
welche ganz anders bey den Menschen, ganz an-
ders aber auch bey denen Thieren beschaffen
sind - den auflösenden Magen_Säften wie-
derstehen. Die Würme die im Magen übrig
bleiben, und dem Magensaft wiederstehen
sind von ganz anderer Beschaffenheit, und
gleichen den Regenwürmern; dahero ein lu-
stiger Kopf
eine curiöse Arth sie zu ver-
treiben angegeben; die Regenwürme fürch-
ten sich für die Maulwürfe, und das
vermuthlich, wegen des davon entstehenden
Zitterns der Erde: Man sollte nur auf
dem BrummEyßen spielen, deßen Klang

/ dem

/|P_246

/dem Zittern der Erde ähnlich ist, so würden sie
von selbst den Magen verlaßen.

/XIV.) Hunger_Quellen, welche fast Niemahls,
oder nur sehr selten Waßer geben, wann
die Erde durchaus mit sehr vielen Feuch-
tigkeiten angefüllet ist; weil nun das
Fließen dieser Quellen, eine sehr große
und überflüßige Feuchtigkeit der Erde,
und also eine sehr unfruchtbahre Zeit ver-
spricht; so haben sie davon ihren Nahmen.

/ ≥ §_49. ≤

/Wenn sich das Waßer, welches von Regen
und Schnee herkommt, durch lockere Erdschichte
bewegt: so muß wieder eine anderer seyn,
welche das Waßer nicht durchläßet; z. E.
eine Thon_Erde. Diese Schichte muß abhängig
und übrigens so beschaffen seyn, daß sich
auf selbiger viel Waßer sammlen kan,
Wo nun diese Schichte ihr Ende hat, da
quillet das Waßer hervor, daher man auch

/|P_247

/da, wo nichts, als lockere Erdschichten oder
selbst eine harte Erdschichte, die aber gantz
horizontal ist, kein Waßer hat.

/ ≥ §_50. ≤

/Es ist allerdings sehr wunderbahr, wie Ge-
wäßer, die auf einer so erstaunlich weiten
Fläche verbreitet sind, durch einen einzigen
Rinnsaal abgeführet werden können: Es
ist aber zu mercken, daß diese Flüße in ei-
ner Gegend liegen, wo von beiden Seiten
das Land abschüßig, und der Landesrücken
anzutreffen ist. Die verschiedene Biegungen
des Landes, worüber die Ströhme in Rinn-
saalen fortfließen können, ist ganz me-
chanisch entstanden. Alle Flüße müßen
von einer etwas hohen Gegend herkommen;
die Ströhme machen mit den Bergreihen,
aus denen sie kommen, einen rechten Win-
ckel. Da nun die Hauptflüße, viele Neben¥
Flüße, und diese wiederum andere Waßer

/ mit

/|P_248

/mit sich führen, so müßen die erste Nie-
driger, wie die lezteren seyn. Das Gefälle
des Waßers ist die Höhe, von welcher es her-
runter kommt. Ie größer die Höhe, {2- und
je kürzer -2} der {2- Lauf -2} ist, um desto stärcker ist das
Gefälle, und eben von diesen Gefällen
erhalten sie ihre«n» Geschwindigkeit. Aber nicht
alleine die Gefälle, sondern auch die Länge,
Breite und Tiefe, tragen viel zur Geschwin-
digkeit bey. Flüße, die eine große Län-
ge haben, dürfen lange nicht ein so gro-
ßes Gefälle haben, als die Flüße, die
nur eine kleine Strecke durchlaufen,
weil das Waßer bey jenen beßer drucket,
und ohngefähr 1. Fuß Gefälle auf eine
Weite von 6.000. Schuh und nicht, wie
Wolff meynet auf eine Weite von 200. fuß
in welchem Fall, fast gar kein Fluß zu
beschiffen wäre, haben. Lange Ströhme
sind der Amazonen-Fluß, deßen Arm der

/|P_249

/Orino ist, welcher größer, als der Rhein; Se-
negal; Nil; Missisippi und Ganges. In Si-
berien der Oby und Jeniseit. Viele, ob sie
gleich nicht lang sind, werden für große
Flüße gehalten, wegen der Menge des Wa-
ßers.

/Ein Waßerfall ist der, wo das Waßer per-
pendiculair herunter fällt, wie an einem Orte
in Südamericka der Magotta_Strohm, von einer Hö-
he von 1.200. fuß; an einem andern aber in Nordt-
America der Magora_Strohm von 500. fuß, doch
mit größerer Menge, als der erstere herunterströhmt.
Sie befinden sich auf Felsen und sonst Nir-
gends. Hieraus siehet Man, wie die übrigen
Felsen noch müßen weich gewesen seyn, da-
mit sich die Flüße einen Rinnsaal haben
ausspühlen Können. In uhr alten Zeiten haben
die Ströhme größere Gefälle gehabt, als jezt.
Der Fluß Nil hat nur 7. Fuß Gefälle,
und also noch weniger, als der Rhein_Strohm,
deßen Fall von einer Höhe von 57. Fuß herun- 

/ ter

/δLage_GG

/|P_250

/ter kommt; er macht aber deßwegen ein so großes
Geräusch, daß die Leuthe, die daran wohnen,
taub werden, weil er sein Waßer zwischen Steine
und Felsen fallen läßet. Sonst giebts auch in
der Schweiz sehr viele Waßer-Fälle, die von
denen Eisglätschern herrühren, die sich von denen
höchsten Bergen ergießen, auf Niedrige
fallen, von ihnen reperkutiret werden und sich
in der Gestalt der schönsten Regenbogen Zei-
gen, da¿¿¿ endlich sich öfters in die frucht-
bahresten Thäler ergießen.

/ ≥ §_51. ≤

/Man bemerket einstimmig, daß die Flüße
nicht an jedem Orthe ihres Laufes mit ein-
förmiger Geschwindigkeit, sondern an einem
stärcker, am andern langsamer fortlaufen.
Es erfordern auch die Flüße, welche eine
lange Etendüe haben, zum geschwinde@«rem»n@
Fortkommen nicht so viel Gefälle, als die-
jenigen, die nur eine kleine Strecke zu lau-
fen haben; Folgende Beobachtungen von denen

/|P_251

/Flüßen sind merckwürdig:

/I.) An ihrem Ursprunge schlängeln sie sich, und
machen viele Biegungen, am Meere lau-
fen sie weit gerader. Bey ihren Quellen
führen sie nicht soviel Waßer bey sich,
daß sie damit das Erdreich gerade durch-
spühlen könnten, sondern sie richten sich nach
denen niedrigen Örthern; weil nun die
Hügel nicht unordentlich zerstreuet sind,
sondern einen Paralelismum beobachten, da-
bey mehrentheils in der Krümme laufen;
so ist kein Wunder, wann die Ströhme
eine solche gebogene Richtung Machen, da-
bey pflegt Man 2. Winckel, nehmlich
den ausspringenden oder die Buchte
des Landes, welche der Fluß durch sei-
ne Krümmung nach der Hälfte umgiebt,
und den eingehenden Winckel, wo
das Land die Krümmung des Flußes
einfaßet.

/ II.)

/|P_252

/II.) Daß die Flüße bey ihrem Ausfluße weit
breiter sind, und dabey nicht so schnelle,
als bey ihrem Ursprunge fließen. Das
erstere kommt wegen der größeren Menge
Waßers und den Zuwachs, den sie unter-
wegens bekommen, dadurch sie im Stande
sind Mehr Erdreich auszuspühlen. Das lez-
tere aber kommt davon her, daß diese
Menge Waßer ihr Bette tiefer ausge-
waschen, daß es mit dem Boden des Mee-
res oder Sees, wohinn sie nehmlich flie-
ßen, beynahe gleichgeworden. Der breiteste
Strohm, ist der dela_Plata, welcher 60. teut-
sche Meilen breit ist, und der St._Laurentius¥
Fluß in Canada. Man sieht von der
Höhe des Mastbaumes auf demselben
kein Land, man schmecket aber das
süße Waßer. Die Ursache der Län-
ge und Breite, oder überhaupt der

/|P_253

/Größe der auswärtigen Flüßen, ist auch
zum Theil, der dortige starcke Regen,
dann in Paris rechnet es das ganze Iahr
21. Zoll hoch, in Indien aber regnet es
soviel in 3. Tagen. Die Gebüsche und
Waldungen, machen den starcken Regen
aus.

/III.) Daß es Flüße giebt, die eher versiegen,
ehe sie ein Meer oder See erreichet ha-
ben. In Europa giebts solche fast gar
nicht, aber in Persien und Africa sind
desto Mehrere. Es kommt sowohl daher,
weil sich unterwegens keine Flüße oder
andere Gewäßer @hierin@ ergießen, auch
keine Quelladern zur Seite und am Bo-
den des Flußes sind, von welchen die
Flüße einen ansehnlichen Zuwachs erhal-
ten, den wir aber nicht bemercken können,
ihnen Zuschub ertheilen, als auch deswegen,

/ daß

/|P_254

/daß sie ihre Waßer in diese Quelladern, wo-
rinne ihnen kein Waßer im hereinfließen
verhinderlich ist, aus treten laßen. Auf solche
Arth hat Man Recht, wann Man sagt, die Flü-
ße bewäßern das Land, da sie es doch
vielmehr von selbigem reinigen. In Indien
werden sie auch auf die Reis-Felder, die zu
ihrem Fortkommen, einen wo nicht ganz unterm
Waßer gesezten, doch wenigstens einen schl{2- ei -2}-
migten Boden erfordern - wovon das Land
sehr ungesund gemacht wird, und woran
auch wahrscheinlicher Weise, die schlimmen, ro-
then und trüben Augen, die man fast bey
allen Egyptiern und Indianern antrift,
herrühren mögen, wann die Sonne auf die
Luft scheinet - von ihren Einwohnern abge-
führt. Dahero sind die Korn_Länder fast
die gesundesten, weil sie wenig feucht sind.

/|P_255

/In uralten Zeiten haben die Ströhme stets die
Länder überschwemmet, und sind aus denen
Ufern getretten, welches zum Theil auch
noch geschieht, obgleich sie sich schon einen
Rinnsaal gemacht haben. Wann Man
an dem Fluß eine Wiese, oder andere
«Erhöhungen» Ebenen siehet, so sind nicht
weit davon Erhöhungen, welches erst die
alten Ufer des Flußes waren. Die Wie-
sen sind aus dem Schlamm des Flußes
entstanden; die Überschwemmung des Flu-
ßes geschiehet mehr an dem Ausfluße, und
er wird durch Dämme gehindert, so, wie
in Holland, welches eine große Ähnlichkeit
in Ansehung der Laage * hat, denn die
Dämme in Holland, kommen mit denen
Preußischen Nehrungen übereinn, die
Binnen-See mit dem Haff, @«und»@ der Rhein
welcher einen kurzen Arm in die Binnen- 

/ See ~
|P_255R

/δZ_15

/{2- * mit Preußen -2}

/δAdickes ~

/|P_256

/See wirft, mit der Weichßel, Pregel und
Mem@el@. Es giebt Länder; wo die Überschwem-
mungen RegelMäßig sind, und von denen
Einwohnern erwarthet werden, dieses ist
Egypten durch den Nil und Siam durch
den Menon. Das rechte Ufer des Nils
ist eine Stein_Wüste, und das lincke
eine Sand-Wüste. Das Land selbst ist
ein Product des Strohmes, und könnte
nicht bewohnet werden, wann keine Überschwem-
mung wäre, weil es gar nicht regnet.
Diese Überschwemmung geschiehet im Som-
mer, vom Iunius bis August. Sie muß
aber durch Menschliche @Hülfe@ vermittelst der
Canaele durch das Land abgeleitet wer-
den. Die Regierung der Pharaonen
war in Ansehung der Gesundheit der Ein-
wohner sehr weise, indem sie darauf sahen,
damit sich die Einwohner von der vergif-  ~

/|P_256R δZ_17

/¿¿¿ ~

/|P_257

/teten Luft nicht anstecken möchten; sie verb@o@-
then den Reiß-Bau, der die Luft sehr
vergiftet, dann er wächßet am besten auf
dem Lande, das mit Waßer bedecket ist,
und nichts ist ungesunder, als das stehende
Waßer, welches aber bey dem Reis_Bau
künstlich angeleget wird. - Iezt ist
Egypten ungesund, weil sie Weizen bau-
en, und alles ungesunde, als die Pest,
die Heuschrecken, die sich recht in Egypten
hecken, auch vermuthlich die Pocken kommen
aus Egypten. - Der Anblick in Egypten,
wann der Nil überschwommen ist, soll sehr
reizend seyn, indem alles auf einmahl
mit fruchtbar{2- em Graß -2} bedecket wird. Egypten
kann nicht das älteste <{2- bewohnte -2}> Land seyn, denn
das Land kann nicht ohne Kunst bewohnet
werden, indem die Dörfer auf selbst
gemachten Bergen liegen, und Canaele

/ durch

/δLage_HH

/|P_258

/durch das Land gezogen sind, welches schon viel
Kunst und Beurtheilung erfordert. Der
Geschichte nach, indem man zuerst <{2- darin -2}> hat schrei-
ben können, und dadurch zu erst be-
kannt geworden, kann es wohl das älte-
ste seyn. Das älteste bewohnte Landt muß
ein solches seyn, wo die Natur den Reich-
thum ohne viele Mühe darbiethet, und die-
ses ist Indostan; das ist das Paradieß der Erde,
denn alle Producte, die wir haben, das
Getreyde, kamen von Indostan {2- her -2}. Dann alle
Länder im 32. %Grad der Breite sind die besten.
und haben die meisten Producte. Der Nil
überschwemmte vor Alters, Egypten Mehr, wie
Iezt. Am Strohm ist ein Canal, wo ein Pfei-
ler ist, der der Nil_Meßer heißt, an
welchem Man das Steigen des @Waßers@ abmißt;
ist das Waßer 10. bis 20. Fuß gestiegen,
so haben sie alsdenn die größte Fruchtbar-
keit zu erwarthen.

/|P_259

/IV.) Daß die kleinere Flüße schwehrer Waßer
mit sich führen, als die größern, dahero
die Schiffe in lezterern tiefer gehen, als
im ersterem. Es kommt daher, weil sie vie-
len Schlamm auflösen, und dieser sich in
kleinern Flüßen nicht so gut, als in größern
wegen Geraumigkeit der lezteren sezen kann.
Sonst behaupten die Indianere, daß der Gan-
ges, wegen seiner vermeynten Heiligkeit,
leichter Waßer habe, daher sie auch ihre
Leiber mit Koth beschmieren, und sich in
diesem Fluße baden, um die «Un»reinig-
keit {2- von -2} Sünden, dadurch anzuzeigen.

/V.) Daß das Waßer auf der Themse sich
auf dem Meere weit beßer, als andere
Gewäßern, vor der Fäulniß erhalten.
Wann sich sonst das Waßer eine geraume
Zeit auf der See frisch erhalten; so fängt
es an zu faulen und trüb zu werden,
wann es aber @allen@ seinen Schlamm, mit dem

/ öfters

/δAdickes

/|P_260

/öfters großen Würmern, die sich darinne
befinden zu Boden gesenckt, so wird es
wieder ganz klar und helle. Die Fäulniß
ist das allerbeste Auflösungs-Mittel
vermischte Materien von einander abzuson-
dern, weit beßer, als das Feuer. Da nun
das Waßer selber fault, so sehen wir,
daß das bloß gemeine Waßer, welches
man für ein sehr einfaches Geträncke
hält, dennoch mit vielfältigen Materien
vermischet ist. Nachdem nun Hales {2- Hales -2} bemerckt,
daß wann sich die Luft verbreitet, und
aus dem fluido hinweg begiebt, sich die
Materien in ihm praecipitiren und se-
pariren, weil die Luft vielleicht das Mit-
tel ist, den spiritus rector zusammen in
dem flüßigem - nicht aber unmittelbahr
die Kraft das flüßige zusamen zu
vereinigen - * auf das Mittel angewiesen,
durch Räuchern und Schwefeldampf, als ~

/|P_260R δZ_19

/{2- * zu erhalten -2}

/δAdickes ~

/|P_261

/welcher wegen seiner %vitriolischen Säure,
gewaltig viele Luft verschlückt, die Weine
für der Fäulniß zu praeserviren; so
können wir die Ursache dieses Phaenome-
nons leicht angeben, weil in Engelland der
Boden voller Steinkohlen ist, welche die
Flüße auflösen, diese aber Schwefel in
sich enthalten; so ziehet ihr Dampf die
Luft_Theile im Waßer zusammen, wo-
durch es frisch conserviret wird. Dieses
ist vielleicht auch der Grund, warum
man in Engelland allenthalben ein weit
lebhafteres Grün auf den Wiesen,
als in den übrigen Ländern bemerckt.

/VI.) Daß die Ufer an den Ströhmen über-
haupt bey denen eingehenden Winckeln steil,
bey den ausspringenden aber flach sind,
welches ein Mittel ist, wodurch die Flüße
ihr Bett selbst rein erhalten; den alten

/ Schlamm

/δAdickes

/|P_262

/Schlamm welcher sich von dem steilen Ufer
ablöset, sezet er @«an»@, ans flache Ufer, wo-
hinn das fluidum, wegen seiner Schwehre
seine Richtung Nimmt, so praeserviren sie
sich auf solche Art vor der Unreinigkeit
weit beßer, als die von den Menschen ange-
legte und öfters mit Quadersteinen ausge-
pflasterte Canaele, weil sie beständig
den kürzesten Weg erwählen und sich
nicht nach den Maximen der Natur richten.
Sonst zeiget auch die höhere Mechanick,
daß sich Cörper in krummen Linien
weit «geschickter» geschwinder als in geraden, die
zwischen denen beyden Enden der ersten ent-
halten sind, bewegen, wie Manns bey den
Penduln gewahr wird.

/VII.) Daß einige Flüße Diamanten, wiewohl
sehr wenige, bey sich führen. Doch in weit
Mehreren findet Man GoldStaub. Schon

/|P_263

/längst hat Man entdeckt, daß das güldene
Widder-Fell zu Colchis, nichts anders bedeu-
tet, als einen Fluß, der Goldt_Staub bey
sich führet, und diese Fabel ist eine Poe-
tische Abschilderung * den Goldstaub zu
sammlen, man nimmt nehmlich ein Fell,
und legts auf den Grund, dann samm-
let sich der Schlamm auf demselben, und
wird von denen rauhen Theilen des Felles
zurücke gehalten. Weil nun das Goldt
das schwehreste ist, was man in der Natur
kennet, so sencken sich die Körner zu
Boden, und nachdem sie den Schlamm
weggeschöpft, lassen sie das Fell trock-
nen und klopfens aus, wodurch sie in
den Standt gesezt werden, das Goldt_<{2- Staub -2}> zu
sammlen. Sonst brauchet Man auch hiezu
ein Brett, welches Man mit einem Wolle-
nem Tuch belegt, wovon sich der Sand

/ mit ~

/|P_263R δZ_5

/{2- * der Methode -2} ~

/|P_264

/mit dem Goldtstaub, wann damit gefischet
wird, heransezet; weil der Sand leichter ist,
so wird er weggespühlt und das Goldt
bleibt, welches sie hernach ausklopfen,
Es ist aber nicht ganz reines Goldt, es
wird theils durch schlammen, theils durch
Quecksilber rein gemachet. Das Goldt der
Alten ist nicht aus den Bergen, sondern aus
den Ströhmen geschöpfet. Man findet viele
Goldt_Körner im Rhein_Strohm und in
den Flüßen von {2- Guine@a@ -2}. Überhaupt
scheinet es, daß alle Flüße auf der
Erde, einige Mehr, die andern weniger
Goldkörner bey sich führen, die sie von
der Erde ausgewaschen haben, sintemahl
nirgends ein Sand_Ufer anzutreffen ist,
worauf dergleichen nicht zu finden wären.
Dahero auch ein Projecten_Macher [[Becher]] der Repub-
lique Holland vorgeschlagen, Goldt von

/|P_265

/den See_Ufern ihres Landes sammlen zu
laßen, welches aber von ihr nach reifer
Überlegung, aus Politischen Ursachen, nicht
genehmiget worden. In jedem Lande und
in jedem Erdreich findet Man Goldstaub,
alleine Man Nimmt sich nicht die Mühe
ihn zu sammlen, dann wann in einem
Lande schon eine Quantitaet Goldt vorhanden ist,
der GoldStaub sich aber nicht vermehret, sondern
immer weniger wird; so kommts endlich dahinn,
daß die Einwohner in einem Tage mehr
verliehren, als sie gewinnen, weil der Preiß
der Waaren und victualien, wann eine
größere Quantitaet Goldt ins Land gebracht
worden, steiget; daher Man sich auch nicht
die Mühe giebt, den Goldstaub zu sammlen.
So gehts auch mit denen Bergwercken, welche
von Tage zu Tage ärmer werden, so, daß
jezt die Bergleuthe im Cremnizer Bergwerck

/ weit

/δLage_II

/|P_266

/weit weniger sammlen, als sie Tagelohn bekom¥
men, dahero es auch nur die Crone beibe-
hält, um beständig Metall vorräthig zuha-
ben und in die Münze schicken zu kon-
nen. Die Länder sind beständig die
ärmsten, in welchen sich die Einwohner zu
der höchst beschwerlichen Arbeit, dieses so
sehr vertheilte Metall zu sammlen beque-
men, und solches nur wegen Unfruchtbarkeit
ihrer Länder übernehmen, wie man solches
in {2- Janiag -2} gewahr wird. Die Silber-
bergwercke in Sachsen sind eben so er-
giebig, als vorhero; aber jezt beträgt es
nicht soviel in Ansehung der Menge,
wie vorhero. In der Schweitz findet Man
sehr wenige oder fast gar keine Gold hal-
tige Gebürge und dennoch findet Man in
denen Flüßen z. E. im Rhein, vieles
von Goldstaub. Bey diesem Rheinstrohm

/|P_267

/wird «vieles» folgende Methode den Goldstaub
zu sammlen, observiret. In denen Krümmungen
sezt er vielen Schlamm an, und dahero auch
den mehresten Goldstaub; sie schöpfen daher
den Schlamm in Gefäße, rühren das Wa-
ßer um, daß sich der Sand in die Höhe
begiebt, doch auch nicht lange, damit er nicht
sincke. Weil nun Goldt das schwereste ist,
so sinckt es schon zu Boden, wann der
Sandt noch in der Höhe ist, man gießt her-
nach den Sand, Schlamm und Waßer ab, und
behällt als dann den reinen Goldstaub übrig,
dieses beweiset, daß die Flüße ihn nicht {2- %eigentlich -2}
beständig von den Bergen herbekommen;
Sonst ist zu bemercken, daß das Goldt nach
dem Eyßen fast am Mehresten zu finden
ist. Die Ursache aber, daß davon so wenig
angetroffen wird, ist, daß es sehr in der
Erde zerstreuet lieget. Die Flüße führen

/ nichts

/|P_268

/nichts von Metallen als nur Goldt bey sich,
die Ursache ist vermuthlich, diese: Goldt
ist das einzige Metall, welches von keinem
Dinge in der Natur, als von der gekün-
stelten Zusammensezung des Salzgeistes
und Sche«¿»id-Waßers aufgelöset wird,
und daß daßelbe auch nicht rostet,
weil der Rost nichts anders, als eine Auf-
lösung ist. Weil nun keine solche Mixtur
in der Verbindung derer natürlichen
Dinge angetroffen wird; so wirds auch
nicht aufgelöset und bleibet im Waßer.
Eben dieses ist auch eine Probe, den wahren
Goldstaub von dem Meßing, der einerley
Farbe hat und besonders {2- in Janiag -2} pflegt
untergeschoben zu werden, zu unterscheiden,
wird dieses vom Sche@id@e_Waßer gantz
schwarz, jenes aber unverändert bleibet,
Doch brauchen @einige@ die Vorsicht, den

/|P_269

/Meßings-Staub vergolden zu lassen, und
als dann ist eine {2- Kenntniß -2} der specifischen
Schwehre einer jeden Materie - will Man
anders nicht betrogen werden - nothwendig.
Man probiret auch das Goldt vermittelst
eines Probiersteines, welcher Bajal oder
Seidenstein heißet, von dem die Probierstei-
ne zubereitet werden. Auf diesen Stein
muß Man mit dem Golde streichen,
und als dann mit einem Lappen, der
mit Scheidewaßer naß gemacht ist, abwi-
schen, ist es rein Goldt, so bleibt der Strei-
fen, ist es aber Meßing, so geht es ab;
ist das Goldt melirt, so wird der Streifen
Matter.

/ ≥ §_52. ≤

/Auf unserer Erde giebt es auch verschiedene
Seen und einländische Meere, die vom
Lande eingeschloßen sind. Sie sind Meh-
rentheils alle mit süßem Waßer ange- 

/ füllt,

/|P_270

/füllt, und diese Idée ist auch bey Seen,
die gar keine Communication mit dem
gesalzenem Meere haben, nothwendig; dann
ob sie gleich vorhero im uralten Zustande
der Erde, von der Überschwemmung des Salz-
waßers entstanden, und das Salz von
ihm zurücke geblieben, so ist daßelbe doch
von dem hereindringendem Fluß-Waßer
weggespühlet worden, und da sein«e»
Zuwachß beständig süß ist; so muß die
See {2- selbst -2} auch süße seyn. Alle süße Wa-
ßer haben Abfluß ins Meer. Es sind
einige Seen, die die Ströhme empfangen,
und wieder Ströhme von sich geben. Z. E.
der Genfer und Boden-See. Man fabuli-
ret, daß das Fluß_Waßer sich nicht mit
dem See_Waßer vermengen solle, welches
aber ganz falsch ist; das, was Man dabey
bemercket und was diesen Gedanken hervor

/|P_271

/gebracht, ist dieses: der Fluß vermehrt das
See-Waßer, vermengt sich aber sogl@eic@h
damit; weil aber die See an dem andern En-
de einen Fluß heraus läßet, so ist der
Zug * beym Einfluß und Ausfluß Merck-
lich. Sonst sind die Seen beständig auf
erhabenen Örtern und auf den Landes-
Rücken befindlich. Sie scheinen aber über-
haupt der Fruchbarkeit der Länder und
Äcker nicht behülflich zu seyn. Einige
Seen sind auch, wann sie Communica-
tion mit dem Ocean oder andern gesal-
zenen Waßern haben, halb süß, halb
salzigt, nehmlich von der Seite des Ein-
flußes des Flußes süße, von der
Seite der communication mit der See
gesalzen. Der Czir«k»nitzer See ist deswe-
gen berühmt, weil Man zu einer Zeit in
demselben fischet, zur andern aber wenig- 

/ stens ~

/|P_271R δZ_5

/{2- * des Waßers -2} ~

/|P_272

/stens Heu erndtet; und endlich zu einer andern
Zeit eine Art von Enten fängt. Es
muß ein solcher Teich mit dem Diaboetes,
@V@exier_Becher und andern hydraulischen
Instrumenten, die zu einer Zeit Waßer
geben, und zur andern nicht, eine Ähn-
lichkeit haben. Man erblikt auf dem
Grunde dieses Teiches, viele Löcher,
wodurch das Waßer abläuft, und in
denen daran gelegenen Bergen wieder Lö-
cher, wodurch das Waßer mit sammt
den Enten zum Vorschein kommt.

/ ≥ §_53. ≤

/Moräste sind da, wo die Örter so be-
schaffen sind, daß sie das Waßer,
welches ihnen durch die Flüße oder durch
ihre Quellen zu geführet wird, nicht ab-
laufen laßen können. Ungarn ist
mit Morästen angefüllt, von da

/|P_273

/kommt auch die Ungarische Pest oder das
Fleckfieber, welches man {2- erst -2} so wie jezt
die rothe Ruhr dem Obste zuschreibet,
die sich zwar als dann häufet, wann
schon das Obst reif ist, weil zu der Zeit
der Unterscheid der Tages und Nachts-
Wärme sehr groß ist, und die Men-
schen %.sich von der Tages_Hize abkühlen wollen;
so ziehen sie als dann alle Ausdünstungen {2- der Erde, -2}
die als dann sehr groß sind, an sich,
welche als dann solche würckungen pro-
duciren.

/Die Luft wird von ihnen sehr ungesund gemacht,
und Man bemerckt selbst, daß über Morastigen
Örtern der Regen öfterer kommt, länger anhält
und stärcker ist, als an andern Örtern, so, daß
es scheinet, als wann die Moräste eine Magnetische
Kraft hätten, die Wolcken an sich zu ziehen;
Die Land-Seen werden zulezt Moräste, welche

/ hernach

/δLage_KK.

/δAdickes

/|P_274

/hernach wann sie aus trocknen, festes Land werden,
worauf Wälder wachßen. Man hat an vielen
Landseen bemerckt, daß ihre Ufer kleiner
geworden sind. Man bemerckt auch, daß sie von
Wäldern entstehen können, wenn nehmlich
die Wälder so deicht sind, daß die Äste sich
mit ihren Blättern zusammen wickeln und
keinen Regen durchlassen, wiewohl solches erst
in langer Zeit geschehen kann; man ist auf
diese Vermuthung deßwegen gekommen, weil
Man unter den Morästen ganze Wälder ange-
troffen. Ohnweit Rom giebts Moräste, die
ganze Meilen im Umfange haben, und wann
ein Wind aus dieser Gegend kommt, so ent-
stehen die gräßlichsten Kranckheiten, z. E.
faulende Fieber. Wann der Wind von den
Pontischen Morästen gegen Rom wehet; so sind
sie daselbst alle krank, und Lind bemerckte,
daß eine Gesellschaft von 30. Persohnen spazieren

/|P_275

/gieng; als aber der Wind von dieser Seite zu
wehen anfieng, so würden 25. derselben noch
den Abend kranck, und starben. Sie sind schon
von der <alten> Römer Zeiten und hätten die Päbste
als Eigenthümer dieses Landes, die Summa
Geldes, welche sie zu prächtigen Pallästen, um
Rom zu verschönern, verschwendet, zum Aus-
trocknen dieser Graben und Moräste, welches
ihnen nicht über 300.000. %.Reichsthaler kommen möchte,
angewandt; so würden sie einen sehr gesun-
den und fruchtbaren Boden erlangt haben.
Holland ist voller Moräste, und seine Einwohner,
die dazu vom Himmel mit einer außeror-
dentlichen Neigung zur Arbeitsamkeit und
Reinigkeit ausgeziert zu seyn scheinen, bemü-
hen sich täglich, es davon zu säubern.

/ Articulus III.

/|P_276

/ ≥ Articulus III.

/Vom Luft-Kreyße.

/§_54. ≤

/Unsere Erde wird allenthalben von einer flüßigen
Materie umgeben, die wir die Luft Nennen,
die aber nicht an allen Orten über derselben
eine gleiche Dichtigkeit hat, dergestalt, daß
in einer Höhe von 22.000. Fuß über der Erde,
die Luft nur 1/2. Mahl so deicht ist, als auf
der Oberfläche des Waßers im Meere. Der
Grad, zu welchem die Luft verdicket werden
kann, ist unbekannt, doch so viel ist gewiß,
daß C@o@talis [[¿¿¿]] gefunden, wie er im Stande
gewesen, da er nehmlich eine Art von Barome-
ter in eine mit Waßer gefüllte und über
das Feuer gehaltene Bombe sezte, und durch
das Tröpfchen Öhl, welches im barometer mit
Fleiß gelaßen worden, in ihr Beobachtungen
angestellt, 2.000. Mahl dichter als unsere Luft
zu machen. Eben so ist der Grad, bis zu wel- 

/|P_277

/chem die Luft verdünnet werden kann, auch un-
gewiß, doch hat Newton bewiesen, daß wann
die Luft nach einem beständigen Geseze,
sich bis zur Weite eines halben Erd_Diameters
verdünnete, diese Luft so dünne seyn wür-
de, daß ein Cubic-Fuß Luft, von der un-
srigen, das ganze Sonnen_System nach Pro-
portion der dünne dieser Luft, erfüllen
würde, doch glaubt Man, daß unsere Athmo-
sphaere 9_1/2. deutsche Meilen über die Erde
gehe, und dieses schließet Man daraus: Unsere
Augen sind mit einer solchen Scharfsichtig-
keit begabet, daß sie das Monden_Licht, wel-
ches 300.000. Mahl schwächer, als das Sonnen-
Licht ist, und wiederum auf der abgekehrten
Seite des Mondes, das von der Erde zurücke
geworfene Mondenlicht, welches ohngefähr
90.000.000.000. mahl schwächer, als das Sonnen-
Licht ist, mithinn das Licht biß zu einem

/ sehr

/|P_278

/sehr großem Grade der Kleinheit, sehen und
bemercken können. Wann nun die Sonne 18 %Grad
unter dem Horizont ist, so kann sie die gan-
ze Hälfte der Atmosphaere einer Gegend er-
leuchten. Die Höhe derselben aber schätzen sie
aus derjenigen Höhe, von welcher sie den Schein
sehen können, der sich zu der Zeit, recht in
der Mitte des Dunst_Kreyßes endiget. Doch
ist diese Rechnung in etwas betrüglich, in-
dem die Luft das Licht zurücke wirft,
und es folglich auch aus noch höhern Gegenden
kommen kann. Wann die Sonne unterge-
gangen, und auf der Insel Teneriffa richtig
Nacht geworden ist, so siehet Man doch noch
die SPize des Berges Pico, auf welcher
noch die Sonne scheinet, recht feurig leuchten,
und wann die Sonne noch tiefer ist; so
siehet Man die Luft über denen Bergen, von
dem Sonnenlicht erleuchtet. Man theilet die
Luft in 3. Regionen ein. Die erstere er- 

/|P_279

/strecket sich da, wo der Schnee nicht schmelzet,
welche unter denen verschiedenen Zonen ver-
schieden ist. Sie erstrecket sich in einer Höhe
von 6.000. Fuß, obgleich es auf denen Cordilla-
rischen Gebürgen in einer Höhe von 15.000. Fuß
nicht schmilzt. Die 2te Region gehet da, wo
die Wolcken sind, wann sie am höchsten ge-
stiegen, und über welche die Metheoren nicht
Mehr steigen. Die Wolcken und Gewitter_Wol-
cken sind zwar niedrig, indem sehr wenige
über 6.000. Fuß steigen, sie sind also meh-
rentheils Niedriger als der Ort bey den Bergen,
wo ein beständiger Schnee ist; alleine die
Erfahrung zeiget doch, daß einige Wolcken
höher steigen, als die höchsten Berge,
und die Sternschnuppen, die von der Pöbel-
haften Meynung so benannt sind, sind auch
weit höher. Midon [[Brydone]] sagt, wenn Man die Stern-
Schnuppen, von der SPize des Berges Aetna fallen

/ sieht

/δAdickes

/|P_280

/siehet, so scheinet es, als wann sie würcklich aus
der Höhe der Sterne kommen; die Feuerkugeln
sind noch höher, indem die FeuerKugel 1761. die
den 5ten Theil von Deutschlandt erleuchtete, 16. Mei-
len hoch war; in der Höhe von 8. deutschen Mei-
len brannte sie noch, und in der höhe von
6. Meilen plazte sie. Die Nordlichter sind
nicht hoch, sie sind leuchtende LuftErscheinungen
die durch den Wiederschein des Sonnenlichtes
in den Schneetheilgens, die in der Luft
sind, entstehen. Sie entstehen aber so, wie
der Regenbogen, und so wie jeder einen
andern Regenbogen hat, so hat jeder ein an-
deres Nordlicht. Die dritte Region gehet
bis dahinn, wo sich die ganze Athmosphaere
verlieret. Die Gränzen der beyden lezteren
Regionen sind ungewiß.

/ ≥ §_55. ≤

/Die Luft ist in einigen Gegenden feucht,
in andern aber trocken. Die Luft wird
feucht genannt, nicht, weil sie Feuchtigkeit

/|P_281

/enthällt, sondern weil sie viel Feuchtigkeit fah-
ren läßt, und die Luft heißt trocken, nicht
weil si{2- e -2} keine Feuchtigkeit hat, sondern
weil sie viel Feuchtigkeit verschlucket. Ob nun
gleich die Länder, die an den Meere ge-
legen sind, feuchter als die weiter von ihnen
gelegene sind, mithinn auch die Feuchtigkeit
zuweilen von den Meeren herrühret: so ist
doch die Ursache von der Feuchtigkeit und
Trockenheit der Luft, mehrentheils von der
Beschaffenheit des Bodens zu deriviren.
Überhaupt ist zu mercken, daß dasjenige,
was die Luft elastischer Machet, d. h. Meh-
rere Freyheit sich auszubreiten ihr verschaf-
fet, dieselbe trockner, und dasjenige, was
ihre Elasticitaet einschräncket, feuchter Mache.
Von der erstern Arth ist der Sand. In Persien
und den Sandwüsten überhaupt ist es also
weit trockner und heißere Luft, als in der
Zona torrida selbst zu finden. Diese Luft

/ ob

/δLage_LL

/δAdickes

/|P_282

/ob es gleich in den Ländern, wo sie anzutreffen,
sehr warm ist, schluckt die Dünste, die aus den
Menschen aufsteigen, dergestalt in sich, daß @Ihne@,
es sey denn bey der allerhöchsten Bewegung
gar nicht schwizt, indem der Schweiß von der
trocknen Luft verschluckt wird. Man glaubt auch,
daß die schwachen Augen, indem es nirgends
so viele Blinde giebt, als in denen trocknen
Ländern, davon herrühren, daß die trockene Luft
die flüßigen Gefäßchens der Augen austrock-
net. Zum Theil rührt es aber auch von der
Unreinigkeit, die aus der Excremation von Men-
schen und Vieh entstehet, und wovor Man nicht
gesorget hat, daß sie einen Abzug habe, her,
die in solchen Ländern immer sehr groß ist;
obgleich in diesen Ländern, das Waschen ein
Religions-Stück ist, und aus weisen Absichten
Mag verordnet seyn, um der Unreinigkeit abzu-
helfen, so geschiehet es desto weniger, indem
durch ein solches Religions_Gesez immer Betrüge-
rey vorgehet, indem man dadurch glaubet,

/|P_283

/alles übrige gut zu Machen. Dahero sie sich
nur die SPizen der Finger waschen, und
das übrige doch unrein bleibt. In Guinea
auf der Sclaven_Küste stellte sich im Febru-
ario ein entsezlich trockener und heißer Wind
ein, daß davon den Einwohnern allenthalben
die Haut abspringt, auch die Schiffe auf dem
Verdecke eine Handbreite Rize bekommen,
welche aber bey dem Übergange dieses Windes
wieder von selbst verschwinden. Dahero die
Einwohner zu dieser Zeit, beständig in ihren
Häusern bleiben, und allenthalben dieselbe
aufs sorgfältigste deicht zu Machen suchen.
Weil auch in Chald@a@ea wegen Trockenheit
der Luft, die Sterne beständig ganz hell
und auf einer Stelle, die in andern
Ländern wegen Bewegung der Dünste, ver-
ändert wird, stehen bleiben, auch die Ein-
wohner die Dächer ihrer Häuser ganz Platt
bauen laßen, damit sie auf denselben die
Nächte über schlafen können, überdem die

/ Nacht

/|P_284

/Nacht in diesen Ländern beständig 10. Stunden
und zuweilen etwas drüber währet, in dieser
Zeit aber, die Menschen nicht beständig schla-
fen können; so war es auch kein Wunder,
daß hier die Astronomie, obgleich die dorti-
gen Einwohner nicht als sehr wißbegierige
Leuthe bekannt waren, erfunden worden,
weil sie weder durch die Kürze der Sommer-
Nächte, noch durch die Kälte des Winters,
oder durch die Feuchtigkeit der Luft verhin-
dert wurden, Beobachtungen anzustellen,
überdem Merckt Mons. Carle [[?????]] an; daß er
nichts reizenderes gesehen hat, als den gestirn-
ten Himmel zu Balsora. Die Feuchtig-
keit der Luft ist sehr schädlich, und es be-
findet sich dieselbe

/1.) Wo Steinkohlen sind, dahero auch in Es-
sex, wo die Meisten zu finden, die
Leuthe Mehrentheils, das Fieber an sich
haben.

/2.) In den Ländern, wo hohe Berge sind:

/|P_285

/Weil die Blätter der Bäume sehr viele
Luft aus der Erde aussaugen, und durch
andere Röhren transpiriren; so findet
Man eine erstaunliche Feuchtigkeit.

/3.) Da, wo «¿»Viele Wälder beysammen sind,
da nun diese, bey dem erweiterten
Korn-Bau ausgerohdet werden mußten,
so findet Man auch deßwegen in Europa
viel gesundere Länder, als sonst wo.

/4.) Morästige Länder ziehen gleichfalß die Wol-
cken an, vermuthlich kommts von denen as-
phaltischen Theilen, die darinne sind, und
wovon die glänzende Haut, die sich öfters
über ihnen befindet, eine sichere Anzeige
ist.

/ ≥ §_56. ≤

/Die Luft hat eine Säure bey sich, die der Salpe-
ter_Säure gleichet. Der Salpeter wird von der Kunst
hervorgebracht, wenn ein acidum mit alkalischen
Theilen, oder Asche und mit urinoesen @Theiles@
der Ausdünstungen des Viehes und der Menschen
vermischet worden. Aus gleichen Theilen scheint

/ auch

/|P_286

/auch die Landluft zu bestehen, als welche die Vie-
hische Ausdünstungen, oder das Salz von den
Gewächßen aussaugt, zu bestehen. Die Landt-
Luft ist gänzlich von der Seeluft unterschieden,
Von ihr * entstehet der Scharbock, eine Krank-
heit, bey welcher die Menschen alle ihre Kräfte
verliehren, und dabey doch munter zu seyn
glauben, wann sie im Bette seyn, auch gar
keine Schmerzen empfinden; bey welcher die
Leuthe, bey der Nachricht von der geringsten
Veränderung heftig erschrecken, auch wohl gar
sterben, die aber sogleich verschwindet, sobaldt
sie lebendig ans Land kommen. Dieser Unter-
scheid scheinet dahero zu kommen, weil die Seeluft v@ie@l-
leicht nicht die Mischung, als die Landluft hat, wovon
das Eisen rostet. Auf der See kan man das Landt
riechen, ehe manns noch zu sehen bekommt. Es ist zu
mercken, daß unsere Geruchs-Nerven, wegen der
wenigen Achtsamkeit, die man in den Städten auf
den Geruch verwendet, sehr verdorben und vergrö-
bert sind, welches auch, um der Gesellschaft nicht ~

/|P_286R δZ_5

/{2- * nemlich
der Seeluft -2} ~

/|P_287

/beschwerlich zu fallen, höchst nöthig ist. Die Wilden da-
gegen, haben einen sehr feinen Geruch, dergestalt,
daß sie beym Eintritt in eine Stube jederzeit wi-
ßen, ob und an welchem Ende der Stube der Br@an@dt-
weinn aufbehalten wird. Einige kleine Beobach-
tungen werden uns überführen, wie wir die
Gegendt, aus welcher der Wind kommt, durch die
besondere Beschaffenheit des Windes - z. E. der
Südwind führet Feuchtigkeit bey sich - unterschei-
den können. Weil nun die Alten große
Schiffarthen unternommen, und doch dabey
keinen Kompaß gehabt, so müßen sie
gleichfalls diesen Kunstgriff, die Winde
zu kennen, gehabt haben.

Annot:» Nicht alleine die Transpiration der
vielen Bäume im Walde vermag die Luft
feucht zu Machen, sondern da man überhaupt
weiß, daß erhaben Gegenstände, das Unge-
witter an sich ziehen; so erhellet aus allem,
daß die Wälder eine Art von Kraft, die
Wolcken an sich zu ziehen, «gehabt» haben. Über

/ der

/δAdickes

/|P_288

/der Insul Madera hatte sich ehemahls, eine
sehr finstre Wolcke gesencket. Da es nun
die Hollaender für ohnmöglich hielten, daß
eine Wolcke beständig über einen einzigen
Orth bleiben könnte, so hielten sie die-
selbe für eine Feen_Insel, oder die mit
Gespenstern besezet wäre, als sich aber
nachgehends einer erdreustete herauf zu
gehen, so @fande@ er, daß sie lauter W{2- äl-
der -2} hatte, wovon sie auch den Nahmen
Madera - Holz - bekommen hat; Iezt ist sie
sehr gut angebauet.

/ ≥ §_57. ≤

/Einige Länder sind wegen der gesunden
und ungesunden Luft berühmet. Von der
leztern Arth sind Porto-belo und Panama,
auf der americanischen LandEnge; ob nun
gleich im lezterem, die beste Gelegenheit reich
zu werden, anzutreffen ist, dergestalt, daß
die Miether einer Gelegenheit, die anders-
wo Iährlich 50. %.Reichsthaler kostet, hier zur Zeit des

/δAdickes

/|P_289

/6. Wochen langen Jahrmarckts 6.000. %.Reichsthaler zu stehn
kommt; so mögen die Menschen doch nicht
gerne daselbst wohnen, weil sie selten über
40. Iahr in dieser Stadt alt werden, und
die Frauen im Gebähren meistentheils sterben,
daher sie zu solcher Zeit verreyßen, auch ver-
liehren die Fremdlinge nach einigen Tagen
die Lebhaftigkeit der Farbe, die sie auch
Niemahls wieder bekommen. Doch pflegen die
Kinder die von Europaeischen Eltern in America
geboren sind, daselbst länger zu leben, als
ihre Eltern. Ferner die Ostliche Küste von
Surinam wegen der Salz-F{2- lötzen -2}, die Ponti-
ninschen Gegenden um Rom, nach Neapel
Südwärts, die Provinz Essex in Engelland.
Überhaupt findet Man in diesen {2- Ländern -2} eine
feuchte Luft und Waldigte Gegenden, und ob-
gleich auch die auserwählten Nahrungs_Mittel
der Gesundheit beförderlich sind, wie dann
das Fleisch der Thiere die Fiebern stärcket
und erhällt; so ist doch die Luft das vornehmste

/ dabey

/δLage_MM,

/|P_290

/dabey, so, daß selbst die L@aa@ge einer Stube
gewählet werden muß, wann man nicht
in Krankheiten verfallen will.

/Folgende Örter sind wegen ihrer Gesundheit
{2- berühmt -2}. Lissabon, welches von denen Engellaen-
dern häufig besuchet wird. Die Ursache von
der Gesundheit dieses Orts, scheint die Ver-
mischung der Landluft und See_Luft zu
seyn, weil diese vielleicht Ingredientzien hat,
die der Landluft fehlen, und ob sie gleich
alleine genommen, der Gesundheit sehr
nachtheilig ist, so scheint sie ihr doch mit
der Landluft versezet, zuträglich zu seyn,
Hieher gehöret auch Montpellier, vielleicht
auch deßwegen, weil die Franzosen ge-
sprächig seyn, und die Krancken dadurch,
daß sie in ein Gespräch verwickelt werden,
und die Aufmercksamkeit auf die Schmerzen
verliehren, sie dieselben nicht so heftig em-
pfinden, doch, weil sich hier die Mehreste
aufhalten, die an venerischen Krankheiten dar- 

/|P_291

/nieder liegen, auch à parte Ärzte dazu verordnet
seyn; so pflegt eine Reyse nach diesem Orthe
verdächtig zu seyn. Die Pest, die Pocken und
venerische Kranckheiten können weder aus der
Luft, noch aus andern natürlichen Ursachen her-
rühren, sondern sie entstehen aus der Ansteckung.
Sie haben ihren Ursprung aus Egypten und
America. Vormahls besuchten die Portugiesen
Brasilien, wegen der Gesundheit sehr starck,
und überhaupt ist es der Gesundheit sehr zu-
träglich, in der Jugend in Nordlichen Ge-
genden, im Alter aber in Südlichen zu leben.
Preussen ist gesund, obgleich seine Witterung
zuweilen unangenehm ist. Meyland in Ita-
lien pflegt auch von Fremden öfters besucht
zu werden, jenes vielleicht wegen des fleißigen
Kornbaues und vieler Graßarten, lezteres
aber, weil sie die einzige <{2- Stadt -2}> in Italien ist,
wo die französischen Sitten herrschen.
Einige Kranckheiten scheinen dem Boden
eigen zu seyn * - zu diesen gehöret «viel-»

/ «leicht» ~

/|P_291R δZ_18

/{2- * welche die
Endemische
Krankheiten
heißen -2} ~

/|P_292

/{2- auch -2}, die Elephantasis, die einem Ausschlage
ähnlich ist. Der Nahme kommt vermuthlich
daher, weil ein Fuß so groß wird, wie ein
Elephanten_Fuß, ferner gehört dahinn der
Epidemische Schweiß - andre grassiren
aber in einigen Ländern nur daher, weil
jemand sie anfänglich bekommen hat, her-
nach aber wegen ihres erstaunenden Giftes
weiter um sich reißen, welches die Epi-
demischen Kranckheiten genennet werden.
Die Pocken sind bey den Alten anfänglich
ganz unbekannt gewesen, und sie haben sie
nur von den Sarazenen herbekommen,
so, wie die venerische Krankheit aus Ameri-
ca hergekommen, die bey den Europaern
ganz unbekannt gewesen. Die Pest scheint
in Ober-Egypten ihren Siz und Wurzel
zu haben, welche sich zu Manchem Zeiten
aber beständig nach Süden fortrückte.
Dergestalt, daß die Einwohner in Aleppo
am Thor, welches am nächsten nach Egypten

/|P_293

/lieget, am ersten die Pest beKommen. Hier-
wieder ist kein anderes Mittel, als die Ab-
sonderung von allen Menschen, welches aber
auch ganz unträglich ist. Ihr Zug ist füglich
mit dem Fluge der Egyptischen Heuschrecken
zu vergleichen, die ihren beständigen Siz in
Egypten haben, zuweilen aber eine solche
Begierde zu «¿»wandern bekommen, das sie,
ohnerachtet viele von ihnen in dem Waßer,
worüber sie fliegen, versaufen; dennoch
ihren Cours ganz genau einhalten, der
nach Süden gerichtet ist. Die venerische
Kranckheit soll von dem Eßen der gro-
ßen Heuschrecken in America, auf einer
Insel entstanden seyn. Franciscus_I
zu erst von ihnen, und bekam diese
häßliche Kranckheit, von welcher Zeit an,
sie sehr herum grassiret, besonders in
einem Theile von Syberien. Die Americaner
helfen sich durch ein gewißes Kraut so-
gleich davon ab, welches aber bey uns noch

/ nicht

/|P_294

/nicht so bekannt geworden. Die Engellaender
glauben, daß wann die Regierung eine
Verfügung treffen möchte, daß die Ärz-
te, die die Kranckheit ihrer Patienten
ausbringen würden, von ihrem Amte
removiret werden sollten, so würden sich
ihnen die Leute sogleich anvertrauen,
und auf solche Art die Krankheit ganz
removiret werden. Die Franzosen se-
zen sich an schleimigte Theile und Man
hat bemercket, daß derjenige, der an
dieser Krankheit darnieder liegt, vor allen
übrigen gesichert sey. Überhaupt ist zu
mercken, daß bey allen ansteckenden Krank-
heiten, das Quecksilber das beste Mittel
sey, weil nun eben dadurch die Würmer
sehr häufig getödtet werden, so schließet
ein gewißer Arzt [[Desault]] mit Recht, daß die
Pocken, Pest, Franzosen pp von einem Wurm¥
saamen herkommen, welcher von einem

/δAdickes

/|P_295

/Cörper zum andern fortgehet.

/Nota: Unter die wegen ihrer Ungesundheit be-
rühmte Örter, rechnet Man auch die Thomas_Insel,
die zu Africa gehört. In Nova Zembla, in welche fälsch-
lich beständige Einwohner versezt werden, waren
Syberianer hingefahren, die aber daselbst starben.
nach der Zeit vertraueten sich andere dahinn zu
reyßen, und haben gefunden, daß im Herbste
aus dem Meere ein dicker und stinkender
Nebel, der von den verfaulten Fischen und
Bären vermehret worden, aufsteige. Weil
sich auch das Waßer in den Busen öfters
nicht beweget, so findet sich an den Orten,
wo viele Busen sind, eine feuchte Luft,
und sie sind folglich ungesund. In Aleppo
ist eine Arth von Pest, da dem Menschen
auf dem Gesichte ein rothes Geschwühre
aufsteiget, her nach aber in ein Loch dege-
neriret. Diese bekommt ein Fremdling
sehr baldt, wann er sich nur eine kurze
Zeit darinnen aufhält.

/ ≥ §_58. ≤

/Gleichwie es in denen Meeren, obere und

/ untere

/δAdickes

/|P_296

/untere Ströhme giebt, also finden wir auch in
der Luft dergleichen Ströhme, die so wohl
oben als unten herrschen, und die Winde ge-
nannt werden. Die erstern entstehen von
der Anziehungs_Kraft des Mondes; da aber
diese Kraft des Mondes mit der Schwehre ei-
nerley Bewandtniß hat, und vermöge dieser
lezteren die Körper, sie mögen dicht oder
dünne, klein oder groß seyn, in einer
gleichen Zeit zur Erde hingetrieben werden,
so wird die Luft, so, wie das Waßer um
10. Fuß in die Höhe gehoben, ohnerachtet
diese viel leichter ist, als das Waßer, wel-
ches aber auf eine solche Höhe, wie die
Luft hat, keine nahmhafte Wirckung haben
kann; also können diese Luftströhme
mit den Meeres_Ströhmen, wohl nicht einer-
ley Ursachen haben, wiewohl unter dem
Aequator an dem Winde, der von Abend
gegen Morgen zuwehet, deßen Würckung zu

/|P_297

/spühren, wie man auch bemercket hat, daß wann
im Neumond der Wind nördlich stehet,
von da nach Osten und so weiter in allen
Gegenden fortrücket, bis er endlich im Neu-
Monde wieder in derselben Gegend stehet,
als dann eine schöne Witterung eintreffe.
Wann aber derselbe in eben diesem Stan-
de des Mondes, von Norden nach Westen
gehet, und von da wiederum zurücke springt.
ein wiedriges und unangenehmes Wetter er-
folge. Die Winde mögen vielleicht aus
vielerley Ursache, z. E. aus den Dünsten,
die von den unterirrdischen Örtern in die
Atmosphaere aufsteigen, entstehen, doch
sind davon keine General-Regeln bekannt.
Diejenigen, von denen Man zuverläßig
weiß, daß sie die Ursachen von denen
Winden sind, sind Wärme und Kälte,
jene vermehret die Elasticitaet der Luft,
diese aber ziehet sie zusammen und

/ ver- 

/δLage_NN.

/|P_298

vermehret» <vermindert> sie. Wann die Sonne über eine Insel
scheinet, so wir«t»d das Land weit eher, als das Meer
sowohl wegen seiner Durchsichtigkeit, nach welcher
es sehr viele Strahlen verschluckt, als auch,
weil sich das Waßer beständig beweget,
mithinn verschiedenes Waßer der Sonne
in jedem Augenblick zur Erwärmung ent-
gegen sezt, erwärmet, mithinn wird die
Luft über der Insel elastischer, als die
See_luft, weil sie aber auch eben dadurch
leichter wird, als die Seeluft, so muß
die Seeluft dieselbe über sich wegtreiben,
und weil solches SPiel beständig continui-
ret wird, so muß in ihnen bey Tage ein be-
ständiger Seewind herrschen, wann aber
die Sonne weiter unter dem Horizont
gerücket, und die angränzenden Länder
beschienen; so wird die Luft_Säule dadurch
elastischer über diesen Ländern gemachet,
weil sie daher der niedrigen Länder

/δAdickes

/|P_299

/Luft nicht wiederstehen kann; so entspringt
ein Landwind in diesen Insuln, weil @eine@
LuftSäule beständig auf der andern folgt.
Die Luft nehmlich, die dem «¿»erwärmeten Lande
zur Seiten ist, dringt in die Stelle der
erwärmten LuftSäule, und treibt sie mit
sich in die ihr entgegen gesezte Seite fort.
Es findet auch solche würcklich in allen
Insuln und Küsten, die unter dem
Aequator liegen, statt, und schaffet ihren
Einwohnern einen sehr großen Vortheil;
indem die erschreckliche Tages-Hize da-
durch gemildert wird, daß die See-
Winde über sie streichen, durch die
Landwinde aber die große Kälte der
Nacht, die in diesem Himmels-Striche 10.
Stunden dauert, und in welchen die Luft
sehr baldt gänzlich abgekühlet wird, zumahl
hier die Sonne ganz unter dem Horizont
fortgehet. In den temperirten Zonen aber

/ besonders

/δAdickes

/|P_300

/besonders in den längsten Tagen, fast beständig
über dem Horizont gehet - vermindert wird.
Wann ingleichen die Einwohner mit dem Land-
Winde des Abends von der Insul abreyßen,
so können sie vermöge des Seewindes am
folgenden Morgen, auf die andere Insul
herüber kommen. Ein Englischer Schifs-Ca-
pitain
[[Blake]] der den Spaniern sehr vielen
Schaden gethan, gebrauchte diesen Vortheil
mit dem See_Winde in den Hafen von
Santa_Cruza einzufahren, das Fort zu
ruiniren und mit dem Abendwinde
wieder abzufahren, ob es ihm gleich, als
eine verwogene Handlung ausgeleget
wurde, indem, wann er sich länger
aufgehalten, von der eindringenden
Macht der Spanier wäre überwältiget
worden; so wird er wohl die Beschaffen-
heit der Philippinischen Inseln gewußt
haben, und ist also vollkommen zu entschul- 

/|P_301

/digen. Auf denen 2. Haemisphaeriis, ist es be-
ständig kälter, als in der Zona torrida,
unter welcher die Sonne gleichsam ihren Siz
hat, deßwegen ziehet sich die kältere
Luft dahinn, und sucht die erwärmtere
zu verjagen; aus der Zusammenvereini-
gung der Luft der 2. entgegen gesezten
haemisphaerien aber entstehet ein Wind,
der von Morgen gegen Abend zu wehet,
und der Passat-Wind genannt wird.
Weil aber die Sonne in einem halben
Iahre in das Nördliche haemisphaerium tritt,
und sich vom Südlichem entfernet,
im andern halben Iahr aber sich dem
Südlichem nähert und das Nördliche ver-
läßet; so wird fast jederzeit in dem
einem haemisphaerio kältere Luft, als
in dem andern seyn, folglich «wird» <{2- auch -2}> von
der einen Gegendt, entweder von der
Nördlichen oder von der Südlichen Halbkugel

/ herkommen

/|P_302

/herkommen. Obgleich die Einwohner dieser
Gegenden mit uns eigentlich zu gleich
Sommer haben, weil die Sonne ihnen zu der
Zeit, wann sie uns am höchsten stehet,
eben so erhöhet ist; so Nennen sie doch
die Zeit, wenn sie in der Nördlichen
Halb-Kugel ist, Winter, indem der
Wind bey ihnen beständig feuchte Luft
und Regen mitbringt, die Zeit aber, wenn
sie in der Südlichen ist, nennen sie
Sommer, weil ihnen der Wind eine trocke-
ne, heitere und angenehme Witterung
verschaft. Diese Winde, die von der
Iahres-Zeit herrühren, «Nennen sie Sommer,»
werden Ma¿sons oder Monsons Winde genannt.
Was die Trockenheit und Feuchtigkeit der
Winde anbetrift, so gilt es überhaupt,
als eine gener@al@ Regel in der ganzen
Wellt, daß die Ost-Winde beständig ~

/|P_302R δZ_15

/d

/δAdickes ~

/|P_303

/trocken seyn, sie Mögen über Landt oder
über Meer kommen, und daß der Wind
beständig feucht sey, der aus Westen
entspringt. Es gillt dieses auch, wenn
der Ost-Wind und West-Wind über
gleich große Meere gehet, oder jener
sogar über größere als lezterer kommt,
welches erstere bey dem Capo bonae spei
statt findet. Nord- und Sud_Wind
sind mehrentheils trocken, so wie lezterer
warm, ersterer aber kalt ist. Obgleich
Ost- und West in Ansehung der Kälte
und Wärme * gleichgültig zu seyn scheint,
so findet Man doch, daß die West-Winde
warm, und die Ost-Winde kalt sind.
Es ist auch merckwürdig, daß wir im
herbst, noch einige Tage heiteres Wetter
haben; dieses kommt daher, daß es am Ende
August unter den Polen schon zu %frieren

/ anfängt ~

/|P_303R δZ_13

/{2- * ganz «@%und@» und
gar -2}

/δAdickes ~

/|P_304

/anfängt, und der Wind uns als denn die
warmen Dünste zuführet. Dieses wird der
NachSommer genannt. Alle Winde kühlen ab,
und machen nicht wärmer. Wenn die Luft
nicht heißer, als Menschenbluth, d. i. 96. %Grad nach
dem Farenheidschen Thermometer ist; so hats
die Bewandtniß mit ihnen, als wenn sie
aus heißen Backöfen kommen, wie sol-
ches ein Wind in Egypten und ein anderer
der Zamiel genannt wird, thun. Da nun
die Wärme bey uns Niemahlen über 80. %Grad
steiget, so {2- @k@ühlt -2} auch in unserer Gegend
jeder Wind ab.

/Annot. I. Das Abwechseln der See und Landt-
Winde in den Insuln und Ländern unter
dem Aequator, scheinen wegen ihres großen
Nuzens, einen besondern End{2- zweck -2} und Absicht
erfordert zu haben, und k«o»{2- ö -2}nnen demnach
leichtlich uns einem ger¿¿¿gen Mechanismo
erkläret werden, aus welchem Man mit

/|P_305

/Recht schließen kann, daß der Grundstof
dieser Wellt, ein Wesen sey, welches
seiner Natur nach, zur Einheit, Mannig-
faltigkeit und Ordnung geschickt ist.

/Annotat. II. Bey uns sind überhaupt die
Nord-Ost-Winde am trockensten, die
Nordwestwinde auch die Südwestwinde
nebst denen Süd- und Westwinden am
{2- feuchtesten -2}. Es ist aber zu mercken,
daß in jedem hemisphaerio, die
Winde die vom nächsten Pol her kom-
men, allemahl trocken, diejenigen aber,
die von entgegengesezten entspringen,
jederzeit feucht sind, %und so wird unser
Nordwind im Nordlichem hemisphaerio
trocken, im Südlichem aber feuchte seyn
der Wind Terrino, der im Februario
in Guinea wehet, scheint der trockenste
zu seyn.

/ ≥ §_59. ≤

/Wann wir untersuchen, warum die

/ Süd- 

/δLage_OO.

/δAdickes

/|P_306

/Süd-Winde beständig feucht, die Nordwinde
aber trocken sind, so müßen wir mercken,
daß die Ursache, die man davon anführt,
ganz unzureichend sey: der Südwind s¿
soll deßwegen feucht und warm seyn,
weil er über warme Länder wehet, der
Nordwind aber deßwegen trocken und kalt,
weil er über kalte Länder streichet.

/Denn der Südwind wehet nicht alleine
sehr langsam, wodurch er viel von seiner
Wärme verliehret, sondern er streichet
auch über hohe Berge, wo er durch die
darauf befindliche Luft, völlig abge-
kühlet wird; es sind auch überdem die
längsten Tage in Ländern nach der Zona
frigida zu gelegen, weit heißer, als es
zu der Zeit in der Zona Torrida ist;
folglich würden zu manchen Zeiten die
Nordwinde Wärme bringen, welches
doch ganz der Erfahrung wiederstreitet.

/|P_307

/Erstlich müssen wir wißen, daß trockene
Luft nicht diejenige sey, die viele Feuch-
tigkeit, sondern die keine Feuchtigkeit
fallen läßet. Die Meridiane der Erd-
Kugel sind bey dem aequator weit,
und schmählern sich von da, so lange,
biß sie unter den Polen ganz zu sam-
menstoßen. Wann nun ein Wind von
Süden wehet, so treibet er die Luft,
die im zweyten Theil vertheilet war,
in einen engern zusammen, folglich da
die LuftSäulen, die in den nach denen
Polen gelegenen Gegenden kälter sind,
ihnen wiederstehen und sie in den Ort,
den sie einnehmen, nicht hinein dringen
laßen; so treibet sie der Süd_Wind
nach oben, über die schwehre und kalte
LuftSäulen dieser Erdstriche, wann
nun aber die obere Luf wärmer wird,
so wirds auch die untere Luft; folglich

/ sind

/δAdickes

/|P_308

/sind alle Südwinde warm. Wann aber
im Gegentheil der Wind aus Norden ent-
springet, so treibet er die Luft, die in
einem engen Raume zusammen gehalten
wurde, in einen weitern hinein, folg-
lich die obere Luft, nach unten, gleich-
wie im ersterem Fall, die untere nach
oben. Weil nun aber in der obern
Region des Luftkreyßes, die Luft
viel kälter, als unten ist, so muß
auch der Nordwind beständig kalt
seyn. Wir verstehen aber auch hieraus,
warum der Südwind feucht, der Nord-
wind aber trocken ist, weil im ersterem
Fall, @«der»die@ nach oben getriebene, aber vor-
hero unten gewesene Luft, die Feuch-
tigkeit nicht erhalten kann, weil die
erwärmte Luft nicht so dicht ist, als
die kalte - im andern Fall aber die obere

/|P_309

/Luft «aber» niemahls mit Dünsten angefüllet
und gesättiget gewesen. Dieses alles
würde geschehen, wann auf der ganzen
Erde keine andere Winde, sondern ein
allgemeiner Nord- oder Südwind wäre,
alleine obgleich die vielen Zwischen_Winde,
die neben diesen sind, diese allge@m@eine
Würckung verhindern; so muß doch
jederzeit dieselbe einzel@n@ statt finden,
so baldt ein Nord- oder Süd-Wind
wehet. Wann wir nun gleich die Ur-
sache von denen Latitudinal-Winden,
oder dem Nord- und Südwinde
durch die Aufhebung des Aequilibrii, der
in der Zona torrida warmen, und in den
übrigen {2- @Gürtel@strichen -2} kalten Luft erklären
können, so gehet doch solches nicht mit
den Longitudinal d. h. dem Ost- und
West-Winde an, weil in Örtern, die

/ einerley

/δAdickes

/|P_310

/einerley Breite oder Entfernung vom Ae-
quator haben, die Luft zu einer und
derselben Zeit gleiche Wärme und Kälte
haben «würde». Es scheinet dahero, als wann
diese beyde Winde aus der Veränderung
der Latidudinal_Winde entstanden seyn.

/Die Erde bewegt sich unter dem aequator
in 24. Stunden im größtem Circkel; in den
Polen aber ruhet sie ganz und gar, sie reißet
aber auch zugleich, die Luft die @«unter»{2- über -2}@ ihr
stehet, mit sich, und obgleich es scheinen
sollte, daß aus dieser Bewegung allein ein
Wind entstünde, so gehet dieses doch
nicht an, weil die Luft {2- sich -2} Mit einer
gleichförmigen Geschwindigkeit an allen
Orten eben deßelben Creyses sich bewegt;
folglich immer dieselbe Luft über einem
jedem Orthe stehen bleibet; Man siehet
aber @auch@ zugleich, daß die Luft sich
gleichfalls in einem Parallel-Circkel

/|P_311

/geschwinder, als in dem andern beweg«t»en müste.
Wann nun ein Wind aus Süden entsteht,
so kommt er in eine Gegend, {2- wo -2} sich die
Luft langsahm beweget, und weiter zu-
rücke bleiben muß, indem er der Luft,
die daselbst auch schw@e@hrer ist, nicht
genugsam wiederstehen kann; so nimt
er eine Richtung an, die sie schon
hatte, nehmlich von Abend gegen Morgen,
und degeneriret zu einem Südwestwinde,
bis er endlich ganz und gar ein West-
Wind wird. Wann aber im Gegentheil
der Wind von Norden kommt, so ge-
räth er in Kreyßen, wo die Luft eine
weit geschwindere Bewegung und größere
Schwungs-Kraft, als in den Kreyßen,
die weiter nach Norden gelegen seyn,
folglich wird er durch seine Schwehre
der sich bewegenden Luft wiederstehen
und eine ihr, und folglich auch der

/ allge- 

/|P_312

/allgemeinen Bewegung der Luft entgegen
gesezte Richtung {2- an -2}nehmen, und hieraus
entstehet ein Nord-Nord-Ost-Wind,
dann ein Nordostwind, * nach dem lege
continuitat@i@s degeneriret, und da der ost-
Wind eine Arth Nord-Wind ist, so muß
er trocken, und da der West-Wind eine Arth
Südwind ist, so muß er feucht seyn.
Hiervon aber sind folgende Ausnahmen
merckwürdig: als

/An der SPize von Nordamerica ist der ost-
Wind feuchte, der West-Wind aber trocken,
Es ist aber zu mercken, daß wann der
West-Wind über ein sehr weites und
langes Land streichet, er endlich seine
Feuchtigkeit ableget. Wann aber der Ost-
Wind über ein sehr weites Meer kommt,
er mit der Zeit «sehr» feucht wird, wel-
ches im gegenwärtigem Falle geschiehet.
Zuweilen sind auch die Südwinde ~

/|P_312R δZ_4

/{2- * bis er zulezt
in einen
ordentlichen
Ostwind -2}

/δAdickes ~

/|P_313

/kalt, wann sie uns Nehmlich nur den
Nordwind zurücke bringen. Die Nord-
winde aber warm sind, wann es Nehmlich
im Winter sehr starck frieret, und,
welches aber ein seltener Fall, die obere
Luft mehr Wärme, als die untere hat,
die er in ihre Stelle b@rin@get. Was den
Südwind anbetrift, so mattet er sehr
die Glieder des Menschen ab.

/ ≥ §_60. ≤

/Der Wind überhaupt entstehet auf eine 2fa-
che Art:

/1.) Wann ein Wind den andern zurücke
bringt.

/2.) Wann eine Reyhe LuftSäulen in die
Stelle der erwärmetern, und dadurch
leichter gemachten Luft, hinein dringet.

/Eine Frage ist bey diesen Abhandlungen von
denen Winden noch merckwürdig: Ob Nehm-
lich der Ost- oder West-Wind am ersten

/ in

/δLage_PP.

/δAdickes

/|P_314

/in dem Orte seines Ursprunges, oder wohinn
er wehet, zu spühren sey? Überhaupt muß
man das leztere bejahen. Der Westwind
ist ein ausgearteter Südwind, folglich
treibt er die untere Luft nach oben. Diese
obere Luft reyßet aber zugleich die untere
mit sich. Da aber erst die Luft, aus dem
Orte, wo sie erwärmet worden, weichen Muß,
ehe ein Wind zu spühren, so muß auch
daselbst, wo die Luft aus ihrer Stelle
weicht, der Wind am ersten bemercket
werden. Wann aber der ost-Wind,
so wie der Nord-Wind, die obere Luft
nach unten b{2- eweg -2}et; so muß an der Stelle
der Wind am ersten zu mercken seyn,
wo Er die obere Luft in die Stelle der
untern «bringet» treibet, das ist, wiederum an
den Orth, wohinn er wehet. Es ist aber
besonders anzumercken, daß beym Westwinde

/|P_315

/die Fahnen knarren, welches denen Landleuten
eine gewißere Nachricht, von der Verän-
derung des Wetters geben kann, als das
Krähen der Hähne, weil leztere auch aus
andern Ursachen einstimmig zum Krähen
angetrieben werden «können». Man siehet
auch die Wolcken von Westen eher kommen,
ehe noch der Wind anfänget. Der Ostwind
aber ist weit eher zu hören, ehe eine Wol-
cke in der Gegend gesehen werden kann.
Die Fahne knarret nicht eher, als biß
sie hinn und zurücke beweget wird,
daher muß der West_Wind in Zwischen-
Räumen auf dieselbe stoßen, welches
auch gar leicht einzusehen ist, indem der
Westwind die untere Luft herauf bringt,
welche dann von oben wiederum die untere
aus der Stelle bringt, und gleichsam Wel-
len schläget. Es hat also dieser West_Wind

/ mit

/|P_316

/mit denen Brandungen eine Ähnlichkeit, und
ist kein Wunder, wann er Stoß weise
wehet, da im Gegentheil der Ost_Wind
die untere Luft gleichförmig beweget, und
also auch @ein@förmig wehen kann; der
Paßat-Wind ist unter dem Aequator
Perpendiculair ganz östlich, nach dem Nörd-
lichem hemisphaerio zu Nordöstlich, nach dem
Südlichem aber Südöstlich. Endlich ist noch
zu mercken, daß nahe an denen Wende-
Circkeln ein Westlicher Passat-Wind
wehet, der denen Spaniern auf ihrer Reyße
aus Aquapulco nach denen Philippinischen
Insuln, sehr vortheilhaft ist, indem
sie beständig mit einem günstigem
Winde seegeln können.

/ ≥ §_61. ≤

/Eine Windstille entstehet wohl, aus nega-
tiven Ursachen, wann nehmlich kein Wind

/δAdickes

/|P_317

/ist; alleine in einigen Gegenden muß es
auch wohl, aus positiven Ursachen gesche-
hen. In dem Mare_di_Sargosso, wo
das häufige See-Kraut zu finden ist,
befindet sich öfters in einer Strecke von
150. Meilen, eine gänzliche Windstille,
vermuthlich, weil von dem Orte sich die
Luft nach allen Gegenden ausbreitet.
Wann aber ein Wind durch diese Örter
streichet, nehmlich ein Ostwind, nach den
Europaeischen Küsten, weil die Luft
auf dem Lande mehr verdünnet wird,
als die Seeluft, und dann der West-
liche Passat-Wind, so fällt ein solcher
Regen, nicht im Tropfen, sondern als
ein großer Teich, daß die Matrosen
alleine vom Regen ersäuft zu wer-
den glauben. Es läuft auch in diesen

/ Gegenden

/|P_318

/Gegenden der Wind beständig um den
Compass, d. h. er geht aus einer Gegend
in die andere über, und überhaupt
hat hier der Wind eine solche Bewegung,
wie das auf dem Meere so sehr ver-
breitete See-Kraut.

/ ≥ §_62. ≤

/Der geschwindeste Wind ist der, welcher in
einer Secunde 24. Fuß läuft, und
dann ist er schon ein Sturm, alleine
ein Englisches Renn-Pferdt läuft
60. Fuß in einer Secunde, folglich
ist der Lauf des Windes noch sehr lang-
sam. Stürme sind da, wo hohe Vor-
gebürge, Landspizen und große In-
seln seyn, weil an diesen die Luft sehr
reperkutiret wird; die Örter, welche
wegen der Stürme sehr berühmt geworden,

/|P_319

/sind das Capo_horra, das Capo bonae spei,
die %antillischen Inseln und das Chine-
sische Meer. Der Orcan ist ein beson-
derer Wind, der in denen %Antillischen
Inseln herrschet; ehe er anfängt zu
wüthen, siehet Man Wolcken aufsteigen,
die in Kreyßen herumgetrieben werden,
und allerhand Farben bekommen; dahero
ist der Wind, welchen wir Orcan
nennen, von jenen ganz unterschieden.
Über dem Tafelberge, der oben ganz
platt, wie eine Tafel aussiehet,
herrschet ein Wind, welcher das Ochsen-
Auge genannt wird, von den Wol-
cken, welche im Anfange über ihn ganz
klein aussehen, und hernach @immer@
größer werden. Hier scheinet der
Wind, von unten nach oben zu
drücken.

/ §_63.

/|P_320

/ ≥ §_63. ≤

/Was den Regen und andere Witterungen
anbetrift; so ist zu mercken, daß es
einige Länder giebt, in welchen es
gar nicht, andere aber, in welchen es
fast beständig regnet. Von der ersten
Arth ist Egypten, in deßen unterm
Theile oder in Unter_Egypten es den-
noch im Herbst - zu weilen, in deßen
obern Theile aber - welcher zwischen 2.
Wüsten liegt, niemahlen einiger Regen
fällt. Doch wird dieses Land durch
die Überschwemmung des Nils - wozu
noch die Kunst, durch allerley Machi-
nen, Schöpfwercken, die aber schon
schlichter, als zu den ältern Zeiten ge-
worden, das ihrige mit beyträgt -
bewäßert; indem er von weit @entlege@-
nen Ländern und denen dar«¿»in befind-
lichen Bergen durchs Schmelzen des Schnees

/|P_321

/Zuwachß erhällt; Ferner gehören die Küsten von
Peru und Chili hieher, in welchen es wegen der
daselbst beständig herrschenden Südwinde, die die Eigen-
schaften unserer Nordwinde im südlichem Hemisphae-
rio haben, mithinn trockene und rauhe Luft Machen,
beständig heitere Witterung herrschet, und über-
haupt ist zu mercken, wo Sandwüsten sind,
es gar nicht oder sehr wenig, wo aber große
Berge, die dazu noch waldigt sind, viele Wäl-
der und Moräste angetroffen werden, es sehr
viel regnet, * so sind die Regen daselbst bestän-
digen Wolcken-Brüchen gleich, dergestalt, daß
die Matrosen, die zum ersten mahl hinkom-
men, auf dem Verdecke zu ersaufen glauben,
weil das Waßer nicht so viel Zeit bekommt,
abzulaufen. In einigen Gegenden, wo diese
Berge gelegen, sind unter 12. Monathen kaum
2., wo trockene Witterung ist, dahero auch
daselbst sehr reißende Ströhme angetroffen
werden. Castilien war bisher auch unter
die Länder zu zählen, worinne es beständig

/ regnete ~

/|P_321R δZ_10

/{2- * Das Cordilleri-
sche Gebürge,
welches fast
das längste
auf der gan-
zen Erde ist,
%und vom Mi-
ßorischen an-
fängt, hat sehr
viel Regen aus-
zustehen, %und
wenn es so-
wohl hier, als
unter der Zo-
na torrida reg-
net; -2} ~

/δLage_QQ

/|P_322

/regnete, nachdem aber daßelbe von denen sehr
vielen Wäldern gereiniget worden, so ist
daselbst die Witterung gelinder geworden.
Sonst ist noch eine Arth von Regen zu mercken,
der zu einer gewißen Iahres-Zeit in Gui-
nea fällt, und vor dem {2- die -2} Indianer, als vor
Feuer fliehen, weil er die Haut sehr beschä-
diget. Es werden von ihm die Früchte und
Gewächße verzehret, daher zu vermuthen ist,
daß er sehr viele Würmer bey sich führet.
Wann wir untersuchen, warum der Sand
die Eigenschaft hat, daß es über demselben
fast gar nicht, und Berge, Bäume und
Moräste, daß es über ihnen so oft regnet,
so müßen wir Mercken, daß die Luft
so wohl als die Wolcken, eine Elasticitaet
haben, durch welche die Dünste in denen
lezteren aufgehalten werden, daß sie
nicht zusammen laufen, und daß, wenn
diese ihnen benommen wird, die Wolcken
stehen bleiben, die Dünste zusammen

/δAdickes

/|P_323

/fließen, und der Regen entstehet, daß die
Electricitaet 2. fach sey, eine, welche die
Glaßartigen Körper und das Glaß, die andere
welche das Hartz - welches zweyerley ist, das
Baumharz, - refina und Erdharz - bitumen
von welchem lezterem der Börnstein ver-
muthlich eine Gattung ist - welche beyde
Electricitaeten einander hinderlich sind.
Wann es nun gewiß ist, daß der Sand
aus Glasartigen Partikelchens bestehet,
und die Wolcken eine Glasartige Electri-
citaet haben; so wird hierdurch die Electri-
citaet der Luft und der Wolcken vermehrt,
und diese können also nicht über den
Sandwüsten stehen bleiben und zusam-
men fließen; da aber auch die Berge
und Bäume, leztere durch die Ausbrei-
tung ihrer Zweige und Wurzeln unter
der Erde einen Conductorem oder Ablei-
ter der Electricitaet, welches man sonst in
denen Electrischen Experimenten, mit einem

/ Drath

/δAdickes

/|P_324

/Drath bewerckstelliget, vorstellen, darneben
auch eine dem harzigem Cörper eigene Electri-
citaet haben; so ists kein Wunder, daß
durch Wälder und Berge die Electricitaet
der Wolcken ab - und durch die Wurzeln
in die Erde geführet wird. Bey Morästen
aber ist der Erklärungs-Grund nicht
so leicht, weil dieselben in Ebenen sind,
alleine, wann man betrachtet, wie in ihnen
beständig Erdharz angetroffen wird, dieses
aber eine Electricitaet hat, welche der Elec-
tricitaet der Wolcken entgegen gesezt ist,
und dieselbe vermindert; so ist auch ein-
zusehen, warum * über ihnen die Wolcken
stehen bleiben und zusammenfließen
Müßen. Es ist auch nichts Natürlicher,
als dieses, denn da die Dünste von
Kräften, die in dem Boden der Erde
sind, aufgehoben werden, so müßen
auch Kräfte seyn, die ihnen nicht erlauben
höher zu steigen, da sie sonst immer ~

/|P_324R δZ_14

/{2- * in diesem
Fall -2}

/δAdickes ~

/|P_325

/weiter in die Höhe gehen möchten. Weil
nun die Wolcken beständig fortgehen, so
lange der Cörper, der unter ihnen ist,
sie ertragen kann, so muß wiederum
eine Kraft seyn, welche der Luft ihr Ver-
mögen benimmt, die Wolcken zu {2- er -2} tragen,
wann sie stille stehen, und zusammen-
fließen, daher es höchstwahrscheinlich ist,
daß die Ursache davon, in der Beschaf-
fenheit des Erdbodens anzutreffen ist.

/ ≥ §_64. ≤

/Zulezt ist noch die Übereinstimmung der
Witterungen mit denen Iahres_Zeiten
und der Beschaffenheit des Bodens zu
mercken. Im Südlichem Hemisphaerio
ist Nehmlich Winter, wann wir Sommer,
und Sommer, wann wir Winter haben.
Die Einwohner nahe an der Zona torrida
im Nordlichem Hemisphaerio nennen die
Iahres-Zeit «¿»Sommer, in welchen bey ihnen
trockene Witterung und Winter, wann die

/ Regenzeit

/δAdickes

/|P_326

/Regenzeit einfällt, welches dann geschiehet,
wann sie im Astronomischen Verstande
Sommer haben. Mann will bemercken, daß
im Südlichem Hemisphaerio unter denselben
Graden der Breite, {2- als -2} im Nördlichem weit
Kälter sey, daß auch Küsten, die unter
der Breite von 45. %Grad 43 %Minuten liegen, wegen der
strengen Kälte unbewohnbahr seyn sollen.
Man schließet aber solches daraus, daß
das Eis aus dem Südlichem Meer bis
dahinn getrieben wird, wo im Nördlichem
gar nichts zu sehen ist; Alleine dieses
kommt daher, weil solches von einem Win-
de, deßen Richtung gerade zu auf
diese Länder gehet, getrieben wird;
im Nördlichem Hemisphaerio aber
der Wind das Eis in einer andern
Richtung, nach der Hudsonsbay zu beweget,
und daßelbe aller Orten, die in der
angezeigten Breite liegen, vorbey geführet
wird, dahero da, wo das Eis @«her»hin@kommt,

/|P_327

/auch in der Nördlichen Halbkugel in dersel-
ben Breite eben so kalt ist, z. E. bey Terre
Neuve, in welcher Gegendt die Matrosen
Winter-Kleider anziehen müßen. Man
hat eine sinnreiche Erklärung für dieses
Phaenomen erdichtet, Nehmlich: die Erde be-
wegt sich in einer Ellipse um die Sonne,
und bleibt dahero in der Nördlichen Helfte
8. Tage länger, als in der südlichen, wel-
che zu dieser Zeit der Sonne entgegen ge-
sezet ist, folglich haben alle 23. Iahr, die
Bewohner der Nördlichen Halbkugel einen
Sommer mehr, als die, in der südlichen.
Wann dieses daher auf etliche tausend
Iahr zurücke geführet wird, so hat die
Nördliche Halb_Kugel * Mehr gehabt, als die
Südliche, und ist dahero auch Mehr erwär-
met worden. Da aber die Reyßebeschreiber
auch berichten, daß zur Zeit des Winters
unter der Breite, worunter Königsberg liegt,
auch das Vieh der Wilden beständig

/ Futter ~

/|P_327R δZ_16

/{2- * viele Som-
mer -2} ~

/|P_328

/Futter auf dem Felde findet, und der
Schnee sehr frühe aufthauet; so muß es
wohl dorten nicht viel kälter, als in der
Nördlichen Halb_Kugel seyn. Endlich ist zu
mercken, daß Länder, die gegen Osten lie-
gen, allezeit kälter seyn, als die gegen We-
sten zu befindlich, und es findet dieses
sowohl in der alten als Neuen Wellt
statt; auch findet Man, daß zu den alten
Zeiten die Witterung@{2- en -2}@ anders gewesen, als
jezt. In der Provintz Cisalpina, wo jezt
die besten Gegenden sind, haben die Rö-
mer vor großer Kälte gar nicht hinkom-
men können. Ovid beklagt sich @erstlich\ernstlich@
über die rauhe Witterung, die an dem
schwarzen Meere herrschet, da doch jezt
eine sehr angenehme Luft daselbst ange-
troffen «sind» wird. Auch ist es kaum
glaublich, daß wann damahls eine so große
Kälte in Syberien gewesen, als jezt ist, sol-
che große Völcker, die große Staaten be- 

/|P_329

/zwungen haben, sich hätten aufhalten sollen.
Hieraus schließet Halley, daß an den Ecken und
Spizen des festen Landes der alten - 
und hier zwar bey Kamtschatcka - und Neuen
Wellt, die Magnetische Pole nach Osten ange-
troffen werden, welche in einer Reyhe von
Iahren ihre Laage verändern, und dahero auch
die Beschaffenheit der Wärme und Kälte auf
der Erde abändern, die sich nach ihnen be-
ständig richtet. Überhaupt Mercke Man:

/1.) Das Südliche Hemisphaerium ist kälter, als
das Nordliche.

/2.) Die Östlichen Länder sind kälter als die
Westlichen.

/3.) Die Neue Wellt ist kälter als die alte.

/4.) In der alten Zeit war es in der Wellt
kälter, als in der Neueren Zeit.

/Alle diese Stücke sind unerklährbar. Was
das 2te betrift, so glaubt Man, daß es von
einem allgemeinem Ost-Winde herrühre.

/ Und

/δLage_RR.

/δAdickes

/|P_330

/Und von der Neuen Wellt ist zu mercken, daß
sie nicht alleine deßwegen die Neue Wellt zu nen-
nen, weil sie später entdecket worden, sondern weil
sie wircklich Neuer ist, als die alte, zwar nicht spä-
ter geschaffen, aber später sich aus ihrem Chaos
ausgebildet hat; welches auch von vielen Län-
dern der alten Wellt gillt, dahero sie noch vie-
le Feuchtigkeiten in sich faßet, welche δStrich diese
Kälte produciren. Dieses beweiset auch das
4te Stück, indem diese Theile der Erde, die
wir die alte Wellt Nennen, in der alten
Zeit kälter waren, als jezt, indem sie da
noch jünger und noch nicht so ausgebildet
waren.

/Dieses beweisen viele Beobachtungen: Die
Rhone war zu Caesars Zeiten, so gefrohren,
daß er darüber marchiren konnte, welches doch
jezt nicht geschiehet.

/In der Schweitz aber hat Man bemercket, daß
es jezt kälter ist, als vorhero. Dieses scheint
dem vorigem zu wiederstreiten, es bringet

/δAdickes

/|P_331

/uns aber auf folgende Vermuthung: daß viele
Länder, die vorhero kalte Witterung hatten,
wärmer werden, und die warmen Länder
kälter werden, welches der Magnetischen
Linie, die um die Wellt gehet, aber nicht
in gerader Richtung, und in gewißer Zeit
ihren Lauf vollführet, zuzuschreiben ist.
Dann in der Helfte des vorigen Iahrhun-
derts waren die Nadeln in Königsberg
genau gegen Norden gerichtet, jezt sind
sie 13. %Grad gegen Westen abgewichen. Diese
Abweichung Nimmt immer zu, so, daß sie
in Berlin 15. %Grad, in Paris 20. und weiter fort
wieder weniger abweichen, bis sie noch
weiter, sogar gegen Osten abweichen.
In Paris hat die Abweichung seit dem
Iahre 1773 angefangen, abzunehmen, folg-
lich muß sich die Witterung in denen
Ländern auch abändern.

/ Articulus_V.

/|P_332

/ ≥ Articulus_V.

/Von der Geogonie oder
der allgemeinen Geschichte der Erde.

/ §_65. ≤

/Wir finden, daß fast alle <{2- alte -2}> Philosophen
bemühet gewesen, auf irgend eine Arth
eine Cosmogonie oder einen Plan von
der Entstehungs-Arth des Weltgebäudes
zu entdecken, alleine es war dieselbe
aus lauter Träumen zusammengesezet,
und statuirten baldt, daß sie durch den
Hauch einer Gottheit, baldt durch die
Kraft unsichtbahrer Geister, baldt auf
eine andere Arth hervorgebracht wäre.
Unter ihnen war Epikur einzig und
alleine, der dieses aus Mechanischen Ur-
sachen erklärete, doch ist das einzige an
ihm zu tadlen, daß er sie gar zu sehr
dem blinden Ohngefähr und Schicksaahl
überläßt. Ob wir nun gleich nicht abläug@nen@

/δAdickes

/|P_333

/wollen, daß diese Wellt durch ein f{2- re -2}yhan-
delndes Wesen ihr Daseyn erhalten; so ists
doch allemahl angenehm, einen begreiflichen
Grund anzugeben, wie sie durch Mecha-
nische Ursachen hervorgebracht werden könne.
Hier wollen wir nur die Erzeugung
der Erde ins besondere betrachten, und
indem wir die Ursachen, die noch jezt
Veränderungen auf derselben hervorbringen
hervorgebracht haben, und noch hervorbringen
werden, betrachten «werden», durch Verglei-
chung auf diejenige steigen, die vor-
mahls gewürcket haben, und auf andere,
die künftig würcken werden, oder auf
den Anfang, und wie Newton ge-
wiesen, daß alle Materien sich ihrem
Untergange nähern, auch auf das Ende
der Erde. - Und dieses alles wollen wir
unter dem Nahmen der Geogonie zu-
sammen begreifen.

/ §_66.

/|P_334

/ ≥ §_66.≤

/Unter diejenigen Ursachen, die vormahls
Veränderungen auf der Erde hervorge-
bracht haben, noch jezt hervorbringen und
künftighinn hervorbringen werden, rechnen
wir die Erdbeeben und feuerspeyenden
Berge, das Meerwaßer, die Flüße und
die stehenden Seen, die Winde und
endlich die Menschen.

/Was die Erdbeeben betrift, so bringen sol-
che noch nahmhafte Würckungen hervor,
So, wurde durch ein Erdbeeben Port_Rojal
in Gegenwarth der Schiffe, die damahls
auf der See waren, in den Grund ver-
senckt. Sie äußern sich an denen Küsten
am heftigstem, gleich wie die Electricitaet
da am stärckestem gespühret wird, wo
der Drath das Waßer berühret; doch ist
wahrscheinlich, daß sie, da jezt die Erd-
Rinde dicker geworden, nicht so viele

/δAdickes

/|P_335

/und große Veränderungen hervor bringen,
als vorhero geschehen, daß deren auch immer
weniger werden, und endlich gar %aufhören.
möchten. Daß vorhero weit Mehr Erd-
beeben und Feuerspeyende Berge gewesen
seyn müßen, als jezt, beweiset so wohl
die Lava, die man an Orten antrift,
wo man niemahls feuerspeyende Berge
wahrgenommen, als auch Berge, die aus-
gebrannt und verstopft seyn, und wo-
rinnen noch der vorige Schlund entde-
cket werden kann. Z. E. in Languedock,
wo deren sehr viele sind. Es ist auch
sehr zu glauben, daß, da die Rinde
der Erde flüßig gewesen, die Berge
Waßer ges{2- pi -2}en.

/Noch Mehrere Veränderungen macht das
Meer. Bey dieser Gelegenheit sind die
verschiedene hypothesen und Meynungen, die
Man davon gehabt, zu Mercken. P. Celsius

/ ein

/δAdickes

/|P_336

/ein Schwede, der sich dadurch berühmt gemacht,
daß er bey der Meßung der Erde dem
Maupertuis behülflich gewesen, wurde durch
folgende Gründe bewogen, zu behaupten,
daß die Erde vormahls ganz mit Waßer
bedecket gewesen, daß sich das Waßer
aber beständig und alle Iahrhunderte ohn-
gefähr 9. Fuß niedersencke und endlich
ganz und gar verschwinden werde, wo-
durch dann das Pflanzen und Thierreich
und zulezt auch das Menschliche Geschlecht
vergehen werde. - Ohngefähr 30.
Meilen von Stockholm, giebts eine Art
von Felsen, worauf die Seehunde nisten,
welche daher auch Seehund_Steine genennet
werden. Weil nun von den Seehunden
sowohl guter Thran gebrannt wird, als
auch das Fell gut zu nuzen ist, so sind
sie deßwegen vortheilhaft, weil den Seehunden
auf diesen Inseln gut bey zu kommen ist.

/|P_337

/sie sind auch dahero vom Magistrat in Besiz
genommen, welcher sie Iährlich verpachtet.
Weil nun aber die Pacht zu- und abnimmt,
nachdem man viele Seehunde fängt oder
nicht - dieses aber geschiehet, wann etwann
die Felsen zu hoch über dem Waßer ste-
hen, daß Man nicht daran kommen kan,
oder ein Felsen hinter dem andern ist - 
so hat der Magistrat dieser Stadt von
langer Zeit, ein Verzeichniß geführet,
wie hoch jedes Iahr das Waßer an den
Felsen gestanden - und Celsius fand in
ihnen, daß es war niedriger geworden.
Zum Beweise dieser Meynung gehöret auch,
was Dalins in seiner Geschichte von
Schweden sagt, daß das Meer vormahls
über Finnlandt gegangen und Schweden
eine Insel gewesen. %:Professor Miller [[Müller]] sagt: die
Kotschen oder Fahrzeuge liegen Meilen weit
vom Eis_Meer, Läger von Treibholz

/ weit

/δLage_SS

/δAdickes

/|P_338

/weit entfernt, von dem Ufer deßelben,
und weil es noch nicht verfaulet ist, so muß
das Waßer nicht in sehr langer Zeit abge-
nommen haben. Linnè, ein Natur_Beobachter,
aber kein natürlicher Philosoph nahm an,
daß die Erde mit Waßer bedeckt gewesen,
und zuerst, wie es abnahm, eine Insel
unter dem aequator hervorgekommen,
auf die er alle Thiere und Menschen
sezte; indem alle Climata auf dieser
Insel«@n@», nach verschiedenheit der Höhe seyn
könnten, so, daß unten ein heißes und
oben ein kaltes Clima war, und folg-
lich alle Producten seyn konnten, bis
sich das Waßer allmählig abzog und
die Producten zerstreuet wurden. Noch
mehr beweiset er dieses, durch die Strandt-
rücken, die aus zusammen gerolltem
Berg-Graß entstehen, und an die Küsten
angespühlet werden. Sie laufen längß

/δAdickes

/|P_339

/der Küste fort, und es ist offenbahr, daß
sie nach und nach angewachßen sind, und
zwar mit dem Ruck der See, weil die
Rücken von einander zu kennen sind, und
solche Sandrücken entdeckte Celsius auf der
Insul Gothlandt 70. über einander.

/Alles beweiset, daß das Meer allmählich
abgenommen habe. Hierwieder aber sagte
sich ein Bischof in Abo [[Browallius]], und zeigte solches
erstlich aus den Fichten, die dicht an dem
Meere standen, und aus deren Wurzeln
man auf ein Alter, von etlichen 100. Iah-
ren schließen muß. Man kann nehmlich
aus der Zahl der SProßen, die die Wur-
zel hat, auf die Zahl der Iahre, die ein
Baum gestanden, und aus ihrer Dicke oder
Dünne auf die Witterung <{2- derselben -2}>, ob es Naß
oder trocken gewesen, schließen, und Man
kann, wann man erstlich die SProßen
vom erstem Iahre erkannt hat, einen

/ alten

/δAdickes

/|P_340

/alten Calender verfertigen. Wann das
«Iahr» Meer nun, alle «9.» Iahrhunderte, um
9. Fuß abgenomen hätte, so müsten sie
im Waßer gewachßen seyn. Eben so ist
ein Schloß, welches vor 600. Iahren erbauet
worden, und deicht am Meere stehet, die-
ses müste folglich damahls im Waßer
gebauet seyn. Es würden auch in der
Zeit alle Häfen, die zu den alten Zeiten
gewesen, verschwunden seyn, von denen
Man aber dennoch noch, Rudera z. E. von
Tyrus und Sydon, antrift. Ein gewißer
Italiaener Manfredi behauptet so gar, daß
das Waßer beständig steige und mit
der Zeit die ganze Erde bedecken werde,
und zwar daher: Es ist Nehmlich Venedig
auf Untiefen gelegen und ohngefähr
auf 72. Innseln erbauet, und mit lau-
ter Canaelen durch«ge»schnitten, daher Man

/δAdickes

/|P_341

/daselbst, statt in Kutschen in Gondoln
fähret. Auf dem St_Marcus-Plaze wäre
eine Marmorne Treppe befindlich, welcher
man sich zum einsteigen in die Gondoln
bedienet; diese wird zur Zeit der Fluth
ohnbrauchbar, indem sie ganz mit Waßer
bedecket wird. Der Bau_Meister aber mu«ste»ß
sie damahls auf alle Fälle gut eingerich-
tet haben, folglich muß damahlen die
Fluth nicht so hoch gestiegen seyn. Bey
Holland steigt das Waßer eben so, wie
bey Venedig. Endlich behaupten andere,
daß das Waßer baldt steige, baldt
falle, und dieses beweisen sie sowohl
aus denen verschiedenen Schichten, davon
einige der Erde angemeßen sind, aber
andere von dem Waßer hervorgebracht
seyn Müßen, welche aber Wechßelsweise
über einander liegen, als auf einer Säule,
die im Vorhof eines alten Tempels, der

/ dem

/|P_342

/dem Bachus gewidmet seyn soll, und welcher deicht
am Meere stehet. Dieser ist von eine«r»m festem
Egyptischen rothen Stein: ¿rgill aufgebauet, und
ist sehr von den Muscheln durchschnitten, welche
man auch häufig in ihr antrift: Diese muß
anfänglich auf dem Lande erbauet seyn,
denn vom Waßer überschwemmet worden,
damit sie von den Muscheln hat zerschnit-
ten werden können; als wozu eine gerau-
me Zeit, wegen härte des Steins erfordert
wird, und dann jezt wieder hervorgekommen
seyn, da sie 7. Fuß hoch über dem Waßer
stehet.

/Wieder alle diese angezeigte Phoenomena laßen
sich viele Schwürigkeiten hervorbringen, Man
behauptet nehmlich, daß die genannte See-
hundsteine nicht die SPizen continuirlicher
Felsen, sondern lockere und über einander
geworfene Steine seyn, wann nun das Waßer
den Schlamm, den es mit sich führet, unter
den Stein hinspühlet, so bleibet dieser

/δAdickes

/|P_343

/liegen, und diese Felsen werden dadurch
indem ihr Boden erhoben wird, auch höher.
Man darf auch nicht hiewieder, die verschiede-
ne LandtStädte anführen, die vorhinn See-
Städte gewesen z.E. {2- Rave -2}nna, denn es ist
augenscheinlich, daß diese Seen versandet
worden, welches aber kein allgemeiner
Stausandt ist. Hingegen finden wir
die mehresten Gegenden eben so beschaf-
fen, wie sie vor alten Zeiten waren.
Brundisium ist eben noch ein so guter Orth
zum Einsteigen, wann man nach Griechen-
landt fahren will, und der Berg Ida
liefert uns dieselbe Aussicht, als zu
den Zeiten Homers. Was das Steigen
des Adriatischen Meeres anbetrift, so
kann es immer geschehen seyn, daß
die Inseln, worauf Venedig stehet,
da sie vom Schlamm zusammengeworfen,
sich gesezet, und mithinn die Häuser

/ gesuncken

/δAdickes

/|P_344

/gesuncken seyn, welches in ihnen keines we-
ges Rizen oder SPalten machet, wann sie
gleichförmig, und ein ganzes Stück Land
mit ihnen sincket, maaßen, wann dieses
wäre; so würden nach und nach, da, wo
das feste Land ist, Stücke abgerißen
und Inseln geworden seyn, welches Man
aber nicht findet, indem die alte Geographie
mit der Neueren, genau übereinstimmet.
Doch könnte dieses ihre Meynung noch
Wahrscheinlich Machen, daß in Ländern,
die durch ein Meer abgesondert «wird»
sind, die Thiere ganz<2> einander<1> ähnlich
seyn, wie in Nord-America und Lapp-
landt. Holland kann gleichfalls nicht, als
ein allgemeines Beyspiel angeführet wer-
den, indem es aus Schlamm angespühlet
worden, und jezt, da es durch Menschliche
Kunst, vom Waßer gereiniget wird,
niedriger werden Muß. Was die

/|P_345

/Phoenomena von Hollandt und Venedig über-
haupt betrift, aus denen Man behaupten
will, daß das Waßer steige; so muß
folgen, daß das Waßer an allen Küsten
gleich hoch steige, weil es Zusammenhang
mit dem Ocean hat, so ist da keine Parti-
«culn»ale sondern totale «¿»Steigung. Alleine
wann ich annehme, daß das Landt sinckt,
so kan es nur von einigen Ländern,
und nicht von allen gelten, also können
sumpfigte Länder sincken, folglich ist hier
nur eine partiale Senckung.

/Sonst ist noch Merckwürdig, daß viele
Neue Erdschichten entstehen, wann Wälder
umgeworfen werden, und diese nicht
wegen ihrer Aeste, das Waßer durchlaßen.
so entstehen Moräste pp. Man kan aus den Bäu-
men starck auf den Boden schließen,
worauf sie wachßen; sinds Nehmlich Eichen;
so ists ein guter thonigter, sinds aber

/ Fichten

/δLage_TT.

/δAdickes

/|P_346

/Fichten, so ist ein sandigter Boden. Mann
kann dieses so gar aus denen Steinen
thun, indem große Steine, niemahls im
Sande, sondern in einer guten ThonErde an-
getroffen werden, da es doch scheinen
sollte, daß der Sand nichts anders, als
zermallmete Steine wäre. Man weiß
nehmlich, daß vormahls zu der Kirche in
Rom, Maria Rot«o»unda, welche vormahls
Pantheon hieß, und worinne keine
Fenster sind, sondern das Licht durch
eine Öfnung, welche ohngefähr 3. Ruthen
im Diameter hat, hinein geleitet wird. - 
Wann es nicht <starck> regnet; so werden die
Tropfen, ehe sie herunter kommen,
in warme Dünste verwandelt - 
4. Stufen hinauf zu steigen waren,
jezt Muß Man {2- aber -2} eben so viele herunter
steigen; viele Steinpflaster z.E. in Rom

/δAdickes

/|P_347

/und andern Örthern sind mit Erde bedecket,
Was die Hhäuser anbelanget, so ist un-
wahrscheinlich, daß sie gesuncken seyn
sollen, maaßen sie als dann viele
Rizen bekommen haben würden, und
umgestürzet wären, folglich muß eine
Neue Erde dazu gekommen seyn, welches
aber d«ie»er Meynung derjenigen, welche glauben,
daß die DammErde, durch die Weg-
führung des Getreydes, vermindert wird,
entgegen ist, die aber auch {2- sehr -2} unwahr-
scheinlich ist, indem es eher seyn kann,
daß die Regen-Partickelchens, so viel
Erde bey sich haben, daß sie in den
Zustandt der Festigkeit übergehen,
und die Substanz der Gewächße aus-
machen können, maaßen sonsten die
Bäume die Erde würden ausgezehret
haben, und die Wälder wie im Keßel

/ stehen

/|P_348

/stehen möchten. Doch macht das Waßer eini-
ge Veränderungen in der Figur der Erde,
und die Länder, wie wohl sehr wenige.
Die Via Appia, die von Rom nach Capua
gieng, war um der Gleichheit willen, durch
Felsen durchgehauen, in welche{2- n -2} man nur
zur Seite Inscriptionen von denen Bürger-
Meistern lieset, unter welchen dieselbe
angeleget worden; jezt aber ist der Weg
voller kleinen Hügel. Eben so, ist es mit
der Via flamminia beschaffen, dahero Man
schließen kann, daß in Italien «kein»
<die> Ufer höher «geworden», das mittlere
Land aber niedriger geworden. Mann
könnte Muthmaßen, daß die Erde nach
einer langen Reyhe von Iahren, allmählig
ebener werden müßte, indem der
Regen die Höhen herabspühlet. Ia selbst
ist zu glauben, daß der Stein durch
die Länge der Zeit verwittern Muß,

/|P_349

/und man glaubt, daß die Sandwüsten
von verwitterten Steinen sind. Überhaupt
bringt der Regen keine Merckliche Verände-
rungen hervor, welches würcklich wunderbahr
ist, indem er sehr oft und öfters
sehr lange anhällt. Die Flüße und
Ströhme machen öfters viele Veränderun-
gen, sie sezen vielen Sch{2- leim -2} an, und
vermehren dadurch die Länder, daher Man
sicher schließen kann, daß wann beym
Ausfluße des Strohms, ein au{2- s -2}springender
Winckel des Waßers ist, das Land ange-
sezet seyn muß, weil sonst «mit» de«m»r
Ausfluß mit dem Meere, wohim er
fließt, eine Buchte Landes Macht, weil er
den Schl{2- eim -2} an den niedrigen Orten
ansezet, den er von den höheren abge-
spühlet hat. Sie bringen jezt aber {2- *1 -2} weniger
Waßer ins Meer, als zu alten Zeiten,

/ wann ~

/|P_349R

/{2- *1 vermuthlich -2}

/δAdickes ~

/|P_350

/wann sie gleich dieselbige Breite und Tiefe
haben; dann wann das Waßer stille
stehet, so dünstet es aus; wann es aber
einen Abfluß und Gefälle hat, flie-
ßet es herunter und Machet einen Fluß;
jemehr Gefälle dieser hat, desto Mehr
Waßer bringet er ins Meer; vormahls
fiel er perpendiculair herunter, jezt
hat er sein Bette ausgewaschen; da
er überdem nicht alleine aus dem obern
Waßer¿ entsteht, sondern auch von den
verborgenen Quellen Zu{2- fluß -2} erhällt, so¿
wird das Waßer in diesen Quell-
Adern in der Länge der Zeit Stücke
Landes abgespühlet, und also die Berge
selbst vermindert haben, folglich hat er
ein kleineres Gefälle erhalten und fließt
langsamer ins Meer und führet also auch
weniger Waßer bey sich. Überhaupt ist

/|P_351

/zu mercken, daß ein Fluß oder Strohm die
Länder nur so lange überschwemmet, biß
der Schlamm den er zu beyden Seiten ab-
wirft, eine genugsame Höhe erhalten hat,
ihn in sich faßet. Es wird also auch der Nil
mit der Zeit aufhören, Egypten zu überschwem-
men, wann der Schlamm so hoch aufge-
worfen, daß er ruhig darinne fließen
kann. Man kann auch sicher schließen,
daß die Wiesen, welche sich hinn und wieder
an den Flüßen befinden, von seinem aufge-
worfenem Schlamm entstanden seyn, und
wann man etwas weiter gehet, ist Man im
Stande, seine vorige Ufer ausfündig zu
Machen.

/Der Wind bringt sonsten keine beträchtliche
Veränderungen hervor, als daß er den flie-
genden Sand mit sich fortführet und Län-
der versandet. So ist«s» vermuthlich ganz
Egypten ein fruchtbares Landt gewesen,

/ jezt

/δAdickes

/|P_352

/jezt aber von dem Winde mit lauter Sandt
bedeckt, doch liegt öfters auch die Schuldt an
denen Menschen, daß sie die Bäume, die
sonst den Sandt aufhalten, weghauen.

/Endlich bestehet der Fleiß der Menschen, «daß»
in Ansehung der Hervorbringung derer
Veränderungen auf der Erde nur darinn,
daß sie einiges Land der See, durch Auf-
häufung verschiedener Dämme abgenom-
men haben und die Flüße in Schranken
gehalten, danebst aber auch die Luft
durch den Ackerbau und Wegschaffung
der Wälder gesunder gemacht haben.
Es haben aber keinesweeges die Ströhme
eine solche Veränderung hervorgebracht,
«daß»alß Man gemeinhinn vor{2- giebt -2}, und die-
ser Irrthum rührt «gemeiniglich» daher,
daß ein alter Autor [[Herodot]] berichtet, wie von
dem Thurme Pharos bis Egypten so weit

/δAdickes

/|P_353

/entlegen wäre, daß ein Schiff mit vollen
Seegeln einen ganzen Tag zu fahren hätte,
ehe es bis dahinn käme; jezt aber liegt
dieser Leucht_Thurm bey Alexandrien; allein
Man hat jezt bemercket, wie vormahls des
Nils eigentlicher Nahme Aegypta gewesen,
und wovon hernach das Landt den Nahmen
bekommen. Wann nun Alexandrien, wo
der Leuchtthurm stehet, bis zum Ausfluß
des Nils bey Damiat«a»e, die gemeldete Weite
hat; so ist es sehr wahrscheinlich, daß es
auf die Weite vom Ausfluß des Nils-
Strohms, bis «Damiata» <zum Pharos> gehet. Es ist aus
diesem allem leicht einzusehen, daß diese
erwähnete Ursachen nicht können im Stande
gewesen seyn, solche Veränderungen, wovon
wir in der Folge reden wollen, hervor zu
bringen.

/ ≥ §_67. ≤

/Man findet heutiges Tages sehr viele SPuhren

/ von

/δLage_UU,

/|P_354

/von irgend einer alten Wellt, deren Verän-
derung aber, über alle Geschichte heraus gehet.
Diejenigen Ursachen, die nach denen vorigen
§ Veränderungen auf der Erde hervorge-
bracht haben, sind nicht im Stande, solche
Veränderungen hervor zu bringen, von denen
Man SPuhren findet. Man hat SPuhren,
von einer ehemahligen allgemeinen Revolu-
tion, die die Erde in den uralten Zei-
ten muß erlitten haben, denn es sind
Erstlich: Merckmahle von alten Meeren,
und zwar von Weltmeeren und nicht
von Seen, «Meeren», die da waren, wo
jezt Land ist; es ist kein Land so hoch,
wo nicht vorhero das Waßer sollte ge-
weßen seyn; ferner findet Man SPuh-
ren vom festen Lande, daß der Bo-
den, der hoch war, jezt tief ist und Ab-
drucke von Fischen, als Überreste vom
Teich, wo jezo Wald ist. In Touraine

/|P_355

/sowohl, als überhaupt in allen Bergen findet
Man, öfters ganze Muschelbäncke, die
einige Meilen im Umfange haben; Sie
werden in ihrem Mutterboden angetroffen,
und sind gleichsamin Kalck eingegraben.
Diese Muscheln sind alle kalcksteinartig;
daher Linné glaubet, daß der Kalck Kreide
und Marmor von den Trümmern derer
Muscheln, die auf dem Lande zurückegeblieben,
als das Meer abgestorben, entstanden, gleich-
wie er meinet, daß überhaupt die Erd-
schichten von denen zerstörten Producten
entstanden seyn, weil die Gewächße be-
ständig die Eigenschaft des Bodens an
sich haben z.E. die Bäume und die
Kräuter sind Thonartig, und wachßen
nur auf Thonigtem Boden. Die Fische
sind Mehrentheils Mergelartig. Der
Mergel ist nichts anders, als Th{2- on -2}schlamm

/ mit

/|P_356

/mit feinen Sandpartikelchens untermengt.
Die Knochen der Menschen und Thiere aber
Kalcksteinartig, die Krebsschaalen sind
nichts anders, als ein Eißenflüßiger
Mergel; Die rothe Farbe beweiset, daß
er einsenhaltig sey. Die Muscheln seyn
von vielerley Arth und Man findet
selbige nicht verworren untereinander,
sondern nach der Beschaffenheit ihres Mutter-
Bodens separiret. Eben so «leicht» trift Man
sie auch auf der Erde an. In den Bergen
findet Man außer denen Muscheln sehr
viele versteinerte Sachen, die in folgen-
der Ordnung zu liegen pflegen

/1.) Die Muscheln.

/2.) Die Fische, welche so lebhaft eingedrückt
sind, daß Man sogar die Arth der
Fische deutlich kennen kann, doch
sind selbige im Stein allemahl mit

/|P_357

/beyden Seiten auf der einen Seite des Steins
eingepräget.

/3.) Die Seethiere.

/4.) Die Bäume und Hölzer, welche in
einen solchen Schiefer eingedrüket seyn,
welcher mit dem Thone, worauf sie
wachßen, die größte Ähnlichkeit
hat, und sich wie dieser brennen
läßet.

/5.) Die Landthiere und endlich

/6.) Die Blumen. Doch sind nur Blumen
von grober Art und nicht feine, ver-
muthlich, weil sie sich nicht so lange
vor der Fäulniß praeserviren können,
bis der Boden in den Zustand der Här-
te übergieng. Kennzeichen und
Abbildungen von Menschen hat Man
noch nicht wahrgenommen, und wann
Scheuchzer vorgiebt, einen Abdruk

/ davon

/δAdickes

/|P_358

/davon gesehen zu haben, so haben doch die
Franzoßen entdecket, daß sie Gestalten
von Seethieren seyn. Es müßen {2- also -2} ent-
weder gar keine {2- Menschen -2}, bey dieser
Veränderung umgekommen seyn, oder
sie müßen tiefer liegen, als Man noch
bis jezt im Graben gekommen ist, weil
sie sich sonst wegen der Härte ihrer Theile
sehr gut, würden abgebildet haben.

/Noch ist merckwürdig, daß bey uns fast
lauter Thiere, die sich jezt in Süd-Ame-
rica und unter denen heißen Erdstri-
chen befinden, angetroffen werden;
doch kann Man der Nachricht gewiß glau-
ben, als wann in der Zona torrida
nur solche Thiere und Pflanzen angetrof-
fen werden, die sich in denen Zonis frigi-
dis aufhalten und wachßen, alsdann
wäre vormahls ein ganz veränderter

/|P_359

/Zustandt, der dem jezigem ganz entgegen ist,
gewesen; doch kan man wenigstens hie-
raus schließen, daß einerley Wärme
und Kälte in allen Gegenden der Erde
vormahls gewesen. Die Regelmäßig-
keit und Ordnung, in welcher alle
Producta liegen, schließen allen Zweifel
aus, als wann sie durch eine wilde
Überschwemmung so weggetrieben worden,
sondern es zeiget vielmehr die Menge
der Muscheln an, daß das Waßer sehr
lange, diese Gegenden bedeckt haben Müße,
auch, daß die Berge nachgehends ent-
standen seyn müßen, weil sich die
Producte innwendig in ihnen abgebil-
det haben. An einigen Orten sind
die Producte vermischt, alleine es ist gleich
aus dem Boden zu sehen, daß die Materien
heruntergeschoßen. Bey allem diesem

/ ist

/|P_360

/ist auch merckwürdig, wie die Bäume eine
solche Lage haben, daß es scheinen sollte,
als wenn sie von denen Meeres_Wellen
so umgeworfen wären. Wann Man
weiter herunter in die Erde gräbt; so fin-
det Man unter den Landproducten
wieder See-Producten, daß es das
Ansehen haben sollte, als wäre das Wa-
ßer Wechßels weise, einige Zeit auf
dem Lande gewesen, einige Zeit aber
nicht. Endlich findet Man sowohl die
Muscheln, als auch die versteinerte Landt
und See_Producten, nicht in denen
Gang_Gebürgen, auch nicht in denen
Haupt_Gebürgen, {2- *1 -2} wo die Strata hori-
zontal und Parallel herunter gehen.

/ ≥ §_68. ≤

/Nach einer solchen allgemeinen Revolution,
wie diese muß gewesen seyn, von der ~

/|P_360R

/{2- *1 sondern in den Flöths-
gebirgen, -2}

/δAdickes ~

/|P_361

/wir die SPühren im vorigtn § anzeigten,
in welcher Felsen aufgelöset zu seyn
scheinen, wird viele Iahrhunderte her-
nach, keiner daselbst haben wohnen
können. Von der Sandfluth ist es
aber bekannt, daß sogleich nach ihr, wie
sich das Waßer kaum abgezogen,
die Länder bewohnet wurden. Es muß
also diese Revolution nicht alle Länder
auf einmahl betroffen haben, indem
es ein Chaos gewesen wäre und eine
ganz neue Schöpfung und Ausbildung
hat vorgehen müßen. Die Länder ha-
ben zwar alle solche Revolutionen er-
litten, aber nicht auf einmahl. Diese
Revolution muß vor dem %Menschlichen
Geschlechte vorhergegangen seyn, inndem
Man zwar Knochen von Thieren, aber keine

/ %Menschen

/δLage_VV

/δAdickes

/|P_362

/Menschen-Knochen findet. Mit der Offen-
bahrung muß man in Ansehung derer
Physicalischen Betrachtungen, behutsahm
umgehen; sie soll nur enthalten, die
Haußhaltung des Menschlichen «Lebens»-
Geschlechts, aber nicht physicalische Beobach-
tungen. In Ansehung dieser ist nur¿
darinne so gedacht, wie es deren Na-
türliche Augen vorkommt, z.E. bey der
Schöpfung ist besonders von der Schöpfung
der Erde gehandelt worden, hernach an
Sonne und Mondt, als die größten, die
uns vorkomen, und an alle Sterne,
nur obenhinn. Dahero müßen wir
in Ansehung der astronomischen
und %physicalischen Beobachtungen, der
Speculation den Zug laßen, folglich
müßen wir dem Alter der Erde vor
dem Menschlichem Geschlechte, eine unge- 

/δAdickes

/|P_363

/heure Zeit von Iahren zuschreiben., in der
sie sich aus ihrem chaotischem Zustande hat
ausbilden können. Brialdo [[Brydone]] brachte aus 6.
Schichten von Lawa, deren jede mit Erde bedeckt
war, heraus, daß 16.000. Iahre nöthig sind, sol-
che Schichten von Lava mit Erde zu bedecken.

/Wir wollen anjezo ohngefähr erklären, wie die
Verschiedenheit der Zustände, der Erde entstehen
könn«t»en. Da die Flüße und Ströhme ihrer
Natur nach nicht anders entstehen können,
als wenn sie von höhern Gegenden in Nie-
drigere Gegenden fließen, und dadurch
ein Gefälle bekommen, so müßen beyde
die Ströhme sowohl als die Berge zu gleicher
Zeit, doch die Berge etwas eher, als die
Ströhme entstanden seyn. Hieraus aber
erhellet auch, wie die Ströhme unter dem
Waßer keine Rinnsaale bilden können,
weil dazu durchaus erfordert wird, daß
sie Materien, die sie von obern Gegenden

/ abspühlen

/δAdickes

/|P_364

/ab{2- ge -2}spühle«n»{2- t -2} «können», in den Niedrigern ab-
sezen. Aus denen vorigen Betrachtungen
ist bekannt, daß in denen Flöths_Gebürgen
alleine Muscheln und versteinerte Produc-
te befindlich sind, folglich Müßen die Gang- 
und Hauptgebürge ehender, und auf eine
andre Arth entstanden seyn, wie diese.
Wann wir nun hiebey erwägen, wie
in denen Kaukasischen Gebürgen, nicht allein
noch Berge aus der Erde hervor quillen,
welche die dortigen Einwohner die Wach-
ßenden nennen, sondern auch die Flüße;
e.g. die Rhone, durch erstaunliche Felsberge
Löcher durchbohret haben, so ersehen wir,
daß sie vorhero flüßig gewesen seyn
müßen, Maaßen {2- sie, -2} wann der Berg einmahl
zu seiner Festigkeit übergegangen wäre,
sie solches nicht hätten thun können, sondern
einen beständigen Waßerfall gemacht

/δAdickes

/|P_365

/hätten, welches aber bey sehr wenigen zu se-
hen ist. Es ist merckwürdig, wie die Feuer-
speyenden Berge niemahls Flöths- sondern
Ganggebürge seyn, und da der Ausbruch
der Materien, da geschiehet, wo sie am
wenigsten Resistenz findet; so ist zu ver-
wundern, wie die feuerspeyenden Berge
diejenigen Örter seyn, wo die feurigen
Dämpfe aufsteigen, und daß diese
noch dazu den Schlundt in ihrer SPize
und in der Mitte derselben haben, noch
Mehr aber, daß vorhero weit Mehr derselben
Berge gewesen. Hieraus können wir
mit einem großen Grade der Gewißheit
schließen, daß die Berge selbst und al-
le Ganggebürge, durch das Aufsteigen
der Materien {2- *1 -2} des inneren Chaos genö-
thiget, indem sie von denen eingesun-
ckenen Erdstücken gedruckt wurden, einen

/ Ausweg ~

/|P_365R

/{2- *1 aus dem
Innern der
Erde entstan-
den. Weil
nämlich an
einigen Orten
die noch nicht
verhärtete Erdrin-
de eingesunken,
so würden die
flüßigen Ma-
terien -2}

/δAdickes ~

/|P_366

/Ausweg zu nehmen, sie ströhmeten da-
hero aus, und weil sie in einer gewi-
ßen Höhe abfließen mußten; so fangen
sie an sich zu erhärten, und den Schlamm
nieder zu sezen; wann nun an den einem
Orthe, der Vorrath der Materien erschöpfet
war, so folgten bey einigen noch erhizte
Dämpfe, welche die Oefnung erhalten,
und dieses sind die Feuerspeyenden
Berge, die jezt an statt der flüßigen
feste und harte Körper auswerfen.
Wann aber der Erdschlamm und aufge-
lößte Erdpartickelchens zusammen kleben
und die Öfnung verstopften; so war dieses
der «Anfa»Ursprung der übrigen Berge. Daß aber
die feuerspeyenden Berge vormahls flü-
ßige Materien ausgeworfen, beweiset,
daß die Steine, die in ihnen angetroffen
werden, wie auch {2- <alle> -2} andere Materien kei- 

/|P_367

/nen Brand-Geruch haben. Durch das
Einsincken sehr großer Länder, konnte
es nicht anders angehen, als daß er-
staunende und weite Ritzen auf der Ober-
fläche der Erde wurden, aus welchen die
zusammen gedrückte Materien in die
Höhe floßen, und dadurch die Berg-
Reyhen formirten, welche auch öfters
in gar großen Klumpen zusamenge-
wesen seyn Mögen, die aber, indem
sehr viele Ströhme das Erdreich aus@wasch@-
ten, geformet, und gleichsam wie die
Glätscherberge in der Schweitz {2- *1 -2} gethürmet
wurde; wann nun diese Rizen nun
ganze Strecken herumgiengen, und zwar
in einem Creyße, so stiegen auch in
der Runde herum Berge {2- her -2}vor, welche
die niedrigen Gegenden einschloßen, und
aus ihnen Basseins formirten, und also

/ zu ~

/|P_367R

/{2- *1 entstehn -2}

/δAdickes ~

/|P_368

/zu der jezigen Gestalt der Erdfläche, Ge-
legenheit geben. Indem sich nun der
Erdschlamm sezte; so suchten sie auch ihrer
Seits, das Waßer zu sammlen, durch-
schnitten die Berge, woraus die jezigen
Gänge und Fissuren der Berge vermuth-
lich entstanden sind; und führeten vielen
Schlamm weg, welche{2- «s»n -2} seine Rapiditaet
zu beyden Seiten fallen ließ, nachgehends
aber den übrigen Schlamm, langsam zur
Erde warf. Wann wir %untersuchen
welches die lezte und endliche Quellen
aller dieser Veränderung seyn; so
müßen wir sagen, daß zu Erzeu-
gung der gegenwärtigen Figur der
Erde, nothwendig seyn, daß die Mate-
rien flüßiger gewesen, und damit
dieses geschehen können, auch eine
innere Wärme durch welche sie zu-  ~

/|P_368R

/{2- *1 es im An-
fange wegen -2}

/δAdickes ~

/|P_369

/sammen gehalten worden, gehabt haben
Müße. Sie fieng endlich an, sich von oben
zu erhärten. Die Ursache kann man nicht
so leicht errathen, und schloß die Luft und
die flüßigen Materien oder das Waßer in sich.
Es ist dieses ohngefähr mit einem Brode zu
vergleichen, welches von oben eine feste Kürste
hat; innwendig aber locker ist. Nachdem sich
die flüßigen und festen Theile separirten,
nach ihrer specifischen Schwehre, so samlete
sich die Luft, und weil sie am wenigsten
schwehr ist; so machte sie einen Durchbruch
durch die Erdrinde und formirte die
Athmosphaere. Weil nun die verhärtete
Erd-Kürste ihrer Stüze und Unter-Laage
der Luft_Partickelgens beraubt war; so
fieng sie an einigen Orten zu sincken,
wodurch dann Erhöhungen und Vertiefun-
gen entstanden, die gleichsam Bassins
vorstelleten, in welche sich das Waßer

/ von

/δLage_WW.

/δAdickes

/|P_370

/von denen höhern Gegenden und Landesrücken
in diese eingesunckene und Concav gemachte
Länder ergoß, und auf solche Art war der
heutige Ocean in sehr viele Bassins ver-
theilet. Es wurden auch durch dieses Einsin-
cken der Erdstriche sehr viele Rizen
und SPalten, aus welchen die Berge
hervorquollen, welche wiederum andere Bas-
sins formirten, welche aneinander gränz-
ten, auch bis weilen Communication
hatten. Indeßen wurden an einigen Orten {2- , nach
dem -2} die Athmosphaere einen Neuen Zuwachß,
{2- von -2} der unten eingeschloßenen Luft erhal-
ten, auch die in der Mitte gelegenen
Landesrücken versenket, wodurch die vom
Lande eingeschloßnen Theile des jezigen
Oceans, miteinander Communication
erhielten; auch wurden durch die häufig

/|P_371

/entstandnen Rizen, sehr viele Waßer-
Ströhme ausgegoßen. Weil nun diese
Veränderungen langsam vorgegangen seyn
müßen; so konnten die Landesrücken
beständig {2- *1 -2} bewohnt seyn, und sich ihre
Einwohner retiriren, wann Verstörungen
vorgiengen; es könnten auch damahls
schon Gewächße auf ihnen entstehen, wel-
che sich allgemein nachgehends fortpflanz-
ten, wann gleich das Einsincken des
Bodens, eine große Menge von ihnen
in den Abgrund zog. Dahero finden
wir unter den versteinerten Producten
nur solche Thiere, die schwehr und unbe-
hüflich z.E. Elephanten und Büffel,
nicht aber solche, die leicht und geschwinde
seyn. Daß diese Veränderungen aber
würcklich sehr langsam vorgegangen
seyn müßen, zeigt die langsame

/ Erzeugung ~

/|P_371R δZ_5

/{2- *1 beständig -2}

/δAdickes ~

/|P_372

/Erzeugung des Schiefers, zu welchem alle
Iahre nur ein kleiner Zuwachß von
einigen Blättgems kommt. Noch ist aber
eine Schwierigkeit einzusehen, wie die
Länder wiederum erhoben worden,

/Dieses muß erst nach der Zeit des Ein-
sinckens der Erdschichten geschehen seyn.
Die Luft-Säule, die nur den 7ten
Theil des halben ErdDiameters beträgt
ist so deicht, wie Goldt, und muß also
mit dieser Größe ihrer Ausspanungs-
Kraft eine große Gewalt auf dem
Erdboden ausüben, und folglich konnte
die in kleine Blättchens eingeschloßene
«Luft» und zusammen gedrückte Luft,
eine sehr große Gewalt auf der Ober-
fläche der Erde ausüben, und weil
diese ihr wegen ihrer erhaltenen Dicke
nunmehro den Durchgang versagte,

/δAdickes

/|P_373

/so blähete sie die Oberfläche der Erde
auf, nach welchen sie eine Convexitaet er-
hielte und die umliegende Örter Nie-
driger wurden, wodurch sich auch fer-
ner das Waßer von ihnen verzog.
und in Niedrigen Örter senckte und
endlich den großen Ocean formirete.
Es ist sehr wahrscheinlich, daß wann
die Erde in ihrem innwendigem fest, und
in einer ruhigen Laage seyn wird,
die Dünste, welche zum Wachsthum der
Gewächße sovieles beytragen, nicht Mehr in
die Höhe steigen, die Winde aufhören,
und die Lufttheile keinen Zuwachß
Mehr erhalten, mithinn die Pflanzen
und thierischen Producte vergehen wer-
den, gleichwie ein Mensch, wann sich
seine Theile verstopfen, nach dem er per
intus susceptionem nach der SPrache der

/ Franzosen.

/δAdickes

/|P_374

/Franzosen viele fremde {2- *1 -2} bekommen, seinem
Untergange sich nähert, {2- oder -2} ein Baum, wenn
sich in seiner Mitte Holz_Partickelchens häu-
fen, zu ersterben anfängt. Mithinn ist
zu glauben, daß noch jezt Veränderungen
mit dem Einsincken und aufblähen
der Länder, wiewohl nicht so häufig
vorgehen, wie solches die Erdbeeben
und die Veränderung{2- en -2} der Pole des
Magnets zeigen. Es ist dieses aber
nur alsdann zu mercken, wann entweder
das Meer bey einem gleichen Stande
des festen Landes sincket, oder bey ei-
nem festen Stande des Meeres das Land
steiget, mit nichten aber «nicht» alsdann,
wann beydes zusammen gleichförmig sinckt
oder steiget.

/Was die Gebürge anbetrift, so hat Man
in der Gegend von «Genua»Jena folgendes bemerkt ~

/|P_374R δZ_2

/{2- *1 Theile -2}

/δAdickes ~

/|P_375

/Es ist zuerst ein Gebürge von Sandlagen;
wann man am Fuß des Gebürges durch
die Sandschichte durchgräbt; so kommt
Man auf eine Erdschichte, diese gehet
unter dem Sandgebürge, steiget hinter
demselben vor, und formiret ein Ge-
bürge; unter der Erdschichte, wenn Man
tiefer gräbt, ist eine Schichte von Kalck¥
Erde, diese gehet auch hervor und
formiret ein Gebürge; unter der
KalckErde kommt eine Schichte von
Thonschiefer und Hornschiefer, der aus
Quarz entstanden, und aus ThonSchie-
fer mit Quarz vermenget, diese Schich-
ten gehen auch alle unten durch und
formiren ein Erzgebürge. Das unterste
Erzgebürge ist ein Granitgebürge
welches unter allen Bergen fortgehet,
und das Grundlager aller Gebürge

/ und

/|P_376

/und ein Zeichen des festen Landes ist,
welches entstanden ist, da sich die Erde
eingesencket hat. Aber auf dem ersten
Statu_mine hat Man SPuren der See,
und das Gebürge hat alle Producte des
Meeres; als nun das Meer ruhig ge-
worden, welches die festgesezten Pro-
ducte beweisen, so erzeugte sich ein
Neues Statu_men und ein Gebürge. Daher
werden die Gebürge eingetheilet, in grund-
gebürge und in aufgesezte Gebürge.
Die Grundgebürge sind die Granit-
Berge, die unter allen fortgehen,
und auf die, die andere {2- au -2}fgesezt
sind. Es ist wahrscheinlich, daß unsere
Erde auf diesem Grund oder Granitberg
aufgesezet sey, und wann wir so
tief graben möchten, so würden wir
auf diesen Felsen_Stein kommen.

/δAdickes

/|P_377

/In dem ursprünglichem Berge sind keine
SPuhren vom Waßer, als auf den auf-
gesezten Bergen. Die uralte Gebürge
theilt Man ein, in vor- Mittel und hohe
Gebürge, da sind keine Überbleibsel
vom Meer. Die Grundgebürge sind
also aus dem Chaos entstanden vor aller
Bewohnung der Thiere. Man kann die
Gebürge auch noch eintheilen in Stein-
Gebürge und in die durch den Nieder
schlag entstandene oder Flöths_gebürge.
Das Ober- Mittel und hohe {2- *1 -2} ist das
Stammgebürge. Alle Hauptgebürge
sind Ganggebürge, alle Ganggebürge
sind von Flöthsbergen umgeben,
die aus Flöthsschichten bestehen. In den
Flöths_gebürgen findet Man Überreste
der alten bewohnten Wellt. Also

/ muß ~

/|P_377R δZ_12

/{2- *1 Gebürge -2}

/δLage_XX.

/δAdickes ~

/|P_378

/muß die Gegend um Jena in einer 1.000. Iahren
viele Veränderungen erlitten haben,
es muß das Waßer mit dem Lande
sehr oft abgewechßelt haben.

/ ≥ Wahrscheinliche Gründe
daß das Land unter Waßer
gestanden. ≤

/In der größten See, im Pacifischem
Ocean sind Inseln z.E. Otahiti, wo
Menschen sind, und Man weiß nicht, wie
sie hingekommen, da sie doch von al-
lem Lande weit entfernet sind. Durch
Schiffarth sind sie dort nicht hinge-
kommen, denn sie haben keine Schiffe,
und haben sie auch Niemahls gehabt;
denn die Schiffarth vergeht da nicht
mehr, wo sie einmahl ist. Sind diese

/|P_379

/Menschen nicht alle {2- *1 -2} auf einem Continent
gewesen, welches Niedergesuncken, und
diese Inseln vom Continent abgeschnit-
ten hat. Noch mehr! Die Leuthe auf Neu-See-
land haben dieselbe SPrache, als die auf Otahiti,
da sie doch auf 300. Meilen von einander ent-
fernet sind, und nichts von einander trennet,
war erst festes Land. In Engellandt sind jezt
keine 4. füßigte R{2- aubt -2}hiere, und werden auch
keine mehr seyn, weil sie ausgerottet sind;
alleine wo sind sie zuerst dahin gekommen?
Es muß mit dem Continent zusammen ge-
hangen haben; Ferner das ElendThier ist in
Asien und NordAmerika. Also müßen die
Länder Asien und America ein Continent ge-
wesen seyn. {2- *2 -2} Dieses ist eine hypothetische
Meynung von dem Ursprunge der Erde,
und verdient wegen ihrer Wichtigkeit Auf-
Mercksamkeit und Untersuchung.

/ Annotat. ~
|P_379R δZ_2

/{2- *1 unter
einander -2}

/δZ_16 {2- *2 hernach aber
gesunken %und
von der See ge-
deckt worden
seyn. -2}

/δAdickes ~

/|P_380

/Annot: Aus diesem ist zu schließen, daß
der Erd_Cörper jezt ein viel kleineres Vo-
lumen ausmachet, als vorhero, ob er gleich
noch eben dieselben Materien in sich
faßet.

/ ≥ Articulus V.

/Von der Schiffarth.

/ §_69. ≤

/Was die Figur des Schiffes anbetrift,
so ist es hinten breiter, als vorne seiner
Breite nach betrachtet; seiner Länge {2- <nach> -2} aber
ist es oben breiter, und unten bey dem
Kiele ganz zugespizt. Kiel nennen die
Schiffer das jenige Stück Holz, welches
auf dem Boden des Schiffes, nach seiner
ganzen Länge gelegt ist. Die Ursache von
dieser Figur ist unbekannt, und warum
man nicht lieber eine Figur gewählet hat,

/|P_381

/die hinten eben so, als forne zugespizt und
in der Mitte bauchigt ist, weil man als-
dann mehr Raum zur Ladung hätte; allein
die Erfahrung lehret, daß die gegenwärtige
Bau-Art der Schiffe bequemer und
vortheilhafter. Die Ursache, welche die
Schifsbaumeistern, von dieser {2- *1 -2} Bau-Arth
anführen, ist diese, weil die Enten und
andere Waßervögel vorne spiz und hinten
breit fortgehen. Der Mast stehet {2- *2 -2} um
{2- <1/> -2}16. Theil der Länge des Schiffes, mehr
nach hinten, damit sich nicht das Schiffe
leicht umdrehen kann. Bey den Laterin-
schen und einigen wenigen andern Inseln
hat Man eine Arth Fahrzeuge, die nur
einen halben Kahn vorstellen, und auch
nur von der einen Seite einen Kranz,
von der andern Seite aber einen Ausleger,
welcher von leichtem Bambus_Rohr geflochten
und hinten mit einem Kahn gleichsam

/ einge-  ~

/|P_381R

/{2- *1 angenom-
menen

/*2 ohngefär -2} ~

/|P_382

/eingefaßt ist. In der Mitte des halben
Kahns, hat es den Mastbaum, und der
Ausleger schwimmt auf dem Waßer.
Diese Fahrzeuge können nicht mit, auch
nicht gegen, sondern neben dem Winde fah-
ren, weil sie vorne und hinten gleich
spizig sind; weil aber der Wind dorten,
entweder Nordost oder Südost ist; so können
sie dieselbe fast beständig gebrauchen, um
von der einen Insel auf die andere zu
fahren. Wann der Seitenwind den Ausle-
ger etwas in die Höhe treibt; so treten
die Indianer auf denselben, wodurch das
Fahrzeug, welches sie Prona Nennen, wie-
derum ins Gleichgewicht kommt. Sonst
sind diese Fahrzeuge die geschwindesten,
die man noch kennt, und wenigstens
noch 3. Mahl geschwinder, als die hurtigsten
und schnellesten, von denen unsrigen.

/δAdickes

/|P_383

/daher man auch in Engelland die Probe
gemacht hat, sie nachzuahmen.

/ ≥ §_70. ≤

/Die Größe des Schifs wird durch die Ladung
die es einnehmen kann, und diese wie-
derum durch Lasten bestimmt. Eine Last
enthällt 20. Tonnen, eine jede Tonne aber
2.000. %Pfund. daher die Last 40. Centner aus-
macht. Von den gewöhnlichsten, die bey
und höchstens nach Stockholm fahren,
enthalten 40. die OstIndischen aber öfters
100. Last. Vormahls enthielten die Portu-
giesischen Caracken 1.200. Last, welche man
aber jezt nicht Mehr aufweisen kann.
Sonst wird die Ladung für ein {2- ne -2}uge-
bautes Schif so bestimmt, Man rechnet
den innwendigen Raum des Schiffes,
und das Gewicht des Waßers, welches
darinne Raum haben könnte, aus, und
nimmt davon die Hälfte, zu dem Gewicht

/ der

/|P_384

/der Ladung. Alleine weil das Schiff keine
Geometrische Figur ist, so kann die Höhle
des Schiffes hierdurch nicht bestimmt werden.
Indeßen ist dem Schiffer viel daran ge-
legen, es zu wißen, indem das Schiff,
wenn es seinem Schwehrpunckt gar zu tief
im {2- Boden -2} hat, zu steif ist, und bey dem
Schl{2- @endern@ -2} des Schiffes, entweder im großen
Winde, oder in hoher See leicht seinen Mast
verliehret; wann es aber gar zu hoch geladen
ist, durch eine Kleinigkeit um kippen kann;
Es muß bey einem Schiffe sehr wohl das
Centrum magnitudinis von dem Centro
gravitatis unterschieden werden; wann das
leztere wegen Schwehre der Ladung {2- *1 -2}, z.E.
Korn, Flachß p dicht, oder so gar über das
Centrum magnitudinis, welches das Centrum
ist, das der Waßer-Cörper, der so groß,
als der eingetauchte Theil des Schiffes ist,
hat, - gehet; so küppt es um. Daher macht
Man, ehe Man ein Schif bauet, ein Modell ~

/|P_384R

/{2- *1 z.E. der Ar-
tillerie zu
tief in dem
Schiff liegt:
so kann es
nicht so leicht
drehet werden;
gehts aber we-
gen Leichtig-
keit der Ladung -2} ~

/|P_385

/von demselben, noch dem verjüngtem Maaß-
Staabe, beladet es nach der gewöhnlichen Tiefe
und läßt es auf einem Eimer voll Wa-
ßer schwimmen, wornach man dann Ver-
hältniß Weise, die Ladung des großen
Schiffes bestimmt. Sonst ist zu mercken,
daß der Schiffbau, so, wie die Uhr_macher-
Kunst, nicht unter gewiße Regeln gebracht
werden kann, sondern daß es hier lee-
diglich auf das Glück ankommt, indem
von zwey Schiffen, die nach einer Facon
gebauet sind, das eine öfters gut, das
andere aber schlecht gehet.

/ ≥ §_71. ≤

/Was die Wißenschaft, die ein Schiffahrer
haben muß, anbetrift, so würde dieselbe,
wann ihm nicht viel vorgearbeitet wäre,
sehr groß seyn Müßen. Hauptsächlich
gehöret dahinn, die Cours des Schiffes zu

/ bestimmen,

/δLage_YY.

/|P_386

/bestimmen, und das Manoeuvre des Schifs
vollkommen inne zu haben. Z.E. Ancker
werfen und aufwinden. Zu dem ersteren
wird erfordert, daß er die Wellt_Gegenden
wiße, welches ihm aber der Compaß, welcher
an der Decke der Cajute befestiget ist, en
Balanciers, damit er horizontal bleibe, zei-
get, und die Weite nebst der Richtung
seines Weeges, welchen er auf {2- den -2} Seefarten
vermittelst des abgezeichneten Compaßes
welcher auf denselben mit 32. Strichen, die
die Welt-Gegenden anzeigen, befindlich
ist, {2- *1 -2} vollkommen inne haben müße; ferner
die Länge seiner Farth und die Weite
seines Weeges, den er zurückgelegt hat,
determiniren können, welches durch die
Lochlehen, so ein hölzerner Triangel ist, an
welchem bleyerne Kugeln befestiget sind,
und darneben ein Strick von vielen Faden
gebunden ist, geschiehet. ~

/|P_386R

/{2- *1 hernimmt -2} ~

/|P_387

/ ≥ §_72. ≤

/Endlich gehören zu der Schiffarth auch haupt-
sächlich die Erfindung der Länge und
Breite des Orts, wo er sich aufhällt; die
lezte kann er aus der Höhe der Sonne oder
eines Sterns, vermittelst des Hervaischen Qua-
dranten, mit welchem er zur Zeit des Mit-
tags Observationen anstellen kann, und
vermittelst derjenigen Zeit, da die der<2> Sonnen<3>
Höhe<1> aufhört, mercklich zu zu nehmen, und
anfängt abzunehmen, determiniren Muß.
Die erstere aber ist deßwegen schwehr zu erfin-
den, weil der Himmel nicht verändert
wird. Die Arth, wodurch sie jezt determinirt
wird, ist die Vergleichung einer acuraten
und sehr genauen Uhr, welche auf dem Lande,
wo man ausgefahren ist, accurat gestellet war:
den, mit derjenigen, welche auf dem Schiffe
unter dem Himmelsstriche, wo sie sich auf
der See befinden, gestellet worden, wann Man
Nehmlich den Unterscheid der Zeit im Bogen

/ des

/δAdickes

/|P_388

/des Aequators verwandelt. Weil die Um-
stände aber nicht allemahl möglich, so ist
die jetzige Methode fehlerhaft. Die
zweyte Methode ist durch die Bewegung
und Stellung des Mondes, welche in
einem Circkel verschieden ist, zu deren Er-
findung Euler zwar Gelegenheit gegeben,
die aber Meyer weiter ausgeführet,
und Tabellen geliefert hat, wovor seine
Familie nach seinem Tode die Praemie
von 3.000. %Pfund Sterlingen bekommen hat. So
giengs Euler gleichfalß, als er die Meynung
des Newton, als wann keine dioptrische
Gläser, die das Object von den @fremden@
Strahlen vereinigten, Möglich wären, be-
stritte, und seine Meynung, daß wann
ein Glaß in weniger Entfernung im Teleskop
angebracht würde, es das erstere corrigiren
möchte, eröfnete, ein gewißer Dollond, wel-
cher vorhero den Newton, als seinen LandsMann

/δAdickes

/|P_389

/vertheidigte, durch Erfahrungen, die er dabey
anstellte, das Teleskop erfand. Die 3te
Methode geschiehet, durch die Beobachtung der
Verfinsterung des Iupiters Trabanten, wel-
che aber auf der See, wegen beständiger Schau-
ckelung des Schiffes nicht zu practisiren,
ist, so ist aber auf dem Lande sehr accu-
rat, die Länge des Ortes liefert. Endlich
muß noch derjenige Wind, welchen die
Schiffer Denive Nennen, der von der Seite
kommt, und in dem es die Richtung
des Schiffes beständig verändert, die Farth
verzögern.

/ ≥ §_73. ≤

/Endlich muß er auch vorzüglich, den {2- Rhones -2}
zu bestimmen wißen, welches diejenige
Tour ist, die sein Schif nehmen muß, wann
er nach einem Orte, der außerhalb dem
Meridian des Orts, von welchem er ausgefah-
ren, liegt, hinführet. Dann es giebt Nur
überhaupt 2. Fälle, in welchen er nach

/ einer

/|P_390

/einer Gegend und Richtung von dem Orte, von wo
er ausfähret, bis zu demselben, wohinn er fährt,
weisen kann, nehmlich wann beide Örter unter
dem Aequatore oder unter einem Meridian liegen;
als dann kann er im ersten Fall nach Osten {2- *1 -2}, im
andern Fall aber nach Norden {2- *2 -2} fahren. Wenn aber
der Ort außer{2- halb -2} den gedachten Linien liegt, so kann
er zwar im Anfange, nach der Gegend, wo der
Ort hinliegt, fahren, er muß aber, weil ein
jeder Weg, den man auf der Erde zurücke
legt, ein Bogen ist, dieser aber aus unendlich
kleinen geraden Linien, die immer eine andere
Richtung nehmen, bestehet, darneben der Strich,
welchen er nach einer Gegend hält, als eine
gerade Linie consideriret werden kann, seine
Cours beständig, und zwar durch die SchifsRose
welches der auf der See_Charten verzeichnete
Compass ist, corrigiren: Dieses betrift seine
Mathematische Wißenschaft.

/ ≥ §_74. ≤

/Ein See_Fahrer muß darneben auch, einige
Physische Wißenschaft haben, und zwar so-  ~

/|P_390R

/{2- *1 oder Westen

/*2 oder Süden -2} ~

/|P_391

/wohl in Ansehung seines Schifs, als auch der
Gegend, in welche er fähret. Was das erste
anbetrift, so muß er dafür sorgen, daß
es {2- aus -2} gutem Holz und Materialien bestehe; fer-
ner muß e«s»r {2- es -2} auch mit guten Victualien, so
viel, als er auf der Länge seiner Reiße
zu consumiren gedenket, versehen. Weil aber
die Seeluft dem Menschen sehr schädlich ist,
und den Scharbock verursachet, indem sie
nicht die Ausdünstung, als das Land z.E.
den Thau, welches ein rechtes Gemengsel
von allen, besonders aber Öhligten Theilen, die
aus den Pflanzen ausdünsten, und woher
auch die Chymiker versichern, daß der Thau
etwas honig{2- ar -2}tiges bey sich führe - überkommt;
so muß er auch darauf bedacht seyn, daß er
gesunde SPeisen besorge, und dazu ist beson-
ders das Sauerkraut dienlich, vermuthlich, deswe-
gen, weil die Fäulniß etwas alcalisches mit
sich führet; die Säure aber, dem Alcali hinder-
lich ist, und mithinn dem Menschen vor der

/ Fäulniß

/δAdickes

/|P_392

/Fäulniß praeserviret. Es giebt auch eine Art von
faulen Fiebern, welche von andern darinne unter¥
schieden sind, daß bey den ersteren der Puls
zwar schnell, aber leise, bey den leztern aber
auch schnell, aber stark schläget. Im erstern
Fall, ist der Wein sehr dienlich, im andern
aber sehr schädlich, welches Mittel auch in denen
Pocken zum Ausschlagen sehr dienlich und
Nüzlich ist. Es handeln daher die Ärzte
sehr unrecht, welche alle, die an Fiebern
liegen, ohne Unterschied den Wein verbiethen.
Der Seefahrer muß auch ferner darauf be-
dacht seyn; daß die Luft auf seinem Schiffe
in Circulation gebracht werde, weil das
Stehen derselben, wegen der Ausdünstungen
von denen Menschen, die sich darinnen auf-
halten, der Gesundheit sehr nachtheilig ist,
wie sich dann auch in denen Stiften,
publiquen Schulen p, sehr viele Anlagen zur
Krankheit befinden. Dieses bewerkstelliget
er, indem er unten einen Feuer-Heerd

/|P_393

/anlegt, wodurch dann die stehende Luft, vermit-
telst des beständig «stehenden Feuers» unterhal-
tenen Feuers vertrieben, und andere in ihre
Stelle gebracht wird, sonst pflegen sie um die
Unterlaßung dieser Anstalt zu ersezen, die
Matrosen, um ihre Portion Eßen zu bekom-
men, hoch steigen zu laßen, und andere
Motionen zu verschaffen. Ferner Muß er
auch für gutes süßes Waßer sorgen, wel-
ches er in Tonnen anfüllen läßet. Alleine
es pflegt daßelbe zu faulen, und ob es
gleich klar wird, wann es eine Weile ge-
standen, so warten dennoch die wenigsten diese
Zeit ab, welches aber auch wenig Schaden
verursachet. Es scheinet, der Mephitis sey über-
haupt in allen Waßern, doch «überhaupt» Mehr
in Quellen, als Ströhmen, und auch in je-
nen in verschiedenen Quantitaeten aufbe-
halten. Mann soll jezt in Engellandt und
Franckreich eine Methode das See-Waßer

/ ganz

/δLage_ZZ

/δAdickes

/|P_394

/ganz süß zu Machen, erfunden haben,
und soll daßelbe beßere Dienste, als das
gewöhnliche {2- *1 -2} thun. Sollte dem also seyn, so
müste man die Ursache davon in den zu-
rücke gebliebenem Salzgeist und SalzSäure zu
suchen {2- seyn -2} - Die Säure ist 3.fach, wie wir
sie jezt noch kennen. Die VitriolSäure,
die SalpeterSäure, und die SalzSäure.

/Was die Beschaffenheit der Meere und
Länder, durch die er reyßet, anbetrift;
so muß er die Winde, die da herrschen
genau kennen. Daß innerhalb denen Wende-
Cirkeln die Östlichen, bis zum 30ten Grade,
der Breite aber, die Westlichen Passat-Win-
de wehen., dann Muß ihm auch bekannt
seyn, wann die Monsons-Winde herrschen,
damit er sich {2- in -2} der Zeit seiner Abfarth
darnach richten können. Z.E. im Februario,
wann er von Europa nach OstIndien
fahren will. Ferner Müßen ihm auch ~

/|P_394R

/{2- *1 süße
Waßer -2} ~

/|P_395

/die Prospecte derer Landes-Küsten, die
Beschaffenheiten des Landes-Bodens,
von demselben, und ihre Figur nicht
unbekannt seyn, als wozu er die
See-Charten, in welchen dieses
alles verzeichnet ist, nothwen-
dig haben Muß.

/δRest_leer

/ Sectio_II.

/|P_396

/ ≥ Sectio_II.

/ §_75. ≤

/Nachdem wir die Elemente, aus denen die Erde
zusammengesezt ist, erwogen haben, so ist es auch
billig, daß wir zu ihren Einwohnern und Pro-
ducten, mithinn zu ihren Geschöpfen übergehen.
Wir finden aber unter demselben sowohl solche,
bey denen wir etwas zweck mäßiges gewahr
werden, als auch, bey denen solches nicht ent-
deckt werden kann. Unter jene rechnen wir
die lebende Wesen, und Nennen solche organi-
sirte, unter diesen aber die Mineralien, welche
wir un_organisirte Körper heißen. Weil
nun unter den lebenden die vernünftigen
Geschöpfe die vornehmsten sind; so werden wir
anfänglich die Menschen, deren Cörper und
Gemüths-Caracter betrachten, weil diese Ordnung
die bequemste für den Menschlichen Verstandt
ist.

/|P_397

/ ≥ Articulus_I.

/ Von dem Menschen.

/ §_76. ≤

/Einige lebende Wesen sind so beschaffen, daß,
indem sie sich begatten, andere erzeuget werden, die
ihnen in allen, und zwar alle beyden Cörpern
gleich ähnlich sind, diese aber wiederum andere
hervorbringen, die auch nach ihnen schlachten,
mithinn sich fortpflanzen können. Bey an-
dern aber findet Man, daß wann sie sich
gleich begatten, entweder gar keine Frucht,
oder eine solche, die ohne Leben ist hervor-
bringen - wie man [[Reaumur]] erzählet: daß ein Ka-
ninchen mit einer Henne ein Ey erzeuget,
so keinen Dotter hatte, welches aber höchst-
unwahrscheinlich ist - höchstens nur eine, die
zwar ein Leben haben, aber dabey nicht
weiter von ihrer Sorte {2- *1 -2} zeugen können, wie
ein MaulEsel, aus Vermischung eines Hengsts
und einer Eselsstutte. Ihre Producta aber

/ Müßen ~

/|P_397R

/{2- *1 Seite -2} ~

/|P_398

/müßen im Mittlern und leztern Fall, von
beyden Eltern gleich {2- *1 -2} haben, und zweyschlägig
seyn. Die lebende Wesen *2 und diese lez-
tern eben wieder dergleichen, durch die Be-
gattung hervorbringen können, heißen eine
Gattung. Einige lebendige Wesen, die ver-
schieden sind, können durch Begattung
andre hervorbringen, die sich weiter fort-
pflanzen können, und soviel ähnliches,
sowohl von dem einem, als von dem
andern Theile der Zeugenden an sich haben,
und diese werden Racen genannet. Bey an-
dern lebenden Wesen beobachtet Man, daß,
wann sie gleich verschieden sind, sie dennoch
solche Producte hervorbringen, die sich
selbst fortpflanzen, und entweder dem einem
oder dem andern von dem Zeugendem
vollkommen ähnlich sind, und diese werden
von Buffon Vari{2- etaeten -2} genannt, weil es dann ~

/|P_398R

/{2- *1 viel an sich -2}

/*2 die andern gleiche ~

/|P_399

/der Unterschiedt der Thiere keinen Einfluß
auf die Zeugungs-Kraft hat.

/ ≥ §_77. ≤

/Weil die Menschen, sie mögen so unterschieden
seyn, wie sie wollen, durch die Begattung
dennoch ihnen ähnliche Wesen, die sich
wieder weiter fortpflanzen können,
erzeugen; so sind sie von einer Gattung
und es ist gar nicht Philosophisch, da,
wo Man nur einen Stamm annehmen
darf, davon mehrere zu sezen. Da nun
dieselbe sehr von einander nach ihrer Farbe
unterschieden sind, so werden wir leicht
finden können, welches von ihnen Racen
oder Varie{2- taeten -2} sind z.E. die Blonden
und Brunetten, wann sie gleich öfters
mehrere zeugen, die eine ihnen ähnliche
Farbe haben, dennoch auch andre zeugen.
Zu den Racen aber «auch», durch deren Ver-
mischung andre erzeuget werden,

/ die

/|P_400

/die halbschlägig sind, rechnen wir 4. als:

/I.) Die Weißen, wozu die Europaer,
bis an die Chinesische Mauer, deren
Stamm, die Parthische, Celtische,
Scytische und Sclavonische Nation sind.

/II.) Die Indianer, welche eine grüngelbe oder
braune Farbe haben, wozu nicht allein
die Einwohner von Indostan, sondern
auch die in den umliegenden Inseln
wohnende gehören, wozu auch die Zi-
geuner, die schon über 500. Iahr in
Europa sind, und ihre eigentliche
Farbe noch beybehalten haben, gerechnet
werden können.

/III.) Die Mungalen, welche eine rechte roth¥
braune Farbe haben, dabei ohnbärtig
sind, überdem auch eine besondere
Leibes und Gesichtsbildung haben;
ihre Augen stehen ihnen tief im Kopf
und die Augen_Knochen ragen sehr
hervor; sie haben ein breites Gesicht,

/|P_401

/kleine und flache Nasen und dünne Lefzen,
ihre Augen sind sehr groß, doch die
Augenlieder nur etwas gespalten, daß
sie nicht ordentlich sehen, sondern viel-
Mehr blinzen. Sie haben sich in America
ganz ausgebreitet, und sind nichts anders
als die Kalmucken, an manchen Orten
sind sie ganz kupferfarbig.

/IV.) Die Negers oder ganz schwarze sind so-
wohl im Südlichen als Nordlichem Hemis-
phaerio und zwar in jenem nur einzig
in Africa, obgleich sich die Zona torrida
auch über andere Länder erstrecket.

/Im Südlichem {2- @ab@ -2} halten sie sich im δLücke
{2- Neu- -2} Guinea, und den umliegenden
Insuln. Sonst sind diejenigen, die
man noch anderswo antrift nur Kreolen
d. h. die von fremden und einheimischen
Eltern gebohren sind. Sie sind von den
Mohren ganz unterschieden, indem leztere,
weil sie beständig in der Sonne arbeiten,

/ schwärzlich

/δLage_AAA,

/|P_402

/schwärzlich aussehen, ihre Weiber {2- <aber,> -2} wann sie ein-
gesperret werden, ganz weiß aussehen. Sonst
stammen sie von den alten Mohren <{2- Mauren -2}> her.

/Die Neger, ihre Farben sind {2- an -2} der Schwärze zu
unterscheiden, und am Sennegall bey denen
Fulviis ist sie am stärcksten. Sie ist nicht
etwann aus einer braunen Farbe entsproßen,
oder gar selbst eine Art derselben, indem
die Terzenonen und Quartenonen {2- <noch> -2} von denen
sonst sehr braunen Spaniern zu unterscheiden
sind. Um die Terminologie inne zu haben,
mercken wir, daß wann sich ein Weißer
mit einer Negerin verheyrathet, das Kind
ein Mulatte wann aber derselbe mit einer
Indianerin cohabitiret, Mestize, und wann
sich ein Indianer mit einer Negerin vermi-
schet, das Kind ein Camul genannt wird.
In der ersten Erzeugung dieser verschie-
denen Racen, entstehet eine Halb«ge»schlacht;
in der andern, wann nehmlich diese Kinder
mit eben derselben Race sich verheirathen,

/|P_403

/ein Viertel_Geschlacht, in der dritten, ein
Achtel_Geschlecht. Die ersten werden Terzenonen,
die andern aber Quartenonen genannt, und
ist zu mercken, daß biß zu der 4ten Zeugung - 
%.excl. - die Kinder noch allemahl halbschlä-
gig, wiewohl immer weniger seyn, je
weiter sie von der ersten Zeugung abste-
hen, bis sie dann endlich in der 4ten
ganz zu der einen Race - welches eine
Abart ist, dagegen diejenigen, welche sich
nicht weiter fortpflanzen können, Varie-
taeten oder Ausartungen genannt werden, -
übergehen. Die Neger haben außer ihrer
schwarzen Farbe, noch andere Kennzeichen,
sie haben Wolle statt der Haare, wann
man nehmlich das jenige, was auf den
Fellen der Schaafe ist, so nennen darf;
eine Nase, die oben ganz dünne, und
unten ganz dick und dabey klein ist. Ihr
Blut ist ein schwarzer Saft, ihr Fleisch

/ nebst

/|P_404

/nebst der Haut ist dicke und wie Sammet
anzufühlen, dagegen unsere ganz glatt ist.
Es sollen sich in ihrem Saamen schwarze Flecken
befinden, roth gebohren werden, und der
schwarze«n» Flecken {2- *1 -2} wahrgenommen wird, innerhalb
den ersten 4. Wochen sich über den ganzen
Leib ausbreiten. Wann sie kranck werden
und lange einliegen; so bleichen sie etwas
aus, wann sie aber sterben, so werden
sie desto schwärzer, vermuthlich, weil alsdenn
der Saft aus zu tretten völlige Freyheit
bekommt. δLücke Es giebt auch eine Arth
weise Negers, wann man unter diesem
Nahmen die ganze Bildung verstehet,
welche von denen SPaniern Albinos -
sie sehen ganz bleich aus, ihre Pupille ist
Aschfarb und können bey Tage gar nicht
sehen, dahero sie in der Dämmerung
und in der Nacht arbeiten - von denen
Portugiesen Dondos und von den Holländern ~

/|P_404R

/{2- *1 der alsdenn
schon bey
ihnen -2} ~

/|P_405

/Kaken genannt werden: sie haben in Africa
und America weiße Wolle, wie Schaafe;
in Asien aber rothe; in den ersten Gegenden
werden sie vertrieben und sehr verfolgt,
in den lezteren aber wiederum hoch und
von den vornehmen zu Bedienung gehalten.
Die können sich nicht weiter in ihrer Arth
fortpflanzen, sind dabey erstaunlich dumm
und einfältig, wie der, so von ihnen nach
Paris gebracht und daselbst anatomiret worden.
Wann nun beobachtet worden, daß die Maul-
esel sehr tückische Thiere sind, so kann
es wohl statt finden, daß die Vermischung
derer Racen, die Fähigkeiten und Gemüths-
Karackteren verschlechtern, und dahero im Hey-
rathen nicht allein auf die Gleichheit der
Racen, sondern auch, ob die Vorfahren von
derselben gewesen, zu sehen ist.

/Die Chineser und Japoneser sind vermuthlich

/ aus

/|P_406

/aus der Vermischung der Indianer mit de-
nen Mungalen entstanden, da sie gleichfals
ohnbärtig seyn. Auch würde gleichfalls eine
Curieuse Creatur, die dabey entsezlich anzuse-
hen wäre, entstehen, wenn ein Neger
mit einer Mungalin cohabitiren Möchte,
welches Maupertuis anrieth, um die
Ausarthungen der Menschen kennen zu
lernen. Die Mungalen können nehm-
lich, als ein Scheusahl der Menschlichen Natur
angesehen werden, indem sie sowohl ei-
ne sehr entsezliche Leibes-Bildung
besizen, als auch viele Unruhen angerich-
tet. Sie erstreck{2- <t> -2}en sich «gleich» vormahls
sehr weit nach Nord-Ost, und wurden
zuerst in Europa unter dem Nahmen
derer Bulgaren, hernach aber der Hunnen
bekannt. Sie vertrieben die Völcker
aus ihren Wohnpläzen, unter welche auch
die Deutsche sind, die vormahls am Cas

/|P_407

/pischen Meere müßen gewohnet haben, weil man
daselbst noch sehr viele SPuhren von ihnen antrift. -
In Italien sind die sogenannten Zimbrier nichts
anders, als Abkömmlinge von ihnen, und ist zu
verwundern, daß sie sich so lange bey der
Reinigkeit dieser SPrache erhalten haben,
und haben zulezt die Türcken und Tartarn
in Bewegung gebracht.

/Annot: Die Celtische {2- *1 -2} scheinet vormahls die all-
gemeine in ganz Europa gewesen zu seyn,
aus welcher nachhero die Griechische, Lateinische p
entstanden.

/ ≥ §_78. ≤

/Die ursprüngliche Farbe scheinet die Weise zu
seyn, welche aus der Durchsichtigkeit der
schleimigten Materien und Partickelchens der
Haut entstehet, - welches das Durchschimmern
des Bluts in denen Adern beweiset, in-
dem diese ein Fundament zu allen ist, und
durch das Zuthun der äußeren Luft, des
Bodens, der Nahrungs-Mittel pp in andere
Farben degeneriren kann. Adam scheinet also

/ ein ~

/{2- *1 Sprache -2} ~

/|P_408

/ein Weißer und zwar ein blonder gewesen
zu seyn. Die blondesten Völcker sind wohl
die Deutschen. Eben so leicht ist der Übergang
der andern Farben nicht zu erklähren.

/Einige Nationen zogen sich sehr nach Nord-
ost und also in ein sehr kaltes Clima,
nach den Polen zu; weil nun aus der
Erfahrung bekannt ist, daß der Frost, wenn
er starck ist, die Haut dünne macht, und
das Blut sehr starck ins Gesichte steigt;
so ist es leicht einzusehen, wie die
Mungalen in Kamtschatka, in der Bulgarey pp
eine rothbraune Couleur angenommen haben;
und daß diese erblich geworden, ja die
Zeugungs-Kraft selbst afficirt. In der
dortigen Gegend{2- en -2} ist eine sehr große In-
commoditaet, daß der Schnee die Augen
sehr starck verjaget, daß daher die jezigen
Einwohner ein Stück Holz, worinne eine ganz
kleine SPalte, die 26. mahl kleiner, als der

/|P_409

/Diameter der Pupille ist, vor die Augen,
nehmen müßen. In der Zeit aber, wann
bey ihnen Sommer ist, halten sich die Mücken
daselbst so starck auf, daß Dampier auch
anmerckt, daß die Einwohner vor ihnen
nicht einmahl die Muscheln, welche sie bey
der Ebbe, als ihr einziges Nahrungs-Mittel
auflesen, sehen können, und sobald sie
nur den Mund aufmachen; so fliegen
ihnen ganze Schaaren hinein. Hieraus ist
leicht zu ersehen, daß die Einwohner ge-
nöthiget gewesen, ehe sie noch ein Mittel
dawieder erfunden, die Augen nur ein
wenig zu öfnen, und da solches jederzeit
geschehen müßen; so ist kein Wunder
daß ihre Augen eine solche Stellung erhal-
ten, und die Muskeln unbiegsam ge-
worden. Weil auch jedes mahl durch die
große Kälte, die Nase, als das empfindlichste

/ Gliedt

/δLage_BBB.

/|P_410

/Gliedt etwas verliehret, so wird sie endlich in
der Zeugung <immer> etwas flächer geworden und
die Lefzen, als schleimigte Theile verschwun-
den seyn, da wir doch überhaupt bemercken,
daß die Natur nach Beschaffenheit der Ge-
genden, diejenigen Glieder nicht entwi-
ckelt, die sonst eben dieselben Thiere in
andern Gegenden haben, und die ohnfehl-
bahr zu ihrem Untergang gereichen würden,
daß bey ihnen endlich der Bart nicht wächßt,
so mag dieses wegen Mangel der Säfte,
wie auch, daß sie nicht groß wachßen, ge-
schehen. In den südlichen Gegenden, indem
die Sonne starck auf den Cörper würckt;
daß endlich die Quelle, welche wegen der
öhligten und fettigten Theile seifartig
ist, ins «¿¿¿»Blut ergießt, und nicht alleine das,
sondern auch die Haut färbt. Die Indianer
haben schwarze Haare, wie die Mungalen,
weil öfters viele Wirckungen «mit» der
Kälte {2- *1 -2} einerley ist, sind z.E. in der Wärme ~

/|P_410R

/{2- *1 mit der
Wärme -2} ~

/|P_411

/sowohl als in der Kälte dünsten die Cörper
sehr aus, es können also auch die Schwarzen
Haare aus gar zu vielen Ausdünstungen
«be»«entstehen» entstehen, maaßen wir bemercken,
daß sich sowohl die Hottentotten mit Fett,
als die Nördliche Völcker mit Thran, vor dem
vielen Ausdünsten zu bewahren suchen.

/Weil Africa fest mit lauter Waßer umgeben;
so kan solches im ältern Zustande der Erde
gar eine Insul, obgleich eine sehr große
gewesen seyn, da denn die Wüste Zaara
in Egypten, ihr Ufer gewesen zu seyn
scheinet. Wann nun zu vermuthen, daß
die aus geworfene chaotische Materie und
Schlamm, mit unterirrdischer ErdHize ver-
mischt gewesen, überdem die Waßer
nach und nach Länder bedecket, die Negers,
da die andern Völcker sich wegbegeben,
auf die im festen Lande und in der
Mitte des Landes gelegene vielleicht sehr

/ hohe

/|P_412

/hohe Gebürge werden retirirt haben, weil
sie wegen des Waßers von ihren Wohn-
Pläzen nicht weggehen können. Weil nun
das Waßer auf den kleinen Inseln
die Einwohner wegen Mangel der Berge {2- *1 -2}
daß nur in Neu_Guinea und Afrika, als
den beyden größten Insuln der Erde
sich Negers aufhalten, deren Schwärze daher
rühret, weil sich ihre Vorfahren beständig
in diesem Lande aufgehalten, und durch
die anhaltende Sonnen_Hize dergleichen Gepräge
überkommen haben, als wozu viele Iahrhunderte
erforderlich waren. Die Americkaner sind
ohne Zweifel von den Mungalen entsprungen,
sowohl, weil sie selbst nach ihnen schlachten und
ohnbärtig, auch dabey kupferfarbig seyn, als
auch, weil sich dieselben Thiere in Nordame-
ricka aufhalten, die im Nordöstlichem Theile
von Asien angetroffen werden. Wie endlich
die Austral-Länder; das Austral_Asien richt ~

/|P_412R

/{2- *1 daselbst ge-
tödtet und
ersäufet: so
ists kein
Wunder, -2} ~

/|P_413

/über Asien, das Austral_Africa und {2- *1 -2} America {2- *2 -2}
gegen übergelegen, wir auch Polyn-Asien
hinter dem Pazifischem Meere bevölckert
worden, müßen wir sehen, ob die Einwoh-
ner roth oder gelbbraun aus sehen, da sie
dann im ersterem Falle Abkömmlinge der
Americaner, im andern aber Abkömmlinge
der Indianer sind.

/ ≥ §_79. ≤

/Es ist eine berühmte Frage: ob der Boden
auch einen Einfluß, auf den Caracter, Tem-
perament, Fähigkeit und Religion, der Menschen
habe? Hume glaubt: Nein! weil die Einwohner
in Ländern, welche deicht beysammen liegen,
sehr verschieden sind, und gewesen sind.
Z.E. vormahls die einfältigen Boeotier
und die vernünftigen Griechen, die unter
einem Clima liegen, jezt, die %gravitaetischen
SPanier, und die leichtsinnigen, wizigen
und muntern Franzosen, die unter einerley
Clima wohnen; weil auch ferner die Kunst

/ von ~

/|P_413R

/{2- *1 Austral

/*2 Africa
%und Ameri-
ca gegen
über gele-
gen -2} ~

/|P_414

/von der Natur nicht wohl zu unterscheiden
ist.

/Montesquieu dagegen glaubt, daß er einen
Einfluß habe, und dieses möchte auch
wohl statt finden, denn bey dem Unter-
schiede der Caractere müßen wir auf
Racen, wovon die Menschen herstammen,
Achtung geben. Die Spanier sind eine Mi-
schung von Sara«c»zenen, Iuden und Mohren,
die Franzosen {2- *1 -2} eine glückliche Mischung von
den Deutschen, Römern und Griechen.

/Was das andere betrift; so zeigt eben dieses,
daß bey einigen Völckern, sehr viele
Künste erfunden worden, bey andern aber
nicht, von ihren verschiedenen Fähigkeiten.
Wir finden aber bey einer jeden Race
etwas characteristisches, welches wir hier
anführen wollen.

/I.) Die Nordamerikaner sind im höchsten
Grade unempfindlich; dieses äußert sich ~

/|P_414R

/{2- *1 vielleicht -2} ~

/|P_415

/sowohl darinne, daß bey ihnen fast gar keine
Geschlechter_Neigung zu spühren, dahero auch
die Weiber nicht anders, als HausThiere, die
ihnen das Eßen auf der Iagdt nachtragen
müßen, behandelt werden. Dieses bestätiget
sich sowohl, durch ihre große Enthaltsamkeit
in Kinder_Zeugen, als auch durch ihre schein-
bahre Tapferkeit, welche aber ganz andere
Würckungen, als bey denen Europaern her-
vorbringt. Im Anfange wehren sie sich
verzweifelt, wenn sie aber alle Hofnung
zum Siege aufgeben; so werfen sie Waf-
fen weg, und laßen sich ganz gelaßen
in Stücken zerhauen, {2- da -2} die Europaer
hingegen, wann sie am tapfersten sind,
sich bis auf den lezten Bluts_Tropfen ver-
theidigen. Condamine sahe einen Spanier
mit einem Peruaner zugleich, zum Galgen
führen, jener war bestürzt und ganz
betretten, dieser aber sahe alle diese

/ fürchter- 

/|P_416

/fürchterlichen Anstalten, mit einem gleichgül-
tigem Auge an. Auch die Sclaven fangen
nicht ehender an zu arbeithen, als bis sie
der Eigenthümer, mit Schlägen dazu treibt,
so baldt er aber weg ist, laßen sie die
Arbeit liegen, und fangen nicht eher an,
als bis sie den Stock fühlen. Dieses
scheint von der großen Stumpfigkeit ihrer
Sinne herzurühren. Sie sind dabey so
einfältig, daß sie die Iahre ihres Al-
ters, die ihnen alle Tage von den Iesuiten,
die sich deshalb sehr große Mühe geben,
vorgebetet werden; so baldt sie aus der
Kirche tretten, wiederum vergeßen, doch
scheinen sie nach Nordosten etwas ver-
nünftiger zu seyn.

/II.) Die Indianer scheinen eine Analogie
der Amerikanischen Tapferkeit, und über-
haupt sehr gesezt zu seyn. Ob sie gleich im

/|P_417

/höchstem Grad Rachsüchtig, Wollüstig, Geldgierig
und Eitel seyn; so sind sie dennoch dabey
sehr feige und furchtsam, dahero auch
sehr viele Nationen von ihnen, so baldt
der Europaer zornig wird, sich von ihm
wegbegeben, und nicht eher wieder kommen,
als bis er besänftiget ist.

/III.) Die Negers haben ein sehr flatterhaftes und
leichtfertiges Wesen an sich, werden
frühe klug, dahero sie auch im 15ten Iahre,
wie bejahrte Alte werden, wobey es aber
auch sein Bewenden hat, und sie bleiben
jederzeit kindisch, wie sie dann den einen
Sonntag, der ihnen einzig zu ihrer Belusti-
gung freygelaßen worden, mit Tanzen
zubringen; da sie doch die übrigen Tage
für die SPanier beständig arbeithen,
und darneben «für» ihren Unterhalt aus den
Früchten, die sie selber Pflanzen, Müßen, suchen.

/δLage_CCC.

/ Da

/|P_418

/Da die Beschaffenheit der Muskeln und über-
haupt der ganzen Leibes-Constitution des
Menschen, auf die Eigenschaften der Fasern
sich zu gründen scheinen, welche in ganzen
Bündeln zusammen liegen; so kann ihr
Unterschiedt, wann sie nehmlich mehr
starck und gar nicht rei{2- t -2}zbahr, oder wann
sie gleich starck und gleich reizbahr, oder
wann sie Mehr reizbahr, als starck sind,
den Unterschiedt der Leibes-Constitution
hervor bringen.

/Wie sich aber ihre Kraft auf die Fähigkeiten
der Menschen erstrecken, ist nicht so leicht einzuse-
hen; Es ist aber auch sehr wahrscheinlich, daß «sich»
die Nahrungs-Mittel, die Luft und Sonne,
auf den Cörper sehr großen Einfluß haben,
Als eine große Erf{2- ind -2}ung ist es Nehmlich
anzusehen, daß die Menschen einige Thiere
entdeckt, die sich zahm machen laßen, durch

/|P_419

/deren Hülfe dann die Gras_arten und der
Boden angebauet werden können, denn so
lange dieses nicht geschiehet, kann der Boden
keine Gesellschaft {2- zu Stande kommen -2} Es bestehet
aber auch das Mehl der Gras-Arten aus
milchigten und klebrigten Theilen, welche
erstere dem Pflanzenreiche, die andern aber
dem thierischem Nahe zu kommen scheinen,
und davon erstere die Wurzeln z.E. Ia-
meiner oder rothe Rüben der Indianer, die
leztern aber die Thiere «¿»In Menge, aber
ohne Mischung bey sich haben. Zuerst ist
allem Vermuthen nach der Reiß, denn
der Weizen, Korn p gefunden worden,
und wann wir eine Rangordnung unter
diesen EßSorten machen wollten, so wür-
den Korn, Weizen, Gerste, die durch den
Anbau zu weit größerer Vollkommenheit
gediehen, ferner der Reiß, dann die Wurzeln

/ und

/|P_420

/und endlich das Fleisch der Thiere und Fische
folgen.

/ ≥ §_80. ≤

/Was die verschiedenen Größen der Racen anbe-
trift, so ist zu mercken, daß diejenigen
Völcker, die an den Polen und gegen Norden
zu wohnen, klein sind, so, daß ein Grön-
laender sellten über 4. Fuß hoch, wird, wo-
her denn leicht zu erkennen, daß hierzu
der Mangel derer Nahrungs-Mittel, nicht
eben behülflich sey, indem die Groenlaender
solche SPeißen, von denen Man fett wird,
nehmlich Seehundfleisch und Fische im Über-
fluß haben, sondern daß vielmehr die
Kälte, als welche die Glieder constringiret,
hiervon die Ursache sey. Unter dem Aequator
und der Zona torrida gelangen die Leuthe
frühe zu ihrer Reife, alleine bey der Mittel-
Mäßigkeit des Verstandes hats auch sein Be-
wenden. Sie werden ziemlich groß und feste,

/|P_421

/doch dürfte ihre specifische Schwehre nicht so
viel betragen, als der Einwohner in denen
Temperirten Zonen, überdem auch leztere
eine größere Höhe haben, daß also die Hize
nichts weiter, als das Wachsthum befördert.
Die Weiber fangen frühe an, im 8ten und 10ten
Iahre, Kinder zu gebähren, hören aber schon
im 24ten Iahre auf, welches auch mit denen
Einwohnern der Nördlichen Gegenden geschiehet,
daß also in diesem Falle, vermuthlich wegen
derer übertriebenen Ausdünstungen, in
beyden Fällen, die Hize und die Kälte einer-
ley Würckung hervorbringt. Sonst wäre
hierzu anzumercken, daß, da ohngeachtet
der verschiedenen Diaet in verschiedenen
Ländern, dennoch {2- *1 -2} einerley Proportion der
Anzahl derer Menschen statt findet, die in
gewißen Perioden des Menschlichen Lebens {2- <Alters> -2}
sterben, z.E. von 20. bis 30. Iahren, vermuthlich

/ Mechanische ~

/|P_421R

/{2- *1 beständig -2} ~

/|P_422

/Mechanische und Physische Ursachen vorhanden
seyn, die die Länge des Lebens einem
Menschen determiniren, und deßen Zeit er
durch Ausschweifungen nicht verkürzen,
sondern daßelbe nur siecher und elender
Machen kann; doch sind hierbey zufällige
Ursachen, die die ganze Machine des
Menschlichen Lebens destruiren, als der
Schlag-Fluß, Pest p aus zu nehmen, und
macht solches noch wahrscheinlicher, daß
gewiße Ursache seyn, die die Zeit
unseres Wachsthums bestimmen. In
den südlichen Ländern und besonders in
Patagonien, soll das Mittel_Maaß der
Menschen im Durchschnitt genommen, kleiner
seyn, als das unsrige; dahero auch wohl
die großen unter den Patagoniern
bey uns Riesen heißen. Wann nun
die Größe des Wachsthums beständig auf

/|P_423

/der Elasticitaet der Fasern beruhet, und
entstehet, wann die Fasern, den sich aus
spannenden Kräften der Nahrungs_Mittel nicht
wiederstehen können. So ist eine sehr
hohe Natur, eine Krankheit, und Man
wächßt wircklich, wann Man krank, {2- <ist,> -2} sehr
starck. Sonst ist auch das sanftmüthige
Wesen der Patagonier eine Anzeige von
ihrem kräncklichem Zustande, und daß
ihre Fasern nicht die gehörige Stärcke
erlangt haben, der ausspannenden Kraft
der Nahrungs-Mittel zu wiederstehen.
Sonst Müßen wir noch Mercken, daß
die Laage einer Stadt, ob sie von Sümp-
fen, Bergen, oder Wäldern umgeben
wird, ob sie dem Nord oder Ost-Winde
ausgesezet ist, nicht geringe zu schäzen,
noch der Kunst und Erziehung in Ansehung
der Leibes-Constitution und Characters

/ derer

/|P_424

/derer Menschen bey zu meßen.

/ ≥ §_81. ≤

/Es wird gemeldet, daß die Männer in Abys-
sinien eine sehr große Vorhaut haben, und
daß dienserwegen bey den Heyden vermuth-
lich die Beschneidung eingeführet worden,
alleine dieses geschiehet bey ihnen zum Opfer,
weil sie sowohl, als ihre Weiber, sehr
gerne fruchtbahr seyn wollen, daher sich
auch die Weiber etwas von den Nymphen
verschneiden laßen, um der Göttin der
Fruchtbarkeit ein Opfer zu bringen, welche
Erzählung aber ganz falsch ist. So sollen
an einigen Orten die Weiber Felle
von Fleisch vor ihrer Schaam haben, welche
von ihnen als eine Unanständigkeit ange-
sehen wird. In Florida werden viele Hermo-
phroditen angetroffen, welche mehrentheils
nur eigentliche Männer, und blos nur eine

/|P_425

/SPalte im Bauch haben, welches sowohl «a¿us»
aus ihrer Neigung zum weiblichem Ge-
{2- schlechte, -2} als auch, weil die Anatomiker
keinen Uterum <pp> bey ihnen finden, zu sehen
ist, wiewohl es auch nicht zu läugnen ist,
daß es auch würcklich Hermophrditen geben
könne, die zugleich Männlichen und
Weiblichn Geschlechts sind. Endlich sollen
die Leuthe in Borneo Ansäze von Affen¥
Schwänzen haben; wann man nun gleich
dieses vorgebe, als einen Irrthum passi-
ren läßt, indem die Schiffer Thiere
für Menschen {2- <haben> -2} ansehen können, so Machts
doch die Nachricht eines authentiquen Russi-
schen Scribenten [[Rytschkov]], daß noch einige Fami-
lien am schwarzen Meere, Affenschwänzig
oder einen äußerlich verlängerten Rükgrad
haben, wahrscheinlich. werden<2> diese<1> von
den übrigen Tartarn verfolgt, und durch

/ diese

/δLage_DDD.

/|P_426

/diese Verfolgung allmählig - wie ein
Geschlecht der Menschen, welches so fleckigt,
wie ein Tyger gewesen seyn soll, jezt
ganz ausgegangen {2- <ist> -2} ausgerottet. Noch
müßen wir die Cretins Mercken, welche
Kröpfe haben, die bis an das Ende des
Bauches reichen, und von denen ihre Mit-
brüder wegen des sanften Temperaments,
das aber aus Mangel der Vernunft her-
rühret, hochgehalten werden, da im
Gegentheil die Türcken die Tollen und
Unsinnigen für heilig halten, weil die
Seelen derselben ihrer Meynung nach, schon
im Himmel sind. Der Character der
Türcken ist sehr trozig, der Carai«b»ten aber
sehr phlegmatisch.

/ ≥ §_82. ≤

/Die Menschen sind jederzeit geneigt schön zu
seyn, und auch alles dazu bey zu tragen,

/|P_427

/Wann man nun in Europa seinem Leib mit
Kleidern bedecket, und sich durch ihre Pracht
hervor zu thun bemühet, so müßen die Ein-
wohner andrer Welttheile in Ermangelung
der Kleider-Zierrathen, {2- un -2}zufrieden, mit
dem, was ihnen die Natur verliehen, Ver-
änderungen mit ihrem Leibe vorzunehmen
suchen. Die Caraiben in Nord-America,
als die unempfindlichsten Völcker in der
Wellt, welche die Insel Luzia bewohnen,
belegen die Stirnen ihrer Kinder mit
bleyernen Platten, damit sie breit werden
und ihre «Sti»Augen hervorragen, mithin
nicht nöthig haben mögen, den Kopf
in die Höhe zu heben, um den Himmel
anzusehen. Außer der schleimigten
Materie, die ihnen im Anfange hiervon
aus der Nase fließet, und außer
denen vielen Kindern, die in der Probe

/ sterben

/|P_428

/sterben, scheinet es ihrer Gesundheit
nicht schädlich zu seyn. Andere Nationen
in America können nicht leiden, daß der
Menschliche Kopf eckigt, und der eine Durch-
schnitt deßelben, größer als der andere
sey, und zwingen dahero denselben in
Kugelformen, und wiederum andere in
Kugelformen, welche den Zucker_Hüthen gleich
sind, woher denn die Kugel und SPiz-
Köpfe zu mercken. Sonst Machen fast alle
Americanische Nationen Rizen in den
Leib, schmieren allerhand Säfte von Kräu-
tern und Blumen hinein, und Machen
ihn dadurch fleckigt, und zuweilen vol-
ler Figuren. Manche von diesen Nati-
onen haben unter der untern Lippe
ein Loch eingeschnitten, welches wie ein
anderer Mund aussiehet, und Niemahls

/|P_429

/zuheilet, worein sie einen grünem Stein
von ziemlichen Werthe hinein sezen. Eine
von ihren gewöhnlichen Zierrathen ist es auch
ihr Gesicht mit Vogel_Federn auszuschmücken.
Endlich gebrauchen auch die roth braunen Ame-
ricaner den Zinnober zum Schmincken, wel-
cher zu ihrem Gesichte sehr wunderlich
abstechen muß. In Asien müßen die
Chinesischen Frauen_Zimmer, um kleine Füße
zu erhalten, dieselbe in enge Bandagen
einklemmen, wodurch dieselbe nichts, als
Klumpen ohne Zehen vorstellen, und
sie vom Ausgehen abgehalten werden,
welches die Männer vermuthlich darum
als eine Schönheit angesehen haben, da-
mit sie von Ausschweifungen abstehen
Möchten. Die Tungusen Nähen ihren
Kindern das Gesicht, nach dem Beyspiel

/ ihrer

/|P_430

/ihrer vormahligen Helden mit blauem
und mit Kohlstaub gefärbten Zwirn
aus. In Arabien punctiren die Frau-
enzimmer ihr Gesicht. Die Schukzki
im Nördlichsten Asien machen sich zwey
Löcher in den Backen, und stecken sich
Wallroß_Zähne hinein. In Tunking färbt
Man die Zähne mit dem giftigen Safte
Toxiko Dendron schwarz, welche Couleur
doch beßer, als eine schmuzige weiße
laßen muß. Die Makasaren in Borneo
sezen 2. goldene Zähne, in die Stelle de-
rer, die <sie> sich ausgeschlagen haben, hinein.
Auf der Küste von Gabo, stecken die
Einwohner Hölzer in die durchbohrte
Scheidewandt der Naße. In Asien be-
sonders in Malabar, ists sehr gewöhnlich
einen Nasenring durch die Nas«en»e

/|P_431

/zu ziehen, und biß über dem Munde
hängen zu laßen, wie dann auch ei-
nige Nationen ihren Kindern einen
solchen Ring durch die Vorhaut und die
Nymphem zogen, wie vormahls die
Römer, um ihre Kinder, bis zum Ein-
tritt in die Ehe, vor Ausschweifungen
zu bewahren, worauf selbige heraus
genommen worden. - Romanis-Reti-
bulatio - Auf der Halb-Insel jen-
seit des Ganges und in Canada schnei-
den sie sich Knorpel aus den Ohren, und
hängen in die Löcher, {2- <durch> -2} die Man öfters
mit 2. Fingern durchfahren kann, und
die bis auf die Schultern herabhangen,
ihre Wampons oder Enden gewißer Mu-
scheln, die violet aussehen, hinein.
Endlich sind die obere Kinnbacken

/ bey

/|P_432

/bey denen Chinesern mehr, als {2- *1 -2} hinter-
wärts, dahero sie viele Buchstaben
nicht aussprechen können. z.E. l, n.

/ ≥ §_83. ≤

/Die einfältigste Art sich zu ernähren
sind die Wurzeln, wie in Nordame-
rica der Maiß oder türckische Weizen,
und in Süd-america die Maniack-
Wurzel, die zwar giftig ist, aber
wann ihr Saft ausgepreßet ist ernäh-
ret. Dann folgt die Iagdt, und endlich
die Fischerey. Die elendesten unter allen
Nationen sind die Esquimaux, welche
am Meere fahren, mit ihren Cajaken
oder Kähnen um Seehunde zu fangen.
Mitten im Lande aber finden sich keine
Wurzeln, sondern die Einwohner müßen
sich etliche 100. Meilen in der großesten Käl-
te entfernen; daher es eine große Wohl- ~

/|P_432R

/{2- *1 die untern -2} ~

/|P_433

/that ist, wann sie ihre alte Eltern um-
bringen. In Guinea werden die Hunde
gegeßen, welche daselbst gar nicht bellen
können, auch wann einer von Europaei-
schen dahinn kommt, so muß er verstum-
men.

/Die Esquimaux heißen die Einwohner des Laurentz-
Strohms, in der Hudsons-Bay, zu den Esquimaux
können auch in Ansehung des elenden Zustandes
die Einwohner von Neu-Holland gezählet werden,
die bloß von Muscheln leben. Die Negers Nähren
sich von der Wurzel Iams, die gesitteten
Nationen aber von den Haus_Thieren und Getreyde¥
Arten. Die Ostiacken müßen im Winter öfters
gräßlich hungern, wann sie zu faul sind,
auf die Zukunft bedacht zu seyn. Endlich ist
auch zu mercken, daß am Ausfluß der Lena
ins schwarze Meer, gewiße dumme Gänse ge-
funden werden, die man auf nachfolgende
Arth fänget. Es wird eine Hütte gebauet, hie-
rauf nähert sich einer von den Einwohnern

/ mit

/δLage_EEE.

/|P_434

/mit einem weißen Holze, ein anderer geht
von hinten und klappert, wann alsdann die
Gänse dem forderstem folgen, indem sie
ihn für eine Ganß ansehen, so wird die
Thüre hinten zugeschloßen. In der {2- Spitze -2}
der Magellanischen Meer-Enge lebt Man
alleine von Pferden. Die Vikunna haben
eine Arth von Ziegen, von deren Wolle
sie sich kleiden, und die von den Spaniern
so hoch gehalten wird, daß sie nicht aus
dem Lande geführet werden darf. In warmen
Ländern braucht Man die Ochßen, und in
Indien die Büffel zum Fuhrwerck. Die
Asiaten leben nebst dem Reiß, hauptsächlich
von den Palmartigen Bäumen, dem Cacao
und Dattel-Baum.

/ ≥ §_84. ≤

/Was die Arten der Wohnungen betrift,
so wohnen die Grönländer in Zelten, die
sie mit Erdstücken und Seehundsfellen
bedecken, und Cabanen Nennen, welche aber

/|P_435

/im Winter sehr dem hineintropfendem Regen-
Waßer ausgesezet sind; im Südlichem Ame-
rica in Cuba, wie auch in Brasilien sind
die Einwohner alle nakend und wohnen in
ihren Cabanen. In Guinea aber müßen
die e»alibis ihre Hütten auf hohen Bäu-
men aufschlagen, um sich vor den wil-
den Thieren, und denen daselbst reißen-
den Ströhmen zu retten.

/ ≥ §_85. ≤

/Was das Verhältniß des Weiblichen Ge-
schlechts zum Männlichem betrift, so
werden sie von denen Americanern, als
Haußthiere angesehen, denen die Geschäfte
außer dem Iagen und Kriegen oblie-
gen. In Asien werden sie in Zimmern
eingesperret, von aller Arbeit befreyet, und
so lange sie nicht Ialousie erwecken, wohl ge-
halten. In Europa alleine ist die Galan-
terie eingeführet.

/ Articulus_II.

/|P_436

/ ≥ Articulus_II.

/ Von denen Thieren

/ §_86. ≤

/Wann wir jezt von denen Thieren reden wol-
len, so wollen wir den Anfang mit den
Haußthieren machen, und darinne folgendes
mercken.

/1.) Das Pferde-Geschlecht. Außer denjenigen
Tugenden, auf die die Einbildungs_Kraft
der Menschen einen großen Werth sezet,
und die, die Gestalt, Größe p betreffen,
sind die folgenden remarquable: Die
Leichtigkeit und der damit verknüpfte
schnelle Wuchs, die Dauerhaftigkeit und
endlich die Fähigkeit, sich discipliniren
zu laßen, welche sie im Zustande der
natürlichen Freyheit an sich haben. In denen
Wildnißen findet Man selbige sehr selten,
außer in denen Steppen, wiewohl es auch
eine Arth wilder Pferde in der Grafschaft
Lippe giebt, auch sind viele von den Spanischen
in America, in die Wildniß gerathen, welche

/|P_437

/von den Patagoniern gefangen werden, und
wovon sie sich ernähren. Die Arabische sind
die besten und beständig von einer Race
erzeuget, wovon dann auch die Araber Geschlecht¥
Register halten, und dieselbe oft für 8. bis
10.000. Thaler verkaufen. Nach ihnen folget
eine Race, die Barbarischen Pferdte in Al-
gier, die sehr leicht und disciplinable sind,
dann die SPanischen und eine Race von
ihnen, die Englischen Pferde, die die schnel-
lesten sind, und in einer Secunde 60. Schuh
laufen können, da nur die wilden Pferde
in derselben Zeit 52. Schuh laufen können.
Die größte Arth ist in Daennemarck und
die Holsteinschen unter ihnen die besten.
Wann verschiedene Racen von Pferdten
zusammen gelaßen werden, so pflegt das
Iunge, in der Farbe, Größe p der Stutte,
in den Extremitaeten, dem Kopf und dem
Schwanze aber dem Hengste nach zu schlachten.
In der Zona torrida sind sie sehr scha- 

/ bigt

/|P_438

/bigt und in den frigidis sehr klein,
in SPanien aber am besten, in den Nie-
derungen sehr faul, auf den Höhen
aber Munter.

/2.) Der Zebra, ist eine Arth von Pferdt,
welches lange Ohren, wie der Esel hat,
sonst aber wie ein Pferdt aussiehet,
Es hat dunckelbraune, weiß und gelbe Strei-
fen, die seinen Körper in Gestalt großer
Zirckeln umgeben. Es wird in Ober-Egyp-
ten, bis zum Capo bonae spei, auch in
Abyssinien angetroffen.

/3.) Das Eselgeschlecht, welches zum commoden
Reyßen bequem, und zum Tragen ge-
schickt ist. Es giebet auch eine Arth
WaldEsel.

/4.) Die MaulEsel, ein Halbgeschlacht und
Ausartung von Eseln und Pferden, ist
sehr tückisch.

/5.) Das Rindgeschlecht. Hierzu zählen wird
nicht alleine die barbarische Kuh, sondern

/|P_439

/auch den Büffel mit zurücke gebogenen
Hörnern, welche nach dem Elephanten die
stärcksten Thiere seyn, und sich nur in
Norden aufhalten, und dann den Ele-
phanten_Ochßen, welcher von erstaunlicher
Höhe ist, wie fast alle Thiere in der
Zona torrida. Die Syberische Kuh krazet
im Winter ihr Futter unter dem Schnee
hervor. In America giebts viele von denen
aus Spanien mitgenommenen, die in die
Wildniß gerathen sind, und haben sich
sehr vermehret, werden aber auch von den
verwilderten Hunden sehr verfolget und
aufgerieben. Vor der Ankunft der
Spanier in America, waren die Ochßen,
so, wie die Pferde ganz unbekannt.
Die barbarische Kuh hat einen Kopf, wie
ein Pferdt.

/8.) Das Schaafgeschlecht. Es hat bey uns
Wolle, jedoch mercket Condamine an, daß {2- <es,> -2}
wann es wild ist, Haare und dabey

/ Hörner

/|P_440

/Hörner hat, sich auch tapfer wehret. Die
Angorischen Schaafe sind diejenigen, von
welchen man die Cameelhaare bekommt,
weil ein Schaaf bey den Türcken {2- *1 -2} heißet.
Es wird aber von ihnen nicht eigentlich
die Wolle, sondern nur das von ihnen
gesponnene Garn ausgeführet, wovon der
Camelot verfertiget wird, wiewohl auch
einige Zeuge von den wirklich abge«f»wor-
fenen Haaren des Cameels gefertiget werden.
Die Schaafwolle ist gegen Norden zu, grö-
ber, in der heißen Zone aber feiner.
Die besten Schaafe sind die SPanischen;
diese leben im Sommer, in den Schnee-
Gebürgen von Asturien, gegen den Herbst
aber Marchiren sie nach Andalusien und
bleiben den ganzen Winter daselbst,
und unter ihnen ist die beste Wolle,
die, von Segovia - weil hier der beste
Marckt ist - die Englischen Schaafe sind
eine Race von denen SPanischen. In Africa ~

/|P_440R

/{2- *1 Kemmel -2} ~

/|P_441

/giebts breitschwänzige, in Marocco aber lang-
schwänzige Schaafe, deren Schwanz von einem
Waagen, den die Einwohner an diesem Thier
appliciret haben, geführet wird.

/7.) Das Bocksgeschlecht. Der Steinbock und
die Gemßen, welchen lezteren sehr schwehr
bey zu kommen ist, und wenn sich die
auf sie eyfrigen Iäger versteigen, so sind
sie bey der Rückkehr in LebensGefahr,
ja wenn die Gemsen nicht weiter fort-
können, so nehmen sie einen Saz, und
stoßen {2- *1 -2} entweder sich, oder den Iäger in
die Kluft hinab. Auf der Insel Ißland
sind die Hörner der Böcke, sehr durchein-
ander geflochten.

/8.) Die Gazellen sind Ziegen in Persien,
welche von denen Perßern vermittelst derer
Leoparden verfolget werden. Sie sollen
sehr schöne Augen haben, und diejenigen
seyn, von denen im hohen Liede Salomonis

/ Erwähnung ~

/|P_441R

/{2- *1 dadurch -2}

/δLage_FFF. ~

/|P_442

/Erwähnung geschiehet, von dem Ziegenfell
wird der Corduan gemacht.

/9.) Das Biesam_Thier, welches unter dem Bauche
eine Blase hat, worinne sich der soge-
nannte Biesam sammlet; welches ein röth-
licher Saft und ein starckes Öhl ist. Das-
jenige Thier, in welchem es gefunden
wird, heißet ein Muscus_Bock.

/10.) Das Bezoar_Thier; ist eine Arth von
Ziegen, und hat unter dem Bauch 2.
Magen-Ballen, welches der Bezoar_Stein
heißt, und dabey roth aussiehet, sonst
aber verfälscht wird. Er siehet wie eine
Zwiebel aus, und hat eine Gallartige Bit-
terkeit, welche vor der Fäulniß praeserviren
soll.

/11.) Das Ziegen_Einhorn, welches sich in ame-
rica aufhällt, und das einzige Einhorn
in der Wellt ist; denn das große Horn,
welches gewunden ist, und öfters unter
der Erde angetroffen wird, ist von ei- 

/|P_443

/nem See_Thiere, dem Narwall.

/12.) Das Guineische blaßgelbe Böckgen.

/13.) Der Giraf oder Cameelpard, ist in Abyssi-
nien und hat solche hohe Beine, daß ein
Reuter auf einem mittelmäßigem Pferde
unter seinem Bauch durchreuthen kann.
Er ist wie ein Leopardt fleckigt und
hat einen langen Halß und Hörner.

/14.) Das Hirschgeschlecht. Die Hirsche werfen Iähr-
lich ihre Geweyhe, und bekommen mehrentheils Mehre-
re Enden, jedoch kann man nicht eigentlich aus
denenselben die Anzahl ihrer Iahre erkennen.
Sie sind schwehr zu fangen, und ein Iäger, welcher
seine Kunst genau verstehet, wird ein Hirsch{2- <*1> -2} Iäger
genannt, weil es allemahl eine Kunst ist,
die Hunde zu ordnen, und auf einen gegebenen
Winck anfallen zu laßen. An einem Hirschen
hat Man schon 66. Enden gezählet. Von diesem
Geweyhe wird der Gelée gefertiget, und ins-
besondere liefert daßelbe, wann es zu wach-
ßen anfänget, und also noch knorplicht ist

/ eine ~

/|P_443R

/{2- *1 gerechter -2} ~

/|P_444

/eine wohlschmeckende SPeiße.

/Das Reh ist auch eine Arth von Hirschen, wie
auch das Surinamsche Hirschgen, welches nicht
größer, als ein Haase ist. Ferner der
Damm_Hirsch, das Elend_Thier, welches einen
Kopf hat, der dem Rhinoceros {2- *1 -2} ähnlich siehet,
seinen Weg durch unwegsame Örter,
und Moräste nimmt, und sehr gut schwim-
men kann; sonst aber hats ein unschmackhaf-
tes Fleisch.

/15.) Das Rennthier, welches das äußerste Thier
gegen Norden ist, welches Gewächße frißt,
wie die weißen Bären Fische pp freßen. Es be-
hilft sich mit ganz trockenem Moos, welchen
es noch dazu unter dem Schnee hervor
sucht. Sonst können die Einwohner bey
ihm alles entbehren; sein Fell giebt ihnen
Kleidung, von seiner Milch Machen sie
Käße; seine Sehnen brauchen sie zu Zwirn,
und sei schneller Lauf dient ihnen, um
ihre Kahnförmige Schlitten fort zu schleppen. ~

/|P_444R

/{2- *1 Kopf -2} ~

/|P_445

/16.) Das Schweins_Geschlecht. Ihre Borsten sind
ein vorzüglicher Artikel der Handlung,
weil sie zu den Bürsten und Besen noth-
wendig sind; sie sind«t» aber nicht allenthalben
so straubigt, daß sie dazu gebraucht wer-
den können, sondern nur diejenigen,
welche in Litthauen, Rußland p gefunden
werden. Ia, an der Süder_See, wo es
das größte Thier ist, und die Höhe eines
kleinen Hundes auch eine ziemliche
Länge hat, hat es gar keine. Die wil-
den Schweine sehen schwarz aus, haben zur
Seite 2. Hauer, mit welchen sie aber
doch nicht sehr tief eindringen können;
sie sind sehr verwegen, ja sie laufen,
so bald«t» sie verwundet werden, gerade
auf den Orth, wo der Schuß geschehen,
da alsdann kein ander Mittel ist, als
sich auf die Erde zu werfen, wodurch
Man nur einiger Maaßen getreten wird.

/ Sie

/|P_446

/Sie halten sich in Morästen auf, aus denen
Man sie in Deutschlandt mit Schwefel-
Dampf verjagt. Sie sezen durch den Rhein-
strohm, wo sie von den Bauren, indem
sie dieselbe bey denen Hinterfüßen gefaßt,
und mit dem Kopf ins Waßer stecken,
ersäuft werden, welches ihnen aber jezt ver-
bothen ist. Die asiatischen Schweine sind
lang, und dabey sehr gesund. Es gehören
endlich hieher, das Mexicanische Muskus¥
Schwein, und der Schwein_Hirsch, der
nehmlich ein Geweyh hat und nur auf der
Insul Molucko zu finden ist.

/17.) Der Hyppopotamus, welcher dem Schwein
ähnlich und mit den beyden folgenden, das
größte unter denen Landthieren ist. Es
hat eine besondere Arth von Zähnen und
2. Hauer, die eben so, und noch feinere
Knochen enthalten, als die Elephanten_Zähne,
auch so groß, wie Ochßen-Hörner sind.

/|P_447

/Es hällt sich in den Flüßen, in ganz Africa
und sonst nirgends auf. Sein Leder ist
so dick, daß ihm kein Schuß, ausgenom-
men, wenn er hinter das Ohr trift, ver-
lezen kann. Seine Schwehre beträgt 30. Centner.

/18.) Der Rhinoceros, ist gleichsam mit einem
Panzer umgeben, obgleich derselbe nicht
so starck, wie der Schildkröte ihrer ist.
Er würde also ganz unbiegsam seyn, wenn
ihm nicht die Natur Falten in demselben
verliehen, vermittelst welcher er sich
bewegen kann, und die von weiten
wie Kleider, Stiefel, Hosen aussehen.
Er hat ein Horn auf der Nase, ja öf-
ters 2. hintereinander, wovon das unterste
am grösten ist, beyde aber sind stumpf,
daher sie ihn wahrscheinlicher Weise, nicht
zur Wehre, sondern um Wurzeln aufzu-
suchen, gegeben worden.

/ 19.)

/|P_448

/19.) Der Elephant ist in Asien und Africa,
aber nicht in America anzutreffen.
In Asien beträgt seine Höhe 14. bis 15. in
Africa aber nur 12. Schuhe. Die gröseste
Sorte von ihnen, trift Man in Ost-In-
dien an, und zwar auf der Insel
Ceylon - und der Halb-Insel, jenseits
des Ganges. Seine Ohren sind in An-
sehung der Größe 2. Kalbfellen gleich;
er hat gleich dicke und ungeschickte
Füße, mit 5. Klauen, eine Graue
Couleur, wiewohl man auch bis weilen
auf der Halb_Insel jenseit des Ganges,
weiße gefunden hat, die von denen
Indianern, als Heilige, in welche die
Seele ihrer Weesen hineingefahren,
gehalten werden. Das Merckwürdigste
an ihm, ist sein großer Rüßell, deßen
SPize Musculeus, sonst aber sehr knorrigt
ist. Er kann denselben bewegen und

/|P_449

/biegen wie er will, ja, er kann so gar
das Freßen und Sauen zum Munde,
welcher unter dem Rüßel befindlich ist,
bringen; auch befindet sich seine größte
Force darinnen. Obgleich er einen unge-
schickten Kopf und kleine Augen hat, so
hat er doch eine gewiße Fähigkeit, sei-
ne Kräfte allgemeiner, als alle andern
Thiere zu brauchen. Ia die Surinamer
brauchen in statt Handlanger, welches er
sehr wohl verrichtet. Vom Tabacks_Kraut
wird er ganz betrunken. Er läuft, wie
ein gutes Pferdt, und schwimet auch
fürtrefflich, hat übrigens einen kurzen
Schwanz, deßen Haare wegen ihrer Dicke
zu Tabacks_pfeifen gebrauchet werden.
Sie werden vermittelst zahm gemachter
Weibchen in verpallisadirte Weege gelockt,
und gefangen. Sonst sezt Man ihnen die

/ Palalait

/δLage_GGG.

/|P_450

/Palatins, {2- *1 -2} bis weilen auch kleine Thürme
auf.

/20.) Das Cameel, welches von den Dromeda-
ren unterschieden ist, die nur einen
Rücken und einen Puckel haben {2- *2 -2}. Es hat
einen langen Hals; unter den Knien,
unter dem Bauch und den Rücken Polster,
daß es zum Lasten_Tragen recht be-
stimmt zu seyn, scheinet, Wann es be-
laden wird, kniet es sich nieder, und
weiß wohl die Last, die es tragen kann,
zu unterscheiden, indem es nicht eher,
fallß es auch geprügelt wird, aufstehet,
bis es erleichtert worden, wann sie zu
schwehr ist. Man unterrichtet, und gewöh-
net sie auch zum Tanzen, indem sie
dieselbe auf heiß gemachte Platten
anbinden, und dieses so oft wieder-
hohlen, biß daß, wann sie die Music ~

/|P_450R

/{2- *1 oder Sänf-
ten -2}

/{2- *2 da die Ca-
meele 2
Bruststücke und
2 Rücken haben -2} ~

/|P_451

/die die asiaten dabey hören laßen, wahr-
nehmen, dieselbe SPrunge Machen, die
sie sehen ließen, als sie die Wirckung
der Hize empfanden.

/21.) Das Faul_Thier, ist alleine in America,
siehet wie ein Affe aus, nur daß es statt
der grauen, weiße Haare hat. An einer Weite
von 12. Schuhe, bringt es öfters einen ganzen Tag
zu, bey einem jedem Schritt schreyet es so erbärm-
lich, daß Man dencken sollte, als wären alle
seine Knochen gebrochen, und eben dieses Ge-
schrey ist es, durch welche es vor den übrigen
Thieren, als welche es nicht leyden können,
gesichert ist.

/22.) Der Ameisen_Freßer, hat seinen Nahmen
davon, daß er Ameisen frißt. Er hat eine
lange Zunge, die so groß, als er selbst und
dabey so klebrigt, wie eine Leimruthe ist.
Wann die Ameisen durch ihn, aus ihren Nestern

/ gestöhrt

/|P_452

/Nestern gestöhret worden; so laufen sie auf
seine Zunge und bleiben darauf kleben,
worauf er dann die Zunge, nebst den«en»
Ameißen in sich schluckt. Sonst ist es aller-
dings wunderbahr, wie ein so großes Thier,
als ein Bär, sich mit so weniger Nahrung
behelfen könne.

/23.) Das Eichhörnchen, siehet in allen Gegenden
der Wellt gelblich aus. Ihre Art über den
Ienisey zu schwimmen, ist sonderbahr, indem
sie nehmlich auf einer Borcke von Holz sizen,
und mit ihrem Schwanz den Wind auffangen.

/24.) Das Rattengeschlecht. Die Ratten sind «so-
wohl» Thiere, die <sowohl> alles im Hause verwüsten,
als auch <sonst> wegen ihres scharfen Gebißes gefähr-
lich. Die beste Methode sie zu fangen,
ist, wann man sie in einen polirten
Keßel {2- *1 -2} 4. bis 5. hinein sezet, {2- *2 -2} so fangen
sie sich selbst zu freßen, und die lezte ~

/|P_452R

/{2- *1 an der
Zahl

/*2 wenn sie end-
lich gewaltig
hungrig werden -2} ~

/|P_453

/welche übrig bleibt, fängt den Marck derer todt-
gebißenen Ratten an zu verschlingen; wann
nun selbige herausgelaßen wird, so bekommt
sie immer den Trieb, den Fraß zu wiederhohlen,
worauf sich denn alle anwesende Ratten fort-
Machen, ja, es ist auch zu glauben, daß wann
aus einem Hause, die Ratten verschwinden,
wo vormahls viele gewesen sind, solches
von einer toll gewordenen herkommet;
Es giebt gewiße Ratten, deren Iunge in
der Gefahr, ihre Schwänze un«d»m die Schwänze
der Alten winden, und sich von denselben
mit fortschleppen laßen. Die Beutel-Rat-
ten, welche unter dem Bauch einen Beutel
haben, in welchem sie die Iungen, wenn
sie verfolgt werden, sammlen, gehören auch
hieher.

/25.) Das Hundsgeschlecht. Der OriginalHund
scheinet der Schäfer_Hund zu seyn, weil

/ alle

/|P_454

/alle Hunde, wann sie in die Wildheit
gerathen, dergleichen werden. Es ist auch
wahrscheinlich, daß alle Hunde, sie Mögen
so verschieden seyn, wie sie wollen, dennoch
nur von einem einzigen Stamme herkom-
men, weil überhaupt in gewißen Produc-
ten, solche Keime liegen, welche sich
unter Begünstigung der Luft, derer
Nahrungs-Mittel pp eines Landes, entwi-
ckeln. In denen kalten Gegenden,
haben alle Thiere von einer Arth dickere
Pelze, als in denen warmen, und die
Vögel haben in denen kalten Zonen,
eine Schichte Federn mehr, als in der tem-
perirten Zone.

/Folgende Halbgeschlachten von Hunden, sind
Merckwürdig; der Bologneser, von dem
SPanischen Pudel und dem SPanischen
Wachtelhunde erzeugt. Der Mops von dem

/|P_455

/SPanischen Wachtelhunde und dem Bollen-
Beißer. Die Wilden Hunde in Africa
sind stumm, und der Mangel des Bellen
ist vermuthlich deßwegen bey ihnen anzutref-
fen, weil sie gewahr werden, daß sie
das Wild dadurch verscheuchen; wann sie
aber auf die Schiffe gebracht werden,
so fangen sie erst an zu @g@u«¿»irren, und
endlich gewöhnen sie sich auch ans Bellen.
Sie ziehen dorten in ganzen Heerden he-
rum, welche einer von ihnen, als Leiter
anführet. Diese scheinen die vollkom-
mensten Thiere zu seyn, und das Analo-
gon rationis am stärcksten zu zeigen,
maaßen sie das ihnen aufgelegte
Amt, sorgfältig in Acht Nehmen, bey
ihren Herrn verbleiben, wann sie Böses
gethan haben, unruhig werden, und wann
sie ihren Herrn zornig sehen, ihn durch

/ eine

/|P_456

/eine demüthige Stellung zu gewinnen
suchen, {2- *1 -2} werden sie auch toll, und der Biß
von ihnen, ist als dann sehr schädlich,
weil die Menschen in eine ähnliche Rasery
verfallen. Doch hören die Hunde auf,
gefährlich zu seyn, wann ihnen der Toll-
wurm oder der Zungen_Nerven zerschnit-
ten wird. Sonst scheinet das Salz, welches
man baldt, nachdem der Biß geschehen,
in die Wunde reibt, und im Waßer
aufgelöset trinkt, nüzlich zu seyn.

/26.) Der Wolf ist dem innern Bau nach,
von den Hunden unterschieden, und weil
er mehr frißt, als er zu seinem Unterhalt
braucht, ein grausames Thier. Zum Wolfs¥
Geschlecht rechnet Man den Rackal, welcher
größer, als ein Fuchs und kleiner als ein
Wolf ist. Vermuthlich sind Simsons Füchße
Thiere dieser Arth gewesen, weil solche ~

/|P_456R

/{2- *1 zuweilen -2} ~

/|P_457

/in Haufen zusammen sind.

/27.) Das Fuchs_Geschlecht. In Syberien giebt es
dreyerley Arten von ihnen, den Weiß-
Fuchß, Braun-Fuchß und Blau_Fuchß,
der aschfarbig aussiehet, deren Haare aber
nicht beständig und dauerhaft sind.
Hierzu kommt noch, der schwarze Fuchs,
der wegen seiner Kostbarkeit und
Seltenheit ein Regale ist. Der Stinckfuchs
hat einen solchen Gestanck, daß alle
Menschen und Thiere, ihn fliehen Müßen.
Wiewohl sein Fleisch schmackhaf ist. Zu
ihnen zählet man auch die ZiebetKaze,
die ihnen in allen Stücken, außer den
SPoren und Klauen, nach welcher sie ei-
ner Kaze ähnlich sind, gleichet. Hinter
dem Schwanz und unter dem Ano,
hat sie eine Drüse, aus welcher ein
klebrigter Saft, welchen man den Zibet

/ Nennet

/δLage_HHH.

/|P_458

/nennet, gedruckt wird. Er ist im Anfange
scharf, hernach leidlicher, und übrigens
hält Man seinen Geruch für vortref-
lich. Allein weil die Kinder sowohl
als die «Alten» Wilden, keine Abscheu
und Eckel, vor gewißen Dingen, we-
gen ihres Geruchs haben, so scheinet der
Gefallen oder Mißfallen an einem Ge-
ruche nicht Natürlich, sondern vielmehr
eine Mode zu seyn.

/28.) Das Katzen_geschlecht, ist nirgends so
gelitten, als in der Türckey, weil sie
glauben, daß kein Thier ins Paradieß,
als des Muhameds Kazen kommen werden.
Sie läßt sich nicht sehr discipliniren,
und gewöhnet sich Mehr, ans Hauß,
als an ihren Herrn. Eine Art davon
ist die Tyger-Kaze, imgleichen der

/ Luchs.

/|P_459

/29.) Der Tyger, wird in Asien jenseit des
Ganges, angetroffen, {2- <hat> -2} Schwarze und
weiße Streifen, die um den ganzen
Leib gehen, ist sehr grausam, und ganz
indisciplinable, und dabey so starck,
daß er selbst einen Löwen %überwältigen
kann. Sonst muß Man ihn nicht mit
dem Panther verwechseln.

/30.) Der Dublal, welches die bey den Alten
so berufene Hyaene ist, bey Algier ange- {2- <@Hiene@> -2}
troffen wird, und die Todten aus ih-
ren Gräbern klauet.

/31.) Der Löwe ist wegen seiner Groß-
muth, nach der er, wann er gesättiget
ist, jedes Thier in Ruhe läßt, berühmt.
Der africanische ist unter ihnen der Mäch-
tigste, hat lange, aber straubichte Mähne,
dagegen der Asiatische Lockigte hat, und

/ ein

/|P_460

/im Gesicht der Kaze ähnlich ist. Sonst hat er
was ehrliches in seinen Gebehrden. Sein
Brüllen ist fürchterlich, und erhebt sol-
ches, sowohl des Abends und Morgends,
als auch bey jeder Veränderung des Wet-
ters. Er hat eine erstaunliche Force,
in seiner Brust, frißt übrigens am
liebsten Affen, nachgehends das Vieh
«und»{2- endlich -2} «unter diesen» den Menschen, und
unter diesen einen schwarzen lieber,
als einen weißen, und eine Manns-
Persohn, williger, als eine FrauensPersohn.

/32.) Das Affengeschlacht. Sie haben entweder
keine Schwänze, und als dann werden
sie Menschen_Affen genannt, oder lange,
und als dann werden sie Meerkazen,
oder kurze, und dann Nennt Man sie
Paviane. Ob nun gleich die Affen ein

/|P_461

/Analogon rationis haben, so wird doch das
Analogon moralitatis bey ihnen vermißet,
indem sie jederzeit, boshaft, tückisch,
und eigensinnig seyn, und allenthalben
wo sie können Schaden thun. Sie haben
Menschen_Finger, und ihre Organisation ist
deshalb auf nichts besonderes eingeschränkt,
ja, wann diese zu einem allgemeinem Ge-
brauch eingerichtet ist; so zeiget sie auch
ganz sicher, von der allgemeinen Fähigkeit
des Thieres. Die größten von denen
ohngeschwänzten Affen, werden wilde {2- <Wald> -2}
Männer genennet, sind 6. Fuß hoch,
haben wenig Haare, eine herabhängende
Ober-Lippe, Runzeln im Gesicht, könen
sich Niedersezen, und haben von weitem
in allem die Gestalt eines bejahrten Manns.
Die kleinen von den ohngeschwänzten Affen

/ sind

/|P_462

/sind noch bößer, als die großen und äußerst
flatterhaft. Sie brechen sich Prügel von den
Bäumen, und können damit, sintemahl sie
sehr gesellig sind, und in großen Schaaren
ziehen, einen Löwen und Tyger vertreiben.
Die Langgeschwänzte brauchen ihre Schwänze
sie um den Baum zu schlingen, und vermit-
telst derselben über die Bäche zu sezen,
weil sie nicht schwimmen können. Sie haben
einen Schlauch in den Backen, den sie zu
einem Maga«t»zin gebrauchen, allein weil sie
sehr flatterhaftig sind, so pflegen sie des
Obst oder Reiß baldt überdrüßig zu werden,
und sich anderes zu hohlen. Endlich werden die
Paviane bis zum Capo bonae spei angetroffen.
Sonst sind noch die Schooßaffen, welche nicht
größer, als ein Eichhörnchen sind, anzumercken,
welche aber in Europa nicht wohl leben können.

/33.) Das Schaaf_Cameel, wird in America, und
zwar in Peru angetroffen, was vormahls

/|P_463

/das einzige Last_Thier in dieser Gegend, hat
einen langen Halß, und das sonderbahre an
sich, daß Es den Menschen starr ansiehet,
es heißet auch Vikunna.

/34.) Das Haasengeschlecht. Theilet sich in Sand-
Haasen, welches die stärcksten Läufer, und dabey
am wohlschmeckendstem sind, und in Waldhaasen.
Ihre Furchtsamkeit, ihr schneller Lauf, und dabey
ihre Intriguen, wenn sie verfolgt werden,
sind bekannt; sie treten in allen Gegenden
SPuhren, um die Hunde von ihrem wahrem
Laager abzubringen; die weißen Haasen sind
vielmehr eine Ausartung, als Abartung.

/35.) Das Meerschweinchen oder Ferckel_Caninchen,
wird aus Brasilien gebracht.

/36.) Das Murmelthier wird in Savoyen und
Piemont angetroffen; kommt mit der Schlafratte
darinnen überein, daß es öfters in einer
Art von Erstarrung liegt, und ohne, daß es
sich bewegt, weggetragen und anatomiret werden

/ kann

/|P_464

/kann. Die Ursache davon ist diese, im Schlaf
kühlet sich das Blut immer mehr und Mehr
ab, weil nun das Blut dieser Thiere nicht so
warm, als Menschenblut ist, so wird es bey
anhaltendem Schlafe kälter, als die Luft
selber, und kann also durch dieselbe, nicht
erregt werden.

/37.) Der Bär. Von ihm ist zu mercken, daß
er im Winter von seinem Fett lebet,
welches aber durch seine innere zurückfüh-
rende Gefäße, selbst zur Nahrung wird.
Hierinne unterscheiden sie sich von denen
Dachßen dadurch, daß diese von dem 2.
handbreiten SPeck, so sich unter ihrer Haut
befindet, welches sie vermittelst eines Loches,
oberhalb dem Ano saugen, ernähret werden,

/38.) Die Maulwürfe haben kleine Augen,
welche aber doch hinreichend seyn, den Tag
von der Nacht zu unterscheiden. Man bemerckt,

/|P_465

/daß wenn ein Maulwurf verstorben, er ver-
schwinde und unter der Erde angetroffen
werde. Gleditsch aber hat bemercket, daß
dieses von den Käfern, welche zur Seite
die Erde erheben, und damit diesen Maul-
wurf verschütten, bewürckt werde.

/39.) Das Stachelschwein, hat lange Stacheln,
die wie Feder_Kiehle zugespizt sind, die
es nach Gefallen abschießen kan. Der
Stachelschwein_Bezoar, der in seinem Magen
gefunden wird, ist von ziemlich hohem
Werth.

/40.) Übrigens sind noch folgende Thiere merck-
würdig; - Die Fleder_Mäuse, welche zu
beyden Seiten ausgespannte Häute haben, und
«damit» dabey die abscheulichsten unter denen
Nachthieren sind. Die fliegende Kazen in
OstIndien, und die fliegende Eichhörner,
welche nur wegen der zur Seite befindlichen

/ Haut

/δLage_III.

/|P_466

/Haut, größere SPrünge, als die gewöhnlichen ma-
chen können. Der Hermelin oder der weiße
Wiesel; die SPeicher_Wiesel, die den Mäusen
nachstellen. Die Marder, welche man durch
das Schleifen, als welches Geräusch sie nicht
verbergen können, hervorlocken kann. Die
Iltiße, die man durch das Eingeweyde
eines Hahns gut fangen kann, und dann
die Frette zu mercken, welche «man» kleine
Wiesel sind, die die Caninchen aus ihren
Löchern stöhren. Man könnte sich in Europa
nach dem Beyspiel der Engellaender resol-
viren, die Caninchen fortzupflanzen,
weil sie sich selbst ernähren, ein schönes
Fell haben, sich sehr multipliciren und
durch Hülfe der Frettche«¿¿»n, aus ihren Löchern
hervorgebracht werden können.

/ ≥ §_87. ≤

/Unter denen Amphibien, oder den Thieren, die
sowohl im Waßer, als auf dem Lande

/|P_467

/leben können, sind folgende zu mercken, als:

/1.) Die FlußOtter, ist in den Flüßen zu fin-
den, gräbt sich Gruben am Ufer, bis zu den
Wäldern und wird durch ihr Fell zu Brämen
zu Müzen nuzbahr.

/2.) Der See_Otter wird bey Kamtschatka gefun-
den, und hat ein so glänzend schwarzes Fell,
daß es biß 40. %Reichsthaler kostet. Sie hat Floß-
Federn an den Füßen.

/3.) Der Bieber. Hat 4. Füße und einen Eyer¥
runden Fischschwanz, den er beständig im
Waßer halten Muß, auch Zähne, die he-
rausragen; sie sind jezt seltener, als
vor Mahls.

/Die Länder scheinen vor diesem, alle mit
Wäldern bedeckt gewesen zu seyn, außer
den Sandtwüsten und Steppen, weil Man
überhaupt die Neugefundenen Gegenden
voller Wälder antrift; da sich diese
nun in der Folge vermindert haben:

/ so

/|P_468

/so mag es auch wohl die Ursache, von der
Verminderung dererjenigen Thiere, deren
Aufenthalt der Wald ist, seyn. Ihre Mode,
den Damm an den Ufern zu verfertigen,
den sie von der Fluß-Seite steil, von der
Landseite aber abgedacht, nach den Vorschriften
der Bau_Kunst aufführen, ist sonderbahr.
Er {2- hackt -2} mit seinen Zähnen den Baum um,
und führet ihn bis ans Waßer, und Mit
seinem Schwanz transportiret er den Thon,
um die Faschienen auszufüllen, bauet
sich darauf am Ufer ein Haus, mit 2. Eta-
gen, damit er nach Proportion des Waßers
seine Wohnung verändern könne. Im
Winter lebt er von Baum_rinden.

/4.) Die Meer_Kälber, Robben oder Seehunde,
werden in der Ostsee, und besonders im
EisMeere angetroffen.

/5.) Das WallRoß, oder Meer_Ochs, welchen
Nahmen es aber keinesweeges verdienet,

/|P_469

/hat einen großen Kopf, und hervorragende
Zähne; die aber nach unten herabgehen.
Die SeeBären und See_Löwen werden auch
bey Kamtschatka angetroffen.

/6.) Die Crocodillen sind äußerlich und
innerlich Mit den Eydexen einerley, und
nur der Größe nach, von ihnen unterschieden.
sie halten sich in Africa selten, und nur
bey Cataracten häufig auf, und sind in
der {2- alten -2} Wellt das, was in der Neuern
der Alligaton ist, nur daß der Schwanz des
lezteren herabhängt, und eine nur etwas
verschiedene Farbe hat. Gleichwie aber die
Natur schädliche Producten nicht häufig
hervorbringt, also frißt der Ichnevmon
oder die Pharaons_Maus die Eyer des Croco-
dills, und die Galinasien, ein den Gänsen
ähnlicher Vogel, die Eyer des Alligatons
welche beyde ihre Eyer zur Ausbrütung

/ der

/|P_470

/der Sonne überlaßen, und in den Sand ver-
scharren.

/7.) Die SchildKröten. Die grösten von ihnen
sind in Südamerica, und wiegen bis
3. Centner, haben so starke Knochen, als ein
Ochß; schwimmen auf dem Waßer, und legen
auf dem Lande, 2. bis 300. Eyer. Ihr
Fleisch soll wohlschneckend seyn, und den
Panzer braucht man, wiewohl nur von denen
kleinern zu Tabacks-Dosen und Uhr-
Gehäusen. pp

/ ≥ Von denen Fischen.

/ §_88. ≤

/Überhaupt ist anzumercken, daß sowohl die
würckende Ursache, als auch der Endzweck er-
fordern, daß in dem Waßer die größten
Colossen gefunden werden, weil theils die
Landthiere in selbiger Größe, durch ihr

/|P_471

/eigen Gewicht, und der Beobachtung des Gallilaeus
zerbrechen würden, theils aber auch im Waßer leichter
schwimmen und die Füß entbehren können.

/1.) Die Wallfische sind die größten Thiere und
in dem Eiß_Meere am größestem, vermuthlich
deßwegen, weil sie schwammigt sind, und in
der heißen Zone zerschmelzen würden. Die
verschiedenen Arthen von ihnen, sind der Grön-
ländische, der Nord_Kap, der Pott_Fisch, der
«H¿¿schiff» <«Hay_Fisch»>, <FinnFisch>, der Narwal, der Schwerd_Fisch. Was
das Zeugen dieser Fische anbetrift, so muß
Man einen Unterschiedt Machen, zwischen Fischen,
die ein kaltes, und die ein heißes Blut
haben. In denen süßen Gewäßern haben
sie alle kaltes Blut, und unter dieser Be-
dingung findet keine Be{2- ywohnung -2} statt,
sondern das Weibchen läßt seinen Rogen
fallen, und das Männchen vermischt seinen
Saamen damit, folglich geschiehet die Be-
fruchtung außerhalb dem Leibe. Diejenigen

/ Fische

/|P_472

/Fische aber, welche warmes Blut haben, gebähren
lebendig und säugen ihre Iungen. Dieses
leztere geschiehet mit den Grönländischen
Wallfischen. Sie haben einen ungeschickten
Kopf, der 1/3tel ihrer ganzen Länge, und eine
Dicke, welche im Durchschnitt 2/3. beträget.
Sie haben kleine Augen, die nicht größer
als eines Ochßen Augen sind; - wie überhaupt
die Pupille, das Thier möge so groß seyn,
wie es wolle, nicht groß, sondern empfind-
lich seyn muß; - an den Seiten starcke
Floßfedern, auf der Nase 2. Blasen,
aus welchen sie mit einem großen Getöse,
das Waßer in Gestalt zweyer Fontainen
heraus schießen; einen weiten Rachen, aber
einen engen Schlundt; endlich findet Man
bey ihnen auch nicht Zähne, sondern Barden
an seinem Gaumen, welche wie Schwerdter
gelegt, und oben mit Borsten versehen sind,
wovon Man das Fischbein verfertiget. Seine

/|P_473

/Nahrung ist eine Menge Gewürmer, die sich
zu gewißen Zeiten, ohne Zahl im Eis_Meere
aufhalten, die er dann mit sammt dem
Waßer in sich schluckt, welches leztere er aber
«vermuthlich» vermittelst seiner Barden wieder
heraussprüzen kann, weil nun diese Würmer
ganz thranigt sind; so ist kein Wunder,
daß er selbst von solcher Arth ist. Er hat
eine große Force in seinem Schwanze, den
er horizontal und nicht wie die übrigen Fische
Vertical hat, und ist damit im Stande, ein
kleines Boot zu zerschmettern. Seine Länge
beträgt 80. bis 120. Fuß, und wird von ihnen
nichts, als das SPeck, deßen Absonderung
vom übrigem Fleisch, die Schiffer das Flemsen
nennen, nebst dem Fischbein verbraucht.

/Der Wallfischfang, ist sehr important, und
ein ordinairer von diesen Fischen liefert
bis 700. %@Florin@. Er wird im eigenlichem

/ Grönlandt

/δLage_KKK.

/|P_474

/Grönlandt oder SPizbergen in der Davis «oder»{2- und -2}
HudsonsBay» Straaße getrieben, wohin er sich
im Sommer retiriret; sonst aber ist er im
Winter beständig im Eis_Meere. Man fängt
ihn folgender Gestalt: Es wird ihm eine
Harpune in den Leib geworfen, welche
an einem langem Kneul Garn befestiger
ist; hierauf fährt er mit großer Behen-
digkeit unter das Waßer; weil er aber
beständig Luft schöpfen muß, so kommt
er wieder hervor, fährt wieder herunter, bis
er sich endlich mit vielem Keichen wiederum
auf die Oberfläche des Waßers begiebet;
Man «sNä» Nähert sich ihm alsdann mit Boten,
versezt ihm viele Lanzen_Stiche, bis das
Waßer, das er aus den Blasen sprüzet,
mit Blut vermenget wird, in welchen Falle
er bis aufs Leben verwundet ist. Die größte
Schwierigkeit beym Fangen war vormahls,
wann er sich unter das Eiß retirirte, jezt

/|P_475

/aber weiß Man die Methode, ihm auch alsdenn
bey zu kommen, nur muß Man sich vor denen
Eiß_Stücken in Acht Nehmen. Seine Feinde
sind, die Wallfisch_Laus, welche sich in seine
genetalia sezet, sonst aber nicht größer, als
ein Käfer ist; der Hayfisch oder Narwal,
welcher ihn mit seinem gewundenen Horn
durchläuft, und der Schwerdt-Fisch, welcher
seine Zunge verzehret.

/Die andern Arten von Wallfischen sind:

/a.) Der Nord-Kap, hat ein Blas-Loch im Nacken,
frißt gerne Heringe, hat aber nicht so gutes
SPeck, als die Grönländische Wallfische.

/b.) Der Finnfisch hat den Nahmen von seiner
großen Floß-Federn, auf dem Rücken, und
führt schon Zähne im Rachen.

/c.) Der Pottfisch, welcher einen Kopf in Gestalt
einer Flinten_Kolbe und dabey Zähne hat,
auch dabey sehr lang ist. Man findet bey ihm,
wohl eine Thonne H{2- irnöhl -2}, welche man Wallrath

/ Nennet,

/|P_476

/Nennet. Er streicht durch die Mittelländische
See, und wird für den gehalten, der den
Jonas verschlungen haben soll.

/d.) Narwal hat ein gewundenes Horn,
welches 5. bis 6. Schuhe {2- *1 -2} ist, wiewohl auch einige
2. haben.

/e.) Der Schwerdtfisch hat einen hervorragenden
Zahn, der wie ein Schwerdt gestaltet ist,
eine Arth davon, ist der Seugerfisch.

/2.) Die See_Kuh, wird bey Kamtschatcka und
den großen Antillischen Inseln angetroffen,
hat vorne statt der Füße zwey Stumpfen;
ragt mit dem Cörper über die See hervor,
den Kopf aber tauchet sie unter das Wa-
ßer. Sie nähret sich von der Seeruthe, wel-
ches ein See_Kraut ist, und hat ein sehr
schmackhaftes Fleisch, welches nicht so leicht in
Fäulniß geräth, auch Butter.

/3.) Der Hay oder See_Wolf, hält sich in der
SPanischen See {2- *2 -2} auf, hat einen langen Kopf, ~

/|P_476R

/{2- *1 lang

/*2 am meisten
aber bey der Kü-
ste von Guinea
%und der Küste der
Schwarzen auf -2} ~

/|P_477

/gleich einer Flinthen-Kolbe, in seinem Rachen 3.
Reyhen Zähne und einen weiten Schlund, daher
man auch öfters ganze Matrosen in seinem
Bauche antrift. Er hat eine Schnauze, die wohl
einen Fuß, über seinen Rachen hervorraget,
und wodurch einiger Maaßen, die Seethiere
vor diesem größtem Raubthiere, der ganzen
See gesichert sind. Er hat eine große Force
in seinem Schwanze, und ist bis auf 50.
Fuß lang. Er frißt ohne zu untersuchen, alles
auf, was ins Meer fällt, weil beständig
3. und Mehrere sich darnach reißen; inde-
ßen haben sie die Eigenschaft, daß sie wie
der Stockfisch, ihren Magen auskehren und
reinigen können. Weil nun die{2- se -2} Fische die
Schiffe, so baldt sie etwas gefreßen haben,
was von ihnen ausgeworfen ist, von Africa
bis America (wohinn sie die Ladungen von
denen Schwarzen, die sie in Guinea gekaufet,
transportiren) verfolgen, so ists auch leicht

/ vermittelst

/|P_478

/vermittelst einer Kette mit Wieder_Haacken
worinne ein Stück Fleisch befestiget ist, selbige
zu fangen.

/4.) Die Remora, sonst auch Säuger genannt, hält
sich bey den Küsten von Africa auf, und ist
derjenige Fisch, von welchem die Alten vorge-
ben, daß er das Schif ohnbeweglich Machen könne.
W{2- eil -2} nun das Schif, wann der im Waßer
befindliche Theil glatt ist, geschwinder seegeln
kann; so geschiehet es wohl, daß, wann sich
eine große Menge von diesen Fischen an-
saugen und am Schiff hängen bleiben, der
Cours langsamer ist.

/5.) Der Mantelfisch, ist eine große Roche oder
Platt_Fisch, hat wie die Pflinter nur auf einer
Seite Augen, und einen der Peitsche ähnlichen
Schwanz. Er ist denen PerlenFischern, sehr ge-
fährlich, die Pfleidern sind auf einer Seite
gelb, auf der andern schwarz.

/|P_479

/6.) Der See_Teufel, ist eine Art von Roche, hat
Hörner und Haare.

/7.) Der Zitter- oder Krampfisch - Ragia torpedo i. e.
{2- ein -2} Roche - hält sich in denen africanischen
Gewäßern auf, und theilt ziemlich starcke
electrische Schläge aus, wann man ihn berührt.

/8.) Der Zitter_Aal ist bey Surinam und denen
Americanischen Gewäßern zu finden, hat die
Gestalt eines Aals, und folgendes Merckwür-
dige an sich. Wenn man ihn unmittelbahr
mit dem Finger oder auch vermittelst einer me-
tallenen Stange berührt, so bekommt Man einen
höchst empfindlichen Schlag; berührt Man ihn
mit einem SPahn oder Holz überhaupt, so ist er
sehr wenig mercklich; Nähert Man sich ihm aber
mit einer gläsernen Röhre oder mit einer Stange
Siegellack, so bekommt Man gar keinen. Bringt
Man an ihn einen Magneten, so wird er matt
und verlieret seine Kraft, bekommt sie aber
wieder, wenn Man Eysen-SPähne auf den

/ Grund

/|P_480

/Grund schüttet. Wann er endlich stirbt, so
ist sie auch gar nicht Mehr bey ihm anzutreffen.
Dieses sind aber W{2- irkungen -2} der Electricitaet und
es hat also derselbe w«u»{2- ü -2}rklich, eine Electrische Kraft
welche er nach seiner Willkühr ausübet, - 
ob es gleich scheinen sollte, daß sie durch
Mechanische Ursachen, da er bey Anwendung
derselben die Haut runzelt, hervorgebracht
werde - und wodurch er sich von dem Anfall
der Raubthiere wehren kann.

/9.) Der Black oder Tintenfisch, hat in seinem
Magen eine Blaase, worinne ein Tinten ähn-
licher Saft aufbehalten wird, welchen er bey
der Verfolgung aussprizet, den Raum ver-
dunckelt, und sich dadurch unsichtbahr Machet.

/10.) Die Rotzfische, sind Gallert oder schlammartig,
scheinen keine Organisation zu haben, sind in
der Runde zusammen gewunden, Perlenfarb,
zergehen in der Hand; doch pflegen einige
sehr starcke Hize in derselben zurücke zu laßen.

/|P_481

/sie sind in Brasilien.

/11.) Die fliegenden Fische, zwischen denen Wende-
Zirckeln, haben die Gestalt von denen Heringen.
erheben sich vermittelst derer Floß-Federn, die
sie an ihren Seiten haben, von dem Waßer in
die Luft, wodurch sie d«ie»{2- er -2} Verfolgung derer
Tropikal_Fische entgehen, wiewohl sie auch in
der Luft an denen Raub_Vögeln ihre Feinde
haben.

/12.) Der Meer_Mensch hat nicht die geringste Ähnlich-
keit mit dem Menschen, und ist ihm dieser
Nahme nur von denejenigen beygeleget, welche
glauben, daß alle Producte in der See sind,
die sich auf dem Lande befinden. Er ist
ein Platt_Fisch, wird von denen Portugiesen ge-
geßen, ist ein schöner Fraß, für den Hay,
und säuget seine Iunge. Eine Art von ihm
gehört zu denen 3. Meerwundern, des Pontopiddans,
welcher seine Erzählungen auf den Glauben
der {2- «¿¿¿»gemeinen -2} Leute gründet, der aber nebst den
Alten, die wahrhafte Erzählung, aus der Acht läßt.

/ 13.) Der

/δLage_LLL.

/|P_482

/13.) Der Seewurm, soll so dick wie das größte
WeinFaß, und so lang seyn, daß er sich im
Horizont verliehret. Er soll sich in Norwegen
aufhalten, und ist das andere Meerwunder.

/14.) Der Kracke, als das 3te Meerwunder soll,
wann er sich über der See erhebet, so groß
als eine Insel seyn, und 1/4. Meile im Umfange
haben, und so aus sehen, als wann er mit
kahl gewordenen Baumstämmen besezt wäre«,».
Man muthmaßet, daß selbst in denen Scheeren
von Stockholm, einer von ihnen anzutreffen
ist, weil Man bey Verfertigung des {2- Gartens -2}
in dieser Gegend, bald eine Insel zu sehen
bekommen hat, welche aber baldt wiederum
verschwunden. Weil nun die kleinen Fische
den großen {2- *1 -2} eben so folgen, wie die wür-
mer den Menschen, so meynet Man, daß
über ihn beständig ein großer Fischfang
sey, und daß der Ort, wo er sich auf-
hält, leicht aus der Tiefe des Loths, im
Boden des Meeres zu erkennen seyn. ~

/|P_482R

/{2- *1 Seethie-
ren -2}

/δAdickes ~

/|P_483

/15.) Der SPrizfisch, hält sich in denen Suri-
namschen Gewäßern auf, und von ihm ist
die besondere Arth, seine Nahrung zu suchen,
anzumercken. Er hällt sich Nehmlich am
Rande des Ufers, nahe bey einigen Gebü-
schen auf, wo sich nehmlich viele Würmer,
Fliegen und Insecten aufhalten, sprüzt
darauf nur einen Tropfen, womit er das
Thier ganz genau trift, worauf es ins Wa-
ßer fällt, und von ihm gefreßen wird.
Auf dem Grunde des Meeres befinden
sich ohne Zweifel viele Thiere, die wun-
derbahre Gestalten haben z.E. die Pol«ü»ypen
mit unzählich vielen Füßen, ohne daß
Man nöthig hat, Meerwunder aufzusuchen.
Allein es ist überhaupt zu mercken, daß
bey Künsten und Professionen, die dem
bloßem Glücke unterworfen sind, der
Iägerey und Fischerey, der Aberglaube,
herrschet, weil der Ausgang der Unter- 

/ Nehmungen

/|P_484

/Nehmungen, nicht auf gewißen Gründen
beruhet.

/ ≥ §_89. ≤

/Hierbey sind die 3. Merckwürdigsten Fisch-
fänge anzu mercken.

/1.) Der Wallfischfang bey Grönlandt
und SPitzbergen.

/2.) Der Heringsfang. Die Heringe halten
sich im Eiß_Meere auf, gegen den Sommer
aber ziehen sie in 4. Heerden aus. Die
erste hällt sich an den Ufern von Nor-
wegen auf, gehet Drontheim, Bergen,
vorbey, begiebt sich bey Gothenburg in den
Sund, und von da zuweilen in die
NordSee. Die 2te hält sich an den Küsten
von Schottlandt und Engelland {2- *1 -2} auf. Die
3te gehet durch den St_George Canal, zwi-
schen Engellandt und Irrlandt, um
welches leztere dann auch endlich die 4te {2- *2 -2}
herumgehet, sich mit den andern ohnge- ~

/|P_484R

/{2- *1 besonders
aber bey den
arkadischen
Inseln

/*2 Heerde -2} ~

/|P_485

/fehr im November vereiniget, und nach
dem Eis_Meer zurücke kehret.

/Es entstehet aber hierbey die Frage? Wa-
rum sich die Heeringe nicht hieher bege-
ben, da doch zu vermuthen ist, daß da-
selbst eine erstaunliche Kälte anzutreffen?
So viel ist gewiß, daß sich alle Fische
nach der Wärme hinnbegeben; wenn wir
nun beobachten, wie in allen Syberischen
Hütten, statt der Fenster Eis_Stücke ein-
gesezet werden, welche nicht abschmelzen,
weil die äußere Kälte, der innerer
Wärme genugsahmen Wiederstandt lei-
stet, sondern vielmehr die Wärme er-
halten, und das Licht durchlaßen;
so könn<t>en wir leicht auf die Vermu-
thung gerathen, daß in der Tiefe
des Meeres, beständig ein dem Zustande
auf der Oberfläche der Erde, entgegen

/ gesezter

/|P_486

/gesezter Zustandt anzutreffen, und da«s»ß
wann es oben frieret, es unten warm wird <et v.v.>
Bey Fallmouth wird der große Fang von
denen Holländern, in der Iohannis_Nacht,
praecise nach 12-Uhr in der Nacht, wozu
ein Zeichen mit der Canone gegeben wird,
angefangen, und eine Zeit lang fortge-
sezet, weil sich diese Fische daselbst
eine Zeit lang ganz dicht auf einander
drängen, so, daß kein Mangel an ihnen
wahrzunehmen, sie müßen aber auf
Befehl der Regierung, sogleich auf dem
Schiffe, von den Eingeweiden gereiniget
werden, und eingesalzen werden, als wodurch
ihr guter Geschmack befördert wird, und
der Credit der Holländischen Heeringe erhalten.
Der Kopf, als in welchem das Hirn-Öhl thra-
nigt «enthalten» ist, und sich durch den
ganzen Körper ausbreitet, muß wegge- 

/|P_487

/schnitten werden. Die holländische Heringe
sind die besten, wie sie aber nach Ame-
rica hin«ge»kommen, ist unbekannt.

/3.) Der Stockfischfang bey Terre Neuve, wo-
hinn sich sehr viele Spanische, Französische
und Englische Schiffe begeben. Sonst Mü-
ßen die Cabeljau und Stockfische, nicht
für verschiedene Arten gehalten werden,
Die Doggens_Bank in der NordSee ist
auch deßwegen berühmt.

/ ≥ §_90. ≤

/Iezt folgen die Thiere, welche weder zu den
Gewürme, noch Fischen gerechnet werden können,
als:

/1.) Die Schlangen. Von ihnen ist das Gift be-
sonders Merckwürdig, welches nirgends, als
in einer offenen Wunde schädlich ist, sie mag
so klein seyn, wie sie will, z.E. eine Rize
in der Hand; daher auch M{2- ea -2}d [[Mead]] ein Arzt in

/ London

/|P_488

/London die Probe gemacht, es zu trinken;
man kan sich auch damit die Hände reiben,
so viel als Man will. Wie aber führen die
Lympha«t»dischen Gefäße unter der Haut, wodurch
der Schweiß her{2- aus -2}gehet, daßelbe nicht zum
Herzen, da man doch vermittelst derselben
allerhand Fluidae {2- *1 -2} in den Leib bringen kann?
Einige Mercken an, daß sie die merkwür-
dige Eigenschaft haben, sich vor allem,
was dem Menschen schädlich seyn kann,
zu verschließen, und denjenigem, was
ihm nüzlich ist, zu eröfnen. Sie haben
Zähne im Munde, die sie, wie die
Kazen ihre Klauen zurücke biegen %können.
Ihre liebste SPeisen sind die Eydexen,
weil sie lang sind, und ihnen %nicht viele Mühe
machen, sie herunter zu schlucken, welches
auch die Frösche thun. Weil sich nun die
Eydexen vor dem Menschen eben so sehr ~

/|P_488R

/{2- *1 bey den

/Curen -2} ~

/|P_489

/fürchten, als vor den Schlagen, so kann Man
sicher urtheilen, daß wann sie beym Schla-
fe auf ihn läuft, eine Schlange sie ver-
folgen müße, weil sie vor Angst «ih¿»Ihre
Furcht vergißt«,». Die vornehmsten von ihnen
sind, die Klapperschlangen, diese haben
hinten biegsame Gelencke, die von Knochen
und mit einer dünnen Haut überzogen,
sind, welche bey der geringsten Bewegung
außer bey Regenwetter, als zu welcher Zeit
die Wilden in die Wälder«n» ziehen, ein
Getöse Machen. Sie halten sich in America
auf, und haben röthliche, fürchterliche und frappante
Augen, die den Menschen starr ansehen, daß «ihm»
derselbe in Ungewißheit geräth, ob er fliehen oder
stehen soll. Sie werden von den Schweinen, vor
welchen sie sich auch fürchten, gefreßen, welches
ihnen nicht schaden kann, weil das Gift in ihre
SPeckhaut tritt. Sonst sind die Schlangen alle Gal-
lert artig, welches auch nöthig ist, damit die

/ flüchtigen

/δLage_MMM.

/|P_490

/flüchtigen Sachen, als das Gift ist, nicht verflie-
gen kann, sondern durch das Zähe, von welcher
Arth der Gallert ist, zu sammen gehalten werden
mögen. Diese Schlangen sind bis 30. Fuß lang,
Man hat auch die Beobachtung gemacht, daß wenn
gleich die Vögel und Thiere in Sicherheit sind,
sie sich dennoch ängstlich geberden, und lange
Bewegungen machen, durch die sie aber immer
der Schlange näher kommen, biß sie von ihnen
erreichet und gefreßen werden können.
Da nun die Schlange langsam ist, und keine
großen SPrünge machen kann; so ist wun-
derbahr, wie solche geschwinde Thiere ihnen
zum Raube werden müßen; alleine da sie
zu derselben Zeit sehr stincken; so «müßen»
ist es sehr wahrscheinlich, daß dieser Ge-
stanck sie benebele. Es giebet in Nord-
America eine Arth Schlangen, welche sich durch
die Posteriora in die Eingeweyde schlupfen,
und also entsezliche Schmerzen anrichten.

/|P_491

/Eine andere Arth von ihnen ist so schnell, daß
sie mit der größesten Behendigkeit über die
Flüße sezen, und den Menschen auf der
Flucht bald einholen können, jedoch ist ihr
Biß nicht giftig. Was den Schlangenstein
betrift, so ist derselbe eine Arbeit der Indi-
anischen Braminen.

/2.) Der Scorpion, hällt sich in allen war-
men Ländern auf, besonders in Italien,
siehet wie ein Krebs aus, und hat an sei-
nem Schwanze einen Haacken, womit er
Stiche versezet, die aber doch nicht tödlich
sind, ob sie gleich große Wundfieber ver-
ursachen. Das Scorpionen_Öhl in Italien,
ist wieder dieselbe sehr fürtreflich.

/3.) Das Chamaeleon ist größer, als eine
Eidexe, siehet derselben {2- ganz gleich -2}, und
ist auf vielfältige Art fleckigt. Man
betrachtet von ihm, daß er alle Farben, wel-
che die Gegenstände an sich haben, die

/ er

/|P_492

/er ansichtig wird, an sich nehme, welches aber
ohngegründet ist; sondern er kann die Säfte
in seinem Körper nach Belieben ausbreiten,
und dadurch verschiedene Farben, außer der
ganz rothen und ganz grünen annehmen.
Wann er munter ist, so verwandelt er die
Couleur augenblicklich; wann er aber böse
wird, so siehet er aschgrau aus, wobey er aber
noch einmahl so dünne wird, als vorhero.

/4.) Der Salamander. Hat zur Seite Drüsen,
worinne ein zäher Schleim enthalten ist, ver-
mittelst deßen er die Kohlen auslöschen kann;
wann er lange über ihnen gehalten wird,
so muß er verbrennen, daher die Nach-
richt falsch ist, daß es ein Thier sey, wel-
ches im Feuer leben könne.

/ ≥ §_91. ≤

/Iezt kommen wir auf die Thiere, die sich
im Meere aufhalten und schaaligt sind.
Diese Schaalen sind alle kalckartig, weil

/|P_493

/weil die GrundErde des Meer«es»{2- salz -2} kalckartig
ist, so, daß Man aus denen Austernschaalen
Kalck brennen kann, wie wohl sie auch zu
Absorbentiis, wie die Eyerschaalen gebraucht
werden. Hieher gehören

/1.) Purpurschnecken. In diesen findet Man
den sogenannten Purpur_saft, wiewohl nur
in wenig Tropfen. Fäden, die damit ge-
färbet sind, und der Luft exponiret
werden, werden anfänglich weiß, dann
grünlicht, und endlich roth. Daher zu glau-
ben ist, daß viele Luft_Partikelchens
dazu concourriren Müßen, um diese
Couleur hervor zu bringen. Weil nun sehr
wenig von diesem Safte zu haben ist,
so ist kein Wunder, daß bey den Alten,
der Purpur so kostbahr gewesen; daher {2- <er> -2}
zu ihren Praete«c»xtis in wenigen Streifen ge-
brauchet wurde, wiewohl Winkelmann
glaubt, daß wir vom Purpur der Alten

/ gar

/|P_494

/gar keine Begriffe haben, indem der Mantel
eines Triumphators, welcher in einem, unter
dem Schutte von Herculaneum gefundenem
Gemählde al_Fresco, die Farbe der Wein-
trauben, wann sie im Winter gefrohren,
an sich hatte, da doch diese Bilder noch
jezt ihre wahre Farben an sich behalten,
und der Mantel eines Triumphators
Purpur war. Sie werden an den Küsten von
Malagga und Mexico angetroffen.

/2.) Die Perlen_Muscheln. Obgleich dieselben
im Elster_Strohm in Sachsen und in Lief-
landt im Peipus-See gefunden werden;
so sind sie doch weit häufiger, schöner,
und größer, an den Küsten von Mexico,
wiewohl sie daselbst eine irregulaire Figur
haben. An den Küsten von Zeylon und
Capo Camorin, wie wohl sie daselbst nicht
sehr groß sind, und endlich «a»im Persischen

/|P_495

/Meerbusem, woselbst die größten und schön-
sten angetroffen werden, welche Fischerey
vormahls der König von Persien gehabt,
jezt aber von denen Seeräubern sehr Zerstöh-
ret ist. Sie sizen gemeiniglich an dem
Fleische dieser Muscheln und können am
besten, wie es auch die Holländer thun,
durch die Fäulniß, in welche Man diese
Thiere gerathen läßt, wann es der
Sonnenhize exponiret ist, gesammlet wer-
den. Es giebt von ihnen 7. Sorten,
die ihrer Größe nach unterschieden sind,
und durch a parte lederne St«a»{2- ä -2}be abge-
sondern werden, von denen die Kleinste
nicht größer, als ein Saame ist, woher
er auch nur zu denen Arzeneyen gebraucht
werden kann. Wann nun das Aus-
werfen der Perle eine Krankheit der Mu-
scheln ist, so laßen {2- <sie> -2} dieselbe nicht öfters

/ fallen

/|P_496

/fallen, wofür Linné eine sichere Manier
soll erfunden haben, wofür er von der Schwe-
dischen Regierung, in den Baronen_standt
erhoben worden; jedoch ist dieses noch ein
Geheimniß. Man verfertiget auch falsche
Perlen, die eben dieselbe Couleur haben.
Weil nehmlich die Fischschuppen, aus ganz
subtilen Blättgens bestehen, so läßet Man
sie im Waßer auflösen, und füllet
diese Mixtur in {2- <ein> -2} hohles gläsernes Küchelgen
welches an 2. Enden, eine Öfnung hat,
worauf sie sich an ihr ansezt, und als dann
wird der übrige Raum mit Wachs gefüllt.

/4.) Die Penna Marina, ist eine Art von
Muscheln, die im Ocean angetroffen wird,
eine bräunliche Seyde spinnet, die Man
besonders in Palermo zu Strümpfen braucht,
weil sie für kranke Füße, sehr zuträglich
seyn sollen.

/5.) Der Nautilus oder SPickandel. Ist sehr

/|P_497

/ziemlich gewunden, so, daß das eine End{2- e -2}
der Windung, wieder in die Schaale zur«u»{2- ü -2}-
cke läuft; sie kann das Waßer durch eine
Rize in der Schaale auspumpen, steiget
darauf in die Höhe, spannt ihre Füße
als Ruders aus, gebraucht ihren Schwanz
statt eines Ruders, und seegelt auf solche
Arth auf dem Waßer, senckt sich aber
sogleich zu Boden, wann Gefahr vorhan-
den ist.

/6.) Die Wampons in Indien sind Muscheln,
die an ihren Ecken violet aus sehen; {2- sie -2} formiren
selbige in Cylindern, werden in ganze
Schnüren befestiget und Machen das Goldt
der Indianer aus. Sonst ist anzumercken,
daß Man öfters in denen Steinen Muscheln
findet, wie sich dieselben erhalten, ist
wegen der Zwischen_Räume derer Steine
einiger Maaßen zu begreifen, wie selbige

/ aber

/δLage_NNN.

/|P_498

/aber hineingekommen, ist schwehrer einzusehen.
Da man auch bey Bearbeitung des Marmors
zuweilen lebendige Frösche in denselben
findet, die folglich zur Zeit der Entste-
hung des Marmors, von demselben, und
also vielleicht vor vielen 100. Iahren einge-
schloßen worden; So muß Man auf
eine ähnliche Entstehungs-Arth schließen.
Man sagt auch ferner von einigen Muscheln,
daß sie auf den Sträuchern wachßen, alleine
es hat damit, folgende Bewandtniß. An
den Schottlaendischen Küsten werden Muscheln,
die die Einwohner B@ernacken@s Nennen,
mit welchem Nahmen, auch eine Arth von
Enten daselbst beleget wird {2- *1 -2}, und weil
sich selbige durch die Eröfnung der
Schaalen daran kneifen; so werden
sie von der Fluth zurücke gelaßen.

/Übrigens ist eine Arth von Muscheln, die ~

/|P_498R

/{2- *1 von der
Fluth auf
die Sträuche
angespüh-
let, -2} ~

/|P_499

/wie Münzen aus sehen, Cauris oder Schlagen-
Köpfe genannt, und die in Ungarn auf die
Pferdte-Zäume gesezet werden. In OstIn-
dien braucht Man sie statt Goldt, und
10. davon gehen auf einen Schilling.

/Dann folgen in unserer Ordnung

/ ≥ Die Insecten.

/ §_92. ≤

/Deren ein Theil nüzlich, der andere aber
schädlich ist. Zu denen ersteren können wir
bey uns die Bienen, und besonders dieje-
nigen Insecten, von denen die Farbe her-
kommt, rechnen. Hierzu gehören

/1.) Die Cochenille, welches ein Seidenwurm ist,
von dem die beste rothe Farbe, nächst dem
Cinnober herkommt.

/2.) Ein Wurm, von welchem der K@er@mes_Kern,
welcher gleichfalls eine schöne rothe Farbe «ist»,
giebt, herkommt. Die Kermes_Körner sind

/ Galli

/|P_500

/Galli, auf denen Arabischen Baumblättern.
Die Galli aber sind Auswüchße derer
Blätter, wann sie von einem Wurm ge-
stochen worden, wodurch sie nehmlich die
Füsern des Blatts zerschneiden, ihre Eyer
einlegen, und wann daraus eine Made wird,
die Fäsern über sie wachßen, und indem
diese größer werden, sie auch zunehmen,
auch wann sie endlich heraus bricht, eröfnet
werden.

/3.) Der Gummilack, wird von gewißen Amey-
ßen in Bengalen, die ihre rothe Eyer
in Zellen legen, und darauf zermal-
met werden gebracht, und ist eine sehr schöne
Farbe.

/4.) Der Cypritikus, in Cypern, welcher die Fei-
gen sticht, wodurch sie süße werden, dahero
sie auch von denen Einwohnern mit Fliß,
auf diese Bäume gesezet werden. Die Ursache
davon scheinet diese zu seyn, daß da der
Raum, durch welchen der Saft zu laufen

/|P_501

/hat, verkürzet wird, er schneller circulire.

/Zu denen schädlichen Insecten zählen wir

/5.) Die Heuschrecken, welche sich in Ober-Egypten und
Arabien aufhalten, zuweilen aber ihre Wohnung
verändern, dabei beständig ihren Cours von Süden nach
Norden behalten, und bloß durch die Gebürge da-
von abgelencket werden. In denen Ländern, wo sie
häufig sind, werden sie gegeßen.

/6.) Die Tarantel_SPinne, ist häufig in Apulien,
woher sie auch den Nahmen von Taranto, einer
Stadt, die darinnen liegt, bekommen. Durch
ihren Biß, sollen alle Menschen einen ge-
waltigen Instinkt zum Tanzen bekommen;
alleine die Tanzsucht, ist würcklich eine Kranck-
heit, die sich aus einer großen Melancholie
originiret. Sonst ist das Tanzen sehr natürlich,
wie wir denn auch sehen, daß bey einer wohl-
gespielten Polonoise, durch das Zupfen der
Nerven, derjenige der nicht tanzen kann,
dazu gereizet wird. Selbst die ernsthaften
Spanier, sind dem Tanzen sehr ergeben,

/ und

/|P_502

/und die Negers lieben er gar sehr. Der
SPanier Tantz, wird Fundando-{2- *1 -2} genannt.

/7.) Die Nervenwürmer, werden bey den Negers
angetroffen, sezen sich unter die Haut der
Füße, und Müßen behutsam ausgezogen
werden, damit nicht ein Theil von ihnen stecken
bleibe, wodurch dann der kalte Brandt ver-
ursachet wird, weswegen sie auch äußerst
gefährlich werden.

/8.) Die Mosckitos, eine Art Mücken, «die sich»sind
in denen heißen Ländern, in Nord_Americka,
und Lapplandt, in ganzen Heeren anzu-
treffen; ja, wenn in lezteren, nicht eine so
erstaunende Menge von ihnen anzutreffen
wäre, so würde der Zustandt der Einwohner
erträglicher seyn. Ihre Rennthiere werden da-
durch verscheucht, gerathen in die Wildniße
und werden den Wölfen zu Theil, deren Gerippe
aber allemahl mit dem Kopf nach Osten, und
dem Schwanz nach Westen zu liegen, angetroffen wird. ~

/|P_502R

/{2- *1 Tanz -2} ~

/|P_503

/9.) Die weißen Ameyßen in den Wüsten von
Africa und America, sind größer als die
andern, wohnen in Zellen, die wie Kegel aus-
sehen und Mit Thon überzogen sind, und
bekommen zuweilen eine Lust zu Marchiren,
wodurch dann alles, was sie finden, verzeh-
ret wird. z.E. Ochßen pp.

/Den Beschluß des ThierReiches, Machen

/ ≥ Die Vögel.

/ §_93. ≤

/Die Merckwürdigsten sind:

/1.) Der Strauß. hällt sich vorzüglich in denen
SandWüsten auf, ist der größte Vogel; doch
sind ihm seine Flügel nicht zum Fluge, son-
dern nur zum schnellen Laufe gegeben;
indem er durch das Ausspannen derselben
{2- dem -2} Winde die Force giebt, ihn zu bewegen,
und wenn keiner ist, durch das Bewegen
derselben, einen erreget. Er hat aber in den-
selben eine große Force, wie auch in seinen

/ Klauen

/|P_504

/Klauen, durch welche er Menschen und Thiere
aufzureißen, im Stande ist.

/Er wird von den«en» Arabern mit Windhunden
gehezt, und ins besondere werden von ihm die
feine Federn zu Plumen gebrauchet. Wann er
die Flügel ausspannt, so beträgt seine Breite
wohl 30. Fuß; Sein Fett wird durch eine
Wunde, die Man ihm am Halse beybringet,
durch vieles Schütteln herausgepreßet, und ist
zu Arzneyen nüzlich. Er ist besonders in
Africa, wenig in Asien und gar nicht in
America anzutreffen. Er hat einen sehr lan-
gen Halß.

/2.) Der Casuar kann auch nicht fliegen, sieht
ganz schwarz aus, legt seine Eyer in den Sand,
und ist nach dem Strauß, unter den Vögeln
der größeste, wird in America {2- <%und> -2} besonders in
Chili angetroffen.

/3.) Der Condor, ist der größte, von allen Vögeln
die da fliegen, wird in America angetrof-
fen, ist im Stande, Kälber, Lämmer, auch

/|P_505

/wohl kleine Kinder mit sich in die Luft zu
führen. Die Americaner berauben gerne ihre
Nester, wegen des vielen darinne %befindlichen
Wildprets, so sie ihre Iungen bringen. Der
Lämmer-Reyher in der Schweiz, scheinet ihm
nicht viel nachzugeben.

/4.) Der Colibri, ist der kleinste unter allen Vögeln
und wegen seiner schönen Gestalt, lieblich; hat allerley
schöne Farben, und soll in Südamericka auch singen
können, welches aber wegen seines kleinen Schnabels
nur ein Pfeifen seyn kann.

/5.) Der Pfau, ist, wann er sich ausgebreitet hat,
sowohl wegen seiner Figur, als auch wegen seiner
Farben, der schönste Vogel. Er wird aus Asien
gebracht, da im Gegentheil, die Calekutschen
Hüner, aus America kommen.

/6.) Der Paradies-Vogel ist braun und auf eine
andere Arth fleckigt, und wird wegen seiner
schönen Gestallt, von denen Americanern zum
Kopfpuz gebraucht, und weil sie ihm {2- *1 -2} nothwendig

/ die ~

/|P_505R

/{2- *1 deswegen -2}

/δLage_OOO ~

/|P_506

/die Füße abschneiden müßen, so ist der Wahn
in Europa entstanden, daß sie gar keine
Füße haben.

/7.) Die Goldene Hühner, sind in China, und eine
Art Fasanen, werden wegen der goldenen
Federn, die überdem viele andere Arten von
Schattierungen haben, sehr hochgeschäzet.

/8.) Der Pelikan, wird in denen Nordlichen Län-
dern@e@ der Hudsons-Bay, in Africa <pp> angetroffen,
hat einen breiten, aber langen Schnabel, unter
dem Halse einen Kader, in welchem er viel
Waßer aufbehält, und welcher er im Fall der
Noth mit seinem Schnabel öfnet, bey welcher Gele-
genheit auch zuweilen Blut mit unterlaufen
kann, welches er aber keinesweeges für seine
Iungen vergießet, indem es ohnedem eine
schlechte Nahrung abgeben würde. Die Tyger, stel-
len wegen dieses Waßers, wenn sie vom Durst
geplaget werden, den jungen Pelicanen sehr nach,
und suchen sie auf allen Bäumen auf.

/|P_507

/9.) Der MeerAdler. Von ihm ist anzumercken,
daß er in einer erstaunlichen Höhe einen Fisch
im Mittelmäßiger Tiefe des Waßers gewahr
werden kann, mit einer großen Behendigkeit auf
ihn schießet, und ihn mit sich in die Luft
führet. Weil er nun mit seinen scharfen
Klauen, tief in das Fleisch einhacket, so wird
er öfters von einem Fische, der schwehrer, als
er ist, mit auf den Grund des Waßers,
gezogen. Kann auch dur«¿¿»ch ein Brett, auf
welches Fische @genagelt@ sind, gefangen werden.

/Bey diesem Vögelgeschlechte ist noch zu
mercken:

/I.) Daß einige Arten dieser Vögeln, gewiße
Länder zu ihrem <festen> Sitze haben, wie die
Huanas eine Arth von Gänßen, eine Insul, Chili
gegen über ganz allein {2- bewohnen -2}; daher dieselbe
auch öfters 2 Fuß Mist über sich hat, den
die SPanier zum Ackerbau gebrauchen, und von
den Holländern: das beschenten Eyland genennt wird.

/ II.)

/|P_508

/II.) daß der Ort des Aufenthalts dererjenigen
Vögel, die sich im Winter fort Machen, schwehr
zu bestimmen sey; so viel will Man bemerken;
daß zu der Zeit, wenn hier die Schwalben
wegziehen, in Africa ganze Heere von ihnen
ankommen, und ist auch solches bey Vögeln,
die einen geschwinden Flug haben z. E. den
Störchen, leicht einzusehen, nicht aber bey denen,
die einen schwehren Flug haben, z. E. die Wach-
teln. Andere Vögel scheinen sich den Winter
über zu verstecken, und in einer Art
von Betäubung zu liegen, wie die Lerchen,
die bey kalten Wetter gleich unsichtbahr
werden, beym warmen aber, eben so geschwin-
de wieder hervorkommen. Diejenigen Schwal-
ben aber, welche aus dem Waßer herausge-
zogen werden und wiederum aufleben,
baldt {2- hernach -2} aber völlig crepiren, sind verunglück-
te Schwalben, die wegen Kälte des Waßers,
einige Funcken des Lebens behalten haben.

/|P_509

/III.) Die Reyherbeitze, welche in Dännemark
von den Falken, denen man bis zu der Zeit,
da sie aufstoßen sollen, eine Kappe vor-
hängt und auf der Hand trägt, verrich-
tet wird. Ehe sie zu dieser Jagdt fähig
sind, müßen sie abgetragen werden - 
Wann man sie 3. Tage und 3. Nächte
nicht schlafen läßet, wodurch sie ihren
Thierischen Zustandt vergeßen, sich denen
Menschen accommodiren und nach ihrer Arth
verrückt werden - Es muß aber solches
alle Jahre, wenn sie Federn bekommen,
wiederhohlet werden. Wenn er auf den
Reyher loßgelaßen wird, so fliegt er in
Schraubengängen über ihn, und stößt auf
ihn, wodurch er gefangen wird. Auf diese
Art könnte Man auch durch Habichte Rebhü-
ner fangen, weil sie sich, wie alle Thiere
vor ihres gleichen Mehr als vor denen

/ Menschen

/|P_510

/Menschen fürchten, und sich sogleich,
wenn sie ihn ansichtig werden,
auf die Erde sencken.

/δRest_leer.

/|P_511

/ ≥ Articulus III.

/ Von denen Pflanzen.

/ §_94. ≤

/Wenn wir von denen Bäumen und Pflan-
zen reden wollen; so müßen wir fol-
gende allgemeine Bemerkungen voran
schicken:

/1.) Daß in der heißen Zone, alle Bäume
und Pflanzen höher, als in der temperirten
sind, und daß sie immer kleiner wer-
den, je weiter {2- es -2} nach Norden gehet,
bis in der Breite von 75 %Grad auch kein Graß
Mehr gefunden wird; @dahero@ dieses in
Grönlandt, ein großer Articel des Han-
dels ist.

/2.) Daß in der heißen Zone die Bäume
{2- aus -2} dichterem Stoffe, als in denen temperirten
bestehn, z. E. der Eisen_Baum.

/3.) Daß die Gewächse mehr Saft haben,

/ aromatischer

/|P_512

/aromatischer, aber auch andere giftiger, als in
denen temperirten Zonen sind, wenn sie
nehmlich zu einer Gattung gehören, welches
auch bis auf die Schlangen gehet.

/4.) Daß aber dennoch unter allen Gewächßen
die Getreyde-Arten und Graß-Arten, die
besten Nahrungs-Mittel sind, wie auch

/5.) Die Menschen und Thiere von einer Gattung
in denen temperirten Zonen beßer, als in der
heißen sind; {2- * -2} Die Knochen der Menschen
und Thiere, der Alcalascenz, die Früchte aber
wiederum der {2- Säure -2} ausgesezt, wie denn
das süße selbst ein Saures mit Öhlichten Thei-
len vermenget ist; wenn nun die Beförde-
rung der @Alcalascent@ den Thierischen Körpern
den Untergang zuziehet, die Pflanzen aber
der Fäulniß exponiret; so ist leicht einzu-
sehen, daß sie in denen temperirten Erd-
strichen, weit dauerhafter seyn werden, als in
der Zona torrida. ~

/|P_512R

/{2- * %und zwar ver-
muthlich des-
wegen: in
der heißen Zone
sind -2} ~

/|P_513

/ ≥ §_95. ≤

/Wann nun die Frage entstehen sollte: Wel-
ches das erste Nahrungs-Mittel der Menschen
gewesen? so müßen wir sagen, daß dasje-
nige, «welches» {2- deßen -2} Zubereitung am wenigsten {2- Mühe -2}
erfordert hat, es gewesen sey. Da nun das
Kräuter lesen, viele Mühe kostet, indem
die Kräuter, weil sie auf dem Boden sind,
die Aufmercksamkeit der Menschen nicht
auf sich ziehen; die Jägerey und Fische-
rey aber, wie auch das Zähmen derer Thiere
viele Kunstgriffe und das Bebauen
des Ackers, vielen Fleiß und Arbeitsamkeit
erfordern; so können es diese nicht, son-
dern vielmehr die Baumfrüchte gewesen seyn,
die durch ihren Geruch den Menschen zum
Genuß werden angereizet haben; daher ist
auch zu vermuthen, daß die ersten Menschen
entweder in der heißen Zone selbst, oder

/ nahe

/δLage_PPP

/|P_514

/nahe bey derselben werden gewohnet haben.

/ ≥ §_96. ≤

/Erstens, sollen diejenigen Bäume und Kräuter
vorgetragen werden, die ihres allgemeinen
Gebrauchs wegen merkwürdig sind, und
dahin gehören

/1.) Der Baum, der die Brodtfrucht träget,
wird in denen Latronischen Innseln ange-
troffen; seine Frucht siehet, wie ein aus-
gestopfter Ball aus, und hat, wenn sie noch
roh ist, den Geschmack eines Semmels,
einen weit beßeren, wenn sie etwas ge-
braten ist.

/2.) Der Wunderbaum; seine Früchte sehen
wie ein Becher aus, der oben einen Deckel hat,
diese sind voll Waßer, welches sie, wenn
sie reif sind, und ihren Deckel eröfnet haben,
ausgießen.

/3.) Das BambusRohr, wächßet sehr gerade;
wenn es jung ist; so wird es zu Pfählen

/|P_515

/der Häuser, auch zu den Decken derselben, wie es
in Siam geschiehet, gebrauchet. Wenn es aber älter
wird, zu Mast-Bäumen, und von den Wilden
zu Kähnen, employirt.

/4.) Der Wachsbaum, ist mit dem folgenden in China
anzutreffen. Das Wachs kommt aus denen Blättern
dieses Baums, wenn sie von einem Wurm ge-
stochen werden, und es ist zarter, als das Baum-
Wachs.

/5.) Der Talgbaum oder Talg, wie auch die Früchte
des folgenden Baumes; welchen die Einwohner zum
Brennen gebrauche«t»n, wird so praepariret: Man
nimmt Nehmlich die Schaalen der Früchte ab,
Kochet den Kern und schöpfet die fettigte
Materie, die oben schwimmet, ab.

/6. Der Seifenbaum, in Mexico ist er wegen der Seife,
die er denen Americanern liefert berühmt.

/ ≥ §_97. ≤

/Jezt folgen die Bäume, von der Palm-Arth, wel-
che alle «¿»Keine Äste haben, {2- sondern -2} @deren@ Blätter {2- kaum -2}

/ in

/|P_516

/in die Höhe gehen, und die Früchte unmittelbahr
aus dem Ende des Stammes, wachsen. Es giebt
viele derselben: zE {2- *1 -2} der Palmenwein, die Drachen-
Couleur, die roth ist, und in der Gestalt eines
Schweißes aus dem Baum hervorkommt, ge-
schöpft werden. {2- *2 -2}

/1.) Der Dattelbaum, in Ober-Egypten, seine
Früchte sind wenn sie getroknet werden,
gar zu süße, roh aber «gar» angenehmer.

/2.) Der Kockos-Baum. Seine Früchte sind zu
allen Zeiten zu gebrauchen, {2- *3 -2} nach Beschaffenheit
des Alters der Nuß, dient bald zu Löf-
feln, baldt zu anderen Geschirren; sein Saft
giebt eine angenehme Milch, der Kern eine
wohlschmeckende Nahrung, sein Bast wird zu
Kleidern, seine Blätter aber zu Tischtü-
chern gebrauchet.

/3.) Der Sagobaum, wird mit zu denen Palm-
bäumen gerechnet, ob er gleich Äste hat, die
SagoGrüze, welche man nehmlich gekörnet hat, ~

/|P_516R

/{2- *1 aus wel-
chen

/*2 Doch sind
folgende
merkwür-
dig

/*3 die Schaa-
le -2} ~

/|P_517

/ist das angenehmste Eßen, welches Man auch bis
zum lezten Augenblick des Lebens zu sich
Nehmen kann. Er ist in Molucko und Iava,
und es quillt eine leimigte Materie hervor.

/ ≥ §_98. ≤

/Jezt folgen die übrigen Merckwürdigen Bäume,
als:

/1.) Der Baum_wollen-Baum. Die Baum_wolle
wird in denen Fächern der Nüße, die er trägt,
nebst dem Saamen gefunden. Ist eigentlich
in Africa, jezt fast allenthalben zu finden.

/2.) Der Firniß-Baum, aus welchem der Firniß,
welches ein schwarzer Saft ist, welcher von denen
Chinesern und Tungusen zum überziehen
derer Stöcke gebrauchet wird, zwar nicht glänzt,
aber doch beständig dauret. Sein Saft ist
giftig.

/3.) Der Campeschen-Baum, von dem die blaue
Farbe kommt und der Fernambuck, von dem
die rothe gebracht wird.

/ 4.)

/|P_518

/4.) Der Eisen-Baum. Deßen Holz so hart ist,
daß die Indianer ihre Schwerdter davon
verfertigen, und auch einen Menschen_Arm zu
zerschlagen im Stande sind. Der Sandelbaum
in China, das Paradies Aloes, das Adler_Holz pp
sind die besten Hölzer in Indien.

/5.) Der Balsam_Baum. Der Balsam, den
man von ihm bekommt; wird in den Arabi-
schen und Ost-Indischen eingetheilet, und
dieser leztere wird entweder aus Mexico,
oder Gola gebracht. Der beste ist der
Mexicanische, der aber in denen Harems ver-
brauchet wird und selten zu haben ist.
Außer diesem Balsam_Baum, ist der
Mineralische zu mercken, der aus dem Fel-
sen quillt. Er ist ein vortrefliches Wund-
Mittel, ist aber selbst in Cairo, selten zu
haben.

/6.) Der Drachen-Baum, welche«r»s ein Gummi
oder röthliches Oel schwizet. Hierbey ist der

/|P_519

/Unterschiedt, welchen Man zwischen dem Gummi,
und der Resina machet, zu mercken. Jenes
kann man nehmlich im Waßer, dieses
aber nur durch flüchtige Oele, auflösen.
Die folgende Gummi sind die Merkwür-
digsten:

/Das Gummi_@Gazel@, welches im Sunde gefun-
den wird, und dem Börnstein sehr nahe
kommt; das Gummi_Arabicum, welches
aus Aethiopien kommt und im Fall der
Noth, von denen schwarzen statt Eßen und
Trinken gebrauchet wird, und Hunger und
Durst stillen kann«,». Endlich das Gummi
von Senegall.

/7.) Der Campher_Baum, ist aus Borneo und
schwizet aus seinen Blättern den Kampfer,
aus, welcher auch sonst, aus den Ästen derer
Bäume quillt; doch ist ersterer, viel theurer.

/8.) Eine Art von Eschen-Baum in Calabrien,

/ aus

/|P_520

/aus welchem das Manna schwizet, und ein anderer
auf der Insel Chio, aus welchen der Ter-
pentin quillt.

/9.) Der Loya-Baum - SPanisch Locha - ist
ein Baum, von dem die Oberrinde genom-
men wird. Hierbey ist der Guakay oder
das Franzosen_holz und der Saßafraß,
welches eine Wurzel von einem Floridanischen
Baum ist, zu merken.

/10.) Die Planteins, sind ein sehr hohes und
wie ein Baum gestaltetes Kraut_Gewächse,
welches aber die Eigenschaft derer Kräuter
hat, daß es alle Jahre verwelcket. Sie
tragen 50. bis 60. Gewächse, in Gestallt,
der Gurcken, welche vor eine große Delica-
tesse gehalten und von den Arabern Musa
genannt werden.

/11.) Der Coffée-Baum, sieht wie ein Kirschen-
Baum aus, und seine Früchte, deren Kerne

/|P_521

/die Coffée-Bohnen sind roth wie Kirschen.
Er wächset eigentlich im Lande Yemen in
Arabien, welche unter dem Nahmen von
«Lavendell» Levantschen Bohnen bekannt sind,
und die besten sind. Von hier aus haben
die Franzosen dieselben vor ohngefehr 100.
Jahren, nach Martinique und Guadeluppe
gebracht, wo sie zwar sehr gut fortkommen,
und fast das ganze Europa damit ver-
sorget wird, aber dennoch die wenigste
Güte haben.

/Ist dann der Coffée nüzlich oder schädlich?
Alles das, was wir genießen, theilet sich
in Nahrungs-Mittel und Gift ein;
Jenes macht einen Theil unserer Substantz
aus, dieses aber bleibet nicht in uns,
sondern wird abgesondert. Die Gifte werden
wieder in nüzliche und schädliche eingetheilet;
die nüzlichen sind die, die die Nerven

/ roboriren

/δLage_QQQ

/|P_522

/roboriren, die schädlichen aber die, die die
Nerven vergeblich reizen, und irritiren.
Zu jenen gehören die Arzeneyen, und weil
der Coffée die Nerven vergeblich reizet,
so gehöret er unter die schädlichen Gifte;
Der sogenannte Sultanische Coffée wird
aus denen gestampften Hülsen, worinne
die Coffee-Bohne lieget, gemacht.

/ ≥ §_99. ≤

/Jezt folgen die Gewürz-Bäume und zwar:

/1) Der Caneel-Baum, deßen untere Rinde abgeschälet,
an die Sonne gelegt, und von derselben ohne andere
Beyhülfe zusammen gerollet wird.

/2) Der Muscaten-Nuß_Baum und

/3) Der Kreidnägelchen_Baum. Beyde werden auf den
Molukkischen Inseln angetroffen, auf welchen die
Holländer 2. Gouvernements haben, in deren einem
die Muscaten-Nuß_Bäume, im andern aber die
Kreidnägel_Bäume gefunden werden. Iezt suchen
die Franzoßen sie auf ihren Inseln nachzupflanzen.

/|P_523

/ ≥ §_100. ≤

/Die seltenen und Merkwürdigen Bäume, {2- sind -2}

/1.) Der Banianen_Baum, deßen Aeste herunter
schießen und Wurzel faßen, worauf diese
wiederum Wurzel schlagen, und solches sehr oft
wiederhohlen, so, daß sie ordentliche und viele
Bogen, in einer Reyhe formiren, darunter die
{2- Heyden -2} ihre Pagoden bauen.

/2.) Der Baobap, ein Baum in dem Niedrigen und
heißem Lande Senegall, ist 12. bis 13. Fuß
hoch, und eben so dicke; daher eine völlige
Wohnung darinne angelegt werden kann. Seine
Äste sencken und Neigen sich baldt, nachdem
sie aus dem Stamme kommen, zum Boden,
und umgeben den ganzen Baum. Er erfordert
lange Zeit zu seinem Wachsthum und Adan-
son
glaubt, daß ein dergleichen Baum von der
Sündfluth an müste gestanden haben; die
Negers halten sehr viel von diesen Bäumen,
und Nehmen, ehe sie nach America in die
Sclaverey gebracht werden, einige Calaboschen,

/ welches

/|P_524

/welches seine Früchte sind, und wie Kürbiße
aussehen mit. In der Mitte der Frucht, sind
die Bohnen befindlich;

/3.) Mangelbaum. Sie schießen ihre Äste he-
runter, faßen Wurzel, schießen wiederum auf,
und verflechten sich ganz, indem sie über einer
Stelle wachsen, und sich ausbreiten, so, daß
dieser Baum sehr verworren aussiehet.

/4.) Der Mansenetten-Baum. hat giftige Aepfel,
aus deren Rizen ein giftiger Saft fließet,
womit die Indianer ihre Pfeile vergiften,
welche sie aber nur gegen Thiere, nicht aber
gegen Menschen gebrauchen.

/5.) Die Bejucken. Ein Gewächß in America,
ranken sich um die Bäume, und schnüren sich
fest zusammen; die breiteste Sorte von ih-
nen @Vorora@ genannt, ist das größte Gift,
welches man kennt, und wovon ein Thier,
wann es nur von einem Tropfen, der kaum
auf der Nadelspitze Raum hat, verwundet

/|P_525

/wird, in einer Minute sterben muß. Das
Gift überhaupt, muß wohl, wegen seiner ge-
schwinden Würckung, die Nerven erstarrend
Machen. Man soll auch ein langsam tödtendes
Gift haben.

/ ≥ §_101. ≤

/Iezt handeln wir die Pflanzen ab, und dazu
gehören:

/1.) Der Betelareck, deßen Blätter die India-
ner beständig kauen, und für eine große
Delicatesse halten.

/2.) Der Pfeffer, ist ein Haupt_Artikel der Hand-
lung, und wächßet in den warmen Län-
dern mehr, als in denen kalten.

/3.) Der Thee. wird von denen Blättern des
Thee-Strauchs in China und Iapan und
zwar im Mertz, welches den feinsten, im
May, welches den schlechte«st»ren und im Junio
welches den schlechtesten abgiebt, gemacht.
Er wird sodann auf Kupfer oder Eisen- 

/ Platen

/|P_526

/Platen geleget, wodurch der Unterschiedt
zwischen dem grünen Thee, und Theebou
entstehet, welcher leztere, am gesundesten
ist. Sonst schadet dem Thee nichts so sehr,
als die viele Feuchtigkeit.

/4.) Der Wein. Wächset in denen heißen Zonen
am Meisten, wo aber kein Wein ist,
bedient Man sich des Opii, welches ein
ausgedrukter Saft, aus gewißen gerizten
Mohn_Köpfen, welche in Persien wachsen.
Wenn er «g»wenig gebraucht wird, Macht er
munter, eine große Quantitaet aber, ver-
senkt in einen tiefen Schlaf, welcher
aber mit den angenehmsten Träumen
begleitet ist. - Wer sich einmahl von
ihm zu genießen, angewöhnet hat, muß
ihn beständig zu sich Nehmen, weil sonst
seine Kräfte abnehmen, und er in 24.
Stunden sterben muß. Die größte
Quantitaet, die ein Mensch davon nehmen

/|P_527

/kann ist ein Loth.

/5.) Die Sensitiva. Ist ein Kraut welches {2- sich -2} wenn
es berühret wird, sich zusammen ziehet, es ist
in Süd-America anzutreffen.

/6.) Das Fliegenfangende Kraut: Ist ein
großes Blatt in America, wenn sich auf
dieses eine Fliege sezt, so, kneift es
sich zusammen, und sobaldt dieselbe
getödtet wird, öfnet es sich wieder. Man
zweifelt, ob dieses nicht würcklich Empfindung
habe, allein davon können wir keine
Ursache angeben, weil wir die Machinen¥
Mäßige Kräfte in denen Thieren, selbst
nicht kennen, z. E. Wann man einen Fuß
vom Frosch, der schon todt, aber noch Naß ist,
mit einer Nadel berühret; so ziehet er
sich etliche Mahle zusammen, welches Haller
die ¿¿¿»mmobilitaet Nennet, und auch den
Nerven des Menschlichen Leibes, dieselben
zueignet. Die LandKrebße in SüdAmerica

/ schießen

/|P_528

/schießen, wenn man sie berühren will, eine
Scheere ab, welche beständig fortfähret zu
kneifen.

/7.) Das Scythische Lamm oder Borametz in
Casan, wächßet auf einem Stiel, hat eine
braune Haut, mit feinen Haaren, aus
welchen viele SPizen ausschießen, die Man
abschneiden %und statt Ohren gebrauchen
kann. Da es nun ein schwammigtes Ge-
wächße ist; so läßt es sich in eine
Lammsform eindrücken; woher das Gerücht
entstanden, als wenn ein ordentliches
Lamm wäre, welches Graß «frießt»
von der Erde freße, und von
denen Wölfen aufgesuchet
werde.

/δRest_leer

/|P_529

/ ≥ Articulus IV.

/Von denen Mineralien.

/ §_102. ≤

/Unter die Metallen rechneten vormahls die
alten, Goldt, Quek_Silber, Silber, Bley, Kupfer,
Zinn und Eisen, wozu noch jezt, das dubi-
euse Metall, welches Man Platina nennet, ge-
kommen ist.

/Alles Metall finden wir entweder in Stuffen
oder in Seiffenwercken.

/I.) Das Goldt wird in den andern Theilen der
Wellt, mehrentheils in Seifenwercken, in Europa
aber in Stuffen, wovon das größeste Berg-
werck in Temeswar ist, gefunden. Das
Verhältniß dieses Metalls zum Silber, war
im vorigem Jahrhundert, jezt aber nur in
China wie 12 = 1. Iezt aber wie 15 = 1. In En-
gelland ist es am allertheuerstem. Die Feinheit
des Goldes wird in 24. Caratten, ein Carat aber
in 12. Gran eingetheilet. Ein Venetianische Zechine

/ enthällt

/δLage_RRR

/|P_530

/enthält 23_7/8 Caratte, ein Louis_d'Or aber nur
22. Dasjenige Goldt, das nur 18. Caratten
enthällt, wird Billon genannt. Kein Goldt
ist aber 24. Caratten fein, sondern dieses
Maaß ist nur ein Ideal.

/II.) Die Platina ist ein Metall, welches schweh-
rer wie Goldt ist, und eine Silberfarbe
hat, wird auch auf den Silberheiden gefunden,
und zwar in Körnern; Vermuthlich ist es
eine Materie, die vom Queksilber nicht
aufgelöset werden kann. Die größten
Chymisten können diese Platina ohne Ver-
mischung mit einem andern, nicht in Fluß
bringen, doch sollen einige dieses Geheimniß
schon erfunden haben. Die Spanier haben
den Gebrauch dieses Metalls untersaget,
weil es das ganze Wesen des Goldes ver-
ändert.

/III.) Das Silber wird in Stuffen und nicht in
Seiffenwercken gefunden. Die Mehresten

/|P_531

/Silberbergwercke sind in Europa und Amerika,
die reichsten aber in Peru. Es wird seiner
Feinheit nach eingetheilet, in Brutto, d. h. wie
viel in gewißer Quantitaet Silber, noch Zusaz
von andern Materien z. E. Kupfer sey,
wie denn überhaupt die Metalle nicht recht
rein, doch aber nur immer mit denen schlechtern
Metallen vermischet sind. z. E. Goldt ent-
hällt Silber {2- * - 2} und in Netto, welches das reine
Silber, in einer Quantitaet von diesem
Metall ist, und dann {2- in -2} Thara, welches
der Abzug des Netto, vom Brutto ist. Die Maße
sind: Marck und Loth. 8. Species_Thaler
oder 16. Loth machen eine Marck Silber aus.

/IV.) Das Kupfer wird eingetheilet in Cement¥
Kupfer, und anderes Kupfer, das in den
Bergwercken gefunden wird. Das erstere
sezt sich an den eyßernen Stäben, die in das
Cement_Waßer getauchet werden, und ist das
fürchterlichste, wie überhaupt die Ver- 

/ kalkung ~

/|P_531R

/{2- * dieses aber
nicht wiede-
rum Gold,
Silber ent-
hält Kupfer,
dieses aber
nicht wie-
derum Sil-
ber; -2} ~

/|P_532

/Kalkung diejenige Materie, welche die Theile
des Metalls, welches durch ein Menstrum auf-
gelöset, und hernach wieder geschlagen wird,
enthält, das beste Metall, wenn diese Theile
wiederum vereiniget werden, liefert. Das beste
Kupfer von der andern Seite, wird zu
Iapan, in kleinen Stangen verkaufet.
Die berühmtesten Kupferbergwercke aber sind:
das Hohensteinsche, Manssfeldsche, das
Fahlunsche in Schweden, und das Russische
bey Catharinenburg.

/V.) Das Zinn. Es wird solches am besten,
in der Provintz Cornwallis angetroffen,
und Britannien hat davon sogar seinen
Nahmen bekommen. Unser Englisches Zinn
ist das, deßen @%¿¿¿@ Bley ist. Sonst ist alles
Zinn versezt und besonders in Engellandt,
mit Kupfer und Bismuth vermengt.

/VI.) Das Eisen ist in der ganzen Wellt, in
allen Gewächsen, im Blut der Thiere, selbst in

/|P_533

/mancher Erde, besonders derjenigen, die roth
aus siehet, anzutreffen. - Der Stahl ist
nichts andres, als das feinste Eyßen, und
ist durch die Kunst von ihm, auf folgende
Art hervorgebracht: Mann bringt es in Stan-
gen in ein Kohlgestäbe, deckt das Gefäß,
worinnen es gesammlet wird, mit einem
Deckel zu, und sezt es aufs Feuer.
worauf es von der Hize durchdrungen, und
in Stahl verwandelt wird. Das bekannte
Damasc_ener Gewehr, bestehet aus einer
Mixtur von Eisen und Stahl, dieses bringt
die Geschmeidigkeit, jenes die Stärke hervor.

/VII. Das Bley ist beynahe in allen Gebürgen an-
zutreffen; ist wegen seiner Süßigkeit der
Gesundheit nachtheilig, und ist in Russlandt,
weil es viel Silber enthällt, am schlechtesten.

/VIII. Das QueckSilber, wird zwar zu denen
HalbMetallen gezählet, weil sich diese aber

/ nur

/|P_534

/nur von den wahren, durch die Unreinig-
keit und den metallischen Dampf, der aus
ihnen fließet, unterscheiden; so ist es mit
Unrecht geschehen. Das Mehreste ist in Friaul.
Die bekannte Zeit_Eintheilung der Poeten,
in das goldene, Silberne, Kupferne und Ey-
serne Zeit_Alter ist bekannt; Das erste
ist der Zustandt der Wildheit, weil es
wenig Mühe kostet, das Goldt zu finden,
indem es sich sogleich durch seinen Glanz
offenbahrete, und allenthalben zu finden
ist, wenn der Fluß sein Bette verläßt,
das Silber ist in den Bergwercken, und
ist also schwehrer zu finden, mit der Zunah-
me dieser @Künste@, nehmen auch die Wi-
ßenschaften ihren Anfang, und folglich zu-
erst in den gebürgigten Gegenden. Weil
das Kupfer in denen Bergwercken schwehrer
zu finden ist, und folglich Mehrer Mühe

/|P_535

/kostet; so waren die Künste schon weiter
gestiegen, und diese Zeit machet das 3te
Zeitalter aus. Nachdem endlich das Eisen
erfunden, wurden Gewehre daraus ge-
machet. - Die Künste und Wißen-
schaften erreichten den höchsten Flohr, und
diese Zeit Macht das lezte und gesittete
Zeitalter aus, in welchem alle Poetische
Gemächlichkeit verschwand.

/ ≥ §_103. ≤

/Es folgen in der Ordnung die halb-
Metallen, deren Unterscheid im vorigen §
nicht determiniret worden, und dahinn
gehöret:

/1.) Cinnabaris factitia, ein mit Schwefel ver-
mischter Quecksilber.

/2.) Zink, welcher zur Glockenspeise und
Prinz_Metall gebraucht wird.

/3.) Gallmey, welches nebst dem Kupfer dem

/ Meßing

/|P_536

/Meßing, und besonders darinnen die gelbe
Farbe macht.

/4.) Arsenik, ein Gift, welches alle Thierische
Machinen zerstöhret, und dann

/5.) Der Cobolt, welcher die blaue Farbe
und Stärcke giebt, wird in den Sächsi-
schen Bergstädten gefunden.

/ ≥ §_104. ≤

/Jezt gehen wir zu denen brennenden Minera-
lien, welche alle Öhle und das Phlogistikon
enthalten, doch ist das rechte alimentum ignis
unbekannt, welches aber doch, ein sehr
kleines betragen muß, indem die zu-
rücke gebliebener Materie, fast eben so schwehr,
als der brennende Körper, vorhero, ehe er
brannte, gewesen.

/I.) Der Schwefel, welcher Vitriol_Säure, mit
brennendem ErdÖhl ist, wird bey uns
aus Markasit oder Schwefel-Kies ge-
schmolzen.

/|P_537

/II.) Das Naphta, bey Backu und Derbent ist das
leichteste und reinste Erd-Öhl, war den
Parsis oder alten Persern zur Unterhaltung
des ewigen Feuers beförderlich, und wird
auch bey Bagdad gefunden

/III.) Das Petrolium in Italien.

/IV.) Das ErdPech oder Asphalt schwimmt in
großen Stücken, auf dem schwarzen Meere
herum.

/V.) Der Börnstein. Von ihm hat Man jezt ge-
funden, daß er ein wirckliches Baum-
harz gewesen, und daß in dem Einsin-
cken der Wälder die Ursache lie-
ge«n». daß man es unter dem Waßer
antrift. Es hat auch, da es unter der
Erde gelegen, etwas bitum<in>öses erhalten.

/VI.) Der graue Ambra. wird in der See auch
öfters im Magen der Pottfische angetrof-
fen, welches doch vielmehr ein wirckliches

/ Erdhartz

/δLage_SSS

/|P_538

/Erdhartz und von jenen vielmehr verschluckt, als
in ihrem Magen erzeuget zu seyn, scheinet.

/VII.) Die SteinKohlen, deren Grund_Erde entweder
von Thon oder KieselErde ist. Die größten
Stein-Kohlen_wercke sind in Engellandt, weil
das Waßer in den Bergen, einen Abfluß
gegen die Seeseithe hat, und obgleich diese
den Fuß oder das FlöthsGebürge ausMachen,
so kann Man doch nicht allemahl, wegen des
vielen Waßers zu ihnen kommen.

/ ≥ §_105. ≤

/Hierauf müßen wir zum Reiche

/ ≥ derer Steine

/übergehen, und dieselbe in Steine von Kalk-
Arth, Thon_Arth und Kieselarth eintheilen,
und bey ihnen sowohl die Coagulation
als auch die Materie, woraus sie bestehen,
erwägen. Es ist aber die Coagulation nichts
anders, als die Eigenschaft, da ein Ding
auf einmahl, aus dem «Staube» Stande des
flüßigen, in den Zustandt der Härte

/|P_539

/übergehet; gleichwie Man solches beym Waßer,
welches in <eine> gläserne Röhre gefüllt und bis
zu einem sehr hohen Grade der Kälte gestiegen
ist, dennoch aber nicht eher gefrieret, bis Man
einen Stab von Eyß, welcher würcklich nicht in
einem so hohen Grade kalt ist, eingetauchet
hat, wo Man alsdenn in der Mitte sich das
Waßer in Gestalt der SechsEcken, «sich» in
Eis verwandeln siehet. Zu den Steinen von der
Kiesel_Arth, als welche eine Congelation erlei-
den, gehören

/1.) Der Diamant, ist der härteste Stein, und
bestehet aus Blättchen, welche voneinander zu
trennen, ohne, daß der Diamant Rizen be-
komme, sehr schwehr ist; er kann durch
keine Englische Feile, sondern nur durch
den Diamanten-Staub verlezet werden.

/Wenn er verarbeitet wird; so wird er entwe-
der

/1.) zu Brillanten verbraucht, als denn ist er oben

/ platt

/|P_540

/platt, nachgehends aus lauter kleinen Triangeln
zusammen gesezt; innerhalb dem Kasten, sind
die Triangels länglicht, durch den Kasten wird
der Glantz vermehret.

/2.) zu Rosensteinen, diese bestehen aus Triangeln
die aber SPiz zusammen laufen, und haben nichts
im Kasten.

/3.) Die Dik_Steine, sind oben platt und bestehen
aus «kleinen»<keinen> Triangeln, sondern haben zur
Seite abgeschlifene Façen.

/4.) «I»Die TafelSteinen.

/Obgleich die weißen sehr hoch gehalten werden,
so haben dennoch diejenigen, welche die gelbe
Farbe s«¿¿¿»pielen, den Vorzug. Die Diamanten
werden nach Caratten gewogen, und ihr Gewicht
verhällt sich zu dem Werthe, den sie haben,
in Thalern, wie das Quadrat des Gewichtes.
Der größeste, welchen die Käyserin von
Russlandt hat, ist der größeste, den Mann
Kennet und enthält 771 Carat. Eine sonderbahre

/|P_541

/Eigenschaft des Diamanten ist diese, daß er
durch große Hize in Dünste zerfällt und
aufgelöset wird. - Der Brillant bestehet
also aus der Krone, oder dem Oberem, und dem
Kasten, als dem unteren Theile. Die Folie die
man dem Diamanten giebt, ist schwarz, und von
gebranntem Elffenbein gemacht, damit er mit
seinem eigenen Glanze prange. Der «rothe»<rohe>
Diamant siehet dem Allaune sehr ähnlich,
deßen Grunderde, die Kieselerde ist, hat auch
wie dieser die Gestalt eines AchtEckes, doch
mit irregulairen Ecken. Um nun zu unter-
suchen, ob er Winden, Ritzen p hat, ist es
rathsahm, unter dem Schatten eines großen
Baumes solches zu bewerckstelligen. Ein Carat
enthällt 4 Gran, er ist aber der 18te Theil von
der Schwehre eines Ducatens, deren 27. Einen
Marck oder 1/2 %Pfund Goldt aus_Machen. Er wird nicht
in Europa, sondern in Ost-Indien, und zwar
in Golkonda, Visapor gefunden, unter
einem röthlichem und unfruchtbaren Erdreich.

/ II.) Der

/|P_542

/II.) Der Rubin ist roth und ganz anderer Natur
als der Diamant, indem nach einem Experi-
ment des Käyßers Franciscus der Rubin
im Foko eines Brennspiegels weich geworden.
Der Rubinen_ballast ist ein blaßrother Rubin.

/III.) Sapphyr ist Himmelblau und wird mit
dem vorigem in der HalbInsul jenseit
des Ganges gefunden.

/IV.) Der Smaragd ist grün und wird, wenn
er besonders graßgrün ist, sehr hochgeschäzet,
er war vor der Entdeckung von America
sehr selten. Im Kloster Reichenau soll
ein Smaragd seyn, so groß als ein Foliant,
{2- allein -2} es ist solches vielmehr ein Glaß, welches wegen
des Kupfers, so darinnen ist, grün geworden.

/V.) Der Topos ist ein occidentalischer Stein
und Citronen-Gelb, wenn er beym Feuer
gehalten wird; so bekommt er die Couleur
vom Rubinen_ballast.

/VI.) Der Türkis ist ein graulicht blauer Stein,
kalckartig und ist nichts anders, als ein Zahn

/|P_543

/von einem unbekanntem Seethiere. hat dunkel-
blaue Punckte, welche Couleur sich über den
ganzen Stein ziehet, wenn er gerostet wird.
Er nimmt auch keine Politur an.

/VII. Der Carfunckel ist ein hochrother Rubin;
es ist aber falsch von ihm, daß er im fin-
stern leuchten soll.

/VIII. Der Opal, ist ein Occidentalischer Stein,
siehet wie ein weißblaulichtes Glaß aus
und wirft zwar nicht von seiner Oberfläche
vielen Glanz, aber aus seinem innwendigem
gelbe Funcken zurücke und ist sehr kostbar.

/IX. Der Chrysopras. Ist Gelb und laugfarbig
Ist eine Art von Quartz und findet sich
am meisten in Schlesien.

/Was die übrigen Steine anbetrift, z. E. daß
der Hyacinth gelb; der Achat und Carniol
in Hungarn angetroffen werden; daß der
Onyx nichts andres, als ein Achat mit einem
Flecken und der Sarder nur eine Arth des
Carniols sey, ist von weniger Erheblichkeit.

/ Der

/|P_544

/Der Berg_Crystall wächßet in 6.eckigten Zinken,
und in Gestalt einer Pyramide auf den SPi-
zen derer Berge. Der Lapis_Lazuli lie-
fert die kostbareste blaue Farbe, nehmlich
das Vetramarin. Ob er gleich sehr theuer ist,
so, daß ein Loth von dieser Farbe, mehr
als ein Loth Goldt zu stehen kommt; so ist
doch ein Loth von ihr, einem starken und
allezeit geschäftigem Mahler, auf seine gan-
ze Lebens-Zeit hinnlänglich.

/Obgleich der Marmor sonst allenthalben anzutref-
fen ist, so sind die feinesten unter ihnen
dennoch sehr selten. Unter diesen lezteren
Sorten ist der weiße Marmor von Massa_Carara,
wie auch diejenigen, in welchen vermuthlich
ein ätzender Steinsaft allerhandt Figuren
in Gestallt verfallener Schlößer, Ruinen pp
eingegraben, zu Mercken. Wenn dieser Marmor
von Viol-Säure durchdrungen ist, so entste-
het der Alabaster. - Der Granit ist der Stein,
wovon die Egyptischen Obelisken verfertiget sind.

/|P_545

/Die Terra sigillata, eine Arth von ThonErde;
die WalckerErde kommt dem Bolus oder der
fetten Erde sehr nahe, und endlich ist die Umbra
eine sehr feine Erde. Noch zweyerley ist hiebey
Merckwürdig

/1.) Die Musivische oder ausgelegte Arbeith;
man nimmt verschiedene Glasscheiben, denen
man alle nur erdenkliche Farben giebet, sezt
sie in einen mit Cement_Öhl gefüllten Kasten,
und läßt diese Masse erhärten, worauf sie
poliret und zu allerhandt Geräthen, theils in
Kirchen, als wovon die St._Peters_Kirche in
Rom voll ist, theils in Pallästen gebrauchet
wird.

/2.) Die Florentinische Arbeit, ist anstatt, daß
die Musivische von Glaß, von Edelgesteinen
aller Couleuren verfertigt.

/ ≥ §_106. ≤

/Jezt folgen noch einige Anmerkungen zum
Beschluß dieser Materie.

/1.) Obgleich die Steine eine zuerst aufge-
lösete, hernach aber wieder zusammen ver- 

/ bundene

/δLage_TTT

/|P_546

/bundene Erde sind; so scheinet doch außer
dieser noch etwas Klebrigtes hinzu kommen zu
müßen, welches man aber noch nicht entdecket
hat.

/2.) Daß, wenn die KalckErde mit VitriolSäure
gesättiget ist, der Gips, wenn aber die Kie-
selErde damit vermischet ist, die Thon-
Erde daraus entstehe.

/3.) Daß die Steine von den Metallen
in dem Stücke unterschieden sind, daß
jene congeliren, diese aber nur coaguliren,
und langsam aus dem Zustande des
festen, in das Flüßige übergehen.

/4.) Daß der Iezige Geschmack die Farben-
Steine nicht Mehr leiden kann, und
daß die Edelsteine, überhaupt von der
Kiesel_Arth seyn müßen, weil sie son-
sten die Politur nicht annehmen könn«t»en.

/5.) Daß die KieselSteine in 3. Gattungen
eingetheilet werden: in Chrystall«en»_Arten

/|P_547

/welche alle in Zincken«arten» auswachßen, in
die rothen Kieselsteine, und in den Quartz,
woraus alle Steine und die größten Fel-
sen, wenn sie noch mit dem SPath und
Glimmer untermenget sind, bestehen.
Er scheinet eine noch nicht völlig reife Kiesel-
Erde zu seyn, woher er auch Milchicht und
undurchsichtig ist.

/6.) Daß eine Zusammensezung von Chrystallförmigen
Stücken eine Druse heiße, und daß diese zu-
weilen Quartz bey sich führen, deren SPizen far-
bigt sind, und von welchen der Amethist gebracht
wird.

/7.) Daß endlich die Farben, nach dem Dellawaldt [[Delaval]]
in den Edelgesteinen, sich von denen Metallen,
die sie bey sich führen, originiren. daß die
rothe Farbe der Rubienen vom Goldt, die
Goldgelbe der Topasen von Silber; «die Orangen¥
gelben der Topasen vom Silber», die orangegelben
der Hyacynthen vom Bley; die grüne von denen
Smaragden, und die blaue der Sapphyren vom

/ Kupfer

/|P_548

/Kupfer, und endlich die Violette des Amethysten
vom Eisen und Zinn, daß also die Metalle
gewiße Couleuren hervorbringen, die sich
nach der Beschaffenheit ihrer specifischen
Schwehre richtet, und daß also hiedurch
das Eulersche System von denen
Farben, sehr bestätiget
wird.

/δRest_leer

/|P_549

/ ≥ Articulus V.

/ Von dem National_Caracter, Sitten und Ge-
bräuchen verschiedener Völcker.

/ §_107. ≤

/Im ganzen Meridian, welcher über Bengalen
gezogen worden, bey den Einwohnern von Tibet,
den Tunkuisen und Chinesern, bemerken wir
sowohl eine große Ähnlichkeit der Gesichts-
bildung, nehmlich der Calmuckischen, als auch der
der SPrache, welche darinne übereinkommt,
daß ihre Wörter alle einsilbigt seyn, ihre
übrige RedensArten aber nur aus diesen zu-
sammengesezet sind - Wir bemerken also,
daß das Reich China, welches ohngefehr 3.
Mahl so groß als, Deutschlandt ist, der
mächtigste Staat jederzeit gewesen und
noch seyn wird. Zwar ist die Griechische
und Römische Monarchie berühmter und
größer gewesen, doch ist dieses, was wir
von China gesagt haben, nur von der Einheit
der B«¿¿¿»ildung, {2- *1 -2} SPrache, Sitten und Gebräuche

/ zu

/|P_550

/zu verstehen, die unter diesen Völckern
herrschet. Es ist das bewohnteste Landt, so,
daß keine Provinzial-Stadt, in ihm weni-
ger als 100.000 Einwohner enthällt. Von
dieser großen Menge Volckes zeuget auch
die Länge der Chinesischen Mauer, die ohnge-
fehr 300. Meilen im Umfange, und in der
Mitte sehr viele Thürme hat, wogegen sie
aber auch an viele Berge anstößet. Ihre
Bücher, denen Man Glauben beymeßen kann,
gehen nur biß auf die Geburth Christi,
hinaus; allein so viel ist gewiß, daß sie
schon 1.000. Iahre vorhero gewesen.

/ ≥ §_108. ≤

/Ihre Regierung ist Monarchisch, doch wird
sie sehr von denen Mardarinen, deren
es 3. Gattungen giebt, Nehmlich: Staats- 
Gelehrte- %und Kriegs-Mandarinen
welches soviel als Leuthe, die den Innbe-
griff ihrer Wißenschaften durchgegangen,
haben, bedeutet - eingeschränkt. Die Chi

/|P_551

/neser werden als Leute, die sehr zu
allen Künsten und Wißenschaften geschickt sind,
gerühmet, allein ihre Wißenschaften bestehen,
nur in der Kenntniß von einigen Sachen,
der Geometrie und Astronomie, Mehrentheils
aber ohne Beweise. Ihre Arth zu schreiben,
bestehet in der Kunst, die Gedanken, durch
gewiße Bilder und Zeichen, deren sie 6.000
haben sollen, auszudrücken. Sonst sind sie
aber zum Betruge und niedriger Gesinnung
geneigt, Maaßen auch dieselben nach ihren
Gesezen nicht bestrafet werde. Sie sind
übrigens schlechte Helden, Maaßen sie auch
ohnlängst von den {2- Tartarn -2} unter das Ioch
gebracht worden, von welchen sie die Ge-
wohnheit ihre Haare bis auf einen Schopf«e»
abzuscheeren, gelernet haben. Die Buchdru-
ckerkunst soll bey ihnen schon weit eher
erfunden seyn, als bey uns, welches auch
wegen Leichtigkeit ihrer Buchstaben wahrscheinlich

/ ist,

/|P_552

/ist. Sie halten auch sehr auf die alten
Geseze, von welchen der Monarch nicht leicht
abgehen kann. Die 3. vornehmsten Geseze
die sie verehren müßen, sind der Gehor-
sam gegen den Kayser, gegen die Eltern,
deren Verlezung eine große Strafe
nach sich ziehet, und denn die Complimente,
durch welche sie die Ruhe im Staat zu er-
halten gedenken, und dieserwegen sind
ihre Gesellschaften auch nicht angenehm,
weil darinne alles sehr gezwungen, aus-
siehet, doch haben selbige noch den Vorzug
vor den Türckischen, in denen alles stumm
und leblos ist, und nur im Eßen, Trinken
und Schmäuchen bestehet; ja es {2- scheinet -2} über-
haupt, daß der gute Geschmack und der
scherzhafte Umgang bey denen Europaeern
blos durch die Franzosen ihren Anfang
genommen, und daß bey diesen die Ursa-
che {2- davon -2} gewesen, daß die Frauenzimmer,
welche die Frölichkeit lieben, und denen

/|P_553

/zu Gefallen eine Haupt-Sorge der Mannspersohnen
ist, mit in die Gesellschaft gezogen worden.
Bey ihren GastMahlen sizen {2- sie -2} auf Stühlen, und
nicht, wie die Meisten Morgenländer, auf
Knien, jeder aber einen à_parten Tisch,
und sie richten sich während dem Eßen,
in allen Kleinigkeiten, nach dem Wirth.
Sie haben gewiße Universitaeten und diejeni-
gen welche bey ihnen promoviren wollen, mü-
ßen zuerst in Peking, hernach aber noch öfters
examiniret werden. Ihre Religion bestehet
einzig in dem Deismo, d. h., im statuiren eines
höhern Wesens. Ihre größte Kunst äußert
sich im Garten-Wesen, welches sie in 3.
Theile: in das reizend schöne, schaudernd
schöne und erhabene Feldt eintheilen, der
Natur <sehr> gemäß in einer großen Etendüe
anbauen - z. E. Sie führen Hügel, Felsen,
Flüße, Wüsteneyen auf, worauf denn die
schönsten Prospecte folgen - und in diesem
alle andere Nationen - übertreffen. Auch

/ äußert

/δLage_UUU

/|P_554

/äußert sich bey ihnen eine Fertigkeit in denen
mechanischen Handgriffen. In China ist ein
ganz Natürlicher Markt, worauf alles, was
nicht offenbahr schädlich ist, verkaufet wird. z. E.
HundsFleisch, Katzen-Fleisch, Schlangen pp
und der Geschmack der Europaeer gar nicht
beobachtet wird, welche«s»r sich von der ersten
Ausbreitung des Christenthums zu originiren
scheinet, da sich nehmlich die Neugewordne
Christen ein Gewißen machten, von dem
Fleisch der Heyden zu eßen, und äußerst
verderblich ist. Die Chineser scheinen eine
Abkunft der Egyptier zu seyn. Die Chine-
sische Bau_Art liefert Niedrige Gebäude,
die oben flach, %und die sowohl innwendig, als
auswendig lackirt sind, sonst aber ein
schönes Ansehen haben, wozu sie noch die
Nebenwände so fabriciret haben, daß sie
leicht aus einander genommen werden können.
Ihre Religion besteht, in denen 5. Kings oder

/|P_555

/heiligen Büchern, die vom Confucio herkom-
men, und nichts als trockene Sittenlehre in
sich enthalten. Merckwürdig ist es doch,
daß bey allen Völckern und in allen SPrachen
dasjenige Buch, das den Grund der Reli-
gions_Principien enthält«en» vorzugsweise
ein Buch heißet, z. E. Bibel, King, Koran.

/ ≥ §_109. ≤

/Das Reich Iapan wird von einem Kayser,
und einem großen geistlichen Fürsten
regieret, welcher in Dario residiret
und Lama heißet. Man trift überhaupt hier
alles an, was zur Nothdurft und zum
Vergnügen des Menschlichen Lebens gehöret,
weswegen sie auch die ganze Wellt ent-
behren können, und mit keinem Volcke,
als mit den Holländern Handel treiben.
Sie haben nur einen einzigen Haafen,
welcher ohnedem nicht allen frey stehet,

/ sondern

/δAdickes

/|P_556

/sondern deßen Zugang verschloßen werden
kann, vor dem sie die Schiffe, die Anzahl
derer darauf befindlichen Persohnen, und
Thiere, sorgfältig angeben und bey ihrer
Abfahrt wieder aufweisen müßen, da-
mit keiner im Lande bleibe. Obgleich die
vornehmsten hier gleichfalls Deisten sind, so
herrscht dennoch auch die Religion, der @Rami@
nebst einigen andern, und sind eine erstaunliche
Menge von Bonzen oder heydnischen Prie-
stern darinne anzutreffen. Das Christenthum
fand einen erstaunenden Eingang in diesem Lande, wo-
bey aber die Missionarien den wahren Geist des Christen-
thums auszubreiten, unterließen, und ihnen nur Ce-
remonien bekannt machten. Es gefiel ihnen auch daßel-
be beßer, weil dadurch die Furcht vor der Seelen-
Wanderung vertrieben wurde. Endlich wurde es ganz
ausgerottet. Das Land ist sehr bewohnt, und die
Landstraßen «¿¿»beständig und zwar wegen des großen
Gefolges ihrer Großen, die oft 300. Mann

/|P_557

/bey sich führen, voll Menschen. Des Lama Abkunft
erstrecket sich von allen Fumilien am weitesten
in das Alter hinaus, und gehet in descend<ent>aler
Abkunft 500. Iahr vor Christi Geburth herauf.
Was den Character der Einwohner dieses Lan-
des betrift, so sind sie zwar nicht so betrüge-
risch, als die Chineser, aber im hochsten Gradt
hartnäckigt, wodurch sie zwar zu guten Soldaten
gebildet werden, aber auch sehr schwehr zu re-
gieren sind.

/ ≥ §_110. ≤

/Das Reich Indostan hat einen großen Umfang,
und mit denen Staats-Veränderungen in
Europa einen großen Zusammenhang; Es
ist sehr volckreich, und da es überhaupt an
einigen Orten, unter der Zona torrida, an
andern Orten aber unter der temperirten Zone
liegt, so bringet es fast alle Producte hervor,
die Europa, Asien und Africa zerstreuet
liefern. Ihre Einwohner sind gelb im Gesicht,

/ welches

/|P_558

/welches in der Bildung dem Europaeischem
ganz gleich ist, sehr sanftmüthig, welches
auch die Ursache ist, weswegen alle erdenck-
liche Nationen daselbst angetreffen und von
den Tartarn so leicht unter das Ioch gebracht
werden. Sie sind redlicher als die Chineser,
sehr fleißig und arbeitsam in ihren Ver-
richtungen, sonst aber sehr schlechte Helden,
und ist besonders die Furcht vor dem Schieß-
Gewehr, wie fast bey allen orientalischen Völ-
ckern, unauslöschlich. Es ist auch eine ganz
reine Raçe, weil es die Religion verbietet,
sich mit andern Völckern zu vermischen, diese
aber gleichwohl, ohngeachtet der Verschiedenheit
der Religion gerne dulten, weil sie die-
selbe alle für wahr, und nur für verschie-
dene Methoden Gott zu dienen, halten,
die aber gewißen Völckern eigen sind. Es
herrschet bey ihnen die Braminsche Religion,

/|P_559

/deren Fundamental-Begriffe zwar rein, aber
mit vielem Aberglauben vermischt sind. Sie
statuiren 3. obere Wesen, den Brama, oder
den Schöpfer, welcher den Priester nebst dem
heiligem Buche und einem melancholischen Tem-
peramente, den Handtwerker mit einem Beutel
und sanguinischem Temperamente, den Kauf-
Mann mit einem phlegmatischem Temperamente, {2- *1 -2}
im Anfange auf die Wellt gesezet, die
aber nachgehends ihre Temperamente gemißbraucht.
Den Wischna [[Wischnu]] oder Regierer und den Rudiren
als Zerstöhrer der Wellt, die aber von einem
einzigen Uhrwesen abstammen, welches
auch mit der Mythologie der Griechen und
Römer übereinzustimmen scheinet. Ferner
glauben sie 4. Wellt_Epochen, und diese
wiederum in verschiedene Abschnitte eingetheilet,
an deren Ende der Wischna [[Wischnu]] in verschiedenen
Gestallten erscheinet. Ferner daß die Wellt
durch die Luft, Waßer und Erde schon zerstöhrt,

/ mithin ~

/|P_559R

/{2- * %und denn
einen Sol-
daten mit
einem De-
gen und
cholerischen
Temperament, -2} ~

/|P_560

/Mithin 3. Epochen schon vorbey, und wir im
9ten Abschnitte der 4ten leben, wo alsdenn die
Wellt durch Feuer zerstöhret, und die Seelen
in den Schoß Gottes, nachdem sie viele
Leiber durchwandert, versammlet würden.
Merckwürdig ist es, daß jederzeit alle
Nationen nahe am Ende der Wellt zu seyn,
geglaubet haben, weil ihnen die Menschliche
Natur die höchste Stuffe des Verderbens
erreichet zu haben schien, welches der gerechte
Uhrheber nicht würde leyden können. Die
Indianer sind schwehr zu bekehren, welches
Man überhaupt bey allen Völckern, die heilige
Bücher haben, antrift, deren Autoritaet die
gemeinen Leuthe nicht examiniren können.
Sonst sind bey Ihnen auch die Bußen heilig
und weit schmerzhafter, als in Europa.
Dieses Land wird von einem Mogul regie-
ret, der aber nur ein Schatten von den vorigen
Regenten ist, nachdem Schach Nadyr den

/|P_561

/Schatz dieses Reiches, welches der größte in
der ganzen Wellt war, und auch den kost-
bahren mit Edelgesteinen, die die ihm
natürliche Farben hatten, besetzten Pfau, ent-
hielt, geplündert, und Delly zerstöhret war,
indem die Gouverneurs in denen Provinzen
Mächtiger sind, als er selbst, und «er» dadurch
das Landt, daß jeder dem Mogul beyzu-
stehen, vorgiebt, verwüstet wird. Die
Engellaender haben ein Comptoir daselbst,
welches auch die Regierung, aber die grau-
samste von der Welt führet, welches
bey allen geschiehet, wo viele ein Regiment
zertheilet führen, indem einer die Schuld
des {2- Uebels -2} auf den Andern schieben kann,
und die Ehre eines guten Regiments ge-
theilet ist, da sie denn auf nichts, als den
Eigennuz bedacht seyn, besonders wenn es
Kaufleuthe sind. Ia es ist gar kein Zweifel
übrig, daß wenn die Milde Englische

/ Regierung

/δLage_VVV

/|P_562

/Regierung daselbst eingeführet würde, sich
ihnen alle Indianer mit der größten Freude
unterwerfen würden. - Die Monatten allein
sind die wahre Raçe derer Indianer
Unter andern Provinzen, die zu China gehören,
ist das Land der Seicks zu mercken, welche
nur dem Deismo ergeben sind, und von
einem Collegio von vielen Mitgliedern
regieret werden, auch alle Monarchische Gewalt
verabscheuen, woraus denn die Meynung
dererjenigen wiederleget wird, welche glauben,
daß das heiße Clima, keiner andern, als
der Monarchischen Regierung fähig ist.

/ ≥ §_111. ≤

/Das {2- Land -2} Tunking wird von einem Chan oder
Könige, welcher aber nur, als ein Götzenbild
zu consideriren, und den Leuten nur bis-
weilen vorgezeiget wird, besonders aber von
ihren Generalen regieret. Die Einwohner sind
redlicher als die Chineser, dabey aber erstaun- 

/|P_563

/lich arm, sonst aber den Chinesern in allem ähnlich.
Der vornehmste«¿» Artikel des Handels, der
von denen Holländern daselbst getrieben
wird, ist die Seiden_Manufactur und
um diese zu befördern, gehen die Hollän-
der mit denen Landesweibern, auf eine
Zeitlang, Pacto einer Ehe ein, wodurch sie
denn Gelegenheit bekommen, über die
Arbeiter zu inspiciren.

/ ≥ §_112. ≤

/Persien ist ein Landt, welches gar keine schif-
bahre Flüße hat, die zwar eine breite Ober-
fläche, aber keine Tiefe haben, dahero sie
hernach öfters im Sande versiegen. Weil
es überdem durch große Sandtwüsten
von einander getrennet wird; so wird auch
dieses Landt von sehr vielen kleinen
Fürsten regieret. Die Nation wird in die
alte Parses, und die Neue Persianer ein- 

/ getheilet

/|P_564

/getheilet. Was die ersteren betrift, so ist ihre Religion
sehr alt, und von der Zeit des Darius_Hystacpis
bis auf uns gebracht. Das vornehmste, was sie
verehren, ist das heilige Feuer, vermuthlich, weil
es wegen seiner Reinigkeit, das göttliche Wesen
vorstellen soll, und wird in Backu, durch das
Naphta unterhalten. Es kommt diese Gewohn-
heit der Römischen, da sie vestalische Iungfern
hielten, um das Feuer zu verwahren, sehr
nahe, und scheinen beyde eine sehr ver-
nünftige Sache zum Grunde zu haben - 
wie überhaupt alle Gewohnheiten, im Anfange
vernünftig seyn, die aber hernach mit vielem
Aberglauben untermischet werden - das Feuer,
welches zur Nahrung nothwendig ist, bekommen
wir entweder durch FeuerZeuge, wie bey uns,
oder durch das Reiben zweyer Hölzer aneinander,
wie bey denen Wilden. Da nun die erste
Methode denen alten unbekannt war, die lezte
aber viele Schwürigkeiten macht, wie denn auch
überhaupt die Europäer {2- <fast gar nicht> -2} damit nicht recht zurechte

/|P_565

/kommen können; so ist es sehr wahrscheinlich,
daß zum Vortheile der Armen, ein bestän-
diges Feuer unterhalten wurde, und zur Auf-
rechthaltung deßelben, Frauenspersohnen be-
stellet wurden, die, damit das Feuer nicht
ausgehen möchte, vom unkeuschen Leben, ab-
strahiren mußten, weil sie nehmlich dadurch
von der fleißigen Unterhaltung deßelben
abgehalten werden konnten, welches nachgehends,
als die FeuerZeuge erfunden wurden,
unnüze war, so, wie vormahls die Nacht-
wächter wegen Mangel der öffentlichen
Uhren, und da nur die Sandt- und Waßer-
Uhren bekannt waren {2- * -2}, jezt aber eine leere
und unnüze Gewohnheit ist, «nüzliche Leuthe
waren,». Ihr heiliges Zenda_Westa, ist eben so,
als ihre Religion, und in der SPrache Zend
geschrieben, so, wie denn in Persien 3.
SPrachen sind: 2. todte und 1. lebendige.

/ Sie ~

/|P_565R

/{2- * nützliche
Leute waren -2} ~

/|P_566

/Sie statuiren 2. gleich mächtige Urwesen, einen
guten und einen bösen Gott, welchen leztern
sie Arimad [[Ahriman]] nennen, und vermuthlich von
dem deutschen Worthe Arge_Mann herkommt,
wie denn sehr viele Wörter in dieser,
und selbst in der lateinischen SPrache, aus
dieser {2- <der deutschen> -2} hergenommen sind, welche vormahls
die Celtische hieß, wo das Wort Vesta
von fest, herkommt, weil die Erde, davon
sie eine Göttin ist, fest ist. Die heutigen
Perser, sind nach ihrem National_Character
betrachtet, in Absicht der orientalischen Völcker,
das, was die Franzosen, bey den occidenta-
lischen sind, welche den scherzhaften Umgang
und alles, was schön ist, eingeführt haben,
und durch ihr lustiges Temperament, die
andern Nationen aus dem rohen Zustande
heraus gerißen haben. Sie sind leichtsinnig
in der Religion und ihre SPrache klinget

/|P_567

/angenehm, sehr satyrisch in Auslegungen,
und scherzen sinnreich. Man findet zwar
bey ihnen, nicht schöne Gesichter, aber einen
schönen Wuchß, welcher der Mäßigkeit und
Arbeitsamkeit, welche fast alle Völckern
eigen ist, und von den Europaeern, die
nehmlich im Stande sind commode zu leben,
verabsäumet wird, herrühret, da es doch
scheinet, daß die Geschmacksdrüsen im An-
fange so beschaffen zu seyn scheinen, daß
sie, wenn ihnen das Eßen nicht mehr schmeckt,
auch den Menschen zwingen vom Eßen abzu-
stehen, welche aber nachgehends durch den
Reitz, den man den SPeißen giebet, ver-
dorben werden. Die Religion der Neuern
Perser ist die Mahometanische, welche sie
aber nach Auslegung des Ali statuiren,
da im Gegentheile die Türken dem Omar
folgen, dahero unter diesen Völckern
der größte Religions-Haß in der ganzen

/ Wellt

/|P_568

/Wellt statt findet.

/ ≥ §_113. ≤

/Um alle Türkische Länder zusammen zu faßen,
so ist zu merken, daß sie keine außerordent-
liche Produckte als die andern Länder liefern
und besonders Seide und Cameel_Haar im
Überfluße haben. Die Einwohner sind
stolz, verwegen, melancholisch und im höchsten
Grade Plump. Arabien ist unter ihnen,
das Merkwürdigste, und wird in 3. Theile ge-
theilet, in das wüste Arabien, welches
große Sandwüsten enthält, worinen
doch zuweilen große Bäume anzutreffen sind.
Denn in das Hedschas, welches am rothen
Meere lieget, und die beyden Stadte
Meka und Medina in sich faßet, und
in das Land {2- Yemen -2}, wo die Levantsche
Coffee-Bohnen wachßen. Die Beduinen,
ein Volck in Arabien, führen eins, der
glücklichsten Leben, weil sie ganz sorgloß

/|P_569

/sind, in Zelten wohnen, und von einem Orte
zum andern reyßen, worinnen sie sehr mit
den Völckern, die in den Russischen Steppen
wohnen, übereinkommen, die sehr gastfrey sind,
wie man solches bey allen Völckern an-
trift, die arm sind, und bey denen reichen
bestehet die Gastfreyheit nur in der Höflich-
keit; sie bestehlen auch gerne die Reisenden
unter dem Vorwande, daß bey der Theilung
Abrahams, der Ismael, deßen Descendenten
sie wären, zu kurz gekommen sey, wobey
sie ihnen aber dennoch das nöthigste, nebst dem
Leben laßen. Ihre Religion ist die Maho-
metanische und einige der größten Haupt-
Stöcke dieser Religion sind: die Wallfar-
then nach Mecka und Medina, wohin alle
Mahometaner jährlich 1. Mahl, in 3. großen
Caravanen reyßen, welche erstere alle Perser,
Indostaner p die andere alle aus denen Türckischen

/ Provinzen

/δLage_WWW

/|P_570

/Provinzen, die dritte aber aus Marocco, Egypten
und ganz Africa aufnimmt.

/Das Heiligthum, welches sie verehren, ist
das viereckigte Gebäude, welches ein ordentli-
cher Cubus ist, nicht größer, als eine Mittel-
mäßige Stube, und mit schwarzem Samet
und Damast bedecket ist, Cuba genannt wird,
und den schwarzen Stein, den alle Maho-
metaner küßen müßen, enthält, und
der heilige Brunnen, welches derjenige
seyn soll, den der Engel der Hagar wieß,
als sie vom Durst geplaget wurde, und
von diesem müßen alle Mahometaner
trinken. Beyde umgiebt eine Gallerie,
wo die Andächtige zur Zeit des Regens,
untertretten können. Es ist dieses Mecka
auch zugleich der Augenpunkt der Mahume-
taner, nach welcher Gegendt sie Nehmlich ihr
Gesicht «wenden,» während dem Beten kehren
müßen. Der heilige Brunnen heißt Zenzem.

/|P_571

/Annotat I. In denen Deutschen scheinet doch, was gro-
ßes zu stecken, maaßen die 3. berühmtesten Völcker
von ihnen herstammen. Die Franzosen von denen Fran-
cken, die Engelländer von denen Dänen, Norwegern
und Sachßen, und denn Italien von denen
deutschen Völckern, die Italien im 5ten Seculo und
denen folgenden Iahrhunderten überschwemmeten.

/Annotat. II. Was die Völcker zwischen dem Schwar-
zen und Caspischem Meere anbetrift, so sind es
Reste von allerley Nationen, als Georgiern,
Armeniern, Circassiern, die alle verschiedene
SPrachen haben, auch haben wir diesen Län-
dern vermuthlich die Erfindung des Acker-
baues zuzueignen, weil es vermuthlich von
den Deutschen geschehen, diese aber vormahls
am Damm wohnten. Die Steppe Narba
jenseits des Strohms, ist sehr fruchtbahr,
und wird von denen nach Syberien relegirten
Gefangenen bebauet. In Syberien ist es sehr kalt,
dahero sie auch kein Obst, keine Bienen haben,

/ auch

/|P_572

/auch wollen daselbst die Bäume nicht wohl
fortkommen, weil, wenn man gleich, im hei-
ßesten Sommer gräbt, dennoch in einer Tiefe
von 3. Fuß gefrohrne Erde findet, und die
Bäume also, nicht tief genung Wurzeln schla-
gen können. Es ist ein Orth, wohinn die
Rußischen Gefangenen gebracht werden, die,
indem sie ihrem Schicksal überlaßen seyn,
der Republick nicht schaden, sondern durch ihr
Anbauen nüzen, aber ihr auch nicht ausweichen
können, weil sie von der einen Seite Ruß-
landt selbst, von der andern Kirgiesen, eine
über alle Maaßen räuberische Nation vor sich
finden. Dieses Syberien hat aber Bergwercke,
unter welchen besonders die Althausischen Gebürge ge-
hören, welche denen Rußen, vieles aber schlechtes
Eißen, feines Kupfer, auch oft Silber liefern.
Was die in dieser Gegendt befindliche Mongalen
betrift, so bauen selbige keinen Acker. Die

/|P_573

/Die Tungusen ziehen das<2> Vieh<3> nicht<1> «selbst», son-
dern schwärmen herum, und sagen im Fluche
untereinander: Daß du magst das Vieh magst selbst
ziehen, wie ein Tarter, und dieser
Daß du den Acker magst bauen, wie ein
Ruße, und dieser vielleicht: Daß du magst
beym Weber-Stuhle sizen wie ein Deutscher,
und lezterer: Daß du magst auf dem Meer
fahren, wie ein Holländer; und überhaupt
richtet sich die Art des Fluches, beständig
nach der Arbeit, die einem Volcke ohnan-
ständig vorkommt. Es sind auch die Tun-
gusen sehr stolz, wie solches alle faule
Nationen sind. Was endlich die Calmuken
sammt denen Mongalen anbetrift; so leben
selbige von Pferdten, und die Bucharen
und die Tartarn von Usbeck aber von der Hand-
lung und vom Ackerbau.

/ ≥ §_114. ≤

/Was die Asiatischen Innseln anbetrift, so sind

/ die

/|P_574

/die grösten von ihnen

/I.) Die Innsel Ceylon; ihre Einwohner scheinen
von denen Malabaren und Arabern abzu-
stammen, haben auch eine so kleine und
eingedruckte Nase, als leztere.

/Auf ihr ist der Berg Pico_d'Adam, worauf
sehr viele Klöster und auf der SPize ein
menschlicher Fußstapfen im Felsen befindlich,
welchen sie vor einen Tritt des Vischnu
halten, und nicht nach der Europaer Meynung
für des Adams. Sie ist sehr fruchtbahr,
wenn sie aber auch zugleich an einigen Orten
waldigt und sumpfigt ist, so ist sie auch
ungesund. Auf ihr wächßet der Talipat und
Caneelbaum, von denen der erste Blätter hat,
die zwar groß, aber in Falten geleget seyn, so
daß eines von ihnen, wider allen Regen schüzet,
und zwey von ihnen; ein Zelt formiren. Der leztere
aber ist ein Monopolium der Holländer, und von

/|P_575

/dem ersten Baum, werden die Blätter, in Strie-
men geschnitten, zu Schriften gebrauchet.

/II.) Die Maldivischen Innseln. Diese sehen,
als 13. Trauben aus, und enthalten ohngefehr 4.000.
Innseln %und haben nur 2 Zugänge, woher sie
auch nebst ihrer Armuth sie vor den Anfällen der
Feinde gesichert sind, sonst sind ihre Ein-
wohner stolz, und lieben den Rangstreit.

/III.) Die Philippinischen dienen blos zur Waaren¥
Niederlaage, der Waaren, die von China nach
America transportiret werden.

/IV.) Die Insul Sumatra, welche denen Euro-
paeern, wenig bekannt ist, und an der SPitze
des Königreichs Achen, welches aber nur eine
Stadt, die volckreich und ein kleines Territorium
besizet, enthält. Die Forti auf ihr, sind wegen
der ungesunden Luft verlaßen. Der Handel
dahinn betrift Goldstaub und Pfeffer. Sie
trennt die Straße Sunda, von der folgen-
den Innsel.

/ V.)

/|P_576

/V.) Die Insul Iawa. Ihr Keyßer hällt eine
Leibwacht von vielen Weibern. Die Religion
Religion ist Mahometanisch und das Land
selbst, sehr volckreich, so, daß 30. Millionen
Menschen darinne leben sollen, ob sie gleich
noch einmahl so klein, wie Franckreich ist.
Allein es macht, daß in dieser Insel, und
in allen warmen Ländern, so viele Menschen
wohnen

/1.) daß niemahls Winter ist, und beständig
gesäet und geerndtet werden kann.

/2.) daß alle Wälder voller nahrhafter Ge-
wächße und das Land voller Vieh ist.

/3.) Weil die Einwohner mäßig seyn.

/Die Hauptstadt der Holländer darauf ist Bata-
via und der General-Gouverneur ein Bedien-
ter der Ost-Indischen Compagnie, von denen
einer, als er die Macht der General-Staaten
rühmen sollte, sagte: Er, der Knecht ihrer Knechte
ist ein König der Könige.

/|P_577

/VII.) Die Insel Borneo, welche die größte in
der ganzen Wellt zu seyn scheinet, und
rund ist. Auf ihr und den Philippinischen
Inseln findet man, welches merckwür-
dig ist, Negers.

/VIII.) Die Molucken, auf welchen die beyden
Gouvernements der Hollaender Amboina, wo-
rin die Kreidnägelchen und Bonda, worinne
die MußcatNuß-Bäume alleine wachßen,
zu mercken.

/ ≥ §_115. ≤

/Die Natürliche Gränze von Africa, welches be-
ständig ein Hinderniß wieder die Conversa-
tion derer Völcker seyn muß, kann nicht
das Mittelländische Meer seyn, weil das
Waßer den Zusammenhang derer Völcker
befördert, sondern die Sand-Wüste Saara.
Die Einwohner sind außer denen, so an
der Küste wohnen z. E. in Marocco, die
Nachkömmlinge der alten Mauren, seyn alle

/ Negers

/δLage_XXX

/|P_578

/Negers, unter denen die 3. berühmtesten Nati-
onen, die Jalows, Folys und Manlagor sind,
die nach ihrer Arth gesittete Völcker und
Mahometanischer Religion sind.

/Sonst sind alle Negers dem Stehlen und
dem Brandtwein sehr ergeben. Die
Küsten von Guinea sind: die ZahnKüste,
die Goldküste, die Pfeffer-Küste und die
Scklavenküste, die den Nahmen von den
Sclaven, womit der Handel getrieben wird,
bekommen hat; doch wird jezo nur die lezte
besuchet. Es werden nehmlich von diesen
Elenden, Iährlich fast 120.000 nach Americka
in die Plantagen geschickt, wo sie Mehrentheils
sehr grausam gehalten werden, und sich
dennoch etwas mehr, als ihre Landesleuthe
zu seyn, dünken. Weil nun ein Neger
den andern, wenn es auch sein Sohn,
Vater, vertrautester Freund und Anver- 

/|P_579

/wandte wäre, nicht trauen darf, daß er nicht
als Sklave für den Brandtwein verkaufe,
so gehen sie aus einander, und weil die Euro-
paeer mitten im Lande zu denen Negers,
wegen der unzugänglichen Wäldern, die ganz
in einander geflochten seyn, nicht kommen können,
so glaubt Rönnér [[Römer]], daß innerhalb 50. bis 60.
Jahren, ein gänzlicher Mangel von Negers seyn
werde und die Plantagen in Africa angelegt
werden müßen, da auch jezt schon ein wohl-
gewachsener Neger 2. bis 300. %Reichsthaler kostet,
die beym Verkaufen allerley Biegungen
machen müßen, um zu sehen, ob sie auch
fehlerhaft seyn. Ihre Religion ist die Amuleten
oder Fetismanen_Religion, die die Einwohner
Fötsch nennen - Fetismann sind Sachen, die am
Halse getragen werden und für alles Un-
glück schüzen - bestehet darinnen, daß einer
von ihnen Marbat«h»ts oder Priestern eine beliebige

/ Sache

/|P_580

/Sache einweyhet, bey denen sie hernach schwören;
etlichen SPeisen ihnen zu gefallen entsagen,
beständig bey sich tragen p, und scheinet die
älteste unter allen heydnischen Religionen
zu seyn. Sie haben auch einen Landes_Fötisch,
der mehrentheils ein Baum, und einen
vornehmsten Fötisch, der das Meer ist.

/ ≥ §_116. ≤

/Was die Länder der Caffern anbetrifft, so
sind die Nationen daselbst mehrentheils un-
bekannt und scheinen von denen Hottentotten
abzustammen. Diese sind das unschlachteste
Volck in der Wellt, und eine Race derer
Negers, bewohnen ein Landt, welches die Natur
sehr wohl versorget hat, haben Dörfer, die
aus Zelten bestehen, welche rund aussehen
und in einem Cirkel gestellet seyn. Sie
haben keinen Ober-Herren aber doch Älteste,
wißen fast von keinem Urwesen, doch

/|P_581

/haben sie Feste, die sie Andersmacken nennen,
welches Wort sie denen Holländern abgelehnet
haben müßen, halten ihre Weiber in der
größten Erniedrigung, die so oft sie sich
verändern, ein Gliedt vom Finger abschneiden
müßen. Sie bedienen sich der StreitOchsen
und Hunde zur Gegenwehr gegen die wilden
Thiere, die sie um ihre Dörfer stellen.
Haben eine Art von Beschneidung, wobey
sie den Knabens einen Testicul wegnehmen,
damit sie nicht Zwillinge erzeugen können.
Sie haben keinen Ekel vor dem Gestanck,
daher alles, was nur den Nahmen einer
Unflätherey verdienet, bey ihnen anzutreffen
ist.

/ ≥ §_117. ≤

/Die Insel Madagascar, ist mit eine von den
größten Innseln in der ganzen Wellt,
und noch wenig bekannt, indem sie von

/ denen

/|P_582

/denen Holländern nur der Negers wegen
besuchet wird, die aber zum SelbstMorde er-
staunend incliniren. Von diesen Völckern,
wie auch von einigen andern jenseit des
Ganges bemercket man, daß sie beym Hey-
rathen, wo nicht gerne sehen, doch gleich-
gültig sind, wenn ihre Bräute die Iungferschaft
verlohren haben.

/ ≥ §_118. ≤

/Abyssinien, wird von einem Könige beherscht,
der, wie das ganze Reich, mehrentheils Christ-
lich ist, und solches von vielen Iahrhunderten
her gewesen, gleichfalls dieser Religion
anhängt, wird aber sehr von denen
Mahometanern, welche von denen Egyptiern
her, Unterstüzung finden, eingeschränket.

/ ≥ §_119. ≤

/Egypten lieget zwischen der Sandwüste
Zaara und der großen Steinwüste, die

/|P_583

/Merckwürdigkeiten dieses Landes, machen die
großen Pyramiden mehrentheils aus, welche
eine 4.Eckigte Basis haben, und aus großen
Felsenstücken, die aus der Steinwüste ge-
brochen werden, bestehen, dabey es dennoch
wunderbahr ist, wie sie dieselben so hoch
haben heraufbringen können. Es lieget
darinnen vermuthlich ein König begraben,
und der Zugang zu ihr ist vermuthlich ver-
bothen gewesen, da man findet, daß
der Eingang zu der einen Pyramide
so gekrümmet und jederzeit mit großen
Steinen vermauert worden, dabey baldt
aufwärts, baldt niederwärts gebeuget ist,
daß einer von denen Califen mit der größ-
ten Mühe, nur eine von ihnen hat eröfnen
können, da man dann gefunden, daß in
der Mitte ein marmornes Gewölbe, in
welchem vermuthlich vorhero der %.Königliche Sarg

/ gewesen,

/|P_584

/gewesen, denn oben 2. Löcher und unten gleich-
falls eines. Dieser leztere Umstandt führet eine
fürchterliche Idée mit sich, denn allem Scheine
nach, werden der königlichen Leiche, vormahls
zur Gesellschaft 2. Menschen mit eingesperret seyn,
denen die oberen 2. Löcher zum Athem hohlen,
und das Eßen herunter zu laßen, das untere
aber um die Excrementa heraus zu laßen, dienen
müsten, wo sie ohne menschliche Gesellschaft, und
ohne Trost, jemahls des Tages Licht wieder zu sehen
verbleiben müsten. Ferner ist auch das Labyrinth
zu mercken, von welchem noch, bis 100. Stuben
zu sehen sind. Es ist aber von dem, auf der
Insul Creta weit unterschieden. Obgleich sich die
Türken bemühen, es ganz und gar auszu-
rotten, so gehet solches doch nicht an. Weil
man nun von Babel und Ninive keine
Stein mehr siehet, so müßens wohl nicht
so große Städte gewesen seyn, als man
gemeinhin glaubet. Es herrschet unter manchen

/|P_585

/Leuthen ein Kunststück, Schlangen, die ihre Zähne
und Gift noch bey sich führen, und dabey
recht böse sind, dergestalt, daß wenn sie
nahe an einen Hund oder anderes Thier gebracht
werden, dieses sogleich von dem Gifte schwillt
und stirbt, in der bloßen Handt frey und
ohnbeschädiget zu halten; ob sie nun gleich
vorgeben, daß solches von der Einweyhung
ihrer Priester herrühre; so lieget dennoch
wohl eine andere Ursache zum Grunde,
nehmlich: ein natürliches Mittel, wodurch
ie»ies giftige Thier, einen gewißen Abscheu
und Eckel vor dem Menschen bekommen,
so wie das arabische Kraut, vor jedem
giftigem Thiere sichern soll.

/ ≥ §_120. ≤

/Was die barbarische Küste betrift, so kommt
sie von dem Worte $barbaros$, oder die
auf dem Berge wohnen her. Die Regierung

/ wird

/δLage_YYY

/|P_586

/wird daselbst von einem Day, und ver-
schiedenen Bays geführet, welches erstere
Wort soviel als König, das leztere aber
soviel, als Gouverneur bedeutet; bestehet
nur aus Soldaten und ist ohngefehr zu
den Zeiten Carls_des_Vten von einem Um-
streicher
fundiret, der denen Maltheser-
Rittern zum Tort, Streifereyen auf dem
Meere anfieng, welche seine Nachfolger
auch fortsezten. In die Gegenden weiter
Land einwärts müßen noch viele Merck-
würdigkeiten anzutreffen seyn, Maaßen
die Einwohner daselbst vorgeben, als
wäre darinne eine Stadt mit Einwoh-
nern, Vieh und allem, was darinnen
ist, versteinert worden, und obgleich
der Englische Consul [[¿¿¿]], die Falschheit davon
entdeckte, indem auf sein instän-
diges Verlangen einen versteinerten Menschen
zu sehen, ein Cupido mit abgeschlagenen

/|P_587

/Flügeln praesentiret wurde; so muß diese
Stadt, wenigstens voll Bilder und antiqua-
rischen Seltenheiten voll seyn.

/ ≥ §_121. ≤

/Die Insel Bourbon, auf welcher der Coffée
häufig wächßet, und der dem Martiniqueschen
weit vorzuziehen ist. Man hat bey ihrer
Entdeckung zwar keine Menschen gefunden,
aber so viele Obelisquen und runde von
Thon verfertigte Säulen, die so hoch, als
die Kuppeln an der PfarrKirche in Paris,
daß man leicht unter ihnen verirren könnte,
welches also von der Menge der vorigen
Einwohner zeigen kann.

/Man findet auch an einigen Orten unter
diesen Inseln, daß sie vormahls Börnstein
gehabt haben, {2- *1 -2} und daß {2- es -2} ohnbegreiflich ist, wie
die alten solche erstaunliche Reyßen, mit
eben solcher Geschwindigkeit als jezo verrichten
konnten; so müßen selbige vermuthlich

/ unter ~

/|P_587R

/{2- *1 welchen
sie noth-
wendig aus
Preußen
müßen be-
kommen
haben -2} ~

/|P_588

/unter andern sich der Portage, da sie nehm-
lich das Kahn oder Fahrzeug von einem Fluße
zum andern trugen, wie es jezt noch starck
in Syberien gebräuchlich ist, bedienet haben.

/ ≥ §_122. ≤

/Die Insel l'Ascention ist eine von den
glücklichsten Inseln, welche vor den Einfällen
der Feinde gesichert seyn kann. Sie liegt
nehmlich auf einem großen Felsen, von
welchem man den Feind bey Tage «und Nacht»
weiter übersehen kann, als er des Nachts
mit der größten Geschwindigkeit seegeln
kann, mithin kann {2- *1 -2} übrigens den Zugang
zu ihr, da überdem nur Einer ist,
mit einer einzigen Canone oder großem
Steinen jedem Feinde @verhauen@, und da
überdem diese Insel an allem Noth-
dürftigem einen reichen Unterhalt besizt;
so dürfte leicht die Lust mit etlichen redlich
gesinnten auf dieses auf dieses Adam-  ~

/|P_588R

/{2- *1 «d»sie nicht
überrum-
pelt werden.
Man kann -2} ~

/|P_589

/sonschen Clion transportiret zu werden, bey einem
oder dem andern entstehen.

/ ≥ §_123. ≤

/America ist von den übrigen Welttheilen ganz
und gar, selbst durch seine Producte, die
unter demselben Clima verschieden sind, zu
unterscheiden, und wird in das Süd- und Nord-
America, die durch die Straße Panama
vereiniget werden, eingetheilet.

/ ≥ §_124. ≤

/In Süd_America sind folgende Länder merck-
würdig:

/1.) Terra_del_Fuogo, bestehet aus einer Menge
von Innseln, die von herumstreichenden
Nationen bewohnet werden, die sich von nichts
als Seevögeln und Fischen nähren können.

/2. Chili, seine Einwohner sind die tapfer-
sten und im höchsten Grade ohnempfindlich,
und sehr zum Aufruhr geneiget, und besizen
eine besondere Gabe ihre Decseins sehr geheim
zu halten, wodurch sie äußerst gefährlich werden.

/ Sie

/|P_590

/Sie haben die Gewohnheit, unter die Lippe ein Loch
zu schneiden, in welches sie einen grünen Stein einse-
zen, welcher von keinem andern Dinge in der
Natur, als von einem Diamanten angegriffen
werden kann, man bemercket von ihm, daß die
Einwohner z. E. von einem Rindskopf, denselben
haben können, woraus manche geschloßen haben,
daß er aus dem Schlamm, welcher in ihrer
Gegend ist, wenn er erhärtet wird, erzeugt
werde.

/III.) Peru, wird in den gebürgigten und Nie-
drigen Theil eingetheilet, in welchem ersterem
Lima und in anderem Quitto angetroffen wird,
welches leztere sehr kläglich aussiehet, so, daß
dieses Land Nie, von denen Europaeern be-
suchet wäre, wenn sie es von dieser Seite entriret
hätten. Es ist auch in dieser Gegend ein gro-
ßes Silberbergwerck, woraus seit 200. Jahren
Jährlich auf 20.000.000 Piasters nach Europa
transportiret werden.

/|P_591

/Von denen Chilianischen Einwohnern, ist die besondere
Arth, sich d«ie»er Pferde, die in die Wildniße
gelaufen, bey der Jagdt zu bedienen, welchen sie
denn ganz freyen Lauf laßen, nebst dem Ge-
brauche ihrer Schlingen, vermittelst welcher sie
jeden erhabenen Theil eines Menschen mit einer
besondern Geschwindigkeit zusammen schnühren
und nach sich ziehen können, zu merken.

/IV.) Paraguay, in welchem besonders die Cordil-
leren, große Gießbäche und beständige Regen
verursachen, daher es hier auch sehr schlimm
zu reyßen ist, maaßen man bey denen steilen
und scharfen Felsen, die von dem häufigem
Waßer ausgewaschen sind, sein Vertrauen
einzig und allein, auf die MaulEsel, welche
herunter glitschen, sezen muß.

/V.) Brasilien ist sehr, wegen der gesunden
Luft berühmt, weil daselbst ein immerwährender
Frühling und Sommer herrscht, und wird beson- 

/ ders

/|P_592

/ders zu den Zucker, Coffée und Tabacks_Plantagen,
wozu sie die Negers brauchen, und sehr grau-
sam halten, ohngefehr 15. Meilen Landeinwärts
employret. Die Ursache, warum sie die
Negers für so große Unkosten holen, und
nicht vielmehr die Americanische Unempfindlich-
keit, nach welcher sie so zu sagen, sich durch
nichts bändigen laßen, und welche durchgän-
gig bey ihnen an dem ganzen Amazonen_Fluß
angetroffen wird; ob nun gleich fast mehrere
Negers als Europaeer angetroffen werden,
und wegen ihrer Leichtsinnigkeit zu Empörungen
sehr fähig sind; so werden sie dennoch
durch die Härte der Strafen z. E. Wenn
ein Neger einen weißen nur schläget, so
wird er {2- schon -2} lebendig verbrannt - sowohl,
als auch, weil , {2- <wenn> -2} sie im Felde verspielen würden,
sie nirgends eine Zuflucht finden {2- würden> -2}, weil die
Americaner weit lieber einen Weißen als
Schwarzen leiden mögen, und dieselben ohnfehl- 

/|P_593

/bahr tödten würden. Dennoch schaffen sich sehr
viele durch den SelbstMordt aus der Wellt,
indem sie glauben, daß so baldt sie an einem
Orthe sterben, sie in ihrem Vaterlande wieder
auferstehen, wovon sie auch gar nicht abgebracht
werden können. Was die Galibes anbetrift,
so ist noch die Arth, wie sie ihren König wählen,
merkwürdig, welcher bey seiner Wahl, alle Ar-
ten der Schmerzen, Hunger, Geißeln pp mit der
größten Unempfindlichkeit aushalten müßen.

/VII. Das Missions-Landt. In welchem die Iesuiten
die Regierung führ«t»en; von den Wilden anbau-
en ließen, wozu sie ihnen zwar Ausspeißun-
gen reichten, ihnen aber nichts von der Erndte
gaben und überhaupt mit ihnen als mit Kin-
dern umgiengen, und obgleich sie dieselbe
mit der größten Mühe zu unterrichten suchten;
so blieben sie dennoch mehrentheils so einfältig
als vorher, {2- *1 -2} weil sie für die Zahl 3. schon eine
Bezeichnung mit 6. Sylben haben, wie man

/ denn ~

/|P_593R

/{2- *1 das Zählen
ist ihnen
beynahe un-
möglich, -2}

/δLage_ZZZ ~

/|P_594

/denn überhaupt bey ihnen, eine sehr langsilbige
SPrache entdecket, welches alles doch zeiget, daß
bey ihnen eine würcklich schlechtere Fähigkeit,
als bey andern rohen Menschen anzutreffen
sey.

/Was die MeerEnge Panama anbetrift, so
befinden sich daselbst sehr viele Albinos,
und in denen übrigen Provinzen Nationen,
die Menschen freßen, wie auch auf der
Insel Lucia die Caraiben, die jezt bis
auf eine kleine Zahl ausgerottet sind.
In Lima wird besonders ein sehr großer
Aufwandt und mehr Staat, als in Europa
getrieben, doch sind die Moden etwas verän-
dert, z. E. daß die Frauenzimmer Taback
rauchen. Havana ist das Rendez_voas von
allen Schiffen, die nach Europa gehen wollen,
und Barbados, welche den Holländern gehört,
unter den kleinen Inseln die beste.

/|P_595

/ ≥ §_125. ≤

/In Nordamerica sehen die Leute ziemlich ähnlich
aus, und Nennen sich im Frieden unterei-
nander Bruder. Ihre größte Tugend sezen sie in
die Tapferkeit und Ausübung der Rache, wenn
sie beleidiget worden, woher sie auch gleich anfangs
ihre Kinder zur Unempfindlichkeit gewöhnen,
wobey sie solches dennoch nur allein durch Ehre,
und nicht durch Gewalt erzwingen, sondern ih-
nen vielmehr völlige Freyheit laßen, welches doch
anzeiget, daß Kinder bey der ihnen nach gelaßener
Freyheit beßer, als gezwungen, gerathen. Ihr Arth
die Menschen zu eßen, ist folgende: Sie verzehren
keine todte Menschen, auch nicht mit großem ap-
petit, wie solches keine Nation thut, sondern
nur ihre Feinde, welche mit gewißen Solennitae-
ten geschlachtet werden. Wenn sie in den Krieg
gehen, so hauen sie ihre Äxte in einen Baum,
und tanzen um ihn herum, wodurch sie sich zu
Kriegen, obligiren, überfallen ihren Feind,

/ welches

/|P_596

/welches sie beständig thun, indem sie dazu
in ihrer Iugend gewiße Künste gelernet haben,
z. E. an einem trockenen Erdreiche die Fußstap-
fen eines Menschen zu erkennen, ob es eine
Frauens oder Manns_Persohn, und von welcher
Nation sie gewesen, p und sich zu ordentlichen
Treffen nicht bequemen wollen, und führen
diejenigen, die sie gefangen haben, gebunden
mit sich, die sie nachgehends bey ihrer Zurück-
kunft denen Weibern, die ihren Mann ver-
lohren, oder dem Vater, der seinen Sohn ver-
lohren, vorstellen, und wenn sie ihnen ge-
fallen, diese ihren mit Wampons besezten
Gürtel annehmen, und in ihre Nation recipi-
ren; wenn aber solches nicht geschiehet, biß
zu einem Tage, an welchem die Execution
vor sich gehet, wohlgehalten und denn an
einen Pfahl gebunden werden, an welchem
sie den zwar melancholischen aber hochtrabenden

/|P_597

/Todten_Gesang anstimmen müßen, und die
Freyheit haben, sich {2- <zuletzt> -2} mit Steinen, «zuletzt» die um
sie herum geleget werden, zu wehren, hierauf
quälet man sie ganz langsam, z. E. Man schlägt
ihnen Hölzer unter die Nägel, man hackt
ihnen das Fleisch in Stücken; das hernach auf-
gegeßen wird - zu Tode, {2- *1 -2} «gequählet», wobey
aber die Gefangenen nicht den geringsten Grad
der Empfindlichkeit bey Verlust ihrer Ehre äu-
ßern müßen, welches er auch nicht thun.

/Alle Nord-Americkaner spielen zwar in ihrer
Iugendt, sie werden aber von ihrem 20ten Iahre
an, sehr melancolisch, und ob sie zwar ihre
Frauen als Haus_Thiere ansehen, so ist ihnen
dennoch, weil sie mit am Kriege Antheil
nehmen, erlaubet, unter sich Rath zu halten,
ob der Krieg vor sich gehen soll oder nicht.
Sie haben keinen Obristen, sondern sind alle
unter sich gleich, wählen sich aber dennoch einen

/ Anführer. ~

/|P_597R

/{2- *1 wirft sie
in den Kriegs¥
Keßel, %und ver-
zehret sie, bloß
um die Fa-
milie zu rä-
chen, -2} ~

/|P_598

/Anführer. Der Mord wird unter ihnen gar nicht
bestraft, aber auch selten begangen, weil
alsdenn des erschlagenen Familie, so lange
machiniret, bis der Todtschläger gleichfalls
ins Reich der Todten wandern muß. Die Ne-
gers verfallen jezt, auf eine Arth der Tap-
ferkeit, wobey sie um Sieges_Zeichen zu er-
langen, erschröckliche Verwüstungen anrichten.
Sonst aber bemercket Man überhaupt, daß sich
die Wilden unter einander sehr ähnlich sind,
welcher Umstandt die Original-Triebe derer
Menschen, einiger Maaßen entdecken könnte.
Ihre Freundschaft ist weit enthusiastischer,
als die Europaeische und sie hegen beson-
ders gegen den Diebstahl einen sehr großen
Abscheu; wobey Man dennoch bemercket, daß
sie keinen am Leben strafen, sondern
nach der Größe des Verbrechens, baldt mit Abnehmung
einzelner Finger, bald der ganzen Hand den- 

/|P_599

/selben bestrafen. Man lebt unter ihnen, wie auch
unter allen räuberischen Nationen sicher, weil sie
ihre Raubbegierde nur auswärts zu befriedigen
suchen, dabey die innere Ruhe doch erhalten wird.
Es äußern auch die Einwohner von Nordamerica
unter allen Americanern den größten Verstandt.
Das FriedensZeichen bey ihnen ist, eine mit Laub
umwundne Pfeife, welche in der ganzen Gesell-
schaft herumgetragen wird, und das Callmuth
heißet. Ihr größter Reichthum bestehet, in
Thier und Biber-Fellen, wovor sie wieder
einen Keßel, ein Schießgewehr, Meßer, Hem-
de, Brandtwein, Zinnober, Schmincke,
SPiegel, und ein Brenn-Glas einzutauschen
suchen. Die Einwohner dieser Länder, näh-
ren sich von Mais oder Türckischem Weizen,
und denn von der Iagdt. Weil aber zur
Iägerey ein weitläuftiges Territorium erfor-
dert wird, dieses die Europaeer, nach

/ und

/|P_600

/und nach einnehmen und dadurch schmälern,
ferner auch den dasigen Einwohnern den
Brandtwein kennen gelehret, welchen sie
so starck saufen, daß sie sich beym völli-
gen Überfluße, ohnfehlbahr den Todt zu-
ziehen würden, und sie also dadurch
zur Iägerey ungeschickt gemacht werden,
hiernächst die Kinderpocken eingeführet;
so kann man sicherlich behaupten, daß die
Einwohner von Europa, den Nordamerika-
nern wenigstens zum Unglück hingekom-
men, und daß diese Nation mit der
Zeit ausgehen werden, da die Frauensper-
sohnen die Kinder noch säugen, wenn sie
schon groß sind, und sie in der Zeit gar
keine Kinder gebähren können.

/ ≥ §_126. ≤

/Nordtwärts vom Laurentz-Strohm, wohnen
die Esquimaux, welche die Franzosen, als eine
grausame, trozige und halsstarrige, die

/|P_601

/Engelländer aber, als eine sehr milde Nation
beschreiben. Es ist aber auch ganz natürlich,
daß das Betragen dieser Völcker, sich beständig
nach der Aufführung richten werden. Ihr Unter-
halt ist sehr kümmerlich, weil sie von nichts
als der Iagdt leben, und um sich vor
dem Hunger zu erwehren, oft etliche 100.
Meilen in dem größten Froßte reyßen müßen;
sie haben auch keine Cabanen, dahero sie ihre
ganze Familien {2- mit -2} auf die Iagdt nehmen,
und wenn eine oder die andere Persohn
von ihnen nicht fortkommen kann, so ist
die Beraubung des Lebens, ihr größter
Trost. Die Arth durch angesteckten Schwefel die
Gesinnung eines Frauenzimmers zu erfah-
ren, ob sie eine MannsPersohn haben wolle
oder nicht, welcher dieses Minerale vor ihrem
Bette hält, ist zu mercken, das Auslöschen

/ dieses

/δLage_AAAA

/|P_602

/dieses Schwefellichtes, wird für ein Zeichen der Wohl-
gewogenheit gehalten.

/ ≥ §_127. ≤

/Die Groenlaender sind von kleiner Statur und haben
schwarze Haare, worinnen sie mit denen Indianern
übereinkommen. Sie nähren sich von lauter Fischen,
und besonders vom SeehundsFleisch, und man findet
bey ihnen überhaupt einen größern Grad der Hize in
ihrem Blut, dahero einige von ihnen in einer
Cabane beysammen bey dem größesten Frost, eine
solche Hize hervorbringen, daß der Schweiß aus-
bricht, welches vielleicht von der Fettigkeit des See-
hundsfleisches herkommen mag, da nehmlich das
Öhl, das Austrocknen verhindert, welches sonst
die Kälte hervorbringet. Dieses hat man daraus
gesehen, daß ein Barometer in den Wind ge-
sezet, wenn es vorhero befeuchtet und inwendig
mit Waßer gefüllet worden, dieses Waßer
gefallen. Diese Nation hat vorhero ohne Salz
gelebet, hat kein Graß, außer dem sehr wenigen
was auf den alten Mauren der Kirchen wächßt,

/|P_603

/welches auf die Vermuthung bringt, daß dieses
Landt vorhero sehr bewohnet gewesen seyn muß - 
und einen sehr beträchtlichen Articel ihres Handels
ausmachet. Ihre Cabanen haben kein schräges Dach,
und sind deswegen, weil sie nur mit Rasen
bedecket werden, dem Regen sehr ausgesezet.
Ihre Mannsböthe heißen Kajacken und haben eine
ziemliche Länge; um dieselben spannen sie ein
Seehundsfell, so, daß nur der Kopf hervor-
ragen kann, damit kein Waßer hineindringen
möge, welches sie vermittelst eines Riemens statt
des Ruders regieren, und weil es wegen der
Structur des Kahnes nothwendig ist, daß die
Kajacke zuweilen umschlägt; so werden bey ihnen
viele Kunstgriffe erfordert, um sich vermit-
telst des Riemens wieder empor zu schwingen,
und man bemercket, daß das Zuschauen einer
solchen Noth, bey denen Einwohnern ein Lachen
erwecket, welches anzeiget, wie die Menschen, die
beständig in Gefahr sind, kein Mitleyden

/ haben

/|P_604

/haben. Sie empfinden keinen Eckel vor dem
Gestanck, und da das Frauenzimmer, im
wilden Zustande, als ein Hausthier angesehen,
im verfeinerten {2- <%und gesitteten Leben> -2} aber sehr hoch gehal-
ten wird, so, daß es sogar Befehle erthei-
len kann, da doch nach der Natur, schon
Fähigkeiten in ihnen liegen, die nur
nach dem verfeinerten Geschmack in ihnen ent-
wickelt werden: so könnte dieses zum Nach-
denken, über den Unterschied dieser beyden
Gattungen von Zuständen anreizen. Die
Grönländischen Weiber haben gleichfalls Kähne,
die aber von denen Mannsböthen ganz
unterschieden sind. Ihr Holz, welches sie aus
dem Waßer bekommen, brauchen sie zu
den Cabanen, Cajacken, zum Brennen aber
brauchen sie SeehundsFett und dürres Mooß,
wovon sie eine Arth Lauge machen, indem
sie die @vermengte@ Materien in den Topf- 

/|P_605

/Stein werfen, welches ein sehr weicher Stein
ist, und ihnen statt des Keßels,
dienet.

/δSchnörkel

/δRest_leer

/δEnde_Ms


Datum: 25.06.2009 / 03.02.2016