|B_Pillau_(1784)_
Akademie-Archiv, Berlin: NL.-Kant Nr. 16
Fassung vom: 23. Januar 2006 / 28.09.2007 /23.07.2008 / 20.06.2011 / 21.02.2014 / 28.10.2015

Grauer Text: übereinstimmend mit Holstein
Braune Schrift: übereinstimmend mit Kaehler
Grüne Schrift: übereinstimmend mit Messina

Knopf

/|P_0

/ ≥ Collegium
/Physico Geographicum
/explicatum
/a
/P: Immanuel Kant.
/Regiomonti
/a: 1784. ≤

/|P_0' δleer

/|P_1

/ ≥ Vorbereitung
zum rechten Begriffe dieser Wissenschaft

/Bey allen unsern Erkenntnissen müssen wir zuförderst auf die Quellen
und den Ursprung, nachgehends aber auf den Plan der Ordnung oder auf
die Form, wie diese Erkenntnisse geordnet werden, attendiren, denn
sonst sind wir nicht im Stande, uns im vorkommenden Fall auf dieselbe
zu besinnen, oder wenn etwa dieses sich zutragen möchte, nicht alsdenn
wenn dieselbe uns nöthig wäre. Wir müssen sie also gleichsam in Fächern,
noch eher als wir sie selbst verlangen, eintheilen. Was die Quellen un-
serer Erkenntnisse anbetrift, so sind solches die Erfahrungen, die hernach
selbst die Vernunft instruiren,
so wie aber in der Welt die beyden Prin-
cipia, Natur und Freyheit sind, so werden wir auch über Beyde Betrach-
tungen anstellen können. Wir können allso die Erfahrungen, die aus
der erstern entlehnt sind Erfahrungen der Natur, wohin die Lage der
Berge, Flüsse etct: gehöret; die sich über die Freyheit extendiren aber,
Beobachtungen über das Menschliche Geschlecht nennen; wohin wir
die Erbauung der Städte, Entstehungen der Staaten pp rechnen. Von
den Beobachtungen über das menschliche Geschlecht, können wir kei-
nen Plan haben, weil sie sich beständig verändern; dieses geht aber,
bey den Beobachtungen der Natur an, weil selbige sich niemahls ver-
ändert. Da wir nun sehr wenige Beobachtungen am Himmel anstel- 

/ len

/δLage_A

/|P_2

/len können; so werden unsere Beobachtungen der Natur, nur die Beobach-
tungen unserer Erde ausmachen.

/Wenn wir nun alles dasjenige, was Erfahrungen in sich enthält, Historie
nennen, so werden sich 2 Theile derselben gedencken lassen.

/<Beschreibungen> a) Die Geschichte desjenigen, welches zu einer und eben derselben Zeit ge-
schiehet, dies ist die Geographie, welches nach den verschiedenen Gegenstän-
den, wovon sie handelt, bald die physische, moralische, bald die Geographie
der Gelehrsamkeit genennet wird.

/<Erzählungen> b Die Geschichte desjenigen, welches zu verschiedenen Zeiten geschehen,
welches die eigentliche Historie ist, und nichts anders als eine continuation
der Geographie ist, daher es zu der größten Unvollständigkeit der Historie
gereichet, wenn man nicht weiß an welchem Orte eine Sache geschehen ist.
Weil nun die Beobachtungen über die Natur sehr unterhaltend sind, so wä-
re es bey der Erziehung der Kinder sehr zu empfehlen. Ihnen dieselbe zu-
erst beyzubringen.

/Der Innbegriff aller Gegenstände der Erfahrung ist Erde. Da nun
alle Erkenntniß pragmatisch ist, wenn sie den Stoff zur Ausübung ent-
hält; so ist alle Erfahrung nur so fern pragmatisch, insofern wir in Ge-
meinschaft damit stehen, und also in so fern sie die Gegenstände der Erde
begreift. Unmittelbar pragmatisch kann nicht eine Beschreibung von
der Sonne seyn, weil sie zwar auf die Erde Einflüße hat, wir aber nicht
in sie einfließen können: Sie kann aber pragmatisch seyn, in so fern
wir Gebrauch und Nutzen davon machen können. Die Erkenntniß al- 

/ so

/|P_3

/so die aus der Erfahrung pragmatisch seyn soll, muß von der Erde seyn, in so
fern die Dinge zugleich geschehen.

/Der Innbegriff aller Beschreibungen, ist die Erdbeschreibung. Den Mangel
unserer Erfahrungen können wir aber dadurch nicht ersetzen, daß wir Nach-
richten von Begebenheiten zu verschiedenen Zeiten erhalten, und das sind
die Erzählungen und der Inbegriff derselben ist die Geschichte. Diese ver-
setzet uns in alle Zeitalter, jene die Beschreibungen in alle Länder,
als ob wir allgegenwärtig wären. Sie ist von der Zeit da die Kunst zu
schreiben erfunden. Die Geschichte enthält also Begebenheiten in so fern
sie aufeinander folgen, und die Beschaffenheit der Dinge so fern sie in ei-
ner Zeit zugleich sind, heißt Beschreibung.

/Anmerkung. Man will die Natur-Beschreibung, Natur-Geschichte nen-
nen, aber das ist falsch. Von der Natur-Geschichte ist viel geredet; es ist aber
eine Sache die noch erfunden werden soll und die unter der Natur das
Schwerste, die aber auch das angenehmste ist. Die NaturBeschreibung ist
aber leicht. Die Natur-Geschichte z. E. vom Thierreich würde allso zeigen
müssen, wie es mit Ihnen zugegangen und was sie vor Veränderungen
erlitten. Die Geschichte der Menschen kann man allenfalls aus Büchern
lernen; dies aber gehet nicht an in der Geschichte von Thieren, da findet nur
Muthmaßung statt. Die Geographie und Geschichte sind also Hülfs-Quel-
len, wodurch wir den Mangel unserer Erfahrungen erweitern. Wir kön-
nen aber unterscheiden die alte und neue Beschreibung, denn da das

/ was

/|P_4

/was zugleich ist entweder gegenwärtig oder vergangen zugleich seyn kann,
so haben wir auch eine alte und neue Geographie. Die Oerter haben gantz
andere Nahmen als in den alten Zeiten. Die alte Geschichte kann nicht
ohne alte Geographie und die Neue nicht ohne neue Geographie verstan-
den werden. Die Geographie ist die Basis aller Geschichte. Die Geschichte
ist nichts anders als eine geographische Beschreibung im Fortgange der Zeit,
die zum Begriffe unserer Wissenschaft viel beyträgt. Man pflegt ent-
gegen zu setzen, Schul und Welt. Schul-Kenntniß und Welt-Kenntniß.
Schul-Kenntniß ist die Gelegenheit und Veranlassung zu Wissenschaften.
Die Welt-Kenntniß ist die Belehrung im Freyen Gebrauch aller Künste
und Wissenschaften. Denn wir haben von unsern erworbenen Erkennt-
nissen einen zwiefachen Gebrauch, entweder einen freyen, oder einen
Handwerksmäßigen. Derjenige der einen Professionsmäßigen Gebrauch
von seinen Kenntnissen machet, ohne den freyen Gebrauch heißet ein Pe-
dant. Den freyen Gebrauch hat derjenige, wenn er die Wahl hat, da wo es
nöthig und möglich ist alle seine Geschicklichkeit anzuwenden. Dies heißt
die Weltkenntniß, unter der Welt wird verstanden, δSpatium 1 Der Schauplatz der
Welt, 2 Menschen. Also enthält die Weltkenntniß die Erd und Men-
schen-Kenntniß. Diese Weltkenntniß ist unterschieden von den Wissen-
schaften selbst, die Kenntnisse von den Wissenschaften und die Kennt-
nisse seine Geschicklichkeit anzuwenden. Zu dem Letzten gehöret Welt- 

/ kenntniß

/|P_5

/kenntniß, diese zu erlangen sind journale gut. Kann man nicht Welt-
kenntniß haben oder einen freyen Gebrauch von seiner Geschicklichkeit
machen, so kann man einen Scholastischen Gebrauch machen durch Leh-
ren dessen was er gelernet hat. Ein solcher Pedant mag wohl bisweilen
belacht werden; es ist aber doch ein Mann von dem man was lernen
kann. Der Weltkenntnisse besitzt unterscheidet sich dadurch von andern,
daß er einen freyen Gebrauch in allen Fällen machen kann wo seine
Geschicklichkeit einen Einfluß auf andere haben kann. Franckreich
und Engelland sind die beyden Länder wo diese beyde die Schul und
Welt-Kenntnisse vereiniget sind. Die Weltkenntniß wird also da-
rauf beruhen, daß wir unsere Begriffe von den Wissenschaften ex-
tendiren aufs gantze menschliche Geschlecht. Die Menschen-Kennt-
niß wird im eigentlichen Verstande in der Antropologie abgehandelt.
aber die andere Art der Weltkenntniß, die Erd-Kenntniß wird
in der physischen Geographie abgehandelt. Eine Physische Geogra-
phie ist allso nichts weiter, als eine Erweiterung von Erd und Men-
schenKenntniß. Man kann aber immer sagen, daß die Erwei-
terungen der Begriffe auch die Erweiterungen der Gesinnungen
zu Wege bringen. In dieser Wissenschaft werden die Begriffe
sehr erweitert. Die Physische Geographie hat allso zum object die Natur.
Sie unterscheidet sich aber vom System der Natur, als welches alle

/ Gegen- 

/|P_6

/Gegenstände nach Begriffe ordnet und ihnen ihre Logische Stelle giebt. Die
Physische Geographie aber ordnet die Gegenstände nach den Oertern die sie
einnehmen, das System der Natur nimmt alle Menschen in eine Classe,
diese aber nimmt die Länder worinn verschiedne Raßen der Menschen
angetroffen werden. Sie geht die Oerter durch gleichsam nach der Metho-
de eines Reisenden. Sie betrachtet nicht allein was bey uns zu mercken,
sondern was alle Welttheile besonders haben. Die Physische Geographie
wird allso gleichsam Reisen anstellen, nicht aber Schulmäßig, sondern
eines solchen Reisenden der Welt-Kenntnisse hat. Es ist also die Physi-
sche Geographie ein allgemeiner Abriß der Natur, doch weil in dersel-
ben der Grund zu den übrigen Geographien geleget wird; so werden die
Hauptstücke eines jeden hierinnen abgehandelt werden. Und zwar

/1) Die Mathematische Geographie, worinnen von der Größe, Gestallt
und Bewegung geredet wird.

/2) Die Maralische Geographie, wo von den verschiedenen Characte-
ren der Menschen nach den verschiedenen Gegenden geredet wird z.E.
Wenn in China und besonders in Japan der VaterMord so schrecklich ist,
daß nicht allein der Missethäter selbst auf die grausamste Weise zu
Tode gemartert, sondern auch die gantze Familie getödtet wird und
die Nachbaren in den nächsten Straßen in die Vestungs-Wercke ge-
bracht werden, weil sie glauben, daß es nicht ein solches Laster ist, wel-
ches auf einmahl entstehen kann, sondern nach und nach im Schwange

/ gegan- 

/|P_7

/gegangen und solches die Nachbaren mercken, und deshalben ange-
ben können. So wird es in Lapland für eine große Liebes-Pflicht ge-
halten wenn ein Sohn seinen auf der Jagd ermüdeten Vater mit ei-
ner Sehne vom Rennthiere umbringet; dahero auch derselbe allezeit
solches seinem lieben Sohne anvertrauet.

/3) Die Politische Geographie. Der erste Grundsatz einer allgemeinen
Gesellschaft ist ein allgemeines Gesetz, und eine unwiederstehliche Ge-
walt bey der Uebertretung der Gesetze. Wenn die Gesetze aber gleich-
falls auf die Beschaffenheit des Bodens sich beziehen, so wird gleichfalls
hievon geredet werden. Es wird auch darinnen so wohl vom Zustande
der Wilden, als welcher derjenige ist, in welchem nur einzelne Familien
zusammen leben, als auch von dem Zustande der Gesellschaften ge-
handelt wird.

/4) Die Handlungs-Geographie. Weil ein Land dasjenige im Ueber-
fluße hat, dessen ein anderes entbehren muß, so wird durch die Hand-
lung in der gantzen Welt ein gleichförmiger Zustand erhalten. Hie-
von wird gleichfalls bey Gelegenheit der Producte und Gewächse eines
jeden Landes geredet werden.

/5) Die Theologische Geographie. Weil die Theologischen Principia meh-
rentheils nach der Verschiedenheit des Landes eine Veränderung leiden,
so wird auch hievon das nöthige gesagt werden. Ueberdem wird hier
die Abweichung von der Natur in dem Unterschiede zwischen der Ju- 

/ gend

/|P_8

/gend und dem Alter, ferner dasjenige was jedem Lande eigen ist, Thie-
re, jedoch nicht die einheimischen, es sey denn daß sie in verschiedenen
Ländern anders beschaffen wären. z.E. In Italien schlagen die Nachtigälen
nicht so als in den Nordlichen Provintzen. In wüsten Inseln bellen die Hunde
gar nicht.

/6) Eine natürliche Geographie die das erwägt, was Producte der Natur sind.
Der Nutzen dieser Wissenschaft ist sehr weitläuftig. Indessen dient sie zur
guten Auseinandersetzung unserer Wissenschaften zu unserm eignen Ver-
gnügen und man erwägt alles so, wie alles in Gemeinschaft steht, man be-
kommt auch klare Begriffe vom Zusammenhange aller Dinge. z.E. das
System der Natur erwäget alle Gattungen der Ameisen, die Physische
Geographie aber auch den Ameisen-Fresser, denn diese stehen in Verbin-
dung: Das Thier und die Nahrung zu geschweigen.

/ ≥ D Abhandlung der Physischen Geographie selbst. ≤

/<Mathematisch> Zuvor ist eine Vorbereitung der Mathematischen Geographie nöthig. Man
setzt hier die qualitaet, Beschaffenheit der Theile der Erde gantz bey Seite
und betrachtet sie nach der Anschauung. Sie enthält diese 3, die Figur, die
Größe der Erde und die verschiedenen andern Merckwürdigkeiten.

/I Was die Figur der Erde anbetrift so ist dieselbe beynahe Kugelrund. Wenn
man z.E. immer weiter nach Süden reiset, so kommt der Polar-Stern im-
mer niedriger und tiefer, bis wenn man an die Linie gekommen, er am
Horizont stehet. Reiset man nach Norden 15 Meilen so kommt der Polarstern

/ ein

/|P_9

/ein Grad höher bis er endlich gantz übern Kopf steht und das ist der Pol. Man kann
auch die Kugelrunde Figur der Erde aus den Schatten den die Erde in den
Mond wirft beweisen. Dieser ist rund, dies aber ist nur in dem einzigen Fall
möglich, wenn die Figur selbst kugelrund ist. Auch kann man es noch daraus
beweisen weil man die Erde gantz umsegelt hat. Ist der Körper eine Kugel,
so kommt man, wenn man continuiret mit dem Finger rumzufahren wie-
der an denselben Ort zurück. Es wird aber deswegen nicht die Kugelrunde
Figur aufgehoben weil viele hervorragende Berge, Länder und Meere
sich auf Derselben befinden, sondern weil alle Materie die nach den Polen
zuliegt sich gegen den Aequator zu sammlet und anhäufet, so daß dadurch
ihre Form in eine Sphäre umgeschaffen wird, welches auch geschehen würde,
wenn sie gantz mit Wasser umschlossen würde, und zwar um deswegen
weil bey den Polen fast gar keine, bey dem Aequator aber die stärckste
Bewegung ist. Daher auch der Unterschied des Diameters des Aequators
mit dem Diameter der Pole 9 deutsche Meilen beträgt. Der höchste Berg
aber auf der Oberfläche derselben kaum eine Deutsche Meile beträgt,
so machen die Berge in Ansehung der Figur der Erde gar keine Verände-
rung weil auch wenn diese beträchtig wäre sie im Schatten des Mondes
zu merken wäre.

/Die Erde hat also eine runde Figur. Man hat aber die Bedenklichkeit, wie
es möglich daß man auf allen Seiten geschifft und wohnen kann, da man
doch mit den Fußen in die Höhe gehen müste und warum die Meere nicht
alle unterwärts herrabfließen. Dieses war eine große Schwürigkeit die

/ lange

/δLage_B

/|P_10

/lange anhielte, daß man dieses statuiren sollte. Die Ursache davon ist diese:
Man stellte sich vor als wenn die Schwere ins unendliche gienge, sie ist aber eine
Kraft die die Körper zu einem gewissen Puncte treibt, das geht also nicht ins
unendliche; sondern zum Mittelpuncte der Erde. Was nun gleich weit vom
Mittelpunct der Erde abstehet ist gleich hoch und eben. Denn wenn der Stein A
fällt und gezogen wird nach @b@ dem Mittelpuncte der Erde, er aber sich zu be-
wegen noch fortfähret, so steigt er doch in der That, denn er kommt zur Ober-
fläche @C@. Wenn man z. E. die Antipodes von Franckreich setzen wollte, so
wären es die bey Seeland.

/II Die Größe der Erde. Sie ist beträchtlich auch in Ansehung andrer unbe-
trächtlich. Von hier bis zum Monde könnte man nur 30 Erd-Kugeln legen,
die 30ste würde schon den Mond berühren. Der Diameter der Erde ist
1.720 Deutsche Meilen, sie ist größer als der Mond, indem 40 Mondku-
geln eine Erdkugel anfüllen; aber kleiner als der Jupiter denn da wer-
den 1.000 Erdkugeln bis zum Jupiter erfordert. Die Erde ist kleiner als die
Sonne, denn da werden zum wenigsten eine Million Kugeln erfordert.
Die Größe der Erde ist 4500 deutsche Meilen. Eine deutsche Meile ist der
15te Theil von einem Grade. Der 15te Theil eines Grades beträgt 24600
Werckschuhe oder eine Geographische deutsche Meile welche 1.200 Rhein-
ländische Ruthen oder 14.400 ordentliche Werckschuhe in sich enthält. Die
ordinaire Meile oder Post-Meile beträgt 12 Grad oder 30.000 Werckschuhe, ist
also etwas größer. Dahero nimmt man auch geographische deutsche Mei-
len blos in Schriften und Mathematischen Berechnungen an. Ein grad der

/ Erde

/|P_11

/Erde beträgt 23.656 Schuhe.

/Nota. Nationen die sehr bevölckert sind haben kurtze Meilen z. E. in Italien
gehen vier auf unsere eine; dieses kommt daher: wenn man da reiset so glaubt
man indem man so viele Flecken, Dörfer etct: zu sehen bekommt, daß man schon
eine entsetzliche Weite gereiset sey, denn darnach bestimmte man anfangs
die Größe einer Meile. Ein geometrischer Schritt oder der Tausendste Theil
einer Meile macht 5 Fuß, und nach der Ausrechnung der mehresten 6 Rhein-
ländische Fuß. Ein Faden welcher «nach»<auf> Seefahrten und ein Klafter so bey
Bergwercken gebraucht wird, enthält 6 Fuß aber 5 Dresdner Ellen. Eine
Minute der Erde ist der 60ste Theil eines Grades und also eine Viertel
Deutsche Meile. Denn hält eine 15 @¿¿@ so ist 60 der vierte Theil. Eine viertel
Deutsche Meile ist 6.000 Schuhe wenn die Meile 24.000 Schuhe beträgt.
Nun soll eine Minute der Erde seyn der 1.000ste Theil von 6.000 Fuß; also
ist ein Minute der Erde 6 Rheinländische Fuß. Was das Wasser der Erde
betrifft so hat hat man zu allen Zeiten auf ein vollständiges Maaß gesonnen,
indem sich die Maaße gar sehr verändern. Man hat dahero einen Faden
mit Bley genommen und festgesetzt der Schlag dieses Fadens soll nicht
weiter als 5 Grad gehen und jeder soll absolvirt werden in einer Secunde,
es sollen also 60 Schläge in einer Minute vor sich gehen und die Länge
des Fadens sollte eine Elle seyn. Geschieht das Messen der Erde auf der
Oberfläche, so wird solches mit Ruthen, geschieht es in der Tiefe der Erde, mit
Klaftern, auf dem Meere mit Faden bewerckstelliget.

/III Die verschiednen Puncte und Circkel, so auf der Kugel angetroffen wer-
den. Um die Bewegung der Erde anzuzeigen, werden auf der Kugel ver- 

/ schiedne

/|P_12

/schiedne Zirckel-Linien und eine gerade Linie gezeichnet. Denn wenn die
Erde gar keine Bewegung hätte; so würden keine Zirckel auf derselben
bestimmt seyn. Allein da Dieselbe eine doppelte Bewegung um ihre
Axe so wohl (um welche sie sich innerhalb 24 Stunden bewegt), als um die
Sonne hat, so originiren sich folgende Linien und Puncte.

/I Aus der Bewegung der Erde um ihre Axe entstehen

/a) Zwey Puncte die bey aller Bewegung ruhig sind und um welche sich die
gantze Erde zu bewegen scheint, diese heißen die Pole nemlich der Nord
und Süd_Pol.

/b) Der Aequator welches ein Circkel ist, der von beyden Polen gleich weit ent-
fernet ist, und welcher die Erde in zwey Haemisphaerien theilet.

/II Aus der Bewegung der Erde und der Sonne entstehen folgende Circkel.

/a) Die Tropici; 6 wende_Circkel welche durch denjenigen Punct gezogen wer-
den, wo die Sonne sich am weitesten vom Aequator entfernt und wiederum
umkehret. Dieses ist eine Weite von 23 %Grad 30 %Minuten und ist auf jeder Halb-Kugel
eine von diesen Wende-Circkeln befindlich.

/b) Die Polar-Circkel werden in einer Weite von 23 %Grad 30 %Minuten von den Polen ge-
zogen und ist gleichfalls einer von diesen auf jeder Haemisphaere befindlich.

/c) Durch die Optic wird der Horizont, welches ein Circkel ist und welcher vom
Zenit und Nadir gleichweit entfernet ist nemlich 90 Grad. Endlich nehmen
wir auch hieher den Meridian, welches ein Zirckel ist der durch die beyden
Pole des Zenit und Nadir gezogen wird überhaupt ein jeder Durchschnitt
durch die Pole ist ein Meridian. Demnach lassen sich unzählich viel Meridiane

/ ziehen

/|P_13
ziehen aber doch nicht so viel Meridians als es Oerter giebt. Also sehen wir daß
die Oerter welche in Osten und Westen unterschieden sind verschiedne Meri-
diane haben: hingegen die Oerter welche in Osten und Westen nicht unter-
schieden sind haben einerley Meridian:

/Unter den vielen Meridianen haben wir nöthig einen zu mercken, wel-
cher der primus meridianus genennet wird und über die Insel Ferro ge-
zogen wird und von welchem man zu zählen anfangen soll jedoch eine
jede Nation hat ihren eignen Meridian gezogen. Von jedem Meridian hat
man 2 Hälften, die eine geht über den Horizont und der andere ist der An-
tipodische.

/Die Länge eines Ortes ist die Entfernung des Meridians des Orts vom er-
sten Meridian. Die Länder die unter einem Meridian liegen haben zu
einerley Zeit Mittag. Die Länge der Oerter bedeutet den Unterschied
der Oerter von Osten nach Westen, oder von Osten nach Süden. So wird auch
die Länge des Meeres genannt. Die Lange zu messen dient der Aequa-
tor allein, dieses setzt schon viele Schwierigkeiten voraus, denn von
dem Pol zählt man die Breiten und denn ist mir schon der Standpunct de-
terminirt, hingegen bey der Länge nicht, denn da kann ich auf der Kugel
einen Ort annehmen welchen ich will und so kann ich anfangen zu zäh-
len wo ich will, ich muß aber immer mich gewöhnen von Osten nach Westen
zu zählen. Die Länge des Orts wird jenseit des Aequators abgezählt und
dadurch die Entfernung des Meridians vom ersten Meridian bestimmt.
So ist die Länge von Königsberg 40 Grad. Die Länge zwischen dem Pol

/ und

/|P_14

/und Aequator zählt 90 Grad. Die gröste Länge aber kann ich um die gantze Er-
de annehmen und die beträgt 360 Grad.

/Die Breite eines Orts ist die Entfernung eines Orts vom Aequator gegen
den Pol zu oder der Bogen des Meridians der zwischen dem Orte<2> gegebnen<1>
und dem Aequator liegt. Diese Breite wird nach den Polen bald die Süd-
liche bald die Nördliche Breite genenet. Die Breite eines Orts finde ich,
wenn ich die Grade des Meridians abzähle die zwischen dem Parallel-
Circkel und dem Aequator enthalten sind. Sie ist deswegen leicht zu fin-
den weil sich bey Veränderung der Breite, auch die Gestallt des Himmels
ändert, so daß 15 einen unterschied von einer Stunde giebt. Die Brei-
te von Königsberg ist 54_1/2 Grad.

/Die Polhöhe. Die Breite eines Orts ist der Polhöhe gleich. Die Örter die
unter einer Breite liegen, haben zu gleicher Zeit Mittag aber nicht
in Ansehung der Stunden. Wäre die Sonne im Aequator so wäre Tag
und Nacht gleich, weil sie aber dies nicht ist; sondern vielmehr den Aequa-
tor 2 mahl im Jahr durchschneidet so macht sie die Abwechselung der Jah-
reszeiten. Zur Zeit des Winters bescheint die Sonne die Südliche Halb-
Kugel der Erde, im Sommer aber die Nordliche. Die Sonne steht im Ae-
quator %den 21sten Mertz und den 21sten Sept: und macht das Aequinoctium.
Die Bahn aber worin der Gang der Sonne beschrieben wird, heißt die
Eckliptick. Der Jahres-Circkel der Erde wird durch die Aequinoctia in
zwey Theile getheilt und ein jeder dieser Theil wird wieder getheilt
durch die Solsticia. Die Neigung der Axe beträgt 23_1/2 Grad; der Win- 

/ ckel

/|P_15

/ckel aber den die Axen der Erde mit der Fläche der Eckliptick macht ist 66_1/2 %Grad.

/Der Zonen oder Gürtel Striche giebt es 3.

/1 Zona torrida liegt zwischen den Beyden Tropicis, und ist nur eine auf der Erde.

/2) Zonae temperatae die zwischen den beyden nördlichen Tropicis und nördlichen
Polar-Zirckeln liegen. Sie heißen deswegen so, weil in diesen Gegenden
die mehresten Arten von Menschen und Thieren zu leben gewohnt sind. Je-
doch ist in denselben am Polar und Wende_Circkel heißer als im Aequator und
kälter als im Polar_Circkel selbst.

/3) Zonae Frigidae welche den Kreiß zwischen den Polar_Circkeln in sich fassen
und ist auf jeder Haemisphaere ein Wend und Polar_Circkel anzutreffen.

/Die Zonae haben ihre Beziehung auf die Tages-Länge der Oerter. Zona
torrida begreift die Oerter in sich deren Tag und Nacht gleich ist. Die Zona
temperata wo der Längste Tag noch über 12 Stunden ist. Die Zonae Frigi-
dae wo der Tag ein halbes Jahr dauret.

/Die Alten verbanden mit dem Worte Clima einen solchen Streif der zwi-
schen den Polar-Circkeln liegt, man hat Clima auch so gebraucht, als
wenn es bedeutete ein Land oder Himmels-Strich. Auf die Verschieden-
heit der Zonen beruht die Verschiedenheit der Climaten.

/Die Erde ist eine Kugel, wenn ich den Diameter weiß; so kann ich auch
den Umkreis finden oder wenn ich auch nur %den 360sten Theil vom Aequator
weiß, nun weiß ich dieser beträgt 15 deutsche Meilen folglich 15 mit 360
multipliciret giebt mir den Umkreis der Erde, welcher ist 5400 Meilen.
Die Erde ist an den polen etwas eingedruckt und am Aequator erhoben.

/ Eine

/|P_16

/Eine Deutsche Meile ist 24.000 Werkschuhe, weil 12 Schuh eine Rheinlän-
dische Ruthe ausmacht, so werden 2.000 Ruthen eine deutsche Meile aus-
machen. Diese Meile heißt die gemeine Meile. Wir müssen wohl mer-
cken ob es eine gemeine oder Geographische Meile ist. Die gemeine Ruthe
hat 12 Schuh und die Geographische 15. In Deutschland rechnet man nach
Stunden. Eine Stunde macht eine Halbe Meile. Ein ordinairer Gang,
Schritt, ist 2 Fuß, dieser heißt Gressus. Der Geometrische Schritt heißt pas-
sus und hält 2_1/2 Fuß. Die Alten sagten, ein Geometrischer Schritt ist der
1.000ste Theil von einer Minute und hat 5 Fuß.

/Dieses wäre gnung von der mathematischen Geographie.

/ ≥ Die Physische Geographie selbst. ≤

/Die Oberfläche der Erde wird eingetheilt in Land und Meer.

1)»I Das Land wird eingetheilt,

/a) In das Continent, oder allgemeine Feste Land.

/b) In die Inseln die von dem festen Lande abgesondert sind.

/II Das Meer wird eingetheilt,

/a) In den Ocean und

/b) In die Kleinern Meere oder Seen.

/Die Inseln sind in Ansehung des Landes eben das, was die Seen in An-
sehung des Ocean seyn. Oc<e>anus heißt das allgemeine Welt_Meer und
einige Theile von diesem Ocean werden Meere genannt. Die See heißt
ein Gewässer welches vom Ocean durchs Land abgesondert ist.

/ In~

/|P_016R δZ_19

/Inseln
sind abge-
rißne
Stücke
vom ves-
ten Lande. ~

/|P_17

/In der Figur der Länder können wir unterscheiden Landes-Spitzen und Halb-
Inseln, dieses heißt auf dem Gewässer Meerbusen, und was Land-Enge oder
Isthmus auf dem Lande ist, heißt auf dem Meer Meerenge.

/Wir betrachten also bey den Ländern

/1 Die Vorgebirge dies ist weiter nichts als eine Land-Spitze. Es braucht da-
hero nichts aus Felsen zu bestehen und gebürgigt zu seyn. Die Landes-Spit-
zen sind alle nach Süden gerichtet und man weiß noch nicht den Grund davon.
Die Norweger nennen sie Naes; sonst heißen sie auch Capo. Auf der Charte
sind besonders viele Caps angezeichnet; sie sind in der Seefarth von Wich-
tigkeit, denn man muß sich oft viele Mühe geben herumzukommen.
Mit diesen sind verwandt

/2 Halb-Inseln Dieses ist ein Land was nur halb mit Wasser umgeben
und wo das Land welches nach dem Meer zu lieget länger als breit ist.
Diese Halbinseln haben große Aehnlichkeit mit den Meerbusen. Ein
Meerbusen der Bay auch Golfo heißt, ist ein Meer welches beynahe
gantz vom Lande eingeschlossen ist. Sie sind das bey der See was die
Landes-Spitze beym Lande ist. In Europa ist Golfo di Venetia der
berühmteste und in America der Me«¿«gickanische Meerbusen. Die Halb-
Inseln sind auch ein Analogon von den Istmis und Fretis. Isthmus oder
Land-Enge ist die Naheit zweyer Meere, oder ein Strich des Landes, wel-
ches beynahe von der See abgeschnitten ist. Der berühmte Isthmus ist von
Dagan und Suetz. Eine Halbinsel ist zum %.Exempel Italien und die in Europa sehr

/ be- 

/δLage_C

/|P_18

/berühmte Halb-Insel Moréa.

/3. Meerengen, diese haben mit den Land-Engen einige Aehnlichkeit. Es ist
der Schmale Seestrich der von den Ländern beynahe abgeschnitten ist.

/ ≥ Vom Meer. ≤

/Das Meer ist gleichsam ein großes Behältniß und tiefes Thal worinnen
sich das auf der Erde befindliche Wasser sammlet, das feste Land nun a-
ber eine Erhöhung über dasselbe. Es ist auf der Erde weit mehr Wasser als
festes Land, und das Meer in Ansehung seiner Capacité 2/3 von der Erde
und das feste Land 1/3. Die Erde ist gleichsam eine große Insel, weil sie
rund um mit Wasser umgeben ist. Dieses Wasser welches das feste Land
umschließt, heißt der Ocean, das Meer aber welches vom Lande umgeben
wird das umländische oder Mittelländische Meer.

/Ein Archipélagus ist ein Theil des Oceans wo viele kleine Inseln bey-
sammen sind. Der Ocean ist der allgemeine Archipelagus und zwar
weil er alle Länder der Erde einschließet. Der Ocean muß erstlich betrach-
tet werden, weil er das Erste und folglich das alleralteste von der Welt
ist, weil es scheint daß alles feste Land darunter gelegen hat und sich
der Ocean nur nach und nach von demselben abgesondert. Auch muß der
Ocean von dem Mittelländischen Meer unterschieden werden, welches
zwischen Europa und Africa fließet. Man kann mithin ein jedes Meer
welches vom Lande eingeschlossen wird ein Mittelländisches oder ein-
landisches Meer nennen. Ein Meer nennt man auch eine See, welche
saltziges Wasser in sich enthält. Indes giebt es auch Seen welche süßes

/ Wasser

/|P_19

/Wasser haben, und die dasselbe nicht aus dem Ocean herleiten. Wenn ein
Meer ein Land einschließt, so heißt es ein Archipelagus, ein Meer aber
das vom Land eingeschlossen wird heißt ein Mittelländisches Meer, wo-
zu aber erfordert wird, daß es sein Wasser aus dem Ocean habe und daß
dasselbe saltzig sey. Das Caspische Meer, das todte Meer und die See
Arae nennt man noch Mittelländische Meere. Ocean nennt man den
gantzen Inbegriff aller Gewässer, womit vorhin die Erde bedecket
war. Dasjenige Meer welches vom Ocean nicht gantz abgesondert ist,
nennt man ein solches Meer, daß mit demselben in Gemeinschaft stehet;

sonst könnte es auch ein Busen genannt werden. Das uralte Wasser
ist also der Ocean mit dessen Grunde alle Geschöpfe hervorkamen.
Der Ocean muß demnach nach seinen Abtheilungen betrachtet werden,
diese Abtheilungen desselben sind willkührlich. Der Theil des Oceans
der innerhalb dem Polar-Zirckel liegt, heißt das Eis-Meer
und das ist
entweder Südlich oder Nördlich. Die Theile innerhalb der kalten Zon-
nen heißen auch Eis-Meere. Die Theile aber innerhalb den tempe-
rirten Zonen haben einen besondern Nahmen die von den Nahmen
der Länder die daselbst liegen benannt werden. Der Theil des Oceans
der zwischen der Alten und Neuen Welt lieget heißt das Attlantische
Meer.

/Ein Busen oder Golfo heißt ein Gewässer welches sich ins Land er- 

/ strecket

/|P_20

/strecket und von demselben umschlossen wird jedoch an einem Theil mit der
See zusammenhängt.
Sie sind eigentlich Vertiefungen des Meeres ins
Land. Es wird ein Unterschied gemacht zwischen Bay und Golfo. Ein
Golfo ist ein Busen, der sich weiter ins Land erstrecket als er breit ist.
Eine Bay aber ist ein Busen der sich nicht so weit ins Land erstrecket, als
er breit ist
wiewohl beydes pramiscue gebraucht wird.

/Die vonehmsten Busen sind

/1) In Europa

/a) Golfo di Venetia oder das Adriatische Meer.

/b) Golfo di Genua

/c) Golfo di Biscaya

/d) der Bottnische Meerbusen

/e) der Finnische Meerbusen

/f) Der Busen zwischen Dännemarck und Norwegen.

/g) Das Weiße Meer ein Golfo des Eis-Meeres bei Archangel.

/2) In Asien

/a) Der Arabische Meerbusen oder das Rothe Meer.

/b) Der Persische Meerbusen wo der Euphrat und Tieger einfließen.

/c¿) Der Bengalische.

/d) Der Ocurinische.

/e) Der Pensilwanische zwischen Chamschatka und Siberien.

/3) In Africa ist nur zu mercken der Meer-Busen von Benin.

/4) In America sind folgende

/ a) Der

/|P_21

/a) Der Mexickanische Meerbusen zwischen der Halbinsel Juhasam und
Insel Cuba.

/b) Der Bay von California.

/c) Der Hudsons Bay.

/d) Der Bay von Campeschen.

/e) Der Bay aller Heiligen in Brasilien, wo ein vortreflicher Busen ist.

/f) Der Bay von Jonduras wo das Zimet Holtz herkommt.

/Die Straßen. Sie sind darum zu betrachten in der Geographie: weil
es denen Seefahrern bekannt seyn muß, wo sie sicher ans Land fahren
können. Die Straßen wodurch man aus einem Meer ins andere fähret,
heißen auch Meerengen.
Folgende Straßen sind zu bemercken

/1) In Europa.

/a) Die Straße bey Gibraltar: Bey den Holländern heißt sie schlecht-
weg die Straße, daher die so nach der Levante fahren schlechthin die
Straßen-Fahrer genannt werden. Sie ist 4 Meilen breit, sie kommt
den Schiffern aber wie gegraben vor, weil die Küsten sehr steil und
hoch sind.

/b) Pas_de_Calais zwischen England und Franckreich.

/c) Die Straße zwischen Sicilien und Neapolis bey Messina darin-
nen viele Ströhme sind.

/d) Die Dardanellen bey Constantinopel, so der Canal zwischen dem
Meer di Marmora oder dem Weißen Meer und dem Mittelländi-
schen.

/ e) In

/|P_22

/e) In der Gegend von Gallipoli auch 2 Dardanellen. Dardanellen
heißt im Italienischen ein Schloß an der See. Dardanellen sind also
Schlösser, welche angelegt sind eine Fahrt im Meer zu beschützen.

/f) Die Straße bey Caffa verbindet das Schwartze Meer mit dem Mee-
re von Azof, welches auch sonst Palus meotus genenet wird.

/g) Die Straße aus dem Cattegat in die Ost-See, welche der Sund heißt,

/ist eigentlich ein nicht tiefes Wasser.

/h) Der Große und Kleine Belt.

/i) Der St_Georgen_Canal zwischen Engelland und Irrland.

/2) In Asien.

/a) Die Straße bey Ormus.

/b) Die Straße bey Malagga.

/c) Die Straße Sunda, von dieser Straße werden alle umliegen-
de Oerter Sunda gennnt, die man durchpassiren muß, wenn
man nach China fahren will, das ist die Berühmteste.

/3) In Africa, ist die Straße bey Mozambique. Diese Straße oder viel-
mehr Canal erfordert bey Seefahrern die gröste Aufmercksam-
keit.

/4) In America ist merckwürdig

/a) Die Straße zwischen Florida und Cuba heißt Batavia

/b) Die Straße Davids zwischen Groenland und dem festen Lande,
wo eigentlich der Heringsfang der Engelländer ist.

/c) Die Hudsons Straße.

/ d) An

/|P_23

/d) An der Spitze des Landes Satagonien liegt eine Menge von Inseln
welche di Terra_del_Fuego genannt werden, zwischen diesen ist eine
Straße ohngefehr 80 Meilen lang und diese heißt die Macellanische
Straße.

/e) Zwischen Terra_del_Fuego und einer andern kleinen Insel ist auch
eine Meerenge, welche die Cirneische genannt wird.

/ ≥ Erstes Hauptstück. Geschichte des Meeres.
/Abhandlung gemeiner Theile der Phisischen Geographie.

/Von dem Boden des Meeres und dessen Tiefe. ≤

/Der Boden des Meeres ist eine weite und unebene Vertiefung der Ober-
fläche der Erde. Er ist sehr uneben und selbst mit Gebürgen besetzt; erhöhet
sich nach und nach, je näher man an eine Küste oder einen Felsen kommt,
dahero aus dem Anblick der Küste schon die Tiefe des Meeres nahe an der-
selben zu errathen scheinet, doch aber ist er nicht so uneben als das feste
Land. Der Boden also ist nahe an der steilen Küste tiefer als an Flächen,
denn eine Küste ist eine continuirte See-Fläche. Auf diese muß ein
Schiffer sein Augenmerck richten, damit er nicht Gefahr laufe, wenn
er wo ans Land fahren will. Africa hat eine sehr nachtheilige Lage, weil
an den Küsten eine lange Banck ist, die da verhindert, daß man sich ei-
nem Hafen nähern darf. Die Westliche Seite von America ist sehr steil
und hat auch die meisten Hafen. Auf der Westseite sind gemeinhin mehr
Hafens als auf der Ostseite. Norwegen hat die mehresten Hafen unter
allen Ländern der Welt, denn allenthalben sind steile Küsten, wo man

/ sich

/|P_24

/sich also dem Lande nicht nahen darf. Die Tiefe des Meeres ist beynahe
so groß, als die Höhe der Gebürge die ihm am nächsten sind. Dies beweisen
die unergründlichen Tiefen, die Finsternisse in der Tiefe des Meeres,
die Kälte oder die Wärme imgleichen der Druck des Wassers. Die Wärme
der Tiefe des Meeres ist ohngefehr der Keller Wärme im Winter gleich,
ob sie gleich gegen die Sommer-Wärme kalt ist. An der Küste von
Spitzbergen aber herscht noch eine größere Kälte, als erfordert wird
das Wasser zu Eis zu machen. Mit dem Druck des Wassers hat man auch
Versuche gemacht. Der Druck des Wassers ist so starck gewesen, daß das-
selbe einen Propfen in einer Bouteille so weit hinein getrieben, als
möglich, imgleichen durch das so dichte Kork-Holtz in die Bouteille hin-
eingegangen, welches Wasser süß gewesen und das saltzige zurückge-
lassen hat. Die Tiefe des Meeres ist größer je weiter es von den Küsten
entfernet ist, jedoch ist hiebey zu mercken, daß die größeste Tiefe da ist,
wo die Seite der Küste steil ist, (oder wie man zu sagen pflegt kühn ist.)
Das Meer ist anzusehen wie ein Th«ei»al darinnen sich das Wassel samm-
let, oder als eine continente Landes-Fläche, welche mit Wasser über-
schwemmet ist, und so ist eigentlich der Seegrund als ein continentes festes
Land anzusehen, der im Grunde dem Lande gleich ist. Enge Meere
sind gemeinhin tiefer als weitere Meere. Die Tiefe des Meeres wird
durch Faden bestimmt. Ein Faden hält 6 Fuß und die grosten Tiefen richten sich:

/1) Nach der Tiefe der See an den Küsten, und

/2) Nach der Höhe des Landes, das ihm am nächsten ist.

/ Den

/|P_25

/Der Graf Marselli bestimmt die gröste Tiefe des Mittelländischen Meeres,
welche es an der Schweitz hat, (wie denn daselbst die höchsten Gebürge von Eu-
ropa sind) auf 1.000 Faden. Das Meer welches an die Insel Teneriffa stößt,
wo sich der Berg Pico d_Adam befindet hat eine Tiefe von 5.000 Faden.
Das Pacifische Meer an der Küste von Sion beträgt 22.000 Werck-Schuhe.
Die Ost-See aber hält zu ihrer grösten Tiefe 100 Faden, die ursache ist,
weil das Land gantz flach ist. Ein Meer aber welches zwischen Ländern
liegt, dessen gröste Tiefe ist zu suchen wo das Land am höchsten ist. Zwischen
England und Norwegen ist die gröste Tiefe der Nordsee an der Küste von
Norwegen zu suchen. An der Küste giebt es die sogenannten Bancken,
welches lange Bäncke von Sand sind, die am lan«h»de hinlaufen und ma-
chen, daß man nicht sicher anlanden kann. Es sind gleichsam Riegel, die
zum Eingange großer Hafen vorgeschoben sind. An der Küste von
Africa, ist eine solche lange Banck, die vom Sande aufgeworfen ist. An
der Küste von Indien und sonderlich von Coromandel giebt es keine Ha-
fen, weil das Land flach ist und in sonderheit, weil es daselbst viele der-
gleichen Sand-Bäncken giebt. Von Engelland bis an die Küste von Jüth-
land erstreckt sich auch eine Banck, die man Dagger Banck nennt und
wo man viele Stock-Fische fängt. Auch mitten im Ocean giebt es Untie-
fen, Leim, Sand und Felsen Bäncke, auf diese aber kann man nicht an-
ckern. Zum Ancker-Platz wird erfordert

/1) Das es nicht zu tief sey. Ein Schiff in einer Tiefe von 50 Faden kann
bequem vor Ancker liegen.

/2) Das der Seegrund weich sey, damit der Ancker den Boden fassen könne.

/ Doch

/δLage_D

/|P_26

/Doch muß er auch nicht zu weich seyn, damit der Ancker in demselben nicht ver-
sincke. Sonderlich muß man sich hüten an solchen Stellen zu Anckern wo Stei-
ne und sonderlich Corallen sind, denn da werden die Ancker-Thaue zerrie-
ben und gerathen öfters in sehr große Gefahr. Es giebt auch Morräste in der
See, wo die geworfne Ancker versincken. An den Bäncken ist auch gefährlich
zu anckern, weil hier die See sehr ungestüm ist, indem das Wasser an den
Bäncken gebrochen wird. Man anckert deswegen am liebsten an denen Küs-
ten und solche Stellen nennt man Rheden. Bey England ist eine große Rhede
welche zwischen Dower und Sandwich liegt. Die sind gemeinhin von Sand-
Bäncken umgeben, damit sie gegen die ungestüme See und gegen die Ströh-
me gesichert seyn. Ausser diesen Ancker-Plätzen oder Rheden wird zum gu-
ten Hafen folgendes erfordert

/1) Daß man sich bis an die Bollwercke des Landes nähern könne.

/2) Daß er inwendig geräumig sey, damit wenn z. E. ein Schiff in B<r>and
geräth, dieses den andern keinen Schaden thun könne.

/3) Daß er eine Enge Oefnung gegen das Meer zu habe, damit wenn er
von feindlichen Schiffen angegriffen wird er gut defendirt werden könne.

/4) Daß die Anfälle der See den Hafen nicht beunruhigen. Solche gute
Hafen sind z. E. Porto_Maon und Haliana in America.

/Überdem muß der Hafen mit genugsam hohem Lande umgeben seyn.
Solche vollkommne Hafen aber sind sehr wenige und wir zählen nur 2
solche in Europa: Der Hafen bey Bergen in Norwegen und Porto_Maon
auf der Insel Minorca. In America kann man viele Länder vorbeyge-
hen, ohne eine Anlage zu einem Hafen anzutreffen weil man nemlich

/ viele

/|P_27

/viele Sand-Bäncke oder die sogenannten Barren antrifft. Im gantzen mare pa-
cifico und an seinen Inseln findet man keine Hafen an der Ost und Nord-Seite des
Landes; sondern man muß sie an der Süd und West-Seite suchen. Dieses kommt da-
her wenn dieses Stille Meer eine beständige Bewegung von Osten nach Westen
hat, folglich sind dadurch Corallen und Sand auf die Küsten getrieben und die-
selben dadurch erhöhet worden. Ein Riff nennt man eine Untiefe oder Banck
die sich in einiger Entfernung vom Lande anfängt und sich tief ins Meer
erstrecket, davon man glaubt, daß die Kinder Israel über ein solches Riff her-
rüber gegangen sind. Der See-Grund ist sehr ungleich, aber dabey dem festen
Lande so ähnlich, daß man glauben sollte, daß er vorher festes Land gewesen
sey, welches hernach gesuncken und vom Wasser überschwemmet worden. Es
giebt darauf solche Schichten wie auf dem festen Lande, es sind da Berge, ja
gantze Reihen von Gebürgen. Man prüft den Seegrund durch ein Loot oder
Senck-Bley, welches gemeiniglich 30 Pfund schwer ist; doch vermehret man seine
Schwere nach Beschaffenheit des Thaues bis auf 40 %Pfund. Dieses Loot ist in der
Form eines Zuckerhuts gemacht, welcher unterwärts ausgehöhlt ist, welche Aus-
höhlung man inwendig mit Talch, Fett oder Butter beschmieret, damit sich
die Materien des Seegrundes, als Sand, Corallen Leim etc: anhangen,
und man also die Beschaffenheit des Bodens sehen kann. Dies ist immer von
Wichtigkeit, denn alsdann zeigt das Meer, daß es ordentliche Gebürge hat, denn
bald fällt das Loot tief, bald nicht so tief. Allein dies gehet allemahl nicht füglich
an: denn

/1) Giebt es Flüße und Ströhme im Meer, diese reißen das Loot, statt daß es

/ per

/|P_28

/perpendiculair fallen sollte, nach einer schiefen Linie fort, und denn wird die
Schnur länger.

/2) giebt es im Meer Morräste, darinn das Loot versincket und also tiefer ein-
sincket als der Boden ist.

/3) Wenn das Meer tief ist, und es zu messen eine lange Schnur erfordert wird;
so wird die Schnur schwerer als das Bley und man weiß nicht ob es Grund
gefaßt habe oder nicht.

/Etwas von der Tiefe hervorzuholen, hat man zwey Methoden

/1) Durch Täucher diese haben entweder lederne Kappen mit Röhren, die
über das Wasser hervorragen um Luft zu schöpfen, welches aber nicht
viel hilft, oder sie stürtzen sich mit einer Kanonen-Kugel hinein und blei-
ben so lange unter dem Wasser, bis sie ein Zeichen am Seil geben. Wenn
die See unruhig ist, so nimmt der Täucher etwas Öhl in den Mund und läßt
es in die Höhe fahren, dies macht die See ruhig und den Grund helle. Colapesce
ein Italiener in Neapolis soll ein sehr berühmter Täucher gewesen seyn, der
so lange hat können unter dem Wasser bleiben, als er wollte.

/2) Die Täucher-Glocke. Dies ist eine Erfindung von großer Wichtigkeit.
Sie ist von Holtz unten aber starck mit Bley beschlagen, auch ist eine Bley-
Kugel fest gemacht damit sie perpendiculair und in der grösten Geschwindig-
keit auf den Seeboden fallen; an der Seite ist eine oder mehr Oefnungen,
die mit starckem Glase versehen sind, damit das Licht hinlänglich hinein fal-
len könne. In der Glocke ist ein Sessel worauf der Täucher sitzt. Das Was-
ser dringt nun in die Glocke, und steigt desto höher, je tiefer sie herrunter
gelassen wird. Indessen steigt es nicht bis gantz oben in die Glocke, sondern

/ nur

/|P_29

/nur zu einer gewissen Höhe etwa g. b. weil wie aus der Physick bekannt oben in
der Glocke sich noch Luft befindet, deswegen auch der Täucher oben in der Glocke
sitzen muß, wo er beständig trocken sitzt. Da aber die Erfahrung gelehret,
daß eine verschlossene Luft die Respiration verhindert und daß durch die
Ausdünstungen von Menschen die Luft so verderbt und schadlich geworden,
daß sie davon ersticket sind; so hat man ein Fäßchen, welches mit Pech verstop-
fet ist und worinnen sich frische Luft befindet, dieses giebt man dem Täucher
in der Glocke mit. Das Fäschen hat auch 2 Hähne i und k und an der Glocke
ist auch ein Hahn b, den letzten öfnet er und läßt die schlimme Luft
aus der Glocke heraus und indem er den untern Hahn des Faßchens öfnet,
so tritt das Wasser hinein und treibt die gute frische Luft aus dem Fäßchen
in die Glocke. Auf diese Art können sie sich nicht nur zwey Stunden unter
dem Wasser aufhalten, sondern auch daselbst Zeitungen lesen, damit der
Taucher nun die Sachen in die Höhe ziehen könne, so hat er einen Hacken wo-
ran er das Gefundene fest macht. Dieser Täucher-Glocken bedient man sich
theils um die Tiefe und Beschaffenheit des Meeres-Grundes zu erfahren,
theils auch zur Perlenfischerey. Die Leute von den Moluccischen Inseln le-
gen sich von Jugend auf starck auf das Tauchen.

/Die vornehmsten Perlen-Fischereyen sind:

/a) An der Küste von California.

/b) Im Persischen Meerbusen.

/c) An der Ostindischen Küste von Ceylon, Madura gegenüber.

/Sie sammeln die Perlen-Muscheln in Körbe, die sie sich um den Leib gebun-
den haben. Oft und sonderlich in Ceylon erstechen die Täucher sich unter dem

/ Wasser~

/|P_29R δZ_3

/δ_Figur: δTaucherglocke ~

/|P_30

/Wasser mit Messern, wenn einer die Perlen des Andern nimmt.

/ ≥ Von der Farbe und Durchsichtigkeit des Meeres.

/Das See-Wasser ist durchsichtiger und heller als selbst das Fluß-Wasser, obgleich
in dem erstern sich Saltz befindet. Dieses kommt daher: in dem süßen Wasser ist die
Luft in kleinen Bläschen vertheilt und zerstreut; in dem Meer_Wasser aber
treibt das Saltz die Luftbläschen herraus die sich in das Wasser eindringen und
es trübe machen, und setzt sich in seine Stelle, so daß das Wasser einen bessern Zu-
sammenhang hat und dadurch heller und durchsichtiger wird. Die See ist da am
durchsichtigsten, wo die wenigsten Ströhme fließen. Bey den Antillischen In-
seln und im Eis-Meer ist die Durchsichtigkeit so groß, daß man wohl 32 Faden
tief den Seegrund ja bey stillem Wetter die Schildkröten und die verschiednen
See_Thiere leicht bemercken kann. Es muß aber das Wasser nicht sehr bewegt
werden, denn sonst wird es gleich finster. Man will bemerckt haben, daß wenn
man Öhl nimmt, damit herrunter geht und selbiges ins Wasser gießt, so macht die-
ses, wenn es in die Höhe kömmt das Meer eben, so daß es sich nicht bewegen kann
und unten helle bleibt.

/Nach der Beschaffenheit des Seegrundes pflegt das Meer auch verschiedne
Farben zu haben. Doch hat das rothe, weiße und schwartze Meer nicht von sei-
nen Farben, sondern von den Farben der Einwohner seine Benennung.
Das Gras-Meer bey Guinea bekommt den Namen von dem darauf
schwimmenden Grase welches Sargasso oder Parro; Porra, Parray ge-
nannt wird. Es heißt dahero Mare_del_Sargasso. das Meer ist da mit diesem
Sargasso gäntzlich bedeckt, daß die Schiffe einen guten Wind haben müssen

/ um~

/|P_030R δZ_9-14

/Im heißes-
ten und
kältesten
Clima ist
es am
durchsich-
tigsten. ~

/|P_31

/um durchzukommen. Auf diesem Gras oder Meer Laub halten sich auch viele
Frösche auf. In der Entfernung sieht das Meer wie eine grüne Wiese aus, ist
aber von einer unergründlichen Tiefe. Man findet auch ein solches Seegras
an der Küste von Californien, an den Mexicanischen und überdem an den Ame-
ricanischen Küsten am häufigsten. Woher kommt es aber, daß, da doch die Win-
de das Kraut sehr herrumwehen, dasselbe blos an einigen Stellen auf dem
Meer gefunden, und nicht zerstreuet wird, ohnerachtet es gar nicht mit der
Wurtzel an den Boden, aber an die Küste befestiget ist? Die Ursache davon
ist diese. Es giebt sehr viele Ströhme im Meer, die sich entgegen gesetzt sind und
da wo sie zusammen kommen in einem Wirbel das Wasser herrumtreiben.
Das Wasser leidet also eine Art von Drehung, so daß das Kraut in einen Circkel
kommt und nicht herraus getrieben werden kann. Dieses Sargasso «,»(welches
auch Meer-Petersilien genennt wird), bringen die Ströhme mit sich, aus den
verschiedenen Gegenden, woher sie kommen, und behalten es stets in ihrem
Wirbel. Dieses Meerlaub kann auch nicht fortgetrieben werden weil theils
durch dasselbe kein Strohm geht, auch die Winde immer fortwehen und
es in einem continuirlichen Wirbel behalten. - Obgleich das Meer eine ei-
genthümliche Farbe zu haben scheint so ist es doch nicht. Die gewöhnliche Farbe
des Meer-Wassers, ist in einem großen Raum grünlich, welches ins blaue
fällt. Das süße Wasser hat eine graulichte Farbe, dies beweist aber nur die
Farbe von dem durchscheinenden Grunde. Die blaue Farbe scheint auch der
Luft eigen zu seyn, weil alle weit entfernete Gegenstände um den Him-
mel blau erscheinen. Daß das Wasser keine eigenthümliche Farbe habe

/ siehet

/|P_32

/siehet man auch schon daraus weil der Schlamm «,»(der die Flüsse trübe macht)
wenn es ins Wasser herrunter geht, indem der Fluß ins Meer fällt, so be-
kommt das Wasser gleich eine hellere Farbe. - Man hat auch an dem
Meer-Wasser diese Veränderung bemerckt, daß es leuchtet, sonderlich wo
der Strohm herreinbläßt, oder wo ein Schiff geht, überhaupt wo es bewegt
wird, daher sieht das Meer in der Nacht wie Milch aus. Bisweilen siehet
man Funcken herrausspringen; an den Moluccischen Inseln bemerckt
man dieses zur Sommerzeit. Ein Italiener hat davon diese Ursache an-
gegeben, obgleich man sich darüber streitet. Er hat nehmlich das See-Was-
ser durch ein feines Sieb laufen lassen, da denn gewisse Insecten zu-
rückgeblieben, an denen man dieses leichten bemercket hat. Man
nennt diese Insecten Nireen und glaubt, daß sie theils von dem Schlamm
der Fische, der auf dem Meere schwimmt, theils von den faulenden Kör-
pern der Todten Fische erzeugt werden. Andere schreiben noch das Leuch-
ten, welches wahrscheinlicher ist, dem hinaufsteigen der verfaulten Thei-
le der See-Thiere zu. - Das See-Wasser hat einen üblen Geschmack,
ja einen üblen Geruch. Dies kann herkommen von den verfaulten
See-Thieren und besonders ihrer Leiche deren Theile herraufsteigen;
dahero das untere Wasser nicht so häßlich schmeckt und riecht, als das obere.
In einigen Meeres-Gegenden trifft man an denen Küsten viele Schlan-
gen an: als an den Küsten von Indien, Spitze von Africa und 2 mahl
24 Stunden von Malaba sieht man schon die See-Schlangen schwimmen.
Was hier die Luft anbetrifft, so ist sie die gesundeste unter allen. Man hat

/ ge- 

/|P_33

/gesehen, daß durch die See-Reisen, Menschen, sonderlich die an langwierigen
Kranckheiten laboriret haben durch diese Luft sind gesund worden. Bey Mada-
gascar ist das gantze Meer mit Bimmsstein bedeckt, welches so bald die Sonne
aufgeht sich herruntersenckt. Zur Nachtzeit schwimmen sie, weil das Wasser
schwerer ist als der Stein wegen der Kälte, wenn die Sonne aber aufgeht, so
sincken sie unter weil die Wärme die Körper ausdehnt und leichter macht.

/ ≥ Von der Saltzigkeit und Bitterkeit des Meeres

/Die Ursache der Saltzigkeit des Meeres kann nicht so leicht bestimmt wer-
den, als daß das See-Wasser schon einmahl von der Natur diese Eigenschaft
erhalten hat. Halley schreibet sie dem wenigen Saltze zu, daß die Flüße
ins Meer führen deren süßes Wasser ausdünstet, das Saltzigte aber zurück-
bleibt. Diese Ausdünstung nimmt im ersten Jahre von der Meeres-Fläche
20 Zoll weg und es gehören Jahrtausende dazu, daß das Meer nur einmahl
ausdünste. Diese gäntzliche Ausdünstung aber müßte sehr oft wiederholet
werden, wenn es in dem Grade gesaltzen werden sollte. Zu dem führet
der Regen und Schnee, welche aus den Dünsten des Meeres entstehen in der
That mehr Saltzigkeit dem Lande zu als Fluß-Wasser. Einige nehmen
Saltzklippen in der See an. Beweiß aus dem Saltz der Insel Ormus,
und den Helsischen Saltz-Küsten und aus dem Saltz in den Berg-Wer-
cken. Es ist aber glaublich, daß da wo Saltz«w»bergwercke sind, vormahls
Bassins von Meeren zurückgeblieben sind, die mit der Zeit ausgetrock-
net und ihr Saltz zurück gelassen haben, woraus solche Bergwercke ent-
standen sind, wie zu Wilicza bey Cracau. Dieses Saltz hat allso vom alten

/ Meer

/δLage_E

/|P_34

/Meer seinen Ursprung genommen. Wahrscheinliche Erklärung aus dem al-
ten Zustande der Erde, da das Wasser alles feste Land bedecket, und das Saltz des-
selben ausgesäuet habe. Vieleicht ist alles Saltz ein Produckt des Thierreichs,
oder der See_Thiere, indem indem diese das Saltz haben durchciculiren lassen, wel-
ches sich hernach in See-Saltz verwandelt. Das Saltz ist vermuthlich nicht im
Meere entdeckt, sondern auf dem Lande wo es sich augenscheinlich setzt. Von
diesem See-Saltze kommt alles Erd-Saltz her und die Saltz-Quellen schei-
nen zu entstehen von den Saltz-Gebürgen.

/Der Seefahrer nennt das süße Wasser, womit zugleich Saltz vermischt ist
Brand-Wasser. Alle Meere die mit dem Ocean gemeinschaft haben sind
saltzig. Im Geschmack hat es zwey Eigenschaften,

/a) Die Saltzigkeit

/b) Die Bitterkeit

/1) Die Saltzigkeit. Diese ist ungleich. An Küsten wo viele und große Flüße
sich ins Meer gießen ist das Meer weniger saltzig, als an andern wo weni-
ge und kleine sind. Nahe an der Oberfläche weniger als in der Tiefe. In
den temperirten Zonen weniger als in denen die nahe am Aequator lie-
gen, oder aber an dem Eis-Meer. Der Saltz Innhalt ist sehr verschieden. Die
Ost-See soll den 60ten Theil Saltz, die Nord-See den 30ten und das mittel-
ländische Meer in der Gegend von Malta wo es am stärcksten gesaltzen ist
den 8ten Theil von Saltz in sich fassen. Das todte Meer welches vermuth-
lich durch Erdbeben entstanden, ist in heißen Jahres-Zeiten so gesaltzen, daß
man, wenn man das Schwimmen gleich gar nicht versteht doch darauf schwim-
men kann ohne unter zu sincken, weil es zu der Zeit wegen seines schweren
Gewichts noch schwerere Körper tragen kann.

/ Die

/|P_35

/Die Grade des Saltzes beym Meer richten sich

/a) Darnach. Jemehr das Meer-Wasser mit dem Fluß-Wasser vermischt ist, desto we-
niger Saltz führet es mit sich. Die Ost-See bekommt mehr Wasser zugeführt, als
sie durchs ausdünsten verlieret. Die Nord See bekommt zwar auch durch Flüße
vieles Wasser zugeführt, allein sie ist mehr mit Meere verbunden. Den Grad
der Saltzigkeit des Wassers, welcher zum Fleisch-Saltzen hinreichend ist, fin-
det man mit einem Ey, welches alsdenn in die Höhe steigt, wenn der Grad
da ist.

/b) Nach der Trockenheit des umgränzenden Landes. Denn wenn die um-
gränzenden Länder trocken sind, so giebt es darinnen wenig Flüße, wel-
che ihr süßes Wasser ins Meer ergießen und dessen Saltzigkeit dadurch ver-
mindern können.

/c) Nach dem Clima. Im heißen Clima ist ebenfalls da Meer Wasser sehr ge-
saltzen, und dieses aus eben den Ursachen. An den temperirten Zonen
ist also weniger Saltz, als an denen die am Aequator liegen, doch ist hie-
bey merckwürdig, daß das Wasser im Eis Meer fast am stärcksten mit Saltz
angefüllet zu seyn scheint. Dieses kommt daher, weil blos das süße Wasser
bey der Kälte gefrieret. Im heißen Erdstrich ist das Meer nicht saltziger als
im kalten. In der Eis_Zone frieret das süße Wasser, und das zurückge-
bliebene ist fast lauter Saltz.

/Es giebt einige Meere welche mehr ausdünsten als ihnen durch die Flüße
zugeführet wird, z. E. das Caspische Meer. Die Ost-See aber empfängt mehr
Wasser als sie ausdünstet. das Mittelländische Meer dünstet auch mehr mehr

/ aus~

/|P_035R δZ_13-17

/an der Küs-
te der Barba-
rey, auch an
der Küste
von Tunis
ist es sehr
saltzig. ~

/|P_36

/aus, als ihm durch die Flüße zugeführet wird, daher ist es stärcker gesaltzen
als der Ocean selbst, so daß man bey Malta auf 1 %Pfund Wasser den 4ten Theil
Saltz folglich 8 Loth rechnet.

/Das See-Wasser ist nicht nur wegen des Saltzes zum Kochen nicht zu ge-
brauchen, sondern auch wegen des besondern Geschmacks der dabey ist und
das ist die

/Die Bitterkeit. Es hat einen Pechartigen oder Steinkohlen Geschmack.
Es kann weder zum Trincken noch zum Kochen gebraucht werden, wel-
ches Bittere gleich ein Erbrechen verursacht. Doch trincken die Kühe auf den
Inseln von Capo Verde es. Die Menschen auf den Inseln Utaheite bedie-
nen sich auch desselben, da sie doch nicht wissen wie das Saltz vom Wasser ab-
zusondern ist. Um ihr gebratnes oder gekochtes Fleisch zu saltzen, tauchen
sie es in dasselbe ein. Wenn man von Stein-Kohlen Spiritus etwas in
Saltz-Wasser tröpfelt, so bekommt man eine gekünstelte Bitterkeit, die
der natürlichen Bitterkeit des Wassers gleichet. Wenn man von dem
Saltz-Wasser Brodt backet, so wird solches auf den andern Tag gantz
bitter. Woher kommt die Bitterkeit des See-Wassers? Einige haben ge-
glaubt sie rühre her von einer bitumineusen Materie und hieraus denckt
man zu erklähren, daß im Grunde des Meeres gantze Schichten von Stein-
kohlen liegen müssen, oder daß auf dem Grunde sehr viel Erd Pech, bitumen
sich befinden müsse. Allein wenn es ein Chemicus mit der grösten Sorg-
fallt untersucht, um durch Mittel dergleichen herrauszutreiben; so hat
man doch niemahlen etwas Pechartiges gefunden und man hällt da- 

/ hero

/|P_37

/hero diese Meinung für ein Hirn-Gespinst. Andere haben diese Ursache an-
gegeben: Man hat ein Saltz, das heißt Bitter-Saltz. Dies hat zum Grunde,
die Erde die aus jedem Wasser hervorgebracht werden kann: i: e m<a>gnesia,
die aber mit Vitriol-Säure angefüllet ist; allein alsdenn müßte unser
Saltz eben dasselbe seyn. Eigentlich aber kommt die Bitterkeit von der
Kalck-Erde her, denn alle Geschöpfe der See sind kalckartig und man
kann aus allen Kalck brennen.

/ ≥ Wie das Wasser süß zu machen. ≤

/Beym Mangel am süßen Wasser, tauchen die Matrosen die Kleider ins
Wasser zu ziehen sie so naß an, welches ihnen einiger maaßen statt des Trun-
ckes dient, doch halten sie es nicht gar zu lange aus. Es ist besonders daß noch
im Jahre 1770 die Physici geglaubet, daß es gantz unmöglich sey, daß See-
Wasser auf einen andern Geschmack zu bringen. Man hatte zwar durchs
öftere Distiliren das Saltz desselben weggebracht, aber doch nicht seine
Bitterkeit. Muschenbrueg war einer von denen, welche dies gezeigt ha-
ben, nemlich, daß es möglich sey das See-Wasser süße zu machen. Endlich
hat ein Englischer Schiffs_Capitaine, der sich mit seinem Schifs-Volck in
Noth befand, weiter nicht als daß er wegen Mangel der Röhren einen
flintenLauf nahm und es durch denselben distilirte. Er kochte nemlich
das See-Wasser in einem Grapen und ließ den Dunst durch einen Flin-
tenlauf gehen der in Wasser herrausfloß. Denn das leichte süße Wasser
dünstete aus, das schwere saltzige Wasser aber blieb auf dem Boden. Die-
ses ist eine leichte distilation welche man bey einem jeden Schiff machen

/ kann

/|P_38

/kann. Es ist aber zu bewundern, daß es den Chimicis nicht gelungen. Man kommt
daher auf die Meinung, daß die eiserne Flinten-Laufe etwas dazu beygetra-
gen habe, denn man nahm vorhero nur blos gläserne Röhren. Nun nimmt
man aber ein Gefäs übers Feuer, welches einen Flinten-Lauf hat, dassel-
be ist an einem andern Gefäß appliciret wozu denn noch die Vorlage gehö-
ret. Auf diese Weise kann man eine solche Quantitaet süßes Wasser ma-
chen, daß Leute auf vielen Reisen von süßem Wasser leben. Allein die ehe-
mahligen Chimici nahmen glaserne Retorten, klebten sie fest zu, so daß
das luftige wenige bittere Saltz, welches sich im See-Wasser befindet, nicht
ausdünsten konnte. Dieses war also die Ursache daß das Wasser immer
bitter blieb, weil man den Dunst nicht heraus gelassen hatte.

/Daß wir das See-Wasser nicht trinken können kommt aus Gewohn-
heit. Die Einwohner der Insel Utaheite nehmen in einer Cocus-Schale,
Saltz-Wasser und tauchen ihre Speisen ein. Die Spanier fangen,
wenn sie von Macilla nach Aquapulio zurückfahren den Regen wel-
cher daselbst jederzeit zu einer gewissen bestimmten Jahres-Zeit fällt,
mit aufgespannten Segeln auf und verschaffen sich auf solche Art
süßes-Wasser. Sie verlassen sich auf diesen Regen dergestalt, daß wenn
er nun ein einzigmahl ausbliebe, sie alle umkommen müsten, weil
sie gar kein frisches-Wasser mitnehmen.

/Das Saltz-Wasser wird auch in den Innländischen Seen angetroffen
z. E. der Ost-See. Es wird hier aber kaum der 45ste Theil des Was-
sers Saltz seyn, hingegen ist es in der Nord-See schon saltziger. Es giebt

/ auch

/|P_39

/auch einige innländische Seen, welche kein Wasser in die See liefern.
Diese sind auch sehr saltzig z. E. das todte Meer. Dieses trocknet öfters so
aus, daß wohl im Sommer zwey Meilen weit hineingegangen werden
kann; es läßt aber alsdenn nur einige Pfützen zurück, die durch ihr lan-
ges Stillstehen so faulend geworden, daß sich die dort wohnenden Leute,
wegen des üblen Geruchs weit und breit zurück ziehen müssen. Den
Jordan aber, der durchfließt wird man alsdenn sehr deutlich gewahr,
der aber auch so etwas Faulendes an sich hat, daß man Geschöpfe hinein-
werfen kann die man will, so werden sie nicht schwimmen. Dieses
Meer führet aber auch nur wenige Thiere mit sich, auch wenige Vögel
sind da anzutreffen, welches nicht nur von den schädlichen Ausdünstun-
gen herkommt, sondern auch weil sie dort wenig zu fressen finden.
Ein gewisser Schiffs_Capitain, wollt einmahl einen Geyer schießen,
allein die Einwohner baten ihn, es möchte es doch nicht thun, weil sie
selten einen Vogel zu sehen bekämen, ja sie sie selbst mit ihren we-
nigen Brodten fütterten. Das Caspische Meer ist (wie oben gezeigt)
auch sehr saltzig, denn es fließt kein Strohm herrein, läßt aber auch
keinen herraus. Denn wenn man einen Strohm ausließe, so würde
es bald sein Saltz verlieren, weil es doch denn immer mit süßem Re-
gen Wasser gespeiset würde. Dieses Saltz aber sucht man dem Meer
zu benehmen, und da wo man es sammlet ist die Küste von Franck-
reich, aber an der spanischen See, bey Rochelle. Mann nennt es graues

/ Saltz

/|P_40

/Saltz, weil es grau aussiehet, man kann es aber weißer machen wenn
man Ochsen Blut dazu thut wie zum Zucker. Das so genannte spanische
Saltz von St_Ubes ist sehr schon und weiß. Das Saltz wird aber gesotten
und auf folgende Art gemacht: Man macht Bassins zur Zeit der Hohen
Fluth, die 24 Stunden, so wie bey Ihnen die Ebbe dauret, Man läßt
dann diese Gruben voll See-Wasser laufen und verdammt sie, so s zieht
die Sonne das Wasser aus und denn bleibt das Saltz auf dem Grunde
zurück, welches alsdenn muß gereiniget werden. Dieses macht für den
König von Franckreich eine große Revenu. Oft aber ist das Saltz in
Franckreich dennoch theuer und es entsteht ein Mangel an Saltz. Man
wundert sich zwar darüber, allein es kommt daher, weil es im Sommer
oft in Franckreich regnet, da denn die Sonne nicht trocknen kann
und die Saltz-Gruben wegen des süßen Regen-Wassers sehr geschwächt
werden.

/ ≥ Von dem Nutzen der Saltzigkeit des Meeres. ≤

/Es scheinet ein allgemeines Bedürfniß zu Speisen zu seyn. Jedoch hat
man bey den Americanern kein Saltz gefunden, sie schickten es an-
fänglich aus, daher geschahe es, daß diese Leute kein hohes Alter erreich-
ten. Man fand zwar Inseln, als Utaheite, wo sie etwas Saltz brauch-
ten, welches in einer Suppe in dem innern einer Muschel bestand, die
sie mit ihrer gekochten, oder gebratenen Speise austauchten. Die India-
ner wollen sich noch nicht daran gewöhnen. Hingegen die Alte Welt hat

/ gleich

/|P_41

/gleich anfangs bald eine Bedürfniß daran gefunden besonders die Völcker
welche an den Küsten der See wohnten können es wohl zuerst gebraucht ha-
ben, weil sie ohnstreitig die civilisirtesten gewesen sind.

/Die Schiffe gehen im See-Wasser nicht so tief, wie sie im süßen Wasser gehen
weil das Saltz-Wasser schwerer ist, daher man auch im See-Wasser besser
schwimmen kann, als im Fluß-Wasser. Um besser schwimmen zu kön-
nen, läßt sich der Schiffer ein Camisol von Korck-Holtz machen; man nennt
einen solchen Schwimmer ein Kahn-Mann. Das Saltz-Wasser scheint auch
viel zur Fruchtbarkeit des Regens beyzutragen, denn das Meer dunstet
viele flüchtige Theile dieses Saltzes aus. Es frieret auch nicht leicht und bey
mittelmäßiger Kälte niemahls, daher ist es schiffbar und offen und es
entsteht der Vortheil für die See-Hafen. So sind die Hafen bey Bergen
in Norwegen, da es doch hier viel kälter ist als an andern Hafen immer of-
fen, da sie an andern Orten geschlossen sind.

/ ≥ Von den Bewegungen des Meeres. ≤

/Sie entstehen auf 3fache Art, durch die Wellen vom Winde, durch die Mee-
res Ströhme und durch die Ebbe und Fluth. Von welchen hier ausführlich ge-
handelt werden wird. Sie entstehen allso

/ ≥ 1) Von den Wellen-Bewegungen. ≤

/Durch die Winde werden die Wellen erregt. Das Meer bewegt sich nicht;
sondern die Winde erheben über dasselbe die Wellen, welche nicht fortgehen.
Je untiefer der Boden ist, desto stärcker ist die Wellen-Bewegung, daher

/ können

/δLage_F~

/|P_041R δZ_4-10

/In Königs-
berg kann ein
Schif tief ge-
laden wer-
den wenn
es ins Saltz-
Wasser
kommt so
wird es ge-
hoben. ~

/|P_42

/können die Schiffer vom Lande urtheilen. z. E. Die Schiffer die auf den Störfisch-
fang fahren, können schon von weiten die Küste von Terre neuve sehen, weil die
Wellen darauf nicht so lang sind. Das Wasser hebt sich und sinckt ohne eigentlich
vorwärts oder rückwärts zu gehen. Es ist also keine fortrückende sondern schauk-
lende Bewegung. Man kann das Experiment machen wenn man ein we-
nig Spreu in stilles Wasser legt, dann einen Stein, so wird sich das Wasser in
Wellen bewegen, aber die Spreu bleibt immer an ihrer Stelle. So rechnen
auch die Schiffer aus, wieviel Meilen sie in einer Stunde zurückgelegt ha-
ben, sie werfen nehmlich ihr Faß aus das ist ein hölzernes δFigur daran eine bley-
erne Kugel, damit es etwas aber nicht gantz untersincke, woran eine Schnur,
die sie immer ablaufen lassen, da denn das Schiff beym Winde immer fort-
getrieben wird, das Loth aber auf einer Seite stehen bleibt, so daß sie als-
denn sehen können, wieweit sie in der Zeit vorwärts gefahren. Die
Wellen sind entweder lange oder Kurtze. Sie sind lang, wenn die See
lang ist und kurtz oder zurückschlagend, wenn die Meere Kurtz sind. Die
langen sind die Besten, und man findt sie allenthalben im Meer. Sind
hingegen die Wellen Kurtz, so überstürtzen sie sich und schlagen zurück,
denn wenn der Wind anhaltend ist; so werden die Wellen bis auf den
Grund geschlagen, daraus denn die zurückschlagende Wellen entstehen.
Das findet man an der Küste und in kleinen Meeren, wie z. E. in der
Ost-See und verursacht dahero eine beschwerliche Bewegung des Schifs,
so daß es oft den Masten und auch den Schiffen selbst mercklichen Scha-
den thut. Weswegen giebt es aber auch in dieser See nicht lange Wellen?

/ Man

/|P_43

/man sagt, daß es nicht möglich sey, weil die Wellen zu sehr an die nahe ge-
legenen Küsten getrieben werden, wo sie denn wieder zurückgeschlagen
werden, wie z. E. im Schwartzen Meer, welches eine Länge von 90 bis 100
Meilen hat.

/Allein dieses ist ein Scheingrund, denn das kann nicht durch das Zurück-
prallen der Wellen und Winde geschehen. Die Ursache ist diese: weil
eine solche See, wie die Ost-See doch bisweilen nicht die Tiefe hat wie
der Ocean. Mithin geschiehet es, daß die Wellen-Bewegung auch im
schwartzen Meer bis auf den Grund geht; allein beym Ocean ist dieses
gantz unmöglich. Weil die Wellen bis auf den Grund gehen, so werden
sie zurück getrieben und folglich entstehen dadurch kurtze Wellen. Mit-
hin wird auch bey kurtzen Wellen das untere Wasser auf das obere
gebracht. Indem dieses nun geschieht, so muß das untere Wasser auch
kälter seyn, besonders ist dieses an den Sandbäncken und Klippen zu
bemercken. Dieses bemercken die Stockfischfahrer auf der Sand-Banck
bey Terre neuve (wovon schon erwehnt) welche 25 Faden Wassers hält
und beynahe 80 Meilen im Umfange ist. Weil nun das untere Was-
ser an der Sand-Banck herrumgetrieben wird, welches durch die Son-
ne gar nicht kann erwärmet werden, und welches die geschwinde Ab-
schüßigkeit der Seebanck verursacht, so ist es sehr kalt und dies verur-
sacht auch die Kälte der Luft bey den Land-Spitzen. Dieses bezeugen
die Schiffer die sich dort aufhalten, so, daß diese Leute starcke Nebel sehen,
und so gar bey den wärmsten Tagen Schnee und Eis gewahr werden.

/ Hieraus

/|P_44

/Hieraus ersiehet man warum die Luft an den Küsten und Bäncken so neblicht
ist und daß auch das Wasser auf solchen Bäncken kraus ist. Was die Höhe der Wel-
len betrift, so kann man sie wohl nicht eigentlich bestimmen, denn je höher
die Wellen steigen, desto stärcker muß auch der Wirbel-Wind seyn, durch den
sie herrauf getrieben werden. Zu glauben aber ist es nicht, daß ein Schiff
von den Wellen so bedeckt werden kann, daß es Gefahr laufen sollte zu sin-
cken. Denn eine jede Welle bleibt an ihrem Orte denn sie sinckt und steigt
nur. Die Wellen selbst erregen allso keine Gefahr.

/Es giebt noch zwey Wellen-Bewegungen nehmlich die hohle See und Brandung.

/a) Die hohle See. Dies ist eine Wellen-Bewegung nach dem Winde, aber
von dem Winde geht keine Wellen-Bewegung vor. Diese hohle See ist
für die Schiffe am gefährlichsten; denn weil kein Wind in die Seegel
blasen und dem bewegenden Wasser wiederstehen kann; so ist das Schiff
blos dieser Bewegung ausgesetzt. Es dauret allso nach dem Sturm die Be-
wegung der Wellen noch fort und der Schiffer muß das Schiff dem Unge-
stüm des Wassers gantz überlassen. Denn schwencket das Schiff mit Hef-
tigkeit von einer Seite auf die andere, machet die darin befindliche
Fässer los, ja zerschlägt die Wände des Schiffes. Ein Wrach ist ein Schiff,
welches seine Thaue und Masten verlohren hat und sich den Wellen gäntz-
lich übergeben muß. Ein Schiff kann bey der hohlen See den Wellen nicht
wiederstehen, weil es keinen Wind hat, es stößt auch wohl ein Schiff das
andere, so daß sich selbst gantze Flotten ruiniren können. Diese unge-
stüme Bewegung der Wellen wird besänftigt durch Oehl, wenn auch nur
eine kleine Quantitaet desselben herraufgegossen wird oder durch an- 

/ einander

/|P_45

/einander gekettete blecherne Büchsen. D: Francklin machte das erste Ex-
periment auf einem Teiche, er goß erstlich nur einen Löffel voll Oehl herrein
und dadurch brachte er schon eine Stille Bewegung hervor. Freylich bedarf die-
ses noch mehrere Bestätigung bey der entsetzlichen großen Bewegung der
See, ohnerachtet man nicht gantz daran zweifeln kann.

/b) Die Brandung der See. Dies ist das Brechen der Wellen, welches je-
derzeit an flachen Küsten statt findet und überhaupt einen abschrägigen
Ort vorraus setzt. z. E. Zwischen Sicilien und Neapel. Der See-Fahrer ver-
steht unter Brandung nicht eigentlich das Stoßen der Wellen an ein stei-
les Ufer, sondern vielmehr wenn die Wellen an einem schragen Ufer
anlaufen und dann die gröste Brandung, wenn die Welle beym zurück-
laufen umstürtzt. Es geht damit folgender maaßen zu. Die erste Welle
läuft herrauf die 2te geht weiter herrauf, die 3te noch weiter und wird
größer, bis die 5te kommt, welche so eine Menge herrabführt daß sie die
folgende herraufkommende Welle umstürtzt, welches die Brandung ist.
Dieses ist die Anzahl Wellen bis zu einer Brandung bey denn Preußischen
Küsten. Bey Guinea sollen 7 Wellen gehen. Dieses zu wissen ist in der
Schiffahrt von großem Nutzen, indem der Schiffer es immer so abpassen
muß, daß er eher anlandet, als an diesem Ort die letzte Welle hinauf
kommt. Die Küste von Svida oder die Sclaven-Küste bey Guinea ist des-
wegen merckwürdig: wenn hier ein Boot ans Land kommt, so muß der
Schiffer erst die höchste Welle vorbey laufen lassen, so die erste von 7 oder
nach anderer Meynung die 10te und denn mit der grösten Behendigkeit

/ ans

/|P_46

/ans Land rudern, sonst wenn die Welle umstürtzt, so wirft sie das Schiff
um. Im Schwartzen Meer soll die 10te Welle diese Eigenschaft haben,
nehmlich, daß sie umstürtzt. Die Alten wissen uns das schon zu nennen,
unter dem Ausdruck de Fluctibus decumanis.

/ ≥ 2) Von den Strohm-Bewegungen des Meeres. ≤

/Die Wellen-Bewegung des Meeres ist das erste so aus den Winden
entsteht, wenn diese aber einige Wochen, ja Monathe anhält, wo-
durch die Wellen eingedruckt werden, so entsteht eine Strohmbewegung.
Diese Strohmbewegung richtet sich immer nach den Küsten und nach dem
Winde. Hauptsächlich geschiehet sie durch den allgemeinen Ostwind an de-
nen Küsten. Man nennt sie courants. Sie sind aber von den Landströh-
men unterschieden. Wenn der Wind in der See das Wasser in einen rech-
ten und gewissen Zug bringt, so daurrt es ziemlich lange. Die Ströhme
werden zwar auch in der ofnen See angetroffen, wie zwischen den
Moluccischen Inseln, wo die Courants öfters die Thaue der Ancker zer-
reißen, denn sie werden dort zwischen den Inseln sehr gepreßt und da-
durch verstärckt. Die Ströhme werden auch an den Küsten angetroffen,
als im Mittelländischen Meer gehet ein Strohm an der Küste von Eu-
ropa von Osten nach Westen, ferner einer in der Straße von Messina
und der berühmten Charybdis vor dem Hafen von Messina. Die Ströh-
me werden also durch die Winde bewirckt, aber auch selbst durch die Aus-
dünstung, die immer vom Wasser weggeht und der Strohm wieder sol-
che anfüllen muß, so geht er in einer geraden Linie und verbreitet sich.
In allen Meer_Engen sind 2 Ströhme ein oberer und ein unterer. Beym

/ Sund

/|P_47

/Sund läuft der obere herrein, und der untere herraus. Die See-Ströhme sind
bisweilen sehr gefährlich, denn der Schiffer wird dadurch ohne sein Wissen an ir-
gend eine Küste, wo er nicht wollte hingetrieben. Wenn ich mich auf dem Meer
befinde, ob ich auf einem courant bin oder nicht, denn wenn der Schiffer das
Loos auswirft um es zu untersuchen, so bewegt sich sowohl das Loos als das
Schiff, er glaubt, daß er mit dem Schiff vorwärts geht, und geht ohne sein wis-
sen mit demselben zurück. Ein solcher courant ist öfters sehr groß. Es geschahe
ein mahl, daß ein Engelländer einen Französischen Caper auf eine lis-
tige Art fing. Es befand sich der Engelländer in einem solchen Courant.
Sie wollten gerne an einander und konnten nicht. Der Engelländer
muthmaßte daher, daß sie sich beyde im Courant befänden, es deswe-
gen sein Loot aus, indem er glaubte, er käm vorwärts, er kam aber
immer mehr zurück. Nun warf er mit der grösten Behutsamkeit Ancker,
ohne daß es der Caper mit dem Seerohr gewahr wurde, auf diese Art kam
ihm der Kaper immer näher, bis er ihm gerades weges in die Hände lief,
da sichs jener nicht vermuthet hatte.

/Das Cattegat zwischen der Ost_See und Nord-See ist blos wegen dieses cou-
rants ein gefährliches Wasser, denn oft glaubt der Schiffer vorwärts zu kom-
men und er kommt zurück, besonders wenn er sich bey Nacht in diesem
Cattegat befindet, so kann er leicht auf die Schwedischen Küsten stranden.

/ ≥ Von der Ebbe und Fluth Fluxus %et Refluxus. ≤

/Das Meer schwillt in 24 Stunden zweymahl auf, welches die Fluth heißt
und ziehet sich 2 Mahl von den Ufern zurück, welches die Ebbe genannt
wird. Die größte Fluth ist nachdem der Mond durch den Mittags-Circkel der

/ durch

/|P_48

/durch den Ort gehet, entweder oben oder unten durch gegangen ist. Die gröste Ebbe
geschieht 6 Stunden, so wohl zuvor, als hernach, so wie der Mond den folgenden
Tag 3/4 Stunden später durch den Meridian desselben Orts gehet; so verspä-
tet sich auch die Fluth und Ebbe auf eben dieselbe Zeit. Im neuen und vollen
Mond sind beyde größer als in denen Vierteln. Zur Zeit des Aequinoctii sind
sie in diesen Lichtern am größten, und denn heißen sie Spring-Fluth,
sonst die todte Fluth. Die Ost_See, das Caspische Meer hat keine, die Mittel-
ländische See aber nur eine geringe Ebbe und Fluth. Die gelinde Ab-
schüßigkeit des Ufers trägt auch viel dazu bey, sie sehr mercklich zu machen,
obgleich das Wasser nicht höher als anderwärts steigt noch tiefer sincket. Die
Winde so die Fluth und Ebbe treiben, haben auch ihren Antrieb davon,
die Bayen und Küsten ziehen diesem Wechsel des fluthenden Meeres
große Unregelmäßigkeit zu. Die Ursache der Ebbe und der Fluth ist in den
vereinigten Anziehungen des Meeres und der Sonne zu suchen. Newton
hat bewiesen, daß alle Welt-Körper einander anziehen. Die Gewäs-
ser unter dem Monde, werden so wohl; aus der dem Monde zugekehr-
ten als abgekehrten Seite erhaben und 90 Grad von dem Meridian
dieser Oerter sincket das Wasser. Die Anziehung der Sonne hebt das Was-
ser 2 Fuß hoch, des Mondes seine aber 8 Fuß; durch die Beschaffenheit
der Landes Küsten aber, wird beydes an manchen Orten viel höher
getrieben. Im neu und voll Monde verbinden sich beyde Anziehun-
gen und daher entsteht denn die Spring-Fluth. In den Virteln aber
ist die Anziehung der Sonne der Anziehung des Mondes entgegen, daher

/ schwächet

/|P_49

/schwächet die Anziehung des einen, das Vermögen des andern, und wir haben als-
denn die Todte Fluth, vornehmlich zur Tag und Nacht-Gleiche. Die Ebbe und
Fluth ist eine Eigenschaft aller Meere, wenn sie nur groß genung sind
und mit dem Ocean zusammen hängen, daher hat die Ost-See wenig und
das Caspische Meer gar keine Ebbe und Fluth. Bey der Fluth hebt sich das
Wasser in den Hafen sehr hoch und kann in der Ebbe so geschwinde nicht ab-
laufen, dahero es bisweilen bey der Springfluth auf 60 Fuß bey Bristoll
steigt. Bey der Ebbe kommen die Schiffe daher auf den Grund; dies ist zwar
eine Ungemächlichkeit, doch aber ist der Vorteil dabey, daß dadurch die Ha-
fen sehr gereinigt werden.

/Anmerckung. Die Ebbe dauret doch länger als die Fluth, weil das Wasser
nicht so geschwinde ablaufen kann, daher die Ebbe bisweilen 7 und die
Fluth 5 Stunden dauret.

/Die Spring-Fluth ist etwas gefährlich, in Franckreich nennet man es
die Mascaret, denn es stürtzt dann wie ein Berg auf einmahl in den
Busen hinein und ist im Stande, Schiffe, wenn sich welche da befinden,
umzuwerfen, welches jederzeit im Aequinoctio sich zutrift wo jederzeit
die größeste ist. Die Alten müssen hievon gar nichts gewust haben, merck-
würdig ist es aber doch, daß so gar vorher die Grichen nichts davon wusten,
ohnerachtet Aristoteles glaubte die gantze Natur durchstudirt zu ha-
ben. Denn als die Griechen unter dem Alexander den Indus-Strohm
herrunterfuhren, sahen sie es zum ersten Mahl und hielten es für ein

/ Wunder.

/δLage_G

/|P_50

/Wunder. Der Nutzen der Ebbe und Fluth ist vielfältig, es giebt an der
Mündung viele Berge, Sandbäncke, oder nahe unter der Oberfläche
des Wassers verborgene Sandbäncken, über welche man nur bey hoher
Fluth kommen kann. Mitt der Ebbe so wohl, als mit der Fluth, kann
man oft wieder den Wind in der See ankommen, und wie zu London
von entgegengesetzten Gegenden ankommen und weggehen.

/ ≥ Von der allgemeinen Bewegung des Meeres von Morgen gegen
Abend. ≤

/Allenthalben, weit von der Küste der Länder, bewegt sich das Weltmeer
von Morgen gegen Abend, besonders in der Zona torrida. Die Ur-
sache ist in der Ebbe und Fluth zu suchen, welche nothwendig, weil
der Mond sich um die Erde von Morgen gegen Abend zu bewegen
scheint, demselben in dieser Richtung folgen muß. Aber der Ost-Wind
der den Ocean im heißen Erdstrich beherscht, thut nicht viel dazu.

/Ebbe und Fluth sind an allen Seen die durch eine weitere Gemein-
schaft mit dem Ocean in Verbindung stehen, denn der Ocean ist hin-
reichend allen Se«h»en bey der Fluth, Wasser zu geben. Verschiedne Ströh-
me im Meer richten sich nach dem Mond, welche von der Ebbe und Fluth
herrühren, und es giebt nur einige, die sich nach dem Winde richten.
Die Strohmbewegung die durch die Ebbe und Fluth gewürcket wird,
geht bis auf den Grund, die durch den Wind entsteht ist nur auf der
Oberfläche; es sey denn, daß er sehr starck ist. Die Strohmbewegung
durch Ebbe und Fluth ist auf dem gantzen Ocean von Osten nach Wes-
ten; daher die Reisen nach Westen geschwinde gehen. Dieser allge- 

/ meine

/|P_51

/meine Strohm theilt sich nach den Küsten und wird an denselben in verschied-
nen Theilen dirigiert.

/Unter den Ströhmen von besonderer Art, welche Ebbe und Fluth hervor-
bringen, ist ein gar merckwürdiger;

/Der Meer-Strudel. Mit demselben hat es folgende Bewandniß. Sie
sind Würckungen durch den Meer-Strohm, welcher durch die Lage der
Küsten solche krummdrehende Bewegungen erhält, z. E. Der Charybdis
bey dem Hafen von Messina. Der Mehlstrohm an der Küste von Norwe-
gen, enthält 2 Klafter im Diameter und ist 1/2 Klafter tief. Noch ist zu
mercken der Euripus bey Negroponte (vormahls Ebea dieser zeigt diese
Würckung zu verschiedenen und zwar ungleichen Zeiten. Die Ursache
davon sind Ebbe und Fluth; denn das Wasser wird durch die Inseln auf-
gehalten und die Veränderung kann nicht so regelmäßig geschehen.
Das Gras-Meer, Sargosso rühret auch von solchem Meerstrudel her.
Viele Meerstrudeln geschehen nicht durch die reciproche Bewegung des
Meeres wo die Ebbe und Fluth, weil sie sich nach dem Monde richten. So
geht z. E. Der Meerstrudel an den Küsten von Japan zur Zeit der Ebbe
vor sich. Der Meerstrudel an den Norwegischen Küsten aber ist nichts
anders, als ein nach dem Monde abwechselnder Meeres-Strohm, wel-
che durch die Bogen der Küste, Inseln und Felsen nach und nach her-
rumgedreht werden. Das Mittelländische Meer hat keine Ebbe und
Fluth, denn der Ocean kann in 6 Stunden nicht Wasser hinzubringen
und in 6 Stunden abfließen, die Communication ist zu klein, doch wird

/ sie

/|P_52

/sie an 2 Schuhe zu Venedig gespührt. Vormahls meynte man, daß sich
in dem innern eines solchen vorgegebnen Strudels eine Circulation
befinde, allein dieses ist gantz und gar nicht zu glauben. Von einer
ähnlichen Art mit dem Meel-Strohm ist der Strudel an den dänischen
Inseln Verres. Man sagt vom Aristoteles, daß er die wunderbare Be-
schaffenheit des Euripus nicht habe einsehen können, und sich deswe-
gen hineingestürtzt. Von dem Charybdis ist zu mercken, daß er
von den Meer-Ströhmen herkomme die von dem Winde erregt wer-
den. Es stoßen 2 entgegengesetzte Ströhme bey dem il varo de Messi-
na zusammen, und es kann leicht dadurch ein Schiff auf den Strand
geworfen werden, aber noch nicht verschlungen werden. Das Pobel-
hafte fällt allso hier gantz weg, ob es gleich möglich ist, daß ein Boot,
wenn es dem Strudel zu nahe kommt, leicht sincken kann. Der Scyl-
la ist ein gegenüber liegendes Fels-Gebürge, woran sich das Wasser
sehr starck bricht und dadurch ein gewaltig Getöse hervorbringt.
Manchmal trifft es sich, daß wenn der Schiffer den Charybdis gar
zu sorgfältig vermeiden will, so wird er oft von dem Strohm an
den Fels von Scylla geworfen, und denn kann er unglücklich seyn.
Wir haben jetzt nur noch ein paar Fragen aufzulösen.

/1te Frage. Wo bleibt denn das Wasser, welches durch die Land-Flüsse
ins Meer kommt, warum wird denn das Meer nicht voller?

/%Responsio: Die Alten hatten eine wunderbahre Meynung hievon, indem
sie glaubten, daß es eben vermittelst dieser Ströhme wieder zurück

/ getrieben

/|P_53

/getrieben würde. Sie nahmen an, daß die Meere eine unterirdische Gemeinschaft
haben, wie sie solches vom Caspischen Meer, vom persischen Meerbusen, vom Mit-
telländischen Meere und rothen Meere behaupteten. Die eigentliche Ursache
aber ist die Ausdünstung als welche eben so viel Wasser wegnimt, als die Flüße
hineinbringen. Diese Dünste verwandeln sich in Wolken, diese werden über
Land geführet, verwandeln sich in Regen und Schnee, bespeisen denn die Flüße
und diese geben es der See wieder zurück. Es ist also nicht eine Art von Pump-
werck, sondern eine Distilation. Ein Meer welches mit dem Ocean keine
Gemeinschaft hat, ist ein Bassin, welches so lange mit Wasser angefüllet wird,
bis seine Oberfläche so weit zugenommen, daß die Ausdünstung der Menge,
des durch die Flüsse zugeführten Gewässer gleich ist. Es kommen aber inn-
ländische Meere, die mit dem Ocean durch Meerengen Gemeinschaft ha-
ben, welche durch die Ergießung der Flüße mehr Wasser bekommen, als sie
durch die Ausdünstung verliehren, und denn ströhmet das Wasser aus ihren
Fretis herraus, z. E. beym schwartzen Meer oder der Ost-See: oder sie haben
weniger Zufluß, als die Ausdünstung wegnimmt und alsdenn drückt bestän-
dig das Fretum das Gewasser des Oceans hinzu, wie beym Mittellandi-
schen Meer. Es müssen hiebey die 2 wiedrige Ströhme in den Fretis erkläh-
ret werden, da z. E. der oberste im Sunde aus der Ost-See ausfließt, das
untere Wasser aus der Nord_See in die Ost-See ziehet. Imgleichen da im
Schwartzen Meer das obere Wasser durch die Dardanellen ins Grichi-
sche Meer fließet und das untere Wasser in entgegengesetzter Richtung
zurückströhmet. Da hin gegen fließt das Gewässer des Attlantischen Oceans
durch die Meerenge von Gibraltar oberwerts ins Mittelländische Meer

/ und

/|P_54

/und in größerer Tiefe findet man bey eben diesem Freto ein Strohm, der
aus dem Mittelländischen ins Attlantische Meer gehet. Wenn es möglich
wäre, daß die Straße von Gibraltar vermauert würde, so würde das Mit-
telländische Meer, welches so stark ausdünstet, da es zu wenig Flüße hat,
indem aus dem Attlantischen durch die Straße von Gibraltar nichts mehr
hineinfließen könnte, anfangen auszutrocknen.

/2te Frage. Ob das Meer in allen seinen Theilen gleich hoch sey oder ob eins
höher liege, als das andere und folglich auch höher Ströhme.

/%Responsio. Einige Autores haben behauptet, das rothe Meer sey höher, als das Mittel-
ländische, und darum sey es auch unmöglich beyde durch einen Canal zu
vereinigen. Eben so geben die Spanier vor, daß das Attlantische Meer
höher liege, als das Stille Meer und deswegen die Landenge bey Pana¥
ma durchzustehen unmöglich wäre, weil sonst dadurch die dort umliegen-
den Länder würden überschwemmet werden. Indes gründet sich die-
ses wohl nicht auf physische Ursachen, sondern vielmehr auf politische Ab-
sichten, denn das Attlantische Meer kann unbeträchtlich höher seyn, als
das Stille. Allein wie gesagt, die Spanier haben hiebey politische Ur-
sachen, dies nicht zu thun, denn sonst würden sich gleich die übrigen Europäi-
schen Seemächte des Schlüssels bey Panama zu America bedienen
und mithin leicht die Spanischen zugethanen Länder unter Contribu-
tion setzen können. Und so dencken noch die Türcken die bey Suetz leicht
einen Canal stechen könnten. Varenius sagt die Nordsee sey höher als die
Süd-See. Bey näherer Erwägung ist es allso fast nicht möglich, daß ein

/ Meer

/|P_55

/Meer höher liege als das andere und der kleine Unterschied könnte etwa
von den Meerströhmen herrühren, die sich an eine Küste mehr als an die an-
dere stoßen.

/ ≥ Die Merckwürdigkeiten des Eismeeres. ≤

/Den grösten Theil der Meere, die in der Zona Frigida sind, nennt man Eis- 
Meere, weil es immer mit Eis bedecket ist. Es wird immer generirt, und ein
großer Theil geht in die andern Meere. Wir haben zwey Eis-Zonen, nem-
lich da wo den kürtzesten Tag die Sonne gar nicht aufgeht und den längsten
Tag im Jahr, wo die Sonne gar nicht untergehet. Das ist unter dem Pol«en»ar-Cir-
ckel, wo sie den längsten Tag %den 22ten Julius und den kürtzesten %den 22ten
Septbr: haben. Man nennt sie die Zonam frigidam. In diesem Eis-Meer
findet man in großen Mengen Treibholtz und Treib-Eis.

/1) Das Treibholtz. Wir wissen daß die Küsten aller Länder am Eismeer
leer von Holtz sind, und es würde auch Niemand sie bewohnen können,
indem es ohne Zuwachs an Holtz gar nicht möglich wäre; An der West- 
Küste von Island wird so viel Holtz angetrieben, daß sie damit Handel trei-
ben können, auch an Kamschatka und Siberien wird eine Menge Holtz
von der See angetrieben. An Grönland selbst an dem Hutsons-Bey bekom-
men die Einwohner in solcher Menge Holtz, daß gantze Flösser von dem-
selben angeschwommen kommen, für welche sich oft die Schiffer mit den
Schiffen in acht nehmen müssen. Von dem Holtz bauen sich die Grönländer
Hütten, nur wissen sie sich kein Dach zu machen. Merckwürdig ist es, daß
es selbst die Straße de_la_Mère durchtreibet und bey dem Capo_del_Fuego
vorbey gehet.

/ 2: Wo

/|P_56

/2) Wo kommt die Menge Holtz her da es an den Küsten doch nicht wächst?

/%Responsio. Die Bewegung des Meeres ist von Norden nach Süden aber an den Küsten von
Süden nach Norden, daher wird alles Holtz, Welches durch die Ströhme, besonders den
Missisippi_Strohm ins Meer abgetrieben wird von Süden nach Norden getrieben,
und das Wasser wirft es an die Küsten. Wenn aber die Gegend von Missisippi
mehr bevölckert werden wird, wenn sie die Wälder mehr aushauen und dem
Strohm einen freyen Paß geben werden: so wirds den Bewohnern Nordens an
Holtz fehlen. An der Küste von Ißland wird allerley Holtz angetrieben auch
Färbe_Holtz z. E. das Blau_Holtz, welches die Färber brauchen. Auch werden
die Eisschollen starck von Norden nach Süden ins Attlantische Meer geführt,
an den Küsten dort ist aber schon wieder ein anderer Strohm, der den Eisschol-
len entgegenströhmt und dieses Wasser gehet also immer wieder nach Norden
mithin auch dasjenige Holtz welches die Flüße in die See führen. Oft wird
nun das Treib-Holtz an dem Treib-Eise dermaßen gerieben, daß das Holtz zu
brennen anfängt. Es wird auch vom Missisippi_Strohm eine solche ungeheure
Menge Bäume abgetrieben, daß sie bisweilen Wurtzeln fassen und auf solche
Art neue Inseln entstehen.

/2) Das Treib-Eis. Das Eis-Meer führt ausserordentlich großes und dickes Eis
mit sich. Man unterscheidet in demselben,

/a) Das Pack-Eis oder die Eisschollen, welches große Stücke Eis sind welche zu-
sammengetrieben werden und auch gantze Schiffe zerschmettern wenn
sie zwischen ihnen kommen. Die kleinen Eisschollen sind gefährlicher
als die großen, weil diese das Schiff versetzen und es zerdrücken.
Ihren Ursprung haben die Eis-Schollen wohl von den großen Flüssen,
die aus den Nordlichen Gegenden kommen und dann ins Eismeer ver- 

/ fallen

/|P_57

/fallen, als der Fluß Oby, der sehr viel Eis mit sich führt. Wie es aber zu der Dicke
kommt, weiß man noch nicht. D. Forster hat die Dicke desselben entdeckt. Man
weiß, daß der zehnte Theil des Eises über dem Wasser steht und hervorragt. Nun
ist gefunden, daß das Eis über dem Wasser zweyhundert Fuß gestanden, also
muß es 10 mahl so tief unter dem Wasser stehen, i. e. die Eisscholle ist 2.000
Fuß dick gewesen. Es hat auch manchmahl das Pack-Eis gewisse Farben, und
macht unendliche Bilder von weitem.

/b Das Eis-Feld, welches eine gantze Bedeckung des Meeres ist, es ist so sicher
wie Land, wenn nur nicht das Pack-Eis darauf kommt. Es giebt einige
Felder, die 2.000 Fuß dick sind, wenigstens doch 70 bis 80 auch 100 Faden.
Was ihre Größe betrifft, so sollen sie oft wie große Länder groß seyn. Die See-
leute gehen öfters auf demselben und finden gantze Teiche ja Seen frisches
Wasser darauf, welche durch Schmeltzen der Sonne entstanden und woraus sie
oft in der Noth ihre Fässer damit anfüllen. Es halten sich auch Vögel und aller-
hand Thiere darauf auf, z. E. die Wallrosse und Seehunde, welche die Schiffer
tödten. Merckwürdig aber ist es, daß wenn ein solches Eis-Feld platzt, so zer-
reißt es in viele tausend Stücke. Dieses machen sich dann die Boots Leute
zu Nutzen, indem sie denn durch das Eis-Feld hindurch fahren, denn zwischen
2 Eis-Schollen kann man sicher durchfahren. Die Eisfelder erzeugen um
sich einen Nebel, welcher von weiten blau und also wie ein Land aussieht,
so, daß die Seeleute zuweilen es auch gewiß dafür halten, ja es wurde ein-
mahl ein Englischer Capitain dahin geschickt, um es zu entdecken, er sahe aber
bald, daß es ein dicker Nebel war. Dieser Nebel hat auch wunderliche Gestallten

/ wegen

/δLage_H

/|P_58

/wegen der mehrern oder wenigern Ausdünstung einiger Stellen. Des Tages sieht der
Schiffer den Nebel, des Nachts merckt er den Nebel, wenn er eine Kälte auf dem Ge-
sicht fühlet als wenn er ins kalte Wasser getaucht wird.

/Auf den Eisfeldern können Leute wohnen, wenn nur nicht das Packeis auf das-
selbe kommt. Die Eisfelder verstopfen öfters die See so, daß das Schiff gar nicht
fahren kann. Daher die Russen wohl 20 Jahr probieren musten, ehe sie aus dem
Fluß Oby nach Novazembla kommen konnten, oft aber ist es auch beständig of-
fen. Bey Spitzbergen waren etwa %anno: 1773 oder 74, 50 Schiffe in ein solch
Stück Eis verstopft, 20 hatten sich los gemacht eher es sich noch gäntzlich verstopft
hatte mit 24 gieng der gantze Eisklumpen weg und zog über 300 Meilen
bis nach Grönland nur ein Schiff blieb und etwa 15 Mann kamen nach Grön-
land. Alles Eis ist süß, allein ein gewisser Englischer Artzt hat gefunden, daß das
Wasser nicht sehr gesund seyn soll, indem das Volck, welches das geschmoltzene
Eis-Wasser getruncken, Drüsen um den Hals bekommen hat und wer weiß
ob dieses nicht auch die Ursache ist, daß die Nordischen Völcker, welche sich desselben
bedienen, sehr stumpf von Sinnen sind. Die Eis-Schollen ziehen sich allmählig
nach Süden, allwo sie, wenn sie auch noch so lange liegen, doch wenig oder gar
nicht schmeltzen. Sind wohl aber diese Eis-Schollen vom Wasser selbst gefroren,
oder ist es vom Flußwasser welches dahin getrieben wird? Wir müssen uns nun
wohl an die Erfahrungen der neuern halten, welche wegen der bläulichen Cou-
leur des Eises behaupten, daß das Seewasser in dieser kalten Nordlichen Lage
noch gefriere. Daß es aber süß ist, kommt daher, weil durch den Frost das Saltzwas-
ser concentriret wird. Das Eismeer überhaupt hat auch für uns einen großen
Nutzen, wegen des Wallfisch-Fanges, der Theils bey Spitzbergen theils bey Groen-
land auch bey der Straße Davids geschiehet. Wenn nun der Wallfisch nachge- 

/ stellet

/|P_59

/stellet wird, so sucht er sich oft zwischen den Eisfeldern zu verbergen, allein er kommt
bald wieder hervor, wenn er nicht ersticken will. Man besucht aus deswegen die-
se Gegenden, weil man glaubt, daß hier die Pforte sey, von woraus uns alle Welt-
theile offen stünden, wenn man nur durch das Eismeer durchkommen könnte.
Zwischen Spitzbergen und Groenland geht es gar nicht an, bey Novazembla ist
es einigermaaßen möglich, aber weiter hin nach Norden ist es auch wegen der
großen Menge Eis nicht möglich. Es sind auch Eis-Berge im Meer welche schwim-
men und sehr hoch sind, so daß die Schiffe vor und hinter selben sich nicht sehen können.
Die Ursache von der Dicke des Eises und besonders der Eis-Berge müssen doch
die Meerströhme seyn, welche immer unten mehr frieren.

/ ≥ 2tes Hauptstück.

/Geschichte des vesten Landes und der Inseln. ≤

/Wir bemercken hier vorläufig eine Beschreibung des vesten Landes, mit allen
den Mannigfaltigkeiten, die blos das Land darbietet, in so fern es von dem Mee-
re unterschieden ist. Was die Structur oder das Bauwerck des vesten Landes
anlanget, so muß man dabey mercken

/1) Der Umriß der Erde, und da können wir sagen ist alles entweder vestes
Land oder Inseln. Das veste Land ist entweder bekannt oder unbekannt.
Den bekannten Theil des vesten Landes, als, Europa, Asia, Africka, nen-
nen wir das alte Continens und America das neue Continens. Dieses veste
Land ist aber mit lauter Busen durchdrungen und daher erstreckt sich dieses
Continens durch lauter Halbinseln oder Landspitzen wieder in die See
und macht dadurch eine große Irregularitaet.

/2) Der Aufriß oder Profil, dieser betrachtet, 1 Die Höhe, 2) Die Tiefe.

/ 3)

/|P_60

/3) Die Bauart, oder das Innere der Erde, Erdgeschichte, wo also von den Bergwer-
cken, Höhlen, und andern Sachen gehandelt wird.

/Der Grundriß der Länder ist die Gräntze der Erde, in so fern sie mit Erde um-
schlossen ist. In wie fern die Berge verzeichnet werden, ist es ein Profil-Riß. Die
alte Welt ist im Grundriß bekannt, von der Neuen hat man ihn nicht, denn man
hat das Ende noch nicht entdeckt.

/Gleich wie der Boden des Meeres eigentlich ein Thal ist, daß mit Wasser über-
schwemmet worden, so ist alles Land ein Berg, dessen Fuß im Meeres-Grun-
de anzutreffen ist. Alles Land hat dem zu Folge einen Abhang von den Ge-
genden seiner größten Erhöhung bis in die Tiefe des Meeres. Die oberste Hö-
he des vesten Landes ist mit Gebürgen besetzt, die nach der größten Länge des-
selben fortlaufen. Auf der Abschüßigen Fläche des Landes laufen Flüße her-
rab, die in Gebürgen ihren Anfang nehmen. Das veste Land hat seine grös-
te Erstreckung auf der Nordligen Seite, je näher es nach Süden ist, desto mehr
verliehret es sich ins Meer. Daher die Landes-Spitzen und Halb-Inseln meh-
rentheils nach Süden hingerichtet sind. Man findet wenn man den Lauf der
Flüße beobachtet, daß, das meiste Land gegen Süden und Westen steiler und
abschüßiger sey, als gegen Osten und Norden.

/ ≥ Von den unbekannten Ländern. ≤

/Es giebt einige Länder, die wir im Umfange so wohl, als dem innwendigen
nach kennen, andere kennen wir allein in ihrem Umfange. z. E. America,
andere sind nur an ihren Vorgebirgen und andere an einigen Küsten bekannt.
Zu diesen gehören Grönland, Neuholland, zu jenen einige Spitzen des un-
bekannten Austral-Landes. Noch andere werden nur vermutet, z. E. Meer- 

/ Inseln

/|P_61

/Inseln im großen Stillen Meer große Austral-Länder. Bey einigen ist man noch
beschäftigt Entdeckungen zu machen, als durch die Durchfahrt in Nord-Ost und
Nord-West, da kann die erstere durch die Holländer und Russen die andere
durch die Engelländer versucht werden. Endlich giebt es auch Länder auf denen
man ehemahls gewesen, die man aber jetzt nicht mehr kennet, z. E. Die Ost-
Küsten von Grönland.

/Wir wollen nun aber von solchen Ländern handeln, deren Küsten uns zwar
bekannt sind, deren Inneres aber gantz und gar nicht bekannt ist und dieses
macht schon einen großen Theil der Geographischen Kenntniß aus z. E. Ob die
Russen nicht ihre Länder von Siberien etwas zu weit gegen Osten herraus-
gerückt haben und nicht die Straße bey denselben richtig gezeichnet sey? Diese
Frage hat ein gewisser alter Geograph in unsern neuern Zeiten zu ent-
wickeln gesucht, wo er vorgiebt: Es wäre dies von den Russen würcklich ge-
schehen, um alle die irre zu führen, welche einen Durchgang durch diese
Ströhme suchen wollten. Die übrigen Küsten von Asia, Africa und Ameri-
ca, nebst der Ost-West-Küste des Letztern sind uns auch mehrentheils bekannt.
Dem Innhalte nach kennen wir Europa gantz, Asien nicht gantz und nur
wenige Theile desselben. Das Land welches dem Rußischen Reiche Süd-
wärts liegt die Barbarey der Mougalen ist ehedem durch viele Reisen
bekannt gewesen. Jetzt beherschen es die Chinesen und diese sind sehr mißtrau-
isch, deshalb ist es nicht möglich sie jetzt zu durchreisen. Es ist auch an diesen Län-
dern nicht so viel gelegen außer an Tibet. Jetzt hat sich eine Gelegenheit ge-
funden Tibet zu untersuchen, denn der Hertzog von Bengalen hat einen
Gesandten nach Tibet geschickt. Das innwendige von Arabien ist gantz un- 

/ bekannt

/|P_62

/bekannt, ausser die Küste von Hetscha; Die Europaeer aber können nur in 2
Hafen ankommen. Africa ist in seinem gantzen Umkreise bekannt genung
im Innwendigen aber gröstentheils unbekannt. Die Küste der Barbarey
kennt man so ziemlich; Egypten auch Nubien aber an den Seiten hat man es
nicht gesehen. In Abyssinien kennt man die Küste Gondal: Von Guinea
kennt man einige Stellen, wo man Neger zu Sclaven kauft. Genegorgia
kann man am besten kennen, aber die Europäer dürfen sich nicht viel hin-
wagen, denn die Engelländer haben sich treuloß aufgeführt und die Leute zu
Sclaven weggenommen. Die Wüste Sara ist von den Europäern gar nicht
bereist, es müssen daselbst nicht viel Bewohner seyn. Zwischen dem Nubien
und dem Senegal-Strohm müssen viele schöne Länder seyn, denn zwey Ar-
menianer sind einmahl von Nubien, bis an die Spitze von Guinea zu den En-
gelländern mit ihren Waaren gereist. In Africa sind gantze Welttheile
unbekannt. Es wäre zu wünschen, daß Abissinien bekannt würde, denn es ist
auch ein Christlich Volck, es hat eben so eine Bibel wie wir, vorzüglich aber wegen
des Reichthums der Natur. Das Schlimmste hiebey ist aber daß sichs die Europäer
selbst schwer machen, und zwar wie schon gesagt, weil sie sehr dazu incliniren
die Menschen zu haschen, und sie in ihre Zucker-Plantagen zu bringen; des-
halbb scheuen sich die Einwohner vor ihnen und haben kein Zutrauen zu densel-
ben. In America besitzen die Europäer. (Was nach Nordwesten ist, ist unbe-
kannt.) Das Land der Patagonen ist von den Europäern nicht bewohnt, aber
an den Küsten, auch in der Mitte so ziemlich bekannt. Das Amazonen-land
ist unbekannt. Bey Guiana soll unter dem Aequator ein Land Eldorado und
darinnen eine Stadt Macca seyn, es soll den größten Ueberfluß an Gold ha- 

/ ben

/|P_63

/ben, welches die Neugier vieler gereitzet und vielen das Leben gekostet hat. Zur
See geschehen einige Entdeckungen zur jetzigen Zeit, nicht blos aus Eigennutz,
sondern deswegen, weil der jetzige König von Engelland ein Liebhaber von
Seereisen oder Reisebeschreibungen ist, und auch schon in seinen jüngern Jahren
damit unterhalten wurde, da er viel Geschmack an der Geographie fand. Auch
ist Coques deswegen wieder ausgeschickt um im Südmeer einige neue Ent-
deckungen zu machen. Die Englischen Reise-Beschreibungen haben uns hierin
überhaupt schon mit einem großen Theil der neuentdeckten Erde bekannt
gemacht. Zwey Passagen haben nun die Seefahrer um einen Weg durch Eis-
meer zu suchen, nehmlich die Nord-Ost-Passage welche von den Russen gesucht
wird, und die Nord-West-Passage welche die Engelländer suchen. Was die in Nord-
Ost betrift, so haben diese die Holländer sehr gesucht; der Engelländer Wood hatte
sichs auch vorgenommen, er fand aber ein Meer das gantz mit Eis bedeckt war
und welches er gar nicht übersehen konnte, er gieng allso unter viel Gefahr wie-
der zurück. Die Russen haben auf ihren Ströhmen nach dem Eis-Meer einige Ent-
deckungen gemacht, so daß sie nach Kamschatka kamen, allein wie kommt
man von Archangel aus nach Kamschatka, übers Eis Meer? Diese Frage ist
noch nicht beantwortet. Denn wie ich von Kamschatka nach China und so weiter
kommen kann, daß ist leicht und einem jeden dieser Weg frey und ist zu passiren
möglich. Wollte man auch über Land, oder auf den Ströhmen des Landes «m»nach
Kamschatka kommen, um von dort aus China die Waaren zu holen, wür-
de dies ein Weg von 1200 Meilen seyn und da fände gewiß in Europa kein
Handel mit diesen Waaren statt. Indessen ist noch immer die Möglichkeit da,

/ daß

/|P_64

/daß ein solcher Weg durchs Eis-Meer könnte gefunden werden. Die West-Nord-
Passage könnte noch leichter durch die Wallfisch-Fahrer entdeckt werden, indem dem-
jenigen der bis auf die Höhe des Pols kommen wird, 20.000 %¿¿¿ versprochen worden
sind, und der ein Grad näher kommen wird 2.000 %¿¿¿. Bis auf auf 80_1/2 Grad ist man schon
gekommen.

/ ≥ Von den Inseln. ≤

/Es giebt Inseln die weiter nichts sind, als Spitzen, als Felsen. Man nennet ein
Meer, welches viele Inseln enthält einen Archipelagum und was dahero auch viele
kleine Meere in sich hat. Der gröste Archipelagus ist der Griechische, ferner der Ar-
chipelagus der Antillischen, der Philippinischen der Latronischen der Moluccischen
Inseln; und einer der merckwürdigsten sind die Maldiwischen Inseln, deren
einige Tausend sind, die eine Basis haben, auf der alle Inseln liegen die Strecke
kann wohl 3te halbtausend Meilen lang seyn. Der König nennt sich Herr von
12.000 Inseln. Man hat zwey Straßen durch dieselbe. Diese Inseln aber brin-
gen keinen sonderlichen Nutzen, als eine gewisse Art von Muscheln, die in Indi-
en für Geld gebraucht werden. Es sind die so genannten kleinen Otter-Köpfe,
die bey uns vormahls zur Zierde des Gezäunes der Pferde dienten. Eine Menge
von Inseln, die zusammen sind nennt man auch Gruppen, und sind niemahls
weit vom vesten Land.

/Die übrigen Inseln haben eine große Aehnlichkeit mit dem vesten Land z. E.
Neu Holland, welches eine von den größten ist, denn sie ist so groß wie Europa und
hat die wildesten Einwohner, nächst dieser Borneo, denn diese ist rund, und hat ei-
nen großen Diameter, und denn gehören noch zu den Größten Madagascar und
Japan und Sumatra. Die Insel Großbrittanien ist auch nicht so klein und Cuba
ist auch schon sehr berühmt worden, S: Helena würde auch angenehm seyn, wenn

/ nicht~

/|P_064R δZ_1-5

/Diejenigen
Meere wo
man noch
Länder ver-
muthet ist das
Mare pacifi-
cum %und das
Austral Meer. ~

/|P_65

/nicht häufige Ratzen sich daselbst befänden. Die Inseln zwischen Africa und Ame-
rica waren gantz unbewohnt. Obgleich auf den vielen großen Inseln wenig
Producte sind, so sind sie dennoch alle mit Menschen bewohnt. Altgrönland hat man
zwar entdeckt, es ist aber jetzt nicht mehr zu finden. Sie wurde zuerst von den
Dänen bewohnt, welche auch Klöster hatten. Einmal wurden einige Dänische
Kaufleute von dieser Insel nach Dännemarck gezogen, und sollten gehangen
werden, weil die Königin von Dännemarck Margaretha gewisse kleine Ein-
künfte in verschiednen Waaren von da her hat, und sie in Verdacht kamen die
Einkünfte geschmählert zu haben. Dies schreckte andere Privatmänner ab
hinzureisen. Nach 100 Jahren wollte die Dänische Krohne Grönland wieder be-
völckern, schickte auch einige Kaufleute hin; sie haben es aber nicht finden kön-
nen.

/Wir rechnen alles zum vesten Lande, was zwischen den Ströhmen ist; daher
rechnet man die Inseln in den Ströhmen auch zum vesten Land, welches
doch contradictorisch ist; man sollte sie zum Unterschied von den Meer-Inseln,
Fluß-Inseln nennen, dergleichen ist Cagere im Frantzösischen Guiana. Bäncke
unterscheiden sich von Inseln dadurch, daß sie unter dem Wasser stehen. Sie
sind zwiefach, Fels-Bäncke und Sand-Bäncke. Die Inseln sind mit Sandbän-
cken gleichsam verschantzet und dienen den Schiffern zum Anckern. Auf sol-
chen großen Bäncken ist auch gemeiniglich eine Fischerey, denn die Fische hal-
ten sich auf denselben sehr gerne in großer Menge auf. Eine der berühmtesten
Bäncke ist die zu Terre neuve, welche Felsicht ist, und tief genung unter dem
Wasser um darüber zu schiffen. Sie ist als ein unter dem Wasser gelegener Fels
anzusehen, der oben gantz platt, von einem Ende zum andern 150 frantzösische

/ Meilen

/δLage_I

/|P_66

/Meilen lang ist und ohngefehr 50 Meilen breit ist. Er stehet wohl 20 bis 40 Faden
tief unter dem Wasser, ist an den Seiten gantz steil abgeschnitten, so daß man
nahe bey derselben 150 Faden tief keinen Grund findet. Die mehresten Fische
halten sich daselbst auf. Es gehen viele Schiffer jährlich dahin, um mit Angeln die
Stockfische, Cabiau und dergleichen zu fangen. Es giebt auch hier sichtbare und
blinde Klippen, vor den Letztern haben sich die Schiffer sorgfältig zu hüten.
Sandbäncke die die Küsten vor dem Anlanden beschützen heißen Barren,
weil sie die Riegel vor dem Lande sind. Einige von diesen nennt man auch
ein Riff, wie bey Jüthland. Was die halb-Insel oder Landzunge über der
See ist, das ist ein Riff unter der See, oder Bäncke die vom Lande abge-
sondert, so ist das in Europa die Dorge-Banck. Eine Barre ist auch die bey
Pillau und Schvineminde in der Ost-See. Eine von solchen langen Bar-
ren gehet längst der Küste von Africa hin, besonders an der Küste der Caf-
fern. Man nennt sie auch Dünen, so wie zwischen Dover und Sandwich.
Die Barre an der Küste von Coromandel aber macht, daß die Schiffe nicht in
den Hafen kommen können; sondern auf der Rhede bleiben und nur mit
Booten ans Land fahren. Es giebt auch Corallen-Bäncke und Berge wel-
che im Süd-Meer gantze Inseln umgeben. Die Küste von See-Holland
ist gantz um und um mit Corallen bedeckt, auch ist das rothe Meer gantz voll
davon. Wenn man diese Corallen brennt, so werden sie zu Kalck, wie die
Muscheln.

/ ≥ Von den Gebürgen. ≤

/Wir reden zuvor vom eigentlichen Bauwerck des vesten Landes. Alles ves-
te Land hält Landrücken, Bassins und platte Forms, (platte Dächer) in

/ sich

/|P_67

/sich. Die Landrücken sind Erhöhungen, von denen die Ströhme herablaufen
nach dem Meere. Man kann sie erkennen wenn auch auf der Charte keine
Berge zu sehen sind, man darf nur sehen wo die Ströhme hinlaufen. Diese
Landrücken zeigen sich auf allem vesten Lande, auf eine besondere Weise,
sie ziehen sich in Kreisen herrum und formiren alle ein großes Bassin, z. E.
das Caspische Meer, oder man nehme Böhmen, hier fließt die Mulda und
die Elbe. Maehren macht auch einen solchen Landrücken, wovon die Mora-
va fließt, und eine solche Bewandniß, hat es mit allen Ländern. Das Theil
nun womit dieser Landrücken umgeben ist, nennt man das Bassin der
Ströhme, worinn sie sich versammeln. Gesetzt die Elbe könnte bey König-
stein vermauert werden, so würde Böhmen ein Teich oder ein bewäs-
sertes Bassin werden, und folglich würden ohne die Landrücken keine Ströhme
seyn können. Mit diesen Landrücken hat etwas eine besondere Verwandschaft,
dies sind die platten Formen, id est die hohen Ebenen. Man versteht darunter
hohes Land, was unten Flach ist, aber oben mit Bergen umgeben. Als da ist gantz
Arabien, die gantze Wüste Sara. Die Mougalische Sand-Wüste.

/Wir wollen erst handeln von den Wüsten, und da die Landrücken über sich
Gebürge haben, zweytens von den Gebürgen.

/ ≥ I. Von den Wüsten. ≤

/Wir handeln von denselben zuerst, weil sie eine große Verwandschaft mit
den Bergen haben, denn alle wahre Wüsten liegen hoch, und sind mit Ber-
gen umgeben. Von der Wüste muß man unterscheiden die Einöde, das ist
ein solches Land, welches nicht bewohnt ist, ob es gleich könnte bewohnt werden,
und die Natur macht es auch nicht zur Einöde. Hingegen heißt das Land, wel-
ches nicht bewohnt werden kann, oder wo man höchstens nur bewegliche Woh- 

/ nungen

/|P_68

/nungen, als Zelten haben kann, eine Wüste. Bloße Einöden sind in Süd-Ame-
rica, um den Amazonen-Fluß, da große Länder gantz unbebaut da lie-
gen, ob sie gleich, wenn sie bebaut würden, recht fruchtbar seyn möchten.

/Die Wüsten aber können Wüsten seyn,

/1) Wegen der Rauigkeit des Clima, als am Eis-Meer, wo das Land Jahr aus
Jahr ein gefroren ist. z. E. Novazembla, oder

/2) Wegen der weitläuftigen Waldungen, die noch nicht ausgerottet wer-
den, wie in America, oder es sind

/3) Sandwüsten, wo keine Quell-Adern und Flüße statt finden können
und welche gar nicht auf die Länge können bewohnt werden, weil
gantze Striche Sand darinnen sind. Von dem letzten wollen wir noch be-
sonders reden.

/Sandwüsten werden angetroffen, wenn man von Abyssinien nach
Egypten gehen will, so muß man über Nubien, da kommt man west-
wärts an Wüsten, wo hübsche Länder liegen, die man noch nicht viel
kennet, die wie Inseln im Sande liegen. Ein Anamodisch-Volck ist das-
jenige, welches nicht einen bestimmten Platz hat; sondern nach den Jah-
res-Zeiten von einem Ort zum andern herrumzieht. Alle solche Völcker
treiben nicht einmahl die Viehzucht und denn kann man sie gesittet nen-
nen. Die berühmtesten von diesen Letztern sind die Araber. Alle platte
Formen sind Sandwüsten und haben viel Saltz, weil ehedem Meere da ge-
wesen, daher gedeyen daselbst die Schafe und Camele am besten, als wel-
che das Saltz sehr lieben. Als man dahero probiert Camele nach America
zu schicken, so hat man sie nicht fortbekommen können. Von weitem sehen
die Gegenstände auf den platten Formen sehr groß aus, die Uhrsache

/ hat

/|P_69

/hat man noch nicht recht entdeckt. Diese Sandwüsten machen keinen angeneh-
men Prospect, denn man sieht nichts als Sand, wenige Hügel sind vieleicht durch
den Wind aufgeworfen. Die Rußischen Steppen haben mit den Arabischen
Sandwüsten eine Aehnlichkeit, nur darinn sind sie unterschieden, daß sie nicht
mit Bergen umschlossen sind. Sie sind, wie es scheint hohe Ebenen, die durch die
Ströhme ehemahls zusammen geworfen. Sie liegen gewöhnlich zwischen
2 Meeren und sind gantz flach. Dergleichen Steppen sind,

/Die Besarabische. Die Oczacovische. Die Steppe der Turcomannen, die
Cirgiser-Steppe. Die Steppe Barraba.

/Die Cirgisische Steppe hat schönes Gras im Frühling. Sie treiben da das Vieh
niemahls in die Ställe, sondern lassen es das gantze Jahr auf dem Felde.
Es sind daselbst wohl Quellen aber sehr tief. Das Gras trocknet daher gantz
ab, daher auch keine Bäume wachsen können, doch giebt es noch einige Ge-
sträuche. Daher ziehen die Einwohner an den Ströhmen fort, wo sie noch ei-
niges Gras finden. Die Cirgisen suchen auch wo sie nur können, die Men-
schen zu erhaschen. Zwischen dem Caspischen Meer und der See Ara ist
eine große Steppe, nehmlich die Steppe Barraba diese ist der Gefäng-
niß-Ort der Russen, die Verbrecher müssen diese Steppen anbauen; sie
brauchen daselbst keine so starcke Bewachung, denn wenn sie auch woll-
ten fortlaufen, so kommen sie weiter in die Felder und südlich denen Cir-
gisen, nördlich den Rußischen Besatzungen in die Hände. Die Bessarabische
zwischen der Donau und dem Dnieper ist auch merckwürdig. Sie hat ei-
nen röthlichen mit Sand vermengten Thon und daher wie andere Wüsten
keinen fliegenden Sand, der sonst öfters Thiere und Menschen, ja gantze

/ Carawanen

/|P_70

/Carawanen überschüttet. Dieser feine fliegende Sand verursacht auch daher
die inhabilitaet solcher Gegenden, indem er den Boden gantz unfruchtbar
machet. Wenn man von Aleppo nach Bagdad oder nach Anna reiset, so ist es
allerwärts als wenn man sich auf einem weiten Meer befände, denn man
sieht weder Hügel noch Berge, sondern bloßen Sand, der so trocken und flüch-
tig ist, das er vom Winde hin und her getrieben wird. Wenn auch irrgend ein
Fluß in den Wüsten Arabiens entspringt, so kann er seinen Lauf nicht lan-
ge fortsetzen, sondern muß im Sande versincken. Bey solchen Wüsten wird
auch das besondere Phoenomen bemerckt, daß man in der weite einen
sich bewegenden Dunst sieht, welcher alle Gegenstände vergrößert.
Feuchtigkeit ist daselbst nicht, gemeiniglich ist es sehr kalt. Die Brunnen da-
selbst nehmen einen großen Platz ein, sie werden ausgegraben und ge-
hen Stuffen weise immer niedriger, sodaß gantze Heerden da seyn kön-
nen. In den Brunnen ist etwas Saltziges und das heißt Brack-Wasser.
Die Russen nennen solches Völcker, die mit den Schafen, Camelen und
Pferden herrumziehen Steppen-Völcker, von diesen ist wohl zu glauben,
daß es sehr alte Völcker sind, denn man trift alle alten Gewohnheiten bey
Ihnen an, z. E. die Gastfreyheit, fast eben so wie die Patriarchen welche den
fremden entgegen kamen.

/ ≥ II Von den Gebirgen selbst. ≤

/Berge sind emporragende Spitzen auf der Erde. Landrücken sind
aber hohe Gegenden, von denen die Ströhme nach verschiedenen Gegenden
ablaufen. Auf ihnen sind mehrentheils Gebürge. Ein Gebürge ist eine Grup- 

/ pe

/|P_71

/pe (Reihe) von Bergen oder eine Kette von Bergen, welche die höchste Gegend
des Landes nach der Länge seiner grösten erstreckung einnehmen. In einer Reihe
von Gebürgen, ist wiederum eine Gegend derselben die höchste, von der nach bey-
den Seiten die Berge immer niedriger werden, bis sie sich ins Meer allmählich
verlieren. Die Berge haben gemeiniglich einen Felsen zum Grunde, und ist
vermuthlich der gantze Boden der Erde von einem solchen forterstreckenden
Felsen, worauf die übrigen Erdschichten liegen. Die Gebürge werden einge-
theilt, in Vorgebürge, Mittel-Gebürge und Hohe Gebürge. Viele Bergketten
gehen in einer langen Linie fort; oft aber haben solche Gebürge einen Haupt-
Stamm, wovon die Bergketten nach verschiednen Orten auslaufen. z. E.
Die Alpen-Gebürge haben einen Hauptstand in der Schweitz und daraus
laufen die Bergketten südwärts nach Italien, Tyrol etc: Die größte
Hauptkette in America fängt an vom Hauptstand der Mißanischen Ge-
bürge. Es soll sich, da wo dieses Gebürge anfängt ein sehr großer Morrast
von ohngefehr 80 Meilen befinden; alsdenn wird dieses Gebürge in Peru
am höchsten und heißt das Cordillerische Gebürge. In Africa kennt man
die Gebürge nicht, die höchsten Gebürge gehen von den Abyssinischen bis Capo
Bonae, Spei. Denn laufen die Gebürge zwischen dem Nil, die aber von
keiner großen Erheblichkeit sind. Alsdenn folgt das Gebürge Atlas in Marocco
oder die Attlantes, die man aber auch nicht völlig kennt. Die größte Länge
von Europa ist von der westlichen Küste Portugals bis an die Meerenge des
Schlangen-Meeres zu rechnen und in dieser Richtung gehet eine einzige
kette von Gebürgen fort, die hin und wieder verschiedene Benennungen

/ bekommt

/|P_72

/bekommt. Alle Halbinseln und Landspitzen haben in der Mitte ein Gebür-
ge, welches sie der Länge nach durchläuft, gleich wie der Apenien in Italien.
Eben so werden die Inseln in ihrer Länge von Gebürgen durchschnitten.
z. E. Sumatra, Madagascar, Jamaica. Die Hauptgebürge eines Landes,
lassen so zu sagen nach den Seiten Nebenäste laufen, wie die Alpen,
der Appenien der Taurus, die mehresten Berge laufen mit den Meeres-
Küsten, die ihnen am nächsten sind, parallel, wo aber 2 Gebürge einan-
der sich durchschneiden, da siehet man einen Meerbusen, der sich in das tie-
fe Thal ausbreitet, das auf solche Weise gemacht ist. Im Meer kann
man diese Bergreihen nicht sehen, aber doch durchs Boot entdecken, z. E. Pico.

/Anmerckung. vom Pilatus-Berge. Wenn Regen oder Gewitter wer-
den soll, so setzt sich eine Wolcke am PilatusBerge, doch so, daß die Spitze
hervorragt und zu sehen ist als die Spitze vom Huth, daher hat man ihn
Mons Pileus genannt, jetzt aber nennt man ihn Pilatus Berg.

/ ≥ Von der Höhe der Gebürge. ≤

/Wir mercken

/1) Wie man die Höhe der Gebürge bestimmt und mißt; dieses geschieht
auf zweyfache Weise

/a) Geometrisch. Die Basis worauf man die Berge messen kann ist die
Fläche des Meeres. So ist der Berg Etna gemessen worden man muß
aber dabey sehr accurat seyn.

/b) Durchs Barometer oder einer gläsernen Röhre, die mit Quecksil-
ber gefüllet aber Luftleer ist und in ein Gefäß mit Quecksilber steht.
Dies Instrument zeigt an wie viel Luft auf dem Barometer ruht. Je

/ höher

/|P_73

/höher der Berg ist, desto mehr Luft hat man unter sich, und je mehr Luft ich unter mir habe,
desto weniger Luft drückt aufs Quecksilber im Barometer, desto mehr fällt es also in
der Röhre. Man hat auch deswegen gewisse (Tabellen) Verhältniße in Tabellen
verfertigt. Wenn man 70 Fuß hoch steiget, so muß das Quecksilber um eine Linie
fallen, denn diese Schichte von Luft wiegt eine Linie Quecksilber. Weil aber je
höher man kommt die Luft immer weniger zussammengedrückt, folglich dün-
ner wird, so kann man sich auf diese Richtigkeit nicht verlassen, weil das Queck-
silber diesen Gesetzen nicht folgen kann. Wäre die Luft gleich, so könnte man
sagen: so viel Linien, so viel 72 Fuß bin ich gestiegen, sie hat aber nicht gleiche Dich-
tigkeit; doch hat man auch hier Mittel gefunden, die Gesetze der Dichtigkeit zu be-
stimmen. Es wird aber dazu unten am Ufer des Meeres ein Observator erfor-
dert, der die Höhe des Quecksilbers zu derselben Zeit erfährt, damit man wisse,
ob der Sand des Quecksilbers, sich auch unten verrückt.

/2) Die Höhe selbst. Diese ist sehr verschieden. Die größte Höhe ist nicht eine
eine Deutsche Meile, denn sie beträgt 24.000 Werckschuhe, perpendicular über
die Fläche des Meeres erhoben, und so hoch ist doch nicht der höchste Berg. Die äusser-
ste Gestalt eines Berges ist Kegelförmig, das was man von unersteiglichen
Bergen saget dessen Fuß 10.000 Schritte und der Gipfel 20.000 Schritt enthal-
ten soll ist unrichtig. Das veste Land, worauf ein Berg steh, ist schon ein Berg
dessen Fuß von weitem Umfange ist. Basel liegt höher 3427 Fuß als Rotter-
dam über der Fläche des Meeres, und das Thal Quieto in Peru ist höher über
die Meeres-Fläche erhoben als die hochsten Alpen. Ein Berg ist aber viel stei-
ler im Abhang, als das veste Land. Die höchsten Alpen sind nicht über 8 bis 10.000
Fuß hoch. Der Berg Pico auf der Insel Teneriffa ist 1«2»4.000 Fuß hoch. Er ist nicht der
höchste Berg, er scheint so sehr hoch zu seyn, weil er allein steht. Sein Schatten wird

/ noch

/δLage_K

/|P_74

/noch weiter geworfen, als der Horizont ist. Der Berg Etna hält auch 12.000 Fuß. Der
höchste unter allen Bergen auf der Erde ist Chimborasso in Peru, welcher über 30.000
Fuß hoch ist. Die Cordillaarischen Gebürge hält man für die höchsten. Der Pilatus¥
Berg im Canton Lucern, kommt, ob er gleich klein ist, dennoch beträchtlich vor,
weil er isoliert stehet. In Europa sind in der Schweitz die höchsten Gebürge, wie
der St_Gotthartsberg.

/ ≥ Beobachtungen auf hohen Bergen. ≤

/Die Schönheit der Aussichten auf hohen Bergen, ist sehr groß, aber nicht von den
Bergketten, sondern die Schönsten sind von abgesonderten Bergen, davon
de_Luc eine schöne Beschreibung gegeben. Eine solche Aussicht hat man vom Ge-
bürge Jura. Man bekommt Gegenden zu sehen, die den Einwohnern selbst
gantz neu sind. Man erblickt Länder und besonders die herrlichen Thäler z. E.
In der Schweitz. Eine schöne Aussicht hat man ferner vom Berge Etna, von
wo man die gantze Insel Sicilien mit ihren Ströhmen, desgleichen Italien
und Griechenland, nur nicht die Insel Malta, obwohl von Malta die Spitze des
Etna gesehen werden kann. Vom Schwefelberge in Guadaloupe sieht man al-
le Antillischen Inseln. Wir bemercken auch weit mehr und weit heller die
Sterne auf solchen Bergen. Man sagt daß die Luft auf hohen Bergen reiner
und gesünder sey. Auch daß sie dünner sey. Die dünnste Luft ist halb so dünn als
die auf dem platten Lande. Auf den Cordillerischen Gebürgen steht der Queck-
silber nur 12 Fuß. Einige Reisende haben behaupten wollen, daß diese
dünne Luft engbrüstig, (beklemmt) mache, allein diese ist unrichtig, denn die
ist zum respiriren gantz und gar nicht hinderlich, sondern diese Engbrüstigkeit
ruhret blos von einer Ermüdung der Brust Muskeln durch das Aufsteigen auf
den Berg. Es ist vielmer diese Luft gesund, denn die frische Luft ist erquicken- 

/ der

/|P_75

/der als die Dunstige, und die faulen Dünste, welche die Lunge ausstößt, werden
dadurch fortgenommen. Ist die Luft mit Dünsten angefüllt, so nimmt sie nicht mehr
viel faule Dünste aus unserer Lunge an, da aber auf hohen Bergen die Luft
sehr rein ist, so kann sie auch die aus der Lunge gestoßenen Dünste annehmen.
Einige Berge sind aber gantz spitz, wie eine Messer-Schneide, z. E. auf dem
Jura-Gebürge in der Schweitz. Oft gehen die Wolken niedriger, als die Spit-
zen der hohen Berge. Je höher die Berge an der See sind, desto kälter wird
die Luft, bis sie endlich auf der Spitze der höchsten Berge so kalt ist, daß Som-
mer und Winter gar nicht zu unterscheiden sind. Die Länder nahe an der
See, die ein warmes Clima haben, haben bey alle dem doch den Vortheil, daß
sie von der Seeluft abgekühlet werden. Die Alten glaubten, daß unter dem
Aequator die Länder unbewohnbar wären. Sie kannten nehmlich Egypten,
Nubien, etc: alwo die Hitze sehr groß war, daher sagten sie, würden wir nun
weiter bis unter den Aequator kommen, so würden wir es nicht aushalten.
Dieses aber war falsch geschlossen. In der Gegend unter dem Aequator ver-
ändert die Sonne ihren Platz. Den Winckel den die Eccliptic mit dem Aequator
macht, verursacht, daß sich die Sonne in wenig Tagen vom Aequator entfernt. All-
so um die Zeit des Solsticii verändert sie ihren Ort, und dieses macht auch, daß un-
ter dem Aequator nicht solche Hitze ist, als in den Ländern, die nicht weit davon ent-
fernet sind, z. E. in den Tropicis. Überhaupt hat die Vorsehung auch diesen Ländern
und deren Einwohnern eine Milderung in Ansehung der Hitze gegeben. Denn
ein jedes Land je höher es liegt, desto kühlere Luft hat es, ohnerachtet der Wärme
des Climatis und der Himmelslage worunter es liegt, weil gemeinhin unter dem
Aequator Länder liegen, die sehr hohe Landrücken, Berge haben, so geschiehet es
auch, daß dort Leute unter der Zona torrida wohnen können, so wie unter der

/ Zona

/|P_76

/Zona temperata. Und daher s geschiehet es, daß in Nubien, Abyssinien, die Luft
nicht viel wärmer ist, als in Italien, in Peru desgleichen. Allein dieses Land lie-
get auch bey Quieto 10.000 Fuß höher, als an der Küste. Auch würde gewiß Jahr aus
Jahr ein Schnee auf diesen Bergen liegen, wenn das Clima überhaupt nicht so
warm wäre. Alle Berge sind auch sehr waldigt, und Länder die wenig oder
gar keine Berge haben, sind dahero auch nicht waldigt. Die Bäume scheinen
gleichsam vom Berge herrabgestiegen zu seyn, um in die Ebene zu kommen.
Solche Bäume haben nun ihren Anfang am Fuß des Berges, und je höher man
kommt, je kleiner werden sie, bis sie sich in ein Gesträuch verlieren. Auf den
Spitzen der höchsten Berge ist ein immerwährender Winter und beständiger
Schnee, der nur dadurch sich beständig aufzuhäufen gehindert wird, weil öfters
große Klumpen desselben herrabstürtzen. In Deutschland ist kein Berg, der
nicht 6.000 Fuß Schnee hält. Ueber der Gegend der Schnee-Linie ist nun der be-
ständige Winter, und nur selten eine kleine Veränderung der Kälte, und
wenn man dann und wann einen Berg findet der an Wärme zunimmt,
so ist das aus andern Ursachen herzuleiten, z. E. der Berg Pico, hat in der Mitte
einen großen Feuer-Rachen, oder Crater, weil daraus immer heiße Dämpfe
herraussteigen. Die beständige Kälte aber scheint aus 2 Ursachen zu kom-
men.

/1) Aus der Dünne der Luft, den die Wärme in dickerer Luft, also im Thal ist
größer, als in der dünnern, oder auf hohen Bergen und das aus der Ursache:
eine dicke Luft läßt die Wärme nicht sogleich verfliegen, sondern hält sie mehr
eingeschlossen. Die dünnere Luft aber wiedersteht vielmehr der Wärme.

/2) Weil vieleicht unsere niedrige Luft mit mehr Flogiston angefüllet ist,
oder brennbarem, welches hier besser die Lichtstrahlen in Bewegung setzen

/ kann

/|P_77

/kann, als in der Höhe, weil hier dasselbe viel dichter ist, als auf hohen Bergen. Wenn
ich z. E. einen Schlüssel in die Sonne aufs Fenster lege, so wird er endlich gar heiß,
da bewegen die Sonnenstrahlen eigentlich das Flogiston und nicht die Eisentheil-
chen. Daß auf unserer Erde die Lichtstrahlen allenthalben zurückgeprallt wer-
den, welches auf hohen Bergen nicht ist, ist die Erklährung der Ursache der Kälte,
die aber doch nicht allgemein ist z. E. in Tibet. Diese Kälte macht, daß im warmen
Clima, hohe Länder doch eine temperirte Luft genießen können, z. E. in Peru.
Bey der Kälte auf hohen Bergen ist aber noch was besonderes, @nehmlich@ sie so wohl
als die Luft ist sehr trocken. Das Instrument wodurch man die Trockenheit der
Luft erfährt heißt Hygrameter. Von den Stöcken sind die Ringe gefallen etc: Hin-
bey ist die Frage, woher die Wolcken dabey nicht ausdünsten, als welche oft nie-
driger stehen, als die Spitze der Berge. A: Die Electricitaet der Luft läßt
dieses nicht zu. Aber eben so trocken ist die Kälte, dahero sind die Phoenomena
von derselben etwas unterschieden von denen, die unsere Kälte auf der Er-
de giebt. In den neuern Zeiten schickte der Englische Gesandte Bojel nach Tibet
Gesandschaft. Man brachte ihm Geschencke, nehmlich todte Lämmer, diese hatte
man auf 4 Beinen gestellt, gegen den Nordwind gefunden, und diese waren
dermaßen getrocknet, daß man das Lamm wohl ein Jahr lang behalten könnte,
woran das Fleisch auch recht gut war. So verkauft man noch in Peru Kalbfleisch,
welches man auf den Cordillerischen Bergen hat frieren lassen, und dieses Fleisch
kann man, ohne daß es faul wird, lange aufbehalten. Dieses aber kann nicht
auf der bloßen Erde geschehen, wenn man es in unserer Kälte, die noch so streng
ist, wollte gefrieren lassen, weil blos eine trockene Kälte dazu erfordert wird.
Die Russen machen es so mit ihrem Kohl, als auch mit den Aalen, die sie gantz todt

/ frieren

/|P_78

/frieren lassen, und wenn sie sie nachgehends verkaufen wollen, so werfen sie sie in
Eis kaltes Wasser, da sie denn wieder aufleben. Ein gewisser Autor führt an, nach-
dem Carl_XII bey Friedrichshall erschossen war und ein zurückgelassenes Corps
von einigen 1.000 Mann noch bey Drontheim stand, so wurde demselben Befehl
gegeben über das Gebürge nach der Schwedischen Armee zu kommen. Allein
sie erfroren mehrentheils alle, wegen der trockenen Kälte, auf diesen Gebür-
gen, so daß kaum 200 würcklich zurückkamen. Die Schneeläufer, welches Leu-
te sind, die sich geübt haben, auf platten Brettern, die ohngefehr ein Schuh lang,
über den Schnee wegzugehen, wurden ihnen nachgeschickt. Diese fanden eini-
ge stehend erfroren, a«l»ndere hatten die Flinten-Kolben zerschlagen, um Feuer
zu bekommen, andere die Bäuche der Pferde aufgeschnitten, um sich in densel-
ben vor der Kälte zu verwahren. Weil die Luft so dünn ist, ist auch sehr wenig der
Knall der Kanonen zu hören, und ohngefehr so starck, als wenn man einen dür-
ren Stock zerbricht. Allein in den Thälern ist der Knall sehr zu hören, und einem
Gewitter ähnlich. Die Gegend auf hohen Gebürgen, ist zwar nicht gantz ohne Wind,
aber wenn welche sind, so sind diese auch sehr trocken. Er wehet auch kaum daselbst,
denn sonst würde der Schnee daselbst nicht liegen, welchen man auf den Alpen
in sehr großer Menge findet, der aber sehr trocken ist und wie ein Mehl liegt. Ehe
man zu den Bergspitzen kommt, findet man wohl Wind, aber doch nicht oben.
Wenn man auf den Alpen reißt, so findet man einen immerwahrenden
Schnee, wo der Schnee also nicht abschmiltzt, da muß er sich immer anhöhen, und
dies ist die Ursache, daß er sich herrunterrollt, welches Schnee-Lavinen heißt.
Die Sonne schmiltzt im Sommer in den Mitlern Gegenden etwas Schnee
weg, welches des Nachts frieret, und eine Eis-Kruste dadurch bekommt, und dies

/ geschieht

/|P_79

/geschieht alle Jahr, daher man die Jahre des Schnee untersuchen kann. Die Erde hat
eine eigenthümliche Wärme und schmiltzet Schnee ab und der Schnee dünstet auch
aus. Man findet auch Schnee-Berge, auf denen der Schnee gar nicht schmiltzt;
hiezu aber kann man nicht mehr die Schnee-Kuppe in Schlesien rechnen, weil
dort schon der Schnee im August vergeht. Noch weniger aber den Blocks-Berg, der
noch lange nicht so hoch ist. Dieser Berg ist nicht wegen seiner Höhe merckwürdig;
sondern wegen der Fabeln des Heydnischen Gottesdienstes, die doch eben eine Wahrheit
zum Grunde haben. Auf den Carpatischen Gebürgen findet man den Schnee schon
in einer Höhe des Berges von 6.000 Fuß. In Peru aber fängt es erst an, in einer
Höhe von 15.000 Fuß, nehmlich auf den Cordilleras.

/Die Schnee Lawine ist zweyfach,

/a) Staub_Lawine und

/b) Rollende Lawine.

1)»I Von den Staub-Lawinen. Auf den hohen Bergen ist nehmlich der Schnee sehr
trocken, und nur ein einziger Vogel, kann den gantz loß da liegenden Schnee
herrabstürtzen, welcher alsdenn gantze Gegenden überschüttet. Eine solche Staub-
Lawine ist die gefährlichste unter allen, weil wegen der großen Verbreitung gar
an keine Rettung zu dencken ist.

/II Von den Rollenden Lawinen. Diese sind da wo der Schnee aneinander backt.
Mit dem Herrunterrollen, wird er zu einem großen Ball, welcher sich unterwe-
gens immer mehr und mehr anhäufet und denn in einem ungeheuern großen
herrabstürtzt. Indem der Ball allso herrunter rollt, so nimmt er im-
mer mehr Schnee mit, daß er so erstaunend anwächst, daß e«s»r auch Ströhme ver-
stopft. Weil dieses langsam zugeht, so kann man sich noch einiger maaßen da-
vor hüten, denn man pflegt Gebüsche und Waldungen vorzupflantzen, damit

/ sich

/|P_80

/sich der Schnee daran stößt, und nicht in dem ungeheuren Klumpen herrablaufen
kann. Die Einwohner von solchen Gegenden pflegen auch sehr behutsam darin
zu verfahren; so daß sie sogar dem Maul-Esel die Schellen festbinden, da-
mit sie nur nicht auch durch diese kleine Bewegung verursachen möchten, daß ei-
ne solche Lawine herrunterstürtzte. Es giebt auch noch

/III Erd-Lawinen, welche auf den hohen Felsen liegen. Es geschieht nun biswei-
len, daß sie herrabstürtzt und gantze Felsen mit sich reißt. Eine solche Bede-
ckung betraf im XIIten Seculo die Stadt Plurs in der Schweitz, die auch völ-
lig bedeckt wurde. Sie entstand dadurch daß das Wasser vom Schmeltzen des
Schnees sich fortsaugt unter dem Lager der Erde. Noch eräugnet sich dieses,
wenn das Wasser, welches sich in den Spalten der Felsen sammlet, bey starckem
Frost gefrieret, so werden gantze Felsen Stücke dadurch loßgespaltet.

/Wir kommen jetzt auf ein neues Phoenomenon, nehmlich auf das immerwäh-
rende Eis auf den hohen Gebürgen. Zwischen den höchsten Bergspitzen befinden
sich Thäler, darinnen der Schnee liegen bleibt, dies«ch»es schmiltzt durch die Sonne
im Sommer zu Wasser, welches aber wegen der innern Kälte frieret, so daß
eine Menge Schnee vergletschert, welches nicht so klar ist, als das würckliche Eis.
Von diesem fließt eine Menge geschmoltzenes herrab, welches frieret, und eine
Eis_Tafel macht. Nun fressen im Sommer gantze Ströhme von Wasser immer
von der Eis-Tafel das Weiche weg, und das Harte bleibt wie eine Pyramide
stehen, welches die eigentlichen Gletscher heißen, welche bisweilen sehr hoch sind.
Sie wachsen bisweilen, bisweilen nehmen sie auch ab. ersteres geschieht,
wenn im Winter mehr frieret als im Sommer abthauet. Die Erde hat unten
ihre Wärme und schmiltzt unten von den Eistafeln Wasser weg, welches sich
gar in große Ströhme ergießet. Da nun hier die Gletscher keine rechte Haltung

/ haben

/|P_81

/haben, so rutschen sie, wenn sie zerplatzt sind herrunter und richten großen Scha-
den an, füllen auch dahero manche Thäler aus. Diese zerstöhren oft in der Schweitz
die schönsten Viehweiden. Wenn die Sonne aufgeht, so glühen diese Gletscher or-
dentlich und man fühlt dort das gantze Jahr über den Winter. Ausser den Glet-
schern giebt es auch Eis-Gebürge, z. E. beym Ursprung des Rheins, auf dem St:
Gothards-Berge, wo es im Thal Perlina, eine Reihe von Bergen, 6.000 Fuß
hoch, giebt. Es finden sich auch Gegenden, die gantz unübersteigbar sind z. E. das
Walliser-Land, wo gar kein Zugang ist, ausser wo die Rohne entspringt.
Es ist mit Eisbergen und vergletschertem Eise umgeben. So giebt es auch sol-
che kleine Gegenden in der Schweitz. In Island an der Westseite ist der-
gleichen große Gegend. Noch ein Phoenomenon ist zwischen Spitzbergen
nehmlich dieses. Der Schnee verdammt oft gantze Flüsse. Merckwürdig
ist es, daß es unter dem Schnee immer Wasser giebt. Von hohen Bergspitzen
gillt dieses zwar nicht, allein von Thälern, die schon ziemlich hoch liegen, ent-
springen die größten Flüsse. z. E. Die Aar, Rhone, Rhein etc: Man hat
auch ein Thal in der Schweitz, welches gantz mit Eis belegt ist, und dieses nen-
nen sie mit einem unrechten Nahmen, das Eisen Meer. In der That gillt
dieser Nahme, aber doch in einigen andern Gegenden, als in Tyrol, wo doch
mercklich ein solches Eis Meer %anno: 70=71 (wie man hievon eine ausführliche
Beschreibung hat) die greulichste Verwüstung errichtete. Es war dieses ein
Thal, welches Inthal heißt, was gantz mit Schnee angefüllet war, und wel-
ches durch den anhaltenden vorigen Sommer, vorhin schon ziemlich ge-
schmoltzen, aus dem zwischen den Bergen gesammelten Schnee wurden
Teiche, welche im Sommer zunahmen, im Winter aber zu Eisschollen fro- 

/ ren

/δLage_L

/|P_82

/ren. Diese Eisschollen wurden auf dem Teich nach den Seiten getrieben, wo das
Wasser einen Ausfluß hat, sie verdammen sich allso selbst, welcher Damm end-
lich so starck wird, daß er nicht aushalten kann, wie %anno: 70 da das Wasser alles
wegspielte gantze Dörfer und Felder weggerissen, und der Eis-Damm aus-
gerissen war, der doch wenigstens 70 Klafter dick und 100 lang war.

/ ≥ Vom Nutzen der Berge und Gebürge. ≤

/I Vermittelst der Höhe des vesten Landes, werden einige Gegenden, die
sonst in einem sehr heißen Climata liegen, eine kühlere Luftgegend, daher
der Theil Pera, welcher hoch lieget, das Thal Quieto aber gleich der Linie gantz
nahe ist, eine Witterung wie Franckreich hat und eines immerwährenden
fr<ü>hlings genießet. Die Winde, welche über die Berge wehen, kühlen die
Thäler ab, und ein hoher Berg, der in der Zona torrida liegt, hat alle Clima-
te gleichsam zu seinem Bezircke.

/II Es wird in den Schnee-Gebürgen ein Vorrath von Wasser aufbehalten,
es fehlt allso niemahls solchen Ländern an Quellen, welche sonst im starcken
Sommer austrocknen würden. Von diesen Bergen heben allso die Quel-
len der Ströhme an. Die Egyptier glaubten es müßten sich alle Ströhme
in der Welt vereinigen, welche ihren Niel anfüllten, weil ihnen derselbe so
viel Wasser mittheilte; allein sie wußten noch nicht, daß es in Abyssinien
zu gewissen Jahres-Zeiten, wo auch der Niel entspringt, starck regnete,
und dort zugleich sehr bergigt war. Der Schnee der Gebürge ertheilt einigen
Ländern alsdenn viel Wasser, wenn der Regen lange ausgeblieben. z. E.
So schwillt durchs Schmeltzen des Schnees der Fluß Rhein zu einer Zeit starck
an, wenn es an Regen fehlt.

/III Die Berge haben auch mannigfaltige Geschöpfe auf sich, daß eine sol-
che Reihe von Bergen auch mannigfaltige Producte hervorbringt nach

/ Be- 

/|P_83

/Beschaffenheit der Climaten. z. E. Indostan ist ein sehr gesegnetes Land und
scheint seine Fruchtbarkeit daher zu haben, weil es von der See an unter
Bergen gehet, so daß in Tibet die höchsten Berge seyn müssen. Fruchtbare Ge-
genden könnten demnach nicht seyn, wenn nicht Bergigte Gegenden wären.
Preußen kann seine Flüsse die es hat, gleichsam nur dem Seestrand-Rücken
zuschreiben, und wie wenig eigene Producte kann uns auch Preussen auf-
weisen. Überhaupt sind wohl die Länder, welche zu den Bergen, und de-
ren Fuß gehören, die allerfruchtbarsten, weil nehmlich das Schnee und
Schmeltz-Wasser, solche zu geben scheint. Man nehme nur z. E. das Saltz-
Berg-Werck zu Wilicza, ohnerachtet dieser Ort nur an dem Fuß der Ge-
bürge liegt. Welchen Nutzen verschaffen uns nicht die Schiffartigen Stein-
brüche? Daß der Boden auf solchen Gebürgen selbst sehr fruchtbar ist, kann
daher kommen, weil in alten Zeiten die Berge zu gleicher Zeit Vulcane
waren, und viele Asche ausgeworfen hatten, sodaß dieser Boden nach der
Zeit fruchtbarer seyn konnte, als der, welchem die Natur nur gewöhnliche
Gaben mitgetheilet hat.

/Wiesen und einige Länder haben wohl ihren Ursprung den Flüssen zu
verdancken, die anfänglich mögen große Länder überschwemmet haben
z. E. wie die Provintzen der vereinigten Niederlande. Allein solche Länder
haben noch gar nicht die Fruchtbarkeit, wie z. E. Italien, welches mit Bergen
abwechselt. Denn selbst das Vieh-Futter, ist auf den Bergen Fruchtbarer,
als das grobe Schilf-Gras von den Wiesen, wegen seiner vielen Kräuter.
Man nehme nur die Kühe und Pferde in denen Alpen, als welche durch ihr
Futter recht munter zu seyn scheinen. Auch haben die Berge diese schöne
Eigenschaft, daß die Einwohner auf denselben in einer weit reinern und

/ bessern

/|P_84

/bessern Luft leben, wie wir und nicht in einer so faulen und dunstenden.
Diese gesunde Luft kommt dahero auch den Früchten sehr zu gut. Vorzüg-
lich haben die Gebürge auch den Nutzen, daß sie mehr Regen veranlassen,
als wenn das Land flach wäre. Diese erhabenen Gegenstände haben die
Eigenschaft, daß sie die Wolcken an sich ziehen, und es scheint, daß alsdenn
die Dünste ihre electrische Kraft verliehren, und sich in Regen herrablas-
sen. Auch dienet das Schnee_Wasser, welches sich häufig auf denselben samm-
let, und sich denn herrabläßt zur Düngung der Aecker. Auch ist die Man-
nigfaltigkeit der Gewächse auf bergigten Gegenden merckwürdig,
denn es scheint, daß nachdem die Erde die größern Revolutionen aus-
gestanden, sich vermuthlich die Menschen, die Berge zu ihrem Schutz-
Orte gewählt haben. Denn man findet, daß die Egyptier, würcklich
aus Gebürgen abstammen, daher auch die Indianer noch immer Wahlfahrten
nach Tibet anstellen, und sich dadurch jener fruchtbahren Gegenden ihrer VorEl-
tern erinnern.

/Nun frägt es sich kann ein gebürgigtes Land mehr Getreyde tragen, als ein
ebenes Land von eben dem Umkreise. Wir antworten, es kann auf dem
Berge nicht mehr stehen, auch nicht dichter wachsen, als auf dem flachen Lan-
de. Wenn das Getreyde auf der Fläche perpendicular wüchse, und auf
dem Berge nicht, so könnte auf dem Berge mehr wachsen, da aber das
Getreyde, Bäume etc: auf dem Horizont so wohl, als auf dem Berge immer
perpendiculair wächst, so kann nicht mehr auf dem Berge, als auf dem
flachen Lande wachsen. Indes ist dieses doch nicht gantz richtig, die Hal-
men können doch näher auf dem Berge, als auf dem platten Lande

/ stehen;

/|P_85

/stehen; denn die größte Naheit (a nd) <der> Halmen, wird durch die Naheit ihrer Wurt-
zeln bestimmt, die Wurtzeln haben aber mehr Platz auf dem Berge als auf der
Ebene, weil die Oberfläche auf den Bergen größer ist z. E. In a b c kann doch
mehr wachsen als in a b. Auf dem Flachen Land verhindert die Dichtigkeit der Wurt-
zeln oft daß mehrere Stengel hervorsprossen können. Doch versteht sich das an-
geführte blos von fruchtbaren Gegenden. Das aber gillt denn von allen Gewäch-
sen, als von Gras, Bäumen, Gewächsen etc: Auch schlägt den Einwohnern solcher
Gebürge die Erndte selten fehl, da ihre Früchte, bey anhaltenden Regengüssen,
oder bey Austretung der Flüsse, niemahls ersäuft werden können, und bey
anhaltendem trocknem Wetter hingegen aus den Ritzen und Spalten der
Flüsse dennoch feuchtigkeit genung bekommen.

/ ≥ Von den Höhlen und Klüften der Berge. ≤

/Es giebt natürliche auch künstliche Höhlen, jene sind größer als diese.

/1) die natürliche Höhlen. Die Berge haben viele und große Spalten, die
aber wieder mit feinen Steinen ausgefüllt sind, und das nennt man Gänge.
In denenselben befinden sich nun die mehresten Metalle, daher nennt man
sie Gänge, aber es giebt auch offne Berg-Spalten, oder ofne Höhlen. Wie die-
se entstanden, muß man sich so vorstellen: da der Stein vormahls noch fließend
war, so hat das Wasser, welches der Berg selbst von sich gab, sich immer tiefer
gewühlet und dann gesammlet, darauf auf einmahl seinen Ausfluß ge-
sucht und dadurch Höhlen verursacht. Im Pilatus-Berg ist eine Höhle, in die
man aber nicht füglich ohne Beschwerden hineingehen kann. Von seiner
Eigenschaft, daß er so wie andere, die Wolcken an sich ziehen und folglich wie
mit einem Huth bedeckt ist, und die daher entstandene Benennung ist schon oben

/ erwehnt~

/|P_085R δZ_3f.

/δFigur ~

/|P_86

/erwähnt. Diese Höhle läuft 300 Schritte fort, ist 10 bis 14 Fuß breit und 16 Fuß
hoch. Es soll sich einsmahls ein alter wißbegieriger Mann, durch Hülfe einiger
andern an einem Seil herruntergelassen haben, allein das Seil rieb sich an
dem Felsen durch, und er stürtzte in diese unabsehliche Höhle hinab. Diese Höhle
hat 2 Eingänge, allein auf der Vorder-Seite kann man wegen der Steile
des Berges gantz und gar nicht hinein. Auch ist merckwürdig die Adelbergi-
sche Höhle im Fürstenthum Crain, welche sich eine halbe Meile erstreckt,
und aus lauter Kreidestein besteht, die allerhand Natur-Spiele, für Lieb-
haber enthalten z. E. Tropfstein. Hieher gehöret auch die Baumanns-Höhle
auf dem Hartz-Gebürge. In dieser findet man verschiedne Steine wel-
che gleichfalls aus Tropfsteinen in mancherley Bildern besteht, als da sind,
steinerne Orgel, Taupfsteine etc: Der Tropfstein ist eigentlich ein Stein,
der eine Gips-Erde hat, welches durch die Ritzen in Tropfen abfließt,
und indem das Wasser abtrocknet, vertrocknet, und allerley Figuren
annimmt. Daher er bisweilen große Säulen bildet. Endlich giebt es auch ei-
nige andere berühmte Höhlen, die zur Zuflucht der Einwohner gedienet.
So ist beschaffen der Berg Idaad auf der Insel Candia, so wie auch der
Steinbruch von Mastricht. Der Feind kann ihr nichts anhaben, denn
bringt er kein Licht mit sich, so zerstößt er sich, und hat er Licht, so erleucht er
sich selbst, und wird todt geschossen. Auch giebt es einige Höhlen, die we-
gen ihrer erstaunlichen Kälte merckwürdig sind, da sie auch sehr tief
liegen. Allein diese Art von Höhlen besteht mehrentheils aus Alabaster
oder Gips-Steine. Im Grunde ist Alabaster ein offenbahrer Gyps. Allso

/ muß

/|P_87

/muß Der Gyps die Eigenschaft haben, daß das Wasser, welches aus ihm entspringt
eben davon seine Kälte erhalte, besonders aber scheint es auch die Vitriol-
Säure hervorzubringen. Was

/2) Die künstlichen Höhlen anlangt, die von Menschen gemacht sind, so sind es
ordinaire Höhlen, welche die Absicht betreffen, nehmlich entweder Stein, oder
Saltz, oder Kohlen, oder Metalle aus den Gebürgen zu brechen. Was die Stein-
brüche betrift, so bricht man 1) Schiefer, zu Schiefer-Tafeln, oder zu Dächern.
2) auch Marmore von verschiednen Gattungen. 3 Saltz-Steine. Der Schiefer
liegt ordinair in dünnen Lagen und die Höhlen die daraus gemacht werden
bestehen aus schmahlen Gängen und nichts einsameres kann wohl für einen
Menschen gedacht werden, als ein solcher schmahler Gang, in welchem er bey
seiner Lampe sitzt und arbeitet. Die Sandsteinbrüche sind sehr groß. Bey
Mastricht findet man einen solchen, wo sie sich so weit extendiret haben, daß
er eine gute Deutsche Meile im Umfange hat. Der Eingang zu derselben
ist wie ein großes Thor. Diese Höhle ist nach und nach von Menschen erwei-
tert worden nur blos den Sand-Stein wegzubringen. Auf der Straße
von Neapel nach Rom ist eine Höhle durch den Berg Polisoppo, an diesem
hat zwar schon die Natur etwas gethan, er scheint Vulcanischen Ursprungs
zu seyn, allein die Menschen haben zur Aushöhlung vieles beygetragen,
um diesen beschwerlichen Weg bequem zu machen. Die Steinkohlen-
Bergwercke geben auch große Höhlen, dieselbe ist auch weitschweifend
und groß. In Engelland findet man darum viele, daselbst geht ein Steinkoh-
len Bruch unterwärts bis in die See. Man darf hier kein Licht brennen,
denn sie haben einen Schweflichten Dunst bey sich, der durchs Licht würde ent- 

/ zündet

/|P_88

/zündet werden. Deswegen haben die Engelländer am Eingang der Höhle
eine Scheibe angebracht, die durch ein Rad beweglich ist und sich an Steine
reibt, daher diese Scheibe viele Funcken von sich giebt, welche aber den
Dunst nicht anzünden. Das Suchen und Brechen des Saltzes, hat auch vie-
le und große Aushöhlungen verursacht. Wie z. E. Die Saltz-Berg-
wercke bey Bochnia und Silizza bey Cracau, welches eine Viertel-
Meile unter der Erde fortgeht. Falsch aber ists, daß sich würcklich Colonien
in derselben befinden, wo deren Kinder in derselben erzogen und ge-
bohren werden sollen, und die mithin das Tages-Licht gar nicht zu sehen
bekommen. Hieher gehören auch die Berg-Sch«i»achten. Zwar ist das Metall
in seiner Lage nicht so dick, als das Saltz. Der Ort worinnen es liegt wird
der Gang genennet. Um nun auf solche Gänge zu treffen macht man
Schachten. Dieser nimmt seinen Lauf perpendicular. Das Herraufstei-
gen nennt man fahren. In Gebürgen nennt man den Schacht auch Stol-
len, dieser geht horizontal, mit dem die Gänge in Verbindung stehen, sol-
che Stollen machen erstaunende Kosten, so daß der Hauptstollen immer
aus dem Schatze des Landesherrn verfertiget wird. Man sieht daraus, daß
dieses nun zwar Höhlen abgeben kann, aber doch nicht ausgebreitete.

/ ≥ Von dem Innwendigen der Erde. ≤

/Im Innwendigen der Erde haben wir zu unterscheiden, 1) Die ver-
schiedne Wärme oder Kälte. 2 Die Structur der Erde.

/Die Luft ist desto dichter und schwerer, je tiefer die Höhlen sind. In
großen Tiefen ist die Wärme das gantze Jahr beynahe gleich. Bernouilli
behauptet, daß das Innwendige der Erde, wenn man 200 Fuß tief kommt

/ allent- 

/|P_89

/allenthalben bis ins Centrum gleich sey. Wie es scheint, so ists in dem innern der Erde,
gewöhnlich im Sommer kälter und im Winter wärmer, allein dies gillt nur
von einem Keller, der 70 Parieser Fuß tief ist, ist er aber tiefer, so ist Kälte und
Wärme einander gleich. In dem Parieser-Keller-Observatorio, der 70 Fuß tief
ist, bleibt der Thermometer beständig gleich, bis auf einen Grad, welcher auch
wegfallen würde, wenn der Keller nur etwa 10 Fuß tiefer wäre, und es
steht alsdenn der Fahrenheitsche Thermometer auf 54 Grad, dies ist die be-
ständige Wärme der Erde. Man kann es die Keller-Wärme nennen. Die
käller sind nicht im Winter wärmer als im Sommer, sondern es kommt uns
nur so vor. Mr: de_Meran führt Beweißthümer an, je näher jemand zum
Centro der Erde käme. Er führt die Bergwercke von Elsass zum Beweise
an. Dies aber wie das vorige ist zu übereilt geschlossen. In Syberien kann
man keine Keller haben, denn man hat über 70 Fuß gegraben und noch
gefrorne Erde gefunden. Wir müssen aber mercken, daß in gewissen Ge-
genden oft eine zufällige Hitze existiret, die blos durch das Graben hervor-
gebracht wird, welches immer curieux genung ist. Ohnweit Goslar, findet
man in dem einen Schacht, ein Eiskaltes Wasser, und weiter unten fühlt
man eine unerträgliche Hitze, so daß diesen Umstand sich auch kränckliche
Persohnen zu Nutze zu machen suchen, die von dem kalten mineralischen
Wasser trincken, und denn gleich in die Hitze gehen. Es verhält sich aber hie-
mit also. Es ist eine gewisse Gattung Steine, die man Kies nennt, diese Kiese
enthalten eine sehr große Menge von Berg-Schwefel, die denn viele Feuch-
tigkeit ausschwitzen, sich wohl gar entzünden und zwar wenn die Luft hinzu- 

/ kommt

/δLage_M

/|P_90

/kommt, denn sobald diese dazukommt, so erhitzt er sich. Allso könnte die Hitze
nicht eher entstehen, ehe der Schacht gestochen war, und folglich kann auch dieses Was-
ser oben kalt seyn, und weiter unten Hitze existiren. Dieses erkläret uns
nun alles. Denn Mr: de Merant fand in Elsaß immer eine égale Hitze, die
aber ebenfalls durch den Kiesel Sand hervorgebracht wurde. Hingegen
Bernouilli fand just solche Tiefen, worinnen kein Kies enthalten war, folg-
lich auch keine merckliche Hitze. Mithin entsteht diese Würckung immer vom
Kies. Dennoch aber müssen wir immer annehmen, daß wir in dem innern
der Erde eine ursprüngliche eigenthümliche Wärme haben, denn die Son-
ne kann nicht so starck scheinen, ohnedem da sie des Nachts gar nicht scheint.
Die eigentliche Erd-Wärme ist immer remarquable, und zwar finden wir
daß sie den Frost des Winters bricht, indem sie den Schnee von unten weg-
schmiltzt. Wie kann ich aber mit dem tiefgefrornen Erdboden zu Kamschat-
ca zu rechte, indem dort die Oberfläche der Erde, das Jahr über nur immer et-
was weniges aufthauet? %Responsio. Hier hat die Erde sich wieder ihre eigentliche
Natur gezeigt, und man kann keinen rechten Grund davon angeben. Denn
in Lappland, als unter der Eis-Zone von Europa, kann man noch Keller ha-
ben, aber in Syberien gantz und gar nicht. Die innere Erdwärme scheint dem-
nach die Fruchtbarkeit, besonders im Frühjahr hervorzubringen. Wir bemer-
cken, daß nicht so sehr in unsern Ländern, als in Syberien; ohnerachtet das Land
eine gefrorne Masse dort allzeit ist, so findet sich doch, daß in der Mitte des May-
Monaths, das Gras auf keimt, und zu Ende desselben schon in einer erstaunen-
den Größe dasteht. Wir können die Hitze in der Erde ohne ein Central-Feuer
nie annehmen. Die Hitze in den Bergschachten haben die Menschen hinein- 

/ gebracht

/|P_91

/gebracht, denn durch ihre Wärme erhitzen sie ein Stratum von Kies, daher es auch
nicht weit davon gantz kalt seyn kann. Vor einigen Jahren hat man berichtet,
daß in Zviccau ein Steinkohlen_Bergwerck in Brand gerathen, welches wohl von
der Hitze der Erde mag entstanden seyn. Wir können behaupten, daß die Erdwär-
me, gegen den Mittelpunct immer zunimmt, und auch sehr groß seyn muß. Ob es
aber ein Feuer im Centro der Erde sey, ist nicht auszumachen, weil dazu Licht ge-
hört. Der gemeine Mann hat immer die Meynung, daß die Keller im Som-
mer kalt, und im Winter warm sind. Es giebt aber auch gegrabene Keller, wo
man findet, daß ein darin befindliches weißes Pech im Sommer hart worden ist,
und im Winter hingegen wiederum weich, also war doch hier würcklich ein ge-
wisser Einschluß aufs Pech.

/Im Carpatischen Gebürge ist ein Ort der Zoellitz heißt, da ist eine Höhle anzutref-
fen, die einen Eingang wie ein Thor hat. Wenn man im Winter in dieselbe
gehet, so kommt man auf eine grüne Wiese, die nicht allein mit vielem Ge-
höltz bewachsen; sondern wo sich so gar vieles Wildbrett aufhält; kommt man
aber im Sommer hinein, so findet man lauter Eis-Zapfen und einen starcken
Winter; kommt der Herbst, so fängt es wieder an zu schmeltzen. Dergleichen
Höhlen findet man auch in Champagne, und dies ist schwer zu erklären. Es
scheint aber vom Gyps herzurühren. Wie es aber im Sommer kalt, und im
Winter warm seyn kann, weiß man noch nicht. Allein man hat Beyspiele,
daß an der einen Seite, wo es warm ist, die andere Seite einer desto grö-
ßern Kälte ausgesetzt ist, vermittelst des Zugs. Man nehme nur eine Scheune,
und ein daran stoßendes Hauß, so wird in diesem Neben-Hause immer eine
größere Kälte zu verspühren seyn. Land-Leute wissen das schon, wenn z. E.

/ ihr

/|P_92

/ihr Geträncke warm worden ist, so nehmen sie, um es kühle zu machen naße
Tücher, schlagen sie um das Gefäß, und setzen es in den Zug, welches in einer Scheu-
ne leicht geschehen kann, indem sie beyde Thüren öfnen. Auch die India-
ner in Ost-Indien, bedienen sich gewisser Gefäße, die sehr schwammigt sind, in-
dem sie dieselben aus einem gewissen zähen Tone machen, der dem Gewäs-
ser erlaubt, daß es durchschwitzen kann und setzen es also in den Zug. Ein
gewisser Artzt hat auch durch diese Zug-Luft verschiedne Krancke wieder
hergestellt, welche am faulen und hitzigen Fieber Kranck lagen. Indem
er ihnen nasse Tücher um den Leib band, und sie denn in den Zug stellte.
Auch bedienen sich die Ungarischen Bauren dieses Mittels, um ihren Trunck
kühl zu machen. Sie graben nehmlich das Gefäß, worinn der Trunck sich
befindet, in die Erde, machen darüber ein fliegendes Feuer, so wird das-
selbe vermittelst der Zug-Luft auch kalt. Alles dieses kann uns hiebey zu
einiger Auflösung dienen.

/Es frägt sich auch. Ob im innern der Erde ein hohler Raum seyn könne? %Responsio. Diese
Frage scheint kindisch zu seyn, allein es ist Veranlassung zu dieser Frage gege-
ben worden. Man weiß, daß die Magnet-Nadel niemahls so gantz genau ihren
Stand-Ort nach Norden behällt, sie weicht entweder einige Grade nach Westen,
oder nach Osten, und denn kommt sie erst wieder zu einer gewissen-Zeit, auf
ihren gehörigen Stand-Punct. D. Haley behauptet, daß dieses daher komme,
weil in dem innern der Erde ein hohler Stand sey, in welchem aber ein Kern
liegen müße und das wäre ein großen Magnet, der in dem Mittelpunct
der Erde befindlich wäre, und dieser Mittelpunct oder Magnet müsse sich dre-
hen. Gewiß ist es, daß in der Erde durchaus etwas seyn müsse was sich dreht,

/ denn

/|P_93

/denn sonst könnte der Compas sich nicht verrücken. Von der Drehung der Erde
kann es nicht herkommen. Da aber der Compas bald nach dieser, bald nach jener
Richtung geht, so muß der Körper in der Erde loß seyn, und sich frey bewegen.
Haley hat darauf zugleich die Berechnung der Magneten gegründet, welche
auch accurat mit der Erfahrung übereinstimmt. Und Admiral Hanson hat
nach den Haleyschen Tabellen seine Schiffahrt eingerichtet, und sie für gantz
wichtig befunden. Man kann allso dieser Meynung, ob sie gleich curieux
ist, nicht allen Glauben absprechen, denn das ist gewiß ein Körper und das
Centrum der Erde, wo sich alle schwere vereinigt, kann weder steigen noch
fallen.

/NB Das Innwendige der Erde überhaupt kennen wir sehr wenig, der
Grund aller Gebürge scheint Granit zu seyn, darauf ein Lager von Horn-
Schiefer, darauf ein Lager von Flöth. Was unter dem Granit seyn mag
ist uns unbekannt.

/ ≥ Drittes Hauptstück.
/Vorboten, oder Erscheinungen des Erdbodens. ≤

/Die Ratzen und Mäuse, gehen aus ihren Löchern, oft Kriegt auch ein
verborgen Gewürm, aus der Erde. Die Africaner fürchten sich. Den wan-
delnden Menschen überfällt ein Schwindel. Gemeiniglich ist die Luft vor-
hero still, aber electrisch. Diese electrische Materie häuft sich bisweilen in
den Wolcken an, und ladet sich in die Erde aus, dies ist das Gewitter; oder sie
häuft sich in die Erde auf und ladet sich in die Wolcken aus. Dies ist das Erdbe-
ben. Wo nun alte Vulcane sind, da ist viel electrische Materie, also auch

/ viele

/|P_94

/viele Erdbeben. Die Bewegung des Erdbodens ist nicht blos senckrecht, nicht eine
bloße Erschütterung, sondern vielmehr ein gewisses Schauckeln oder Schwan-
cken, oder gleichsam eine Wellenförmige Bewegung, wie auf dem Meer;
Das sieht man besonders an den Krohnenleuchtern in den Kirchen, vorzüg-
lich in den Italienischen Kirchen, wo man es eher an denselben gewahr wird,
als man es selbst empfindet. Diejenigen welche auf Thürmen wohnen,
empfinden es am stärcksten. Das Schwancken desselben, theilt sich beson-
ders dem Wasser mit, und sein Gang kann darin sehr leicht bemerckt wer-
den. Daher heißt es, es gieng von von Osten nach Westen. Die heftigen Stöße,
die beym Erdbeben geschehen dauren nur einige Secunden lang, aber
sie kommen desto öfterer. Denn sollte es nur eine Minute dauren,
so müßte in dieser Zeit alles übern Haufen stürtzen. Die Heftigkeit des-
selben wird aber besonders in der See verspührt, denn der Seegrund be-
bet eben so gut, wie das veste Land. Die See flieht von dem einen Ufer,
und schwillt an dem andern Ufer auf, bald kommt sie wieder zurück,
und schwillt an dem erstern Ufer auf. Diese Bewegung ist mehren-
theils mit einem unterirrdischen Getöse als eines reißenden Sturms
verbunden. Der Magnet verliehrt auch dabey seine Kraft und stößt das
Eisen weg. Länder welche als der Fuß großer Berge anzusehen sind,
oder als die Fortsetzung derselben, sind mit Erdbeben beunruhiget, z. E.
Peru, Italien, die Inseln des Capo_Verde. Imgleichen die Inseln des
Indischen Meeres. Es hängt nicht vom Clima ab, doch scheint es in tempe-
rirten Zonen dem Frühlinge und Herbst mehr, als andern Jahreszeiten

/ eigen

/|P_95

/eigen zu seyn. Einige Länder scheinen durch Erdbeben einmahlen angegrif-
fen gewesen zu seyn, als z. E. Preussen, Rußland, Holland, besonders solche
Länder, die keine Gebürge haben. Sie finden sich aber desto häufiger in
solchen Ländern, die mehr und näher an Feyerspeienden Bergen liegen.
Die Länder die Erdbeben haben, haben auch Spuhren von Feuerspeienden
Bergen. Am Rheinstrohm sind bisweilen Erdbeben. In Böhmen bey Eger,
an beyden Oertern hat man Spuhren von uralten Feuerspeyenden Ber-
gen wahrgenommen.

/ ≥ Ursachen und Würckung des Erdbebens. ≤

/Die warmen Länder zeigen, daß eine Erhitzung in dem innern der Erde
vorgehe. Man kann das Erdbeben durch die Kunst nachahmen. Eine Mischung
von Eisenfeil-Staub, Schwefel und Wasser in die Erde vergraben, bringt
nach einigen Stunden eine Bewegung der obern Erde, (hervor,) Dampf
und endlich eine lebende Flamme zu wege. Alles Feuer ersticket aber
durch Mangel der Luft, daher wird manche Erhitzung, durch blos brennende Gluth
erzeugt, die nicht eher ausbricht, bis die in dieser Gewalt befunden. Diese Bewe-
gung der unterirrdischen Luft entsteht wie die Winde durch Erhitzung einer
Gegend von der andern, und daraus kommt das Rasseln, welches vom Erd-
beben begleitet wird. Es gehöret auch Wasser dazu, um die Mineralien
auseinander und in Bewegung zu bringen, daher kann der Regen,
der sich durch alle Spalten durchsieget, die Erdbeben veranlassen. Das
Meer ruhet in seiner großen Last auf dem Boden, und wiederstehet der
unterirrdischen Gewalt kräftig. Daher wird eine verdoppelte Stärcke

/ derselben

/|P_96

/derselben von den Ufern ausgeübt. Doch bebet auch das Meer, die unter-
irrdischen Höhlen hangen in weiten Gegenden unter einander zu-
sammen. Denn die Erdbeben breiten sich aus einer Gegend der Erde,
in die andern entlegnen aus, und gehen oft einige 100 Meilen unter
der Erde fort. Es steigen bey dem Erdbeben fremde Dünste aus der Erde
in die Luft, wovon die Aenderungen der Witterung herrühren.

/ ≥ Von den Feuerspeyenden Bergen. ≤

/Die Italienischen Feuerspeyenden Berge werden Vulcane ge-
nennet. Seine Figur ist Kegelförmig. Die Spuhren von Feuerspeyen-
den Bergen sind folgende,

/1) wenn man einen Crater findet, id est, einen Rachen von Feuer-
speyenden Bergen, dergleichen findet man, wo an Feuerspeyen-
den Bergen gar nicht zu dencken. Wir werden von diesen unten
noch ein mehreres reden.

/2) Die Producte sind.

/a) Die Asche Derselben. Die Erde davon nennt man terra Putzolana.
Sonst nennt man die Asche Tuffa, Tros, der nach Holland geführt wird, u.
dort Cement heißt.

/b) Die Bimssteine, welches poreuse Steine sind, von denen das Feuer viel
verzehret haben muß und nur der Schlacken übrig geblieben. Dies ist
immer ein kennzeichen, daß da ein Vulcan gewesen.

/c) Die Lava oder Materie, von der man weiß, daß es Lava gewesen.

/d) Ein gewisser Stein, der, der Sand-Stein heißt auch Basalt z. E. um Kö-
nigsgrätz.

/Merckwürdig ist es, daß die Auswürfe der Feyerspeyenden Berge

/ zur

/|P_97

/zur Fruchtbarkeit der Erde viel beyzutragen scheinen.

/Wenn man die Inseln des Archipelagus durchgeht, so scheinen sie von Vulca-
nen entstanden zu seyn. Die Phoenomena der Feuerspeyenden Berge
sind Folgende.

/1) Ein jeder Feuerspeyender Berg, hat einen Crater, (Kelch) (Trichter), wo-
raus bey entstehender Bewegung, die Feuerspeynde Materie herraus-
stürtzt. Er ist oft von einer erstaunenden Größe, denn auf dem Aetna
wird er beynahe eine Meile betragen. In Peru 100 Ruthen. Aus ihm
wird Feuer und Asche ausgeworfen, und wird auch zurück geworfen,
und macht inwendig noch (immer) <einen> Kegel, der wieder auswirft. Der Crater
geht unten spitzig zu, so daß man etwas in denselben hinabgehen
kann, welches auch einige neugierige Reisende gethan haben auf
dem Aetna. Wenn die Materie ausgeworfen worden, entsteht ein
neuer Berg, um viele Jahre bekommt, (wie gesagt) der Berg wieder
einen neuen Crater, hernach aber stürtzt er ein, und bekommt seinen
vorigen Crater. Die erste Beschreibung davon hat und der Ritter Ham-
milton
als Englischer Gesandte zu Neapel gegeben. Von dem Ueberrest
der alten Feuerspeyenden Berge, welche sich nach der Zeit verschüt-
tet haben, ist noch einer vor andern zu mercken, es ist der Thier-Garten
des Königs von Neapel, der rund herrum von der Natur mit einem
ziemlich hohen Rande eingefaßt zu seyn scheint. Hammilton be-
merckte, daß es ein alter Crater gewesen, und hinterbrachte dies zu-
erst dem Könige; allein ohnerachtet er jetzt so ruhig ist, so scheint er doch

/ nicht

/δLage_N

/|P_98

/nicht von langer Dauer zu seyn, ob er gleich vor jetzt angefüllet und bewachsen
ist, denn sie liegen oft 100 Jahr ruhig, und denn werfen sie doch wieder aus. Hammilton
führt auch eine Menge von solchen verfallenen Vulcanen an, worunter er
auch gewisse kleine Seen rechnet, die Vulcane gewesen seyn sollen, deren
giebt es in Italien sehr viele. Die Erde scheint also schon in den uralten Zeiten
Vulcane gehabt zu haben.

/Einer von den vorzüglichsten Vulcanen in Europa ist der Aetna, er erstreckt
sich auf 10 bis 15 Meilen und ist 5.000 Fuß hoch. Er hat wohl mehr als 30 andere
Vulcan und Crater. Dieser Aetna, der nicht neu zu seyn scheint, steigt zu ei-
ner erstaunenden Höhe hinauf, so daß oben der Schnee gar nicht mehr schmiltzt
und er den Italienern sehr zur Erfrischung dient, wo au«s»ch deswegen die Mal-
theser alle Wochen ein Schiff abschicken, um das Eis, oder den Schnee von
Aetna zu holen. Die Italiener wissen aus diesem Eise allerley Arten von
Früchte zu machen, die sie confituren nennen, und die Ihnen wie uns das
Obst zur Erfrischung nach dem Essen dienen. (Man nennt dieses die) vid: Bry-
donis
Reise in Italien. Dieser Aetna wird in 3 Regionen eingetheilt a) la
regione culta, oder Pictmontesa die Fruchtbare, b) la regione sybvosa und
c) la regione diserta; Die Materien die er herrauswirft, sind freylich im
Crater und das ist

/1) Rauch. Er steigt wunderbar auf, er sieht beym Vesuv von weitem wie eine
große Fichte aus. Er ist dick und schwartz, und zeigt besondere Phoenomena.
Im vorigen Seculo sind aus dem Rauch des Aetna Blitze gefahren, daraus
sieht man, daß er voll electrischer Materie sey.

/2) Asche, weil es nun beym Anfange des Ausspeyens auch gemeinhin reg-
net und selbst Wasser aus dem Crater herrauszustürtzen scheint, so möchte

/ man

/|P_99

/man glauben, daß dadurch der Auswurf electrisch gemacht wird. Diese Asche
wenn sie in Stein verhärtet ist, heists Tuffa. Sie verhärtet sich in der Luft und
verschüttet oft gantze Städte. Sie wird auch Terra Puzolana genennt, von
dem Orte Puzolo. Diese Erde wird sehr starck nach Holland geführt, denn wenn
man sie mit etwas Kalck vermischt, so wird daraus ein Mörtel, der zu Kitte
sehr gut zu gebrauchen ist, auch fast von ewiger Dauer ist.

/3) Der Bimsstein kommt auch daher und ist als Asche des Vulcans anzusehen.

/4) Der Schmergel, ist noch eine Vulcanische Erde, und es giebt viel dergleichen.
Die Basalt-Steine, sind Säulen-Steine, welche oft von einer sehr geraden
und kegelförmigen Höhe sind, wie zu Adersbach in Böhmen. Diese gehören
auch hieher, als Reste von alten Vulcanen. Nun wollen wir die Lava betrachten.

/5) Die Lava. Dies ist ein prächtiges und das vornehmste Phoenomem. Es kommen
oft gantze Schwefel-Ströhme herraus; Das Wesentliche aber ist eine ge-
schmoltzene Stein-Materie, die viel Metallisches mit sich führt. In der Nacht
sieht es wie Feuer, aus, im Tage aber wie Rauch. Ein solcher Strohm von Lava
ist oben mit Schlacken bedeckt, und leuchtet anfangs sehr schnell, es fahren aus
ihr bisweilen Blitze, und richtet bisweilen auch mehr Schaden an, als der
Feuerberg selbst. Sie wird verbraucht Straßen zu verpflastern. Die vom Aet-
na ist sehr poreuse. Wenn die Lava verhärtet, oder vestgeworden, so giebt sie
schöne Farben von sich, die man denn so wie den Marmor zu Tischen und der-
gleichen gebrauchen kann. Wo sie hinkommt macht sie ein stratum Erdreich.
Beym Aetna hat man ein Mittel ihr vorzubeugen. Sie lassen sich in Schaaf-
Häute nehen und mit Feuer-Spritzen gantz naß machen. Alsdenn werfen
sie gegen die Lava Erde auf, da sie denn durch eine kleine Hinderung leicht

/ einen

/|P_100

/einen andern Weg erhalten kann. Überhaupt so bald der Aetna auswirft, so
trägt man alle Heiligen dorthin, um den Strohm der Lava abzuhalten. Die
Reliquien des Heiligen Januarius sollen verursachen, daß der Berg zu
speyen aufhört. In neuern Zeiten hat man noch neuere Mittel erfunden
den Strohm der Lava aufzuhalten. Sie suchen nehmlich durch eiserne Stan-
gen Löcher einzustoßen, oder werfen Erdhügel auf und errichten eine Art
von Bollwerck. Es dienen auch starcke Mauern dazu, denn die Lava die
dazwischen erhalten wird, macht daß die Lava flüßiger wird, also abgeht und
sich nicht Thürmen kann. Alle diese Laven, wenn sie lange gelegen haben,
empfangen denn etwas fruchtbare Erde, wo auch die dortigen Einwohner als-
denn Gewächse pflantzen, die mit Verwunderung sehr schnell wachsen. Ehe die-
se Lava aber zu Erde werden kann, gehöret eine lange Zeit von Jahren dazu
vide Brydonius Reise pag: 107. Nahe bey einem Gewölbe, welches 30 Fuß tief
unter der Erde und vermuthlich ein Begräbniß-Platz gewesen ist, ist ein Ziehbrun-
nen, wo verschiedne Lagen von Lava sind, und die ObeRerfläche einer jeden Lage
ist mit ziemlich dicker Erde überzogen. Recupen hat sich dessen als eines Beweises
für das große Alterthum der Ausbrüche dieses Berges bedient, denn wenn 2.000
und mehr Jahre dazu gehören, nur ein sehr dünnes sparsames Erdreich auf der Ober-
fläche einer Lava anzulegen, so muß eine noch längere Zeit zwischen jedem Aus-
bruche, woraus diese Lava entstanden verflossen seyn. Und was sollen wir zu
der sehr tiefen Grube in Jaci sagen. Man grub durch 7 aufeinander liegende
verschiedene Strecken von Lava, deren Oberfläche parallel lief, und davon
die meisten mit einem dicken Bette von guter fruchtbarer Erde bedeckt waren.
Nun sagt er, muß wenn wir nach der Analogie schließen dürfen, der Ausbruch, wodurch
die unterste Lava entstanden ist, wenigstens vor 14.000 Jahren aus dem Berge

/ geflossen

/|P_101

/geflossen seyn.

/Der Aetna ist freylich ein weit älterer Vulcan als der Vesuv, denn er war bis zu
der Zeit des Vesuvius, immer noch ein bewohnbarer Berg. Bey Pontici ist ein Lust-
Schloß des Königes, welches auf der Lava steht, die zur Zeit des Vespasians eine
Stadt bedeckte, welche Herculanum hieß. Plinius beschreibet dies in seinen
Briefen, das Volck war aber damahls auf dem Amphitheater, jetzt ist man
durchs Graben darauf gekommen, allein man hat keinen Menschen auf
diesem Ort gefunden, ohnstreitig müssen sich dieselben noch zu rechter Zeit entfernet
haben. Indem auf diese Weise die Stadt zuerst mit Asche bedeckt war, so ergoß sich
die Lava darüber, nachgehends hat sich wieder Asche darüber gestreuet, so daß es
nunmehr eine fruchtbare Gegend ist. Denn die Süd und West Seite des Vesuvs
siehet sehr traurig aus, da hingegen die Ost und Nord-Seite anmuthig und
lächelnd ist. Jetzt arbeitet man an der Asche des Herculanii, weil man sich un-
ter die Rinde der Lava gegraben hat. Ueberhaupt wird Italien noch immer
ein Land bleiben, wo man stets Denckmähler der Alterthümer finden wird.
Es wäre zu wünschen, daß das Project noch ausgeführt werden könnte, nehm-
lich daß man die Tieber ablassen möchte, wo man ohnstreitig die wichtigsten
Alterthümer entdecken würde. Was zu bewundern ist, ausser den Städten,
welche vom Vesuv verschüttet worden sind, wozu auch noch Pompeii gehört, ist
dies, daß man in den Wäldern von Apulien zum größten Schimpf für die
Italiener erst im Jahr 1740 eine Stadt entdeckte, die Pesto hieß, und gar nicht
verschüttet, sondern blos mit Waldung bewachsen und wüste war. Ein junger
Mensch, der Sohn eines Mahlers, entdeckte sie, als er «s»Spazieren ritt. Hievon
hat man auch viele rudera abzeichnen können, die uns die Egyptische Bau-
art anzeigen. Man hat in dem Herculanio Haus-Götzen, so gar noch Brodt ge- 

/ funden

/|P_102

/funden, auch Schriften und Egyptisch Schilff-Papier. Dies nennt man auf latei-
nisch liber und sie ist die Haut oder Rinde von dem Gewächse worauf sie liegt.
Man hat aber vor jetzt noch nichts wichtiges darunter gefunden, als ein Paar
Comedien. Es gehört aber zum abcopieren eine große Gedult, weil dieses
Schilf-Papier doch etliche 100 Jahr gelegen, so kann es, ohne daß man es zer-
bricht, nicht so leicht auseinander gebracht werden. Man legt aber dieses Pa-
pier in ein gelindes Öhl und denn wieder über gewisse dazu verfertigte
Maschienen und Waltzen gezogen. Auch fand man Mahlereyen die auf
naßen Kalck gemacht sind. Sie haben alle schöne und erhabene Farben, aber
kein Perspective herscht darein. Es kann aber vieles daraus erkläret wer-
den z. E. Was der Alten ihr Purpur war. Winckelmann sagt, daß er fast wie
ein Weinblatt aussieht, welches schon der Reif im Herbst berühret hat, und soll
mehr ins bräunliche als ins rothe fallen.

/Sonst hört man wohl nicht, daß mehrere Oerter in der Welt von Feuerspeyen-
den Bergen sollten verschüttet worden seyn, ausgenommen daß die See
noch vieles in sich enthalten muß. Als bey Schvinemunde hat vormahls ein
berühmter Ort gelegen, der Julii geheißen, woran noch ein Schiff vor etli-
chen Jahren Schaden litte. Hier würde man noch vieles von der alten Sclavo-
nischen Herrlichkeit entdecken können. Zuletzt ist dies noch zu mercken,
daß auch Vulcane aus dem Grunde der See entstehen und es hat das An-
sehen, daß wohl alle Vulcane daraus entstanden sind. So entstand im Mit-
telländischen Meer eine Insel in diesem Seculo au«f»s einer Tiefe von
80 Faden. Die Insel Jerrosia nicht weit davon kann eben so entstanden

/ seyn

/|P_103

/seyn; Ja man sieht daß die Inseln im Mittelländischen oder Egeischen Meer
alle so entstanden sind. Auch der Pico_de_Teneriffa ist offenbar ein solcher Vulcan,
der auf seiner Höhe auch einen Crater von 1/4 Meile im Umfange haben
wird. Manchen scheint dieser Crater auch schon wieder angefüllt zu seyn. Wir
haben also in diesem 2ten Hauptstück von den unbekannten Ländern, von
den Gebürgen und inwendigem der Erde gehandelt. Es folgt nun eine neue
Abtheilung.

/ ≥ IIItes Hauptstück.
/Von den Quellen und Brunnen.
/Von der Ursache derselben
. ≤

/Die bey den Naturforschern jetziger Zeit herrschende Meynung von den
Ursachen der Quellen ist, daß sie von dem Regen und Schnee-Wasser, wel-
ches sich in die Schichten der erde einsäuget, und von einem niedrigen Orte
hervorquillt, entstehen.
Diese Erdschichten nennt man Floetze und das Schich-
ten des Landes, sonst aber nennt man die Steingebürge auch Floetzen. Es
gehört aber zu diesen Erdschichten,

/1) Damm-Erde; 2 Sand-Erde. 3 Stein oder Kieß-Erde, 4 Thon und 5 Leim-
Erde und diese liegen auf einander.

/Die Damm-Erde ist die oberste und formiert öfters selbst eine große Schich-
te. Das Regen-Wasser säuget sich nun durch die Damm Erde, geht durch die
lockern Schichten vom Sande, nehmlich durch den Treib-Sand, denn kommt
es auf einen vesten Grund nehmlich den Thon, und dies läßt das Regen-
Wasser nicht durch, es schleucht sich dahero nach dem Abhange der Schichten, wo-
ran es stehen bleibt, fort, macht verschiedne Adern, und dringt von einem nie- 

/ drigen

/|P_104

/drigen Orte hervor, welches eine Quelle macht, die noch lange fortdauret. Wenn
z. E. der Regen eine Zeitlang ausgeblieben, weil das Wasser aus der Quelle
nur langsam ausfließet, aber aus einem großen Umfange des nahen Lan-
des einen almähligen Zufluß bekommt. Wie kann aber der Regen so tief
fallen, gesetzt wenn die Strata sehr dick wäre? Er kann ja weiter abge-
fallen wo die Strata sich abschneiden, wo das Wasser denn so hoch steigt, als der
Abschnitt ist, mithin fällt der Mißverstand weg; Man muß nur nicht immer
glauben, daß der Regen die Quelle formirt habe, da wo der Quell selbst
ist, sondern der Regen kann ja in einer gantz andern Weite gefallen
seyn, wo die Thon-Schichte nicht so tief lag, als dort wo man den Brunnen
grub, wie z. E. zu Baja, wo ein remarquabler Brunnen ist, der wenig-
stens 150 Fuß tief, ehe man auf sein Wasser kommt.

/Besondere Arten der Quellen und Brunnen. ≤

/Einige Brunnen fließen periodisch, einige derselben kommen durchs
Aufthauen des Schnees, noch andere aber durch Hydraulische Maschienen.
Noch andere, wie es scheint, daß sie durch die Würckungen des Mondes er-
klährt werden können, zu welchen letztern einige Quellen in Island
gehören, die mit Fluth und Ebbe des Meeres gleich halten.
Von der erstern
sind häufig in der Schweitz, Italien, Franckreich und andern Orten. Im-
gleichen im Bisthum Paderborn, ist der Balderborn, der alle 6 Stunden
sich verliehrt, und denn mit einem Getöse wiederkommt.
Alle Quell-Was-
ser sind gar sehr von dem Fluß-Wasser und noch mehr von dem Teich-Was-
ser unterschieden und zwar vornehmlich im Geschmack. Indes wenn man
sie in der Luft eine Weile stehen läßt so vergeht dieses auch. Worin besteht

/ dies

/|P_105

/dies aber? Sie haben eine gewisse Fixe Luft bey sich. Alle Fixe Luft ist eine solche
die etwas Vestes bey sich führt, und etwas Säuerliches hat. Die Fixe Luft ist beson-
ders in der Kalck_Erde und zwar in großer Menge. Man rechnet beynahe die
Hälfte der Schwere der Kreyde, Fixe-Luft. Diejenigen Quellen nun welche
viel von dieser Kalck-Erde in sich enthalten, werfen eine gewisse Ocre oder
Gel@b@-Erde zu Grunde, womit man auch sonst Häuser anzustreichen pflegt.
Diese Erde findet sich in allem harten Wasser. Was bedeutet das harte Wasser?
Es ist von der Beschaffenheit, daß wenn Fleisch aus demselben gekocht wird, so
pflegt es roth zu werden, auch daß mit demselben keine Speise kann ge-
kocht werden. Hart wird auch ein solches Wasser, welches lange auf dem Th@en@
gestanden hat, auch wird dasjenige durch die Vitriol-Säure hart, was zur
Tinte gebraucht wird. Dieses letztere erhält durch die Vitriol-Säure et-
was Eisenartiges und das bringt eben ihre Schwärtze hervor. Woher kommt
es, daß das harte Wasser mit der Seufe nicht schäumen will? %.Responsio daher weil
die Seife etwas ähnliches an sich hat, und weil die Pott-Asche, die in der
Seife steckt keine Fixe Luft hat, mithin giebts der Pottasche auch welche
und dadurch trennen sich die Theile von einander und bringen keinen
Schaum hervor.

/Was das Quell-Wasser in Preussen anlangt, so ist darau«s»f zu sehen, daß
man es nicht bald trincke, wenn es aus dem Brunnen kommt, denn es
hat viel Fixe-Luft, und wenn diese nicht mit der allgemeinen Luft
vermischt wird, so wird es ungesund. Dies hat ein Englischer Artz Falckener
hinlänglich bewiesen und die Erfahrung bestätiget es. Die Gelb-Erde wird

/ im

/|P_106

/im Quell-Wasser durch die Fixe Luft aufgelöst, und ihre Theilchen sind ungesund,
hingegen wenn man dies Wasser etwas stehen läßt und kocht, so fällt die Ocre
Erde zu Boden. Die Erd-Schichten enthalten ebenfalls die Fixe Luft. Sie
macht von alle solchem Quell-Wasser einen großen Bestand aus, wie bey
dem Pirmonter-Brunnen. Denn wenn man von denen damit angefüll-
ten Bouteill«o»<e>n wissen will, ob ihr Wasser noch seine gehörige Güte hat, so
darf man nur sehen, ob schon auf dem Boden etwas Gelbes zu sehen ist; findet
man dieses, so ists eine hinlänglige Anzeige, daß es schon viel Fixe-Luft
verlohren und folglich nicht mehr so gut ist. Man kann auch Pirmonter Wasser
machen, wenn man durch eine Röhre die Fixe Luft, (die daraus entsteht
wenn ich Vitriol auf Kreide gieße,) in ein Gefäß mit Quell-Wasser fließen
läßt. Ist es saturirt, so setzt sich die Fixe-Luft über demselben an dem Rande
des Gefäßes. Außer der Fixen-Luft sind auch Eisentheile im harten Wasser.
Wenn im Pirmonter-Wasser ein rother Bodensatz ist, so ist es nicht viel nutz,
denn es ist alsdenn die Fixe-Luft weggegangen und der Eisenocker hat sich
auf den Boden gesetzt. Alle gährende Materie, gahrendes Bier, Wein, treibt
während dem Gähren solche Fixe-Luft auf, wie der Kalckstein. Man kann
auch Pirmonter-Wasser machen, wenn man eine Schahle mit Quell-Was-
ser über einen gährenden Kessel mit Bier hält. Alle Quellen enthalten
hartes Wasser.

/Wir kommen auf die Saltz-Quellen und deren Wasser nennt man die
Sole. Es ist aber nothwendig, daß diese Wasser gekocht werden, weil aber das
Kochen viel Geld kostet, so wird dieses Wasser vorher graduirt durch gewisse

/ Reiser

/|P_107

/Reiser, oder geflochtene Faschienen, wo sich denn an Dieselben viel Tofus oder Kalck-
Erde setzet, und denn wird das Saltz-Wasser erst gekocht. In Deutschland ist Halle
im Magdeburgischen, und Halle in Schwaben davon berühmt. England hat auch
dergleichen Saltz-Quellen.

/Es giebt auch Quellen die Bitter Saltz in sich enthalten, und das ist nichts an-
ders als das Aleatum minerale. Dieses findet sich auch in der Koch-Saltz-Säure,
wenn es aber mit vitriol-Säure vermischt ist, so giebts ein Bitter Saltz z. E. wie
das Sedlitzer Saltz ist. Alles Saltz aber besteht aus 2 Theilen, aus dem Spi-
ritus salis, und aus einem gewissen Aleato, oder etwas Laugenhaftem, wel-
ches «der»<die> Natur in alle Gewächse gelegt hat. Dieses Aleatum minerale nann-
ten die Alten Natrum.

/Die Medicinische Kraft von den Wassern wird von den Aertzten noch im-
mer bestritten, und man bleibt immer bey der Fixen Luft stehen. Wenn sie
auch behaupten, daß sie die Bestandtheile solcher Medicinischen-Wasser wis-
sen, so kann man doch sagen, daß es keiner weiß, indem noch keiner solches
Wasser hat nachmachen können. Ungesunde Wasser werden dadurch
gereinigt, daß man etwas Eisen herreinwirft, denn dieses trägt in der
That viel zur Gesundheit des Menschen bey. Es giebt Sumpf-Wasser, wel-
ches man wegen der sich darin befindlichen Insecten gar nicht trincken kann;
allein man nehme etwas weniges Alaun, als auf eine kanne von 6 Stof
einen Thee-Löffel voll, so tödtet dies alle Inseckten, und wenn sie zu Boden
gefallen sind, hat man ein klares Wasser. Woher aber verschaalt der Wein
bey Gewittern? Es kommt daher, weil der Wein so wohl, als das Bier, wenn

/ es

/|P_108

/es gegohren hat, seine Fixe Luft verliehrt, denn ein solcher junger-Wein oder
Bier enthält erstaunend viel Fixe-Luft. Wenn man also diese Fixe Luft
wieder hineinbringen kann, so erhält er auch seine Güte. Man kann selbst
Pirmonter Wasser machen, (wie oben schon gezeigt), wenn man nur Fixe
Luft ins Wasser herreinbringt, denn die wiedersteht der Fäulniß, und erfrischt
sehr. Fixe-Luft bekommt man, wenn auf Kreide, oder Kalck Vitriol-Säure
gegossen wird, diese jagt die Fixe Luft herraus, und die muß man denn durch
eine Maschiene und Röhre ins Wasser bringen. In Engelland hat schon je-
dermann die Maschiene, da sie jetzt bey uns noch nicht sind; so kann man
auch die Fixe Luft bekommen, wenn man 2 Stangen, daran eine platte
Schahle befestigt, über gährendem Bier legt, und mit einem Quirdel es be-
wegt, damit die Fixe-Luft sich gut vermenge. Darauf gießt man es in die
Bouteille und stopft es mit Korck-Holtz zu.

/Sonst giebt es auch Mineralische Quellen, welches weiter nichts als Eisen ist.
Selbst der Mensch, alle Pflantzen und Thiere, haben kein ander Metall,
als Eisen Theile bey sich. Dagegen giebts doch auch Quellen die Kupferarti-
ge Theile bey sich führen, und das ist, das Zement-Wasser, wodurch man ein
Eisenblech in Kupfer verwandeln kann, wenn man es ins Zement-Was-
ser hineinwirft. Wenn man es hineinbringt, so ziehet das Zement-Wasser
die Eisentheilchen ab und giebt ihm dafür Kupfer Theilchen, und das geschieht
durch den Kupfer Vitriol. Sonst kann wohl man nicht sagen, daß andere Me-
talle im Wasser zu finden wären. Was den allgemeinen Gebrauch des Was-
sers betrifft, so muß man sich ja wohl hüten, es nicht aus bleyernen Gefäßen zu

/ trincken

/|P_109

/trincken, weil das Bley sehr viel Gift bey sich führt. Aus Kupfernen Gefäßen dürf-
te es nicht so gefährlich seyn, weil letzteres gleich zum erbrechen reitzt. Die Italiener
nennen einen Duft, der Menschen und Thiere erstickt Mofelta, bey den Berg-
leuten böses Wetter, wovon sie auch erstickt werden; daher haben sie auch Wetter-
Schachten, damit die Luft in denselben circulirt werde. Das meiste zu diesem
bösen Wetter tragen die Bergleute selbst, durch ihre Ausdünstung zu. Es kann
zwar auch Mineralische Dünste geben, diese sind von der Mofelta sehr unter-
schieden, denn jenes ist eine gewisse Fixe-Luft die aus den Kalck-Stratis heraus-
gehet, wo große Vitriol-Dünste sie heraustreiben. Indessen können doch auch
wohl noch andere Materien mit der Fixen-Luft herraussteigen. Die Fixe
Luft ist gesund, wenn sie sich erst mit der andern vermischt. Bey Pyrmont ist
ein hervorsprudlendes Wasser, wovon die Vögel sogleich ersticken, wenn sie
davon trincken, und dies kann von der Fixen-Luft herrühren. Man hat auch
angemerckt, daß die Lungensüchtigen Leute, welche bey Kalck Gruß arbeiten,
die gesundesten Leute werden, welches ohnstreitig von der Fixen Luft her-
rührt. Bey Neapel liegt die Grotte del caxe, die auch für Thiere und Men-
schen schädlich ist. Was die heißen Brunnen betrift, so werden diese zum Ba-
den gebrauch, oder man trinckt sie auch. Hievon ist das Pfeffer-Bad, bey dem
Orte Pfeffers im Canton Bern merckwürdig. Wenn man dies Wasser sieht,
so kann man keinen Unterschied zwischen dem gemeinen Wasser wahr-
nehmen. Merckwürdig ist auch das Carls-Bad. Diese heiße Brunnen-Wasser
kühlen langsamer ab, als eben so viel Kochendes Wasser.*1 Es kocht aber auf dem
Feuer eben so gut als kaltes Wasser. In Island sind verschiedene heiße Brun- 

/ nen~

/|P_109R δZ_22f.

/*1 das den-
selben Grad
der Hitze
hat. Die

/ Ur-  ~

/|P_110
nen, unter denen einer der Gleiser genannt wird, der zugleich zu einer großen
Höhe spritzt, ein Stück Fleisch in einer halben Stunde gar kocht. Die Ur-
sache dieses heißen Wassers ist in dem Mineralischen Gehalte wovon es sich
erhitzet, und zugleich schwerer wird. Es giebt auch Kalte Brunnen, welche
man in Gipsigen Höhlen antrift und vom Gips herkommen, es kann auch
daher kommen, weil die andern wodurch sie einen Zufluß bekommen
sehr tief liegen und daher von der Sonne nicht können erwärmet wer-
den. Wir haben auch versteinernde Brunnen welche die hineingeworf-
nen Sachen versteinern. Mit Stein incrustiren heißt nicht versteinern. Je-
nes findet man in allen heißen Brunnen z. E. beym @Cars@bade. Diese Brun-
nen aber verwandeln die darin geworfnen Sachen nicht gantz in Stein;
sondern sie setzen nur einen Tofus an, oder Kalckartige Materie an die
Körper an und zwar so, daß die Sachen davon eine Kruste oder Rinde be-
kommen. Ein solches Wasser findet man in dem schon angeführten Carls-
Bade in Böhmen. Man kann es mit Weintrauben, anderm Obst auch
Eichenlaub probieren, solches wird innerhalb 24 Stunden incrustirt zu
würcklichen Versteinerungen aber werden 1.000 von Jahren erfordert,
und dies geschieht, wenn die Brunnen viel von der kalckartigen Erde
bey sich führen. Es sind aber nur wenige Quellen, welche würcklich petrifi-
ciren. Man findet zwar Holtz welches in Agat verwandelt worden,
aber welche Zeit muß nicht dazu gehört haben, maaßen solche Versteine-
rungen sehr langsam vor sich gehen. Man findet eine Brücke über die
Donau, ohnweit der Türckischen Grentze, die man die Trayans-Brücke

/ nennt.~

/|P_110R δZ_1-5

/Ursache ist
weil sich die
Hitze in dem
Innern des
Wassers
selbst befin-
det. ~

/|P_111

/nennt; man sägte ein Stück von einem Pfahl dieser Brücke ab, und fand daß von
der Zeit des Trajans an es sich 3/4 Zoll tief versteinert hatte; mithin könnten auch
wohl einige 1.000 Jahre dazu gehören, ehe der Pfahl gantz zu Stein werden dürf-
te. Die Brunnen sind sehr steinartig und scheinen Tropfsteine bey sich zu führen,
welche man auch in der Baumans-Höhle antrifft. Artig ists, daß man im Tosca-
nischen einen Brunnen findet, der zwar auch nicht bald incrustirt, aber mit der
Länge der Zeit geschiehet es doch und zwar mit der schönsten Weiße wie Marmor.
Wenn man mit einer Schahle dies Wasser schöpft, so wird daraus mit der Zeit
eine Art Ziegel. Dies thut das Wasser des Teverone in Toscana. Hier macht man
allerley Bareillefr. Man macht nehmlich verschiedne Figuren aus Stein; als-
so man druckt die Formen in geschmoltzenen Schwefel ab, und läßt den Dampf
herreinträufeln. Dies wird bald voll, und ist sehr geschwinde erhärtet.

/Was die Brunnen betrifft, die Schädliches Wasser haben, so findet man einen
solchen in Irrland der Zement-Wasser bey sich führt, wo die dort herrumwoh-
nenden Leute es trincken, womit sie sich die Wärme vertreiben aber auch zu-
gleich umbringen. Es enthält Kupfer-Theile.

/Brunnen werden auch schädlich, wenn sie lange nicht ausgeräumet worden sind,
solche aber kann man verbessern wenn man alt Eisen hineinwirft.

/Es giebt auch brennbare Brunnen z. E. In Engelland die aber mit einem Schwe-
fel Dampf versehen sind, es ist aber weiter nichts, als etwas Phosphorus, den es
bey sich führt, indes ist es doch nichts würckliches Brennbares. Das Brennen rührt
immer von den Blasen, die von unten herraufkommen, sonst findet man nichts
Brennbares im Wasser. Wenn man einen Stock ins Wasser steckt und Blasen

/ herrauf- 

/|P_112

/herraufkommen und man ein brennendes Stroh-Halm daran hält, so brennen
sie und dies brennt lange, wenn man immer rührt. Dies ist die Sumpf-Luft,
die die Ursache der Irrlichter ist. Die Sumpfluft ist für den Menschen sehr ge-
fährlich. Die Brunnen auf denen alle Körper schwimmen, sind die Nafta-
Brunnen bey Persien am Caspischen Meer, bey Derbent, Bacu, Mahandera,
Astrabat pp. Die Bergigten Gegenden haben einen Ueberfluß an Quellen
die Steppen und Sand-Wüsten aber nicht. Doch findet man auch hier allent-
halben Brunnen, wenn man sehr tief gräbt. Die Ursache ist, weil das Land
flach ist und die Feuchtigkeiten saugen sich immer tiefer ein.

/Alle verfallnen Brunnen haben auch Mephitis in sich, wodurch es geschehen,
daß Persohnen, welche sich mit Aufgraben derselben beschäftigen, auf ein-
mahl in eine große Schlafs<u>cht verfielen. Wenn man wissen will, ob man
mit Sicherheit in einem solchen verschlossnen Keller, oder Todten Gewölbe,
oder auch Brunnen steigen kann, so nehme man eine Stange, binde ein
brennend Licht daran; geht das Licht in demselben aus, so ist er nicht sicher.
Daher wäre es sehr schön, wenn man nicht mehr die Leichen in den Kir-
chen begraben möchte, indes muß man doch auch sagen, daß die Schädlichkeit
davon nicht so groß ist, als man glaubt. Dennoch aber ist die Luft darinnen
sehr schwer, mithin kann sie sich nicht so bald austreiben; daher man Exem-
pel hat, daß wenn Leute erst in ein so lange Zeit verschloßnes Gewölbe
bis auf den Grund herruntergekommen sind, sie denn auf der Stelle erstickt
sind.

/ Viertes

/|P_113

/ ≥ Viertes Hauptstück.
/Geschichte der Flüsse.
/Von dem Ursprunge derselben
. ≤

/Sie entstehen aus den Bächen und zwar aus deren Vereinigung. Die Bäche entsprin-
gen aus den Quellen, und aus denen Flüssen entstehen Ströhme. Die Quellen ent-
springen aus dem Regen und Schnee.
%Quaestio: Das Wasser dringt in ein ausgetrock-
netes Erdreich nicht über 2 Fuß ein, woher kommt es dann, daß bey Grabung der
Brunnen öfters mehr als 100 Fuß tief Quell-Adern angetroffen werden.
Allein darauf wird geantwortet %Responsio: <1> daß die Spitzen und Spalten der Erde
da«ß»s Wasser nach einem langen Regen, die Steinkohlen-Gruben wohl 200
Fuß tief und in den Bergwercken wohl 1600 Fuß niedrig. 2) Daß wenn man
eine Beinichte Schichte annimmt, welche abhängig ist, über der sich ein Berg be-
findet, das Regen-Wasser, welches darauf fällt durch kleine Adern, da es sich
ausbreitet, in der Richtung nach dem Berge fortläuft, und also wenn aus der
obersten Spitze ein Brunnen gegraben worden daselbst die Quelle an-
getroffen worden, die aber nicht von dem auf dem Berge gefallenen Re-
gen-Wasser, sondern von dem, das auf die Ebene unter dem Berge gefalle-
ne und auf der abhängigen Schichte die durch die fortläuft sich durchgesäuget
hat, herzuleiten ist. 3) Daß oft auf Hohen Bergen Quellen anzutreffen
sind z. E. auf dem Blocksberge, Tafelberge. Im Capo Bonae spei. Allein man
findet bey genauerer Untersuchung, daß doch ein Theil des Berges Höher
liegt, als die Quelle die auf ihm entspringt. 4) Daß einige Quellen bey der
größten Dürre ohne Verminderung fortfließen. Dieses rührt von der Tiefe

/ der

/δLage_P

/|P_114

/der Schichten her, die sich, wenn sie sich einmahl voll Wasser gesogen haben, bestän-
dig naß erhalten, indem sie aus ihrem weiten Umfange nur einen gerin-
gen Theil in die Quelle liefen. Da hingegen dient zur Bestätigung diese
Meynung und das in Arabien, wo es wenig regnet, auch im dürren Sande keine
Quellen giebt, daß die meisten Quellen im 1 Jahr wo es wenig regnet eine all-
gemeine Abnahme am Wasser leide«t»n, auch wohl gar versiegen.

/Die Flüsse kommen von den Gebürgen herrab, weil diese die Wolcken aus
der Atmosphere an sich ziehen, also 1) Weil es auf Gebürgen viel regnet, 2)
auch Schnee und Eis darauf liegt. Ein Strohm ist nichts anders als ein langes
Thal, welches zwischen einer Reihe von Bergen enthalten ist. Es ist schon
angemercket worden, daß durch die Landrücken das Wasser in Quellen zu-
sammengesammlet wird. Aus diesen entstehen Bäche, bis es endlich in
Ströhme ausbricht, wie in Böhmen die Elbe, die Muldau, die sich in die Elbe er-
gießt. Was die großen Ströhme anlangt, so ist zu mercken, daß ihre Quellen
in heißen Weltstrichen vorzüglich angetroffen werden, denn weil der Regen
in der Zona torrida wohl ein halbes Jahr anhällt, so liefern sie eine ungeheu-
re Menge Wassers. Dennoch aber sind die Küsten sehr trocken, weil sie ü-
beraus große Ströhme haben. Die Ströhme sind nützlich; denn sie vereini-
gen die länder mit einander und mit der See.

/ ≥ Die ansehnlichsten Flüße.
/Die Vornehmsten sind Folgende. ≤

/Der Amazonen_Fluß der wohl 700 Deutsche Meilen hat. Es fallen 3 Ströh-
me in denselben herrein, die so groß sind wie der Niel zu Cairo.

/ Der

/|P_115

/Der D_la_Plata Silber-Fluß oder Paragey-Strohm. Er fließt durchs Land Pa-
ragey, und ist so breit, daß wenn man auch schon im Süßen Wasser ist, dennoch
seine Breite noch nicht von dem höchsten Mastbaum übersehen kann. Er ist
auf 40 Meilen breit, ja wenn man schon bey Monte_video einer Portugiesi-
schen Festung ist, so kann man ihn doch noch nicht übersehen. Der Niel-Strohm
ist auch schon sehr groß, doch hat er noch lange nicht ein so großes Bette wie der
vorige. Der Zaire_Strohm in Congo ist auch sehr breit. Nächst dem Amazonen-
Strohm aber möchte wohl keiner größer seyn, als der Senegal, der auf
den Grentzen des Mogulschen Reichs entspringt und ins Eis-Meer fließet.
Er ist ein gewaltig großer Strohm, dessen Quellen man noch nie hat entde-
cken können. Der Ganges ist der größte Strohm in Asien, hingegen der
Euphrat und Tigris kommen alsdenn zusammen und so heißt er der Ara-
ber-Strohm, oder Passora_Strohm. Das alte Babel hat am Euphrat gele-
gen, daher ist die Meynung falsch, daß es dort gelegen wo jetzt Bagdad liegt;
sondern vielmehr da wo Mosul steht. Diese beyden Ströhme aber kommen
dem Ganges nicht bey. Die Indianer reisen oft an diesen Strohm um in
demselben ihre Sünden abzuwaschen. Der Oby oder Genesey_Strohm in
Syberien scheint wohl von dem vielen Schnee herzurühren. Es ist ein gewal-
tiger Strohm, der bey Pilistro oder Kilia sehr groß ist.

/Engelland ist ein kleines Land, hat aber seiner Proportion nach große
Ströhme. Wie z. E. die Themse und andere mehr. Es ist überhaupt ein feuch-
tes Land, und diese Feuchtigkeit selbst thut ihm oft vielen Schaden. Daher

/ haben

/|P_116

/haben auch ihre Wiesen schönes und grünes Gras, weshalb sie von den Frantzo-
sen oft beneidet werden.

/Noch andere Flüße sind auch merckwürdig wegen der Schnelligkeit des
Laufs z. E: der Zairo-Fluß. In einem solchen fließen Ströhme von einem
Schnellen Abfluß des Bodens, welche die Ursache des schnellen Laufs ist.

/ ≥Erläuterung wie sich der Strohm sein Bette mache. ≤

/Man findet bey den meisten Ströhmen, daß ihr Bette öfters höher liegt,
als das zu beyden Seiten liegende Land, sonderlich nahe an ihrem Aus-
flusse, wie am Rhein, Poo etc: Bisweilen siehet man sie durch enge Päs-
se streichen, zwischen 2 hohen und steilen Bergen, welche sie wie Mauren
von beyden Seiten umschließen, dies thut der Amazonen-Fluß nicht weit
von seinem Anfange, und die Rohne, wenn sie aus der Schweitz in Franck-
reich fließt. Man kann leicht errathen, daß da sich im ersten Zustande
der noch nicht ausgebildeten Erde, die Wasser von den Gebürgen in die
Thäler ergossen, und also dieses nicht nur das Meer wird erreicht haben,
sondern weit und breit das veste Land wird überschwemmet haben,
weil die Vielen Unebenheiten, die sich unterwegens finden, die Ströh-
me nöthigten oft große Thäler anzufüllen, und sich in viele Arme aus-
zubreiten, alda das Wasser, wo es am stärcksten Abgang findet am schnell-
sten fließet, so müßte hin und wieder ein schnellerer Zug des Wassers
seyn, als an andern Orten. Nun muß das Wasser in diesem Ursprüng-
lichen Zustande mit dem aufgelösten Schlamm sehr starck seyn ange-
füllt gewesen, und dieses kann es nicht in der Richtung seines stärck- 

/ sten

/|P_117

/sten Zuges, sondern an der Seite angesetzt haben, dahero erhöhet es den Boden
zu den Seiten, so lange bis die Ufer hoch genung waren, alles Wasser zu
fassen, und so bildete sich ein Strohm sein Bette. An den Gegenden wo stei-
le Höhen herrabstürtzten, arbeitete es den Boden so lange aus und druck-
te den abgerißnen Schlamm in die niedrigen Gegenden, bis er durchge-
hends eine gemäßigte Geschwindigkeit bekam. Dahero siehet man in
der Nähe die Ursprünge der Flüsse, die zwischen 2 Ufern fließen.
Zuweilen sind die Ufer wie steile Wände z. E. bey der Rhone wenn
sie sich aus der Schweitz nach Franckreich wendet, bey dem Amazonen_Strohm
nahe bey seinem Anfange. Daher sind auch die meisten Flüsse, als auch ein je-
der Fluß an den meisten Orten nicht unschifbar, wegen ihrer Schnelligkeit, aus-
ser an einigen Orten, wo der Boden felsigt ist, der sich nicht so leicht durch den
Fluß ausarbeiten läßt.

/Die Ströhme waschen die Ufer nach und nach weg, und saugen sich tiefer
ein; daher sie auch, wie schon gesagt, oft zwischen steilen Bergen fließen.
Da sie Felsen wegwuschen als sie noch weich waren, da haben sie sich auf ei-
nen Weg zwischen hohe Felsen gewagt. An einigen Gegenden aber wo die
Felsen eher hart wurden, als der Strohm sein Bette finden konnte, mußten
Wasser-Fälle entstehen.

/ ≥ Von den Wasser-Fällen. ≤
Wenn wir alle die Ströhme nach ihrer Mannigfaltigkeit betrachten, so
finden wir auch das Fallen der Ströhme oder die Höhen von denen sie ab- 

/ laufen.

/|P_118

/laufen. Es kommt aber dabey nicht an auf die Höhe von der sie herrablau-
fen, sondern auf die Proportion mit der Länge ihres Laufs. Man kann
sich hierinnen sehr leicht verrechnen, wie es auch von verschiednen ge-
schehen ist. Der Amazonen_Fluß hat ein entsetzliches Wasser-Gefälle
ohne deswegen schnell zu ströhmen. Bey ihrer Mündung haben sie
gemeinhin wenig Gefälle. Die Wilden haben in America bemerckt,
daß je mehr die Ströhme der See nahe kommen, desto gerader gehen sie,
da sie sich sonst schlängeln. Sie selbst urtheilen daraus und richten sich dar-
nach, daß sie der See nahe sind. Manche Ströhme haben ein sehr viel Ge-
fälle und dadurch entsteht ihre Geschwindigkeit im Laufen. Sie fließen
aber auch so, daß ihre Tiefe nicht remarquable ist, denn dadurch schneiden
sie sich zu sehr in den Ufern, die Tiefe aber kann man einigerma-
ßen nach der Steilheit der Ufer beurtheilen.

/Die Wasser-Fälle entspringen aus keiner andern Ursache, als
weil der Strohm einen Felsigten Boden hat. Ueberhaupt kann dies
nicht im sandigten und nachgebenden lockern Boden statt finden. Eini-
ge Felsen aber müssen hart geworden seyn, in der Zeit, als sich der
Fluß sein Bette machte. Es giebt weniger große Wasser-Fälle, wo das
Wasser gleichsam in der Luft schwebt. In Europa sind der Rhein, er
hat unterschiedliche Wasser-Fälle, der bey Schaffhausen ist senckrecht
7 Fuß hoch. In Italien ist der Velino er fällt von einer perpendiculairen
Höhe von 200 Fuß. In America ist der berühmteste und höchste in der

/ Welt

/|P_119

/Welt nehmlich der vom Flusse Bogeda der senckrecht 1200 Fuß herrabstürtzt.
Dieser ist in Süd-America. Allein der Fluß Niogra in Nord-America ist dennoch
der entsetzlichste, weil dieser Fluß eine ungemeine Breite hat und
senckrecht 150 Fuß herrabstürtzt. Die «a»Alten machten viel aus den Fällen
des Niels, die aber in der That 7 hochstens 10 Fuß betragen, und das geschieht
nicht ein Mahl perpendiculair.

/ ≥ Vom Ueberfahren der Ströhme. ≤

/Man befährt die Ströhme abwärts und das ist leicht, aber hinaufwärts
muß man oft die Kähne ziehen, (tredeln, trecken,) lassen, und das ist sehr
schwer. Die Alten hatten hierin eine besondere Art, und gaben sich sehr da-
mit ab aus einem Strohm in den andern zu kommen. Jetzt geschieht die-
ses nicht mehr, ausgenommen bey einigen Americanern und bey den
Russen, da haben sie noch eine berühmte Volog oder Französische Portage,
womit sie ihre Kähne herrauf und herrabbringen. Die Cosacken fuhren
den Amor_Strohm herrab und kamen in die Mündung der Ströhme. Nun
schickten sie einige von ihnen zu Lande aus, welche sehen mußten, wo
wieder ein andrer Strohm zu sehen sey. Sie brachten denn ihre Fahrzeuge
in den aufgesuchten Strohm und wolten nun gerne in den Lena. Dies
geschahe nun auch durch die Volog. Auch thaten dies die Alten um nach
Colchis zu kommen. Auf die Art, war es sehr leicht möglich, daß die In-
dianer nach Europa kommen konnten, nehmlich durch Uebertragung
der Boote.

/ Von

/|P_120

/ ≥ Von den Ueberschwemmungen der Flüsse. ≤

/Die Flüsse treten bisweilen aus, vornehmlich nahe an ihren Ausflüs-
sen und überschwemmen das niedrige Land. Diese Ueberschwem-
mungen sind entweder periodisch oder zufällig. Die Mehresten sind perio-
disch hauptsächlich in den Warmen Ländern, wo die periodische Regens-
Zeiten sind, z. E. Menan der mit dem Niel-Strohm in Egypten große Ähn-
lichkeit hat. Die Ursache ist der Regen in den Gebürgen, daraus der Fluß
entspringt und der herrabthauende Schnee. Unter allen solchen Flü-
ßen ist der Niel in Egypten der Vornehmste. Er thut solches in Egypten
alsdenn, wenn in Abyssinien der Regen zu fallen anfängt. Er schwillt
mit dem Anfange des Sommer-Monaths. Man rechnet ohngefehr, wenn
es wenig steigt 12 Ellen mittelmäßig 14 und wenn es fast zu viel steigt
16 Ellen. Allein die Ueberschwemmung geht doch nicht über das gantze
Land; daher graben sie Canäle die mit Schleisen verwahret sind, und
die sie denn auf einen Tag aufziehen. Steigt nun das Wasser hoch genug,
so haben sie Ursache sich zu freuen, geschieht das nicht, so können sie
glauben, daß leicht Mißwachs entstehe. Die Ursache dieser Über-
schwemmung ist der Regen, der alsdenn in den Egyptischen Gebürgen
fällt, zum Theil aber auch der Nord-Wind, der auf der Mündung des
Niels gerad bläßt, und sein Wasser zurücktreibt. Zur Zeit der Ueber-
schwemmung hört die Pest, wenn sie gleich die übrige Zeit des Jahres
währet, auf. Im Herbst zieht sich das Wasser wieder zurück, und da soll

/ nichts

/|P_121

/nichts Schöners können gesehen werden, denn stellt Egypten, zu der Zeit,
die allervortreflichsten Gärten vor. Egypten wird dadurch aber auch zu sehr
erhöhet, woraus man den schließt, daß das Künftig einmahl nicht mehr die
Höhe erreichen wird, und Egypten gantz unfruchtbar bleiben kann, denn
es bleibt doch ein großer Theil von schlammigter Erde bey jeder jährlichen
Uberschwemmung zurück, dies Land macht aber in der That die Vorraths-
Cammer von Constantinopel aus, so wie auch vormahls von Rom. Die Tür-
cken bauen jetzo Reiß da, welches aber sehr ungesund ist, weil es immer
im Sumpf stehen muß. Vor alters soll das Mittelländische Meer viel
höher überschwemmet haben, als jetzund, weil nun durch den abgesetz-
ten Schlamm das Land schon erhöhet worden. Weil sich nun in den heißen
Landstrichen der Regen zur gesetzten Zeit einfindet: so ist kein Wunder,
daß die Flüße die Ueberschwemmung zu gewissen Zeiten halten, als der
Nilus, Zairo, Endus und Ganges.

/ ≥ Andere Merckwürdigkeiten der Ströhme selbst. ≤

/Diejenigen Ströhme, welche sich in die See ergießen, theilen sich auch
in viele Arme aber nur ehe sie ins Meer fließen. So thut dies der Niel,
der hiedurch 2 Haupt-Hafen formiret, nehmlich Damiette und Rosette. Wahr-
scheinlich ist auch, daß das was nunmehr das Delta ist, vormahls ein Busen
gewesen, der mit der Zeit ausgefüllt worden, denn dabey kommt es nicht
auf die Größe des Strohms an, sondern ob er viel Materie mit sich führe, die
er absetzen kann. Dergleichen Ströhme aber haben gewisse kleine

/ Ströhme

/δLage_Q

/|P_122

/Ströhme bey sich und dies sind die Arme. So macht es der Mississippi-Strohm, der
mit seinen Armen viele Wälder überschwemmt und mit sich fortreißt, wodurch
alsdenn viele Inseln oder Eilande entstehen. Wenn ein solcher Strohm viel
Schlamm absetzt, so entstehen an dem Rande des Strohms viele Wiesen.
Ferner giebt es auch Ströhme auf der Erde die mitten in ihrem Lauf ver-
siegen. In Europa findet man zwar dergleichen nicht, ausser den einen
Arm des Rheins bey Catrich der in den Sand versiegt. Aber in Asia und
Africa wo viele große Sandwüsten sind, giebts viele Ströhme, die im Sande
versiegen. Denn diese Sandwüsten sind bloße flache Gegenden, die kei-
ne Abflüßigkeit haben, die Ströhme theilen sich denn, weil sie durch gar kei-
ne Bäche mit Wasser versorgt werden, und versiegen also und desto leich-
ter. In America findet man auch dergleichen. Daran kann man auch die
Wüste erkennen, wenn sie gleich nicht auf der Charte besonders sollten ge-
zeichnet seyn, denn man sieht auf der Charte von Persien Ströhme, die
gantz Schlangenförmige Gänge haben, wo man weder den Anfang noch
das Ende gewahr wird.

/Von manchen Ströhmen heißts: sie bewässern das Land. Dies ist aber nicht
durch die Ueberschwemmung zu verstehen, denn sie würde wenigstens
unsern Ländern vielen Schaden thun; aber wir können dies doch auch von
unsern Ströhmen sagen, sie bewässern das Land, nehmlich die Quell-Adern
machen hin und wieder Bäche; dennoch aber gehen auch viele Quell-A-
dern innerhalb in dem Strohm. Wenn nun auch alle Bäche austrockneten;
so hat der Strohm doch immer Wasser. Sollten hingegen auch die Quellen
keines mehr haben, so treibt ihnen doch der Strohm immer welches zu. Auf
solche Weise kann ein Land bewässert werden, daß es dadurch Feuchtig- 

/ keit

/|P_123

/keit genug erhält, ohne daß es erst viel regnen darf. Ausser diesem natürlichen
Versiegen der Ströhme, muß man auch der Ableitung der Ströhme gedencken,
so daß sie nicht starck in die See fallen können. z. E. So wohl in Ost als West-
Indien bewässern sie, vermittelst ihrer Ableitung die Reiß-Fälder.

/Ferner können wir noch sagen, daß die Ströhme alle Jahr in etwas abneh-
men. Dies kann man schon am Pregel in Preussen sehen, denn vormahls
überschwamm er noch viele Neben Ländereyen, jetzt aber nicht, folglich
muß er weniger Wasser haben.

/Die Ströhme versammeln sich auch gröstentheils bey ihren Mündungen,
daher entstehen die Baren oder Barren, die sich gemeinhin für die grös-
ten Ströhme setzen, wie z. E. beym Strohm Senegal. Wir haben hier in
Preussen bey Pillau eine solche Barre. Wenn die Ströhme von Menschen
gegraben werden; so graben sie dieselben gerade; die Natur hingegen
hat sie Schlangenförmig angelegt. Dies werden wir allemahl beym Aus-
fluß des Strohmes bemercken können. Allein man muß freylich we-
gen der dadurch entstandnen Verwüstung der Ufern viele Kosten an-
wenden, wie z. E. wegen der Tieber zu Rom. Man verfertigt zwar zu
dem Ende gewisse Stücke Holtz, woran sich der Strohm stoßen muß, ehe er
das hohe Ufer erreicht, allein dies bringt wieder einen andern Nachtheil
hervor, nehmlich, daß er durch einen solchen irrigen Gang, kleine Sand-
Bäncken und dergleichen mitten in sich hervorbringt. Mithin ist es hier
wohl besser, wenn man der Natur ihren Lauf läßt.

/Ferner fließen Ströhme auch unter der Erde eine Zeitlang und kommen

/ wieder

/|P_124

/wieder hervor z. E. der Quadiana. Der Strohm Grette in Engelland, wo doch also
eine Fels-Höhle seyn muß, um die er sich ergießt. Man sagts auch von der Rhone.
Oftmahls laufen sie aber durch Seen, und wie man behaupten will, sich ohne
mit dem See-Wasser zu vermischen. Man behauptet dieses von der Donau,
die durchs Schwartze Meer gehet, von der Rhone durch den Genfer-See, von
dem Rhein durch den Boden-See. Allein diese Behauptung ist falsch, und just
umgekehrt, denn die Rhone führt viel Schlammigtes mit sich, und wenn sie
nun in den Genfer-See kommt, so läßt sie ihren Schlamm fallen, und fließt
denn bey Genf gantz helle herraus und so gehts auch mit den übrigen an-
geführten Ströhmen. Weswegen aber dies so scheint, kommt daher. Es ist
freylich der Zug der Rhone, der durch den Genfer-See geht, der Grund des
(Schnees) Sees aber ist an dem Orte mit einem hellen weißen Sande be-
deckt, und so scheint das Wasser immer klar, daher man denn glaubt, daß das
Rhone-Wasser blos so klar und helle sey. Endlich alle kleinen Ströhme, die
in große Wasser fallen, haben schwerer Wasser, als das worin sie flies-
sen. z. E. Der Mayn hat schwerer Wasser, als der Rhein. Die Ursache ist die-
se, weil das Mayn-Wasser aus Gebürgen mit Schlamm beladen wird, %und
zwar stärcker, als der Rhein, der schon gegen jenen ein weit heller Wasser
führt. Indessen muß man doch gestehen, daß es einige Fluß-Gewässer giebt,
die auch sehr leicht sind, als die Neva und Seine in Paris, von denen man pur-
gieren muß. Hingegen das Wasser aus der Themse nehmen die Schiffer
gerne ein, weil es nicht so bald faulet. Die Ursache kann vieleicht von den
Stein-Kohlen-Gebürgen in Engelland herrühren, die dem Wasser etwas
Säuerliches mittheilen.

/ Von

/|P_125

/ ≥ Von den Materien die die Flüsse bey sich führen. ≤

/1) Ueberhaupt. Einige führen viel, andere wenig mit sich, einige gar so, daß sie
gantze Bäncke, Inseln ansetzen. Viele führen viele Erde, auch Holtz-Theile von
verschiedner Art bey sich. Den bemerckungswürdigen Umstand, daß die klei-
nen Ströhme schwerer-Wasser haben, als die größern in die sie fließen,
verursachen die Theile, die darin enthalten. Das Wasser der Ströhme, je
näher es dem Ursprunge kommt, enthält vile Steintheile, und wenn er
sich in große ergießt, so läßt er dieses fahren. Indes kann man nicht wissen
ob nicht wie die Chimisten es nennen eine Praecipitation statt finde.
Wenn schwere Theile zu Boden fallen, so wird das Wasser leichter.

/2) Insonderheit sind einige Ströhme die Gold mit sich führen. In Europa ist
kein Strohm der Goldkörner mit sich führt, der Rhein soll etwas mit sich
führen, aber bey der allergrösten Mühe und Zeit, bekommen sie selten
etwas, was nicht der Mühe werth ist. In America bey Popaja suchet man
die Goldkörner aus dem Sande, wo man sie 2 bis 3 Marck schwer gefun-
den. Jetzt sucht man nicht mehr viel diese Flüße nachdem man eingesehen,
daß es ohne Nutzen sey. Andere Metalle hat man in Ströhmen nicht ge-
funden, weil sie gleich verrosten. Bey den Alten war Pacterus merckwür-
dig. Colchis war wegen des goldenen Widderfells berühmt, welches wohl
von Folgendem herrührt. Colchis liegt am Gebürge Caucasus, man hat
von Indien nach Colchis Waaren gebracht, die nach der Zeit nach Dios-
cara hingebracht wurden, so ist zu glauben, daß Colchis reich geworden.
In den ältern Zeiten hat man sich beschäftigt in den Ströhmen Gold zu
waschen. Dieses Waschen des Goldes aus dem Sande ist eine Arbeit für die

/ müßigsten

/|P_126

/müßigsten Leute, z. E. für die Wilden, die immer nichts zu thun haben. Das
Waschen geschah, indem man ein Lämmer-Fell in demselben ausspannete
und zwar so schräge, daß das Wasser darauf kommt. Sind nun Gold-Theile
da, so treibt das Wasser alles Übrige weg, und die schweren Gold-Theilchen
fallen immer tiefer aufs Lammes-Fell. Das getrocknete Fell, kann
man hernach ausklopfen. Dies ist das Widderfell zu Colchis. Die Auflö-
sung des Goldes durch Quecksilber nennt man Amalgama, und so verfahren
die heutigen Goldwäscher: Das gantze Goldwaschen ist jetziger Zeit von kei-
ner großen Erheblichkeit. Es ist noch viel Gold in den Ströhmen, besonders
in den Ströhmen an den Gebürgen, der Ruf der Goldhaltigen Ströhme
aber hat jetzo aufgehört. Vor Zeiten hingegen waren verschiedne alte
Flüsse wegen des Goldes berühmt, weil damahls die mehrentheils noch
Wilden Einwohner, die Zeit nicht so zu schätzen wusten, als wie jetzt. Gold
wird noch gewaschen hin und wieder von den Indianern, die im Orient
nackend herrum gehen, dieses wird an die Holländer verkauft. Die Ne-
gers sind die größten Goldwäscher. Die Gold-Küste Guinea ist auch berühmt,
weil sie sehr steil ist, und die Flüße rapid sind. Sie fischen aber nicht da zu
aller Zeit, sondern wenn es aufgehöret hat zu regnen. Im Rhein wird
auch etwas Gold gefischt. Überhaupt ist Gold auf der Erde nach dem Eisen
am meisten verbreitet, weil es das einzige Metall ist, das nicht rostet,
und auch nicht verzehrt werden kann, dahero es Jahrhunderte liegen
kann.

/ ≥ Anhang von den Land-Seen und Morrästen. ≤

/1) Von den Land-Seen. In Deutschland ist zu unterscheiden die See und

/ der

/|P_127

/der See. Die See ist nur eine einzige, der See aber sind viele, und von denen
reden wir hier. Der Ocean ist als eine einzige See anzusehen. Der See ist
süß, das Caspische und todte Meer aber ist saltzig. Wenn ein See sein Wasser
durch einen Knall eines Strohmes ergießet, so kann er einmahlen anders als
süßes Wasser haben. z. E. Der Nadora_See bey Petersburg in Rußland. Aber
das Caspische Meer fließt nicht ab, darin ist noch der alte Ocean, und daher
muß es saltzig Wasser haben. Manche von den Seen scheinen gar nicht abzu-
fließen, und haben doch süßes Wassers, die müssen in ältern Zeiten ent-
standen seyn. Wir bemercken an den Land-Seen, daß alle die so süßes
Wasser haben, einen sichtbaren Abfluß haben, oder ist ers nicht, so ist er
unter der Erde. Dergleichen Seen die sich ergießen, liegen in Gebürgen. Solche
Seen sind in der Schweitz in großer Menge. z. E. Der Boden_See, der Genfer-See.
Im übrigen ist Europa kein solches Land, das große Seen ausläßt. In gantz Deutsch-
land ist kein namhafter See auch in gantz Franckreich und Spanien. Sie set-
zen also schon ein gantz besonderes Bauwerck der Erde voraus, aber Preußen
ist schon ziemlich reich an Seen. In Nord-America findet man auch solche Seen
z. E. Lac: Riberius. Lac: Mischinger. Lac: Eri. In Asien ist kein größerer See
der Wasser ausgießt, als der Baucker_See. Die Rhone fällt wie alle Ströhme
schlammigt in die See herrein und kommt klar herraus. Die Winde werfen
den Schlamm an die Seite an, aber die Ufer und Bassins werden immer ver-
ringert.

/2) Von den Morrästen. In einigen Ländern ist ein beständiger Aufbehalter
der Ströhme, als der Mississippi-Strohm entspringt aus Morrästen. Wo die Ströh- 

/ me

/|P_128

/me niedrig liegen, bringen sie gantze «w»Wiesen von Morräste hervor. Morräste
entstehen also, wo der Boden nicht gantz flaches Land hat, Teiche auszumachen.
Sie können angesehen werden, als nach und nach eingegangene Seen.

/Darauf gründet sich der Ursprung des Torfs, welches die strata von Vegetabilien
sind. Die Luft in Morrästen ist sehr vergiftet. Die Pontinischen sind die Berühm-
testen. Sie entstehen dadurch: es sind nehmlich viele Ströhme, die sich aufs Feld
ergießen. Die Donau macht auch ungesunde Morräste, die zwar für das
Vieh gut sind, aber nicht für Menschen. Daher entstand das Sprichwort. Un-
garn ist der Deutschen Kirchhof; aber weit gefehlet, daß das blos nach vorge-
gebner Meynung, von den vielen Obst-Früchten, die sie in großer Menge
essen, herrühren sollte. Die Feuchtigkeit der ungesunden Luft schadet ih-
nen aber um desto mehr, denn sie saugen sie ein, da es den Tag über sehr
warm, und die Nacht durch kalt ist, so kommt auch daher die Ruhr, von wel-
cher Kranckheit so viele hingeraft werden. Die Ströhme in Rußland möch-
ten wohl die beste Lage haben, denn da haben die Einwohner die Berg-
Seiten und Wiesen-Seiten, die immer dort abwechseln, die Ströhme
in Preussen machen fruchtbare Wiesen.

/ ≥ Vtes Hauptstück.
/Geschichte des Luftkreises.
/1) Von der Luft selbst.
/Von der Eintheilung Derselben in Regionen
. ≤

/Man theilt die Luft über uns in 3 Regionen. Die

/1) soll seyn von der Fläche der See, (Erde) bis zu der Höhe wo der Schnee

/ nicht

/|P_129

/nicht mehr schmiltzt. Diese erste Region ist nicht in allen Gegenden der Erde
gleich hoch, in der Zona torrida unter dem Aequator ist die Höhe der Berge wo
der Schnee nicht mehr schmiltzt nicht unter 3/4 Deutsche Meilen oder 18.000
Fuß, auch in Peru, aber im Anfange der Zonae temperatae nur 1/2 Meile, in
den Alpen nur eine Viertel Meile und unter den Polen beynahe der Ober-
fläche des Meeres gleich. In Franckreich beträgt sie 10.000 Fuß, im Car-
patischen Gebürge vieleicht nur 6.000 und in Norwegen vieleicht nur
5.000 Fuß, überhaupt je weiter man nach Norden kommt, desto weni-
ger Höhe braucht er. Die

/2te Region fängt an, da wo die erste aufhört, und geht bis zu dem Punct
da die Wolcken nicht mehr steigen können. Dieser ihre Höhe ist an keinem
Orte völlig bestimmt, denn die Grentze der Dünste läßt sich nicht anzei-
gen. Bald gehen die Wolcken hoch bald niedrig. Ueberhaupt scheinen sie
nicht eine Deutsche Meile über die Meeres-Fläche empor zu steigen.
Wenn man diese Region bis dahin extendiren wollte, wo die leuchtenden
Meteoren entstehen, z. E. Nordlichter, Feuerkugeln etc: so werden viele
Deutsche Meilen erfordert werden ihre Höhe zu bestimmen. Die

/3te Region fängt an wo die zweyte aufhört und geht bis zur Grentze
des Luftkreises (Ende der Admosphere). Das Ende der Admosphere kön-
nen wir nicht bestimmen. Man sucht sie einigermaßen durch die Däm-
merung zu bestimmen. Das Schimmerlicht ist eine von der Sonne, (die
die Erde nicht mehr erleuchtet), erleuchtete Luft. Dies siehet man, wenn
die Sonne schon 18 %Grad unter dem Horizont ist, und daraus berechnet man,

/ daß

/δLage_R

/|P_130

/daß die Admosphere 9 Meilen hoch sey, welches aber gar nicht genau ist.
Der Luftkreis drücket mit eben so starckem Gewichte, als wenn die Er-
de durch ein Meer von 32 Rheinländischen Schuh hoch bedeckt wäre, weil
die Luft durch die Last die auf ihr ruhet, sich zusammendrucket, so muß sie
je weiter sie vom Mittelpuncte ist, desto dichter seyn, ja wenn ihre Ver-
dichtung immer so fort ginge, so würde sie in einer Tiefe von 7 Deutsche
Meilen, das Wasser an Schwere übertreffen, in einer Tiefe aber, die
noch nicht ein 3theil des radii der Erde wäre, würde sie schon dichter seyn
als Gold. Diese Dichtigkeit der Luft könnte bey unterirdischer Erhitzung
dazukommen viel zu der gewaltigen Erschütterung der Erde beym
Erdbeben beytragen.

/ ≥ Die Verschiedenheit der Luft, nach den verschiednen Gegenden der Erde. ≤

/Das Erste was wir bey der Luft bemercken, ist ihre Feuchtigkeit. Alle
Luft hat zwar Feuchtigkeit in sich, wenn diese aber in ihre Zwischen-
räume wohl vertheilet ist, so ist sie heiter, und wird vor trocken gehalten.
In einigen Gegenden wird sie mit feuchten Dünsten übermäßig beladen,
als in Morrästen und waldigten Gegenden. z. E. In der Wald-Enge von
Panama und Porto bello; Aber besonders ist, daß die Luft über dem Meer
nicht feuchter ist, als in waldigten Gegenden, in Gegenden wo Gewächse,
Morräste angetroffen werden. Die Ursache der Feuchtigkeit in Wal-
digten Gegenden ist,

/1) Der Schatten, denn weil die Sonne nicht hinein scheinen kann, ists kalt,
daher verdückt sich die Feuchtigkeit der Luft, maßen die Luft sich immer
nach der Kälte zieht. Eben daher sind alle Walder mit einem Nebel um- 

/ geben

/|P_131

/geben, z. E. die Insel Madera, die sehr waldigt ist, lange vorher, ehe sie würck-
lich entdeckt wurde, als eine Wolcke gesehen worden. Endlich hielt man sie
gar für eine bezauberte Insel, bis sie von einem Paar Verliebte, die
dahin verschlage«m»n waren, entdeckt wurde. Madera ist vieleicht jetzt ei-
ne der glücklichsten Inseln in der gantzen Welt. Der Nahme Madera
kommt von Materie her, weil man vormahls viel Bauholtz von dersel-
ben holte. Auch jetzt befindet sich eine Menge von Bauholtz darau«s»f, be-
sonders wirds bey uns zu Tischblättern gebraucht, die dunckelbräunlich
und gläntzend sind. Sie ist aber immer, wegen der vielen Waldungen
mit Wolcken bedeckt. NB. Die Bäume, so wie auch einige Blumen, als
Caperfolium, Violen, Tuber-Rosen, machen die Luft unrein, wenn sie
im Schatten stehen, wenn aber auf die Bäume die Sonne scheint; so
nehmen sie flogistische Luft in sich und lassen deflogiscirte Luft herraus,
ein Wald also, wo die Bäume an einander gesetzt und alle in der Son-
ne stehen, ist sehr gesund, im Gegentheil aber höchst schädlich.

/2) Weil die Bäume die Eigenschaft zu haben scheinen, daß sie die Luft
um sich herrum in sich hauchen. Daher die Wolcken, wenn sie über Wäl-
der gehen, eher abregnen, als über flache Gegenden. Daher auch Castilien
jetzt nicht mehr so viel Regen hat, als vormahls, da noch nicht die vielen
Waldungen ausgehauen waren. Nicht allein aber waldigte Gegen-
den sind feucht, sondern besonders Morräste, als welche mehr Feuchtig-
keiten geben, als die Teiche. Die Gewächse in solchen Morrästen müssen
von der Art seyn, daß sie die üblen Feuchtigkeiten mehr aus als einhau- 

/ chen

/|P_132

/chen müssen. Größe weitläufige Wälder haben diese beyde Uebel beysammen,
weil sie theils an und für sich, schon viel Feuchtigkeit haben, und mehrentheils auch
Morräste in sich enthalten. Flache und zugleich waldigte Gegenden sind ent-
setzlich feucht, und nichts ermattet so sehr, als die feuchte Hitze. Die Feuchtigkeit
ist größer, als würcklich am Ufer des Meeres, da man doch nicht mehr Wasser
verlangen kann, als der Ocean hat. Die Feuchtigkeit der Länder beruhet
also nicht darauf, daß die Luft Feuchtigkeit hat. Die Feuchtigkeit der Luft ist
in einigen Ländern besonders merckwürdig. In Panama ist die Luft oft so
feucht, daß wenn man Tinte nimmt, und damit auf Papier schreibt dieselbe,
wegen der Feuchtigkeit der Luft, zusammenläuft. Die Gegenden um den
Senegal und Ganges sind vorzüglich feucht, die aber auch deswegen für die Be-
wohner sehr ungesund sind. Die zweyte Eigenschaft ist.

/Die Trockenheit der Luft. Die Luft ist sehr trocken, besonders in Persien
Arabien, obern Theil von Egypten, wo man die Luft durch künstliche
Springbrunnen oder gesprengtes-Wasser in den Zimmern anfeuch-
ten muß, weil sie sonsten der Lunge schädlich wird.

/Wir haben ein Phoenomenon in Preussen, das ist der Sonnen-Rauch, der
auch in Schweden zu gewissen Zeiten bekannt ist, dieser scheint blos von
der großen Trockenheit der Luft herzukommen. Es scheint dieser Staub
aus dem feinsten Kies-Theilchen zu bestehen, die bey feuchter Luft herrauf-
gezogen, und bey der darauf folgenden Trockenheit sich auseinander brei-
ten. Man kann die Trockenheit der Luft durchs Hygrometer messen,
die Feuchtigkeit derselben aber ist wohl noch niemahls durch dies Instrument
untersucht worden, ob zwar durch andere noch nicht zuverläßige Mittel.

/ Die

/|P_133

/Die Luft ist nicht nur auf obern Gegenden, als auf Bergen entsetzlich trocken,
sondern auch in Gegenden die nicht hoch sind z. E. über die Sand-Wüsten, als in
Ober-Egypten, wo es niemahls regnet. Die Lungen aber, und überhaupt
alle Hecktische Persohnen leiden dabey sehr. Trockne Luft bringt auch das
Seitenstechen hervor, und wer weiß, ob sie nicht auch die Ursache der vielen
Augenkranckheiten ist, die in den Gegenden häufig sind. Die mehresten In-
dianer und die im Orient wohnen sind mit Augen-Schmertzen behaftet.
Einige schreiben die Kranckheit der Augen dem vielen Reißessen zu, der
freylich ungesund ist, aber andere blos der Trockenheit der Luft. Indes kann
dies noch von beyden Seiten nicht für ausgemacht angesehen werden. Eine
trockne Luft ist auch 3 sehr durchsichtig und rein. Von hohen Bergen kann
man einen Stein sehen mit bloßen Augen, den man in einer Dicken Luft
nur durch ein Telescop siehet, und so ist der Ursprung der Astronomie be-
greiflich. Das alte Chaldea ist jetzt das Iracarabien. Zwischen dem Tygris
und dem Euphrat war ein Land welches Mesopotamien hieß, jetzt heißt es
Diarbeck, und darin ist die Hauptstadt Bessora, wo man nehmlich vorgiebt,
daß dort die temperirte Luft sey. Man bauet daselbst die Häuser mit fla-
chen Dächern, wo man auf denselben Spazier-Gänge anlegt, und auch
auf denselben zu schlafen gewohnt ist. Die Nächte nun sind da sehr lang,
die Sonne gehet frühe unter, und es ist zum wenigsten 10 Stunden Nacht,
folglich kann man nicht so lange schlafen. Hinzu kommt noch, daß im Frühjahr
gar keine Wolcken da sind. Wenn man nun aufwacht, so sieht man gemein-
hin den gestirnten Himmel. Bey solchen Leuten nun, die, die Sterne vor

/ langer~

/|P_133R δZ_12-16

/In Chaldea
sieht man
nicht die Ster-
ne funckeln
weil die
Luft da sehr
rein ist. ~

/|P_134

/langer Weile immer so ansahen, wenn sie nicht schlafen konnten, welches insonder-
heit bey den Hirten statt findet, konnte es auch nicht fehlen, daß sie nicht eine gewis-
se Kenntniß von der Astronomie erhalten hätten. Mithin sehen wir, daß der An-
fang dieser Wissenschaft nothwendiger weise in solchen Ländern zuerst gemacht
werden mußte. Das war die Reinigkeit der Luft. In Persien ist die Luft so
trocken, daß man niemahls schwitzt, indem die Luft gleich den Schweiß durchihre
Trockenheit abnimmt. Die Wüste Korasan liegt von Nubien aus gegen Westen.
Die Kaufleute die von Egypten ausreisen, gehen am Niel herrunter und
denn durch diese Wüste, Korasan aber liegt in Persien und macht die Grentze
von den 2 Districten aus, in welche Persien getheilt ist. In dem Oestlichen-
Theile liegt die Haupstadt Canaar, und sie besitzt der Cunichan. Ispahan
liegt in dem Westlichen Theile, und diesen besitzt Nadir_Schach. Die
Ursache aber, daß das Land getheilt ist, liegt darin, es ist zwischen diesen Län-
dern eine große Sand-Wüste von Nord-Ost, nach Nord-West. Diese heißt
nun im Nördlichen Theile Karasan, und erstreckt sich bis an den Persischen
Meerbusen. Da geschieht es nun, daß von den herrüber reisenden Carava-
nen, Menschen und Pferde oftmahls gantz verstäubet werden, die man denn
nach einigen Jahren unversehrt, wiewohl todt findet, wie sie denn auch sehr
ausgetrocknet sind, und diese nennt man daher zum Unterschiede der in
Egypten einbalsamirten Mumien, Sand-Mumien von Corasan. Dieses
rührt von der trocknen Luft her. In Bremen ist ein Gewölbe, worin Lei-
chen stehen, die so aussehen, als wenn sie nicht längst gestorben wären, es führt
aber eben eine solche trockne Luft bey sich vid: Nathanael Wraxalis eines
gebohrnen Engelländers Reisen durch das Nördliche Europa. (Die Nord-Ost- 

/ Winde

/|P_135

/Winde scheinen die trockne Luft zu machen.) Auf eine ähnliche Art kann man
dies thun, wenn man eine Blume mit ihren Farben trocken erhalten will,
so nehme man die Blume, setze sie in gewaschenen Sand, und besiebe sie da-
mit gantz, denn setze man dieselbe ins Trockne, so kann man sie lange
Jahre mit ihren Farben aufbehalten. Die Luft hat auch 4tens Saltz in
sich, vornehmlich das Salpeter-Saure welches aus der Erde aufsteigt. Zum
Salpeter gehört ausser diesem auch eine Art Thierischer Ausdünstung, und
das alcali vegetabile, oder Aschen-Saltz. Die Asche von Holtz; es ist also ein
Product der Kunst. Wenn man Tücher in Weinstein_Saltz eingefeuchtet
hat, trocknen läßt und auf Bergen stellt, so wird es in Tartarus vitriolatus
verwandelt. Salpeter ist gewiß in der Luft, auch Mauer-Salpeter, als wel-
cher sich bey feuchten Wänden ansetzt. Sie muß auch etwas Koch-Saltz-Geist
bey sich führen. In Persien und am Capo_Bonae_Spei findet man viele Stri-
che auf den Feldern, die mit Rinden von Saltz bedeckt sind, dieses kommt ver-
muthlich von dem, was Regen-Bäche aus saltzigen Boden ausgewässert
und über niedrige Felder geführet haben. Daß in der Luft Kochsaltz-Geist
seyn müsse, beweiset man auch daraus, weil alles Saltz ausdünstet. Daher
werden in Quadaloupe alle Metalle rostig. Salpeter-Säure und See-Saltz-
Geist mag wohl eine große Ursache der Fruchtbarkeit unserer Aecker
seyn, weil das bloße umpflügen ohne Dünger die Aecker schon verbessert.
Ueberhaupt ist die See-Luft von der Land-Luft sehr unterschieden, denn
man kann die Land-Luft sehr weit schon in der See wahrnehmen, denn
z. E. wenn ich mich i«m»n einer Weite von 20 Meilen den Küsten Ceylon nä- 

/ here

/|P_136

/here, so kann man schon das Land riechen. Woher aber kommt das? Vermuthlich
scheint es von den Pflantzen und deren Ausdünstung herzurühren. Selbst die
Erde muß schon an und für sich dergleichen Gerüche von sich geben, denn es ist was
besonderes, daß wenn Scorbutische Persohnen nur ans Land kommen kön-
nen und ihren Mund über ein gegrabenes Loch in der Erde halten, so wer-
den sie schleunig wieder hergestellt. Die Fixe Luft scheint vieles hiezu bey-
zutragen. Die Luft ist uberhaupt das Magazin von allen Dingen, ob sie
aber Gold in sich enthalte kann man nicht wissen. 5tens Einige Luft ist auch
wegen ihrer Gesundheit, andere wegen ihrer Schädlichkeit und Ungesund-
heit berühmt. Von beyden müssen wir die Oerter anführen. Was den ersten
Umstand betrift, so sind viele Krancke nach dergleichen Oerter und Pro-
wintzen, die wegen der guten Luft berühmt waren, hingereiset. Alle
Länder die wegen gesunder-Luft berühmt sind, liegen in der See z. E.
Brasilien, als dieses entdeckt wurde, so breitete sich gleich der Ruf aus, daß
es ein gesunder Ort sey, und es reiseten auch viele Krancke dahin. Es könnte
auch seyn, weil das Land trocken und zugleich waldigt ist. Es hat mäßige
Berge und die Gewächse sind klein. Ein großer Dichter, prieß die Bermu-
das_Inseln als ein Paradies an, da man doch jetzo keine Schonheit mehr
finden will, indem man sagt, daß die Ratzen die dahin gebracht sind, es
sollen verwüstet haben. Nach der Zeit ist in Ruf gekommen und am meh-
resten berühmt Montpeiller in Languedoc. Es giebt dort große Schönheiten
des Landes, und ein Krancker kann gesund werden, 1) Weil er dort eine
große Aufmunterung durch die Conversation hat, und 2) wird die Luft sehr
gerühmt. Die See-Luft vermischt sich dort mit der Land-Luft, woher das aber

/ kommen

/|P_137

/kommen mag, daß die Vermischung der Luft gesünder seyn soll, als blos gemeine
Landluft, weiß man noch nicht recht, ohnerachtet man sich jetzt starck darauf legt, die
Luft zu analysiren. Indessen reiseten, eben deswegen vor Zeiten einige Engel-
länder, nach der entlegenen Insel Bermudas hin. Es wachsen auf derselben viel
Cedern-Bäume zum Schifbau. Sonst aber ist auf derselben nichts remarquables
zu suchen. Ferner ist bey Toulon in Dauphine ein Hafen, nicht weit von der
See. Da liegen Inseln die Hieras heißen und gantz curieux seyn sollen. Nizza
hat ein Doctor sehr gerühmt vor Krancke. Die Engelländer aber reisen alle
nach Lissabon, welches eine sehr schöne Lage hat.

/Alle Oerter die eine gesunde Luft haben kommen darinn überein, daß sie
nicht weit von der See liegen, und Gegenden sind die kein stehend-Wasser haben.
Es sind also 2 Principia der Gesundheit dieser Oerter.

/1) Sie liegendem Meer nahe, und die See Luft ist überhaupt sehr gesund. Sie
giebt mehrentheils wässerigte Dünste, dennoch aber dunstet sie bisweilen sehr
ungesund aus, wenn die Thiere faulen. Dies nennen sie Brack-Wasser.

/2) Ihr Boden ist nicht ein niedriger Boden, wo stehende Wasser, (Morräste) sind.

/3) Die kalte Luft im Winter ist auch sehr deflogiscirt. Noch haben wir bey der
gesunden Luft anzumercken, das heiße Clima, welches so sehr als ungesund be-
schrieben wird, es ist es aber nicht, denn die Einwohner, werden erstaunend alt
und behalten dabey ihre Munterkeit, und Geistes-Kräfte sehr lange. In
Malta ist die Luft sehr gesund und die Leute leben daselbst sehr lange. In
Arabien leben die Leute auch lange, ob es gleich blos sandigt ist. Es scheinet

/ viel

/|P_138

/viel von dem Getreyde herzurühren. Capo_Bonae_Spei ist zwar sehr als eine an-
muthige Gegend berühmt, welches aber wohl daher kommt, weil der Reisende zu-
vor durch lange Sandwüsten durchreiset, so kommt ihm denn eine bewachsene
Gegend wie ein Paradies vor.

/Wir kommen jetzt auf die Ungesundheit der Luft. Man hat die Ursache in
der Electricitaet der Luft suchen wollen, allein es ist nur eine allgemeine
Ursache, und das ist ein niedriger Boden, wo stehendes Wasser ist, also Morräste.
Man hat zwey Methoden die Luft in diesen Gegenden gesund zu machen.

/1) Dadurch daß man die Morräste austrocknet, oder 2tens Dadurch, daß man
sie gantz überschwemmet. Ein solcher Ort ist also jederzeit ungesund, so bald
nur die Feuchtigkeit stehen bleibt. Die Ursache der Ungesundheit scheint
auch von den darauf wachsenden Gewächsen herzurühren. So ist Reiß eine
an sich gesunde Speise. Reißfelder aber machen die Luft ungesund, weil
sie immer im Sumpf stehen müssen. Die Morräste sind mehrentheils mit
Moos und Strauchwerck bewachsen, unten ist Torf, und unter der Erde noch
Wasser. Alte Morräste verwesen nicht die Körper; denn Morräste wer-
den zuletzt Torf, der Torf aber hat was bitumineuses (Erdhartziges) welche
die Leichen erhält z. E. Die Pontinischen Morräste. Ein gewisser Italie-
ner Walla hat einen Tractat geschrieben von der Sumpf-Luft, dieser mel-
det, die Luft entzündet sich gleich, geht man an eine Wiese und steckt den
Stock herrein, hat dabey einen brennenden Strohwisch, so brennt es gleich,
ferner ist diese Sumpfluft sehr erstickend, und steckt das Bluth mit Fäulniß
an, denn in neuern Zeiten ist angemerckt, daß das ein Hauptnutzen der

/ Respiration

/|P_139

/Respiration sey, daß die Lunge 1 faulende und 2 die brennbare Luft abson-
dert, und aushauchet, solches aber geschieht nicht, wenn die Luft selbst unrein ist.
In Europa ist wohl keine ungesundere Gegend als in Rom, zwischen Neptuno
und Territschina, wo Ostia die Mündung der Tieber, oder der Hafen von Rom
ist. Da liegen zwey große Morräste, welche die Pontinischen heißen, die
die schon bey den Alten bekannt waren. Die Päbste haben dieselbe noch einmah-
len austrocknen lassen, ohnerachtet verschiedene, so wie auch der jetzige Pabst,
den Anfang damit gemacht haben, weil, wenn sie damit angefangen, durch
andere Geschäfte davon sind abgehalten worden. Wenn nun der Sommer
heiß ist, und der Wind von diesen pontinischen Morrästen kommt, so sterben sehr
viele Menschen. Dies betraf vor einiger Zeit einer Gesellschaft von 30 Per-
sohnen aus Ostia von welchen beynahe noch die Hälfte an demselben Abend
starb. Die Sumpfluft ist auch sehr schwer. Eine gantz reine, aber mit Sumpf-
luft vermischte Luft entzündet sich, daher sind auch Irrlichter an den Morräs-
ten anzutreffen. Man darf sich also auf gar keine andere Ursache berufen
z. E. auf giftige Schlangen etc: Ferner St_Thomas eine Insel unter dem
Aequator bey Africa, sie gehört den Portugisen, und ist sonst ein sehr gutes
Land, wenn es noch recht gut angebauet würde. Allein es ist wegen des ste-
henden Wassers so schädlich, daß dadurch die Luft inficirt wird, und man hat
Beyspiele, daß Schiffer die dahin gekommen plötzlich gestorben, und also
nicht mehr wieder zurück gekommen sind. Es geschah, daß ein Englisches Schiff
in den Hafen dort einlief, man schickte ein Boot ans Land, um etwas Wild
zu jagen, allein es kamen nicht die Hälfte von diesen Leuten zurück:

/ indem

/|P_140

/indem die übrigen plötzlich gestorben waren, und die noch das Boot hatten
erreichen können, um aufs Schiff zu kommen, auch sehr matt und kraft-
los waren. Sumatra die gröste Insel hat zwar auch einige gesunde Oer-
ter z. E. Aachen, aber an den Küsten finden sich Gegenden, deren Ufer flach,
und dabey waldigt sind, auch mit Morrästen angefüllt, da es denn erstau-
nend ungesund ist. Batavia ist eben von der Art, wie St_Thomas. Son-
derbar ist es, daß als die Holländer diesen Ort anbauten, sie nach ihrer Lieb-
lings-Neigung den niedrigsten und Sumpfigsten Ort dazu wählten. Sie
sind das von Holland aus gewohnt, da sie sehr gerne am Wasser wohnen,
daher sie auch Batavia so wie Amsterdam angelegt haben, wo sehr viele
Canaele die Stadt durchkreutzen. Den Vortheil haben sie aber auch davon,
daß zu Batavia jährlich wenigstens einige 100 Menschen mehr sterben.
Nicht weit von diesem Ort ist eine weit höhere Gegend, die sie schicklicher
dazu hätten wählen können. Ferner ist auch die Luft zu Panama
oder Portobello deswegen sehr beruchtigt, sie ist so feucht, ungesund, daß den
Fremden alle Kraft vergeht, und die Schwangern Frauen nicht selten
ohne zu sterben gebähren können, dahero auch selbst diejenigen, die diese
Luft noch einigermaßen gewohnt sind, dennoch wenn sie gebähren sollen,
in höhere Gegenden reisen. Die Ursache, daß dieser Ort so übel zu bewoh-
nen, kommt daher, weil er zwischen zwey ungeheuren großen Wäldern
liegt, die voller Sümpfe und Morräste sind. Dieser Ort besteht auch nur
aus einzelnen Hütten, die aber mit 2.000 %Reichsthaler auf 3 Wochen an Kaufleute
vermiethet werden, welche auf den berühmten Jahrmarckt kommen,

/ der

/|P_141

/der ein mahl des Jahrs gehalten wird, auf welchem ein starcker Handel mit den Waa-
ren aus Peru getrieben wird, die wieder gegen Mexicanische verkauft wer-
den. Wir sehen also, daß in allen diesen Ländern sumpfigte Gegenden, und ste-
hende Wasser, die dabey waldigt sind, angetroffen werden. Aber Wälder die
auf Bergen gewachsen sind, sind sehr gesund, z. E. Madera, Teneriffa.

/Die Reinigkeit der Luft zu messen, hat jetzt ein Geistlicher in Engelland
ein Werckzeug erfunden. Er hat erfunden eine reine deflogiscirte Luft
zu schaffen 1) Aus einem Metallischen Kalck, welches, indem es über das
Feuer gebracht wird, so geht zuerst die Fixe-Luft weg, und denn die reine.
Der Metallische Kalck wird dadurch gemacht, daß man Eisen mit Scheidewas-
ser auflöset und sal tartari aufschüttet. 2) Wenn man Kreide mit Salpe-
ter-Geist besprengt, und über Feuer bringt, so geht zuerst die Fixe, denn
die reine Luft weg. Daraus hat man ein Instrument gemacht, und
dieses Instrument heißt der Eudiometer. Es ist gemeine Luft in einer Röh-
re, diese steht über Wasser, hier schickt man flogistische Luft herrein und
es wird viel oder wenig davon verschlungen, je mehr nun die gemeine
Luft vermindert wird, desto weniger flogistisch ist sie, und also auch desto
gesunder. Ungesund aber sind auch dergleichen Oerter, wo viele Men-
schen beysammen sind, denn die Luft ist einmahl von faulenden Dünsten
angefüllt: daher entsteht das so genannte Kercker-Fieber, welches seinen
Namen von den großen Gefängnissen hat, worin viele Menschen sich ein-
geschlossen befinden z. E. Coget in London und Biseter in Paris. Hieher

/ kann

/|P_142

/kann man auch die Schiffe rechnen, wo wegen der engen Gemächer es kein
Wunder ist, daß die Luft ungesund wird, und die Menschen den Scorbut be-
kommen. Einige wollen zwar behaupten, daß dies von der See-Luft her-
rühren könne, es ist aber eben das Gegentheil, denn diese ist die Gesündeste
unter allen. Deswegen hat sogar der berühmte Englische See-Artzt Lied
vorgeschlagen, daß man See-Hospitäler errichten solle, wo man auch
an den Africanischen Küsten den Anfang gemacht. Auch hat man ge-
funden, daß würckliche Krancke durch Seereisen wieder hergestellet
sind, besonders aber solche, die zuvor lange im Gefängniß gesessen, oder
die sich fast nicht haben bewegen können, denn hiezu kommt die Be-
wegung des Schifs, der frische Wind und das Erbrechen, wenn man das
Schiff zum ersten Mahl bestiegen. Was diesen See-Scorbut eigentlich
betrift, so ist er eine besondere Kranckheit. Sonderbar ist, daß wenn ein
Mensch damit behaftet ist, er erstaunend sensible ist, aber durch die ge-
ringste Bewegung augenblicklich sterben kann. Zugleich haben
sehr Scorbutische Persohnen starcken Trieb und Begierde nach grü-
nen Gewächsen, und nach dem vesten Lande, so, daß wenn es nur mög-
lich ist, daß man ihnen dergleichen geben, oder sie ans Land bringen
kann, sie augenblicklich genesen. Der Ursprung dieser Kranckheit
beruht nun wohl darin, daß auf einem solchen Schiffe zu viel Men-
schen beysammen sind, denn in den verschloßnen Gemächern des
Schiffes ist die Luft durch die Menschlichen Ausdünstungen sehr unge- 

/ sund~

/|P_142R δZ_5

/Auch alle
Hospitäler
haben die
Anlage
zum Scorbut. ~

/|P_143

/sund worden, es kommt auch vorzüglich das stinckende faulende Wasser hinzu, wie
auch das Essen so vielen gesaltznen Fleisches, Stockfisches %und %.dergleichen.

/Man hat aber folgende Mittel wieder den Scorbut ausfündig gemacht, %und zwar

/1) Durch die Motion, in dem keiner von dem Schiff-Volck sein Wasser bekam,
als bis er sich auf dem Schiffe durch Arbeit Motiones gemacht hatte. Hernach
brachte man

/2) In den verschiednen Verschlägen des Schiffes Ventilators an, dennoch aber
müssen die Menschen oft aufs Verdeck gehen. Man empfiehlt auch wieder
den Scorbut

/3) Die Milch aus den Cocus-Nüssen. Wenn der Matrose diese Milch häufig
trinck, so wird er gesund,

/4) Sauerkraut (Sauerkohl). Zu dem Ende trocknet man den Sauren-
Kumst an der Luft, schüttet nachher Saltz dazu, feuchtet ihn an, und packt
ihn in Cartusen und dieser soll viel gesünder als der Frische seyn. Hiemit
hat D: Eisen in Mietau die Probe gemacht. Sollte diese Erfindung
mehr bekannt werden, so würde sie für die Schiffer von großem Nut-
zen seyn. Und

/5) Der Maltz-Tranck, da man kochendes Wasser auf Maltz gießt, und
dies alsdenn trinckt. Dies scheint das ohnfehlbarste Mittel, wieder den
Scorbut zu seyn. Dies Mittel probierte Capitain Coock, auf seiner
Reise um die Welt.

/Ferner sind auch große Küsten in den Nördlichen Gegenden merckwür-
dig, die wegen der vielen Nebel sehr ungesund sind z. E. Novazembla,

/ welche

/|P_144

/welche deswegen gar nicht bewohnt ist. Zur Zeit des Rußischen Tyrannen
Johann Basilievitz zogen viele Familien dahin, welche aber in Kurt-
zer Zeit alle starben. Diese Leute hätten ihre Wohnung nicht so nahe an
der Küste aufschlagen sollen, sondern tiefer im Lande, vieleicht wäre
es alsdenn möglich gewesen, daß sie wären lebendig geblieben. Die
Russen gehen alle 3 Jahr dahin auf die Fuchs-Jagd. Wir kommen nun
näher auf die Kranckheiten, die durch die Luft ihren Ursprung zu ha-
ben scheinen. Wenn die Europaeer nach Jamaica kommen, sagt man,
daß sie die Landes-Kranckheit bekommen müssen. Ueberstehen sie
nun diese, so verliehren sie ihre vorige Farbe, und bekommen sie auch
schwerlich wieder.

/Die Kranckheiten sind entweder epidemisch oder endemisch. Epidemi-
sche Kranckheiten sind solche die allen Ländern eigen sind, und sich
weiter unter die Völcker ausbreiten, z. E. Blattern, Pocken pp. Ende-
mische Kranckheiten sind solche die einem gewissen Lande oder Orte
einheimisch sind. So kan man das vom Aussatz sagen, daß er dem
Arabien endemisch ist, denn er ist in andern Ländern nicht so anzu-
treffen. Ein solcher Mensch fühlt zuerst wenig, es fängt von einem Fle-
cken an. Endemisch ist auch der Englische Schweiß, der aber seit Carl_II
nicht mehr existirt.

/Die epidemischen oder ansteckenden Kranckheiten sind wieder von zwey-
facher Art.

/a) Kranckheiten, die man niemahls wieder bekommt, wenn man sie

/ einmahl

/|P_145

/einmahl gehabt hat. Dahin gehören diese 3. 1) Pocken, oder Blattern. 2 Masern,
3) Keichhusten.

/b) Kranckheiten die man häufig haben kann und ansteckend sind, deren giebts
eine erstaunende Menge, die wir gar nicht einmahl alle kennen, z. E.
die Pest, die Wenerischen Kranckheiten, die faulende Fieber, auch so gar
die Schwindsucht und Schnuppen gehören hieher. Was

/zuerst die Pocken oder Blattern betrift, so sind sie wahrscheinlich aus Ost-
Indien und haben vermuthlich in Abyssinien ihren Ursprung, weil man
von den altesten Zeiten her von der Inoculation weiß, die entweder
durchs Einritzen einer Eyter geschah, oder bloß durchs anziehen eines
solchen Hemdes. (Die Indianer sterben mehrentheils daran.) Wir haben
sie aus Arabien, Egypten. Vor 700 Jahren hat keiner was davon gewußt,
wir brachten sie nach America, und bekamen die Venerische Kranckheit
zurück. Die Ursache daß die Ruhr oder Ungarische Pest bisweilen ende-
misch ist, ist diese, daß man bey großer Hitze des Tages, des Nachts unbedeckt
liegt, besonders da im Herbst die Nächte schon sehr kalt sind. Von der Ruhr
glaubt man beständig, daß sie vom Obst-Essen entstehe, allein P: Kant be-
hauptet, daß sie von nichts anders herkomme, als von Feuchter-Luft, in küh-
ler Nacht, auf einem heißen Tage, das Obst hingegen kann wohl noch ein
Mittel wieder die «r»Ruhr seyn.

/Die würckliche Pest aber ist weit ärger, sie kommt nicht etwa aus heißer
Luft her, sondern aus der innern Fäulniß der Luft, und die Ursache, daß

/ viele

/δLage_T~

/|P_145R δZ_3-11

/Wieder
die Fäul-
niß braucht
man dieses
man nimmt
2 Spitzglä-
ser mit Was-
ser, in eins
tröpfelt man
Weinstein¥
Saltz ins an-
dere Vitriol-
Oehl %und trinckt
eins nach dem
andern aus. ~

/|P_146

/viele sie haben, kommt von der Ansteckung he«¿»r. Sie scheint in Egypten und
Syrien zu Hause zu seyn, wo sie da weiter herkommt, weiß man nicht. Man-
ches Jahr wird sie sehr epidemisch, und denn geht sie durch viele Länder. Eini-
ge Leute sagen, daß die Pest durch den Hunger entstehe, allein das ist gar
nicht der Wahrheit gemäß. Sie entspringt niemahlen bey den Menschen
von selbst; sondern beständig durch die Mittheilung eines andern. Sie ist
weit schadlicher in solchen Ländern, wo sie nicht zu Hause gehört, als dort
in Egypten. Es ist merckwürdig, daß bey der grösten Hitze in Aleppo
die Pest aufhört. Das so genannte Carvancel-Geschwür ist gemeinhin
die erste Anzeige von der Pest. Selbst die Kleider, welche damit inficirt
sind, können sie an andern Orten wieder ausbreiten. Man weiß zu
Marseille durch ein altes Hemde, welches schon 20 Jahr verlegt war, den-
noch die Pest entstand. Man kann also die Kleider des Verpesteten nie-
mahls tragen, die Türcken aber werfen sie dennoch nicht weg. Jetzt ist
wohl zu glauben, daß die Pest niemahls in Europa sich mehr ausbrei-
ten werde. Die Türcken sollten dahero blos deswegen aus Europa
verbannt werden, weil sie so besondere Meynungen von der Praedesti-
nation haben, und den für einen Ungläubigen halten, der sich für der
Pest fürchtet. Wieder die Pest Medicin zu brauchen ist umsonst, kein bes-
seres Mittel aber ist, als daß man sich separire, und da dieses die Tür-
cken nicht thun, so ist kein Wunder, daß sie damit so wie mit Heuschrecken
überfallen werden. Dahero muß ein Schiff, welches aus Egypten kommt

/ und

/|P_147

/und nach der Levante reißt 40 Tage in einem Hafen Quarantaine halten.

/Aus America haben die Europäer die Wenerische, frantzösische Kranckheit bekommen.
Was diese Wenerische Kranckheit anbelangt, so ist offenbar, daß man in Europa
vor Entdeckung Westindiens nichts davon gewust hat. In America ist sie zwar ge-
wesen, allein woher ist sie dahin gekommen? Sie scheint aus Westindien herzu-
rühren. Die Spanier brachten sie schon mit von den Inseln die Columbus zuerst
entdeckte. Von ihnen erhielten sie die Neapolitaner, daher entstanden die so ge-
nannten Spanischen Pocken, welches ein synonimon von Wenerischer Seuche
ist, und es war besonders, daß Franciscus und Pabst Alexander_VI, unter denen
Westindien eigentlich entdeckt wurde, selbst daran starben. Die Einwohner von
den Backarischen Inseln, sollen eine gewisse Art von Eudechsen, die sie Egnane
nennen, essen, und man will muthmaßlich dafür halten, daß sie davon Venerisch
werden. Jetzt ist diese Kranckheit schon sehr ausgebreitet, durch ihr Gift steckt sie
gantze Nationen an, wie die Engelländer und Franzosen, die Einwohner von
Outaheite. Das beste Mittel dawieder ist der Quecksilber, (Mercurius). Wäre die
Venerische Kranckheit einmahl ausgerottet, so würde sie nicht mehr wieder
kommen. Sie kommt nicht von der Wollust her, denn die Römer, (siehe Svetonius)
treiben sie so starck, haben aber nichts von dieser Kranckheit gewust. Eben so
wäre es mit den Pocken, eben so mag es auch wohl mit den Masern beschaffen
seyn, dieselbe Beschaffenheit hat es auch mit dem Aussatz, der uns aber unbekannt
ist. Unter den Kranckheiten, deren Ursprung uns unbekannt ist, ist die Vieh-
Seuche, sie kommt aus der Turkey her. In Holland, Dänenmarck und Mecklen-
burg hat man versucht das Vieh zu inoculiren, damit es nicht zweymahl die Vieh- 

/ sucht

/|P_148

/sucht bekommt. Gewisse Länder sollen keine giftigen Thiere haben z. E. Irrland.
Ob solches aber von der Luft oder der Feuchtigkeit des Bodens herrühren möge, ist
noch nicht entschieden; auch in Malta, weil das Land gantz felsigt ist. In Augsburg
sind keine Ratzen. Auch nicht auf dem Schloß Einsiedeln im Wittenbergischen.
Die eigentlichen Ratzen, waren den Alten nicht bekannt, vieleicht sind sie
aus America hergekommen. In Candia sind auch keine, in den Inseln
von Syrien aber, sind sie sehr häufig, dies muß von der Beschaffenheit des Bo-
dens herrühren. Gewisse Luft todtet alles Ungezifer. Als in gewissen Häu-
sern, sind gar keine Wantzen, in andern aber sind sie auf keine Weise
auszurotten. So verliehren die Menschen in ihren zunehmenden Jahren die
Läuse. Celti berichtet, daß die Europäer, wenn sie in Capo Bonae Spei an-
kommen alles Ungeziefer verliehren, was sie sonst auf ihren Schiffen und
in ihren Kleidern mitgebracht, und niemahls wieder bekommen. Die
Hottentotten aber dagegen sind wegen ihrer garstigen Kleidung reichlich
damit versehen, den sie beschmieren ihre Pelser mit Butter. Der Faden¥
Wurm wird bey den Negers unter dem Arm angetroffen.

/ ≥ Von den Winden überhaupt. ≤

/Der Wind ist dasjenige in Ansehung der Luft, was ein Strohm in Anse-
hung des Meeres ist. Er wird aber nicht wie die See durch die Richtung des
vesten Landes und der Berge sehr eingeschrenckt. Wie 2 Ströhme die ein-
ander entgegen gesetzt sind, einen Meerstrudel machen, so machen 2
Winde die mit verschiedner Würckung aufeinander würcken.

/Wirbel-Winde. Die vornehmsten Ursachen der Dauerhaften Winde sind.

/1) Wenn eine Luft-Gegend mehr erwärmet wird, als die andere, z. E. die

/ über~

/|P_148R δZ_7-22

/Die blaue
Farbe der
Luft erkläh-
ret man am
wahrschein-
lichsten aus
dem weiß-
lichten Schim-
mer der
Dünste die
auf dem
Schwartzen
Grunde des
leeren Rau-
mes gese-
hen wird
%und eine blaue
Farbe ist
so wie weiß
auf Schwartz
dünne auf-
getragne
blaue macht. ~

/|P_149

/über dem Lande mehr, als über dem Meer, so weicht sie dieser, weil sie leichter ist, als die
kühlere Luft, und es entstehet ein Wind in dem Platz der Erwärmung, und dieser dau-
ert so lange fort, als die vorzügliche Erhitzung den Ort erwärmet.

/2) Wenn eine Luft-Gegend nach und nach erkaltet, so faltet sie sich zusammen, und ver-
liehrt ihre Ausspannung, und machet der erwärmenden Luft platzt, gegen ihr zu
stürmen. Wenn im Anfange des Herbstes im tiefen Norden es anfängt kalt zu
werden; so ziehet die Südliche Luft nach Norden über, so lange als die Zunahme der
Wärme dauret, und hernach kehret sie wieder zurück.

/3) Von plötzlichen Stürmen, die nicht lange währen. Sie sind aus der Erde ausge-
brochen Schwefel und Mineralische Dämpfe, welche die Elasticitaet der Luft schwä-
chen, oder in Gährung gerathen.

/Wir wollen die Winde nicht physicalisch, sondern geographisch betrachten, zu dem
Ende bemerken wir die Windstriche, oder den Compas der Schiffer. Die Einthei-
lung, die, die Seeleute von den Winden machen, ist diese, sie theilen den Horizont
in 32 Winde, von denen ein jeder seinen besondern Strich hat. Erstlich nehmen
sie die 4 Hauptgegenden, Nord, Ost, Süd, West, denn theilen sie jeden Bogen des
Horizonts, der zwischen 2 Hauptgegenden enthalten ist in zwey gleiche Theile,
hieraus entstehen 4 andere Winde, nemlich Nord-Ost, Süd-Ost. Süd-West, Nord-¥
West. Diesen Bogen theilen sie wieder in die Hälfte, und setzen noch vor die vo-
rige Benennung, immer die Hauptgegenden, denen sie am nächsten liegen,
als Nord-Nord-Ost. Ost-Nord-Ost. Ost-Süd-Ost. Süd-Süd-Ost. Süd-Süd-West. West-Süd-¥
West. West-Nord-West. Nord-Nord-West. Die Winde der 4ten Ordnung ent-
stehen, indem die vorige Bogen halbiert werden, die vorige Benennung behalten

/ und~

/|P_149R δZ_15-18

/4

/4

/8

/16

/32 ~

/|P_150

/und nur zeigen, welcher von den Hauptgegenden sie am nächsten liegen, und
das durch das Wortchen En z. E. Norden-Norden Osten. Norden Osten-Osten etc:
Alle diese Eintheilungen machen zusammen 32 Winde aus.
Dieser in seine
32 Striche getheilter Circkel, wird die Schifs-Rose genannt, welche man auf
Carten gestochen findet. Die Lateiner kannten schon diese Richtung der Win-
de.

/ ≥ Die Eintheilung der Winde, nach ihren Eigenschaften, Trockenheit, Feuch-
tigkeit, Wärme, Kälte, Gesundheit und Ungesundheit. ≤

/Also zuerst

/Von der Trockenheit der Winde. Bey uns sind alle Ost und Nord-Winde tro-
cken. Der Ost-Wind ist in der gantzen Welt trocken, wenn er gleich über große
Meere kommt. Die West-Winde hingegen sind gemeiniglich die Feuchtesten,
wenn sie auch über Länder oder nahe, oder weit entlegene Meere streifen.
Gleichwohl scheint ein West-Wind, wenn er über große Landstriche gewehet,
hernach trocken zu seyn, indem er unterwegens seine Feuchtigkeit abgelegt
hat. Der Nord-Wind in unserer Halbkugel ist auch trocken, und man darf
sich hier nicht an den Regen kehren, welches auch De_Lac in seiner Reise
nach dem Berge Pixt in Savoyen anführet. Die Süd-Winde aber sind doch
noch trockner. Alle Winde die über Berg_Spitzen und Land-Wüsten wehen sind
sehr trocken z. E. die Ost-Winde. An der Küste von Guinea weht ein Ost-wind
der sehr trocken ist, so daß oft die Schiffe, welche an der Küste liegen, durch sein
trocknes Wehen große Spalten in das Verdeck bekommen, die aber denn,
wenn es aufhört, sich wieder zusammenbegeben. Die Wilden laufen sehr vor
diesem Winde, denn diese bekommen sonst so gar Ritzen in die Haut. Auf den
Cordillerischen Gebürgen und in Tibet ist es auch sehr trocken, und zwar, daß

/ hier

/|P_151

/hier Kalb-Fleisch von dem Winde gleich trocknet, welches sich hernach allerwärts con-
servirt. Man muß sich wundern, daß man die Trockenheit und Feuchtigkeit de Luft
mit dem Hygrometer noch nicht hat bestimmen können. Die Ursache aber ist,
daß es uns noch an guten Instrumenten von dieser Art fehlet, ausgenommen des DeLuc.

/Von der Feuchtigkeit der Winde. Man nennt die Winde feucht, wenn sie Regen
werden, aber bisweilen wird die Luft beym Regen trocken. Die Abend-Win-
de sind in den meisten Gegenden feucht, sind es aber in der gantzen Wellt ausser
wenn sie über einen verbrannten Todten streichen, als in Persien, der Abend-
Wind, der über Arabien streicht. Es mag ein West-Wind über ein nahes oder weit
entferntes Meer streichen, so ist er immer feucht. Wir kommen jetzt auf die
Hitze der Winde, welche gemeiniglich mit der Trockenheit pflegt verbunden
zu seyn. Sie greift alle Hecktische Persohnen sehr an. Wenn ein Wind, Luft
mit sich führt, die kühler als der menschliche Körper ist, so kühlet er. Ist seine mit-
gebrachte Luft aber heißer als der menschliche Körper, so erhitzt er diesen desto mehr,
je schneller er geht. Die heißen Winde sind also weit heißer als Menschen-
Bluth. Wenn der Mensch aus dem Schlaf erwacht, so hat er nicht so viel Wärme,
als im Wachen, daher ihm auch alsdenn frieret. Die Fieber verändern die
Wärme des Geblüths. Menschenbluth hällt, nach dem Thermometer, wenn
man es in den Mund nimmt, 78 bis 79 Grade bey beyderley Geschlecht. Weil
unsere Winde niemahlen so heiß sind, als unser Bluth, so kühlen sie auch im-
mer. Jene haben also die entgegengesetzte Eigenschaft, weil sie heißer sind,
als Menschen-Bluth. Je stärcker sie nun wehen, desto mehr Hitze bringen sie.
Wir müssen nun von denselben Exempel anführen.

/ Solche

/|P_152

/Solche heiße Winde sind hin und wieder in der Zona torrida anzutreffen. In
Africa beym Senegal, dann und wann Astracan, Ost-Indien, Egypten ist bis-
weilen der Wind so heiß, wie MenschenBluth, wenn er ruhig ist, so kann man
noch dabey leben. Prof: Richmann hat in Stuben von 116 %Grad Hitze, Stundenlang
sich aufhalten könenn, und die Rußischen Badstuben sind 120 %Grad heiß, denn
der Menschliche Körper hat die Eigenschaft, Wärme zwar hervorzubringen,
aber noch eine größere Wärme zu hindern. Das Bluth bleibt bey derselben
Wärme.

/Von der Kälte der Winde. Winde die über viele Spitzen hoher Berge we-
hen, sind alle kalt, daher in Guinea der Nod-Ost-Wind Terreno der von
dem im innern Theil des vesten Landes befindlichen Gebürge kommt,
große Trockenheit und Kälte bringt.

/Einige Winde sind gesund, andere ungesund. Man hat einen Wind der
in Africa, in Arabien, Syrien, auch an der Küste von Palestina, an der
Wüste Sara, in den südlichen Gegenden von Persien in seiner gantzen
Schrecklichkeit ahzutreffen ist. Das ist der so gefährliche Wind, den sie
Balzamum, Zamiel nennen, die Thiere mercken es, wenn er kommt,
denn er kommt mit einem Geräusche. Er macht die Luft roth und hat nur
verschiedne Striche und ist insonderheit im Persischen Meerbusen zu spüh-
ren. Er wehet vornehmlich im Junius und August. Die Perser meynen,
daß er seine giftige Eigenschaft von einem gewissen Kraut Golbazan
monan genannt, welches häufig in der Wüste von Chermann wächset,
weil der Wind, der über diese streichet seinen Blumenstaub fortführet, habe.
Alles, was aufrecht stehet, und diese«m»n Wind«e» einathmet, erstickt im Augen- 

/ blick.

/|P_153

/blick. Ein jeder der von diesem Winde betroffen wird, muß sich gleich auf die Erde werfen,
damit der Wind über ihn wegstreiche. Die Cameele mercken ihn auch am Gehör und
stecken ihre Nase in die Erde. Der Mensch der von diesem Winde getödtet ist, fängt
gleich an zu faulen und wird so aufgelößt, daß wenn man ihn anfaßt, so bleibt die Haut
kleben, faßt man einen solchen an einem Gliede an, so wird solches abgerissen.
Dieser Wind dauret nur einige Secunden und schleicht blos auf der Fläche der Erde
vorüber und soll sich nicht weit in die Höhe erstrecken. Die sich auf den Dächern be-
finden, haben diese Gefahr nicht zu besorgen. Er bleibt auch mehrentheils in den
Sandwüsten. Was mag die Ursache davon seyn? Dergleichen Würckungen
können nicht wie die Perser meynen von den Pflantzen herrühren, sondern
von der Electricitaet. Ueber den Sand-Wüsten ists warm, der grasichte Boden
leitet viele électrische Luft ab, der Sand selbst ist électrisch; daher kommt denn
dies Phoenomen. Da der Wind Zamiel, wenn er heftig wehet viele Menschen
tödtet, so meynet man daraus das plötzliche Sterben der Israeliten in der
Wüste und des Heers Sanherib zu erklähren.

/In Europa ist ein Wind merckwürdig, der mit dem vorigen eine verwand-
schaft hat. Er wehet in Italien zu gewissen Zeiten, und da wird er Sirocco ge-
nannt. Den Lateinern war er unter diesem Nahmen bekannt. In Grichen-
land wird er Africus genannt. Dieser Sirocco scheint ein gemäßigter Zamiel
zu seyn. Es kommt dieser Wind eigentlich von Africa aus Südwesten. Er ist sehr
heiß, und auch feucht. Er hält kurtze Zeit an und ist sehr nachtheilich, aber nicht so
schädlich als der vorige. Er benimmt dem Menschen alle Lust zu leben, verlieb-
te verliehren ihr Liebes-Feuer und Dichter auch. Poridovis macht diesen ver- 

/ such

/δLage_U

/|P_154

/Versuch an seiner eignen Persohn, indem er mit fleiß in den Sirocco gieng, er
wurde aber melancholisch und man lachte ihn aus. Wenn man dahero ein
schlechtes Buch in Italien findet, so pflegt man zu sagen dies Buch ist im Sirocco
geschrieben. Dieser Sirocco führt

/1) Eine Hitze bey sich von 112 %Grad nach dem Fahrenheitschen Thermometer. I«ch»st
aber auch

/2) Sehr feucht, weil er über Meere streicht, und scheint auch

/3) Von großer Electricitaet zu seyn. In Italien macht man alle Fenstern
zu, um ihn nicht einzuhauchen. In Rom empfindet man ihn auch. Die Italie-
ner aber haben auch einen kalten Wind der Tramontane heißt und über
die Alpen kommt. Davon hat man das Sprichwort, dieser Mensch hat den
Tramontano vergessen. Das rühret von Folgendem her. Es ist die Gewohn-
heit in Italien, daß wenn ein Fremder in Gesellschaft kommt, er sogleich
etwas zu reden wissen muß, er kann nun auch vom Wetter anfangen. Er
klagt alsdenn über den beschwerlichen Tramontano, wer nun herreintrit
und nichts zu reden weiß, auch nicht einmahl vom Wetter, von dem sagt man
dies Sprichwort, er hat den Tramontano vergessen. Oder auch er hat die
Sprache im Tramont verlohren, (weil dieser Wind durch seine Schärfe
einem so gar die Sprache verhällt.) Man versteht überhaupt unter dem
Sprüchwort. Er hat die Sprache im Tramonton verlohren, er weiß sich
nicht zu finden, ist in Verlegenheit.

/Sonst giebts noch verschiedene heiße Winde in Ostindien, die aber bey weitem
nicht so gefährlich sind, wie der Samiel. Bey uns hat der Süd-West-Wind sehr
was Angenehmes an sich, der Süd-Ost-Wind aber was anders, er schwächet

/ die

/|P_155

/die Verdauung und mattet ab. Mit dem Samiel hat auch eine Verwandtschaft, der
in Indien an der Küste von Malabar wehet, der sehr heiß ist, so bald er aber aufhört,
die Luft sehr gereinigt ist. Die Gesundheit kommt von Norden und Osten, das Annehm-
liche von Westen und Süden.

/ ≥ Von ausserordentlichen (Ströhmen) Stürmen. ≤

/es gehören dahin

/1) Die Torncados. In dem Indischen und Aethiopischen Meer, folgen in den 2
Jahres Hälften 2 verschiedene Wechsel-Winde aufeinander, welche zu derjeni-
gen Zeit, wenn sie sich einander ablösen, erst eine Wind-Stille, ein unordent-
lich wehen aus allen Gegenden, herum um den Compas, endlich Sturm-Platz-
Regen und Gewitter zu Wege bringen; welche, wenn sie höchstens nur 1/2 Stun-
de wehen, Tornados heißen, wenn sie aber etliche Stunden ja wohl Tage we-
hen, so heißen sie Travados. Solche Tornados sind in der Gegend von Sierra
Leona, in der Spitze von Guinea. Sie haben den Nahmen Tornados, weil sie
sich drehen. Entweder ist eine Wind-Stille, oder ein gewaltiger Sturm, denn
blasen die Winde nach entgegen gesetzten Gegenden, so ist Windstille, wird das
Gleichgewicht aufgehoben, so bricht ein gewaltiger Sturm aus. Zu den Stürmen ge-
hören auch

/2) Vornehmlich die Orcane oder Ouragang. Diejenigen Länder welche durch
dieselben am heftigsten afficirt werden sind die kleinen antillischen Inseln,
die Vorgebürge derselben oder das Hohe Land. Sie verursachen aber solche
Orcane, indem sie dort fast beständig eine Wind-Straße formiren. Sie unter-
scheiden sich von andern durch eine Wind-Stille die vorhergeht und die Anzeige

/ ist

/|P_156

/ist, daß einer der heftigsten Stürme darauf kömmt. Denn der Wind pflegt
beym Entstehen eines solchen Sturmes, um den Compas zu gehen. Die Wol-
cken sehen am Himmel, bey einem solchen Orcan wie Pumpen aus, und
haben 1 eine bloße Feuer-Farbe. 2 Kupferroth. 3 Schwartz. Er wütet auf
den Antillischen Inseln sehr starck, es bleibt kein Haus verschont, selbst Cano-
nen werden von den Wellen geworfen. Ihre Zucker Plantagen sind oft auf
viele Jahre vernichtet, ja alle Negers zu Boden geworfen worden. Die
Schiffer suchen alsdenn nur die weite See, lassen die Seegel fallen, und
überlassen sich denn der See. Auch sind solche heftige Sturmwinde bey Terra
del Fuego, bey Vorgebürgen überhaupt; vorzüglich aber bey Capobonae-
Spei anzutreffen. Auf dem Letztern ist der so genannte Tafelberg, der
oben eine Fläche hat, wenn sich nun oben eine Wolcke setzt, so ist sie die An-
zeige, daß ein heftiger Sturm kommt, und denn sind die Schiffer in der
Tafel-Bay nicht sicher, sondern gehen gleich in die See. In dem Chinesi-
schen Meere ist ein Sturm, der Tufon oder Tufanoco heißt, welcher Nah-
me so viel als etwas Böses und Gefährliches bedeutet. Dieser Tufon
wehet gemeinhin in dem Meer, welches zwischen den Sudaischen In-
seln und China lieget und dieselbe muß ein Seefahrer vorzüglich
kennen. Das Meer kochet, ehe noch der Wind wehet. Man hat auch eine Art
von Wirbel-Winde. Es entsteht ein Wind mit großem Staub, der alle leichte
Sachen aufhebet, und in einer geraden Linie fortgehet, gehet er über einen
Wald so knicken die Aeste, und kommt er auf einen Hof, so fallen oft die Scheu- 

/ ren

/|P_157

/ren ein, und Niemand hat denn den Sturm bemerckt. Zu den Stürmen gehört auch

/3) Trompe_de_mer (Wasser_Trompete) die Holländer nennen es Wasser-Ho-
sen. Bey uns pflegen sich dergleichen Winde, besonders im Monath August,
wenn es sehr heiß ist, einzufinden. Es geht mit diesen Wasser-Hosen so zu. Zu-
erst ist eine Wolcke, das Wasser zieht sich denn in die Höhe, darauf stürtzt die-
ser Wind-Strudel mit einmahl ins Wasser, und wirft dasselbe von allen
Seiten um sich herrum. Sie sehen so au«ch»s, als wenn das weite Ende der Trom-
pete an dem Himmel steht. So bald sie das Meer berührt, so kocht das Was-
ser und wird in die Höhe gehoben. Bisweilen hat es einen Graben gemacht
und alle Erde ausgeworfen. z. E. In Franckreich. Wenn eine solche Wasser
Hose ein Schiff trift, so überdeckt sie dasselbe gantz mit Wasser, ja zerbricht
es oft. Wir können uns davon keinen rechten Begrif machen. Im ro-
then Meer ist es häufig zu sehen. Ohnstreitig ist dies nichts, als eine Electrische
Materie, die sich in diesen Wasser_Hosen befindet. In diesen Winden soll sich
aber eine überaus große Hitze befinden.

/In Ober-Egypten haben sie einen Wind Kumphin, welcher auch sehr heiß ist.
Die trocken kalte-Winde sind oft durchdrünglich und gefährlich. Gewisse
Gegenden sind auch, wegen solchen Stürmen gar nicht sehr zu cultiviren, als
CapabonaeSpei. Schottland gegen Westen können wegen Heftigkeit der
Stürme nicht einmahl Bäume wachsen. Unsere heftigsten Winde in Preussen
kommen aus Nord-West. Auch scheint die Nährung zwischen dem Curschen
Haf und der Ost-See in Preussen durch diese Winde aufgeworfen zu seyn.

/ Von

/|P_158

/ ≥ Von der Geschwindigkeit der Winde. ≤

/Ein gelinder Wind geht nicht schneller als ein Mensch im gehen. Ein Wind
der 24 Fuß in einer Secunde zurücklegt ist schon ein großer Sturm-Wind
der Bäume ausreißt. Es giebt aber auch Stürme, (welches nur sehr selten
geschieht) die bis 60 Fuß in einer Secunde durchlaufen, diese werfen
schon Häuser um. Man sagt zwar von einigen Pferden, daß sie so geschwind
laufen wie der Wind, allein bey genauerer Untersuchung hat man
wahrgenommen, daß sie noch stärcker laufen. Es giebt Pferde die 53
Fuß in einer Secunde laufen. Ja die Engelländische Renn-Pferde,
welches wohl die geschwindesten sind, laufen bis 62 Fuß in einer Secun-
de. Candamine, der in London die Rennbahn hatte messen lassen,
und mit einer Pendul_Uhr, dabey war, versichert solches, welches eine
unbegreifliche Geschwindigkeit zu seyn scheint. Allein das ist noch nicht
die gröste Geschwindigkeit, er sagt, daß ein großes Pferd gewesen, wel-
ches Sterlic geheißen und noch schneller gelaufen.

/Von den See und Land-Winden. ≤

/Alle Länder der heißen Zonae haben an ihrer See-Küste diese Abwech-
selung der Winde, daß des Tages hindurch ein Wind aus der See ins Land
streichet und des Nachts vom Lande in die See. Denn des Tages erhit-
zet die Sonne das Land mehr, als das Wasser, daher wird die Meeres-
Luft, die nicht in dem Grade erwärmet worden dicker seyn, als die
Land-Luft und diese aus der Stelle treiben, daher nimmt auch die
Stärcke des See-Winds zu bis nach 12 oder 1 Uhr Nachmittags, von

/ da

/|P_159

/da er immer schwächer wird, und des Abends gar nachläßt, alsdenn aber erkühlet die
See-Luft schneller, als die Land-Luft, die über einen erhitzten Boden stehet, jene
ziehet sich also zusammen und machet dieser Platz, folglich streicht alsdenn ein Land-
Wind über die See. Diese Winde sind in allen Inseln der Zonae torridae im
Mexicanischen Meerbusen, in Brasilien, an den Abithanischen und Ostindi-
schen Küsten, anzutreffen. Sie sind ausnehmend nutzbar, nicht nur zur Ab-
kühlung dieser Länder, sondern auch vor die Schiffahrt zwischen vielen Inseln.

Mit dem Land-Winde kann man in der Nacht von einer Insel wegfahren
und bey einer andern Insel ist wieder der See-Wind, da man abgekühlet wird.

/ Von den Moussons, oder periodischen Winden. ≤

/In den gantz heißen Erdstrichen, wo gantze Länder von dem Aequator gen
Norden oder Süden sich ausbreiten, herschen in dem benachbarten Meere jähr-
liche Wechsel-Winde, die Moussons genennt werden. Sie wehen nur gewisse
Jahreszeiten hindurch. Nehmlich in den Monathen April bis Septemb: weht ein
Süd-West-Wind, die übrigen Monathe ein Nord-Ost Wind, dieses geschiehet
im Meerbusen von Bengala, des Persischen, Arabischen Meeres. Dem Ar-
chipelago, den philippinischen Inseln im Mexicanischen Meerbusen und an-
derwärts. Im Südlichen Haemishpaerio geschiehet eben der Wechsel des West-
Windes nur in den gedachten Monathen herscht der Nord-West und in den übri-
gen Süd-West-Winde.

/ ≥ Ursachen der Moussons. ≤

/Indem P: Kant die Ursache der Moussons erklähret, so giebt er auch eine all- 

/ gemeine

/|P_160

/gemeine Théorie aller beständigen periodischen und der meisten verän-
derten Winde. Ein Wind der von dem Aequator nach eine«n»m von den zwey
Polen gehet, bekommt eine Neben_Richtung nach Westen, wenn er erstens
eine Weite hindurch sich beweget hat z. E. In unserm nordlichen Haemisphae-
rio muß ein Süd-Wind nach und nach in einen Süd-West-Wind ausschlagen,
und auf der Südlichen Seite des Aequators ein Wind der vom Aequator nach
dem Süderpol hingehet ein Nord-West-Wind werden. Denn da die Erde
sich um die Axe drehet, so beschreiben die Theile ihrer Oberfläche, größere
Parallel-Circkel, nachdem sie welche dem Aequator näher liegen, und
desto kleiner, je näher sie zu den Polen liegen, und die Luft, welche die
Erde bedecket hat allenthalben, wenn kein Wind ist, gleiche Bewegung
mit dem Theil der Oberfläche der Erde, auf welcher sie ruhet. Also wird des
Aequators Luft mehr Schnelligkeit der Bewegung von Abend gegen Mor-
gen haben, als die unter den Tropicis, und diese weit mehr, als die zwi-
schen dem Polar-Circkel und so weiter. Dieses aber macht an sich noch gar
keinen Wind, weil die Luft auf der Oberfläche der Erde ihren Platz
nicht verändert. So bald aber die Aequators-Luft nach einem von den
Polen, z. E. zu dem Nord-Pol ziehet, so ist dies erstlich ein Süd-Wind. Allein
diese nach Norden ziehende Luft hat doch von der Drehung der Erde ei-
nen Schwung von Morgen gegen Abend, der schneller ist als alle Paral-
lel-Zirckel, wohin sie bey weiter Entfernung vom Aequator anlangte,

/ allso

/|P_161

/allso wird sie über die Oerter wo sie ankommt sich mit dem Ueberflusse ihrer Schnellig-
keit von Abend gegen Morgen fortbewegen, mithin durch die Zusammensetzung
der Südlichen Richtung einen Süd-West-Wind ausmachen. Aus eben dem Grunde
wird aus der Bewegung der Aequators-Luft nach dem Süderpol hin ein Nord-West-
Wind entstehen. Dagegen wenn aus einer vom Aequator entfernten Gegend die
Luft zum Aequator hinstreicht; so wird in der Haemisphaerio dieses erstlich ein Nord-
Wind seyn. Da er aber aus solchen Gegenden der Erde ausgegangen, wo er we-
gen der kleinen Parallel-Zirckel, in den er sich befand, weniger Schnelligkeit von
Abend gegen Morgen hatte, als die Theile der Oberfläche der Erde, die dem
Aequator näher liegen, wohin er sich beweget, so wird er, weil er nicht so viel Be-
wegung von Westen und Osten hat, als die Oerter noch bleiben, also sich schon von
Osten gegen Westen zu bewegen scheinet, welches in der Nordlichen Richtung
verbunden, in unserem Haemisphaerio ein Nord-Ost-Wind macht, also wird ein
Nord-Wind in unserer Halbkugel, je mehr er sich dem Aequator nähert, in ei-
nen Nord-Ost-Wind ausschlagen, und im Südlichen Haemisphaerio wird ein
Süd-Wind sich in einen Süd-Ost-Wind aus eben den Gründen verändern. Hier-
aus kann nun zuerst der allgemeine Wind unter der Linie erklähret wer-
den und vornehmlich zur Zeit der Tag und Nacht-Gleiche.

/Von den Passat-Winden. ≤

/Ein Wind der ein Erdstrich ein gantzes Jahr hindurch mehrentheils einliegt, heißt ein
Passat-Wind. Zwischen den Tropicis wehet fast beständig, wenn man sich vom
Lande entfernet ein Ost-Wind um die gantze Erde. Dieser entstehet nicht von der
zurückgebliebenen Luft, die, da die Erde sich von Abend gegen Morgen zu drehet,

/ nach

/δLage_V

/|P_162

/nachbleibt und in der entgegengesetzten Richtung wiederstehet; sondern von der
nach und nach von Abend gegen Morgen durch die Sonne rund um die Erde ge-
schehene Erwärmung, wie oben gesagt, so ströhmet die Luft immer in der Ge-
gend, die von der Sonne am meisten erwärmet wird; folglich muß sie dem schein-
baren Laufe der Sonne immer nachziehen. Die Seefahrer können viel ge-
schwinder aus Ostindien nach Europa, als von Europa dahin kommen, wie
sie im letztern Fall den generalen Ost-Wind, so wohl auf dem Aethiopischen
Meer als δLücke vor sich haben. Diese Seefahrer müssen auf der Reise vom
Capobonae-Spei nach Europa wohl auf ihrer Hut seyn, daß sie St_Helena
nicht vorbeyfahren, denn wenn sie dieselbe einmahl vorbey sind, können sie
nicht wieder dahin gelangen, weil sie ein starcker Ost-Wind forttreibet, und
müssen in der Insel
Assension sich mit Schildkröten und Wasser versorgen.
Dieses gillt von allen zwischen den Tropicis befindlichen Meeren, beym
Atlantischen, Aethiopischen, Stillen und Indischen. Allein je weiter vom
Aequator zu den Tropicis, desto mehr weicht dieser Ost-Wind in einer Ne-
ben Richtung aus Süd und Nord ab, nachdem man sich im Südlichen oder Nord-
lichen Haemisphaerio befindet, dort ist ein Süd-Ost, hier ein Nord-Ost-Wind.
Diese Winde erstrecken sich auch etwas ausserhalb den Tropicis, doch nicht
leicht über dem 30sten Grad.
Wo ein Westlicher Passat-Wind anhebet, der
bis zum 50sten Grad herscht, daher man aus Engelland um nach America
zu kommen sich dem Tropico nähert, von da sich Ost-Wind findet, zurück a-
ber zwischen dem 40sten und 50sten Grade der Breite mit einem West- 

/ Winde

/|P_163

/Winde eine Kurtze Reise macht, ist die Luft mehr als anderwärts verdickt. Die
Luft bey den Polen und andere zwischen ihnen und dem Aequator gelegenen
Gegenden, ziehet also zum Aequator hin, der Nord-Wind verändert sich eben da-
durch in einen Nord-Ost-Wind und der Süd-Wind, in einen Süd-Ost-Wind.
Diese Winde werden auch zwischen den Tropicis ein jeder in seinem Hae-
misphaerio anzutreffen seyn. Allein unter dem Aequator werden sie,
da sie in einem Winckel zusammen treffen, in bloße Ost-Winde ausschla-
gen. Da nun vom Monath Mertz bis in den Septbr: die Sonne die Zonam
torridam in unserm Haemisphaerio am meisten erhitzet; so werden die Län-
der die in derselben, oder ihr näher liegen, ungemein erwärmet werden,
und die nahe dem Aequator liegende Luft wird den Platz der über dieser
verdünten einnehmen; es wird also ein Süd-Wind entstehen, der um des vor-
her erwehnten Gesetzes willen in einen Süd-West-Wind ausschläget, allein
in den übrigen Monathen thut die Sonne dieses im Südlichen Haemisphaerio,
allso wird die Luft der Nordlichen Halbkugel herrüber ziehen und einen
Nordwest-Wind machen. In der Zeit da diese Moussons mit einander ab-
wechseln, werden Wind-Stillen und Orcanen regieren.

/ ≥ Noch einige Gesetze der Abwechselung der Winde. ≤

/In unserem Nordlichen Haemisphaerio pflegen die Winde, wenn sie von
Norden nach Nord-Ost gehen, auf diese Weise den ganzen Zirckel von der
Lincken zur Rechten zu absolviren, nehmlich nach Osten, denn nach Süden, denn
nach Westen zu gehen. Alle dergleichen Winde, die auf eine entgegenge- 

/ setzte

/|P_164

/setzte Art aus Norden nach Westen laufen, pflegen fast niemahls den gantzen
Circkel zu absolviren. Im Südlichen Haemisphaerio, da die Sonne ihren Lauf
von der rechten gegen die Lincke Hand hat, ist dieser Circkellauf auch umgekehrt,
wie im Mare pacifico angemerckt. Es scheinet dies Gesetz vom Lauf der Son-
ne herzurühren, denn der Nord-Wind schläget natürlicher Weise in einen Nord-
Ost-Wind aus, allein wenn ihm die Südliche Luft endlich wiederstehet, so wird
er völlig östlich, denn fängt die Luft aus Süden an zurück zu gehen und wird
durch die Verbindung mit dem Ost-Winde, erstlich Südost, denn vollig südlich,
denn aus dem oben angeführten Gesetze Südwest, denn durch den Wieder-
stand der Nördlichen Luft völlig West. Die Winde sind am meisten verän-
derlich in der Mitte zwischen einem Polen und dem Aequator. In der Zona
torrida sonderlich und in den nahe gelegnen Gegenden als in der Zona_frigi-
da und in den benachbarten, sind sie viel beständiger. Oefters und ge-
meiniglich sind Winde in verschiednen Höhen der Luft verschieden. Sie
bringen aber hernach Windstille und darauf plötzliche Stürme, oder ei-
nen veränderten Wind in den niedrigen Gegenden zu wege.

/ ≥ Vom Regen.

/Die Verschiedenheit desselben. ≤

/Im heißen Clima ist er so verschieden, daß er mit unserm gar nicht ver-
glichen werden kann. Er fällt daselbst nicht als Tropfen, sondern als Aus-
güße und auch mit mehrerm Ungestüm als bey uns. Bey den Negers hat
er so gar die Eigenschaft, daß etwas Fressendes an ihm ist, daher laufen sie
vor dem Regen als vor dem Feuer. Man glaubt bey uns, daß nach dem Un- 

/ gewitter~

/|P_164R δZ_19-23

/In der Siera
Leona fällt
der Regen
in sehr gro-
ßen Trop-
fen. ~

/|P_165

/gewitter es Schwefel regnet, indem man eine gelbe Materie im Rinnstein
siehet. Allein das ist nichts anders, als der Oehlichte Blüthenstaub. Denn Vitriol-
Säure mit Oehl vermengt giebt Schwefel und Vitriol-Säure ist bey uns nicht.
Unter allen flüßigen Materien ist Vitriol das Schwerste nächst dem Quecksil-
ber. Nichts wiedersteht so der Fäulniß, als Vitriol-Säure. Es ist dahero auch in
schadlichen Stuben mit Schwefel zu räuchern, daß nehmlich die Materie her-
nach herrumgehe, es muß sich also eine Zeitlang herrumziehen, denn sonst ist
es schädlich.

/ ≥ Quantitaet des Regens. ≤

/In unsern Gegenden fällt nicht über 30 Zoll Feuchtigkeit vom Himmel,
Schnee und Regen zusammen gerechnet. In Bengalen aber regnet es
im Zweifel-Monath, (wie es die Schiffer nennen) in einer Woche mehr, so
daß die Schiffer die Seegel einziehen müssen. Die Wolcken-Brüche sind
mehr gefährlich in den Gebürgen, als flachen Gegenden. Bey der Quantitaet
des Regens kommt es auf verschiedne Umstände an

1)»I. Die Gebürge ziehen die Wolcken an und nöthigen die Luft die Feuchtig-
keit fahren zu lassen; daher sind gebürgigte Gegenden schon Regenhafter
als ebene. Die Ursache davon ist, weil durch die electrische Kraft die Dünste
sich zusammen ziehen, daher denn die Gebürge die Verdickung der Wolcken
veranlassen.

/II. Waldigte Gegenden haben mehr Regen, als von Wald entblöste. So regnet
es z. E. in den Rußischen Steppen und Sand-Wüsten fast gar nicht. Man findet
daß Menschen und Thiere im Sande vergraben sind, dies muß von einer

/ Trompe

/|P_166

/Trompe_de_mer herkommen, die aus über Land ziehen, indem die Menschen
von Hitze ermattet derselben nicht haben ausweichen können. Die Lei-
ber werden in diesem Sande wie Mumien conservirt. Die Ursache aber
daß in Waldigten Gegenden sehr oft regnet ist nicht nur in dem beständigen
Dunst, der über diesen Wäldern sich befindet, sondern auch in den Blättern
der Bäume zu suchen. Nehmlich die Bäume selbst ziehen die Wolcken, so
wie den electrischen Strahl an sich, sie verdicken also die Wolcken. Wal-
digte Gegenden haben also mehr Regen, nicht darum, daß sie selbst mehr
Feuchtigkeit geben, sondern weil sie dieselbe an sich ziehen, denn es kom-
men immer andere Wolcken herrüber, dieselben werden verjagt, an-
dere angezogen, so daß sie die Elasticitaet verliehren und ihr Wasser
von sich geben. Auch

/III. Die Morräste haben die Eigenschaft, daß es da mehr regnet. Daher
das Austrocknen der Morräste einem Lande nicht immer vortheilhaft
ist, vornehmlich in heißen Ländern.

/ ≥ Es giebt auch Länder wo es gar nicht regnet und das sind diese zwey

/Ober-Egypten und Peru. ≤

/a) Peru. Hier regnet es gar nicht, so wohl im Innwendigen als am See-
Ufer wo Lima liegt, ja auch nicht an den Küsten, die eine Länge
von 150 Deutschen Meilen haben. Sie bauen auch daher, da ihre Häuser
aus Thon, welche flache Dächer haben, worauf sie Asche streuen, damit
der Thau sich herreinsäuge. Die Ursache von diesem Mangel des Regens

/ in

/|P_167

/in dieser Gegend, scheint nach einiger Meynung im Thal Quito zu liegen. Die Feuch-
tigkeit der Luft zieht sich immer dahin wo Schatten ist und stille, i e, im Thal. Die
Wolcken werden also da abregnen, und es ist schlimm, daß dieses Thal so nahe
liegt. Man führt auch diese Ursache an, weil ein beständiger Süd-Wind da weht,
welcher aber an der Küste von Peru von eben der Beschaffenheit ist, als bey uns
der Nord-Wind, denn dort sind die Süd und Ost-Winde die Trockensten. Und
das ist auch die Ursache, daß die Küste von Lima so wenig bewohnt ist.

/b) Egypten, vieleicht hat es seine ganze Existentz vom Niel-Strohm, es ist
im gantzen 3, 4 Meilen breit. Der Niel fließt in der Mitte und an einer
Seite ist die Sand-Wüste. Zwar fällt etwas Regen im Herbst, im Delta
einige wenige Tage, kommt man aber etwas höher herrauf z. E. nach Groß-
Thebis, so regnet es niemahls daselbst. Die Ursache beruht wohl in diesen
2 Dingen. a) Weil nichts ist das die Wolcken an sich zieht. b Scheinen auch
die Sand-Wüsten den Regen zu verhindern, denn der Sand an sich ist schon
electrisch und treibt ihn also weg.

/ ≥ VItes Hauptstück von dem Zusammenhange der Witterung. ≤

/Die Inseln haben gemäßigtere Luft, als festes Land. Die Ursache davon
liegt im Meer, welches in Bewegung ist. Wenn nun zwar der obere Theil
erkältet ist, so wird er doch vermischt. Im tiefsten Theile aber muß die Keller-
Kälte herrschen, und es ist eine solche Kälte, die gar nicht mehr verändert.
Daher das Wasser immer gemäßigter ist, so wohl im Winter bey Kälte als
im Sommer bey Wärme. Eben daher lassen sich in London im Winter Ge-
wächse hervorbringen, welches in Paris nicht angeht, denn jenes ist eine In- 

/ sel.

/|P_168

/sel. In den Inseln Ferre läßt man die Schafe sich selbst über, welche biswei-
len verschneyen, so daß man sie oft nicht finden kann. Das Wasser des Mee-
res giebt also immer eine temperirte Luft. Die Ursache liegt auch in der
Schwäche der Dünste, die sich über dem Meer nicht zusammenziehen. In
Engelland ist die Sonnen-Würckung nicht groß, und die Luft scheint dort
immer temperirt zu seyn. Die Küsten haben auch temperirte Luft daher
man große Kälte in der Reihe von Continentz erst suchen muß. Je größer
das Continent ist, desto kälter ist es im Winter. So ist z. E. in Paris kälter
als in London. Wir bemercken von der Verschiedenheit der Wärme
und Kälte in den Erd-Gegenden, Folgendes Besondere.

/1) Daß bey einerley Clima das Nördliche Haemisphaerium warmer
ist als das Südliche. Dies findet statt bey Terra_del_Fuego, welches eine
mäßige Breite hat. Die Kälte die dort mitten im Sommer herscht, ist
ausnehmend, daß die Menschen mitten im Sommer erfrieren. Die Ein-
wohner aber davon sind gar sehr in Ansehung der Fähigkeiten abgesun-
cken. Die Ursache der Kälte in dem Südlichen Ocean zu dergleichen
Zeit da daselbst Sommer ist, kommt ohne Zweifel von den großen Eis-
schollen her, die von den Gegenden des Süderpols in diese Meere getrie-
ben werden. Das Südliche Haemisphaerium scheint auch aus der Ur-
sache Kälter zu seyn, als das Nordliche, weil in jenem weniger Seen
sind, welche die Luft temperirt machen. Auch giebt man eine Ursache
an, weil wir im Nordlichen Haemisphaerio 8 Tage länger Sommer

/ haben

/|P_169

/haben, weil die Erde keinen Zirckel, sondern Ellipsie macht, so geschieht es, daß
im Frühlings Aequinoctio im Sommer 8 Tage mehr sind und dort also 8 Tage
weniger. Nun ist 26 Wochen lang Sommer. In 26 Sommer also muß ein Som-
mer und in 3600, 100 Sommer mehr seyn; 100 Sommer aber können wohl
einen Überfluß von Wärme geben. Dies hat einen Schein Grund, hieraus
aber würde folgen, daß wir vor 3600 Sommern eine solche Kälte gehabt
haben müsten, als jetzt in Terra_del_Fuego herrscht, welches aber mit der Ge-
schichte nicht zusammenstimmt.

/2) Daß bey einerley Clima die Oestlichen Länder kälter sind als die West-
lichen, und zwar in einem gantz ungemeinen Grad. In Poecking z. E.
welches eben so südlich liegt als Neapel friert es gantz erstaunend. Der jet-
zige Kayser wolte den Geburtstag seiner Mutter feyren und Lustbar-
keiten auf dem Wasser anstellen. Dies traf sich eben im Januar. Er befahl
also bey Lebens-Strafe, daß sie das Wasser nicht sollten zufrieren lassen. Die
Menschen schlugen immer mit Stangen im Wasser, allein die Stangen
selbst froren ein und es fror alles zu. Kamschatka scheint ein Land zu
seyn, welches rund um Sandbäncke hat. In Lappland und andere Gegen-
den kann man doch keller graben i. e. ein Boden der im Winter nicht mehr
frieret; allein es versuchten solches die von Ja_Kutz_Koi, welches noch 10 Grad
entfernet ist, sie gruben 10 Fuß, aber fanden keinen solchen Boden. Eine
Ursache davon kann wohl das Eis_Meer seyn, aber im Dänischen Lapp-
land ist auch, aber doch so nicht. Man findet in Ja_Kutz_Koi Ströhme, die so gar

/ das

/|P_170

/das gantze Jahr durch gefroren sind. Geht man aber Westwärts, so findet man
schon gelindere Witterung, ob man gleich in einem Parallel_Zirckel geblieben.

/3) Das alte Continent, (alte Welt) ist wärmer als das neue Continent oder Ame-
rica. Woher kommt dieses? Man giebt zur Ursache an, daß der Ost-Wind der
sie trift, kälter ist als der West-Wind. Die Oerter in America sind so kalt
wie die im alten Continent, die 12 Grad weiter nach Norden liegen.

/ ≥ Von der Verschiedenheit der Wärme und Kälte nach den Jahrhunderten. ≤

/Das ist nach der neuern und alten Zeit. Menschen Dencken kann wohl hier
nichts ausrichten, weil das nicht eine lange Reihe ausmacht. Man muß
also die Geschichte zu Rathe ziehen, allein dieselbe ist auch nur erst entstanden,
als die Kunst zu Schreiben aufgekommen. Wir müssen Spuhren aufsuchen,
ob es in einigen Ländern Kälter oder Wärmer geworden, und wir finden
sie. Als Julius Caesar nach Gallien über die Rhone zog, so war dieselbe so
gefroren, daß es mit seiner gantzen Bagage herrüber ziehen konnte,
welches jetzt nicht mehr angeht. Die Lombardey ist erst immer wegen der
Rauhigkeit beschrieen worden, daß das Getrayde daselbst niemahls reif
geworden; Jetzt ist es die Beste Gegend. Deutschland am Rhein und Franck-
reich werden uns von den Alten wie Sibe«b»rien beschrieben. Vor Zeiten ist
die Tieber Regelmäßig gefroren, jetzt befriert sie gar nicht. Ehedem befror
auch das Schwartze Meer. Ungarn wird sehr rauh von den Römern be-
schrieben, jetzt aber wächst daselbst viel Wein. Diese Kälte rührte vermuth-
lich von den vielen Wäldern her, welche damahls die meisten dieser Länder
bedeckten, und in denen die Sonne den Schnee nicht wegthauen konnte, so daß
kalte Winde daher wehten. Jetzo sind die Wälder gröstentheils ausgehauen, hin-
gegen im Nordlichen Theile von America und Asia sind sie noch unermeßlich groß,

/ welches

/δLage_W

/|P_171

/welches eine von den Ursachen der Kälte in diesem Lande seyn kann.
Doch kann zuweilen die Beschaffenheit des Landes viel hiebey thun, vor-
nehmlich die in China und Siberien, wenn nehmlich viel Salpeter im Bo-
den ist. Aus diesen Geschichten sollte man glauben, daß es ehedem kälter
gewesen. Allein man hat auch wieder gegründete Ursachen zu schließen,
daß die Erde ehedem Wärmer gewesen, welches Buffon starck behauptet.
Denn in Siberien findet man an den Ufern bey der Mündung der
Ströhme, Knochen von Elephanten und Rhinoceros, z. E. beym Ausfluß
des Oby fand manns, wo man die Erde gefroren findet. Wie die Knochen
hineingekommen, muß die Erde nicht gefroren gewesen seyn, es muß
also da ehedem wärmer gewesen seyn. Ferner findet man auch Muscheln
ordentlich in ihren Stratis, die in den Südländern sind. In der Schweitz fin-
det man auch auf den Gebürgen Holtz, wo jetzt wegen der Kälte keines
wächst. Aus allen diesem ist nun zu schließen, daß die Erde ehedem wär-
mer gewesen. Es ist sehr zu vermuthen, daß es in Ansehung der Kälte und
Wärme mit der Erde etwas periodisches habe. Eben so wie etwas in der
Erde seyn muß, welches bisweilen die Revolution des Magnets ver-
ändert: so kann auch etwas seyn, was die Revolution der Witterung
ändert. Auch Menschen haben einen Einfluß auf die Wärme und Kälte.
Man hat bemerckt, daß jemehr die Erde bearbeitet, jemehr sie culti-
virt wird, die Gegend desto wärmer wurde, denn indem die Erde um-
wühlt wird, können die Strahlen der Sonne mehr eindringen.

/ VIItes

/|P_172

/ ≥ VIItes Hauptstück.

/Geschichte der großen Veränderungen, welche die Erde ehedem erlitten hat
und noch leidet.

/Wir handeln

1)»I Von den almähligen Veränderungen die noch immer fortdauren. ≤

/Diese Veränderungen, die noch (immer) fortdauren werden,

/1) Durch Erdbeben und Feuerspeyende Berge bewirckt. Diese haben
manche an der See gelegene Landstriche versencket und Inseln em-
por gehoben. Maro meynet sehr unwahrscheinlich, daß die Berge grösten-
theils daher entstanden. Einige aber haben gewiß ihren Ursprung daher.

Im Gantzen sind doch diese Veränderungen nicht von sehr großer Erheblich-
keit. Die Feuerspeyenden Berge sind sehr dünn gesäet. In Europa sind
nun 3 und in andern Gegenden auch nur wenige. Die Würckung der
Feuerspeyenden Berge erstreckt sich nur blos auf die Oberfläche, denn
in tiefen Gebürgen findet man keine Vulcanische Producte z. E. Birn-
stein, Lava aber im Hessischen, und ohnweit Eger findet man auf der
Oberfläche solche angeführte Producte, wo man doch jetzt in diesen Ge-
genden von gar keinen Vulcanen weiß. De_Lucs Beschreibung der
Gebürge dient uns zu einer Anweisung, Reflectionen über die beson-
dern Gestalten der Erde zu machen. Bey dem Vesuv z. E. liegt eine
kleine Stadt, welche Nola heißt, nicht weit davon liegt der Berg Monte
de_Somma, der wie die Geschichte sagt, niemahls Feuer gespien hat,
und doch findet man dort, wenn gegraben wird gantze Schichten von Lava und
andere Vulcanische Producte; jetzt sind lauter Gärte darauf. Vesuv war

/ in

/|P_173

/in eben demselben Zustande vormahls; allein es wurde doch ein Feuerspeyen-
der Berg, und so wie der Vesuv einige 100 Jahr ruhete, so kann ebenfalls auch
der Somma mit der Zeit ein Feuerspeyender Berg werden.

/2) Durch die Flüße und den Regen. Diese Veränderungen sind weit allge-
meiner, denn hier ist eine continuirliche und fortdaurende Würckung. Der
Regen spühlet die Erde von den Bergen und hohen Theilen des festen Lan-
des ab und schleppet den Schlamm in die großen Bäche, die ihn in den Strohm
bringen. Der Strohm hat ihn hin und wieder abgesetzt und Canäle gebildet,
jetzo aber führet er ihn fort, setzt den Schlamm weit und breit an den Küsten
bey seiner Mündung ab und setzt neues Land an.
Der Schlamm vom Re-
gen also vergrößert zuweilen das Land, doch werden viele Zeiten dazu
gehören bis die Berge abgespühlt und niedriger werden. Das scheint also
eine große Ursache von Veränderungen der Höhen und Ausfüllung der
Tiefen zu seyn. Buffon schreibt auch, daß der Regen die Erde von den Ber-
gen und Felsen abwasche und in die Thäler spühle. Wenn auf solche
Weise die Vergänglichkeit der Felsen immer zunimmt, wozu zwar tausende
von Jahren erfordert werden; und wenn noch dies hinzu kommt, daß die Erde
davon in die Thäler gespühlet wird, so kann es endlich so weit kommen,
daß die Erde wieder rund würde, so wie sie vorher war, und denn würde
das Wasser allenthalben stehen bleiben. Man wird dies schon in etwas an
den Ströhmen gewahr, welche würcklich kleiner werden, und daher man
wohl vor jetzt, wenige Ueberschwemmungen zu befürchten hat. Dage-
gen aber streiten einige andere Erfahrungen. Die Gelehrten so nach Ruß-
land reißten, merckten an, daß in Astracan schon (Man findet dieses in der

/ allge- 

/|P_174

/allgemeinen Beschreibung von Rußland) Wälle, Erdgänge, die wohl
schon 4 bis 500 Jahr stehen, von den alten Tartarn her, noch angetroffen
werden, und zwar nach ihrer ehemaligen Gestallt. Hiebey ist aber zu mer-
cken, daß der Regen zwar etwas von den Wällen abspühlet, aber nur
mehrentheils dasjenige was die Gewächse neues Erdreich hervor gebracht
haben. (Es scheinet als wenn die Gewächse wieder Erde hinzubringen und
also eins das andere im Gleichgewicht erhalte«n»). Es reisete Jemand mit
dem Homer in der Hand, der doch gewiß vor 2.000 Jahr geschrieben und
fand dieselbe Bekleidung der Natur, als Homer sie geschildert, denn da
wo Homer Hügel, Bäche pp beschreibt, fand er noch Hügel, Bäche pp. Die
Begebenheiten, daß der Schlamm Länder ansetze, sind auch durch viele
Exempel bestätigt. Der Nil z. E. hat nach dem Zeugniß der ältesten Schrift-
steller gantz Unter-Egypten durch seinen Schlamm angesetzet, da hier
vor alters ein Meerbusen war. Der Nil setzt auch jetzt den Schlamm
ab, der am Ufer ist, mithin geschieht es, daß Oerter die an den Küsten ge-
legen, weiter ins Land zu liegen kommen. z. E. Rosette. Die Stadt
Foa lag vor 300 Jahren an einer Mündung des Niels, und jetzo 5 Mei-
len davon auf dem vesten Lande. Man kann also deutlich sehen, daß
alles Land von Unter_Egypten ein Geschöpf des Niels sey. Eben dieses
ist am Mississippi_Strohm, wie auch am Amazonen_Strohm am Ganges
pp zu mercken. Dadurch wird das Veste Land immer niedriger, und das
Regen-Wasser, nachdem das Veste Land seinen Abgang verliehret, will
nicht mehr so viel den Flüssen zuführen, sondern versiegt in der Erde, und

/ trocknet

/|P_175

/trocknet in Pfützen aus. Die Flüsse füllen ihre Mündung oft mit Schlamm,
und verliehren dadurch ihre Schifbarkeit, so daß neue Inseln und Bäncke in der
Mündung großer Flüße angesetzt werden.

/3) Die almählige Zerstöhrung der Gebürge. Indem wir hier auf die Geschichte
der Erde gehen, so müßen wir uns viel weiter vor Mosis Zeitrechnung hin
versetzen, und können auch solches thun, ohnbeschadet der Mosaischen Geschichte.
Wir sehen alhier auf einen allmähligen Fortgang würckender Ursachen, und
reden nicht blos hypothetisch, daß wir uns nehmlich auf die Revolutiones bezö-
gen. Wir finden oft, daß sich die Erdflächen in den Ländern so verändern,
daß alte Gebäude uns immer tiefer zu liegen kommen z. E. in alten Städ-
ten wie Rom und Modena pp. Man findet in denselben, daß wenn man
tief gräbt, man immer wieder auf eine (St) neue Stadt gleichsam kommt,
denn die Alten hielten nicht so viel auf Reinigkeit mithin muste sich immer
ein gewisser Schutt aus den Steinpflastern sammlen. Auf demselben wur-
de nun wieder ein neuer Steinweg gemacht. Diese Unreinigkeit aber
kann auch oft durch die Natur selbst hervorgebracht werden, theils durch
den zusammengesetzten Staub, theils aber auch durch die verfaulten Ge-
wächse, wozu freylich eine lange Zeit erforderlich ist. Dennoch aber erhöhet
dieses das Erdreich an gewissen Orten, wo es denn oft geschiehet, daß uns al-
te Gebäude zu sincken scheinen z. E. die große Kirche des Theodosius zu
Ravenna, wie auch die Kirche Maria_rotunda, allein dies rührt wohl von
der Erhöhung der Erde her. Von diesem 3ten Punct sind die Felsen-Gebürge
ein Zeugniß. Mit den Felsen stürtzt zugleich ein Schutt von verwitterten

/ Felsen

/|P_176

/Felsen herrunter z. E. Von den Piranaeischen-Gebürgen. Diese Zerstöhrung
rührt vom Frost her, als welcher ansehnliche Theile von Bergen in deren
Ritzen das Regen-Wasser fällt, welches daselbst frieret, absprengt. Dieses
abgesprungene Felsen Stück rollt in die Thäler und richtet öfters große
Verwüstungen an, denn ein solcher Felsen nimmt eine große Menge
Steine mit sich. Diese Veränderungen aber, sind auch nicht von sehr großer
Erheblichkeit. Es ist merckwürdig, daß die Flüsse nicht mehr so viel Was-
ser zu haben scheinen als zuvor. Buffon hat die Meynung, daß die Sand-
wüsten von verwitterten Fels-Gebürgen entstanden sind. Denn der
Wind treibet öfters den Sand von den hohen Gebürgen über niedrige Ge-
genden oder umgekehrt z. E. In Britainen überschwemmet eine solche
Sandfluth einen ansehnlichen Theil des vesten Landes; so da«s»ß die Spit-
zen der Kirchthürme nur hervorragen, von den Dörfern die ehedem
bewohnt waren. In andern Ländern aber treibet der Wind den Sand
ins Meer und machet Untiefen, oder wohl gar neues Land.

/4) Durch das Meer. An einigen Küsten fällt das Meer, an andern aber
steigts. Ueber die Veränderungen, die der Sand des Meeres gegen die
Küsten erlitten, ist vormahls heftig gestritten worden, und ob es jetzt gleich
davon stille ist, so ists dennoch nicht ausgemacht. Hier theilen sich die Natürli-
chern in zwey Parteyen, die eine unter denen Celsius der erste ist, be-
hauptet, daß das Meer immer niedriger komme, sencke, vermindert
werde z. E. die Schweden. Die andere Parthey hingegen behauptet das
Gegentheil, daß es vielmehr steige. Beyder Gründe müssen wir näher un-
tersuchen.

/ 1. Parthey:

/|P_177

/1 Parthey. Daß das Meer sincke. Diese hat viele Gründe vor sich. Prof: Celsius
zu Upsal kam zuerst darauf. Er war von Stockholm an die See-Küste
von Gesex gereiset, wo er die im Hafen liegenden Felsen sahe, auf welchen
sich die Seeleute aufzuhalten pflegen; wovon diese Felsen auch Seehunds-
Steine genannt werden, und die man wegen ihres Fanges ordentlicher Wei-
se zu verpachten pflegt. Nun waren diese Steine vor vielen 100 Jahren ge-
messen, und jedem sein Theil abgetheilt worden, so waren sie auch in Bü-
chern abgezeichnet, und daraus ersah er den Unterschied ihrer Höhe über dem
Wasser von %etlichen 100 Jahren und fand daß die Höhe derselben zu seiner Zeit
weit beträchtlicher als vormahls war. Er setzte dadurch fest daß die Meere
in einem Jahrhundert 46 Zoll herrunter sincken. Nun kann man nicht
sagen, daß die Felsen mit der Zeit seyn empor erhoben worden, denn die-
se Steine sind vielzu groß, als daß man meynen sollte sie könnten
gehoben werden, es ist nicht einmahl eine«r» Eis-Scholle dieses zu thun im
Stande. Daher kann man anders nicht urtheilen, als daß das Meer müsse ge-
suncken seyn. Es kann aber an einer Küste nicht sincken, wo es nicht zugleich
an allen sincken sollte. Wenn wir nun in die alte Zeit zurückgehen und
zurückschließen, so werden wir finden, daß die jetzigen großen Felsen über dem
Meere, nur wie kleine Fels-Spitzen, müssen herrausgestanden haben. Es sind
zwey Inseln Oestland und Gothland. Die letzte liegt der Küste von Schweden Pa-
rallel, wenn man nach dieser Insel gehet: so findet man Strandrücken, dieses
sind Erhöhungen langer Hügel die vermuthlich vom Meer aufgeworfen sind.
Dergleichen sind dort 18 bis 20 welche denn anzeigen wie hoch die See vor Jah- 

/ ren

/δLage_X~

/|P_177R δZ_8f

/In 10 Jah-
ren 4_1/2 ~

/|P_178

/ren gestanden, wo es sich denn zeigt, daß sie ehemahls hoch gestanden, und nun tief in
die Länder herreingegangen sey. Erst sind die Strandrücken aufeinander ge-
spühlt, und nun fließt die See weit unten. Wir können unsere beyde Nährun-
gen auch als ein paar Strandrücken ansehen, die ehedem aufgeworfen, als das
Meer noch höher gewesen. Von diesem führt man etwas bedenckliches an, nehm-
lich daß %.anno 1170 der Westliche Sturm beynahe 20 bis 30 Jahr angehalten, und
diese Nährung aufgeworfen habe. Diesem wiederspricht aber ein gewisser
Alfredus. In Schweden findet man in den Felsen Hölen, die man Riesen-Töpfe
nennt und in jeder ein Stein mit abgestoßenen Ecken. Es müssen (wie die
Felsen weich gewesen) Steine eingesuncken seyn; durch die Bewegung des Was-
sers müssen sie sich in den Höhlen bewegt, also sie tiefer und weiter gemacht
und ihre Ecken abgestoßen haben. Jetzt kann die Höhle nicht mehr tiefer ge-
macht werden, weil der Felsen hart geworden. Es muß also die See erst so hoch
gewesen seyn. Der Reichs-Rath Dalin schrieb eine Geschichte von Schweden,
wo er aus alten Muthmaßungen behauptet, daß das Wasser des Bothnischen
Meerbusens vormahls über Finnland müsse gegangen seyn.

/Linaeus nimmt an, daß anfangs in der See nur eine einzige Insel gewesen
und zwar in der Zona_torrida unter dem Aequator darauf haben alle ver-
schiedne Arten von Thieren und Gewächse seyn können, weil darauf hohe
Gebürge gewesen auf welchen wegen der verschiednen Jahreszeiten und Cli-
maten sich alle Arten von Thiere haben aufhalten können, nehmlich in Ho-
hen Gegenden die Producte des kalten Clima. Diese Insel aber habe jähr-
lich durch das Anspielen der See neu Land gewonnen, so wie man in Goth-
land, Daland wahrnimmt, und so sey alles veste Land in der Folge vieler Jahr- 

/ hunderte

/|P_179

/hunderte durch das Anspielen der See entstanden. Allein dieses aus dem Meer,
hervorgekommene Land müsse flach und eben gewesen seyn, so wie alle auf
diese Art erzeugte Länder, man findet aber alle Länder der Erde voll hoher
Berge. Buffon meynet, die Meer-Ströhme, welche in dem weiten Gewäs-
ser, welches im Anfange die gantze Erde bedeckte, herschten, hatten die Un-
ebenheiten und Gebürge gemacht und das Meer habe sich nach und nach auf ei-
ne Art die ihm nicht genungsam erklährlich ist, zurückgezogen und diese Höhen
trocken gelassen auf solche Art sind nach und nach alle Berge hervorgekommen
die wir jetzt sehen. Dawieder aber hat Einwendungen gemacht Broval,
Euschachius. Manfredi diese behaupten das Gegentheil, letzterer sagt. Die
Ströhme führen immer Schlamm in die See. Das Bette erhöht sich also die See
muß also auch steigen. Das Argument von de«r»n See_Hund_Steinen ist noch un-
bestimmt. Boval will besonders das Maaß sich nicht belieben lassen, und das
ist auch war, es geht nehmlich zu, nimmt man es aber niedriger an, so kann es
immer angenommen werden. Boval hat unter andern noch folgende
Gründe, nehmlich, daß das Dänische Schloß alsdenn hätte müssen unter Was-
ser gestanden seyn. Er führt auch an, daß an den Küsten von Finnland Bäu-
me wachsen, die 5 Fuß hoch sind. Man kann ihr Alter wissen, wenn man
die Holtz-Anwüchse zählt, und man hat Bäume gefunden die 4 bis 600 Jahr
alt sind. Wenn man aber Linaeus seine Zahl annimmt, so hätten sie müssen un-
ter dem Wasser gewachsen seyn. Wir kommen jetzt zur zweyten Meynung

/2te Parthey. Diese behaupten gerade zu, daß das Meer unaufhörlich steigt.
Wir müssen auch von diesen die Historischen Beweise a«u»nführen. In Venedig

/ ist

/|P_180

/ist der Pallast St_Marci, ein altes Gebäude an diesem Pallast ist eine Marmorne
Treppe, von der man in die Gondeln steigen kann. Diese ist jetzt immer unter
Wasser. Nun sagt man der Pallast ist noch gerade so und nicht gesuncken, der
Baumeister wird ihn auch nicht so gebaut haben, daß er im Wasser zu stehen
kommt. Die See muß also gestiegen seyn.

/In Ravenna ist die Kirche des Theodosii_magni die zu Ende des 5ten Jahr-
hunderts erbaut wurde und noch in ihrem Glantze stehet. Im Adriatischen
Meer, welches nicht weit davon liegt ist Ebbe und Fluth; kommt nun die Zeit
der Fluth, so wird der Fußboden mit Wasser überschwemmt; folglich muß
das Adriatische Meer hoher gestiegen seyn. In der Gegend von Puzzolo
ist auf einer Art von Land-Spitze ein Tempel, entweder der Isis, oder
des Bachus. Bey diesem ist ein Vorhof dessen Säulen aus Granit bestehen,
die 5 oder 6 Fuß hoch sind. In diesen Säulen haben sich Foladen oder Beer-
Muscheln eingegraben. Diese bohren sich allmählig ein, wenn sie noch
klein sind, sie wachsen aber während diesem immer größer, und blei-
ben dann wegen ihrer Dicke in den gebohrten Löchern stecken. Nun ist
nicht glaublich, daß die Baumeister im Anfange solche durchlöcherte Stei-
ne hätten nehmen sollen. Hieraus ersiehet man, daß wie der Baumeis-
ter diese Säulen errichtete, so muß das Meer gefallen seyn, und denn erst
gestiegen, denn wie hätten sonst die Foladen dahin kommen können.
Es muß auch plötzlich gestiegen seyn, und viele Jahre in derselben Höhe
gestanden haben, weil die Foladen just in gleicher Höhe sich einbohrten.
Eine von den Gründen des allmähligen Steigens des Meeres war auch
die beobachtung an den Küsten von Holland. Die Holländer sind darin

/ einig

/|P_181

/einig, daß das Wasser an den Küsten von Holland immer allmählig steige obgleich
nicht in dem Quanto wie vorhin angeführt. Wenn das Wasser sehr steigen sollte, so wä-
re es für Holland eine traurige Sache, denn alsdenn würden alle Dämme nichts
helfen. Die Academie zu Harlem gab eine Preiß-Frage auf, ob das Meer-Was-
ser höher steige? und es wurde ein Praemium dazu ausgesetzt. Crupius ent-
warf seine Meinung hierüber. Luloff aber erhielt das Praemium. Dieser Pro-
fessor zu Leiden führt an, nach einer merckwürdigen alten Schrift eines ge-
wissen alten Ingenieurs, daß das Meer immer höher steige nach seiner Berech-
nung und es würde immer eine vergebliche Arbeit bleiben, Holland durch
Dämme vor dem Wasser zu sichern. Ob nun zwar Luloff selbst diese alte Be-
rechnung critisirt, um seinen Lands-Leuten einigen Trost zu geben, so kan
er sie doch nicht wiederlegen; sondern sagt nur, daß dazu Jahrhunderte erfor-
derlich wären.

/Was das vermeintliche Steigen des Meeres an den Küsten betrift, so kann
von solchen Ländern, die eine hinlängliche Abschüßigkeit haben nichts gewis-
sers bestimmt werden, aber wie Hollands Lage ist, so kann dies bey diesem
Lande eher geschehen. Daß am Adriatischen Meer und in Holland die See
steigt, kommt daher, weil Holland so wohl, als die Gegenden am Adriatischen
Meer gar noch keinen vesten Boden haben, sondern sumpfigt sind und daher
sincken die Länder, aber durch die vielen Canäle kann wohl der Boden mit
der Zeit ausgetrocknet werden.

/Wir können «m»nicht läugnen, daß das Meer die Ufer verlassen, aber das
Quantum ist jetzt sehr klein, und es scheint, daß das Sincken jetzo beynahe vol- 

/ endet

/|P_182

/endet sey. Ein gewisser holländischer Autor Martinet merckt in Ansehung Hol-
lands dieses an: die Mündung des Busens der Süder_See ist mit Inseln
besetzt. Die Länder an der Süder See sind mit Dämmen versehen, wo-
durch sie die See von niedrigen Gegenden abhalten, worauf sie die Vieh-
weide haben. Nun wäscht sich der Texel-Strohm immer breiter, und es
kommt immer mehr Wasser in die Süder-See. Nun darf man noch einmahl
bey der Fluth ein starcker Südwest-Wind blasen, so übersteigt sie gewiß
die Dämme. Diejenigen die ihre Länder an den Flüssen haben, wollen
nicht, daß die Ströhme etwas von ihren Ländern überschwemmen, sie set-
zen ihm daher Dämme. Diese halten den so sehr fruchtbaren Schlamm
ab, der sich auf den Boden setzt, daher die Ströhme nach und nach unschiff-
bar werden.

/Die gantze Schwührigkeit vom Steigen der See fällt weg, wenn wir be-
dencken, daß die Länder sich sencken, vornehmlich Länder deren Boden
von Ströhmen entstanden. So werden in Amsterdam Pfähle geschla-
gen, so lange bis sie an den Seegrund kommen, der von den Ströh-
men angesetzt ist. Die Holländer arbeiten mit dem grösten Fleiß da-
ran es zu trocknen, allein jemehr es trocknet desto mehr muß es sincken.
Daß der Tempel Theodosius keine Risse hat ist nicht ein Beweiß, daß
er nicht solte gesuncken seyn. Das Land ist also zusammengetrocknet,
aber die See nicht gestiegen. Wir ziehen daraus also diesen Schluß. Die
Meynung von dem allmähligen Steigen des Meeres findet nicht statt,

/ denn

/|P_183

/denn sie läßt sich blos durch das Sincken der Länder erklähren. Hingegen läßt
uns die Meynung von dem almähligen Sincken des Meeres auch noch viele
Scrupel zurück.

/Folgende Bemerckung giebt uns vieleicht davon eine Entwickelung. Ein ge-
wisser Obriste
nimmt an, daß Italien in der Mitte vormahls höher gewe-
sen sey wie jetzt und die Küste demnach niedriger. Die Römer aber waren
hierin sehr sorgfältig und trugen gantze große Berge ab, um das Land be-
quemer zu macken, dadurch aber entstand eine Birgung des gantzen
Italiens. Nun ists möglich, daß sich auf diese Art die Länder würcklich in et-
was verändern, nehmlich, daß einige höher steigen, die andern durch die Be-
wegung wieder fallen. Dadurch kann man sich dencken, daß an dem einen
Orte das veste Land, an dem andern Orte aber auch das Meer etwas sin-
cken könnte, folglich könnten wir noch nicht behaupten, daß von beyden
Seiten eine große Veränderung hierinne statt finde. Weil nun der See-
grund nicht so trocken ist, als das Land; so kann der Seegrund sincken. Wenn
nun das Land nicht zugleich mitsinckt, so bringt das eine Veränderung
des Meeres hervor. Nun läßt sich dies von den Ländern annehmen,
welche Seegrund haben, mithin kann an einigen Orten das Land und
der Seegrund zu gleicher Zeit sincken, und hieraus lassen sich diese
wiederstreitenden Muthmaßungen einiger maaßen erklähren.

/Veränderungen auf der Erde können auch geschehen.

/5) Durch Menschen. Diese trocknen Sümpfe und Morräste aus, setzen

/ dem

/|P_184

/dem Meer und den Flüssen Dämme, und machen dadurch trocken Land
wie am Ausfluß des Poo, des Rheins, und andrer Ströhme zu sehen ist. Hiedurch
wird die Witterung der Länder ansehnlich verändert.

/ ≥ Denckmahle der Veränderungen welche die Erde in altesten Zeiten
ausgestanden. ≤

/Was die Geschichte der Erde von ältesten Zeiten her betrift, so müssen wir
heilige Bücher um Rath fragen. Diese lehren uns, daß die Erde ein Produkt
der unmittelbaren Schöpfung Gottes sey, und die Veränderungen der Er-
de blos Strafen gewesen. Die Sündfluth wird als eine bloße Ueber-
schwemmung beschrieben, nicht aber als eine Ursache der Veränderun-
gen und devastation. Scheuchtzer und viele andere Naturforscher wählen
diesen Weg und schreiben die Merckmahle aller Veränderungen der
Sündfluth zu, allein sie beweisen dadurch eine Schlechte Vernunft. Denn
die Sündfluth ist erstlich eine gar zu kurtze Zeit über der Erde gewesen,
als daß sie solche große Veränderungen der Erde hätte zu Wege brin-
gen können, zudem sind auch alle Veränderungen nach und nach
entstanden. Man nennt eine phisicalische Erklährung der Revolu-
tionen eine Theorie der Erde; allein diese Sache wird vieleicht ein un-
erforschliches Räthsel seyn. Weil wir hierin so schlecht fortkommen so wol-
len wir nur die Momente anführen. Ein jeder sucht seinen Weg und hat
ein System erfunden, es kommt aber oft eine Beobachtung die dieselbe
wieder über den Haufen wirft. Es sind 2 Haupt-Begriffe die man bey

/ diesen

/|P_185

/diesen Haupt_Revolutionen hat. Entweder sind die Revolutionen, a) Vulcani-
schen
Ursprungs, oder b) Reptanischen i, e, dilusianischen Ursprungs.

/Sie sollen also erstens entstehen von Feuerspeyenden Bergen, daß sie gewesen
sind ist unstreitig; daß sie aber die Ursache von allen diesen großen Verände-
rungen seyn sollen, wird bestritten, denn in dem innern der Gebürge findt
man davon keine Spuhr, so daß zweytens das Wasser die Ursache zu seyn
schei«m»nt. Es ist aber noch keine Regel zu finden, wie im Wasser die Schichten
so haben entstehen können und zwar genau übereinander gelegt, nicht in
Proportion ihrer specifischen Schwere, denn oft findet man Marmor Höh-
len über Sandschichten. Von der Ordnung kann man also keine Regel
geben. Indes darf man noch nicht alle Hofnung hiebey aufgeben. Es sind
nur wenige Jahre, daß man sich auf diese Erdschichten zu legen angefangen.

/Die Theorie die die Chimici und Mineralogen annehmen ist Folgende.
Daß aller Kalck und Kreide, anfänglich nichts gewesen als Schaal-Thiere
der See, welche also eher gewesen, als alle Kalck-Gebürge. Ferner aller
Thon wird für nichts weiter gehalten, als für die durch die Gewächse zerstöhr-
te und aufgelöste Erde. Hieraus erhellet was das für Zeit muß gewesen
seyn, da so viele Strata entstanden sind, zu geschweige der Absonderung
der Länder von einander, die vorher in Gemeinschaft gewesen, aber durch
Revolutionen getrennt seyn müßen.

/Es frägt sich ob auch diese Revolutiones die ganze Erde allgemein betroffen?
Es ist nicht zu glauben, denn es muste so geschehen seyn, daß wenn ein Welttheil da-
mit betroffen wurde, so war es an dem andern Orte nicht. Betraf es nun den

/ Zeitpunkt

/δLage_Y~

/|P_185R δZ_11-14

/Sandstein
zuerst
darunter
Kalck denn
am tiefsten
Steinkohlen. ~

/|P_186

/Zeitpunct da schon Menschen waren, so müßten die Verwandlungen langsam
vor sich gehen, und die Menschen hatten denn Zeit sich zu retiriren, aber glaublich
ists nun wohl, daß damahls noch keine Menschen waren. Diesen Zustand nennt
man Chaos und vieleicht können wir die Arten der Revolutionen entwer-
fen. 1) Die Erde muß in ihrem ältesten Zustande flüßig gewesen seyn, bis
eine Ordnung durch die specifische Schwere statt fand. Das beweiset die Fi-
gur der Erde, die Bildung der Flußwege durch Felsen. Wir können auch
keine Materie auf der gantzen Erde finden die nicht solte flüßig gewe-
sen seyn. Es ist aber diese Flüßigkeit der Erde nicht durch Feuer erreget
worden, weil man in der Erde keine Spuhr von Vulcanen findet; sondern
durch Wasser. Auf der Oberfläche scheint es, daß die Erde zuerst trocken gewor-
den, und durch die Luft die in der Erde verschlossen gewesen seyn, und
durch die Austrocknung befreyt ist, ist almählig die Atmosphère gebil-
det worden. Wenn man im Anfang die Atmosphaere sehr groß annimmt
so hat die Sonne entweder nicht durchscheinen können oder ihre Strahlen
sind doch unkräftig gewesen; dadurch sind alle Climate gleich geworden;
es haben allso alle Thiere und Pflanzen auf dem gantzen Erdboden
gleich gut leben können, jemehr nun sich diese Atmospaere vermindert,
jemehr sind die Climate in der Zona torrida wärmer geworden, daher
die Thiere, die die Kälte nicht aushalten können (da nun die natürliche
Wärme der Erde erkältet) in den kalten Climaten gestorben, wo man
auch noch jetzt ihre Knochen findet. Es ist aber zu glauben, daß im Innwendi-
gen der Erde noch die Flüßigen mit den vesten Theilen vermenget seyn i, e,

/ daß

/|P_187

/daß sie im Centro noch flüßig ist. Sie hat allso noch viele Jahrhunderte zu stehen,
bevor sie alle Flüßigkeit abgelegt, und ihre völlige Verhärtung, (wenn aus
ihr keine Dünste mehr aufsteigen werden können) wird vieleicht den
Untergang der Erde verursachen. Weil nun der Mittelpunct der Erde jetzt
noch flüßig seyn muß, so lassen sich noch immer elastische Materien gedencken,
die in die Höhe gehen, und dadurch können wir leicht das Entstehen der Erd-
beben und der Feuerspeyenden Berge erklähren, denn es ist ohnstreitig
dadurch richtig, daß in der Mitte der Erde noch keine festgesetzte Ruhe statt
finden kann, welches man an der Magnet-Nadel gewahr wird, und selbst
unsere jetzige Witterung in Ansehung ihrer Veränderlichkeit scheint schon
etwas davon anzuzeigen, denn überhaupt hat nichts auf die Witterung ei-
nen Einfluß als die innern Ursachen in der Erde, und ausserhalb dersel-
ben Sonne und Mond.

/2) Es muß in dem alten Zustande auch warm gewesen seyn die Erde. Sie
muß nun innere Wärme gehabt haben. Die Sonne aber dringt nicht bis
ins innere der Erde, gleichwohl war sie flüßig und ohne Wärme ist keine
Flüßigkeit. Daß eine Wärme gewesen, ist aus diesen Umständen zu
sehen. Man findet in Siberien Knochen von Elephanten und jetzt ist die
Gegend gefroren. Sie muß also da ihre Wärme verlohren haben. Die
Wärme aber kann nicht von der Sonne hergekommen seyn, weil sie
nicht bis ins innere der Erde dringen kann, diese Wärme unabhängig
von der Sonne, muß der Zustand gewesen seyn, da die Erde sich bildete. Es
ist keine Kühnheit oder Vermessenheit so weit herraus zu gehen; sondern wohl

/ eher

/|P_188

/eher das eigentliche Geschäfte der Vernunft. Das Meer ist das Wasser wel-
ches von den Körpern schied, da sie vester wurden. Damahls ist der Zustand der
Cometischen Atmosphaere gewesen, da hat die Sonne zwar Licht gegeben,
aber nicht Wärme, wegen der vielen Dünste. Mithin muß die Wärme
von der Erde hergekommen seyn. Da ist kein Unterschied der Climaten
gewesen Gewächse und Thiere sind auf der gantzen Erde gewesen. In
der folgenden Zeit hat die Hitze nachgelassen, die Luft ihre ausspa«m»n-
nende Luft verlohren, und folglich sich zurück gezogen, sich vermindert,
bis aufs jetzige Maaß. Nun entstand der Unterschied der Climaten.

/3) Es ist glaublich, daß die Erde in ihrem gantzen Maaße kleiner gewor-
den, denn in der Wärme war sie aufgeblehet, da diese sich verlohr, so
hörte auch die ausspannende Kraft auf.

/4) Das Meer muß ehedem die gantze Erde bedeckt haben an allen Orten.
Man findet daher auf den Spitzen der Berge große Haufen von See-
Muscheln und andere Merckmahle des ehemahligen Meer-Grundes. In
Franckreich bey Thorein ist ein Strich Landes der 9 frantzösische Quadrat-
Meilen in sich begrif in welchem unter einer kleinen Bedeckung von
Erde eine Schichte von Seemuscheln angetroffen wird die 20 Fuß dick
ist. Auf allen Bergen in der Welt, auf allen Inseln hat man dieses ge-
funden und sie beweisen genugsam, daß die See alles veste Land be-
deckt habe, nur in den Cordilaeren hat man sie noch nicht gefunden, weil
diese aber die allersteilsten von allen Bergen sind, so wird der Schlamm
der von den Gebürgen durch Regen und Gußbäche abgeschwemmt worden,
längst die Muschel-Schichten mit einer sehr dicken Leim-Schichte, die man

/ da

/|P_189

/da allenthalben findet, bedeckt haben.. Man findet da aber andere Seethiere verstei-
nert, oder in Stein abgeformet, allenthalben da mitten in dem Gesteine, daraus
die «B»Gebürge bestehen. Es giebt darinnen häufig Schlangen_Zungen, oder ver-
steinerne Zähne vom Heu-Fisch, das Horn des Narwalds, Knochen von Wallfi-
schen, Theile von versteinerten See-Insecten.
Man findet jetzt verschiedne
Thiere nicht mehr, die verhero häufig gewesen dergleichen die, die man in den
Naturbüchern von der Größe eines Sandkorns bis zur Größe einer Hand
bemerckt findet; im Meer aber noch nie gefunden. So findet man auch ver-
steinerte Pflantzen und versteinerte Fische; Es ist aber besonders, daß es in
dem Stein da nicht Hohl, wo der Fisch erhaben; sondern wo das Versteinerte
Thier erhaben gewesen, ist auch der Stein erhaben. Degleichen Ueberbleib-
sel von Thieren, die man auf den Bergen findet, sind in allen Ländern, doch
oft so, daß man Mühe hat zu errathen, von welchem Thier sie herkommen
müßen. Buffon beschreibt ein Thier dessen übrig gebliebene Backenzähne
7 %Pfund wiegen, da doch die Elephanten_Zähne nur ein %Pfund kaum wiegen. Man
will auch Menschen-Knochen versteinert gefunden haben, welches aber sehr
unzuverläßig weil man nie in solchen Versteinerungen nur die schlechtes-
ten Ueberbleibsel von Menschlicher Kunst angetroffen. Auf dem Fichtel-
Berge findet man eine Höhle die von lauter Knochen ist, und die deshalb
die Knochen-Höhle heißt, welches vermuthlich erst Thiere gewesen, die
durchs Wasser hingebracht und daselbst verfault sind, und da nun die Thieres-
Knochen nicht mehr die gantze Höhle haben ausfüllen können, so ist der
Raum zwischen der Decke hohl geworden. - Ferner wird man zum grös-
ten Erstaunen gebracht, wenn man sieht wie diese Thiere in der Erde ge- 

/ funden

/|P_190

/funden werden, und zwar in einem gantz andern Clima als wo sie eigent-
lich hin gehören z. E. Man hat im Hartz-Gebürge den Rhinoceros und Croco-
dillen gefunden, an den Ufern der Donau eine ungeheuere Menge
Elephanten. Dergleichen in Siberien Rhinoceros und Elephanten. Von den
Letztern ist nun wohl zu sehen, daß sie damahls mit dem Strohm sind fortge-
führt, als er erst seine Ufer bildete, denn die Elephanten kamen dann mit
dem Schlamm herrein, da noch der alte Strohm floß. Ströhme führen die Thie-
re «¿»mit sich, und werfen sie dann an «s»die Seite, dies ist natürlich und geschieht
vermittelst der Hydraulischen-Gesetze. Hieraus kann man urtheilen,
daß weit mehrere Elephanten jetzt in der Erde stecken, als auf der Erde
zu finden sind. Ferner sind in der Gestallt der Gebürge Beweise vom vo-
rigen Aufenthalt der See über dem vesten Lande zu finden. Das zwischen
2 Reihen von Gebürgen sich schlingende Thal ist dem Schlauch eines Flußes,
oder dem Canal eines Meerstrohms ähnlich. Die beyderseitigen Höhen lau-
fen wie die Ufer der Flüsse einander parallel, so daß der ausspringen-
de Winckel des einen dem einstehenden Winckel des andern gegenüber
stehet. Dieß beweiset daß die Ebbe und Fluth auf dem Grentzenlosen Meer,
welches die gantze Erde bedecket, eben so wohl Meer-Ströhme gemacht ha-
ben als jetzt im Ocean, und daß diese zwischen den Reihen von Gebürgen
sich ordentliche Canaele ausgehöhlet und zubereitet haben. Alles dieses zeigt
von einer erstaunlichen Revolution und weit und breite Ueberschwem-
mungen. Ferner finden wir

/5) gewisse Beweisthümer, daß die Erde vorhin eine gantz andere Gestatlt «h»ge-
habt haben müsse. Man nehme nehmlich die Inseln im weitentlegnen Südmeer

/ wo

/|P_191

/wo sind die Menschen dahin gekommen? zE in Outaheite sind Menschen, die noch
nicht das geringste von ihren Nachbarn auf den Societaets-Inseln wissen, da doch
letztere ebenfalls die Outaheitische Sprache reden. Wie sind die Menschen so
entsetzlich verstreut worden. Sollten diese Länder nicht vormahls zusammen-
gehangen haben z. E. in in Nord-America findet man die Thiere, welche man in
dem Nord-Ost-Theil von Asien findet, und jetzt ist doch ein so großes Meer zwi-
schen ihnen. Ueberhaupt bleibt uns der Zustand, in welchen sich die Menschen so
verbreiten konnten, noch stets Räthselhaft, denn diese Menschen hatten
ja keine Schiffe, mit welchen sie im Stande gewesen wären solche Seerei-
sen zu thun und wie sind die Thiere z. E. von Outaheite und den Societaets-
Inseln gekommen? Dieser vorige Zustand der Erde, muß also gantz anders
gewesen seyn, als der jetzige. America hat eine Menge Thiere die die al-
te Welt gehabt hat, gar nicht, bis sie endlich die Europäer hingebracht z. E.
Pferde etct: aber Camele Elephanten, Cameloparde, welches letztere eine er-
staunende Höhe hat, so daß wenn einer auf einem kleinen Pferde reitet, ihm
unter seinen Füßen wegreiten kann, da es über dies im Stande ist, den Gip-
fel eines ansehnlichen Baumes abzufressen. Der Oio-Strohm fällt südwärts
in den Mississippi, aber wo dieser Strohm entspringt, findet man an den
Ufern Knochen von Elephanten und von dem Camelopard, die sonst gar
nicht in Westindien angetroffen werden. Desgleichen findet man in un-
sern Ländern Pflantzen Abdrücke, die sonst gar nicht angetroffen werden
an einem andern Orte, als an dem Indischen Meer; also auch die Inndischen
See-Muscheln, die man im Schweitzer-Gebürge findet. Dieses alles zeigt von

/ einer

/|P_192

/einer großen Ueberschwemmung wie wir schon pag 196 davon erwähnung
gethan.

/ ≥ VIIItes Hauptstück von der Schiffahrt. ≤

/Die Land-Reisen haben allerwärts abgenommen; Die See-Reisen
aber sind noch immer gewöhnlich. Die Schiffahrt interessirt also den Seefahrer
sehr. Wir betrachten

/ ≥ I Die Schiffe.

/Dabey Folgendes zu bemercken. ≤

/a) Der Hintertheil des Schiffes ist breiter, als sein Vordertheil, aber nur bey klei-
nen, bey großen Schiffen hingegen ist der Vordertheil breiter. Der Breite
nach betrachtet, ist es oben gantz glatt, unten aber zugespitzt. Kiel nennen
die Schiffer dasjenige Stück-Holtz, welches auf dem Boden des Schiffes nach
seiner gantzen Länge gelegt ist. Die Ursache von dieser Figur ist unbe-
kannt, und warum man nicht eine Figur gewählt hat die vorne eben so
als hinten zugespitzt, und in der Mitte bauchigt ist, weil man alsdenn mehr
Raum zur Ladung hätte, weiß man nicht. Allein die Erfahrung lehret, daß
die gegenwärtige Bauart der Schiffe bew«¿»äh«n»rter und vortheilhafter ist. Die
Ursache welche die Schiffs-Zimmerleute von dieser angenommnen Figur
angeben, weil nehmlich die Enten und andere schwimmende Thiere vorne
breit und hinten schmall zu gehen, ist nicht hinreichend.

/b) Der Mast stehet um den 16ten Theil der Länge des Schiffs, mehr nach dem
Vordertheil, als nach dem Hintertheil, damit sich das Schiff nicht so leicht umdre-
hen könne.

/ ≥ Von Betrachtung Derselben. ≤

/Hiebey ist dies in acht zu nehmen, das Centrum der Schwere des Schiffs mit

/ allen

/|P_193

/allen seinen Lasten muß unter dem Wasser seyn, den es ist bestrebt den niedrigsten
Theil einzunehmen. Wiegen die Lasten viel, so kommt das Centrum tief zu liegen.
Ist die Ladung tief, so ist das Schiff steif, und kommen dann starcke Windstöße, so
schlägt das Schiff mit Gewalt zurück, so daß es durch diese Schleuderung in Gefahr ist,
seinen Masten zu verliehren, welches schon eine große Gefahr ist. Ist dagegen
aber das Centrum der Schwere nicht niedrig genung, und nahe dem Centro der
Größe, so ists gar zu biegsam und in Gefahr umzuschlagen. Wenn z. E. das Schiff
mit Wolle geladen ist. Wenn aber es mit Metall, als z. E. mit Kanonen befrach-
tet ist, so erfolgt oft das erste. Ueberhaupt scheint noch beym Bau der Schiffe
etwas zu stecken, was man noch nicht recht weiß. Bisweilen werden 2 Schiffe
nach einerley Modell und einerley Holtz gebaut und dennoch seegeln beyde
nicht gleich gut. Oft ist ein kleiner Umstand daran Schuld. Die Größe des Schif-
fes wird durch die Ladung, die es einnehmen kann, und diese wiederum
durch Lasten bestimmt. Eine Last hält 12 Tonnen eine Tonne aber 2.000 %Pfund.
Von den Gewöhnlichsten, die von uns nach Stockholm fahren enthalten 40 Last,
von den Ostindischen aber öfters 100 Last. Der gröste Ostindienfahrer ist von
800 Last. Die Grösten ehemaligen Portugisischen Charaquen stiegen bis
1200 Last, die man aber jetzt nicht mehr aufweisen kann. Die Ladung
für ein neu gebautes Schiff wird auf folgende Art bestimmt. Man rechnet
den innwendigen Raum des Schiffes und das Gewicht des Wassers, welches
darin Raum hat, aus, und nimmt davon die Hälfte zum Gewicht der La-
dung. Allein weil das Schiff keine regulative Figur hat, so kann der Raum
des Schiffes nicht genau bestimmt werden, indessen ist den Schiffern sehr daran

/ gelegen

/|P_194

/gelegen, es zu wissen, indem das Schiff, wenn es seinen Schwerpunkt
gar zu tief im Boden (ist) hat, gar zu steif, und bey dem Schleudern des
Schiffes, entweder bey großen Winden oder der hohlen See, leicht den
Mastbaum verliehren kann, wenn es aber gar zu hoch geladen ist, durch eine
Kleinigkeit umküppen kann. Es muß bey einem Schiff sehr wohl das Cen-
trum magnitudinis vom Centro gravitatis unterschieden werden. Wenn
das Letztere bey Ladung der Artillerie gar zu tief im Schiff liegt, so kann
es es nicht so leicht gedrehet werden, geht es aber wegen Leichtigkeit der
Ladung, z. E. Korn, Flachs, dicht an, aber gar über das Centrum magnitu-
dinis, so küppet es um. Dahero macht man, ehe man ein Schiff bauet, ein
Modell von demselben, nach dem verjüngten Maaßstabe, beladet es nach
der gewöhnlichen Tiefe, und läßt es auf ein Gefäß mit Wasser schwim-
men, wornach man denn Verhältnißmäßig die Ladung des großen Schiffs
bestimmt. Sonst ist zu mercken, daß der Schiffbau, so wie die Urmacher-Kunst,
nicht unter gewisse Regeln gebracht werden kann; sondern es hier ledig-
lich auf das Glück ankommt.

/ ≥ Von dem Seegeln der Schiffe. ≤

/Was das Seegeln der Schiffe betrift, so scheint es wohl anfangs einerley zu
seyn, ob man in dem Wasser das Schiff mit Oehl beschmiere, oder platt
mache, weil das Wasser schlüpfrig ist; allein sind die Schiffe bestrichen
mit Fett, Oehl so laufen sie weit schneller als ordinair. Die Indianer
in den Moluccischen, hauptsächlich in den Latronischen Inseln, haben
ein Fahrzeug, welches besonders ausgenommen ist. Es ist also gebauet,

/ daß

/|P_195

/daß sie nicht mit dem gantzen Winde fahren, sondern das Schiff seegelt im-
mer neben dem Winde, und es wird durch seine eigene Bauart gehalten,
daß es nicht umfällt. Man hat kein Fahrzeug, was im Seegeln eine solche
Schnelligkeit hätte, als dieses. Da aber ihre Inseln just von Osten nach
Westen liegen, so segeln sie gerade neben dem Winde. Sie stellen einen
halben kahn vor, und auch nur von der einen Seite einen Krantz, von
der andern aber einen Ausleger, welcher von leichtem Bambos_Rohr
geflochten, und hinten gleichsam mit einem Kopfe eingefaßt ist. An der
Mitte des halben Kahns hat es den Mast-Baum, und der Ausleger
schwimmt auf dem Wasser. Bey den Fahrzeugen, auf den Latroni-
schen und einigen andern Inseln ist noch Folgendes zu mercken. Sie
können deswegen nicht mit einem gantzen Winde fahren, sondern
nur neben dem Winde, weil dieselben vorn und hinten gleich spitzig
sind. Weil aber dorten der Wind entweder Nord-Ost oder Süd-Ost ist, so
können sie dieselben fast beständig gebrauchen, um von der einen
Insel zu der andern zu fahren. Wenn der Seiten_Wind den Ausleger
etwas in die Höhe treibt, so treten die Indianer auf denselben, wo-
durch das Fahrzeug, (welches sie die fliegende Prora nennen) wieder-
um ins Gleichgewicht kommt. Sonsten sind diese Fahrzeuge die Geschwin-
desten, die man noch kennt, und wenigstens noch 3_mahl schneller, als
die Geschwindesten von den Unsrigen laufen. Dahero man auch in
Engelland die Probe gemacht hat, sie nachzumachen.

/ Von

/|P_196

/ ≥ Von der Kunst zu Schiffen, oder die Schiffahrt selbst.
/I Von den Versorgungen eines Schiffers. ≤

/1) Ehe er auf die See gehet. Dahin gehöret Folgendes: er muß einen Qua-
dranten haben, er muß auch Tubos haben, und zwar nicht nur auf der Er-
de; sondern auch Himmels-Tubos, um theils die Lage der Sterne, theils auch
die Verfinsterungen des Jupiters, des Mondes zu bemercken. Nun hat man
einen Schifs-Stuhl, der sich gar nicht schwencket bey der Bewegung der Schif-
fe. Man hat auch Nacht-Tubos, die zu Lande gar nicht zu gebrauchen, aber
auf der See dieses veranlassen. Wenn der Schiffer dieses weiß, daß kein
Land ist, und er dadurch weiß, daß ihm etwas vorsteht, so hats doch seinen Nut-
zen. Ist es etwa ein Vorgebürge, oder ein Schiff so müssen sie sich hüten.

/2) Auf dem Schiff sich selbst erhalten. Dahin gehören folgende Sachen, mit
denen der Schiffer sich zu versorgen. 1) Die Ventilatores. Zuerst wurden
die Hallischen gebraucht, welche durch Pumpen getrieben wurden, aber
man fand @houtons@, welche durchs Feuer die alte Luft aus dem Schiff her-
rausläßt, und frische herreinbringt. Sonst pflegen sie auch die Unter-
lassung dieser Anstalten so zu ersetzen, daß sie die Matrosen hoch steigen
lassen, und andere Motiones Ihnen verschaffen. Die Luft muß allso in
Circulation gebracht werden, weil das stehen Derselben, wegen der Aus-
dünstungen der Menschen, die sich auf demselben befinden, der Gesund-
heit sehr nachtheilig ist, wie sich denn auch in den Stiften Schuhlen ect: hie-
durch sehr viele Arten von Kranckheiten ausbreiten.

/ 3)

/|P_197

/3) Proviant, es ist aber schwer, auf langen Reisen von Jahren mit Brodt sich zu
versorgen, auch Fleisch zu erhalten, maaßen das Saltz das nahrhafte her-
rauszieht. Es würde von großem Nutzen seyn getrocknete Kräuter zu neh-
men. Man sollte auch Fässer mit Frischem Wasser mitnehmen. Nun aber
hat man die Methode, durchs Distiliren frisches Wasser zu bekommen, es
ist nur schlimm daß viele Kohlen dazu gehören.

/Der Scorbut ist eine schlimme See-Kranckheit, er wird verursacht durch die
Schädlichkeit der See-Luft, welche nicht mit der Ausdünstung des Landes
übereinkommt. Die 3 ohnfehlbaren Mittel dawieder, die schon oben ange-
führet, sind diese. 1 Kockus-Milch. 2 Maltz-Tranck, man nimmt nehmlich
auf 3 %Pfund Maltz 6 %Pfund Wasser, läst es 5 Stunden stehen und trinckt es. Aus dem
Maltz befreyt sich viele Fixe-Luft, die sich dem Wasser impraeguieret.
Das geräth im Magen in Gährung, befreyt die Fixe Luft, und diese ver-
hindert die Fäulniß des Bluths. Das 3te Mittel, welches jetziger Zeit be-
sonders in Engelland sehr gebraucht wird, ist das Sauerkraut, vermuthlich
deswegen, weil die Fäulniß etwas aleatisches bey sich führt, die Säure
aber dem Aleato hinderlich ist, mithin den Menschen vor der Fäulniß
bewahret, auch wegen der großen Fixen-Luft, die darinnen ist, welches
aber für schwächliche Persohnen eben nicht viel taugt. Es giebt auch eine
Art von Faulen oder Kercker_Fieber, welche von andern darinnen un-
terschieden sind, daß bey den Erstern der Puls schneller aber leiser, bey
den Letztern auch schnell aber sehr starck schläget. Im erstern Fall ist
der Wein sehr dienlich, im andern aber sehr schädlich, welches auch bey den

/ Kinder- 

/|P_198

/Kinderblattern zum Ausschlagen ein sehr nützliches Mittel ist. Es handeln da-
hero die Medici sehr unrecht, welche allen die am Fieber liegen ohne Unter-
schied den Wein verbieten wollen. Sonst muß der Seefahrer sich auch
versorgen
mit Artzeneyen und zwar sonderlich mit der China, oder Fieber-Rinde. Am
Senegal und Ganges essen sie China wie Brodt. Die Versorgungen mit denen
ein Schiffer theils zur Vertheidigung der Feinde, theils zum Handel sich zu ver-
sehen hat, übergehen wir und betrachten.

/ ≥ II Die Direction des Schiffes.
oder worauf der Schiffer bey der Schiffahrt acht zu geben hat. ≤

/I Vorläufig was er kennen und besitzen muß.

/a) Er muß die Navigation selbst kennen. Die Cours bestimmen, Ancker zu
werfen, zu wenden.

/b) Er muß die verschiednen Winde kennen, die Passat (oder abwechseln-
den Winde) auch die Moussons (oder beständigen Winde) daß innerhalb
dem Wende-Circkel die %.Oestlichen ferner bis zum 30sten Grad der Breite
die Westlichen Passat-Winde wehen.

/c) Er muß gnungsame Charten von der Beschaffenheit des Bodens und
dem Prospect der Küsten haben, wie dieselben erscheinen von allen
Gegenden, damit man sich vergewissern könne, ob es die Küste ist,
die man meynet. Dergleichen Schiffbücher muß er haben und den Pros-
pect vergleichen.

/d) Er muß Instrumente haben die Tiefe des Meeres zu messen. Nimmt die-
se Tiefe des Meeres ab, so ist es schon ein kennzeichen, daß eine Banck,
oder ein Fels da ist. Er muß allso die Beschaffenheit des Ancker_Grunds wissen.

/ II Was

/|P_199

/II Was die Schiffer eigentlich bey der Schiffahrt nöthig hat ist.

/a) Daß er die Weltgegenden allezeit genau wisse zu bestimmen. In al-
ten Zeiten war solches in Finsterer Nacht nicht möglich. Das Mittel jetzt da-
zu zu kommen, ist der Compas welcher an der Decke der Cajute befestigt ist
an 2 Balanciers, damit er Horizontal bleibe, er zeigt jederzeit nach Nor-
den, doch mit einigen Abweichungen, die man aber auch schon kennt. Wie
aber die Alten ohne Compas haben große Reisen thun können, ist schwer
zu begreifen. Sie dauerten aber auch sehr lange. Man fuhr auch immer
dicht an den Küsten, denn verlohr man dieselben, so wuste man zur Nacht-
zeit nicht, wo das Land sey. Einiger Mittel bedienten sie sich doch. Man ließ
einen Falcken fliegen, der sehr hoch fliegt und diesem, weil er die Witte-
rung des Landes merckte, fuhr man nach. Die Erfindung des Compasses a-
ber machts uns möglich die Küsten zu verlassen.

/b) Muß der Schiffer wissen, nach welchen Gegenden er sein Schiff zu richten
habe in einem weiten Meer mit einem gegebenen Winde um an ei-
nen begehrten Ort zu kommen z. E. Ich will nach Dantzig, so muß ich wis-
sen, wo es liegt, nehmlich West-Südwärts, da fährt man nun und kommt auch
hin. Er muß die Weite nebst der Richtung seines Weges wissen aus der See-
Charte, vermittelst des abgezeichneten Compasses, welcher auf derselben
mit 32 Strichen, die, die Weltgegenden anzeigen, befindlich ist, allein da-
bey ist Folgendes zu bemercken, bey weit entlegnen Orten, geht dieses
nicht an. Die Gegend nach welcher hin ihm der Ort lieget, er fortseegelt, ist
nicht immer die Richtung, die, die Schiffe nehmen müssen, dieses geschiehet
nur, wenn beyde Oerter von wo, und wohin er seegelt, unter einem Aequator

/ oder

/|P_200

/oder Meridiano liegen, denn wenn z. E. jemand aus Lissabon nach den Küsten
von Brasilien oder Amazonen_Strohm fährt, und er will continuirlich fah-
ren, wie ihm der Ort gelegen da er in Lissabon war, so kommt er nicht hin.
Die Ursache ist, die Erde ist rund, dahero folget und geschieht es, daß die Kürt-
zeste Linie, die aus Lissabon nach dem Amazonen_Strohm gezogen wer-
den kann, nicht immer in einerley Winckel die Meridianos durchschnei-
det, mithin nicht immer nach einer Gegend hingerichtet ist. Wenn er also nach
der Gegend, nach welcher der Anfang dieser krummen Linie hinzielet,
immer fortfahren sollte, so würde er niemahls den Ort, wo er hin will er-
reichen. Weil der Schiffer allso von Lissabon nach dem Amazonen_Strohm
nicht gerade zu fahren kann, so sucht er allso den Rum, dieses ist ein Schifs-
Terminus, den er zu fahren hat. Liegen die Oerter beym Aequator, bey
einerley Meridian, so hat er keinen Rum nöthig, sonst muß er aber ei-
nen andern Cours nehmen.

/Es muß auch noch ein Schiffer den Rhambum zu bestimmen wissen wel-
ches diejenige Tour ist, die ein Schiffer nehmen muß, wenn er nach einem Orte
welches ausserhalb dem Meridian des Orts von welchem er ausgefahren, lie-
get. Denn es giebt nur 2 Fälle, vermöge welcher er nach einer Gegend und
Richtung von dem Orte, von wo er ausfährt, bis zu demjenigen, wohin er fährt
reisen kann, nehmlich wenn beyde Oerter unter dem Aequator, oder unter
einem Meridian liegen. Alsdenn kann er im ersten Fall nach Osten oder
Westen, im andern aber nach Norden oder Süden fahren. Wenn aber der Ort
ausser bemeldeten Linien lieget, so kann er zwar im Anfange nach der Ge-
gend, wo der Ort zu liegt fahren, muß aber, weil ein jeder Weg den man auf

/ der

/|P_201

/der zurücklegt, ein Bogen ist, dieser aber aus unendlich vielen geraden Lini-
en, die immer eine andere Richtung nehmen, besteht, darüber der Strich, wel-
chen er nach einer Gegend nimmt, als eine gerade Linie consideriret werden
kann, seinen Cours beständig, und zwar durch die Schiffs-Rose, welches der zu
Seefahrten verfertigte See-Compass ist, corrigiren, und dies betrift seine
Mathematische Wissenschaft. Das gröste Problem des Schiffers ist, die Breite
und Länge des Orts, wo er sich aufhält zu wissen, aus der Höhe der Sonne,
oder eines Sternes, vermittelst des Quadranten mit welchem er zur Mit-
tagszeit, Observationes anstellt, und vermittelst derjenigen Zeit, da die Höhe
der Sonne aufhört, mercklich zuzunehmen, und anfängt, abzunehmen.

/1) Die Breite des Orts oder Pol-Höhe, dieselbe wird leicht gefunden, indem er
sich dazu eines Quadranten bedienet. Er bedienet sich auch des Tages der Son-
nen Uhr, des Nachts aber der Sterne.

/2) Die Länge des Orts; Dies ist viel schwerer zu bestimmen, weil man in
jedem Horizont einen andern Himmel bekommt. Sie ist die Entfernung des
ersten Meridians von einem Orte vom ersten Meridian, oder die Entfer-
nung der Oerter von einander nach Osten und Westen. Der Unterschied der
Oerter von Westen nach Osten, ist die Länge eines Orts. Aber der Unter-
schied der Entfernung von Norden nach Süden ist die Breite eines Orts,
wie viel ich mehr Östlich oder Westlich gekommen bin. Der Unterschied
der Breite macht keine Schwührigkeit; aber wohl die Länge. Dies ist das
Problema longitudinis maris. In Engelland schwärmen noch große Köpfe

/ davon

/δLage_AA

/|P_202

/davon, denn an demselben Tage ändert sich die Stellung des Himmels, wenn
man gegen Süden fährt. Der Polar Stern kommt unter dem Horizont, und
die Sonne zur Zeit des Aequinoctii über dem Kopf zu stehen. Jene läßt
sich durch Astronomische Beobachtungen erkennen, dies aber nicht. Die Mit-
tel die Magnitudinem loci zu bestimmen ist zweyfach.

/a) Das Mechanische Mittel ist dieses: daß man immer continuirlich seinen
Weg misset. Man hat dazu ein Instrument. Er muß also die Länge sei-
ner Farth und die Weite seines Weges, den er zurückgelegt, determini-
ren können, welches durch das Loot geschiehet, so ein höltzerner Trian-
gel ist, an welchem eine Bleyerne Kugel und daneben ein langes
Seil befestigt ist. Wenn man den Weg gefunden, den man gefahren;
so zeichnet man das auf die Charte. Denn hat man Sand-Uhren die
Minuten anzeigen. Aber da ist es schwer zu messen, weil man nicht weiß,
ob das Schiff oder Boot weiter gegangen, und welches von Beyden stille
gelegen.

/b) Das Sicentifische*1 Mittel ist, daß man den Mondes-Lauf unter Re-
geln gebracht. Man brauchet allso die Tabellen des Mondes, welche Prof:
Meyer angefertigt hat. So auch mit den Jupiters Trabanten, da immer
einer sich verfinstert. Die Mondes Tabellen bestimmen allso, welchen
Stern der Mond an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten Stunde
verdecken werde. Ist nun z. E. Lissabon 30 Grad von hier entfernet,
und die Uhr ist jetzt 9, so ist sie dort 7, denn der Lauf der Sonne dauret 2
Stunden, bis dahin. Hat man den Unterschied der Zeit, welcher dieser ist: Ei- 

/ ne Stunde~

/|P_202R δZ_16

/*1 {2- Scientifische -2} ~

/|P_203

/ne Stunde giebt 15 Grad Länge, so kann man den Unterschied der Länge bald
finden. Man kann sie auch bestimmen durch die Bewegung und Lage des Mon-
des, welcher in einem Circkel verschieden ist, zu denen Euler zwar Gelegenheit
gegeben, aber Meyer Tabellen verfertigt, und weiter ausgeführet, wovor
seine Familie nach seinem Tode die Praemia von 3.000 Sterling bekommen.
So ging es Euler gleichfalls, da er die Meynung des Newtons, als wenn seine
dioptrischen Gläser, die das Object von den Fremden Schahlen reinigten, mög-
lich wären, bestritte, und seine Meynung, daß wenn ein Glas in gewisser
Entfernung im Telescopio, angebracht würden, es das erstere corrigiren
möchte. Ein gewisser Dallard, welcher vorher den Newton als seinen
Landsmann vertheidigte durch Erfahrungen, die er dabey anstellte, das
Telescopium selbst verfertigte.

/Die dritte Methode geschiehet durch die Beobachtung der Jupiter-Traban-
ten, welches aber auch auf der See, wegen dem beständigen Schauckeln des
Schiffes nicht zu practisiren ist, sonsten aber auf dem Lande sehr accurat die
Lage der Oerter liefert.
Um sich darin noch besser zu helfen, hat man viele
Praemien auf die Erfindung eines Perpetuum mobile, einer beständigen
Schiff-Uhr, oder anderer bequemerer Mittel zur Messung der Länge ausgesetzt.

/ ≥ Von andern Merckwürdigkeiten bey der Schiffarth. ≤

/Eine besondere Beobachtung auf langen See-Reisen ist diese. Wenn der
Schiffer um den gantzen Globum fährt, so sieht er sich in seiner Rechnung hin-
tergangen. Dies liegt in der Figur des Globus, da wir nicht auf einer Ebene
sondern Krümmen reisen. Davon gillt nun diese Regel: 15 Grad Länge

/ geben

/|P_204

/geben eine Stunde. Wenn nun einer der von Osten nach Westen fährt 30 Grad
westwärts seegelt, so kommt er i«m»n Oerter, wo man 2 Stunden weniger zählt,
als an dem Orte von wo er ausgefahren. Da nun immer nach 15 Grad Reise
eine Stunde weniger eintrift und da 15 mahl 24, 360 machen, so wird er
an 360 Grad einen gantzen Tag verliehren, fährt er aber eben so weit von
Westen nach Osten, so kommt die Sonne 2 Stunden eher in seinen Mittags-
Kreis, und so gewinnt er nach und nach einen Tag. Die Philippinischen In-
seln wurden von Portugisen entdeckt, und die erlitten von Osten nach Wes-
ten einen Tag weniger, die Spanier aber kamen einen Tag eher an. In
Mexiko haben die Portugisen Sonntag, wenn die Spanier in Manilla Son-
nabend haben, denn die Letzten sind von Osten nach Westen geseegelt, und
die Erstern von Westen Nach Osten. Magellan hat erst die Welt von Osten
nach Westen umschift, als die Portugisen über die Entdeckung der Spanier
im Westen unwillig wurden, so baten sie den Pabst, daß er den Streit schlich-
ten möchte, der die berühmte demarcations-Linie zog, von welcher ost-
wärts alle Entdeckung der Portugisen, Westwärts aber den Spaniern
zukommen sollte. Diese Theilungs-Linie wurde von den Caporni-
schen Inseln 270 Meilen Westwärts gezogen.

/ ≥ Ende
/Des ersten oder allgemeinen Theils der Physischen
Geographie. ≤

/ Der

/|P_205

/ ≥ Der Zweyte Theil der Physischen Geographie hält die besondern
Beobachtungen dessen was der Erdboden enthält in sich.

/ Ites Hauptstück

/Vom Menschen. ≤

/Bey dem Thier- und Pflantzen-Reich ist alle Zweckmäßig, ein Theil ist
um des andern Willen da, ja durch den andern da. Es ist also ein organi-
sirtes Gantze. Bey dem Mineral-Reich ist dieses nicht. Die Geschöpfe aus
dem Mineral-Reich sind also die Einfachsten. Es sollte demnach vom Mine-
ral-Reich angefangen werden, wir fangen aber von den vollkom-
mensten Geschöpfen an. Wir fangen also vom Menschen an und wol-
len die Menschen-Gattung auf der gantzen Erde betrachten. Zuerst
aber müssen wir dies unterscheiden. Wir rechnen Dinge zu einer
Gattung, wenn sie miteinander in etwas übereinkommen, z. E. so
sagen wir die Bäume sind von einerley Gattung, denn sie kommen
darinnen überein, daß ihre Stämme ein Holtz sind, welches jährlich wei-
ter aufwächst. Es giebt aber auch Species unter den Bäumen z. E. der
Palmbaum, Kirschen-Baum etct: macht eine Species aus, allein als
Bäume betrachtet gehören <sie> doch zu einer Gattung. Das was nun un-
ter einerley Gattung steht ist einander ähnlich, allein diese Ähnlichkeit
besteht doch in gar keiner Verwandschaft, demnach müssen wir die
Causal-Verknüpfung der Gattungen und Arten, von der Logischen
Verknüpfung unterscheiden. Wir wollen die Hunde-Gattungen neh-
men und fragen? Sind diese Arten von Hunden von einerley Abstam- 

/ mung?

/|P_206

/mung? Dies wäre, wenn es statt findet, eine Causal-Verknüpfung. Wir
wollen noch weiter gehen und fragen; Sind die Hunde und Wölfe mit ein-
ander verwandt? Sind nicht Füchse mit den Hunden verwandt. Man hat
sie miteinander begatten lassen, und gesehen, daß sie im Grunde würck-
lich zu einer und eben derselben Gattung gehören. Wer sollte das glau-
ben daß Ziegen und Schaafe von einerley Stamm herrühren, welcher
freylich weder Ziege noch Schaaf war. Man hat aber befu«m»nden, daß sich diese
Thiere beyde mit einander begatten, und Junge hervorbringen. Die Na-
tur stellt uns nun gleichsam dar, daß wir wenige Gattungen, aber viele Ar-
ten annehmen müssen. Wenn wir nun mit diesen Begriffen vorbereitet
zum Menschen gehen, so müssen wir bemercken, daß wir uns nicht durch die
Einheit von der Mannigfaltigkeit der Verschiedenheiten abbringen las-
sen. Denn wir haben rothe, braune, weiße und Schwartze Menschen.
Wenn wir diese Einheiten von dem Menschen-Geschlecht annehmen, so
dürfen wir dadurch die Mannigfaltigkeit der Arten nicht verkennen. Al-
le Menschen haben die Eigenschaft, so sehr sie auch in der Gestallt von ein-
ander unterschieden sind, daß sie nicht allein mit einander zeugen, son-
dern daß sie noch durch einen Natur-Trieb gleichsam dazu gezogen wer-
den. Nun finden wir aber eine große Mannigfaltigkeit der Gattun-
gen unter denselben, die erst nach und nach sich so zu unterscheiden ange-
fangen haben. Sie haben aber alle in dem ersten Keim verborgen
gelegen. Allein es ist die Frage. Ist diese Verschiedenheit zufälliger Wei-
se entstanden? Allein wir können uns wohl weniger vom Zufall den- 

/ cken

/|P_207

/cken. Eltern erwarten oftmahls, daß ihre Kinder ihnen ähnlich seyn werden.
Dies Nachschlachten oder diese Aehnlichkeit aber findet manchmahl, wie die Er-
fahrung zeigt nicht statt, denn oft sehen sie keinem von beyden ähnlich. Denn
es zeigt sich oft, daß die Kinder ihren Voreltern ähnlich seyn können. Unter
diesen Nacharten findet man doch, (man nehme nur die weiße Menschen) ei-
nen erstaunenden Unterschied. Einer hat eine große Habigts-Nase, ein an-
derer eine Affen-Nase, einer Schwartz Haar, ein anderer Rothes, und keines
von diesen Merckmalen erbt von denselben ab z. E. Ein Blonder Vater, der
eine Brünette Mutter hat, kann Blonde oder auch Brünette Kinder ha-
ben, nachdem die Zeugungs-Kraft des einen stärcker, als des andern gewe-
sen, aber einmahlen getheilt, so daß eine zweyte Art entstünde. Es giebt
aber unter der Race der Weißen, wodurch sie sich mercklich von einander un-
terscheiden könnten nichts Zuverläßiges. Linaeus sagt, er habe noch keinen
Unterschied zwischen einem Menschen und großen Affen gefunden, zwar
Abweichungen, aber sehr kleine. Er betrachtet ihn nur mit dem Auge des
Zergliederens. Wir wollen ihn auch so betrachten.

/Das Erste was wir bemercken ist dieses. Die Menschen enthalten eine Man-
nigfaltigkeit, die zum Theil erblich sind. Wenn wir annehmen, daß wir aus
einem Stamm hergekommen sind, so giebt es auch unter uns erbliche
Unterschiede der Menschen. Die heißen Varietaeten. Einige Menschen sind
blond andere brounet, man kann nun nicht wissen in was für eine Fami-
lie das Kind einschlagen wird, in die Väterliche oder Mütterliche. Daher
findet man einen gewissen Familien_Schlag, oder etwas Characterisches.

/ Man

/|P_208

/Man versteht darunter eine solche Varietaet, dem das Eigenthümliche des
einen Theils eigen ist. Die Farbe, die Größe, die Sprache ist auch erblich, im-
gleichen Kranckheiten, manche«m» werden schief, ob sie gleich gut gebohren.
Ein Autor merckt an, die Ursache sey Diese, daß die Muschkeln sich nicht
gleich ziehen, sie sind bisweilen auf beyden Seiten des Körpers nicht gleich
starck. Unter andern Kranckheiten die geerbt werden ist die Schwind-
sucht. Persohnen die heurathen, haben also auf die Racen zu sehen, nicht
blos auf die Mutter, sondern die Familie, von der er abstammt. Ferner ist
auch der Wahnsinn erblich. Es ist besonders, daß die guten Eigenschaften nicht
so einwurtzeln, als die Bösen. Es kommt nur darauf an, wenn die eine
Zeugungskraft praevalirt. In dieser Verschiedenheit scheint doch auch
Zweckmäßigkeit des Urhebers zu seyn. Der eine ist häßlich, aber doch zu
leiden, den andern sieht man mit Wiederwillen an. Bey aller dieser
Häßlichkeit aber ist doch solche Harmonie, daß wenn man einen Theil der
disharmonisch zu seyn scheint ändern wollte, man sehen würde, wie es
denn aussähe. Man kann dahero gleich an einem Gemählde sehen,
ob es aus der Phantasie oder von der Natur genommen.

/Ohnerachtet alles dieses finden wir nicht, daß eine besondere Eigenschaft
seyn sollte, die nothwendiger Weise anartet. Denn haben beyde Thei-
le solche, so hat das Kind Spuhren davon, und muß ein Mittelschlag seyn.
Hat der Vater eine erhabene, die Mutter eine platte Nase, so muß das
Kind eine gute Nase haben. Nun finden wir keine einzige Eigenschaft
bey den Weissen, die nothwendiger Weise anarten sollte, ja wir kön- 

/ nen

/|P_209

/nen sagen, man findet niemahls daß ein Mittelschlag statt findet. Eine gantz
Hectische Mutter kann ein Kind zeugen, welches gesund ist. Jedoch finden
wir gewisse Anartungen bey gewissen Erdstrichen z. E. bey uns wird kein
Kind schwartz seyn, welches vom Neger gebohren. Der Indianer ist braun,
der Americaner ist kupferroth, der Africaner schwartz, der Europäer weiß,
der Calmuck Zigeuner gelb. Weil hier nun die Zeugung nothwendiger
Weise die Farbe bringt, so nennen wir das Racen. Unter Thiere von
einerley Gattung sind 2 Verschiedenheiten, entweder Racen, oder Varie-
taeten. Ersteres ist nothwendig erblich, Letzteres die nicht nothwendig anar-
ten. Wenn Thiere sich würcklich begatten und Junge erzeugen: so sieht
man daß die Thiere zu einer Gattung gehören z. E. Die Hunde haben
verschiedne Racen, welche sich begatten und würcklich Junge zeugen,
die, die Eigenschaft der Eltern haben. Die gehören allso zu einer Gattung
Thiere. Die Junge die aus der Paarung verschiedner Racen entstehen,
sind Bastarte z. E. der Bologneser ist ein Bastart vom Spanischen Pudel
und dem kleinen Wacht<e>l-Hunde. Die verschiednen Farben der Hun-
de sind nur Varietaeten. Also aus der Vermischung 2er Racen ent-
steht ein Bastart oder Mittelschlag, z. E. wenn der Weiße mit dem
Schwartzen sich paart, so entsteht w«i»eder ein Neger noch ein Weißer, son-
dern das Mittel i. e. ein Mulad. Der Indianer mit dem Weißen so
entsteht das Mittel zwischen gelb und weiß. Der Americaner mit dem
Weißen, so entsteht der Halbschlag, welcher Mestisse heißt. Und das ist
wovon wir umständlicher werden wollen.

/ Von

/δLage_BB

/|P_210

/ ≥ Von den verschiedenen Racen der Menschen. ≤

/Durch Race verstehen wir die Abartung von einer Gattung, so fern das Charack-
teristische erblich ist. Wir setzen hier voraus, daß alle von einem Stamm herkom-
men, welches unten bewiesen werden soll. Wir betrachten nun die Racen selbst.
Wir haben aber nur 4 Haupt-Racen, denn einige sind noch unvollkommen,
als die Kalmückischen. Wir erwägen nur die vollkommnen Racen, und
nennen jene noch nicht Racen.

/ ≥ Die Iste Race, ist die Race der Schwartzen oder Negers. ≤

/Africka heißt das Land der Schwartzen, die gantze Küste von der Bar-
barey ist noch weiß, die wir aber im eigentlichen Verstande brounet nennen
können. Bey Tripoli ist ein Land mit Nahmen Vesau, da sind auch solche Weiße,
wenn man aber weiter Südwärts kommt, so findet man schon an der Wüste Sara
Schwartze, die mit Arabern vermischt sind. Dieses aber sind noch nicht die ei-
gentlichen Schwartzen, sondern sie werden Etohren, aber nicht Negers ge-
nannt. Sie ziehen sich mit den Arabern an den Strohm Senegal hin, über die-
sen Strohm aber bis Capo_negro findet man schon die Schwartzen oder die
eigentlichen Negers. Wenn man bis Capo_negro kommt, so scheinen die recht
Schwartzen aufzuhören, und denn kommt das Land der Caffern, oder der Hay-
den Küste, hier ist aber das Volck nicht vollkommen schwartz.

/Wenn wir die eigentlichen Negers oder Schwartzen nehmen, so haben sie folgen-
de Eigenschaften. Die Haupt-Farbe ist schwartz, das Bluth ist dick und schwärt-
zer als unseres. Sie werden alle weiß gebohren, ausser ihre Zeugungs-Glie-
der, und ein Ring um den Nabel die schwartz sind. Von da ziehet sich die Schwärt-
ze im ersten Monathe, über den gantzen Körper. Ihre Haut ist jederzeit ge-
öhlet. Sie haben krause Wolle statt der Haare, und keinen Bart, obgleich et- 

/ was

/|P_211

/was Milch-Haare. Ihre Wolle auf dem Kopf ist gantz schwartz, haben aber nicht
Locken und sind nicht lang. Sie haben eine besondere Transpiration und häßlichen
Geruch, welcher phosphorisch ist. Sie sind auch ungemein Biegsam und behände, sprin-
gen, tantzen, und klettern in der Jugend auf die Bäume. Sie haben Rephüner
Augen, die Iris ist roth, und sind nur bey Schimmer-Licht, bey Abend, bey Nacht zu
sehen, übrigens so stupid wie die Thiere. Es giebt auch zuweilen weiße Mohren,
oder Albinos die von schwartzen Eltern gezeugt werden. Ein solches weißes Kind
nennen sie Dondo die Portugisen aber Albino, es heißt auch Kackerlacks, das
ist eine Mißgeburth wird aber von ihnen sehr gepflegt und aufbehalten. Sie
sind aber gantz schwa«rtz»ch und haben keine Kräfte zur Fortpflantzung. Es
hat mehrentheils die Farbe eines verstorbnen Menschen. Diese Weiße Moh-
ren haben krause, Schneeweiße wolligte Haare, und können nur bey
Mondlicht sehen. Uebrigens scheint der Schwartzen ihr gantzer Körper von
eigenthümlicher Natur und sehr dauerhaft zu seyn. Sie sind die Einzigen, wel-
che im Stande sind, auch bey der grösten Hitze zu arbeiten, und die Sonne lan-
ge auf ihre Haut zu vertragen, welches die Mohren oder Mauren nicht kön-
nen. Wenn nun ein Weißer sich mit einer Negerin begattet, so entsteht ohn-
fehlbar ein Mittelschlag und diese werden Mulatten genannt, dieses ist so zu-
verläßig, daß man gleich weiß, mit wem die Frau zu thun gehabt. So auch
wenn sich ein schwartzer Vater mit einer weissen Frau begattet, so ent-
steht gleichfalls ein Mittelschlag oder Mulatte. Wenn der Mulatte alsdenn
wieder es mit einer weißen Frau zu thun hat, so zeigt er den Terceron
und dieses Kinder mit einer Weißen den Quartiron, dieses Kinder wieder
mit einer Weißen den Quintironen. Bey den 4 ersten Generationen siehet

/ man

/|P_212

/man noch immer, daß ihre Abstammung vom Neger-Geschlecht sey, bis in dieser 5ten
Generation, da die Schwartze Farbe gleichsam von der Weißen gantz verschlun-
gen wird. Allso wenn der Quintironen-Kinder sich mit Weißen begatten, so hei-
ßen die daraus erzeugte Kinder Weiße. Vermischt sich aber der Terceron mit
einem Schwartzen, so geschieht ein Rücksprung zur schwartzen Race.

/Nun frägt es sich, ob es auch sonst ausser Africa, Negers gäbe. Dies ist noch unge-
wiß. Die Etablirung der Neger ist eine Sache der alten Zeit. In Indien findet
man Negers, auch in den Inseln des Süd-Meeres, die aber Bärte haben, so wie
in Neu_Guinea, mithin stammen sie doch nicht von den Negers ab. Es bleibt also
noch die Frage, ob nicht diese Negers durch die dahin abgeschickten Sclaven ab-
stammen, oder würckliche Negers sind, man kann das noch nicht genau bestim-
men. Die Alten nannten solche Leute Aborigines. Die Schwartzen sind dem-
nach nur Africaner. Man hat immer diese Meynung, daß jemehr man nach
Süden kommt, die Menschen desto dunckler werden, bis sie am Senegal gantz
schwartz werden. Die Weiber der Neger sind auch an sich weiß, wenn sie nur
in den Stuben bleiben, denn sonst werden sie von der Sonnen-Hitze ver-
brannt. Wenn ein Neger sich verbrennt, so wird die Stelle weiß die langen
Kranckheiten machen die Negers ziemlich weiß, aber ein solcher durch Kranck-
heit weiß gewordener Körper, wird nach dem Tode noch viel schwärtzer, als
vorhin. Die Europäer die in der Zona_torrida wohnen, werden nach vie-
len Generationen nicht Negers, sondern behalten ihre Europäische Gestallt.
Die Portugisen am Capo_Verde, die in 200 Jahren in Negers verwandelt
seyn sollen, sind Mulatten.

/ Meynung

/|P_213

/Meynung von der Ursache der schwartzen Farbe. ≤

/Einige bilden sich ein, Cham sey der Vater dieser Mohren, und von Gott mit der schwart-
zen Farbe bestrafet, welche seinen Nachkommen anartet. Man kann aber
keinen Grund anführen, warum die schwartze Farbe eben ein Zeichen des Flu-
ches seyn sollte, als die Weiße, weil die Farbe der Menschen durch alle Schattie-
rungen, der gelben, braunen und dunckelbraunen, endlich in der heißen Zona
zur Schwartzen wird, so ist wohl zu sehen, daß die Hitze des Climatis daran schuld ist;
es ist aber gewiß, daß eine große Reihe von Generationen dazu gehöret hat, da-
mit sie eingeartet ist, und nun erblich wurde. Wie aber eine solche zufällige Sache,
als die Farbe ist anarten könne, ist so leicht nicht zu erklähren. Daß Mohren
dann und wann ein weißes Kind zeugen geschiehet eben so, wie bißweilen
ein weißer Raabe weiße Krähen, oder weiße Amßeln zum Vorschein bringt.
Daß die Hitze des Erdstriches, und nicht ein besonderer Eltern_Stamm hieran
schuld sey, ist daraus zu ersehen, daß in eben demselben Lande, die auf seinem
flachen Theile waren, weit schwärtzer sind, als die in hohen Gegenden, daher
am Senegal schwärtzere Leute als in Guinea in Congo und Angola schwärt-
zer, als in Ober_Ethiopien oder Abyssinien. Alle Orientalische Nationen wel-
che dem Meridiano von Bengala gegen Morgen liegen, haben etwas von
der Calmuckischen Bildung an sich, diese ist, wenn sie in ihrer größesten Perfec-
tion genommen wird so beschaffen
wie parag: δLücke wird gezeigt werden. Wir ge-
hen jetzt zur

/2ten Race. Diese ist die Race der Indianer im Lande Indostan. Jetzt nennt
man schon jede neue Bewohner Indianer, allein das ist nicht im wahren Ver-
stande. Das Land Indostan nennt man besser Hindostan denn das eigent- 

/ liche

/|P_214

/liche Land heißt Hind und die Einwohner Hindos. Und so wurde es auch von
den Indianern selbst genannt, denn das Stann ist persisch und heißt so viel
als Land. Es scheint mit ihrer Farbe eine besondere Bluthvermischung zu
seyn, denn bey der größten Hitze haben sie kalte Hände und einen Schw<e>iß
darauf und wenn der Europäer ihre Hände anfaßt, so glaubt der In-
dianer, daß er ihn damit verbrennen werde. Sie haben auch ferner eine gro-
ße Gleichgültigkeit und keine Empfindsamkeit. Sie gehören allso in die
unterste Classe der Racen, die Schwartzen in die 3te, und die Weißen
in die Erste. Einige haben die Ursache in der Mäßigkeit gesucht, allein die
Kälte müste sich auch alsdenn bey andern zeugen. Diese innere Kälte
aber scheint bey ihnen der Wärme zu wiederstehen. Ihre Bluth-Wärme
scheint geringer zu seyn, ja damit scheint zusammenzuhängen ihre große
Geschwindigkeit der Hände. Auch haben sie stets einen urineusen Geru«s»ch
und stincken, sie mögen sich auch baden wie sie wollen. Dies zeigt an, daß
sie gewisse verschiedne Säfte bey sich haben.

/Ausser dem angeführten ist nun auch folgendes Characteristische zu mercken.
Sie werden alle insgesammt gelb gebohren. Ihre Farbe im Gesichte ist wie Oli-
ven_Farbe, eigentlich Zigeuner-Farbe. Gelb wird der Indianer gebohren, wächst
er auf, so wird er etwas brauner, das gelbliche aber bleibt immer. Diese Farbe ist
nun Seifenartig. Er zeuget nun eben einen solchen gelben Indianer, aber
nicht so braun als die Sonne ihn gefärbet hat. Dicht bey den Indianern sind
Weiße, nehmlich die Perser. Arabien liegt eben so südlich, als Indostan und ist
weiß. Was Ostwärts von Indien liegt scheint eine halbe Race zu seyn von
der Indianischen und Calmuckischen. Alle diese Nationen haben breite Nase- 

/ Wurtzeln

/|P_215

/Wurtzeln und weniger Bart. Die Chineser sind ohne Zweifel ein Halbschlag von
Indianern und Calmucken. Da ist also eine Mischung geschehen. Die Maleyen
sind schon von den Indianern unterschieden, haben etwas Gedrucktes in der Nase
und Spuhren Calmuckischer Bildung.

/Was nun die Vermischung dieser Race mit andern betrift, so ist kürtzlich dieses
zu mercken. Ein Weißer der mit einer solchen Indianerin zu thun hat, zeugt
ein Halbschlag, der ein Indianischer Meßtiß heißt.

/Wir kommen nun zu einer 3ten Verschiedenheit der Racen.

/3) Die Race der Americaner. In gantz America giebt es keine Leute die Oli-
ven gelb aussehen sollten; sondern diese Race hat in ihrem Gesicht eine Eisenros-
tige oder Kupfer-Farbe. Ingleichen ist das Land voll von solchen, die keine
Bärte haben. Dies ist also der Haupt-Charackter der Americanischen Race.
Indessen haben doch die Esquimaux und Groenlaender, als welche im gantz
nordlichen Theile wohnen, Bärte, und es scheint, daß diese letzte Völcker würck-
lich von den Europäern abstammen. Sie können also Bastarte unter den
Americanern genennet werden. Alle Americaner haben schwartzes Haar, das
selbe lockt sich niemahlen; sondern hängt wie Borsten herrunter. Diese Gat-
tung Menschen findet man sonst in keiner Weltgegend. Das Kind welches von
dem Weißen und Americaner gezeugt wird, heißt auch Mestisse, und wenn der
Mestisse eine weiße Frau nimmt, so kommt der Castisse und denn noch ein Geschlecht,
da man schon nicht mehr gewahr wird woher diese Gattung abstammt.

/Es ist noch eine Art übrig, die aber würcklich von den Americanern herstammen,
nehmlich die Calmucken, da man aber das nur eine Race nennt, welche eine
@(Charackterische)@ Charackteristische Eigenschaft hat, und nothwendiger Weise abge-
artet; so können wir diese nicht für eine besondere Race annehmen. Wir

/ wollen~

/|P_215R δZ_7-14

/Europäer
%und Mohren
sind beydes
Weiße, letz-
tere sind
nur mehr
verbrannt
als die Eu-
ropäer die
sich mehr in
der Stube
aufhalten. ~

/|P_216

/wollen aber doch das vornehmste von denenselben anmercken. Ihre Gestallt ist
Folgende. Das Ges«ch»icht scheint gantz flach zu seyn, die Nase geplätscht, und der
untere Theil der Nase ein wenig erhaben. Lang geschnitzte Augen, der Au-
genwinckel geht herrunter und die Oefnung ihrer Augen ist sehr klein, des-
wegen aber können sie doch scharf sehen. Sie haben beynahe gar keinen
Baart, übrigens sind sie sehr lustig und munter wie die Bengalen. Die
Augenbraunen sind schwartz. Der Backen-Knochen steht sehr hervor, so daß
es scheint als wenn die Augen verschwollen wären. Wir wollen untersu-
chen, ob sie als eine Race zu befruchten oder nicht. Das bezeichnet das Eigen-
thümliche einer Race, daß sie in Vermischung mit einer andern, bey der
zweyten Zeugung noch nicht verlöscht. Bey einem Neger sind 5erley Ver-
mischungen in fremder Race nothwendig, bis dieselbe vergeht. Allein
bey den Calmucken sieht das Kind schon bey der ersten Vermischung mit
einem Weißen gut aus, und bey der 2ten Generation ist das Calmuckische
gantz weg. Mit den Americanern dauret es auch lange. Die Calmucken
sind also wohl eine Anlage zur Race, aber noch nicht vollendet. Im Nord-
lichen America findet man beym Hudsons-Bay, Americaner, die Cal-
mucken sind. Das Baartlose Kind ist allen Calmucken eigen gewor-
den. Wenn Europäer mit Calmucken sich vermischen, so ist der erste Schlag
halb Calmuckisch, die Augen sind bey ihnen etwas weiter geöfnet und
er hat einen kleinen Baart. Hier sieht man eine verschiedne Race, doch
merckt Pollax an, daß es doch hübsche Kinder unter diesen Bastarten
giebt. Wir gehen jetzt zur 4ten Race.

/4te Race oder die Race der Europäer und Asiater, welches alles weiße

/ sind.

/|P_217

/sind. Diese hat sich weit ausgebreitet, und gehet durch gantz Europa. Es gehören da-
zu auch die Tartarn, die Araber und alle Barbaresquen, wenn sie gleich nicht
so gantz weiß sind, wir die würcklichen Europäer, so gehören sie doch dazu. Die
Egyptier und Abissinier, die Türcken, die Perser, Chineser gehören auch mit hie-
her. Letztere aber scheinen ein Halbschlag von den Mohren und Tartarn zu
seyn. Indessen sind sie in ihrer Kindheit noch ziemlich weiß. Eine besondere Be-
schaffenheit aber ist doch noch an diesen Völckern zu bemercken, von den Cal-
mucken an, bis auf die Chineser. Sie haben ein sehr plattes Gesicht, die Backen-
Knochen stehen weit herraus und die Augen sehr weit aufgeschnitzt und dennoch
ist ihr Auge selbst weit kleiner. Sie haben auch keinen Baart, und wenn
sie ja einige Milch-Haare haben, so ziehen sie noch dieselben aus. Da nun die
Americaner fast eben eine solche Gestallt haben, so sollte man beynahe glau-
ben, daß die Americaner von ihnen entsprungen. Ist dies, so haben wir hier
auch nicht nöthig die angezeigten Racen zu vervielfältigen. - Die Kin-
der der Weißen erben nicht nothwendiger Weise die Farbe des Vaters an,
die durch die Sonnen_Hitze verbrannt wurden. Dies sind nur zufällige
Würckungen. Bey den Weißen giebt es Blonde und Brounette. Der Va-
ter aber zeugt nicht nothwendiger Weise einen Halbschlag, wie wir schon o-
ben bemerckt. Auf der gantzen Welt nun findet man weiter keine Art,
welche nothwendig angeartet würde, als diese Arten, Ausser die Calmucken,
die aber würcklich von den Americanern abstammen, und noch eine un-
vollendete Race ist. Wir haben also 4 menschliche Racen, und mehrere kön-
nen wir nicht annehmen, allein wir werden zeigen, daß sie dennoch von ei-
nem Stamm abstammen. Die Erbliche Völcker-Characktere, ihr verschiednes

/ Haupt- 

/δLage_CC

/|P_218

/Haupt-Haar, ihre Farbe, ihre äusserliche Gestallt haben wir jetzt bemercket.
Es giebt demnach 4 Haupt-Characktere oder Racen, nehmlich

/a) Die Rothe oder Baartlose, die Calmucken dazu genommen.

/b) Die Schwartzen.

/c) Die Indianer oder gelben

/d) Die Weiße. Die Bastarte werden wir also nicht hiezurechnen.

/ ≥ Vom Ursprunge der verschiednen Menschen-Racen. ≤

/Diese Verschiedenheit der menschlichen Gattungen, scheinen in ihre Zeugungs-
Kraft ursprünglich gelegt zu seyn, denn der Weiße mag sich vermischen
mit wem er will, so kommt ein Halbschlag herraus. Nunmehr da die Men-
schen sich alle unter einander fruchtbar begatten, und eines jeden Zeu-
gungskraft doch etwas Eigenthümliches hat, so sehen wir also hieraus, daß
diese Zeugungskraft. 1 Allgemein sey. Das Eigenthümliche. 2 Liegt in
den ursprünglichen Keimen und 3) Daß diese Verschiedenheiten müs-
sen in einem gemeinschaftlichen Stamm gelegen haben. Von dem
Stamm aber kann man nicht sagen, daß er zu einer von diesen Abartun-
gen gehöre. Wir können uns also von dieser Stammgattung noch keinen
rechten Begriff machen, denn der Stamm bestand für sich, und von diesem ent-
sprangen denn alle Verschiedenheiten der Racen. Wir müssen diese Mey-
nungen nur näher entwickeln.

/Die Zeugungskräfte konnten nicht von ohngefehr zu einander passen,
wenn sie nicht für einander geschaffen wären. Dieses findet freylich für
jetzt bey den Thieren nicht mehr statt, sondern diese jetzige entspringen
immer von den ersten. Man kann nicht glauben, daß der Ursprung der
Menschen-Racen zufällig seyn sollte, aber von äussern Eindrücken her- 

/ gerühret

/|P_219

/gerühret, da sie Charackteristisch sind. Es muß also eine Würckung von dem Obersten
seyn. Wenn allso etwas nothwendiger Weise anerbt, so schließen wir, es muß in den
Keimen der Zeugung liegen, und Zwecke zum Grunde haben. Das Zweckmäßige
dabey war dieses: Menschen können nicht an allen Orten Leben, es würde da kei-
ne propagation stattfinden. Der Italiener könnte in Madagascar wohnen, al-
lein mit der größten Ungemächlichkeit, nach einer Länge der Zeit würde er
es doch nicht aushalten. Wir glauben also in den Keimen werden schon innere
Anlagen seyn, so daß der Keim sich dergestalt entwickeln muß, wie er der
Race der Menschen angemessen ist. In Adam müssen allso Keime gewesen
seyn, daß seine Kinder in den verschiednen Climatibus, wo sie kommen wür-
den, anarten könnten. So lebt der Neger in einer feuchten Hitze, und sein Land
ist sumpfigt. In Indien ist schon eine trockne Hitze, und der Mensch passet sich
für dieselbe; da mußte nun auch die Farbe von anderer Beschaffenheit seyn,
es mußte der Umlauf des Bluths vermindert werden, so daß diese Race ent-
stand. Es scheinen also in der menschlichen Natur schon Keime gelegt zu seyn,
die sich hernach entwickelt. Es frägt sich was der erste Mensch für eine Farbe
gehabt habe. Am wahrscheinlichsten die Farbe, welche die Menschen haben,
so in den Climaten sind, aus denen sie in die Uebrigen versetzt werden
konnten, das wäre brounet, dies scheint auch die dauerhafteste Farbe zu
seyn. Man kann den ersten Menschen aber nicht brounett annehmen, denn
diese gehören zu den Weißen, und denn würde kein Americaner kein
Neger seyn. Blond kann man ihn sich auch nicht dencken, denn das ist schon
eine Art von Kranckheit, es rührt von den feuchten Wäldern her. Er kann auch
nicht die Indianische Gelbe gehabt haben, denn sonst würden alle Menschen

/ gelb

/|P_220

/gelb seyn, denn wenn eine Race sich einmahl festgesetzt hat, so geht sie nicht
mehr aus. Wir können ihn auch nicht mit unserer Race vergleichen. Er
muß allso für alle Climata geschaffen seyn, und seine Nachkommen müs-
sen die Organisation angenommen haben, die dem Clima angemessen
wäre. Die Americaner haben America von Norden her bevölckert und
dahero müssen sie trockne Kälte ausstehen. Sie sind von Nordosten aus Asia
nach America gekommen. Sie sind durch die Gegenden der Kalmucken ge-
gangen, und bald in feuchte Wälder gekommen, daher haben sie die Ei-
genschaften der Calmucken verlohren, und in dem Nordlichsten von
America sind die Einwohner den Calmucken gantz ähnlich. Die Calmucken
haben einen Bau der dem Clima gantz angemessen ist. Sie wohnen in
kalten Gegenden, deshalb haben sie kleine Augen-Oefnungen, um in
den Schnee zu sehen. Sie haben auch fast keine Nase; weil die Kälte zu-
erst die Nase angreift. Die Calmucken sind auch lebhafte Völcker, (wie oben
schon erwähnet) weil aber die Americaner in feuchte Gegenden gekom-
men, so haben sie viel von der Lebhaftigkeit verlohren, denn diese feuchte
Luft hat auf die Menschen viel Einfluß, und ist ihm sehr schädlich. So sind die
Negers, die in feuchter und heißer Luft leben, gantz andere Leute, als
die Indianer, deren Luft trocken und heiß ist.

/%Quaestio: Können jetzt nicht mehr Racen entstehen? %Responsio: Nein, die Keime ha-
ben sich schon entwickelt, sie können also nicht wieder entstehn. Es giebt
nur 4 ordentliche racen, nehmlich 1 Weiße, sind weiß 2) Indianer Oli-
ven Gelb. 3 Americaner Kupferroth und Schwartze, schwartz. Warum

/ aber

/|P_221

/aber haben wir 4 verschiedne Racen? Sie richten sich nach den 4 verschied-
nen Climaten, wo gewisse Völckergattungen in Trockner und feuchter Hit-
ze (sind.) leben.

/ ≥ Von der verschiednen Bildung der Völcker. ≤

/Alle orientalische Nationen, welche dem Meridiano von Bengala gegen
Morgen liegen, haben etwas von der Calmuckischen Bildung an sich. Diese ist
wenn sie in ihrer größten Perfection genommen wird, so beschaffen, daß
oben ein breites unten ein schmales Gesicht, fast gar keine Nase, die von dem
Gesicht hervorraget, gantz kleine Augen, überaus dicke Augenbraunen,
schwartze Haare, dünne und zerstreute Haarpüschel, anstatt des Baarts,
und kurtze Beine mit dicken schincken. Von dieser Bildung participiren
die östlichen Tartarn, Chineser, (Tunguisen) Tunguinesen, Aracaner, Peru-
aner, Sianer, Japaner pp, obgleich sie sich hin und wieder etwas verschönern.

Von den Patagonischen Riesen und den Kimoss einer Zwerg-Art im In-
nern von Madagascar. Unter den Hottentotten haben viele Weiber
wie Coocke berichtet, ein natürliches Leder am Geburths-Gliede, welches
ihre genitalia zum Theil bedecket, und welches sie bisweilen abschneiden
sollen. Eben dieses meldet Ludolph von vielen Egyptischen Weibern
, die
mit einem kleinen Affenschwantz versehene Menschen auf Formosa,
im Innern von Borneo pp. die Rytschkob in seiner orimburgischen
Topographie auch unter den Turcomannen antrifft, scheinen nicht gantz
erdichtet. In den heißen Ländern reift der Mensch in allen Stücken früher,
erreicht aber nicht die Vollkommenheit der temperirten Zone. Die Mensch- 

/ heit

/|P_222

/heit ist in ihrer größten Vollkommenheit in den Racen der Weißen, die gelben
Indianer haben schon ein kleiner Talent; die Negers sind weit tiefer, und die Ame-
ricaner am tiefsten degradirt, und unter diesen vorzüglich die Einwohner des
Feuerlandes.

/ ≥ Von der tiefen Degradition der Americaner. ≤

/Unempfindlichkeit ist ihr Charackter. Ein Sclave der von seinem Herrn über
den Müßiggang betroffen und deshalb derb abgeprügelt wird, läßt doch sobald
der Herr weggegangen ist wieder die Arbeit liegen, und raucht seinen Taback,
ohne daran zu gedencken, daß sein Herr wiederkommen könnte. Dies gilt
in sonderheit von den Caraiben, den Einwohnern des Landes Guinea in Süd-
America. Ein solcher Caraibe verkauft des Morgens seine Hang-Matte,
ohne daran zu gedencken daß er des Abends kein Bette haben wird, wo-
rauf er sich schlafen legen könnte; Und wenn es Abend wird, so sucht er sie
und ärgert sich, daß er seine Hang-Matte, die er doch Kurtz vorher verkauft
hat nicht finden kann. Brantewein mögen sie hertzlich gerne saufen. Wenn
sie dahero ihre Biberhäute in Nord-America verkaufen, und etwa ein Faß
Brantewein dafür bekommen, so saufen sie so lange bis sie einschlafen.
Wenn sie ausgeschlafen haben, so fangen sie sogleich wieder an, und das geht
immer so fort, bis sie entweder crepiren, oder kein Brantewein mehr da
ist. Sie sind auch nicht im mindesten zur Arbeit aufgelegt; ihr Körper kann
auch keine schwere Arbeit aushalten: des Morgens lassen sie sich von ihren
Weibern mit Rocku bemahlen, und sitzen dabey gantze Stunden lang still,
denn fangen sie an zu angeln, und wenn sie auch keinen einzigen Fisch be-
kommen, so sind sie dabey gantz gleichgültig, so lange ihnen nur nicht hun- 

/ gert,

/|P_223

/gert, und dabey sitzen sie beständig stille und rauchen ihren Taback, der dorten
wild wächst. Taback rauchen ist überhaupt ihr liebstes Geschäfte, und dabey
regen sie weder Hand noch Fuß.

/%Anmerckung: Die Nord-Americaner schneiden sich die Haare ab, aber so, daß auf
dem Kopfe eine Stelle voll Haar, ohngefehr einer Hand breit übrig bleibt,
welches zu einer neuen Vermuthung dient, daß sie von Calmuckscher Art
sind. Die Feinde reißen ihnen diesen Schopf mit der Haut weg, und putzen
damit ihre Sieges-Zeichen aus.

/Sie machen sich auch keine Tabacks-Pfeifen, weil ihnen dieses zu müh-
sam ist, immer frischen Taback nachzustopfen, sondern sie nehmen eine
gantze Tabacks-Rancke, stecken sie an dem einen Ende an, und das an-
dere nehmen sie in den Mund, und so rauchen sie denn fort. Die Feuer-
länder aber sind so dumm, daß ohngeachtet bey ihnen eine so entsetzliche
Kälte ist, daß zwey Engelländer mitten in ihrem dortigen Sommer
zu Tode frohren, sie doch noch gar nicht auf den Einfall gekommen sind,
an ihren Wohnungen Thüren zu machen, wodurch sie der eindringenden
Kälte den Zugang einigermaaßen verschließen könnten. Vielmehr sind
alle ihre Hütten gantz offen und frey. Sie bedecken sich auch nicht einmahl
den Unterleib, daher sie immer vor Kälte zittern. Wie weit stehen diese
Völcker noch selbst unter den Grönländern, in deren Lande doch die Kälte
noch weit größer ist

/Von den Veränderungen die die Menschen in ihrer Gestallt würck-
lich vornehmen.

/ Die

/|P_224

/Die meisten orientalischen Nationen finden an großen Ohren ein
besonderes Vergnügen. Die in Siam, Aracan, einige Wilde am
Amazonen-Strohm, und andere Mohren hangen sich solche Gewichte
in die Ohren, daß sie ungewöhnlich lang werden. In Aracan und
Siam gehet dieses so weit, daß die Löcher, worinnen die Gewichte
gehangen werden, so groß werden, daß man einige Finger neben
einander einstecken kann und die Ohrlappen auf die Schulter hän-
gen. Die Siamer Tunguiresen und einige andere machen sich die
Zähne mit einem schwartzen Firniß schwartz. Nasen-Ringe tra-
gen die Malabaren, Guzaraten, Araber, Bengalen und Neu-
Holländer.
In Neu-Holland, wo die Menschen noch sehr rauh und
wild sind, fast wie die Einwohner von Terra_del_Fuego, stecken sie
sich durch die Scheide-Wand der Nase einen Knochen vom Fisch,
welcher, wenn er herraus fällt, ein großes Loch zu seinem Kenn-
zeichen zurückläßt. Selbst in Arabien haben die Leute Nasen-
Ringe, und die Negers ebenfalls, nur, daß sie anstatt Knochen
von Fischen, vielmehr höltzerne Spähne sich durch die Nase ste-
cken. Es giebt auch einige die eiserne Zapfen in der Nase tra-
gen. Die Nation auf den neuerlich durch Capitaine Coocke, bey
seiner letzten Reise entdeckten so genannten Fuchs-Inseln
zwischen Camschatka, (der östlichen Spitze von Siberien) und

/ America

/|P_225

/America, bohren sich zwey Löcher durch die Nase, und schlagen sich lange
Stifte durch, die sie allemahl, wenn sie sich schlafen legen wollen, mit
vielem Schmertz ausziehen müssen. Die Negers am Fluße Gaban in
Africa, tragen in den Ohren und in der Nase einen Ring, und schneiden
sich nach und nach in die Unterlippe ein Loch, um die Zunge durchzuste-
cken. Die Hottentotten drücken ihren Kindern die Nase breit, wie
einige andere Völcker,
als die Caraiten mit einer Platte die Stirne
breit drücken, so daß die Augen zum Kopf hinaus stehen. Diese Caraiten
bemahlen sich das Gesicht mit Raku, einem rothen Oehl, was man in
Franckreich Orleans nennet. Dadurch verhindern sie die zu starcken
Ausdünstungen ihres Körpers, welche sonst in einem so feuchten heißen
Lande, wie Guana ist, gewiß erfolgen würden, sie haben also in ihrem
Putz zugleich ein Gesundheits-Mittel. Ueberhaupt ist das Bemahlen
der Wilden Völcker unter allem Putzen doch noch immer das Unschädlich-
ste. Ein Volck vom Amazonen_Strohm zwinget die Köpfe der Kinder
durch eine Binde wie einen Zucker_Huth zu wachsen. Die Chineser zer-
ren immer an ihren Augengliedern, um sie klein zu machen. Ihrer
Jungen Mädchen Füße werden mit Binden gezwungen, nicht größer
zu werden, als ein Fuß von einem 4jährigen Kinde.
Vieleicht liegt
die wahre Ursache dieses tyrannischen Gebrauchs blos in einer Jalou-
sie, um zu verhindern, daß die Weiber nicht auslaufen können. denn

/ nun

/δLage_DD

/|P_226

/nun kann das Chi«m»nesische Frauenzimmer gar nicht aus dem Hause
gehen, sondern muß sich immer in einer Sänfte austragen lassen, und
selbst im Zimmer, wenn es gehen will, sich beständig an den Wänden hal-
ten muß. Die Hottentotten verschneiden ihren Söhnen im 8ten Jahr
einen Testiculum
, man glaubt, daß sie dadurch der Zeugung von Zwil-
lingen vorbeugen wollen, welche sie nicht gerne haben mögen, weil ih-
re Weiber nicht auf einmahl zwey Kinder, wegen schlechter Nahrung
säugen können. Das kann aber nicht die wahre Ursache seyn, denn
man findet doch selbst unter ihnen häufige Beyspiele, daß ohnerach-
tet sie nur ein Testiculum haben, sie dennoch Zwillinge zeugen, von
welchen sie denn ein Kind wegnehmen. Die Türcken lassen ihren
schwartzen Verschnittnen alle Zeichen der Mannheit wegnehmen.

/%Anmerckung. In Abyssinien ist noch jetzt eine Beschneidung der Weiber, an
ein paar Häutchen, die bey ihrer Mutter_Oefnung sich finden.

/Eine Nation in America drückt ihren Kindern den Kopf so tief in die
Schultern, daß sie keinen Hals zu haben scheinen,
und daher auch Ohn-
Köpfe genannt werden. Daher auch vieleicht die Fabel, entstanden,
daß es Menschen gäbe, welche die Augen auf der Brust hätten.

/Einige Varietaeten der Menschen sind von der Art, daß man sie nicht
völlig erklähren kann. Dahin gehöret auch die Größe der Menschen
welche sich bey uns gemeinhin nach denen Persohnen richtet, die das
Kind zeugen. Was die Patagonier anbetrift, welche in den Knochen

/ sehr

/|P_227

/sehr starck sind, und wenigstens sieben Fuß groß sind, so giebt es deren zwey
Arten, nehmlich die Arauckas, und die Punllisans. Von diesen hat ein Stamm
sehr viele Pferde. Die Engelländer haben in Patagonien Riesen gefunden,
die nahe an sieben Fuß groß und sehr dick waren, wie Colossen, und zwar
Männer so wohl als Weiber, doch sind die Weiber immer kleiner als die
Männer. Ein Frantzösischer Botanicus, der eine Reise nach Madagascar
that, um die daselbst befindlichen Kräuter kennen zu lernen, und zu un-
tersuchen, sahe daselbst ein Weib von den Berg-Einwohnern der Insel Ma-
dagascar, (denn die in dem ebenen Theile dieses Landes wohnen heißen
Caffern), welche man Kumas nennt, die so groß war als ein 9jähriges Kind.

/%Anmerckung: Caffern ist ein Arabisches Wort, und heißt so viel als Ungläubige.
Caffern ist überhaupt ein Unterscheidungs-Nahme für alle diejenige Völ-
cker, die zwar wolligtes krauses Haar, obgleich nicht so fein Krauses wie die
Neger; aber auch dabey einen Bart haben, denn die Negers haben gar kei-
nen Bart.

/Er fand ferner daß ihre Hände so lang waren, daß sie, wenn sie gerade stand,
mit den Fingern bis an die Knie hinreichen konnte. In dem Innwendi-
gen von Borneo, Formosa und andern Inseln hat man Menschen mit
Affen-Schwäntze gefunden. Der Staatsrath Ritschkob in seiner Beschrei-
bung des Ohrenburgschen Gouvernements schreibt, daß verschiedne Russen
bey den Turcomannen in Gefangenschaft gewesen, und daselbst eine Nation,
die aus nicht mehr als 200 Familien bestand, haben kennen lernen, wel- 

/ che

/|P_228

/che alle insgesammt einen Ansatz zum Affenschwantz gehabt, und Ku-
ckuli und Tartari genannt worden. Diese Kuckuli und Tartari sollen
ein Abscheu der andern Tartaren seyn. Strahlenburg führet an, daß es auch
Tartaren gebe, die so gefleckt wären wie die Tiger. (B) Der berühmte
Philosoph Bilfringer hatte 6 Finger an der Hand. Jacob Ruhechirun-
gus
in Berlin, hatte auch 6 Finger, und zeugte Kinder die auch 6 finger
haben. Die Weiber der Samojeden haben nach Klingstaeds Bericht an
den Brüsten eine zwartze Wartze und werden auch sehr früh mannbar.
Die Samojeden und Lappen haben nur sehr wenig Bart, und erschrecken
sehr leicht wenn man sie unversehens anrührt. Pallas führt davon ein
merckwürdiges Beyspiel an, nehmlich, daß ein Samojede, dem ein Russe
unvermerckt einen schwartzen Handschuh angezogen hatte, darüber in
eine solche Wuth gerieth, daß er alles um sich herrum ermorden wollte, bis
endlich der Russe auf den glücklichen Einfall kam, ihm den Handschuh
wieder abzuziehen, worauf sich jener denn allmählig wieder erhohlte, %und
nachher gestand, daß er geglaubt habe, seine Hand sey in eine schwartze
Bären_Tatze verwandelt worden. So viele Macht hatte ein Schreck ü-
ber diesen Samojeden, der blos aus einem ungewohnten Anblick erzeugt
war. Das kommt wahrscheinlich von der Schwäche ihrer Nerwen her, wel-
che durch die Kälte sehr leiden. Daher haben sie auch wie alle weit nach
Norden wohnende Völcker, sehr viele Entzündungen im Bluth, und Sei-
ten_Stechen ebenfalls eine Würckung großer Kälte.

/ Was

/|P_229

/Was die Gemüthsbeschaffenheit dieser Völcker anbetrift, so finden in den Racen
alle 4 Arten derselben statt, nehmlich Naturel, oder die Fähigkeit etwas zu
lernen; Geist, das heißt die Fähigkeit der Idee oder das Vermögen etwas zu er-
finden; Instinct, welches der Antrieb der Affecten und Neigungen zum an-
dern Geschlecht, folglich ein Principium der Thätigkeit ist; und Disciplin
oder die Fähigkeit sich nach Gesetzen lencken zu lassen. Bey den Indianern
ist sehr viel Naturell, aber wenig Geist, und noch weniger Instinct. Die Deut-
schen haben weniger Geist als die Engelländer und Italiener weniger In-
stinct als der Frantzose, aber mehr Disciplin. Die Türcken oder Tartarn
haben viel Instinct, aber wenig Disciplin und ziemlich viel Geist, aber we-
nig Naturell. Was die Race der Neger betrift; so sind diese ohne Naturell Geist
und Disciplin; haben aber sehr viel Instinct. Den Americanern aber feh-
let alles, und es bedeutet bey ihnen, daher auch so gar die Triebfeder der Lie-
be gar nichts. Sie sind auch gar nicht fruchtbar. Eine Frau concipirt nicht
so lange sie säugt. Junges Volck beyderley Geschlechts schläft mit einander
zusammen, ohne daß ihnen die Lust ankommt, einander beyzuwohnen.

/Einen gar sonderbaren Gebrauch, der dennoch sehr ausgebreitet ist, finden wir
in Brasilien, nehmlich diesen, daß wenn daselbst eine Frau ins Wochenbette
kommt, sich statt ihrer der Mann ins Bette legt, und sich von seiner eben erst
niedergekommnen Frauen aufwarten läßt, recht als wenn er todt kranck
wäre, und das Kind zur Welt gebracht hätte. So wiedersinnig dieser Gebrauch
ist, so find man ihn doch noch häufig in Africa. Die wahre Ursache davon läßt

/ sich

/|P_230

/sich schwer einsehen. Bey allen Wilden Völckern putzet sich nur der Mann,
welcher sich auch schmincket, und das Weib gar nicht. Hingegen auf den Süd-
see Inseln, und besonders auf (den) neu Seeland, deren Einwohner recht
wackere Leute sind, die wenn sie von den Europäern cultivirt würden
vieleicht eins der edelsten Völcker auf Erden werden könnten, putzt sich
schon das Weib und der Mann nicht. Doch tettoniren sich die Weiber nicht auf
dem Gesicht, sondern auf dem Hintern, daher sehen sie im Gesicht schon weit
hübscher aus, so wie ihre Bildung selbst weit gefälliger ist, als bey andern
Wilden. Als eine Varietaet der Menschen-Gattung verdient noch bemerckt
zu werden, was Pallas von den Burälen einem Stamm der Calmu-
cken anführt, daß dieses Volck nehmlich eine so ausserordentliche Leichtig-
keit hat, daß ein Pferd, welches schon das Tragen eines Calmucken müde
geworden ist, sich sogleich erhohlt, so bald sich ein Buräle herrauf setzt und
reitet. Einen solchen Burälen kann man mit der Hand aufheben, und
eine gantze weile so in die Höhe halten. Es wäre aber zu wünschen,
daß Pallas diese specifische Schwere der Leute, durch ein Gewicht im
Wasser untersucht hatte. Diese ausserordentliche Leichtigkeit schreibt
er ihrer beständigen Fleisch-Nahrung zu. Denn als Hirten-Völcker, näh-
ren sich diese Leute blos von Thierischen Substanzen, und haben gar
keine vegetabilische Nahrungs-Mittel. Bey den Hottentotten muß sich
eine Frau, wenn ihr Mann stirbt, das erste Glied vom kleinen Finger
der Lincken Hand abnehmen lassen und so geht es immer fort, so daß man

/ Frau- 

/|P_231

/Frauenspersohnen daselbst gefunden hat, denen an allen Fingern der Lincken
Hand das erste Glied fehlte, denen also 5 Männer gestorben seyn müssen. Reicht
die Lincken Hand nicht zu, kommt es an die Rechte.

/Bey vielen Nationen theilen sich die Zähne gantz spitz. Roemer ein Dänischer
Oberhauptmann, der wohl 20 Jahr lang auf der Küste von Guinea Menschen
Handel getrieben hat, führt an, daß daselbst die Negers mit spitzigen Zähnen
nicht gerne gekauft würden, weil sie sehr bösartig und aus dem Lande der Men-
schen-Fresser wären, daher sie einen großen Appetit am Menschen-Fleisch hät-
ten. Bey diesen Leuten wäre allso die Beschaffenheit ihrer Zähne ein Merck-
mahl ihrer Gemüths-Art. Blumenbach ein berühmter Natur-Beschreiber
in Goettingen führt von den Egyptischen Mumien an, daß ihre Schneide_Zähne
sämmtlich eine Krone hätten, so wie unsere Back-Zähne, und leitet solches von
der Beschaffenheit der dortigen und zu ihrer Zeit gewöhnlichen Nahrungs-
Mittel her, die in lauter Wurtzeln bestanden und also die Zähne so abge-
stumpft hätten. Doch könnte man gegen diese Meynung zwey wichtige
Zweifel haben, daß nehmlich die Mumien doch wahrscheinlich von vornehmen
Leuthen wären, die auch wohl damahls keine Wurtzeln mögen geges-
sen haben, und denn, daß man bey allen andern Völckern, die noch jetzt Wurt-
zeln essen, dennoch nicht solche Stumpfe Vorder-Zähne antreffe.

/Abweichungen der Menschen von einander in Ansehung ihres Geschmacks. ≤

/Unter dem Geschmack, verstehe ich das Urtheil über das was allgemein den
Sinnen gefällt. Man wird aus der Abweichung des Geschmacks der Menschen
sehen, daß ungemein viel bey uns auf Vorurtheilen beruhe.

/ 1.) Ur- 

/|P_232

/1.) Urtheil der Augen. Ein Chineser hat ein Mißfallen an großen Au-
gen. Er verlangt ein großes viereckigtes Gesicht, breite Ohren, sehr breite
Stirn, einen dicken Bauch und eine grobe Stimme zu einem vollkomm-
nen Menschen. Die Hottentotten, wenn sie gleich allen Putz der Europä-
ischen Weiber gesehen; so ist doch in ihren Augen eine andere Frauens-Per-
sohn ausnehmend schön, wenn sie sich 6 Striche mit rother Kreide, zwey ü-
ber die Augen, 2 über die Backen, einen unter der Nase und einen
übers Kinn gemacht hat. Die Araber punctiren ihre Haut mit Figuren, darin
sie eine blaue Farbe einsprützen. Das Punctiren der Haut nennt man auch
mit einem aus der Süd-See Inseln, insonderheit aus Neuseeland entstand-
nen Nahmen tettoniren. Die übrige Verdrehung der natürlichen Bildung
um schön auszusehen, kann man vorher sehen.

/2.) Urtheil des Gehörs. Wenn man die Music der Europäer, mit der Türcken,
Chineser, Africaner ihrer vergleicht, so ist die Verschiedenheit ungemein. Die Chi-
neser ob sie sich gleich mit der Music viel Mühe geben, finden an der Unsri-
gen kein Wohlgefallen.

/3.) Urtheil des Geschmacks. In China, in gantz Guinea ist der Hund eins der
schmackhaftesten Gerichte. Man bringt daselbst alles bis auf die Ratze %und
Schlangen zu Kauf. Dieses geschieht auch an den Mastischen Küsten. In
Sumatra, Siam, Aracan und den mehresten Indianischen Oertern,
macht man nicht viel von Fleisch. Aber ein Gericht Fische, die aber vorher
müssen stinckend geworden seyn, ist das Haupt-Essen. Der Grönländer

/ liebt

/|P_233

/liebt den Trahn-Geschmack über alles. Die Bartelblätter mit der Aarack-
Nuß und ein wenig Kalck ist die größte Ergötzlichkeit aller Ostindianer, die
zwischen den Tropicis wohnen. Die Hottentotten wissen von keiner
Zärtlichkeit des Geschmacks. Im Nothfall können getretene Schuh-Soh-
len noch so ein ziehmliches Gericht für sie abgeben. Allein diejenigen von
ihnen, welche sich von ihren Schaafs-Fellen nähren, fressen sie bey langer
Weile zum Zeitvertreib auf.

/4.) Urtheil des Geruchs. Der Teufels-Dreck oder assa faetida ist die Ergötz-
lichkeit aller südlichen Perser, die Indianer die ihnen nahe wohnen
zu Saualde und andern Orten. Alle Speisen, und so gar das Brodt, sind da-
mit parfumirt, das Wasser selbst riecht davon. Den Hottentotten ist
der Kuh-Mist ein Lieblings-Geruch, imgleichen andern Indianern. Ihre
Schaafs-Felle müssen durchaus darnach riechen, wenn sie nach der Galan-
terie seyn sollen. Ein Missionarius wunderte sich darüber, daß die Chine-
ser, so bald sie eine Ratze sehen, sie mit den Fingern zerreiben und mit
Appetit daran riechen. Allein ich frage dagegen, warum stinckt uns
jetzt der Muscus, der vor Kurtzer Zeit jedermann so schön roch? Wie viel
vermag nicht das Urtheil anderer Menschen in Ansehung des Geschmacks
ihn zu verändern, wie es die Zeit mit sich bringt.

/ Zweytes

/δLage_EE

/|P_234

/ ≥ Zweytes Hauptstück
/Von den Vierfüßigen Thieren, die lebendige Junge gebähren.
/Erster Abschnitt
/Die mit Klauen
/I Die mit einer Klaue oder den Behuften. ≤

/Die Haus-Thiere sind zu unterscheiden von den Wilden Thieren.
Unter Erstere gehören auch solche, welche der Mensch eben nicht gerne
sieht, die sich aber doch immer zu den Wohnungen der Menschen halten,
als z. E. Mäuse, Ratzen; diese gezähmte Thiere oder Hausthiere sind
entweder, 1 ohne Disciplin, unter diese gehören die Tauben, die Kat-
zen und die Schweine, 2 unter Disciplin, dahin rechnen wir, den Hund,
das Pferd, den Esel das Camel, das Rindvieh, den Büffel, den Elephant
und das Lama, welches vom Schaaf-Geschlecht ist, rothe Wolle trägt, in
Peru gefunden und daselbst zur Arbeit gebraucht wird. Alle Thiere,
wenn sie unter des Menschen Disciplin kommen, arten gantz aus,
und verliehren gar sehr viel von ihrer Dauerhaftigkeit, und gantzen
thierischen Capacitaet. So hat z. E. das Wilde Schaaf Haare, große Hör-
ner und eine erstaunliche Stärcke; da hingegen das gezähmte Wol-
le und kleine Hörner hat, auch gantz schwach ist. Buffon führt an, daß
von 300 bis 400 Arten von 4füßigen Thieren und etwa 12.000 Arten
von Vögel der Mensch etwa 19 bis 20 Arten zu zähmen gewußt hat, nehm-
lich von den 4füßigen 12 und von den Vögeln acht Arten. Doch ist er noch zwey- 

/ fel- 

/|P_235

/felhaft, ob er den Elephant auch mit zu den Hausthieren zählen soll, weil er sich
nur, wenn er frey ist, begattet.

/Zu den Thieren mit einer Klaue oder den Behuften gehöret. ≤

/A D Pferd. Die aus der Barbarey haben einen langen feinen Hals, dünne
Mähnen, sind meistens grau und 4 Fuß 8 Zoll groß. Die Spanischen von lan-
gem dickem Halse, stärckern Mähnen, breiterer Brust, etwas großen Kopf,
voll Feuer, sind die besten Reit-Pferde in der Welt. Die in Chili sind von
Spanischer Abkunft, (denn in America gab es ehedem keine Pferde) weit küh-
ner und flüchtiger als jene, daher die kühne par force Jagd in Chili. Die Engli-
schen Pferde stammen von Arabischer Race, sie sind völlig 4 Fuß 10 Zoll hoch,
aber nicht so annehmlich im Reiten als die Spanischen. Sie sind sonst ziemlich si-
cher und schnell im Laufen, sie haben trockene und gebogene Köpfe. Die Dä-
nischen Pferde sind sehr starck, dick von Halse und Schultern, gelassen und ge-
lehrig, sind gute Kutschpferde. So auch die Hollsteinischen, welche häufig nach
Rom verschickt werden, weil die Cardinäle in sehr großen Waagen fah-
ren und doch nur zwey Pferde vorspannen dürfen. Die Neapolitaner, die
von Spanischen Hengsten und Italienischen Müttern gefallen, sind gute
Läufer, aber Boshaft und sehr Kühn. Die Arabischen Pferde können Hun-
ger und Durst vertragen, sie werden um ihrer reinen Race wegen, gene-
alogisch aufgezeichnet,
deswegen werden sie nicht nach ihrer Vortreflichkeit,
sondern nach der Abstammung von Pferden irgend eines ihrer alten Hel-
den geschätzt. Die Diplomata, welche oft mehr kosten, als das gantze Pferd

/ sind

/|P_236

/sind allso von gar keinem Nutzen. Beym Beschälen ist der Secretair der
Emirs, der ein untersiegeltes Zeugniß giebt, und das Füllen wird auch durch
ein Diploma accreditirt. Sie fressen nur des Nachts, halten im flüchtigsten
Galopp plötzlich stille, wenn der Reuter herrab fällt,
sie können wohl
24 Stunden ohne Wasser leben, und in der brennensten Sonnen-Hitze, ei-
nige Stunden lang, ohne Schaden zu nehmen, stehen. Sie sind sehr Gelenck-
sam und ohne Tücke, so, daß ein Araber sich schlafen legen kann, während
daß sein Pferd gantz ruhig um ihn herrum geht. Sie sind aber doch nicht so schnell,
wie die Englischen. Das sieht man aus dem Wettrennen, die zu Rom in
einer besondern Straße, Corso genannt, blos mit Pferden ohne Reuter an-
gestellt werden. Hier sieht man den Vorzug der englischen Pferde vor al-
len andern in der Welt. Denn ausser ihnen laufen alle andern Pferde
nur höchstens 50 Fuß in einer Secunde, die Englischen aber legen 80 Fuß
in einer Secunde zurück. Man schätzt hier die Zeit nach einer Pendel_Uhr.
Die Persischen Pferde sind nach den Arabischen die Besten. Die Cosackischen
Wilden-Pferde sehr dauerhaft und schnell. Man kann es am Fül-
len kennen, ob der Beschäler ein gutes Stall-Pferd gewesen oder nicht. Die
Pferde in den heißen und Kältesten Erdstrichen gerathen viel schlechter.
Die auf hohen Ländern besser, als die in fetten Niedrigen. Die Islän-
dischen Pferde sind die Kleinsten und hurtigsten unter allen.
Das Wil-
de Pferd flieth alle Waldungen, und wählt sich nur Hohe trockene Ebenen
zu seinem Aufenthalt, z. E. die Steppen, daher find man sie auch nirgends

/ in

/|P_237

/in gantz Europa als am Don_Fluß. Die daselbst angetroffen werden haben ei-
ne wolligte Haut, Mausfahle Farbe, und große Esels-Ohren. Sie werden von
einem Hengste angeführt, ziehen in großen Horden herrum, und lassen sich gar
nicht zähmen. Sie sind sehr schnell, und die Russen haben sich viele Mühe gegeben
sie zu zähmen aber vergebenst, sie stoßen sich lieber in den Ställen die Häl-
ser ab. Wenigstens wäre zu wünschen, daß man einen Halbschlag von ihnen
ziehen könnte: zumahl, da die wilde Hengste so frech sind, daß sie den Rus-
sen selbst ihre zahmen Stutten entführen. Diejenige wilde Pferde, welche
sich in der Tartarey aufhalten, heißen Dzyetti, haben große Ohren, und
sind in solcher großen Zahl, daß wo sie gegangen sind, man gantze Weiden
weit ihre Fußstapfen siehet, sie ziehen von der Grentze des Indianischen
Gebürges, oder der kleinen Bucharey an, bis an die Grentze des Rußischen
Siberiens gegen Norden herrum. Die Begatung des Esels-Hengstes mit
der Pferd_Stutte zeigt, daß dieses nicht zwey gantz verschiedne Thierarten
sind. In Savoyen giebt man vor auch solche Maulesels zu haben, welche
von einem Pferd-Hengste und Maulesel_Stutte gefallen, und nennt
sie Bardots. Diese sind sehr klein, weil sie von einer Eselin abstammen,
und haben einen sehr ungeschickten Kopf, der fast wie ein Ochsen_Kopf aus-
sieht. Daher kommt die Legende vom so genannten Gumar, davon man
auch in Büschings Geographie etwas findet, der von einem Stier und E-
seln erzeugt worden seyn soll. Es ist aber durch neuere Untersuchungen
Italienischer Naturforscher völlig ausgemacht, daß dieser Gumar weiter

/ nichts

/|P_238

/nichts als der Bardot ist, und daß kein Stier sich mit einer Eselin begatte.

/B. Das Zebra. wird wieder sein Verschulden fälschlich der Africanische Wald-
Esel genannt.

/%Anmerckung: So selten die Zebras auch sind, so hat doch ein König_von_Portugal
einmahl 4 Stück vor seiner Kutsche gehabt.

/Denn es ist das schönste Pferd an Bildung, Farbe und Schnelligkeit in der
Natur, nur daß es etwas lange Ohren hat. Es finden sich welche in Africa
hin und wieder in Abyssinienm»n Congo bis an Caput-Bonae-Spei.
Die Africaner wissen es nicht zu zähmen. Der Mogul kaufte eins
vor 2.000 @%Ducaten@. Die Ostindische Gesellschaft schickte dem Käyser aus Ja-
pan ein paar und bekahm 160.000 %Reichsthaler. Es ist glatthaarigt, hat weiße
und Castanien braune abwechselnde Brandstreifen, die vom Rü-
cken anfangen und unter dem Bauche zusammenlaufen. Da wo
der braune und weiße Streif zusammen laufen entstehet ein gelber
Reif. Um den Schenckel und Kopf gehen diese Kniebänder gleichfalls.

/C. Der Esel. Die Eselin muß nach der Belegung sogleich geprügelt
werden, sonst giebt sie die befruchtende Feuchtigkeit wieder von sich.
Esels und Pferds-Häute werden in der Türckey und Persien durch Ger-
ben und Einpressen der Senfkörner zu Chagrin verarbeitet, davon
allerley Farbe gemacht wird. Der Maulesel, davon diejenige Sorte,
die vom Esel-Hengst und Pferd-Stutte gefallen, am meisten in Ge-
brauch ist. Sie sind größer als die vom Pferd und Eselin gefallnen. Die

/ Maul- 

/|P_239

/Maul-Esel haben die Ohren, den Kopf, den Schwantz, das Kreutz vom Vater, von
der Mutter aber nur die Haare und die Größe. Es sind also nur große Esel mit
Pferde Haaren. Der Wald-Esel oder Anager findet sich in einigen Inseln des Ar-
chipelagus, in der Lybischen Wüste, und noch häufiger in der Wüste Backsan,
ist schlancker und behender als der zahme Esel. Die von ihm gezognen Maul-Esel
sind die stärcken.

/ ≥ II Die Zweyklauigte Thiere, welche ins gesammt gehärnt sind, ausgenom-
men die Schweine. ≤

/A Das Ochsen-Geschlecht. Der gemeine Ochse ist in den fetten und feuchten
Ländern am besten. Die Holländer nehmen große magere Kühe aus Dän-
nemarck, die bey ihnen noch ein mahl soviel Milch geben. Vornehmlich von ei-
ner Zucht, die von einem fremden Stier und einheimischer Kuh in Holland ge-
fallen.
In einer Grafschaft in Engelland giebt man für einen einzigen
Stier zur Begattung bis 100 %Pfund Sterling. Das muß doch auch gewiß eine vortref-
liche Ochsen_Race seyn. Die Africanischen Ochsen haben gemeiniglich einen
Puckel zwischen dem Schulter-Blatte auf dem Rücken.
Der Bisam_Ochs
in Nord-America hat seinen Nahmen daher, weil seine Haare, wenn man
einige davon zwischen seinen Hörnern auszieht, sehr starck nach Bisam rie-
chen. In Abyssinien sind die Ochsen von ausserordentlicher Größe wie Camee-
le, und ungemein wohlfeil. Der Elephanten_Ochs, ist dem Elephanten an
Fell, Farbe, und auch beynahe an Größe gleich, und ist in Abyssinien und Anthi-
opien. Die Hottentottischen Kühe geben nicht anders Milch, als wenn man ih- 

/ nen

/|P_240

/nen mit einem Horn in die Mutter bläset. Die Persischen Kühe geben nur
denn Milch, wenn sie ihr Kalb dabey sehen, daher desselben ausgestopfte Haut
aufbewahrt wird. Die Eydammer, Limburger, Aberdammer, Schweit-
zer und Parmesan_Käse sind die Besten. Die Irrländischen Ochsen haben
kleine Hörner und sind klein. Die in Guinea haben ein schwammigtes-
Fleisch, so wie in andern heißen Ländern, welches sehr wenig wiegt, und
groß aussieht. Die Goldschläger brauchen eine feine Haut, zwischen wel-
cher sie die Gold-Blätchen dünne schlagen. Diese Haut wird vom Inn-
wendigen des Ochsen_Darms abgezogen, und einzig und allein in En-
gelland praeparirt. Das Rind-Vieh aus der Barbarey hat eine gantz
andere Gestallt, an Haaren, Hörnern und übrigen Leibes-Bildung, als
das Europäische. Die Barbarische Kuh hat rückwärts gebogene Hör-
ner,
wie die Ziege und wird in Indien zum Lasttragen gebraucht,
er ist wild, und gehört in Asien, Egypten, Griechenland und Ungarn zu
Hause, sie können gezähmet werden. Der Auer-Ochs in Pohlen, Preus-
sen und Rußland ist bekannt. Er findet sich auch in Africa, am Senegal,

ja so gar in Nord-America, woselbst er so wie der Bisam-Ochs derge-
stallt mit Wolle bewachsen ist, daß man den Kopf kaum sehen kann,
und daher sehr fürchterlich aussieht. Der Auer-Ochs mit einer großen
Mähne, ein tapferes Thier, mag vieleicht der Ur, oder Stamm-Ochs
des Rind-Geschlechts seyn. Der Büffel-Ochse hingegen scheint von einer

/ gantz

/|P_241

/gantz andern Race zu seyn. In Paraguay in America haben sich die Rin-
der so gemehret, daß wohl alle Jahr an 50.000 Stück können geschlachtet
werden, ohne daß man einen Mangel daran verspühret.

/B. Das Schaaf-Geschlecht. Das Schaaf scheint wohl das erste unter allen
Hausthieren zu seyn, weil es allenthalben fortkommt, und so gar in
den Dürren Wüsten von Lybien und Arabien häufig angetroffen
wird, wohin doch der Auffenthalt des ersten Menschen mit Recht gesetzt
werden kann. Es läßt sich auch leicht zähmen, und kann wenn es zahm
ist, fast gar nicht ohne Menschen leben. Dafür nutzt es ihm aber auch, und
am meisten im Orient, wo man gemeinhin Schöpsen-Fleisch, nur sel-
ten Rindfleisch ißt. Vieleicht kommt es auch daher, daß man bey den Poe-
ten den Jupiter mit einem Widder-Kopf geschildert findet, wodurch sie
vermuthlich die Große Wohlthat Gottes in diesem Thier für die Menschen be-
zeugen wollten. In Irrland sind viele Schaafe mit 4 Hörnern, die Is-
ländischen Schaafe haben 3 Hörner, das wilde Schaaf hat blos Haare wie
ein Ziegenbock, und ist das wahre Stamm-Schaaf.

/%Anmerckung. Wilde Schaafe sind die Moufsons in Corsicka und die Argalios
in der Mungaley bey Syberien.

/Die Spanischen Schaafe haben die feinste Wolle, man nennt sie auch die
Wolle von Segovia, weil in dieser Stadt der Hauptmarckt ist.

/%Anmerckung. Gmelin sagt die Gegenden wo wir die besten Felle herbekommen,

/ seynd

/δLage_FF

/|P_242

/seynd die wo die Thiere am mehresten hungern müssen.

/Die spanischen Schaafe machen eine einzige Herde aus, welche zur
Sommers-Zeit sich in den Asturischen Gebürgen, des Winters aber in
Andalusien aufhalten. Die Spanischen Schaafe kommen während
ihres Marsches gar nicht auf Wiesenland, sondern nur in dürre Gegen-
den wo gantz Kurtzes Gras wächst, und sind immer in freyer Luft. Die-
sen beyden Ursachen schreibt man es zu, daß sie die beste Wolle in
gantz Europa haben. Während ihres Marsches kann man sie nicht es-
sen, so wie man auch bey uns die Schaafe, welche man zur Wollschur
aufzieht nicht zugleich zum Schlachten aufmästet. Diese Schaafe ziehen
in einer Heerde von mehr als 2 Millionen herrum, wozu alle Privat-
Leuthe ihre Heerden mitgeben. Das Commando bey einem solchen
Marsche führt der General-Inspector über die Königliche Heerde, der
wieder verschiedne Subalterne, Unterbedienten hat. Doch ist diese
Einrichtung, so nützlich und Vortheilhaft sie auch für die Besitzer der
@Staaf@-Heerde ist, immer noch ein Zeichen der Barbarey in Spanien,
denn man kann leicht dencken wie viele schöne Ländereyen dadurch
verwüstet und unfruchtbar gemacht werden. In Engelland, woselbst
die Schaafe eine Race von Spanischen sind, beugt man der Ausar-
tung sorgfältig vor. Man kauft oft Widder aus Spanien, und be-
zahlt sie mit 100 %Reichsthalern. Das Arabische breitschwantzige Schaaf, hat ei-
nen Schwantz der wohl eine Elle breit ist, und 40 %Pfund wiegt, ob er gleich

/ gantz

/|P_243

/gantz kurtz ist und aus lauter Fett besteht, das Schaaf selbst ist ungehörnt. Das Arabi-
sche langschwäntzige Schaaf hat einen 3 Ellen langen Schwantz, welchen fortzu-
bringen man einen Rollwagen anbringt. Das Syrische Schaaf hat Ohrlappen,
die fast bis auf die Erde reichen.
Die Wolle des Americanischen Schaafs Vicunna
genannt, woraus die Frantzosen Vigogne gemacht haben, ist so zart, daß kaum
die Seide so zart seyn mag. Eine Elle Zeug das aus dieser Wolle zubereitet
worden, kostet auf 16 @%Ducaten@, und ein Paar Handschuh davon in Leipzig 5 %Reichsthaler.
Die Wolle selbst ist braungelb. Das einzige Lastthier, welche«n»s den America-
nern eigen ist, wird von den Spaniern Llama, (welches Liama, so wie Vicun-
na eigentlich Vicunia und Sevilla recht Sevillia ausgesprochen wird, weil
im Spanischen oft zwey gleichlautende Consonanten auf einander folgen
und denn allemahl mit dem Vocali (i) zusammen gelesen werden) genannt.
Diese Llamas gehen sehr gravitaetisch, und tragen ihre langen Hälse, selbst
beym schnellsten Laufe gantz gerade wie die Schwäne. Bey ihrem Schritt
oder Sprung, drehen sie, wenn sie auch noch so schwer beladen sind den Kopf bald
rechts bald links herum, recht als ob sie sich etwas auf ihre Stärcke und Bil-
dung zu gute thäten, und gern sehen wollten, was die Leute von ihnen
dächten. Mit diesem Llama hat das Vicunna große Aehnlichkeit, ist aber
Wild und kleiner, dabey sehr furchtsam. Es hällt sich in den öden cordillerischen
Gebürgen auf, und wird nicht geschoren, wenn man seine Wolle haben will,
sondern abgezogen und die Haut wird denn samt der Wolle verkauft. Es
würde aber weit klüger seyn, wenn man aus der Heerde, die man von

/ diesen

/|P_244

/diesen Schaafen mit leichter Mühe zusammen treiben kann, einen nach dem
andern nehmen, abschären und denn wieder laufen lassen möchte. Es wür-
den sich diese Thiere alsdenn weit stärcker vermehren können.

/Das gantze Schaaf-Geschlecht hat überhaupt eine große Verwandschaft mit
den Ziegen, dem Stein-Bock und der Gemse.

/C. Das Bock-Geschlecht. Der Azorische Bock in Galatien, nicht weit vom
schwartzen Meer, hat feine gläntzende Haare zum Zeugmachen. Die
Cameel-Ziege in America ist 4_1/2 Fuß hoch, kann aufgezäumet, beritten
und beladen werden, trägt das Silber aus den Berg-Wercken, arbeitet des
Abends niemahls und selbst bey den härtesten Schlägen seufzet es nur. Die
Cameel-Haare sind das Haar von kleinen Persischen, Türckischen, Ara-
bischen, Galatischen oder Azorischen Ziegen. Das Cameel-Garn wird am
liebsten mit Wolle vermischt, die Türcken lassen bey hoher Strafe keine
aus dem Lande.
Das was wir Cameel-Garn nennen, soll eigentlich
Lämme«l»r-Garn heißen, weil selbiges von der Wolle einer gewissen Art
von Ziegen in Angor einer Stadt in Galatien gekämmt wird. Diese
Ziege hat sehr schöne 8 Zoll lange weiße Haare, und heißt in der Türckey
Lämmel, der Cameel aber hat dort einen gantz andern Nahmen.

/Corduan wird aus Ziegen_Leder gemacht, kommt aus Marocco, und hat
seinen Nahmen von der Stadt Cordova in Spanien, wohin die Mohren
selbiges verhandeln. Der Saffian ist nichts anders als ein feiner Corduan
und gleichfalls ein Ziegen-Fell. Der Scapf, aus welchem persischen
Wort man Chagrin gemacht hat, womit man Etuis überzieht, und welches

/ man

/|P_245

/man auch bey Uhren braucht, wird am besten in Persien aus Eselshaut verferti-
get, die mit Senfkörnern belegt und gepreßt wird, daher die vielen Erhöhun-
gen und Vertiefungen in diesem Leder sind.

/Der Stein-Bock hat zwey Ellen lange knotigte Hörner. Die Knoten zei-
gen die Jahre an, sie sind in den Schweitzer-Gebürgen und in Saltzburg anzu-
treffen. Sie sind die größten Springer unter allen, legen ihre Wildheit ab,
wenn sie in die Ebene gelockt und gefangen werden, und bewohnen die ober-
sten Spitzen der Berge; Gemsen mit haackigten rückwärts gebogenen
Hörnern, sie können gezähmet werden.
Die Gemse-Jagd ist sehr mißlich,
daher braucht man Flinten mit 2 Schlössern dazu, womit man 2 Schüsse
auf einmahl thun kann. Die Africanische Gezella welche man auch in
Arabien findet ist auch eine Gattung von Gemsen, sie haben sehr schöne Augen,
und werden von den Leoparden, die man vorher zahm gemacht hat ge-
fangen. Der Muscus-Bock (Bisam-Bock) meistens ungehörnt lebt in Chi-
na, Persien, Africa, hat eine Bisam-Blase, oder Nabel-Tasche. Man kann
ihm den Moschus mit einem Löffel herraus nehmen, man verfälscht ihn
mit desselben Bluthe, daß auch nach Moschus riecht. Das Bezoar-Thier fast wie
eine Ziege
wird in Indien angetroffen, hat den Nahmen wegen des
Magen-Balles, den Man Bezoar-Stein nennt,
und welches ein wahres
Artzeney-Mittel ist. Die meisten Bezoar-Steine sind aus dem Magen der
Hirsche, so hat man auch tauben_Bezoar und andern mehr. Die Russen bekom-
men den Muscus von den Bengalen und aus Thibet, dieses ist der beste Bisam.

/ Unter

/|P_246

/Unter den andern Nahmen von Ziegenböcken bemercken wir das Guinei-
sche blasgelbe Böckchen, es ist nicht viel größer als ein Caninchen und
springt doch über eine 12 Fuß hohe Mauer weg. Das Ziegen_Einhorn ist von
Steller in Kamschatka entdeckt worden. Der Gier-Affe oder Camelopardus
hat einen langen Hals, und ist so groß als ein Cameel, es ist wie ein Par-
der gepfleckt, hat vorwärts gebogene Hörner,
sehr hohe Beine, und wird
in Abyssinien gefunden.

/D) Das Hirsch-Geschlecht, und zwar giebt es

/1) Wiederkäuende, mit rechtem ästigem Geweihe, nehmlich,

/a) Der Hirsch. Er wirft im Frühjahr, vom %.Februar bis an den May sein Ge-
weih ab. Sie kämpfen unter sich mit Geweih und zerbrechen es, verwi-
ckeln sich auch oft so, daß sie auf dem Kampf-Platze gefangen werden.
Die Brunst-Zeit ist im September, und währet 6 Wochen. Zu dieser Zeit
wird ihr Haar dunckler, aber ihr Fleisch stinckend und uneßbar. Ihr Ge-
weihe ist von 20-30, ja wohl gar, ob zwar selten von 66 Enden, wie
derjenige hatte, den der König Friedrich in Preußen erlegte. Jung
verschnittnen Hirschen wachsen keine Geweihe.
Die Weibchen haben
kein Geweihe. Er ist ein vollkommner Schwimmer und setzt oft über
große Ströhme. In einem Alter von 18 Monath ist der Hirsch fähig
seines gleichen hervorbringen zu können. An den Augen der Hirsche
sind Vertiefungen, oder so genannte Trähnen-Hölen, welche einen
schwartzen Boden-Satz von zartem, fetten, und leichtem Wesen ent-
halten, welche Hirsch-Trähnen oder Hirsch-Bezoar genennet werden.

/ Eben

/|P_247

/eben so endigt sich auch der große aufgeschlitzte Augen-Winckel des Elends in eine
Trähnen_Drüse, die 1_1/2 Zoll lang ist, unter einem spitzigen Winckel.

/b) Das Reh; gleichsam ein Zwerg-Geschlecht vom Hirsche mit kürtzerm Gewei-
he. Unvollkommen verschnittenen Rehböcken sträubet ein straubartiges Ge-
weih manchmahl lockigtes wie eine Perücke hervor.

/c) Das Zwerg-Hirschchen ist nicht einmahl so groß wie ein kleiner Haase, sein
in Gold gefaßtes Füßchen wird zum Taback-Stopfen gebraucht.

/2) Mit schauflichtem Geweihe. Das Elendthier, welches man in den Nordlichen
Gegenden von Europa, Asien und America findet. Die Hottentotten fan-
gen es mit einer Schlinge, an einem zurückgebogenen Baume welcher auf-
schnellet. Seine Stärcke in den Beinen ist ausserordentlich,
wenn es läuft
oder rasch geht, so macht es mit den Hufen, so oft es zutritt ein starckes Geklap-
per, daß es einem vorkommt, als wenn die Beine aus allen Gelencken gehen.
Es thut aber keine solche Sätze und Sprünge als der Hirsch. Sie scharren
nach Gewohnheit der Hirsche die Erde auf, wenn sie sich niederlegen wol-
len oder wenn die Leidenschaft der Liebe sie rege macht. In Irrland
gräbt man jetzt so gar aus der Erde Geweihe vom Elend, welches aus der
Rußischen Sprache herkommt, in der ein jedes Thier, das ein Geweihe hat
Elene, oder in einem andern Slawonischen Dialect @Alene@ genennet
wird. In Nord-America, nennen es die Franzosen den Karaibu, die
Engelländer aber reden noch von einem Masel-Thier, welches nichts weiter
als ein erstaunlich großes Elend ist, dessen Geweihe 10-12 Fuß von einander
entfernt seyn soll.

/ 3 Mit

/|P_248

/3) Mit vermischtem Geweihe, als der

/a) Damm-Hirsch (Dama) mit flacher Geweih-Krone, ist etwas größer als ein Reh-
bock, und kleiner als ein Hirsch.
Die Weiblichen haben kein Geweihe.

/b) Das Rennthier, mit schauflichter Gewei«c»h-Krone. Die Weibchen derselben
haben auch ein ob zwar kleineres Geweihe. Es giebt wilde und zahme Renn-
thiere. Sie scharren im Winter den Mooß an den Bäumen unter dem Schnee
hervor
und ernähren sich davon. Das Rennthier gehet unter allen Graßfres-
senden Thieren am meisten nach Norden, und nach den Polar-Gegenden, es
läuft sehr schnell, sonderlich über Eis, und ist so munter, daß es auch im tiefsten
Schnee gantze Meilen lang aushält. Die wilden Rennthiere halten sich in
den Gebürgen des Schwedischen Lapplands auf. Es ist ein gantz vortrefli-
ches Hausthier und wird unter andern auch dazu gebraucht, um einen
Schlitten, der einem Kahn gleich ist, fortzuziehen, der Schlitten wird ver-
mittelst eines Fadens an dem Geweih des Rennthiers festgemacht. Im
Sommer werden die Rennthiere sehr oft toll von den Wild-Bremsen, wel-
che daselbst wegen der vielen Morräste sehr häufig sind, es wirft auch so wie
der Hirsch alle Jahre sein Geweih ab.

/E) Das Schwein-Geschlecht. Eine ungehärte Art der Schweine wieder-
käuen nicht. Sie haben etwa 6 Eiter mehr als andere 2klauigte Thiere.
Sie haben das Fett nicht so wohl im Fleische untermenget, als unter der
Haut. Der Eber frißt die Jungen, wenn er dazu kommen kann, auf,
Dieser imgleichen die Sau fressen öfters andere Thiere, ja Kinder in
der Wiege auf. Die Eichel-Mast ist die beste für sie. Die feinen erkennt man
an den Bläschen, die den Untern Theil der Zunge Einnehmen. In den Hei- 

/ den

/|P_249

/den belaufen sich die Zahme und Wilde mit einander, daher findt man öfters
wilde Schweine die weiß gefleckt sind, obgleich sie sonst schwartz aussehen. Der
wilde Eber ist sehr grimmig. In China sind die Wilden Schweine von schönen
Geschmack,
so wie überhaupt alle orientalische Schweine sehr schönes Fleisch
haben, das weit verdaulicher als das Unsrige ist, und dahero selbst von Kran-
cken genossen wird. Die zahmen Schweine, wenn sie gleich herrüber ge-
bracht werden, so werden sie doch in den hitzigen Welttheilen gleich schwartz.
Das Mexicanische Muscus-Schwein hat oben am Rücken nahe beym Schwant-
ze einen Ritz, worin durch verschiedne Gänge ein wahrer und starcker
Muscus enthalten ist. Das Babirousa oder Schwein auf einigen Molucci-
schen Inseln vornehmlich Barro ist klein, von glattem Haar, einem
Schwein_Schwantze, es wachsen ihm 2 Zähne aus dem obern Kinnbacken
in einem Halben Circkel nach den Augen zu.
Die kleinen Schweine
sind auf allen Inseln der Süd-See, aber doch kostbar, weil ihr Unterhalt
viel Schwierigkeit macht.

/ ≥ III Thiere mit 3 Klauen. ≤

/Das Nase-Horn hat eine dicke in lauter Schilder gefaltene und gantz
unbiegsame Haut, aber sonst keine Haare, ei«m»n nach proportion seines
Körpers kleines Horn auf der Nase,
welches aber doch viel größer, als das
Horn eines Ochsens ist. Es braucht sein Horn vorzüglich, die Morräste aufzu-
reißen, und Kräuter hervorzusuchen. Es lebt in Sümpfen. Die Alten hat-
ten 2 Hörner, eines hinten und das andere auf der Nase. Es leckt den Thie- 

/ ren

/δLage_GG

/|P_250

/ren das Fleisch mit der Zunge ab, und hat eine wie ein Lappen abwärts ge-
krümmte Oberlippe.
Sonst ist seine Zunge weich; obgleich einige versichern, daß
die Zunge der Africanischen Nashörner scharf als ein Reibeisen seyn soll.
Wenn man auf das Nashorn einen Tieger setzt, so bringt jenes diesen ums
Leben. Es hat sehr kurtze Beine.

/IV. Thiere mit 4 Klauen. ≤

/Der Hippopotamus oder das Nil-Pferd siehet von forne einem Ochsen
und hinterwärts einem Schweine ähnlich, hat einen Pferds-Kopf, und ein
Ochsen_Maul, ist schwartzbraun, hat sehr dicke Füße im Umkreise, spritzt
aus weiten Naslöchern Wasser hervor, ist eben so dick, und meist so hoch wie
ein Nashorn. Es hat 4 aus dem Kinnbacken herraustehende Zähne, so groß
als ein Ochsen_Horn, sie werden, weil ihre Farbe beständiger ist, als das El-
fenbein, auch für besser als dieses gehalten. Seine Haut ist an den meis-
ten Stellen Schußfrey. Es wiegt auf dreyßig Centner,
und wird in allen
Ländern von America angetroffen.

/ V Thiere mit 5 Klauen. ≤

/Der Elephant ist eben so nackend wie die vorigen, lebt eben so wie
jene in Sümpfen, und ist das größte Landthier. Die Haut ist grau.
schwartze und weiße Elephanten sind rar. Er kann seine Haut durch
ein Fleisch_Fell, das unter derselben liegt, zusammen ziehen, daß er Flie-
gen damit fängt. So wie der Mensch eine solche sehnigte Haut an der
Stirn hat. Er hat einen Kurtzen Schwantz mit langen borstigen haa-
ren, die man zum Räumen der Tabacks-Pfeifen braucht. Er ist 15 und

/ mehr

/|P_251

/mehr Fuß hoch, hat aber so wie die vorigen Thiere, kleine Augen. Sein Rüssel
ist das vornehmste Werckzeug, mit diesem als mit einer Hand reißt er das Fut-
ter ab, und bringt es zum Munde, es sauget damit das Wasser, und läßt es
in den Mund laufen, er riecht dadurch, und trinckt nur, nachdem er das
Wasser trübe gemacht hat, er hebt damit einen Menschen auf und setzt ihn
auf seinen Rücken, mit demselben kämpft er auch.
Er ist oft so sanftmü-
thig, daß man ihm auf dem Kopf Kokos-Nüsse entzwey schlagen kann,
doch muß er selbst auch etwas davon haben, sonst rächt er sich dafür mit sei-
nem Rüssel. Die Indianer bewafnen ihn mit Degen-Klingen. Er braucht
den Rüssel, wenn er schwimmt, als eine Taucher-Röhre, wenn der Mund
unter Wasser ist. Er schwimmt so starck, daß ihm ein Kahn mit 10 Rudern
nicht entfliehen kann. Aus den obern Kinnbacken gehen die 2 größten
Zähne hervor, deren jeder auf 10 Fuß lang und 4 Spannen dick ist, und
mancher auf 3 Centner wiegt. Mit diesen streitet er, reißt die Bäume aus;
zerbricht dieselben aber auch oft dadurch, oder verliehrt sie aus Aelter,
daher viele Zähne in den Inndischen Wäldern gefunden werden. Die
männliche Ruthe ist länger als ein Mensch, der Umkreiß in ihrer größ-
ten Dicke 3_1/2 Fuß. Seine Zähne sind als ein 4 mahl eingesch«m»nittener
Pferde Huf anzusehen. Sein Huf am Vorder Fuß ist allenthalben 1_1/2 Fuß
breit. Der Hinterfuß ist längligt rund 1/2 Fuß lang und 1 Fuß breit. Sei-
ne Ohren sind wie zwey große Kalbfelle anzusehen. Er verträgt nicht
die Kälte.
Die alten Elephanten schlafen im stehen; die Jungen aber le-
gen sich nieder. In Africa ist er nicht über 12 Fuß hoch, in Asien aber bis 18 Fuß.

/ Wenn

/|P_252

/Wenn sie in ein Tabacks-Feld kommen, so werden sie truncken, und geben
tolle Streiche an, wenn er des Nachts in ein Neger Dorf geräth, so zertrit
er ihre Häuser wie Nußschaalen. Er thut ungern keinen Schaden. Seine
Haut ist fast undurchdringlich, hat aber viele Ritzen und Spalten, die aber
durch einen hervorkommenden Schleim wieder verwachsen. Er wird mit
Eisernen Kugeln zwischen dem Aug und Ohr geschossen; ist sehr gelehrig,
und Klug, daher er in Ostindien eines der nützlichsten Thiere ist. Er läuft
viel schneller als ein Pferd. Man fängt ihn, wenn man ihn tödten will
in tiefen Gruben, will man ihn aber zähmen; so lockt man ihn durch das
Weibchen in verhauene Gänge,
oder wenn man einen wilden Elephan-
ten zwischen 2 zahme stellt; so machen dies jenen Endlich eben so zahm
wie sie selbst sind, indem sie ihn sobald er Streiche macht, von beyden Sei-
ten, wechselweise stoßen und schütteln. Die Negers essen sein Fleisch. Er
läßt sich nicht nur zähmen, sondern auch discipliniren. Wenn man seine
große Stärcke und Aehnlichkeit mit dem Menschen betrachtet, so ist er
ein bewunderungswürdiges Thier. Buffon bemerckt, daß alle Thiere,
an denen man den Organ von Menschen_Händen findet, auch überhaupt
dem Menschen näher kommen. Der Rüssel dienet ihm anstatt der Hand,
der ausser der Biegsamkeit oben an dem Rande eine Musculeuse Haut
hat, womit er alles anfassen und tractiren kann. Ohne Rüssel müste der
Elephant sterben. Denn er kann mit seinem Munde weder fressen noch
saufen, weil derselbe zu hoch ist. Seine Zähne sind ehr für Hörner als für Zähne
zu halten, weil sie im Wasser aufgelößt und zusammen gepreßt werden

/ können

/|P_253

/können, welches bey einem wahren Knochen nicht statt findet, daher heißen sie auch
Maul-Hörner, sie werden ihm sehr schwer zu tragen, daher er auch seinen Kopf
immer auf etwas legt um auszuruhen. Er hat kleine Augen, weil diese
zum Sehen immer besser taugen, als wenn ihre Größe nach der Colossischen
Bauart seines Körpers in Proportion eingerichtet wäre. In Indien
werden die Elephanten auch zum Kriege gebraucht. Sie kosten aber sehr
viel zu unterhalten, und schaffen doch keinen sonderlichen Nutzen, weil
sie oft in ihrer Armee mehr Schaden thun, als in der Feindlichen. In Africa
thun sie in ihrer Wildheit den Wachs-Feldern großen Schaden.

/In Surate werden sie dazu gebraucht um die Fässer ins Packhaus zu brin-
gen, und schieben so gar Steine dafür, damit sie nicht wieder zurückrollen.

/Der Elephant ist ein sanftmüthiges Thier, und scheint ein Analogon der
Moralitaet zu seyn. Er versteht wohl Spaß, läßt sich aber nicht necken.

/ Zweyter Abschnitt
/Von den Thieren mit Zeen
/Von den Thieren mit einem Zee
. ≤

/Der weiße Americanische Ameisen-Fresser hat einen Zee und kommt
übrigens mit andern Ameisen-Fressern überein.

/ ≥ Von den zweyzeehigten Thieren. ≤

/Dahin gehöret das Cameel, dieses scheint nur für Sandgegenden gemacht
zu seyn, weil es die Saltz-Kräuter liebt, daher es auch in America nicht hat
gedeyen wollen. Es hat eine besondere Art von Magen, der in gewisse
Fächer eingetheilt ist, ausser seinen 4 Maagen hat es noch einen 5ten Beutel,

/ der

/|P_254

/der ihm zum Behältniß dienet, um daselbst das Wasser zu seinem fernern
Unterhalt zu bewahren, und der auch ziemlich geräumig ist. Durch das Zu-
sammenziehen der Musckeln, kann es einen Theil dieses Wassers in sei-
nen Pansch, und von da bis an den Magen Grund zurücksteigen lassen, weil
es in diesem Behälter gesund und lauter bleibt. Das Cameel mit 2 Bu-
ckeln findet sich in Persien, in der östlichen Tartarey und in den großen
Ländern der Mungalen. Das Cameel wird in verschiedne Arten einge-
theilt, nehmlich

/1 Das Bactrianische hat einen Haar-Buckel auf dem Rücken, und ei-
nen unter dem Leibe. Seine Buckeln sind eigentlich keine Fleisch-Er-
höhungen, sondern nur harte lederne Stellen mit dichten langen Haa-
ren bewachsen, seine Länge beträgt 10 Fuß, und seine Höhe 6 Fuß. Es
hat die gröste Stärcke unter allen Cameelen, und lebt in den Wüs-
ten gegen China, im nordlichen Indien auch am Caspischen Meer. Es
trinckt wie die übrigen wenig, trägt bis 10 Centner, die ihm, nachdem
es sich auf die Knie zur Erde gelegt hat aufgepackt werden. Es geht
den Tag bis 10 Meilen gepackt, und lernet tantzen. Aus seinen Haa-
ren die es in 3 Tagen im Frühling ausfallen läßt, werden schöne Zeu-
ge gearbeitet,
in Archangel macht man guten Cammelot davon.

/2) Der Dromedarius hat nur einen Rücken und Brustbuckel, ist kleiner
und schneller im Laufen, als das vorige, ist in Syrien und Arabien zu
Hause, und hat starcke Polstern in den Knien. Es geht in einem Ta-
ge ohne Ermüdung 40 Frantzösische, oder ohngefehr 30 Teudsche Mei- 

/ len

/|P_255

/len, und kann bis 5 Tage dursten.

/3) Das kleine Post-Cameel, geht beynahe eben so schnell, als das vorige. Es ist
aber gemächlicher zum Reiten.

/4 Das Peruanische Schaaf-Cameel hat die Größe eines Esels, und wird
wegen der Wolle und des Fleisches erzogen.
Es geht sehr gravitaetisch und trägt
den Kopf empor. Der Cameel-Mist, wenn er getrocknet, und zu Staube
gemacht ist, dient statt dürren Holtzes zum Feuer.

/Von den Dreyzeehigten Thieren. dahin gehöret ≤

/1) Das Faulthier. Das weiß graue Americanische Faulthier hat ein
lachendes Gesicht, weiße dicke Haare, plumpe Taille, klettert auf den
Bäumen, ist erstaunend langsam und rettet sich bloß durch sein Geschrey.
Wenn es einen schnellen Marsch antritt; so legt es in einem Tage höchstens
50 Schritte zurück.
(Bey jedem Tritte den das Faulthier thut schreyt es)
Marggrafs Faulthier ist eine Art davon. Der verkleidete Faulthiers-
Affe, hat einen Hunds-Kopf und ist 2zuehig.

/2) Der Ameisen-Fresser. Der große Ameisen-Bär hat eine sehr lange
und spitzige Schnautze, eine Zunge die rund ist, und die er 1_1/2 Elle
herrausstrecken kann, womit er die Ameisen aus dem Hause herrauszie-
het. Er hat keine Zähne. Der mittlere Falbe Ameisen Bär und der oben be-
schriebene einzeehigte kommen in der Nahrung mit ihm überein.
Die Amei-
sen Thiere sind mehrentheils gepantzert.

/Von vierzeehigten Thieren. ≤

/Das Pantzer Thier, und zwar der gepantzerte Ameisen Baer (Formosa) hat
schuppigte Pantzer, worin er sich wieder alle Anfälle zusammen ziehen

/ kann

/|P_256

/kann, lebet übrigens, wie die vorigen. Das Formosische Teufelchen, Orien-
talischer schuppigter Armadillo hat einerley Lebensart mit den Amei-
sen-Fressern, aber einen schönen schuppigten Küras, worinnen er wie-
der alle Raubthiere sich rüstet. Einige sind 6 Fuß lang, und keine Ku-
gel durchdringt ihren Pantzer. Dazu gehöret auch der Americanische Ar-
modillo. Er lebt in dem Aeussersten von Ostindien. Seine Schilder sind
gläntzend, er lebt im Wasser und auf dem Lande.

/ ≥ Von 5Zeehigten Thieren

/Der Mensch sollte unter diesen billig die erste Classe einnehmen; aber
seine Vernunft erhebt ihn zu weit über die Thier-Gattung. Es gehört dahin

/1) Das Haasen-Geschlecht. Der Haase lebet 7-8 Jahr. Er hat schon im
ersten Jahr das Vermögen zu rammeln. Er hat kein scharf-Gesicht,
aber besser Gehör, ist verliebt und furchtsam, begattet sich fast alle 4 o-
der 5 Wochen
(hauptsächlichste Rammel-Zeit ist von Januar bis zum
Mertz), säugt sie Jungen, die, wenn sie zur Welt kommen, offne Au-
gen haben nicht über 3 oder 6 Tage, druckt sich bey der Hetze, verhackt sich,
ehe er sich lagert, und sucht, wenn er daraus vertrieben wird, es wieder
auf. Die Wald-Haasen sind stärcker als die Feldhaasen. In Norden und
in den Alpen sind weiße Haasen, schwartze sind selten. Bisweilen hat
man auch gehörnte Haasen mit einem schauflichten Geweihe angetrof-
fen. Die Zwerghaasen sind häufig in Spanien. Die Füchse, Wiesel
und Iltisse thun unter ihnen starcke Verheerungen.
Die Beschaffen-
heit des Erdreichs hat auf die Haasen einen starcken Einfluß. Die Berg- 

/ Haasen

/|P_257

/Haasen sind größer und dicker als die Feld-Haasen. Die in Norden, in ho-
hen Gebürgen sind im Winter weiß, die Schwartzen sind selten. Die Haa-
sen in den Nördlichen Ländern sind viel kleiner, als die in den Südlichen.
Von den Nordamericanischen bereitet man ein vortreffliches Pelzwerck.
Die Holtz-Haasen halten sich im Winter in den Erlen und Fichten Grün-
den auf und bewohnen die Gebüsche. Die Stein- und Sand-Haasen un-
terscheiden sich in der Farbe. Gehörnte Haasen sind eine Ausartung der
Gesetzlosen Natur, und solche Hörner sind eigentlich ordentliche Geweihe,
mit Enden versehen. Die Moscauischen Weißen sind die Besten und
größesten, die man in Winterkleidungen zum Peltz-Futter gebraucht.

/2 Das Eichhörnchen sammlet sich Nüsse und Obst, und wird in den Nordi-
schen Ländern im Winter grau, daher das Grauwerck ist. Das gestreif-
te Americanische Eichhörnchen hat 7 weiße Bandstreifen längst sei-
nem Leibe. Das voltigirende oder fliegende Eichhörnchen ist kleiner
als das gemeine. Seine Haut in den Seiten verlängert sich in ein Fell,
welches an den Füßen befestiget ist, und womit es flieget. Es findet sich
in Rußland, imgleichen mit einigen Veränderungen in Virginien.

Die gemeinen polnischen Eichhörnchen haben ein graues Fell, das sich
aber nie mit der Jahres-Zeit ändert. In Schweden finden sich einige, die
weiße Füße, und einen weißen Schwantz haben. In Syberien findet
man auch gantz weiße mit rothen Augen, und hin und wieder auch
Schwartze.

/ 3 Das Ratten

/δLage_HH

/|P_258

/3) Das Ratten-Geschlecht. Das Murmel-Thier ist größer als ein Caninchen, schläft
oder Frißt den gantzen Tag über. Die Schlaf-Ratte hat die Größe von einem
kleinen Eichhorn. Der Hamster macht sich Hölen unter den Baum-Wurtzeln,
worin er viel Feld-Früchte sammelt. Die wohlriechende Wasser-Ratte ist
so groß wie ein Maulwurf mit wohlriechendem Fell und Nieren.

/4 Das Mäusen-Geschlecht. Dahin gehört die gemeine Haus-Ratte. Es
sind weniger Weibchen als Männchen darunter. Die Glines bey den Rö-
mern bedeutete die Schell-Mauß, welche man jetzt noch häufig in Deutsch-
land und Italien antrift, und die den Winter über schläft. Weil man sie
zu Rom als Delicatesse aß, so legte man ordentliche cliraria an.
Ihr Fleisch soll gut schmecken, und recht gesund seyn. Die Ratten fressen
sich untereinander selbst auf, wie die Spinnen. Sie sind wahrscheinlich
erst aus America nach Europa gebracht worden, denn America und die
Süd-See_Inseln sind voll davon, doch sind sie vieleicht auch schon vorher
in Asien gewesen und haben sich nachhero bis nach Europa ausgebreitet.

/Vom Ratten-König. Wie ihrer Verwüstung vorzubeugen. Die Wasser-
Ratte, Feld-Ratte, Haus-Ratte oder Maus pp. sind bekannt. Die Suri-
namische Maus mit langem ringlichtem Schwantze, daran die Jun-
gen, die auf de«m»n Rücken der Mütter steigen, sich mit ihrem Schwäntz-
chen anschlingen und in Sicherheit gebracht werden können, ist merck-
würdig. Die Americanische Beutel-Ratte oder Philander ist 31 %Zoll lang.
Das Weibchen trägt ihre Jungen im Beutel, welchen es unter dem Bau-
che hat, die Weibchen legen sich auf den Rücken, lassen sich mit allerley

/ Futter

/|P_259

/Futter beladen, und schleppen es in das Nest. Die Pharaonis-Mauß ist so groß
als eine Katze und zerstöhrt die Eyer des Crocodills, und frißt sie auf. Die Berg-
Maus in Norwegen, Island und Canada zieht in ungeheuer großen Heerden
zu hundert tausend herrum, und zwar was gantz sonderbar ist, immer in
einer geraden Linie, die sie sehr ungerne unterbrechen, und daher über Stei-
ne Flüße und Menschen herrüber zu setzen suchen. Die Feld-Maus schwimt
über Flüße und rudert mit dem Schwantz. Es versaufen aber deren zu
tausenden. Der Maulwurf gehet in der Erde nur auf die Regen-Wür-
mer loß, und ist nicht blind. Zum Mäusen_Geschlecht gehören auch die 4 Füßi-
gen Vögel, als, die Fledermaus, die Fliegende Katze, die fliegende Ratze.
Alle diese Thiere haben Haacken an den Füßen. Der fliegende Hund in
Ostindien und Neu-Spanien ist der größte unter allen Fliegenden
Hunden.

/5. Das Wiesel-Geschlecht. Die Speicher-Wiesel haben einen häßlichen Ge-
ruch. Der Hermelin, ist ein Weißer Wiesel. Die Iltis hat ein Beutelchen am
Hintern mit einem stinckenden Saft, so wie die übrigen Wiesel.
Das Frett
ist eine zahmgemachte Wiesel, die in Engelland dazu gebraucht wird, die
Caninchen aus ihren Minen in den Caninchen_Bergen herraus zu ja-
gen. Der Marder riecht gut. Der Zobel ist ein Syberisches und Lapländisches Thier.

/6. Stachel-Thiere. Der gemeine Schweinigel mit Ohren, 1_1/2 %Zoll langen Sta-
cheln, durchwühlet die Erde an weichen und niedrigen Stellen. Das Sta-
chel-Schwein eine Gattung davon mit einem Busch am Kopfe, denn eine an-
dere Art mit hängenden Schweins-Ohren hat Stacheln wie abgestreifte

/ Feder- 

/|P_260

/Feder-Posen, welche es, indem es sein elastisches Fell erschüttert gegen sei-
nen Feind abschießen kann, und zwar so, daß sie 3 Schritte davon tief
ins Fleisch eindringen können. Von ihm kommt das berühmte Sierra
del Porco oder das Stachel-Schwein Bezoar, der in der Gallen-Blase
dieses Thieres erzeugte Stein, ist ohngefehr (ein) 1 %Zoll im Diameter, röthlich
und voller Adern, wird in Gold gefaßt, und hernach ins Wasser, dem es ei-
ne Bluthreinigende Kraft giebt, aufgehängt. Ein solcher Bezoar ist zu-
weilen mit 200 %Reichsthalern bezahlt worden. Er ist 10mahl so viel Gold werth,
als er wiegt. Der Affen-Bezoar ist hellgrün und auch kostbar. Imglei-
chen im Magen der Tauben auf den Nicobarischen Inseln, wie auch in
den Magen der Ochsen, Pferde, Gemsen, vornehmlich, der Bezoar-Ziege,
erzeugen sich ebenfalls solche Ballen, welche Blätterweise übereinan-
der wie eine Zwiebel zusammen gesetzt sind, und in deren Mittel-
punct sich etwas von unverdauten Kräutern und Haaren befindet.

/7. Das Hunde-Geschlecht. Gleichwie der Mensch die Obst und Pflantzen-
Arten, durch Wartung und Verpflegung sehr verändern kann; so
hat er es auch mit einigen Hausthieren vornehmlich mit den Hunden
also gemacht.
Im Grunde müssen wir annehmen, daß jetzt gar keine
Stamm-Race mehr existirt, sondern alle Thiere, welche man jetzt
antrift, weiter nichts als Abartungen sind. Denn die Stamm-Race
muste den Keim zu allen Abartungen in sich enthalten, und muste
sich sogleich in den ersten Zeiten entwickeln, je nachdem sie in Verschied-
ne Gegenden kahmen. Daher arten auch die zahmen Hunde aus, wenn

/ sie

/|P_261

/sie wild herrum laufen. Der Schäfer-Hund der ziemlich seine natürliche Frey-
heit hat scheint der Stamm-Hund zu seyn, und denn kommen der Bauer-
Hund, Wind-Hund, der Isländer, der Dänische, der große Tartarische mit
dem man fähret, der Jagd, der Spühr, der Dachs, der Wachtel, der Hüner-Hund,
der Pudel, imgleichen die Doggen pp. Blendlinge sind solche, die von Vermi-
schung zweyer Racen entstehen, aber auch aufhören, dahin das Bologneser
Hündchen, welches vom kleinen Pudel und spanischen Wachtel-Hunde her-
rührt gehöret. Der Mops ist eigentlich aus Begattung des Spanischen
Wachtel-Hundes mit dem Bollenbeisser entstanden. Die Africanischen
@Yende\Hunde@ vornehmlich in Guinea können nicht Bellen. In der Gegend des
Caput-Bonae-Spei giebt es viele Hunde
die röthlich oder gelblich ausse-
hen, diese binden es mit der Löwin an, wenn sie in Gesellschaft jagen,
dem Menschen aber nichts thun, die ihnen von ihrer Beuthe auch etwas
lassen.
Es giebt auch in Süd-America ursprünglich dem Lande eigenthüm-
liche Hunde, welche nach dem Bericht der Engelländer sich daselbst wie die
Füchse eingraben. Die Schwartzen glauben daß unsere Hunde reden
können, wenn sie bellen.
Mit dem Hunde paart sich auch der Wolf, der
Fuchs und der Jackaal, ein Zeichen, daß sie von einem Stamme sind. Der
Dubba in Algier oder die Hyäne eine Fuchs-Abartung, sieht aus wie ein
Bollen-Beißer. Die Hunde werden bisweilen toll. Ihr Biß, ja selbst ihr
Speichel oder Geruch des Athems, wenn sie den höchsten Grad der Tollheit
erreicht haben, ist ein so schnelles Gift, daß es den Menschen Wasser scheu, ra-
send machen, ja tödten kann.

/ 8 Das

/|P_262

/8) Das Wolfgeschlecht. In Engelland sind sie ausgerottet, nachdem der Letzte
in diesem Jahrhundert getödtet worden. In Norden sind sie weiß. Dazu ge-
höret noch der Jackaal, dieser soll gleichsam der Spürhund des Löwen seyn,
denn wenn man ihn brüllen hört, so ist der Löwe auch nicht mehr weit, er
hat die Größe eines Bollenbeissers, und ist so grausam als der Tiger.
Man
glaubt, daß Simsons Füchse, solche Jackaalen gewesen sind, weil es de-
ren dort in Syrien und im Caucasus die Menge giebt, und viele Aehn-
lichkeit mit dem Fuchse hat. Der Scytische Wolf ist schwartz, und länger
auch grausamer als der unsrige.

/9 Das Fuchs-Geschlecht. Brandfüchse, die am Schwantz, Ohren und Füs-
sen schwartz sind, sehen sonst grauhärig auf dem Bauche und röthlich
aus. Dem Kreutz-Fuchse läuft vom Munde an längst der Stirn Rü-
cken und Schwantz ein Schwartzer Streif, der von einem andern über
die Schulter und von den Läufen durchschnitten wird. Der Schwartz-
Fuchs
hat das schönste Fell, so daß ein completer Fuchs-Peltz davon wohl
auf 100.000 Rubel kostet. Der braune Fuchs wird ebenfalls sehr hoch
geschätzt. Des weiße Fuchs hat gar keine dauerhafte Haare. Der
Americanische Silber-Fuchs. Alle Füchse stincken. Sie haben aber, wo
der Schwantz anfängt, eine Stelle feiner Haare, worunter eine
Drüse ist, die einen Geruch wie blaue Violen giebt.

/10) Halb-Füchse. Die Ziebeth-Katze hat unter dem Hintern eine Ta-
sche 5 %Zoll lang und eben, so breit, darinnen ein schmierigter wohlrie-
chender Saft enthalten ist. Man nimmt ihn, indem man sie in ei- 

/ nen

/|P_263

/nen Käfig setzet, alle Tage mit einem Löffel diesen Saft herraus. Wenn das
Thier daran einen Ueberfluß hat, so leidet es Schmertzen.
Man fängt sie in
Africa und Asien in Fallen wie die Iltisse. Der reinste und beste Ziebeth
kommt aus Amsterdam, welcher von den Kaufleuthen dem aus der Levante
und aus Indien vorgezogen wird. Der aus Guinea würde vieleicht der beste
seyn, wenn er nicht von den Einwohnern der Levante, und von den India-
nern mit allerley Pflantzen-Säften, und Balsamischen wohlriechenden Spe-
cereyen vermischt würde. Er ist anfangs weiß, färbt sich nachhero gelb, und zu-
letzt schwartz. Der Geruch verursacht anfänglich Schwindel und Kopfweh. Die
Dachse schlafen ohne Nahrung in ihren Winter Hölen.

/11 Das Katzen-Geschlecht. Die Türcken halten sehr viel von Haus-Katzen.
Ihr Stern im Auge laßt sich mehr als bey irgend einem Thier zusammen
ziehen und ausdehnen. Die Tieger-Katze fliegt allen Thieren wütend
ins Gesicht und kratzt ihnen die Augen aus. Es ist fast das grausamste Thier.

/12 Das Luchs-Geschlecht. Der Rücken des Luchses ist roth und schwartz gefärbt,
unten ist der Leib weißlich, oder hell Melonenfarbig mit schwartzen Flecken,
Er hat auf den Spitzen seiner Ohren gewisse Haarbüschel. Diese Haarbüschel
sind schwartz, so wie die Ohren selbst am Ende. Er springt von den Bäumen
auf die Thiere. Die von ihm geklauten Wunden heilen schwer.

/13. Der Parder. Das Parder-Thier ist größer als ein Englischer Dogge,
brüllt wie ein Löwe, hat schwartze wie ein Hufeisen gestaltete Flecken,
und sein Fleisch ist angenehm. Sein Kopf ist wie ein Katzen Kopf gestall-
tet, die Katzen-Parder sind nicht viel an Größe von den Katzen unter-
schieden.
Der Unterschied zwischen einem Parder-Thier und Tieger ist,

/ daß

/|P_264

/daß jener Rosenförmige Flecken, dieser aber schwartze Streifen auf einem
grauen Grunde hat.

/14 Das Tieger-Geschlecht. Er hat gelbe Flecken, rund um mit schwartzen Haa-
ren besetzt, auf lichtgelbem Grunde, springt schneller als irgend ein Raubthier
und klettert, ist so groß wie ein einjähriges Kalb und grausamer als der Vorig-
ge. Der gröste Tieger hat schwartze Flecken,
er wird jenseit des Ganges,
im Nordlichen Theil und im Südlichen Theil von China gefunden, aber nicht
in Africa, er hat einige Aehnlichkeit mit dem Löwen.

/15 Das Löwen-Geschlecht. Der Löwe hat Mähnen, die Löwin nicht, er hat
einen Kopf, der so flach ist wie ein Ochsen_Kopf, eine gesetzte Stirn, Men-
schen ähnliches Gesicht, und tief liegende Augen, wie auch eine stachlichte, und
wie mit Katzen-Klauen besetzte Zunge, womit er den Thieren das Fleisch
ablecken kann. Er kann seine sehr scharfe Klauen zurücklegen, daß sie
sich nicht im Gehen an der Erde abschleifen. Seine Höhe vom Rücken bis an
die Erde ist 4_1/3 Fuß. Der Löwe braucht keine List, auch keine sonderli-
che Geschwindigkeit die Thiere zu überfallen.
Wenn er satt ist, so thut er kei-
nem was, wenn er aber hungrig ist, so gehet er in eine Heerde Schaafe, und
nimmt so viel als hinreichend sind seinen Hunger zu stillen; die Uebri-
gen aber läßt er gehen. Hingegen der Tieger todtet die Thiere, selbst denn
wenn er ihrer auch nicht zur Sätigung bedarf, und richtet alles zu Grunde
wo er hinkommt.
Er kann zwar auch gezähmet werden, so bald er aber
Bluth sieht zerreißt er alles. Wenn er nicht mit dem Fuß schlägt und seine
Mähnen schüttelt; so ist er aufgeräumet, und man kann ihm sicher vorbey-
gehen. Sonst ist das einzige Mittel in der Noth, sich vor ihm zu retten, wenn

/ man

/|P_265

/man sich auf die Erde legt. Es ist merckwürdig, daß der Löwe den Weibsbildern
nichts zu Leide thut. z. E. von einer Weibs-Persohn unter dem König Carl_dem_VI,
die im Tower zu London den Löwen-Garten reinigte. Ein anderes von
dem Hertzoge_von_Orleans einem gebohrnen Pfaltzgrafen. Die Neger-Wei-
ber jagen oft den Löwen mit Knitteln weg. Sie sind den Schwartzen ge-
fährlicher, als den weißen.
Wenn der Löwe geneckt wird; so sucht er sich sei-
nen Beleidiger aus einer gantzen Menge Volcks aus. In America ist er
nicht zu finden. Er kann die Kälte nicht vertragen, und zittert in un-
sern Gegenden beständig. Seine dicken Knochen, haben nur eine enge Höle
zum Merckmahl, und Catte versichert, daß wenn das Marck an der Son-
nen eingetrocknet ist, es so hart sey, daß man Feuer damit anschlagen kann.

Aristoteles behauptet dieses gleichfalls; allein Borowsky giebt es als un-
richtig aus. Er fürchtet sich vor Schlangen und Feuer.

/16) Das Bären-Geschlecht. Er tödtet seinen Feind durch Schläge und gefähr-
liche Umarmung,
dem Menschen säugt er das Bluth aus. Der Mensch kann
aber doch vermittelst der Hände mit Ueberlegung verbunden, sich gegen
ihn vertheidigen indem er ihm die Luftröhre zuhällt. Er ist ein großer
Honig-Dieb, er klattert auf den Bäumen und wirft sich wie ein Klumpe
herrab. 2 Monathe im Winter frißt er nichts. In Pohlen lehrt man ihn tant-
zen. Der weiße-Bär in Spitzbergen hat einen Hunds-Kopf. Einige sind 6
Fuß hoch und 14 Fuß lang, schwimmen starck, und traben auf Eisschollen
so gar bis nach Norwegen.

/17 Der Vielfraß oder Hiema des Alten. Er ist schwärtzlich oder völlig schwartz,

/ an

/δLage_II

/|P_266

/an Größe den Hunden gleich, und unersätlich, wegen seiner geraden Gedärme,
daher er sich des Unflahts wie der Wolf und der Löwe bald entledigt.

/18) Das Affen-Geschlecht. Was die Gestallt des Affen betrift, so haben sie eine so
große Aehnlichkeit mit dem Menschen, daß Linaeus sagt, er hätte in Ansehung
des Körpers noch keinen Unterschied zwischen beyden gefunden, der nicht
blos Varietaet seyn könnte. Die Affen sind auch sehr geschäftig, können al-
lerley Grimacen machen, und mit ihren Fingern Handgriffe thun, die
sonst keinem Thier gewöhnlich sind. Trotz dieser Aehnlichkeit aber laßt sich
der Affe doch nie zu einem Haus-Thier machen. Bosheit ist seine Haupt-
Eigenschaft, er faßt niemahls ein völliges Zutrauen, und in Ansehung seiner
Gemüths-Kraft, so zu sagen, ist der Hund und Elephant ihm weit vorzuziehen.

/ ≥ Das Affen-Geschlecht wird eingetheilt. ≤

/a) In ungeschwäntzte Affen. Unter diesen ist der Vornehmste, der Ourang-
Outang oder Wald-Mensch, davon die größten in Africa Pandos genennt
werden.
Er hat eine starcke Oberlippe die ihn verunstaltet. Sonst hat er a-
ber auch Kopfhaare auf dem Hintertheil des Kopfes.

/Anmerck. Campe ein vortreflicher Anatom und Medicus in Holland hat ei-
ne Abhandlung vom Ourang-Outang geschrieben, worin er zeigt, daß die-
ser Affe im Innern doch gantz vom Menschen unterschieden ist.

/Sie sind in Congo imgleichen in Java, Borneo und Sumatra anzutreffen.
Wenn sie unter Menschen gebracht werden, so saufen sie gerne starcke Ge-
träncke, machen ordentlich ihr Bette, und decken sich zu.
Die Wald-Men-
schen sollen oft Weibs-Persohnen in den Wäldern überfallen, sie schänden,
und auch mit auf die Bäume nehmen, und sie daselbst wohl nähren. Die Al- 

/ ten

/|P_267

/ten glaubten, daß sie ihren Ursprung aus der Vermischung der Menschen mit
den Affen hätten. Sie weinen und seufzen bey manchen Handlungen, und
bauen sich Hütten und Schirm-Dächer gegen Sonne und Regen. Die Weib-
lichen Geschlechter haben ihren Fluxum menstruum und sind sehr melan-
cholisch.
Guat sah ein Weibchen, daß sich ihr Bette ordentlich machte, sich auf
Küssen legte, und wenn es Kopf-Schmertzen hatte ein Schnupftuch um-
band. Meinung der Tavanen, von ihrem Ursprunge. Es giebt auch noch
eine kleinere Gattung von diesen Affen, welche die Engelländer Chim-
pauseh nennen, die nicht größer sind, als ein Kind von 3 Jahr, aber den Men-
schen sehr ähnlich sind.
(Einige sind der Statur des Menschen vollkommen
gleich, 5 bis 6 Fuß hoch, einige sind nicht über 2 Parieser-Schuh.) Sie gehen zu
gantzen Heerden aus, und erschlagen Negers in den Wäldern. Zu den un-
geschwäntzten Affen gehöret auch noch der Affe von Ceylon, und der Mai-
mau, mit einem Schwein ähnlichen Schwantze.
Die ungeschwäntzten
Affen haben Waden, und auch etwas Gesäß. Ihre Zeehen sind so lang als
ihre Finger. Ihr Kopf-Haar ist hinter dem Nacken zu, sie haben eine
sehr große Lippe, und es läuft aus ihrer Nase ein beständiger Rotz. Sie
sind starck und erhalten in Kurtzer-Zeit ihre völlige Größe, worin sie
gäntzlich vom Menschen differiren. Forster sagt, daß die Menschen auf
der Insel Malagga, welche eine große Aehnlichkeit mit dem Affen haben,
mehr Verstand zeigen als alle andern Negers, welche den Affen gar nicht
ähnlich sehen. Der Waldmann, eine Art Affen in Africa, ist zwischen 3 und
4 Fuß lang. Sie sollen sich Prügel von den Bäumen nehmen, und damit

/ die

/|P_268

/die vielen Thiere verjagen. Die Affen mögen gerne Feuer sehen.
Wenn sie nun einige Begriffe hätten, so möchten sie sich doch wohl selbst
Feuer machen, und auf solche Art die Wälder von Africa ausbrennen.

/b) In lang geschwäntzte Affen oder Meerkatzen. Sie haben so wie
alle Affen, in der Backe einen (Stak) Sack, den sie sich mit Feldfrüch-
ten vollstopfen, und auch noch die Fäuste voll mitnehmen, hernach a-
ber wieder fortschmeißen, und frische nehmen. Daher thun sie sehr gro-
ßen Schaden. Wenn unter Sie geschossen wird, so laufen sie alle zusam-
men bläken die Zähne und schmeißen bisweilen auch so gar ihren Un-
flath, den sie in die Hände nehmen, auf die Zähne. Der Affe Longi-
mannus hat so lange Hände, daß sie beynahe bis auf die Erde reichen.
Einige sind Bärtig. Die bärtigen Meerkatzen oder Diana haben
ein weißes Toupe und ahmen dem Menschen sehr nach. Die schwartze
glatte Meer-Katze hän«t»gt sich mit ihrem Schwantz überall an. Man
giebt vor, daß die Meerkatzen ordentlich eine Musick unter sich ma-
chen sollen; Der Lebergelbe Muscus-Affe ist klein von gutem Ge-
brauch und fromm.

/c) Die Pavians. Diese haben einen Hunds-Kopf, und können sehr
geschwinde auf 2 Füßen gehen. Sie bestehlen das Feld und die Gär-
ten,
sie sind wollüstig, starck, und haben Himmelblaue Wulsten im
Gesichte. Ihr Gesäß ist Zinnober-Roth. Die Americaner glauben alle,
daß diese Affen reden können, wenn sie nur wollen. Aber sie thäten
es nur nicht, um nicht zur Arbeit gezwungen zu werden. Man kann hie- 

/ zu noch

/|P_269

/noch zählen die Schooß-Aefchens, oder Sagains, deren die größere Art die
Farbe und Größe eines Eichhörnchens hat, die kleinere Art, aber die Größe
eines geballten Damens_Fußes hat. Sie sind sehr artig, aber auch sehr ei-
gensinnig und zärtlich, so daß wenn welche nach Europa gebracht wer-
den, die mehresten unterwegens crepiren, wenn sie gleich einzeln noch
so sauber in Baumwolle eingewickelt sind.

/ ≥ Dritter Abschnitt
/Thiere mit Floßfeder-Füßen
/Das Fisch-Otter-Geschlecht

/1 Die Fluß-Otter. Diese gräbt sich Höhlen, von den Ufern der Flüße
bis in den nahen Wald, lebt von Fischen, im Winter aber in aufgeeißten Teichen.

/2) Die See-Otter. Deren Hinterfüße Floßfederartig sind. Ihre Felle
haben die schönste Schwärtze, daher man selbst in Kamschatka für ei-
nen Balg 37 %Reichsthaler giebt. Man fängt sie auf den Treibhäusern, in der
Meerenge von Kamschatka. Sie putzen sich selber gern, lieben ihre
Jungen ungemein, und werden mit Prügeln todtgeschlagen.

/ ≥ Das Bieber-Geschlecht. ≤

/Der Bieber ist zweyfach, entweder ein solcher, welcher förmlich baut,
und dessen wahrer Sitz in Nord-America ist, oder der Gruben-Bieber,
welcher auch in Preußen angetroffen wird, dieser lebt nicht in Ge-
sellschaft, sondern einzeln, sie sind auch selbst in Canada häufig, wo sie
vieleicht von der Gesellschaft mögen ausgestoßen seyn, diese machen

/ sich

/|P_270

/sich nur ein Loch, gegen die Seite eines Strohms oder Baches, und
haben ein schmutziges und an der Erde abgeriebenes Fell. Hin-
gegen die erstere Art von Biber, bauen sich ordentliche Häuser,
und zwar immer nach der Wasser-Seite zu, damit sie ihren
Schwantz, der sehr delicat schmecken soll, in dasselbe hängen kön-
nen. Zu diesem (S) Zweck machen sie sich einen Damm, der ge-
meinhin 12 Fuß hoch und unten 3 Fuß breit ist, gegen dem Was-
ser steil und nach der Landseite Schräge zuläuft. Im St. Lorentzo Strohm
machen die Biber auf einer kleinen Insel beständig alle Jahr einen
Damm über den Fluß. Die Häute der Biber nimmt man denn am lieb-
sten, wenn sie schon den Indianern ein Jahr lang entweder zum Lager
oder zum Bette gedienet haben. Der Biber mit einförmigem schuppi-
gem Schwantze ist in Canada gegen der Hutsons-Bay sehr häufig. Wie
sie einen Bach verdämmen, und über die Wiesen einen Teich machen.
Sie hauen Bäume mit ihren Zähnen ab, und schleppen Holtz von 10
Fuß lang, welches sie über Wasser in ihre Wohnung bringen, und des-
sen Rinde sie im Winter essen. Bey Verfertigung des Damms dient
ihnen erst ihr Schwantz zur Mulde, oder Schubkarren, worauf sie Leim
legen und an Stelle und Ort hinführen, und denn auch zur Maurer-
Kelle, womit sie den Leim auf den Bäumen comprimiren und
anschlagen. Das Bibergail ist nicht der Testiculus des Bibers, sondern beson-
dere Muscus-Stücke, die im Leibe liegen.
(Das Deutsche Wort Gail, heißt
so viel als ein Testiculus.)

/ Seethiere

/|P_271

/ Seethiere mit unförmlichen Füßen. ≤

/1) Meerkälber. (Im Holländischen heißen die See, oder Meer-Kälber Rab-
ben). Sie heißen auch See-Hunde, weil sie einen Rachen von Hunde haben,
die Hinterfüße sind Kurtz, und hinter sich gestreckt, und können nicht von
einander gebracht werden. Auf den Antillischen Inseln sind einige bis 20
Fuß lang. Die Kleinsten sind die am Eis-Meer, welche auf den Eis-Schol-
len zu tausenden getödtet werden. Es giebt auch Silber farbene Meer-
Kälber im heißen Wasser.
Von den Häuten Derselben werden die Coffres
beschlagen, und die Grönländer kleiden sich davon.

/2) Wallroß oder Sandpferd, auch Meer-Dachs, er hat zwar keine Aehnlich-
keit mit einem Pferde, aber derbes Speck. Er hat lange hervorragende
Zähne die verarbeitet werden und besser als Elfenbein seyn sollen. Man-
che sind über 2 Fuß lang, und 8 Zoll dick. Mit den Füßen helfen sie sich auf
den Eisschollen, als mit Haacken, worauf sie sich immer aufhalten.

/3) Der See-Bär. Dieser ist größer als ein Land-Bär, hat Vorderfüße,
wie abgehauene Arm-Stümpfe, worinn doch die Zeehen verborgen lie-
gen. Er wird nicht weit von Kamschatka gefangen. Sie streiten ge-
gen einen Anfall in Rotten und beissen ihre eignen Cameraden, wenn
sie weichen. Den Sommer über fressen sie nichts.

/4 Der Seelöwe in America und bey Kamschatka. Die Gestalt kommt
mit dem See-Bären überein, nur ist er viel größer. Man greift ihn nur
im Schlafe an. Er ist sehr grimmig, und hat wenig Liebe für seine Jungen.
Die Seebähren fürchten sich selten vor ihm.

/ Vierter

/|P_272

/ Vierter Abschnitt
/Von den 4füßigen Thieren, die Eyer legen
/Die Amphibien

/1) Der Crocodill hält sich vornehmlich in Flüssen und auf dem Lande
auf, ist schuppig, bepantzert, 20 und mehr Fuß, und im Gambra-Fluß
bis 30 Fuß lang.
Er wird hauptsächlich in Egypten, sonst aber auch in
gantz Africa im fließenden Wasser, ja selbst in Siam und der Küste
Coromandel in Ostindien gefunden. Er hat eine große Aehnlichkeit
mit einem Eidex. Man glaubt der Crocodill habe keine Zunge, al-
lein er hat würcklich eine Zunge, sie ist aber gantz angewachsen, so
daß wenn er den Rachen aufmacht, man keine Zunge sehen kann.
Doch kann er die Spitze derselben bewegen. Er fürchtet sich für den
Menschen, und wenn die Allten ihn so grausam beschrieben; So ist es
blos hyperbolisch (gewesen) gesprochen. In Siam hat man Gefängnisse
die von Crocodillen bewacht werden. Es ist eine falsche Meinung, daß
er beyde Kinnbacken bewegen soll, er beweget nur, wie andere Thie-
re den innern, er leget Eyer wie Gänse_Eyer in den Sand, worin er
sie verscharrt und sich nicht weiter um sie bekümmert.
Eine Abartung
vom Crocodill ist

/2 Der Kaiman oder Alligator, welcher gemeiniglich mit dem Crocodill
verwechselt wird, er ist ihm auch sehr ähnlich, ausser daß er den Schwantz
anders trägt, und eine Muscus-Blase hat, weswegen er auch einen Bi-
sam Geruch von sich giebt. Ist in Africa und America anzutreffen. Er

/ ist

/|P_273

/ist nicht so wild und räuberisch als der Crocodill. Wie ihre Eyer und Vögel zerstöhrt,
und wie sie gefangen werden.

/3 Die Schildkröte. Sie werden in dem Inndischen Meer, und in der Südsee, die
größte Gattung von ihnen aber in Ostindien angetroffen.
Von einigen wird
der Schildplatt, eine hornigte Substantz gepreßt. Von andern ist das Fleisch
sehr wohlschmeckend und gesund, womit man sich bey Assension und den Antilli-
schen Inseln versorgt. An den Eyern allein können sich wohl dreyßig Mann
satt essen. Die Schild-Kröte geht aufs Land und legt wohl 250 Eyer, deren je-
des so groß ist, als ein Ball. Sie haben ein Dreyfaches Hertz. Ihr Fleisch ist köst-
lich. Man gewinnt von einer Schildkröte bisweilen mehr als 2 Centner Fleisch
zum Einsaltzen.
Im Frühjahr kommen sie von Jucatan nach den beyden
kleinen Inseln Jucata über 80 Meilen weit in einer großen Heerde über
das Wasser. Sie schlafen am Wasser, haben Knochen wie ein Ochse, und sind
oft 4 bis 600 %Pfund schwer. Ihr Fett ist grünlicht.

/Die Seethiere. Der Wallfisch und andere ihm verwandte Thiere. ≤

/1 Der Grönländische Wallfisch, (Die Wallfische haben einen Schwantz, womit
sie platt auf das Wasser schlagen können, und sind bis 60 Fuß lang) hat einen
Kopf der 1/3 von der Leibes-Länge ausmacht, ist viel dicker wie der Finnfisch,
welcher eine Finne oder Floße auf dem Rücken hat, auch viel größer als der
Nord-Caper, und hält sich in den Nördlichen Gegenden bey Spitzbergen und
Nova Zembla auf, dagegen der Nord-Caper in der Höhe des Nord-Kaps und
der Finnfisch noch weiter nach Süden herrunterstreifen. Er nährt sich von einem Was-
ser-Insect welches die Größe von einer Spinne hat und gantz trahnigt ist. Der

/ Finnfisch

/δLage_KK

/|P_274

/Finnfisch aber und Nord-Kaper schlucken gantze Tonnen Häringe in sich.
Diese Thiere haben statt der Zähne Barben welche aus Fischbein bestehen,
davon die längsten bis 2 Klafter lang sind, und welche ihnen dazu dienen,
um den Mund zuzuschließen. Der Pottfisch hat am untern Kinnbacken
Zähne. Sein Kopf nimmt die Hälfte des Leibes ein, er hat einen engen
Schlund,
so daß er nicht einmahl ein Hühner-Ey herrunterschlucken kann,
Wassergleichen Schwantz, Blase-Löcher, woraus er Wasser bläßt, heißt
Fluth, kann ohne Luft zu schöpfen nicht lange unter Wasser bleiben, ge-
bärth lebendige Junge und säugt sie. Der Grönländische Wallfisch wird
mit Harpunen geschossen, und mit Lantzen völlig getödtet, ist jetzt viel
scheuer als vormahls, flüchtet ins Trieb-Eis (daher jetzo der Wallfischfang im
Triebeiß) hat eine Art Läuse so wie Krebse.
An manchem Wallfisch
haben schon Thiere bey seinem Leben gefressen, welches vorzüglich der
Hey-Fisch thut. In dem Magen einer Art von Nord-Kaper, Grampas
genannt, wird das Ambra grieß, oder der Graue Ambra gefunden. Andere
berichten, daß dieses von der Blase des Pottfisches herrühre. Einige halten den
Pottfisch für denjenigen, der den Jonam verschlungen. Das Gehirn des Pottfi-
sches ist das sogenannte Sperma lethi. Der Schwerdfisch tödtet den Wall-
fisch um der Zunge willen. Der herrausragende Zahn des Sägefisches ist ein-
gezackt, wie eine Säge,
man weiß aber nicht recht den Gebrauch dieses
Zahnes, der von beyden Seiten wie ein Kamm aussiehet. Der Narval oder
See-Einhorn hat einen geraden Zahn aus dem obersten Kinnbacken ste-
hen, der viele Fuß lang ist, und härter wie Elfenbein.
Viele und wohl die
meisten Narvals haben, so wie die Rhinoceros zwey Stoß_Zähne, davon

/ aber

/|P_275

/aber einer kleiner ist als der andere; Diese Letztere gebähren aus Eyern.

/2) Der Manadi oder die See-Kuh, ist bey Japan, in den Americanischen und
Karolischen Inseln bey Kamschatka anzutreffen, wiegt bis 30 Centner, und
enthält so viel im Körperlichen Inhalt, als ein Ochse, hat eine unbewehrte ge-
spaltene Haut, taucht sich niemahls unter das Wasser, der Rücken ist immer da-
rüber erhoben, ob es gleich den Kopf bey seinem unabläßigen Fressen, fast im-
mer unterm Wasser hat, ist allenthalben sehr zahm, wo man ihm nicht nach-
stellt, hat 2 Arme die dem Menschen ähnlich, und einen Schwantz der dem
Fisch-Schwantz ähnlich sieht, hat vortrefliches Fleisch, welches, wenn es an der
Sonne getrocknet wird gar keine Maden bekommt, und sein ausgeschmolt-
zenes Fett übertrifft alle Butter.

/3) Der Heyfisch oder See-Wolff, spanisch Tuberone genannt. Die größten
Arten derselben heißen Lamiae sind 50 bis 60 Fuß lang, haben drey Reihen
Zähne neben einander, und sind viel gefräßiger, als irgend ein Landthier.
Gantze Menschen in Seegel eingewickelt werden von ihm verschlungen. Al-
les was aus einem Schiff fällt, Beil, Hammer, Mützen findet Platz in sei-
nem Magen. Sein Maul ist wohl einen Fuß lang unter der Schnautze, da-
her er sich auf die Seite legen muß, wenn er etwas raubt.
Er ist von der Gat-
tung der Squalorum, und selbst noch weit räubrischer als der Squalus maximus,
welcher in den Gewässern von Norwegen oft 90 Fuß lang gefunden wird. In
jedem Kinnbacken hat der Heyfisch 3 Reihen von Zähnen, die oft, selbst bey
uns versteinert angetroffen werden. Sein Fleisch hat einen urineusen
Geschmack, so wie alle See-Fische. Auch die Stock-Fische. Seine Leber ist so
wie bey allen Fischen thranigt. An den Küsten von Guinea hat ein Mensch

/ der

/|P_276

/der in die See fällt nicht so viel Gefahr zu befürchten vor dem Ersaufen, als
vor dem Hey-Fisch. Er reißt den Wallfischen große Stücken aus dem Leibe,
wird mit Haacken an einer eisernen Kette gefangen und getödtet, ehe
er ins Schiff gebracht wird, sonst schlägt er mit dem Schwantz Arme und
Beine entzwey.
Man behauptet, daß der Heyfisch einen kleinen Fisch,
der kaum ein Finger lang ist, zum Piloten haben, welchen die Al-
ten remora nannten. Er hat eine Säuglippe, und soll nach alten so wohl
als neuen Nachrichten, wenn er sich an ein Schiff anhängt, dasselbe in sei-
nem besten Laufe aufhalten können.

/4 Der Hammerfisch. Ist dem Hey-Fisch an Größe, Stärcke und Gierig-
keit ähnlich, hat aber einen Kopf, der zu beyden Seiten wie ein Hammer
aussieht.

/5) Der Manta oder Mantel-Fisch ist eine Art großer Rochen, die vornehm-
lich den Perlenfischern an den Americanischen Küsten sehr gefährlich sind,
indem sie solche in ihrer weit ausgebreiteten Haut als in einen Mantel
einwickeln, erdrücken und fressen. Der Delphin
oder Tümmler, weil
er sich im Meer herrum zu drehen scheint, und die Wellen über seinen
runden Rücken sich wölben, ist ein sehr gerader und schneller Fisch, und
von dem Delphin der Allten, welcher mit einem krummen Schwant-
ze gemahlt wird, wohl zu unterscheiden. Der Dorado ist ein Goldgelber
Delphin, und der Schnellste unter allen. Der Belvia ist eine Gattung von
Stöhr, aus dessen Reegen der Caviar zubereitet wird.

/6) Der Seeteufel ist in einer harten undurchdringlichen Haut eingeschlos-
sen, ist eine Art Rochen 20 bis 25 Fuß lang, 15 bis 18 Fuß breit, und 3 Fuß

/ dick

/|P_277

/dick, hat gleichsam Strümpfe an den Beinen, und einen Schwantz wie ein Pottfisch
mit Haacken.

/7 Der Meer-Mensch, Syrene; wird in allen 4 Welttheilen angetroffen. Die
zu Fabeln geneigte Einbildungskraft hat ihn zum Menschen gemacht. In-
dessen hat dieses Thier nur einige Aehnlichkeit mit demselben. Sein Kopf aus
dem man einen Menschen oder Fisch-Kopf machen kann, mit großen Oh-
ren und Stumpfer Nase, mit einem weiten Munde, ist an einem Körper
befestiget, der auf dem Rücken mit einem breiten dicken Fell wie der Pott-
Fisch bezogen ist, welches an der Seite Haacken wie eine Fledermaus hat. Sei-
ne Forder_Füße oder Fleisch-Hörner, Floß-Federn sind etwas Menschen
ähnlich. Er hat einen Fleisch_Schwantz, ist auch ein Plattfisch, hat ein paar
Zitzen, und bringt lebendige Junge zur Welt. Man nennet ihn auch wegen
seines Fettes die Wassersau, und die Portugiesen essen ihn.

/ ≥ Einige andere merckwürdige Fische. ≤

/1 Der Zitterfisch wird auch (torpedo) Krampfisch genannt. Ist in dem In-
dischen Meer anzutreffen, beynahe rund, ausser dem Schwantze, und wie
aufgeblasen. Er hat ausser den Augen noch zwey Löcher, welche er mit ei-
ner Haut wie Augenlieder verschließen kann; Wenn man ihn unmittel-
bar oder vermittelst eines langen Stockes, ja vermittelst der Angel Schnur
oder Ruthe berühret; so macht er den Arm gantz fühlloß, man bekommt sodann ein
solches Zittern, daß man ihm den Augenblick loßlassen muß. Er thut dieses
aber nicht wenn er tod ist. Kaempfer sagt, daß wenn man den Athem an sich
behält er nicht so viel vermöge. Er kann gegessen werden. In Aethiopien

/ vertreibt

/|P_278

/vertreibt man mit ihm das Fieber. Die Ursache dieser seiner Kraft ist unbe-
kannt. Er fängt dadurch Fische.
Der Zitterfisch gehört zu den Platt-Fischen,
wozu die @Flunder@, die Rochen, die Schollen pp. gehören. Die Flünder ha-
ben beyde Augen auf der Schwartzen Seite, die sie nach oben kehren,
wenn sie im Wasser sind, die gelbe Seite kehren sie nach unten hin, %und
verhindern dadurch, daß sie weniger von den Raubfischen können gese-
hen werden. Der Torpedo befindet sich so wohl in Europa in der Mittel-
ländischen und Spanischen See, als auch in Africa. Der Zitteraal, oder
electrische Fisch findet sich in den Meeren von Surinam bey Guinea %und
in Süd-America. Wenn man ihn mit Siegellack berührt, so giebt er gar
keinen Schlag. Der Krampfisch hat 2 Seiten Muskeln, der Zitteraal
aber hat auf dem Rücken eine Muskel, welche ihm dazu dient eine
electrische Kraft auszuüben. Man hat auch so gar einen Funcken aus
ihm herraus bekommen, womit man Spiritus vini hat anzünden kön-
nen, so daß gar kein Zweifel ist, daß solches nicht würcklich die Würckung der
Electricitaet sey. Wenn man ihn mit einem Magnet nahe kommt, so wird
besonders sein Schwantz sehr gezogen und nähert sich; allein der Fisch wird
matt, stärcket sich aber wieder, wenn man in das Gefäß wo er drein ist Feil-
staub wirft. Der Tinten-Fisch wird in der Gegend von Taranto im Neapo-
litanischen häufig gefunden. Die Meerschau«s»men-Köpfe sind aus einer
weißen Mergel-Erde gemacht, welche in der Türckey bey Caffa und Con-
stantinopel gegraben wird. Der Meerschaum aber welcher zum Rein-
machen gebraucht wird, ist von einem Fisch. An der Küste von Brasilien
giebt es Fische welche Seigler heißen, sie scheinen von weiten als Blasen auf

/ der

/|P_279

/der See zu schwimmen, sind halb durchsichtig und sehen aus wie weißer Perl-Mutter.
Sie haben auch keine Organisation.

/2 Rotzfische sind durchsichtig wie Schleim, und fast in allen Meeren. Eine Gat-
tung davon heißt Meer-Neßel, weil sie, wenn sie berühret werden eine bren-
nende Empfindung machen.

/3 Der Black-Fisch eine Art von Polypen, sieht seltsam aus mit 2 Armen, hat
eine Tinten_Blase, womit er seinen Nachfolgern das Wasser trübe macht,

und ihnen auf solche Art entwischt.

/4 Der Blaser wird am Capo Bonae Spei gefunden, bläßt sich rund auf wie
eine Kugel, ist zu essen, aber ungemein giftig.

/ ≥ Fliegende Fische. ≤

/Diese sind nur zwischen den Tropicis, fliegen mit einer Art Floßfedern, wel-
che sie ausbreiten können wie eine Fleder-Mauß, aber nur so lange als die-
se naß sind, sie haben die Gestallt und Größe der Häringe, fallen oft aufs Schiff
nieder, und werden von Raubfischen und Raubvögeln unabläßig verfolgt.

Die Ursache warum die Fliegende Fische an der Luft crepiren liegt in
ihren tranchiis oder Fisch-Ohren, welche bey Ihnen die Stelle der Lunge
vertreten. Sind diese nicht naß, so werden ihre Bluth-Gefäße zusammen
gestrumpft und folglich muß der Bluth-Umlauf geschwächt und gehemmet
werden.

/Der Chinesische Goldfisch ist wegen seiner vortreflichen Gold und andern Farben
bey den Chinesern sehr beliebt, und der schönste Fisch in der Natur. Er ist Finger-
lang vom Kopf bis auf den halben Leib roth, die übrigen Theile, samt dem Schwant-
ze, der sich in einen Büschel endigt, lebhaft verguldet. Das Weibchen ist weiß %und

/ der

/|P_280

/der Schwantz silbern. Die Chineser halten diesen Gold-Fisch zum Zeitver-
treib in porcelainen Schaalen in ihren Zimmern.

/Der Kracke. das größte Thier in der Welt, hat eine Aehnlichkeit mit
den Medusen, und soll, wenn er im Grunde liegt, eine Menge von Fi-
schen rund um sich her versammeln. Daher hat man in Norwegen von
einem Reichen das Sprüchwort: er hat über dem Kracken gefischet. Es ist
ein Seethier dessen Daseyn nur auf eine dunckele Art bekannt ist.

/Pantoppida, Bischof von Bergen in Norwegen thut von ihm Meldung, daß
die Schiffer in Norwegen, wenn sie finden, daß das Loth, was sie auswer-
fen an derselben Stelle nach und nach höher wird, ertheilen, daß der Kra-
cke im Grunde sey. Wenn dieser herrauf kommt, so nimmt er einen Um-
fang von einer halben Viertel deutschen Meile ein, hat große Zacken, die
wie Bäume über ihm hervorragen, sinckt bisweilen plötzlich, und kein
Schiff muß ihm alsdenn nahe kommen, weil der Strudel den er macht
es versencken würde. Es soll über ihm gut Fischen seyn. Ein junger Kra-
cke ist einmahl in einem Fluß stecken geblieben und crepirt. Das Meer hat
noch nicht alle seine Wunder entdeckt. Wenn der Krackfisch sich über das Was-
ser erhebt; so soll«t»en unsäglich viele Fische von ihm herrabrollen. Seine
Bildung ist unbekannt.

/Die Meerschlange oder der Seewurm soll die Dicke von dem dicksten
Weinfaß haben, und so lang seyn, daß er sich über den gantzen Horizont
verbreitet. Er soll eine Mähne haben, womit er ein gantzes Schiff soll her-
runter ziehen können. Seine Augen sollen aussehen wie ein paar zin-
nerne Teller. Der Geruch von Bibergail soll ihn verjagen.

/ Fünfter

/|P_281

/ ≥ Fünfter Abschnitt
/Von den Fischereyen
/Von dem besondern Fischfange in China
. ≤

/In China fängt man Fische durch eine dazu abgerichtete Kropfgans, welcher
man einen Ring um den Hals thut, daß die Fische nicht gantz können verschluckt
werden. Diese schluckt so viel Fische auf, als sie kann. Wenn eine etwa einen
etwas großen Fisch fängt, giebt sie den andern ein Zeichen, die alsdenn den-
selben fortbringen helfen. Eine solche Gans hilft viel. Wenn sie nicht Lust zum
Essen hat, so wird sie mit Prügeln dazu gezwungen. Man hat daselbst auch
eine Methode mit einem Kahn, an dessen Seite weiße Bretter geschlagen
sind, bey Mondenschein Fische zu fangen, denn alsdenn gläntzen diese Bret-
ter, wie ein helles Wasser, und die Fische springen herrüber und fallen in
den Kahn, wo sie des Morgens gefunden werden. Man fängt auch dadurch
Fische, daß man sie mit ins Wasser gestreuten Kuckucks-Körnern dumm
macht.
Eine kleinere Art von Fischerey ist der Lachsfang. Der Lachs gehet zu
der Zeit, wenn er seinen Laich wirft, beständig den Strohm herrauf, und
zwar da, wo der Strohm am reißendsten ist, ja auch oft sogar bey Wasser-
fällen. Taube merckt an, daß wenn der Lachs gefangen wird, er gantz un-
ruhig ist, so bald man ihn aber auf den Kopf kratzt, ruhig wird. Dieses rührt
daher, weil er auf seinem Kopf eine große Menge von kleinen Würmern
hat, die ihm sehr beschwerlich fallen. Blumenbach folgert auch hieraus das
beständige herraufgehen des Lachsfisches in seinem Strohm.

/ Der

/δLage_LL

/|P_282

/Der Sardellen-Fang, welcher vorzüglich an den Küsten von Rochelle ge-
trieben wird, ist so groß, daß bloß die Lock-Sp«r»eise auf 30 bis 40.000 Livres
kostet. Der Wallfischfang, wozu sich gantze Gesellschaften ausrüsten, wird jetzt
an den Küsten von Spitzbergen und Grönland getrieben, und ist wegen des
Pack-Eises daselbst sehr gefährlich.

/Der Stockfischfang auf der großen Banck bey Terre_neuve

/Die Engelländer nennen Terre_neuve, Neu_Fundland. Alle Jahre gehen
viele hundert große Schiffe, und viele tausend Matrosen dahin ab. Der grös-
te Nutzen von diesem Fischfange besteht nicht so wohl in dem großen Ge-
winn, der immer sehr beträchtlich ist, als vorzüglich darin, daß sich dabey so vie-
le Menschen ernähren können, und denn auch in der Cultur der Mari-
niers
. Denen Matrosen, die auf den Stockfischfang ausgehen, wird täglich
eine Anzahl von Fischen, die sie fangen müssen dictirt. Dieses kann
auch mit allem Recht geschehen, weil kein Angelwurf jemahls fehlschlägt.
Der grüne oder auch weiße Backelian frißt Cabliau, und wird entweder
eingetrocknet oder eingesaltzen. Die eingetrocknete heißen Stockfische.

Die Stockfische welche wir bekommen, sind wohl alle auf der Doggers-
Banck zwischen den Englischen Küsten und Jütland gefangen. Es ist ein
Raubfisch, schluckt allerley Sachen, die aus dem Schiffe fallen geschwind her-
runter. Er kann aber ebenso wie der Belluga seinen Magen umkeh-
ren, und das was unverdaulich ist ausspeyen. Es fischen auf der großen
Banck jährlich bis 300 Schiffer, deren jeder 25.000 Stockfische fängt. Alles
geschieht mit Angeln die mit Keder versehen sind, welches ein Stück vom
Häring ist, und hernach durch unverdaute Speisen in den Magen des

/ Stockfisches

/|P_283

/Stockfisches. Es gehet mit diesem Angeln sehr schnell fort. Es finden sich hieselbst umher
erstaunend viele Vögel, als Leberfresser, Penguins, welche keine rechte Fe-
dern, und Flügel haben, sondern mit Schuppen bedeckt sind, seine Flügel sind
«S»stumpf mit denen er zwar auf dem Wasser platschen, aber nicht fliegen kann.
Sie versammeln sich um das Schiff, um die Leber zu fressen, die weggewor-
fen wird.

/ ≥ Der Heerings-Fang. ≤

/Der Heering kommt im Frühjahr aus den Nordlichen Gegenden bey Nord-
Capp an den Arcadischen Inseln.
(Auch an den Norwegischen Küsten ist
ein großer Heeringsfang) Von da zieht er sich neben den Küsten von Schott-
land und ist im Sommer bey Tormouth, geht auch wohl im Herbst bis an die
Süder und Ostsee.
Die Heeringe folgen allemahl einem Inseckt, welches
man Heerings-Vas, (das ist Heeringsfraß) nennt. Wenn sich dieses Inseckt,
das röthlich ist, von einer Küste wegzieht; so ziehen auch die Heeringe weg.
Der Heeringsfang wird von den Holländern an den Küsten von Schott-
land von den Arcadischen Inseln an bis Jarmouth getrieben. In der Jo-
hannis-Nacht wird mit dem Heeringsfange der Anfang gemacht, und
damit bis zum December continuirt. (Wir bekommen schon bisweilen im
Frühjahr frische Heeringe. Diese sind allso würcklich schon am Ende des vo-
rigen Jahres bey Jarmouth gefangen worden.) Das kennzeichen, wo-
ran man die Holländischen Heeringe, von den Berger und Drontheimer
Heeringen unterscheiden kann, ist, daß jenen die Kehle gantz ausge-
schnitten, bey diesen aber nur eingeschnitten ist. Der jährliche Vortheil der
Holländer von diesem Heeringsfange, nach Abzug aller Unkosten ist
zum wenigsten 60 bis 7.000.000 %Reichsthaler. Ein anderer Holländischer

/ Autor

/|P_284

/Autor rechnet überhaupt 25.000.000 %Reichsthaler Einnahmen, die Ausgabe 8.000.000 %Reichsthaler,
alsdenn profitiret das Land jährlich dabey 17.000.000 %Reichsthaler. Man muß aber
auch den Vortheil rechnen, den das Land davon zieht, daß sich so viele Menschen
von der Arbeit auf der Flotte unterhalten. Die Engelländer fischen auch seit
1750 aber nicht so vortheilhaft, denn sie wissen nicht die Handgriffe.

/ ≥ Sechster Abschnitt
/Schaaligte Thiere.
/Die Purpur Schnecke

/Der Syrische Purpur, der das Bluth einer Muschel des Mittelländi-
schen Meeres ist, ist erstaunend theuer. Er soll an einem Hunde entdeckt
seyn, der diese Muschel Fraß, und sein Maul schön färbte. In Neu_Spa-
nien findet sich auch noch eine solche Muschel, die aber nur 2 bis 3 Tropfen
solchen Saft in sich enthält, der anfänglich grün endlich an der Luft hoch-
roth färbt. Vor Alters hatte man auch Violetten Purpur.
Winckelmann
führt an, daß in einem von den Ruinen der Herculanen, man den
Aufzug eines Triumphirators in Fresco gemahlt finde, dessen Purpur-
Mantel die Farbe der Weinblätter hatte, welche vom Frost gerührt
sind. Daraus schließt er nun auch auf die Farbe des alten Purpurs.

/Anmerck. Mahlerey en_fresco ist die in nassen Kalck gemacht ist.

/ Die Perlen-Muschel

/Sehr viele Schaalthiere haben Perlenmuscheln an sich, welches nach
einiger Meynung nichts anders als Mittel sind, deren sich die Muscheln
bedienen, um das Loch zuzustopfen, welches die Bohrwürmer in der
See etwa eingestochen haben. Die Perlen-Banck bey Bahem und

/ Athmus

/|P_285

/Athmus im Persischen Meerbusen giebt die schönsten Perlen. Die bey Ceylon
und beym Capo_Comoria
auf der Küste von Madera sind die schönsten, im-
gleichen hat Neu_Spanien große, aber schlechte und unreife Perlen. Es
werden auch Perlen in dem so genannten Purpur_Meer oder dem Meer-
busen von Californien und Neu_Mexico gefunden. Die Perlen_Muscheln
können, wenn sie nicht rund sind, auch nicht abgedrehet werden. Viele Län-
der haben in ihren Flüssen Perlen Muscheln,
z. E. in der Elster in Sachsen
und in vielen Seen von Finnland werden auch Perlen_Muscheln ge-
funden, die dort zum Regall der Königin gehören. Die Täucher erfah-
ren auf verschiedne Art: entweder mit einer ledernen Kutze mit gläser-
nen Augen, daran eine Röhre bis über das Wasser herraufgeht, oder mit
der Glocke oder frey, sie bekommen anfänglich Bluthsturtz. Des Königs
von Moscato
Perlen, sollen nicht so wohl wegen ihrer Größe, als wegen
ihrer Schönheit die Vortrefflichsten unter allen seyn. Der König_von_Per-
sien
kaufte Anno 1633 eine für 1.401.000 Livres.
Scharding thut, einer
Perle aus dem Persischen Meerbusen, wo die reinsten, zum theil die
Größten aber auch die schönsten und kostbarsten Perlen gefischt werden,
Erwähnung, welche ein Arabischer Fürst mit 300.000 (Kreutzer) @%Ducaten@ bezahlt
haben soll. Der Nutzen vom Persischen Perlenfang beträgt jährlich
500.000 @%Ducaten@, aber jetzt läßt man ihn ruhen. (In der Medicin sind sie
nicht nützlicher als Krebs-Steine und Eier Schaalen.)
Wenn die Perlen-
Muscheln gefischt sind; so wirft man sie an den Strand, wo sie sich auf-
thun, denn sie bestehen aus lauter concentrischen Schaalen, welche sich

/ vieleicht

/|P_286

/vieleicht aus ihrem Saft erzeugen. Der Ritter Linné hat ein Mittel ge-
funden, die Perlen zu multipliciren. Er verändert nehmlich etwas an
der Perle, und wirft sie wieder ins Wasser, wo sie sich denn leicht in 3
Perlen vermehrt. Sie müssen vieleicht von dem hervorquillenden Saft
erzeuget werden. Wahre Perlen unterscheiden sich von den Künstlichen
durch ihre Figur, denn jene sind niemahls völlig rund, sondern etwas
eckigt. Die Künstlichen Perlen werden von den Schuppen gewisser
kleiner Fische gemacht, welche man erstlich faulen läßt.

/Die Austern werden immer in saltzigten Wasser und zwar zur
Zeit der Ebbe gefangen, sie sitzen oft an einer Felsen Banck so fest,
daß sie scheinen mit derselben aus einem Stück zu seyn. Einige sind
von ausserordentlicher Größe. In Coppenhagen zeigt man eine
Auster_Schaale die 2 Loth wiegt. Wenn sie sich schlüßen, kneipen
sie mit ungeheuerer Kraft, sie pflantzen sich schnell fort und werden
an den Küsten von Holland geangelt. Man sieht auch Austern, so zu
sagen an den Bäumen wachsen, sie hängen sich nehmlich zur Zeit der
Fluth, wenn der Baum unter Wasser gesetzt wird, an die Äste des-
selben an, und bleiben auch daran hängen.
Die Schaalthiere Cha-
mi sind den Austern sehr ähnlich, aber sehr groß, so, daß oft ein Cha-
mus bis 2 Centner wiegt. Im Adriatischen Meer findet man klei-
ne Austern, welche man Balagi nennt, und in runden Steinen
sitzen. Die Bohr-Muschel oder Polaren bohren sich in Stein ein %und
haben viel Aehnlichkeit mit den Pfahl-Würmern, die in Holland

/ viel

/|P_287

/viel Schaden an den Gebäuden und Schiffen verursachen, indem sie sich sammt
ihren Schaalen ins Holtz einbohren. Die Austern prepariren sich im Leich,
aber auch an den kleinsten Körnern desselben kann man schon die klei-
nen Schaalen erkennen. Unterschiedne Naturforscher bringen mit vie-
lem Schein vor, daß sich eine gewisse Gattung von Krabben dem Leich
der Austern ansetzt. Man hat das Vorurtheil gefaßt, daß die Tallmu-
schen an den Küsten von Schottland zu Enten würden, welches daher rüh-
ret, weil auf eben den Bäumen woran sie hängen auch wilde En-
ten und Gänse herrumflattern.

/Balanen oder Palanen, Meerdatteln sind länglichte Muscheln wie
das Dattel-Korn, werden im Adriatischen Meer bey Ancona ge-
funden, und sind in einen festen Stein eingeschloßen, den man vorhe-
ro mit einem Hammer entzwey schlagen muß, da man alsdenn die
Muschel lebendig darinnen findet. Dieser Stein ist poreux, und durch
die Löcher desselben dringt die junge Bruth ein.

/ ≥ Von den Bernaklibus. ≤

/Dieses sind eigentlich Stiel-Muscheln, mit einem Stiel, die die Zun-
ge des Thieres (sind) ist. Sie hängen sich mit solcher an die am Ufer
stehende Bäume an, und weil die Zunge gleichsam einen Hals, und gewis-
se an einem Büschel auslaufende gekrümmte Haare, und einen Schwantz
von einer jungen Gans haben; so ist die Fabel entstanden, daß aus dieser
Muschel, die Roll-Gänse, welche sich in Schottland finden, ohne daß man
weiß wo sie hecken, entstanden. Man weiß aber jetzt, daß diese Gänse

/ in

/|P_288

/in den allernordlichsten Inseln hecken.

/ ≥ Seide von den Muscheln. ≤

/Einige Muscheln hängen sich mit ihrer Zunge an den Felsen an, und
machen ein Gewebe, woraus man, als aus einer groben Seide zu Ta-
ranta und Rhaegges Handschuhe pp macht. Allein die Penna_marina
bringt viel feinere Seide zu wege, und daraus wird der byssus der Al-
ten gemacht. Man macht auch schöne Stoffe zu Palermo daraus.
Die
Penna Marina ist eine länglichte Muschel, welche sich vermöge gewis-
ser Fäden von Seiden an Felsen und andere veste Dingen anhängt,
sie wird an den Küsten von Sivilien bey Palermo und Messina gefun-
den. Sie ist braun.

/ Der Hautidus. ≤

/Hautidus, (Schiffkuttel) ist eine Muschel, welche schneckenförmig ge-
wunden ist, und deren Schaale vielkämmericht ist, so daß sie das Was-
ser aus denselben auspumpen und sich auf solche Art leicht machen
kann, in ihrem innwendigen hat sie eine Aehnlichkeit mit dem Black-
fisch. Wenn sie in der Luft schiffen will; so pumpt sie zuvor das Wasser
aus den Kammern ihres Gehäuses, alsdenn steigt sie in die Höhe, gießt
ihr Wasser aus, und richtet sich aufwärts in ihrem Schiffe, spannet ihre
zwey Beine zwischen denen eine zarthe Haut ist, wie ein Seegel aus,
strecket zwey Arme ins Wasser, um damit zu rudern, und mit dem
Schwantze steuert sie; kommt ihr etwas Fürchterliches ins Gesicht, so fült
sie ihre kammern mit Wasser und sinckt in die See unter.

/ ≥ Die Muschel_Müntzen

/Fast in allen Küsten von Africa, in Bengala, und andern Theilen

/ von

/|P_289

/von Indien, werden einige Gattungen von Muscheln als baar Geld angenommen.
Vornehmlich werden an den Maldiven kleine weißliche Muscheln, die eine Art
von Porcellain_Muscheln sind, wie das kleinste Glied am Finger geschiffet, welche
man in Ostindien Kauris, und in Africa Bonier nennt, man nennt sie bey uns
auch Mohren Zähne, welche die Engelländer von den Maldiven abholen, und die
hernach zur Bezahlung kleiner Sachen gebraucht werden.
Die Negers an der
Gold-Küste bedienen sich zu Müntzen einer Art von bittern Mandeln, wel-
che die Eigenschaft haben, daß wenn man davon ein Stück abbeißt, und auch
das schlechteste Getränck dazu trinckt, selbiges davon einen recht angenehmen
Wein-Geschmack erhält. Die Indianer haben, anstatt der Müntze eine Art
von Muscheln, welche ein violettes Perlmutter hat. In einigen Gegenden von
America giebt man Cacao-Nüsse anstatt Müntzen.

/ ≥ Siebenter Abschnitt
/Verzeichniß einiger merckwürdigen Insecten
/Nützliche Insecten

/1 Das Gomileck aus Siam, Tuncking, Peru, Bengala und andern Indi-
schen Provintzen. Es ist eigentlich eine Art von Wachs, welches von einer
Gattung Ameisen, auf eine gewisse Art von Bäumen getragen wird, und
darin sie in Zellen wie die Bienen ihre Beute ablegen, deren Häute
hochroth sind, und die daselbst einen rothen Saft zurück lassen. Man reibt es
in Mörsern im siedenden Wasser, und drückt es durch Leinwand, hernach
läßt man den Saft eintrocknen.
Das beste Gomileck ist das, welches an gewis-
sen Stöcken, woran die Ameisen sich mit ihrer Zelle von Gummi ansetzen,

/ gezogen

/δLage_MM

/|P_290

/gezogen wird.

/2 Cochenille. Diese rothe Farbe welche die theuerste unter allen ist, kommt
von einer rothen Baumwantze, welche in Neu-Spanien sich auf dem Bau-
me Nopal nistet, und mit Bürsten abgefeget, hernach getrocknet und gepul-
vert wird. Die Frucht des Nopals ist eine Feige die Hochroth ist, und sehr wohl
schmeckt. Man nennt dieses Pulver Camin. Es ist aber oft nicht recht rein.

/Der Kermes oder die Purpur-Körner sind eine Art Galläpfel, oder Aus-
wachs aus den Blättern eines Baumes welcher durch einen Insectenstich
entstanden. Kermes heißt im Arabischen eigentlich ein Würmchen, und die-
se geben eigentlich die rothe Farbe. Kermes wird auch in der Medicin ge-
braucht. Wenn man noch hinzu die Purpur-Schnecke thut; so sieht man, daß
alle rothe Farben die zur Färbung der Kostbarsten Zeuge dienen aus
dem Thierreiche herkommen.
Ausser dem Indianischen Cochenille ist
auch der Pollnische eine prächtige rothe Farbe. Sie kommt von dem
Coccus polonicus her, welches Insect sich in Pohlen und Westpreußen sehr
häufig findet, und an der Wurtzel des wilden Erdbeeren_Krauts in gro-
ßer Menge sich aufhält. Die Galläpfel sind nichts weiter als Puppen von
den Wespen, die ihre Eyer auf Eichen-Blättern gelegt haben. Daher
hat auch ein jeder Gallapfel ein Loch, woraus das Inseckt gekrochen ist.

/Von der Caprification. In den Griechischen Inseln bedient man sich ge-
wisser Schlupf-Wespen, um die Feigen dadurch, daß man selbige auf
sie nisten läßt, zu einer frühern und desto vollkommnern Reife zu brin-
gen.
Der Caprificus ist eigentlich eine Stech-Fliege, welche in die Blüthe
des männlichen Feigenbaumes kriegt und sich so lange darin herrum- 

/ taumelt

/|P_291

/taumelt bis sie gantz mit dem Blumen-Staube bedeckt ist. Sodann geht sie auf den
Weiblichen Feigen Baum, und legt in den Griffel desselben den männlichen Blu-
menstaub ab, wodurch selbiger befruchtet wird. Diese caprificirte Fliegen, haben
viele Maden in sich, daher man auch in der Levante ausruft: Nicht caprificirte
Fliegen. Esbare Heuschrecken. In Africa werden bey verschiednen Nationen
die großen Heuschrecken gebraten und gegessen. In Tunquin salzt man sie auf
künftigen Vorrath ein. Ludolph, der dieses auf seinen weiten Reisen ge-
sehen hatte, ließ die großen Heuschrecken, welche Deutschland 1693 verheer-
ten wie Krebse kochen, aß sie, machte sie mit Essig und Pfeffer ein, und trac-
tirte zuletzt gar den Rath in Franckfurth damit.
Von solchen Inseckten, die
der Mensch zu seinem Nutzen gebraucht sind in unserm Lande 2 Arten.

/Die Bienen. In Siberien sind gar keine Bienen, weil sie sonst erfrieren
müsten. In America werden sie Englische Fliegen genannt, weil die En-
gelländer selbige zuerst nach America gebracht haben. Auch in heißen Län-
dern hat man Bienen. Am Senegal ist ein großer Handel mit Wachs, der aber
von unserm sehr unterschieden seyn muß, weil daselbst gantz fremde Blu-
men sind. In Egypten verfährt man mit den Bienen auf eine gantz be-
sondere Art. Es gehen nehmlich im Februar von Cairo viele Fahrzeuge aus,
wovon ein jedes auf 200 Bienen-Stöcke hat. Diese fahren bis nach den Catha-
rackten des Nils, wo es um diese Zeit schon warm ist, und wo folglich die Bienen
schon Blumen finden. Nachdem sie hier ausgeschwärmt haben, kommen sie
wieder nach dem niedern Theil von Egypten im May_Monath mit dem
Fahrzeug zurück wo sodann abermahls viel Honig gewonnen wird. Der Honig
bläht sehr und ist durch den Syrup und Zucker schon fast gantz verdrängt wor- 

/ den.

/|P_292

/den. Man könte auch vieleicht aus dem Honig einen Zucker herraus brin-
gen, der würde aber weit theurer als der eigentliche Zucker seyn, der die-
se blähende Eigenschaft doch nicht hat. In Pohlen, wo man die Bäume nicht
viel achtet, hauet man den Wipfel derselben ab, bohrt aber ein Loch in den
Stamm, und überläßt denn den Baum den Bienen, die sich darin anbauen.
Die Bauern nennen ein dergleichen Loch einen Beutel. Bey uns sind aber
solche Beutel verbothen.

/2 Die Seidenwürmer, welche in Tunquin wild angetroffen werden.

/%Anmerckung: Den Römern war die Seide noch sehr unbekannt. Daher selbst zur
Zeit der Römischen Kayser ein ovum sericum gantz etwas unerhörtes war.
Martinet sagt, daß sich ausser dem Seiden_Wurm auf dem weißen Maulbeer-
baum kein einziges anderes Inseckt mehr aufhalte.

/Schädliche Insecten

/1 Die Tarantel-Spinne ist im Apulischen am giftigsten; Wenn man
von ihr gestochen wird muß man bald weinen, bald lachen, bald tantzen
bald traurig seyn. Ein solcher kann nicht schwartz und blau leiden. Man
kurirt ihn durch die Musick, vornehmlich auf der Zitter, Hoboyen, Trom-
meln und Violinen. Wodurch er, wenn man den rechten Thon und Melo-
die trift zum Tantzen gereitzt wird, schwitzt, und endlich zur Gesundheit
gebracht wird. Man muß manchen das folgende Jahr wieder tantzen las-
sen. Die vom Scorpion gestochnen Leuthe lieben auch die Musick, vornehm-
lich die Sackpfeife und Trommel; sonst giebt es auch ungemein große
Spinnen in Guinea, beynahe wie eines Mannes Faust.

/Tarento ist eine Stadt in Apulien. Daher der Nahme Tarentula, Tarantel- 

/ Spinne.

/|P_293

/Spinne. Diese Spinnen werden sobald ein Fremder dorthin kommt, von den
Ciceronen (so heißen da alle Bauren, die sich zu Wegweisern und Führern auf-
werfen, und vor Geld einem Jeden etwas zu sehen bringen) gezeigt. Es sind
Feld-Spinnen und haben nicht den geringsten Gift in sich. Die Sage davon ist durch
den Betrug dieser Ciceronen entstanden. Denn es giebt in Tarento, wo beson-
ders die Weiber ein Sitz-Leben führen, indem sie nichts thun als weben, viele
Leuthe, die, wenn sie Weiber sind hist«o»erische und als Männer hypochondrische
Zufälle haben. Diesen ist es nun allemahl eigen, daß sie bald weinen bald
lachen und durch Erhitzung beym Tantz Linderung verspühren. Solche Leuthe
werden denn von den Ciceronen zu den Fremden hingebracht und müssen,
um Geld zu verdienen sagen: Daß sie von einer Tarantel gestochen wä-
ren. Es wird damit ein ordentlicher Handel getrieben.

/2 Die Nerwen-Würmer, (Colubrillae.) In Ostindien und Africa bekom-
men die Menschen bisweilen einen Wurm in die Waden, der sich endlich unter
den Waden so starck einfrißt, daß er die Länge von einer Elle und mehr be-
kommt. Er ist von der Dicke eines Seiden Fadens bis zur Dicke einer Zitter-
Seite, der Wurm liegt unter der Haut, und macht eine Geschwulst. Man sucht
sie behutsam hervorzuziehen und den Kopf um ein Sackchen zu winden, welches
man nach und nach langsam herrauswindet. Wenn der Wurm reißt, so folgt gemein-
niglich der Todt. 3 Die Niguen. Diese Art Flöhe gräbt sich in Westindien in die
Haut ein, und verursacht den Kalten Brand, weil das Gift sich mit dem übrigen
Bluthe vermischt.
Die Haut bekommt auf den Fleck eine rothe Erhöhung, und der
gantze Fleck samt dem Wurm muß ausgeschnitten werden.

/Die großen Heuschrecken welche ihren Zug immer von Süden nach Norden

/ nehmen

/|P_294

/nehmen, und sich durch nichts ausser durch die Gebürge aufhalten lassen. Sie
fressen alles bis auf die Wurtzel weg. Sie kommen gemeinhin aus Egyp-
ten, Arabien, und den Großen Sandwüsten, woselbst man sie auch würcklich
ißt. Anno 1747 und 1748 waren sie in Deutschland und 1749 in Preußen.

/Niebuhr sagt, daß sich in der dortigen Gegend auch eine große Menge von Wach-
teln befände. Der Faden_Wurm (vena medinanensis, weil er in Ara-
bien bey Medina häufig angetroffen wird) ist ein Sack von lauter klei-
nen Würmern, und wird auch in America angetroffen.

/Andere schädliche Insecten. ≤

/In Congo ziehen gantze Schwärme großer Ameisen, die eine Kuh oder
einen krancken Menschen wohl gantz auffressen. Die Cameira eine Art
Motten in Carthagena in Spanien sind so fleißig, daß wenn sie ein-
mahl in einen krahmladen kommen, sie ihn in einer Nacht völlig zu
Grunde richten. Die Loge, ist eine kleine Wantze in America, die wenn
man sie auf dem Fleische zerdruckt ein tödliches Gift zurück läßt. Man
bläßt sie dahero weg, wenn man sie auf der Haut siehet. Die Tausend-
Füße, oder rothe Raupen mit 40 Füßen haben einen giftigen Biß,
und sind eine große Qual der Indianischen Länder. Die Mosquitas
sind eine besondere Art schädlicher Mücken in Ostindien, imgleichen auf
den niedrigen Gegenden der Landwege in Panama. In Lappland
ist die größte Plage von Vieh-Bremsen.
Die Wander_Ameisen sind weiß
und halten sich in den Wüsten der warmen Weldstriche auf. Ihre Nester
sehen aus wie Zelter, und sind aus einem weißen Thon gemacht. Sie set-
zen sich bisweilen auf einmahl in Bewegung, und wo sie denn hinkommen

/ muß

/|P_295

/muß alles weichen und Menschen und Vieh müssen aus den Dörfern, wohin sie sich
setzen herrausziehen. In Brasilien hällt man diese Ameisen noch für eine
Wohlthat, denn wenn die Leuthe wieder in ihre Häuser herreinkommen; so
finden sie alles rein von Ungeziefer, keine Ratzen, Schlangen pp.

/Die Schwartzen Ameisen sind in Jamaica und andern Inseln erstaunlich läs-
tig, indem sie sich an alle Sachen ansetzen und sie auffressen. Die Kackerlacks
oder Tarackanen worin die Russen, ohngeachtet sie so sehr schädlich sind eine
große Heiligkeit setzen. Sie werden hauptsächlich in Ostindien angetrof-
fen, sind roth, so groß wie ein Mehl_Käfer, und Lichtscheu. Die Hausgrillen
können am besten durch ein Faß von weichgekochten zerdrückten gelben
Rüben mit Arsenicum vermischt fortgeschaft werden. In dasigen Gegenden
finden sich Holtzwürmer, welche in einer Nacht einen gantzen Fisch zu
durchfressen im Stande sind. Die Turia infernalis in Finnland. Sie fällt,
wie es Linnaeus beschreibt aus der Luft herab, und frißt sich so geschwinde
in die Haut ein, daß man sie gar nicht attrapiren kann, worauf sodann
Inflammation und Brand erfolgt. Man zweifelt noch sehr an der Exis-
tens
dieses Insects, welches bräunliche Haarchen haben soll. Linne giebt
vor, daß er selbst als er in Lunilen in Schonen studirte, daran inficirt wor-
den sey.

/Nota. Wir haben vermuthlich durch den Handel viele schädliche Insecten
in unsere Länder gebracht, so wie die Europäer die Mäuse nach Ame-
rica gebracht haben, welche vor entdeckung desselben niemahls daselbst ge-
wesen sind.

/ Achter

/|P_296

/ ≥ Achter Abschnitt
/Anhang von andern kriechenden Thieren
/Die Schlange
. ≤

/In den heißen Ländern giebt es etliche von erstaunender Länge. In
den Sümpfen nicht weit von dem Ursprunge des Amazonen_Strohms sind
solche, die ein gantzes Reh verschlingen. In Uhidha einem Africanischen
Königreiche am östlichen E«m»nde der Küste von Guinea ist eine sehr große
Schlange, welche unschädlich ist, und vielmehr die giftigen Schlangen, Rat-
ten und Mäuse verfolgt. Sie wird daselbst als die oberste Gattung ange-
bethet. Die Klapper-Schlange ist die Schädlichste unter allen. Sie hat Ge-
lencke in ihrem Schwantz, welche bey trockner Zeit, im starcken gehen,
klappern. Ist sehr langsam und ohne Furcht. Es wird von allen geglaubt,
sie hätte eine Zauber-Kraft, oder vielmehr einen benebelnden auch
wohl gar anlockenden Dampf, den sie ausbläßt, und dadurch Vögel, Eich-
hörnchen und andere Thiere nöthiget in ihren Rachen zu kommen.

/(Man leitet auch diese bezaubernde Kraft der Klapperschlange aus
dem Schreck her, welches sie den Thieren einjagt, indem sie ihre Augen im-
mer auf selbige gerichtet hält, wodurch sie in Verwirrung gerathen.)

/Zum wenigsten ist sie viel zu langsam, solche geschwinde Thiere, als
sie täglich frißt, auf eine andere Art zu erhaschen. Die Wilden fressen
sie imgleichen die Schweine. Die Cobra oder Hautschlange, wegen ei-
ner Haut, welche den Kopf und Hals umgiebt, allso genannt, so den be-
rühmten Schlangen-Stein in ihrem Kopfe haben; allein Valienieri be- 

/ richtet

/|P_297

/richtet, es wäre nichts anders als gedörretes, und auf gewisse Art zugerichte-
tes Ochsen-Bein. Es hängt starck an der Zunge. Wie man den Schlangen-Gift
aus der Wunde zieht, und sie davon reinigt. Er hat die Gestallt einer Bohne, ist
in der Mitte weißlicht, das Übrige Himmelblau. Einige geben vor, die Bra-
minen aus Indien machen ihn aus würcklichem Schlangen_Stein, mit
deren Leber, Hertz und Zähne nebst einer gewissen Erde vermenget. Zum
wenigsten pflegen gewisse Theile von schädlichen Thieren z. E. das Fell
der Hautschlange selbst wieder ihren Biß gut zu seyn.
Die Hautschlange
wird in Africa und am Caput Bonae Spei angetroffen. Die Klapper-
Schlange hält sich besonders bey umgefallnen Bäumen in America auf,
ihre Gelencke klappen nicht wenn es regnet. Sie hat sehr fürchterliche Au-
gen, welche, wenn sie im Zorne ist feuerroth sind, daher fürchten sich auch
alle Thiere für ihr, nur das wilde Schwein nicht, welches auf selbige losgeht
und ihr ohn alle Barmhertzigkeit Stücke vom Leibe wegreißt. In Nord-
America ist eine Schlange, die den Menschen zwar mit großer Geschwin-
digkeit verfolgt, und ihn auch beißt, der Biß aber nicht giftig ist, und ausser
der Wunde keinen Schaden verursacht. Die Giftigen Schlangen haben
dieses Merckmahl, daß sie an dem Kinnladen zwey bewegliche Gift_Zähne
haben, an deren Wurtzel eine Gift_Blase ist. Sie haben keinen Stachel,
noch weniger stechen sie mit ihrer Zunge, die zwar spitzig ist, und zum Fang
der Insecten gebraucht wird, aber gantz unschädlich ist, sondern hauen mit
ihren Gift_Zähnen. Das Schlangen Gift, würckt nur dadurch, daß es sich in ei-
ner ofnen Wunde unmittelbar mit dem Bluthe vermischt, nicht aber denn

/ wenn

/δLage_NN

/|P_298

/wenn man es herrunterschluckt. Daher ist auch das beste Mittel einen von
einer Schlange gebisnen Menschen zu heilen, wenn man das Gift aussaugt,
welches dem Menschen der dieses unternimmt, nicht im mindesten schädlich
ist, es sey denn, daß er etwa im Munde verwundet oder nur geritzt wä-
re, in welchem Fall sich das Gift auch sogleich mit dem Bluthe vermischt und
also tödlich seyn könnte. Sonst aber ist es gar nicht schädlich, und wird auch
in der Medicin gebraucht. Die Schlangen schlucken alles was sie fressen
wollen gantz herrunter, als Eydexen, ja die grösten, selbst Rehe und
Menschen. Ein Engelländer bemerckt, daß die Sternschneutze, eine
Gallartige Materie auf den Feldern, die so wie der Buchbinder_Kleister
aussieht, nichts anders sey, als was die Raben und Krähen von den Fröschen,
die sie herrunter geschluckt haben, ausspucken. Die Größte von allen
Schlangen ist die Boa_Constrictar, welche sich um die Thiere schlingt, und
sie so zusammenzieht, daß sie ihnen alle Knochen zerbricht, auch selbst ei-
nem Tiger, so denn schluckt sie selbige mit Haut und Haar herrunter.

/Der Scorpion

/Er ist in Italien nicht größer wie ein kleiner Finger, hat beynahe eine
Krebs-Gestallt und verwundet seinen Feind mit dem Schwantze, wor-
in er einen Haacken hat Man bedienet sich des zerdrückten Scorpions
um ihn auf den Stich zu legen, und das Gift wieder auszuziehen. Die
Indianer bedienen sich im Nothfall wieder einen giftigen Bis, des Bren-
nens der gebisnen Stelle. In Indien sind sie viel größer. Es ist an dem,
daß wenn man einen Scorpion unter ein Glas thut, worunter man Ta- 

/ backs

/|P_299

/backs-Rauch bläset, er sich selbst mit seinem Schwantz tödtet.

/ ≥ Der Camelion

/Ein Asiatisches und Africanisches Thier einer Eydexe ziemlich ähnlich, aber
viel größer, nähret sich von Inseckten, seine Zunge ist 8 Zoll, und fast so
lang als das gantze Thier, womit er, wie der Ameisen Bär, Fliegen und
Ameisen fängt. Einige Physici berichten, daß er seine Farbe nach den
farbigten Gegenständen richtet, aber mit einem Zwange, den er sich an-
thun muß.
(Es giebt viel Indianer die sie dergestallt discipliniren
können, daß sie mit ihnen spielen und allerley Künste treiben können.
Doch sollen sie bisweilen auch das Leben dabey einbüssen. Um sie zu zäh-
men, lassen sie selbige erst hungern, und so bald sie beißen wollen, geben
sie ihnen Schläge.) Allein in den allgemeinen Reise-Beschreibungen
wird berichtet, daß sie ihre Farbe beliebig, und vornehmlich wenn sie nicht lus-
tig sind, schnell aufeinander verändern, aber nicht nach den Gegenständen.
Sie verändern allso ihre Farben nach den Affecten,
wenn sie böse sind, so
ist ihre Farbe aschgrau, und werden gantz mager, sind sie aber lustig, so
sehen sie gelblicht aus mit braunen Flecken, die ihre Stelle verändern.

/Der Salamander

/Seine Unverbrennlichkeit kommt von dem dichten Schleim her, den
er so wohl ausspeyt, als aus allen Schweißlöchern treibt, und womit er die
Kohlen, wenn er darauf gelegt wird eine ziemliche Zeit dämpft, endlich
aber doch verbrennt.
In America ist eine Eydexe Iduana, welche vom
Kopf an bis zum Schwantze einen gezackten Kamm hat, und gegessen
wird. In allen Theilen der Welt giebt man vor, daß der Eydex ein Feind

/ der

/|P_300

/der Schlangen sey, und den Menschen davor warne. Schinkus Mari-
nus ist ein Aphroa sidicum und wird aus Egypten gebracht.

/ ≥ Neunter Abschnitt
/Das Reich der Vögel.
/Der Strauß und der Casuar
. ≤

/Es sind vornehmlich Arabische und Africanische Vögel, tragen den Kopf
höher als ein Pferd, haben Flügel, womit sie nicht fliegen können,
laufen schneller als ein Pferd, bebrüten ihre Eyer nur des Nachts, ha-
ben schöne Federn im Schwantze, und eine hochgerichtete Erhebung auf
dem Rücken. Der Casuar ist sonst dem vorigen ähnlich, hat auf dem Kopf
eine Art von Knorplichter Haut, und an den Füßen Hufen, schlingt Ei-
sen, ja selbst glühende Kohlen herrunter, verdaut aber das erste nicht.
Der Strauß hat, so wie der Casuar zwey Stacheln unter den Flügeln,
welche ihnen zu Sporren dienen. Der Casuar hat Federn, welche a-
ber nicht in einander gehechelt sind, sondern die Fasern hängen wie Haa-
re einzeln um den Kiel.

/ ≥ Der Condor

/Er ist das gröste unter allen fliegenden Thieren in America aber
selten anzutreffen.
Er hat eine Aehnlichkeit mit dem Geier, welche
beyde Aas fressen, und soll nicht mehr wie ein Ey legen. Er ist von
dem einen Ende des Flügels bis zum andern 16 Fuß breit, kann
einem Ochsen die Gedärme aus dem Leibe reißen, hat aber nur Füße
wie Hühner-Klauen, trägt Wild fort in sein Nest, und öfters auch Kin- 

/ der,

/|P_301

/der vermehrt sich aber nicht sehr.

/ ≥ Der Colibri, Sing-Vogel oder Blumen_Hacker. ≤

/Es ist ein americanischer Vogel und der kleinste unter allen Vögeln,
nicht völlig so groß als ein Käfer, hat die schönsten Federn, die sonst alle mögliche
Farben spielen. Es saugt Saft aus den Blumen. Er heißt auch Sumpf-Vogel
und soll einen Adler in der Luft tödten können, wenn er ihm unter die
Flügel fliegt und ihn mit seinem spitzigen Schnabel so lange sticht, bis er todt
zur Erde fällt.
Es ist in Westindien eine Art von Spinnen, die ein Gespinst
machen, welches viel dicker und vester ist, als der Unsrigen: darin fängt sich
der Colubri als eine Mücke.

/ ≥ Paradies-Vogel. ≤

/Er ist nur wegen des Vorurtheils zu mercken, welches man gehabt hat, als
wenn er keine Füße hätte. Sie werden ihm aber, um ihn desto besser
zu erhalten abgeschnitten.
Papageyen und Paradies-Vögel giebt es auf
den Philippinischen Inseln. Einige von den Erstern sind nicht größer als ein
Sperling.

/ Goldne Hüner. ≤

/Sie sind wegen ihrer Goldfarbnen Federn und anderer schönen Schat-
tierungen für die zierlichsten Vögel in der Welt zu halten, und werden
von den Chinesern sehr hoch geschatzt.

/ ≥ Der Pelican. ≤

/Er hat einen Leib wie ein Schaaf, kleinen Kopf, einen langen Schnabel,
und am Kopf einen Sack, darin ein Eimer voll Wasser geht, er füttert
seine Jungen mit Fische. Daß derselbe seine Jungen mit Bluth füttert,
gehört mit der Fabel vom Phönix in eine Classe.
Er soll ein Nest bauen

/ von

/|P_302

/von Wässerlichtem Thon, und selbiges mit Wasser füllen, welches seinen
Jungen, da er sich nur in Wüsten aufhält, sehr zu statten kommt.

/ Einige Merckwürdigkeiten des Vogel-Geschlechts. ≤

/Die in der heißen Zone sind schöner und buntbarbiger, aber von schlech-
tem Gesang. Einige hängen ihre Nester an die dünnsten Zweige
der Bäume auf, die über dem Wasser hängen, dadurch sie von den
Nachstellungen der Affen frey seyn. Der Kucku«d»ck leget seine Eyer in
das Nest der Gras-Mücke, und bekümmert sich nicht um seine Junge.
Einige Vögel haben Flügel und können nicht fliegen, z. E. der Strauß,
Casuar und Peguin. Man braucht auch einige Vögel zum Fischen, als
die Kropfgans. Andere zum Jagen des 4füßigen Wildes, als vornehm-
lich die Falcken aus Cirkassien. Man lehrt diese dem Wild unbemerckt
nahe zu kommen, indem man ein Stück Fleisch auf eines ausgestopf-
ten Wildes Kopf steckt, und es auf Rädern vorziehet. Hernach gewöhn-
nen sie sich dem laufenden Wild die Klauen in die Haut zu schlagen,
mit dem Schnabel zu reißen, und in Verwirrung zu bringen. Ande-
re werden zum Vogelfang abgerichtet, als die Islaendische Falcken
und andere mehr. Von der Abrichtung der Falcken«,». (und andern mehr,)
Von der Reyher-Beitze. Diese Falcken werden einer Schildwache
stehender Soldaten in die Hände gegeben, um sie einige Tage %und
Nächte zu tragen, daß sie nicht schlafen können, wodurch sie gantz
ihre Natur verändern. Man fängt in China, und bey Porto_Bello
wilde Gänse und Enten durch Schwimmer, welche ihren Kopf in einen hoh- 

/ len

/|P_303

/len Kürbis stecken. Sie verpflantzen viele Früchte, indem sie den unverdau-
lichen Saamen, den sie gefressen haben wieder von sich geben, daher der Nistel-
Saame auf die Eiche kommt, und daselbst anwächst, imgleichen auf Linden
und Hasseln. Einige Tiefen im Weltmeer dienen den Vögeln, vornehmlich
die sich von Fischen nähren, zur Behausung, so daß etliche, wohl einige Zoll
mit Vogel_Mist bedeckt sind, dergleichen an den Küsten von Chili, Africa,
unter den Arcaden und anderwärts. Einige bedeuten, wenn sie weit vom
Lande fliegend angetroffen werden, Sturm, welche sonst auch gewohnt
sind, Schildkroten, Meeradler, eine Gattung Steinbrecher von Felsen,
von einer Höhe fallen zu lassen, wodurch Aeschilus getödtet worden.
Man findet keine Störche in Italien, imgleichen in Engelland, und
der Oestlichen Tartarey. Taubenpost ist noch jetzt in Modena und Alep-
po, wurde ehedem in der Belagerung von Harlem, Zürichsee, Gertru-
denburg
gebraucht. Imgleichen des Jonas_Dusa Taube in Leyden. Mit
der Tauben-Post geht es auf folgende Art zu: Man nimmt, wenn man
nach Scanderona abfährt, Tauben die Junge haben, aus Aleppo mit, läßt
aber die Jungen in Aleppo zurück, so bald man nun im Scanderona
angelangt ist; so bindet man einen Brief an die Flügel der Taube, und
läßt sie nach Aleppo hinfliegen, welchen Weg sie niemahls verfehlen.
Auf solche Art kann man in sehr kurtzer Zeit von Scanderona aus den
Einwohnern von Aleppo Neuigkeiten berichten. Die Fregatte eine Art
von Sturm-Vogel, ist klein, und hat so große Flügel, daß man die Breite
zwischen denselben auf 12 Fuß schätzt. Der Meer-Adler kommt aus der

/ Luft

/|P_304

/Luft bis aufs Wasser, schlägt seine Klauen in den ersten besten Fisch, und
nimmt seinen Raub mit sich fort. Wenn dieser ihm nun zu starck ist, so wird
er von ihm mitgeschlept. Die wilden Enten verpflantzen auch Fische,
indem sich an ihren Füßen kleine Fische anhängen, welche sie denn her-
nach in andere Landseen verpflantzen.

/ Vom Ueberwintern der Vögel

/Man bildet sich gemeiniglich ein, daß diejenigen Vögel auf den Winter
in Wärmere Ländern und weit entfernte Climaten ziehen, welche ihr
Futter in unsern Nödlichen Climaten nicht haben können. Allein die
Lerche, Kybitz und andere mehr erscheinen geschwind, wenn einige war-
me Tage im Frühjahr kommen, und verschwinden wieder bey an-
brechender Kälte. Dieses beweiset, daß sie auch im Winter hier bleiben.
Die Wachteln sollen auch einen Zug über das mittelländische Meer
thun, sintemahl auf der Insel Capri bey Neapolis der Bischof daselbst
seine meiste Einkünfte vom Zuge der Wachteln hat, und bisweilen
in der mittelländischen See Wachteln auf die Schiffe niederfallen.
Allein diese Vögel sind zwar Strich-Vögel, die ihre Oerter verändern, a-
ber nicht Zug-Vögel die in entferntern Ländern so gar über das Meer
setzen. Ihr Flug ist niedrig, und nicht langwierig. Es werden aber öf-
ters Vögel vom Wind %und Nebel in die See verschlagen, verirren sich
und können entweder nicht um, oder retten sich auf die Schiffe. Man
hat 100 englische Meilen von Modena einen Sperber auf einem Schif-
fe gefangen, welcher erbärmlich schwach aussahe. Der Vice-König von

/ Tene

/|P_305

/Teneriffa hatte dem Duc_de_Lerma einen Falcken geschenckt, welcher
aus Andalusien nach Teneriffa zurück-kehrte und mit des Ducs-Reiger
todt niederfiel. Allein was wollen andere schwache Vögel gegen einen
so starcken Raubvogel sagen? Warum fliegen die Störche nur aus
Franckreich nach Engelland über? Die mehresten Vögel verbergen sich
des Winters in der Erde, und leben wie die Dachse oder Ameisen ohne
Futter.
Was die Schwalben anbetrift, so hat man die Meinung, daß sie sich
den Winter über im Wasser aufhalten. So viel ist gewiß, daß man oft
in einem Fisch-Zuge aus Landseen, gantz geklumpte Schwalben her-
raus gezogen hat. Dieses aber sind wohl nichts anders als verunglückte
Schwalben, denn zur Herbst-Zeit ziehen sich die Schwalben nach berohr-
te Gegenden, wo sie noch kühlere Luft und einige Inseckten finden.
An diese Röhre hängen sie sich an, und wenn dasselbe Knickt, so fallen
sie ins Wasser, und müßen, weil sie zu schwach sind fortzufliegen, darin
so lange bleiben bis sie verfaulen. Frisch in Berlin führt an, daß
er einer Schwalbe, welche in seinem Hause genistet hatte, einen ro-
then Band um den Fuß gebunden und sie habe fortfliegen lassen,
als nun dieselbe nach einem Jahr wiedergekommen so habe sie die-
sen Band noch am Fuße gehabt, woraus denn zu sehen ist, daß sich die-
selbe «m»nicht im Winter müße aufgehalten haben. Addison und ande-
re Engelländer führen an, daß zur Zeit des Octobers die Schwalben
am Senegal erscheinen, aber gar nicht nisten, sondern im Frühjahr

/ wieder

/δLage_OO

/|P_306

/wieder ihren Zug nach Norden richten. Die Störche, Gänse, Enten pp. werden in
den abgelegnen Brüchen von Pohlen und andern Ländern, i«m»n Morästen, da
es nicht frieret gefunden. Man hat auch in Preußen des Winters einen Storch
aus der Ostsee gezogen, der in der Stube wieder lebendig ward. Auf dem Eis-
meer giebt es eine erstaunende Menge weiße Gänse, welche aber äusserst
Dumm sind, und dahero sehr leicht gefangen werden. Es bekleidet sich nehm-
lich jemand mit Gänse_Federn, so daß er einer Gans ähnlich sieht. Dieser geht
vor die Gänse her, und ein anderer scheucht dieselbe, die Gänse folgen je-
nem, weil sie in dem Wahne stehen, als ob er auch von ihrem Geschlechte sey,
und er führt sie in ein Haus, wo sogleich die Thüren zugemacht werden,
und die Gänse also auf solche Art gefangen sind. Von_der_Groeben er-
zählt dasselbe von den Gänsen auf der Küste von Guinea. Die Negers
werfen hier Kürbisse ins Wasser, woran sich dann die Gänse mit der
Zeit gewöhnen. Sodenn schwimmt ein Neger gleichfalls mit einem Kürbis
auf dem Kopf, greift die Gänse bey den Füßen, zieht sie unter Was-
ser, und steckt sie in einen Sack.

/ ≥ Drittes Hauptstück
/Das Pflantzen Reich
/Erstes Capitel
/Von den merckwürdigen Bäumen
/Vorläufige Anmerckungen

/Die Bäume sind in der heißen Zone von schwererm Holtze, höher, und
von kräftigerm Saft. Die Nordlichen sind lockerer, niedriger und ohnmäch- 

/ tiger

/|P_307

/tiger. Das Vieh aber so wohl, als die Menschen sind jenen Gegenden viel leichter nach
Proportion des ausserlichen Ansehens, als in diesem.

/ ≥ Von Bäumen die den Menschen Brodt liefern. ≤

/In vielen Theilen von Indien, imgleichen in den Latronischen Inseln wächst ein
Baum der große Ballen einer mehlichten Frucht trägt, welche als Brodt gebraucht
werden und die Brodts-Frucht heißen. Dieser Brodt-Frucht-Baum ist auch schon
mit dem besten Erfolg nach Surinam verpflantzt. Der Cago-Baum, der auf
den Moluccischen Inseln wächst, sieht aus wie ein Palm-Baum. Er hat ein nahr-
haftes Marck, dieses wird mit Wasser gestoßen, das Gelatinum ausgepreßt %und
filtrirt. Das Schleimigte sinckt zu Grunde, und macht daraus ziemlich schlecht
Brodt, aber bessere Grütze, mit Mandelmilch gegessen ist es gut gegen die rothe
Ruhr.
Bey Patna am Ganges Strohm und am Senegal findet sich eine Eßbare
Erde, die wohl nichts anders als eine Gewächs-Erde ist, so wie terra Catchan
in der Medicin aus einem gedickten Baumsaft bestehet. Unser Getrayde
rechnet man zu den Grasarten. In Schweden wird das Innwendige der Fich-
ten_Rinde von Thieren, und in Brodt eingebacken auch selbst vom Menschen
gegessen. In Indien hat man an die Stelle unseres Brodts, Reiß, und auf
der Küste von Guinea und in der Barbarey eine Art Hürse, welche man
Durrha nennt und in Ansehung des Wachsthums eine große Aehnlichkeit mit
dem Türckischen Weitzen hat. Die Kartoffeln sind eigentlich aus Peru in
unsere Gegenden herrüber gebracht. Eine Art davon findet sich auch am Sene-
gal. Die Sago-Grütze in Indien ist eigentlich das Marck von einem Palm-
Baum, und eine Kost, welche der Allerkränckeste und Schwächste vertragen

/ kann

/|P_308

/kann. Wenn der Baum einige Jahre alt ist, so spaltet man seinen Stamm,
und unter der Rinde desselben ist diese Grütze zu finden; Der Saleb wird aus
einem Orchis, oder einer Wurtzel, die aus 2 Bullis besteht, gemacht und ist
eine gelatineuse Substantz die für hectische Persohnen sehr gerühmt wird.

/Sehr nutzbare Bäume von der Palm-Art. ≤

/Die Palmbäume sind von unterschiedlicher Art, sie haben alle diese ge-
mein, daß sie eigentlich keine Aeste haben, sondern große Blätter, die
auf dem Stamm wachsen, und die gleichsam mit einem schuppigen Pant-
zer bezogen sind. Aus einer Gattung derselben wird der Saft gleich dem
Bircken-Wasser häufig ausgezogen, der wenn er gegoren hat, den Palm-
Wein giebt. Er ist zu unterscheiden von dem Palmseckt auf der Insel de-
la-Palma. Der Cocus-Baum gehört unter die Palminirten, seine Blät-
ter dienen, so wie die von den andern Palmen zu Bedeckung der Häu-
ser; die Rinde der Nuß, zu stricken; die Nuß selbst zu Gefäßen, und die da-
rin enthaltene Milch ist ein angenehmes Geträncke. Die Maldivische
Nuß ist untergetheilt, und köstlicher als die übrigen.
Bey manchen Palm-
Bäumen sind die Blätter bis 2 Klafter groß. Der Kohl-Baum schießt
oben aus seiner Krone eine Oehlsaftige Substantz, die den Rüben ähn-
lich ist, und wegen der Aehnlichkeit des Geschmacks der Kohl des Palmbau-
mes genannt wird. Dattelbäume giebt es in Africa von Marcco bis
Egypten, und in Asien bis Persien. Bey Bassora ist ein Wald von lau-
ter Datte«m»ln Bäumen. Diese Dattelbäume von der Palmart sind

/ von

/|P_309

/von zwey Geschlechtern, nehmlich theils männlichen, theils weiblichen-Geschlechts.
In den Ländern wo sie sehr häufig wachsen, tragen die Einwohner die Datt-
teln in der Tasche, und essen sie so wie bey uns die Bauren die graue Erb-
sen und in Italien die Castanien, die daselbst so groß sind, daß sich am Aetna
ein Castanien-Baum befindet, von dessen Früchte sich wohl hundert
Pferde satt essen können. Bey den Alten wurde der Dattelbaum Phoe-
nix genannt, und es scheint die gantze Fabel vom Vogel Phoenix, wohl
nichts anders, als die Wiederherstellung und Vereinigung des Dattelbau-
mes anzuzeigen. Der Cocus-Baum hat oben in seiner Krone, gewisse
Nüsse, welche in einer bastigen Substans eingeschlossen sind, die sie fähig
macht auf dem Wasser hin und her zu schwimmen, und dadurch vielen
entfernten Inseln zur Speise zu dienen. So kommt auch die Maldivi-
sche Cocus-Nuß, eine Frucht, die einzig und allein auf den Palmen In-
seln, jetzo du_Bole wächst, hängen bey den Maldiven an, woher sie auch
ihren Nahmen hat. Das Holtz des Cocus-Baumes läßt sich wohl schlecht
zu Geschirren brauchen, weil es sehr schlammigt ist. Hingegen macht man
aus der Nuß desselben, welche eigentlich keinen Kern, sondern in der
Mitte eine Höhlung hat, worinnen sich Milch befindet, in Indien eine Art
von Becher, die sehr hoch geschätzt werden. Die junge Blätter werden zu
Tisch_Decken gebraucht. Aus der Fleischigten Substans, womit die Hertz-
förmige Schahle der Cocus-Nuß überzogen ist, wird ein Oehl ausgepreßt
das sehr eckelhaft ist.

/ Der

/|P_310

/ Der Talgbaum

/Ist in China, trägt eine Hülsen-Frucht mit 3 Nußartigen Körnern wie
Erbsen groß, mit einer Talg-Rinde umgeben, und die selbst viel Oehl ha-
ben. Man zerstößt die Nüsse kocht sie und schöpft den Talg ab, wozu man
Lein Oehl und wachs thut, und schöne Lichter daraus zieht.

/ ≥ Der Wachs-Baum

/An die Blätter dieses Baums, welcher auch in China häufig wächst,
hängen sich Würmchen an, die nicht größer als die Flöhen sind. Sie ma-
chen Zellen, aber viel kleiner als Bienen Zellen. Das Wachs ist hä<r>ter,
gläntzender und theurer als Bienen Wachs.

/ ≥ Der Seifen-Baum

/Er ist in Mexico und hat eine Nuß-Frucht, deren Schaale einen Saft
hat, der gut schäumet, und schön zu waschen ist.

/ ≥ Ein Baum der Wasser zu trincken giebt. ≤

/Dieses ist der wunderbahre Baum auf der Insel Ferro. Er soll immer
mit einer Wolcke bedeckt seyn und von seinen Blättern Wasser tröp-
feln, das in Cisternen gesammlet wird, und da diese Insel sonst kein
Wasser hat, vor Menschen und Vieh genung liefert. Sein Stamm soll 2
Faden dick, und 10 Fuß hoch seyn; Um die Aeste aber soll er 120 Fuß
im Umfange haben. In der allgemeinen Reise-Beschreibung wird
von einem Augen-Zeugen angeführt, daß dieser Baum nur des
Nachts Wasser giebt, und zwar jede Nacht 20.000 Tonnen.
Das Meer
stellt hier einen distilir-Kolben vor, woraus sich die aufsteigenden Dün- 

/ ste

/|P_311

/ste, über das schattige Thal, weil es daselbst kalt ist, hinziehen, einen Nebel verur-
sachen, und auf die Zweige der Bäume herrab träufeln, und von da hinab in
die Cisternen. Die meisten Reisenden und unter ihnen le_Maire versichern,
es wären viele solche Bäume in einem Thal beyeinande«l»r. Dieses Thal wä-
re von großen Wäldern umgeben, und die umliegende Berge werfen ih-
ren Schatten herrein, dadurch die Dünste auf diese Art verdickt werden,
und eine träufelnde Wolcke machen, denn in der St_Thomas_Insel
unter
dem Aequator, die den Portugiesen zuständig sind auch solche Bäume, die a-
ber nur das Mittags-Wasser haben. In Syberien wächst ein Rohr, wel-
ches immer voll Wasser ist, das aber mit dem Mond_Licht bald ab bald zunimmt.

/Hepentes. Das Wunderkraut wächst auf der Insel Ceylon. Oben in der Flasche
befindet sich das Wasser, womit es seine eigene Wurtzel befeuchtet.

/ Die Baumwollen Bäume

/Sie tragen eine Frucht wie Aepfel, die inwendig in Zellen eingetheilt ist,
worin die Wolle steckt. Die Saat_Körner in der Baumwolle sind so häufig,
daß man sie mit Maschienen aus selbiger herrausschaffen muß. Die Cibo-Wol-
le ist fast Seidenartig und von einem andern Baum, die allein fast gar nicht
verarbeitet werden kann.

/ ≥ Der Firnis-Baum

/Er wird am meisten in China und den Molucken gefunden, und vorzüglich
in Tunquin, woselbst man sich damit die Zähne schwartz färbt. Er giebt den
Lack eben so, wie die Bircken, das Bircken-Wasser. Man steckt eine Muschel-
Schnecke in seine geritzte Haut, darin er sich sammelt. Er wird auf dem Holtz

/ fester

/|P_312

/fester, als das Holtz selbst. Alsdenn wird noch ein besonderer Oehl-Firnis darüber
gezogen.
In Japan sind alle Häuser überfirnißt.

/ Eisen_Holtz

/Es ist so hart, daß man Ancker und Schwerter daraus machen kann. Das Frant-
zosen_Holtz ist auch von sehr schwerer Art und wird in der Frantzösischen
Kranckheit gebraucht. Das Eben-Holtz ist eigentlich nur der Kern von ei-
nem Baum, welcher in Africa wächst. Das Mahogni-Holtz, welches aus
Westindien kommt, fällt ins Röthliche, und sieht fast aus wie Schildpatt.
Hievon ist zu unterscheiden, das Madera-Holtz, welches noch zarter ist a-
ber ins Dunckelbraune fällt.

/Wohlriechende Holtze. ≤

/Von den Sandel-Bäumen ist das gelbe Sand-Holtz dasjenige, was in
Indien am meisten zum Rauchwerck gesucht wird. Es wird auch zu
Brey gestoßen, und den Indianern der Leib damit zur Kühlung be-
schmieret.
Das Cedern-Holtz ist ein weiches-Holtz, und wird am besten
in den Bermudischen Inseln angetroffen. Unsere feinen Bleyfeder
sind damit überzogen. Es hat einen Kaddigs-Geruch, der den Inseckten
äusserst wiedersteht, daher es vieleicht bey Naturalien_Sammlungen zu
Schachteln am besten zu gebrauchen ist.

/ Färbe-Höltzer

/Brasilien_Holtz. Der Kern dieses Holtzes dienet zum Rothfärben. Cam-
pusce-Holtz, dessen inwendiger Kern blau färbt. Das roht-Holtz wird
auch Ferenbuck genannt,
welches aber doch von jenem unterschieden

/ seyn

/|P_313

/seyn soll. Der Rocku, welcher auch in Europa zur Färberey gebraucht wird,
ist eigentlich der Kern von einem Baum der in America wächst. Es heißt
auch Orelora falschlich Orleans, und färbt ponceau roth, welches mehr ins Gel-
be als ins rothe fällt.

/ Balsam Bäume

/Der Balsam von Mecca ist der Köstlichste, er wächst eigentlich im Fürsten-
thum Gemen, dessen Jman oder Fürst ein Geistlicher ist. Er wird aber
nur in Mecca an den Harem, oder die vornehmsten Türcken verkauft,
und ist jetzo gar nicht mehr zu haben. Er wird aus dem Balsam-Baum ge-
zapft. Wenn er frisch ist, macht sein Geruch Nase-Bluthen. Er wird damit
nur alle Jahr dem Sultan ein Praesent gemacht.
Die Probe ob der Bal-
sam von Mecca ächt ist, besteht darin, daß man einen Tropfen davon
in ein Glas-Wasser fallen läßt, alsdenn muß sich der Tropfen wie eine
Haut über das Glas Wasser ausdehnen, die sich mit einem Pferds-Haar
aufrollen läßt, so daß nichts glänzendes zurück bleibt. Balsam von
Tole kommt aus Mexico und ist jenem am nächsten, ist weiß oder Gold-gelb.
Peruvianum ist schwärtzlich. Copaiback ist flüßig und weiß.

/ ≥ Gummi-Bäume. ≤

/Aus dem Drago, oder Drachen-Baum und dessen Einritzung quillt das
Drachen-Bluth, welches roth ist und in vielen Gegenden von Indien ge-
funden wird. Gummi dragand ist hingegen ein weißes wie ein Würm-
chen gewundnes Gummi. Gummi Guttae quillt aus einem Baum, der ei-
nem Pomerantzen-Baume gleicht. Gummi Arabicum fließt aus einem

/ Egyptischen

/δLage_PP

/|P_314

/Egyptischen oder Arabischen Anapi oder Schleedorn, der Gummi von Sanga
(Senegal) kommt sehr mit ihm überein, hat eine kühlende Kraft, und wird
von den Menschen wie Zuckerkant gesogen, er wird bey Seiden-Zeugen
gebraucht, nur es gläntzender zu machen. Gummi Copal schwitzt aus den ge-
ritzten Copal-Bäumen,
welche in dem Sande in der Wüste Sara ge-
funden werden. Es ist eine gehartzigte erdartige Substans, nach der Mei-
nung einiger Natur-Forscher ist es eine resina (Baumhartz) nach andern
aber ein bitumen (Erdhartz.) Den Gummi Copal aufzulösen ist ein Ge-
schäfte der Liqueurs, denn aller Lack hat etwas von diesem Gummi Co-
pal.

/ Hartz-Bäume. ≤

/Der Campfer-Baum in Borneo giebt durchs Ausschwitzen dem Kam-
pfer. In Japan wird er aus dem Säge_Stau«¿»b des Campfers distiliert, ist
aber schlechter. Er kann auch aus den Wurtzeln des Caneel-Baumes disti-
lirt werden. Assa dulcis fließt aus einem geätzten Baum in Ceylon %und
Siam, und ist sehr wohlriechend. Manna dringt in Calabrien aus den
Blättern des geritzten Eichbaums hervor. Der beste Terpentin kommt
aus Fichten, ist hell und Citronen gelb. Der gemeine wird aus Fichten
und Tannen-Holtz gemacht.
Unter den Resinis, oder Pflantz-Hartzen,
ist der berühmteste der Kampfer. Unter resinae, die auch allemahl Gum-
mi haftig sind, und Gummi ist der Unterschied, daß diese sich im Wasser, je-
ne aber nur im Spiritus vini auflösen. Resina elastica, welche in Bra-
silien und unterschiednen andern Ländern gefunden wird, ist eigent-
lich ein flüßiges Hartz, welches aber, wenn es trocken ist, so elastisch ist, daß
ein Ring von demselben, der gerade auf den Daumen paßt, sich allso

/ aus- 

/|P_315

/ausdehnen läßt, daß man den Arm hindurch stecken kann, ja, wie andere sa-
gen, ihn so gar über den Kopf und den gantzen Körper ziehen kann. Er wird
nur durch den vitriolischen Aeter aufgelößt.

/ Medicinalische Bäume. ≤

/Cascarilla_de_loxa, (loxa wird ausgesprochen wie locha, denn die Spanier
sprechen x wie ch aus.) oder Quinquina (Fieberrinde) ist die Rinde ei-
nes Baumes bey loxa am Amazonen-Strohm und anderwärts in Süd-Ame-
rica, ist ein remedium wieder das Fieber, und muß von der China-Wurtzel
unterschieden werden.
Der so genannte China-Baum wächst nicht in Chi-
na, sondern sein Nahme ist durch Corruption des Worts quinquina entstan-
den. Die China-Rinde ist wieder alle Fäulniß anticeptisch, weil sie viel Fixe-
Luft hat und roborirt den Magen, wie auch die Fasern des gantzen
Körpers, denn alle bittern Sachen stärcken den Magen. Daher braucht
man sie für Faul und Nerwen-Fieber, Würmern und andere Kranck-
heiten. Sie hat aber das Schlimme an sich, daß sie die Nerwen und Fasern
gewaltig zusammen zieht. Die Columbo-Wurtzel wird auch sehr emp-
fohlen. Der Sassafraß, ist die Wurtzel eines Baumes aus Florida.

/Guagack wird in Venerischen Kranckheiten gebraucht. Man kann die
Balsam und Gummi-Bäume zum theil auch zu den medicinischen Kräu-
tern rechnen.

/ ≥ Einige Bäume von angenehmen Früchten. ≤

/Bannanas, oder Plantanen-Kraut, (lateinisch Musa, frantzösisch plantin
auch Pisang trägt Früchte wie Gurcken, die aus dem Stamm wachsen, in ei-
nem Klumpen, wohl 40 bis 50. Der Cola_Baum in Africa und Ostindien
trägt eine Castanienartige bittere Frucht, welche hochgeschätzt wird. Sie

/ ist

/|P_316

/ist etwas bitter, macht aber, wenn sie gekörnt wird, alle Geträncke sehr ange-
nehm. Vor 50 solche Nüsse kann man in Sierra_Leona ein schönes Mäd-
chen kaufen, und 10 Stück sind schon ein Praesent vor große Herrn.

/Der Lacao-Baum ist 18 bis 20 Schuh hoch, und wächst in 4 bis 5 Stäm-
men. Die Frucht gleicht einer Melone, die an dem Stamm und den Aes-
ten hängt, in ihren Fächern sind viele den Mandeln ähnliche Nüße. Der
Cacao ist constringirend und kalter Natur. Die Indianer in Hispani-
ola gebrauchen ihn, zerstoßen im Wasser zum Geträncke.
Die Cacao-
Mandeln können entweder frisch gegessen werden, oder auch gelinde
geröstet, welches aber sehr den Magen verdirbt. In der Gesundheits-
Chocolade muß ausser dem Cacao und Zucker kein Gewürtz, auch
Manille nicht, der sehr hitzt genommen, und die Chocolade_Tafeln, die
auf solche Art zubereitet werden, in reinem Wasser aufgelößt werden,
und zu lauter Schaum in Querreln geklopft werden. Pistacien, Pilt-
(zernüsse) sind Nuß-Früchte in Zucker gelegt. Die Junge Frucht aber
wird in Essig gelegt, und in Persien als Beysatz zu Speisen gebraucht.
Datteln sind den Mandeln ähnliche Früchte von einer Art Palmbäu-
me, die in großen Büscheln als Trauben am Stamm wachsen. Das
von bloßen Cacuao zubereitete Wasser ist ziemlich unangenehm und
erkältend, daher auch ein gewisser Spanier, da er dieses zum ersten
mahl tranck, sagte es wäre besser für Ochsen als für Menschen. Man
thut aber in Spanien, Zucker, Pfeffer und Vanille hinzu, wodurch man ihn
hitziger und wohlschmeckender macht. Der Caffe-Baum in Arabien, der
Levantische in America, der Surinamsche, Martiniquische, und in Ostin- 

/ dien

/|P_317

/dien. Der Javanische Baum ist so wohl in Ansehung der Blätter, als der Früchte
einem Kirschbaum ähnlich.
Der Caffe hat eine hornigte Schaale. Die getrock-
neten Früchte werden gerollt, da der einer Bohne ähnliche Kern sich in 2
Hälften theilt. Der Levantische Caffe ist selbst in Arabien theurer, als der Mar-
tiniquische, und die Juden führen vielen von dem Letztern in die Türckey.

Der Caffe-Baum ist anfänglich blos in Abyssinien zu Hause gewesen,
und in Arabien kaum hundert Jahre eher bekannt geworden, als bey
uns, wo der Caffe in der Mitte des vorigen Jahrhunderts aufkam. Er
ist in Arabien vor noch nicht 200 Jahren durch einen Zufall entdeckt wor-
den, von einem Menschen der da fand, daß die Kerne von den Nüssen des
Baumes den Schlaf vertrieben, wenn sie geröstet wurden. Dieses kahm ihm
nun sehr zu statten, weil er die Nacht über bey der Heerde wachen muste.
Der Caffe ist ein wahres Gift, weil der Körper nicht ein Partickelchen davon
bey sich behalten kann, sondern vielmehr alle Kräfte anstrengen muß
ihn fortzuschafen, wobey denn freylich bisweilen auch einige unnütze
Dinge mit fortgeschaft werden. In so ferne kann also der Caffe wohl
als eine Medicin, um die Fiebern des Körpers in Bewegung zu bringen
gebraucht werden, nie aber zu einem alltäglichen Geträncke, weil al-
le gebrante Oehle durchaus den Körper nicht zur geringsten Nahrung
dienen. Die blauen Caffe-Bohnen sind unreif, die weißen aber reif.

/ Gewürtz-Bäume. ≤

/Der Nägelein-Baum ist wie ein Birnbaum, die Nägelein sind seine Frucht.
Das Nägelein (nicht Nelcken) hat davon seinen Nahmen, weil es wiel ein

/ Nagel

/|P_318

/Nagel aussieht. Der Muscaten-Baum ist einem Apfel-Baum ähnlich. Die-
jenigen Nüsse, welche von einem Vogel den man Nußesser nennt, herrun-
ter geschluckt werden, und wieder von ihm gegangen werden hochgeschätzt.

Die Muscaten-Blüthe ein sehr penetrantes Gewürtze, welches in den
heißen Ländern am heilsamsten zu seyn scheint, ist eigentlich keine
Blüthe, sondern eine Bastige Substans, die auf der runtzlichten Rinde
des Muscaten-Baums angetroffen wird. Beyde Bäume sind nur auf
der Insel Amboina und Banda anzutreffen, auf den übrigen Mo-
luccen werden sie ausgerottet. Die Rinde von dem Caneel oder
Zimmet-Baume auf der Insel Ceylon, wird abgeschält und giebt de«m»n
Caneel. Die Frucht hat nicht viel wohlriechendes Oehl, aber viel Fettig-
keit. Wenige Tropfen davon auf die Zunge geträufelt bringen
den Krebs zu wege.
Die Dienlichsten und gesundesten Gewürtze,
die wir haben, und gestoßen werden können, sind Pfeffer und Ingwer.
Der weiße Caneel ist von der Küste Malabar.

/Andere Merckwürdigkeiten der Bäume. ≤

/In der östlichen Tartarey, nehmlich der Moluccischen und Calmuckischen
sind fast gar keine Bäume anzutreffen, sondern blos elende Sträuche,
daher auch hier die Tartarn mehrentheils in Zelten wohnen. Der Man-
del_Baum wächst aus den Wurtzeln in die Höhe, biegt sich denn krum,
wächst wieder in die Erde, faßt daselbst Wurtzel, und wächst wieder in
die Höhe, und das immer so weiter. Der Bamiambas oder Bananen-
Baum in Indostan welcher daselbst auch sehr hoch geschätzet wird, läßt

/ von

/|P_319

/von seinen Aesten gleichsam Stricke oder zähe Zweige hervorsincken, die wie-
der in der Erde Wurtzel fassen, und dadurch öfters eine Gegend so bewachsen
ist, daß man kaum durchkommen kann. Wenn er am Wasser wächst, trei-
bet er sich bis ins Wasser, da sich denn die Aeste an ihn hängen. Es ist eine Art
Holtz oder Busch-Werck, welches an einigen Orten Italiens wächst, und nach
Vitruvii Bericht weder zum Brennen noch zum Schmeltzen selbst im foco
des Brennspiegels kann gebracht werden. Es hat das Ansehen eines Eich-
Holtzes aber noch etwas weicher, sieht röthlich aus, läßt sich leicht schneiden und
brechen und sinckt im Wasser unter. Vitruvius nennt es Ladix. Man hat es
auch bey Sevilla in Andalusien gefunden, und ist von Asbest zu unterschei-
den. Im Kauen findet man weder etwas Sand noch mineralisches drinne.

/Ein Baum in Hispaniola ist so giftig, daß in seinem Schatten zu schlafen töd-
lich ist, die Aepfel die er trägt sind ein starckes Gift und die Caranen be-
netzen ihre Pfeile damit. Die Calabasch-Bäume in Africa und Indien
tragen eine Frucht, die wie eine Bologneser-Flasche aussieht, und von ein-
ander geschnitten gute Kochlöffel und nach Wegnehmung des Anis gut Ge-
schirr abgiebt. Die Aarack-Nuß wächst traubförmig, wie die Pistacien und
Datteln, und wird zu der Betel, welche die Indianer beständig tragen
gebraucht. Krähen-Augen sind Körner, welche auf der Insel Ceylon in
einer Pomerantzen ähnlichen Frucht liegen, und alles was blindgebohren
ist, tödten. Aus den Beerlein der Eichel-Mistel, wird der Vogelleim gemacht.

Der Babao-Baum in Africa, wird für den ältesten Baum in der Welt ge-
halten und hat in seinem Durchschnitt bis 24 Fuß. Innerhalb diesem Baum

/ kann

/|P_320

/kann man eine Stube mit einem Kammerchen anlegen. (Siehe Laury Na-
tur Merckwürdigkeiten.) Galg, welches lange in Alaun-Wasser gelegen
hat, verbrennt nicht. Unter die Gift-Bäume mag vieleicht auch unser
welche Nußbaum gehören, viele behaupten, daß es sehr schädlich sey unter
denselben zu sitzen, oder zu schlafen. Aus dem Gewächse Worora wird
ein besonderes Gift gemacht, welches die Indianer über Feuer einducken
und damit ihre Pfeile benetzen. Das Wild welches davon getroffen wird,
wird sehr geschwinde Faul, und das Bluth sehr geschwinde aufgelößt.

/ Zweites Capitel.
/von andern Gewächsen und Pflantzen.
/Der Thee

/Der Thee wird bloß in China und Japan angetroffen, und hat Blät-
ter wie Kirschen. Diese werden aber auf unterschiedne Art zubereitet
und getrocknet. Daher ist es auch noch gar nicht ausgemacht, ob grüner Thee
und Theebou zweyerley Pflantzen sind. Es sagen vielmehr einige, daß
sie nur darin von einander unterschieden sind, daß jener eine Frühere,
dieses aber eine spätere Art Thee wäre, oder noch andere, daß der Thee
auf Kupfernen Platten; der Thee bou abe«y»r auf Eisen getrocknet wür-
de. Wenn der Thee mit Kupfer-Theilen angefüllt ist, und folglich auch Grün-
spahn in sich enthält; so bringt er sehr leicht das vomiren zu wege, denn al-
les aufgelöste Kupfer hat diese Eigenschaft an sich.

/ Kriechende Gewürtz-Pflantzen. ≤

/Der Pfeffer steigt als eine Kriechende Pflantze an Stangen oder Bäu- 

/ men

/|P_321

/men bis 18 Fuß in die Höhe. Er wächst wie Johannis-Beeren, und ist in der Insel
Sumatra, und andern Ostindischen Gegenden vornehmlich anzutreffen. Der lan-
ge Pfeffer wächst auf einem Strauch und ist theurer. Der weiße ist nicht natür-
lich sondern im Meeres_Wasser gebeitzt, und an der Sonne getrocknet. Cube-
ben sind gleichfalls auf Java und den Moluccen, seine Frucht wächst in Trau-
ben. Cardamom hat eine Staude wie Rohr. Betel ist das Blatt von einem
kriechenden Gewächse, welches mit Kiung oder der Aarack-Nuß und unge-
löschtem Kalck von ausgebrannten Nußschaalen, von allen Indianern
beständig gekaut wird. Es hat dieses Leckerbissen einen zusammenzie-
henden Geschmack, färbt den Speichel roth, und die Zähne schwartz, oder
schwartzbraun. In Peru braucht man dieses Blatt mit ein Bischen Er-
de zum Kauen. Vanille ist eine kriechende Pflantze wie die vori-
gen,
und wächst in Neu-Mexico und Hispanola. Die Wilden in Mexico
halten ihren Bau geheim. Er wächst auf unersteiglichen Bergen. Er
braucht nicht in die Erde gepflantzt, sondern nur an einen Baum ge-
bunden zu werden, aus dem er Saft zieht, und denn auch Wurtzeln in
die Erde treibt. Die Vanillen Sorte ist voll eines Balsamischen und dicken
Safts, worin kleine Körnchen stecken, und ist ein vortrefliches Ingre-
diens der Chocolade.

/ ≥ Das Rohr

/Das Bambus-Rohr ist vornehmlich merckwürdig, welches eins der nütz-
lichsten Gewächse in Indien ist.
(Das so genannte Spanische Rohr kommt
aus den Philippinischen Inseln.) Er wächst so hoch, wie die höchsten-Bäume,

/ und

/δLage_QQ

/|P_322

/und hat einen eßbaren Kern. Wenn er jung ist, so wird er ungespalten zu
Sänften Stangen, zu Posten pp, gespalten zu Brettern und Diehlen pp
gebraucht. Die Haut die ihn innwendig umkleidet braucht man zu Pa-
pier. In Peru ist eine Art Bambus, die 1_1/2 Fuß im Diameter, und 1_1/2
Zoll in der Dicke der Rinde hat. Er ist im Vollmonde voll Wasser; im
Neumonde aber ist wenig oder nichts darein. Zuckerrohr ist nunmehro
in beyden Indien und Africa anzutreffen.
Anfänglich war das Zucker-
Rohr, welches mit einer schwammigten Substans, so wie die Linsen
angefüllt ist, nur allein in Abyssinien anzutreffen, ist aber von da
nach unterschiednen Gegenden, besonders nach America verpflantzt
worden. Sobald daselbe reif ist, so wird es in Mühlen gebracht, wo es
zwischen 2 Waltzen gepreßt wird, und der Saft alsdenn in Gefäße
herrabläuft. Aus diesem haben die Europäer zuerst Zucker ge-
macht, dieses so nützliche Leckerwerck, welches unserer Natur völ-
lig gemäß zu seyn scheint, wie man denn auch aus Frauen_Milch
Zucker machen kann. Aus dem Schaume des kochenden Zuckers
wird Moscobade gemacht, (die Moscobade wird mit Ochsen_Bluth
oder Eier_weiß gemacht.)
sie wird in Hüte zu uns gebracht und
erst hernach gestoßen. Um dem Zucker die Säure zu benehmen,
braucht man den Kalck, welcher ihn eben gesund macht, eigentlich
aber in Syrub bleibt. Wenn der Zucker nicht mit Kalck gut raffinirt
ist; so hat er nicht die gehörige Causticität, sondern noch zu viel acidum, folg- 

/ lich

/|P_323

/lich auch nicht die Eigenschaft den Schleim und die Feuchtigkeit im Menschen aufzulö-
sen. Aus St_Domingo wird auch ein gewisser feiner Zucker gebracht, welcher gantz
fein, und wie bey uns der Puder-Zucker ist, nur mit dem Unterschiede, daß jener
schon in der Insel selbst fein gemacht, dieser aber erst bey uns klein gestoßen wird.

/ Ananas

/Die schöne americanische Frucht, wächst ohngefehr auf solchem Stamm wie
die Artischocken. Sie hat die Figur eines Tannen-Zapfens, und die Größe einer
Melone. Der Geruch derselben ist fürtreflich, und der Geschmack nach allerley
Gewürtz.

/ ≥ Wurtzeln

/Rhabarber kommt aus China und der dahin gehörigen Tartarey. China-
Wurtzel ist ein öfnendes und Bluthreinigendes Mittel. Man bringt sie auch
eingemacht nach Europa. Die Wurtzel Ginzing ist das am höchsten geschätzte
Medicament in China, zu dessen Aufsuchung sich sehr viel 100 Tartarn in der
Chinesischen Tartarey die größte Mühe geben. Es soll graue Haare in schwart-
ze verwandeln, man schneidet kleine Stücke, und gießt kochend-Wasser darauf.
Es begeistert den Menschen mit neuem Leben, und in gar zu starcker Dosin
genommen bringt es hitzige Kranckheiten oder wohl gar Raserey zu we-
ge. Eine gewisse Art Ziegen soll das Kraut derselben lieben, ihr Bluth wird da-
hero für sehr gesund gehalten. Ingwer ist an der Malabarischen Küste am
Besten.
Die Trüffel ist ein Gewächs, ohne Kraut und ohne Wurtzel, sonst aber
so rund, wie eine Kartoffel, und wird in dem südlichen Theile von Deutsch-
land gefunden. Die Cartoffeln sind dem Lande überhaupt lange nicht so
gesund und nützlich, als das Getreyde, welches immer die allerbeste und nahr- 

/ haftigste

/|P_324

/haftigste Pflantze ist, dadurch die Menschen ihre große Macht über den Boden
ausbreiten. In Süd-America ist ein Haupt-Nahrungs-Mittel der Monick
eine knolligte Substans, die an und für sich selbst giftig ist, wenn sie aber
ausgepreßt wird, vielmehr zur Gesundheit dienet. Durrha, eine Art Hür-
se, wovon die Araber, Mungalen, und die am Gumia_Fluß leben, wird
auch kleiner Türckischer Weitzen genannt. Gewächse deren Saft milch-
farbigt ist, sind gemeinhin giftig.

/ Andere Merckwürdigkeiten der Pflantzen

/Die Pflantze Hilthat, oder Hingisch in Persien giebt den assam foetidam
oder Teufels-Dreck. Man schneidet ein Scheibchen von der Wurtzel
ab und nimmt den ausgeschwitzten Saft weg, und so alle Tage ein Scheib-
chen. Man braucht ihn in vielen Theilen Indiens in die Speisen. Das
Brodt muß gar darnach schmecken, und alle Straßen darnach riechen.
Es ist ihr angenehmster Geruch. Das Opium, welches dem Menschen zu
großen Schaden gereicht ist sehr häufig in Persien und gantz Indien, es
wird von einer gewissen Art Mohn genommen, deren Köpfe ins Kreutz
eingeritzet werden, da denn der dicke Saft herrausquillt. Die Arbei-
ter werden bey dieser Arbeit schwindlicht. Der Opium muntert zwar
anfänglich das Gemüthe auf, und bringt eine träumerische Glückseelig-
keit hervor, läßt aber eine gäntzliche Ermattung und Dumheit zurück,
und verkertzet das Leben. Würckungen des Opii. Ein Clistir, darin 6 Unt-
zen rother Opium gethan werden, vertreibt die Rothe Ruhr. Bong ist ei-
ne Art Hanf, dessen Blätter ausgepreßt werden, und deren Saft von den

/ Indianern

/|P_325

/Indianern statt des Opii gebraucht wird. Die kleine Bohne von Carthagena in America.

/Anmerck: Die kleine Bohne von Carthagena, oder die Ignatius-Bohne, ist von
der besondern Art, daß ein wenig davon gegessen, den giftigen Schlangen einen
Scheu vor dem Menschen verursacht. Es scheinen sich die Schlangen-Beschwö-
rer desselben zu bedienen.

/Wenn man davon etwas weniges des Morgens isset und eine lange Zeit dar-
nach nichts genißt, so schadet alsdenn dem Menschen den gantzen Tag über
kein Gift. Die empfindliche Pflantze (planta sensitiva) läßt, wenn sie be-
rührt wird, ihre Zweige und Laub fallen, als wenn sie Empfindung hätte.
Die Beguicken sind holtzerne Stricke, welche auf einer Art Weiden in Ame-
rica wachsen, und welche die Indianer, so wie wir unsere Hanf-Stricke ge-
brauchen.
In Lima rauchen die Dames jederzeit Taback, und zwar ohne
Pfeife, indem sie das eine Ende von der Stange Taback im Munde halten,
das andere aber anstecken. Der Spanische Taback oder Sevillen_Taback be-
steht aus einer Mischung von Erde aus Armenien, die nach Sevilla gebracht
und mit einem Gewächs vermenget wird. Das Fliegenfangende Blatt
(dionea muscipula) wächst in America, so bald sich eine Fliege auf seine ro-
the Wartzen setzt; so zieht es sich zusammen, und fängt selbige auf diese Art,
daher es auch seinen Nahmen hat. In Batavia hat man theils zur Bedie-
nung, theils zur Leibwache die Macassaren, welche oft eine Pfeife Taback
rauchen, der mit einem im Wasser aufgelösten opio angefüllet ist, wovon sie
sodann gantz toll werden, dergestallt, daß sie auf nicht als Morden ausgehen.
Daher ist auch daselbst eine Praemie darauf gesetzt, wenn man einen solchen

/ Menschen

/|P_326

/Menschen todt schießt; noch besser ist es für den, der ihn lebendig fängt, wo sodenn
derselbe auf eine erstaunliche Art gemartert wird. Die Branez, oder das
Scitische Lamm ist ein lebendiges Thier, welches auf einem Stamm wächst,
und weiter nichts als eine schwammigte wolligte Substanz ist, so wie pier-
ra funietra oder der Schwammtragende Stein, nichts anders als ein poreu-
ser Stein ist. Die Wanderung der Pflantzen, oder die Fortpflantzung
Derselben aus einem Lande in ein anderes wird bewerckstelliget.

/1) Durch die See, welche die unterschiedne Palm und Cocos-Bäume, von ei-
ner Küste bis zur andern fortpflantzt.

/2) Durch die Winde. Denn man hat gefunden, daß Länder, aus welchen die
Winde bis in ein anderes wehen, können auch eben dieselben Pflantzen haben.

/3) Durch die Flüße, so bringt z. E. der Memel-Strohm mancherley fremde
Pflantzen aus Südlichen Ländern nach Tilsit hin.

/Die Kirschen kommen aus Cerasund am schwartzen Meer; die Apri-
cosen aus Epirus, und die Pfirschen aus Persien, sind aber aus dasigen Ge-
genden auch bey uns verpflantzet worden.

/ Die Weine

/Die Weine verändern sich sehr starck, wenn sie in andere Länder
verpflantzt werden. Der Canarien_Sect hat seinen Ursprung aus Rhein-
Wein, imgleichen Madera-Wein ist von Candia hingepflantzt worden.
In der Zona torrida sind keine Weine. Man macht daselbst starckes
Geträncke aus Reiß und die Americaner aus Maysch. Der Reiß bedarf,
wenn er gerathen soll, großer Nässe, und einer starcken Ueberschwem-
mung der Felder. Maysch, oder Türckischer Weitzen wächst wie Rohr

/ wohl

/|P_327

/wohl 10 Fuß hoch. Aus den Färbe-Blättern in der Anil und dessen geritzten
Blättern wird Indigo gepreßt. Der Petra hongifera in Neapolis ist eine Masse
wie ein Stein, eigentlich aber eine aus verwickelten gefärbten Wurtzeln und
Erde bestehende Mass«¿»e, worin Pfeffer Saame ist, dieser ist ungemein subtil, und
doch sehr häufig darinnen. Man kann davon Pfeffer haben, wenn man will.
Man darf nur warm Wasser darauf gießen; so werden die Morcheln in 6
Tagen reif. Sie werden auch ziemlich groß. Zuletzt gedencke ich noch der Fabel
von der Polingenesie der Pflantzen, wovon Kircher Erw«¿»ähnung gethan hat.
Zu den Zeiten da die Chimie anfing zu blühen, und man allerley curiosa
chimica experimenta machte, kam diese Meinung auf. Anlaß dazu gab
die Vegetation, nachahmende Concrétion, und Cristallisation der Saltze. Das
in Champagner und Bourgogner-Wein aufgelöste Salomoniacum
stellt Weintrauben vor. Es thut dieses aber auch im Wasser. Der Arbor dianac
wird gemacht, wenn Mercurius in Scheide-Wasser, und denn auch Silber be-
sonders in Scheidewasser aufgelößt wird, darauf diese Saentianes vermenget
und bis 1/3 in gelindem Feuer eingetrocknet werden, da sie denn einen Baum
mit Stamm-Aeste und Zweige vorstellen. Der Boranez oder Scitische-Baum
st ein schwammigtes Gewächs um Astracan woran Keysler, der es in Dres-
den gesehen hat, sagt: es nehme alle Figuren an. Weil es nun auch in die Far-
be eines Baumes gedruckt worden; so haben Ungelehrte geglaubt, es wach-
se wie ein Baum. Es ist also falsch, daß er das Gras um sich her abfresse, und daß
die Wölfe ihm nachstellen.

/ Viertes

/|P_328

/ ≥ Viertes Hauptstück.
/Das Mineral-Reich
/Erstes Capitel
/Von den Metallen
/Vom Golde

/Das Gold wird in Peru und andern Theilen von America häufig
entweder gegraben, oder aus der Erde, welche von Giesbächen, die aus dem Ge-
bürge herrabstürtzen, eingefressen werden, gewaschen.
Das Gold scheint nächst
dem Eisen das häufigste Metall auf der Erde zu seyn, so daß kein Seesand
ohne Gold seyn soll. Viele Flüsse, vornehmlich der in Guinea, geben nach star-
ckem Regen Goldstaub. Denn der Regen wäschet den Goldstaub, durch sein
Durchseigen aus den Gebürgen aus, und führt ihn nebst dem übrigen Schlamm
in die Flüße. Wenn man es mit Quecksilber aus dem Sande, damit es ver-
mischt worden gewaschen hat, so sondert man es ab, indem man das Analge-
ma durch Ochsen-Leder druckt.
In Europa hat das Bannat und Siebenbür-
gen am meisten Gold. In Asien giebt es auch nicht viele Gold_Bergwercke.
In Africa ist viel Fluß-Gold; besonders giebt es in einem gewissen Lande
am Senegal, wo die Europäer nicht hinkommen dürfen, sehr viel Wasch-
Gold, welches die Einwohner an die Engelländer verkaufen. In America
hingegen sind die Goldbergwercke sehr häufig und reichhaltig, besonders in
Brasilien, wo die Goldminen jährlich wohl auf 10 Millionen Piaster giebt,
und nächst diesem Lande in Mexico.
In platina del pinto in Brasilien
ist ein weißes aber schwerflüßiges-Gold, und noch sehr unbekannt.
Das Gold

/ ist

/|P_329

/ist 18mahl schwerer als das Wasser, Platina aber 21mahl schwerer. Die goldnen
Körnlein in den Weintrauben, die man vorgiebt, in Ungern gefunden zu ha-
ben, sind Körner mit einem Goldgelben Saft überzogen. Imgleichen das in Wien
gezeigte an einer Weintraube gewachsenes Gold. Ungarn ist reich an Gold und
Silber-Bergwercken. In K<r>emnitz und Chemnitz ist das beste.
Der Preiß des Gol-
des zum Silber ist jetzt wie 15 zu 1, und in China wie 12 zu 1. ein %Pfund Gold kostet
134 @%Ducaten@. Das Gold ist immer mit Silber oder etwas Kupfer vermischt, welches aber
durch Chimische Kunst abgesondert werden kann.Ein Mad-Gold ist so viel als 1/2 %Pfund
und hält 24 Caraht. Das Louis dor Gold hält nur 22 Caraht Gold, und 2 Carat
anderes Metall. Die Ducaten hingegen halten 23_1/2 Carat Gold, und die
Cechinen in Italien besonders in Venedig sind 23_7/8 Carat fein. Vier und zwan-
zig Caratisches Gold kann einzig und allein durch Kunst nehmlich durch die
Chymie gemacht werden.

/ ≥ Vom Silber

/Silber ist an vielen Orten der Welt. In den Bergwercken Potosi, oder am
De_la_Plata_Fluß in Süd-America ist es am häufigsten anzutreffen. Man
findet daselbst klumpen Silber, Ertzt, als wenn es ausgeschmoltzen wäre.
Man findet hier auch Gebeine von Indianern, die vor vielen Jahren ver-
storben, und darauf mit Silber durchwachsen sind.
Die Spanischen Silber_Berg-
wercke in Peru und Neu_Mexico sind sehr reichhaltig. Nächst den Bergwer-
cken in America, sind die in Sachsen, dem Ertzgebürge, und dem Hartzberge
an Silber die reichhaltigsten. In Asien ist fast gar kein Silber, daher ist in
China ein so großer Gewinst bey Umsetzung des Silbers gegen Gold, denn da
sich hier das Gold gegen Silber wie 14 gegen 1 verhält; so verhällt es sich dor- 

/ ten

/δLage_RR

/|P_330

/ten wie 11 gegen 1. Die Feinheit des Silbers wird nach Loth geschätzt. Das Sil-
ber heißt 16 löthig, wenn darin alles Silber ist. 15 löthig, wenn unter 16 Loth
oder 1/2 %Pfund nur 15 Loth Silber sind, %und so %weiter. Diese Feinheit muß dem Silber erst
gegeben werden. Denn in der Natur ist das Silber allemahl mit Kupfer
vermischt.

/Vom Kupfer

/Das Kupfer wird entweder aus Ertzt oder aus Cäment-Wasser gemacht.
Das Peruanische Kupferbergwerck ist eines der Berühmtesten.
In Euro-
pa wird gutes Kupfer, in Schweden in sonderheit im Fallunschen Kupfer-
Bergwerck noch besseres, am besten aber in Asien in Japan angetrof-
fen, es wird daselbst in Stangen, so wie das Siegellack gezogen. Das Cä-
ment-Wasser ist Kupfer in Vitriol-Wasser aufgelößt, woraus das δLücke
durch praecipitation gezogen wird, wie bey Neusol in Ungarn. Messing
wird aus Kupfer mit Galmey vermischt gemacht. Gallmey wird in Pohlen
sehr häufig gefunden,
und ist nichts anders als ein Mineral von Zinck, wel-
ches mit Kupfer vermischt das Printz-Metall macht. In Engelland und Mu-
lacien sind die besten Sorten Tentenni. In China und den anliegenden
Gegenden ist eine Art von weißem Kupfer, welches aber mit Gallmey ver-
sehen worden, wodurch es ziehbarer wird. Man macht davon die Tucte-
noc-Dosen.
Das Corinthische Ertzt war wohl nichts anders als Messing-Zinn,
welches immer Arsenic in sich enthält, und wird am meisten in Engelland
angetroffen. Die Engelländer machen ihr Zinn sehr dünn, weiß und klin-
gend. Eine Probe von feinem Zinn ist, daß es zwischen den Zähnen knistert.
Bey uns ist alles Zinn immer mit Bley vermischt. Daher taugt es auch gar
nicht zu Speise-Geschirren, eben so wenig als die glaßirte Teller, worinnen

/ auch

/|P_331

/auch sehr viel Bley ist.

/ Vom Eisen. ≤

/Es ist allenthalben, nur ist an einem Orte ein Eisen Stein reichhaltiger als am an-
dern. Eisen Ertzt wird nicht eher vom Magnet angezogen, als bis es durch die Hitze
des Ofens gegangen.
Man hat Sumpf und Moder Ertzte, woraus man Eisen schmelt-
zen kann; aber auch viele Eisen-Steine. Die Schweden versorgen wohl jetzt
gantz Europa mit Stangen-Eisen, wird zu Bomben, Kugeln und dergleichen
gebraucht. Man findet in allen Pflantzen, im Holtz, ja so gar im menschlichen
Bluthe, im Fleisch, Knochen pp Eisen_Theilchen. Die Einwohner von Peru wus-
ten vor Ankunft der Spanier nichts vom Eisen, und machten Beile pp. aus Kup-
fer. In Africa am Senegal und Guinea ist der meiste Handel der Europäer mit
Eisen_Stangen, und der Werth eines Negers wird nach Eisen_Stangen gerechnet.

Die Natur selbst bringt keinen Stahl hervor, sondern es wird dasselbe aus Ei-
sen verfertigt, indem man in einen Kohlen-Stoß Stangen_Eisen hineinsetzt,
wo alsdenn das phlogiston der Kohlen ins Eisen dringt, und den Stahl macht. Es
ist allso der Stahl ein flogistirtes Eisen, in Steyermarck hat wohl das schönste Ei-
sen zu Stahl.

/ Vom Quecksilber

/In den Bergwercken von Hydrien und Friaul, wie auch in Spanien in
Almados ist es am häufigsten, und wird bisweilen gantz rein geschöpft. In
America giebt es noch ein großes Quecksilber Bergwerck in Peru. Ein Pfund
solches Quecksilber kostet etwa 2 %Reichsthaler und hat großen Nutzen in Auflösung
anderer Metalle. Das Quecksilber steckt am meisten im Zinnober, es gehöret
eigentlich zu den Halbmetallen. Die Bergleute in Hydrien bekommen ein
starckes Zittern, und einen großen Durst, wenn sie an den Tag gebracht wer-
den; so schlagen aus ihrem Leibe Kügelchen Quecksilber aus. Die Ratzen und

/ Mäuse

/|P_332

/Mäuse bekommen hier Convulsiones und sterben. Einige Arbeiter sind da-
von so durchdrungen, daß eine kupferne Müntze in ihrem Munde weiß
wird, oder wenn sie sie mit Fingern reiben. Das Quecksilber wird in Weit-
zen_Kley vor den Ausdünstungen bewahrt.

/ ≥ Vom Antimonio oder Spieß-Glas.

/Der Nahme Antimonium kommt her vom frantzösischen Wort Anti:
weil die Mönche die gerne fett werden wollten, welches sie an den Schwei-
nen gefunden hatten, solches fraßen, und alle davon crepirten. Es ist schwärtz-
lich und sieht wie Bley aus, dabey ist es spröde, und die daraus verfertigten
Flinten-Kugeln sind giftig.

/ ≥ Noch von einigen Metallen.

/Vismouth ist sehr spröde und gelblich. Zinck ist weißlicht blau und eine Art
Bley-Ertzt, aber härter, setzt sich an die Goslarische Schmeltzofen beym
Schmeltzen des Bley-Ertztes, wo es häufig abgekratzt wird. Galmey gehö-
ret zu einer Gattung Zinck. Arsenick ist halb Metall, halb Saltz, denn er
lößt sich vollkommen im Wasser auf. Der Kobold und Operment sind Ar-
ten davon.

/ ≥ Brennbare Mineralien, und andere flüßige brennbare gegrabne
Wesen. ≤

/1 Naphta ist weiß, zieht die Flamme an, und quillt bey Bagdad und Bacu
in Persien,
wie auch in Italien aus der Erde. (Im gantzen Mineral-
Reich scheinen alle brennliche Materien sich auf das Naphta zu bezie-
hen.)

/2 Petraleum Bergöhl, Stein-Oehl ist röthlich oder dunckelfarb, es ist nichts

/ anders

/|P_333

/anders als ein verunreinigtes Naphta, und zieht die Flammen nicht an, es stinckt
sehr, wenn es angezündet wird. Naphta ist das Feinste, Petraleum ist gröber, ist es
noch gröber, so heißt es Bergtheer, und ist es mit Erde vermischt; so sind es Steinkohlen.
Der Börnstein ist auch ein bitumen. Alle Bitumina scheinen erst Gewächs-
Arten gewesen zu seyn. Das Wallrod ist nichts anders als das Gehirn vom Pott-
fisch.

/3 Bergtheer ist dem vorigen sehr ähnlich, aber dicker und klebrigter, es stinckt
sehr, und wird daher auch Teufels-Dreck genannt.

/4 Der Brenn_Stein scheint aus gehärteten Naphta oder Stein-Oehl entstan-
den zu seyn. Keysler berichtet, daß in Italien an den Orten wo Brennstein
gegraben wird auch Petraleum quillt. Das Meer_Saltz mag seine Verhär-
tung gewürckt haben. Imgleichen eine zarte Erde.

/5 Ambra ist erst flüßig gewesen, und wird auch öfters so aus dem See gefischt,
vornehmlich an den Chinesischen und Japanischen Küsten; allein in dem
Magen des Wallfisches wird er hart gefunden. Der graue Ambra ist der
Schönste und wird mit Reiß_Mehl vermenget.

/6 Agath ist ein schwartzer Brennstein, und läßt sich schön poliren, schwimmt
aber auf dem Wasser, und ist in Cornwallis in Engelland, wie auch im Wür-
tenbergischen zu finden.

/7 Erd-Pech, Juden-Pech oder Asphalt scheint ein verhärtetes Erdtheer zu
seyn, ist im Meer-Wasser vornehmlich im todten Meer aufgelößt.

/8 Steinkohlen, werden fälschlich für Holtz das mit Petraleum durchdrun-
gen gehalten, obgleich es hin und wieder anzutreffen ist; Es sind vielmehr

/ Schiefer

/|P_334

/Schiefer, die mit Stein-Oehl-Erde pp durchdrungen sind. Bey Newcastel in En-
gelland, sind sie am häufigsten, imgleichen fast an allen Orten dieses Lan-
des. Der Gagath ist von ihnen nur darin unterschieden, daß er anstatt ei-
ner steinigten Substans eine steinigte Erde zur basin hat.

/9 Der Schwefel ist eine Vermischung von 14 Theilen Vitriol-Säure und
ein Theil brennenden Wesens, er wird am meisten aus Schwefel-Kiesel
genommen. Man findet auch gewachsenen reinen Schwefel bey Feuer-
speyenden Bergen. Der Schwefel_Kies, bey den Alten Pyritas genannt
ist Eisenhaltig; hart, und schlägt mit dem Stahl Feuer. Wenn dieser Kies aus-
wittert, so schlägt der Schwefel aus.

/ ≥ Zweytes Capitel
/Von andern Mineralien
/Vom Saltz

/Es giebt entweder Saure oder Alcaische-Saltze, aber auch solche die aus
allen beyden zusammen gesetzt sind. Zu den Ersten gehört der Vitriol,
der entweder Kupferhaltig, welcher blau ist, oder Eisen haltig, welcher
grün ist. Alaun hält auch, ausser der Vitriol-Säure noch eine Mergel-
Erde in sich. In Salptatra wird Vitriol und Alaun gekocht, und zwar
in bleyernen Kesseln, oder durch bloße Hitze der Erde. Das Minerali-
sche und Alcalische Saltz wird sehr selten gefunden. Das Sal Amonia-
cum (Salmiac) ist nicht aus dem Mineral-Reich, sondern weil wenig
Saltz in Egypten ist; so brennt man getrockneten Mist von Thieren
mit untergemengtem Stroh. Aus dem Ruß davon, mit dazugemeng- 

/ tem

/|P_335

/tem Küchensaltz wird das Sal amoniacum praeparirt. Man macht es auch in
Salptatra. Mittel-Saltze sind eigentlich Küchen-Saltze, und werden entweder
aus dem Meersaltze, oder den Saltzquellen, oder aus den Saltzbergwercken
gewonnen. Das gediegene Saltz in den Bergwercken ist an vielen Orten der
Erde anzutreffen. Der Salpeter hängt sich an die Mauren nicht von selber, son-
dern das Alcaische Saltz wird dazu gesetzt. Daher Mauren, wo der Salpeter
anschießen soll, mit Alcaischem Saltz, müssen durchdrungen werden.

/Alle Steine sind ehedessen flüßig gewesen, denn man findet nicht nur in har-
ten Felsen Dinge von fremder Art, sondern selbst im Crystall, in einigen
Natural_Cabinettern, Büschel von @Ren\Ree@haaren, einen Tropfen Wasser
und andere Dinge mehr. Man sieht auch Tropfsteine entstehen. Einige subtile
Theile, und irdische, und einiges mit saltzigtem Wesen angefülltes Wasser
können einen Weinsaft abgeben, der gebrochnen Stein wieder zusammen
leimt. Wenn dieser Stein-Saft mit vielen Saltz-Partickelchen angefüllt
ist, so macht er Christalle, oder allerley Gattungen von δLücke
welches eckigt zusammen gewachsene Steine sind. Nachdem der Steinsaft
sehr versteinert, und mit mineralischen Theilen angefüllt ist; so können auch
Edelgesteine daraus erzeugt werden. Man weiß, daß noch anjetzt in Kalck-
¿»lumpen sich Feuersteine erzeugen, so daß die Versteinerung nach und nach
von innen anfängt. Auf diese Weise hat erstlich ein saltzigt Wasser den
subtilen Erdenschlamm geklumpt, hernach aber durch Vermehrung der Saltz
Partickelchen nach und nach in Kiesel verwandelt.

/ Von

/|P_336

/ ≥ Von den Edelgesteinen

/Die Edelgesteine sind alle Crystallisirt, welches ein genungsames Zei-
chen ist, daß sie vorhero alle flüßig gewesen sind, und hernach so wie das
Saltz in gewisse bestimmte Gestallten angeschossen sind. Die Edelgestei-
ne müßen überhaupt den Pfeilen wiederstehen, und an Glantz oder Durch-
sichtigkeit und an Farbe etwas Vorzügliches haben.
Die Edel-Crystalle
stehen nach Verhältniß ihrer Härte in folgender Ordnung: Diamant,
Saphir, Topas, Schmaragd, Rubin, Ametist, Berill, Chrysolith, Granat,
und Hyacinth. Alle Edelgesteine lassen sich im Feuer erweichen, aus-
ser der Diamant, welches der härteste unter allen ist, er wird im Feuer
nicht weich, sondern immer kleiner, bis er sich endlich gantz verliehrt, und
in Staub auflößt, er kann nur in seinem eigenen Pulver geschliffen
werden,
welches aschgrau ist, obgleich sonst der Staub von allen Edel-
gesteinen weiß ist, und ist der schwerste. Daß er sich in Bocksbluth auf-
lößt ist eine Fabel.
Die Leuthe, welche den Diamant suchen, verar-
men jederzeit, indem sie weiter nichts als 6 %Reichsthaler jährlich Lohn, und
denn Bohnen zu essen bekommen. Der Diamant ist 6eckigt und
8seitig. Dieses ist seine bestimmte Figur, die bey einem jeden an-
dern Edelgesteine verschieden ist. Die Diamanten sind zweyerley
Art, entweder Brillanten, oder Rosensteine. Wenn ein Brillant
gut soll geschliffen seyn; so muß die Höhe der Krone gerade halb so
viel in sich enthalten, als die Tiefe des Kastens, und 1/3 in der Krone
1/3 aber im Kasten seyn. Die Krone des Brillants besteht aus lauter

/ δFigur und

/|P_337

/δFigur und Rauten. Die Krone de«¿»s Rosen-Steines aber aus lauter δFigur,
die Dicksteine sind ausser der Mode, und die Tafel-Steine sind nur etwas dün-
ner. Ein Diamant von einem Gran, wird 6 bis 10 %Reichsthaler werthgeschätzt, und der
fernere Werth ist wie der Cubus des Gewichts. z E. einer von 18 Gran wird
60 %Reichsthaler gelten. Der Florentinische Diamant wiegt 139_1/2 Carad, ein Carad
aber ist 1/24 von einer Marck.
Ein vollkommen schöner Diamant, welcher
ein Carad, das ist ohngefehr 1/18 eines holländischen Ducatens wiegt, gilt zu
jetziger Zeit 8 Louis-d'or, denn als er noch roh war, hat er 2 Carad gewogen;
allso auch schon 8 Louis-d'or gekostet. Ein Carad wiegt 4 Gran. Ein Carad
von rohem Diamant kostet 2 Louis-d'or, ein roher Diamant von 3 Ca-
rad
18 Louis-d'or. Der berühmteste Diamant, den Pith an den Hertzog-
lichen Regenten von Franckreich verkaufte, wog 144 Carad. König
August both ihm dafür 80.000 %Reichsthaler. Der Hertzog von Orlean aber gab
ihm 300.000 %Reichsthaler. Die abgeschli«¿»fne Stücke galten 36.000 %Reichsthaler.
Die
Rußische Kayserin hat einen Diamanten von der Größe eines tau-
ben-Eys, unter dem Adler ihres Scepters, er wiegt 779 Carad, und hat
600.000 Rubel gekostet, ausser der jährlichen Pension von 6.000 %Reichsthaler die
der Armenianische Kaufmann, der ihn verkaufte, noch jetzt dafür er-
hält; es ist aber kein Brillant, sondern ein Rosen-Stein. Im Mogulischen
Schatz ist einer von 279 (4/6) Carad, und blos diese 9/6 Carad kosten 1400
Livres mehr. Nadir-Schach nahm ihn aus Delly Anno 1739 weg; Die
Diamanten sind in Ost und Westindien anzutreffen, am mehresten aber

/ in

/δLage_SS~

/|P_337R δZ_20

/(9/6) ~

/|P_338

/in dem Galatischen Gebürge, welches durch die Halbinsel diesseits des Gan-
ges geht. Sie liegen in einer Schichte von rothem und gelblichtem Sande
wie die Kiesel. Im Königre«e»ich Golcondo ist neben der Diamanten¥
Schichte ein mineralisches Stratum, welches Eisenhaltig zu seyn scheint.
In Visapor sind deren gleichfalls, und überhaupt liegen die Diaman-
ten in einer rothen Erde, als ihrer Mutter_Erde, so wie die Feuerstei-
ne und die Kreide. In Brasilien sind sie in neuern Zeiten, und zwar
sehr häufig entdeckt worden, sie wurden daselbst anfänglich vor Kiesel-
Steine gehalten.
In Borneo werden die Diamanten aus dem Was-
ser genommen. Der Diamant welcher von selbst ins reine Grüne zieht,
ist der Beste. (gerieben zieht der Diamant Mastix an) Fast in einer-
ley Preiß mit dem Diamanten steht der Rubin, der fast einerley Farbe,
Schwere und Glantz mit ihm hat, nur roth und durchsichtig ist.
Ist der Ru-
bin hochroth, so heißt er Ballas-Rubin, ist er aber Kirschroth, so heißt
er Schinnel. Ist er Scharlach roth, so heißt er Rubin, ist er Goldgelb, so heißt
er Hyacynth.
Geht er über 3_1/2 oder 4 Carad in Ansehung des Gewichts;
so ist er theurer als der Diamant. Saphir ist ein hellbrauner Stein, durch-
sichtig und hart, und in eben dem Werth wie die vorigen.
Wenn der Sa-
phir gantz vollkommen ist, so geht er im Werth noch über den Diamant,
sonst aber gillt ein Saphir von 10 Carad gemeinhin 50 Louis_d'or. Der
Schmaragd ist
eigentlich ein Americanischer Edelgestein aus Brasilien,
und war wohl vor der Entdeckung von Amarica nicht bekannt, er ist

/ hart

/|P_339

/hart, erstlich grün. Nachdem er härter ist, nachdem gillt er auch mehr im
Preise.
Das was man vor alten Zeiten Schmaragd heißt, war wohl nichts
anders als der Chrysolith, oder wohl gar ein grüner Flußschaar. Denn in
der Capelle von Loretto, wo alle Arten von Edelgesteinen sind, die man
der Mutter Gottes gewidmet hat, giebt es doch keinen Schmaragd da-
runter. Wahr Schmaragde gelten ohngefehr den 4ten Theil eines Dia-
mants von gleichem Gewicht. Im Kloster Rechena ist der große Schma-
ragd von Carl dem Großen. Er ist größer als ein Foliant, 2 Zoll dick
und 28 %Pfund schwer, jedes %Pfund wird 50.000 @%Reichsthaler@, und also der gantze Schmaragd
eine Million und 40.000 @%Reichsthaler@ gerechnet. Der Amethist ist durchsichtig und
violen-blau, welches ins röthliche fällt.
Wenn der Amethist, der auch in
Sachsen gefunden wird, so rein ist, daß er in einen Ring gefaßt wer-
den kann, so gillt er so viel, als wie Diamant. Der Orientalische Ame-
thyst hält man für den seltesten unter allen Edelgesteinen. Der
Topas ist entweder Goldgelb, oder weißgelbligt, er ist so hart als die vo-
rigen.
Der sächsische Topas heißt Schnecken_Stein. Turckis ist ein grün-
lich blauer-Stein. Man findet ihn auch in Franckreich, unter der Ge-
stallt eines Thierknochens, wo er durch δLücke seine Farbe bekommt.
Der Opal ist von einer halbdurchsichtigen Milchfarbe, der aber ge-
gen das Licht allerhand Farben schießt. Der Chrysolath ist durchsichtig,
und Goldfarbig, fällt seine Farbe ins grünliche, so heißt er Chrysopos,
fällt er ins Meergrüne, so heißt er Pergel.
Der Berill und Chryso-
lith sind darin unterschieden, daß jener bläuligt grün; dieser aber

/ gelb- 

/|P_340

/gelblicht grün ist. Der Granat ist Dunckel-Kirschroth, hell und durchsichtig, und
wird gemeiniglich in coctondrischer Gestallt in Böhmen gefunden. Wenn
er in einem Ringe gebraucht werden kann; so kommt er an Werth dem
Schmaragd gleich. Der Hyacinth sieht orange-gelb aus, und wird in Island
roh in prismatischer Figur angetroffen.

/ Von den Halb-Edelgesteinen. ≤

/Sie sind nicht so hart als jene aber härter, als die gemeinen Chrystalle,
oder Berg-Christalle. Der Berg-Christall, woraus man sogar Gefäße
machen kann, ist völlig klar, zieht hell Wasser, und wird in den höchsten
Gebürgen der Schweitz angetroffen. Es gehört zu den Halb-Edelgestei-
nen der karniol, welcher sehr hart, roth «m»und halb durchsichtig ist. Ist er
Fleischfarbigt, so heißt er Sarder. Der Agat ist vielfarbig, bisweilen weiß,

und scheint aus vielen Steinen zusammen geflochten zu seyn, denn man
sieht Striche bey ihm. Der Chalcedan ist vielfarbig und kaum halb durch-
sichtig. Der Onix ist ein Agath mit weißen und schwartzen Streifen. Der
Sardonix hat weiße oder gelbe Streifen oder Puncte. Der Lapis laxoli
ist blau mit weißen Flecken und mit Golde (eingesprengt) eingeschränckt,
man macht daraus das Ultro-Maria, das so theuer als Gold ist.
Der Opal
giebt von verschiednen Seiten gesehen, auch verschiedne Farben. Der
Orientalische ist so kostbar als der Diamant, sonst sieht er Perl, oder Milch-
farbig aus, und läßt aus seiner Mitte ein röthliches Feuer hervor-
schimmern, der beste kommt von Ceylon. Der Nierenstein, den die
Türcken gebrauchen, ist nichts weiter als ein grünlicher Speck-Stein.

/ Von der Mosaischen und Florentinischen Arbeit

/Opus Mosaicum wird aus Glas-Güßen von verschiedner Farbe, die in

/ dünne

/|P_341

/dünne Tafeln gegossen, und in feine Stücke wie Nadeln geschnitten wer-
den, in einen Teich von Calcerirtem Marmor, Gummi, Eyer und Oehl zusam-
men gesetzt, so daß Portraits gleichsam daraus punctiert werden. In ei-
nem solchen von 2 Quadr<a>t Fuß und 2.000.000 Stifte. Man poliert es her-
nach wie ein Spiegel. An einem Stück von 80 Quadrat-Fuß bringen 8
Künstler 2 Jahre zu. In der Peters-Kirche zu Rom sind sie häufig. Florenti-
ner Arbeit wird auf dieselbe Art aus Edelgesteinen zusammen gesetzt.

/ ≥ Andere Stein Arten

/Marine-Glas ist aus durchsichtigen öfters großen Blättern zusammen
gesetzt, und schmeltzt nicht im grösten Feuer. Jaspis ist den Feuer-Steinen
an Härte ähnlich, aber nicht vielfarbig. Der Asbest ist ein Wässerigter Stein aus lau-
ter Fasern zusammen gesetzt, der geklopft, gewaschen, und gesponnen werden
kann, daher komt die unverbrennliche Leinwand und Papiere. Der Amieth ist
eine Gattung davon, mit Graden und Biegsamen Fäsern. Der Marmor zer-
fällt im Feuer in Kalck, hat entweder einerley Farbe, oder ist gesprengt oder
geädert. Der Florentiner Stein ist ein Marmor; Man brennt daraus Gips.
Der Andartz füllt die Risse der Felsen an, und ist ohne Zweifel aus δLücke
mit Saltz imprignirten Wassern, das Stein_Theile mit sich geführt hat, entstan-
den. Der Serpeanckel-Stein ist fleckigt und grünlicht im Grunde. Der Saphir
ist sehr hart und roth aber mit Flecken granirt, hat aus bisweilen andern Far-
ben.
Die größten Gebürge bestehen aus Granit-Felsen. Der Alabaster ist
ein Gips-Stein, oder ein Kalck-Stein mit Vitriol-Säure durchdrungen.

/ Noch einige andere Stein und Erd-Arten. ≤

/Bimstein ist eine ausgebreitete Stein Kohle, von der besten Art der Pech- 

/ Kohlen

/|P_342

/Kohlen, wird also in der Gegend der Feuerspeyenden Berge am meisten ge-
funden. Der Mexicanische Stein_Schwamm, ist ein sehr lockerer Stein, und fin-
det sich am Mexicanischen Meerbusen an den Felsen. Man läßt das Wasser
durch ihn durchseigen, und giebt vor, daß es alsdenn gesund sey, er wird sehr
theuer bezahlt. Der Bologneser-Stein ist klein, weißgrau, und wird in
verschiednen Gegenden Italiens oft von der Größe einer welschen Nuß ge-
funden. Durch die Calvination bekommt er die Eigenschaft, am Tage Licht
einzusaugen, und im Finstern zu leuchten. Der Schein eines brennen-
den Lichts giebt ihm schon Kraft, aber nicht der Mond. Er hat einen schwef-
lichten Geruch, Balduin machte ihn bald nach, aus englischer Kreide %und
spiritu Nitri. Man gräbt oft Steine aus, die nicht die Natur, sondern Men-
schen gebildet haben, als Steinerne Aexte, Wasserpfeile, imgleichen in
der Schweitz eine ungemeine Menge Steinerne Würfel mit ihren Zei-
chen 1 bis 6 bezeichnet.

/Von de«m»n Erden sind zu mercken, die Sie-
gel Erde (terra sigillata) von Lehmans, Maltha, und Anigma. Sie sind alle
etwas fett, kleben etwas an der Zunge, und werden bey Fleckfiebern und
Durchfall gebraucht. Umbra ist eine braune Kreide aus Umbria, oder
Spoleto in Italien. Allersteine heißen sonst auch Klappersteine, und haben in
der Mitte einen Stein, der Klappert. Es giebt riechende Steine oder Vio-
len_Steine, imgleichen Mücksteine. In der neuern Zeit ist ein Stein von
der besondern Eigenschaft entdeckt worden, daß er die Asche wie der Mag-
net das Eisen an sich zieht.
Der Philtrir und Bimsen_Stein haben ihre Erzeu-
gung aus den Vulcanen, der erstere wird in Neapel und Mexico gefunden,
und gebraucht, um trübes Wasser klahr zu machen. Turmalein (Aschentreck- 

/ cker)

/|P_343

/cker) zieht, wenn er erwärmet wird, allerley leichte Sachen von einer Seite an, und
stößt sie von der andern wieder von sich. Er ist nur von einer Seite durchsichtig.

/ Von den Versteinerungen

/Das meiste Fluß-Wasser hat zarte versteinerte Theile in sich. Der jetzige Kayser ließ
einen Pfahl von der Donau_Brücke in Servien ausziehen, und man fand, daß obgleich
seit Trajans Zeiten gestanden, dennoch die Versteinerung kaum einen Finger breit
ins Holtz gedrungen. Man würde durch dergleichen verglichnen Beobachtungen,
etwas aufs Alterthum unseres Weltkörpers schließen können, wenn alle Wasser ei-
ne versteinernde Kraft hätten. Die Versteinerungen, werden am häufigsten in
Kalck-Steine, Marmor, Sandstein, Schiefer, und Feuersteine gefunden. Man findet
versteinerte Erdthiere, oder ihre Theile. Es ist ehedem in der Schweitz ein versteinertes
Schiff mit vielen Menschen herraus gezogen worden aus dem Gebürge. Man findet
Geweihe von Hirschen, Elephanten-Zähne pp. in der Erde. Bisweilen aber
Zähne von großen Thieren deren Origina uns unbekannt sind. Man hat Vögel-
Nester mit ihren Eyern versteinert gefunden, Schlangen, Kröten, gleichfalls, ver-
steinerte See Thiere. Die Schlangen-Zungen (btas) Sapetrae sind Zähne des Heu-
Fisches. In den Kupfer-Schiefern in Deutschland findet man gantz neue Abdrücke
von Fischen. Man findet Zähne vom Wallroß. Die Ammons-Hörner sind verstei-
nerte Nautili. Ich übergehe die Schaalichten See-Thiere, davon man gemeinhin
viele Gattungen, unter den versteinerten Seethieren findet. Versteinertes Holtz
ist gemein, versteinerte Wurtzeln in einer Mergelartigen Steinart, heißen
Bein-Bruch oder Osteocolo. Das seltenste ist die Melone, von dem Berge Libanon,
davon man alle Körner, Fächer, und Häute, deutlich darinnen sehen kann. Es
sind auch Versteinerungen deren Ursprung uns unbekannt ist, als die
Donnerkeule,
die nichts anders als ein Petrefact aus dem Thierreich sind. Ferner gehören auch

/ dahin~

/|P_343R δZ_15f.

/(dentes) ~

/|P_344

/dahin die Juden_Steine, die wie Oliven aussehen. Buffoniten sind kleine halbrunde,
halbbraune Steine, welche einige vor eine Art Zähne des Heufisches halten.
Die Petre-
facten geben uns noch gewisse Ueberreste aus der Alten Welt. Nur solche Dinge die
von Natur hart sind, werden versteinert angetroffen.

/ Vom Ursprunge der Mineralien

/Der Erdkörper in so weit wir in ihm durch graben gelangen können, besteht aus
Stratis, oder Schichten, deren eine über die andere bald Horizontal, bald nach einer
oder der andern Gegend geneigt, fortlaufen, bisweilen hie und da unterbrochen
sind. Diese können nicht anders, als in den großen Revolutionen der algemei-
nen, und oft wieder erneuerten Ueberschwemmung,, durch den Absatz mancherley
Schlamms erzeugt worden seyn. Das sich bildende Wasser, welches auch noch im Grunde
des Adriatischen Meeres eine Steinschicht nach der andern bildet, hat ohne Zweifel
viele Mineralien, und manche Gattung von Steinen, die durch Zusammenset-
zung von verschiedner Materie gemacht, welche in dem Schwefel, Kiesel, sauren
Vitriol, Materien pp, in der innerm Erde vorgehen, und durch die Ausdämpfung
der Arsenicanischen Materie der sauren und sulphurischen Dämpfe und Zusam-
mensetzung mit einer subtilen Metallischen Erde nach und nach in den Gesteinen
erzeugt zu seyn scheinen, und sich noch ferner erzeugen. Gemeiniglich liegt ei-
ne Gattung Ertzt in dem Steine, als seine Mutter. Die Natur würckt lang-
sam und Jahrhunderte durch, durch einen kleinen Ansatz. Menschen also die
geschwind und plötzlich solche Zeugung zu wege bringen wollen, betrügen
sich gemeiniglich, wenn sie Metal aus ihren Principiis zusammen setzen
wollen, als z. E Gold. Man bringt zwar falsche Edelgesteine zuwege, aber es
fehlt ihnen die Härte, und die genaue Vereinigung der Materien.

/ ≥ Ende
Des zweyten Theils der Physischen
Geographie. ≤

/ Dritter

/|P_345

/ Dritter Theil
der
Physischen Geographie

/Summarische Betrachtungen der vornehmsten Natur Merckwürdigkeiten,
aller Länder nach Geographischer Ordnung.

/Von den Characktern und Gebräuche verschiedner Völcker. ≤

/Wir betrachten hier die Verbindung der Bürgerlichen Verfassung mit dem Natür-
lichen, und dies hat im Zusammenhange wohl keiner vorgetragen. Asien ist
wohl das Land worin alles angefangen ist, nehmlich die Bezähmung des
Viehes zu den Hausthieren. Die Erfindung der Getrayde_Arten der Metal-
le, die Bürgerliche Verfassung der Menschen, da sie aus dem Zustande der
Wildheit in einen Gesetzlichen gekommen. Die Religion endlich, die Erfin-
dung aller Künste, scheinen hier ihren Ursprung genommen zu haben, wie
es denn auch scheint, daß der ostliche Theile der erste gewesen, der bewohnt wor-
den, und von dem die Be«f»völckerung nach andern Ländern gekommen sey.

/Dies ist die Ursach, daß wir also betrachten.

/ ≥ I Asien. ≤

/Eine der grösten Erfindungen ist die Zähmung des Haus-Viehes. Es frägt sich,
wo ist sie geschehen? Wir sagen, vermuthlich da, wo es eingesperret gewe-
sen, also etwa auf Inseln. Pallas mercket an, daß in dem großen Bassein,
am Nordlichen Theil von Indostan am Südlichen von China, alle Thiere wild
sind, die hier gezähmet sind, und daß sie alle dorten sich in ihrem Originale be-
finden, als viele Pferde, die eine Maus-Farbe haben, mit langen Ohren.
Auch in den Danischen Steppen finden wir sie, ferner sieht man da den Wilden- 

/ Stier,

/δLage_TT

/|P_346

/Stier, wilde Schaafe und zwar recht in ihrer Wildheit, das Schwein, das Hunde-Ge-
schlecht, das Camel, welches Saltz-Kräuter frißt, die eben da anzutreffen, als ein
Beweiß, daß ehemahls die See da gestanden, die Katzen, und alle vierfüßige ge-
zähmte Hausthiere. Ein großer Theil kann da nicht aushalten, der sich auf den
dazwischen gelegenen Gebürgen aufhält. Es muß da ehemahls Wasser gewe-
sen seyn, die höchste Gegend ist die Sand-Wüste. Ferner die Erfindung der Ge-
trayde-Arten, die Erfindung der Metalle und vornehmlich des Kupfers und
Eisens. In den allerältesten Zeiten ist das Eisen nicht gewesen, und das ist die
nutzbarste Erfindung. Wir würden wohl von Indostan anfangen, weil es
wohl den Anschein hat, daß daselbst der Anfang aller Kunst und der Sitz aller
Schätze der Natur sey, es hat die Producte von allen Climaten. Wir wollen
aber nach der Ordnung der Geographie vom Oestlichen Theile Asiens anfan-
gen und bemercken allso in Asien:

/ ≥ China. ≤

/Diese Einwohner so wohl als die von Indostan und Japan zeigen eine
große Fruchtbarkeit. Einige haben bemerckt, daß es mehr Manns als Weibs-
Persohnen gebe, dieses aber gillt nicht von allen Provintzen, sondern nur
von Tangut. In Java, welches etwa halb so groß ist als Franckreich sollen auf
30 Millionen Menschen wohnen. China übertrift alle Bevölckerungen
in gantz Europa. In Ostindien ist die Bevölckerung auch sehr starck, wel-
ches für eine Würckung des heißen Climas zu halten. In China nun sind
60 Millionen Menschen, einige rechnen so viel Menschen, als in gantz Eu-
ropa zusammen genommen. Das Land ist mit vielen Canälen durchschnit-
ten so daß in allen Städten und Dörfern Canäle angetroffen werden, die

/ mit

/|P_347

/mit einander so zusammenhangen, daß man darauf von einem Ort zum an-
dern bequem reisen kann. Sie haben aber nicht die Methode Schleusen zu bau-
en, sondern wenn der Canal niedrig ist, so winden sie ihre Kähne durch Krahne
aus einem Canal in den andern. Ueber alle diese Canäle gehen Brücken,
mit einigen gemauerten Schwiebogen, deren mittelster Theil so hoch ist, daß ein
Schiff mit Masten durchseegeln kann. Der große Canahl der von Canton bis
Peking reicht, hat an Länge keinen andern seines gleichen in der Welt.
Die
Häuser in China sind nach den 4 Ecken der Stadt gebauet, deren 4 Seiten,
nach den 4 Weltgegenden gerichtet seyn. Die merckwürdigsten Stücke in
China sind,

/a) Die Chinesische Mauer. Ist mit allen Krümmungen gerechnet 300 deut-
sche Meilen lang 10 Ellen hoch und 2 Ellen dick. Sie gehet über erstaunen-
de Berge und Flüße durch Schwiebogen und hat schon 1800 Jahr gestanden.
Sie dient die Grentze nach Norden und Nordwesten zu machen. Sie wurde
vor einiger Zeit vom Erdbeben angegriffen, wodurch sie aber nicht viel gelit-
ten. Diese Mauer ist in der Regierung eines einzigen Kaysers zu Stande
gekommen.

/b Der Porcelain-Thurm in Nanking ist 200 Fuß hoch, und in 9 Stockwer-
cke getheilet, hat 400 Jahr gestanden, bestehet aus lauter Porcelain und ist
das schönste Gebäude im Orient.

/ ≥ Der Charackter dieser Nation. ≤

/Sie sind im Orient eine besondere Nation, von einem Charackter, der sie von
den Indianern gantz unterscheidet. Die Chineser nehmlich sind, da sie zum Han-
del gantz sehr geneigt sind, nicht so ehrlich wie die Indianer. Sie wissen auf ei- 

/ ne sehr

/|P_348

/ne sehr künstliche Art zu betrügen, und nur der Diebstahl, aber keinesweges
der Betrug wird bey ihnen bestraft. Man bewundert vielmehr den, der ei-
nem andern einen feinen Streich gespielet hat. Sie wissen z. E. ein zerris-
senes Stück Seidenzeug so nett wieder zusammen zu nähen, daß es der Auf-
mercksamste Kaufmann kaum mercken kann. Auch zerbrochen Porce-
lain pflücken sie mit durchgezognem Kupferdrathe so zusammen, daß
keiner anfänglich den Bruch gewahr wird. Er schämt sich nicht, wenn er auf
den Betrug betroffen wird, aber nur in so fern er dadurch einige Unge-
schicklichkeit im Betruge hat blicken lassen.
Ihr Charackter bezeugt
eine ungemeine Bescheidenheit und Gelassenheit, diese scheinbare Gelas-
senheit ist nur aber ein Uebergang der Affecten, sie behalten es innerlich,
sie sind allso nicht aufgebracht, aber doch rachbegierig. Es ist bey ihnen die-
se herschende Mode, daher fürchten sie sich ihre Affecten ausbrechen zu
lassen. Sie sind nicht ungestüm, pochen nicht, fluchen und schwären auch
nicht. Man sieht nicht daß sie sich schimpfen, zancken oder douelliren. Die
Rache schieben sie bis auf bequeme Gelegenheit auf, er spielt ungemein
gerne, ist feige, sehr arbeitsam, sehr unterthänig und den Complimenten
bis zum Uebermaaße ergeben. Ein hartnäckiger Verehrer der alten
Gebräuche, und in Ansehung des künftigen Lebens so gleichgültig wie
möglich.
Sie ziehen sich mit einem Zänglein die Baart-Haare aus, und
lassen unten nur einen Pusch stehen. Jetzt sind sie gewohnt einen Tartari-
schen Schopf zu tragen, und diese Mode erstreckt sich bis America. Die Ge-
lehrten schneiden sich die Nägel an ihrer lincken Hand niemahls ab, und
sind dadurch von allen andern unterschieden. Das Chinesische Frauen- 

/ zimmer

/|P_349

/zimmer hat durch die in der Kindheit geschehene Einpressung nicht größere Füße
als ein Kind von 3 Jahren. Es schlägt die Augen immer nieder, zeigt niemahls
die Hände, und ist sonst weiß und schön genung.

/ ≥ Der Geschmack und Sitten. ≤

/Hievon mercken wir Folgendes an. Ihre Gemälde haben keine complete
Aehnlichkeit mit der Sache. Sie mahlen z. E. den Menschen mit einem dicken
Bauch, den Vogel mit einem Drachen-Schwantz. Sie können nichts von Schat-
tirungen begreifen. Schönheit ist bey ihnen folgendes. Bey Mannspersoh-
nen einen langen Baart, grobe Stimme, dicken Bauch, kleine Augen,
breite Stirn, kurtze Nasen, große Ohren. Beym Frauenzimmer blit-
zende Augen, sie müssen nehmlich die Augen wenig aufthun und sie ver-
längern, sich dieselben anstreichen. Sie sehen zart aus, weil sie mehrentheils
immer in der Stube sitzen, ihre Füße sind alle sehr klein, sie werden
nehmlich gleich in der Jugend zwischen 2 Brettern gezwungen, so daß bey
Erwachsnen kaum Spuhren von Zehen sind, und der Fuß gantz vertrock-
net ist. Die erste Haupt-Absicht scheint dabey aus jalousie hergerührt zu
haben, damit sie nicht aus dem Hause laufen möchten. Sie können auch
nicht weit gehen sondern watscheln nur an der Wand fort, und bringen
die mehreste Zeit mit (weben) Weeben zu. - Nur das ist bey ihnen nütz-
lich, was im Handel etwas einbringt oder die Koch_Kunst und überhaupt
was zu essen. Wir wollen hiebey zugleich ihr Essen und Trincken, und ihre
Gewohnheiten dabey entwerfen. In China ist alles eßbar, bis auf die Hun-
de, Katzen, Schlangen etc: Alles Eßbare wird nach Gewicht verkauft, daher

/ füllen

/|P_350

/füllen sie den Hünern de«r»n Kropf mit Sand. Das Essen wird bey ihnen kalt, und
das Trincken warm genossen,
die Suppen stehen in Tassen. Sie haben weder
Messer noch Gabeln, das Essen wird schon zerschnitten auf den Tisch gebracht, und
statt der Gabeln bedienen sie sich zweyer Stäbchen von Elfenbein, zwischen wel-
chen sie das Fleisch nehmen. Wenn eine große Gesellschaft zusammen ist, so wer-
den bey dem Essen die größten Ceremonien vorgenommen, sie sitzen auch
nicht an einer großen Tafel zusammen, sondern ein jeder hat seinen eig-
nen Tisch, das ist ein lackierter Stein an dem er speiset. Der Wirth sitzt in der
Mitte, alle sehen auf ihn, und was der Wirth thut das macht die Gesellschaft nach,
trinckt also der Wirth, so trincket die gantze Gesellschaft, und wenn einem etwa
nicht dürstet, so setzt er doch die Tasse an den Mund. So lange sie bey der Tafel
sind herscht eine allgemeine Stille und nachher geht das plaudern an. Man
liebt den Brantwein sehr welcher von Pferde_Milch distilirt wird, diesen gie-
ßen sie über Schöpsen-Fleisch, wodurch es einen starcken aber eckelhaften
Geruch bekommt. Sie tragen Wachteln in der Hand, um sich an ihnen als Muf-
fen zu wärmen.

/ ≥ Von den Complimenten. ≤

/Niemand in China flucht oder schimpft (alles was er hasset), wenn es sich mel-
det, wenn er den Besuch abstattet was er da für Geberden und Reden führen
soll, was der Wirth dabey saget oder thut, das alles ist von der Obrigkeit in ge-
wisse Formeln vorgeschrieben, die sie auswendig lernen und nicht in ei-
nem Wort davon abgehen müssen. Man weiß wie man hö«ch»flich etwas ab-
schlagen soll, dieses alles macht, daß ihr «u»Umgang mit großen Umschweifen
geschieht. Niemand muß sein Haupt beym Grüßen entblößen, dieses wird vor
eine Unhöflichkeit gehalten.

/ Ackerbau

/|P_351

/ ≥ Ackerbau, Früchte, Manufacturen. ≤

/Was den Ackerbau anlangt, so bleibt klein Fleckchen Landes bey ihnen unbe-
nutzt. Der Mist aus den Steppen wird auf den Canälen herbeygeführt, trocken
Ländereyen unter Wasser gesetzt und der Unrath in große Canäle geführt.
Der Talgbaum ist oben erklährt worden. Vom Wachsbaum berichtet Salomon,
daß ein Insect wie eine Fliege, nicht allein die Blätter sondern auch bis auf den
Kern oder Stamm die Baum-Rinde durchsteche, woraus das weiße Wachs wie
Schnee-Flocken weiß hervorquillt.
Der Innländische Handel bringt ihnen mehr
Vortheile als der ausländische. Die Produckte des Landes sind,

/a) Der Rhabarber dieser ist auch in der Chinesischen Tartarey befindlich, wo-
von wir durch die Russen den besten erhalten.

/b) Der Chinesische Thee ist der beste, auch ist der Rußische besser als der, den die Schwe-
den und Engelländer zu uns bringen. Dies kann vieleicht daher kommen, weil
er bey diesen zu lange in Magasinen bey andern Waaren liegt, denn nichts
nimt sogleich einen andern Geschmack an, oder verflieget so leicht als der Thee

/c) Das Chinesische Porcelain ist zwar nicht von solcher Stärcke als das Sächsische,
aber wohlfeiler und durchsichtiger.

/d) Die Seidenzeuge und rohe-Seide sind auch da in großer Menge. Die Sei-
den_Würmer arbeiten auf den Maulbeer_Bäumen in den Südlichen Provint-
zen von selber. Ihre Seiden-Z<e>uge sind vornehmlich mit Figuren von einge-
würckten Drachen gezieret.
Die Atlasse sind von solcher Würde, als die Euro-
päischen.

/e) Die Wurtzel Gensemey oder Manns_Wurtzel, weil sie sich in 2 Ästen gleich
den Lenden eines Mannes theilt. Sie sollen Mittel der restauration der
Kräfte seyn, und alte Leute wieder jung machen. Sie wird sehr gesucht und

/ wächst

/|P_352

/wächst in der Chinesischen Tartarey. Der Kayser schickt jährlich 100.000 Tartarn
in die Chinesische Tartarey aus, um diese Wurtzeln vor sich zu sammeln, das Ue-
brige können sie verkaufen, sie ist ungemein Theuer.

/f) Der Borax, Quecksilber, Lapis lazali, Indianische Vogel-Nester, India-
nisches Zinn. Alles dieses findet man in China. Der Handel des Silbers vor Gold
geschiehet nach Indien. Ihre Tusche oder Chinesische Tinte wird aus langen
Ruß verfertigt, den sie durch Muscus wohlriechend (machen) gemacht. Man findet
da Muscus auch Gummi. Einmahl im Jahr pflüget der Kayser öffentlich, wel-
ches auch eine große Procession ist, und in die Peckingsche Zeitungen gesetzt
wird.

/Von den Wissenschaften Sprachen und Gesetzen. ≤

/I Was die Wissenschaften in China betrift, so bemüht sich immer einer dem an-
dern darin zuvor zu thun. Es ist aber keine Nation die eine größere Opinion
der Wissenschaften von sich hegte, aber auch keine, die in diesem Stück hart-
näckiger als die Chineser. Die neuern Zeiten haben bewiesen, daß sie alles
von Indien haben. Sie bekümmern sich um fremde Länder gar nicht; son-
dern glauben vielmehr, daß der andern Völcker ihre Gelehrsamkeit, von ih-
nen herrühre. Die Wercke ihrer Vorfahren halten sie sehr hoch, und es fällt
dahero schwer etwas in China zu verändern. Kleinigkeiten sind bey ih-
nen von der größten Wichtigkeit und dahero sehr schwer eine Gewohnheit
abzubringen. Sie haben keine einzige Wissenschaft, ob sie gleich Künste
haben, und selbst die wenigen Sätze der Geometrie, die sie wissen, kön-
nen sie doch nicht demonstriren, sondern sie sind blos pracktisch. Man hat
von ihrer Astronomie viel Wesens gemacht, allein sie haben keine The- 

/ orie;

/|P_353

/rie; sondern ihre Wissenschaft gründet sich blos auf Tabellen. In Pecking ist
viele Jahrhunderte vor Ankunft der Missionarien ein Observatorium gewe-
sen, allein ihr Calender war höchst falsch. Der berühmte Ceblichan eroberte
China und zog die Astronomen herrüber, diese brachten auch Instrumente mit
sich, so in Bochara gemacht waren. Die Verkündigung der Finsternisse er-
streckte sich kaum auf den Tag, nicht aber auf Minuten wie bey uns. Sie
ziehen aber diese Verkündigung aus Tabellen, daher man damit zusam-
menräumen kann, wie es möglich ist, daß ihre Gelehrte glauben kön-
nen, die Sonne oder Mond werden zur Zeit der Finsterniß von einem
Drachen gefressen, dem sie mit Trommeln seine Beute abzujagen su-
chen. Es kann aber auch seyn, daß dieses ein alter Aberglaube von den
Zeiten der Unwissenheit her (sey) ist, den die Chineser als hartnäckige Ver-
ehrer aller alten Gebräuche noch beybehalten, ob sie gleich dessen Thorheit
einsehen.
Es müssen nicht viele zusammen spielen und sagen, daß es ein
Geräusch ist, sondern nur einer spielet. Ihre Einsichten sind durch die Missio-
narien unter dem Kayser China sehr verbessert worden. Von der Medi-
cin haben sie keine empirische Kenntniß; ihre Kranckheiten couriren
sie durch Coulenisation oder Brennen. Sie kennen die Körper gar nicht,
weil sie Dieselben nicht zu anatomiren wissen. Der ist bey ihnen am repu-
tirlichsten gestorben, der gefangen wird, der schimpflichste Todt aber ist,
wenn jemand geköpft wird. Fremde Leute dürfen nicht bis nach China,
sondern bis an den Hafen von Canton kommen, wo auch die Russen ihren
Thee herholen. Sie haben auch Grados academicos und Gelehrte die auch

/ promoviren

/δLage_UU

/|P_354

/promoviren. Die Doctor-Würde erhält der, welcher <1> «l»Lesen und Schreiben
kann, 2) Die Complimenten wohl inne hat, und 3 die Landes-Gesetze.
Die Doctor-Würde wird im Beyseyn des Kaysers ertheilt und kommt
hoch zu stehen. Nach 5 Jahren aber muß er sich wieder examiniren lassen,
und der Kayser untersucht, ob er es nicht wieder vergessen hat, ob seine Ge-
lehrsamkeit ab oder zugenommen. Ihre Gelehrsamkeit enthält viele
Dinge, die zwar gelernet werden, aber keine eigentliche Wissenschaft
sind. Ihr gröster Philosoph ist Confucius, von dem sie sagen, daß er alle
Weißheit gehabt haben soll, allein er hat doch einmahlen gefragt, was das
höchste Guth sey. Er ist zwar nicht ein Gegenstand der Göttlichen Verehrung,
aber sie bezeugen doch Veneration gegen ihn in allen Städten.

/II Von der Sprache der Chineser mercken wir Folgendes. Ihre Sprache
und Schrift zeigt eine besondere Rohigkeit der Nation und ihren einge-
schränckten Geist, welches beweiset, daß sie nicht weiter kommen wer-
den. Ihre Sprache redet auch Ivacia, imgleichen die mehresten Bewoh-
ner der Halb-Insel jenseits des Ganges, und denn der Südliche Theil von
Tibet. Sie hat eine große Simplicitaet auf der einen, aber viele Um-
schweife auf der andern Seite. Sie ist nehmlich einsilbig und 2 Silben
sind 4 Wörter. Sie haben 330 Stamm-Wörter, aus denen alle durch
Veränderung der Thöne, der Adspiration und Zusammensetzung
entstanden sind, welches denn mehr als 500.000 Wörter sind. Ihre Schrift
ist keine Buchstaben-Schrift, sondern eine Real-Schrift. Die Zeichen ih-
rer schrift bedeuten nicht die Thöne, sondern die Sache selbst. z E. Wenn

/ sie

/|P_355

/sie König schreiben wollen, so machen sie dieses Zeichen δFigur weil der König zwi-
schen Himmel und Erde der Höchste ist. Die Alten haben es wohl so gemacht. z. E. Wenn
sie von der Klugheit redeten, so machten sie einen Fuchs. Von der Ewigkeit Gottes
einen Circkel, von der Seele einen Papillon. Dergleichen Bilder-Schrift, war
wohl die Erste, und die Grundrisse davon sind wohl noch bey den Chinesern. Es sind
abgekürtzte Symbolen von der Sache. Sie schreiben also mit ihrer Real-Schrift
nicht Buchstaben sondern Ideen. Diese Sprache hat mit der Benachbarten kei-
ne Aehnlichkeit, allein ihre Schrift kann von andern Nationen verstanden
werden, ohne daß man das Wort auszusprechen weiß, denn wenn man nur
die Zeichen versteht, so kann man, ohne es aussprechen zu können, doch die be-
zeichnete Sache verstehen. Da es nun eine erstaunende Menge Sachen giebt,
so können sie mit 5, 6.000 Zeichen nicht auskommen. Ein Befehlshaber braucht
20.000, ein Gelehrter 80.000. Die Chineser müssen um schreiben und Lesen zu
können einen großen Theil des Lebens darauf verwenden. Ja sie haben würck-
lich mehr Zeichen in der Schrift als Worte, und wenn sie im Reden nicht fortkom-
men, so bezeichnen sie noch mit der Hand. Sie schreiben mit Tusch, so in Oehl ge-
legt wird und schreiben mit einem Pinsel, entweder auf die innwendige
Haut eines Maulbeerbaumes, oder auf Bambus-Rohr, oder auch auf Cocons
von Seide. Sie beschreiben es aber nur auf einer Seite, denn die Striche sind
dick und das Papier dünne. Die Buchdruckerey ist mit der Unsrigen in kei-
ne Vergleichung zu setzen, sie sind auch noch nicht fähig den Nutzen einer or-
dentlichen Buchdruckerey einzusehen. Diese Kunst ist nehmlich bey ihnen so
beschaffen, man klebt die Blätter eines wohl abgeschriebnen Buches auf

/ ein

/|P_356

/ein langes Brett, und schneidet die Characktere in Holtz aus.

/III Was die Gesetze der Chineser betrift, so dienen sie nur um das Volck ruhig
und dem Kayser unterwürfig zu machen, es wird aber dabey gar nicht auf
Moralitaet gesehen. Sie haben vornehmlich 3 Gesetze.

/a) Gesetze vom Verhalten gegen die Obrigkeit.

/b) Gesetze vom Verhalten der Kinder gegen ihre Eltern. Die Kinder
müssen ihnen gehorchen, daß (sie) aber nicht um der Moralitaet, die Eltern
haben eine absolute-Gewalt über sie, sie können sie wegwerfen, ums
Leben bringen, oder sonst mit ihnen machen was sie wollen. In Pecking
werfen sie die Kinder auf die Straße, da denn die Hunde über sie her-
kommen, an andern Orten werfen sie sie ins wasser, doch mit einem Kür-
bis, damit sie nicht gleich versaufen. Den Eltern ist diese Macht von der
Obrigkeit gegeben worden, damit sie die Kinder in Zeiten zur despoti-
schen Herrschaft gewöhnen sollten, theils aber auch den Ehestand leicht zu
machen, weil der Kayser seine Staaten bevölckert wissen will. Das
Verbrechen gegen die Eltern wird für das gröste gehalten, daher denn
wenn ein Sohn Hand an seinen Vater legt, so geräth das gantze Land
darüber in Bewegung, alle Nachbarn kommen in inquisition. Er wird
condamnirt in Tausend-Stücken gehauen zu werden, die gantze Stra-
ße wird niedergerissen, und auf der Stelle wo er gewohnt eine Schand-
säule aufgerichtet.

/c) Gesetze der Complimenten und Höflichkeit gegen einander. Das ist
bey ihnen ein Glaubens-Article und der Cathechismus besteht auch aus

/ den

/|P_357

/den Complimenten. Der Gast weiß schon auswendig was er sagen und der Wirth
was er antworten soll. Wenn er herreingenöthigt ist, so schweigt der Wirth so
lang stille bis der Gast etwas redet, und geschieht es nicht, so fängt er endlich an.
Die größten Complimenten sind beym Weggehen, der Wirth begleitet den
Gast, wünscht ihm wohl nach Hause zu kommen, bis er sich auf sein Pferdt setzt,
schickt auch noch den Bedienten bis ans Ende der Straße mit diesem Wunsche
nach, es ist alles so abgemessen, wie auch schon pag: δLücke gezeigt.

/Was ihre Archive betrift, so ist die Geschichte vor %Christi Geburth richtig, aber die
Geschichte seit 2.000 Jahren hat ein Kayser mit allen Schriften verbrennen
lassen.

/ ≥ Von Ihrer Religion. ≤

/Was zuerst das Verhalten des Kaysers betrift, so wird das zwar sehr gerühmt,
Er selbst schreibt auch viel von Leutseeligkeit, aber wir wollen nur seine
Thaten ansehen. Er rottete a: 1748 %und 49 die Tartarn aus, und schickte
seine Truppen weiter bis auf die Bucharey. Nun muste ein jeder Officier
vor jede Kleinigkeit, er möchte daran Schuld haben oder nicht, den Kopf
lassen. Ferner er schickte sie nach Siphan einem Volck welches viele Saec:
unabhängig gelebt. Der Kayser suchte sie zu überwältigen, welches ihm
auch gelung, wo er denn das gantze Königliche Haus niederhauen ließ,
ausser ein einziges Mädchen, welches er zur Parade behielt. Die Religion
in China ist fast gar nichts. Tugend ist bey ihnen, dem Kayser gehorchen, al-
les geht auf dieses Leben, und Niemand hat sich die Religions-Pflichten vor-
gesetzt. Ihr probier-Stein der Tugend ist 1) Seinen Feind bey sich zu haben,

/ und

/|P_358

/und ihm nichts zu thun. 2) Wenn man etwas findet es wieder zu geben. 3 Bey
einer schönen Frau zugegen zu seyn und nichts gegen sie versuchen. Letzte-
res würde auch einem Europäer viel Ueberwindung kosten. - Wenn wir
die Religion der Chineser näher untersuchen, so scheint solche wie aller andern
Religionen in alten Zeiten reiner gewesen zu seyn. Die alten Celten ha-
ben reinere Begriffe von der Gottheit gehabt. In China ist eine wahre
Gottheit verehret worden, deren Willen man nicht anders kannte, als durch
den Winck, der uns ins Hertz geschrieben ist. Dieses ist auch jetzt die Religion
aller Gelehrten in China, der gantze Hof besteht aus diesen. Die zweyte
Religion ist sehr corrumpirt, es werden Götzen-Bilder verehrt, und ih-
nen zu Ehren Feste gehalten. Ihre Priester heißen Bonzen, sie sind gro-
ße Verfolger der übrigen, und haben großen Anhang vom Volcke. Die 3te
Religion, ist die Religion der Joe. Sie wird in China, Chaca, in Japan Bud-
da
, in Ceylon mit einem andern Nahmen belegt. Sie ist eine vermein-
te Gottheit die Wischen heißt und der Erhalter der Dinge bedeutet, da
er nach 19 Verwandelungen in einen Menschen verwandelt worden,
und noch die 20te auszustehen hat, nehmlich wenn er am jüngsten Tage
erscheinen wird. Diese Religion ist 900 Jahr vor Christi-Geburth entstan-
den. Wismuth bedeutet den Schöpfer, den Erhalter und den Zerstöhrer. Joe
bedeutet den lebenden der da ist und seyn wird. Baley-Lama nennt
sich der lebendige Joe, weil er behauptet, daß dieser in ihm lebe. Ihre
Landes-Religion ist sehr vermengt. Vieles ist darinn von den (R) Bonzen
vieles von dem Confucius zur Religion bestimmt. Die 5 Kings sind heilige

/ Bücher

/|P_359

/Bücher der Chineser. Kings bedeutet eigentlich ein Tuch. Es ist dabey merckwürdig
daß die Sammlung der Schriften, darinnen die Religions-Sätze enthalten sind,
in allen Sprachen mit dem Nahmen Buch benennet werden. In diesen 5 Kings
ist enthalten, 1 die Sitten-Lehre des Confucius. 2 Das Buch des Gekim, welches mit
lauter Strichen geschrieben, und welches sie selbst nicht verstehen. Goa soll dieses
Buch gemacht haben, wird auch für den Stifter ihrer Monarchie angesehen.
3) Alte Fabeln, Mährchen und Erzählungen der alten Bonzen. Leute von
Stande nehmen die Moral des Confucius, der zur Zeit des Socrates gelebet hat
an. Er ist der Gegenstand von gantz China. Sie machen auch eine jährliche
Procession mit ihm, weil in allen Städten von China, Mönche angetroffen
werden. Man hat daselbst die Christliche Religion ausbreiten wollen, und
es waren schon auf 1.000 Christen. Nachher aber entstand ein Streit zwischen
den Augustinern und Dominicanern, denn die Indianer haben kein Wort,
womit sie ihre Gottheit bezeichneten. Sie nannten selbige Fien, welches
den Himmel bedeutet, und so behaupteten die Dominicaner, daß ihnen die
Augustiner zu viel einräumten, da sie den Himmel anbetheten, daß man
Fien Jon den Herrn des Himmels sagen sollte, verordnete die Congrega-
tio de propaganda fide. Die Sache kam vor den Kayser, allein da die
Chineser von ihren Gewohnheiten nicht abzubringen sind, so konnte auch
diese Vorstellung nichts ausrichten. Die zweyte Gelegenheit der Spal-
tungen gab die jährliche Procession des Confucius. Die Chineser versicherten
zwar, daß sie den Confucius nicht anbeteten, sondern ihn für einen Men-
schen hielten, und sich dabey nur seiner Lehre erinnerten, sie waren aber

/ doch

/|P_360

/doch von dieser Handlung nicht abzubringen, und über diese Streitigkei-
ten starb der Kayser Cami. Sein Sohn Jongtsching, der den Thron bestieg war
kein Freund der Christen, er war vielmehr von den Bonzen eingenom-
men und befahl, daß alle Missionarii aus dem Lande gehen sollten nach die-
sem hat auch dort das Christenthum keinen fernern Zuwachs erhalten.

/Von den Ehen

/Man schließet mit den Eltern die Ehe, ohne daß beyde Theile einander sich zu
sehen bekommen; Die Mädchen bekommen keine Mitgabe; sondern wer-
den noch dazu verkauft. Wer viel Geld hat, kauft sich so viel Frauen wie er will.
Der Mann kann, wenn er den Kauf-Schilling verliehren will, die Frau
ehe er sie berühret zurück schicken, die Frau aber nicht
den Mann.

/Ihre oeconomische Einrichtung ist: Alle ihre Gebäude sehen wie Zelten aus,
uns so sind alle paterren. Hin und wieder sind Thüren, Baukunst sieht man
da gar nicht. Es ist also eine Nation, die gar nicht Talente zur Erfindung oder
Einsicht in Sachen des Geistes hat. Ihr Jahr fingen sie zwar durch alle Monathe
an, so daß der vorige Kayser Chami die Missionarien ersuchte den Calen-
der zu verbessern, da denn der Kayser 3 Monathe mußte ausfallen
lassen, welches die Chineser gar nicht begreifen konnten, indem sie sag-
ten er wäre zwar ein mächtiger Herr, aber daß er von der Zeit etwas
wegnehmen könnte, wusten sie nicht, indem sie sich die Monathe als würck-
liche Weesen vorstellten. In ihren Häusern sieht es sehr nett und zierlich aus.
Policey ist zwar bey ihnen, aber nur um Ruhe zu erhalten, daher man bey
ihnen keine Schlägereyen findet, so gar, daß die Bauren auf der Land-
Straße complimentiren, wenn sie aus dem Wege fahren sollen.

/ China

/|P_361

/China hat eigentlich keinen Nahmen der der dem Lande eigen wäre,als den,
den die Indianer gebrauchen. Sie nennen es nach dem Stamm welcher regie-
ret, so heist es auch das Land unter der Sonne. China hat ausserhalb seiner Grent-
zen noch Provintzen, und die Halbinsel Formosa, aber sonst nichts auf dem Ocean,
weil ihre Seemacht nicht hinreichend ist, sie zu besetzen. Doch halten sie sich in
manchen Inseln auf. Noch ist von ihnen zu mercken: Die Chinesische (Gesichts
Gesichts-Bildung, sie kommt der Calmuckischen sehr nahe. Eine etwas plat-
te Nase, wenige Haare, ihre Augen sind wenig aufgethan. Die Chineser sind
so schamhaft, daß sie so gar die Spitzen der Finger bedecken. Als ein Capitain
in die Hudsons-Bay kam, so boten sich die dortigen Weiber bey ihm an um
Vertraulichkeit mit ihm zu treiben, und er konnte aus ihrer Sprache ver-
stehen, daß sie gerne einen jungen Capitain haben wollten, weil sie glaub-
ten, daß ein Capitain wieder einen jungen Capitain zeugen müsse,
denn sie können sich keinen Begriff von den Chargen der Europäer
machen. Müller, der die Geschichte von Rußland beschrieben, erzählt von
den Schvetscheronen folgendes: Sie hätten sich in die Backen ein paar
Löcher gemacht, in diese stecken sie ein paar geschliffene Wallroß-Zähne,
die wie Hauer von Schweinen aussehen. Ferner wenn ein Fremder zu
ihnen kommt, so bietet ihm die Tochter oder Frau des Hauses von ihrem
Natürlichen Wasser an, um sich damit den Mund auszuspühlen, welches er
auch thun muß, wenn er sie zu Freunde haben will.

/Man bedient sich in China des Opii, um sich zu berauschen. Es bringt gemei-
niglich eine Wuth hervor, daß ein solcher wohl im Stande ist, wenn er es sich ein- 

/ mahl

/δLage_VV

/|P_362

/mahl in den Kopf gesetzt hat, einen zu ermorden. Auch der Parsch oder wilde Bä-
ren-Klau so bey uns gefunden, und oft ins Bier genommen wird hat diese
Eigenschaft, und damit wird auch nach China gehandelt, wo sie davon ra-
send werden, daß sie abscheuliche Grimacen und zwar alle gleich machen.
Noch verwirrender ist der Fliegen-Schwamm, welcher auch zum Benebeln
dient, und diejenige welche den Fliegen-Schwamm nicht haben, saufen den
Urin derer, die ihn gefressen haben, welcher denn eben so benebelt. - Un-
ter den Wilden putzt sich nur der Mann und das Weib gar nicht. Die reinlich-
sten Leute sind die Outaheiten, sie mahlen sich beständig, dagegen die Ein-
wohner von Neu-Holland sind so schmutzig, daß man nicht einmahl die Far-
be erkennen kann. Die Calmuckischen Weiber sind sehr arbeitsam, so daß
die Chineser Tartarn gerne Calmuckische Weiber nehmen, weil sie als-
denn für nichts sorgen dürfen, und von ihnen bedient werden. Das Weib
schlägt Datteln auf für den Mann und bedeckt ihn mit Fellen. Der Mann
thut nichts, als daß er seinen Bogen schnitzelt. Geht der Mann auf die Jagd,
so muß ihm sein Weib das Jagdzeug und erlegte Wild nachtragen, sie
muß ihm auch das Pferd satteln, füttern, vor die Thür bringen, die Stut-
ten milchen u: s: w: An China stößt südwärts,

/ ≥ Tunquin. ≤

/Die Einwohner der Länder bis zum Ganges heißen mit einem Nah-
men die Einsylbigen Völcker, weil sie nur eine Sylbe in ihrer Sprache
haben. Das Königreich Tunquin ist ein feuchtes-Land, indem es von
Flüssen uberschwemmet wird. Die Einwohner haben einen bessern Cha-
rackter, als die Chineser, sie haben mehr Sanftes und Ehrliches an sich. Es

/ hat

/|P_363

/hat dieses Land einen General und einen König. Der Feneral oder Feldherr
hat am mehresten zu sagen. Der König ist als eine Staats-Puppe nur anzu-
sehen, bekümmert sich gar nicht um die Regierung, sondern steckt beständig
in den Pallästen, und wird alle Jahr, um ihn zu sehen, herrumgeführt. In-
dessen hält das Volck den Stamm der Printzen für heilig, wie denn auch der
König von Königlicher Abkunft ist. Der General aber führt das Gouverne-
ment. Der Haupt-Handel betrift die Seidenzeuge, die Holländer heyra-
then dahero die Weiber, wegen des Handels auf gewisse Zeit, er macht
einen Contract mit ihr, und giebt seiner Frau etwas Geld um die Seiden-
Waaren mitzunehmen, und sie ist die Factorin. Wenn der Ehe-Contract
zu Ende ist, so setzen sie sich auseinander, berechnen sich wegen des Geldes, er
läßt seiner Frauen einen kleinen Vortheil, und denn sind sie nicht mehr
gebunden, und er holet die Fabrique von Seide ab. Das Land ist sehr Volckreich.
Die Einwohner sind gelb und wohl geschaffen, haben glatte Gesichter, glau-
ben, daß es ein Vorrecht sey, weiße Zähne zu haben, sie färben sich dahero im
12ten und 13ten Jahr dieselbe schwartz. Der Bethelarac herrscht bey ihnen
sehr, wie im übrigen Indien. Man hohlet auch von hier die Indianische
Vogel-Nester, welche von nichts anders als vom Schaum der Fische von der
See entstehen, ob die Schwalben dazu auch etwas thun, ist unbekannt. Sie
haben viel mit der Religion und Sätzen der Chineser gemein.

/ ≥ Cochin-China.

/Dies Land liegt an der Ost-Seite, jenseit des Ganges. Die Nationen sind rauhe
und Barbaren. Sie sind nüchtern und mäßig, faule Fische ist ihr bestes Gericht.

/ Sie

/|P_364

/Sie sind trotzig, untreu, diebisch, ungerecht, und sehr eigennützig. Sie plün-
dern die Schiffe, die sie daselbst aufhalten. Hier ist das schöne Calambac_Holtz,
das rechte ist von solcher Kostbarkeit, daß man selbst in Indien für das %Pfund 1.000
%Reichsthaler giebt, man kann aber auch mit einem Stückchen, wie eine Erbse groß
eine gantze Kirche ausräuchern. Ferner kommt aus diesem Lande
der beste Canel, oder Zimmet-Rinde und der so genannte trockne Reiß.
Die Cochinchineser haben eine besondere Methode die Leibwache zu
wählen. Es werden nehmlich Mahlzeiten von Reiß gegeben, welcher nun
am besten fressen kann, der wird gewählt. Faule Krebse dienen ih-
nen auch zu einer Sauce ihrer Gerichte.

/ ≥ Siam und andere ihnen zum Theil zinnsbahre Länder. ≤

/Dies Land liegt von beyden Seiten des Minam_Strohms, der durch das
Land fließt. Es ist nur wegen des Strohms bekannt, wie Egypten we-
gen des Niel-Strohmes. Die Häuser werden auf 6 Bambus-Pfeilen
13 Fuß über der Erde, wegen der Ueberschwemmung des Flußes erhöht
und ein jeder hat zu der Zeit ein B<o>th vor der Thür. Die Siamer sind furcht-
sam in Gefahren, sonst ohne Sorgen, nüchtern, hurtig etwas zu fassen, a-
ber träge etwas zur Vollkommenheit zu bringen, trotzig gegen De-
müthige, und demüthig gegen Trotzige, sonst Herrn über ihre Affecten.
Sie sind klein, doch wohl gebildet, Oliven-Gelb, mit breiten Gesichtern
und spitzer-Stirne und Kinn. Sie haben kleine dunckle Augen, kurt-
ze Nasen, große Ohren. Sie lassen die Nägel mit Fleiß sehr lang wachsen,
einige beschlagen sie mit Kupfer. Sie enthalten sich sehr der Schwatzhaft- 

/ tigkeit

/|P_365

/tigkeit. Sie sind auch sehr von Ceremonien. Sie essen auch faule Fische. Cockus-
Nuß-Öhl ist sehr eckelhaft für Europäer, wenn es eine Zeitlang gestanden
hat, sie aber essen davon allezeit mit sehr großem Appetit. Sie essen wie
überhaupt in den heißen Inndischen Ländern nicht viel Fleisch, was sie
aber am liebsten essen sind die Gedärme. In ihrem Handeln sind sie
sehr ehrlich. Sie kommen guth mit dem Geldschlagen zurecht, in der Mah-
lerey zeichnen sie wie die Chineser ungeheuere und blos unmögliche
Di«m»nge. Das Land von Siam ist mit einer hohen Schicht Leim bedeckt,
wegen der Ueberschwemmung der Flüsse, und man findet daselbst
schwerlich einen Feuerstein. Unter ihren Gewächsen mercke ich nur
das im Orient so berühmte Aloes-Holtz, welches auch sonst Paradis Calam-
ba, Aquilla-Holtz heißt. Es ist von sehr verschiedner Güte, daß ein %Pfund bis-
weilen 3 %Reichsthaler bisweilen mit 100 %Reichsthaler bezahlt wird, man braucht es zu
räuchern im Götzen-Tempel. Ihre Wissenschaften sind schlecht. Es
ist zu mercken hier, daß die Aertzte durch ein sanftes Reiben und Strei-
chen viele Kranckheiten heben. Sonst wenn unbekannte Kranck-
heiten vorfallen, so bilden sie dem Krancken ein, er habe eine gant-
ze Hirsch-Haut, oder einen klumpen Fleisch von 10 %Pfund im Magen, durch
Zauberey, welche sie durch Medicin abzuführen versprechen. Sie sind
sehr der Astrologie ergeben. Die Priester geben den Beschuldigten
Brech-Pillen ein, mit großen Verfluchungen, der sich davon erbricht ist
unschuldig. In dem Kriege sind sie sehr schlechte Helden. In dem Kriege
mit Pegu suchten sich beyde Armeen so lange auszuweichen als es mög- 

/ lich

/|P_366

/lich war. Wenn es nun nicht mehr angeht auszuweichen, so schießen sie sich
über den Kopf weg, und sagen, wenn einer ohngefehr getroffen wird,
er habe es sich selbst zu verdancken, weil er zu nahe gekommen. Die
jährliche Ueberschwemmung macht auch dem Kriege bald ein Ende.
Sie haben Nonnen und Mönchs-Klöster in noch größerer Anzahl als
in Portugal. Die Mönche lehren, daß alles in der Welt belebte und
unbelebte Wesen eine Seele haben, die aus einem Körper in den andern
übergehe. Sie geben so gar vor, sich dieser Wanderung selbst zu erinnern.
Man verbrennt mit dem Verstorbnen die besten Güther desselben, im-
gleichen oft die Weiber, damit jener sie in jenem Leben finde; der ih-
rer Meynung nach, nach dem Tode in den Himmel oder Hölle versetzet
werden. Sie verwerfen die Göttliche Vorsehung, lehren aber, daß durch
eine fatale Nothwendigkeit Laster bestraft und Tugenden belohnt
werden. Sie vergießen ungerne Bluth, fressen keine Säfte aus Pflant-
zen, tödten kein Vieh, sondern essen es nur, wenn es von selbst gestorben.
Man verehret bey ihnen nicht eigentlich ein Höchstes-Wesen; sondern den
Sommonac-Gadan einen ehedem gewesenen Heiligen. - Die Frant-
zosen dachten eine Macht in Siam aufzurichten, schickten deswegen einen
Gesandten ab, um mit dem Gouverneur einen Vertrag zu machen, der
Gouverneur aber wurde in einem Aufruhr ermordet. Man findet hier
auch schöne Arbeiten von Gold, Silber und Seide. Jetzt scheint es gantz zu
Grunde gerichtet zu seyn. Die Reise-Beschreibungen machen viel We- 

/ sens

/|P_367

/sens vom politischen Zustande, allein nach den neuesten (Zeiten) Nachrich-
ten soll ein benachbarter König von Pegu den Hof ausgerottet, den
König vertilget und die Uebrigen zu Soldaten gemacht haben. Das König-
reich Siam, worin die Haupt und Residence-Stadt Luiven ist, hat ein
Gefängniß, wo die Gefangnen am sichersten bewahrt werden, ohne Wächter
davor zu stellen. Es geht nehmlich ein Graben um dasselbe und dieser ist
mit Crocodillen und Heufischen angefüllt, welche sogleich die, so etwa
durch Schwimmen weglaufen wollen, sogleich auffressen.

/ ≥ Pegu. ≤

/Im vorigen Saeculo geschahe eine große Veränderung, da Pegu unter
Ava kam. Diese hat ein gewisser Pinto beschrieben, welches zu dem Ro-
man: Die Asiatische (Beweise) Louise, welche nicht gantz erdichtet ist, Anlaß
gegeben. Temindo ist der König von Pegu. Seit 100 Jahren hat man von
diesem Lande keine Beschreibung mehr. Die Europäer müßen entwe-
der nicht hinkommen, oder es muß da ein schlechter Zustand seyn, daß die
Europäer sich nicht viel darum bekümmern. In Pegu ist eine weichliche
Nation, sie thun sich nicht so wie die Chineser hervor. Ihre Könige haben
den Nahmen: Herrn vom weißen Elephanten, es kommt bisweilen als
eine Mißgeburth vom Elephanten ein Weißes hervor, da nun einen
solchen einer von ihren Königen mag gehabt haben, so bilden sie sich viel
darauf ein. Sie glauben, daß die Seelen der Menschen nach ihrem Tode
in die Thierischen Körper übergehen, und die Seelen der weisesten in die
Körper der Elephanten. Ein Sannaxiner ist ein solcher, der durch viele

/ irrdische

/|P_368

/irrdische Körper durchgegangen, und alles körperliche abgelegt, da er
denn auch wieder in den Körper geht, und dies heist die Lamaische Wieder-
geburth. Sie glauben sie haben ein Vergnügen an der Mannigfaltig-
keit der Religion, dahero man auch nirgends, als bey ihnen eine solche To-
lerantz gesehen, da sie von allen Religionen gleich viel halten. Die
Pegu<ani>sche Telepouins, (Mönche) werden als die gütigsten Menschen von
der Welt gerühmet. Sie haben daher diesen Nahmen. Sie gehen mit der
Trommel vor jedes Haus, schlagen an mit derselben, da es denn in jedes
Belieben steht was er geben will. Sie leben also blos von den Speisen
die sie betteln und geben, was sie nicht brauchen den Armen. Was sie be-
kommen tragen sie zusammen ins Closter, und da kann ein jeder kom-
men und sich nehmen. Sie thun allem was lebt gutes ohne Unterschied
der Religion. Sie gehen in die Häuser, schlichten Feindseeligkeiten, su-
chen Scandale abzuhelfen, und sind also beförderer der Ruhe. Die Pe-
guanischen Weiber machen sich gern mit Europäern gemein, und bil-
den sich etwas darauf ein, wenn sie von ihnen Schwanger werden.
Sie haben eine anstößige Tracht, nehmlich bey jedem Tritt thut sich der
Rock voneinander, und sie entblößen sich. Sie geben dabey vor, daß ei-
ne unnatürliche Neigung der Männer gegen einander gewesen wä-
re, und um dieses zu verhüten, hätte man eine solche T«h»racht erfun-
den«,».

/ ≥ Aracan. ≤

/Das Königreich ist nicht sehr groß, die Stadt aber sehr groß. Die Einwoh-
ner sind wegen der Ohrlappen zu mercken, welche sie gantz erstau- 

/ nend

/|P_369

/nend ausdehnen. Sie schneiden sich nehmlich den Ohrknorpel aus und hangen
allerley Muschel-Schaalen, Papier, oder Blech-Rollen darein, machen
es dadurch also immer größer, hangen Gewichte an die Ohrlappen, die sie
bis auf die Schultern ziehen. Sie legen ihren Kindern eine Bleyerne Plat-
te auf die Stirn, um sie ihnen breit zu drücken, sie halten auch für eine
Schönheit kleine Augen zu haben. Sie sind im höchsten Grade eigennützig,
sie bringen so wie andere Indianer, die Fische denn erst, wenn sie stin-
cken auf den Marckt. Die Eifersucht des Mannes gegen das Weib ist hier
sehr groß. Man wendet alle Mühe an, die jungfräuliche Keuschheit zu
erhalten; deswegen bedient man sich der Infibulation, man ziehet
nehmlich einen Ring durch die Weibliche Schaam, und feilet ihn ab, wenn
sie den Mann heyrathen soll, so wird sehr darauf gesehen, ob sie mit
einem Andern es vorhero zu thun gehabt. Wenn dieses erwiesen wer-
den kann, so wird ein Mädchen den Mann bewegen können, sie zu
heyrathen. Es ist auch noch eine Gewohnheit, daß keine Frauens-Persohn
kann einen Mann nehmen, die nicht aufzeigen kann, daß sie einem
andern gefallen hat. Man verbrennt hier, wie in den vorhin ange-
führten Ländern die Leichen. Man hohlt aus diesem Lande Edelsteine.
Die Büffel-Ochsen, die sonst im Wilden Zustande sehr grimmig sind,
werden hier zum Lasttragen und andern Arbeiten sehr wohl gezäh-
met. Eine Gattung Wasser_Vögel fressen dieselbe oft beym lebendigen
Leibe auf.

/ ≥ Ava. ≤

/Es ist auch eine Einsilbige Nation, und war erst abgesondertes, jetzt

/ aber

/δLage_WW

/|P_370

/aber ein herrschendes Reich, dem Pegu unterworfen. Die Indianer könnten große
Progressen machen, wenn sie nicht so zaghaft wären, und es geschehen niemahlen
große Eroberungen.

Assem.
/Nordwärts von Aracan und Pegu. ≤

/Ist in Ansehung dessen was das Erdreich hervorbringt, eines der besten Länder in
Asien. Man holet von hier Gummi_lac. Man findet auch Gold und Silber, die Ein-
wohner verfertigen eine schöne Gattung Schieß-Pulver, und man will behaup-
ten, daß es hier eher gewesen als in Europa. Es werden mit den Verstorbenen
allerley Hausgeräth auch wohl gar Thiere vergraben, damit es ihnen in je-
nem Leben dienen könne. Die Einwohner im Nördlichen Theil, sehen schön
aus, ausser daß sie mit Kröpfen behaftet sind. Hunds-Fleisch, ist das Haupt-Ge-
richt bey ihren Tracktementen, Saltz wird blos durch Kunst gemacht, aus ei-
nem gewissen Kraut, daß auf stillstehendem Wasser wächst, aus dessen Asche
sie es laugen. Die alten Deutschen sollen es vor diesem auf eben diese Art ge-
macht haben.

/Wir kommen jetzt auf ein Land, welches das wichtigste unter allen ist in
Absicht des Handels und Verhältnisses gegen Europa, und das ist,

/ ≥ Indostan. ≤

/Die Natur hat es sehr wohl von andern Ländern abgesondert. Es liegt zwi-
schen dem Ganges und Indos_Strohm, und heiß auch Mogulistan. Stan bedeu-
tet eine Provintz, also Indostan bedeutet so viel als die Provintz Indos. So
auch Tarsistan die Provintz Tarsis. Das gantze Land heißt eigentlich Hind,
und die Einwohner die Hindanen, einige heißen auch Temtongs, andere

/ Maratten.

/|P_371

/Maratten. Seine Größe beträgt im gantzen nicht mehr als China, aber wohl
mehr in Ansehung der Einwohner. Dies Land hat von je her über keine Nach-
baren geherscht, ist aber von denselben immer angefeindet worden, um von
ihrem Reichthum auch etwas zu genießen. Von ihnen kommt eigentlich die
Kunst mit Zahlen zu rechnen, denn von ihnen haben es die Araber. Indostan
ist unter der Herrschaft der Moguln, oder Mogeln. Die Moguln sind Tarta-
rischen Ursprungs, aus der großen Bucharey, und haben unter dem Tamer-
lan
sich dieses Landes bemächtigt, daher auch alle Könige Abkömmlinge vom
Tamerlan sind. Dieser Tamerlan war ein Tartar, und warf sich zum Gene-
ral der Moguln auf, weil der Nahme Mogul so im Ansehen war, daß schon ihr
Ruff vermögend war, andere in Schrecken zu setzen. Daher werden die Tar-
tarn selbst Moguls genennet. Der Hof so wohl als die Armee besteht aus Mo-
guln. Sie sind weiß und mannhafter als die Indianer. Der König der Mo-
guln heißt Groß-Mogul, ist jetzt nur ein Titular-Kayser von Indostan,
denn seine Herrschaft geht nur bis über die Länder zwischen Delli und Agna
und muß sich jetzt sehr vorsichtig erhalten. Er hat nur einige 1.000 %Reichsthaler Ein-
künfte, sie wollen ihn aber nicht fallen lassen. Unter den berühmten Sul-
tanen
, Aghas, und Orangzell gehörte gantz Indostan und die absolute Gewalt
Ihnen, nach dieser ihrem Tode aber hat sich einer nach dem andern von Ihnen
loßgemacht, und dies ist so weit gegangen , daß die Gouverneurs zuletzt sich em-
pört haben. Das gröste Unglück aber ist dem Mogulschen Reich, durch den
Einfall des Schach Nadir a: 1740 zugefügt worden. Im Mogulschen Reich
ist die Stadt Casmich zu mercken, sie liegt am Gebürge Imatz oder Mustain

/ welches

/|P_372

/welches das höchste Gebürge in Asien ist. Die Einwohner sind weiß, furchtbar und
große Kaufleute. Im Orient sind die grösten Kaufleute die Bucharn, diese
durchziehen die gantze Tartarey. Die Armenianer handeln nach China %und
Persien. Auch ist merckwürdig die Stadt Latos wo Alexander dem Dacius ein
Treffen geliefert. Es müssen hier alle Armeen, die nach Indien wollen vor-
bey marchiren, weil die Pässe hier durchgehen. Agra war die große Haupt-
stadt und Residentz des Großen Moguls, in diesem Saeculo ist sie zu Delli.
Diese Stadt aber ist seit 1740 gantz verwüstet und seine Residentz ist jetzt
zu Allahabet, Gottes-Stadt. Die andern Provintzen sind auch vortreflich;
es sind aber viele Völcker, die da verhindern an allen Orten durchzukom-
men. Der Südliche Theil vom Ganges-Strohm ist der Schönste, dieser Strohm
dienet daselbst zum Gegenstande der Abgötterey. Sie sagen er reiniget
den Menschen von Sünden, wenn er sich vorher, seine Sünden anzuzeigen,
mit Kuhmist verunreiniget hat. Im Südlichen Theil ist Bengalen, Baha-
ra und Anyx, auf der Halbinsel dießseits des Ganges ist die Westliche-Küste
Coromandel, die Oestliche Malabar. Bey Subadana oder Zube ist der, der
das Regiment führt, der Mogul, er ist da wie ein Röhmischer Kayser an-
zusehen. Der Subadan von Delli ist als der Reichs-Cantzler anzusehen.
Ein Nabab bedeutet einen Unterkönig Mahomedanischer Religion. Raia be-
deutet einen Indianischen König. Der Subadas von Decan ist vieleicht der
mächtigste von gantz Indien, sie schreiben sich aber alle Sclaven des Großen
Moguls, ob sie gleich viel mächtiger sind, und thun dies nur deswegen, damit die
Einigkeit im Lande erhalten werde. Coromandel besitzen die Engelländer
und Frantzosen. Eine Nation der Macaratten oder Maratten macht vor

/ einigen

/|P_373

/einigen Jahren viel Aufsehen, die Fürsten sind Abkömmlinge von Golconda
und Lecan, sie wurden, als die Moguln das Land uberschwemmten, verjagt,
sahen sich dahero genöthiget, sich auf die andere Seite zu retiriren, und dies
Gebürge zu fliehen; daher sind sie mit Recht Praetendenten, und beständig
wieder die Moguln gewesen. Diese Maratten haben a: 1760 den Mogul
genöthiget ihnen Tribut zu geben. Was den politischen Staat der Indos-
taner betrift, so ist in Indostan eine unerschöpfliche Menge von Reichthü-
mern, so wohl wegen der Arbeitsamkeit der Indostaner, als auch wegen
des Schatzes, den die Natur in dieses Land gelegt hat. Die Einwohner aber
stehen unter despotischer Regierung, daher werden alle Reichthümer der
Einwohner von denen Gouverneurs erpresset, der Mogul erpreßt wieder
von diesen, und vom Mogul erpressen es die Holländer und Engelländer.
Es ist daher zu glauben daß aller Reichthum Indiens nach Europa kommen
werde. Die Hindunen sind von sehr alter Abkunft, und ihre Race ist
rein, weil sie sich mit keinem als von ihrer Religion verehligen. Es ist keine
weiße Race, sondern Olivengelb, wodurch sie von(ein)andern, als den Mohren,
Arabern, die in Zimmern auferzogen und weiß sind, differiren. Die Nation
hat kalte Hände bey der größten Hitze. Des Menschen natürliche Wärme
ist 98 Grad nach dem Fahrenheitschen Thermometer, bey ihnen hat man den
Grad noch nicht versucht. Sie sind sanfte Leute. Ein Autor sagt noch es wäre
in ihren Fingern eine solche Biegsamkeit, daß Sachen mit groben und we-
nigen Instrumenten so fein gemacht werden, daß sie bey uns es nachzuma-
chen nicht im Stande sind. Diese Nation ist die einzige in der Welt, die sich nicht

/ vermischt

/|P_374

/vermischt, sie nimmt keine Proselyten an, und welche Christen werden können
nicht zurück-kehren. Die Moguln sind durch den Tamerlan nach Indostan ge-
kommen. In Bengalen ist der Sitz der Wissenschaften: in Benemas ist ei-
ne Academie, worauf eine große Bibliotheck die alten Geschichten zu enthal-
ten scheint. Man ist jetzt darauf bedacht gantz die alte Geschichte aus diesen
Büchern hervorzusuchen, wo man weit sichere Nachrichten, als man jetzt hat,
entdecken wird. Der Hauptsitz ihrer Religion ist Jagnenack, und liegt am
Ganges_Strohm. Cambratta ist die Haupt-Vestung. In Golconda und Visa-
peus sind die besten Diamanten. Der Groß_Mogul ist im vorigen Saeculo
der gröste Beherrscher gewesen, er hatte alle Gouverneurs unter sich, nun
aber haben sie sich alle empöret, und sein Bezirck ist jetzt sehr klein, der
Schach Nadir hat ihm zuletzt a: 1740 den letzten Rest gegeben. Er hat den
gantzen Schatz des großen Moguls geplündert, der Thron auf welchem ein
Pfau von lauter Diamanten war weggenommen, und sich 100 Cron be-
zahlen lassen; Ein Cron macht 100 Louis, ein Louis 25.000 @%Ducaten@, also hat er 250
Millionen @%Ducaten@ erhalten. Der Mogul wird alle Jahr nach Diamanten gewo-
gen, und es ist eine große Freude wenn er schwerer befunden wird, als
er das vorige Jahr war.

/ ≥ Charackter der Einwohner in Indien. ≤

/Die Einwohner in Indien sind entweder Hayden, dazu die Braman ge-
horen oder Mohren unter welchen man die Moguls, Tartarn, Perser und
Araber zählet oder endlich Juden und Christen. Die Bramanen sind sehr
friedliche, höfliche, und verständige Leute, so kommen keinem Men-
schen zu nahe, jedermann handelt mit ihnen gern, daher sie auch den größ- 

/ ten

/|P_375

/ten Reichthum an sich ziehen. Sie sind sehr emßig auf einen kleinen Vortheil, sonst sehr
gleichgültig, einen jeden Vortrag in einer jeden Religion anzuhören. Ihr Mitlei-
den erstreckt sich auf alles, das wohl lebet, und weil sie vor dem Todten einen so
großen Abscheu haben, so sind sie auch nicht kriegerisch und sind jederzeit von
andern beherrscht worden. Sie sind sonst wohl gestaltet. Einige gemeine Leute
zeichnen sich die Stirn mit langen gelben Streifen von zerriebnem Sandel-Holtz
und auch Kuh-Mist. Die Meisten Färben sich die Zähne schwartz.

/ ≥ Naturalien. ≤

/Der Banian_Baum, ist kein anderer, als der oben schon angeführte Margel¥
Baum, dessen sich zur Erde biegende Aeste wieder Wurtzel fassen, und sich so
ausbreiten, daß wohl ein Regiment Soldaten darunter Platz hat. Unter die-
sen werden ihre Gotzenbilder gestellet. Pfeffer der auf der Malabarischen
Küste, nebst Ingber und Cardomom anzutreffen. Der Cockus und Baumwol-
len_Baum. Man braucht auch daselbst die Ochsen als Cameele zum Lasttra-
gen. Die Indianischen Elephanten, sind wegen ihrer Gelehrigkeit und unge-
meinen Größe berühmt. Die Indostanischen Schweine sind dickleibig, aber
ihr Fleisch wird von den Europäern für sehr köstlich gehalten. Die Tieger, Leo-
parden, Wölfe, Affen pp sind sehr häufig in den Wildnissen anzutreffen. An-
deres Ungeziefer, Schlangen, Scorpionen, Spinnen, Tausendbeine, wachsen
hier zu ungemeiner Größe. Die Raub-Vögel sind hier dreuster, als anderwärts,
denn die Bramanen füttern sie. Unter den Bergwercken in Indien,
kommen blos die Diamanten_Gruben in Betrachtung. Gold, Silber, Kupfer,
Eisen, Bley, werden entweder grob, oder doch sehr weni«¿»g a«m»us der Erde gegraben.

/ Wissen.

/|P_376

/ ≥ Wissenschaften. ≤

/Man schreibt auf Palmbaum_Blätter, mit einem eisernen Griffel, sie haben
auch dünnes Papier, worauf sie mit einem Rohr schreiben, das so dicke ist, als ein
Gänse-Kiel. Das Couvert von ihren Briefen ist ein hohles Bambus-Rohr, oben
und unten versiegelt. Die Astronomie ist schlecht, sie glauben daß der Mond ü-
ber der Sonne stehe.

/ ≥ Einkünfte des Moguls. ≤

/Hier werden alle Landes-Einkünfte unwiederbringlich vergraben. Die
Nababs saugen das Marck des Landes, und werden wieder vom Mogul als
Schwämme ausgedrückt. Die Könige auf den Halbinseln erfahren von Zeit
zu Zeit die Habsucht dieses Moguls z. E. Alles Gold was in Westindien gegra-
ben wird, und was die Europäischen Bergwercke hervorbringen, muß
sich zuletzt in dem Schatz des Moguls zusammenfinden, von da es wieder
herrauskommt.

/ ≥ Religion. ≤

/Die Moguls, Perser, Araber, sind Mahomedaner. Die ursprünglichen Einwoh-
nert haben unterschiedliche Listen oder Seckten. Die Baneger, welche alles essen,
und die geringschätzigste Arbeit thun, werden von allen für unrein gehal-
ten, aber sie sind doch unentbehrlich. Die Bramanen sind von ihrer einge-
bildeten Heiligkeit unterschieden. Einige waschen sich niemahls, damit sie
nicht etwa ein Thier tödten möchten, tragen ein Nesseltuch auf dem Mun-
de, um nicht ein lebendig Thier einzuziehen, essen gar kein Fleisch, einige
heyrathen gar nicht. Sie haben allein das Priesterthum an sich, sie statuiren
nur einen unendlichen Gott und doch 3 Untergötter. Ihre Bilder sind sehr
mannigfaltig, und zum Theil monstreux anzusehen. Daher sagen die Eu- 

/ ropäer

/|P_377

/ropäer sie beten den Teufel an, sie reinigen sich mit allerley Materien, so gar mit
Kuhmist, als dem vortreflichen Reinigungs Mittel. Die Kasiabots sind den Brama-
nen am ähnlichsten. Sie haben gegen alle lebendige Thiere eine besondere
Liebe, am meisten aber gegen das Rind-Vieh, worinnen die Seelichsten Seelen
sollen anzutreffen seyn. Mancher ernährt Ratzen und Schlangen, weil er sich
einbildet die Seelen seiner Anverwandten wären in ihnen. Die rechte Hand
halten sie sehr heilig, und hüten sich nichts Verächtliches damit zu thun. Die Bania-
ner bauen Hospitäler z. E. bey Suratte vor Ziegen, Pferde, Kühe, Hunde pp.
welche lahm oder alt werden. Nahe dabey ist ein Hospital für Flöhe und Want-
zen. Sie düngen einen armen Mann, daß er sich eine Nacht muß von ihnen
fressen lassen. Sie geben alle Jahr ein besser Gastmahl vor die Fliegen. Ihre
Sorgfallt erstreckt sich bis auf die Bäume. Es giebt auch eine Gattung Mönche
die Taquins heißen
und sich andächtigen Uebungen widmen. Dieses sind sanft-
müthige Leute, haben aber zum Theil Gebräuche die schreckhaft sind, z. E. eini-
ge haben ein Gelübde gethan stets auf den Knien zu liegen, mit aufgehobnen
Händen, andere legen sich in Kästen, aus denen sie niemahls mehr hervor-
kommen. Noch andere thun ein Gelübde niemahls liegend zu schlafen, und
hängen sich zu dem Ende in eine Schleife, die sie an einem Baum befestigen.
Diese müssen denn für andere bethen, und von einem solchen Gelübde kön-
nen sie niemahls mehr frey werden, sondern sie müssen Zeitlebens in der
Stellung, die sie sich einmahl erwählt haben bleiben, und werden auch, wenn
sie etwa matt werden von andern in dieser Stellung erhalten. Die Wei-
ber lassen sich mit ihren Männern, wenn diese gestorben, getrost im Feuer

/ verbrennen

/δLage_XX

/|P_378

/verbrennen. Es geschieht dieses zwar nicht häufig, doch bisweilen. Es giebt auch ei-
ne besondere Nation die Parses heißen. Sie sind Nachkömmlinge der Alten
Perser. Sie unterhalten ein beständiges Feuer und bethen es an, sie löschen
es aber nicht durch Wasser, sondern durch Erde aus. Es ist bey ihnen keine größe-
re Sünde, als wenn mit dem Feuer etwas unreines vermischt wird. Sie
sind übrigens gute und die fleißigsten Leute von der Welt. Sie sind von den
Indianern zu unterscheiden, wenn etwa ein paar Kinder spielen, denn die
Parses sind weiß, sonst aber häßlich. Die Art wie sie mit ihren Todten verfahren
ist sonderbar. Sie begraben sie nicht, sie verbrennen sie auch nicht, sondern
geben sie den Vögeln unter dem Himmel preiß, von diesen lassen sie sie wegzeh-
ren. Sie haben nehmlich bey Lurathe auf dem Felde einen Platz, der mit einer ho-
hen Mauer umzogen ist, der innwendige Platz ist so gemacht, daß die Feuchtigkeit
auswärts ablaufen kann, hier werden nun alle Leichname hingebracht.

/Das Land Indien hat große Reichthümer, doch ist dieser Reichthum nur in den
Händen weniger. Der Bauer hinterläßt nur einige Schnupftücher und Töpfe.
Die Banianer haben schon größere Reichthümer und es finden sich alle Reich-
thümer zusammen in Indien. Die Nabots erpressen das Geld von den Gou-
verneurs, die Gouverneurs von den Unterthanen, der große Mogul von den
Nabots und von jenem die Europäischen Mächte. In Ostindien succedirt die
Weibl: Linie und die Söhne der Frau haben einen Vorzug vor den Söhnen
des Mannes. Alle Hindunen, wenn sie den Urin lassen, so setzen sie sich nie-
der, welches eine diesem Volck eigene Gewohnheit ist. Sie sind von großer Feig-
heit und haben große Angriffe von fremden Nationen auszustehen, denn die

/ Natur

/|P_379

/Natur hat das Land ausserordentlich gesegnet, und so weit die Geschichte reicht, ist dies
Land für das reichste gehalten worden. Die Reisen zu alten Zeiten sind nicht zur
See angestellet worden. Zu Alexanders Zeiten fing man erst an vom Arabi-
schen Meer nach Indien zu Wasser zu kommen. Der erste Haupt_Handel war
in Indien zu Lande. Die Alten suchten, wo die Flüße nicht hinreichten den
Quell und trugen das Schiff über Land, bis an den nächsten Strohm, dies konn-
te auch leicht geschehen, denn die Schiffe waren so gemacht, daß man sie sehr
leicht tragen konnte, die Waaren aber wurden mit Pferden weiter ge-
bracht. Aus dem Inndischen Meer kommt man in den Jethni, aus diesem
ins Caspische Meer, von diesem in den Kier, und endlich ins schwartze Meer
zur Handels-Stadt Colchis. Es war auch eine andere Stadt, wo starcker Han-
del getrieben wurde und vorgegeben wird, daß darinnen 150 Dolmetscher
gewesen sind um mit 200 Nationen sprechen zu können, welches zwar über-
trieben ist, unterdessen doch auf eine große Menge schließen läßt, denn die
Indianer sind in diese Städte hingekommen, und dahin alle Nationen von
Norden und Westen. Einen solchen großen Verkehr hat Indien.

/ ≥ Das Reich des Lama, insonderheit Tibet. ≤

/Es ist mit dem Vorigen benachbart, doch durch große Gebürge abgesondert.
Es steht mit ihm in Ansehung der Religion im Zusammenhange, hat aber
in Ansehung des Handels wenig Connexion, es fängt aber jetzt an bekant
zu werden. Ehe man aus dem Gebürge kommt, muß man einen Berg
herrauf gehen, wenn man den herrüber ist, so sind es nur kleine Hügel, und
man kommt nicht weiter herrab. Die Bergbewohner sind von gantz an- 

/ derm

/|P_380

/derm Schlage, sie sind roh, wild, wacker. Von diesem Tibet haben wir, seit dem 13ten
Saec: keine Nachricht, das Oberhaupt davon ist der Große Lama. Kein Gebeth
ist von großer Wichtigkeit, einen vergötterten Mann nennen sie Burchan,
der erscheint aber nicht mehr auf der Welt, der Große Lama ist aber ein be-
ständig lebender Burchan. Sie haben 2 Könige, 1 den Dalinlama oder
den Regierer, 2 den Jeischalama oder den Priester. Sie haben auch einen
Rosenkrantz. Gebethe schicken sie zum Himmel, theils wie gewöhnlich mit
dem Munde, theils wenn sie sie auf Papier schreiben und der Wi«m»nd dieselbe
wehet, theils auch durch eine Rolle, die sie herrumschwingen. Sie haben auch
eine Seeligmachende Pille, die man dem Lama giebt, wenn er schon we-
nig schlucken kann. Das Land ist erstaunend unfruchtbar, liegt hoch, ist gantz
trocken, indes haben die Schaafe genung, im Grunde aber ist darinnen zuwe-
nig Nahrungsmittel. In dem Königreich Kalikuth, soll ein Weib bis 12
Männer zugleich heyrathen können,
die alle abgesondert von sich woh-
nen, und zum Zeichen daß sie verheyrathet, haben sie einen Stab vor
der Thür stehen. Man verkauft hier wie sonst in Indien die Weiber, %und
hält sie sehr sclavisch.
Wir gehen nun zu den Inseln und betrachten zuerst,

/ ≥ Japan. ≤

/Japan ist ein Nahme, der dem Lande unbekannt ist, und den die Euro-
päer gemacht haben. Es scheint auch in Verbindung mit den vorigen Län-
dern zu stehen, oder wohl gar von ihnen bevölckert worden zu seyn. Sie
ist nebst Madagascar und Borneo unter die grösten Inseln zurech-
nen, zu welcher noch viele größere und kleinere Inseln, die durch en- 

/ ge

/|P_381

/ge hohe Wasser von einander gesondert werden, gehören. Das Land ist erstaun-
nend volckreich. Von Magadock bis Indo einer Länge von 200 Deutsche
Meilen, reiset man durch 33 große Städte mit großen Castellen, und durch
15 Städte ohne Mauren, und so viel Dörfer, daß immer eins ans andere stößt,
und man kann viele Meilen weit als durch eine einzige Straße reisen.
Das Land ist sehr gebürgigt, hin und wieder sind Feuerspeyende Berge, die
entweder ausgetobt haben, oder noch toben, heiße Brunnen, Erdbeben. Im
nördlichen Theil von Japan ist es ziemlich kalt.
Japan ist im gantzen be-
trachtet so groß als Groß-Brittanien. Der politische Zustand ist folgender.
Es sind 2 würckliche Könige, ein geistlicher, der heist Dairi, und ein Welt-
licher der sich Cabo nennt. Es sind dahero auch 2 Residentzen in Japan, eine
für den Weltlichen, und das ist die See Stadt Jeddo, und die andere für
den Geistlichen, das ist Niapo. Dairi ist der älteste Fürst, dessen Linie und
Familie am längsten gedauret: in ununterbrochner Erbfolge ist er schon
seit 2.000 Jahren ein Abkömmling von China. Er hat auch so lange seine
Auctoritaet behauptet, bis vor 300 Jahren, da ein General das Ansehen
des Oberpriesters untergrub, und das Land zu Lehe genommen. Die-
ser Lehe ist aber nur pro forma geschehen, denn anstatt Gesetze vorzuschrei-
ben, muß sich vielmehr der Oberpriester den Befehlen des Generals unterwerfen

/ ≥ Charackter der Nation. ≤

/Die Japaneser haben mehrentheils einen großen Kopf, platte Nase,
ob zwar nicht so sehr als die Chineser, sind klein von Statur, und unter-
sätzig, haben eine braune Gesichts-Farbe, und Schwartze Haare. Sie

/ sind

/|P_382

/sind vorsichtig, redlich, fleißig, entschlossen, voller Muth, behertzt, hart in Un-
gemächlichkeiten. Sonst sind sie argwöhnisch, Jagdzornig, wie die Tartarn,
ungemein hartnäckig und scheuen nicht den Todt,
immaaßen sie nun ihre
Ergebenheit gegen ihre Herren zu zeigen, sich den Bauch aufschneiden, wo-
rin einer dem andern zuvor zu kommen sucht. In ihrem Bauen thei-
len sie ihr Haus nicht in beständige Zimmer ein; sondern können durch ih-
re Schirme so viel Zimmer machen als sie wollen. Alles Holtzwerck in ih-
ren Häusern ist lackiert. Sie wissen so wie die Chineser von keinen
Glas-Fenstern; sondern in Oehl getuncktes Papier, und geschliffene Aus-
ter_Schaalen werden dazu gebraucht.
Sie essen mehrentheils Speisen
aus dem Gewächs-Reich, Fleisch gar nicht. Sie wissen selbst die giftigsten
Kräuter zum Essen zuzurichten, Butter und Käse kennen sie nicht.
Ihre Complimente haben viel Aehnliches mit den Chinesischen, sie sind
aber nicht so beschwerlich. Sie sind dem Selbst-Morde sehr ergeben. Zum
Beschluße eines Festes fordert ein vornehmer %Herr z. E. bisweilen seine
Diener auf, und frägt sie, welcher von ihnen Lust habe durch Aufreis-
sung seines Bauches ihn zu beehren, worauf sich die Bedienten noch
um die Ehre zancken. Sie verbrennen ihre Todten. Ihre Strafen be-
stehen im Verbrennen, zerreißen durch Pferde, Sieden in Oehl, kreut-
zigen mit umgekehrtem Kopf pp. Die Hurerey ist in Japan keine
Sünde, ausgenommen wenn sie von einer vereheligten Frau aus-
geübt wird. Ein jedes Menschen Verbrechen wird durchgehends durch den
Todt der gantzen Familie bestraft, die Weiblichen ausgenommen.

/ Wenn

/|P_383

/Wenn zwischen Nachbarn in einer Straße Zanck und Streit entstehet, so läuft alles
hin, um ihn beyzulegen. Geschieht es denn, daß einer erschlagen wird, so muß, es
mag der andere ihn durch Nothwehr getödtet haben oder nicht, der Thäter erstlich
sterben 3 Nachbarn werden wohl 4 Monathe in ihren Häusern versperret,
die andern in derselben Straße, müßen einige Wochen Frohn-Dienste thun.
Ihre Torturen sind abscheulich, den Leib mit einem Trichter voll Wasser gießen
und denn auf den Bauch treten, oder in gelbe Leinewand den Deliquenten
steif einwickeln, diese mit Wasser begießen, und ihn denn an die Sonne auf
Steine rollen, sind gemeine Aussargungs-Mittel.

/ ≥ Religion. ≤

/Was die Religion anbetrift, so ist sie 3fach.

/1) Die Religion der Cami oder Sindo. Dies ist die alte Religion, die Cami bedeu-
ten die abgeschiednen Seelen. Sie glauben eine Art der Vergötterung, wie
die Römer, obgleich dieser Grundsatz in der Theorie gantz falsch ist, so dient er
doch dazu, die Ambition der Menschen zu erregen, sie erweckt sehr die Ver-
dienste, daher findet man auch sehr viele Verdienstvolle Männer; weil man
nicht durch Geld, sondern durch Verdienste in die Zahl der Gotter aufgenom-
men wird.

/2) Die Religion des Buddo. Es ist einer, der vor 500 Jahren vor Christi-Ge-
burth aus Ostindien nach Japan und der Tartarey gekommen, und von da
im gantzen Orient herrumgekommen. Vieleicht war es ein Mann der ein
unsträfliches Leben vor andern führte. Jokecia ist das Buch ihrer Lehrer, die-
ses enthält gute Regeln, der allgemeinen Religion, moralische Regeln und
Fabeln. Ein Missionair sahe einen ihrer Priester im ordentlichen Anzuge

/ mit

/|P_384

/mit einem großen Buch auf einem erhabnen Orte, hörte seinem Vortrage
zu, welcher so moralisch war, daß er für jedermann nützlich seyn könnte.
Die Versammlung ware auch nach dessen Bericht auf 6.000 Persohnen starck
gewesen. In der Religion des Buddo ist ein Knoten, welcher der Stifter
dieser Secte seinen Schühlern bey seinem Tode eröfnete. Dieser hat hierinn
bestanden: alles ist aus nichts entstanden, und wird wiederum in nichts zu-
rückkehren, und da ist die Seelen-Ruhe, wenn sie sich dem Nichts nähern. Das
Nichts bedeutet hier das Immaterielle.

/3) Die Siota und dies ist die Philosophische Religion, oder der Deismus. Der
Deismus besteht eigentlich im Natur-Gesetz daran sie sich blos halten. Jetzt
ist sie unter dem Druck, so viel man aus den Nachrichten von 100 Jahren weiß,
In China aber erhebt sie ihr Haupt, und ist auch in Engelland bey den %Geistlichen
häufig anzutreffen. Die Religion Siota war im vorigen Saeculo, beson-
ders in der Mitte desselben so allgemein, daß sie beynahe in gantz China
wäre ausgebreitet worden, indem der Deismus etwas Reitzendes hat, ma-
ßen er von der Sclaverey befreyet, allein die Tempel fingen bey dieser
Siota an leer zu werden, die Priester verlohren ihre Besoldung, der Dairi
besorgte einen Aufstand; daher muste die vorige Verfassung wieder ein-
geführt werden.

/ Wissenschaft und Künste. ≤

/Sie rechnen so wie die Chineser mit einem mit Stricken bezognen Bredte,
worauf sie etliche Knöpfchen hin und her schieben. In der Medicin haben
sie 2 Arten zu curiren, nehmlich das Mutza brennen und Nadelstechen. Das
Mutza
wird aus Beyfuß gezogen, es ist so weich wie Baumwolle. Diese

/ werden

/|P_385

/werden so wie Räucher-Kertzchen gemacht, in einigen Reihen auf die Hautt gesetzt
und denn mit wohlriechendem Holtz angesteckt, dieses muß bis auf die Haut abglim-
men. Es ist nicht sehr Schmertzlich, selbst Kinder leiden es, ohne zu weinen. In dem
Augenblicke daß das Feuer die Haut berührt, ist in dem Patienten eine Empfin-
dung, wie durch die Electricitaet. An beyn seiten des Rückgrads, sind die vornehm-
sten Stellen die Verdauung zu befördern, daher brennen sie dieselben. Wieder
die Zahn-Schmertzen, brennen sie die Menschen an die Hand auf der Seite des
reißenden Zahnes. Es werden öffentliche Statuen verkauft, dadurch Theile
des Körpers bezeichnet sind, die bey gewissen Zufällen müssen gebrandt wer-
den. Das Nadelstechen geschieht mit Nadeln aus Gold und Silber, sie werden
Daumendick ins Fleisch gedreht.

/Die Japaneser sind große Meister in Gold, Silber, Kupfer, Eisen und Stahl Ar-
beiten. Sie härten den Stahl, ja selbst das Gold und Silber auf eine bewun-
derungswürdige Weise. Ihr Ackerbau ist wegen erstaunlicher Menge der
Menschen, wie bey den Chinesern sehr sorgfältig. Sie machen Abtritte vor
Reisende um die Düngung zu gewinnen. Wer ein Stück Land ein Jahr unbe-
baut läßt, verliehrt sein Recht darauf.
Den Thee trincken sie zu Pulver ge-
rieben, und es ist zu glauben, daß ihr Thee viel feiner ist. Was ihr commer-
cium mit Europa betrift, so müssen wir sagen, daß alle fremde Nationen
von Japan ausgeschlossen sind, blos die Holländer können noch dahin kommen,
aber doch nur 2 Schiffe. Sie werden denn in den Haafen einer kleinen In-
sel Longi Sacoi verschlossen, die rund um mit einer Mauer umgeben ist,
ihr Steuerruder wird ihnen sogleich weggenommem, hierauf muß eine con

/ signation

/δLage_YY

/|P_386

/signation von alle dem so auf dem Schiffe ist, eingeliefert werden, und als-
denn schreiben sie alles auf, wenn sie auch Katzen und Hunde haben. Be-
sonders muß angezeigt werden was gestorben ist. Der Handel ist klein,
was man von den Japonesern bekommt ist Thee, Lackirte Sachen, porellain,
Seidenzeug und Goldarbeiten.

/ Naturalien. ≤

/Gold und Silber wird obwohl nicht in großer Menge in Japan gegraben;
Kupfer ist am häufigsten, und wird in Stangen wie Lack gegossen, Ambra
wird von der See klebricht und weich ausgeworfen; ist aber in dem Ma-
gen der Wallfische hart. Der Firnis_Baum giebt einen Lack, womit die
Japaner alle Sachen lackieren, worüber sie hernach einen Firniß von
Oehl und Terpentin streichen, und mit allerley Farben vermischen. India-
nische Vögel-Nester finden sich hier, auch der Fisch der Blaser genannt, ist
ein starckes Gift. Ein Japaner aß aus Verdruß über die Spanischen Pocken,
die ihn verzehrten, dessen Fleisch, brach aber mit dessen Gift, alle Kranck-
heiten aus und wurde gesund.

/ ≥ Die Philippinischen Inseln. ≤

/Diese gehören mit unter diejenige, so südwärts von Japan liegen, sie ha-
ben den Nahmen, weil sie vom Philippo_II entdeckt wurden; Sie gehören
den Spaniern, Manilla ist die Hauptstadt, hier war die herrschaft der Je-
suiten, der Gouverneur war so gar selbst ein Jesuit. Miedanao ist grösten-
theils Muhamedanisch, und steht unter der Bothmäßigkeit eines Sultans.
Die Abwechselung der Land und See_Winde, imgleichen der Oestlichen und
Westlichen Moussons, die Orcane, und Ungewitter in den Zweifel-Mona-
then ist hier sehr richtig. Die Einwohner scheinen ihrer Gesichts-Bildung nach

/ Ab- 

/|P_387

/Abkömmlinge der Chineser zu seyn, sie ahmen ihnen auch in der Höflichen und
Rachgierigen Gemüthsart und in der Neigung zu Betrügen nach. Die Einwoh-
ner in dem innersten Gebürgigten Theil sind schwartz aber nicht von der Africa-
nischen Art. Die Schwartzen in der Halbinsel, diesseits des Ganges, sind fast so
schwartz wie die Caffern, haben aber eine regulaire Gesichtsbildung und glat-
te Haare. Es wachsen hier die meisten Ost und Westindischen Bäume. Der
Baum Comondax ist so giftig, daß in seinem Schatten zu schlafen tödlich ist, und
die Blätter, die von ihm ins Wasser fallen, tödten die Fische.

/ ≥ Die Latronischen Inseln. ≤

/Sie gehören den Spaniern, und dienen dazu die Schiffe die nach China ge-
hen sollen, mit Proviant zu versorgen. Vor Zeiten sind sie mehr bevölckert
gewesen als jetzt. Sie haben keine andern Waffen als Knochen, und da es
keine große Thiere auf dieser Insel giebt, so brauchen sie hiezu die Men-
schen_Knochen. Es wächst auf ihnen und den Philippinen die Brodt-Frucht,
wenn sie getrocknet ist, schmeckt sie wie Semmel. Die Insel Guam ist die
vornehmste.

/ ≥ Die Moluccischen Inseln. ≤

/Sie werden in 3 Gouvernements eingetheilt, nehmlich, das Gouvernement
von Ternante, welches das mächtigste ist, das Gouvernement von Ambayana
und das von Banda, wo die Holländer ihre Gewürtze haben; auf Banda
wächst die Muscaten-Nuß, und auf Ambayana die Gewürtz-Nägelchen.
Sie sind in Ansehung dieser Gewürtze sehr eifersüchtig, so daß Sie sehr große
Sorge tragen, daß keine Nation sie haben, oder einen Baum entwenden
möge, um ihn in andere Gegenden zu verpflantzen. Daher haben auch

/ die

/|P_388

/die Holländer mit den Moluccen der Vertrag gemacht, daß sie für ein gewis-
ses ansehnliches Jahr-Geld die Muskaten und Näglein-Bäume auf allen
ihren Inseln ausrotten können, ausgenommen Boina und Banda
und daß sie hin und wieder Castelle zu ihren Handlungen anlegen. Die
Moluccen sind faul, feige, hoffärtig, betrügerisch, lügenhaft, rächen sich
heimtückischer Weise, und halten Hurerey für keine Sünde. Der Ko-
kos_Baum wächst auch hier, die Blätter sind ihr Tisch-Tuch, auch ihre Tel-
ler, wozu auch Kokos_Schaalen kommen. Ausgehöhlt Bambus-Rohr
ist ihr Gefäß zu trincken. Sago ist ihr Brodt.

/ ≥ Die Insel Celebes und Macassar. ≤

/Celebes oder der Nordliche Theil der Moluccischen Inseln gehöret dem Kö-
nige von Ternante zu Macassa, aber ist unmittelbar unter dem Schutz
der Holländer, und ist der Südliche Theil der Moluccischen Inseln. Sie
haben Gold-Sand, Sandel-Holtz und Farbe-Höltzer. Die Macassaren
sind sehr tapfer, sie bedienen sich der giftigen Pfeile, die sie aus blase-
Röhren abschießen. Mit dem Gift aus Marzenillen-Saft, vergiften
sie die Spitze des Pfeils. Wenn sie Taback mit Opium gebrauchen, so
werden sie gantz wütend. Der Macassaren Farbe ist schwärtzlich, und
die Nase platt, welche schon in der Jugend eingedrückt ist. Ihre Bu«s»chsta-
ben sind den Arabischen gleich, und sie scheinen auch von ihrem Geblüthe
herzukommen. Sie scheinen edel gesinnet zu seyn, sind hitzig und auf-
fahrend, und nicht zur Sclavischen Unterthänigkeit gemacht. Sie sind
Mahomedaner.

/ Von

/|P_389

/ ≥ Von den Sundarischen Inseln. ≤

/Dahin gehören

/ ≥ 1) Borneo. ≤

/Ist die gröste unter allen bekannten Inseln. Die Dünste die nach der Ue-
berschwemmung aus dem Erdreich aufsteigen, der Gestanck der alsdenn zu-
rückbleibenden Ungeziefer, die kalten Winde, die auf diese Hitze plötz-
lich folgen, machen diese Insel zu einem ungesunden Lande. Es gehet hier
selten ein Tag hin, da es nicht regnet, und es ist auch alle Tage ein Wech-
sel der Land und See-Winde. Die Fluth geschiehet nur einmahl in 29
Stunden, und zwar bey Tage, denn in der Nacht wehen die Land-Win-
de sehr starck wieder dieselbe. Die an den Küsten wohnen sind Muhame-
daner, im innern des Landes aber wohnen Heyden. Die letztern blasen
auch so wie die Macassaren ihre vergiftete Pfeile aus Blas-Röhren; Diese
sind auch mit einer Art Bayonette versehen. Die von Borneo sind schwartz, und
haben lange Haare, die Heyden in dem innern des Landes mahlen sich den
Leib blau, ziehen die vorder-Zähne aus und setzen goldne ein. Man han-
delt allhier mit Gold in Stangen, Affen und Ziegen, (R) Bezoar, Kampfer,
Vogel-Nester, weißen und schwartzen Pfeffer, der erstere weil er von sich selbst
abgefallen und an der Sonne gelegen, ist besser: Hier sind auch Diamanten,
Auch die Gattung Affen, welche den Menschen sehr nahe kommen, und der
Wald-Mensch heißt, er ist 6 Fuß hoch. Hier herscht auch die Meynung vom Dra-
chen, der den Mo«m»nd verschlingen soll, sie glauben auch, daß alle Kranck-
heiten vom bösen Geist herrühren.

/ 2 Javan.

/|P_390

/ ≥ 2 Javan

/Auf dieser herrschen 5 Könige. Auf des von Bantam seinem Lande ist
Batavia erbaut. Der von Mabaram ist der mächtigste. Vom November bis
in den Mertz sind Westwinde und naß Wetter, vom May bis in den October, Ost-
Winde und trocken Wetter. Die Holländer halten in den ansehnlichsten
Städten auf Java, Vestungen, und geben allen Fürsten, ausgenommen
dem von Balamboang Leibgarde, um sie in Ruhe zu halten. Die her-
schende Religion ist die Mahomedanische, imm innwendigen des Landes
aber sind Heyden. Die Javaner sind gelb, und von breitem Gesicht, her-
rausstehende hohe Kinnbacken, platte Nasen, sie sind diebisch, trotzig %und
sclavisch, bald wütend, bald furchtsam. Die Europäer wenn sie bey ih-
ren Sclaven eine Aussage herrausbringen wollen, so legen sie ihnen
ein Stockchen, welches gespalten, an den Hals, und er muß sagen: Schwart-
zer Johannes wenn ich schuldig bin, so kneipe mir den Hals zu, welches
zu sagen, er wenn er schuldig ist, gemeiniglich nicht das Hertz hat: oder
sie geben ihm einen Haufen trocknen Reiß zu kauen, und bilden
ihm ein, daß wenn er lügt, es ihn erstücken werde. Da alsdenn diese
Vorstellung oft die Wahrheit herrausgepreßt. Man findet auf Javan
Pfeffer, Zuckerrohr, Cardamom, man hat zwar auch Weinstöcke und
Trauben, aber man kann keinen Wein davon machen. Es giebt auch
hier, wiewohl selten Oranoutang auch 25 Fuß lange Schlangen, die
einen gantzen Menschen verschlingen. Hessen erzählet, daß man aus
dem Bauch einer solchen Schlange ein Kind noch lebendig herrausgezo-
gen habe. Unter die großen Landplagen gehören die Kackerlacks

/ eine

/|P_391

/eine Art Käfer, welche alles zerfressen, Menschen im Schlafe zerbeißen und heß-
lich stincken.

/ ≥ Sumatra. ≤

/Die Insel ist an den mehresten Küsten sehr ungesund, die Witterung schlägt
von der größten Hitze, bis zur empfindlichsten Kälte plötzlich um. An der Küs-
ten sind aus Morräste und Sümpfe von ausgetrocknetem Seewasser, wel-
ches ungesunde stinckende Uebel macht. Das Sterben der Fremden ist so ge-
wöhnlich, daß man fast alle Furcht davor verlohren hat. Aachen ist das vor-
nehmste Königreich auf dieser Insel an der Norderspitze derselben. Der Re-
gen der hier in nassen Moussons fällt ist erstaunlich häufig. Die von Sumatra
sind schwärtzlich, von plattem Gesicht, kleiner Nase, sie farben sich die Zäh-
ne Schwartz und salben den Leib mit stinckenden Oehlen. Sie sind an den Küs-
ten Mahomedaner, im innwendigen des Landes aber Heyden. Sie bedienen
sich starck nebst dem Betel_Arack des Opii. Das vornehmste Landes-Produkt
ist der Peffer, hernach Reiß und denn Zucker-Rohr. Es wird hier viel Gold, und
mehr als sonst in Asien in den Bächen gewaschen

/ ≥ Nicobar und Andabar. ≤

/Sie liegen Nordwärts von Sumatra im Bengalischen Meer-Busen. Die
Einwohner sind lang und wohl gebaut, dunckelgelb. Die Einwohner haben kei-
nen Begriff einer Gottheit, nennen selbige aber doch Theos, sie sind die ärmsten
und elendesten in der Welt. Sie haben eine Baumfrucht, deren sie sich als Brodt
bedienen, denn ander Getrayde haben sie nicht. Sie essen auch nicht viel Fleisch,
man beschuldigt sie fälschlich, daß sie Menschen_Fleisch fressen sollen.

/ ≥ Paptus. ≤

/Liegt Südostwärts von Japan. Die Südlichen Länder sind sehr sandig, es scheinet

/ daß

/|P_392

/daß der %Südliche Theil eher aus dem Boden der See gekommen, als der Nördliche.
Es ist noch nicht recht ausgemacht, ob es eine Insel ist. Die Einwohner sind schwartz,
und leben blos von Fischen. Ihre Religion soll in Verehrung eines kleinen
Steins mit grünen und rothen Streifen bestehen. Neu_Holland ist von
Dampie entdeckt worden i«n»m 16ten Grad der Süderseite. Die Einwohner
sind schwartz, und haben ein wolligt Haar, wie die Negers, und fast eben so
häßlich, können die Augen nicht recht aufmachen, und sind sehr armseelig.

/ ≥ Andere Inseln in diesem Meere. ≤

/Die Insel Bali Ostwärts nahe an Ceylon heist auch Java minor. Die Ein-
wohner sind fast alle Götzendiener, sie sind weißer als die von Java, ge-
treu, fleißig und Tapfer vornehmlich sind ihre Weiber sehr vernünftig, ar-
beitsam, guthertzig. Hier herscht der böse Gebrauch, daß die Weiber sich mit
ihren verstorbnen Männern verbrennen müssen. Als im Jahr 1691 der
Fürst von Bali verstarb, wurden von seinen 400 Weibern 270 mit Dol-
chen erstochen und darauf verbrandt.

/ ≥ Ceylon. ≤

/Liegt nur 8 Meilen vom vesten-Lande Indiens. Sie wird durch eine
kleine Straße von Indostan und Mardura getrennt.
Die Holländer
besitzen die Küste nunmehr und der König von Ceylon das Innere des
Landes. Sie sind braun von Farbe, aber nicht häßlich, sind behertzt, mun-
ter und höflich, sanftmüthig und Sparsam, Reiß ist ihre vornehmste Kost.
Unter ihre vornehmste Bäume gehört der Talipot, hat ungemein große
Blätter, die sich in Fächer zusammenlegen lassen, zwey solcher Blätter
geben einen Regen_Schirm ab und man kann mancherley Gebrauch

/ davon

/|P_393

/davon machen. Der Baum bringt auch nicht eher Frucht, als das letzte Jahr, wenn
er vertrocknen will. Schag ist ein grober Zucker der aus dem Safte gekocht wird.
Der Zimmet-Baum, die zweyte innere Rinde abgestreift ist der Zimmet. Es
sind verschiedne Gattungen von Zimmet_Bäumen. Ein jeder Baum gehet aus,
so bald er abgeschählet worden, und er muß 6 Jahre alt seyn um dazu gebraucht
zu werden, der gantze vertrefliche Geschmack sitzt in dem Häutchen, wel-
ches die Rinde innwendig bekleidet, dessen Oehl beym Trocknen in die Rinde
dri«m»ngt. Der Geruch dieser Bäume ist weit in der See zu mercken, aus den Wurt-
zeln macht man Kampfer. Eine gewisse Art Krähen wird auch hier heilig ge-
halten und dürfen nicht getödtet werden, weil sie die Caneel-Kern fressen,
nicht aber verdauen, sondern durch die Excretion verpflantzen. Diese Insel
hat eine große Menge wilder Elephanten, welche sie zu fangen und zu
zähmen wissen. Die Bluth-Igel sind auf Reisen eine erstaunliche Plage.
Ihr Papier besteht aus Striemen, die aus den Blättern der Talipots geschnit-
ten werden, worauf sie mit einem Griffel die Buchstaben ritzen. Sie ver-
ehren einen obersten Gott, bethen doch aber Bildnisse der <Heiligen> und Helden an.
Auf der Spitze des Pico d'Adam ist ihrem Vorgeben nach, nah in einem Stein
mit Fußstapfen ihres Gottes Budda anzutreffen, diesen Fußstapfen vereh-
ren sie. Die Ehemänner sind hier nicht eifersüchtig, die Weiber werfen ihre
Kinder weg, oder verschencken sie, wenn sie ihrer Einbildung nach, in einer
unglücklichen Stunde gebohren worden.

/ ≥ Die Maldivischen Inseln. ≤

/Dives heißt in der Sprache der Einwohner eine Insel und Malis heißt eine

/ Haupt- 

/δLage_ZZ

/|P_394

/Haupt-Insel, aus beyden Oertern ist Maldivis zusammengesetzt. Die In-
seln bestehen aus einer Menge kleiner Inseln, diese Reihe beträgt 200
Deutsche Meilen. Sie liegen auf einer großen Fels-Banck, und man kann
nur von 2 Orten mit Schiffen daselbst ankommen. Sie sind in 13 Attalos oder
Trauben von Inseln abgetheilt. Ein jeder Attalon ist mit einer besondern
Stein-Banck umfasset, woran sich die Wellen mit Ungestüm brechen. Die
meisten Inseln sind unbewohnbar, und tragen nichts als Bäume, andere
sind blos ein Sand-Haufen, die bey einer starcken Fluth unter Wasser ge-
setzt werden. Es giebt hier keine Flüße, sondern blos Brunnen-Wasser.
Die Hitze ist hier sehr mäßig, die Regen-Monathe sind von April bis Sep-
tember mit West-Winden, die übrigen Monathe mit Ost-Winden immer
schön Wetter. Man begräbt hier sorgfältig die abgeschnittnen Haare
und Nägel, als Theile die eben wohl zum Menschen gehören als die ü-
brigen. Die Haupt-Insel Mala liegt in der Mitte aller Inseln. Es ist hier
eine Art von Bäumen, deren Holtz ungemein leicht ist, mit deren Bret-
tern die, die Täucher in der See an versunckne Sachen anknüpfen,
bringen sie weiße glatte Steine, die mit der Zeit schwartz werden hin-
auf. Die Religion ist Mahomedanisch. Die Maldiver essen mit Nieman-
den, als der ihnen an Ehren, Geburth und Reichthum völlig gleich ist, weil
dieses nun schwer auszumitteln ist, so schickt derjenige, der Freunde
bewirthen will, ihnen gemeiniglich einen Tisch mit Essen ins Haus.

/Die Betel-Blätter, mit der Aarac-Nuß, werden hier sehr gebraucht vor
die Augen-Schmertzen. Wenn sie lange in der Sonne bleiben, essen sie

/ eine

/|P_395

/eine gekochte Hahnen_Leber. Die Nation ist sehr geil, der Hof-Staat sieht ziemlich
prächtig aus. Maldivische Cocus-Nüsse werden aus der See ausgeworfen,
ohne daß man weiß wo sie herkommen, und sind sehr rar, sollen auch ein Artze-
ney-Mittel seyn. Die Einwohner sind Künstlich im Arbeiten.

/ ≥ Persien. ≤

/Das Land hat vornehmlich in seinem mitlern Theile in den Gegenden von
Tauris und Schuras starcke Abwechselung von Kälte und Hitze. Es giebt
viele unbewohnte Wüsteneyen, die nach dem ausgetrockneten Regen-
Wasser mit Saltz condisiret werden in demselben. In der Mitte von Persien
ist kein Schiffbarer Strohm, und es ist überhaupt kein Land nicht leicht in der
Welt, daß an der See läge und so wenig Ströhme hätte. Von Junio bis zum
%September ist die Luft überaus heiter, am Persischen Meerbusen in den nahe
gelegnen Gegenden ist der Ost-Wind, der über die Wüste Kermann kommt
brennend heiß und roth. Das Persische Geblüth ist sehr vermischt, nehmlich von
den Arabern, Tartarn, Georgianern, davon sie häufig Weiber nehmen, da-
her ist in ihrer Gestallt, ausser der Oliven-Farbe, kein besonderes Merck-
mahl. Die Gauren sind der Nachlaß von der alten Nation. Zoroaster ist ihr
Prophet, sie sind häufig in den Südlichen Prowintzen anzutreffen und be-
then das Feuer an. Die Perser sind witzig und artig, sie lieben die Poesie
ungemein und sie gefällt auch selbst denjenigen die kein Persisch verste-
hen. Die Mädchen werden im 8ten Jahr mannbar und im 30sten hören
sie auf es zu seyn. In Persien ist die Astrologie im großen Ansehen, das
Reich verwendet an diese, die sich hierin hervorthun auf 2 Millionen %Reichsthaler

/ weil

/|P_396

/weil sie allenthalben mit den Medicis zugleich bey Krancken gebraucht
werden, mit welchen sie doch in immerwährender Uneinigkeit leben.
Eine rühmliche Sache in Persien ist, das verdiente vornehme Männer
vielfältig im Alter öffentliche Lehrstu«m»nden halten, da sie ihre Wissenschaft
und Erfahrung den Jungen mittheilen. Was die Religion anbetrift, so
ist dieselbe Mahomedanisch, welche aber von den Türcken sehr gehaßt
werden, die Türcken nennen sie Schutt, oder Abtrünnige. Man findet
aber in ihren Schriften öfters viel reinere Begriffe vom Himmel
und Hölle, als man sie im Coran lieset. Die Guten Wercke sind ihrer
Lehre nach, Zeichen der göttlichen Gnade, aber verdienen nicht die See-
ligkeit. Die Seele soll nach dem Tode einen zarten Luft-Leib bekom-
men. Adam soll eigentlich durch das Essen des verbotenen Baumes
nicht gesündiget haben, es sey ihm nur wiederrathen worden, weil er
diese grobe Speise nicht so wie die übrigen ausschwitzen könnte. Sonst
ist ihre Andacht bey den Predigten sehr schlecht, indem manche Taback rau-
chen, andere sich unterreden. Gegen dem Meerbusen von Persien zu
giebt es so genannte Johannis-Christen, welche von Christo nichts wis-
sen, ausser daß sie vom Taufen viel Weesens machen, und des Jo-
hannis zum öftern gedencken. Naphta fließet hier aus Felsen, der
Schirak-Wein, soll der Köstlichste in der Welt seyn. Das Opium,
das hier sehr starck gebraucht wird, wird aus der Mohn-Pflantze Hil-
tot durch Ritzen des Kupfers gezogen. Die Arbeiter bekommen hie-
bey häufige Schwindel. In Chorasen giebt es viele Mumien, aber

/ bloße

/|P_397

/bloße Sand-Mumien. Die Perlen-Fischerey von Baharem haben vor-
mahls die Türcken gehabt, jetzt haben die Seeräuber sich derselben bemäch-
tigt. Eine der vorzüglichsten Waaren die man aus Persien hohlt, ist die Sei-
de. Tutia ist eine Gattung Erde, welche in Töpfen gekocht, sich an die Seiten
ansetzt. Sie folgen dem Galeno in ihren Curen, und glauben er habe von
Christo darin sehr viel gelernt.

/ ≥ Arabien. ≤

/Es hat das Rothe Meer gegen Westen, welches darum so heißt, weil im
Grunde viele Corallen-Gewächse sind. Die Winde sind hier fast eben so,
als in der Zona Torrida. Sultz ist eine der besten Städte; aber Macha
wird von den Europäern am meisten besucht. Medina daselbst ist des
Mahomeds Grab. Es ist ein viereckigt Gebäude 100 Schritt lang 30 breit
und ruht auf 40 Säulen, woran 4.000 Lampen hängen. Das Grab selbst
ist mit einem Silbernen Gitter umfaßt, und die Mauer ist auf allen
Seiten mit köstlichem Stoffe umhangen, mit Diamanten besetzt,
welches Geschencke Mahomedanischer Printzen sind. Der größte Theil
der Araber wohnt in Zelten.
Die Araber werden eingetheilt in die
Herrumziehenden, oder die in den Wüsten sind, und die so in den Städten wohnen.
Die Herrumziehenden heißen Bedeuinen, und halten sich für vornehmer,
weil sie die Städte für Gefängniße ansehen. Arabien wird eingetheilt, in
das Wüste, in das Steinigte, wo große Steinwüsten sind, und in das glückliche
Arabien. Die Einwohner des glücklichen Arabiens werden wieder in 2 Theile
getheilt, in die am rothen Meer und das Land Jemen die Küste nach Süden.

/ Die

/|P_398

/Die Beduinischen Araber werden Emins genannt. Emins heißen grü-
ne Mützen, welche sie tragen, weil sie von Mahomed abstammen. Sie
haben Schaafe, Cameele, selten aber Rind-Vieh. Sie bauen keinen
Acker, sondern leben meist von der Jagd, und zum Theil von der Viehzucht,
Brunnen findet man hier sehr selten, und die welche man noch antrift
sind wie große Küsten gemacht, sie liegen weit von einander, und
man muß viele Stuffen hienunter gehen. Diese wenige Brunnen ma-
chen also, daß Reisen Beschwerlich sind, aber der Dienst der Cameele er-
leichtert es, sie haben nehmlich Schläuche in ihrem Leibe, worinnen das
Wasser viele Tage trinckbar bleibt. Die Emins werden von einigen
für redliche Leute, von andern Autoren aber für Straßen-Räuber ge-
scholten, und es geschieht allerdings, daß sie Gewaltthätigkeiten ge-
brauchen, wenn man ihnen die Geschencke versagt, die man ihnen, wie
sie glauben, schuldig. Man kann sie immer rechtfertigen, zwar rau-
ben sie die Reisende aber sehr gelinde z. E. sie nehmen ein guth Pferd, %und
geben ein schlechtes in die Stelle. Die Engelländer schicken von Indien
auch Aleppo und weiter hin einen Gesandten, und dieser reiset gantz
sicher. Sie haben auch die Merckmahle der alten Patriarchalischen Le-
bensart. Wenn die Araber speisen, so kann ein jeder ohne um Erlaub-
niß zu bitten sich hinsetzen und mitessen. Die Araber sind sehr lebhaft,
mäßig und gesund, und bey ihren Tafeln ohne Complimente. Sie beten
vor dem Essen Bismillah (Gottes seegen) und nach dem Essen Asmillah,
(Gott sey Danck). Auf dem Berge Sinai findet man Innschriften, die

/ aber

/|P_399

/nicht zu Mosis Zeiten geschehen seyn können. Man sieht Löcher, die aus Felsen kom-
men und Wasser geben. Hier ist auch ein Koster der Maraniten, dies Kloster hat eine
Mauer aber keine Pforte, sie haben aber einen Garten, der der schönste im Orient
ist, und darinn die schönsten Früchte wachsen. Das Land Heynatz liegt auf der
%Westlichen Seite, ist wie ein heilig Land anzusehen, wegen der beyden Städte Mecca
und Medina, hier muß kein Jude, oder einer von einer andern Religion hinkom-
men. In Mecca findet man einen Brunnen, von dem die Einwohner glauben,
das Hagar an demselben gesessen habe(n). Ein Pülgrimm der in Mecca gewesen
ist heißt Hadischi, ein solcher Pilgrimm ist darauf sehr stoltz. Es sind 3 Caravanen
zu mercken. Die erste kommt durch die Türckey, geht durch Aleppo und nimmt alle
Tartarn und Türcken mit. Die zweyte kommt aus Persien und Indien, und geht
bey Balsora nach Mecca, diese nimmt die aus entfernten Ländern mit. Die
Dritte ist die vornehmste, fängt bey Capo Blanco an aus Africa, geht durch
Marocco, und der Barbarey durch die Stein-Wüsten und endlich nach Mecca.
Diese Caravanen sind am zahlreichsten, es sind wohl auf 10.000 Männer, diese
kommen alle zu gleicher Zeit nahe bey Mecca an, lagern sich in einen Trian-
gel um einen nahe an Mecca gelegenen Berg, der der Berg der Versöhnung
heißet, wo sie sich erst, ehe sie nach Mecca gehen zubereiten. Sie fabulieren von
diesem Berge also: Es haben alle Berge zur Erbauung der Caca Steine gege-
ben, dieser aber habe nichts gehabt dazu zu geben. Darauf habe er geweinet, %Gott
aber hätte zu ihm gesprochen. Mein Sohn sey getrost, ich will eine Kraft an Dich
legen, daß der dich anbetet, soll Vergebung der Sünden erhalten. Ehe sie an den Berg

/ kommen

/|P_400

/kommen, werfen sie Steine hinter sich, um alle Teufel so sie auf den Reisen beglei-
ten, zu verjagen. Die Mahomedanische Religion ist zweifach, 1) die von der Ponna,
und denn 2 der Schiiten. Die Türcken sind die von der Ponna, die Perser aber
Schiiten. Dieser Unterschied beruhet blos auf der Frage ob Ama oder Ali den
Coran besser commentirt, die Türcken behaupten Ama, die Perser hingegen Ali.
Der andere Ort wo die Pilgrimme noch hinreisen müssen, ist Medina, weil hier
der Berg Mahomeds, der von einem Magneten gezogen wird, angetroffen wird.
Wer sich daselbst von einer fremden Religion befindet muß entweder ein Mu-
selmann werden, oder er wird umgebracht.
Die Araber sind mittelmäßig,
groß, schlang, schwärtzlich, haben eine feine Stimme und sind tapfer. Sie punk-
tiren ihre Haut gern mit Nadeln, worinnen sie ätzende Farben einreiben.
Viele tragen Nasen_Ringe, sie halten eben so wie die Türcken die Hunde vor
unrein und scheuen ihre Berührung, sie nehmen aber den Windspiel und
Spühr-Hund aus,
der Diebstahl ist bey ihnen gantz unbekannt, es ist dahero bey
ihnen einerley, ob etwas vor der Thür oder im Kasten liegt. Trunckenheit ist
bey ihnen unbekannt, die Gefangnen werden bey ihnen gut gehalten, ja man
hat Beyspiele, daß die so aus der Gefangenschaft entlaufen, in der Gefan-
genschaft mehr Vergnügen gehabt als hernach.

/Asiatische Tartarey. ≤

/Dieses große Land wird fälschlich mit einem gemeinschaftlichen Nahmen

/Tartarey oder Tarterey genennt.

/ ≥ Rußisches Gebieth
/Syberien. ≤

/Die Einwohner sind Rußische Christen, theils Mahomedaner aus der Bucharey,

/ theils

/|P_401

/theils Heyden von allerley Gattungen, deren die größte Menge ist. Die Maho-
medaner sind häßlich, doch eines freundlichen Wesens. Sie sind die einzigen in die-
sem Lande, welche einen Abscheu vors Besaufen haben, denn was die übrigen
so wohl Christen als Heyden anbetrift, so ist wohl nirgend ein Geschlecht der Men-
schen, da der Sauf-Teufel so seine Herrschaft bezeugen sollte als hier.

/Syberien ist vornehmlich in dessen Südlichen Theile gut Land. Es hat allent-
halben Weide und Waldungen im Ueberfluß, und trägt allerley Getreyde,
welches doch gegen Norden zu abnimmt, und weiter nach der Chinesischen Grentze
hin, nicht gebacket wird aus Faulheit. Es hat Silber, Gold, Kupfer, Eisen, Marien-
Glas, Marmor etct: Obgleich die Viehweide hin und wieder sehr gut ist; so giebt
es doch hin und wieder große Steppen oder Wüsten von dürrem Grase, wel-
ches sie anstecken und Meilen weit abbrennen. Ueberhaupt ist es merckwür-
dig, daß allenthalben in diesen Ländern, und wie viele Reisende versichern,
auch in der Mugalischen Tartarey die Erde in der Tiefe von 3 bis 4 Fuß im
Sommer nie aufthauet. Dieses fand Gamelie mitten im Sommer in Argunskoy
einer Stadt die noch näher nach Süden liegt als Berlin. In den nördlichen Provintzen
scheint dieser Frost in der Tiefe kein Ende zu nehmen. In Kakulskoy sollte ein
Brunnen gegraben werden, (denn man muß mercken, daß es in den etwas nord-
lichen Theilen von Syberien gar keine Wellen giebt, weil die Erde bald unter
der Oberfläche gefrohren ist), allein diese Erde war auf 30 Fuß tief immer ge-
frohren und davon kein Ende zu finden. Bey dem Fluße Junakam, in dem
Lande der Jakuten sind einige Eis-Seen, da es mitten in der Hitze des Sommers

/ an

/δLage_AAA

/|P_402

/an der freyen Luft starckes Eis frieret. In Geniseiskoy fand Gamelie bey seinem
Winter Aufenthalt eine Kälte, die das Fahrenheitsche Thermometer 120 Grad
unter Voll brachte; das Quecksilber schien Luft von sich zu geben, aber es gewann
nicht.

/ ≥ Characktere der Nation in Syberien. ≤

/Die Samojeden als die äussersten Bewohner dieses Landes gegen Norden
sind klein, plump, von glatten Gesichtern, brauner Farbe, und schwartzen
Haaren. Ihre Kleidung ist im Sommer von Fischhäuten, und im Winter aus
Rauchfellen gemacht. Ihr Gebäude ist nur ein Zimmer, wo der Herd in der Mit-
te und das Rauchloch oben ist, welches wenn das Holtz ausgebrannt hat, mit ei-
nem durchsichtigen Stück Eis zugemacht wird und zum Fenster dient. Ihre Spei-
sen sind frische und trockne Fische. Man gehet hier, wie im übrigen Nordlichen
Syberien auf langen Brettern, wenn tiefer Schnee gefallen. Fast alle
Nordlichen Bewohner Syberiens schlucken den Rauch vom Taback beym Rau-
chen herrunter. Die Ostiacken bringen ihr Leben mit Jagen und Fischen zu,
sie thun dieses aber mit solcher Faulheit, daß sie oft in sehr große Noth kommen.
Ihre Kleider machen sie von Stier-Häuten. Unter allen Syberianern
möchten wohl die Tungusen die fleißigsten seyn, denn ob sie gleich keinen
Ackerbau haben, so sind sie doch ziemlich geschickt, allerley Handarbeit zu ma-
chen und fleißig auf der Jagd, die im Gegentheil die Jakuten kaum so
viel Luft haben ihre Fellen, worinn sie das Eichhörnchen fangen, aufzustel-
len. Alle Tartaren die Pferde haben, machen aus ihrer gesäuerten Milch, ei-
nen berauschenden Tranck, oder ziehen auch Brantwein ab. Alle ihre Gedan-
cken, alle ihre Festtage sind auf nichts anders gerichtet, als hierauf. Wo man
Kühe hat, macht man eben dieses, auch aus Kuh-Milch. Es ist zu mercken, daß um

/ Tabolsky,

/|P_403

/Tabolsky, so wie in Persien, die Kühe keine Milch geben, wenn nicht das Kalb,
oder dessen ausgestopfte Haut dabey ist. Es ist auch wunderbar, daß das Rind-
Vieh sich hier im Winter durch das Wegsscharren des Schnees, das dürre Gras sich
selbst hervorzusuchen weiß. Ausser dem Saufen herrscht die Unzucht, und dahe-
ro die Venus_Seuche in allen Städten, als Tabolsky, Jeniseiskoy, Jakulskoy,
und andern, dermaßen, daß man in keinem Lande der Welt so viel Men-
schen sieht als hier, allein es scheint, sich endlich ihre Natur so daran zu gewöh-
nen, daß sie selten daran sterben. Die Faulheit in diesen Ländern ist sehr groß.
In Nercinsky wird einer lieber sein Haus einfallen lassen, als es Stützen.
Kein Verdienst kann ihn zur Arbeit gewöhnen, sondern blos die Gewalt.

/ ≥ Religion. ≤

/Wenn man die Russen ausnimmt, in denen doch kaum ein Schatten der Religi-
on ist und die Mahomedaner, so haben die andern Völcker mit keiner andern
Gottheit als dem Teufel zu thun, denn ob sie gleich einen obersten Gott statui-
ren, so wohnt er doch im Himmel, die Teufel aber regierten (auch) auf der Erde.
Alle Dörfer haben ihre Schamann oder Schamanen, das ist Teufels-Be-
schwörer. Diese stellen sich wie rasend an, machen grausame Geberden, mur-
meln Worte, und denn geben sie vor den Teufel ausgefragt zu haben. Game-
lien
hat ihre Betrügereyen entdeckt. In Jakutskoy fand er eine Schamania,
welche das Volck betrogen, indem sie that, als wenn sie sich ein Messer in den Leib
(stack) stach, aber endlich die Hertzhaftigkeit hatte, als er auf sie genau acht gab,
sich würcklich hinein zu stechen, etwas von dem Netze herraus zu ziehen, ein Stück
abzuschneiden, und es auf Kohlen gebraten zu essen, sie lebte noch 6 Tage. Al-
lenthalben hat man Bildnisse vom Teufel, der Ostiacker ihrer ist sehr unförm- 

/ lich

/|P_404

/lich, der Jakuter eine ausgestopfte Puppe.

/ ≥ Camschatka eine Halb-Insel. ≤

/Dieses Land ist wegen des Versuchs der Russen die Durchfahrt im Norden zu su-
chen sehr berühmt. Ihre Beobachtungen sind uns noch nicht recht bekannt gewor-
den. Die Einwohner sind fleißiger in der Fischerey, als die andern Syberianer,
sehen besser aus und haben auch bessere Kleider. Sie beschäftigen sich mit schie-
ßen der Meerottern und anderer Pelswercke, fangen See-Kühe, Seebäh-
ren, Seelöwen, und andere See-Thiere mehr. Die Africanische Tartarn ste-
hen auch unter Rußland. Die Tartarische Vorstadt in Astracan wird nur im
Winter von Tartaren bewohnt, und im Sommer campiren sie. Ausser dem
Belluja eine Gattung Stören dessen Roggen der Caviar ist, wird allhier noch
der Störlack ein fetterer und delicaterer Fisch in der Volga gefangen. Der
Czaar hat hier Wein-Stöcke pflantzen lassen, welche ziemlich gut fortge-
hen. Dieses Land hat einen großen Mangel am Regen, vom Mertz bis an
den Sept: regnet es hier gar nicht. Die Bogaischen Tartarn haben ein runtz-
lichtes, schwartzliches Gesicht. An der Ost-Küste von Astracan, neben dem Caspi-
schen Meer wohnen die Caprocalpaken, das sind Tartarn die von dem schwart-
zen Mützbrennen den Nahmen haben, und zum Theil unter Rußischem Schutz
stehen. Gegen Westen von Astracan sind die Cirkassischen Tartarn anzutref-
fen. Ihr «l»Land ist eine rechte Pflantz-Schu«l»hle schöner Weiber, welche von da in
die Türckischen und Persischen Länder verkauft werden. Das Land ist schön,
aber die Viehzucht wird mehr, als der Ackerbau getrieben. Von hier hat die Ina-
culation der Pocken ihren Anfang genommen, weil sie die Schönheit erhält.

/ Mahomedanische

/|P_405

/ ≥ Mahomedanische freye Tartaren. <Osbeck hat 3 Abtheilungen.> ≤

/1) Die große Bucharey, mit den Städten Samanca und Buchara, davon
die Erste eine lange Zeit der Sitz aller Wissenschaft im Orient war. Die
Bucharen sind wohl gesittet, und die alten Einwohner dieses Landes handeln
starck. Sie stehen alle unter der Protection des großen Moguls, welcher da-
her seine besten Soldaten hat.

/2) Kavahn, die Einwohner desselben sind wohl gesittet und starcke Räuber.

/3 Turkensten daraus die Türcken entspringen.

/ ≥ Mogulische Tartaren. ≤

/Sie wohnen Westwärts und Nordwärts der Küste Chame oder Kam. Kur-
karum eine Stadt an dieser Küste war die Residentz des Zsichings_Kam,
eines der größesten eroberer in der Welt. Moguln werden von den Chine-
sern stinckende Tartarn genannt, wegen ihres ublen Geruchs. In ihrem Lan-
de und in dem Lande der Calmucken giebt es keine Bäume, sondern bloße
Gesträuche. Sie wohnen daher nicht in Städten, sondern in Lagern. Das Erd-
reich soll allenthalben in der Tiefe von wenig Fuß selbst im Sommer ge-
frohren seyn. Man lebt hier von der Viehzucht, sonderlich von Pferden und
Kräutern.

/ ≥ Calmucken. ≤

/Die Calmucken bewohnen die höchste Gegend der östlichen Tartarey, bis
an das Gebürge Emaus und haben sich Ostwärts und Nordwärts ausge-
breitet. Sie rühmen sich ächte Nachkommen der alten Mungalen zu seyn.
Ihre Gestallt ist oben beschrieben. Ihr oberster Beherrscher nennt sich Contascha,
seine Gewalt erstreckt sich bis Tangut. Im Königreich Tangut blühet noch etwas

/ von

/|P_406

/von den Wissenschaften der alten Mungalen. In Barantola, oder wie andere es
nennen Potala residiret der Große Ober-Priester der Mungalischen Tartarn,
ein wahres Ebenbild vom Pabst. Die Priester dieser Religion, die sich von die-
ser Gegend, bis an das Chinesische Meer ausbreitet, heißet Lamas. Sie behaup-
ten Gott habe einen Sohn, der in die Welt als Mensch gekommen, und in der
blos als ein Bettler gelebt, sich aber blos damit beschäftiget habe die Men-
schen Seelig zu machen. Er sey zuletzt in den Himmel erhoben worden, die-
ses hat Gemelli aus dem Munde eines Lama selbst gehöret. Sie haben auch ei-
ne Mutter dieses Heylandes, wovon sie Bildnisse machen. Man siehet bey ih-
nen Pater_Noster. Die Missionarii behaupten, daß sie auch etwas Dreyfa-
ches in dem Göttlichen Wesen statuiren, und daß der Deli Lama ein ge-
wisses Sacrament mit Brodt und Wein administriren soll, welchen a-
ber kein anderer genießet. Sie sagen der Lama stirbt nicht, Seine Seele
belebt ihrer Meynung nach alsbald einen Körper, der dem vorigen völlig
ähnlich war. Einige Unter Priester geben auch vor von dieser Gottheit be-
seelt zu seyn, und die Chineser nennen einen solchen einen lebendigen
Fo. Was einige Reisende vorgeben, daß die Anhänger dieses Glaubens, den
Koth des Lama als ein feines Pulver bey sich führen, und in Schachteln tra-
gen, auch etwas davon auf ihr Essen streuen, mag wohl eine bloße Ver-
leumdung seyn.

/ ≥ Asiatische Türckey

/Es ist dieses weit ausgebreitete Land in einigen als den Gebürgigten Ge-
genden von Armenien ziemlich kalt, in der Ebene am See-Ufer als bey
Aleppo heiß. Auf dem Berge Libanon finden sich nur noch 26 Stück von den

/ Majes- 

/|P_407

/Majestätischen Cedern des Alterthums; die aus de«n»m Schnee hervorgewachsen.
Der Boden dieses Landes ist hin und wieder saltzig und voll Naphta. Bey Aleppo
ist ein Saltz-Thal, wo das zusammengelaufene Wasser, wenn es ausgetrock-
net, Saltz zurückläßt. Man findet auch einige Meilen vom todten Meer schon
eine Saltz-Rinde auf dem Felde, imgleichen hin und wieder in der Erde. Die
Türcken die diese Länder besitzen sind eigentlich von Tartarischer Abkunft,
wohl gestaltet, gastfrey, mildthätig gegen Arme und Reisende in der Verrich-
tung der Carawan Seras. Sie sind ziemlich der Faulheit ergeben, können
Stunden lang bey einander sitzen, ohne zu reden. Der Geitz ist ihr herrschen-
des Laster. Sie sollen zwar keinen Wein trincken, aber man trinckt ihn
doch heimlich. Man hat bey ihnen keinen Adel, keine Douelle. Sie spielen
nie um Geld. Sie sind Mahomedaner von der Secte des Omars. Mingré-
lien ist sehr Regenhaft, das Erdreich ist hier so durchweicht, daß man das Ge-
treyde in den ungepflügten Acker hinwirft, oder zum wenigsten mit ei-
nem höltzernen Pfluge umwühlt. Die Georgianer sind schlechte Christen,
unkeusch, diebisch, versoffen. Die Armenianer gehören unter die größten
Kaufleute im Orient.

/ ≥ Der zweyte Welttheil ist

/II Africa.
/Das Vorgebürge der guten Hofnung. ≤

/Die eigentlichen Einwohner sind Hottentotten, diese haben nur eine Zi-
geuner Farbe, aber schwartze wolligte Haare wie die Negers, und einen

/ dünnen

/|P_408

/dünnen wolligten Bart. Sie drücken ihren Kindern bald nach der Geburth
die Nase aber Oberwärts ein, und haben also eine ungeschickte aufge-
stutzte Nase, und dicke Wurst_Lippen, einige von ihren Weibern ha-
ben ein natürliches Fell am Schaam Bein, welches ihre Genitalia bedeckt,
ob sie gleich noch ein Schaaf-Fell darüber tragen. Theulert bemerckt eben
dieses von vielen Mohrinnen und Egypterinnen. Sie werden alt, sind
sehr schnell zu Fuß. Sie salben täglich ihre Haut mit Schöpsen_Fett, um
die Schweiß_Löcher gegen die gar zu große Austrocknung der Luft
zu bewahren. Allein daß dieses aus Galanterie geschehe, sieht man da-
raus, weil sie nicht allein ihre Haare, ohne sie sich jemahls zu kämmen,
täglich mit eben den Salben balsamiren, sondern auch ihren Schaaf Pels, den
sie erstlich mit Kuh-Mist, welches überhaupt ihr lieblings-Geruch ist, starck ein-
salben, und täglich mit Schaaf-Fett und Ruß beschmieren. Ihre übrige Zie-
rathen sind Ringe von Elfenbein um die Arme, ein kleiner Stock, mit ei-
nem Katzen oder Fuchs-Schwantz, welcher zum Schnupftuch dient. Nur die
Weiber tragen Ringe von Schaaf-Leder um die Beine gewickelt, in den
Haaren tragen sie Glas, Messings-Knöpfe, und um den Hals Kupferne
Ringe. In Festtagen machen sie sich 6 große Striche mit rother Kreide
über die Augen, Backen, Nase und Kinn. In ihren Schlachten sind die mit
Wurf-Feilen, einem Parier-Stock und Picke ausgerüstet, und attaquiren
so lange, bis ihr (Oberherr) Obrister auf der Pfeife bläßt mit wunderlichen
Grimacen, indem sie einzeln einen Ausfall thun und bald zurück springen.
Wenn der Obriste zu blasen aufhört, so hört das Gefecht auf. Sie können auf

/ eine

/|P_409

/eine erstaunliche Art mit Wurf-Feilen, Pfeilen oder Steinen treffen, und
zwar indem sie ihre Augen nicht gerade auf den Gegenstand richten, sondern
oben, unten, und zu den Seiten. Sie haben eine Menge religieuser Handlun-
gen, ob sie sich gleich niemahls eigentlich darum bekümmern, wer Gott, den
sie den Obersten Hauptmann nennen sey. Sie verehren den Mond und tant-
zen vor einer Gattung Goldkäfer, die sie als eine Gottheit verehren. Wenn
dieser sich irgend in einem Dorfe zeigt, so bedeutet es groß Glück, und setzt er sich
auf irgend einen Hottentotten, so wird er vor heilig gehalten. Sie glauben
wohl ein Leben nach dem Tode, aber sie dencken niemahls an Seeligkeit,
oder Unsterblichkeit, sie scheinen von dem Judenthum was angenommen
zu haben, sie enthalten sich auch des Schwein-Fleisches und der Fische ohne
Schuppen; sie geben aber niemahls eine andere Ursache an, als weil es
Hottentotten-Gebrauch ist. Die Hottentotten haben viel natürlichen Witz
und viel Geschicklichkeit in Ausarbeitung mancher Sachen, die zu ihrem Ge-
räthe gehören. Sie sind ehrlich und sehr keusch, auch Gastfrey, aber ihre Un-
flätigkeit geht über alles, so, daß man sie schon von weiten riechen kann.
Ihre Neu gebohrne Kinder salben sie recht dick mit Kuhmist, und legen sie
so in die Sonne, alles muß bey ihnen nach Kuhmist riechen. Läuse haben sie
zum Ueberfluß, welche sie zum Zeitvertreib essen. Alle Hottentotten
müssen von dem 9ten Jahre eines Testiculi beraubt werden. Diese
und andere Feyerlichkeiten, werden damit beschlossen, daß 2 Aeltesten
die gantze Gesellschaft begießen, welches Weywasser sie sich starck ein- 

/ reiben.

/δLage_BBB

/|P_410

/reiben. Dieses geschieht auch bey Zusammengehung zweyer Eheleute. Der
Junge wird mit vielen Ceremonien im 18ten Jahre unter die Männer
aufgenommen, und wie vorher bepist, welches er sich mit Fett einreibet, her-
nach muß er mit keinem Weibe mehr zu thun haben, und kann sie prü-
geln, auch wohl die Mutter, wohl gar ungetadelt. Die Weiber müssen die
gantze Wirthschaft besorgen. Der man thut nichts als Taback rauchen,
saufen und etwa zur Lust jagen. Ihre Faulheit bringt sie oft in Noth,
so daß sie ihre lederne Schuhsohlen oder die lederne Ringe um die Finger
fressen. Unter ihre lächerliche Gewohnheiten gehöret sonderlich, daß eine
Wittwe, die zum 2ten Mahl heyrathen will, sich ein glied vom Finger
muß abnehmen lassen, dieses fängt vom ersten Gliede am kleinen
Finger an, und geht so, wenn sie mehrmahlen Heyrathen will, durch
alle Finger durch. Was ihr Essen anbelangt, so sind sie die größten
Liebhaber von Gedärmen. Sie machen Ko«¿»ch-Töpfe aus Erde vom
Ameisen_Haufen. Ihr Löffel ist eine Muschel, sie kochen das Fleisch,
Wasser pp indem sie einen heißen Stein herreinlegen. Brantewein ist
ihr ergötzlichstes Getränck, wovon sie nebst Taback rauchen fast rasend wer-
den. Die Kühe geben hier auch nicht Milch, ohne daß das Kalb dabey ist, sie bla-
sen ihnen aber in dem Verwegerungs-Fell mit einem Horn in die
Mutter. Die Butter machen sie durch schütteln der Milch in Säcken von
rohen Ochsen-Häuten, davon das Range auswendig ist. Sie brauchen
die Butter nur um sich zu schmieren. Kein Volck ist hartnäckiger auf

/ seine

/|P_411

/seine Gewohnheiten, man hat noch nicht einen Hottentotten zum Christlichen Glau-
ben bringen können. Wenn sie Zwillinge bekommen, und eins ein Mädchen ist,
so begraben sie es lebendig. Wenn ein alter unvermögender Mensch nicht mehr
seine Nahrung suchen kann, so schaffen sie ihn bey Seite, lassen ihm etwas Nahrung
und darauf verhungern.

/ ≥ Natur-Beschaffenheit des Landes. ≤

/Vom May bis in den September sind hier häufige Regen mit Nord-West-Winden,
vom September bis in den Maertz das Gegentheil. Wo das Regen-Wasser in
Pfützen austrocknet, bleibet Saltz zurück, selbst ein Gefäß, das mit seiner Oef-
nung den Wind auffängt, setzt Wasser auf den Grund ab, welches saltzig wird.
Der gute Mousson oder Süd-Ost-Wind streicht hoch und hat eine ungemeine
Gewalt. In den Zwischen-Monathen ist es sehr ungesund. Das Gewölcke am Ta-
fel_Berge, das Ochsen-Auge genannt, ist oben beschrieben worden.

/ ≥ Produckte des Landes. ≤

/Das Wasser auf dem Capo ist sehr schön. Es verliehrt wenn es nach Europa ge-
bracht wird, nicht seine Neuigkeit. Man findet Eisen_Steine, daraus die Hotten-
totten Eisen schmeltzen, und sich ihre Werckzeuge mit Steine schmieden. Man
findet Zinnober und etwas Gold. Es findet sich hier der Elephant, dessen Mist die
Hottentotten im Nothfall als Taback rauchen. Es finden sich auch Löwen-Tieger.
deren Fleisch sehr schon schmeckt, das Zebra, der Büffel, das Fluß-Pferd, Stachel-
Schwein, wilde Hunde, die in Gesellschaft jagen, aber dem Menschen nichts thun,
auch Stein-Dachse, die, wenn sie verfolgt werden, einen solchen Gestanck von
sich lassen, daß Menschen und Thiere ohnmächtig werden. Der Wein ist schön.

/ ≥ Das Land Natal. ≤

/Wird von Caffern bewohnt, und ist zum Theil von denen Holländern verkauft.

/ Die

/|P_412

/Die Caffern haben sonst nichts ähnliches mit den Hottentotten, sie sollen sich nicht wie
diese salben, haben viereckigte Beunerne Häuser, sind sehr schwartz, haben lan-
ge glatte Haare, brauen Geträncke, welches die Hottentotten nicht thun. Sie
handeln mit den Seeräubern. Die Thiere und Pflantzen sind hier eben die-
selbe, als im Lande der Hottentotten.

/ ≥ Die Küste Sophata. ≤

/Sie wird jetzt Sero genanndt, wegen einer Portugisischen Stadt dieses Nah-.
mens. Man findet hier Elephanten Zähne und Gold-Staub. Oberhalb dieser Küste
gehöret dies Land den Arabern von Neuscate und einigen Wilden, und gantz
freyen Nationen, bis an die Meer-Enge Ba-bal-Mandal.

/ ≥ Eyland Madagascar. ≤

/Es ist eine von den größten unter allen bekannten Inseln. Die Frantzosen
beherrschen ein gutes Theil der Küste. Die Einwohner sind theils schwartze, de-
ren Anzahl 1.600.000 gezählet werden, theils von Arabischer Abkunft. Die Wei-
ber sind schön und artig. Niemand bekümmert sich darum, wie sich ein Mädchen
vor der Ehe aufgeführet habe, wenn sie nur hernach treu ist. In ihren Kriegen
hängt der Sieg blos von der Tapferkeit des Anführe<r>s ab, dessen Tapferkeit, o-
der Flucht ein gleiches unter dem Volcke nach sich zieht. Sie haben die Beschnei-
dung wie die meisten Africanischen Völcker der Küsten. Sonst haben sie kei-
ne andere Gottheit, als eine Grille, die sie im Korbe füttern. Die Ochsen ha-
ben hier alle Höcker von Fett, die Schaafe bekommen hier sehr breite Schwänt-
ze, die aus lauter Fett bestehen. Es findet sich hier eine Menge leuchtende
Fliegen, welche wenn sie des Nachts sich auf einem Baum befinden, das An-
sehen geben, als wenn der Baum brenne. Man findet auch allhier ein sehr

/ großes

/|P_413

/großes See-Ungeheuer so groß als ein Ochs mit Crocodillen-Füßen, welches aber
borstig ist. Auf der Insel haben sie kein ander Gold, als was sie von den Arabern durch
den Handel bekommen haben; aber unterschiedliche Edelsteine finden sich bey ihnen.

/ ≥ Monomotapa. ≤

/Der Kayser dieses w«i»eitläuftigen Reichs herrscht über viele Unter-Könige.
Im innern des Landes sind Gold und Silber_Bergwercke, die sehr reichhaltig sind,
die Einwohner sind schwartz behertzt, schnell zu Fuß.

/ ≥ Von den Ländern Congo, Angola, und Bengala. ≤

/Die Luft in Congo ist sehr gemäßigt, vom April bis in den August ist hier Re-
gen mit Nord-West-Winden, und von dem September bis in den April heiter
mit Süd-Ost, obgleich ihnen in diesen letzten Monathen die Sonne am höchsten
ist, so kühlen diese Winde doch ungemein. Das Erdreich ist sehr Fruchtbar. Man
bauet einige Gattungen von Korn und Hülsen-Früchte. Man macht Brodt
aus der Wurtzel Manioc. Die Bananas, Ananas und andere mehr finden
sich hier. Die Missionarien melden hier von einigen Vögeln, die eine articulir-
te Stimme haben, als deren einer den Nahmen Jesus-Christ recht vernehmlich
aussprechen soll; andere deren Geschrey wilde Thiere verräth. Man jaget
hier den Elephanten vornehmlich um seines Schwantzes willen, weil das
Frauenzimmer mit seinen Borsten ihren Hals auszieret. In Congo giebt es sehr
gefräßige Ameisen, die eine gantze Kuh auffressen. Unter den Fischen ist ihrer
auch die Meer-Jungfer merckwürdig. Die Einwohner dieser Länder sind gantz
schwartz, obgleich auch mit vielen Mulatten untermengt, vornehmlich in den
Portugisischen Besitzungen von Angola und Bengala. Bengala hat eine sehr
ungesunde Luft, die Europäer verliehren hier ihre gesunde Farbe. Die Religion

/ ist

/|P_414

/ist mehrentheils Christlich, die Heydnischen geben sich sehr mit Zaubereyen ab.

/ ≥ Anziacko, Matamba und Jaggas. ≤

/Die von Anziacko werden beschnitten, bey ihnen soll nach dem Berichte der
Missionarien Menschen_Fleisch, von ordentlich dazu geschlachteten Sclaven auf
dem Marckte feil seyn. Die Jagges sind ein ungemein weit ausgebreitetes
Volck, sie sind schwartz. Sie leben vom Raube, bemühen sich nicht den Palmen¥
Wein zu zapfen; sondern hauen den Baum um und ziehen den Saft so her-
raus. Die Weiber müssen sich 2 von den obern, und 2 von den untern Zäh-
nen ausziehen lassen. Man sagt sie tödten ihre Kinder und rauben davor
Erwachsene aus andern Ländern, sie sollen aus Sierra Leone ausgezo-
gen seyn, jetzt aber haben sie sich zu einer Strecke von mehr als 900 Meilen
ausgebreitet. Matamba wird auch mehrentheils von Javanen bewohnt.

/ ≥ Küste von Africa von den Canarischen Inseln an bis Congo. Canarische Eylande.

/Auf der Insel Ferro ist der schon beschriebene Wunderbaum. Der unsterb-
liche Baum ähnt dem Brasilien_Holtze, fault aber nicht, weder in der Erde
noch im Wasser. Auf Teneriffa ist der Pico zu mercken, imgleichen die in Zie-
gen-Fell eingehüllte Mumien. Madera hatte vor dem lauter Wald, jetzt
ist er weggebrandt. Madera-Wein ist aus Candia hieher gepflantzt.

/ ≥ Länder vom Grünen Vorgebürge bis an den Gamba-Fluß. ≤

/Auf der Nord-Seite des Senegal sind die Leute von Mohrischer Abkunft %und
keine rechte Negers. Auf der Süd-Seite sind so schwartze Negers als irgendwo
in der Welt, ausgenommen die Julier. Man redet daselbst von einem Volck
mit großen rothen Lippen, die niemahls reden, ein Tuch vor dem Munde
haben und ihren Handel still treiben. An beyden Ufern des Senegals herscht

/ die

/|P_415

/die Mahomedanische Religion. Am Capo del Verde und den Inseln desselben schwimmt
das Saragossa über einer unergründlichen Tiefe. Diese Inseln haben eben solche
Einwohner, als das benachbarte Veste Land. Die meisten Vögel daselbst haben ei-
ne schwartze Haut und Knochen. Am Senegal ist die Hitze unerträglich. July
eines von denen daran gelegenen Ländern hat sehr schöne artige schwartz-
braune Weiber mit langen Haaren; die fleißigen Weiber nehmen hier bey
ihrer Arbeit Wasser ins Maul, damit sie sich des Schwatzens enthalten. Die A-
meisen bauen hier Haufen wie Kägel die mit einer Art von Gyps bezogen
sind und darinnen nur ein Thier ist. Jalaser, die zwischen dem Gamba, und
dem Senegal wohnen, sind die schwartzesten und schönsten Negers. Sie stellen
sehr Künstlich. Hier wird die äusserste Treulosigkeit mit Verkaufung der
Sclaven begangen. Der König von Brasalli steckt öfters seine eignen Dör-
fer i«m»n Brand um Sclaven zu fangen. Eltern verkaufen ihre Kinder und die-
se jene. Von dem Gamba an hört die Mahomedanische Religion auf, und die
Götzendiener fangen an.

/ ≥ Von den Ländern am Ausfluße des Gambra, längst der Küste Guinea, bis an den Fluß Gabos. ≤

/An dem Gambra haben die Leute platte Nasen, welche die Kinder daher be-
kommen sollen, weil sie von den Müttern bey ihrer Arbeit auf dem Rücken
getragen werden. Hier ist auch die Pflantze mit den Colubrillen oder langen
Würmern, die sich in das Laub fressen. Alle Götzen_Diener längst der genann-
ten Küste, haben mit Grillen oder Zauberkunst zu thun. In Sierra Leona
ist «u»Ungewitter und Regen nur in den Sommer_Monathen. Die Gebürge ge-
ben den Knall des Geschützes auf eine fürchterliche Art wieder. Die von Sierra
Leona sind nicht völlig Neger-Schwartz, aber sie stincken sehr. Man hat hier über- 

/ haupt

/|P_416

/haupt 4 Gattungen Bäume, von der Palmen_Art, Datteln, Cocus, Arech und
Cypres, Palmbäume, oder Weinbäume, die den besten Palmen_Saft geben.
Man schneidet nehmlich einen Ast ab und hängt an den Strumpel eine Flasche.
Die Wilden Thiere fressen in diesem Lande, wie man versichert, die Negers,
und nicht die Europäer. Es giebt hier auch ein Thier die Africanische Cunel ge-
nannt, so groß wie ein Spürhund, sehr wütend und von der Leoparden-Art.
Der Lö«¿»we ist hier sehr groß und eben so majestaetisch wie anderwärts. Der
Elephant ist hier nicht völlig so groß, als in Indien. Man hat ihm hier abge-
merckt, daß er sich leichterer von der Lincken gegen die Rechte, als von der Rech-
ten gegen die Lincke drehe, und dessen machen sich die Negers zu Nutze. Die
Africanische Pfau ist gern allein. Der Ochsensäuger ist von der Größe einer
Amsel. Der Fischer_Vogel hängt sein Nest an den zarten Zweigen eines
Baumes die über dem Wasser hängen. Die Oefnung ist jederzeit gegen Os-
ten. Man muß hier auch mercken, daß die Seefahrer bey der Passirung des
Tropici, oder der Linie mit allen die sie zum Erstenmahl passiren, die Seetau-
fe vornehmen. Der Täufling muß schwören den Gebrauch beyzubehalten.
Die Aqua-Küste hat ihren Nahmen von dem Worte Quaqua, welches die Ne-
gers hier immer im Munde führen, und ihr Diener heißt. Diese Leute pfei-
len sich die Zähne wie Pfriemen-Spitzen. Die Negers von der Küste Guinea
sind nicht unangenehm gebildet, sie haben nicht platte Nasen, sie sind aber
sehr boshaftig und diebisch. Atquins und verschiedne deren, geben vor, glänt-
zend gelbe Menschen, die als Fremdlinge ankommen, gesehen zu haben.
Man läßt hier an der Gold-Küste die Nägel sehr lang wachsen, um den Gold- 

/ Staub

/|P_417

/Staub damit aufzunehmen. Die Schwartzen an der Küste richten die Weiber
so ab, daß sie Fremde verführen, damit sie selbige hernach mit Geld strafen kön-
nen. Es werden hier öffentliche Huren gehalten, die keinem ihre Gunst abschla-
gen müssen, und wenn er auch nur einen Pfenning gäbe. Die Negers glauben
hier überhaupt 2 Götter einen weißen und einen Schwartzen, den sie Dae-
monis oder Diabro nennen, der Letztere sey boshaft, und könne kein Ge-
treyde, Fische und dergleichen geben, der weiße Gott aber habe den Europä-
ern alles gegeben. Die souveraine Religion aller Negers an der Küste
von Africa, Sierra Leona, an, bis an den Meerbusen von Berim, ist der
Aberglaube der Fetisse, von dem Portugisischen Gott Fetiss Zauberey. Der
Große Gott nehmlich menge sich nicht in die Regierung der Welt %und habe
besondere Kräfte in die Priester oder Fetissos gelegt, daß sie durch Zau-
ber Worte, einer jeden Sache eine Zauberkraft geben können. Sie
thun Gelübde beym Fetissch, daher fast ein jeder von ihnen sich irgend
einer Art von Speise enthällt. Sie haben eine Beschneidung. Ihre Könige
machen eine elende Figur zu Hause und gehen wie Schuhpflücker. Man
wählt aus allen Ständen, selbst aus Laquayen Könige. Der König und
die Printzen pflügen ihre Aecker selbst, denn sonst werden sie Hungers
sterben müssen. Von seinem Tribut muß er das Meiste verschencken
und vertracktieren. In einigen Provintzen nimmt der Gläubiger dem
Ersten dem Besten wa«g»s weg und weiset ihn an den Debitor mit dem
er denn Proceß führen muß. Ihre Schlachten sind lächerlich, sie laufen gebückt, oder
kriechend, auch wohl gar an den Feind, feuren ab und laufen zurück wie die Affen.

/ Die

/δLage_CCC

/|P_418

/Die Gefangenen Könige werden als Sclaven an die Europäer verkauft,
und niemahls ausgelößt. Ihren Gefangnen schneiden sie die untere Kinn-
backen lebendig ab, und hernach zieren sie sich damit; wie auch mit Hirnschä-
deln. Der Sommer fängt mit dem September an und dauret 6 Monathe, da
ist die Hitze am häufigsten, die übrige Zeit da doch die Sonne am höchsten bleibt,
wegen des beständigen Nebels und Regens Kühl. Die Schwartzen hüten
sich sehr vor dem Regen der roth ist, und die Haut frißt. Man sagt hier auch, daß
der Winter ehedem kälter und der Sommer wärmer gewesen. Das Saltz
in Guinea ist sehr weiß, wird aber von der Sonnen-Hitze bitter und sauer.
Unter den Feldfrüchten sind die Patatous, die den Cartoffeln ähnlich, in
diesen wie in andern Indianischen Ländern sehr im Gebrauch. Vieh so wohl
als Menschen sind hier leichter an Gewicht, als nach dem äusserlichen Ansehen.
zu urtheilen wäre. Man liebt hier das Hunde_Fleisch, die Hunde sind hier
alle Kahl und stumm. Es giebt hier eine Schlange die 22 Fuß lang ist und
in der man oft einen völlig ausgewachsnen Hirsch findet. Im Königrei-
che Whida sonst Juda genannt sind die Negers nicht schwartz, als an der Gold-
Küste, sie sind arbeitsam, voller Complimenten und die verschmützten
Diebe von der gantzen Welt. Ein lächerliches Verdienst, welches sich reiche
Frauen beym Absterben zu machen einbilden, ist dieses, daß sie ihre Scla-
vinnen zu öffentlichen Huren vermachen, und glauben dafür nach dem
Tode belohnt zu werden. Die Eltern verkaufen hier ihre Kinder als
Sclaven, viel Kinder, viel Reichthum. Man bedient sich hier wie ander-
wärts in Africa der Beschneidung; es wird für eine große Unhöflichkeit

/ gehalten

/|P_419

/gehalten vom Tode zu reden. Der große Fetisch von Whida ist eine große
Schlange, die Ratten und giftige Schlangen verfolget. Ein Schwein fraß ein-
mahl eine solche Schlange, und das gantze Schwein-Geschlecht wurde ausgerot-
tet. Man widmet ihr Schlangen-Häuser als Tempel. Ihr werden Mädchen
geheiligt, welche hernach von ihren Männern müssen geehrt werden. Sie
sind feige, haben auch die «¿»Tolle Gewohnheit sich wegen der Schulden an den
Ersten den Besten zu halten. Das Königreich Berim ist mächtig. Der König
von Whida hat seinen Pallast, Geräthe und Tracktament fast auf Euro-
päischen Fuß eingerichtet. Die Einwohner am Fluße Gambra tragen
Ringe in ihren Ohren, Nasen, Lippen, andere machen ein Loch in die
untere Lippe, wodurch sie die Zunge stecken.

/ ≥ Egypten. ≤

/Dies Land ist wegen seinem fruchtbahren Boden, und großer Hitze im
Untertheil sehr ungesund vornehmlich vom 7ten Aprill an 50 Tage lang
pflegen die Süd-Winde heiße Luft zu wehen. Die Seuchen welche da-
raus entstehen, hören plötzlich auf, so bald der Niel auszutreten anfängt.
Man hat in Cairo fast allenhalben schlimme Augen. Der Niel-Strohm
von dem oben schon gehandelt, würde das Land nicht so weit hinein über-
schwemmen, wenn nicht durch Canäle das Wasser hinüber geführet wür-
de. Unter den Armen des Niels sind nur 2 schiffbar, nehmlich der von
Dariate und der von Rosetta. Die alten Landes Einwohner sind hier nur
gelb, werden aber immer brauner, je näher sie Nubien kommen. Die
Größte unter den Pyramiden hat eine Quadrat Bassin, deren Standt

/ 693 ist

/|P_420

/693 ist und deren schräge Höhe gleichfalls so viel austrägt. In den Cala-
camben oder Gräbern, Westwärts von dem Orte der alten Memphis, fin-
det man die Mumien, deren die beste Art nach ausgezogenem Gehirn
und ausgenommenen Eingeweyde mit Arabischem Balsam und Bettzoin
eingesalbet, in einem Saltz-Lacke eine Zeitlang gelegt, denn innwen-
dig mit den Besten Kräutern und wohlriechenden Sachen angefüllt ist.
Eine solche kostet jetzt 4.000 Rheinsche Gulden. Bey der 2ten Art werden
schlechtere Ingredientzien genommen. Bey der 3ten Art nur JudenPech.
Ein Jude in Alexandrien schmierte die in der Pest verstorbne Körper zu
Mumien ein. Auf der Insel Teneriffa findet man auch Mumien in Grä-
bern in Ziegen-Fell eingenäht, die sich sehr wohl gehalten haben. Unter
den Gewächsen mercken wir nur den Papierus der Alten. Eine Art Schilf
davon die alten Egypter ihr Brodt, Kleidung und sogar Papier hernah-
men. Man hat in Cairo auch Ofen, darinnen Hüner durch eine gemäßigte
Hitze von schwehlenden Kuh oder Cameel-Mist ausgebrütet werden.
Bey Alt-Cairo ist ein Kirchhof, wovon die Kopten den Glauben haben, daß
die Todten am Char-Freytage sich in die Luft herrausbegeben. Das Cro-
codill ist eins der ärgsten Thiere in Egypten. Der Abic-Vogel ist Egyp-
ten gantz allein eigen, und ist einem Storche sehr ähnlich, er stirbt so bald
er nur über die Grentze kommt. Die Zigeuner sollen ursprünglich von den
alten Landes Einwohnern seyn, welche nachdem die Türcken das Reich
der Mamelucken zerstöhrten, sich in die Wüste retirirten, und vom Rau-
be lebten, zuletzt aber größtentheils ausgerottet oder verjagt worden.

/ Die

/|P_421

/Die Christen dürfen hier so wie in den andern Türckischen Ländern nicht auf Pferden, son-
dern auf Eseln reiten.
Die Einwohner von Egypten sind Türcken, oder Araber, oder
criptische Christen. Diese criptischen Christen sind sehr abergläubisch und die Christli-
chen Einwohner heißen (Kopten) Copten, deren aber nur etwas 500 Familien sind.

/ ≥ Abyssinien. ≤

/In den niedrigen Gegenden des Landes, als an den Küsten des rothen Meeres
hin, ist die Hitze gantz unerhört heftig, in den andern gebürgigten Gegenden so
mäßig, als in Italien oder Griechenland. Man sieht hieselbst auf den Bergen
fast niemahls oder sehr selten Schnee. Der Regen der hier in den Monathen
Junius, Julius, August, als aus Rinnen herrabstürtzt, ist mit schröcklichem Don-
ner-Wetter verbunden, und giebt dem Niel seinen Zuwachs. Dieses Land ist so
Gebürgigt und rauh, als wie die Schweitz. Es giebt hier allerhand seltsame Fi-
guren und Gestallten von Bergen. Dieses Land hat ohne Zweifel edle Me-
talle, aber sie suchen sie nicht, damit der Türcken Geitz dadurch nicht angereit-
zet würde. Es giebt viele Ströhme in Aethiopien und der großen Tartarey,
imgleichen in Persien, die das Meer nicht erreichen, indem sie in verschiednen
Aesten sich im Lande verliehren. Unter den Gewächsen des Landes darunter
es die meisten Europäischen giebt, mercken wir nur das Kraut Asazae, wel-
ches, wenn es die Schlangen berühret, sie dumm macht, und wer nur die Wurtzel
desselben gegessen von ihrem Biß den Tag über frey bleibt. Die Aethiopischen
Ochsen übertreffen die Unserigen die Hälfte an Größe. Die Pferde sind hier
muthig und schön. Schaafe deren Schwantz wohl 10 bis 40 %Pfund wiegt sind gemein.
Das Zebro, das Cameel_Leopard, das von Ludolph so hoch beschrieben wird,
daß ein Mensch von gemeiner Größe ihm nur bis an das Knie reicht, und

/ einer

/|P_422

/einer auf dem Pferde unter seinem Bauche durchreiten kann. Das Land
hat unzählig viel Ofen, davon die Benennung mag hergekommen seyn,
schlauer_Ofen_Land. Der Hippopotamus, Crocodill, sind hier anzutreffen.
Unter den Vögeln ist merckwürdig, der Pipi, der diesen Nahmen von seinem
Geschrey hat, welches er, so bald er einen Menschen merckt und ein Wildes Thier
oder Schlange sogleich gewahr wird, macht, indem er den Menschen gerade an
den Ort hinführt, wo es sich befindet. Sie haben keine Gemse. Was die Ara-
ber von ihrem Vogel Ruch oder Roi erzählen und der Pater Banina be-
stätiget, gehört unter die Merckwürdigkeiten des Schlaraffen_Landes.
Die Heuschrecken sind hier groß, gesund und unangenehm zu essen. Ludolph
behauptet, das Johannes der Täufer, imgleichen die Kinder Israel in der Wüs-
te dergleichen gegessen. Die Abyssinier sind von Arabischer Abkunft, wit-
zig, wohlgebildet aber schwartz mit wolligtem Haar, ehrlich, nicht zancksüch-
tig, es giebt unter ihnen auch einige weiße Mohren. Die Caffern aber, die
in ihrem Gebiete wohnen, sind erstlich häßlich und denn so ungesittet und bos-
haft wie die übrigen Negers. Die Religion ist Christlich, allein ausser vielen
Heyden sind ihnen die Türcken gefährlich. Die Abyssynier, ob sie gleich Chris-
ten sind, beschneiden dennoch ihre Kinder, so wie die Copten
auch so gar ihre Weiber.

/ ≥ Die Barbarische Küsten. ≤

/In diesen Küsten ist Schaira am vorzüglichsten. Der Kayser von Marocco
ist der Mächtigste. Im Lande ist eine Nation die Atlas heißt und diese hat
er noch nicht bezwungen. Die Produckte sind Weytzen, Datteln etc: Die
Spanier haben hier 2 Vestungen Algier ist die feinste Republic hat ei-
nen König oder Bay; Der Gouverneur wird aus der Milice erwählt. Die

/ Gefangen- 

/|P_423

/Gefangenschaft ist nicht so schwer, als man sich dieselbe denckt. Im Innwendigen des Lan-
des ist eine Gattung einheimischer Pferde, welche Numidische Pferde genannt werden.

/ ≥ III America. ≤

/Als der 3te Haupttheil der Welt. Es wird in 2 Haupttheile getheilt, in den Süd-
lichen und in den Nördlichen Theil von America. Im gantzen scheint es ein Volck
zu seyn. Sie haben alle keinen Baart und eine Kupferrothe Farbe. Es ist allso

/ ≥ I Der Südliche Theil zu bemercken und in demselben.
/Patagonien. ≤

/Alle Autores haben dies Land als den Wohnsitz der Riesen beschrieben, und die
mehresten Beschreiber, worunter der Capitain Wallis gehört, versichern, daß
ihre mittlere Größe 7 Fuß betrage. Die Riesen von Patagonien machen nur
eine kleine Völckerschaft aus, die gröste Anzahl hat eine Höhe von der Ordinai-
ren Größe. Die Riesen machen nur einen Stamm aus. Patagonien ist ein sehr
flaches Land, die Pferde können den gantzen Winter über weiden und jetzt
leben sie auch von diesen Thieren. Dies sind aber keine Americanische Thiere;
sondern sind von den Spaniern dahin gebracht, diese haben sich jetzt erstaunend
vermehrt, und sind in Chili in großer Menge. Ein Thier heißt daselbst Schaafs-
Cameel, das Fell von diesem Thier macht die Hauptkleidung dieser Einwohner
aus. Die Spanier haben an der Küste von Pathagonien einen neuen Haafen
Port_del_Syr gemacht. Die Ursache daß nicht mehrere Haafen im Lande sind ist,
weil das Land sehr rauh unfruchtbar und auch flach ist.

/ ≥ Chili. ≤

/Es hat muntere und kühne Einwohner. Die Geschicklichkeit gewisser Fangri-
men, so auf der Jagd und im Kriege zu gebrauchen, ist ausserordentlich. Die Spa- 

/ nischen

/|P_424

/nischen Pferde werden hier flüchtiger und kühner. Die Arausarer, eine in Chili
befindliche Nation kann noch nicht von den Spaniern bezwungen werden.
Peru ist an der Seeküste unfruchtbar, und unerträglich heiß. Es regnet auch
nicht darinnen, ausser %.anno 1720 hat es 40 Tage geregnet, wodurch Städte
und Dörfer ruinirt. Der gebürgigte Theil ist temperirt und Fruchtbar. Die
jetzigen Peruaner scheinen von ihrer Vorfahren Geschicklichkeit erstaunend
abgewichen zu seyn. Man findet noch Mauren von Pallästen, die mit gehau-
enen Feuer-Steinen aufgeführet sind, ob sie gleich damahls keine Eisen_Werck-
zeuge zum Bauen hatten, sondern blos Kupfer. Jetzo aber ist die Trägheit
der Nation erstaunlich. Man sieht bey ihnen eine unglaubliche Gleichgültig-
keit in Ansehung der Strafen und Belohnungen nach des Cardamine Bericht.
Die Farbe dieser Einwohner ist Kupferroth und haben keinen Baart. Das
Erdreich im niedrigen Theil von Peru verliehrt oft sehr durchs Erdbeben seine
Fruchtbarkeit. Am Amazonen_Strohm auf beyden Seiten desselben ist, et-
was ferne von dem Gebürge Cordillera das Erdreich erstaunlich fruchtbar.
Denen die über diese Gebürge von Westen nach Osten reisen wollen, weht
ein ungemein heftiger, und oftmahls tödlicher kalter Ost-Wind entgegen.
Die Einwohner des Amazonen_Strohms vergiften ihre Pfeile, mit einem
so schnellen Gifte, daß sie ein nur damit leicht verwundetes Thier können
fallen sehen. Das Fleisch ist unschädlich. Man sieht hier seltsame Ueberfahrten
über Ströhme, darinnen gewisse Gattungen von Stricken Beuiken genannt,
über einen Strohm gespannt werden, daran ein Pferd an einen Ring schwe-
bend oder auch an Matten hängend herrüber gezogen werden. Die über

/ die

/|P_425

/die Peruanischen Gebürge nach Parama zureisen, bedienen sich gewiser dazu ab-
gerichteter Esel, welche dies an den allergefährlichsten Oertern mit großer Geschick-
lichkeit thun. In Papayan, nimmt man viel Gold-Staub aus der Erde, der von
reißenden Gießbächen, die von Gebürgen herrabstürtzen, durchschnitten wird.
Porto_Bello ein Isthmus von Parama ist eine der allerungesundesten Städte
in der Welt, überhaupt ist das Land an diesem Isthmus erstaunlich feucht, wal-
digt, und durch die unmäßige Hitze sehr ungesund. Die Niederkunft ist in Porto-
Bello fast tödlich. Die Mücken in diesen Wüsten quälen die Reisenden erstaun-
lich. Das Frauenzimmer im Spanischen America raucht fast allenthalben
Taback. Auf Hispaniola ist ein Baum der Giftige Aepfel trägt, dessen Schat-
ten sehr gefährlich ist, und in deren Saft die Wilden ihre Pfeile tauchen. Die
Land-Winde vom Mexicanischen Meerbusen sind von großer Bequem-
lichkeit; indem man dadurch wohl 100 Meilen gegen den allgemeinen Ost-Wind
seegeln kann. Die Schiffer gehen mit dem Landes Winde in die See und mit
dem See-Winde wieder zurück.

/ ≥ Guiana. ≤

/Es liegt an der Nordlichen See-Küste und Arinoques-Strohm. Die Länder
haben den Nahmen von den Ströhmen, an denen sie liegen, sind sehr feucht,
sind voller Waldungen und dahero ungesund. Das innwendige davon ist un-
bekannt. Das Land ist voll Kriechender Thiere, Gewürme, Fledermäusen,
Spinnen, Papillons, diese sind von ungewöhnlicher Größe. Zu diesem Lande
gehöret auch das Surinam der Holländer. Die Jesuiten sind hier sehr mannig-
faltig und oft sehr groß. Die Frösche verwandeln sich hier zuletzt in Fische. Ein
merckwürdiges Thier ist auch der Laternenträger, welcher große Blasen am

/ Kopf

/δLage_DDD

/|P_426

/Kopf hat, die sehr helle leuchten, wenn man 2 solche Fliegen an die Füße setzt, so
kann man alles sehen. Gegen wir von hier die Brasilianische Küste weiter
hinab, so finden wir dieselbe mit Portugisen wohl bewohnt. Das Brasilien_Holtz,
oder der Baum Arbater macht eines der vornehmsten Gewächse dieses Landes aus,
wiewohl hie andere viel schönere Producte haben, deren wir bald erwehnen wer-
den. Unter den vielen Nationen der Wilden in den Wüstungen, die in dem in-
nern des Landes herrumgehen sind die Topayen die berühmtesten. Sie haben
keinen Begriff von Gott, kein Wort, das ihn bezeichnet, fressen die Gefangnen
Feinde, obgleich nicht mit so vielen Martern als die Caradier, durchbohren ihre
Lippen, und stecken eine Art grünen Jaspis ins Loch, welches doch die Weibsbil-
der nicht thun, die davor das Loch im Ohrläpchen sehr erweitern, kleben auch
das Gesicht voll Federn, dagegen sich die Weibsbilder mit Farben bemahlen.
Ein im Kriege Gefangener wird anfänglich sehr gut gehalten, bekommt so gar
eine Beyschläferin, aber nachgehends wird er getödtet und gefressen, jedoch
ohne gemartert zu werden. Man begegnet alle Fremde sehr wohl. Die Men-
schenfresser sind eigentlich nicht am Amazonen-Strohm, sondern an der Japu-
ra. Der Colibri soll hier schön singen, welches er in Nord-America nicht thut. Man
sahe in dieser Gegend vor der Europäer Ankunft kein Rind-Vieh und jetzt hat
es sich so vervielfältigt, daß aus Paraguey wohl 40.000 Rindshäute ausgeführet
worden sind, wiewohl die wild gewordnen Hunde es sehr aufgetrieben haben.
Man sagt auch: daß nichts vom Europäischen Obst ehedem in America gewe-
sen sey, nun aber sind in Peru und den dazu gehörigen Ländern gantze Wäl-
der voll Aepfel und Birn-Bäume.

/ Brasilien.

/|P_427

/ ≥ Brasilien. ≤

/Die Brasilianische Nation besteht aus Wilden, sie erweitern sich die Ohren so, daß
sie bis auf die Schultern hängen. Ferner schneiden sie ein Loch in der Unterlippe,
und legen einen blauen Stein, so Zai heißt, hinein. Denjenigen so sie im Kriege le-
bendig gefangen, binden sie an einen Phal, daß sie herrumlaufen können, geben
ihnen auch Steine sich zu wehren, hierauf giebt ihm einer mit einem Beil vor den
Kopf, hernach wird er geschlachtet und ordentlich gegessen, das thun sie aber blos mit
lebendig-Gefangenen. Uebrigens ist die Nation sehr unwissend, sie haben nur die
Zahl 4. In Brasilien wächst das Roth-Holtz, welches unter dem Nahmen Olinda
de Fernabugo bekannt ist. Brasilien hat die reichsten Silberbergwercke welches
126 Piasters jährlich Ausbeute giebt. Brasilien ist voll Schlangen und Affen. Die
dasigen Papageyen sind die besten, nur in Ostindien giebts graue. Die von Eu-
ropa überbrachten Schweine haben hier wie in der übrigen Zona torrida ein
sehr schön und gesundes Fleisch. Die Manioc_Wurtzel die sonst roh gegessen ein Gift
ist, wird von einigen Brasilianern ohne Schaden roh gegessen. Viele Land-Teiche
die nur bey der Regenzeit Wasser haben, enthalten doch alsdenn ohne daß man
weiß, auf was Art eine große Menge Fische. Der Vogel Pyra ist dem Condor
an Größe und Wildheit fast gleich, seine Klauen sind schärfer. Es giebt auch hier
einen Vogel in der Größe eines Callekutschen Hahns, der wie der Strauß nur
laufen kann, aber schneller als ein Wind-Spiel.

/ ≥ Paragey. ≤

/Fängt von de_la_Plata_Strohm an und geht bis nach Brasilien. In diesem Lan-
de sind die Menschen von der äussersten Dummheit. Die Jesuiten haben sie zu
Sclaven gemacht, welches sie allemahl nicht einmahl mercken. Sie gehen zwar

/ alle

/|P_428

/alle Tage in die Kirche, lernen aber blos den Cathechismum, der aus solchen Sät-
zen besteht, die in einer halben Stunde könnten gefaßt werden, sie lernen es a-
ber in ihrem gantzen Leben nicht recht. Die Herrschaft der Jesuiten ist jetzt zer-
stört, sie werden nach Italien transportirt. Die Portugiesen haben einen Theil
von Paragey ein. Paragey hat ausser dem Silber noch 2 Haupt-Producte, viel
Rind-Vieh und das Paragey-Kraut. Es ist vor der Ankunft der Europäer kein
Europäisches in America gewesen, die Pferde aber sind in Chili und das Rind-
Vieh in Paragey am besten eingeschlagen. Das Paragey Kraut ist ein Kraut
von Gesträuchen, welches so gebraucht wird wie Thee. Viele Wilde würden
eher das Essen, als dieses Trincken entbehren wollen, es wird dasselbe den
gantzen Tag getruncken und auf 500.000 Piastres consumirt. Dies Kraut
soll das Gemüth aufwecken und die Transpiration befördern. Man giebt
vor, daß es öfnet und den Urin treibt, ist wenn es übermäßig gebraucht wird
sehr hitzig. Von den großen Schlangen dieses Landes hat Pater Muntago und
die Missionarii viel Unwahres ausgebreitet. Man redet im Innwendi-
gen des Landes von einem Volcke die Caesarn. Die im 44 %Grad Süder-Brei-
te wohnen und von einigen unter Carl_des_Vten Regierung herrunter-
gekommnen Spaniern abstammen sollten. Die Wilden dieses Landes
sind gefährliche Menschenfresser. Die Weiber zerstechen sich das Gesicht, und
die Männer bemahlen es. Die Republic S._Paul besteht aus hartnäckigen
Rebellen, die nicht können zu Paaren getrieben werden, und vergrößert
sich durch Zulauf böses Gesindels immer«h»mehr. Südwärts von Brenos Aynes
ist die Küste von America völlig unbewohnt, und auch nach den anno 1746

/ geschehenen

/|P_429

/geschehenen Untersuchungen nicht bewohnt werden, da man selbst im Sommer
hier ansehnliche Kälte spührt. Doch sollen auf einer Insel, die ein gewisser Fluß
hier macht, Europäer seyn.

/ ≥ II Nord-America. ≤

/In diesem sind folgende Nationen. Die Esquimaux, welche Capitain Elliae
%anno 1746 an dem Meer beym Hutsons-Bay antraf waren leutseelig und Klug.
Sie fahren mit Hunden wie in Syberien, nur die dortige bellen nicht, ver-
sorgen sich auf ihrer Reise mit einer Blase voll Thran, wovon sie mit Ergötz-
lichkeit trincken, die etwas Südlichern Esquimaux sind etwas größer, aber die
Frantzosen beschreiben sie sehr abscheulich von Gesicht, wild und boshaften Sitten,
sie gerathen oft auf ihren Reisen in große Noth, so daß man hier viele Weib %und
Kind zu fressen genöthigt wird. Sie tragen Hemde von zusammengemachten
Blasen. Der Brandtwein den sie schwerlich meiden können ist ihnen sehr schäd-
lich. Die Eltern, wenn sie alt sind, lassen sich von ihren Kindern tödten, aber
nie sterben sie durch ihre eigene Hand.
Die Kinder thun dieses aber nicht aus
Wuth sondern aus Hochmuth. Ein Vater schätzt sich recht glücklich, wenn er einen
Sohn hat, der ihn tödten kann, er ist aber gantz mißvergnügt wenn er kei-
nen andern Verwandten hat.
Ueber den 67ten Grad der Breite findet
man in America keinen Menschen mehr, die Länder welche zu Canada so
wohl dem Frantzösischen als Englischen Antheil gerechnet werden, sind in An-
sehung der Lage ihres Climatis im Winter sehr kalt. Die Nord-West-Winde
bringen die heiterste Luft und größte Kälte mit. Je weiter man nach Westen
kommt, desto kälter ist die Gegend. Wenn wir nun von den Americanern allge-
mein handeln, so bemercken wir zuerst ihr Naturell: und in Ansehung dessen

/ sagen

/|P_430

/sagen wir folgendes, sie haben nicht viel Affect, und die Heftigkeit des Zornes ist bey
ihnen nicht anzutreffen. Sie sind nehmlich von erstaunender Unempfindlich-
keit. Sie beweisen gar kein Mitleiden, nehmen auch gar keinen Antheil
an irgend etwas. Wenn sie in den Cabanen zusammen sind, so spricht kei-
ner etwas, nur dann und wann, wenn gewisse feyerliche Tage ange-
stellt werden, Da sprechen sie, es muß denn aber immer getruncken wer-
den. Die Kinder sind bis ins 12te Jahr munter, und hernach gerathen sie
alle in eine Schläfrigkeit. Der Indianer hat einen Hund, giebt ihm a-
ber nur sehr weniges Futter, so daß er kaum das Leben hat, schmeichelt
ihm aber dennoch nicht, dadoch der Hund auf Schmeicheleyen wohl noch mehr
zu halten scheint. Ihre unempfindliche Seele zeigt sich auch ferner noch in
nachfolgenden Stücken, wenn wir auf ihre Sitten sehen. Freyheit ist da
ihre Funtamental Idee, nichts freyeres wird gefunden, sondern hier
herscht ein allgemeiner Geist und Freyheit. Sie gehorchen Niemanden.
Die Eltern können den Kindern nichts befehlen, sie suchen auch kei-
nen Zwang, und wenn die Mutter der Tochter Wasser ins Gesicht, so är-
gert ihr dieses schon so sehr; daß sie sagt, sie soll bald keine Tochter mehr ha-
ben, und hängt sich auf. Sie suchen diesen Grundsatz immer der Jugend
einzuflößen. Keiner ist dem andern was schuldig. Sie erwählen sich ei-
nen Aeltesten, der die Streitigkeiten schlichten muß, es geht auch bey ihnen
keine Bestechung vor. Sie leiden aber auch keine gebieterische Bewe-
gungen, sondern prägen ihren Kindern den Geist der Unabhängigkeit
ein. Sie fangen frühzeitig an, allerhand Plagen des Körpers auszuste- 

/ hen

/|P_431

/hen, und einer sucht den andern hierin zu übertreffen, z. E. einige Tage zu hungern,
die Hände zusammenzubinden und eine glüende Kohle dazwischen zu legen,
um zu sehen, wer am ersten das Gesicht verzucken wird. Die Weiber gewöhnen
sich desgleichen an, hart zu seyn, in der Jugend spielen sie, und nach dem 15ten
Jahr werden sie schwermüthig und stumm. Die Weiber haben einen großen
Einfluß in die Staats-Geschäfte. Diese müssen die Caravanen bauen, das Es-
sen zurichten, mit auf die Jagd gehen, den Pfeil tragen etct: Uebrigens wer-
den sie von den Männern mit wenig Delicatesse tractirt. Was ihr Kriegs-We-
sen anbetrift: so mercken wir folgendes. Wenn die Völcker gleich Friede ha-
ben, so sind sie doch beständig auf der Hut. Aus den geringsten Datis können
sie etwas schließen, z. E. Ob ein Fremder gegangen, sie wissen dieses so genau
zu beurtheilen, daß sie in dem Grase, oder in dem Sande die Fußstapfen der
gegangenen Persohnen deutlich mercken können. Ja sie k«ö»ennen die ge-
ringste Spuhr des Feindes auch auf dem Stein, und wissen so gar von welcher
Nation die Persohn gewesen, daher sie ihre Fußstapfen wohl zu verber-
gen wissen. Wenn Junge Leute sich zum Kriege geschickt machen, so machen
sie eine geheime Freundschaft. Es wird auch ein Anführer gewählt. In
jedem Dorfe ist es der Älteste, der am meisten Hochgeschätzt wird, sie ha-
ben nun ihre Saschems, derselbe giebt ein Zeichen und so kommen alle zu-
sammen, die sich nun in den Krieg engagiren wollen, hauen ihre Axt in
den Baum und lassen sie stecken, wodurch sie sich zum Kriege erklähren.
Diese werden auch nicht weiter ge«s»zwungen, sondern die Ehre zwingt sie
von selbst, nicht davon zu gehen. Denn wird das Kriegs-Gericht gegessen, und

/ das

/|P_432

/das ist ein Hund, wobey auch ein Kriegslied gesungen wird. Ihr gantzer Krieg
läuft nur da hinaus den Feind zu überfallen. Sie führen das Treffen mit
(Bauren) Hauern, womit sie an den Kopf schlagen, jetzt haben sie auch schon
Flinten. Andere haben ein Holtz-Messer, mit demselben schneiden sie auf der
Fläche des Kopfes ein Stück aus, welches so groß als ein Thaler ist. Noch andere
schneiden den überwundnen Feinden den Schopf aus, hängen ihn ausser der
Cabane und schmücken das Haus damit aus. Ehe sie die Gefangenen mitbrin-
gen, (wobey aber ihr Absicht, so viel möglich zu verhüten ihre Leute zu ver-
liehren), wird in den Dörfern gesagt, was sie im Treffen verlohren ha-
ben, denn auch wieder was sie im Treffen gewonnen, da denn nachdem sie
vorher lamentiret, jetzt Sieges_Lieder gesungen werden. Nun werden die
Gefangenen vorgeführet und mit ihnen die entsetzlichsten Marter vorge-
nommen z. E. Sie binden ihn an einen Pfahl, singen fürchterliche Krieges-
Lieder, graben die Augen ihm aus dem Kopfe, zerdrücken die Sehnen, kau-
en seine Nägel oder reißen sie mit einer Zange aus, stecken Holtz darin-
nen, stecken es alsdenn an oder stecken es in eine Tabacks-Pfeife. Sie be-
weisen also dadurch eine ausserordentliche Unempfindlichkeit, oft lassen sie
ihn auch loß, und muß eine Pfeife Taback rauchen, nachdem sie ihn so gemar-
tert. Eine solche Kaltblütigkeit herrscht auch bey ihnen in Ansehung des an-
dern Geschlechts. Bey allen wilden Nationen sind auch gewisse Feste ge-
wöhnlich. Diese Völcker haben 1) Das Traum-Fest. Sie glauben nehm-
lich, daß das was einem des Nachts träumt, auch gewiß geschehen müsse,

/ z. E.

/|P_433

/z. E. Wenn Jemanden träumt er schlage Jemand todt, so tödtet er ihn gewiß. Ein
junger Mensch muß durch einen Traum erinnert werden, was er künftig
als seinen Schutz Geist ansehen soll. Ein Traum eines Privat-Mannes kann
oft Kriege erregen,
2 Das Todten-Fest, an welchem sie alle Todten auf-
graben und an den Galgen tragen, damit die Luft durchgehen könne,
und denn begraben sie sie wieder.
Die Freundschaft dieser Wilden ist aus-
serordentlich hoch getrieben. Der Friedens-Stab oder das Colument ist un-
ter allen diesen Völckern gebräuchlich, und ist eigentlich eine Tabacks-
Pfeife, welche mit einem grünen Laub umwunden ist, woraus die Häup-
ter der Partheyen rauchen. Einige drücken den Kindern den Kopf zwi-
schen 2 Klumpen Leimen in der Kindheit breit, und heißen Platten-Köp-
fe. Unter den Atorquins sind Kugel-Köpfe, wegen der Figur, die sie
den Köpfen durch die Kunst geben. Die Englischen Colonien in diesem
Welttheile sind blühend. In Virginien ist der Winter nur 3 Monath lang
und ziemlich scharf, der Sommer angenehm. Es wachsen daselbst Wein-
stöcke wild, aber noch hat kein guter Wein davon kommen wollen.
Pensilvanien, Manitond kommen in den mehresten Landes-Produck-
ten mit einander überein, sehr viel Holtz in den Waldungen, eine Men-
ge von Wild, welches gröstentheils vom Europäischen unterschieden ist.
Carolina und Georgien sind am südlichsten gelegen, und bringen auch
schon Seide hervor, imgleichen in China befindliche Kräuter. Wenn man
den St_Laurentz-Strohm hinauf und dessen Mündung ans frantzösische

/ Candida

/|P_434

/Candida befährt, so hat man anfänglich zu beyden Seiten ziemlich wüste
Länder. Bey Quebec aber und weiter hinan nach der Ontiaria und Erie
See hinauf, die vortreflichsten Länder in der Welt. La_Hontan ist aus
dem langen Fluße, der in den Missisippi läuft, weiter gegen Westen als
irgend ein Europäer gekommen, und hat von den Völckern daselbst ver-
nommen nehmlich den Tanglouken, daß sie bärtig, wohl gekleidet und
künstlich wären. Diejenigen, so den Missisippi herauf gefahren, finden
Völcker von fast ähnlichen Sitten, in einem sehr Fruchtbaren und wall-
digten im Winter aber sehr kalten Lande. Alle diese Völcker haben
sich mit der Europäer Ankunft sehr vermindert. Man findet bey allen
diesen Nationen, daß der Gebrauch des Kupfers viel älter bey ihnen sey,
als der Gebrauch des Eisens. In dem benachbarten Florida sind die Ein-
wohner sehr behertzt, sie opfern der Sonne ihre Erstgeburth. Das Land
hat große Perlen, und ist dem Carolina der Engelländer ähnlich.

/ ≥ Americanische Inseln. ≤

/Die Bouragiers und Flibustiers waren anfänglich Seeräuber, ha-
ben die Niederlassung in St_Christophle, Dominique, davon das Letz-
tere hernach den Frantzosen unterworfen wurde, veranlasset. Im
größten Theil vom Spanischen America sind viele spanische Pferde,
öfters auch Hunde die wild geworden. In Domingo sind beyde, und
haben die Art an sich ein großes Geräusche zu machen, wenn sie sau-
fen wollen, um die Cogmaner abzuschrecken. Die Negers welche hier als
Sclaven dienen, sind sehr zahlreich, oft gefährlich, die vom Senegal sind

/ die

/|P_435

/die witzigsten. Die von Monomotapa kommen bald um, und sind mehren-
theils sehr dumm. Einige fressen gerne Hunde, und werden dahero von den
Hunden angebellt. Sie sind in Ansehung des Todes sehr gleichgültig, vor-
nehmlich die von Castelanina sie tödten sich oft um geringer Ursachen Willen.
In den Antillen ist die Nation der Caraïbes hauptsächlich ausgebreitet und
in St_Vincent und Dominique regieren sie. Sie sind starck und groß, machen
sich den Leib roth, stecken in die Lippen kleine Steiner hinein. Ihre Stirn
machen sie durch ein Brett gantz platt und gleichsam eingedrückt. Ihre
Miene scheint melancholisch zu seyn. Der Caracallo oder blecherne Kopf-
Schmuck derselben ist von einem schönen unbekannten Metall, welches sie
auch an der Nase und Unter Lippe tragen. Sie können nicht begreifen,
wie man das Gold dem Glase vorziehe. Sie haben eigensinnige Grillen, und
ihr Stoltz ist ungemein, niemahls wird einer zur Christlichen Religion bekehrt.
In der Rache kennen sie keine Grentzen, und Versohnung ist ihnen unbe-
kannt. Sie brauchen die Spieß-Gewehre wenig; sondern Pfeile mit hölt-
zernen Spitzen, die mit dem Safte eines gewissen Baumes vergiftes
sind.

/ ≥ Von den Ländern am Eis-Meer. ≤

/Obgleich die Länder am Eis-Meer zum Theil zu den 2 andern Weltthei-
len gehören; so wollen wir doch um der Vergleichung Willen mit America,
etwas davon hier kürtzlich mitnehmen. Alle Völcker am Eis-Meer kom-
men darinn uberein, daß sie beynahe ohnbärtig sind. Doch hat Ellis am Hud-
sons-Bay, und dessen verbundenen Meere, Völcker in Equimauae an- 

/ getroffen,

/|P_436

/angetroffen, (sie) die im Gesichte sehr behart gewesen. Die Tschuckschi die
Nordlichsten unter allen Syberianern sind ein Tapfer Volck am Eis_Meer,
Gastfrey, ihr Gewerbe ist so wie hier, überhaupt Hirsch-Hund_Jagd. Die In-
seln Novazembla und Spitzbergen sind unbewohnt, aber man muß nicht
glauben, daß sie so gantz unbewohnbahr sind, als sie die Holländer die un-
ter Hemskink darauf überwintert gefunden haben. Professor Muller
berichtet, daß fast jährlich einige Russen um der Jagd willen den Winter
darauf zubringen. Unter den Vögeln von Spitzbergen mercken
wir nur an, den Eis-Vogel mit seinen blendend gläntzenden Gold-
Federn, und den Strand-Jäger, wegen seiner seltnen Eigenschaft, die ihm
den Nahmen gegeben hat. Der Wallfisch ist hier dasjenige Thier, des-
sen Fang die Europäer am meisten beschäftigt, wiewohl ehedem von
Wallrossen und ihrer Zähne Willen großer Profit ist gezogen worden.
Weiter Westwärts haben die Lappen ein überaus häßliches Gesicht, sind
aber nicht so klein, als man sie beschrieben. %.Anno 1735 sahe man einen
Riesen der δLücke Rheinländische Fuß groß war in Paris und war aus
Lappland gebürtig. Die Zauberey und Betrügereyen sind hier fast wie
in Syberien, werden aber immermehr abgestellt. Ein gewisser Abt be-
merckt, daß hier die Pferde zur Sommers-Zeit aus allen Dörfern in
die Wildniß gelassen werden, um sie zu dieser Jahres-Zeit in die Frey-
heit zu bringen, da denn die von einer Dorfschaft sich von selbst in ei-
nen bessern Bezirck halten, und mit den Uebrigen sich nicht vermen- 

/ gen

/|P_437

/gen, auch im Winter selten in die Stelle kommen. Die Grönländer bewoh-
nen ein Land, welches mit der Südlichen Spitze Foroe in nicht größerer Breite
als Stockholm ist, aber sich bis auf unbekannte Weiten nach Norden erstrecket,
die Ost-Seite dieses Landes ist gelinder, als die West-Seite, und hat zie«h»mli-
che Bäume wieder die Natur dieses Landes. Je weiter man in diesem
Himmels-Striche nach Westen kommt, desto kälter findet man die
Gegend. Nahe bey der Hudsons-Bay-Straße sieht man Eisberge,
deren Dicke 15 bis 1800 Fuß ist, und die mit einem Stein von 40
bis 50 Fuß Dicke, wohl Meilen weit umgeben sind. Weil sich der Wind
kaum bewegen kann, so mögen wohl Saecula dazu gehören bis sie
in die temperirte Zone getrieben werden, und daselbst zerschmelt-
zen. Die Eiß-Berge, welche neben den hohen Bergen in Spitzber-
gen auf dem Lande stehen, haben große Aehnlichkeit mit diesen und
den Gletschenden Alpen, welches zu artigen Betrachtungen Anlaß
geben kann. Hiebey ist nun noch zu mercken, daß das Wasser des Eis-
Meeres so gesaltzen und schwer ist, als eines in der Welt. z. E. Bey
Novazembla wo man das Muschel-Werck deutlich siehet. Man sieht
in der Hudsons-Straße eine unbeschreibliche Menge Holtz in die
See treiben. Ein gewisser Autor hält dieses für den sichersten Beweiß,
daß dieses Holtz aus warmen Ländern herkommen müsse, weil es bis

/ aufs

/|P_438

/aufs Marck von Würmern gefressen wird, die im kalten Erdreich
nicht anzutreffen sind.

/Der 4te Theil der Welt, den wir bewohnen ist Europa, und hie-
von ist nicht erst nöthig erwähnung zu thun, da man in Büschings
Erdbeschreibung von Europa alles antrift. Doch aber wird in ei-
nem Anhange noch etwas von Europa gesaget.

/ ≥ Ende
Der gantzen
Physischen Geographie.

/

/finita %anno 1784 %den 1ten Märtz.

/|P_439

/≥ Anhang
/Von Europa.
/Die Europäische Türckey.

/Bulgarien. An dem Berge, welcher das Land von Serwien scheidet, ist ein lauligtes
und 40 Schritte davon ein eißkaltes Bad. Sonst sind hier sehr viel warme Bäder. Es
giebt hier große Adler, deren Federn, ins besondere vom Schwantze in der gant-
zen Türckey und Tartarey sehr häufig gekauft werden. Die Drobriensche Tar-
tarn an dem Ausfluß der Donau südwärts, sind wegen ihrer Gastfreyheit be-
rühmt, da ein jeder Reisender von den Leuthen im Dorfe liebreich eingeladen
wird, mit ihnen vorlieb zu nehmen, und bis 3 Tage mit Honig, Eier und Brodt
umsonst aufgenommen wird.

/Griechenland. Der Berg Athos in Macedonien, auf welchem 22 Klöster sind,
soll zur Zeit des Sostitii aestivi seinen Schatten bis auf den Marcktplatz
der Stadt Tolimene auf der Insel Lemnas werfen. Das Wasser des Nils in
Morea ist bis zum Tale kalt, und so fressend, daß es Eisen und Kupfer auflößt.

/Die Mainotten, Nachkommen der alten Macedonier, sind bis auf diesen Tag
von den Türcken nicht bezwungen worden. Unter den Griechischen Inseln
ist Lemnos oder Stalimene wegen der terra sigillata sehr berühmt, welche mit vie-
len Ceremonien ausgegraben wird. Bey Negroponte ist der berühmte Euripus.
Die Insel Milo oder Melus besteht aus einem schwammigten durchweichten
Felsen, worunter ein beständiges Feuer würcket, so daß man es allenthalben

/ fühlt

/|P_440

/fühlt, wenn man die Hand in die Löcher des Felsens steckt. Einige Felsen auf die-
ser Insel rauchen wie die Schorsteine. Alaun und Schwefel findet sich hier häu-
fig. Die Luft ist ungesund aber das Erdreich ist fruchtbar. In Paros ist eine schöne
Grotte, welche aus durchsichtigem Christallischem Marmor besteht. In Candia
ist das Labirinth am Fuß des Berges Ida merckwürdig. Der vornehmste Gang
ist 12.000 Schritt lang, und man geht selbst ohne Wegweiser leicht darinnen.
Die Insel Santorini ist durch einen gewaltsamen Ausbruch des unterirdischen
Feuer aus dem Grunde des Meeres erhoben. Auf eben diese Art sind auch noch
4 andere rohe Inseln aus dem Meer, welches hier sonst unergründlich tief ist,
entstanden. Ueberhaupt ist Griechenland sammt seinen Inseln, an Feigen, Ro-
sinen, guten Wein und dergleichen fruchtbar. Die Einwohner sind sehr von ihrem
vorigen guten Character herrunter gekommen.

/ ≥ Ungarn

/Dieses Land ist im Inwendigen seines Bodens voll von Mineralien. Das
Caement-Wasser, die verschiedne Bergwercke, vornehmlich die Gold-Berg-
wercke zu Chemnitz und Cremnitz, wovon sonderlich letzteres das feinste
Gold liefert, jetzt aber beyde kaum die Unkosten verlohnen; die heißen
und tödlichen Quellen, imgleichen die Eishölen sind Zeugnisse davon. An
den niedrigen Orten, wo die Donau Sümpfe macht; ist die Luft sehr unge-
sund. Der Wein ist der Beste in Europa.

/ ≥ Italien

/Dieses Land ist oberwärts von Westen nach Osten durch eine Reihe von
Bergen (die Alpen genannt, welches Wort überhaupt einen hohen Berg an-
zeiget) von Franckreich und der Schweitz abgesondert, und mitten durch

/ von

/|P_441

/von Norden nach Süden von den Appenninischen Gebürge durchschnitten.
Die Europäische Obst-Arten sind mehrentheils alle aus Italien berpflantzt,
und nach Italien sind sie aus Griechenland und Asien überbracht worden,
als die Apricosen aus Epirus, der Pfirsig aus Persien, die Citronen aus Medien,
die Granat-Aepfel (mala punica) aus Carthago, die Castanien aus Casta-
nia in Macedonien, die besten Birnen aus Alexandrien, Numidien und
Griechenland, und die besten Pflaumen aus Armenien und Damascus. Lu-
cullus
hat die ersten Kirschen aus Pontus gebracht. Als Alexander Persien
bezwang, wurde das tolosericum, oder Zeug aus lauter Seide so theuer
als Gold, nachhero wurden Seidenwürmer nach Griechenland und
Italien gebracht. Eben dieses ist auch mit dem Wein geschehen.

/Italien ist vor Zeiten viel waldigter, Kälter und wahrscheinlicher Weise
auch unbewohnter gewesen als jetzt. Die Einwohner Italiens sind nun-
mehro vermischten Geblüths; also ist es schwer ihren Charackter zu bestim-
men; doch sind sie eifersüchtig, rachgierig und heimlich, sonsten sinnreich und
kluge Politici. In Savoyen ist der Mons δLücke der berühmteste,
über welchen der Eingang aus der Schweitz nach Italien ist. Anno 1751 wur-
de einer der romantischen Gebürge zum Feuerspeyenden Berge. Die
Savoiarden sind arm, aber redlich. In den Bergen reisen die Männer mit
MaulEseln aus, samt einem kleinen Kram, und kommen fast alle
zu gleicher Zeit nach Hause, welches auch die Ursache ist, daß hier fast alle
Weiber zugleich ins Wochen_Bette kommen. In Savoyen herschen un- 

/ gemein

/δLage_FFF

/|P_442

/gemein große Kröpfe, vornehmlich unter den Weibern.

/Piemont ist sehr fruchtbar. Der Berg Rauschenaton ist der höchste unter den
Welschen Alpen. Eine Pistole knallet auf dem Gi«f»pfel desselben, als ein Stock
den man zerbricht. Der Berg Urso, der gegen Mittag dem Thal Lucern ge-
genüber liegt, ist derjenige, wodurch Hannibal seinen Weg durchgehauen,
welcher noch zu sehen ist. Auf den höchsten Alpen findet man weiße Haasen,
weiße Rebhüner und Nordische Pflantzen, so wie in Lapland. Der Rumor
ist ein Thier, welches von einem Stier und einer Stutt, oder von einem Stier
und einer Eselin gezeugt wird. Jener heißt Baf; dieser heißt Buff. Kopf und
Schwantz sehen einem Stiere ähnlich, er hat aber keine Hörner, sondern
nur höckrigte Stellen an den Orten, wo sie stehen sollten. Sonst sind sie der
Mutter ähnlich, aber nicht so groß, als Maulesel, laufen schnell, sind sehr starck,
und fressen wenig. Steinöhl wird an verschiednen Orten Italiens von den
Bäumen, über deren Wasser es sich ergießt, geschöpft, vornehmlich bey Mo-
dena. Bey Bologna wird der bekannte Bologneser-Stein, der, wenn er
calcioniret wird, Licht in sich saugt, gefunden. Das unmittelbare Licht ist
für ihn zu starck, darin zerfällt er. Von den Me«r»erdatteln, einer Art
Muscheln, die in einem Schwammigten Stein gefunden werden ist
schon gehandelt. Hier mercken wir nur noch von ihnen an, daß ihr Saft im
Finstern so helle leuchtet, daß man dabey lesen kann. Der Muscatel-
ler-Wein ist bey Monte Fiascone der Beste. Pietra sargifera bey Ne-
apel trägt bis 4 Pfeifen, wovon schon gehandelt worden. Die Steine die
der Vesuvius auswirft enthalten oft edle Metalle in sich. Die Schw«e»itz- 

/ Bäder

/|P_443

/Bäder bey Neapel sind Gewölbe vom See Agrano, an denen eine Oefnung ist, wo-
raus ein Sehr heißer Dunst herrausbricht, der die Gewölber anfüllet, und die
welche sich darin befinden zum Schwitzen bringt. Salfatera ist ein kleines Thal,
in welchem Dampflöcher sind. Die Steine die rings um eine solche Oefnung
liegen sind immer in Bewegung, und wenn man eine Hand voll kleine
Steine hineinwirft, so werden solche 6 Ellen hoch getrieben. Salfatera und
Vesuvius haben mit einander gemeinschaft. Das Erdreich ist hier hoch, und das
Echo dauernd, wenn ein Stein in ein gegrabnes Loch geworfen wird.
Apulien ist sandigt, ohne Quellen, wo Menschen und Vieh aus künstlichen
Cisternen getränckt werden. Es regnet hier sehr wenig. Der Wein ist et-
was saltzigt, aber die Wasser_Melonen vortreflich. Die Meerenge zwi-
schen Sicilien und dem heutigen Calabrien, welche die Straße von Messina
genannt wird, ist wegen des Strohmes Merckwürdig, der die Ebbe und
Fluth macht. Der nordliche Strohm, der durch die Küste Italiens bestimmt
wird ist der stärckste, so daß die Schiffe selbst nicht mit einem starcken Sturm-
Winde dagegen fahren können, ja selbst nicht einmahl quer über fahren
können. Bey Messina, gerade vor dem Hafen, entsteht ein Wirbel, ge-
nannt Charibdis aus den zweyen gegeneinander laufenden Ströhmen.
Wenn kein Süd-Wind ist, so ist er unruhig. Malta ist gantz Felsigt, und kann
die Einwohner nur auf ein halb Jahr mit Getreyde ernähren.

/ ≥ Fra«m»nckreich. ≤

/Von der Erde dieses Landes bezeugt Guett_Fordt, daß es zweyerley Arten
des Bodens gäbe. 1 In Paris, Orleans und einem Theil der Normandie

/ sey

/|P_444

/sey das Erdreich lauter Sand, und darin kein ander Metall als Eisen. Die-
sen Kreis umschließt ein zweyter, wozu Champagne, Picardie, Turenne,
Berry, und ein Theil der Normandie gehören; dieser halte nichts als Mer-
gel in sich; Der Dritte Theil soll die bergigte Theile des Landes in sich fas-
sen selbst durch Deutschland und Engelland sich ausbreiten und allerhand
Steinbrüche und Metalle in sich halten. Die Sieben vorgegebnen Wun-
der des Delphinats sind lange wiederlegt worden. Der Gabel-Baum
wächst in Languedoc. Sein Stamm ist bis 4 Fuß hoch. Oben auf dem
Stamm wächst eine Anzahl gerader Zweige, die man durch Beschnei-
den zu dreyzackigten Gabeln bildet. Nachher werden sie i«n»m heißen
Ofen noch mehr ausgebildet. Der Canal von Languedoc ist 240 frant-
zösische Meilen lang, hat 6 Fuß Wasser und 64 Corps de l'eau, deren
einige 2 bis 4 Schleusen haben. Der Canal hat 13 Millionen gekostet.
Bey dem (Flecken) Flecken Ballaryl in Languedoc ist ein so temperir-
ter warmer Brunnen, daß er Eyer ausbrütet, dem ohngeachtet wird
das Wasser langsamer zum Kochen gebracht, als das gemeine Wasser, ob-
gleich das Ausgeschöpfte diese Wärme 8 Stunden lang behält. In der
Gegend von Clermont sind versteinernde Qwellen, davon eine, eine
ordentliche steinerne Brücke formirt hat, unter welcher ein Bach fließt.
Man hat diese Quellen in verschiedne Arme getheilt, und ihr dadurch
meistens die versteinernde Kraft benommen. Man trinckt es oh- 
ne Schaden.

/ ≥ Spanien

/Dieses Land hat nur 7_1/2 Million Einwohner. Zur Zeit der Gothen %und

/ Mohren

/|P_445

/Mohren hat es deren wohl 4 mahl so viel gehabt. Das Kloster-Leben, die Be-
völckerung Indiens, und die Schlechte Wirthschaft sind Ursache daran. Die
Spanier sind fast alle mager, wozu der Genuß vieler Gewürtze, und hitzi-
ger Geträncke sehr viel beyträgt. Es giebt selten irgendwo mehr Blinde
als hier. Seit der Entdeckung Indiens sind viele Menschen aus dem Lande
gegangen. Die Asturier sind wegen ihrer Gotischen Abkunft sehr berühmt.
Ihre Pferde sind sehr gut. Bey Bejor in Estremadura sind 2 Quellen,
davon die eine sehr kalt, und die andere sehr warm ist. Die Andalusischen
Pferde übertreffen alle.

/ ≥ Portugall. ≤

/Hat bis 2 Millionen Menschen; Man ist hier so wie in Andalusien ge-
wohnt, des Mittags zu schlafen, und des Abends, Morgens, und die Nacht
zu arbeiten. Aus Brasilien ziehen die Portugiesen nur allein an dem
darin gefundnen Golde 12 Millionen. Auf dem Gebürge Estrella, ist
ein See, der immer in einer Sprudelnden Bewegung ist.

/ ≥ Schweden

/Ist arm an Getreide. Man hat ge«h»lehrt, Brodt aus Bircken und Fichten Rin-
den, ja aus Stroh und Wurtzeln zu backen. Man hat hier Silbergruben,
vornehmlich Kupfer und Eisen Bergwercke, auch etwas Gold. Es hat 3 Mil-
lionen Einwohner. Die Insel Oestland hat kleine und muntere Pferde.
Die Trolhatta ist ein dreyfacher Wasserfall der Gothischen Ebbe. In dem
Südlichen Theil von Lapland wird einiges Getreide gesammelt. Die Vieh-
Bremsen sind eine unendliche Beschwerlichkeit. Lange Fußbretter, wo- 

/ rauf

/|P_446

/rauf man einen Wolf im Laufen erhascht. Nutzbarkeit des Rennthiers, ei-
nige besitzen deren etliche Tausend. Die Lappen sind braun, mit schwart-
zen Haaren, breiten Gesichtern, Eingefaltenen Backen, spitzen Kinn,
faul und feige. Finnland hat große Perlen.

/ ≥ Norwegen nebst den Inseln Faraes und Island

/Der Winter ist hier unerträglich, ausser in denen Gebürgen, von denen
auch große Schneeballen herrabstürtzen, die alles zerschmettern. Oef-
ters fallen auch Stücke von Bergen herrab. Die Oestliche See ist in An-
sehung der Witterung, von der westlichen sehr unterschieden. Der schma-
le Busen, den das Meer oft 8 Meilen weit ins Land macht, und de-
ren etliche, die Brisinen genannt werden, nur 80 bis 100 Faden
breit, aber 400 Faden tief sind, sind häufig. Der Norwegische Strand ist
an den meisten Orten steil. Man findet hier viel Marmor und andere
Stein_Arten, etwas Gold und Silber, aber mehr Kupfer und Eisen. Der
Mehlstrohm entsteht von der Ebbe und Fluth, nur daß seine Bewegung
der andern Küste entgegen gesetzt ist. Es soll gar kein Wirbel da-
rin seyn, sondern nur ein Hochsteigen des Wassers. Schelderung aber
will viele dergleichen Wirbel, die umgekehrten kegeln gleich wä-
ren, 4 bis 5 Klafter und Durchschnitte, aber 5 Klafter in der Tiefe
hätten, gesehen haben. Das Letztere geschieht zur Zeit der Spring-Fluth.
Die Finnlappen leben gröstentheils von der Fischerey. Die Insel
Faraes hat einen ziemlich mäßigen Winter und Sommer. Sie besteht aus
bloßen Felsen, die aber eine Elle hoch Erde über sich haben. Sie haben

/ einen

/|P_447

/einen Ueberfluß an Schaafen und Gänsen. Die Insel Willadimon hat die
Eigenschaft an sich, daß auch weiße Schaafe, die hier ausgesetzt werden gantz
schwartze Wolle bekommen. Die Insel Island, ist von Morgen nach Abend
mit einer Reihe von Bergen durchschnitten, worunter einige Feuer aus-
werfen wobey zugleich der schmeltzende Schnee erschreckliche Giesbäche
macht, die die Thäler verwüsten. Man merckt, daß wenn Schnee und Eis
den Mund eines solchen Berges stopfen, der Ausbruch des Feuers nachlas-
se. Es giebt viele heiße Quellen, deren einige ihr Wasser kochend in
die Höhe spritzen, und die daran wohnen kochen ihre Speisen in dem
darin gehängten Kesseln. Die Schaafzucht ist hier sehr ansehnlich. Sie
suchen sich bey gutem Wetter, auch selbst im Winter ihr Futter hervor.

/ ≥ Rußland

/Die Asiatischen Länder sind von den Europäischen dieses Reiches zwar
Geographisch unterschieden, die physische Grentze aber könte der Fuß
Jeniza, wie Gmelin meint, machen. Denn Ostwärts dieses Flußes än-
dert sich die gantze Gestallt des Erdreichs, da die Gantze daselbst gele-
gene Gegend bergigt ist, und auch andere Pflantzen, fremde Thiere,
als das Bisam_Thier, und andere mehr anzutreffen sind. Der Fisch Be-
lug, so in dem Volga anzutreffen, schluckt bey jährlicher Aufschwel-
lung des Strohms, große Steine statt Ballast herrunter, um auf dem
Grunde erhalten zu werden. Der Störled und der Stör haben einen

/ geringen

/|P_448

/geringen Unterschied, ausser daß jener delicater von Geschmack
ist. Beym Kloster Troitz und in den Gräbern von Kiajo sind ei-
nige aus natürlichen Ursachen unverweset. Körper die man
fälschlich für Märtyrer ausgiebt.

/δRest_leer

/δEnde