Friedlaender

SBB-PK Berlin: anonymes Ms germ quart 398
Transkript: 1998 / 2002
Braun: Übereinstimmung mit den Zusätzen bei Philippi.

Fassung vom: 23. Januar 2006 / 29.05.2007 / 17. 8. 2010

Knopf

 

/|P_a

/ ≥ Physische
Geographie.

/oder

/Mathematische Kentniße
der Erde.

/ 1772. ≤

/|P_b

/δleer

/|P_1

/ Phisische Geographie.

/Mathematische Kentniß der Erde. ≤

/Alle Materie in diesem unendlichen Raum ist in
lauter Kugeln anzutrefen.

/Diese Kugeln sind alle bewegt, und diese Bewegung geschicht,
entweder allein, und ihre eigene Axe, oder auch zugleich um
einen gewißen Körper, der ihr gemeinschafftlicher
Mittel_Punct ist, die letztere heißt die Centralbewegung,
und ein solcher Körper ein Central_Körper. %und die Körper
die sich in verschiedenen Kreysen um denselben bewegen,
machen mit ihrem Central_Körper ein System.

/Alle Körper sind entweder selbstleuchtende, oder dunkele
Körper. Eine Kugel die selbstleuchtend ist, und sich
nur um ihre Axe drehet, heißet eine Sonne, dergleichen
sind die Fixsterne Dunkele Körper, die von der Sonne
erleüchtet werden und deren gemeinschaftlicher Schwer¥
Punct dieselbe ist, heißen Planeten.

/Das Centrum (der MittelPunct) ist der Ort, wohin
alle Körper Vermoge ihrer Schwere fallen würden, folg-
lich der Unterste.

/Die Sonne ist der Central_Körper, weil nach der
Physischen Astronomie, alle Körper dahin fallen wür-
den wenn die Schnell-Krafft (vis Centrifuga) sie nicht
daran verhinderte

/|P_2

/Die Erde hat eine doppelte Bewegung sie bewegt
sich um ihre Axe und um die Sonne in einem
Zirkel. Durch die erste Bewegung werden die Pole, der
Aequator, die Meridiani und die Parallel-Zirckel be-
stimt, durch die letztere die Ecliptis, Tropici, und Pol
Zirckel,
die Erde ist bey den Polen gedrückt, und unter
dem Aequator erhaben, sie ist daselbst über 9 deüt-
sche Meilen höher als unter den Polen, die Perpend-
iklen schlagen dort langsamer als hier, und die Körper
sind daselbst um den 28ten Theil leichter als
hier.

/Die Erde hat.

/1) Eine Iährliche Bewegung um die Sonne, und dieses
mit allen Planeten, um vielleicht auch mit der
Sonne %und Fixsternen, und einen gemeinschafftli-
chen Central-Körper, welches Vieleicht der δLücke

/2) Eine Bewegung um ihre Axe.

/ ≥ Figur der Erde. ≤

/Sie hat eine Kugel_Gestalt, die Materie woraus sie
besteht und gebildet ist muß Flüßig gewesen seyn,
weil alles flüßige bey seiner Bildung eine Ku-
gel_Form enthält, welches aus den Gesetzen den Schwere
und Anziehung nothwendig erfolgt, indem nur ein
durchgängiges Gleich_Gewicht statt-findet, wo alle
Durchschnitte einander gleich sind

/|P_3

/Obgleich die Erde jetzo fest ist, so muß sie doch
vor ihrer Bildung flüßig gewesen seyn. Den alles
was sich bilden soll muß flüßig seyn.

/Der König_von_Frankreich, gab außdrüklich der
Academie der Wissenschaften zu Paris auf, zu be-
stimmen, ob die Erde eine Circul oder Ovale Fläche
habe, weil den Seefahrenden viel daran gelegen ist,
maßen sie sonst bereits auf einer Klippe sitzen
könten, wenn sie noch 12 Meilen davon entfernet zu
seyn gedächten. Es wurde dahero durch das Observato-
rium zu Paris, nach 2 Verschiedenen Oertern, eine
Mittags-Linie von 20 Meilen gezogen, auch 3 Parthey-
en Gelehrte an weit entlegene Oerter geschickt, hie-
rüber Versuche anzustellen, welche denn Endlich fan-
den, daß die Linie die durch den Aequator gezogen wird
9 deütsche Meilen länger sey, als die welche durch
die Polos gehet; daher auch die Körper auf den Ae-
quatore, wegen der schnellen Bewegung der
Erde, einen Theil ihrer schwere verliehren.

/ ≥ Gestalt der Erde. ≤

/Kein Himmels-Körper ist eine Völlige Kugel weil
diese Gestalt mit der Bewegung, um die Axe
nicht bestehen kan. so ist z. Ex. Iupiter an seiner
Axe um den 13ten Theil leichter. Durch die Schnell-
Krafft verliehren die Körper etwas von ihrer eigent- 

/|P_4
lichen Schwere, dieselbe ist da wo durch die Bewe-
gung der Großte Bogen beschrieben wird, am grö-
sten, folglich dünsten die Theile in der Höhe; da wo
der Bogen den die Bewegung beschreibt am kleinsten
wird, geht ein Theil der Schnell_Kraft verlohren, und
die Körper gewinnen einen Theil ihrer eigent-
thümlichen Schwere wiederum, und sie neigen sich
zu ihrem gemeinschaftlichen Mittel-Punct.
folg-
lich ist die Erde um die Pole Platt.

/Warum könte der Körper nicht inwendig hohl
seyn, da wir doch nur seine Oberfläche nutzen?

/Als den würde ein Großer Theil der der Schwere
der Materie oder ihrer Anziehung verlohren gehen,
und die Fluth würde alle 6 Stunden die gantze
Oberfläche der Erde unter Waßer setzen.

/ ≥ Mathematische Verhältniß derselben. ≤

/Wir treffen auf der Erde.

/1) Puncte.

/2) Linien oder Zirckel-Linien

/3) Zwischen den Zirckel-Linien gewiße eingeschloßene
Strichen an.

/Wenn keine Bewegung statt fände, so könten
keine Linien bemerket werden.

/Durch die Bewegung der Erde um ihre Axe

/|P_5

/bekommen wir nun Erstens 2 Puncte um eine
Linie. Dieses sind die Poole, und die Linie die
durch die beyden Poole Geht, %und die Axe heißt.

/Wenn ich diese Linie habe, so @komme@ ich auf die
Mitte dieser Linie, %und folglich auch auf die Mitte
der Kugel Puncte in einerley Direction fallen
laße, so entstehet eine Gerade Linie, %und diese
heißt der Aequator weiter kann ich durch die bey-
den Poole beliebige Linien ziehen, %und dieses sind
die Meridianen.

/Betrachte ich die Erde als Ruhend, so bekomme
ich nur gewiße Zirckel, die durch die verschiedene Stel-
lung der Menschen bestimt werden. Dieses sind die
Horizonte.

/Die Horizonte sind zweyerley, der Physische
und der Mathematische. Der Physische Horizont ist die-
jenige Linie die der Mensch hier auf der Erden
übersehen kan, Der Mathematische, der halbe
Zirkel, oder die HämiSphäre deßen was er am
Himmel übersieht.

/Kein Circul hat einen Anfangs-Punct noch
Ende Punct. Unter den 360 %Grad des Aequators ist also
keiner der Erste, sondern ich fange sie an von da
zu zählen, wo ich den Ersten Meridian setze, und

/|P_6

/Dieses ist wieder Willkührlich. Die Frantzösischen
Meß-Künstler haben auf Befehl des Königs den
Ersten Meridian durch die Insel Ferro gezogen,
und diesen folgen die mehresten.

/Dieses voraußgesetzt, das nehmlich der Meridian
der Insel Ferro für der Ersten angenommen wird,
so zählet man die Grade der Länge (oder der ent-
fernung) eines Orts von der Insel Ferro, und dieses
heißt eine Länge.

/Die Art wie man verfährt ist diese, man zählet von
Abend gegen Morgen, weil alle Himmels-Körper sich
nach der Gegend hinbewegen, und alsden setzt man
entweder schlecht hin Länge, oder Östliche Länge,
Man kan aber auch von dem Meridian zu Ferro die
Westliche Länge eines Orts bestimmen, indem man
von Ferro gerade gegen Westen hinzählet, alsdenn
aber wird beständig hinzugesetzt Westliche Länge.

/Die Verschiedene Länge zweyer Oerter, ändert
in der Witterung %und Cluma nichts, als
daß an einem Ort früher Tag wird, als
am andern.

/Die Meridianer sind zwar auch Zirckel, aber sie
werden an bestimten Ort durchschnitten, %und da
wo sie durchschnitten werden, sind ihre Anfangs und
Ende Puncten. sie werden geschnitten durch die

/ beyde Poole

/|P_7

/beyde Poole, und auch 2_Mahl durch den
Meridian. sie haben also 4 Anfangs und Ende¥
Puncte.

/Durch dieses Durchschneiden wird ein Meri-
dian in 4 Gleiche Theile gethei«h»lt, und ein solches
Theil heißt Quadrans. Da nun hier der Erste
Grad nicht Willkührlich ist. sondern durch gewiße
Puncte bestimt wird, so darf ich nur die An-
zahl der Grade von ein Puncte bis zum andern
bestimmen, und die Größte Breite wird also
90 %Grad seyn, da die Größte Länge, unbestimte Größe ist.

/Die Länge eines Orts war seine Entfernung
vom Ersten Meridian, und seine Breite ist die Ent-
fernung vom Aequator. Ein Ort kann sich nur
also vom Aequator gegen Süden und Norden
entfernen. Seine Entfernung gegen Süden heißt
die Süder Breite, und seine Entfernung gegen
Norden, Norder-Breite.

/Alle Oerter die einander Parrallel sind, haben
einerley Breite, einerley Breite macht einerley Clima
und gleiche Iahres-Zeiten, den nur aus der verschie-
denheit der Breite, entsteht die Verschiedenheit des
Clima oder der Zonen, Ein Ort deßen Breite klein
ist, liegt unter einer Warmen Himmels-Strich.

/|P_8

/Ein Ort deßen Breite Groß ist liegt unter ei-
nem kalten.

/Die Zahl der Grade eines Meridians ist die
Breite eines Orts. Um die eigentliche Breite eines
Ort zu finden, zähle ich die Grade des Meridians
vom Aequator an, Wenn ich vom Aequator bis zum
Pool zähle, so finde ich 90 %Grad als die Breite des Pools.

/Ist mir die Länge %und Breite eines Orts gege-
ben, so kann ich sogleich finden wo der Ort liegt.

/Aus der Bewegung der Erde um die Sonne entsteht
eine dritte Linie, die zwar nicht auf
der Erde kan gezeichnet werden, aber die dennoch
die Ursache von andern Linien ist, dieses ist
die Ekliptick deren Größte Neigung gegen die
Poole 23_1/2 %Grad ist und die mit der Axe einen
Winkel von 66 Grad macht.

/Die Größte Abweichung der Sonnen vom Aequator
heißt der Tropicus, %und zwar die Südliche Größte
Abweichung Tropicus Capricorni, die Nordliche
Tropicus caneri, sie heißen auch Winde-Zirkel,
%und sind mit dem Aequator durch dem Puncte der
Größten Abweichung gegen Norden %und Süden
Parrallel gezogen, Polar_Zirckel sind solche die
von den Poolen eben so weit abstehen als
die Tropici vom Aequator.

/|P_9

/ ≥ Folgendes der Verschiedenheit der Längen
zweyer Oerter in Westen %und Osten. ≤

/Es ist kein anderer Unterschied als der Stun-
den des Tages, 15 %Grad der Länge geben eine Stun-
de Unterschied. D. i. zweyen Oerter deren einer
von dem andern 15 %Grad ostwärts liegt, zählet immer
eine Stunde früher als der andere. z. Ex. Smolens-
ko in Absicht auf Königsberg.

/Daher Geschieht es das diejenigen die von Osten
nach Westen die Erde umschiffen, allemahl in ihrer
Rechnung einen Tag verliehren, und die von
Westen nach Osten diese Reise thun, einen
Tag gewinnen.

/ ≥ Folgendes der Verschiedenheit der Breite. ≤

/Oerter die unter dem Aequator liegen haben keine
Breite. Diejenigen Völcker die zwischen dem
Aequator liegen, werfen ihre Schatten ein halb
Iahr nach Süden, und das andere halbe Iahr
gegen Norden, und 2_Mahl im Iahr haben sie
die Sonne über ihrem Kopff, und werfen
keinen Schatten von sich, Die zwischen dem
Tropicus Caneri, und dem Polar_Zirckel liegen,
werfen ihre Schatten gegen Norden, und die
Südlichen Polar_Zirckel (Circulus Polaris
an«c»tarcticus) liegen, werfen ihre Schatten
gegen Süden. Unter den Polen dauert der

/|P_10

/längste Tag ein halb Iahr, %und die längste
Nacht eben so lang, Man hat angemerckt, daß
die Wendungen den Bohnen %und Schnecken, mit
der Sonne fortlaufen, bey den Hopfen aber
umgekehrt.

/Wen die Sonne in dem Aequator tritt, so
heißt dieses das Aequinoctium, und als den ist
Tag und Nacht allenthalben gleich Weicht sie bis
zum 23 %Grad Norder Breite ab, welches den 21ten
Iunii geschieht so haben wir den längsten
Tag, und dieses heißt, das Sommer Halbe Iahr,
welches bis zum 21ten September dauert.
alsden entfernet sich die Sonne vom Aequa-
tor bis zum 21ten December, da ihre entfer-
nung 23 %Grad Südliche Breite ist, und alsden haben
wir den kürtzesten Tag, und das Winter
Halbe Iahr.

/Durch den Aequator wird die Erd-Kugel
in 2 Hemisphären eingetheilt, die gleiche Breite
und Climata haben, Der Erd-strich vom Aequator so-
wohl zu dem Tropicur caneri als auch zu dem
Tropicur Capricorni heißt die Zona torrida.
Die Witterung ist hier sehr heiß weil hier
die Sonen Strahlen 2_Mahl im Iahr Perpen-
diculair herabfallen, und also die Sonne

/|P_11

/auf dem Boden der Brunnen Perpendiculair
herabscheint, %und eine Perpendiculair aufgerich-
tete Stange keinen Schatten von sich Wirfft.

/Zwischen dem Polar_Zirckel %und den Tropicis
sind die Zonae Temperatae, %und zwar auf der
Nordlichen Hälffte die Zona temperata septen-
trionalis, und auf der Südlichen Halffte die
Zona Temperata australis, und von den beyden
Poolen bis zu dem Polar_Zirckel, sind die kalten
Erd-Striche - Zonae Frigidae - In jenen ist die Wit-
terung gemäßigt, in diesem sehr kalt, außer
wenn der letzte Tag ist, da alsden hier die Größ-
te Hitze auf dem Erdboden ist, weil ihnen die
Sonne niemahls untergehet. Ie näher man dem
Pool kömt je weniger Unterscheid in Absicht
auf die Gegenden der Welt %und würden wir
den Polar-Stern über unsern Kopffe haben,
so würde aller Unterscheid aufhören, und
wir würden nicht wißen, gegen welche Gegend
der Welt wir unser Gesicht gedrehet hätten
Dieses ist auch die Ursache, daß diese Ge-
gend, so gefährlich zu befahren ist, weil
die Schiffer zuletzt nicht wißen in was
für einer Gegend sie sich befinden.

/|P_12

/Was die Figur der Erde betrifft so ist dieses
nicht eine Völlige Kugel, sondern gegen die
Poole zu abgeplattet (eine Sphäreide) Die Er-
höhung des Aequators beträgt 3_1/2 deutsche Meilen
mehr, als der Durchschnitt nahe am Poole.

/ ≥ Ihre Größe. ≤

/Ihr Diameter ist 1720 deütsche, beßer Geo-
graphische Meilen und der Umkreiß dersel-
ben 5400. Eine deütsche Meile in dem Ver-
stande, wie sie hier genommen wird, ist der
15te Theil eines «Aequators» Grades des Aequa-
tors, da Politische Meilen nur 12 auf einen
Grad gehen.

/Ludwich_der_XIVte König von Franckreich
ließ verschiedene Grade meßen, und es
wurde gefunden das eine Geographische
Meile 2.000 Reihnländische Ruthen, oder 2400
Ordentliche Werk-Schue enthalten.

/Ein Geometrischer schritt soll nach der ge-
meinen Meinung 5 Fuß außmachen, er ist
1/1.000 einer Minute, welche der 60zigste Theil
eines Grades der Erde ist, folglich nach der
neüesten Außmessung der Erde beynahe
6 Fuß @%rheinländisch@.

/|P_13

/Eine sachßische Policei Meile hält 30.000
Werkschuhe See-Meilen gehen 20 auf einen
Grad.

/Eine Klaffter, Toise, Faden, Lachter, in den Berg-
werken hält 6 Fuß oder 5 Dresdner Ellen.

/ ≥ Allgemeine Eintheilung der Erde. ≤

/Alle Körper sind entweder organisirte oder Mor-
ganisirte. Zu jenen gehören alle Körper, die
Wachsen, %und sich fortflantzen, das sind gewiße
aus der Vermengung entspringende Erd Producte.
Diese heißen Elemente. Die Elemente werden
gewöhnlich eingetheilt in Füer, Lufft, Waßer und
Erde.

/Das Feüer durchdringt alles, obgleich nicht al-
lenthalben in gleichem Maaße, %und hat also keinen
besondern Ort. Die Lufft umgiebt alles %und hat
also gleichfalls keinen besonderen Ort für sich
Es bleibt also nur noch Waßer %und Erde Übrig.

/Die Oberfläche der Erde ist nun in Erde und Wa-
ßer vertheilt, dieses ist entweder ein Product
des Landes als z. Ex. Flüße, Pfützen, oder
nicht, und den heißt es Meer.

/Alles feste Land ist in Form der Inseln
vertheilt, und es ist ein gewißes allgemeines
Meer Archipelagus der Länder, und dieses Meer

/|P_14

/heißt der Ocean. Es ist wahrscheinlich, daß der-
selbe ehemals die Erde bedeckte, %und daß das
Land in demselben gebildet worden, die andere
Meere kan man als Busen von diesem Großen
Meere betrachten. Buffon macht schon die Anmer-
ckung daß man unter Meer %und See folgenden
Unterscheid mache. Man nenne nehmlich ein Gro-
ßes Gewäßer allenthalben mit Land umgeben
ein Meer wie z. Ex. das Harlemmer Meer, das Mit-
telländische, das Todte Meer, und das Ca-
spische %und umgedreht, was nicht mit Land um-
geben ist See, wir aber sagen umgekehret das
atlantische Meer, das Stille Meer, die Ost See, das
Wort See, aber wird auch noch in Absicht auf das
Genus von uns unterschieden. Land-Seen z. Ex.
der Genfer-See, der Booden See, heißen der
See %und jene Gegentheils der See.

/Der Ocean wird in ansehung der Pole eingetheilt,
in den Australischen %und in den borralischen, beyde
heißen das Eiß-Meer, In ansehung der beyden
Halb Kugeln, der Westliche, %und der Östliche, in den
Temperirten Zonen in das Atlandische Meer. Zwi-
schen Europa %und Africa, das Stille Meer,
Es wird
darum so genandt weil es von Sturm ziemlich
frey ist.

/|P_15

/Die Ost-See hat für uns einen unschicklichen
Nahmen indem sie uns gegen Norden und
Westen liegt. Die Ursache davon ist folgende.
Dieses Meer ward erst im 800 Iahr nach Christi
Gebuhrt, unter der Regierung des Alfredarn, den
Engeländern endeckt, welche«s» es auch diesen Nahmen
Gaben.

/An der Africanischen Küste heißt das Meer
das Atiopische, %und das Indische hat den Nahmen
von seinem Lande.

/Ein Meer wo viele Inseln sind heißt Archipe-
lagus, als z. Ex: der Griechische, Phillippinische, Molucksche.

/Ein Meer welches durch die Einschließungen von
Land beynahe umschränckt wird, heißt ein Busem,
Eine Straße, die Gemeinschafft zweyer Meere,
die durch Landt vereinig«n»et wird, Busen sind
Vertiefungen der Meere %und Halb-Inseln Vertie-
fungen des Landes.

/Die Oberfläche der Erde wie schon angemerckt.
wird in Meer und Land eingetheilet. Das Erste
nimt 2/3 der ganzen Fläche mit vielen Nutzen ein
Das Meer wird eingetheilt, in den Ocean, die
Mittelländische Meeren und Seen, Die verschiedene
Theile des Oceans. von dem Meer-Busen Golfo,

/|P_16

/Bays, Meerengen, Häfen, %und Ancker Plätzen.

/Die berühmteste Straßen, und zwar. ≤

/1tens In Europa

/1) Die Straße von Gibraltar bey den Holländern schlecht-
hin die Straße. Daher die nach der Lewante fahren
schlecht weg die Straßen-fahrer genennet werden.
Sie ist 4 Meilen breit, sie kömt aber den Schif-
fern wie gegraben vor, weil die Küsten sehr
hoch %und steil sind.

/2) Die Straße von Caffa verbindet das Asowssche
Meer mit dem schwartzen.

/3) Die Straße von Constantinopel, verknupfft das
Schwartze Meer mit dem Mare du Marmora.

/4) Die Dardanellen sind der Canal zwischen dem
Meer du Marmora %und dem Mittelländischen.

/5) Der Canal la_Manche oder Pas de Calais zwischen
Engeland und Franckreich.

/6) Der St._Georgen Canal, bey den Holländern der
umgekehrte Canal, zwischen Engeland und Irrland.

/7) Der Sund, bedeütet sonst untieff Waßer.

/8) Der Große Belt.

/9) Der kleine Belt, alle zwischen der Nord %und Ost-See
von welchen vermöge gewißer Vorträge mit Dan-
nemarck nur allein der Sund befahren werden darf.

/|P_17

/2tens In Assien.

/1) Die Straße Babel, Mandel, oder Catha Mandel, Thrauen-Pforte.

/2) Die Straße von Ormus.

/3) Die Straße von Maloka.

/4) Die Straße Sunda.

/3tens In Africa.

/1) Die Straße von Mosanbique.

/4tens In Americka in Norden.

/1) Die Straße Davis nach der Westlichen Küste, Grönlandes.

/2) Die Hudsons Straße.

/3) Die Straße von Bahaina

/In Süden.

/1) Die Maynlenische Straße, sie ist 80 Meilen lang
zwischen der Insel del Furgo.

/2) Die lämärrische Straße

/ ≥ Die berühmteste Meer-Busen. ≤

/Meer-Busen, Bay, Golfo, sind vertiefungen des Meers
ins Land, die Merckwürdigsten derselben in

/America sind.

/1) Der Mexicanische Meer-Busen, zwischen der
Halb Insul Iukatan, %und der Insel @Kute@.

/2) Bay Von Campeschen wo das Blau Golz gefält
wird.

/|P_18

/3) Bay Handuras, wo Zimmer Holtz herkomt.

/4) Die Bay aller Heiligen.

/5) Die Bay von Californien.

/6) Die Hutsons Bay.

/In Europa

/1) Golfo di Venetia.

/2) Golfo di Genowa.

/3) Die Bay von Biscaja.

/4) Der Bothnische
Meerbusen.

/5) Der Finische

/6) Das Weiße Meer ein Golfo des Eyß Meeres
bey Archangel.

/In Africa

/1) Der MeerBusen von @Benie@

/In Asien.

/1) Der Arabische MeerBusen oder Rothe Meer

/2) Der Persische Meer-Busen, wo der Euphrat
und Tyger hineinfließen.

/3) Der Bingalische. (ein Bays eigentlich)

/4) Der Siamische.

/5) Der Pemschnitzkische zwischen Kantschetzka
und Siberien.

/|P_19

/ ≥ Physische Beschaffenheit des Meeres

/Man kan das Meer als ein Weites Thal be-
trachten, wo das Waßer sich versamlet hat, welches
δLücke die Oberfläche der Erden allenthalben bede-
ken würde, Die Gestalt des Meerbodens, ist der ge-
stalt des Weißen Landes Gleich, hat ungleichheiten
%und es ist sehr wahrscheinlich, daß der Boden des
Meeres ehemals Vestes Land gewesen. In der nähe
der Küsten, ist der See-Grund dem Lande Propor-
tionirt. Ist die Abdachung der Küste steil, so ists
der Grundt des Meeres auch: ist die Küste aber
flach, so ist der Meeres Grund gleichfals, und
die See ist Flach %und untieff.

/Man sucht Busen da wo steile Küsten sind.
Norwegen hat daher viele Busen oder Tiefrinnen
weil es steile Küsten hat, eben so die Küste von
Gallicien %und Portugall bey Pommern ist die
Küste Flach, folglich das Meer Untief. Dampier
der 3_Mahl die Welt umschiffet hat, hat auf
seinen Reisen dieses zu bemercken Gelegen-
heit Gehabt. Es giebt ganze Gebürge in der See die
man durch das Loth entdeckt hat. z. Ex. in dem
Canal zwischen Franckreich und Engeland. Die
Inseln sind nichts anders als die Spitzen

/|P_20

/der Berge, deren Fuß im «Mehre» Meere ruhet.
Man hat gefunden. daß da wo die Strecke von
Bergen aufhören, dieselbe in dem Meer fort-
gehen.

/Rhede ist ein Platz im Meer wo die Küste
Hoch ist und die Schiffe vor den Winden ge-
sichert liegen, und wo sie gemeinschafft mit dem
Lande und einen Guten Ancker_Grund haben
%und wo sie durch die Dünen (Sandbäncke) vor der
Hefftigkeit der Wellen beschützet werden.

/Haaffen (Komt her von dem Alten deütschen
Wort, Hafen-Topf) ist eine vertiefung des Mee-
res, Zu einem vollkomenen Haafen wird erfor-
dert. das er einen guten Ancker-Grund, und
eine hohe Küste habe, %und denn noch ein Politisches
Requisitum daß die Einfarth Enge sey, damit
sie gut beschützt werden könne. Zu Einem guten
Ancker Grund wird erfordert, das er nicht
aus kleinen Steinen bestehe, wo das An-
cker-Thau sich leicht zerreibt, %und auch nicht
aus Trieb-Sand, wo das Ancker zu Tief
einfällt, %und nicht wieder aufgewunden werden kan.

/|P_21

/Der Schönste Haafen in der Welt ist Bergen
in Norwegen, er ist so geräumig %und sicher
daß eine gantze Krieges_Flotte Gedeckt darin
liegen kan, er hat Guten Ancker Grundt. Porto
Maehon ist der Beste Haffen in der Welt, %und
man Glaubt, daß die gantze Schiffs-Macht
von Groß-Brittanien in demselben liegen
könne, und die Einfahrt ist so Enge, daß sie
durch 2 Boots Vollkomen geschloßen werden kan.

/Havana wo die Silber-Flotte sich versamlet, ist
gleichfals einer der besten Haafen, Haafen
sind selten zu finden, %und es giebt lange
Küsten auf welchen keine gefunden wer-
den. Man hat angemerckt, daß auf dem Westli-
chen Küsten, %und Südlichen Küsten mehr Haafen
anzutreffen wären, als auf den Östlichen
%und Nordlichen, %und hat es daher geleitet, weil
diese Küste höher sind.

/ ≥ Tiefe des Meeres. ≤

/Morseri hat gefunden daß die Tiefe des
Meeres ziemlich nahe, an den Küsten

/|P_22

/der Höhe der daselbst befindlichen Berge gleich
sey. Es dieses zwar nicht völlig so, aber die
Tiefe beträgt doch 2/3 von der Höhe der Berge.
Die höchsten Pyrenäen hat man 10.000 Fuß hoch
befunden, %und die Größte Tiefe des Meers
8.000 je weiter das Meer sich von der Küste
entfernet, je Tieffer wird es, %und je mehr es
sich von der andern Seyte der Küste Nähert,
je flächer wird daßelbe doch ist seine Größ-
te Tiefe nach der Seyte hin wo die Küsten steil
sind, wo sich das Land einander sehr nähert
da ist die See am wenigsten Tief.

/Der Palus Märtis ist nicht sehr tief, und
in der Straße von Caffa ist die Tiefe nur
6 Fuß. Eine unergründliche Tieffe ist die-
jenige die über 100 Faden Tief ist.

/ ≥ Die Tiefe des Meeres zu erforschen. ≤

/Man bedienet sich Erstens dazu des Loths,
dieses ist Stück Bley in der Gestalt eines
Zucker-Huts. oben mit einem Eisernen
Ringe, und deßen Fuß etwas hohl ist, wo
man Talch hinein schmieret. Man bedienet
sich deßelbe um zu erfahren, ob man

/ Weit

/|P_23

/Weit von einer Küste, %und an welcher Küste
man sey, %und ob guter Ancker Grund da-
selbst befindlich sey Den bedienet man
sich auch der Taucher. Natürlicher Weise
kan ein Mensch nicht länger bleiben. als
höchstens eine Minute.

/Kola Pesche. ein berühmter Taucher konte
gantze Stunden lang unter dem Waßer
zubringen. Als er Aber einst, eine von Fridrich
dem Könige zu Sardinien in Charybidis ge-
worfene Schaale heraus hohlen sollte, so kam
er nicht mehr zum Vorschein. Es ist zu Vermu-
then das ihn ein See-Molß verzehret habe
Man hat es versuchet dieses, aus seiner
innern Structur zu erklähren geglaubt. daß
das Foramen Ovale, sich bey ihm in Mutter-
leibe coagulieret habe, %und daß das Blut
nicht Nöthig gehabt habe durch die Lunge zu
gehen.

/Man bedienet sich der Taucher, zu verschie-
denen Absichten, dahin gehören die Perlen-
Fischereyen. Die berühmtesten sind zu Ba-
haren, oder El_Katist, fast die Banck von Ormus,
und die Perlen Fischerey der Holländer, an der
Küste von Ceylon, wo die Neger sie für einen

/ bestimten.

/|P_24

/bestimten Preiß abliefern. Die Art wie
dieses Geschicht ist folgende, sie bedecken
sich mit ledernen Kappen, an welchen Röhren
befestigt sind, die über dem Waßer hervor-
ragen, an den Füßen wird eine Eyserne
Kugel befestiget, damit sie durch die schwe-
re derselben um so eher in die Tiefe ge-
@bimgen@, Das Sencken selbst dauert nur we-
nige Augenblicke, nach welchen sie mit der
Größten Eylfertigkeit wieder heraußge-
zogen werden müßen, indem der Druck
des Waßers bey einer nahmhafften Tiefe
so stark ist, das ihnen das Blut aus Mund
%und Nase stürtzet, wenn sie aus dem Waßer
heraußkommen. Sie finden das Waßer
in einer Gewißen Tiefe so kalt, daß wen sie
herauß-kommen, sie sogleich in diesem hei-
ßen Clima, an das Feür laufen, um
sich zu erwärmen. welches zu dem Ende
außdrüklich unterhalten werden muß
Man bedient sich auch der Taücher. Verschiedene
versunkene Sachen wiede herauf zu brin-
gen. Die Art wie dieses geschieht ist bey
den Maldiwischen Inseln, wo offt Schiff-Brüche

/ geschehen.

/|P_25

/Geschehen. folgende. Die Einwohner bedienen
sich eines Taüchers, der in dem Grund hinab-
gehet %und ei«l»n Seil an die Versunckene Sachen
befestiget, an dem andern Ende des Seils be-
festiget man Bretter von leichten Holtz, wel-
ches mit dem PantoffelHoltz eine Ähnlichkeit hat.
und dieses thut man so lange, bis die ver-
sunkene dadurch in die Höhe gehoben werden
Als die spanische Silber-Flotte in dem Hafen
@Majas@ versuncken war, so machte ein fran-
zösischer Ingenieur sich anheischig die Sachen
wiederum herauß zu bringen, welches er auf
folgende Art bewerckstelligte - er brachte
vermittelst eines Tauchers ein Faß Pulver
unter dem Verdeck. An diesem Faß Pulver
war eine Röhre angebracht, die mit Pulver
gefült war, vermittelst «das Faß» welchem
daß Faß sich entzündete, und das Gantze
Verdeck in die Höhe hob, so daß man in dem
Raum des Schiffs gelangen kunte. Das be-
quemste Mittel in deßen diese Bemühung
nutzbahrer zu machen, ist eine Machine.
die durch ihre Gestalt den Nahmen der Taücher--
Glock erhalten«,» hat, Die Materien woraus sie

/ gewöhnlich

/|P_26

/gewöhnlich bestehet ist Metall oder Holtz, und
sie sind schon von einer solchen Größe ver-
fertiget worden, daß gantze Gesellschafften
unter einer solchen Maschine in die Tiefe
des Meeres hinabgegangen sind, Quer ist @¿¿¿@
gegen den Obern Teil derselben ein Balcken
befestiget, auf welchem der Taücher sitzt %und
vermittelst eines Haackens die Sachen aus dem
Grunde des Meeres an sich zieht. Die in der
Glocke befindliche Lufft verhindert, daß das
Waßer nie Weiter, als bis zu einer gewißen
Höhe steigen kan, %und er ist aus dieser Ur-
sache für das Ertrinken Völlig gesichert. Allein
ein Umstand macht indeßen, daß er doch nicht
lang unter dem Waßer seyn kan, die Lufft
nehmlich wird führ ihn in einer kurtzen
Zeit völlig unbrauchbar, indem sie durch
die Außdünstung des Menschen ihre Elati-
cität verliehret, %und also die Transpiration
beschwerlich, %und endlich gantz unmöglich macht.
Dieser Unbequemlichkeit abzuhelfen hat man
versuchet, ein Fäßchen Frische Lufft herun-
ter zu laßen, Es ist aus dem was angefüh- 

/ ret ist

/|P_27

/ret ist wahrscheinlich, daß nicht sowohl der
Mangel der Lufft, als viel mehr das Still-
stehen derselben den Todt Verursache.

/ ≥ § 2.

/ Von der Farbe des Meer-Waaßers. ≤

/Das See-Waßer ist heller %und durch-
sichtiger als das Fluß und Quel_Waßer
den man kan den Grund des Meeres in
einer Tiefe von 25 Faden sehen. Da
wo das Waßer am gesaltzensten ist, ist
die Durchsichtigkeit am Größten, als z. Ex:
das Eys-Meer bey Nova Zembla, am Lan-
de ist es nicht so durchsichtig, aber auch nicht
so saltzig, Das Rothe Meer hat daher wie
einige behaupten, seinen Nahmen %und sei-
ne Blutrothe-Farbe, von den Korallen
nach andern aber bey den Edomitern, bey
welchen zu Kleidung die Rothe Farbe beliebt
war. Bey den Antillischen Inseln, sieht
man die SchildKröten. auf dem Grunde
des Meeres, gleich wie auf einer Wiese
herum spatzieren, Diese große Durch- 

/ sichtigkeit

/|P_28

/sichtigkeit des Meerwaßers erleichtert
also auch das Betragen der Seethiere zu
beobachten, Die Ursache von der Durchsichtig-
keit des Meerwaßers ist eine ins Grüne
fallendes Blau. Unsere Lufft hat Gleichfalls
ihre eigenthümliche Farbe, welche ein gewi-
ßes Hell-Blau ist. Man sieht dieses an
den großen Lufftstrichen, %und an allen ent-
fernten Hohen Bergen die um ihre Spitze
mit Hellblauen Wolcken umgeben sind. @Wor@-
nach man die Weite derselben beurtheilet,
bey nahen Bergen sind die Gegenstände er-
leüchteter, folglich das Blaue heller. In
Großen Tiefen erhält das Waßer eine
Völlig dunckele Farbe d. i. es wird undurch-
sichtig weil kein Körper Völlig durchsich-
tig «aus» ist, %und ein Vollig durchsichtiger
Körper, ein unsichtbahrer Körper seyn würde,
weil er alle Strahlen durchlaßen, und also
keine auf unsre Augen fallen würde
Ein Körper der das Licht so wie er es Empfängt
zurück Wirft, würde gleichfals unsichtbahr seyn, wie
z. Ex. Ein Spiegel, wenn er vollkomen Spiegeln würde.
Ein vollkomener schwarzer Körper, gleichfals weil die- 

/ ser wiederum

/|P_29

/ser wiederum alles Licht hindurch Läßt. Den zum sehen
wird erfordert, daß ein Körper die Strahlen beson-
ders Modificirt Reflectire.

/In einer Tiefe von etwa 30 Klaffter ist es stock-
finster. und in einer Mittelmäßigen Tiefe erscheint
das SonnenLicht wie Mondlicht. Bei einem Sturm scheint
es im Grunde als wen es bewölckt «wäre» werde, %und endlich
wird es gantz finster, den durch die Bewegung der Wellen
wird das Licht gantz zurückgeschlagen, will man et-
was im Waßer beobachten so nehme man eine Glä-
serne Röhre, %und etwas Oehl in den Mund. %und laß einige
Tropfen <davon> auf das Waßer fallen, so kann man sich
auf solche Art ein Fenster im Waßer machen,
die
besondere Farbe mancher Meere, rührt theils von
dem Durchschein in den Grund, theils von dem Sor-
gasteo der Spanier oder den Meer Petersilien her.
Das Meer Waßer leüchtet besonders zur Warmen Iah-
res Zeit, %und hat bey den Molukischen Inseln eine
so weißlichte Milch-Farbe des Nachts, daß es daß
Ansehen hat, als wenn die See aus lauter Milch
bestünde. Man hat die Ursache in der Pech-Artigkeit
des Meer-Waßers gesetzt, %und dieses Phaenomenon
@ein@ ein Phosphorischen Lichten, welches durch die
Gährung bey einem Sturm-Winde erzeügt wird.
Ganz neüerlich hat man die Entdekung gemacht,
daß das Licht von kleinen Würmchen herkomme,

/ so wie

/|P_30

/so wie unsere Iohannis Würme, außer die-
sem ist noch merckwürdig daß in verschiedenen
Meeren zu verschiedenen Zeiten, gewiße schwim-
mende Sachen angetroffen werden, Dahin gehören
2 Graß-Meere, wo jederZeit Graß schwimmt,
ohne daß man weiß wo es herkomt. Die Gegend in
welcher es angetroffen wird betragt etwa 80 Meilen. Die Spa-
nier nenen es Sargaszo %und die Holländer Meer Peter-
silien, es hat weiße Blümchen, %und findet sich in dem
Mardel Nord um die Capa Verdi-schen Inseln,
wie auch an der Küste von Kalifornien. doch nicht
so häufig, Die Tiefe des Meeres ist daselbst so
groß, das dieses Graß mit dem Boden des Mee-
res keine gemeinschafft haben kann. Es ist sehr
wahrscheinlich daß dieses Graß in allen Meeren
befindlich sey, durch die halbjährige Winde, die hier
beständig mit einander abwechschlen, immer im
Zirckel herum Getrieben werde, Dieses Graß
dienet dazu, daß die Spanier wißen, sie sind
dem Lande nach, wen sie es zu sehen bekomen.
An der Küste von Malabar scheinen beständig Schlan-
gen in großer Menge, die den Danen zu ei-
nen Kenzeichen dienen, daß sie dem @Lande@
nahe sind. So treibt auf dem Eis-Meer Ein be-
ständiges Eiß hin und her, %und zu gewißen

/ Zeiten

/|P_31

/Zeiten auch starkes Holtz, welches man zum Bauen
anwendet.

/ ≥ § 3.

/ Von der Salzigkeit des Meeres. ≤

/Der Ocean, alle Meere die mit demselben ge-
meinschafft haben, «als z. Ex. das Caspische Meer»
auch die inländischen Meere die keinen Abfluß ha-
ben, als z. Ex: das Caspische Meer
sind gesaltzen. Doch
giebt es auch Seen, die keinen Abfluß und doch süß
Waßer haben. z. Ex: der See Balcka.
Die Ursache
der Saltzigkeit des Meeres schreibt Halley dem we-
nigen Saltze zu, das die Flüße ins Meer führen
deren Süßes Waßer ausdünstet, das aber zurüke-
bleibet. Diese Außdünstung nimt in einem Iahre
@20@ Zoll von der Meeres Fläche weg, %und es gehören
Tausende von Iahren dazu, daß das Eiß-Meer
nür ein_Mahl außdünste, Diese gäntzliche auß-
dünstung aber müste sehr offte wiederhohlet werden.
wen es in dem Grade gesaltzen werden sollte.
Zudem führet der Reegen %und Schnee, welche aus
den Dünsten des Meeres entstehen, in der That
mehr Saltzigkeit als daß Fluß Waßer. Das
feste Land bekömt also mehr von dem Meere
Saltz, als diesem liefert. Einige nehmen Saltz Klip-
pen auf dem Boden der See an, Beweiß aus
dem Saltz der Insel Ormus, aus dem Persischen

/ Saltz-Küsten

/|P_32

/Saltz-Küsten, Das Stein-Saltz in den Berg-Werken.
Es ist aber sehr glaublich, daß alles dieses @Saltz@
von dem Meer seinen Ursprung hernehme oder
hergenommen habe.

/Diese Saltzigkeit des Meers ist indeßen sehr
Unterschieden,
an Küsten wo viele %und Große Flü-
ße sich ins Meer ergießen ist sie geringer,
als an solchen, wo wenige %und kleine Flüße hin-
einfließen. Nahe an der Oberfläche ist die Saltzig-
keit geringer, als in der Tiefe. in den Tempe-
rirten Zonen geringer, als in den heißen %und
kalten, da wo der Große Cairi Strohm in die See
fält, ist das Waßer schon süß, ehe man noch
die Küsten sehen kan, Vermoge seiner @schwehre@
senkt das Saltz sich zu Boden. %und die @saltzigkeit@
vermehret sich, je näher man demselben komt.
Die Ost-See ist weniger Gesalzen als die Süd See
Das Eys-Meer dort dünstet das süße Waßer
aus, %und hier frieret daßelbe aus, das Saltz aber
frieret gar nicht aus, %und dünstet auch nur sehr
wenig aus.

/Das Saltz trägt zwischen den 30ten %und 40ten
Theil von dem Gewicht des Waßers aus, Aber
zugleich mit dieser Saltzigkeit ist ein bitterer

/ Pech-Artiger

/|P_33

/Pech-Artiger Stein-Kohlen Geschmack unzertrenlich
verbunden, der es gäntzlich unbrauchbar macht.
Dieser wiedrige Geschmack kömt von dem Asphal-
@to@, der sich allenthalben befindet. welches man
insbesondere, im Todten Meer sehen kan, de-
ßen Ufer mit Asphalt bedeckt sind, welches auch
unter allen Meeren das Meiste Saltz hat, denn
es beträgt den 4ten Theil seines Gewichts, es
hat aber auch den wiedrigsten «Gesch¿¿¿» Geschmack.
Ingleichen das Caspische Meer, der See bey Mexiko
der halb süß halb saltzig ist. Das Saltz wird in
den mehresten Ländern zum Bedürfniß aus
dem Meer Waßer herauß gezogen. Es giebt
auch Saltz-Quellen. Man findet dieselben
jederzeit ohnweit dem Fuß eines Gebür-
ges, oder doch an solchen Orten, die mit
demselben in Connexion liegen. In eini-
gen wenigen Länder wird auch Sal@y¿¿¿¿@
oder Stein-Saltz gezogen, Die Art wie Mann
das Saltz aus dem Waßer heraußziehet
ist folgende. Man leitet das Meer-Waßer
in Basins, wo es so lange stehet bis das
darin befindliche Saltz von der Sonne
coaguliret wird. So wird das Frantzösische
oder @Bei@_Saltz, %und das Spanische %und Por-
tugiesische von St_Huber, welches Weißer

/ als das

/|P_34

/als das vorhergehende Präparirte ist, Man macht
das Saltz-Waßer süß 1) durchs filtriren 2)
durchs frieren, 3) durchs Distilliren 4) durchs
Faulen %und Precipitiren, Es giebt noch gantze
Völcker so kein saltz brauchen. auch keines an-
nehmen, z. Ex: die Karaiben, es scheint also
nicht so unentberlich zu seyn, als es uns
vorkömt. Aber selbst das Meer-Saltz ist
sehr von einanderUunterschieden. An
der Küst Guina ist es sehr weiß, %und wird bald
bitter, Die Ost-See enthält 1/12 die Spanische See
1/32 %und das Mittelländische Meer bey Malta
1/8 Saltz. Im Saltzigen Waßer gehen Schif-
fe nicht so tief als im süßen Waßer,
die Fische sind Größer %und die Ursache wa-
rum sie in süßen Waßer nicht so Groß
sind, ist diese, sie würden sincken. Ein
Mensch kan im Meer-Waßer weit leichter «¿¿¿»
schwimmen, als im süßen %und im Todten
Meer kann er gar nicht zu Grunde Gehen. Machia
ein Neapolitaner, entdecke, als er sich bade-
te, daß er nicht untergehen konte. Als man
darüber Versuchungen bey seinem Körper

/ anstellte

/|P_35

/anstellte, fand man, daß seine Arme
von einer erstaunenden Leichtigkeit waren.

/Die Saltzigkeit des Meeres scheint auf den
Lufft-Kreiß einen Großen Einfluß zu
haben, ob es zwar nur schwer ausdünstet.
so löset sich doch ein saurer Theil ab. Die-
ses sieht man an dem Eysen, welches in
heißen Zonen, in kurtzer Zeit in Rost
aufgelößet wird.

/ ≥ § 4.

/ Von der Bewegung des Meers.

/a Von der Bewegung durch Winde ≤

/Bis in welche Tieffen die Stürme das Meer
unruhig machen. Von der Hohlen See, %und den
Brandungen. Von dem Unruhigen Waßer
nach den Stürmen, und ob es wie einige
meinen. durch Oehle zu besänfftigen sey.
Von den Unruhigen Meeren, Von den Meer-
strömen die vom Winde herrühren, sie
werden durch die Winde %und Richtung
der Küsten %und See-Klippen bestimt.
Beweise aus vielen Exempeln in Verschie-
denen Meeren, Die behutsamkeit der See 

/ fahrer

/|P_36

/fahrer in ansehung derselben komt im
Capitel von der Schiffarth vor.

/ ≥ b. Von der Ebbe %und Fluth. ≤

/Das Meer Schwillt in 24 Stunden 2_Mahl
auf, welches die Fluth heißet. %und ziehet sich
2_Mahl von dem Ufern zurück, welches die Ebbe
genandt wird, Die Größte ist nach dem der
Mond durch den Mittags-Circkel, der durch den
Ort Gehet, entweder oben oder unten durchgegan-
gen ist, Die Größte Ebbe geschicht 6 Stunden, so-
wohl zuvor als «hernach» auch hernach. So wie der
Mond den folgenden Tag 3/4 Stunden später
durch den Meridian deßelben Orts gehet,
so verspähtet sich auch die Flüth %und Ebbe
«¿¿» auf eben dieselbe Zeit. Im neuen %und
vollen Lichte, sind beyde Größer, als in
den Vierthlen. Zur Zeit des Aequinoctii
sind sie in diesem Lichtern am größten,
%und den heißen sie die Springefluth. sonst
die Todte fluth. Die Ost-See hat keine,
die Mittelländische See eine geringe. Die
gelinde Abschüßigkeit des Ufers trägt
auch viel dazu bey sie sehr mercklich zu

/ machen

/|P_37
machen obgleich das Waßer nicht höher als
anderwerts steiget. noch tiefer sincket Exemp:
an Verschiedenen Meer-Busen, Die Winde so
die Fluth oder Ebbe treiben haben auch ihren
Antheil daran, Die Lage der Küsten ziehet die-
sem Wechsel des flutenden Meeres, eine Große
Unregelmäßigkeit zu. Die Ursache der Ebbe und
fluth ist, um der Vereinigten Anziehungen
des Mondes %und der Sonne zu setzen. Newton
hat bewiesen das alle WeltKörper einander
anziehen, Die Gewäßer unter dem Monde wer-
den sowohl auf der dem Monde zugekehrten
als abgekehrten Seite erhoben. und 90 %Grad von dem
Meridian. In diesen Oertern sincket das Waßer
Die Anziehung der Sonne hebet das Wasser
2 Fuß hoch, des Mondes seine aber 10 Fuß.
Durch die Beschaffenheit der Landes-Küsten
aber wird beides an manchen Orten viel
höher getrieben, Im neü %und Voll_Mond verbinden
sich beyde anziehungen, und daher entspringet
den die SpringeFluth; In den Viertheilen
schwächet die Anziehung des einen das Ver-
mögen des andern, und daher haben wir

/ die

/|P_38

/Todte Fluth. %.Vornehmlich zur Zeit der Tag und
Nacht Gleiche - Der Nutzen der Ebbe und Fluth
ist vielfältig: Es giebt an der Mündung vie-
ler Häfen Barren, oder nahe unter der Ober-
fläche des Waßers verborgene Sand-Bänke
über welche man nur bey hoher Fluth kom-
men kann. Mitt der Ebe sowohl als mit der
Fluth kann man offt wieder den Wind in
der See fortkommen.

/ ≥ c Von der Allgemeinen Bewegung
des Meeres, von Morgen, gegen Abend. ≤

/Allenthalben weit von den Küsten der Län-
der, bewegt sich das Welt-Meer von Morgen, gegen
Abend, besonders in der Zona Torrida Der
Grund ist in der Ebbe %und Fluth zu suchen,
die Nothwendig, weil der Mond um die Erde
von Morgen gegen Abend zu bewegen scheint,
demselben in dieser Richtung folgen muß.

/ ≥ d. Von besondern bewegungen
des Meeres, die von dieser Allge-
meinen herrühren. ≤

/Die Meer-Ströme oder Courants sind ent-
weder beständig oder Perialisch. Unter die
Erstern gehöret der Strom, der zwischen Ma-
dagezia und dem Vesten Lande von Africa

/ strömet

/|P_39

/strömet, der von dem Vorgebürge St_Augustin
in Brasilien nach den Antillischen Inseln zeügt.
Der welcher durch die Straße le_Maire von Westen
nach Osten, %und der, welcher in der Magellanischen
Meer-Enge, mit entgegengesetzter Richtung strömt,
Alle diese Meer-ströme sind nichts anders, als
Wirkungen der allgemeinen Meeres-Bewegun-
gen von Morgen gegen Abend, in so ferne dieser
durch die Küsten eine besondere
Richtung gegeben wird, Diese Meeres-Ströme
ziehen selbst gegen den Wind, Es sind noch
andere Ströme in den Indischen %und andern
Meeren, welche mit den Periodischen %und an-
deren Winden abwechschlen, %und jederzeit ihre
Richtung halten. Wo die ströme zwischen
Inseln oder Reichen, von Sandklippen
streichen, sind sie hefftiger, als im offe-
nen Meere, Einige Ströme, deren es in
Westindien sonderlich im Mexkanischen Meere
viel giebt andern ihre Richtung der Ebbe
und Fluth gemäß.

/ ≥ e Von den Meer-strudeln. ≤

/Viele geschehen auch durch die Reciproque
Bewegung des Meeres in der Ebbe %und Fluth

/ weil

/|P_40

/weil sie sich nach dem Monde richten. Z Ex: so
gehet der Meer-strudel bei Iasaci an der Küste
von Iapan zur Zeit der Ebbe vor sich. Der Meer-
strudel an dem Norwegischen Küsten der Mas-
kestrom genandt ist, nichts anders als ein
nach dem Monde abwechslender Meeres-strom,
welcher durch die Lage der Küsten, Inseln
%und Felsen gedrehet wird, dahero er in der
Zwischen Zeit zwischen Ebbe %und Fluth gantz
ruhig ist. Indeßen kommen auch einige Stru-
del von den Courrants her, die von dem Winde
erregt werden, wie die Charibdis in der
Straße von Meßina.

/ ≥ f) Warum das Meer von den
Flüßen nicht voller werde. ≤

/Die Außdünstung nimt eben so viel
weg, als die Flüße hineinbringen. Halleys
außrechnung beym Todten Meer, welches
Täglich 9.000.000 Tonnen Waßer ausdünstet
%und durch den Iordan höchstens 6.000.000 <Tonnen> bekomt.
Daher ist nicht nöthig, daß die Meere eine
Unterirrdische Gemeinschafft haben, wie
solches vom Caspischen Meere, von Persischen
Meer-Busen, von Mittelländischen Meere

/ und

/|P_41

/und dem Rothen Vorgegeben wird. @Ein@ Meer
welches mit dem Ocean keine Gemeinschafft
hat, ist ein Bassin welches so lange mit Waßer
angefüllet wird, bis seine Oberfläche so weit
zugenommen, daß die Außdünstung der Menge des
durch die Flüße zugeführten Gewäßers gleich ist
Es können aber Inlandische Meere, die mit dem
Ocean durch Meer-engen Gemeinschafft haben.
durch die sich hier ergießende Flüße mehr
Waßer bekomen. als sie durch die Außdün-
stung verlieren, %und den strömt das Waßer
aus ihren Fretis heraus. Z. Ex: beym schwar-
zen Meere, Oder sie haben weniger Zufluß
als die Außdünstung wegnimt, und alsden
dringet beständig durch das Fretum das Ge-
wäßer des oenaus hinzu, wie bey dem Mit-
telländischen Meere. Es Müßen hie bey die
zwey niedrigen Ströme in der Fretir erkläh-
ret werden da Z. Ex: das Ober Waßer im Sun-
de aus der Ostsee, in die Nord-See fließet,
das Unterwaßer aus der Nord-See in die
Ost-See ziehet. Imgleichen da im schwartzen
Meere das Ober Waßer durch die Meerenge
der Dardanellen ins Griechische Meer fließet

/ und das

/|P_42

/%und das Unter Waßer in entgegengesetzter
Richtung zurück strömt, dahingegen fließet
das Gewaßer, des Atlantischen Oceans, durch
die Meer-Enge von Gibraltar oberwärts ins
Mittelländische Meer, nehmlich bey der Fluth
und in großerer Tiefe findet man bey
eben diesem Freto einen Strohm, der aus
dem Mittelländischen Meere ins Atlantische
gehet. Man findet auch langsame Ströme
im Mittelländischen Meere, an den See--
Küsten, deren Richtung %und gesetze angezeiget
werden.

/ ≥ g. Ob das Meer in allen seinen
Theilen gleich hoch sey. ≤

/Einige Autores behaupten, das Rothe Meer
sey höher als das Mittelländische, und darum
sey es auch unmöglich beyde durch einen Ca-
nal zu vereinigen, Eben so geben die Spanier
Vor, das Atlantische Meer stehe höher, als das
stille Meer, %und ein Canal der Istmum von
Sanoma durchschnitte, sey darum unmöglich
Nach dem Varenius ist die Nord-See höher als
die Süder-See, d. i. als der Busen der Nord-
See, welcher an Amsterdam anspielet. Von den

/ Ursachen

/|P_43
Ursachen dieser Merckwürdigen Eigenschafften.

/ ≥ h. Einige Merckwürdigkeiten des Eis-Meeres ≤

/In der Eis-Zon bey den Halbkugeln treiben
im Frühlinge bis Spät in dem Sommer %entsetzliche
Eis-schollen, welche Eis-felder genennet werden.
Die offtmahls 80 bis 100 Klafftern über dem
Waßer hervorragen, %und andere kleine die man
Eiß-Berge Nennet, ragen wie hohe Thürme über
demselben herwor, Ihr Umfang ist bißweilen
Meilen Groß. sie machen die Lufft um sich
entsetzlich kalt %und Neblicht. sie entspringen
Vielleicht nicht aus dem Gefrorenen Meer--
Waßer, sondern sind wahrscheinlicher Weise
große Eys Klumpen. die von dem Eyse welches
die Flüße, die sich ins Meer ergießen, über
einander schieben. zusammengesetzt sind,
%und wegen ihrer Dicke zerschmeltzen sie so
langsam. In Grönland %und Island wächset so
wie in allen Ländern, die in der Eis Zone
Liegen, nur sehr niedriges Holtz es komt
aber alle Iahre eine Große Menge Holtz aus
dem Eis Meere angetrieben, welches viel grö-
ßer ist als das es in dieses Erdstrich Wach-
schen kan Anzeigung der Gegenden wo

/ solches.

/|P_44

/solches herkomt.

/ ≥ i) Von Land-Seen %und Morästen. ≤

/Was eine Land-See sey, wie die Gegend
des festen Landes beschaffen seyn müße
wo es viele Seen geben soll, z. Ex: In Fin-
land, Canada, Schweitz, Unter allen Seen ist
die Czirnitzer See im Hertzogthum Crain @einer@
der Merckwürdigsten. Er läufft bey trokner
<Zeit> «Wetter» gantz ab, außer einem Bach der in
der Mitte übrig bleibt, Mehrentheils laufft
er um Iacobi ab, %und komt im October oder
Nowember wieder. Es sind 18 Gruben oder
Keßel, darin er sich in 25 Tagen Verlaufft
Diese Gruben ziehen nicht zu gleicher Zeit
ab, Man hat Exempel, daß er in einen Iahr
3_Mahl abgelofen ist, bey Gewittern lauft
die See au«ch»f ehe es noch Regnet Es sind in
dem Berge der nahe <an> der See lieget noch 2 Löcher
jedes ein quadrat Fuß Groß, daraus in
dieses See-Waßer hineinstürtzet, Im
Herbste bringt@«es»@ schwartze Kahle, %und Blinde
Enten heraus, die hernach flinck %und sehend
werden, Ursache dieses Phaenomeni, ob einige
Flüße, die durch Seen laufen z. Ex: der
Rein durch den Bodensee die Rohne im

/ Genfer

/|P_45

/Genfer-See, die Donau im schwartzen Meer
ihren Lauf, in der See, ohne Vermischung mit
derselben Waßer erhalten? Erzählungen
der Nahmhafften Morästen. Ursache und Nutzen
derselben Erzeigung des Torfes und beant-
wortung der Frage, ob derselbe wieder
wachße.

/ ≥ Allgemeiner Theil der Physischen Ge-
ographie

/Zweytes Haupt-Stück.

/Geschichte des festen Landes %und der Inseln

/ § 1.

/ Von den unbekandten Ländern. ≤

/Einige sind nur Theile von bekandten Ländern
als das inner südliche America, das innere
Africa. Andere sind nur an ihren Vorgebürgen
und andwre an einigen Küsten bekant. Zu die
sein Gehören, Grönland, NeuHolland, zu jenen einige
Spitzen, des unbekanten Australandes. Noch an-
dere werden nur vermuthet. z Ex: Mehr
Inseln im Großen stillen Meer, Große
Australandes pp. bey einigen ist man noch

/ beschäfftiget

/|P_46

/beschäfftiget, Entdeckungen zu machen, als durch
die Durchfahrth in Nord-ost %und Nord_West, davon
die Erstere durch die Holländer %und Russen, die
andere durch die Engeländer ersuchet wird. Hin-
derniße die sich diesen Bemühungen wie-
dersetzen. Von dem Alten %und Verlohrenen
Grönlande, welches dem Neüen gegen Osten @lag.@

/ ≥ § 2.

/ Von den Inseln. ≤

/Die Größeten sind Borneo, Madagascar
%und «G» Iapan Die mehresten liegen zwischen
den Tropicis. In der Naheit des festen Landes
sind sie häuffiger, als weit von demselben
im Offenen Meere, Der Archipelagus der
Maldiwischen Eilande, hält «¿¿»auf 12.000 In-
seln in sich, die in 13 Atolons eingetheilet
sind; Der Archipelagus der Molucischen,
Philippinschen %und Latronischen Inseln schwim-
mende Inseln. Von den Klippen %und Sand-
bänken. an denn Ostiis der Flüße Die Bank
bey Terreneuwe, welche Felsicht ist, ist die be-
rühmteste unter allen. %und tief genug
unter dem Waßer um darüber zu

/ Schiffen.

/|P_47

/Schiffen, sie ist als ein unter dem Waßer ge-
legenes Fels anzusehn, der oben gantz Platt
von einem Ende zum andern 150 Französische
Meilen lang und ungefehr 50 breit ist, Er ste-
het 25 bis 40 Faden tief unter dem Waßer
ist Rund und gantz steil abgeschnitten, so daß
man nahe bey demselben auf 150 Faden
keinen Grundt findet.

/ ≥ §. 3

/ Allgemeine Betrachtung des festen
Landes %und der Inseln. ≤

/Gleich wie der Boden des Meeres eigentlich
ein Thal ist, das mit waßer überschwemmet
worden; so ist alles Land ein Berg deßen Fuß
im Meeres Grunde anzutreffen ist. Alles
Land hat dem zu Folge einen Abhang von den
Gegenden seiner Größen ErHöhung bis in
die Tiefe des Meeres, Die Oberste Höhe des
festen Landes ist, mit Gebürgen besetzt.
die nach der größesten Lange deßelben fort-
laufen. Auf der Abschüßigen Fläche des
Landes laufen Flüße herab, die in den Ge-
bürgen ihren Anfang nehmen, das feste Land
hat seine Größete Erstreckung, außerhalb
den Tropicis. je näher es zum Aequator ist.
desto näher verliert es sich ins Meer, daher

/ die.

/|P_48

/Landes Spitzen %und Halb-Inseln mehrentheils nach
dem Aequator hingerichtet sind. Man findet, wenn
man den Lauf der Flüße beobachtet, das das
feste Land gegen Süden %und Westen steiler @%und@
abschüßiger sey, als gegen Osten %und Norden. Und
Dampier hat dieses auch an den Mehresten
Küsten der Inseln %und Ländern gefunden, Die
Ursache wird folgen.

/ ≥ § 4.

/ Von den Gebürgen. ≤

/Die Gebürge sind eine Kette von Bergen,
welche die höchste Gegend des Landes nach der
Länge seiner größesten Erstreckung einnehmen.
In einer Reihe von Gebürgen ist wiederum
eine Gegend derselben die höchste, von der nach
beyden Seyten die Berge immer niedriger
werden. bis sie sich ins Meer allmählich ver-
liehren, oder Vorgebürge machen, Die Größeste
Länge von Europa ist von der Westlichen Küste
Portugals bis an die Meer-enge des Schwartzen
Meeres zu rechnen, und in dieser Richtung ge-
het eine einzige Kette von Gebürgen fort, die
hin %und wieder verschiedene Benennung bekommt
bals das Carptischen Gebürges, bald der Alpen,
bals des Pirnäischen Gebürges, und bald

/ der

/|P_49

/Griegischen Gebürge, die als ein Ast von den
Alpen könen angesehen werden, Alle Halb-
Inseln %und Landt-Spitzen haben in der Mitte
ein Gebürge, welches sie der Länge nach durch-
laufft. z. Ex: der Apenicin in Italien, das Ge-
bürge Gate, auf der HalbInsel, dießeit des
Ganges, eben so werden die Inseln als Sumatra
Madagascar Iamaica p. p. in ihre Längen
von Gebürgen durchschnitten, Die Haupt-Gebür-
ge eines Landes laßen, so zu sagen, nach
den Seiten Neben Äste laufen, wie die
Alpen, der Apenninus, der Saurus, das
Galatische Gebürge Die Mehresten Gebürge
laufen mit den Meeres-Küsten, die ihnen
am nächsten sind, Parrallel wo aber 2 Ge-
bürge sich einander durchschneiden, da sie-
het man einen Meer-Busen, der sich in
das Tiefe Thal ausbreittet, das @auf@ sol-
che Weise gemacht ist. Man wird alles
dieses aus der Erzählung der nahmhafften
Gebürge, auf der Erd-Kugel am besten ersehen.

/Die Haupt-Gebürge von Europa, Asia
und Africa. erstrecken sich von Morgen gegen
Abend. In Europa die Alpen, von denen der
Apennin, der Hartz, die Sudetischen und das

/ Carpatische.

/|P_50

/Carpatische Gebürge, bis in Tracien auf ei-
ner Seite, %und die Pirnäischen, %und die Übrigen
Spanischen «Inseln» Gebürge auf der andern
Seite als Küsten angesehen werden. In
Norwegen gehen die Gebirge den Küsten Pa-
rallel bis ans Nord-Cap. in Asien ist das Haupt-
Gebürge Taurus, welches um die Caspische
See Von Osten nach Westen gehet, von da der
Imaus sich anfängt, %und weiter nach Osten
bis an die Tartarische See sich erstrecket.
Dieses Haupt-Gebürge aber ist Kreütz-Weise
mit andern durchschnitten die von demsel-
ben nach Norden. bis ans Eis-Meer %und nach
Süden, bis ans Caspische Meer gehen. In
Africa gehet den Küsten des Mittelländi-
schen Meeres Parallel von Westen nach Osten
der Atlas, %und erstrecket sich unter verschiede-
ne Nahmen, bis nach Egypten, eben dieses
geschicht in dem Obertheil von Guiuna. Afri-
ca ist nach Abyßinien an, bis ans Capo
de bonne Esperance nach Norden, nach Süden
mit einem Gebürge. das in dem %Südlichen Theil
das Mondgebirge heißet, durchschnitten
In Amerika laufft das vornehmste Gebürge
%nähmlich die Cordillera den Küsten des stillen

/ Meeres

/|P_51

/Meeres Parallel. von Norden nach Süden bis
ans Fretum Magellanicum

/ ≥ § 5.

/ Von den höchsten Bergen auf der Erde. ≤

/Die Aeußere Gestalt des Berges ist ke-
gel-Formig das, was man von dem %unersteiglichen
in Dauphine sagt, deßen Fuß Tausend
Schritte %und der Gipfel 2.000 enthalten soll.
ist unrichtig. Das feste Land worauf ein
Berg stehet ist schon ein Berg an sich, deßen
Fuß von weiten Umfang ist. Basel 3427 Fuß
höher als Rotterdam, und das Thal Quietto in
Peru ist höher über die Meeres-Fläche erhoben.
als die höchsten Alpen, Ein Berg aber ist viel
steiler im Abhange als das Feste Land, Die
höchsten Alpen sind nicht über 8 bis 10.000 Fuß
hoch. Der Pico auf der Insel Teneriffa ist nur
13158 Fuß hoch nach des Teville Ausmeßung.
Der höchste unter allen Bergen auf Erden
ist Chimboraso in Peru welcher 23.000 Fuß
hoch ist. NB. Zu den Gebürgen gehören auch
die Reichen von Inseln, als die Maldivischen
Anamanischen, Nicoba, Sumatra, die Phil-
lippinischen %und Catronischen. Die Spitzen der
Berge sind gemein hin kahl %und felsicht.

/ Überhaupt

/|P_52

/überhaupt finden sich die höchesten, je näher
man dem Aequator komt.

/Die Gebürge Cordilleras sind die höchsten. von
da werden sie als einzelne Berge immer klei-
ner, je weiter sie sich vom Aequator entfernen.
Um Spitz-Bergen %und Grönland sind die Berge
gegen jene wie Maulwurfs-Hügel anzusehen.

/ ≥ § 6.

/ Beobachtungen auf sehr hohen Bergen. ≤

/1) Dünne Lufft. auf den Spitzen der höch-
sten Alpen fällt das Barometrum acht Zoll,
und auf den höchsten Peruanischen auf 14; Dieses
aber ist nicht die Haupt-Ursache der Beschwerlich-
keit, in diesen Höhen zu respiriren. Ein Abgescho-
ßenes Gewehr knallt daselbst sehr wenig.

/2) Die Wolken gehen offters niedriger als die
Spitzen, solcher hohen Berge %und öffters höher.
Die Erfahrungen der Französischen Gelehrten
haben bewiesen, das der Geburt-ort der Blitze
wirklich in den Wolcken sey, %und nicht wie der
Marquis Maffei meinet unten an der Erde.
Erzählungen eben deßelben von einer be-
sonderen Apotheosi auf einer Spitze dieser
Berge. Schatten, den der Pico von Teneriffa
auf der See wirft.

/|P_53

/3) Es ist die Gegend nicht gantz ohne Wind
ob sie gleich <unten> in den Thälern offter δLücke
da es oben gantz still ist, Beweiß aus der
Erfahrung auf den höchsten Cordillerischen
Gipfeln. Im imerwährendem Sturm findet
man in den Gebürgen, wenn man aus dem
Thal Quieto Ostwerts dieselbe Passieren will.

/4) Auf den Spitzen hoher Berge ist ein immer
währender Winter, %und ein Ewiger Schnee
der nur da durch sich aufzuhaufen ver-
hindert wird, weil öffters große Klumpen
deßelben herabstürcken. Von den Schnee Lavinen
in den Alpen, Auf der Spitze des Pico ist
es etwas wärmer als in der Mittleren
Gegend, weil oben ein hoher Tachte Caldex
¿¿¿ womit als ein Dampfloch Warm
Dünste außflüßet. In der Schweitz in
einem Langen Thal, zwischen den höchsten
Bergen von St_Gotthardsberge«¿» bis an die Pie-
montetische Gebürge ist das Eismeer oder
der Gletscher einen Ort von See oder EißTafel
die immer mit EißPiramiden bedecket ist
wo an den Gebürgen immer Große Eyßzapfen

/ gebildet

/|P_54

/gebildet werden, die durch ihre Schwere endlich
herabstür«k»zen, %und ein immerwährendes Ge-
polter Machen, das eiß breitet sich weit
über die nahe gelegene Wiesen aus. Be-
sondere eigenschafften daß es sehr schwer schmil-
tzet. vergliechen mit der eigenschafft Warmer
Bääder, die sehr schwer kalt werden. Eben
die Ursache die diesem Eise, diese eigen-
schafft giebt, mag auch verursachen, daß
das gefrorene Kalb-Fleisch in dem Peruani-
schen Gebürgen in die heißen Gegenden
von Lima ohne Fäulniß gebracht wird, und
verzehret werden kan. In Spitz-Bergen fau-
len die im Winter gefrorene Menschen
gar nicht. Froelichs beobachtungen auf einer
Spitze des Carpatischen Gebürges %.imgleichen eini-
ge besonderheiten von dem Panumos oder den
Peruanischen Gebürgen.

/5) Die Höhe der Berge über der Meeres-Fläche
wird auf zwiefache Art gemeßen, entwe-
der Geometrice «oder Barometrice» welches
sehr weitläufftig ist, oder Barometrice, in
welcher man durch viele verglichene Beobach-
tungen gelernet hat, die Höhe der Berge durch

/ den

/|P_55

/den Fall der Qwecksilber sehr genau zu finden.

/ ≥ § 7.

/ Von Nutzen der Berge %und Gebürge. ≤

/Vermittels der Höhe des festen Landes
werden einige Gegenden, der Erde die sonst
in einem sehr heißen Climate liegen in eine
kühlere Lufft Gegend versetzet, daher der Theil
von Peru, welcher hoch lieget, nämlich das
Thal Quieto, aber gleich der Linie gantz nahe
ist, eine Witterung wie Frankreich hat, %und
eines immerwährenden Frülings genießet.
Anthiopien ist deßwegen sehr fruchtbahr
%und angenehm Die Winde, welche über die
beschneiten Berge wehen, kühlen die Thäler
ab, ein hoher Berg, der in der Zona torrida lie-
get, hat alle Climata gleichsam in seinem
Bezircke, Die Gebürge veran laßen, auch
den häufigen Regen der in ihrem Bezircke
fällt, durch welche (und den aufthauenden
Schnee) Große Flüße entstehen, welche
dürre «Wäßer» Länder bewäßert erhalten.

/ ≥ § 8.

/ Von den Höhlen %und Klüfften der Berge. ≤

/Alle Berge sind inwendig hohl. Dieses be-
weisen die Erdbäben %und brüllende Getöse,

/ in

/|P_56

/in ihrem inwendigen. In Italien, %.imgleichen in
der Schweitz sind viele derselben, die von
Menschen durchdrungen werden. Im Pilatus
Berge, in Canton Luenra ist eine Höhle die
300 Schritt fortläufft, 10 bis 14 Fuß breit
%und 16 hoch ist, Ein anderer Berg ist so hohl,
das ein Stein der oben hereingeworfen worden
noch etliche mahl hin %und wieder schlägt. %und
unten am Fluß wieder hervorkomt, Die
Höhle von Antiparus einer Insel des Archi-
pelagi ist von Tournefort beschrieben. Mann
gehet durch abschüßige Gänge, die sehr breit
und hoch sind zu einer Tiefe von 150 Faden
%und von oben an 300 Klaffter, %und findet viele
Naturspiele von Tropf-steinen. Der Labyrinth
von Candia ist auch von der Natur gemacht,
%und nur von Menschen erweitert worden, Er
ist an der Süder-Seyte des Berges Ida. Der
Gang welcher hineinführt ist 7 bis 8 Fuß hoch,
wird aber so Niedrig daß man offt kriechen
muß. Der Vornehmste Gang ist 150 Schritt lang.
Tourneforts Anmerkung von Wachsen der
Steine.

/ § 9.

/|P_57

/ ≥ § 9.

/ Von der Lufft, Kälte und Wärme in der
Tiefe der Nathürlich %und künstlichen Höhlen. ≤

/Die Lufft ist desto dichter %und schwerer, je
tieffer die Höhlen sind, davon in der Geschichte
des Lufftkreises ein mehreres, «ist» in Großen
Tiefen ist die Wärme das gantze Iahr bey-
nahe gleich; daher es mehrentheils ein Irrthum
ist, wenn die Keller im Sommer für kälter
%und im Winter für wärmer ausgegeben
werden, doch sind einige Exempel die es
beweisen, daß es zuweilen sich würcklich
so verhält z. Ex: in Franckreich bey Meaux
strömet in eine Höhle klares Waßer, in die-
ßer Höhle ist desto häuffiger Eiß. je heißer
der Sommer ist, %und Mitten im Winter
schmitzt es. An einem der Carpatischen
Berge ist die berühmte Höhle, die einen
abschüßigen Boden hat. man weiß nicht
wie tief sie sich in dem Berg erstrecket.
Wenn es im Winter draußen scharff frieret
so schmeltzt alles Eiß darinnen, %und im Som-
mer frieret es unendlich. Auch in Kellern
hat man im Winter Pech Klumpen zerflie-
sen gesehen, die im Sommer hart waren.

/ Muthmaßliche

/|P_58

/muthmaßliche Ursache. «Bayle an» Sonst führt
bayle an das in den Bergwercken, wenn
man sich herabläßt und dieses im Sommer,
es zwar bey zunehmender Tiefe nach %und Nach
kälter werde, doch aber wen man noch tiefer
komt, die Wärme sehr ansehnlich zunehme.
Agricola führet an, daß die Bergwercke,
die durch 2 ungleich hoch zu Tage ausgehen-
den Schachten, mit der aüßeren Lufft ge-
meinschafft haben, eine Circulation der
Lufft verspühren, da die außere Lufft im
Winter den Größesten Schacht heraußkom-
me %und den kürtzesten hineingehe, im Som-
mer aber umgekehret. Ursache davon. einige
Klüfften der Berge blasen auch Winde
von sich. %.Vornemlich im Sommer Anmerkun-
gen aus den Schwedischen Abhandlungen
von den senckrechten Schachten.

/ ≥ § 10.

/ Von den Bergspalten. ≤

/Man findet offt gantze Berge von ein-
ander gerißen, so daß die gegen einan-
der überstehende Seiten genau zusammen
Paßen, %und dazwischen eine unergründliche

/ Klufft

/|P_59

/Klufft ist, Es kan dieses bißweilen von
dem trockenen der Materie, woraus der
Berg bestehet, bißweilen von dem Auß-
gleiten einer Seite des Berges, deßen Fuß
von Flößendem Waßer unterwaschen ist
oder auch vom Erdbeben herrühren. Diese
Ritzen sind offters sehr weit, bisweilen
aber nur schmal, wodurch sich auch das
Regen-Waßer in Große Tiefen herab-
seiget. Gleich wie die Großen Nathürlichen
Hölen dem Erdbeben Platz geben, so erzeügen
sich in den Ritzen und Spalten der Gebürge
allerley Gesteine als Spath, Crystall wel-
che von dem sich herabseigendem Waßer
das allerley Steintheilchen absondert, nach
%und nach angesetzet werden.

/ ≥ Drittes Haupt-Stück.

/ § 1.

/ Vorboten und bestimmungen eines
Erdbebens. ≤

/Die Ratzen %und Mäuse gehen auß ihren
Löchern. Offt kriecht auch ein verborgenes Ge-
würme aus der Erde, Die Thiere fürchten

/ sich

/|P_60

/sich, Ursache hievon, Gemeiniglich ist die Lufft
vorhero still. Allerhand feürige Luffter-
scheinungen, alsden folgen hierauff heffti-
ge Stöße, die kaum einige Minuten fort-
dauren. wobey die Erde hin %und her schwanket.
Das Meer fliehet, %und läßt den Strand Tro-
cken, bald komt es wieder zurück, Diese
Bewegung ist mehrentheils mit einem
unterrirdischen Toben. Als eines reißen-
den Sturmes verbunden.

/ ≥ § 2.

/ Gegenden der Erde, die am meisten
mit Erdbeben beschweret
werden. ≤

/Länder, welche als der Fuß großer Berge
anzusehen sind, oder als die Fortsetzung der-
selben sind mit Erdbeben beunruhiget, z. Ex:
Peru, Italien, die Insell des Capoverte
imgleichen die Indischen Meere. Vornehm-
lich sind sie am hefftigsten wo das Land
nahe an die See stößet, häufiger in Zona
torrida als außer derselben. Ursache häu-
figer in der RegensZeit, als in der Trock-
nen. In den Winter_Monathen häufiger
als im Sommer; Vorzeiten häufiger, als
anjetzt.

/ ≥ § 3.

/ Ursache %und Wirckung des Erdbebens. ≤

/Die Warmen Bäder zeigen daß Erhitzun-
gen in den Innern der Erde vorgehen. Man
kan dieselben durch die Kunst nachahmen.
Eine Mischung von Eysenfeilstaub, Schwefen
%und Waßer in die Erde vergraben, bringet nach
etlichen Stunden eine Bewegung der Obern
Erde, Dampff %und endlich eine lebendige
Flamme zu wege. Die vitriolische Saure
die allenthalben in der Erde ist, darf
nur durch Waßer aufgelößet %und auf Kup-
fer oder Eysenertzt geführet werden,
so gehen erhitzungen vor sich, Alles Feüer
ersticket aber durch Mangel der Lufft
daher wird manche erhitzung eine Bloße
Glimmende Glut seyn, die nicht eher auß-
bricht, bis die in diesem Gewölb befindliche
Lufft in einem Zug versetzet wird. Diese
bewegung der unter-Irrdischen Lufft entste-
het, wie die Winde durch erhitzung einer
Gegend vor der andern %und daraus kan das
Rasteln, welches das Erdbeben begleitet,
das das Toben eines Sturm-Windes ähnlich

/ ist

/|P_62

/ist erklärt werden. Es gehöret Waßer dazu,
um die Ächzende Saltze Mineralien aus-
einander in bewegung zu bringen, Dahero
kan der Regen der sich durch alle Ritzen
%und spalten durchspricht, die Erdbeben veran-
laßen. Das Meer ruhet mit einer Großen
Last auf dem Boden, %und wiederstehet der
unterirdischen Gewalt kräfftig, daher wird
eine Verdoppelte Stärke derselben an
die Ufer ausgeubet. Doch bebet auch das
Meer Die Unterirdischen Hölen hangen in
weiten Gegenden untereinander zusammen;
den die Erdbeben breiten sich aus einer
Ge«höret»gend der Erde in die andere entle-
gene aus, %und gehen offt einige 100 Meilen
unter der Erde fort, von den Waßerbewegun-
gen, bey dem letzten Erdbeben. Es steigen bey
dem Erd-Beben fremde Dünste aus der Erde
in die Lufft daher die Aenderungen der
Witterung. Die Gebäude, welche einen fe-
sten Grund haben, leiden mehr durchs Erd-
beben, als die Leicht gebau«ch»t sind. Daher die
Gewohnheit der Peruaner ihre Häuser zu
bauen. Untergang Großer Städte, durch
diese Unglückliche Ursache.

/ § 6.

/|P_63

/ ≥ § 6.

/ Von den Feüer speienden Bergen. ≤

/In allen Welt-Theilen giebt es derselben, sebst
in Island %und GrönLand, allein in der Zona torrida
%und der nahegelegenen Erd-Gegend sind die Meisten.
Fast alle Moluccische Inseln haben einen solchen
Berg in der Mitte, Einige haben ehedem Ge-
brannt, %und sind nun erloschen, andere sind ehe-
dem ruhig gewesen, %und haben sich nun eröff-
net, Exempel, von den Ersten sind viele Berge
in Peru, Eine Berg-Spalte, oder große Klufft
im Berge. Ararat, welche noch vom Rauche ge-
schwärtzt wird. Ein Insel an den Küsten des
Brasilien, das verbrante Eyland genand p.p.
Exempel von dem 2ten, sind ein Berg auf
der Insel Iava, %und eine auf der Insel
Banda, %imgleichen eine von den Inseln des Capo
Verde. Die Wirckungen dieser Feüer speienden
Berge sind bey den meisten ein beständiger
Rauch, bey andern ein außbruch von Flammen,
Außwurf von Steinen %und Waßer. Es fließt
offt eine Lava oder ein Strom geschmoltze-
ner Materie herauß. öffters Spalten «Große»
gantze berge mit großen Krachen als der
auf der Moluccischen Insel Macchiam, %und
bißweilen werden gantze Berge umgeworfen

/ wovon

/|P_64

/wovon viele Rimnen in den Cordillerischen
in Peru anzutreffen, Das Toben der Feüer-
speienden Berge hat mit dem Erdbeben diese
verknüpfung das wenn z. Ex: Vesuw Tobt das
Erdbeben nachläßt, %und wen jener aufhört
Flammen außzuwerfen, die Erde mit Größe-
rer Gewalt beweget wird. Imgleichen findet man,
daß wen von 2 in der Nahe gelegnen Feüer-
speienden Bergen, einer Feüer außgewor-
fen hat, der andere Ruhet %und so umgekehrt
z. Ex: Vesuvius %und Behutara, Aetna %und Strong-
ylus,. Die Ursache ist darin zu suchen, daß
wen das unterirdische Feür, bey einem
Erdbeben, sich nur dadurch entzünden kan
wenn es einen Zugang frischer Lufft hat. Daher
der Berg, deßen feüriger Dampf überwärts
getrieben ward ruhet; so bald aber das Feüer
sich entzündet, so stößt es die Lufft von sich
%und bleibt das Feüer auf dem Heerde des
Berges, woher Toben die Berge mit Inter-
vallis so wie mit Respirationen wie Bou«¿»-
quer
in Peru angemerckt hat. Und die
Erdbeben geschehen auch mit solchen ruhi-
gen Zwischen Räumen. Das Erdbeben hebt
offt neüe Berge über dem festen Lande

/ hervor

/|P_65

/hervor, %und hebt neüe Inseln aus dem Boden
des Meeres hervor Im Iahr 1538 entstand
bey Pozzuolo eine gewiße Öffnung in der
Nacht, woraus so viel Sand %und Steine geworfen
würden, das ein Berg Monte dicenere darauß
entstandt der 400 Ruthen hoch war, %und 3 Ita-
lienische Meilen in Umfange hatte, anderer
zu geschweigen, 1720 wurde bey den Azorischen
Inseln aus einem 120 Fuß Tiefen Meeres
Gründe eine kleine Insul hervorgetrieben
die eine Meile weit war. 1707 ist bey der
Insel Santorini im Aegeischen Meere, aus
dem mehr als 80 Faden tiefen Meeres-Grün-
de eine Insel, die 6 Meilen weit durch
ein Erdbeben empor gehoben worden.

/ ≥ Vierttes Hauptstück.

/ Geschichte der Qwellen und Brunnen.

/ § 1.

/ Von der Ursache derselben. ≤

/Die bey den vernünfftigen Naturforschern
itziger Zeit herschende Meinung von den Ursachen
der Qwellen ist diese daß sie von dem
Regen-Waßer, welches sich in die Schichten
der Erde saüget, %und von einem Niedrigen Orte

/ @hervorquilt@

/|P_66

/hervorqwilt, entstehen, Die oberste«hende»
Rinde der Erde bestehet nähmlich aus Schich-
ten, von verschiedener Materie, die sich
Blätter-Weise über einander befinden wo-
von hernach ein mehreres. Das Regenwaßer
sieget sich durch die Lockern schichten von
Sand, Kieselstein, %und lockerer Erde, bis es an
einem festen Leimichten, %und steinichten
Grand komt. Da es sich nach dem Abhange
der schichten woran es stehe«t»n bleibt, fort,
macht verschiedene Adern, %und dringt an ei-
nen Niedrigen Orte hervor, welches eine
Qvelle machet die noch lange fortdauret
wen gleich der Regen eine Zeitlang außge-
blieben, weil das Waßer aus der Qvelle
nur langsam abfließet, aber aus einem
Großen Umfange des nahen Landes einen
allmählichen Zuflucht bekomt. «S»Die Sonne
auch diese in der Erde befindliche Feüchtich-
keit nicht außtrocknet, Dieß ist die
Meinung des Hariot, Halley, %und anderer
mehr, Die schwierigkeiten die dawieder
gemacht worden sind diese daß der Regen
in ein außgetrocknetes Erdreich niht ü-
ber 2 Fuß eindringet, da doch bey Gra- 

/ bung

/|P_67

/bung der Brunnen öffters mehr als 100 Fuß
tiefe Qwell-Adern angetroffen werden.
Allein darauf wird geantwortet daß 1) Durch
Ritzen %und Spalten der Erde das Waßer nach
einem langen Regen in die SteinKohlen Grüben
wohl 250 Fuß tief, %und in ein Bergwerk wohl
1600 Fuß tief eindringet 2) Das wenn man
eine leimicht-Schichte a b, welche abhängig
ist, annimt, welche bey a zu Tage außgehet.
%und über der ein Berg befindet, das Regen-
Waßer, welches darauf fället, durch kleine
Adern, die es sich ausbereitet in dem Berg
nach der Richtung ab fortlaüfft, %und also wen
aus der obersten Spitze des Berges ein
Brunnen c, d, gegraben worden, daß daselbst
Quelladern angetroffen werden die aber nicht
von dem auf dem Berge gefallen Regen-
Waßer, sondern von dem das auf die Ebene
außer dem Berge gefallen, %und auf der ab-
hängigen Schichte, die durch ihn fortlaüfft
sich durchgeseiget hat, herzuleiten ist; daß
offt auf hohen Bergen Qwellen anzutreffen
sind. z. Ex: auf dem Blocks-Berge, Taffel-
Berge an Capo bonae spei p.p. allein man
findet bey genauer Untersuchung, daß

/ doch

/|P_68

/doch ein Theil des Berges höher liegt, als die
Qwelle«n», die auf ihm entspringet. 3) Daß
einige Quellen bey der Grösten Dürre
ohne Verminderung fortfließen. Dieses
rühret von der Tiefe der Schichten her,
die sich einmahl voll Waßer gesogen haben,
beständig Naß erhalten, indem sie aus ihrem
weiten Umfange, nur einen Geringen
Theil in die Qwellen liefert; Da hingegen
dienet zur bestätigung dieser Meinung,
daß in Arabien wo es Weingeregnet, es
auch in sehr dürren Sande kleine Qwellen
giebt, daß die Meisten Qwellen in einem
Iahre, wo es wenig Regnet, eine Allgemei-
ne Abnahme am Waßer leiden, auch wohl
gar versiegen p.p. Cartesius erklärte den
Ursprung der Brunnen also, In dem In-
wendigen der «Höhle» Bergen befinden sich
weite Hölen, in diesen befinden sich durch
weite Gänge, die zum Meer führen, Meer-
Waßer, welches vermöge der UnterIrrdischen
Hitze in Dampf verwandlet würde %und indem
dieser in die Oberste Schichte der Erde hinein-
dringe, eine immerwährende Qwelle mache.
Ein Gewißer Iesuit %und Perault bestatigen

/ Cartesii

/|P_69

/Cartesii Meinung, mit Exempel, welche wir
aber ohne Schwierigkeit nach unserer Hypothe-
¿¿ erklären könen. Die 3te Meinung, daß
das Meer Waßer welches sich in den Höhen der
Berge befinden soll. durch das Seigen der
Erden %und Sand-Partikeln bis an deßen
Spitze erhoben werden soll, ist wieder die
Experinente der in Haaröhren, oder in Sand-
hauffen sich zusammenziehende Feüchtigkeit,
%und gesetzt dieß wäre also, so würde es doch
nicht wieder von den Bergen herauß flie@h@en,
so wie sich zwar an einem Hute Zucker, das
an seinem Fuße befindliche Waßer bis
oben zu ziehet, aber nicht von oben heraus
fließet.

/ ≥ § 2.

/ Besondere Arten der Qwellen %und Brunnen ≤

/Einige Brunnen fließen Periodisch. Einige
derselben können durch das Aufthauen des
Schnees, andere durch Hidraulische beyspiele
noch andere von denen, es scheint daß sie
durch die Würckung des Mondes erkläret wer-
den könen.

/Exempel. von der Ersten sind haüfig, in der
Schweitz, Italien, Franckreich, %und andern Oertern

/ imgleichen

/|P_70

/imgleichen im Bisthum Paderborn ist der
bolderborn, der alle 6 Stunden sich verliehret
%und dann mit einem Getöse wieder kömt.
St_Dams führet ein Exempel der letzteren
an. In der Mitte des Berges der Woywod-
schafft Cracau. Es giebt süße Brunen als
bey Tolede der oben süß als Zucker, unten
aber sauerlich ist. In Deütschland sind etli-
che 100 Sauerbrunen, diese enthalten das
Crocum Martis, Einige sind Bitter, viele
saltzig, noch viel mehr haben Eysenthei«h»lchen
%und andere Mineralien in sich, etliche führen
Gold. bey Mausol ist eine Qwelle die eine
Vitriolische Feüchtigkeit außtröpffelt, die
mit Kupffer Impregnirt ist, welche daß so
genante Cementwaßer mit führet, dadurch
man Eiser in Kupffer verwandlen kann, Eini-
ge Versteinern die hineingelegeten Körper.
Ein heißer Brun ergießet sich in Peru ergie-
ßet sich, in das benachbahrte Feld %und verwan-
delt sich in Stein. Einige entzünden sich, wenn
man sie mit @dem@ Lichte nähert. Es giebt auch
Brunen über deren Waßer ein Öhl, wie
Stein-Öhl oder Naphta schwimmet, das letzte
unterscheidet sich von dem Ersten darin,

/ daß

/|P_71

/daß es wegen der herausgehenden brenn-
baren Dünste, das Feüer Gleichs«ch»am an sich
ziehet. bey Bagdad werden Täglich wohl 100.000
%Pfund Naphta geschöpffet. Es giebt auch sehr
kalte Brunnen, welche entweder deswegen,
weil die Adern wodurch sie Zufluß bekommen
sehr tief liegen, %und daher von der «W¿»Sonne nicht
können erwärmet werden, oder weil das
Waßer derselben, durch den aus der Erde
dringenden SalpeterGeist sehr erkältet wird,
diese Eigenschafft haben ungemein Viele
Brunnen, haben sehr heißes Waßer, als
die Warmen Bäder in Deütschland. Ungarn,
Italien p.p. In Island sind verschiedene heiße
Brunnen, in derem einen, ein Stück Schwein-
fleisch in einer halben Stunde Gaar kochet.
Imgleichen in Iapan. Alle diese Waaßer
z. Ex: im Carlsbade müßen wohl 12 Stunden
stehen, bis sie so weit ab«¿¿¿»kühlen, daß man
sie am Körper leiden kann. %.Obgleich es so heiß
ist, muß es doch eben so lange über dem
Feüer stehen, als gemeines kaltes Waßer,
bis es kochet. Die Ursache findet sich in dem
Mineralischen Materien die vom Waßer
aufgelößet werden, und sich in einan-
der erhitzen.

/ Fünfftes

/|P_72

/ ≥ Fünfftes Hauptstück.

/ Geschichte der Flüße.

/§ 1.

/Von dem Ursprunge derselben. ≤

/Sie entstehen aus den Bächen, die ihr Wa-
ßer vereinigen, diese aus den Qwellen,
die letzte endlich aus dem Regen %und Schnee.
wen man daß Waßer, welches ein Fluß, in
einem Iahr ins Meer ergießet berechnet, so wird
die Menge des Regens %und Schnee-Waßers,
welches auf die Fläche desjenigen Landes fält,
daß sein Waßer in dem Schlauch des Flußes
liefert, groß genug befunden, %und nicht allein
die Bäche, %und die aus ihnen entstehenden Ströme¿
zu unterhalten, sondern auch den Thau,
das Wachsthum der Pflantzen, %und dasjenige
außzumachen, welches vom festen Lande
wieder ausdünstet. Dieses wird dadurch
bestätiget, das nach langer Dürre auch das
Waßer schwindet, daß in Ländern, wo
es wenig regnet, als in Arabien, auch sehr
wenige flüße entspringen, daß in Ge-
bürgigten Gegenden als Abystinien in Peru
die Cordilleren p.p darin ein fortdauren-
der Regen fält, auch Qwellen zu dem An-
sehnlichsten Flüßen enthalten, also
ist freilich eine Circulation des MeerWaßers

/ %und

/|P_73

/und des Waßers der Flüße, nicht aber
eine solche wie man sich gemeiniglich ein-
bildet, nähmlich nicht vom Meer unterwerts
unter dem festen Lande bis an die Höhe des-
selben %und von da wieder ins Meer, sondern
durch die aus dem Meer steigende Dünste,
die in Wolken Regen %und Schnee verwand-
let werden, und auf die Fläche des Festen
Landes herabfallen.

/ ≥ § 2.

/ Von der Bewegung %und dem Abhange der Flüße. ≤

/Weil dazu, daß ein Fluß, seinen Lauf ins
Meer erstrecke, ein beständiger Abhang des
festes Landes von seinen Qvellen, bis zum
Meer nöthig; so ist merckwürdig daß das feste
Land in so Großer Strecke als zE: Süd_America
nach der Lage des Anazonen_stromes wohl
800 Meilen einen einförmigen Abhang bis zum
Meer hat. Den wenn es hin %und wieder große
Einbeügungen %und Vertiefungen hätte, so wür-
de der Strohm sehr viele Weitläufftige Seen, un-
terweges machen, Die Ursache hiervon ist: alle Strö-
¿me haben nicht einen gleich nahen Abhang, aus den
Cordillerischen Bergen, wo der Anazonen_Strohm
entspringet, entstehen viele Gieß-Bäche, die sich

/ in

/|P_74

/in den stillen Oenau ergießen Der letzte
Abhang ist insgemein viel stärcker, als der
Erstere, Die Seine wo sie durch Paris flie-
ßet, hat auf 60.000 Fuß Abfall, die Loire
aber einen 3Mahl starckern. Irrthum des Vare-
nius
%und Kuhns, Die Schnelligkeit eines Flußes
soll in der gantzen Länge seines Laufes zu-
nehmen; weil er aber nahe zu seinem Ostio
breiter wird, %und seinen Abhang daselbst
auch fast aufhört, so fließet er langsamer
als Irrgendwo.

/ ≥ § 3.

/ Einige besondre Merkwürdigkeiten der
Flüße ≤

/Die Richtung großer Flüße, macht gemei-
nichlich mit der Richtung der höchsten Gebürge,
worinn ihre Qwellen liegen, einen rechten Win-
ckel, weil dieser Weg der kürzeste ist, von da
in die See zu g<e>langen. In Großen Gebürgen
laufen durch 2 Reihen von beyden Seyten die
Flüße Parallel %und der Fluß nimt das Thal
zwischen beyden ein, in welches die von beyden
Seyten daraus entspringende Bäche sich er-
gießen. Sie haben nahe an ihrem Ursprunge
höhere Ufer, als an ihrem ausfluße, die
haben auch weniger Krümmungen und sind

/ die

/|P_75

/die Ufer, wo der Fluß einen einziehenden
Winckel macht höher als bey einem einsprin-
genden. Z. Ex: das Ufer a ist höher als das gegen
überstehende b, %und c ist höher als d. Dieses rüh
von der Natur eines Thales her, welches zwischen
2 ungleich abschüßigen Höhlen am tieffsten
nahe an der steilsten Höhe ist. Die Flüße zer-
stöhren nach %und nach das höhere Ufer %und setzen
die abgerißene Erde %und Sand an die Niedri-
gen ab, daher sind die öffteren Verandrugen
des Fluttbettes eines Flußes. Man errichtet da-
her öfters Bounen, wodurch der Strom aber offters
mehr in Verwirrung gebracht wird. Man findet hin
%und wieder trockene Fluth-Bette von Flüßen am Rhein
%und %.vornehmlich am Gihon der sich erst mit einem
Arme in die Caspische See ergiest, itzt aber in
den See Aral fließet.

/ ≥ § 4.

/ Von den ansehnlichsten Flüßen der Erde. ≤

/Die den längsten Lauf haben, sind der Nilus,
der Niger oder Senegal, der Ienitza der auf den
Grentzen des Mogaschen Reichs entspringet, %und
ins Eiß-Meer fließt, der Hoang oder Sastran-
Fluß, der Amazonen Fluß, der Silber Fluß %und der
Missisippi p.p. Sonst gehören auch noch dazu der Donau
Oby %und Ganges.

/ § 5

/|P_76

/ ≥ § 5

/ Erlautung der Art, wie sich ein Strom ein Bette
bereitet. ≤

/Man findet bey denn meisten Strömen, daß
ihr Bette öfters viel höher liegt, als das zu bey-
den Seyten umliegende Land, sonderlich nahe an
ihren außschlüßen, bißweilen sieht man
sie durch enge Päße streichen, zwischen 2
hohen Ufern, welche sie wie Mauren von bey-
den seiten umschlieschen, dieß thut der Ama-
zonen Fluß nicht Weit von seinen Anfange
%und die Rohne, wenn sie aus der Schweitz @in@
Franckreich fließet %.und %.andere %.mehr.

/Man kan leicht errathen, das da sich im ersten
Zustande der noch nicht außgebildeten Erde
die Wäßer von dem Gebürge in die Thäler er-
goßen, %und also das nicht nur das Meer wird
erreichet haben, sondern weit %und Breit das fe-
ste Land wird überschwemmet haben. weil die
vielen Unebenheiten, die sich unterweges fin-
den, die Ströme Nöthigten offt große Thäler
anzufüllen, %und sich in viele @Arns@ zu theilen.
Allein da das Waßer wo es am stärckten
Abhang findet am schnellsten fließet, so
müßte hin %und wieder, ein schmallerer
zug des Waßers als andertwers. Nun
muß das Waßer, in diesem %Ursprünglichen

/ Zustande

/|P_77

/Zustande, mit dem aufgelösten Schlamm sehr
stark seyn angefült gewesen, %und dieses
kan es nicht in der Richtung seines stärcksten
Zuges sondern an der Seite hindangesetzt
haben. Dadurch erhöhete es den Boden zu den
Seiten so lange, bis die Ufer hoch genug waren
alles Waßer zu faßen, %und so bildete sich
der Strom im Bette. An den Gegenden wo er
steile Höhen herabstürtzte, oder mit reißender
Geschwindigkeit einen Boden herabfloß, arbeitete
er den Boden so lange aus %und trug den
abgerißenen Schlamm in die Niedern Gegen-
den, bis er durchgehend seine Gemäßigte Ge-
schwindigkeit bekam, Daher sieht man in der
Nähe die Ursprunge der Flüße, ihn zwischen
hohen Ufern fließen. Zu weilen sind die Ufern
wie steile Wände. z. E: bey der Schone wenn sie
aus der Schweitz nach Franckreich wendet, bey
dem Anazonen_Strom nahe an seinen Anfange.
Daher sind auch die meisten Flüße, als auch
ein jeder an den meisten Orthen nicht Unschiff-
bahr, wegen ihrer Schnelligkeit, ausser an eini-
gen Orthen, wo der Boden felsicht ist, der sich
nicht so leicht durch den Fluß ausbreite«t»n läßt.

/ Von

/|P_78

/von der Veränderung der Erde durch die Flüße,
wird weiterhin das gehörige folgen.

/ ≥ § 6
Von den Waßerfällen, %und anderer Bewe-
gungen der Flüße. ≤

/Der Rhein hat %unterschiedliche Wa«sch»ßerfälle,
der bey Schafhausen ist senckrecht 75 Fuß hoch.
Der Valino in Italien fällt von einer Perpen-
diculairen Höhe von 200 Fuß, Der höchste in
der Welt ist der vom Fluße Bogora in Süd-
America, der senckrecht 1200 Fuß herabstürtzt.
Allein der Fluß Niagra in Nord_America ist
demnach der entsetzlichste, weil dieser Fluß
eine ungemeine Breite hat, %und senckrecht 150
Fuß herabstürtzt. Besondere Phenomena der
Waßerfällen, sie tragen sich nur dann zu
wenn der Fluß über einen felsichten Boden
laufft, welches man auch an an den Waßer-
fällen des Nils siehet. Der Fluß Tuguska
in der %Westlichen Tartarey fließet auf einen
felsichten Weege von einer halben Meile
mit einem solchen Gebraüse, das über 5 Meilen
zu hören ist, fort, noch ein anderer Merkwür-
diger Fall ist der «Tro¿¿¿» Trolneka in der
Lavenna, indem er senkrecht 60 Fuß herab- 

/ fält.

/|P_79

/fält. Der Tiger %und Neger haben gleichfals derglei-
chen. von denen Flüßen, die eine Zeitlang un-
ter der Erde fortlaufen und dem wieder her-
vorkommen, ist zu mercken, daß die Guadiana
diese Eigenschafft wie man vorgiebt, hat, weil
sie nur in Tieffe Thäler fortlaufft. Igreata
ein fluß in Yorckshire laufft Wircklich 1/2 Meile
unter der Erden fort. Einige Ströme versie-
gen ehe sie die See erreichen zE: der Arm des
Rheins, Kaltwick ohnweit Leiden, der Holdongg
in den Chinischen Tartarey, %und viele in Persien
Einige die sehr lang sind zE. der Anazonen-
Fluß, der Senegal haben Ebbe %und Fluth. Eini-
ger bewegung sind noch weit in der See zu
spühren, worin sie fließen ZE: des Zakre
des Anazonen_Flußes, des Rheins im Bo-
@ken@_see, der Donau, im schwartzen Meere.
Doch hat keiner seinen besonders kentlichen
Strom in der See, wie von der Donau im
schwartzen Meer, von der Rhone im Genfer-See
vom Rhein im Bodensee vorgegeben wird,
obgleich die Ströme das Meerwaßer weit
von den Ufern des Meeres süße machen
vornehmlich der Anazonen_Fluß. @S. z.@

/|P_80

/ ≥ § 7.

/ Von den Ueberschwemmungen der Flüße. ≤

/Einige treten zur gesetzten Zeit, vohrnehm-
<lich> nahe an ihren ausflüßen über die Ufer
%und überschwemen das Land Rund umher,
welches niedriger liegt als den Schlauch der Flü-
ße. Die Ursachen sind der Regen in den Ge-
bürgen, daraus der Fluß entspringet %und der
Abthauende Schnee. Unter allen solchen Flüßen
ist der Nil der Vornehmste. Er schwillt mit
dem Anfange des Sommer_Monaths, %und über-
schwemmt gantz Egypten, wobey doch die Einwoh-
ner durch leitung des Waßers durch verschie-
dene Canäle %und Erhöhungen derselben Ae-
ckern viel betragen Aegipten ist zu der Zeit
ein Meer worinn die Städte %und Dörfer
Inseln sind. Im Anfange des Septembers
tritt er wieder in sein Ufern zurück, Die
ser Überschwemmung ist der Regen, der als den
in den Egypthischen Gebürgen fält, imgleichen
der Nord-Wind, der auf die Mündung des Nils
Gerade bläßt, %und sein Waßer zurücktreibt.
Zur Zeit der Ueberschwemmung höret die Pest, die
%gemeinlichlich die Übrige Zeit des Iahres wütet
auf. Wen das Waßer nur 12 Ellen hoch stei-
get, so ist eine Theürung zu befürchten,

/ steigt

/|P_81

/steigt es bis 16 so ist Ueberfluß. 18 oder 20
Fuß sind zu viel; Vor Alters soll der Nil
das Land viel höher überschwemmet haben, als
itzo, weil durch den abgesetzten Schlamm das
Land schon erhöhet worden; weil sich nun in
den heißen Landstrichen der Regen zur Ge-
setzten Zeit einfindet, so ist kein Wunder,
daß die Flüße die Überschwemmung zu ge-
wißen Zeiten halten, als der Nilus, Zair,
Indus und Ganges.

/ ≥ § 8

/ Von den Materien, welche die Waßer
der Flüße bey sich führen. ≤

/Weil die Qwellen der Waßer entweder ei-
sentheil oder lokere Erde %und Saltz Partikelchen
bey sich führen, wie auch Mineralien andere,
so ist kein Wunder, daß das eine Fluß-Waßer
leichter ist, als das andere, %Gemeiniglich führen
die kleine Ströme, die sich in Große ergießen
schwerere Waßer, als diese. Das Neckar-Waßer
ist schwerer als das Waßer der Reihn, und
eben so ist der Mayn, der bey Maintz in die
Weeser die bey Coblentz in den Rhein fällt
von schwerere Art als dieses, welches man
dann auch, am eintauchen der Gefässe erkennen

/ kann

/|P_82

/kann. Die Ursache ist weil das Waßer, das
mit Irrdischen, %und andern Theilen untermischt
ist, in einen kleinen Strohm dahinfloß, so
bald es sich in einem weiten Schlauch ergie-
ßet. Seine Materie kann leichter fallen laßen,
%und 2tens kan die Vereinigung unterschiedli-
cher Waßer die Praecipitation der Materie,
die eines oder das andre mit sich führet,
verursachen. Das Themse_Waßer hat den
Ruf, das es sich auf langen See-fahrten
am besten erhält, %und ob es gleich stinckend
wird, sich doch selbst reiniges - Vielleicht rührt
dies vom verborgenen Schweffel her, der sonst
die Weine Conserviret, verschiedene Flüße
führen Gold-Sand. In Europa der Rhein
die Rohne, der Pactolus %und Tigris waren
vordem deshalb berühmt. Auf der Goldt-
stücke von Guiura, wird itzo der Gold-Staub
aus Flüßen gesammelt, %vornehmlich nach starckem
Regen, woher er komme %und wie er abgesondert
werde.

/ ≥ Sechstes Hauptstück.

/ Geschichte des Lufft-Kreises. ≤

/Der Lufft-Kreiß drücket mit eben so
starke«n»m Gewichte«n», als wenn die Erde durch
ein Meer, welches 32 Rheinländische Schuh

/ hoch

/|P_83

/hoch ist, bedecket werde, weil die Lufft durch
die Last die auf ihr ruhet sich zusammendrü-
ket, so muß sie je weiter vom MittelPuncte
desto dichter seyn, ja wenn ihre Verdichtung
immer so fortgienge, so würde sie in einer
Tiefe von 7 deütschen Meilen das Waßer an
schwere über«fallen»treffen, in einer Tiefe
aber, die noch nicht 1/3 des Radii der Erde wäre,
würde sie schon dicht«ig»er seyn als das Gold
Diese Dichtigkeit der Lufft könte, wenn unter-
irdische Erhitzungen dazu kämen, viel zu
den Gewaltigen Erschütterungen der Erde beym
Erdbeben beytragen. Die Atmosphere theilt
man in Regionen; die Unterste gehet von
der Meeres_Fläche, bis zu der Höhe wo der Schnee
im Sommer nicht mehr schmiltzt. Diese Erste
Region ist nicht in allen Gegenden der Erde
gleich hoch. In der Zona torrida unter dem Ae-
quator ist die Höhe der Berge wo der Schnee nicht
mehr schmiltzt nicht unter 3/4 deütsche Meile, Im
Anfange der Zona Temperatae nur eine
halbe Meile, in den Alpen nur 1/4 Meilen, %und
unter dem Pol beynahe der Oberfläche des
Meeres gleich, die 2te Region hebt beym Ende
der Ersten an, %und gehet bis zur Größten

/ Höhe

/|P_84

/Höhe wohin sich die Wolcken erheben. Dieser
ihre Höhe ist an keinem Orte der Erde @Völlig@
bestimt, bald gehen die Wolcken hoch, bald nie-
drig Überhaupt scheinen sie nicht über eine
deütsche Meile über die Meeres-Fläche
emporzusteigen. Wen man diese 2te Re-
gion bis dahin Extendiren wollte, wo die
leüchtende Meteoren entstehen ZE. Nord-Lich-
ter. Feüer_Kugeln %und andere mehr so werden
einige deütsche Meilen erfordert werden, ihre
Höhe zu bestimmen. Die Letzte Region fängt
an, wo die 2te aufhört, %und gehet bis zur
Grentze des Lufft-Kreises. Man bestimt die-
ses durch die Höhe der Dämmerung, welche @¿_1/2@
«d»Deütsche Meilen hoch gefunden wird.

/Die Lufft hat folgende Eigenschafften 1) feücht
Alle Lufft hat zuvor Feüchtigkeiten in sich,
wen diese aber in ihren Zwischenräumen
wohl vertheilt ist, so ist sie heiter %und wird
für Trocken gehalten. In einigen Gegenden
wird sie mit Feüchten Dünsten weit mehr
beladen, als in Morastigen %und waldigten Ge-
genden ZE In der Insel Madra, jetzt in der
Nordlichen Gegend der Landzungen von Pana-
ma 2) Oder sehr Trocken, wie in Persien, Ara-
bien, obern Theil von Egypten, wo man die

/ Lufft

/|P_85

/Lufft, durch künstliche Stringbrunnen oder Ge-
sprengtes Waßer in den Zimmern anfeüchten
muß, weil sie sonst der Lunge Schädlich wird.
sie hegt Saltze in sich. ZE. Meer_Saltz welches
aus der Lufft an vielen Orten Anschießt, wie
in der Insel Ormus, %und von den Bächen die
durch Gebürge fließen, von der Erde außge-
waschen %und anderwerts verbreitet wird, da-
her die mit Saltz bedeckte Felder in Persien
@%und@ am Capo bonne Spei. %imgleichen andere
Saltze, dahero die Corrosivische Lufft auf den
Azorischen Inseln %imgleichen der aus der Lufft sich
angesetzte Salpeter %und Schwefel, ölichte,
%und Mineralische Theile; hält sich auch hin %und
wieder in großen %und kleinen Quantitaten in
sich, die See-Lufft ist von andern eigenschaff-
ten, als die Sand-Lufft, daher das Genesen der
scorbutischen Seeleüte, so bald sie das Land
betreten erfolget. 4) Einige Lufft ist sehr
rein; daher das Ruhige %und heitere Licht der
Sterne in Persien. Arabien, Chadäa wodurch
vielleicht die Astronomie in diesem Gegenden
noch erleichtert worden, vornehmlich da man da-
selbst die Sommer_Monathe hindurch auf Dächern

/ unter

/|P_86

/unter freien Himmel schläfft 5) Einige @Lufft@
ist wegen ihrer Gesundheit, andere wegen
ihrer Ungesundheit berichtigt; Alle sehr @Wal@-
digte Länder sind wegen ihrer ruhigen Feüch-
tigkeit ungesund, %und bringen Fieber zuwege,
ZE. Virginien bey Anfange der Collonien denn
vornähmlich wenn mit dieser Feüchtigkeit eine
Große Hitze Verbunden ist, als Porto_Bello.
Wen außgetrettenes See-Waßer in Pfützen
auf dem Lande faulet, als in Sumatra;
oder auch empor getriebenes Fluß-Waßer,
als in Siam, so bringet dieses Kranckhei-
ten %und Fieber zu wege. Einige Krankheiten
sind Bloß einigen Ländern eigen; Als der
Englische schweiß. Die Europäischen Weiber
bekommen in Batavia Gesaltzene Milch. @¿¿¿@

/Die Lufft einiger Orten leidet gewiße
Ungeziefer nicht. Es seine Ratzen in Augspurg,
Malta, Cocidea keine Gifftige Schlangen in
Gozzo, Faizza. In Irrland gar keine Gifftige
Thiere. Auf dem Iagd-Hause Einsiedel
in Wittenberg keine Ratzen. Cobbe berichtet,
daß die Europaeer, wenn sie auf Capo @bonae@
Spei ankommen, das Ungeziefer verliehren,
was sie sonst auf ihrem Schiff oder in
Kleidern Mitgebracht %und niehmals wieder be- 

/ kommen.

/|P_87

/kommen. Dagegen haben die Hottenthoten
wegen ihrer Garstigen Lebens-Art einen guten
Vorrath davon. Die Blaue Farbe der Lufft erklärt
man am wahrscheinlichsten aus dem Weißlich-
ten Schimmer der Dünste, der auf den Schwar-
zen Grunde des leeren Raumes gesehen
wird, %und eine Blaue Farbe machen muß so wie
weiß auf schwartz, dünne aufgetragen blau
machet.

/ ≥ Von den Winden überhaupt. ≤

/ Der Wind ist dasjenige in ansehung der
Lufft, was ein Strohm in Ansehung des Meeres
ist, er wird auch wie die See durch richtung
des Festen Landes. %und der Berge sehr eingeschränckt.
wie 2 Ströme, die einander entgegen gesetzt
sind, einem Meer-strudel machen, so machen
2 Winde die in Verschiedenen Wirckungen auf
einander Wircken Wirbel-Winde, die Vornehm-
sten Ursachen der dauerhafften Winde sind.
Wenn eine Lufft_Gegend mehr erwärmet wird.
als die andere. zE. die Über dem Lande mehr
als über dem Meere, so weicht sie dieser
weil sie leichter ist, als die kühlere Lufft, %und
es entsteht ein Wind in dem Platz der Erwär-
mung %und dieser dauert so lang fort als die
Vorzügliche «hitze» erhitzung des Ortes wärmet.

/ 2)

/|P_88

/2) Wen eine Lufft-Gegend nach %und nach erkältet,
so faltet sie sich zusammen, %und verliehret ihre
Außspannung, %und machet der Warmenden Lufft
Platz gegen ihr zu stämmen. Wen im Anfange
des Herbstes im tiefen Norden es anfängt
kalt zu werden, so ziehet die Südliche Lufft
nach Norden, über, so lange als die Zunahme
der Wärme dauert, %und hernach kehret sie
wieder zurück. 3) Von Plötzlichen Stürmen
die nicht lange wären, sie sind aus der
Erde ausgebrochene Schwefel %und Minerali-
sche Dämpfe, welche die Elasticität der
Lufft schwächen, oder in Gährung gerathen,
die Ursache ungleicher aufeinander stoßen-
der Winde, die sich anfänglich aufhalten
und Wind-stillen machen, hernach mit Heff-
tigkeit sich drücken, %und entsetzliche Wolcken-
Brüche %und Tobende Stürme machen. Imgleichen
macht hefftiger Platz-Regen oder Hagel einen
Wind, der sehr hefftig seyn kan, die Einthei-
lung die die Seeleüte von den Winden ma-
chen, ist diese sie nehmen die 4 Haupt-Ge-
genden Nord, Ost, Süden. West, dann theilen
sie jeden Bogen des Horizonts, der zwischen
2 HauptGegenden enthalten ist in 2 Gleiche

/ Theile

/|P_89

/Theile, sie heißen Nord-Ost, Süd-Ost, Nord--
West, Süd-West; die Buchstaben aber werden so gesetzt
daß die von Nord oder Süd immer zuerst kom-
men, hernach theilen sie diese in Virtel-
bogen %und vor die Vorige benennung wozu,
wozu aber noch Nord-ost, ost-West auch kom-
men, müßen immer die Hauptgegenden, der
sie am Nächsten liegen als, Nord-Nord-Ost,
Ost-Nord-Ost, Ost-Süd-Ost, Süd-Süd-West,
West-Süd-West, West-Nord-West, Nord-Nord--
West, Die Winde von der 4ten Ordnung
entstehen, indem sie die Vorigen Bogen wieder
halbieren, die vorige Benennung behalten, und
nur zeigen, welcher von den Hauptgegenden sie
am nächsten liegen, %und dieses durch das Wört-
chen«t» gen ZE Nord gen Osten, Nord-Ost gen Osten
alle diese Eintheilungen machen 32 Winde aus.

/ ≥ Eintheilung der Winde nach
ihren Eigenschafften Feüchtigkeit, Tro-
kenheit, Wärme, Kälte %und Gesundheit. ≤

/Die Abend-Winde sind in den meisten
Gegenden Feücht, sind es aber auch in der
gantzen Welt; außer wenn sie über ei-
nen verbranten Boden streichen, als in
Persien, der Abend-Wind, der über Arabien

/ streicht

/|P_90

/streicht. Es Mag ein Wind über ein nahes
oder entlegenes Meer streichen, so ist er immer
feücht, dagegen der Ost-Wind, wen er gleich
noch über Größere Meere kömt, mehren-
theils trocken ist. In den Phillippinischen
Inseln regieren des Iahres 2 Wechsel-Win-
de, ein Nord-Ost Wind, die Herbst %und Winter-
Monathe, und denn ein Süd-West-Wind, die ü-
brige Zeit, Iener ob er gleich über das Mare
Pacificum wehet, ist Trocken. Ein gleiches ist
in Ost- %und West-Indien zu mercken. ZE in der
Gegend von neü-Cartagena Die Süd-West-
Winde, die über das Atlantische Meer wehen
%und feücht Wetter Bringen, dagegen nur die
West-Winde feücht sind, Dies Geschiehet @auch@
selbst auf der stillen See da die Ost-Winde
heiter Wetter geben; die West-Winde aber,
die über diese See Gehen, Regenhafftes. Die
Ursache soll in folgenden Erklärt werden.
Wen ein Wind eine Lufft mit sich führt,
die kühler als der Menschliche Korper ist, so
Klährt er, Ist seine mitgebrachte Lufft
aber heißer als dieser, so erhitzt er diesen

/ desto

/|P_91

/desto mehr je schneller er Gehet. Solche heiße
Winde sind hin %und wieder in der Zona tor-
rida anzutreffen, wie Camzin in Egypten
vornehmlich der Zamiel in Persien, Arabien,
%und Sirien sind die Ärgsten; sie blasen
mit einer Hitze, als wen sie aus einem
Feüer_Ofen kämen. Dieser Wind Samiel
siehet röthlich aus, %und wehet vornehmlich im
Iunio bis August %und ist insonderheit am
Persischen Meerbusen zu spühren Die Per-
ser meinen, daß er seine Gifftige Eigen-
schafft von einem Kraut Golbat Vamvar ge-
nant, habe, welches häufig in der Wüste
von Kerman Wächst, weil der Wind der über
dieses streicht: seinen Blumen-staub
fort führet. es scheint aber der Wahrheit ähn-
lich, daß weil alle diese Gegenden viel Naphta
insonderheit in ihren Boden enthalten, das
Saure der Salz Partickelchen, die der Persi-
sche Wind mit sich führet, mit diesen öhlich-
ten Dämpfen aufbrause, sicher hitze %und
die Rothe Farbe zuwege bringe. Der Wind
Samiel Tödtet, wenn er hefftig gehet sehr schnell.
Meinungen von dem Plötzlichen Sterben der

/ Israeliten

/|P_92

/Israeliten %und dem Heer Sanheribs.

/Es giebt in dem Lande Arabien %imgleichen in
den Egyptischen Sand-Wüsten auch Winde,
die Reisende im Sande begraben; daher
selbst in Guiura die Nord-Winde die von
dem im untern Theil des festen Landes
%Befindlichen Gebürgen kommen. Reif %und Kälte
bringen, Wind deren Züge gegen ein an-
der streben, bringen Erstlich Wind-stillen,
dann Plötzlichen Sturm, Platz-Regen %und
Gewitter zuwege Die Gewitter entstehen
vornehmlich aus dem gegen einander stre-
ben zweyer Winde, welche die Dämpfe
vermengen %und verdicken, daher nach demsel-
ben der Wind sich öffters ändert, %und die Ge-
witter %gemeiniglich gegen den Wind aufstei-
gen.

/In den Indischen %und Aethiopischen Meeren
folgen in den 2 Iahres Hälfften 2 Wechsel
Winde aufeinander, welche zu derjeni-
gen Zeit wenn sie einander ablösen, erst-
lich Wind-stillen, hierauf ein unordent-
liches Wehen aus allen Gegenden, rund
um dem Compas, %endlich Sturm, Platz

/ Regen

/|P_93

/Regen %und Gewitter zuwege bringen, welche,
wenn sie höchstens nur eine halbe Stunde wehen
Tornado heißen, welchen sie aber %.etliche Stunden
ja wohl Tage so heißen sie Travado. Nicht
weit von der Küste Guinea gegen Abend ist
eine Gegend die man die Gegend der Travaden
nennet, worin solche mit stürmen fast bestän-
digen Regen %und Gewitter Abwechselnde Wind-
stillen herrschen. Am Mexikanischen MeerBu-
sen steiget bey Abwechslenden Winden gen
Nord-West eine schwartze «Wolcke» flache Wolcke
etliche Grade über dem Horizont, diese heißt
man die Nord-banck, darauf fängt ein Rei-
ßender Sturm von Nord-West an, welchen man
den Nord nennet. Alle Niedriege Wolcken trei-
ben mit Großer Schnelligkeit; nur die Nord-
bank ruhet, bis der Sturm vorrüber ist.
Weil vor diesem Winde Nord genandt
%gemeiniglich ein sanffter Süd-Weß, hernach
eine stille Lufft vorhergehet, so siehet
man wohl, daß die entgegenstehende Lufft
Züge, erstlich einander aufhalten, dann eine
Drehung in der Obern Lufft verursachen

/ wo

/|P_94

/wo sie die Dünste in ein dicke Wolcke
zusammen Treiben, woraus die Nord-bank
entstehet, %und das die daselbst sich haüffende
Lufft, unterwerts mit großer Gewalt heraus
brechen werde, Die Wolcke selbst. weil sie
im Mittel-Puncte dieses Wirbels ist,
muß ruhen. Wenn der Wind nach Süden
entspringt, so ist das Unglück am Größten.
Diese Wind sind dem December %und Iunio
eigen. Die Süd-Winde, die im Iunio, Iulio
%und Augusto häufig sind, herschen zu der
Zeit, wenn die Süd-West Winde in die-
ser Gegend vornehmlich herschen; die Zurück-
strömung aber der Nordlichen Lufft, ih-
nen bisweilen wiederstrebet. Die Orcane
in eben diesem Meere, %und den umliegenden
See-Küsten treiben Wolcken, die wie
Klumpen aussehen, anstatt das die Nords
eine Flache Wolcken machen. Ihre Farbe
ist grüßlich 1) bloße Feüerfarbe 2) Kup-
feroth 3) Schwarz. Erstlich komt der Wind
aus Süd-ost, dann Windstille, dann Südwest.
Am Capo bonne Spei herscht der Orcan der
aus einer Wolke, das Ochsen_Auge genant

/ zu

/|P_95

/zu brechen scheint. Man Glaubt %fälschlich
daß dieselbe Wolcke nicht Größer als ein«e»
Ochsen-Auge. sie scheint Größer als ein gan-
zer Ochse zu seyn, %und breitet sich vornehm-
lich über den Tafelberg aus. sie entsteht
wenn auf den Nord ein SüdWind folget
aus Ursachen die schon angefüret worden;
doch muß man auch die Gebürge, an die sich
die Winde stoßen, mit in Betrachtung«en»
ziehen. Dieses giebt auch von andern solchem
plötzlichen Stürmen. Sie heerschen mehren-
theils in den Gegenden der Vorgebürge Meer-
engen, %und wo viele Inseln sind, %und zu der
Zeit, wenn die Winde stärcker abwechslen,
als im Herbste %und Früjahr mehr als in der
übrigen Zeit. Im Chinesischen %und Iaponischen
Meere herschen die Typhons, welche von den
aus dem Meer gebrochenen Dämpfen zu
entstehen Pflegen; denn das Meer sprundelt,
%und wallet an dem Orte, die Lufft ist mit
schweffel_dünsten angefüllt, %und der
Himmel siehet kupferfärbig aus. Das
Chinesische Meer ist im Winter, als ei-
nes von den angräntzenden, %und dieses

/ scheint.

/|P_96

/scheint die Ursache zu bestärken. Der
Typhon bleibt an einer Stelle, %und treibt
nicht fort. Mit diesen haben die @Waßerha-
fen@ eine große Aenlichkeit. Die Sinesi-
sische Meere, %und das Rothe Meer haben
diese Lufft_Phaenomena öffters. Mann
siehet daß das Waßer an einem Orte
gleichsam kochet, endlich sich einem Fuß
hoch erhebet, Es steiget ein Rauch, mit einem
düstern zischenden Getöse hervor, %und dann
scheinen sich die Wolcken in den Gegen-
den herabzusencken %und mit den Röhren
die Figur eines Trichters oder einer
Trompete anzunehmen. Es windet sich
das Waßer in dieser Röhre in die
Höhe, %und fällt außerhalb derselben
nieder. Schiffe die davon ergriffen wer-
den, werden ihrer Segel beraubet, sie trei-
ben mit dem Winde fort.

/ ≥ Schnelligkeit der Winde. ≤

/Ein gelinder Wind geht nicht schneller
als ein Mensch im Gehen, ein zimlich
starcker, als ein Pferd im Laufen, Ein

/ Sturm

/|P_97

/Sturm-Wind, der Baüme außreißt, leget
24 Fuß in einer Secunde zurück. Es
gieb auch Stürme die bis 60 Fuß in einer
Secunde durchlaufen, diese werfen Haüser
%und alles um worauf sie frey treffen.

/ ≥ Von Paßad-Winden. ≤

/Ein Wind, der einem Erd-Strich ein gantzes
Iahr hindurch mehrentheils eigen ist, heißet ein
Paßad-Wind, zwischen den Tropicis wehet fast
beständig, wenn man sich dem Lande entfernet.
ein OstWind um die Gantze Erde, dieser
entstehet nicht von der zurückgebliebenen Lufft
die, da die Erde sich von Abend gegen Morgen
zu drehet nach bleibet, %und in der entgegenge-
setzer Richtung wiederstehet, sondern
von der nach Morgen gen Abend, durch die
Sonne rund um die Erde geschehene Er-
wärmung; denn wir eben Gesagt, so strömet
die Lufft immer in die Gegend die von der Son-
ne am meisten erwärmet wird, %folglich muß
sie dem scheinbaren Laufe der Sonne immer
nachziehen, Die See-fahrer können viel ge-
schwinder aus Ostindien nach Europa, als
von Europa dahin kommen, weil sie im letzten

/ Fall

/|P_98

/Fall den Generalen Ost-Wind sowohl auf
dem Athiopischen als Indischen Meere
gegen sich haben. Dieße See-fahrer mü-
ßen auf der Reiße von Capo bonae Spei
nach Europa wohl auf ihrer Hut seyn, daß sie
die St_Helena nicht vorbeyfahren, denn wenn
sie dieselbe einmahl vorbey sind, so können
sie nicht wieder dahin gelangen, weil sie
ein starker Ost-Wind forttreibet, %und müßen
in der Insel Assumtion frisch Waßer ein-
nehmen. Dieses gielt von Alten zwischen d¿¿
Tropicis befindlichen Meerren, denn Atlan-
tische Anthiopischen stillen %und Indischen.
Allein je weiter vom Aequator zu den Tropicis,
desto mehr weicht dieser OstWind in einer
Nebenrichtung aus Süd oder Nord ab, nach-
dem man sich im Südlichen oder Nordlichen
Hemisphaerio befindet; dort wird er ein
Süd-ost, hier ein Nordost_wind genennet. Die-
se Winde erstrecken sich auch etwas au-
ßerhalb den Tropicis doch nicht leicht über
den 30 %Grad. Die Winde Aliseer Gehören zu den
Wirckungen dieses Allgemeinen Ostwin-
des %und sind solche, die in einem Erdstrich

/|P_99

/beständig herrschen, obgleich sie nicht die
Richtung aus Osten haben. ZE. So herscht
an den Küsten von Peru ein beständiger
Süd-Wind, der Neben den Küsten Chalibis
an Panama fort streichet. welcher daher
kommt weil die näher zum Süder Pol %befind-
liche Lufft, nach dem Aequatore hinstreicht
der Allgemeine Ost-Wind aber durch die
Cordilerischen Gebürge Gehindert wird, hier
seine Wirckung zu thun. An den Küsten
von Guiuna ist ein fast beständiger West-
wind, weil die Lufft über Guiuna mehr als
über dem Meer erhitzet wird, %und die letztere
daher genöthiget wird über sie zu streichen
%und zwar in schieffer Richtung von %.Süd %.West nach
%.Nord %.Ost weil die Größte Strecke des festen Lan-
des von Afrika, nach der letztend Gegend hin
lieget, da dann die «Rüth» Richtung der Kü-
sten dem Wind vollig Westlicht macht.

/ ≥ Von Seen %und Land-Winden ≤

/Alle Länder der heißen Zonae haben an
ihrer See-Küste diese Abwechselung der Winde,
daß des Tages hindurch ein Wind aus der See

/ ins

/|P_100

/ins Land streichet, %und des Nachts vom Lande in
die See, denn des Tages erhitzt die Sonne das Land
mehr, als das Waßer, daher wird die Meeres-
Lufft, die nicht in dem Grade erwärmet worden,
dichter seyn, als die Land-Lufft, %und diese aus
der Stelle treiben, daher nimt auch die Stärcke des
See-Windes zu, bis nach 12 Uhr oder eins nach
Mittages, von da er immer schwerer wird, %und des
Abends gar nachläßt, alsden aber erleüchtet die
See-Lufft schneller, als die Land-Lufft, die über
einem erhitzten Boden stehet, jene ziehet sich al-
so zusammen, %und machet dieser Platz, %folglich
streicht alsden ein Land-Wind über die See.
Die Winde sind in allen Inseln der Zonae torri-
dae, im Mexkanischen MeerBusen, in brasilien
an den Afrikanischen %und Ostindischen Küsten
anzutreffen. Sie sind ausnehmend nutzbar,
nicht allein zur Abkühlung dieser Länder, sondern
auch für die Schiffart zwischen vielen Inseln.

/ ≥ Von den Moussons oder Periodischen Winden. ≤

/Im dem gantzen heißen Erd-striche, wo gantze
Länder von dem Aequator gen Norden oder Süden
sich außbreiten herrschen in den Benachbahrten
Meeren jährlich Wechsel-Winde Mou«<n>»ssons oder

/ wie

/|P_101

/wie sie die Engelländer nennen Monsors genandt
nämlich, die Monathe April bis Septembre ein
Süd-West-Wind, die übrigen Monathe ein Nord-
Ost-Wind. Dieses Geschiehet im Meerbusen von
Bengala, den Persischen Arabischen Meeren
im Archipelago, den Philippinischen Inseln
im Mexicanischen Meer-Busen, %und anderwerts
Im Südlichen Haemisphaerio geschicht eben der
Wechsel des West-windes, nur in den ge-
dachten Monaten herschet der Nord-West, %und
in den übrigen der Südwestwind.

/ ≥ Ursache des Monssons. ≤

/Indem ich die Ursache der Moussons erkläre
so gebe ich auch eine <all>gemeine Theorie, aller
bestandigen Periodischen, %und der meisten verän-
derten Winde. Ich sage nehmlich daß ein Wind
der von dem Aequator nach @eti¿¿¿@ von den 2 Polen
gehet, eine Nebenrichtung nach Westen bekommen, wenn
er Erstlich eine Weite hindurch beweget hat. ZE.
in unserm Nordlichen Hemisphaerio muß ein
Süd-Wind in einem Süd-West-Wind auß-
schlagen, %und auf der Südlichen Seite des Aequa-
toris ein Wind der von dem Aequator nach dem
SüdePol hingehet, ein Nord_West_wind werden,

/ denn

/|P_102

/denn da die Erde sich um die Axe drehet, so
haben die Theile ihrer Oberfläche die Größten
Bewegungen, welche unter dem Aequator sind,
%und diejenigen welche einem oder dem anderen
Pole näher liegen, eine desto Schwächeren, je
näher man zu dem Pole gehet, %und die Lufft,
welche die Erde bedeckt hat, allenthalben, wenn
kein Wind ist, gleiche bewegung mit dem Theil
der Oberfläche der Erde, auf welcher sie ruhet.
Also wird die Aequators_Lufft, «wahr» weil mehr
Schnelligkeit der Bewegung von Abend gegen Mor-
gen haben, als die unter den Tropicis, %und
diese weit mehr, als die zwischen den Polar-
zirkeln p.p. Dieser aber macht an sich noch
gar keinen Wind, weil die Lufft auf der
Oberfläche der Erde ihren Platz nicht ver-
ändert. Sobald aber die Aequators-Lufft nach
einem von den Polen z. E. zu dem Nordpol
hinziehet, so ist dies erstlich ein Süd-Wind.
Allein diese nach Norden ziehende Lufft hat
doch von der Drehung der Erde einen Schwung
von Abend gegen Morgen, der schneller ist, als
alle Parrallel_Zirckel, wohin sie bey weiter
Entfer«¿»nung vom Aequator anlanget; also

/ wird

/|P_103

/wird sie unter die Oerter, wo sie ankomt, sich
mit dem Überschuße ihrer Schnelligkeit vom
Morgen, gegen Abend fortbewegen, mithin durch
die Zusammensetzung der südlichen Richtung ei-
nen Süd-West_wind machen. Aus eben den
Gründen wird aus der Bewegung der Aequators-
Lufft nach dem Süder-pol hin ein Nord-West-
Wind entstehen. Dagegen wo aus einer vom
Aequator entfernten Gegend, die Lufft zu Aequator
hinströmt, so wird in unsern Hemisphaerio
dieses erstlich ein Nordwind sein, da er aus sol-
chen Gegenden der Erde ausgegangen, wo er we-
gen der kleinen Parallel_Zirckel in denen er
sich befand, weniger schnelligkeit von Abend
gegen Morgen hatte, als diejenigen Theile der O-
berfläche der Erde, die dem Aequator näher
liegen, wohin er sich bewegt, so wird er, weil
er nicht so viel bewegungen von Westen nach
Osten hat, als die Oerter, wo er anlanget. Nachbleiben
also sich schon von N gegen A zu bewegen
welches in der Nordlichen Richtung verbunden,
in unseren Hemisphaerio einen Nord-Wind Ma-
chet, also wird ein Nord-West-Wind in unserer

/ Halb-Kugel

/|P_104

/Halb-Kugel, je mehr er sich dem Aequator nä-
hert, in einem Nordwestwind außschlagen %und im
südlichen Hemisphaerio, wird ein Südwind sich
in einem Süd-Ostwind aus eben den Gründen
verändern. Hieraus nun«¿» kan zuerst der Allge-
meine Wind unter der Linie ercklähret wer-
den, denn daselbst, %und vornehmlich zur Zeit der
Tag %und Nacht_gleiche, ist die Lufft mehr als an-
derwerts verdinnt, Die Lufft bey den Polen, %und
andern zwischen ihm %und dem Aequator gelegenen
Gegenden ziehet also zum Aequator hin, der Nord-
Wind aber verändert sich eben dadurch in ei-
nen Nordost_Wind, %und der Süd_Wind in einen
Süd-ost_Wind. Diese Winde werden auch in
den Tropicis, ein jeder in seinem Hemisphae-
rio anzutreffen seyn; allein unter dem Ae-
quator werden sie, da sie in einem Winckell
zusammen treffen in Süd-Ost_Winde außschla-
gen, da nun vom Märtz bis in dem September,
die Sonne die Zonam Torridam in unserm Hae-
misphaerio am meisten erhitzt. so werden die
Länder, die in derselben oder ihr nahe liegen,
ungemein erwärmet werden, und die nahe dem
Aequator liegende Lufft wird den Platz, der über
dieser verdünten ist, einnehmen; es wird also ein

/ Südwind

/|P_105

/Süd-Wind entstehen, der um der vorherwähnten
Gesetzes willen, in einen Süd-West Wind auß-
schläget, allein in den Übrigen Monaten thut
dieß die Sonne im Südlichen Haemisphaerio,
also wird die Lufft der Nordlichen Halb-Ku-
gel herüber ziehen, %und einen Nord-West_Wind
machen. In der Zeit, da diese Moussons mit
einander abwechseln, werden Wind-stillen
%und Orcane Regieren.

/ ≥ Noch einige Gesetzte der Abwechselung
der Winde. ≤

/In unsern Nordlichten Haemisphaerio pflegen
die Winde wen sie von Norden nach %.Nord %Ost gehen,
auf diese Weise den gantzen Circkel von der
lincken zur rechten zu Absolviren, nähmlich
nach Osten, denn nach Süden, dann nach Westen
zu gehen. Allein diejenige Winde die auf eine
entgegengesetzte Art aus Norden nach Westen p
laufen, pflegen fast niehmals den gantzen
Zirckel zu Absolvieren. Im südlichen Haemis-
phaerio, da die Sonne ihren Lauf von der
Rechten gegen die Lincken hat, ist dieser Zir-
kel_Lauf auch umgekehret, wie Donulca im
Mari pacifico angemerckt hat. Es scheint dieses

/ Gesetz

/|P_106

/Gesetze vom Laufe der Sonnen herzurühren,
den der Nord-Wind schlägt Natürlicher Weise
in einem %Nord-%.Ostwind aus; allein wenn ihm die
%Südliche Lufft endlich wiedersteht, so wird er völ-
lig Östlich, dan fängt die Lufft aus Süden
an zurückzugehen, %und wird durch die Verbindung
mit dem Ostewinde erstlich %.Süd %.Ost, den Völlig %Südlich,
den aus dem Ober angeführten Gesetze %.Süd %.West
den durch den Wiederstand der %Nordlichen Lufft
völlig West, Die Winde sind am meisten ver-
änderlich, in der Mitte zwischen einem Pol, %und
dem Aequator. In der Zona torrida sowohl, und
in den nahe gelegenen Gegenden als in der Zona
Frigida, %und in den benachbarten sind sie
viel beständiger oeffters sind Winde in verschie-
dene Höhen der Lufft verstiegen, sie bringen
aber hernach Windstillen, %und darauf %Plötzlich Stür-
me oder einen veränderten Wind in den Nie-
drigen Gegenden zuwege.

/ ≥ Von Regen %und andern Lufft-
begebenheiten. ≤

/In der Zona torrida ist am Regenhaffsten
daselbst fallen auch Größere Tropfen %und mit
mehrestem Ungestüm. In den Anthiopischen

/ Gebürgen

/|P_107

/Gebürgen, %und in den Cordilleren regnet es fast
immer. Die Süd-Winde bringen in den Theilen
der Zonae torridae %und der a«¿»nliegenden Gegenden.
die in der %Nordlichen Halb-Kugeln lieget, die anhalten-
den Regen zu wege, welche die Flüße so aufschwel-
lend machen. In Sierra_Liona, %und einigen andern
Gegenden der Küste von Guinea fällt der Regen
in so Großen Tropffen, %und erzeügt würme. Die
Negers laufen vor dem Regen, als wie vor dem
Feür, %und in einem Kleide mit Regen benetz, schlaf-
fen sie Tödlich, wie den solche Kleider wenn sie
naß weggelegt werden, im kurtzen verfaulen.
In einigen Ländern Regnet es gar nicht, in andern
selten. Der niedrige Theil von Peru, wo Lima lie-
get, ist gantz vom Regen frey, daher man daselbst
fläche Dächer hat, darauf Asche Gestreüt ist, %und
den Thau mitzusaugen, weil die Regen-Wolcken
ihnen in großer Höhe durch den Allgemeinen Ost-
wind, der über die Cordilerischen Gebürge streichet.
getrieben über dem Kopfe wegziehen. In Quito hin-
gegen Regnet es alle Tage, wenigstens eine halbe
Stund lang. In dem Obern Theil von Egypten ist
es einem Wunder ähnlich, wen es in 7 Iahren
einmahl Regnet. Im dem Wüsten Arabien sind
die Regen Gleichfalls selben.

/ Siebendes.

/|P_108

/ ≥ Siebentes Haupt-Stück.

/ Von dem Zusammenhange der Witterung
mit den Iahres_Zeiten. ≤

/Alle Länder selbst kalte Erd-striche haben
an Winter eine desto Temperirtere Lufft oder
Witterung, je näher sie am Meere liegen, wel-
ches in seiner weiten Ausdehnung niemals frie-
ret. Daher es am Nord-Kap im Winter nicht stren-
gere Kälte ist, als im %südlichen Theile von LappLand.
Einige Länder aber haben einen weit strengeren
Winter als andere, die offtmahls viel Nordlicher
liegen. So ist es in dem Theile von China,
der südlicher lieget als Neapolis im Winter
so kalt, daß es ansehnlich frieret, in Nord-Ame-
rica sind in der Breite von Franckreich so
strenge Winter. als im Nordlichen Theile von
schweden. Und im %Südlichen Hemisphaerio schwimmen
daselbst, wen es mitten im Sommer ist, in ei-
ner Pol_höhe, so wie die Von Engelland ist, Große
Eis-Felder, welche nie aufthauen. Selbst in
Europa war es in vielen Ländern vor dem
kälter, als jetzo, Die Tieber gefror im Winter
zur Zeit des Käysers Augusti gewöhnlich, jetzt
aber niehmals. Die Rhone Gefror zu Iuly_Cae

/ saris

/|P_109

/saris Zeiten, so daß man Lasten herüber füh-
ren könte, jetzt aber ist dies nicht erhöhret. Das
schwartze Meer war zu Zeiten des Constantini
Capronomi
Ellen dick gefroren. Deütschland
am Rhein, %und Franckreich werden von den Alten
wie Siberien beschrieben, dieses rührte von
den vielen Wäldern her, welche damals die mei-
sten dieser Länder bedeckten, %und in denen der
Schnee sehr späht schmiltzet, so daß kalte Winde
daher wehen. Itzo sind die Wälder gröstentheils
außgehauen, hingegen im Nordlichen Theil von
Amerika %und Asia sind sie noch unermeßlich
groß, welches eine von den Ursachen der Kälte in
diesem Lande seyn kann: doch kan zuweilen die
Beschaffenheit des Bodens viel hiebey thun, vor-
nehmlich wenn er wie in China %und Siberien voll Salpeter
ist. Im heißem Erdstriche, in dem Theile deßel-
ben, der in der %Nordlichen Halbkugel lieget, ist der Win-
ter, wie sie ihn nennen in den Sommer_Monathen, beste-
het aber bloß in der Regen_Zeit, den die Sonne ist
ihnen Wircklich <denn> am nächsten, wie es denn zu der
Zeit eine Schwule Lufft, vornehmlich in der Gegend
um Carthagena in Americka %und in Guiena Giebt

/ die

/|P_110

/die übrige Zeit heißt die Gute oder Trockene Zeit.
In Persien nähmlich im Mittleren Theile in @Sorien@
%und Klein Asien ist die Winter-Kälte offtmahls sehr
heftig. In der Insel dießeit des Ganges kommt @auf@
der Küste Malabar die RegenZeit einige Wochen
eher, als auf der Küste Coromandel, weil das
Gebürge Gate, welches diese HalbInsel in die
Hälffte theilet die Wolcken, die vonn Süd-West-
Winde getrieben werden, eine Zeitlang von der
Ost-Seite der HalbInsel zurückhält, daher man
daselbst in 2 oder 3 Tagreisen aus dem Winter,
in den Sommer kommen kann. In der Südlichen
Halbkugel %und deren Theil der Zonae torridae ist
dieses alles umgekehrt. Die Ursache der Kälte
in dem %Südlichen Ocnan selbst zu derjenigen Zeit,
da daselbst Sommer ist, kommt ohne Zweifel von
den großen Eisschollen her, die von den Gegen-
den des Süd-Pols, in diese Meere herabgetrieben
werden.

/ ≥ Achtes Haupt-Stück.

/ Geschichte der Großen Veränderung, welche
die Erde ehedem erlitten hat %und noch leidet.

/ § 1.

/Von den allmähligen Veränderungen, die
noch fortdauren. ≤

/1) Durch Erdbeben. Diese haben manche an der

/ See

/|P_111

/See gelegene Landstriche versencket, %und Inseln
empor gehoben. Moro meinet sehr unwarschein-
lich, daß die Berge gröstentheils daher entstan-
den. Einige aber haben ihren Ursprung gewiß
daher. 2) Durch die Flüße %und den Regen. Der
Regen spühlet die Erde von den Bergen %und hohen
Theilen des festen Landes %und Schleppen, den
Schlamm in die großen Bäche, die ihn in den
Strom bringen. Der Strom hat ihn hin %und wieder
%anfänglich in seinem Laufe abgesetzt. %und
seinen Canal gebildet, jetzo aber führet er
ihn fort, setzt ihn weit %und Breit an den Küsten
bey seiner Mündung ab, vorrsehmlich wird er biß-
weilen die Länder bey seinen abfluße beschwem-
men, %und setzt neü Land an. Dieses sind Bege-
benheiten, die durch sehr viele Exempel bestä-
tiget sind. Der Nil hat das gantze $D$ (Delta)
ja nach dem Zeügniße der Ältesten Schrifft-
steller, gantz unter_Egypten durch seinen Schlam
angesetzet, da hier vor Alters ein Meer-Busen
war; er thut aber dieses noch Damiata ist
jetzo 8 Meilen vom Ufer entfernt; 1243 war
es ein See_Haafen. Die Stadt Toa lag vor 300
Iahren an einer Mündung des Nils %und ist

/ jetzo

/|P_112

/jetzo 5 Meilen davon, auf dem festen Lande.
Ia seit 40 Iahren hat sich das Meere 1/2 Meile
weit von der Stadt Rositte zurückgezogen. Nun
kann man deütlich sehen, daß alles Land von
unter_Egypten ein Geschöpff des Nils sey, weil
an deßen Ufer das gute Erdreich wohl 50 Fuß
tief gehet. Eben dieses ist am Miszissippi
%und Anazonen_Strom, am Ganges pp zu merken.
Dadurch wird das feste Land immer Niedriger,
%und das RegenWaßer, nachdem das feste Land
seinen Abhang verlieret, wird nicht mehr so
viel den Flüßen zugeführt, sondern ver-
sieget in der Erde, und trocknet in Pfützen
aus, die Flüße füllen ihre Mündung offt
mit schlam %und verliehren dadurch ihre Schiff-
barkeit, so daß neüe Inseln %und Bäncke in
der Mündung großer Flüße angesetzet wer-
den 3) Durch das Meer. Dieses zieht sich an
den Meisten Ländern von den Küsten
nach %und nach zurück. Es arbeitet zwar an
einigen Küsten etwas ein, aber an andern
%und den meisten Oertern setzt es wieder
an. Im Östlichen Theil von Holland gewint das
Land Iährlich 2 bis 3 Klaffter. Die Einwohner
in Nordbola bemercken, daß die See in 10

/ Iahren

/|P_113

/Iahren 4_1/2 Zoll niedriger werde, daher viele
von den guten Häfen anjtzt nur kleine
Schiffe einnehmen Die Dünen in Holland
%und Engeland %imgleichen die Preusische Nehrungen
sind ohne Zweifel vom Meer aufgeworfene
Sand-Hügel, Ietzt aber steigt das Meer niemahlen
so hoch als sie. Man mag Urtheilen, als genug
sey, dieses daher zu erklähren, wie die See
ihrem Schlamm, so die Flüße hinein f«l»ühren
@am@ Ufer Absetze, oder ob das Innere der Erde
sich seit vielen Iahrhunderten her immer nach %und
nach fester setze; daher der Boden des Mee-
res immer tiefer sincke, weil seine Bette
vertiefft «vertiefft» wird, %und sich vom Ufer
ziehet. Das Meer bemächtigt sich auch zuweilen
des festen Landes. Man urtheilt daß viele
Meerengen nach %und nach durch die bearbeitung
des Meeres, welches eine LandEnge durchgebro-
chen hat, entstanden. ZE Straße von Calais.

/Ceilon soll auch ehedem, mit dem festen Lan-
de zusammengehangen haben, wo nicht die Erd-
beben, auch hieran etwas Antheil nehmen
zum wenigsten laßen sich die Raubthiere
die ehedem in Engelland waren kaum

/ anders

/|P_114

/anders begreifen, als durch den Zusammen-
hang dieses Landes mit Franckreich. Der Dollart
eine See in Fries-Land, ist durch den Einbruch
des Meeres entstanden. Die Süder_see ist ehe-
dem ein bewohntes Land gewesen, ist aber durch
die See überschwemmt 4) Durch die Winde %und
dem Frost, Der Wind Treibet offters den Sand
von hohen Gebürgen über Niedrige Gegenden
oder umgekehrt. In Bretagne überschwemmet
eine solche SandFluth, einen ansehnlichen Theil
des festen Landes, so daß die Spitzen der Kirch-
Thürme nur hervorragen von Dörfern, die
ehedem bewohnt waren, In andern Ländern aber
Treibt der Wind den Sandes Meer, und macht Un-
tiefen, auch wohl gar neües Land, Der Frost
@sprengt@ öffters ansehnliche Theile von Bergen,
in deren Ritzen sich regenWaßer hält, wel-
ches in ihren Ritzen frieret, ab, diese Rollen
in die Thäler %und richten offters große ver-
wüstungen an. Diese Veränderungen sind nicht
von großer erheblichkeit.

/5) Durch die Menschen. Diese setzen dem
Meere, %und den Flüßen Damme, %und machen da-
durch Trocken Land, wie ein Abfluß des Po,
des Rheins, %und anderer Ströme zu sehen ist
sie Trocknen Moräste, hauen Wälder ab, %und
verändern dadurch die Witterung der Länder ansehn-
lich.

/ § 2.

/|P_115

/ ≥ § 2.

/ Denckmahle der Veränderungen, welche
die Erde in den Ältesten Zeiten ausgestanden. ≤

/A. Beweißthümer daß das Meer ehedem die
gantze Erd bedecket habe.

/In allen Orthen der Erde selbst, auf dem
Spitzen hoher Berge findet, man große Haufen
von See_Muscheln, %und andere Merckmahle des
ehemaligen Meeres-Grundes. In Frankreich bey
Tourraine ist ein Strich Landes, der 9 Französi-
sche Quadrat_Meilen begreifft, in welchem un-
ter einer kleinen Bedeckung von Erde. eine Schichte
von See_Muschlen angetroffen wird, die 20 Fuß
dick ist. Auf allen Bergen in der Welt, auf
allen Inseln, hat man diese gefunden, %und sie
beweisen Gnugsam, daß die See alles feste
Land bedecket habe, nur in den Corditteren
hat man sie noch nicht Gefunden, weil aber
diese die steilesten von allen Bergen sind
so wird der schlamm, der von den Gebürgen,
durch Regen %und Gieß-Bäche abgeschwemmet
worden, längst die Muschel_schichten, mit
einer sehr dicker Leimschicht, die man auch allent-
halben findet, bedecket haben, Es ist lächerlich
wenn La_Laubere in seiner beschreibung
von Syam den Affen diese Muschlen beymißet.

/ die

/|P_116

/die sie bloß zum «Ver» Zeitvertreibe, wie sie
auf dem Capo %bona %spei thun, auf die Spitzen hoher
Berge sollen getragen haben, oder wie ein an-
derer
dafür hält daß die Asiatischen Mu-
schlen, die man auf den Europaeischen Ber-
gen findet von den Kriegs-Heeren mit Gebracht
worden, so die Kreützzüge nach den Gelobten
Lande thathen, Man findet aber auch andere See-
thiere ersteinert, oder in stein abgeformet,
allenthalben auch mitten in dem Halse da-
raus die Gebürge entstehen. Es giebt darin
häufige SchlangenZungen oder versteinerte
Zähne vonn Hayfisch, das Gewundene Horn
des Narvals_Knochen von Wallfischen, Theile
von versteinnerten See-Instinckten, dahin die
Iuden-steine, Astroiten, Petuncklen p gezählet
werden müßen. Ferner sind in der Gestalt
der Gebürge, Beweise vom vorigen aufen-
thalte der See über dem festen Lande zu
finden. Das zwischen 2 Reichen von Gebür-
gen sich schlänglende Thal ist ist dem «Schlauch»
Schlauch eines Fluß, oder dem Canal eines
Meer_Stromes ähnlich. Die beydenseitigen
Höhen laufen, wie die Ufer der Flüße
einander Parallel, so daß der außsprin-
gende Winckel des einem, dem einstehen- 

/ den

/|P_117

/den Winckel des andern gegen überstehet
Dies beweiset, daß die Ebbe %und Fluth auf
dem Grentzen_losen Meere, welches die gantze
Erde bedecket, eben so wohl Meerströme ge-
macht habe, als jtzt im Ocnau, %und daß diese
zwischen den Reichen von Gebürgen sich
ordentliche Canale ausgehöhlet %und zuberei-
tet haben. B. Beweißthümer, daß das Meer
öffters in festes Land, %und dieses wieder in
Meer verwandelt werden, Zuerst ist die Be-
trachtung der schichten nothwendich daraus
die Obere Rinde der Erde besteht. Man fin-
det verschiedene Strata oder schichten, von
allerley Materien, als Leimen, feiner Sand,
Kalck-Erde, grober Sand, Muscheln, pp Gleich-
sam blätter_weise über einander. %Dergleichen
schichten sind entweder Horizontal oder In-
clinirt %und sind soweit sie sich erstrecken
von einerley Dicke. Nun findet man öff-
ters unter den Ersten Schichten eine Schichte
des Meeres-Grundes, welches man an den
verschüteten See-Pflantzen %und Muscheln
erkennen könne. Diese schichte besteht «aus¿»
offt aus einer Kreiderde, welche nichts anders

/ als

/|P_118

/als Muschelgries oder See-Sand ist; den fol-
get offt eine Schichte, darinnen Pflantzen,
Bäume ja Werckzeüge der Menschen, Rudera
von Städten verborgen sind, bald darauf
nach abwechslenden Schichten der Grund der
See, Diese Schichten liegen nicht über ein-
ander nach Proportion ihrer Specifischen
Schwere. In Flandern, FriesLand %und ander-
wärts findet man erstens Spuren, von vori-
gen aufenhalte des Meeres darauf 40 bis 50
Faden tief darunter gantze Wälder in ver-
schütteten Baümen. Ihre Wurtzlen liegen
hier sowohl, als im Lauenburgischen von
%.Nord %.West %und die Gipfel nach %.Süd %Ost. In Modena %und
4 Meilen umher findet man 14 Fuß tief un-
ter der Obersten Rinde Trümmer einer Al-
ten Stadt, den eine feste Erdgeschichte in
den Tiefe von 28 bis 40 Fuß Muscheln in
einer kreidichten Schichte, hernach in einer
Tiefe von 60 Fuß bald Kreide, bald Erdge-
wächse. Im Iahr 1464 ist im Caton Bern «¿¿»
aus einer 100 Ellen tieffer Grube ein Schiff
mit 40 Gerippen Menschlicher Körper Gezo-
gen worden, unter einem sehr tiefen felsen

/ fand

/|P_119

/fand man in Uri ein Meßer, imgleichen
hin %und wieder in den BergWerken gan-
tze Menschenrippe. In Engeland findet man
in der Erde Bäume. die behauen sind. Die Fel-
sen sind ohne Zweifel ehedem weich gewesen.
In Schweden fand man vor kurtzen in einem
Schachten %etliche Ellen tief eine Kröte in einem
Felsen sitzen, die noch lebte, obgleich blind
%und fühloß. Man findet in den Hartz-Gebür-
gen so zu sagen Teiche von versteinerten Fischen.
Viele Abdrücke von Indianischen Plätzen, %und
hin %und wieder Elephanten_Zähne, imgleichen
Elephanten_Knochen in Sibierien.

/C. Theorie. der Erde, oder Gründe der Alten
Geschichte derselben. Scheüchzer und viele andere
Phisici schreiben diese Merckmahle aller
Veränderungen der Sündfluth zu; allein diese
ist Erstlich eine gar zu kurtze Zeit über der
Erde gewesen, als daß sie solche Verän-
derungen hätte zuwege bringen können. Ueber
große Muschel-Bancke, hohe Erdschichten, ja
wohl gar felsen aufzuführen, dazu ist eine
so kurtze Zeit, als die Zeit der Sünd-Fluth war
nicht hinnlänglich. Zuweilen aber findet man

/ Abwechslende

/|P_120

/Abwechslende Schichten, in der Erde vom ve-
sten Lande %und See-Gründen. Es ist offt wie in
der Gegend von Modena, unter einer Muschel-
schichte ein Stratum, welche Producte des
festen Landes Begreiifft, %und unter diesen
findet man oft «überbleibsel» wiederum
überbleibsel des Meeres, so daß zu sehen
ist daß diese Veränderung des festen Lan-
des im Meer, %und dieses wiederum in festes
Land, offt auffeinander Gefolget sind. Zudem
scheint die Sünd-Fluth nur eine allgemeine
von dieser Veränderung gewesen zu seyn, nehm-
lich eine Veränderung alles festen Landes
im Meer, %und dieses wiederum in festes
Land, es sind aber unleügbare Merckmahle,
das dieses mit einigen strichen der Erde
entweder vor oder nachhero sie würklich zuge-
tragen habe; %und viele Iahre in einem Zu-
stande solcher Veränderung Verfloßen.
Daß viele ja fast alle Inseln mit dem fe-
sten Lande, ehedem müßen zusammen gehan-
gen haben, %und das alles dazwischen liegen-
de land in einen See-Grund Verwandlet
worden ist. aus den Thieren Glaublich die
sich darauf befinden, denn wo man nicht

/ behaupten

/|P_121

/behaupten will. Gott «¿»habe auf jeder weit von
Lan«g»de entlegenen Insel. zE. den Azorischen, Latro-
nischen die Land-Thiere besonders erschaffen
so ist nicht zu begreiffen, wie sie herrüber
gekommen, vornehmlich die Schädlichen Thiere
zE der Stiick-Dachs. Nun frägt sichs was alle
diese Veränderungen für eine Ursache haben?
Moro glaubt, die Erdbeben wären im Ersten
Alter der Erde allgemein gewesen, es wären
Berge aus der See samt den Muschlen Gehoben
worden, %und anderwerts wäre der Grund des
Meeres tiefer eingesuncken das Saltz des Mee-
res sey, von der Asche ausgebranter Materie
ausgelaugt, %und endlich sey alles in einen ru-
higen Zustand versetzet worden, nun ist zwar
nicht zu leügnen, daß in Peru gantze Berge
anzutreffen, die vom Erdbeben erhoben sind,
sie Unterscheiden sich aber, von andern kenntlich
die Strata liegen nicht so Ordentlich hier als an-
derwerts; auch ist es nicht Glaublich, daß bey
einer solchen Wuth des Unterirrdischen Feüers,
welches Berge aufgethürmet hat, Muschlen %und

/ Thier- 

/|P_122

/knochen unversehrt geblieben, über dem wie
kommen die viele Indianische See, %und Land--
Producte in diese Gegenden? Bonnet bildet
sich die Erste Erde als platt %und eben ohne
Meer %und Berge vor. Unter der Obersten Rinde
war eine große Waßer_Versamlung, der Aequa-
tor der Erde war nicht gegen die Ecliptick
geneigt, sondern vielmehr mit ihr zusammen;
die Oberste Rinde stürtzet ein, %und machte Ber-
ge, den Boden der See %und festes Land, allein
hieraus können die nach %und nach geschehenen
Revolutionen nicht erklähret werden. Wood-
ward
glaubet, die Sündfluth habe alle Mate-
rie der Erde, Metalle, Steine, Erde pp auf-
gelößt, diese aber hätte sich nach %und nach
gesencket, daraus wären die Erdschichten
entstanden, die viele Körper fremder @Art@
in sich schließen. Aber die Lage der Schichten,
die nicht nach der Specifischen Schwere geord-
net sind, die Abwechselung der Land %und See-
schichten welche zeigen, daß die Veränderung
nicht nur ein Mahl, sondern offters mit Ab-
wechselung geschehen, %und die der Gesunden

/ Vernunfft

/|P_123

/Vernunfft wiederstreitende Auflößung aller
ersten Körper, wiederlegen diese begriefe.
Whiston lebte zu einer Zeit, da die Kometen
in Ansehen kommen. Er erklärete auch die
Schöpfung der Erde, die Erste verderbung der-
selben nach dem Sünden-Falle, die Sündfluth
%und das letzte Gericht alles durch Cometen. Die
Erde war seiner Meynung nach ein «Comet» im
Anfange ein Comet, die Atmosphaere macht
es dunckel auf der Erde, da sie sich rei-
nigte, ward es Licht. %endlich wurden Sonne
%und Mond erschaffen. Das inwendige Waßer
der Erde wurde mit einer Irrdischen Rinde
bedeckt und es war kein Meer; der Schweif
eines Cometen berührete die Erde, %und da
verlohr sie ihre Erste Fruchtbarkeit. Ein ande-
rer Comet berührte die Erde mit seinem Dunst-
kreise, %und daraus wurde der 40_Tägige Regen.
Die Unterirrdische Gewaßer brachen hervor, es ent-
standen Gebürge, %und der Boden wurde dem Meer
zubereitet, endlich zog sich das Waßer in die Höhlen
der Erde zurück, außer dem Willkührlichen in dieser
Meinung, %und den Übrigen Unrichtigkeiten erkläret sie
gar nicht die auf einander in langen Zeitläufften

/ folgende

/|P_124

/folgende %und abwechslende Veränderung des Meeres
in festes Land %und umgekehret. Leibnitz glaubt die
Erde habe ehedem gebrannt, ihre Rinde sey in Glaß
verändert worden, aller Sand sey Trümmern dieses
Glaßes, der Leimen %und andere Erd-Arten wären
der Staub von diesem zerriebenen Glaß_Partikelchen.
Diese Glaßartige Rinde dieser Erd-Kugel sey her-
nach eingebrochen, worauf dem Meer sein Bette
%und die Gebürge hervorgebracht.

/Das Meer habe das Saltz der außgebrannten
Erde in sich gesogen, %und dieses sey die Ursache seiner
Saltzigkeit. Linnacus hält dafür, Gott habe, da die
ganze Erde %Anfänglich mit Meer bedecket war, eine
eintzige Insel, die sich in einem Berge über die
Oberfläche erhob, unter dem Aequator gesetzt, da-
rauf aber alle verschiedene Arten von Thieren
%und Pflantzen nach der verschiedenheit der Wärme
%und Kälte, die den verschiedenen Höhen dieses gleich
war hinaufgesetzet. Diese Insel habe Iährlich
durch das Anspühlen der See neü Land gewon-
nen, so wie man in Gothland, Dahland %und Bothni-
en wahrnimmt, %und sey alles feste Land in der
Folge vieler Iahr_Hunderte, durch den Anwachs
des Meeres entstanden. Allein dieses aus dem
Meer hervorgekommene Land müste Flach und eben

/ gewesen

/|P_125

/gewesen seyn, so wie alle auf diese Art erzeüg-
te Länder; man findet aber alle Länder der
Erde voll hoher Berge. Bouffon meinet die Meer-
ströme, welche in dem Weiten Gewäßer, wel-
ches im Anfange die Gantze Erde bedeckte.
herschten, hätten die Unebenheiten %und Gebürge
gemacht, %und das Meer hätte sich nach %und nach
auf eine Art, die ihm nicht genugsam erklähr-
lich ist, zurückgezogen, %und diese hohen Trocken
gelaßen.

/ ≥ Versuch der Gründlichen Erklarungs-Art
der Alten Geschichte ≤

/Es ist 1) gewiß, daß die Erde in ihrem gantzen
Klumpen flüßig gewesen, weil sie eine Figur
angenommen, die durch den Drehungs-Schwung aller
Partikeln derselben bestimmet worden, %und man
findet auch bis in den grösten Tiefen, wohin
man gräbt, schichtenweise über einander lie-
gende Erdlagen, welche nicht anders, als im Boden-
satz einer Trüben %und vermengten Maße aufzu-
suchen sind.

/2) ist gewiß, das alles vordem, Boden der See
gewesen seyn müste, und das Erdreich nicht auf
einmahl hervorgezogen worden, sondern nach und
nach, %und zwar mit einem offtmaligen Rückfalle

/ in den

/|P_126

/in den Grund der See, imgleichen daß dieses Lange Pe-
rioden hindurch gewähret haben.

/3) daß Gebürge desto höher sind, je näher sie dem
Aequator liegen.

/4 Daß die Erde unter der obersten Rinde allen-
thalben hohl sey, selbst unter dem «obersten Rinde»
Meeres-Grunde, %und häufige %und allgemeine Einsin-
ckungen haben geschehen müßen, gleichwie jetzt
noch einige besonders vorgehen.

/5. Daß, wo die Tieffsten Einsinckungen geschehen,
dahin das Meer sich zurückgezogen, und die Prae-
cipitia Trocken gelaßen.

/6. Daß die Einsinckungen am häufigsten in der
heißen Zone als anderwerts geschehen; daher
daselbst die meisten Gebürge, die weitesten
Meere, die Meisten Inseln, %und Landesspitzen sind.

/7 Daß, das feste Land bißweilen niederge-
suncken, aber nach langen Zeiten, da der Meeres-
Grund sich Tiefer, in die unter ihm befindlichen
Hölen gesencket, wieder verlaßen %und trocken «gew»
geworden.

/Aus allem diesen ergiebt sich folgendes.

/Die Erde war im Anfange eine gantz Flüßige
Masse, ein Chaos, in dem alle Elemente, Lufft,

/ Erde

/|P_127

/Erde, Waßer pp vermengt waren, sie nahm
die Gestalt einer bey den Polen gedrückten Aff-
ter-Kugel an, sie fieng an hart zu werden, %und
zwar bey der Oberfläche zuerst, die Lufft und
das Waßer begaben sich wegen ihrer leichtigkeit
aus dem Innern der Erde unter dieser Rinde.
Die Rinde sank, %und es wurde alles mit Waßer
bedecket; damals erzeügten sich in allen Thälern
See-Muschlen, allein noch war die Erde nicht ruhig.
Das Innere der Erde sonderte die ihm unter-
mengte Lufft mehr %und mehr ab, «u»Und diese stieg
unter die Oberste Rinde, da wurden die Höhlen
weiter. weil nun die Gegenden, wo die ersten ein-
sinckungen der Erde, die Tieffsten Thäler machten,
am meisten mit waßer belastet waren, so sancken
sie Tieffer, %und daß Waßer verließ viele
erhabene Theile, damals wurde Trocken-Land
%und es wurde der Vormahlige Meeres-Grund durch
die Wirckung der Bäche %und des Regens an dem
meisten Orten mit einer Schicht fruchtbaren
Erdreichs bedecket. Diese dauerte lange Perio-
den fort, %und die Menschen breiteten sich im-
mer «aus» mehr aus; allein aus den schon an-
geführten Gründen, würden die Unterirrdischen

/ Hölen

/|P_128

/Hölen immer weiter, «endlich. Allein darauf sank
wieder der Meeres-Grund, %und ließ einiges
Land Trocken» endlich sanck Plötzlich das Oberste
Gewölbe der Erde; dieses war die Sünd-fluth,
in welcher das Waßer alles bedeckte. Allein da-
rauf sank wieder der Meeres-Grund, %und ließ eini-
ges Land trocken, dieses dauerte fort, so daß
bald dieser bald jener Strich, der vordem im Mee-
res-Grunde gelegen, in fest Land verändert wurde.
Iedesmahl überschwemmete das von dem nunmeh-
ro erhöheten Boden herabstürtzende Waßer die Nie-
drigen Gegenden, %und bedeckte sie mit schichten von
Materien, die sie von dem oberen @abschwemmete.@
Es dauerte diese Revolution einigen gegenden
noch mehr Iahr-hunderte. Indem das Trockene
Land, da die Gewölbe derselben wegen der unter
ihnen befindlichen Höhlen nicht mehr fest stun-
den, einsanck %und von Meer bedecket wurde,
aber nach einem langen Auffenthalt deßelben,
da der Boden des Meeres wieder noch Tiefer
sanck, wiederum entbläßet wurde. Und in
der That findet man die Unterirrdischen Wäl-
der, E. g. in Frießland, im Lüneburgischen
so umgeworfen, daß zu sehen ist, daß das
gegen %.Nord %.West gelegene Meer sey über sie weg

/ gestürtzet

/|P_129

/gestürtzet, %und habe sie wieder zurückgezogen
Daher komt es, daß die meisten einsinckungen
nahe zum Aequator geschehen, denn daselbst mü-
ßen die weitesten Höhlen entstanden seyn,
wie solches aus denen Gesetzen der Umdrehung
der Erde könte leicht erkläret werden; Es ist
auch hieraus zu sehen, daß weil durch die hin
%und wieder entstandene Berge die Gleichheit in
der Krafft des Umschwungs der Erde um die
Axe verändert worden, die Axe der Erde sich
geändert habe, %und das, was vorher im hitzigen
Climate lag, in die Temperirte oder kalte Zone
versetzet worden, daher bey uns die Ueberbleibsel
von Indianischen Thieren, Muschlen, Pflantzen,
wie dann dieses auch häufige Ueberschwemmun-
gen, der vordem Trockener Länder %und entbläßun-
gen, der vordem im Meeres-Grund befindli-
chen nach sich gezogen. Sollte nicht, da nach der
Sünd-fluth der mit Waßer bedeckt gewesene
Meeres_Grund Trocken Land geworden, der gröste
Theil seiner Saltzigkeit von demselben ausge-
lauget seyn, dadurch die Saltzigkeit des Meeres
und die Unfruchtbarkeit des festen Landes
entstanden seyn?

/ Neüntes

/|P_130

/ ≥ Neüntes Hauptstück

/ Von der Schiffarth.

/Von den Schiffen. ≤

/Die betrachtung des Schiffes wird nach La-
sten gerechnet. Eine Last hält 12 Tonnen, eine Ton-
ne 2.000 %Pfund. Man schätzet die schwere der Last,
die ein Schiff tragen kan, nach der Hälffte desje-
nigen Gewichts, welches das Waßer wiegen wür-
de das im Schiff Raum hätte, e. g. es mag ein
Schiff 500.000 Tonen Waßer, jede a 2.000 %Pfund faßen,
so kan es mit 250.000 Tonnen oder mit einer
Last von 5 Millionen Centner beladen werden, wel-
ches aber <viel> für ein schiff ist. Der große Ostindien-
Fahrer ist von 200 Last, oder trägt ein Gewicht von
168.000 Centner; die grösten Portugiesischen Cero-
quen, welche viel größer als Kriegs-Schiffe sind,
steigen bis 12 %Pfund Last; Man mercket noch an,
daß die sonst im See_Weesen unerfahrne
Indianer eine Art eines Fahrzeüges, die fliegen-
de Prora genandt erfunden haben, welche für
die schnelleste in der Welt gehalten wird. Ihr
Durchschnitt ist auf einer Seite gerade, auf
der Andern gebogen, sie hat zur Seite Ausle-
gen, welche verhindern daß der Wind sie
nicht umwirfft.

/|P_131

/ ≥ Von der Kunst zu schiffen. ≤

/Man segelt stärcker neben als mit dem Win-
de, aus 2 Ursachen sowohl weil das schiff, wenn
der Wind gerade hinter ihm ist gleichsam dem
Wind fliehet, als auch weil ein Seegel dem an-
dern den Wind auffängt. Ein Seefahrer muß die
Prospecte der Küste, alle Tiefen des Meeres an
allen Orten, die Beschaffenheit des Ancker-Grundes,
die Klippen-brandungen, die in einer Gegend herr-
schende, beständige Winde, die Monsoons, Stürme
pp. kennen; vornehmlich aber soll er

/1 Die Welt-Gegenden allezeit genau wißen,
dieses geschiehet vermöge des Compasses, wenn man
die Abweichung des Magnets zugleich erwäget, nur
muß man, so offt es zu thun möglich ist, durch
die Observation des Himmels seine Beobachtungen
zu Corrigiren suchen.

/2 Er muß wißen, nach welcher Gegend er mit
einem gegebenen Winde nur immerfort segeln
darf, um an einen begehrten Ort zu kommen.
Diese Gegend, nach welcher er fortsegelt, ist nicht
immer dieselbe, nach welcher hin der Ort lieget
wo er hin will; dieses geschiehet, nur wen beyde
Oerter, von wo und wohin er segelt, unter einem
Aequator oder Meridiano liegen; denn wen z. E.
jemand aus Portugal nach dem Ostio des Ana

/ zonenstromes

/|P_132

/zonenstromes hinseegeln wollte, %und suchte erst-
lich die Gegend auf, nach welcher dieses Ostium
hinlieget, so würde er finden, daß die kürtze-
ste linie, die aus Portugall nach Peru gezogen wor-
den, nicht immer in einerley Winckel die Meridia-
nos durchschneidet, mithin nicht immer nach einer Ge-
gend hingerichtet ist; Wen er also nach der Gegend,
nach welcher der Anfang dieser krummen Linie
hinzielet, immer forthfahren sollte, so würde er
niehmahls den Ort, wo er hin will, erreichen. Man
kann aber nicht in der kürtzesten Linie fahren, die
von einem Ort zu dem andern kan gezogen wer-
den, wenn beyde Oerter sowohl, außer dem Aequatore
als außer demselben Meridiano liegen; den ein
Schiff müste fast in jeder Stund, die Richtung
seiner bewegung ändern, welches so genau zu
thun nicht möglich ist, als es die vorgeschriebene
linie bestimmet. Daher suchet man diejenige Richtung,
nach welcher, wenn das Schiff immer fortsegelt, es
zwar nicht durch den kürzesten Weg, durchlaufet,
doch aber zu dem Ort hinla«uf»nget. Diese Linie ist
wenn 2 Oerter gerade in einem Parallel_Zirckel
liegen, der Parallel_Zirkel selber, wenn aber die
Oerter außerhalb dem Meridian %und Parallel-Zir-
ckel liegen, so ist es die Lapodromia, diese wird
durch die auf den Carten mit 32 auslaufenden

/ krummen

/|P_133

/krummen Linien, die alle Meridianos, in gleichen
Wincklen durchschneiden, Gezeichnete Rosen angezeich-
net. Wie man sich derselben bedienet die Lapo-
dromie die von einem jeden gegebenen Ort zum an-
dern führet, zu finden ist zu Weitläufftig zu zeigen.

/3) Muß er die länge %und Breite eines jeden Orts
wißen; die Erstere ist am schwersten zu finden.
Man bedienet sich dazu der Sonnen %und Mond-Finster-
niß, der bedeutung der Sterne durch den Mond
der Verfinsterung des Iupiters Trabanten; allein
bey allen bleiben noch wichtige Fehler übrig, die nicht
können vermieden werden.

/4) Er muß seinen Weg schützen, und dies geschiehet
vermittelst der Taglinie, %und einer richtigen Sand-
uhr. Er muß auch bedacht seyn nach einem langen
Laufe den Fehler, den ihn die Meerströme gemacht
haben möchten, zu entdecken, %und zu verbeßern.

/5 Es ist hiebey noch eine %merkliche Abweichung der
Tag-Register des Seefahrers von demjenigen, der
auf dem Lande gemacht worden, zu mercken. Wenn
einer der von %.Ost nach %.West die gantze Welt durch-
seegelt, so verliehrt er einen Tag, oder zählet ei-
nen Tag früher, als die zu Hause gebliebene, %und
der von %Ost nach West umseegelt, gewint eben so
viel; den wenn sie 30 %Grad Westwärts segeln, so
ist ihnen die Sonne um 2 Stunden zurück gewichen

/ sie

/|P_134

/zählen also weniger als von dem Ort, von wo sie
ausgefahren, %und also verliehren sie nach %und nach
24 Stunden, fahren sie aber eben so weit nach
Osten, so komt die Sonne 2 Stunde eher in ihren
Mittags-Kreiß, %und so gewinnen sie nach %und
nach einen Tag. In Macco zählen die Portugiesen
den Sontag, wenn die Spanier in Manilla den Son-
nabend zählen, denn die letzten sind von %Ost nach %West
geseegelt, %und die Erste von %West nach %Ost. Magellan
hat zuerst die Welt von %Ost nach %West umgeschiffet;
als die Portugiesen über dieser entdeckung der
Spanier in %.Westen unwillig wurden, so baten sie
den Pabst, daß er den Streit zu schlichten, den
Meridianum der von den Westlichen, der Capo
werdischen Inseln 100 Meilen weg ist, zur
Grentze setzen möchte. Ostwerts @solten@ alle Ent-
deckungen den Portugiesen, Westwärts aber
den Spaniern zukommen; Diese Theilungs-Linie
wurde hernach 270 Meilen West-wärts

/ gerücket.

/ ≥ Ende des Ersten Theiles. ≤

/|P_135

/ ≥ Der Physische Geographie zweyter Abschnitt
enthält die besondern beobachtungen deßen
was der Erd-Boden in sich faßet.

/Erstes Haupt-Stück.
/Vom Menschen. ≤

/Der Unterscheid der bildung und Farbe
der Menschen in, den verschiedenen Erd-Strichen.

/Wenn wir von den Einwohnern der Eis-Zone anfan-
gen, so finden wir, daß ihre Farbe derjenigen, die
in der heißen Zone wohnen, nahe kömt. Die Samo-
jeden, die Dänische %und Schwedische Lappen, die
Grönlander, und die in der Eis-Zone von Amerika
wohnen, haben eine braune Gesichts-Farbe, %und schwar-
zes Haar; Eine große Kälte scheinet hier eben
daßelbe zu wircken, was eine große Hitze
thut; Sie haben auch wie die im heißen Striche
einen sehr dünnen Bart; ihr Körper ist dem
Wachsthum der Bäume ähnlich. Er ist klein, ihre
Beine sind kurtz; sie haben ein Breites und
plattes Gesicht, und einen großen Mund. Die
in der Temperirten Zone ihnen am nächsten
wohnen, die Kalmuken, die Siberiaicken, die in
%nordlichen Theil Schweedens an der Endsees-Bay
haben gelbe Haaren, Blonde Geesichts-Farbe
und sind größer von Statur. In der Paral

/ lelle

/|P_136

/elle, die durch Deütschland gezogen, um den
gantzen Erdkreiß laufft, %und einige Grade @dies@-
seits, %und jenseits sind die grösten %und schönsten
Leüte. Im Nordlichen Theil des Mogulischen Reichs,
in Cochmir, Georgien, Mengrelien, Circassien
bis an die Amerikanische %englische Colonien sind
die schönsten Leüte, Blonde %und wohlgebildet, blau-
e Augen, sie herrschen in denjenigen Gegenden,
die mit dieser Parrallel gegen Norden liegen.
Ie weiter nach Süden, desto mehr nimt die
Brunette Farbe, die Magerkeit %und kleine Sta-
tur zu, bis sie im heißen Erd-striche in die
Mohrische Gestalt ausartet, %obgleich nicht in allen
Gegenden derselben gleich stark. Man kan
sagen, daß es nur in Africa einige soge-
nante Negers giebt. nicht allein die gleichsam ge-
räucherte schwartze Farbe, sondern auch die
schwartzen, wollichten Haare, das Breite Gesicht,
die Platte Nase, die aufgeworfene Lippen
machen das Merckmahl derselben aus imgleichen
plumpe %und Grobe Knochen. In Asien haben
diese Schwartze, weder die hohe schwärtze,
noch völliges Haar, es sey dann, daß sie von sol-
chen abstammen, die aus Africa herübergebracht

/ worden.

/|P_137

/worden. In Amerika ist kein National-Mohr;
die Gesicht-Farbe ist kupferfärbig, das Haar ist
Glatt, es sind aber große Geschlechter, die von
den Africanischen Mohren-Sclaven abstammen.
In Africa nennet man die Mohren solche Brau-
ne Mahometans, die Von den Mauris abstam-
men; die eigentliche Schwartze aber sind Negers.
Diese erwehnte Mohren erstrecken sich bis zum
Senegal, von da bis zur Gamba sind die schwär-
tzesten Negers, aber auch die schönsten von der
Welt. %vornehmlich die Ialoner, die Iulien aus-
genommen, diese sind Schwartz-Braun. An
der Gold-Küste sind sehr schwartze, %und haben
sehr dicke Wurst-Lippen. Die von Congo %und
Angola. %imgleichen die Hottentotten sind nur schwartz-
braun, doch haben sie auch eine Mohrische Ge-
stalt. Auf der andern Seite, nähmlich der
%östlichen von Africa sind die Caffern viel schwär-
tzer als die Hottentotten. In Abyszinien sind
keine %eigentliche Mohren. Die Negers von Sierra
Leona stincken Abscheülich.

/ ≥ Einige Merckwürdigkeiten von der schwartzen
Farbe der Menschen. ≤

/1 Die Negers werden weiß Gebohren, ausser

/ ihre

/|P_138

/ihre Zeügungs-Glieder, und ein Ring um den
Nabel sind schwartz, von da ziehet sich die schwär-
tze im Ersten Monathe über dem gantzen Körper.

/2 Wen ein Neger sich verbrennt, so wird die
Stelle weiß, die lange Kranckheiten, machen
die Negers ziemlich weiß, aber ein solcher @durch@
Kranckheit weiß gewordener Körper wird nach
dem Tode noch viel schwärtzer, als vorhin.

/3 Die Europäer, die in der Zona torrida wohnen,
werden nach vielen Generationen nicht Negers, son-
dern behalten ihre Europähische Gestalt. Die
Portugiesen am Capo Verde, die in 200 Iahren in
Negers verwandelt seyn sollen, sind Mulatten.

/4 Die Negres, wen sie sich nur nicht, mit weißen
vermischen, bleiben selbst in Virginien durch
viele Generationes Negers.

/5 Weiße %und Schwartze vermengt zeügen Mulatten,
dieser ihre Kinder, die sie mit weisen zeügen, hei-
ßen im Spanischen America Terceronen, dieser
ihre Kinder mit Quarteronen, deren Kinder mit
weißen Quinteronen, und dieser mit weißen er-
zeügte Kinder heisen selbst Weise. wen aber
zEx. ein Terceron eine Mulattin heyrathet,
so giebt dieses Rücksprungs_Kinder.

/ 6

/|P_139

/6 In den Cordilleren sehen die Einwohner wie Eu-
ropäer aus. In Anthiopien selbst unter der Linie
sind sie nur Braun.

/7 Es giebt zuweilen Weiße Mohren, die von schwar
tzen Eltern gezeüget worden; sie sind Morisch von
Gestalt, haben krause Schnee-Weiße «Haare» wollichte
Haare, sind Bleich und können nur bey Monden-
licht sehen.

/8 Die Mohren, imgleichen alle Einwohner, der
heißen Zone haben eine dicke Haut, wie man
sie dann auch nicht mit Ruthen, sondern gespal-
tenen Röhren Peitschet. wenn man sie züchtiget.
damit das Blut einen Außgang findet, und nicht
mehr unter der dicken Haut eitere.

/ ≥ Meinungen. Von der Ursache dieser Farbe. ≤

/Einige bilden sich ein, Cham sey der Vater der
Mohren, %und von Gott mit der schwartzen Farbe
bestraffet, welche seinen nachkommen anartet.
Man kan aber keinen Grund anführen, warum die
schwartze Farbe eher das Zeichen des Fluchs seyn sollte,
als die Weiße.

/Viele Physici glauben, es rühre von der Epi-
dermidae, %und der schwartzen Materie her, womit sie
tingiret ist, andere von dem Corpore recticulari.
Allein, weil doch wircklich die Farbe der Menschen

/ durch

/|P_140

/durch alle Schattirungen, der Gelben, braunen, dun-
ckel-braunen endlich in der heißen Zone zur schwar-
tzen wird, so ist wohl zu sehen, daß die Hitze @des@
Climatis daran Schuld sey; es ist aber gewiß, daß
eine große Reihe von Generationen dazu gehöret
hat, damit sie eingeartet ist, und unerblich «ist» wird.
Es scheinet daß die Vertrockenung der Gefäße, die das
Blut %und das Serum unter die Haut führen, den
Mangel des Barts, kurtze krause Kopf-Haare zu-
wege bringen, %und weil das Licht, welches durch die
Ober-haut in die Vertrocknete Gänge des Corporis
Recticularis fällt, verschlucket wird, der Anblick
der schwartzen farbe daraus entstehe. Wie sich
aber eine solche zufällige Sache, als die Farbe ist,
anarten kan, ist so leicht nicht zu ercklären, man
siehet aber doch aus andern Exemplen, daß es
wircklich in der Natur in mehren Stücke so gehe.
Es ist aus der verschiedenheit der Kost, der Lufft
%und der Erziehung zu Erklähren, warum einige Hüner
gantz weiß werden, %und wenn man unter den vielen
Küchlein, die von demselben Eltern gebohren werden,
nur die außsuchet die weiß sind, %und sie zusam-
men thut, bekomt man endlich eine weiße Race,
die nicht leicht anders a«¿»ußschlägt. Arten nicht die
Engelländische, %und auf Trockenen Boden erzoge-
ne Arabische oder Spanische Pferde so aus, daß
sie endlich füllen von gantz anderm Gewächse

/ erzeügen.

/|P_141

/erzeügen? Alle Hunde die aus «Africa» Europa nach
Africa gebracht werden, werden Stum, %und kahl, %und
zeügen hernach auch solche Iungen. dergleichen Ver-
änderungen gehen mit Schaffen, Rind-Vieh, und an-
dern Thier_gattungen vor. Daß Mohren dann %und wann
ein weißes Kind zeügen, geschiehet eben so, wie bis-
weilen ein weißer Rabe, weiße Krähe oder Amsel
zum vorschein kommt. Daß die Hitze des Erd-striches
%und nicht ein besonderer Eltern Stamm hieran Schuld
sey, ist daraus zu <er>sehen, daß in eben demselben
Lande, die auf seinem Flachen Theile wohnen, weit
schwärtzer sind, als die im hohen Theile; daher am
Senegal schwartzere Leüte, als in Guinea, %und in Congo
%und Angola, schwartzer, als in Ober-Aethiopien, oder
Abißynien, in den Gebürgigten Theile von Pera
aber weiße Leüte sich befinden.

/ ≥ Der Mensch seinen übrigen angebohrnen Ei-
genschafften nach, auf dem gantzen Erd-Kreise
erwogen. ≤

/Alle Orientalische Nationen, welche dem Me-
ridiano von Bengala gegen Morgen liegen, haben
etwas von der Calmukischen Bildung an sich, diese
ist, wenn sie in ihrer größten Perfection «so» ge-
nommen wird so beschaffen: ein oben breites,
und unten schmales plattes Gesicht, fast gar
keine Naße, die von dem Gesichte hervorraget,
«über» gantz kleine Augen, überaus dicke Augen-Braunen,

/ Schwartz

/|P_142

/schwartz-Haar, dünne, und zerstreüte Haarbüschel
anstatt des Bartes, und kurtze Beine mit dicken
Schenckeln. Von dieser bildung Participiren die
%östlichen Tartarn, Chinesen, Tunquinesen, Arracaner,
Peguaner, Siamer, Iapaner p.p. %obgleich sie sich hin
%und wieder etwas verschönern, ohne auf die a-
berglaubische Meinungen, von dem Ursprunge
gewißer bildungen zu sehen; so kan man
nichts als etwas gewißes anmercken, daß es
in der Gegend von Meliapour, auf der Küste Coro-
mandel viele Leüte mit einem sehr dicken @Beine@
gebe, welches die Dicke eines gantzen Menschen hat;
diese leiten vernünfftige Reisende von der Be-
schaffenheit des Waßers her, so wie die Kröpfe
in Tyrol %und Saltz-Burg von dem Waßer, welches
Tuchsteine bey sich führet, herzuleiten sind. Die
vorgegebene geschwäntzte Affen in Borneo sind Affen.
Die Riesen in Patagonien sind erdichtet. Von der
Art mag auch das Volck von rohen %und grösten Lippen
seyn, das am Senegal wohnet, %und ein Tuch vorm
Maul hält, und ohne Rede handelt. Plinii einäugig-
te, höckerichte, einfüßiger Menschen, Leüte ohne
Maul, Zwerge gehören auch dahin. Die Einwohner
von der Küste von Neü-holland, haben halb geschlo-
ßene Augen, und könen nicht in der ferne se-
hen, ohne den Kopf auf dem Rücken zu bringen.

/ Dies

/|P_143

/Dies gewöhnen sie sich wegen der vielen Mücken an,
die ihnen immer in die Augen fliegen. Einige Einwohner
als die Mohren von Sierra Leona und die Mugalen,
die unterm Gebiet von China stehen, stincken.

/Die Unterhottentotten haben wie viele Männer, wie
Colbe berichtet, ein nathürlich Leder am Osse pubis,
welches ihre Genitalia recht tief bedeckt, und wel-
ches sie bisweilen abschneiden, eben dieses meldet
Ludolff von vielen Aegiptischen Weibern. Die Mohren
und andere Wilde zwischen den Tropicis können
gemeiniglich erstauend laufen. Sie sowohl als an-
dere Wilde haben, auch mehr stärcke, als andere
civilisirte Völcker, welches von der freien Bewegung,
die man ihnen in der Kindheit verstattet, herrühret.
Die Hottentotten könen mit bloßen Augen ein Schiff
eben so weit sehen, als die Europäer mit dem Fern-
glase. Die Weiber in den heisesten Erd-striche zeü-
gen von 9 oder 10 Iahren an schon Kinder, und hören
vor dem 25ten auf. Don_Ulloa merckt an, daß
in Carthagena in America %und den Umliegenden Ge-
genden, die Leüte sehr frühe klug werden, aber
sie wachsen nicht ferner am Verstande im demsel-
ben Maaße. Alle bewohner der heisesten Zonae sind
außnehmend faul. An einigen wird diese Faulheit
noch etwas <durch> die Regierung, und den Zwang gemäßiget;
Wenn ein Indianer ein Europäer sieht wohin gehen,
so denckt er: er hat was zu bestellen; komt er zurück

/ so

/|P_143': δleer?

/|P_144

/so denckt er: er habe schon seine Sache verricht, sieht
er ihm aber zum dritten-Mahl fortgehen, so denkt
er: er ist nicht recht klug; da doch der Europäer zur
Lust spatzieren gehet, welches kein Indianer sta-
tuiret, noch sich einbilden kan. Die Indiana sind
zaghafft; beides komt auch den sehr Nordischen Na-
tionen zu. Die entschlaffung ihrer Geister will
durch Brandt-Wein, Toback, Opium, bong, %und andere
starcke Dinge erweckt seyn. Aus der Furchtsamkeit
@rührt@ der Aberglaube, vornehmlich in Ansehung der
Zaubereien her, %imgleichen die Eitersucht. Die Furchtsam-
keit machte sie wen sie Könige hatten zu Sclavischen
Untherthanen, %und bringt in ihnen eine abgöttische Verehrung
derselben zuwege, und die Faulheit bewegt sie lieber
in Wäldern herum zu laufen %und Noth zu leiden, als
zur Arbeit durch die befehle ihrer Herren angehalten
zu werden. Montesquiou urtheihlt gantz recht, daß eben
die Zärtlichkeit, die den Indianern oder Neger den
Todt <so> fürchten macht ihnen offt viele Dinge die der
Europäer überstehen kan, ärger fürchten läßt als
den Todt. Der Neger_sclaven von Guinea ersäufet sich,
wen er zur Sclaverey soll gezwungen werden. Die
indianischen Weiber verbrennen sich, Der Coraibe nimt
sich über eine geringe Gelegenheit das Leben, Der
Peruaner zittert vor dem Feind, und wenn er zum
Tode geführt wird, so ist er so gleich-Gültig als

/ wen

/|P_145

/wenn es nichts zu bedeüten hätte. Die aufgeweckte
Einbildungs-Krafft macht aber auch daß er offt was
wagt; aber die Hitze ist bald vorüber, %und die Zaghafftig-
keit nimt wieder ihren Platz ein. Die Ostiacken, Samo-
jeden, Zemblanen, Einlappen, GrönLänder, Iaris-stra-
ßeneinwohner sind ihnen in der Zaghafftigkeit, Faul-
heit, Aberglauben, Lust am starken Geträncke sehr
ähnlich, die Eyfer-Sucht ausgenommen, weil ihr Cli-
ma nicht so starcke Anreitzungen zur Wollust hat.
Eine gar zu schwache, und zu starke Perspiration,
macht ein dickes klebrichtes Geblüt, und die größte
Kälte sowohl als die gröste Hitze machen, daß durch
Außtrocknung der Säffte, die Gefäße %und Nerven
der Animalischen Bewegungen steif %und unbiegsam werden.

/In Gebürgen sind die Menschen dauerhafft,
Munter, kühn, Liebhaber der Freyheit %und ihres Va-
ter-Landes, wen man nach den Ursachen der
mancherley in einem Volck eingearteten bildung
und Natturrellen frägt, so darf man nur auf
die ausartungen der Thiere, sowohl in ihrer Gestalt
als ihren Sitten Acht haben, so bald sie in ein an-
der Clima überbracht werden, da andere Lufft,
Speise p.p. ihre Nachkommenschafft ihnen unähnlich
macht. Ein Eich-Hörnchen, das hier Braun war wird in
Siberien grau. Ein Europäischer Hund wird in Gui-
nea ungestaltet, %und kahl samt seiner Nachkommenschaft.

/ Die

/|P_146

/Die Nordische Völcker die nach Spanien übergangen,
haben nicht alle eine Nachkommenschafft von Körpern.
@die@ lange nicht so groß und starck, als sie waren. hin-
terlaßen; sondern sie sind auch in ein Temparement,
was eines Norwegens oder Dänen, seinen sehr un-
ähnlich ist, ausgeartet, Der Einwohner der Zonae Tem-
peratae %vornehmlich des mittleren Theiles derselben
ist schöner am Körper, Arbeitsamer, Schertzhaffter
gemäßigter in seinen Leidenschafften, Verstän-
diger als eine Gattung der Menschen in der Welt
Daher haben diese Völcker zu allen Zeiten, die andere
belehret, %und durch die Waffen bezwungen die Römer,
die Griechen, die alten Nordischen Völcker, Chingi-
soaner
, die Türcken, Tamerlan, die Europäer nach
Columbi entdeckung haben alle %südliche Lande durch
ihre Künste %und Waffen in Erstaunen gesetzt. Obgleich
eine Nation nach langen Perioden, in das Naturell
desjenigen Climatis ausartet, wohin es gezogen ist.
so ist doch bisweilen in vielen Zeiten, die Spuhr
von ihrem vorigen aufenthalte anzutreffen. Die
Spanier haben noch die Merck-Mahle des Arabischen
%und Maurischen Geblutet, die Tartarische Bildung hat
sich über China und ein Theil von Ostindien ausgebreitet.

/ ≥ Von der Veränderung, die die Menschen in
ihrer Gestalt willkührlich vornehmen. ≤

/Die meisten %Orientalischen Nationen, finden an großen

/ Ohren

/|P_147

/Ohren ein besonderes Vergnügen, die in Siam, Arra-
can, die Mungalen einige Wilde am Anazonen--
Strom, %und andere Mohren hängen sich solche Ge-
wichte in die Ohren, daß sie ungewöhnlig lang
werden. In Arracan und Siam gehet dieses so
weit, daß das Loch worinn die Gewichte gehangen
werden, so groß wird, daß man einige finger
neben einander einsteken kan, und die Ohr-Lap-
pen auf die Schultern hangen. Die Sianier, Tar-
qvineser, und einige andere machen sich die
Zähne mit einen schwartzen Firniß, Schwartz. Na-
sen-Ringe tragen Malabaren, Guzaraten, Araber,
Bengallen; Papous aber einen Höltzernen Zapffen
durch die Nase. Die Negers am Fluße Gaban in
Africa tragen in den Ohren, und Nase einen Ring,
%und schneiden sich noch in die Unter-Lippen ein Loch,
um die Zunge durchzustechen, Einige Americaner
machen sich viele solche Löcher in die Haut um
farbigte Federn hineinzusteken. Die Hottentotten drü-
cken ihren Kindern die Nase breit, wie @einige@
andere Völcker. Die Arracaner mit einer eisernen
Plate die Stirne breit machen, %imgleichen die Caraiser ein
Volck am Anazonenstrom zwingt die Köpfe der
Kinder durch eine Binde, wie ein Zucker-Hut zu
wachßen. Die Chineserin zerret immer an ihren Au-
genliedern, um sie klein zu machen, Ihrer Iungen Mäd-
chen Füße werden mit Binden gezwungen, nicht größer

/ zu

/|P_148

/zu werden. als ein Fuß vom 4_Iährigen Kinde.

/Die Hottentotten verschneiden ihren Söhnen im 8ten
Iahre einen Testiculum. Die Türcken laßen ihre
schwartze verschnittene alle Zeichen der Manheit weg-
nehmen. Eine Nation in Amerika drücket ihren
Kindern den Kopf so tief in die Schultern, daß
sie scheinen keinen Halß zu haben.

/ ≥ Vergleichung der Verschiedenen Nahrung.
Der Menschen. ≤

/Der Ostiane, Samojede, der Seelappe, der Gron-
länder leben von Frischen oder gedörreten Fleische.
Ein Glaß Thran ist für den Grönländer ein Nector;
die etwas weiter zunachst in Süden wohnen, die von
Canada, die von den Küsten von America unterhalten
sich von der Iagd. Alle Mogulische %und Calmukische
Tartern haben keinen Ackerbau, sondern nähren
sich von der Viehzucht, %vornehmlich von Pferden und ihrer
Milch. Die Lappen von Renthieren, die Mohren und In-
dianer vom Reiß, die Americaner %vornehmlich von Mait
oder Türckischen Waitzen. Einige herumziehende
Schwartze in der Africanischen Wüsten von Heüschre-
cken.

/ ≥ Abweichung der Menschen von einander.
in Ansehungs ihres Geschmacks. ≤

/Unterm Geschmack verstehe ich das sinnliche Urtheil
über die Vollkommenheit oder Unvollkommenheit desjenigen

/ was

/|P_149

/was unsere Sinne rührt. Man wird aus der Abwei-
chung des Geschmacks der Menschen sehen, daß un-
gemein viel bey uns auf vorurtheilen berühre.

/1. Urtheil der Augen. Ein Chineser hat ein Miß-fal-
len an großen Augen. Er verlangt ein groß Viere-
ckicht Gesicht, breite Ohren, sehr Breite Stirn, und
eine kurze Nase zu einem vollkomenen Menschen.
Die Hottentotten, wen sie gleich allen Putz der Euro-
päischen Weiber gesehen haben, so ist sie doch in
ihren und ihrer Buhler Augen ausnehmend Schön,
wen sie sich 6 Striche, mit rother Kreide, 2 über
die Augen, 2 über die Backen. 1 über die Nase, und
1 übers Kinn gemacht hat. Die Araber Punctiren
ihre Haut mit Figuren, darin sie eine blaue Farbe
einbeützen. Die Ubrige Verdrehung der Natürlichen
Bildung um schön auszusehen. kann man vorhersehen.

/II. Urtheil des Gehörs. Wen man die Musick der
Europäer mit der Türcken Chineser, Africaner ih-
rer vergleicht, so ist die Verschiedenheit ungemein.
Die Chineser ob sie sich gleich mit der Musick
viel Mühe geben, finden an der Unsrigen kein wohlgefal<len.>

/III. Urtheil des Geschmacks. In China, in gantz Gui-
nea ist ein Hund eines der schmackhafftesten Gerich-
te. Man bringt daselbst alles bis auf die Ratzen und
Schlangen zu Kauff, Dies geschicht auch an den Mohrischen

/ Küsten.

/|P_150

/Küsten. In Sumatra, Siam, Arracan, %und den Mehresten
indischen Orthen, macht man nicht viel vom Fleisch;
aber ein Gericht Fische, die aber vorher müßen stin-
ckend geworden seyn, ist das Haupt-Eßen, Der Gron-
länder liebt den Thran_Geschmack über alles. Die
Batel-Blätter mit der Aracnuß, %und ein wenig Kalck
immer zu kauen, ist die gröste Ergötzlichkeit aller Ostin-
dianer, die zwischen den Tropicis wohnen. Die
Hottentotten wißen von keiner Zärtlichkeit des Ge-
schmacks. Im Nothfall können getretene Schuh-Sohlen
ein noch so ziemliches Gericht für ihn abgeben. Allein
die sich in ihren Schaffs-fellen nähren, freßen
sie bey langer Weile zum Zeit vertreibe auf.

/4. Urtheil des Geruchs. Der Teüffels-Dreck oder die
Assa foetida ist die Ergötzlichkeit aller %Südlichen Persianer,
der Indianer, die ihnen nahe wohnen zu Suvalde %und
andern Orten. Alle speisen, das Brodt sogar sind
damit parfumiret und die Waßer selbst riechen
davon. Den Hottentotten ist der Kuh-Mist ein Lieb-
lings_Geruch %imgleichen andern Indianern. Ihre Schaff-
fälle müßen durchaus darnach riechen, wenn sie
nach der Galanterie seyn sollen. Ein Missionarius
wundert sich darüber, daß die Chineser, so bald
sie eine Ratze sehen, sie zwischen den Fingern
zerreiben, und mit Appetit daran riechen. Allein
ich frage dagegen? Warum stinckt uns jtzt der
Muscus an, der vor 50 Iahren jederman so schön roch?

/ wie

/|P_151

/Wieviel vermag nicht das Urtheil andrer Menschen,
in Ansehung unseres Geschmacks ihn zu verändern,
wie es die Zeiten mit sich bringen.

/ ≥ Zweyter Abschnitt.

/ Von den 4_Füßigen Thieren, die Lebendige Iunge ge-
bähren.

/Erstes Haupt-Stück.

/Von denen mit Klauen.

/A. Die mit einer Klaue oder mit behufften.

/1. Das Pferd. ≤

/Die aus der Barbarey haben einen langen, fei-
nen Halß, düne Mähnen, sind meistens Grau und 4 %Fuß
- 8 %Zoll hoch. Die Spanischen vom langen dicken Halse,
starckere Mähne, breitere Brust, etwas großen
Kopf, voll Feüer; sie sind die besten Reit-Pfer-
de in der Welt die in Chili sind von Spanischer
abkunfft (denn in Amerika gab es ehedem keine
Pferde) weit kühner, flüchtiger als jene; daher
die kühne Parforce_Iagd in Chili. Die Englichen
stammen von Arabischer Race sie sind Völlig 4 %Fuß - 
10 %Zoll hoch, aber nicht so annehmlich im Reiten. als der
Spanier, sie sind sonst ziemlich sicher und Schnell im
Lauffen, sie haben Trockene %und gebogene Köpfe.
Die Dänische sind sehr starck, dick vom Halse und
Schultern, gelaßen und gelehrig, sind gute Kutsch- 

/ Pferde.

/|P_152

/Pferde. Die Neapolitaner, die von Spanischen Heng-
sten, %und Italienischen Müttern gefallen, sind gute
Laufer, aber boßhafft, sehr kühn.

/Die Arabischen könen Hunger %und Durst vertragen, sie
werden in ihrer Reinesten Race ihrer Genealogie
nach aufgezeichnet. Beym Beschälen ist der Secretair
des Emirs, der ein untersiegelt Zeügniß giebt, und
das Füllen wird auch durch ein Diploma Accreditiret.
sie freßen nur des Nachts, halten im flüchtigsten
Galop plötzlich still, wen der Reüter herabfällt. Die
Persischen sind nach ihnen die besten. Die Cosackischen
wilden Pferde sind sehr dauerhaufft und schnell.
Man kan es am Füllen kennen, ob der Beschäler
ein Gutes Schul-Pferd gewesen oder nicht. Die Pfer-
de im heißesten %und kältsten Erd-striche gerathen
viel schlechter; die auf hohen Ländern beßer als in
fetten Niedrigen, Die Oelandische Pferde sind die
kleinesten, und hurtigsten unter allen.

/ ≥ 2. Das Zebra. ≤

/Wird wieder sein verschulden, fälschlich der Afri-
kanische Wald-Esel genandt; denn es ist das schönste
Pferdt an bildung, Farbe und Schnelligkeit in der Natur.
Nur das es etwas längere Ohren hat. Es findet sich in
Africa hin und wieder in Abyßinien, Congo, bis ans
Capo %bona %Spei. Die Africaner wißen es nicht zu zähmen.
Der Mogul kauffte eins für 2.000 Ducaten; die Ostindische

/ Gesellschafft

/|P_153

/Gesellschafft, schickte dem Kayser aus Iapan ein Paar
und beckam, 160.000 %Reichsthaler.

/Es ist glatthaarig, hat weiße und Kastanien-Brau-
ne abwechslende Bandstreifen, die vom Rücken an-
fangen, und unterm Bauche zusammenlaufen; da
wo die Braune zusammenlauffen, entstehet ein gel-
ber Reifen. Um den Schenckeln und den Kopf ge-
hen diese Kniebänder gleichfals.

/ ≥ 3. Der Esel. ≤

/Die Eselin muß nach der Belegung gleich ge-
prügelt werden, sonst giebt sie die befruchtende
feüchtigkeit gleich wieder von sich. Esels und Pferd-
häute werden in der Turkey und Persien durch Ger-
ben %und einpreßen der Senf-Körner zu Chagrin
verarbeitet, der von allerley Farben gemacht wird«¿¿».
Der Maul-Esel, deren diejenige Sorte, die von Hengst-
Esel und Pferd-stutte gefallen, am meisten
jtzo im Gebrauch ist; sie sind größer als die vom
Pferd und der Eselin gefallen. Die Maul-Esel ha-
ben die Ohren, den Kopff, das Kreütz, und den Schwanz
vom Vatter %und von Mutter nur das Haar, und die grö-
ße. Es sind also nur große Esel mit Pferds-Haaren.
Der Wald-Esel oder Onager findet sich in einigen In-
seln des Archipelaggi, und in der Lybischen Wüste
Ist geschlancker %und behender als der zahme Esel, Maul-
Esel, die von ihm gezogen werden sie die stär-
ckesten.

/ B.

/|P_154

/ ≥ B Zwey-Klauigte Thiere.
/Sind insgesamt Gehörnt, das Schwein ausgenomen.
/1. Das Ochsenschlecht. ≤

/Der gemeine Ochs ist in den kalten, und feüchten Län-
dern am besten. Die Holländer nehmen große und
magere Küh aus Dännemark, die bey ihnen noch ein-
mahl so viel Milch geben, vornehmlich eine Zucht, die
von einem fremden Stier, und einer einheimischen
Kuh in Holland gefallen. Die Africanischen Ochsen haben
gemeiniglich einen Buckel, zwischen dem Schulter-Blatt
auf dem Rücken. In Abyßinien sind die Ochsen von
%außerordentlicher Größe wie Cameele und ungemein
wohlfeil. Der Elephanten_Ochs ist dem Elephanten an
Fell, Farbe, und auch beynahe an größe gleich, ist
in Abyßinien. Die Hottentotische Kuh geben %nicht anders
Milch, als wen man ihnen mit einen Horn in die
Mutter Bläßet. Die Persische nur, dann wenn sie
ihr Kalb dabey sieht; daher ihre aufgestopffte Haut
aufbewahret wird. Die Edamer, Lüneburger, Aber-
dammer, Schweitzer %und Parmesan_Käse sind die besten.
Die Engelländer ziehen vom Mast-Darm des Ochsen
ein Häutchen ab, und verfertigen Formen daraus,
worin nach und nach Gold %und Silber zu dünen
blädchen geschlagen wird, Dieses Geheimniß ver-
stehet allein Engelland. Die Irrländische Ochsen
haben kleine Hörner, und sind klein. Die in Gui-
nea haben ein schwammigtes Fleisch, so wie in

/ andern

/|P_155

/andern sehr heißen Ländern, welches zwar Groß
außsieht aber wenig wiegt. Das Rind-fleisch aus der
Barbarey hat eine viel andere Gestalt an Haaren,
Hörnern und übrigen Leibes-Bildung als das Euro-
paeische. Der Büffel-Ochs hat lange schwartze Hör-
ner, ist Wild und gehört in Asien, Aegipten, Griechen-
land %und Ungern zu Hause, sie können gezämt wer-
den. Der Auer-Ochs in Pohlen und Preüssen ist be-
ckant; er findet sich auch in Africa und Seenegal.

/ ≥ 2 Das schaafgeschlecht. ≤

/In Irrland sind viele mit 4 Hörnern. Die Spa-
nische haben die feinste Wolle; die Englische nach
diesem. In Irrland, Siberia %und Lapp-Land la-
ßen sie sich verschneyen und Freßen sich ein-
ander die Wolle ab. In Guma haben die Menschen
Wolle und die Lämmer Haare.

/In Engelland, deren Schaafe eine Race vom
Spanischen sind, beügt man die Außartung
sorgfältig vor. Man kaufft offt Widder aus Spa-
nien und bezahlt sie wohl mit 100 %Reichsthaler. Das Arabi-
sche, Breitschwäntzigste Schaf hat einen Schwantz, der
wohl eine Elle Breit und 40 %Pfund wiegt, ob er gleich
gantz kurtz ist, besteht aus lauter Fett, ist unge-
hörnt. Das Arabische langschwantzigste Schaaf hat
einen 3 Ellen langen Schwantz, welchen fortzubrin-
gen man einen Roll-Wagen @anbingt@. Das Syrische
Schaff hat OhrLappen, die fast bis auf die Erde hangen.

/ 3.

/|P_156

/ ≥ 3. Das Bocks-Geschlecht

/Der Angorische Bock in Salatien hat feine
gläntzende Haare zum Zeügmachen. Die Camelsziege in
Amerika ist 4_1/2 Fuß hoch kann aufgezäumet oder berit-
ten werden, %und beladen werden, trägt das Silber aus
den Berg-Wercken, arbeitet nach Abend niehmals, und
selbst bey allen schlägen seuffts nur. Die Camelhaare
sind das Haar von kleinen Persischen, Türckischen,
Arabischen, Galatischen oder Angorischen Ziegen. Das
Cameel-Garn wird am liebsten mit wolle vermischt
Die Türcken laßen bey hoher Straffe keinen aus
dem Lande. Corduan wird aus Ziegen-Leder gemacht.
Der Steinbock hat 2 Ellen lange und knotichte Hörner;
die Knoten zeigen die Iahre an, sind in den Schweitzer
Gebürgen %und Saltz-Burg anzutreffen, sind die grösten
Springer unter allen; legen wenn sie in die Ebene
gelocket und gefangen worden, ihre Wildheit nie ab,
bewohnen die obersten Spitzen der Berge.

/Gemse mit hackigten rükwärts gebogenen Hörnern
können gezhämet werden, die Africanische Gazella ist
eine Gattung davon.

/Der Muscus_Bock (Biesam-Thier) meistens ungehör-
net lebt in China, Persien, Africka, hat eine Biesams-
blase, oder Nabel_Tasche. Man kan ihm den Muscus mit
einem Löffel heraußnehmen. Man verfälscht Ihn
mit deßelben Blute. Bezoar-Thier fast wie eine Ziege
hat den Nahmen, wegen des Magen-Balls, den man

/ Bezoar- 

/|P_157

/Bezoar-Stein nennet, bekommen. untern den andern Ar-
ten von Ziegen-Böcken, mercken wir nur daß Gui-
neische Blaß-Gelbe Böckchen, es ist nicht viel größer
als ein Kaninchen, und springt doch über eine
12 Fuß hohe Mauer sehr schnell, Das Ziegen_Einhorn
ist von Stellern in Kamtzatka entdeckte worden.
Die Giraffe oder Camelopardus hat einen Langen
Halß, und ist so groß als ein Cameel, und ist wie ein
Parder geflec«h»kt, und hat vorwärts gebogene Hörner.

/ ≥ 4.
/a. Die wieder Kauende mit festen ästichten Ge-
weih.
/1. Das Hirsch-Geschlecht. ≤

/Wirfft im Frühlinge vom %Februar an bis an <den> May
sein Geweih ab, sie kämpfen unter sich und mit «Ge¿¿¿»
Geweih, %und zerbrechen es %und verwicklen sich offt
damit, so daß sie auf dem Kampf-Platze ge-
fangen werden. Die Brunst-Zeit ist im %September
%und währet 6 Wochen. Zu dieser Zeit, wird ihr Haar
dunckler, aber ihr Fleisch stinckend und unEßbar
Ihr Geweih ist von 2 ja 3 obzwar selten von
6 Ellen wie derjenige hatte, den der König
Fridrich_von_Preüßen erlegte. Iungen verschnit-
tenen Hirschen, wachsen keine Geweihe.

/ ≥ 2. Das Reh. ≤

/Gleichsam ein Zwerg-Geschlecht von Hirschen mit
kürtzerem Geweih. Unvollkommen verschnittene
Reh-Böcke treiben, ein stäuden_artiges-Geweih

/|P_158

/Manigmahl Lockigt. als eine Peruke hervor.

/ ≥ 3. Das Surinamische Hirschgen. ≤

/Ist nicht einmahl so groß wie ein kleiner Haaß
Sein in Gold eingefaßtes Füßgen, wird zu Tobacks-sto-
pfen gebraucht.

/ ≥ b. Die mit schaufflichtem Geweih.

/Das Elend-Thiere. ≤

/Man findet es in nordlichten Gegenden, in Europa
Asia %und America. Die Hottentotten fangen das Elend
mit einer Schlinge, an einem zurückgebogenen Baum
welcher aufschnellet. seine Stärcke in den Beinen
ist außerordentlich.

/ ≥ c mit vermischtem Geweih. ≤

/1) Der Damm_Hirsch, (Dama) mit flacher Geweih-Krone,
ist etwas grösser als ein Reh-Bock %und kleiner als ein Hirsch.

/2) Das Renthier mit schaufflichter Geweihekrone. Die
Weibchen derselben haben auch obzwar kleineres Geweih.
Es giebt Wilde und zahme Renthiere. Sie sind die gan-
tze Oeconomie der Lappen; scharren im Winter mit
ihren Klauen. Most unterm Schnee hervor.

/Zu den 2_klauichten Thieren gehöret noch eine unge-
hörnte Art, nehmlich das Schwein-Geschlecht.

/Die Schweine wiederkauen nicht, sie haben etwa
@6@ Eyter mehr, als andere wiederkauende, sie haben
das Fett nicht sowohl, im Fleisch untermengt als un-
ter der Haut. Der Eber frist die Iungen, wen er da-
zu kommen kan, auf, dieser %imgleichen die Sau öffters
andere Thiere, ja Kinder in der Wiege. Die Eichel-Maast

/ ist

/|P_159

/ist die Beste für sie. Die Finnen erkennet man an
dem schwartzen Bläßchen, die den untern Theil der
Zunge einnehmen. In den Heiden belaufen sich die
Zahme %und Wilde unter einander; dahero findet man
öffters Wilde-Schweine, die weiß gefleckt sind, obgleich
sonst das wilde-Schwein schwartz ist. Die Geschichte des
Aelians von den wilden-Schweinen, die einen See-Räu-
ber an den Küsten des Thyrrhenischen Meeres entfüh-
ren wollten. Die Schweindiebe halten dem Schwein
brennend Schwefel unter die Naße. Die Schwartz--
Walde werden die Schweine aus dem Morästen mit
%etlichen Stangen, darauf Schwefel angesteckt ist ver-
trieben. Die Bauren bey Brisach heben den Schwimmen-
den schweinen, die übern Reihn setzen, die Hinter-
Beine auf, %und lassen sie versaufen. Der wilde
Eber ist sehr grimmig. In China sind die Schweine
von sehr schönen Geschmack. Die zahmen Schweine,
wen sie gleich aus Europa herüber gebracht wer-
den doch in den hitzigen Weltheiln schwartz. Das
Mexikanische Muscus-Schwein. Oben am Rücken
nahe beym schwantze hat es einen Ritz, worinnen
durch verschiedene Gänge ein wahrer %und starcker
Muscus enthalten ist. Das Babirousa oder Schwein-
Hirsch auf einigen Moluccischen Inseln, @vornehm-@
lich Bonro ist klein, von glatten Haar, einem Schwein-
schwantze, %und es wachsen ihm 2 Zähne aus dem

/ obern

/|P_160

/Obern Kinn-Laden in einem halben Cirkel nach denn
Augen zu.

/ ≥ C. Drey-klauichte Thiere.

/Das Nasehorn. ≤

/Die dicke gefaltete Haut, hat sonst keine Haare.
Es hat ein nach Proportion seines Körpers Kleines
Horn auf der Nase, ist viel größer, als ein Ochs,
lebt in Sümpfen. Die Alten haben 2 Hörner, eins
hinter, und das andere auf der Nase, leckt den Thie-
ren das Fleisch mit der Zunge weg. Es hat eine
wie ein Lappen abwärts gekrümmte Ober-Lippe.

/ ≥ d. Vier-Klauigte Thiere.

/ Der Hipopotanus oder das Nil-Pferd. ≤

/Sieht von vorne einem Ochsen, %und hinterwärts
einem Schweine ähnlich, hat einen Pferds-Kopf oder
Ochsen-Maul, ist Schwartz-Braun, hat sehr dicke
Füße, drey im Umkreise Sprützt aus weiten Na-
selöchern Waßer hervor ist eben so dick %und meist
so hoch als ein Naßehorn es hat 4 aus den Kin-
backen heraußstehende Zähne, so groß als ein Och-
senhorn. Sie werden, weil ihre Farbe bestän-
diger ist als von Elfenbein, für beßer als dieses
gehalten. Seine Haut ist an den meisten Stellen
Schuß-frey, wiegt auf 30 Centner, es wiehert

/ ≥ e. Fünffklauigte Thiere.

/ Der Elephant. ≤

/Er ist eben so nacket, wie die vorigen. lebt eben

/ so

/|P_161

/so wie jene in Sumpfen, ist das gröste Land-Thier.
Die Haut ist Grau, schwartze %und Weiße Elephanten
sind Rar. Es kan seine Haut durch ein Fleisch-fell,
das unter derselben liegt, umziehen, daß er Flie-
gen damit fangen kan, Der Mensch hat eine solche
seenichte fleisch-Haut an der Stirn. Er hat einen
kurtzen Schwantz mit langen Borstigen Haaren, die
man zu Räumern für die Tobacks-Pfeifen braucht,
besetzt. Er ist 15 %und Mehr Schue hoch, hat so wie die
3 Vorige Thiere kleine Augen. Sein Rüßel ist
das vornehmste Werkzeüg. Mit diesem als mit
einer Hand reißt er das Futter ab, %und bringt es
zum Munde. Er saüget damit das Waßer, und
läßt es in dem Mund lauffen, er riecht dadurch
und Trinckt nur, nachdem er das Waßer trübe ge-
macht hat, er hebt einen Menschen auf, und setzt ihn
auf seinen Rücken, kämpfft damit. Die Indianer
bewaffnen ihn mit Degenklingen, er braucht ihn
als einen Taucher-Röhre, wenn schwimmt, und der
Mund unterm Waßer ist. Er schwimt so starck,
daß ihm ein Kahn mit 10 Rudern nicht entfliehen
kan. Aus dem Obern Kinnbacken gehen die 2 grösten
Zähne hervor deren jeder auf 10 %Fuß lang und 4 Spannen
dick ist, und mancher auf 3 Centner wiegt. Mit diesen
streitet er, reißt die Bäume aus, zerbricht sie offt
oder verliehrt sie aus Alter, daher viele Zähne in

/ Indischen

/|P_162

/Indischen Wäldern gefunden werden. Die Männ-
liche Ruthe ist länger als ein Mensch. Der Umkreiß
in ihrer größesten Dicke ist 2_1/2 Schuh. Seine Zähne
sind als ein 4 Mahl eingeschnittener Pferdhuf anzu-
sehen. Sein Huf am Vorderfuß ist allenthalben 1/2
Schuch Breit, der Hinter-fuß ist länglicht Rund 1/2 Schuch
lang und ein Schuch breit, seine ohren sind wie 2 gro-
ße Kalb-felle anzusehen. Der Elephant verträgt
nicht die Kälte. In Africa ist er nicht über 12 %Fuß hoch, in
Asien aber auf 18. Wenn sie in ein Tobacks-Feld
kommen, so werden sie truncken, und geben tolle
Streiche an. Wenn er des Nachts in ein Neger-Dorff¿
geräth, so zertritt er ihre Häuser wie Nuß-Schaalen,
Er thut ungereitzt keinen Schaden; seine Haut ist
fast undurchdringlich, hat aber viele Ritzen %und Spalten
die doch durch einen heraus treibenden Schleim wieder
verwachsen; wird mit eisernen Kugeln, zwischem
dem Aug und Ohre geschoßen, ist sehr Gelehrig %und
klug, daher er in Ostindien, eines der nützlichsten
Thiere ist, läufft viel schneller als ein Pferdt.
Man fängt ihn wenn man ihm Tödten will, in tie-
fen Gruben, oder wen man ihm zähmen will,
so lockt man ihn durchs Weibchen in Verhauene
Gänge. Die Negers Eßen sein Fleisch.

/|P_163

/ ≥ Zweyter Abschnitt.
/ Zäigte Thiere.

/I.

/Einzäigte. ≤

/Der weiße Amerikanische Ameisen-Freßer,
komt übrigens mit anderen Ameisen_Freßern überein.

/ ≥ Zweyzäigte Thiere.
/ Das Kameel. ≤

/a. Das Bactrianische, hat zwey Haar-buckel auf dem
Rücken, und 2 unterm Leibe ist das starckeste und
größeste Cameel. Seine buckel sind eigentlich
keine fleischerhöhungen, sondern nur hart ledrig-
te Stellen, mit dichten langen Haaren bewachsen.
Trinckt wie die Übrigen wenig, trägt bis 10 Center,
die ihm nachdem er sich auf die Knie zur Erde ge-
leget hat, aufgepakt werden. Geht gepakt den Tag
bis 10 Meilen, lernet Tantzen, aus seinen Haaren,
die er in 3 Tagen im Frülinge fallen läßt, wer-
den schöne Zeüge gewebet.

/b. Der Dromedarius hat nur einen Rücken, und
Brust-Buckel, ist kleiner und schneller im laufen
als der vorige, ist in Syrien, Arabien zu Hauße, hat
harte Polster in den Knien. Es geht an einem Tag
ohne ermüdung 40 Französische oder ohngefehr 30
deütsche Meilen, könen bis 5 Tage dürsten.

/c. Das kleine Postoneel geht beinahe eben so schnell
als das vorige. Es ist aber gemächlicher zum Reiten.

/ D.

/|P_164

/d. Das Pyrenäische Schaf-Cameel, hat die Größe
eines Eßels, wird wegen der Wolle und des
Fleisches erzogen.

/ ≥ 3.
/ Dreyzäigte Thiere.
/Das Faulthier

/a. Das schmächtige, weißgraue Amerikanische
Faul-Thier, hat ein lachendes Gesicht, weiße dicke Haare,
plumpe Taille, klettert auf die Bäume; erstauen-
liche langsamkeit. Rettet sich bloß durch sein Geschrey.
Wenn es einen schnellen Marsch antritt, so legt es
in einem Tage 50 Schritte höchstens zurück

/b. Marggrafs Faulthier ist eine Art davon. Der ver-
kleidete Faulthiers Affe hat einen Hunds-Kopf und
ist zweyzäigt.

/ ≥ Der Ameisen-Freßer. ≤

/a. Der große Ameisen-Bär, hat eine sehr lange
und Spitze Schnautze, seine Zunge die Rund ist, und
sie 1_1/2 Ellen lang heraus strecken kan, ziehet die A-
meisen mit dieser Art von Lebendigen leimruthen
aus dem Haufen, hat keine Zähne

/b. Der mitlere falbe Ameisen-Bär, und der oben
beschriebene Einzäigte, kommen in der Nahrung mit ihnn
überein.

/ ≥ 4. Vierzäigte Thiere.
/ 1. Panzerthiere. ≤

/a. Der gePanzerte Ameisen-Bär auf Formosa

/ und

/|P_165

/und Siam, hat schuppigte Pantzer, worin er sich
wieder alle Anfälle zusammenziehen kan; lebt
Übrigens wie die vorige.

/b. Das Formolische Teüfelchen. Orientalischer,
schuppichter Armodillo hat einerley Lebens-Art mit
den Ameisen-Freßern, aber einen schönen schup-
pigten Cuirasz, worinn er wider alle Raubthiere
sicher ist. Einige sind 6 Fuß lang, %und keine Ku-
gel durchdringt ihren Pantzer; dazu gehöret auch
das Americkanische schild-ferckelchen.

/c. Der Schönste Americkanische Armodillo lebt
in dem äußesten von Ostindien. Seine Schilder
sind gläntzend; lebt im waßer, %und auf dem Lande.

/ ≥ 2. Ferckel-Caninchen. ≤

/Dahin das Meer-schweinchen, daß aus Amerika
nach Europa gebracht worden; die Brasilianische
Buschratte; das Suramanische Caninchen, und der
Iavanische Ha«a»lb-Haase gezehlet werden, sie haben alle
eine Gruntzende stimme.

/ ≥ 5. Fünffzäigt

/Der Mensch sollte unter diesen billig die Erste
Classe einehmen, aber seine Vernunfft erhebt ihn über
die Thier_Gattungen zu weit.

/ ≥ a. Das Haasen-Geschlecht. ≤

/Hat kein scharff Gesicht aber beßer Gehör ist Verliebt

/ und

/|P_166

/furchtsam. Begattet sich fast alle 4 oder 5 Wochen,
säugt die Iunge nicht über 3 oder 6 Tage, drückt
sich bey der Hetze, verhackt sich ehe er sich lagert, %und
sucht wenn er daraus vertrieben wird, es wieder
auf; die Wald-Haaßen sind stärcker als die Feld-
Haasen. In Norden %und auf den Alpen sind weise
Haaßen. Schartze Haasen sind selten, bisweilen
hat man auch gehörnte Haasen mit einem Schauff-
lichten Geweih angetroffen. Das Caninchen ist ein
Zwerg-Haase, sind häufig in Spanien. Die Füchse,
Wiesel %und Iltiße thun unter ihnen starcke Ver-
heerungen.

/ ≥ b. Die Nag-Thiere. ≤

/Das Eich-Hörnchen sammlet sich Nüße %und Obst,
wird in Nordischen Ländern im Winter Grau;
daher das Grau-Werck, das gestreiffte Amerika-
nische Eich-Hörnchen hat 7 weiße Bandstreiffen
längst seinem Leibe.

/Das Voltigirende oder Fliegende Eich-hörnchen ist klei-
ner als das gemeine Eich-«Hörnchen»Horn. Seine Haut an den
Seiten verlangert sich in ein Fell, welches an den
Füssen befestiget ist. und womit er fliegt, findet
sich in Rußland, %imgleichen mit einiger Veränderung in Virginien.

/ ≥ c Das Ratten-Geschlecht. ≤

/Das Murmel-Thier ist größer als ein Caninchen,
schlaffen oder freßen den gantzen Tag über

/ Die

/|P_167

/Die Schlaff-Ratte (Lorex) hat die größe von einem
kleinen Eich-Horn. Der Hamster machet sich Hölen
unter den Baum_Wurtzlen, wo sie viel Feld-früch-
te samlet. Die wohlriechende Waßer-Ratte so groß
wie ein Maul-Wurf mit wohlriechenden Fell %und Nieren.

/ ≥ d Das Mäusgeschlecht. ≤

/Dahin gehöret die<1> Haus-Ratte<3> gemeine<2>. Es sind
weniger Weibchen darinn als Männchen. Vom Ratten-
König, wie ihre Verwüstungen Vorzubeügen

/Die Waßer-Ratte, die Feld %und Hauß-Ratte oder
Maus, p.p. sind bekandt Die Surinamische Aeneas
mit langen ringlichten Schwantze; daran die Iun-
gen, die auf dem Rücken der Mutter steigen
sich mit ihren schwäntzen anschlingen und in
sicherheit gebracht werden können.

/Die Americkanische Beütel-Ratte oder Philander
ist 31 %Zoll lang. Das Weibchen trägt seine Iungen im
Beütel, welchen es unterm Bauche hat; Wie die
Weibchen sich auf den Rücken legen, und mit
allerley Futter beladen laßen, %und dan ins Nest
fortgeschleppet %werden.

/ ≥ Das Maul-wurfs_Geschlecht. ≤

/Der Maul-wurf gehet in der Erde, nur auf Re-
gen-Würmer loß, ist nicht blind.

/ ≥ Das Geschlecht der 4_Füßigen (Thiere) Vögel

/Die Fleder-Maus, die fliegende Katze, die fliegende
Ratte. Alle diese Thiere haben Hacken an den Füßen;

/ Der

/|P_168

/Der fliegende Hund in Ost-Indien. In Neu_Spanien
ist der gröste fliegende Hund.

/ ≥ Das Wiesel-Geschlecht. ≤

/Die Speicher_Wiesel hat einen häßlichen Geruch.
Der Hermelin ist eine weißs Wiesel. Die Iltis
hat ein Beütelchen am Hintern mit einen stinckenden
Safft, so wie die Übrige Wiesel. Der Marder riecht
gut, und warum; ist ein Baum- oder Stein-Marder.
Der Zobel ein Syberisches %und lappLändisches Thier.
Der Ichnedamon, die Pharaonis_Mauß ist so groß, als
eine Katze, gestaltet aber wie Spitz-Maus. zerstört
die Crocodil-Eyer, %und fängt Mäuse, Ratten und
Kröten.

/ ≥ 6. Stachel-Thiere. ≤

/1 Der gemeine Schweinigel mit ohren 1_1/2 Schuch lan-
gen Stacheln, sie durchwühlen die Erde an weichen
%und niedrigen Stellen. 2 Das Stachel-schwein. Eine
Gattung mit einem Busch am Kopff; denn 3tens
eine andere mit hängenden Schweins-Ohren, hat Sta-
cheln wie abgestreiffte Federkiele, welche es, indem
es sein elastisches Fell, erschüttert gegen seinen
Feind abschießen kann, und zwar so daß es 3 Schritte
davon tief ins Fleisch dringet.

/Von ihm komt der berühmte Pietra del Porco, oder
Stachel-schwein_Bezoar. Der in der Gallen-Blase die-
ses Thieres «befindliche Stein» erzeügte Stein, ist un-
gefähr ein Zoll im Diameter, röthlich und voller
Adern, wird in Gold gefast, um hernach ins Waßer,
dem es eine blutreinigende Krafft giebt, gehängt

/ zu

/|P_169

/zu werden. Ein solcher Bezoar ist zuweilen mit
2.000 %Reichsthalern bezahlt worden. Der Bezoar ist 10_Mahl so
viel Gold Werth, als er wiegt; er ist dunckel-«¿¿¿»-
Braun, und sinckt nicht wie jener unter Waßer.
Der Affen-Bezoar ist hell-grün, %und auch kostbar;
%imgleichen in dem Magen der Tauben, auf den Nico-
barischen Inseln, in dem Magen der Ochsen, Pfer-
de, Gemse vornehmlich der Bezoar_Ziege erzeügen
sich ebenfals solche Ballen, welche Blätter_weise
übereinander, wie eine Zwiebel zusammengesetzt
sind, und in deren Mittel-Puncte sich etwas
von unverdaueten Kräutern und Haaren findet.

/ ≥ 7. Das Hunde-Geschlecht. ≤

/Gleichwie der Mensch die Obst %und Pflantzen-
Arten durch seine Wartung und Verpflegung
sehr verändern kan: so hat er es auch mit einigen
Hauß-Thieren, vornehmlich mit den Hunden also
gemachet. Daher Arten auch die zahmen Hunde aus,
wenn sie Wild herumlauffen. Der Schäffer_Hund
der ziemlich seine Natürliche Freyheit hat, schei-
net der Stamm-Hund zu seyn. Von dem kommen
der Bauer_Hund, Wind-Hund, der Ißländer, der Däni-
sche, der große Tartarische mit dem man fähret.
Der Iagd- Spur- Dachs- Wachtel Hüner-Hund, Pudel
%imgleichen Doggen p. blendlinge, die von vermischung
zwoer Racen entstehen, aber auch aufhören; dahin
das Bologneser Hündchen, welches von kleinen Pudel

/ und

/|P_170

/und Spanischen Wachtel-Hunde herrühret. Der Mops
ist eigentlich von Bollen-Beißer entstanden. Die A-
fricanische, %vornehmlich in Guinea können nicht bellen.
In der Gegend des Capo bon Sp: giebt es Wilde Hunde
die es selbst mit dem Löwen anbinden, wenn sie in
Gesellschafft Iagen, den Menschen aber nichts thun,
sondern ihm von ihrer Beüte wohl etwas laßen.
Die Schwartzen glauben, daß unsere Hunde reden
können, wenn sie bellen, Die Hunde werden biß-
weilen toll, Ihr biß, ja selbst ihr Speichel und
Geruch des Athems, wenn sie den höchsten Grad
der Tollheit erreicht haben, ist ein so schnelles Gifft
daß es dem Menschen Waßer-scheü rasend machen ja
tödten kan.

/ ≥ 8. Das Wolffs-Geschlecht. ≤

/In Engelland sind sie ausgerrottet, in Norde weiß.
Dazu gehört der Iackhals; dieser soll gleichsam der
Spür-Hund des Löwen seyn, den wenn man ihn brül-
len hört, so ist der Löwe auch %nicht weit. Er hat die grö-
ße eines Bollenbeißers, und ist so grausam als
der Tieger. Der scytische Wolf ist Schwartz und
länger auch Grausamer als der unsrige.

/ ≥ 9. Das Fuchs-Geschlecht. ≤

/Brandt-Füchse, die am Schwantz, ohren und füßen
schwartz sind, sonst grauhäärig auf dem Bauche,
und Röthlich ausehen, dem Kreütz-Fuchse laufft
vom Munde an längst der Stirn, den Rücken und

/ Schwantze

/|P_171

/Schwantze, ein schwartzer Streiff der von einem an-
dern über die Schultern und Vorderläufe durch@schnit@-
ten wird. Der Blaue Fuchs, deßen Haar aschen_farbig
oder Graublau sind; der schwartze Fuchs deßen
Fell sehr hoch geschätzt wird; der braune Fuchs @wird@
ebenfals sehr hoch geschätzt, Der Weiß-Fuchs hat kei-
ne dauerhaffte Haare Der Amerikanische Silber-
fuchs, alle Füchse stincken. Sie haben aber wo der
Schwantz anfängt, eine Stelle steifer Haare, worun-
ter ein Drüschen, welches ein Geruch von Blauen
Violen giebt.

/ ≥ 10. Halb-Füchse. ≤

/Darunter die Spanische Imett-Katze mit wohl-
riechendem Fell. Die Ziebett-Katze hat unter dem
Hintern eine Tasche 3 Zoll lang und eben so viel
breitt, darin ein schmieriger wohlriechender Safft
enthalten ist. man nimt ihr, indem man sie in
ein Käfig setzet alle Tage mit einem Löffel die-
sen Safft heraus. Wenn das Thier davon einen Ue-
berfluß hat. so leidet es schmertzen. Man fänget
sie in Africa %und Asien in Fällen, wie die Ilti-
ße. Die Dachse schlaffen ohne Nahrung in ihren Win-
ter-Höhlen.

/ ≥ 11. Das Katzengeschlecht. ≤

/Die Türcken halten sehr viel von der Hauß-Katze.
Ihr Stein im Auge läßt sich mehr als bey einem
Thier zusammenziehen, %und ausdehnen. Die Tieger-Katze

/ fliegt allen

/|P_172

/fliegt allen Thieren Wütend ins Gesicht, %und kratzet
Ihnen die Augen aus. Es ist fast das grausamste
Thier unter allen.

/ ≥ 12. Das Luchs-geschlecht. ≤

/Der Rücken des Luchsen ist roth %und schwartz
gefärbt. Er springt von den Bäumen auf die Thiere.
Die Wunden von seinen Klauen heilen schwer.

/ ≥ 13. Parder

/Das Panter-Thier ist größer als eine Englische
Dogge, brüllt wie ein Löwe, hat schwartze wie
ein Huf-Eisen gestaltete flecken, %und sein Fleisch
ist angenehm. sein Kopf ist wie ein Katzen-Kopf gestal-
tet. Die Katzen-Parder sind nicht viel <an> größe«r» von
den Katzen Unterschieden.

/ ≥ 14. Das Tieger-Geschlecht. ≤

/Es hat gelbe Flecken, rund um mit schwartzen Haa-
ren besetzt auf lichtgelben Grunde, springt schnel-
ler als Irrgend ein Raub-Thiere %und Klettert, ist so groß
wie ein Iährig Kalb, %und grausammer als die vorigen. Der
gröste Tieger hat schwartze Flecken.

/ ≥ 15. Das Löwen-Geschlecht. ≤

/Der Löwe hat eine Mähne, die Löwin nicht, er hat
eine geruntzelte Stirn. Menschen ähnliches Gesicht
%und tiefliegende Augen, wie auch eine stachlichte %und
wie mit Katzen Klauen besetzte Zunge, womit er den
Thieren das Fleisch ablecken kan, Er kann seine sehr
schwartze Klauen zurücklegen, daß sie sich nicht
im gehen an der Erde abschleiffen. Seine Höhe vom
Rücken bis an die Erde ist 4_1/3 Fuß. Der Löwe

/ braucht.

/|P_173

/braucht keine List, auch keine sonderliche Geschwin-
digkeit die Thiere zu überfallen. Alles thut bey ihm
die Stärcke, sein Gang ist Langsam, wenn er nicht
mit dem Schwantz schlägt, %und seine Mähne schüttelt,
so ist er aufgeräumt, %und man kan ihn sicher vor-
beygehen, sonst ist das eintzige Mittel in der Noth
sich auf die Erde zu legen. Es ist merkwürdig ¿¿
daß er den Weibs-bildern nichts zu leide thut.
Exemple von einer Weibs-Persohn unter dem
Könige Carl_II die im Tour zu London den Löwen-
Garten reinigte. Ein anderes von der Hertzogin von
Orleans
, einer gebohrenen Pfaltz-Gräfin. Die Ne-
ger-Weiber jagen offt die Löwen mit Knitteln weg
sie sind den schwartzen gefährlicher als den Wei-
sen, wenn er blut leckt, so zerreißt er den im
Augenblick. Er Tödtet einem Ochsen mit einem
schlage. Ist nicht in America zu finden. Er kan
die Kälte nicht vertragen %und zittert in unsern Ge-
genden beständig. Seine dicke Knochen haben nur
eine Enge Höhle zum Marck %und Colbe versichert,
daß, wenn das Marck an der Sonne eingetrocknet
ist, sie so hart seyn, daß man Feür damit an-
schlagen kan. Er fürchtet sich nicht vorm Hanen-
Geschrey, wohl aber vor schlangen %und Feüer.

/ ≥ 16. Das Bären-Geschlecht. ≤

/Er tödtet seinen Feind durch schläge %und gefähr-
liche Umarmungen. Er ist ein großer Honig-Dieb,
klättert auf die Bäume, %und wirfft sich wie ein

/|P_174

/Klumpe herab. 2 Monathe im Winter frißt er
nichts. In Pohlen lernt man ihn Tantzen, Der Weise
Bär in spitz-Bergen hat einen Hunds-Kopff. Einige
sind 6 %Fuß hoch %und 14 %Fuß lang, schwimmen stark %und treiben
auf Eisschollen so gar bis Norwegen.

/ ≥ 17. Der Viel-Fraß, hiema, der Alten. ≤

/Sind schwärtzlich oder Völlig Schwartz. An größe
den Hunden gleich, ist unersättlich, wegen seiner
geraden Gedärm; daher er sich des Unflats, wie
der Wolff und Löwe bald entlediget.

/ ≥ 18. Affen-Geschlecht. ≤

/Sie werden eingetheilt in ungeschwäntzte, kurtz-
geschwäntzte oder Pavians, %und langgeschwäntzte oder
Meer-Katzen.

/ ≥ a. Ungeschwänzte Affen. ≤

/Der Orang-outang, der Waldt-Mensch, davon die grö-
sten in Africa Pongos genennet werden, sind in Con-
go %imgleichen in Iava, Borneo %und Sumatra anzutreffen.
Gehen immer aufrecht sind 6 %Fuß hoch, wen sie unter
Menschen gebracht werden, so sauffen sie gerne
starcke Geträncke, machen ihr bett ordentlich, %und
decken sich zu. Die %Weiblichen geschlechts haben ihr
fluxum Menstruum, sind sehr Melankolisch, Mei-
nung der Iavaner von ihrem Ursprunge. Es giebt
noch eine Kleinere Gattung welche die Engellän-
der Chimponeze nennen, die nicht größer ist, als
ein Kind von 3 Iahren, aber Menschen sehr ähnlich.

/ sie

/|P_175

/sie gehen zu gantzen Heerden aus, %und erschlagen
die Negers in den Wäldern. Zu den ungeschwän@z@-
«tzen»ten Affen, gehöret noch der Affe von Ceilon
%und der Mamonet mit einem Schwein ähnlichen
Schwantze.

/ ≥ b. Langgeschwänzte Affen oder Meer-Katzen. ≤

/Einige sind Bärtig. Die Bärtige Meer-Katze
oder Diano hat ein weißes Toupée %und ahmt den
Menschen sehr nach. Als da sind die Schwartze
glatte MeerKatze, welche mit ihrem Schwantz sich
allenthalben anhängt. Man giebt vor daß sie
Ordentlich eine Meer-Katzen-Musick unter
sich machen sollen. Andere sind auch bärtig, als
der Leder-Gelbe Muscus-Affe, ist klein von gutem
Geruch und Fromm.

/ ≥ c. Pavians

/Haben einen Hunds-Kopf, %und können sehr geschwinde
auf 2 Füssen gehen. Sie bestehlen das Feld
und die Gärten, Die Americaner glauben alle, daß
dieße Affen reden können, wenn sie wollten,
aber sie thätens nur nicht, um nicht zur Arbeit
gezwungen zu werden. Fangen Muschlen, mit dem
Schwantze, oder legen einen Stein in die geöfnete
Muschel. Man kan hiezu noch zählen, die Schooß-@äf@-
chen oder Sangwins, deren die größere Art die
Farbe %und Größe der Eich-Hörnchen hat, die Kleinere

/ aber

/|P_176

/aber die größe einer geballeten Damen-fuß hat.
Sie sind sehr Artig aber auch sehr eigensinnig
%und sehr zärtlich, so daß wenn von dorten, welche
nach Europa überbracht werden, die mehresten un-
terwegens Crepiren, wenn sie gleich einzeln noch
so sauber in Baumwolle eingewickelt sind.

/ ≥ Sechste Claße.
/ Thiere mit Floß-Feder-Füssen
/I. Das Fisch-Otter_Geschlecht.
/Der Fluß-Otter. ≤

/Gräbt sich Höhlen von den Ufern der flüße
bis in den nahen Wald, lebt von Fischen, im Win-
ter aber im aufgeeißten Teichen.

/ ≥ Die See-Otter, deren Hinter-Füße FloßfederArtig sind. ≤

/Sie haben die schönste Schwärtze unter allen Fellen.
Selbst in Kamtschatcka gielt ein schöner Balg 37 %Reichsthaler.
Man fängt sie auf dem Treib-Eise in der Meer-
enge von Kamtschatka. sie Putzen sich selber gern,
lieben ihre Iungen ungemein, %und werden mit Prügel«¿»n
todt geschlagen.

/ ≥ 2. Das Biber-Geschlecht. ≤

/Der Biber mit Eyförmigen Schuppigen Schwantze,
sind in Canada gegen die Hudsons-Bay sehr häufig,
Wie sie einen Bach verdammen, %und über die Wiese
einen Teich machen. Sie hauen Bäume mit ihren
Zähnen ab, %und schleppen Stücke Holtz von 3 bis 10 %Fuß
lang, welche sie über Waßer in ihre Wohnung

/ bringen

/|P_177

/bringen, %und deren Rinde sie im Winter Eßen.
bey verfertigung des Dammes, dienet ihnen erst ihr
Schwantz zur Mulle ober Schub-Karren, worauf
sie Leim auflegen, %und an Stelle %und Ort «zu» füh-
ren, %und dann zur Maur-Kelle wormit sie den
Leim auf den Bäumen comprimiren %und an-
schlagen. Man speiset ihn auch; das Bibergeil, Ca-
storeus ist nicht die Testiculi des Bibers sondern
besondere Muscus-Säcke, die im Leibe liegen.

/ ≥ 3. See-Thiere mit Unförmlichen Füssen.
/ 1. Meer-Kälber.

/Heißen auch Seehunde oder Rotten, haben einen
Rachen vom Hunde; die Hinterfüße sind hinter
sich gestreckt, %und können nicht von einander ge-
bracht werden; Auf den Antillischen Inseln
sind einige bis 20 %Fuß lang, die Kleinsten sind, die
in dem Eis-Meer, welche auf den Eisschollen
zu 1.000 getödtet werden. Es giebt auch Silber-
farbene Meer-Kälber im süssen Waßer.

/ ≥ 2. Wallros. ≤

/Hat 2 blas-Löcher an der Stirn, heißt auch Mee-
rochs, hat lange hervorragende Zähne, die verarbei-
tet werden. Manche sind über 2 %Fuß Fuß lang %und
8 %Zoll dick. Mit dieser helfen sie sich auf @den@
Eis-schollen als mit Hacken.

/ ≥ 3. Der See-Bär. ≤

/Ist grösser als ein Land-Bär, hat Vorder-Füße,

/ wie

/|P_178

/wie abgehauene Arm_stumpffe, worin doch die
Zeen verborgen liegen, wird nicht weit vom Kamt-
schatcka gefangen. Sie streiten gegen einan«der»
Anfall in Rotten, %und beißen ihre eigene Camera-
den, wen sie weichen. Den Sommer über freßen
sie nichts.

/ ≥ 4. Der See-Löwe. ≤

/In America %und bey Kamtschatka. Die Gestalt komt
mit einem See-Bären überein, nur er ist viel grö-
ßer. Man greifft ihm nur im schlaffe an, denn er
ist sehr grimmig, hat wenig liebe vor seine Iunge.
Die See-Bären fürchten sich selten vor ihn.

/ ≥ Von den 4_Füßigen Thieren. die Eyer legen sind
/Amphibien. ≤

/Der Crocodill hält sich vornehmlich in Flüssen,
%und auf dem Lande auf; ist schuppicht, bepantzert,
20 %und mehr Fuß lang. Im Gambra_Fluß biß 30
Fuß lang. Es ist falsch das er beyde Kinbacken
bewegen soll, er bewegt nur wie andere Thiere
den Innern, hat keine Zunge, legt Eyer wie «Ge»
Gänse_Eyer in den Sand.

/ ≥ Der Alligator. ≤

/Wird gemeinichlich mit dem Crocodil ver-
wechslet, %und ist ihm auch sehr ähnlich; außer
daß er den Schwantz anders Trägt, %und eine Mus-
cus-blase hat, weswegen er auch einen Bisam-
Geruch giebt. Ist in Africa %und America anzutreffen,

/ er

/|P_179

/er ist nicht so Wild %und Raüberisch als der Cro-
codill, werden in America Caymans genannt,
wie ihre Eyer von Vögeln zerstört, %und wie sie
gefangen werden.

/ ≥ Die Schild-Kröte

/Die größeste Gattung von ihnen wird in verschie-
denen Gegenden von Ostindien gefunden. An den
Eyern allein¿ können sich wohl 30 Mann satt Eßen. Die
Schild-Kröte geht aufs Land, %und legt wohl 250 Ey-
er, deren jedes so groß ist, als ein Ball. Sie haben
ein 3_faches Hertz. Ihr fleisch ist köstlich. Man ge-
wint von ihnen bisweilen mehr als 2 Centner Fleisch
zum Einsaltzen.

/ ≥ Die See-Thiere

/Der Wall-fisch %und andere ihm Verwandte Fische. ≤

/Er wird eingetheil in dem Wallfisch, Einfisch,
schwerd-fisch, Säage oder Zähn-Fisch, Nord-Caper,
Pottfisch oder Cachelot %und in das Narval. Der Grön-
ländische Wallfisch hat einen Kopff der 1/3 von
der Leibes_Länge ausmacht, ist viel dicker wie
der Finnfisch, welcher eine Finne oder Floße
auf dem Rücken hat; auch viel größer als der
Nord-Kaper, welcher nur ein Blaßloch hat, hält sich
in den %Nordlichen Gegenden bey spitzbergen, Nowa
Zembla auf; dagegen der Nordcaper in der Höhe
des Nordcaps, %und der Finnfisch noch weiter hin nach
Süden umherschweifen, nährt sich von einem

/ Waßer-In

/|P_180

/Waßer_Insect, welches die größe von einer Spin-
ne hat, %und gantz Tranigt ist. Der Finfisch aber %und
der Nord-Caper schlucken gantze Tonne Heeringe in
sich. Diese Thiere haben anstatt der Zähne barden,
welche aus Fischbein bestehet, davon das längste
davon bis 2 Klafftern lang ist. Der Pottfisch hat am
unterm Kinnbacken Zähne. sein Kopf nimt die
Hälffte des Leibes, hat einen engen Schlund Wa-
ßergleichen Schwantz, blas-Löcher woraus er Waßer
bläßt, heiß blut, könen ohne Lufft zu schopffen
nicht lange unterm Waßer dauren, gebähren
lebendige Iungen %und saugen sie Der Gronländische
Wallfisch wird mit Harpaumen geschoßen, %und mit
Lantzen völlig getödtet, ist jetzo viel scheüer als
vormahls, flüchtet ins Trieb-eis daher jetzo der
Wallfisch-fang im Triebeise; hat eine Art Läuse
als Krebse. In dem Magen einer Art Nord-Caper
Grampus genandt wird, das Ambra gries oder der
graue Ambre gefunden. Andere berichten dieses
von der Blase des Pottfisches, Einige halten den
Pothfisch für denjenigen, der dem Ionam verschlun-
gen, Das Gehirn des Pottfisches ist das sogenandte
Sperma ceti, der Schwerdt-fisch tödtet den Wall-
fisch um der Zunge willen. Der herausragende Zahn
des Sägefisches ist außgezackt wie eine Säge. Der
Narval hat einen geraden Zahn, aus dem Obersten
Kinnbacken stehen, der viele Fuß lang ist %und härter

/|P_181

/wie Elfenbein. Diese letztere gebähren aus Eyern.

/ ≥ Das Manati oder die See-Kuh. ≤

/Ist in den Americanischen %und Karrallischen In-
seln bey Kamschatka anzutreffen wiegt bis 30 Centner
hat eine unbehaarte gespaltene Haut wie eine alte Eiche,
taucht sich niehmals unter das Waßer, der Rücken
ist immer drüber erhoben, ob es gleich den Kopf bey
seinen unabläßigen Freßen, fast immer @unterm@
Waßer hat, ist allenthalben sehr zahm, wo man ihr
nicht nachstellet, hat 2 Arme, die den Menschlichen
ähnlich, %und einen Schwantz, der den Fisch-Schwantz
ähnlich sieht, hat vortrefflich Fleisch welches keine
Maden bekömmt, %und sein außgeschmoltzen Fett ü-
bertrifft die Bütter, gebährt lebendig %und saugt.

/ ≥ Der Hay oder See-Wolf Carckarias
/Spanisch Tuberone genannt

/Die gröste Art derselben heißen Lamiae sind
50-60 %Fuß lang, haben 3 Reihen Zähne neben einander.
sind viel Gefräßiger als irrgend ein Land-Thier.
Gantze Menschen in Seegel eingewickelt samt
dem Ballast werden von ihm verschlungen. Alles
was aus einem schiffe fält, Beil, Hammer, Müt@zen,@
finden Platz in seinem Magen, Sein Maul ist
wohl ein Zoll lang unter der Schnautze, daher er
sich auf die Seite legen muß, wen er etwas raubt
an den Küsten von Guinea hat ein Mensch der in

/ die

/|P_182

/die See fält, nicht so viel Gefahr vorm versauffen.
als vorm Hay. Er reißt dem Wallfische Große
Stücke Speck aus dem Leibe, wird mit Haacken an
einer Eisernen Kette gefangen, %und getödtet, ehe er ins
Schiff gebracht wird, sonst schlägt er sonst schlägt
er mit dem Schwantz, Arm %und Bein entzwey. Einige
Fische halten verkehr in seinen Magen. Der Pilote naekt
ihn, wie die Schwalben. die Eulen. Man hält sie
vor dem Kemora oder Sauger.

/ ≥ Der Hammer-Fisch. ≤

/Ist dem Hay an größe, Stärcke %und Gierigkeit ähnlich;
hat aber einen Kopff, der zu beyden Seyten wie ein Hammer
außgeht.

/ ≥ Der Manta, oder Mantel-Fisch. ≤

/Ist eine Art großer Rochen, die vornehmlich den
Perlenfischen an den Americanischen Küsten sehr
gefährlich sind, indem sie solche in ihre Weit ausge-
breitete Haut, als in einem Mantel einwicklen, er-
drucken %und Freßen.

/Der Braun-fisch, der Dorado, der Delphin, der Stähr
der Weltz und andre mehr sind Raub-Fische.

/Der Delphin ist ein sehr gerader %und schneller Fisch.
Der Dorado aber ist ein Gold-gelber Delphin, %und der schnel-
leste unter allen. Der Belluga ist ein Gattung von
Stöhr, auß deßen Rögen der Caviar zubereitet wird.
Sie haben auch als große Fische deßen sehr viel, bis-
weilen einer bis auf einen gantzen Centner.

/ ≥ Der Seeteüfel. ≤

/Ist in einer harten undurchdringlichen Haut einge- 

/|P_183

/schloßen, ist eine Art Rochen 20 bis 25 Fuß lang,
15-18 %Fuß breit %und 3 %Fuß dick, hat gleichsam Stumpfe von
Beinen %und daran Haacken-Hörner am Kopf, %und einen
schwantz wie eine Peitsche mit Haacken.

/ ≥ Der Meer-Mensch, Serine, Meer_Iungfer. ≤

/Wird in allen 4 Theilen angetroffen. Die zu fa-
beln geneigte Einbildungs-Krafft, hat ihn zu @einem@
See-Menschen Gemacht. Indeßen hat dieses Thier
nur seine wenige Anlichkeit mit demselben. Sein
Kopf aus dem man einen Menschen oder Fisch-Kopf
machen kan, mit großen ohren, stumpffer Nase, %und
weitem Mund, ist an einem Körper der auf dem
Rücken mit einem breiten dicken Fell, wie die
Platt-Fische bezogen ist, welches an der Seite solche
Hacken, wie die Fleder-Mäuse hat. Seine Vorderfü-
ße oder fleischerne Floß-federn sind etwas men-
schen ähnlich. Es hat 2 Zitzen an der Brust, %und ei-
nen Fleisch-Schwantz. Man nennt ihn auch wegen
seines Fettes die Waßer-Sau.

/ ≥ Einige andere merckwürdige Fische
/Der Zitter-Fisch. ≤

/Wird auch Krampf-Fisch Torpedo genandt, ist in
dem Indischen Meere anzutreffen, beynahe rund @aus@-
ser dem Schwantze, %und wie aufgeblasen. Er hat @aus@-
ser den Augen noch 2 Löcher, die er mit einer Haut,
wie Augenlieder verschließen kan. Wen man ihn
entweder unmittelbar, oder vermitelst eines langen

/ Stockes

/|P_184

/Stockes, ja vermittelst der Angel-schnur %und Ruthe
berühret, so macht er den Arm gantz fühloß. Er
thut dieses aber nicht wenn er todt ist. Kampfer
sagt, daß wenn man den Athem an sich hält, er
nicht so viel vermöge. Er kan gegeßen werden.
In Aethiopien vertreibt man mit ihm das Fieber.
Die Ursache dieser seiner Krafft ist unbekant.
Er fängt dadurch Fische.

/ ≥ Rotz-Fische. ≤

/Sind durchsichtig und wie lauter Schleim, sind
fast in allen Meeren. Eine Gattung davon heißet
Meer_Neßel, weil sie, weil sie berührt werden, eine
brennende Empfindung machen.

/ ≥ Black-fisch. ≤

/Sieht seltsam aus mit 2 Armen, hat eine Tinten-
blase, womit er seinen Verfolgern daß Waßer trübe
macht.

/ ≥ Blaser. ≤

/Wird am Capo bon Sp: gefunden, bläst sich Rund auf
wie eine Kugel %und ist zu Eßen ungemein giftig.

/ ≥ Fliegende Fische. ≤

/Sind nur zwischen den Tropicis, fliegen mit einer
Art floßfedern, aber nur so lang als diese Naß
sind haben die Gestalt %und Größe der Heeringe, fallen
offt aufs schiff nieder, werden von Raub-Fischen
%und Raub-Vögeln unablässig verfolgt.

/ ≥ Der Chinesische Gold-fisch. ≤

/Ist wegen seiner vortreflichen Gold- %und andern
Farben bey den Chinsern sehr beliebt, der schönste

/ Fisch

/|P_185

/Fisch in der Natur, Fingerlang vom Kopff bis auf
dem halbem Leibe roth. Die übrigen Theile samt den
Schwantz, der sich in einem Büschel endiget. Lebhaft
verguldet. Das Weibchen ist weiß, der Schwantz silbern.

/ ≥ Der Kracke, das gröste Thier in der Welt. ≤

/Ein See-Thier, dessen Dasein nur auf eine
dunckele Art bekandt ist. Pantoppidan thut von ihm
Meldung, daß die Schiffer in Norwegen, wenn sie
finden, daß das Loth, welches sie auswerfen an
derselben Stelle nach %und nach höher wird, Urtheilen
das der Krack im Grunde sey. Wen dieser herauf
komt, so nimt er wohl einen Umfang von einer
1/2/4 teütschen Meile weg, hat große Zacken, die wie
Bäume über ihm hervorragen. Sinckt bisweilen
Plötzlich, %und kein schiff muß ihm alsdenn zu na-
he kommen, weil der Strudel, den er macht es ver-
sencken würde. Es soll über ihn gut fischen seyn.
Ein Iunger Krack ist einmahl in einem Fluß ste-
cken geblieben %und Crepiret.

/Das Meer hat noch nicht alle seine Wunder ent-
deckt; wen der Krack sich übers Waßer erhebt, so
sollen %unsäglich viel Fische von ihm herab-Rollen
seine Bildung ist unbekandt.

/ ≥ Von Fischereyen. ≤

/In China fängt man Fische, durch ein dazu ab-
gerichtetes Kropfgans, welcher man einen Ring
um den Halß thut, daß die Fische nicht gantz können
verschlucket werden. Diese schlägt so viel Fische

/ auf

/|P_186

/auf, als sie kann. Wen eine einen etwas grossen
Fisch fängt, so giebt sie den anderm ein Zeichen, die
alsden denselben fortbringen helfen, eine solche
Ganß gilt viel, wenn sie nicht lust zum Eßen hat, so
wird sie mit Prügeln dazu gezwungen. Man hat
daselbst auch eine Methode mit einem Kahn, an deßen
Seite weiße überfirnißte Bretter geschlagen
sind, beym Mondschein Fische zu fangen, den alsden
gläntzen diese Bretter wie ein helles Wasser
und die Fische springen herüber, und falen in
den Kahn, wo sie des Morgens gefunden werden,
man fängt auch hier Fische indem man sie mit
in das Waßer gestreüten Kackels-körner
dum machet.

/Der Stockfisch-fang auf der großen Bank bey
Terre_neuwe. Der grüne oder weiße Backelgau
heißt Cabeljau wird eingetrockenet eingesalzen. Die
getrocknete heischen Stock-fische. Er ist ein Raub-
fisch, Schluckt Waßer, Seile %und andere Dinge, die
aus dem Schiffe fallen, geschwinde unter. Er
kan aber seinen Magen ausdehnen, %und das was
unverdaulich ist, außspeyen. Es fischen auf der
Großen Banck Iährlich bis 300 Schiffer, deren je-
der bis 25.000 Stock-fische fängt. Alles geschiecht
mit Angeln. Der Käder ist ein Stück vom Häaringe
%und hernach die unverdaute Speise in den Magen
des Stock-fisches. Es gehet mit diesen Angeln sehr
schnell fort. Es finden sich hieselbst umher

/ erstauend

/|P_187

/erstauend viel Vögel, als Leberfreßer, Pinguins.
sie versammlen sich um die schiffe, um die
Leber zu freßen die weggeworfen werden. Der
Pinguin hat stumpffe Flügel, mit denen er zwar
auf dem Waßer Platschen aber nicht fliegen kan.

/ ≥ Der Häärings-fang

/Der Häring komt im Früh-Iahr, aus den Nordlichen
Gegenden bey Nordcap an die Arkadischen Inseln.
Von da zieht er sich neben den Küsten von Schott-
land, %und ist im Sommer bey Yarmouth, ge«t»ht auch
wohl im Herbst bis in die Süder- %und Ostsee. Der
bloße Iährliche Vortheil der Holländer nach Abzug
aller Unkosten, ist zum wenigsten 6-7.000.000 %Reichsthaler.
Ein anderer holländischer Autor rechnet Überhaupt
25.000.000 %Reichsthaler Einnahmen, die Außgabe 8.000.000 %Reichsthaler
%und das Land Profitiret 17.000.000 %Reichsthaler denn man
muß auch den Vortheil nehmen, den das Land
davon zieht, daß sich so viele Menschen von der
Arbeit auf der Flotte mit erhalten. Die Engellän-
der, schiffen auch seit 1750, aber nicht so vortheil-
hafft, denn sie wißen nicht die Hand-Griffe.

/ ≥ Schaalichte Thiere.
/Die Purpurschnecke. ≤

/Der Tyrische Purpur, der das Blut einer Muschel
des mittelländischen Meeres ist, war erstaunlich
theüer, er soll entdeckt seyn an einem Hunde, der diese
Muschel fraß %und sein Maul schön färbte. In Neü_Spa-
nien findet sich eine solche Muschel, die aber nur

/ 2-3

/|P_188

/2-3 Tropffen, solches Safftes in sich hält. Der An-
fänglich Grün oder Hochroth färbt. Vor alters hatte
man auch Violetten Purpur.

/ ≥ Die Perlen-Muschel. ≤

/Die Perlen-Bank bey Bahan %und Apmus im
persischen Meerbusen giebt die schönsten. Die bey
Ceilon, %und am Capo Comorin die größeten. %imgleichen Neü-
Spanien giebt große, aber schlechte; sind unreife
Eyer, Die Perlen-Muschel können wen sie nicht recht
rund sind, nicht abgedrecht werden. Viele Länder
haben in ihren Flüßen PerlenMuscheln. Die Taucher
verfahren auf verschiedene Art, entweder mit
einer Ledernen Kappe mit Gläßernen Augen, da-
ran eine Röhre bis über das Waßer herauf geht,
oder mit der Glocke, oder Frey, bekommen anfänglich
Blutstürtzen. Des Königes von Muscato Perle soll
nicht sowohl wegen ihrer Größe als Schönheit die
vortrefflichste unter allen seyn. Der König von
Persien
kauffte Anno 1633 eine, von einer Million
400.000 Livres. Der Iährliche Nutzen vom Persischen
Perlenfange ist 500.000 Ducaten, aber jtzt läßet
man sie ruhen. In der Mediin sind sie nicht mehr
nütze als Krebs-Steine %und Eyer-Schaalen.

/ ≥ Austern. ≤

/Sitzen öffters an einer Felsenbank so fest, daß
sie scheinen mit derselben aus einem Stücke zu
seyn, einige werden von ausserordentlicher Größe.
In Copenhagen zeigt man eine Auster_Schaale, die

/ 2

/|P_189

/2 Loth wiegt, kneipen wen sie sich schließen, mit
ungemeiner Krafft, Pflanzen sich schnell fort.
Exempl: an den Küsten von Holland. Man siehet auch
Austern so zusammen an Bäumen wachsen; diese
hängen sich an einem Baum zur Zeit der Fluth,
wen der Baum unter Waßer gesetzt wird, an
die Aeste an, %und bleiben daran hängen.

/ ≥ Balanen, oder Palanen Meerdatteln. ≤

/Sind länglichte Muschlen, wie der Dattel-Kern,
werden im Adriatischen Meere bey Ancona ge-
funden, sind in einen festen Stein eingeschloßen,
%und dieser muß vorher mit Hammern entzwey Ge-
schlagen werden, dann findet man die Muschel
darin lebendig. Dieser Stein ist porös %und in die
Löcher deßelben ist die Iunge Brut gedrungen, hat
durch ihre Bewegung dem Stein so viel abge-
nutzt, daß sie sich aufzuthun, immer Platz hat
bisweilen verstopfen sich die Löcher, aber das
Waßer kan d«ur»och durch den Schwammigten Stein
zu ihnen dringen, Keyeßler hat am Adriatischen
Meere bey Portone lebendige Muschlen im harten
Marmor gefunden. Ihr Fleisch %und Safft gläntzen
so wie bey den meisten Austern, wen sie frisch auf-
gemacht werden im finstern.

/ ≥ Bernacles. ≤

/Sind eigentlich Stell-Muschlen mit einem Stiel,

/ der

/|P_190

/der die Zunge des Thieres ist. Diese hängen
sich mit solchen an die am Ufer stehenden Bäu-
me an, %und weil die Zunge gleichsam einen Halß
%und gewiße an einem Buschel auslaufende ge-
krümte Haare einen Schwantz von einer Iungen
Ganß vorstellen, so ist die Fabel entstanden,
daß aus dieser Muschel die Rottgänse, welche
sich um Schottland finden, ohne daß man weiß
wo sie hecken, entstünden. Man weiß aber Itzt,
daß die Gänse in den allernordlichsten Inseln
zE Baisan hecken.

/ ≥ Seide von Muschlen. ≤

/Einige Muschlen hängen sich mit ihrer Zun-
ge an die Felsen an, %und machen ein Gewebe, wo-
raus man aus aus einer groben Seyde zu Taran-
ta %und Rheggis Land-Schue, Camisoles p.p. webet.
Allein die Penna Marina bringt viel feinere
Seide zuwege, %und daraus wurde der Byssus der
Alten gemacht, man macht auch schöne Stoffe zu
Palermo daraus.

/ ≥ Der Nautilus. ≤

/Ist eine Schnecke, welche in ihrem inwendigen
mit dem Black-fisch einige Aehnlichkeit hat. wenn
sie zur lust schiffen will. so pumpt sie zuvor
das Waßer aus den Kamern ihres Gehäuses. als-
den steigt sie in die Höhe, gießt ihr Waßer aus,
%und richtet sich auffwerts in ihrem schiff, spannet

/|P_191

/ihre 2 Beine, zwischen denen eine zarte Haut ist,
wie ein Seegel aus, 2 Arme steckt sie ins Wa-
ßer, um damit zu Rudern, %und mit dem Schwan-
tze steüret sie, komt ihr etwas fürchterliches ins
Gesicht, so fült sie ihre Kammern mit Waßer «¿» %und
sinckt in die See unter.

/ ≥ Die Muschelmüzen

/Fast in allen Küsten von Africka, in Bengala
%und andern Theilen von Indien, werden einige Gattun-
gen von Muschlen als baar Geld genommen. vornehmlich
werden an den Maldivischen Inseln kleine Musch-
len, wie das kleinste Glied am Finger, gefischet,
welche man in Ost-Indien Coris %und in Africa, Bou-
gier nennt, welche die Engelländer von den Maldi-
ven abholen, %und die hernach zur Bezahlung kleiner
Sachen gebraucht werden.

/ ≥ Verzeichniß einiger Merckwürdiger Inseckten,
darunter %erstlich die %nützlichen Inseckten, wovon die be-
sten Gattungen der rothen Farbe kommen. ≤

/Der Gummilac aus Siam, Timcing, Pegu, Benga-
la %und andern Indischen Prowintzen. Es ist %eigentlich
eine Art von Wachs, welches von einer Gattung A-
meisen auf eine gewiße Art von Bäumen ge-
tragen«,» wird, %und darinn sie in Zellen, wie die
Bienen ihre Brut ablegen, deren Haute hochroth
sind, und die daselbst einen rothen Safft zurück-
laßen. Man reibet es in Mörsern, in sieden

/ den

/|P_192

/den Waßer, %und drückt es durch Leiwand, hernach läßt
man den Safft eintrocknen.

/ ≥ Cochenille. ≤

/Diese rothe Farbe welche die theüreste unter
allen ist, kommt von einer Baum-Warze, welche in Neü-
Spanien und einigen Inseln sich auf dem Baum No-
pal nistet, %und mit Bürsten abgefeget, hernach getrocknet
%und gepulvert wird. Die Frucht der Nopal ist eine Feige,
die hochroth ist %und sehr wohl schmeckt. Man nennet
dieses Pulver Carmin; es ist aber offt nicht recht
rein ¿ermes oder Purpurkörner. Er ist eine Art
Gallus oder Auswachs aus den Blättern eines Baums,
Insecten-stich entstanden. Kermes heißt im Arabischen
%eigentlich ein Würmchen, %und diese geben %eigentlich
die rothe Farbe, Kermes wird auch in der Medicin gebraucht.

/NB Wen man hiezu den Murex oder Purpur-Schnecke
thut, so siehet man, daß alle rothe Farbe, die zur
Färbung, der kostbar¿en Zeüge dienet, aus dem
Thieröniche herkommen.

/ ≥ Von der Caprification

/In den Griechischen Inseln bedienet man sich
gewisser Schlupf-Wespen um die Feigen zu stechen,
welche dadurch viel eher %und vollkommener reifen.
Die Ursache wird angezeiget

/ ≥ Eß-bare Heüschrecken. ≤

/In Africa werden bey verschiedenen Nationen
die große Heüschrecken gebraten %und gegeßen.

/ In

/|P_193

/In Tunquin saltzt man sie auf künfftigen Vor-
rath ein. Ludolph, der dieses auf seinen wei-
ten Reisen gesehen hatte, ließ die Großen Heü-
schrecken, welche Teütschland 1693 verheereten,
wie Krebse kochen, aß sie, %und machte sie mit E-
ßig %und Pfeffer ein, %und Tractirte zuletzt
gar dem Rath zu Franckfurt damit.

/ ≥ II. Schädliche Insecten.
/1. Die Tarantel-Spinne. ≤

/Ist im Apulischen am gifftigsten. wer von ihr
gestochen wird muß bald weinen, bald Lachen,
bald Tantzen, bald Traurig seyn. Ein solcher kann
nicht Schwartz noch Blau leiden. Man Curirt ihn
durch die Musick, vornehmlich, auf der Zitter, Haut-
bois, Trompete %und Violin, wodurch er vornehmlich
wen man den rechten Thon %und Melodie trifft zum
Tantzen, Schwitzen, %und endlich zur Gesundheit gebracht
wird. Man muß manchen das folgende Iahr
wieder Tantzen laßen. Die von Scorpion gesto-
chene Leüte lieben auch die Musick, aber vornemlich
die Sack-Pfeife %und Trommel.

/Sonsten giebt es auch ungemein große Spin-
nen, in Guinea, beinahe wie eine Mannsfaust.

/ ≥ 2. Die Nerven-Würmer. (Collubrillae)

/In Ost-Indien %und Africa bekomen die Menschen
bisweilen einen Wurm in die Waaden, der

/ sich

/|P_194

/sich endlich, unter die Haut so weit einfrist daß er
die Länge von einer Elle %und mehr bekomt. Er ist von der
Dicke eines Seiden-fadens, bis zur Dicke einer Cither-
Sayte, Der Wurm ligt unter der Haut, %und macht ein
Geschwulst. Man sucht sie behutsam hervorzuziehen,
den Kopf um ein Stockchen zu winden, welches man
nach %und nach langsam herauswindet. Wenn der Wurm
reißt. so folgt gemeiniglich der Todt.

/ ≥ 3. Die Niguen. ≤

/Diese Art Flöhe gräbt sich in West-Indien in die
Haut, %und verursachet, wenn man nicht das gantz Wartz-
chen, worinnen sie sitzet außgräbt, den kalten Brandt,
weil das Gifft sich mit dem Übrigen Blute vermischet.

/ ≥ Andere schädliche Inseckten. ≤

/In Congo ziehen große Ameisen in gantzen Schwär-
men, die einen Kuh, oder einen kranken Menschen wohl
gantz auffressen. Die Cormegra ein Art Molden, in
Carthagena in America sind so fleißig daß wenn
sie einmahl unter einem Laden mit Kramm-Waa-
ren kommen, sie ihn in einer Nacht völlig zu Grun-
de Richten. Die Loge ist eine kleine Wantze in
America, die, wenn man sie auf dem Fleische er-
drückt, ein Tödliches Gifft zurücke läßt. Man bläßt
sie weg, wenn man sie auf der Haut siehet. Die
Tausen-füße, rothe Raupen mit 40 Füßen haben
einen gifftigen Biß, %und sind eine große Qwaal
der Indianischen Länder. Die Mosquitas sind eine

/ besondere

/|P_195

/besondere %schädliche Art Mücken in Ostindien. %imgleichen
auf den niedrigen Gegenden der Land-wege
von Panama. In Lapp-Land ist die gröste Plage
von den Vieh-Bremsen.

/ ≥ Anhang von andern kriechenden Thieren
/Die Schlange. ≤

/In den heißen Ländern giebts %etliche von %erstaunlicher
Größe. In den Sumpfen nicht weit vom Ursprun-
ge des Anazonenstroms «d»sind solche, die ein Reh
gantz verschlingen, In Whidah einem Africani-
schen Königreiche am östlichen Ende der Küsten
von Guinea ist eine sehr große Schlange, welche
unschädlich ist, vielmehr die gifftigen Schlangen,
Ratten, %und Mäuse verfolget; wird daselbst als
die oberste Gottheit angebettet.

/ ≥ Klapper-Schlange. ≤

/Ist die Schädlichste unter allen. sie hat Gelen-
cke in ihrem Schwantze, welche bey trockener Zeit
im fortgehen klappern, Ist sehr langsam %und ohne Furcht.
Er wird von allen geglaubt, sie habe eine Zauber-
Krafft oder vielmehr einen beneblenden oder wohl
gar anlockenden Dampf, den sie außbläßt, %und
%dadurch Vögel, Eichhörnchen und andere Thiere nöthi-
get, ihr in den Rachen zu kommen. Zum wenigsten
ist sie viel zu langsam, solche Geschwinde Thie-
re, als sie täglich frißt, auf andere Art zu er-
haschen, Die Wilde freßen sie, imgleichen die Schweine.

/ Von

/|P_196

/ ≥ Von den Nattern. ≤

/Die Cobra di Capello, oder die Hut-schlange,
wegen einer Haut, welche den Kopf %und Hals umgiebt
so genandt. Soll den berühmten Schlangen-Stein
in ihren Kopf haben; Allein Valisnieri behauptet
es wäre nicht anders als ein gedörretes, %und auf gewiße
Art zugerichtetes Ochsen-Bein; es hängt starck an
der Zunge. Wie man den Schlangengifft, aus der
Winde zieht %und ihn wieder davon reiniget. Er hat
die Gestalt einer Bohne, ist in der Mitte weißlich
das übrige Himmel-blau. Einige geben vor, die Bra-
minen in Indien machen ihn aus würcklichen
schlangenstein, mit deren Leber Hertz %und Zähne
%und einer gewissen Erde vermengt. Zum wenigsten
pflegen gewisse Theile von %schädlichen Thieren zE.
das Fell der Hut-schlange selbst wieder ihren
Biß gut zu seyn.

/ ≥ Der Scorpion. ≤

/Ist in Italien nicht größer, als ein kleiner Fin-
ger, hat beynahe eine Krebsgestalt, %und verwundet
seinen Feind mit dem Schwantze worinn er einen
Hacken hat. Man bedienet sich des zerdrückten
Scorpions, um ihm auf den Stich zu legen, %und das
Gifft wieder außzuziehen. Die Indianer bedienen
sich im Nothfall wieder einen gifftigen Biß des
Brennens der gebißenen Stelle. In Indien sind sie viel
größer. Es ist andem, daß wen man einen Scorpion

/ unter

/|P_197

/unter ein Glaß thut, worunter man Tobacks_Rauch
bläset, er sich selbsten, mit seinem Schwantze tödtet.

/ ≥ Der Chameläon. ≤

/Ein Asiatisches %und Africanisches Thier, einer Ei-
dexe ziemlich ähnlich, aber gemeiniglich viel größer,
nähret sich von Insecten, seine Zunge ist 8 %Zoll %und
fast so lang als das gantze Thier, womit er, wie
der Ameisen-Bär, Fliegen %und Ameisen fängt.
Einige Physici berichten, daß er seine Farbe nach
den farbigten %Gegenständen ändere, aber mit eini-
gen Zwang, den er sich anthun müste. sie verän-
dern ihre Farbe nach ihren Affeckten. Wenn sie lustig
sind, so ist ihre Haut gefleckt. Allein in der all-
gemeinen Reisebeschreibung wird berichtet, daß
sie ihre Farbe beliebig %und vornehmlich wen sie
recht lustig sind, schnell aufeinander verän-
dern, aber nicht nach den Gegenständen. Die rothe
Farbe bekommen sie nicht. Ihre Haut ist fast durch-
sichtig. Dieses kann weil sie auch ihre Farbe
nicht verändern, die Ursache seyn, daß die Unterla-
ge durchschimmert.

/ ≥ Der Salamander. ≤

/Sein unverbrenlichkeit, kommt von dem dichten
Schleim her, den er sowohl außspeyt, als aus allen
schweißlöchern Treibt, %und womit er die Kohlen eine
ziemliche Zeit dämpfft, wenn er darauf geleget wird,
verbrennt doch endlich. In allen Theilen der Welt giebt man
vor daß die Eydexen Feinde der Schlangen sind %und die Menschen
davor warnen.

/|P_198

/ ≥ Das Reich der Vögel.
/Der Strauß, %und der Casuar. ≤

/Es sind vornemlich Arabische %und Africanische
Vögel, tragen den Kopff höher als ein Pferd. haben
Flügel, womit sie nicht fliegen könen, laufen Schnel-
ler als ein Pferdt, bebrüten ihre Eyer nur des Nachts,
haben schöne Federn im Schwantze, eine höckerichte
Erhebung auf den Rücken. Der Casuar ist sonst dem
vorigen ähnlich. hat auf dem Kopf, eine Art von knop-
lichter Haut, hat statt der Federn, Haare, %und an den
Füssen Huffen, schlingt Eisen %und selbst glühende Kohlen
herunter, aber verdaut das Erste nicht.

/ ≥ Der Condor. ≤

/Ist der Gröste unter allen Fliegenden Thieren. In
America aber selten anzutreffen, ist von dem Ende
des einen Flügels, bis zum andern gemeßen 16 %Fuß
breit, kann einen Ochschen das Gedärme aus dem
Leib reißen, hat aber Füße nur wie HünerKlauen,
trägt Wildpret in sein Nest, %und öffters Kinder, ver-
mehrt sich nicht sehr.

/ ≥ Der Colibrit, Sumivogel; oder Blumhacker. ≤

/Ein Americanischer Vogel, ist der kleinste unter
allen Vögeln, nicht völlig so groß, als ein Käfer,
hat die schönste Federn, die sonst alle mögliche
Farben spielen. Er saugt Safft aus den Blumen.
Es ist in West-Indien eine Art Spinne, die ein Ge-
spinste macht, welches viel dicker %und fester ist,

/ als

/|P_199

/als der Unsrige; darinnen fängt sich der Colibrit als
eine Mücke.

/ ≥ Paradieß-Vogel. ≤

/Ist nur wegen des vorurtheils zu merken,
welches man gehabt hat, als wenn er keine Füße
habe. sie werden ihm aber, um ihm desto beßer
zu erhalten, abgeschnitten.

/ ≥ Goldene Hüner. ≤

/Sind wegen ihrer goldfarbenen Federn, %und andern
schönen schattirungen, für die zierlichsten Vögel @in@
der Welt zu halten. %und werden von den Chinesern sehr
hochgeschätzt.

/ ≥ Pelican. ≤

/Hat einen so großen Leib wie «er» ein schaaf,
kleinen kopf, 1_1/2 langen Schnabel, %und am Kopf
einen Sack. darin ein Eimer voll Waßer ge«t»ht,
worinn er Meilen Weit Waßer herholt, %und seine
Iungen mit Fischen Füttert. Daß derselbe seine
Iungen mit seinem Blute füttern soll, ge-
hört mit der Fabel vom Phönix in eine Classe.

/ ≥ Einige Merckwürdigkeiten des Vogel-geschlechts. ≤

/Die in der heißen Zone sind schöner %und
bunt-färbiger, aber von schlechterem Gesang. Eini-
ge hängen ihre Nester an die dünnsten Zweige
der Bäume auf, die über dem Waßer hängen,
dadurch sie vor den Nachstellungen der Affen
frey seyn. Der Guckguck legt sein Ey in das

/ Nest

/|P_200

/Nest der Graß-Mücke, und bekümmert sich nicht um
seine Iungen, einige haben Flügel %und können nicht
fliegen. zE der Strauß, Casuar %und Pinguin. Man
braucht einige zum Fischen wie die Kropf-Ganß,
andere zum Iagen des 4_Füssigen Wildprets, als
vornehmlich, die Falcken aus Circaßien. Man lehrt
diese aus, in dem man ein Stück-fleisch auf ei-
nes ausgestopfften Wildes Kopff stecket, %und es
auf Rädern fortziehet, Hernach gewöhnt es sich,
dem laufenden Wild die Klauen in die Haut zu schla-
gen mit dem Schnabel zu reißen, %und in verwir-
rung zu bringen. Andere werden zum Vogelfang
abgerichtet, als die Isländische Falcken %und andere
mehr. Von der Abtragung der Falcken, von der
Reiherbeitze. Diese Falcken werden einem Schild-
wachstehenden Soldaten einige Tage %und Nächte
durch auf den Händen zu tragen gegeben, daß
sie nicht schlaffen könen, wodurch sie gantz ihre
Natur verändern. Mann fängt in China an
der Guineischen Küste, %und bey Porto_bello, wilde
Gänse %und Endten, durch schwimmer, welche ihren
Kopf in einen hohlen Kürbis stecken; sie verpflan-
tzen viele Früchte, indem sie den unverdauli-
chen Saamen den sie gefreßen haben wieder
von sich geben, daher die Mistel-Saame auf die
Eiche komt, %und daselbst aufwächst, %imgleichen auf Linden

/ %und

/|P_201

/und Haseln. Einige Inseln im Welt-Meere die-
nen den Vögeln; vornemlich denen die von Fischen
Leben zur Behausung, so daß einige wohl etli-
che Zoll hoch, mit Vogel-Mist bedeckt sind. %Dergleichen
sind an den Küsten von Chili, von Africa unter
den Orcaden %und anderwerts. Einige bedeüten, wenn
sie weit vom Lande fliegend angetroffen wer-
den, Sturm, als die Steinbrecher, eine Gattung Meer--
Adler, welche sonst auch gewohnt sind. Schildkrö-
ten auf Felsen von «¿» einer Höhe fallen zu la-
ßen, wodurch Aeschylus getödtet worden. Man fin-
det keine Störche in Italien, %imgleichen nicht in Engeland
%und der %östlichen Tartarey. Taubenpost ist noch jetzo
in Modena %und Aleppo, würde ehedem in den Bela-
gerungen von Harlem, Zirick-see, Gertrugden-Burg
gebraucht, %imgleichen des Ionas Dousa Taube in Leiden.

/ ≥ Von überwintern der Vögel. ≤

/Man bildet sich gemeiniglich ein, daß dieje-
nigen Vögel auf dem Winter in wärmere Länder
%und weitentfernte Climata ziehen, welche ihr Fut-
ter in unsern Nordlichen Climate nicht haben kön-
nen. Allein die Lerche, der Kybitz %und %andere %mehr erschei-
nen geschwind wenn einige Warme Tage im Früh-
ling kommen, %und verschwinden wieder bey anbre-
chender Kälte. Dieses beweiset daß sie auch im Win-
ter hier bleiben. Die Wachteln sollen auch einen Zug

/ über

/|P_202

/über das Mittelländische Meer thun, sintemal auf
der Insel Capri bey Neapolis, der Bischoff daselbst
seine meisten Einkünffte vom Zuge der Wachteln
hat, und bißweilen in der Mittelländischen See,
Wachteln auf die Schiffe niederfallen. Allein diese
Vögel sind zwar strich-Vögel, die ihre Oerter ver-
ändern, aber nicht Zug-Vögel, die in entfer«t»nte
Länder, übers Meer sogar setzen. Ihr Flug ist
Niedrig %und nicht langwierig. Es werden aber öff-
ters, Vögel vom Wind %und Nebel in die See ver-
schlagen, verwirren sich %und kommen entweder
um, oder retten sich auf schiffen. Man hat 100
%Englische Meilen von Modena einen Sperber auf einem
Schiffe gefangen, welcher erbärmlich schwach
außsah. Der Vice_König von Teneriffa hatte den
Duc de_Lerma einen Falcken geschenckt, welcher aus
Andalusien nach Teneriffa zurückehrte, %und mit des
Ducs Ringe halb Todt niederfiel. Allein was wol-
len andere schwache Vögel, gegen einen so starken
Raub-Vogel sagen. Warum fliegen die Störche nur
aus Franckreich nach Engelland über? Die meh-
resten Vögel verbergen sich des Winters in die Erde,
%und leben wie der Dachs oder Ameise ohne Futter.

/Die Schwalben verstecken sich ins Waßer. Die
Störche, Gänse, Enten u.s.w. werden in den abge-
legenen Brüchen von Pohlen %und andern Ländern

/|P_203

/in Morrästen, da es nicht frieret, bisweilen gefun-
den. Man hat auch in Preüssen des Winters einen
Storch aus der Ost-see gezogen, der in der Stube wie-
der lebendig ward. %.vide Klein.

/ ≥ Drittes Haupt-Stück.
/Das Pflantzen-Reich
/1. Von den Merckwürdigen Bäumen. ≤

/Die Bäume sind in der heißeren Zone von schwe-
reren Holtze, höher %und vom kräfftigeren Safft. Die
Nordlichen sind Lockerer, Niedriger %und ohnmächtiger.
Das Vieh aber so wohl als Menschen, sind in jenen
Gegenden viel leichter nach Proportion des aüs-
sern Ansehens, als in dieser.

/ ≥ Bäume, die den Menschen Brodt liefern. ≤

/In vielen Theilen von Indien, %imgleichen in den Latroni-
schen Inseln wächst ein Baum, der große Ballen
einer Mehligten Frucht trägt, welche als Brodt ge-
braucht werden kann, %und die Brots-frucht heißet. Der
Iago_Baum, der auf den Moluckischen Inseln
wächst, sieht aus wie ein Palm-Baum. Er hat ein
nahrhafftes Mark. Dieses wird mit waßer gesto-
ßen, das Gelatinum außgepreßt Filtrirt; das schlei-
michte sinckt zu Grunde, %und macht daraus ziemlich
schlecht Brodt, aber beßere Grütze, ist mit Mandel-
Milch gegeßen, gut gegen die Rothe Ruhr.

/|P_204

/ ≥ Sehr nutzbahre Bäume. von der Palm-Art. ≤

/Die Palm-Bäume sind von unterschiedlicher Art.
Sie haben alle dieses gemein, daß sie keine %eigentlichen
Aeste haben, sondern sehr große Blätter, die auf dem
Stamm wachsen, der gleichsam mit einem schuppichten
Panzer bezogen ist. Aus einer Gattung derselben wird
der Safft gleich dem Bircken-Waßer häufig herauß-
gezogen, denn er gegohren hat, den Palmen-Wein giebt.
Er ist zu Unterscheiden von der Palmen_seckt auf
der Insel de_la_Palma. Der Cocus-Baum gehört
unter die Palmarten. seine Blätter dienen wie
die von den andern Palmen zur Bedeckung der
Häuser. Die Rinde der Nuß zu Stricken, die Nuß
zu Gefäßen und die darin enthaltene Milch ist
ein angenehmes Geträncke. Die Maldiwische Nuß
ist unten getheilt %und köstlicher als die Übrige.

/ ≥ Der Talg-Baum in China. ≤

/Trägt eine Hülsenfrucht mit 3 Nuß-Artigen Kernen,
wie Erbsen groß, mit einer Talg-Rinde umgeben, %und die
selbst viel Oehl haben. Man zerstoßt die Nüßgen, kocht
sie, %und schopft den Talg ab, wozu man Leinöhl %und
Wachs thut, %und schöne Lichte daraus zieht.

/ ≥ Der Wachs-Baum eben daselbst. ≤

/An die Blätter dieses Baums, hängen sich kleine
Würmchen, nicht größer als die Flöhe. Sie machen
Zellen, aber viel kleiner als Bienen_zellen.

/ Das

/|P_205

/Das Wachs ist härter gläntzender %und Theürer als
Bienenwachs. Man samlet ihre Eyer, %und setzt sie
auf andere

/ ≥ Der Seifen-Baum

/In Mexico hat eine Nuß, Frucht, deren Schaale einen
Safft hat, der gut sch«meckt»äumt %und schön zu waschen ist.

/ ≥ Ein Baum der<1> zu<2> Trincken<4> giebt<5>. Waßer<2>

/Dieser ist der wunderbahre auf der Insel Ferro, @er@
soll immer mit einer Wolcke bedeckt seyn, %und von seinen
Blättern Waßer Tröpfflen, das in Cisternen gesam-
let wird, und da dieser sonst kein Waßer hat, vor
Menschen %und Vieh genug liefert. Sein Stamm soll
2 Faden dick und 40 %Fuß hoch seyn, um die Aeste aber
soll er 120 %Fuß im Umkreise haben. Allein in der all-
gemeinen historie der Riesen, wird von einem
AugenZeügen angeführet, er habe nur die des @Nachts@
die Waßer giebt, %und zwar jede Nacht 20.000 Tonnen.
Die meisten Reisende, %und unter ihnen le_Maire
versicher«t»n, es wären viel solche Bäume in einem
Thal beyeinander. Dieses Thal wäre von großen
Wäldern umgeben, %und die umliegende Berge wer-
fen ihre Schatten hinein, dadurch die Dünste auf
diese Art verdicket werden, %und eine trauflende
Wolcke machen. Denn in der St._Thomas_Insel sind
auch solche Bäume, die aber nur des Mittags
Wasser geben.

/ Die

/|P_206

/ ≥ Die Baum-Wollen-Bäume. ≤

/Trägt eine Frucht wie Aepfel, die inwendig in
Zellen eingetheilt ist, worin die Wolle steckt. Die
@Cibo-Wolle@ ist eine fast Seiden-Artige feine Wolle
eines andern Baumes, die allein fast nicht kan ver-
arbeitet werden.

/ ≥ Der Firniß-Baum

/In China und den Moluccischen Inseln. Er giebt das
Lack, eben so wie die Bircken, das Birck-Waßer. Man
steckt eine Muschel_Schnecke, in seine geritzte
@Haut@, darin er sich sammlet. Er wird auf dem Holtze
fester als das Holtz selber, den wird noch ein
besonderer oehl_Firniß darüber gezogen.

/ ≥ Eisen-Holtz. ≤

/@Ein@ Holtz ist so «schwartz»hart, das man Ancker %und Schwerdter
daraus macht.

/ ≥ Wohlriechende Holtze

/Von den Sandel-Bäumen ist das gelbe Sandel-Holtz
dasjenige, was in Indien am meisten zum Räucher--
Werck gesucht wird. Es wird auch zur Brey gestoßen
%und von den Indianern der Leib damit zur Kühlung
beschmiert.

/ ≥ Farbe-Höltzer. ≤

/Fernambus oder Brasilien_Holtz, der Kern dieses Holtzes
dienet zum Rothfarben.

/Campesche-Holtz. Deßen inwendiger Kern färbt blau.

/ ≥ Balsam-Bäume. ≤

/Der Balsam von Mecco ist der köstlichste, aber jtzt
nicht mehr zu haben; wird in Arabien aus dem Balsam- 

/ Baum

/|P_207

/Baum gezapft. Wen er frisch ist, macht sein Geruch
Nasen-bluten. Es wird damit dem Groß_Sultan alle
Iahr ein Praesent gemacht. Balsam von Tolu kommt
aus Mexko, %und jenem am nächsten, ist Weiß oder
Gold-Gelb; Peruvianum ist schwärtzlicht; Lapaiban
ist flüßig %und weiß.

/ ≥ Gummi-Baüme. ≤

/Aus dem Drago. oder Drachen-Baum, %und deßen
Einritzung quält das Drachen-Blut, welches roth ist,
wird in vielen Gegenden von Indien gefunden.

/Gumi Dragant ist hingegen ein Weißes wie Würm-
chen gewundenes Gumi.

/Gummi guttae. Qwillt aus einem Baum, wie aus ei-
nem Pomerantzen-Baum.

/Gumi Arabicum fließt aus einer Aggyptischen
oder Arabischen Anaxia oder schlee-Dorn.

/Das Gumi von Sanga (Senegal) komt sehr mit ihm
überein, hat eine kühlende Krafft, wird von den Men-
schen wie Zucker-Kant gesogen, wird bey seydenZeug
gebraucht um es gläntzend zu machen.

/Gumi Capal. Schwitzt aus den geritzten Copal_Baümen
in Mexico.

/ ≥ Hartz-Bäume. ≤

/Der Kampfer-Baum. In Borneo giebt durch Auschwitzen
den Kampfer, der auf übergelegte tücher geschüttet
wird. In Iapan wird es mit dem Sägen-staub des
Kampfers distilliret, ist aber schlechter, kan auch
aus den Wurtzeln des Kameel-Baums Distillirt

/ werden

/|P_208

/werden. Benzoja oder Assa dulcis, fließt aus ei-
nem geritzten Baum in Ceilon, %und Siam, ist sehr wohlriechend.

/Manna. Dringt in Calabrien aus denen Blättern
%und geritzten Stamme des Eich-Baumes hervor.

/Der beste Terpentin. komt aus Fichten %und LerchenBäu-
men Chiolipite, p.p. ist hell %und Zitronen-Gelb. Der
gemeine wird aus Dannen %und FichtenHoltz gemacht.

/ ≥ Medicinalische Bäume. ≤

/Die Cascarilla de Loja oder Quinquien Fieberrinde
ist die Rinde eines Baumes bey Kapa am Anazonenstrom
%und anderwärts in Süd_America ist ein Specificum
wieder das Fieber, muß von der China_Wurtzel
unterschieden werden. Das Sassa-fras ist die Wur-
tzel eines Baums in Florida. Das Guajaca wird in
venerischen Krankheiten gebraucht. Man kann die
Balsam, %und Gumi-Baüme, zum Theil auch zu Medici-
nischen Kräutern rechnen.

/ ≥ Einige Bäume von angenehmen Früchten. ≤

/Bennazar oder Plantanen-Baum, trägt Früchte
wie Gurken, die aus dem Stamm wachsen in einem
Klumpen wohl 40-50, Der Kala-Baum in Africa %und
Ostindien trägt eine Castanien-Artige Bittere
Frucht, welche sehr hoch geschätzt wird. Sie ist etwas
bitter, macht aber wenn sie gekörrt wird, alles ge-
träncke sehr angenehm. Vor 50 solche Nüße kan
man in Serra_Leone ein schön Mädchen kauffen,
%und 10 sind schon ein Praesent vor große Herren. Cacao

/ Baum

/|P_209

/Baum ist 18-20 %Fuß hoch, wächst in 4-5 Stämme. Die
Frucht gleicht einer Melone, die an den Stamme und
Aesten hängt. In ihren Fächern sind viel gleichsam
den Mandeln ähnliche Nüße. Der Cacao ist constrin-
girend %und kalter Natur. Die Indianer auf Hispanio-
la gebrauchen, %und zerstoßen ihn im Waßer zu
geträncke.

/Pistatien, Piltzennüße sind Nuß-früchte in Zucker
gelegt, die Iunge Frucht aber in Eßig gethan, %und in Per-
sien als Beysatze zu Speisen gebraucht werden.

/Datteln sind den Mandeln ähnliche Früchte, einer
Art Palm-Bäumen, die in großen Buschen, als Trau-
ben am Stamme wachsen.

/Das vom bloßen Cacos zubereitete Waßer ist
ziemlich unangenehm %und erkaltend, daher auch ein
gewisser Spanier, der zum Ersten mahle, Tranck, sagte:
es wäre beßer für ochsen, als für Menschen. Man thut
aber in Spanien Zucker, Pfeffer, Vanille, Musacs
%und Ambra hinzu, wodurch man ihn hitziger %und Wohlschme-
ckender macht.

/Der Caffee-Baum in Arabien, der Leevantische, in
America der Surinamische, Martiniquische pp. und in
Ost-Indien der Iavonische ist ein Baum, der einem Kirsch--
Baum sowohl an großen Blättern, als an dem An-
sehen der Früchte ähnlich ist. Die getrocknete Früchte
werden gerollt, da der einer Bohne ähnliche Kern sich
in 2 Hälfften theilt. Der Levantische Caffee ist selbst
in Arabien theüer, als der Martiniquische, %und die

/ Iuden

/|P_210

/Iuden führen vieles von der letztern nach der Türkey.

/ ≥ Gewürtz-Bäume. ≤

/Der Nägelein-Baum ist wie ein Birnbaum. Das
Nägelein ist seine Frucht.

/Der Muscaten-Baum ist ähnlich einem Apfel-Baum,
Diejenigen Nüße, die von einem Vogel, den man Nuß-
Eßer nennt, herunter geschluckt werden, und wieder
von ihm gegangen, werden höher geschätzt. Beide
Bäume sind nur auf den Inseln Amboina und Banda
anzutreffen, Auf den Übrigen Molluccischen Inseln
werden sie ausgerottet.

/Canehl oder Zimmet-Bäume auf der Insel Ceilon
Die Rinde von den jungen Baümen wird abgeschält,
%und giebt den Canehl, Die Frucht hat nicht so viel wohlrie-
chendes Oehl, aber viel Fettigkeit. Wenige Tropfen
deren einer 6 %@Groschen@ kostet auf die Zunge geträufelt
bringen den Krebs zuwege.

/ ≥ Andere Merckwürdigkeiten der Baüme. ≤

/In der Östlichen Tartarey. %nehmlich der Mugalischen
%und Kalmukischen sind fast gar keine Bäume anzutreffen,
sondern bloß Elende Strauche, daher auch diese Tartarey
mehrentheils in Zelten wohnt.

/Der Mangel-Baum. Von den Holländer Mangellur
genannt, wächst aus der Wurtzel in die Höhe, als denn
biegt er sich krum, wächst wieder in die Erde fast
daselbst Wurtzel %und wächßt wieder in die Höhe,
und so weiter.

/ Der

/|P_211

/Der Barmanen-Baum Läßt von seinen Aesten gleich-
sam Stricke oder Zähe Zweige herab sinken, die wie-
der in der Erde «sincken» Wurtzel faßen, %und %dadurch eine
gantze Gegend öffters so bewächst daß man nicht
durchkommen kan, wenn er am Waßer wächßt, breitet
er sich bis ins Waßer, da sich dan die Aeste an ihm
hängen. Es ist eine Art Holtz oder Busch-Werk, die
an einigen Orten Italiens wächßt, %und nach Heihlars
%und Vitruvii bericht, weder zum Brennen noch zum «sch¿«
schmeltzen selbst im Foco des Brenn_spiegels kann
gebracht werden. Es hat das Ansehen eines Eichenhol-
tzes, doch etwas weicher sieht röthlich aus, läßt
sich leicht schneiden %und brechen, sinckt im Waßer.
In Kauen findt man weder Sand noch etwas Mi-
neralisches. Vitruvius nennet sie Larise. Man hat ihn
auch bey Sevilla in Andelusien gefunden, ist vom
asbest unterschieden.

/Ein Baum auf Hispaniola ist so gifftig, daß in
seine Schatten zu schlaffen tödtlich ist. Die
Aepfel die er trägt, sind ein starkes gifft;
%und die Carabiner benetzen ihre Pfeile damit.

/Die Colabasch-Bäume. In Africa %und Indien tragen
eine Frucht die wie eine Bologneser Flasche aus-
sieht, %und von einer geschnittenen guten Koch-Löfel
%und nach wegnehmung des Halses auch gute Geschirre
abgiebt.

/Die Arack_Nuß wächßt traibenfärbig wie die

/ Pistacien

/|P_212

/Pistacien oder Datteln, %und wird zu der Betel, wel-
chen die Indianer beständig kauen gebraucht.

/Krähen-Augen oder Nuces Vomicae sind Kerne
die auf der Insel Ceilon in einer Pomera«¿»ntzen @%ähnlen@
Frucht liegen, tödten alles was blind gebohren ist.

/Aus dem Berlein der Eichelmistel wird der Vogel-
leim gemacht.

/ ≥ 2. Von andern Gewächßen %und Pflantzen.
/Der Thee. ≤

/Die Blätter des Thee-strauchs in China, die im
Anfange des Frühlings abgebrochen, geben den Kayser-
thee, die 2te %und 3te Sorte sind nacheinander schlechter
Man läßet die Erste Sorte in der Sonne trocknen
%und rollet sie mit Händen, die 2te auf Platten über
kochende Waßer erwarmen bis sie sich zusammen-
ziehen. Die 3te über Kohlen-Feüer. Der beste Thee
komt in den Nordlichen Provintzen zum Vorschein,
daher ihn die Russen am besten bringen. Die
Iaponeser Pulverisiren ihren Thee, ehe sie ihn
trinken.

/ ≥ Kriechende. Gewürtz-Pflantze. ≤

/Der Pfeffer steigt als eine kriechende Pflan-
tze, an Stangen oder Bäumen bis 18 %Fuß in die Höhe. Er
wächst wie Iohannis-Beeren, ist in der Insel
Sumatra %und andern Ostindischen Inseln %vornehmlich

/ anzutreffen

/|P_213

/anzutreffen. Der lange Pfeffer wachßt auf ei-
nen Strauch %und ist theürer. Der Weiße ist nicht Na-
thürlich sondern in Meeres_Waßer gebeitzt, %und
an der Sonne getrocknet.

/Cubeben Gleichfals auf Iava %und den Molucci-
schen Inseln, seine Frucht wächßt in Trauben.

/Cordemum hat eine Staude wie Rohr, das Gewürtz
wächßt in Aehren.

/ ≥ Betel. ≤

/Ist das Blatt von einem kriechendem Gewächse, wel-
ches mit Kiung oder der Aracknuß %und ungelöschten
Kalck von allen Indianern beständig gekaut wird.
Es hat dieser Leckerbischen einen %zusammenziehenden Ge-
schmack, färbt den Speichel Roth, und die Zähne @Schwartz@
oder Schwartz-Braun. In Peru braucht man dieses
Blatt mit einem bischen Erde zu kauen

/ ≥ Vanille. ≤

/Ist eine Kriech-Pflantze, wie die Vorigen. Die
Wilden in Mexico halten seinem Bau geheim; er
wächßt auf %.unersteiglichen Bergen, Er braucht nicht in @der@
Erde Gepflantzt sondern nur an einem Baum ge-
bunden zu werden, aus dem er Safft zieht, %und dann
auch Wurtzel in der Erde treibt. Die Vanillen-Sorte
ist voll eines Balsamischen %und dicken Saffts, wo-
rin kleine Körnchen stecken. Ist ein vortrefflich
Ingredienz der Chocolade.

/ ≥ Rohr

/Der Bambus_Rohr ist Vornehmlich merckwürdig,

/ welcher

/|P_214

/welcher einer der nützlichsten Gewächße in Indien
ist. Er wächßt so hoch wie die höchsten Bäume, hat
wenn es Iung ist einen Eßbahren Kern, wird un-
gespalten, gespalten zu Brettern Diehlen p.p Man ge-
braucht die Haut die es inwendig umkleidet zu Pappier
In Peru ist eine Art Bambus die 1_1/2 %Fuß im Diameter
%und 1_1/2 %Zoll in der Dicke der Rinde hat. Er ist im Voll-
Monde voll Waßer, im Neü_Monde ist aber wenig
oder nichts darinn. Zucker-Rohr ist nunmehr in beyden
Indien %und Africa anzutreffen. aus dem Schaum des
kochenden Zuckers, wird Mus_Kebade gemacht; er wird
mit OchsenBlut oder Eyerweiß gereiniget.

/ ≥ Ananas. ≤

/Diese schöne Americanische Frucht wächset
ohngefähr auf solchem Stamm, wie die Artischocken,
hat die Figur eines Tantzaffens, %und die Größer
einer Melone. Der Geruch derselben ist Vortrefflich
%und der Geschmack nach allerley Gewürtzen.

/ ≥ Wurtzlen. ≤

/Rhabarber komt aus China %und der dazu gehörige
Tartarey: China-Wurtzel ist ein öfnendes %und Blut-
reinigendes Mittel. Man bringt sie auch eingemacht
nach Europa. Die Wurzel Gnising ist das am höchsten
in China geschätzte Medicament, zu deßen Aussu-
chung sehr viel 100 Tartar in der Chinesischen
Tartarey «sehr»sich viele Mühe «ge»geben. Es soll graue

/ Haar

/|P_215

/Haar in Schwartzen verändern. Man schneidet klei-
ne Stückchen %und gießt kochend Waßer darauf. Er be-
geistert den Menschen mit neüem Leben, %und in gar
zu starcken Dosen genommen bringts hitzige Krank-
heiten oder wohl Raserey zuwege. Eine gewiße Art
Ziegen soll das Kraut derselben lieben, %und ihr Blut
wird daher vor gesund gehalten. Ingwer ist an der
Malobarischen Küste am besten.

/ ≥ Andere Merckwürdigkeiten der
Pflantzen. ≤

/Die Pflantze Hiltot oder Hingisch in Per-
sien giebt die Assam foetidam oder den Teüfels-
dreck. Man schneidet ein Scheibchen von der Wur-
tzel ab, %und nimt eben ausgeschwitzten Safft weg,
%und so alle Tage ferner ein Scheibchen. Man braucht
ihn in vielen Theilen Indiens in den Speisen, Das
Brodt muß gar darnach schmecken, %und alle straßen
darnach riechen; es ist ihr angenehmster Geruch.

/Das Opium wird von einer gewißen Art Mohn
gewonnen, deren Köpffe ins Kreütz eingeritzet
werden, %und daraus dieser dicke Safft herausquilt.
Die Arbeiten werden bey dieser Arbeit schwind-
lich. Wirckung des Opii. Ein Clystier, darinnen 6 Un-
tzen rohes Opium gethan werden, vertreibt die Rothe
Ruhr Bang. Ist eine Art des Hanfs, deßen Blät-
tern außgepreßt %und der Safft deßelben von
den Indianern statt des Opii gebraucht werden.

/ Die

/|P_216

/Die kleine Bihne von Cartagena in Amerika; davon
wird etwas weniges des Morgens gegessen; %und eine
lange Zeit darnach nichts genoßen. Alsden schadet
dem Menschen den ganzen Tag, über kein Gifft.

/Empfindliche Pflantze, Planta Sensitiva, läßt
wenn sie berühret wird, ihre Zweige %und blätter
fallen, als wenn sie empfindungen hätte.

/Die Beguicken sind höltzerne Stricken, welche
auf einer Art Weiden in America wachsen, %und wel-
che die Indianer, so wie wir unsere Hanf-Stricke brauchen.

/Die Weine. Verändern sich sehr stark, wenn sie
in andere Länder verpflantzt werden. Der Cana-
riensect hat seinen Ursprung aus Rhein-Wein
%imgleichen Vin_de_Cap. MaderaWein ist von Can¿¿a hin-
gepflantzt worden. In der Zona torrida sind keine
Weine. Man macht daselbst starcke Geträncke aus
Reiß %und die Americaner aus Maiz. Reiß bedarf
große Nässe, wenn er gerathen soll, %und eine lange
Ueberschwemmung der Felder. Maiz aber oder Türcki-
scher Weitzen, wachßt wie Rohr wohl 10 %Fuß hoch.

/Aus den Farbe-Blättern ist der Anil, aus deßen
geritzten Blättern der Indigo gepreßt wird, merck-
würdig wächßt auf der Malabrischen Küste. Die
Pietra Fungifera ist eine Masse wie ein Stein
in Neapolis. %eigentlich aber eine aus verwickelten
gefärbten Wurtzlen %und Erde bestehenden Masse

/ worinnen

/|P_217

/worinnen Pfeffer-Saame ist. Dieser ist ungemein
Subtil %und doch sehr häufig darinn. Mann kann @hierauf@
Pfeffer haben, wen man will. Man darf nur Warme
Waßer darauf gießen, dann werden die Morcheln
in 6 Tagen reif. Diese Morcheln werden auch ziem-
lich groß. Zuletzt gedenke ich noch der Fabel von der
Palingenesie der Pflantzen, wovon Kircher Erwäh-
nung gethan hat. Zu den Zeiten, da die Chimie an-
fieng zu blühen, %und man %allerlei Curiosa chymica
experimenta machte, kam diese Meinung auf.
Den Anlaß zu diesem Gedichte hat die Vegetation,
nachahmende Concretion %und Crystallisation der
Saltze gegeben. Das in Champagner %und Bourgog-
nerWein aufgelößte Sal ammoniacum stellt Wein-
trauben vor; es thut dieses aber auch im Waßer.

/Der Arbor Dianae wird gemacht, wenn Mercurius
in Scheide_Waßer %und Silber auch besonders in
Scheide_Waßer aufgelößet wird; darauf diese
Solutiones vermengt, %und bis auf 1/3 in Gelindem
Feür eingetrocknet werden, da sie dann einen Baum
mit Stamm, Aeste %und Zweige vorstellen.

/Der Boranez oder Scythische Baum ist ein «sch¿¿»
schwammigtes Gewächs um Astracan, wovon Keyßler,
der es in Dreßden gesehen hat, sagt: es nehme alle
Figuren an. Weil es nun in die Form eines «B¿¿¿»
Baums gedrückt worden, haben Ungelehrte geglaubt,
es wachße wie ein Baum: Es ist also falsch, daß

/ er

/|P_218

/er daß Graß um sich herabfreße, %und daß die Wöl-
fe ihm nachstellen.

/ ≥ Das Mineral-Reich
/I. Haupt-Stück.
/Die Metalle. ≤

/1). Gold wird in Peru %und andern Theilen von
America häufig entweder gegraben, oder aus der
Erde, welche von Gieß-Bächen, die aus den Gebürgen
herabstürzen, eingefreßen werden, gewaschen. Man
findet es in allen Theilen der Welt. Viele Flüße
vornehmlich die in Guinea geben nach starken Re-
gen-Güssen. Gold-Staub. den der Regen wäschet den
Gold-Staub durch sein durchsaügern aus den Gebür-
gen aus, %und führt sie nebst dem Übrigem Schlam
in die Flüsse. Das in Madagascar ist wegen seiner
Zähigkeit %und leichflüßigkeit berühmt. Wenn man es
mit Qweck-Silber aus dem Sande, damit es ver-
mischt worden, gewaschen hat, so sondert man
es ab, indem man das Analgama durch Ochsen-
Leder drückt. Die Platina del_Pinto in Brasilien
ist ein weißes, aber sehr schwerflüßiges Gold, noch
sehr unbekand. Die Goldenen Kernlein in den Wein-
Trauben die man vorgibt in Ungern gefunden
zu haben sind Kerne mit einem Gold-Gelben Saffte
durchzogen %imgleichen daß in Wien gezeigte an einem
Wein-Reben gewachßene Gold. Ungarn ist Reich

/ an

/|P_219

/an Gold %und Silber<berg>-Wercken. In Chemnitz ist das be-
ste Gold.

/2 Silber. Ist an vielen Orten der Welt. In den
Bergwerken Potosi oder in de_la_Plata in Süd_Ame-
rica am haüfigsten anzutreffen. Man findet da-
selbst Klumpen, Silber-Ertzt ohne Seel-Bänder, als
wen sie außgeschmoltzen wären. Man findet hier
auch Gebeine von Indianern, die vor vielen Iahren
erstorben, %und darauf mit Silber durchwachsen sind.
In Asien ist fast kein Silber, daher ein großer Ge-
winst in China bey umsetzung des Silbers gegen
Gold, den da sich hier verhält Gold : Silber = 14 : 1 so
verhält sichs dorten = 11 : 1.

/3. Kupffer entweder aus Ertz oder aus Ciment-Wa-
ßer, Das Fahlunische Kupfer-Bergwerck ist eins
der berühmtesten. In Iapan ist ungemein viel Kup-
fer. Die Cimentwasser sind Kuffer in Victriolischen
Wasser aufgelöst; worauf das Kupfer durch die
Praecipitation gezogen wird, wie bey Neüsohl
in Ungarn. Meßing wird aus Kupffer mit galmey
vermischt gemacht. Galmey wird in Pohlen sehr häu-
fig gefunden, %und ist ein Halb-Metall.

/4 In Engelland in Malacca sind die besten Sorten
Tutenay; In china %und den anliegenden Gegenden ist
eine Art weissen Zinns oder weissen Kupffers, wel-
ches aber mit Galmey versetzet worden, %wodurch es

/ ziehbarer

/|P_220

/ziehbarer wird. Man macht davon die Tutenacdosen.

/5 Eisen. ist Allenthalben. Nur ist ein Eisen-
stein reichhaltiger als der andere EisenErtzt, wird nicht
eher vom Magnet angezogen, bis es durch die Hitze
des Ofens gegangen. Man findet Eisen in allen
Pflantzen, Holtze, ja sogar im Menschlichem Blute,
Fleisch %und Knochen findet man Eisentheilchens. Die
in Peru Wüsten. von der Ankunfft der Spanier
nichts vom Eisen, %und machten ihre Beile, Meisel
u.s.w. aus Kupfer. In Africa an Seenegal %und
in Guinea ist der meiste Handel der Europäer mit
Eisen_Stangen %und der Werth eines Negers wird
nach Eisen-Stangen gerechnet.

/ ≥ Halb-Metalle

/1. Qweck-Silber. In den Berg-Wercken von Hy-
dryen %und Friaul ist es am haüfigsten, %und wird zu-
weilen gantz Rein geschöpfft. Am meisten steckt
es in Zinobre. Die Berg-Leüte in Hydria beko-
men noch starkes Zittern %und Großen Durst.
Wen sie ins Bad gebracht werden, so schlagen
aus ihrem Leibe Kugelchen Qweck-Silber aus.
Die Ratten %und Mäuse bekommen hier Convulsi-
ones %und sterben. Einige Arbeitter sind davon
so durchgedrungen, daß eine Kupferne Müntze
in ihrem Munde Weiß wird, oder wen sie sie mit

/ Fingern

/|P_221

/Fingern Reiben, wird ein Weizen_Kley vors
Ausdünsten bewahret.

/2. Antimonium. oder Spies-Glaß ist @%Schwärzlich@
%und wie Bley anzusehen, ist Spröde. Flinten-
Kugeln daraus sind gifftig.

/3 Wismuth. Ist sehr spröde %und gelblich.

/4 Zinck. ist weißlich Blau %und eine Art Bley-
Ertzt aber härter, setzt sich an die Goslarsche
Schmeltz-offen, beym Schmeltzen des Bley-Ertzes,
wo es häufig abgekratzet wird.

/5. Galmey Gehöret zu einer Gattung Zink, durch
deßen Zusatz zum Kupfer wird Meßing gemacht.

/6 Arsenic. Ist halb ein Metall, halb ein Salz,
den er lößt sich vollkommen im Waßer auf.
Der Kobolt %und Operment sind Arten davon.

/ ≥ 2. Brennliche Mineralien %und
andere flüssige, Brennbare gegrabene Wesen. ≤

/1. Naphta. Ist weiß, zieht die Flamme an, quilt bey
Bagdad %und Bocker in Persien aus der Erde.

/2. Petrolium. Ist %röthlich oder dunckel-Farb zieht
nicht die Farben an.

/3. Berg-Theer. ist dem Vorigen sehr ähnlich, aber dicker

/%und klebrichter, stinckt sehr, wird auch Teüfelsdreck genannt.

/ 4

/|P_222

/4. Der Börnstein. scheint aus gehärtetem Naphta oder
Stein-Öhl entstanden zu seyn. Keyßler berichtet, daß in
Italien an den Orten, wo Börnstein gegraben wird,
auch Petrolium quillt. Das Meersaltz mag seine ver-
härtung gewürkt haben, imgleichen eine Zarte Erde.

/5. Ambra. Ist %.erstlich flüßig gewesen, %und wird
auch öffters so aus der See gefischt, %vornemlich
an den Chinesischen %und Iaponischen Küsten. Allein
in dem Maagen des Wallfisches wird er hart ge-
funden. Der graue Ambra ist der Schönste %und wird
mit Reißmehl vermengt.

/6. Guajath. Ist ein schwartzer Börnstein, läßt
sich schön Poliren, schwimt aber auf dem Wa-
ßer, ist im Korn wallis in Engelland im Würtembergischen
zu finden.

/7. Erden-Pech oder IudenPech Asphalt scheint ein ver-
härtetes Erd-Theer zu seyn, ist im Meer_Wasser vohr-
nehmlich im Todten Meer aufgelößet.

/8. Steinkohlen. Werden fälschlich vor Holtz, das mit
Petrolium durchdrungen gehalten, obgleich dies hin
%und wieder anzutreffen ist. Es sind vielmehr Schiefer,
die mit Stein-Öhl oder Erde p.p. durchdrungen sind.
Bey New_cästle in Engelland die häufigsten, %imgleichen
fast an allen andern Orten. Der Agath ist von ihnen
nur darinn unterschieden, daß er anstatt einer Stei-
nigten Substantz eine steinigte Erde zur Basi hat.

/ 9. der

/|P_223

/9. Der Schwefel. Ist eine Vermischung von 14 Thei-
len von Victriolischer Saure, %und ein Theil @brennend@
Waßers, wird am meisten aus Schwefelkiesen
genommen. Man findet auch gewachsenen reinen Schwefel
bey feür-speienden Bergen. Der Schwefelkies, bey
den Alten Pyrites gennant, ist Eisenhaltig, hart %und
schlägt mit dem Stahl Feüer. Es giebt auch Kupfer-
ckies oder Markesite, die aber hirvon sich unterschei-
den. Wenn dieser Kieß sich außweitert, so schlägt
der Schwefel aus.

/ ≥ Von den Saltzen. ≤

/Es sind entweder saure, oder alcalische, oder
Mittelsaltze, die aus beyden zusammen sind. Zu den ersten
gehöret der Vitriol, der entweder kupferhaltig ist, %und der
blau ist, oder Eisen haltig und der Grau ist.

/Alaun hält außer der Vitriolischen Saure eine
Mergel-Erde; in Solfatra wird Vitriol %und Alaun
gekocht, %und zwar in bleyernen Keßeln durch die
boße Hitze des Bodens.

/Das Mineralische %und Alkalische Saltz, wird sehr selten gefunden.

/Das Sal Amoniacum ist nicht aus dem Mineral-
Reich, sondern weil wenig Saltz in Aegipten ist, so
brennet man getrockneten Mist von Thieren mit
untermengtem Stroh. Aus dem Ruß davon mit da
zugemengter Kochsaltz, wird das Sal amoniacum
praeparirt. Man macht es auch in Sulphatarra.

/ Mittelsaltze

/|P_224

/Mittelsalze sind %eigentlich Kochsalze. Es wird ent-
weder aus dem Meer-Waßer, oder den Saltz-quellen, oder
den Saltz-Bergwercken genommen. Das gediegete Saltz
in den Bergwercken ist an vielen Orten der Erde
anzutreffen, bey Cracau sind die berühmtesten.

/Salpeter. Erzeügt sich in der Natur nicht von selber,
sondern das Alkalische wird dazu gesetzt. Daher
Mauren wo der Salpeter anschießen soll, mit Al-
kalischen Saltze, müssen durchdrungen seyn.

/ ≥ Von den Steinen. ≤

/Alle Steine sind ehedem flüßig gewesen. Man
findet nicht allein im harten Fels Dinge Fremder
Art, sondern selbst im Crystall, in einigen Natu-
ralien-Cabineten, Büschel von Reh-Haaren, einen
Tropffen Waßer, %und andere Dinge mehr, man sie-
het auch Tropf_steine entstehen, %und ein mit Subti-
len Irrdischen Theilen, %und einem Salzigten Wesen
angefülltes Waßer, kan einen Stein-Safft ab-
geben, der zerbrochene Steine wieder zusammen
Wachsend macht. Wen dieser Steinsafft mit vielen
Saltz_Partikelchen angefüllet ist, so macht er Crystall
oder Allerley Gattungen von diesem, welche eckicht
zusammen gewachsene Steine sind. Nachdem der Stein-
safft sehr verfeinert, %und mit Mineralischen Thei-
len angefült ist. können auch Edel_gesteine daraus
erzeügt werden. Man weiß daß noch anjetzo in

/ Kalck- 

/|P_225

/Kalck-Klumpen sich Feüersteine erzeügen, so daß
die versteinerung nach %und nach von innen an-
fängt. Auf diese Weisse hat erstlich ein saltzigt
Waßer, den subtilen Erd-schlamm geklumpet, her-
nach aber durch vermehrung der SaltzPartikeln nach
%und nach in Kiesel verwandelt.

/ ≥ Von den Edel-Gesteinen. ≤

/Sie müssen überhaupt der Pfeile wieder-
stehen, %und an Glantz- oder Durchsichtigkeit, %und an Farbe
etwas vorzügliches haben. Der Diamant ist der
härteste unter allen. kan nur mit seinem eige-
nen Pulver geschliffen werden, ist der @schwerste.@
Daß er sich in bocks-Blut auflöße ist eine Fa-
bel. Ein Diamant von 1 Gran wird 6 bis 10 %Reichsthaler
werth geschätzet, %und der ferner Werth ist wie das
δFigur des Gewichts, z. Ex: Einer von 18 %@¿Gran¿@ wird dir 600
%Reichsthaler gelten, sein Gewicht wäre 40 Karath, ein Ka-
rath war 1/24 vom Mark, %und hält 4 %@¿¿¿@

/Der Florentinische Diamant wiegt 139_1/2 Karath.
Der berühmte Diamant, den Pitt an den %hertzoglichen Re-
genten von Frankreich verkauffte wog 144 Karath.
König August bot ihm 800.000 %Reichsthaler. Der Hertzog von
Orleans aber gab ihm 300.000 %Reichsthaler. Die @abgeschie@
fene Stücke gelten 3600 %Reichsthaler. Im Mogul_schatze ist
einer von 279 Karath. Die Diamanten sind in

/ Ost- und

/|P_226

/Ost- %und West-Indien anzutreffen, am mehresten
aber im Galatischen Gebürge, welches durch die Halb-
insel dießeit Ganges laüfft. Sie liegen in einer
Schicht vom rothem %und gelblichten Sande, wie die Kie-
sel. Im Königreiche Golconda, ist über der Dia-
manten_Schicht ein Minera«la»lisches Stratum, welches
eisenhaltig zu seyn scheinet. Zu Visiapour sind
deren gleichfals «über» und überhaupt liegen die
Diamanten in einer rothen Erde, als ihre Mutter-
Erde, wie die Feüersteine %und die Kreide.

/In Brasilien sind sie in neüern Zeiten, %und zwar
sehr häufig endeckt worden, da sie vordem für
Kiesel-steine gehalten wurden. Fast in einerley
Preise mit dem Diamant ist der Rubin, der fast
einerley Farbe, Schwere %und Glantz mit ihm hat, nur
roth %und durch_sichtig ist. Ist er Scharlachroth so heißt
er Rubin; ist er Gelbroth, so heißt er Hyacinthe.

/Sapphir. Ist ein hellbrauner Stein, durchsichtig
%und hart, in eben dem Werthe, wie die Vorigen, Der
Smaragd ist vortrefflich grün, Nachdem er härter ist,
nachdem gilt er auch mehr im Preise. Im Kloster Rei-
chenau ist der große Smaragd von Carolo M. grös-
ser als ein Foliant 2 %Zoll dick %und 28 Pfund schwer.
Iedes Pfund wird 50.000 %@¿¿¿@ %und also er gantz
1.400.000 %@¿¿¿@ gerechnet.

/ Der

/|P_227

/Der Amethyst. Ist durchsichtig, Viol-Blau, welches ins
röthliche fällt.

/Der Topas. Gelb, entweder Gold-Gelb, oder weißgel-
bicht, er ist nicht so hart als der Vorige.

/Der Türckis Ist ein grünlich blauer Stein. Man findet
ihn auch in Franckreich, unter der Gestalt des Thier-
knochens, wo er durch Rösten seine Farbe bekömt.

/Opal Ist von einer halb «duch» durchsichtigen Milch-Far-
be, die aber gegen das Licht allerhand Farben spielet.

/Chrysolith. Ist durchsichtig %und Goldfarbigt, @fällt@
seine Farbe ins Grünliche, so heißt er Chrysopas;
ins Meer_Grüne, so heißt er Beryll. Der Rothgel-
be Rubin heißt Hiacinth; einige aber sind braun-
Gelb, honigfarb, halb oder gantz durchsichtig.

/ ≥ Halbedel-Gesteine. ≤

/Sind nicht so hart als jene, aber härter als die
gemeine.

/Crystall. Oder BergCrystall schließt im Schweitzer-
Gebürge eckicht an, ist offt sehr groß.

/Carniol Ist sehr hart, roth, halbdurchsichtig, ist er
fleischfarbigt, so heißd er Sarder.

/Achas Ist Vielfärbig, bisweilen ist er weiß.

/Chalcedon Ist Milchfarbig, %und kaum halbdurch-
sichtig.

/Onyx ist ein Achat mit Weisen %und schwartzen Streifen.

/Sardonix hat Weise %und gelbe Streifen oder Puncte.

/ Lapis

/|P_228

/Lapis Lazuli Ist Blau mit weißen Flecken, ist
mit Gold eingesprengt; daraus macht man das Ul-
tramarin, eine Blau_Farbe, die so theüer als Gold ist.

/ ≥ Von der Mosaischen, %und Florentiner
Arbeit

/Opus Musiuum (Mosaische Arbeit) wird aus
Glasgüssen von verschiedener Farbe, die in dünne
Tafeln gegoßen %und in feine Stiffte wie Nadlen
geschnitten werden, in einen Teig von Calcinirten
Marmor, Gumi, Eyerweyß %und Öhl zusammengesetzt
so daß Portraita gleichsam daraus Punctiret
werden. In einem solchen von 2 %QuadratZoll sind
2.000.000 Stiffter. Man polirt es hernach wie einen
Spiegel. An einem Stück von 80 %QuadratZoll bringen
8 Künstler 2 Iahre zu. In der Peters-Kirche zu Rom
sind sie häuffig. Florentiner Arbeit wird auf
dieselbe Art aus Edelgesteinen zusammengesetzt.

/ ≥ Andere Stein-Arten

/Marien-Glaß. Ist aus durchsichtigen öffters gro-
ßen Blättern zusammengesetzt, %und schmiltzt nicht
im grösten Feüer.

/Iaspis. Ist dem Feüer-Stein an Härte ähnlich aber
vielfärbig.

/Asbest. Ist ein wäßerichter Stein, der geklopft %und
gewaschen, kann gesponnen werden; daher die %un-
verbrennliche Leiwand %und «Pp» Pappier. Amiant ist
eine Gattung, davon mit geraden %und biegsamen Fäsern.

/|P_229

/Marmor zerfält im Feüer zu Kalck. Er hat entwe-
der einerley Farbe, oder er ist gesprenckelt %durch @geädert.@

/Der Florentiner-Stein. Ist ein Marmor; Man brennt daraus Gips.

/Qwarz füllet die Riße der Felsen an, %und ist ohne
Zweifel aus einem mit Saltz imprägnirten Waßer,
was Stein-theilchen mit sich geführet hat, entstanden.

/Der Serpentin-Stein. Ist Fleckigt, auf Grünlichem Grunde.

/Porphyr Ist sehr hart %und Roth, aber mit Flecken Gar-
nirt, hat bisweilen andere Farben.

/ ≥ Noch einige Andere Steine %und Erd-Arten. ≤

/Bim-Stein. Ist eine ausgebreitete Steinkohle, von
der besten Art der Kohlen, wird also in die Gegend @der@
Feüerspeyenden Berge am meisten Gefunden.

/Der Mexi«c»kanische Stein-Schwamm.: ein sehr Lockerer
Stein, findet sich im Mexikanischen MeerBu-
sen an den Felsen. Man läßt das Waßer durch ihn
durchseigen, und giebt vor daß, er als denn
sehr Gesund sey. Er wird sehr theüer bezahlet.

/Bologneser-Stein. Ist klein, Weißgrau, von un-
gleicher Fläche, schwefelhafften Theilen, nicht fest,
aber schwerer als nach Proprotion seiner Größe,
wird in verschiedenen Gegenden Italiens offt
von der Größe einer Welschen Nuß. Durch die Cal-
cination bekomt er die Eigenschafft am Tage
Licht einzusaugen; eines Brennenden Lichtes

/ Schein

/|P_230

/Schein giebt ihm schon Krafft, aber nicht der Mond, hat
einen Schwefelichten Geruch. Balduin ahmt ihm bald
hernach aus Englischer Kreide %und Spiritu Nitri nach.

/Man gräbt offt Steine auf, die nicht die Natur, son-
dern die Menschen gebildet haben, als steinerne
Aexte, Waßer. pfeile, %imgleichen in der Schweitz an ei-
nem gewißen Orte. eine ungemeine Menge Steiner-
ne Würfel, mit ihren Zeichen von 1 bis 6 bezeichnet.

/ ≥ Von den Erden sind. ≤

/Die Siegel-Erde (terrae Sigillatae) von Lemnus,
Malta %imgleichen Arigna %und Liegnitz zu mercken, Sie
sind alle etwas fett, kleben starck an der Zunge,
werden bey Fleckfiebern %und Durchfall gebraucht.

/Umbra. Ist eine Braune Kreide aus Umbra oder Spo-
leto in Italien.

/Adler-Steine heißen auch sonst Klappersteine,
haben in der Mitte einen Stein des Klappers.

/Es giebt riechende Steine oder Violen-steine %imgleichen
Mick-steine, in der neüern Zeit ist ein Stein, von der
besondern Eigenschafft entdekt worden, daß er die
Asche wie der Magnet das Eisen an sich ziehet.

/ ≥ Von den Versteinerungen. ≤

/Das meiste Fluß_Waßer hat zarte ersteinerte
Theile in sich. Der jetzige_Kayser ließ einen Pfahl
von der Donau_Brüke in Servien heraußziehen, %und
man fand, daß ob er gleich seit Trojans Zeiten ge-
standen, dennoch die Versteinerung, kaum «ei» einem

/|P_231

/Finger breit ins Holtz gedrungen. Man würde @durch@
dergleichen verglichene Beobachtungen etwas aufs
Alterthum unsers Weltkörpers schließen können,
wen alle Waßer eine gleiche versteinernde @Kraft@
hätten. Die Versteinerungen werden am häufigsten
in Kalck-Steinen, Marmor, Sand-Steinen, Schiefer,
Tusch-steinen %und Feüer-Steinen gefunden. Man fin-
det versteinerte Erdthiere oder ihre Theile als in
der Schweitz ist ehedem, ein versteinert Schiff mit
vielen Menschen aus dem Gebürge gezogen worden.
Man findet Geweih von Hirschen, Elephanten_Zähne @in@
der Erde pp! Bißweilen aber Zähne von sehr
großen Thieren, deren Originale uns unbekant sind.
Man hat vogel-Nester mit ihren Eyern verstei-
nert gefunden; Schlangen, Kröten gleichfals. Verstei-
nerte See-Thiere, die Schlangen_Zeügen δLücke
δLücke sind Zähne des Hayfisches. In den Kupferschiefern
in Teütschland findet man genaue Abdrücke
von Fischen. Man findet Zähne vom Walroß. Die Ammons_-
Hörner sind versteinerte Nautili. Ich übergehe die
Schaalichten Seethiere, deren man ungemein @viel@
Gattungen unter den Versteinerten Seethieren
findet, Versteinertes Holtz ist gemein. Versteinerte
Wurtzel, in einer Mergelatiger Stein-Art heißen
SteinBruch oder Osteocolla. Abgedrückte Blätter,
Früchte, Mandeln, Datteln, Pflaumen pp das selten-
ste ist eine Melone von dem Berge Libenon, @davon@

/ man

/|P_232

/man alle Kern, Fächer %und Häute %.deutlich darin sehen
kan. Es sind auch versteinerungen, deren Ursprung
unbekant ist, als die Donersteine der Balemniten,
welche einige vor Dactylos Marinos; andere vor Sta-
cheln von Meerigeln halten. Dazu gehören die Iuden-
Steine, die wie Oliven außsehen, die Krötensteine,
Buffoniten sind kleine halb-Runde, hell braune Steine
welche einige vor Backzähne des Hayfisches halten.

/ ≥ Vom Ursprung der Mineralien. ≤

/Der Erd-Körper. so weit wir in ihm durch Graben
gelangen können, bestehet aus Stratis oder schichten
davon eine über die andere bald Horizontal, bald
nach einer oder der andern Gegend geneigt fortlau-
fen, bisweilen hie %und da unterbrochen sind, diese
können %nicht anders als in den großen Revolutionen
der allgemeinen %und offt wieder erneüerten Überschwemmun-
gen %durch den Absatz mancherley Schlamms erzeügt worden
seyn, es sind Schichten von allerley Gestein %und Schiffer,
Marmor %und Fels, von Erden p.p. Das sie bildende Was-
ser, welches auch noch im Grunde des Adriatischen
Meeres, eine Stein-schicht nach der andern bildet,
hat ohne Zweifel viel Mineral %und manche Gattun-
gen von Steinen, %durch die Zusammensetzung von verschie-
denen Materien gemacht, welche in dem Schwefel-kie-
sen, den sauren Vitriolischen Materien %.und %.andern %.mehr in
der Innern Erde vorgehen; durch die Ausdämpfungen

/ der

/|P_233

/der Arsenicalischen Materie, oder sauren %und Sulphu-
rischen Dämpfen %und Zusammensetzung, mit einer
subtilen Metallischen Erde, nach %und nach in den Ge-
steinen erzeügt zu seyn, %und erzeügen sich noch fer-
ner. %.Gemein«t»iglich liegt eine Gattung Ertzt in einem
Stein oder Fels als seiner Mutter %und in keiner
von den Obern %und untern Schichten, weil diese
vielleicht alle diese Dämpfe gehörig anzeigt %und
vereinbaret. Die Natur würckt langsam %und Iahrhun-
derte durch, durch einen Langsamen Ansatz. Men-
schen also die geschwinde und Plötzlich solche Zeü-
gungen zuwege bringen wollen, betrügen sich ge-
meiniglich, wen sie Metall aus ihren Principiis
zusammensetzen wollen z. Ex. als Gold. Man bringt
zwar falsche Edelgesteine zuwege, aber es @fehlet@
ihnen die Härte und die genaue Vereinigung der
Materie.

/ ≥ Der Physischen Geographie
/III. Theil.
/Summarische Betrachtung der Vohrnehmsten
Natur-Merkwürdigkeiten aller Länder,
nach Geographischer Ordnung.

/I. China. ≤

/Im Nordlichen Theil dieses großen Reichs sind
die Winter kälter, als in gleicher Parallel in Eu- 
/ ropa

/|P_234

/ropa gefunden wird. Dieses Reich ist ohne Zweifel
das Volckreichste %und Cultivirteste in der gantzen
Welt. Man rechnet in China so viel Einwohner als
in gantz Europa zusammen. Fast durch jede Pro-
vintz sind Canäle gezogen, aus diesem gehen an-
dere kleinere zu den Städten, %und noch kleinere
zu den Dorfern. Über alle diese gehen Brücken
mit einigen gemauerten Schwibbogen, deren Mit-
telster Theil so hoch ist, daß ein schiff mit Masten
durchsegeln kann, der große Kanal, der von Canton
bis Peking reicht, hat an länge keinen andern
seines gleichen in der Welt. Man hebet die Schiffe
durch Krähne, %und nicht wie bey uns durch schleüsen
aus einem Canal in den andern, oder über Waßer-fälle.

/Die Chinesische Mauer ist mit allen Krümmun-
gen gerechnet 300 deütsche Meilen lang, 4 Klaffter
dick 5 hoch, oder wie andere berichten, 5 Ellen dick,
%und 10 hoch. Sie gehet über erstaunende Berge %und Flüße
durch schwibbogen, hat schon 1800 Iahr gestanden. Die
chinesische Städte sind alle, so fern es der Grund
leidet, accurat ins 4_Eck gebauet, %und durch 2 Haupt-
straßen in 4 Theile getheilet, daß die 4 Thore
gerade gegen die 4 Welt-Gegenden stehen; die
Mauer der Stadt Peking, ist beynahe 100 %Fuß hoch. Der
Porcellain Thurm in Nanking ist 200 %Fuß hoch %und in

/ 9

/|P_235

/9 Stockwerck getheilet 400 Iahr gestanden; bestehet aus
Porcellain, ist das schönste Gebäude in Orient.

/ ≥ Sitten %und Character der Nation. ≤

/Die Chineser sehen jemand für schön an, der lang
%und fett ist, kleine Augen, Breite Stirne, kurze Nase,
große ohren, %und wen er eine Mans-Person ist, grobe
Stimme %und großen Bart hat. Man ziehet sich mit Zäng-
lein die Barthaare aus, %und läßt nur einige @Büschlein@
stehen. Die Gelehrten schneiden sich die Nägel an
ihrer linken Hand nielmals ab, zum Zeichen ihrer @Profession.@

/Der Chineser ist von einem ungemein gelaße-
nem Wesen; Es ist ihnen nichts verächtlicher als in
Iachzorn zu gerathen. Er hält hinter dem Berge, %und
sieht die Gemüther anderer zu erforschen, betrügt
ungemein künstlich. Sie können ein zerrißenes
Stück Seiden-Zeüg so Nett wieder zusammen Nehen,
daß es der aufmercksamste Kauffmann nicht merkt,
%und zerbrochenen Porcellain_Zeüg flicken sie mit
durchgezogenen Kupferdrath so zu, daß keiner
anfänglich den Bruch gewahr wird. Er schämt
sich nicht, wenn er auf dem Betrug betroffen @wird,@
als nur, in so fern er dadurch, einige Ungeschick-
lichkeit im Betruge hat blicken laßen.

/Er ist Rachgierig, aber er kan sich bis auf be-
qweme Gelegenheit gedulden. Niemand Duelliret
sich. Er spielt ungemein gern, ist feige, sehr

/ Arbeitsam

/|P_236

/arbeitsam, sehr untherthänig, %und den Complemen-
ten bis zum Übermaaße ergeben, ein hartnäckiger
Verehrer der alten Gebräuche, %und in Ansehung des
künfftigen Lebens, so gleichgültig wie moglich.
Das Chinesische Frauenzimmer, hat durch die in der
Kindheit geschehene Einpreßung, nicht größere Füße
als ein Kind von 3 Iahren, Es schlägt die Augen
immer nieder, zeigt niehmals die Hände; es ist
sonst weiß und schön genug.

/ ≥ Eßen %und Trinken

/In China ist alles Eßbar, bis auf Hunde, Katzen,
Schlangen, u.s.w. alles Eßbahre wird nach Gewicht
verkaufft, daher füllen sie den Hünnern den Kropff.
Ein Todtes Schwein gilt mehr wen es mehr wiegt,
wie ein lebendiges. Daher der Betrug lebendige
Schweine zu vergifften, %und wen sie übers Bord ge-
worfen werden, wieder aufzufischen. Man hat an-
statt der Gabeln 2 Stäbchen von EbenHoltz. sie haben
auch keine Löffel, sie sitzen nicht wie andere
orie«t»ntalische Volcker auf der Erde, sondern auf
Stühle. Ein jeder hat sein eigen Tischgen beym
Tractament. Alles geträncke wird bey ihnen Warm
getruncken, sogar der Wein, %und das Eßen genie-
ßen sie kalt. Bey Gast-Mählen schlägt einer den
Tact, %und dann heben alle ihre Gabel-stöckchen zugleich

/ auf

/|P_237

/auf %und Eßen, oder heben ihr Tassen zugleich auf
%und Trinken, oder thun nur als wen sie Tränken.
Der Wirth giebt die Zeichen wen sie anfangen, et-
was zum Munde zu bringen, auch wen sie abse-
tzen sollen. Alles geschiecht wohl 3 Stunden Still
schweigend. Zwischen der Mahlzeit %und Nachtische
spatzieret man im Garten. Dan kommen Commoedian-
ten %und spielen alberne Poßen. Sie tragen Wach-
teln in der Hand, um sich an ihnen als Muffen
zu Wärmen. Die Tartern machen hier auch @Brant@-
Wein aus Pferde_Milch, %und ziehen ihn über Schöpsen-
fleisch ab, %wodurch er einen starken aber eckelhafften
Geschmack bekömt.

/ ≥ Complimenten. ≤

/Niemand in China flucht oder schimpft. alles
was ein Gast, wenn er sich meldet, wenn er den Be-
such abstattet, vor Gebehrden %und Reden führen soll,
was der Wirth dabey saget, %und thut, ist in öffentlich
heraußgegebenen Complimentir-Büchern vorge-
schrieben %und es muß nicht ein Wort davon abgehen.
Man weiß wie man höfflich etwas abschlagen
soll, %und wenn es Zeit ist sich zu beqwemen. Nie-
mand muß sein Haupt beym Grüßen entblößen.
Dieses wird vor eine große Unhöfflichkeit
gehalten.

/ Ackerbau

/|P_238

/ ≥ Ackerbau, Früchte %und Manufacturen. ≤

/Die Hügel werden in Terraßen abgestufft. Der
Mist aus Städten auf den Canählen herbeygeführet.
Trockene Landereyen unter Waßer gesetzt. Ein jeder
auch der kleinste Fleck Landes wird genutzt. Der
Talgbaum ist oben er«¿¿»klähret worden. Vom Wachs-
baum berichtet Salmon, daß ein Inseckt wie eine
Fliege nicht allein die Blätter, sondern auch bis
auf den Kern oder Stamm die Baum-«Winde»Rinde
durchstechen, woraus daß weise Wachs, wie ein
Schnee Tropfen-Weise hervorquillt. Der Theestrauch,
Bambus-Rohr, von welchen sie fast alle Geräthe,
auch sogar Kühne machen; aus dessen Rinde wird
das überfirnißte Papier verfertiget, welches
sehr dünne %und glatt ist, aber von würmern leiht
verzehret wird; daher ihre Bücher immer müssen ab-
geschrieben werden. Rattang oder ein zähes Chine-
sisches Rohr, wovon man Ancker-Thaue flicht.
welche nicht so leicht faulen, als die hanfene. Der
Firniß-Baum, mit deßen Lack die Chineser alles
was in ihren Häusern ist überfirnißen, die
Wurtzel Ginseng oder Mans-Wurzel, weil sie sich
in 2 Äste gleich den lenden eines Mannes thei-
let. Der Kayser schickt Iährlich 10.000 Tartern in die
Chinische Tartarey aus, um diese Wurzel vor sich
zu samlen; das übrige können sie verkauffen

/ sie

/|P_239

/sie ist ungemein Theür. Die Seiden-Würmer
arbeiten auf den Maul-«Bau»Beer-Baümen in den
Südlichen Provintzen von selber. Ihre Seidenzeüge
sind vornehmlich mit Figuren von eingewebten Dra-
chen außgezieret. Ihre Tusche oder Chinesische Tin-
te wird aus Lampenruß verfertiget, den sie %durch
Muscus wohlriechend machen.

/Der Kayser ackert alle Iahr einmahl öffentlich.

/ ≥ Von den Wißenschafften Sprachen
und Gesetzen. ≤

/Ihre Astronomie ist zwar alt, %und in Peking ist
viele 100 Iahre vor Ankunfft der Missionarien ein
Observatorium gewesen. Allein ihr Kalender war
höchst falsch. Die Verkündigung der Finsterniße
erstreckte sich kaum auf den Tag, nicht aber wie
bey uns auf Minuten. Sie ziehen aber diese Ver-
kündigung aus Tabellen; daher man damit zu-
sammen reimen kan, wie es möglich ist, daß ihre
Gelehrten Glauben können, der Mond oder die Sonne
werden zur Zeit der Finsterniße, von einem
Drachen gefreßen, denn sie mit Trommeln seine
Beüte abzujagen suchen. Es kan aber auch seyn
daß dieses ein Alter Aberglaube, von den Zei-
ten der Unwißenheit her ist, den die Chineser

/ als

/|P_240

/als hartnäckige Verehrer alter Gebräuche noch bey
behalten, ob sie gleich deßen Thorheiten einsehen.
Die Kentniße der Mathematick %und andere Wis-
senschafften haben die Predigt des Evangelii in
China statt der wunder gedient. Die Chinesische
Sprache hat nur 330 einsylbige Wörter, welche alle
nicht Flectirt werden, aber die verschiedene Töne,
Aspirationes %und Zusammensetzung machen 53.000 Wörter
aus. Die Zeichen ihrer Schrifft bedeüten nicht die
Töne sondern die Sachen selber, %und Manigmahl
viele begriffe zusammen Z.E. Guten Morgen
Mein Herr, wird durch ein Zeichen außgedrückt.
Die in Conchina %und Tunqwin, verstehen wohl der
Chineser Schrifft, aber nicht ihre sprache. Ein Gelehrter
muß wenigstens 20.000 Charactere schreiben
%und kennen lernen, Sie Curiren viele Krankheiten;
durch die Cauteri_Sation oder durch Brennen mit
heißen kupfernen Platen. Einige Kayser %und an-
dere haben sich lange mit der Grille vom Tranck
der Unsterblichkeit geschlept. Die Buchdrucker-
kunst ist so beschaffen: Man klebt die Blätter
eines wohl abgeschriebenen Buches, auf ein glat-
tes Brett, %und schneidet die Caractere in Holtz aus.
Die Chineser haben Gradus Academicos. Die Candi-
daten zur Doctor-Würde, werden gemeiniglich

/ vom

/|P_241

/vom Kayser selbst Examiniret. Mit ihnen werden
die wichtigsten Aemter besetzt. Weil alle ihre Ar-
chiven von einem ihrer Kayser vor 2.000 Iahren
sind vertilgt worden, so sind ihre alten Histo-
rien bloß Traditiones. Ihr Erstes Gesetz ist der
Gehorsam der Kinder gegen die Eltern. Wenn ein
Sohn Hand an seinen Vatter legt, so kommt das gantze
Land darüber in Bewegung. Alle Nachbahrn kom-
men in Inquisition. Er selbst wird Condemnirt
in 10.000 Stücken zerhauen zu werden. Sein Haus
%und die Straße <selber>, darinnen er stand, werden nieder-
gerißen %und nicht mehr gebauet. Das 2te Gesetz
ist Gehorsam %und Ehrerbietigkeit gegen die Obrigkeit.

/Das 3te Gesetz ist Höfflichkeit %und Complimenten.
Diebstahl %und Ehebruch werden mit Bastonnade
bestrafft. Iederman hat die Freyheit in China die
Kinder, die ihm zur Last werden, wegzuwerfen,
zu hängen oder zu versauffen. Dies Geschicht, weil
das Land so Volckreich ist, das Heyrathen zu be-
fördern. Ungeachtet ihres fleißes sterben doch
Iährlich in einer oder der andern Provintz viele 1.000
Hungers.

/In Pecking wird Täglich eine Zeitung gedrukt, @da@
das %Löbliche oder tadelhaffte Verhalten der Mandrinen
sammt ihrer belohnung oder Strafe darinnen steht.

/ Religion

/|P_242

/ ≥ Religion. ≤

/Die Religion wird hier ziemlich kaltsin-
nig Tractiret. Viele glauben keinen Gott, an-
dere, die eine Religion annehmen, bemengen
sich nicht viel damit. Die Secte der Io ist die
zahrreichste. Unter diesem Io verstehen sie eine
eingefleischte Gottheit, die Vornehmlich den gro-
ßen Lama zu Barantola in Tibet anjetzt be-
wohnt, %und in ihm angebetet wird, nach seinem
Tode aber in einem anderm Lama fährt. Die Tar-
tarische Priester des Io werden Lamas genannt,
die Chinesischen bonzen. Die Catholischen Missi-
onarii beschreiben die glaubens-Artickeln von
diesem Io, so daß daraus erhellet, es müße die-
ses nichts anders, als ein ins große Heyden-
thum Degenerirte %Christenthum seyn. Sie sollen
in der Gottheit 3 Persohnen Statuiren, %und die
zwote habe das Gesetz gegeben, %und für das
%Menschliche Geschlecht sein Blut vergoßen. Der
große Lama soll auch eine Art des Sacraments
mit Brod %und Wein Administriren. Man verehrt
auch den Confucius oder Cum-fa-en den Chinesischen
Socrates. Es sind auch einige Iuden da, die so
wie diejenigen auf der Malabarischen Küste
anzutreffen, vor Christi Geburth schon daher

/ gegangen

/|P_243

/gegangen, %und von dem selbigen gar nichts wi-
ßes. Die Seckte des Io glaubt die Seelen_wan-
derung. Es ist eine Meinung unter ihnen, daß
daß Nichts der Ursprung %und das Ende aller Dinge
sey, daher eine Fühllaßigkeit, %und Entsagung al-
ler Arbeit, auf einige Zeit %gottseelige Handlungen
sind.

/ ≥ Ehen

/Man schließt mit den Eltern die Ehen, ohne daß
beyde Theile einander zu sehen bekommen. Die
Mädchen bekommen keine Mittgabe, sondern werden
noch dazu verkaufft. Wer viel Geld hat, kauft
sich so viel Frauen als er will. Ein Hagestolz<1>
Alter<3> oder<2> Iung-Geselle<4>, ist bey den Chinesern etwas
seltenes. Der Mann kann wenn er den Kauff-Schil-
ling verliehren will, die Frau, ehe er sie berüh-
ret zurückschicken, die Frau aber nicht.

/ ≥ Ausgeführte Waaren. ≤

/Thée bon, Singlo Thee, %und Thee Bing, Quecksil-
ber, China_Wurtzel, Rhabarbar, Rohr und Verarbei-
tete Seide. Kupffer in kleinen Stangen, Kampfer,
Fächer, Schildereyen, Lackirte Waaren, Porcellain,
Soya, Borax, Lazur-Steine, Turenagne. Indianische
Vogel-Nester sind Nester von Vögel wie Meer-
schwalben, welche vom schaum des Meeres, der mit

/ einem

/|P_244

/einem in ihrem Schnabel generirten Safft Ver-
menget wird, ist weiß %und durchsigtich %und wird
in Suppen gebraucht, hat einen Aromatischen Geschmack.

/ ≥ Tunquin. ≤

/Hat Vordem zu China gehört, liegt China gegen
Süd-Westen am nächsten. Die Hitze ist hier in dem
Monat um den längsten Tag größer als un-
ter der Linie. Hier sind die in der Zona torrida
angeführte Moussons Regulär nämlich vom Ende
des Aprilis, bis zum Ende des Augusts, Süd-West
%und Regen, von August bis October häufige Typons
vornehmlich um Neü %und Vollmonde mit abwechslen-
den %Süd_%West %und %Nord_%Ost_Winde. Von November bis Aprill
%Nord_%Ost %und trocken Wetter. Die Ebbe %und Fluth ist hier
von derjenigen in den übrigen Weltheilen un-
terschieden. Die Erstere dauert 12 Stunden, %und
die letztere gleichfals. von dem neüen Licht bis zum
Ersten Virthel, gleichfals vom hohen Licht, bis zum
letzten sind hohe Fluthen. Die übrige Zeit sind
sie Niedrig. In der Zeit der hohen Fluth, fängt
das Waßer mit dem aufgehenden Monde an zu
steigen, %und in den Niedrigen Fluthen mit dem
untergehenden. Wen die Reegen zur rechter Zeit ausbleiben
so verkaufen die Leüt aus Noth ihre Kinder.

/ Weiber

/|P_245

/Weiber, oder sich gar selbst.

/Das Land ist sehr Volk-Reich. Die Einwohner
sind Gelb %und wohl geschaffen, haben glatte Ge-
sichter, glauben daß es ein vorrecht der Best¿¿
sey weiße Zähne zu «»haben, %und farben sich
daher, dieselben im 12-13 Iahre Schwarz. Der
Betel_avac herrscht bey Ihnen sehr so wie im
übrigen Indien, sie sind ehrlicher im Handel
als die Chineser, verkaufen auch Seyden-Zeuge
%und Lackirte Sachen, Indianische VogelNester @%und@
Muscus p.p.

/Sie haben viel mit der Religion %und Sätzen
der Chineser gemein.

/ ≥ Cochinchina. ≤

/In der Armee des Königes wird, so wie in
der von Tunquin, die Probe mit den Soldaten,
die sich am besten Zur leib-Wehr schicken, so
gemacht, daß man die, welche am meisten %und
hurtigsten Reiß freßen könen dazu nimmt, denn
diese hält man für die Tapfersten.

/Die Nation. Ist nüchtern %und mäßig. Faule Fische
ist ihr bestes Gerücht, sie sind trotzig, untreu,
diebisch, ungerecht %und sehr eigenützig. Das Land

/ ist

/|P_246

/ist Arm. Man bietet die Weiber den Schiffern
für Geld an, %und die Weiber sind sehr begierig
darnach.

/ ≥ Siam. ≤

/Und andere ihm zum Theil zinsbahre Länder
Die Halbinsel Malacca ist reich an Pfeffer. Die
Haupt-Stadt Malacca war ehedem wegen der be-
rümten Straße von Malacca eine der reichsten
Städte in Orient, daher die Malayische Sprache
allenthalben so im Schwange geht.

/Im Konigreich Siam macht der Stromm Menan auch
seine gesetzte Überschwemmung, %und zwar in den
Sommer_Monathen. Der weiße Elephant (sie haben
selten mehr als einen) wird aus Goldenen Schüs-
seln bedient; es soll die Seele irgend eines Prin-
zen in ihm wohnen; nächstdem wird ein Schwartzer
Elephant sehr hochgeschätzet. Der Siamische Hoff
ist der Prächtigste Hoff, unter allen schwartzen
Höffen in Asien. Die Häuser werden auf 8 bam-
bus Pfeilen 13 Fuß über der Erde wegen der
Ueberschwemmungen erhölt %und ein jeder hat zu der
Zeit ein Broth vor der Thür; die Sianer sind
furchsam in Gefahren, sonst ohne Sorgen, Nüch-
tern, hurtig etwas zu Faßen, aber träge es zur
Perfection zu bringen, trotzig gegen demüthige

/ %und demüthig

/|P_247

/%und demüthig gegen trotzige, sonst Herren über
ihre Affenten, sie sind klein doch wohlgebildet,
schwartz mit breiten Gesichtern, spitzer Kin-
ne %und Stirne, sie haben kleine dunkle Augen,
kurtze Nasen, große ohren, sie lassen die Nä-
gel mit Fleiß sehr lang wachsen, einige be-
schlagen sie mit Kupffer, sie enthalten sich
sehr der Schwatzhafftigkeit.

/Sie sind auch voll von Ceremoniem. %Exempel, wie
sie den Brief ihres Königes an den König von
Franckreich
nicht in der untersten Etage logi-
ren wollten.

/Ihr Geschmak an verdorbenen %und stinckenden
Fischen ist ihnen gemein. Ballachare ist eine
Mus von gestoßenen Fischen, die schlecht gesaltzen
worden %und Faulen. Sie brauchen sie als Soya zu
Saucen. Eben ein solches Gericht haben sie aus
kleinen halb verfaulten Krebsen, die zerstoßen
so düne wie Senff werden.

/Cocos_nüssevel ist sehr eckelhafft, für die
Europäer, wen es eine Zeitlang gestanden hat,
sie aber Eßen davon<1> mit<3> großen<4> Appetit<5> alle-
zeit<1>. Sie essen wie überhaupt in den heissen
Indischen Ländern, nicht viel Fleisch, wie @den@
die Europäer sich gleichfals abgewöhnen. was

/ sie

/|P_248

/sie aber am liebsten Essen sind die Gedärme.
In ihrem Handel sind sie sehr Ehrlich. Sie be-
dienen sich auch der oben genanten Kouris, die
wir hier Mohren_Zähne nennen, %und hornförmichte
Muscheln sind, statt Müntzen. Es gehen
6-800 derselben auf einen Pfennig. Sie kommen
gut mit Gold schlagen zu recht. In der Mahle-
rey zeichnen sie wie die Chineser ungeheüre
%und Blos %unmögliche Dinge. Das Land von Siam
ist mit einer hohen Schicht Leim bedeckt, we-
gen der Überschwemmung der Flüße, %und man
findet schwerlich daselbst einen Feüerstein.
Unter ihren Gewächsen mercke ich nur, das im
Orient so berühmte Aloes_Holtz, welches auch
sonst Paradies, Calambach, aquila_Holtz heißt
%und in Siam, imgleichen in Cochin-china gefun-
den wird. Es ist von so sehr verschiedener Güte,
daß ein %Pfund bißweilen mit 3 %Reichsthalern bisweilen
mit 1.000 %Reichsthalern bezahlt wird, man braucht es zum
Räuchern in den Götzen-Tempeln.

/Die Portugiesen nennen das grobe Siamische
Zinn das man auch in China hat, Calin, dazu
man Galmay setzt, %und daraus Tutenay macht.

/Ihre Wißenschafften sind schlecht. Es ist zu
merken, daß die Aerzte durch ein Sanfftes

/ Reiben

/|P_249

/Reiben %und Streicheln viele Krankheiten heben.
Sonst wen unbekante Kranckheiten vorfal-
len, so bilden sie den Krancken ein, er habe
eine gantze Hirs_Haut, oder einen Klumpen
Fleisch, von 10 %Pfund im Magen durch Zauberey, wel-
chen sie durch Medicin abzuführen versprechen.

/Astrologi werden starck gesucht, wenn sie
nicht mit ihren Wahrsagereien eintreffen,
so ist eine gute Prügel-Suppe ihr Lohn. In
Rechts_Affairen, wenn der Beweiß nicht leicht
möglich ist, kan man seine Unschuld durch
Feüer- oder Wasser-Proben darthun, so wie
vordem bey uns. Die Priester geben auch den
Beschuldigten Brech-Pillen, mit großen ver-
fluchungen ein, der sich nicht davon erbricht, ist
unschuldig. Im Kriege sind sie schlechte Hel-
den. In den Kriegen mit Pegu suchen sich bey-
de Armeen so lange auszuweichen als %möglich;
Treffen sie sich ohngefähr, so schießen sie
über den Kopf weg %und sagen, wen einer ohn-
gefähr getroffen wird, er habe es sich selbst
zu verdancken, weil er so nahe gekommen. Die
Iährliche Überschwemmung macht dem Krie-
ge bald ein Ende. Sie haben Nonnen %und @Mönchs@

/ Klöster

/|P_250

/Klöster in noch großerer Anzahl, als in Por-
tugal selbst. Die Mönche werde Talepions
genannt. Sie lehren, das alles in der Welt
belebte, %und unbelebte Wesen eine Seele habe,
die aus einem Körper in die andere übergehe.
Sie geben so gar vor, sich dieser Wanderung selbst
zu erinnern. Man verbrennt mit dem Verstorbenen
die besten Güter deßelben, imgleichen offt die Weiber,
damit jener sie in jenem Leben finde. Denn ihrer
Meinung nach ist die Seele eine Zeitlang vor der
Transmigration gleich nach dem Tode in den Himmel
oder in die Hölle versetzet worden. Sie verwer-
fen die Göttliche Vorsehung, lehren aber, daß
durch eine Fatale Nothwendigkeit Laster bestrafft
%und Tugenden belohnet werden, sie vergießen
ungern Blut, preßen keinen Safft aus Pflantzen,
tödten kein Vieh, sondern eßen es nur, wenn es
von selbst gestorben, daher ihre Milden Kriege
mit den Peguanern. Die Talepoins leben vom
Betteln, sie sind liebreich %und Tugendhaft. Man
verehret bey ihnen nicht %eigentlich ein höchstes
Wesen, sondern den Sommona_Cadom, einen ehedem
gewesenen heiligen Talepoin, der nun im stande
der grösten Glückseeligkeit seyn soll, zu welchem,

/ wie

/|P_251

/wie sie glauben, die Menschen gewöhnlich nach
vielen Wanderungen in andere Körper gelan-
gen, indem sich ihre Seele mit der Seele der
Welt vermengt, %und als eine Funcke, in dem Him-
melsraume übrig ist. Sammona_Cadom aber soll
wegen seiner großen Heilichkeit dahin gelan-
get seyn. Die Gottlosen werden zu Ewigen
Wanderungen in andere Körper verdammt.

/Die Unempfindlichkeit ist bey ihnen die
gröste Glückseeligkeit, ihre Leichen, werden @verbrennt.@

/ ≥ Pegu. ≤

/Gehört jtzt unter Ava, die Ebben und Fluthen
sind auf den Flüssen, Pegu %und Ava nahe an
ihren Osstiis außerordentlich wütend, der König
nennt sich einen Herren des weißen Elephanten,
so wie die Siam.

/Ausser den Feüer- %und Wasser-Proben giebt man
den beschuldigten rohen Reiß zu kauen, unter
dem bedrohen, daß er ersticken müße, wenn
er Unrecht hat. Parrallella mit den Hottentotten,
denn diese spielen mit dem unglückseeligen
Menschen so grob, liebkosen ihn mit ihren Füs-
sen, %und werfen sie dergestalt hin %und her, daß
den Zuschauern schon selbst bange wird, %und
es ein klägliches Schauspiel wird. Die härteste

/ Strafe

/|P_252

/Strafe ist so hier, wie in den benachbahrten
Ländern dem Kurtzweil der Elephanten über-
geben zu werden. Die Peguanische Talepoins
werden als die gütigsten Menschen von der
Welt gerühmt. Sie leben von den Speisen, die
sie an den Häusern betteln, %und geben was sie
nicht brauchen den Armen, sie thun allem was
lebt, Gutes, ohne Unterscheid der Religion. Sie
glauben Gott, habe an dem Unterscheid der Re-
ligion einen gefallen, %und halten alle solche Re-
ligionen für gut, die den Menschen guthätig %und
liebreich machen. sie schlichten mit großer be-
mühung alle Streitigkeiten, unter andern Leüten.

/Die Weiber machen sich gern mit Europäern
gemein, %und bilden sich etwas darauf ein, wenn
sie von ihnen Schwanger werden. Ihre Kleidung
ist anstößig. Überhaupt ist die Nation ziemlich
wohl gestaltet, %und gutartig, obgleich nicht Tapfer.

/ ≥ Arracan

/Sie legen ihren Kindern eine bleyerne Platte
auf die Stirne, um sie ihnen breit zu drücken
(sie halten dieses für eine besondere Schönheit)
haben kleine Augen, machen sich so große Ohren,
daß sie bis auf die Schultern herabhangen, indem

/ sie

/|P_253

/sie in das Loch, welches sie eingebohrt, von Zeit
zu Zeit immer dickere Kügelchen von Pergament
hineinstopfen, sie sind im höchsten Grad @eigen@-
nützig. Sie bringen so wie andre Indianer, @die@
Fische dann erst, wann sie stincken auf dem Markt.
Es hält dort schwer, daß eine Frauens_Person
als Iungfer einen Mann bekomme, wenn sie
Zeügniße hat, daß sie schon mit einem Mann
zu thun gehabt, so ist dies eine wichtige Empfeh-
lung zur verehligung. Man verbrennt hier,
wie in vorher angeführten Ländern, die Lei-
chen, Man hohlt aus diesem Lande Edel-Gesteine.
Die Büffel-Ochsen die sonst im wilden Zu-
stande sehr grimmig sind werden hier zum Last-
tragen %und andern Arbeiten sehr wohl gezämt.
Eine Gattung Marren (Wasser-Vögel) fressen
dieselbe offt bey lebendigem Leibe auf.

/ ≥ Asem.
/Nordwerts von Araccan %und Pegu. ≤

/Ist in ansehung dessen, was das Erdreich hervor-
bringt eins der besten Länder in Asien, hat den
besten Gummilack, hat Gold %und Silber. Die Einwoh-
ner verfertigen eine schöne Gattung Schießpul-
ver, %und es soll auch daselbst erfunden seyn.
Es werden mit dem Verstorbenen allerley Haus

/ gerath

/|P_254

/Geräth auch wohl gar Thiere vergraben, damit
es ihnen in jenem Leben dienen könne. Die Ein-
wohner im Nordlichen Theile sehen schön aus, ausser
daß sie mit Kröpfen behafftet sind. Hund-Fleisch
ist das Haupt-Gericht bey Tractamenten. Saltz wird
bloß durch Kunst gemacht, aus einem gewißen
Kraute, daß auf stillstehendem Waßer wächßt,
aus deßen Asche sie es auslaugen (die Al-
ten Deütschen sollen es vor diesem auf eben diese
Art gemacht haben.)

/ ≥ Indostan. ≤

/Der große Mogul ist der alleinige beherrscher
des großen Landes von den Tartarischen Gebürgen
an bis ans Cap Comorin, der äußersten Spitze
der Halb-Insel disseits des Ganges, %und von Persien
bis Arracan %und Asem. In der gedachten Halb-In-
sel herschen zwar viele Könige %und Kaias, allein
sie sind dem Mogul zinßbar, seitdem der große
Aurengzel sie unters Ioch brachte. Die Einwohner
der Halb-Insel sind gröstentheils aus Mohrischen
%und Arabischem Geschlechte, weil vor 250 Iahren, diese
daselbst ersten Fuß setzten, %und sich allenthalben
ausbreiteten. Daher auch hin %und wieder die Gestalt
den Africanischen Mohren ähnlich ist.

/ ≥ I
Von der Halb-Insel diesseits Ganges. ≤

/Es ist daselbst, wie überhaupt in dem Nord

/ lichen

/|P_255

/lichen Theile der Zonae torridae die Abwechse-
lung des Moussons. Allein in den Zweifel_Mona-
then, ehe sich der Wechel-Wind recht eingerichtet
sind entsatzliche Orcane mit Gewittern zu hören,
die grausamen Schaden anrichten, %und vor denen sich
kein Mensch auf den Beinen erhalten kann, Die
Land %und See_Winde wechseln auch alle Tage ab,
die See-Winde wehen von Mittage bis Mitternacht,
die Land-Winde die übrige Zeit. Die Regenzeit
fängt erstlich recht gegen Ende des Iunius ein
%und dauert bis gegen Ende des Octobris auf der Mala-
barischen Küste, auf Coromandel fangt sie 6
Wochen später an, %und dauert eben so viel wochen
später. Auf der %Westlichen Küste sind mehr Küste, als
auf der östlichen. Die Flüsse sind alle sehr
klein weil sie mehrentheils abgezapfft %und auf die
Reißfelder geleitet werden, %imgleichen weil sie sich
nicht vereinigen, um grosse Flüße zu machen.

/An dem Vorgebürge Comorin ist die @Perlenbanc,@
wo vornehmlich von den Holländern gefischt wird.

/Unter der Ober_Herrschafft des Königes Cochin,
auf der Malabarischen Küste, sind einige @1.000@
Familien Iuden, die Vielleicht zur Zeit Nebucadne-
zars
hieher gekommen %und nichts von den Propheten
%und Christo wißen.

/ Die

/Die Golconda %und Visapor oder Visiapour sind die
berühmten Diamant_Gruben, deren einige welche
die ergiebigsten sind, man doch mit Fleiß hat zu
werfen laßen, damit dieses Edel-Gestein nicht
zu gemein würde. In dem Gebürge Gate wohnen
die Naiqueen oder Fürsten welche niehmals dem
Mogul sind unterworfen gewesen.

/In der Bay von Cambaia ist die schnellste
Fluth in der Welt, dem selbst ein Pferd nicht soll
entkommen können.

/Suratte eine der grösten Handels-städte in
Orient gehört dem großen Mogul.

/ ≥ 2.
/Bengala. ≤

/Hat überhaupt sehr große Künstler. Ihre Leinwand
übertrifft alle andern an Feinigkeit. In verfer-
tigung gemahlter Gläser, Seidenzeüge, eines guten
Mörtels zum Mauren, allerley guter Medicamente %und
Chineserarbeiten, sind sie berühmt.

/ ≥ 3
/Cachemir

/Liegt am cauensischen Gebürge, hat eine Tem-
perirte Lufft, wie die angenehmsten Gegenden von
Europa, hat auch Einwohner von solcher Farbe %und Fähig-
keit, solche Früchte, %und wird einem Irrdischem
Paradeise gleich gemachtet.

/ Charactere

/|P_257

/ ≥ Charactere der Einwohner in Indien

/Die Einwohner in Indien sind entweder Heiden,
dazu die Banianen %und Gauren gehören, oder Mohren,
unter welchen man die Mogals oder Tartarn, Perser
%und Araber zählet oder endlich Iuden %und Christen. Die
Tartarische Moguls haben sich seit


Stifftung des Indostanischen Reichs allenthalben
sehr ausgebreitet, %und werden stark befördert, weil
sie tapferer sind als die Landes_eingebornen,
%und die Religion des Kaysers haben. Die Banianen sind
sehr friedliche, hoffliche %und verständige Leüte, sie
kommen keinem Menschen zu Nahe, jedermann han-
delt mit ihnen gerne, daher sie auch den grösten
Reichthum an sich ziehen, sie sind sehr Emsig auf
einen kleinen Vortheil, sonst sehr gleichgültig
einen jeden Vortrag in<1> «der» Religion<4> einer<2> jeden<3>
anzuhören<5>. Ihr Mittleiden erstreckt sich auf al-
les das, was lebet, %und weil sie vor dem Tödten ei-
nem so großen Abscheü haben, so sind sie auch
gar %nicht kriegerisch, %und sind jederzeit von andern
beherschet worden. sie sind sonst wohlgestaltet,
einige gemeine Leüte, zeichnen sich die Stirne,
mit langen gelben Streifen oder Strichen von
geriebenen Sandelholtz oder auch Kuh-Mist. Die meisten
Färben sich die Zähne schwartz.

/ Die

/|P_258

/Die Bramanen %und Banianen Eßen nichts, was
ein Leben hat, oder woraus etwas lebendiges «ent»
kommen könte, keine Eyer, keine Saamen, von Früch-
ten, indeßen Eßen sie doch Früchte, Wurtzlen, Reiß,
Fleisch, sie halten alle Europaeer für unrein %und
trincken nicht mit ihnen auß einem Gefäße.

/ ≥ Naturalien. ≤

/Der Banian_Baum ist kein anderer, als der
oben schon angeführte Mangel-baum, dessen
sich zur Erde beügende Aeste wieder Wurtzel
faßen, %und sich so ausbreiten, daß wohl ein Re-
giment Soldaten darunter Platz hat. Unter diesen
werden ihre Götzen-Bilder gestellt. Die Indigo Pflan-
tze oder Staude oder der Anil welcher oben schon
beschrieben worden, ist noch anzumercken. Pfeffer,
der auf der Malabarischen Küste nebst Ingwer
%und Cardomon anzutreffen. Der Cocos %und Baumwollen-
Baum. Man braucht daselbst mehr die Ochsen als
Cameele zum lasttragen. Die Indostanischen Ele-
phanten sind wegen ihrer gelehrigkeit %und unge-
meiner grösse berühmt. Der Mogul hat auch Ele-
phanten, auf die man eine Canone, welche auf
ihrer Lavette herum zu drehen ist, gepflantzet. Der
Canonier setzt den führer des Elephanten Rücken
gegen Rücken.

/ Die

/|P_259

/Die Indianischen Schweine sind sehr dickleibig,
aber ihr Fleisch wird selbst von den Europäern
für %köstlich gehalten, Die Tieger, Leoparden, Wölffe,
Affen p. sind sehr häuffig in den wildnissen
anzutreffen. Andere Ungeziefer, Schlangen, Scor-
pionen, Spinne, Tausendbeine wachsen hier zu un-
gemeiner Größe. Mosquiter %und Wantzen plagen
die Einwohner ungemein. Man sagt hier auch wie
in Europa, daß es Frösche %und Kröten Regne.
Die Raubvögel sind hier dreister als ander-
wärts. Denn die Banianen futtern sie. Unter
den Berg-Wercken in Indostan können blos
die Diamant-Gruben in betrachtung. Gold, Silber,
Kupfer, Eisen, bley wird entweder gar nicht oder
doch sehr wenig aus der Erde gegraben.

/ ≥ Wissenschafften. ≤

/Man schreibt auf Palmbaumblätter mit
einem Eisernen Griffel. sie haben auch dünnes
Papier, worauf sie mit einem Rohr schreiben,
das so dick ist, als ein Gänsekiel. Das Couvert
von ihren briefen ist ein hohles Bambus-Rohr, o-
ben %und unten versiegelt. Die Astronomie ist
schlecht. sie Glauben, daß der Mond über die Sonne
stehe, bemengen sich sehr mit der Astrologie
curiren Colick %und üble verdauung durch Brennen
auf dem Bauch, oder auf die Füß-Sohlen.

/|P_260

/Die Pest der Landeseinwohner greifft keine Euro-
paer an. Die Bramanen Curiren durch Zauberey,
sie machen auch den Schlangenstein. sie theilen
den Tag in 32 Theile ein, die sie durch eine Wasseruhr
messen.

/ ≥ Einkünffte des Moguls

/Hier werden alle Landes_einkünffte unwieder-
bringlich vergraben. Die Nabobs saugen des Marck
des Landes in sich %und werden wieder vom Mogul
als schämme ausgedrückt. Die Könige auf der Halb-
insel erfahren auch von Zeit zu Zeit die Haabsucht
dieses Herren. Alles Gold was in Westindien ge-
graben wird, was die Europäische Bergwerke her-
vorbringen, muß sich zuletzt in dem Schatze des Mo-
guls zusammen finden, von da es nie wieder heraus komt.

/ ≥ Religion

/Die Moguls, Perser, Araber sind Machumedaner
Die %ursprünglichen Einwohner haben %unterschiedliche Casten
oder Seckten. Bramanen, Raschbots %und Banianen
die Bareger, welche alles Eßen, %und die gering-
schätzigste Arbeit thun, werden vor allem für
unrein gehalten. Aber sie sind doch unentbehr-
lich. Die Bramanen sind vonUunterschiedlichem
Grade ihrer eingebildeten Heiligkeit. Einige waschen
sich niehmals, damit sie nicht etwa ein Thier-
chen Tödten möchten, tragen ein Nesseltuch auf

/ dem

/|P_261

/dem Mund, um nicht ein Lebendig Thier einzuzuiehen.
Eßen gar kein fleisch; einige heyrathen nicht. Sie
haben allein das Priester-Thum an sich, sie statu-
iren nur einen unendlichen Gott, %und doch 3 Untergöt-
ter. Ihre Bilder sind sehr mannigfaltig, %und zum
Theil Monströs anzusehen, daher sagen die Eu-
ropäer, sie beten den Teüfel an. Sie reinigen
sich mit allerhand Materien, sogar mit Kuhpiße
%und Mist, als den vortrefflichsten Reinigungsmit-
teln, sie geben vor die Unterschiedliche bilder,
zeigen nur Eigenschafften eines %und eben deßelben
Gottes an.

/Die Kashibots sind den Bramanen am ähnlich-
sten. Die Banianen sind die zahlreichsten. Sie haben
gegen alle lebendige Thiere eine besondre Liebe;
am meisten aber gegen das Rind-Vieh, worin die
seeligsten Seelen sollen anzutreffen seyn. Es
kann auch niemand über den Fluß der das Para-
deis von dieser Welt scheidet kommen, ohne sich
an dem Schwantz einer Kuh zu halten. Mancher er-
nährt die Ratten %und Schlangen, weil er sich ein-
bildet die seelen seiner Verwandten wären in
ihnen. Die rechte Hand halten sie sehr heilig, und
hüten sich nichts verächtliches damit zu thun.

/Die Banianen bauen Hospitäler z. Ex: bey Su-
ratte für Ziegen, Pferde, Kuhe, Hunde pp welche

/ Lahm

/|P_262

/Lahm oder Alt werden. Nahe dabey ist ein Hospital
für Flöhe %und Wantzen. Sie dingen einen armen
Mann, daß er sich eine Nacht von ihnen muß fres-
sen laßen. Sie geben alle Iahr ein besonder
Gast-Mahl für die Fliegen. Ihre Sorgfalt erstrekt
sich auch auf die Bäume. Es ist «alle Iahr» ein
Mönchs-order unter den Heiden, die Taquirs genannt
werden, darunter einige büssende sind, die sich
allerley Marter anthun. Einige nehmen eine ge-
wiße Positur an, die sie niemahls verändern,
z. Ex: die Hände in die Höhe, den Kopff rückwerts ge-
bogen, so daß die Gelenke %endlich so verwachsen,
Einige thuen ein Gelübde niemals<1> schlaffen«d»<4>
zu<3> liegend<2>, %und hängen sich zu dem Ende in schleif-
fen, die sie an einem Baum befestigen. Diese
Buße der Taquirs bringt großen Seegen ins
Land. Aber die herumstreifende Taquirs oder
BettelMönche, kommen mit den Calenders, oder mit
den Mahumedanischen Dervischen überein, Sie
schlagen sich zuletzt zusammen %und werden Ziegeüner,
welche alle Religionen wo sie hinkommen, von
sich ausgeben. Die Parsen oder Gauren bethen
das Feuer an, sie wißen von keiner größern
Gottlosigkeit, als das Feür mit etwas anders als mit

/ Erde

/|P_263

/Erde auszulöschen. Sie haben vor einen Hahn
eben die Hochachtung, als die Banianen vor einer
Kuh. Sie heyrathen in keine fremde Geschlechter,
weswegen sie auch ihre Alte weisse Farbe be-
halten, halten sich auch verunreinigt, wen ein Frem-
der von ohngefähr mit ihnen gegeßen %und getrunken
hat. Ihr ehrlichstes Begräbniß ist in dem Magen der
Vögel. Bey Suratte haben sie auf dem Felde ei-
nen Platz, der mit einer hohen Mauer umzogen ist.
Der Inwendige Platz ist so gemacht daß die Feuch-
tigkeit auswerts ablaufen kann, Da siehet man
eine Menge Leichen, auf eine sehr eckelhaffte
Art liegen, mit außgefreßenen Augen, @heraus@-
gerißene Gedärmen p.p. diese werden von Ha-
bichten %und andern Vögeln so zugerichtet %und gefres-
sen. Man findet hier auch Thomas_Christen.

/ ≥ Ehen. ≤

/In dem Königreiche Calicut, soll ein Weib bis
12 Männer zugleich heyrathen können.

/Man verkaufft hier, wie sonst in Indien, die Wei-
ber %und hält sie Sclavisch.

/Die Verbrennung der Weiber der Bramanen zugleich
mit den Männern, geschieht von ihnen bisweilen frey-
willig, bisweilen gezwungen.

/ ≥ Von den Asiatischen Inseln.
/I. Iapan.

/|P_264

/Von den Einwohnern @Niphon@ genannt. ≤

/Sie ist nebst Madagascar %und borneo unter die
größten von allen Inseln zu zählen; zu welcher
noch verschiedene größere %und kleinere Inseln, die
@durch@ enge Fahr-Wasser von einander gesondert worden,
gehören.

/Sonst besitzt der Kayser etwas auf Corna %und
den Südlichen Theil von Kamtschatka. Das Land ist
erstaunlich Volkreich. Von Magasacki bis Ieddo in
einer länge von 200 dütschen Meile, reiset man
durch 33 große Städte mit Castelen, %und 75 Städte
ohne Mauren, %und soviel Dörfer, daß immer eins
das andre stößt, %und man kan viele Meilen
weit als durch eine eintzige straße reisen.
Das Land ist sehr Gebürgig, hin %und wieder sind
feüerspeiende Berge, die entweder außgetobt
haben, oder noch Toben, heisse Brunnen, Erdbeben,
Im nordlichen Theile von Iapan ist es ziemlich
kalt, überhaupt aber auf der Insel unbestän-
dig Wetter, doch regnet es am meisten im Iunio
%und Iulio. Iapan hat ein %geistliches Oberhaupt der @Dáiri@
genannt, der zu Meaco residiret, %und ein weltli-
ches der sich Kubo nennt. Der Dairi hat keinen
andern eigenen besitz, als die Stadt Meaco, %und die
dazu gehörige Landereyen, ab er gleich vordem
über die gantze Insel herrschete. Denn nunmehr

/ ist

/|P_265

/ist der Kubo der souveraine Kayser über die-
selbe. Kein Haven ausser Nagasaki steht den Frem-
den offen, %und zwar nur den Holländern %und Chine-
sern %und zwar nicht die Stadt, sondern die Insel
Desima an derselben, darin man die Fremde
verschließen kan.

/ ≥ Character der Nation. ≤

/Die Iaponeser haben mehrentheils einen
großen Kopf, Platte Nase, kleine Augen (ob-
zwar nicht so groß als die Chineser) sind klein
von Statur, %und untergesetzt, haben eine braune
Gesichts_Farbe %und schwartze Haare. Sie sind vor-
sichtig, redlich, Artig, fleißig, hart in unge-
mächlichkeiten, sonst sind sie argwöhnisch, jach-
zornig wie die Tartern, ungemein hartnäckig,
scheüen nicht den Todt. Sie Erben einer vom an-
dern die Rache. In ihrem Bauen theilen sie nicht ihr
Hauß nicht in beständige Zimmer ein, sondern
können durch ihre Schirme so viel Zimmer machen
als sie wollen. Alles Holtz-Werck von ihren Häu-
sern ist Laquiret. Sie wißen so wie die «Chineser»
Chineser von keinen Glaßfenstern, sondern in Oehl
getränckt Papier, %und geschiffenen Auster-Schaalen
werden dazu gebraucht. Es ist aber in allen Häu-
sern ein Brandt-freyes Zimmer.

/In ihrem Essen wissen sie alle mögliche, selbst die

/ die

/|P_266

/die gifftigen Kraüter zum Eßen zuzurichten.
Butter %und Käse kennen sie nicht. Ihre Compli-
menten haben viel Aenlichkeit mit der Chineser
ihren, sie sind aber nicht so beschwerlich, sie sind
überhaupt dem Selbst-Morde sehr ergeben. Zum
Beschluße eines großen Festins, fordert ein
vornehmer Herr bisweilen seine Diener auf,
%und frägt sie, welcher von ihnen Lust habe, durch
Aufritzung des Bauchs ihn zu beehren, worauf
sich die Bediente noch um die Ehre Zancken. Sie ver-
brennen ihre Tode.

/In den Strafen hört man nicht viel von andern
Arten, als verbrennen, zerreissen durch Pferde,
Sieden in Oehl, kreützigen mit umgekehrten Kopfe.

/Die Hurerey ist in Iapan keine Sünde, ausge-
nommen, wenn sie von einer verehlichten Frau aus-
geübt wird.

/Eines Menschen Verbrechen, wird durchgehends
durch den Todt der ganzen Familie bestrafft;
Die Weibliche ausgenommen. Wenn zwischen Nach-
barn einer Strasse Zanck und Streit entsteht, so
läufft alles zu ihm beyzulegen, Geschicht es dann,
daß einer erschlagen wird, so muß, es mag der
andere ihm durch Noth-Wehr getödtet haben, oder
nicht der Thäter erstlich sterben, 3 Nachbarn auf
der Stelle des Unglücks werden auf 3 bis 4
Monaten in ihren Häusern, mit großen Bäumen

/ versperret

/|P_267

/versperret, die andere in derselben Strasse
müssen einige wochen Frohn Dienste thun. Ihre
Torturen sind abscheülich. Den Leib mit einem
Trichter voll Waßer gießen, %und dann auf den
Bauch tretten, oder in grobe Leinwand den De-
linquenten steif verwindlen, %und diese mit
Wasser begiessen, %und ihr dann an der Sonne auf
Steine rollen, sind gemeine Ausfragungsmittel.

/ ≥ Religion. ≤

/Sie erkennen ein höchstes Wesen, weil es aber
viel zu hoch sey, als daß es sich um dem Menschen
bekümmern sollte, so betten sie die vergötter-
ten Seelen abgeschiedener «Seelen an» Menschen
an. Sie wißen von keinen Teüfel, als der den
Fuchs beseelt hat, in dieses Thier fahren auch
die Seelen der Gottlosen. Einige sind allen
ihren Grundsätzen, indem sie die höchste Glück-
seeligkeit in der Tugend setzen, den selbst-
Mord sehr hoch halten den Stoicis ähnlich. Diese
Secte heißt die Syntoisten, %und einige halten sie
für verehrer des wahren Gottes andere für
Athisten. Die vorige Christen, die seit der all-
gemeinen Verfolgung hier um Nagsacki noch
übrig sind, werden Iährlich genöthigt ein Cru-
cifix %und Marien-bild mit Füssen zu tretten.
Die es nicht über ihr gewissen bringen können,

/ werden

/|P_268

/werden ins Gefängniß geworfen. Das Verbot
des Kaysers geht aber %vornehmlich auf die Katholische Religion.

/ ≥ Wissenschafften %und Künste. ≤

/Sie rechnen so wie die Chineser mit einem mit
Stricken bezogenen Brette, worauf sie %.etliche Knüpf-
chen hin %und her schieben. In der Medicin brauchen
sie das Aderlaßen, wie die Chineser gar nicht.
Zwey Arten zu Curiren nähmlich das Maxabren-
nen %und Nadelstechen ist hier allgemein, %und auch in China
berühmt. Sie nehmen die Flocken %und die Fasern von dem
Beyfuß mit breiten Blättern, drehen etwas davon
zwischen den Fingern wie ein Kegelchen hinauf, %und
zünden es mit wohlriechendem Holtze an, %und laßen
es bis auf die Haut wegglimmen. Es ist dieses nicht
schmertzlich. Selbst Kinder leiden es ohne zu wei-
nen. In dem Augenblicke, da das Feür die Haut berührt,
ist in dem Patienten eine Empfindung wie durch
die Electricität. An beyden Seiten des Rückgrads
sind die vornehmsten Stellen. Die Verdauung zu
befördern, brennen sie zwischen den Schultern,
wieder die Zähnschmerzen brennen sie die Mauß
an die Hand auf derselben Seite des leidenden
Zahnes. Es werden offentlich Statuen verkauft, da die
Theile des Cörpers bezeichnet sind, die bey gewißen
Zufällen müssen gebrannt werden.

/ Das

/|P_269

/Das Nadelnstechen geschiecht mit Nadeln aus Gold
oder Silber, die 4 Daumen breit lang sind. Die
silberne Nadel ist nicht dicker als eine Seite.
Sie steckt in einer Röhre, %und wird einen Daumen-
breit, tief ins Fleisch gedreht.

/Die Iapaneser sind große Meister in Gold %und
Silber, Kupfer, Eisen, %und Stahlarbeiten. Sie härten
den Stahl, ja selbst Gold %und Silber auf eine verwun-
derungsvolle Weise. Papier machen sie aus der
Haut unter der Rinde gewisser Maulbeer-Bäume.
Ihr Ackerbau ist wegen erstaunlicher Menge der
Menschen, wie bey den Chinesern sehr sorgfältig
sie machen Abtritte für Reisende um die Dün-
gung zu gewinnen. Wer ein Stück Landes ein Iahr
unbebaut läßt, verliert sein Recht darauf.

/Ihr Théebon ist fast eben so wie der Chinesische
eingerichtet

/ ≥ Naturalien. ≤

/Gold %und Silber wird, wiewohl nicht in großer
Menge in Iapan gegraben. Kupfer ist am häufig-
sten, %und wird in Stangen wie Lack gegossen. Am-
bregis wird von der See klebrig %und weich ausge-
worfen, ist aber in dem Magen der Wallfische hart.

/Der FirnißBaum wird in seiner Rinde ge-
ritzt, %und giebt ein Lack«t», womit die Iaponer alle
Sachen Lackiren, worüber sie hernach einen Fir-
niß von Oehl %und Terpetin streichen, %und mit @allerley@

/ Farben

/|P_270

/Farben vermischen, daher die verschiedenen Farben
die man an den mit Firniß Laquirten Sachen
wahrnimmt, herrühren. Sie Destilliren den Kam-
pfer, aus dem Säge-Staub des Kampfer-Baums.
Indianische Vogel-Nester finden sich hier auch. Der
Fisch, der Blaser genant, ist ein starckes Gift.
Ein Iaponer aß aus Verdruß, über die spani-
schen Pocken, die ihn verzehrten, diesen Fisch, brach
aber mit diesem Gifft alle seine Krankheit
aus, %und ward gesund.

/ ≥ Philippinische Inseln. ≤

/Mindanao, ist gröstentheils Mahometanisch, %und
steht unter der Bothmäßigkeit eines Sultans.
Die Abwechselung der Land- %und See-Winde, %imgleichen der
Ost %und %Westlichen Moussons, %und der Orcane %und ungewitter
in den Zweifel-Monathen, ist hier sehr richtig.
Die Einwohner scheinen ihre Gesichtsbildung nach
Abkömli<n>ge«n» der Chineser zu seyn, sie ahmen
ihnen auch in der höfflichen %und rachgierigen Ge-
müths-Art, %und in der Neigung zu betrügen nach.

/Der Sagge oder Plantanen-baum. Dieser Baum
vertrocknet, so bald seine Frucht reif ist, alsden
aber schiessen wieder andere Sprossen hervor,
die den Abgang der Alten ersetzen. binnen einem

/ Monath

/|P_271

/Monat wird der Stam so dick als ein Arm. Wenn
er seinen völligen Wachsthum hat, so schießt oben
ein Stengel heraus, woran die Frucht Trauben-
weise wächßt, deren Fleisch weich, %und süß wie
Butter ist, wird von den Indianern frisch oder
getrocknet oder gestoßen %und gegohren als Wein
genossen. Luconia mit der Haubstadt Manilla ge-
hört den Spaniern: diese Insel ist sehr @den@
Erdbeben unterworfen. Die Einwohner in dem inner-
sten gebürgigten Theil sind schwartz, aber nicht
von der Africanischen Art, die schwartzen in der
Halb-Insel diesseits Ganges, sind fast so schwartz
als die Caffern, haben aber eine regulaire Ge-
sichts-bildung %und glatte Haare. Es wachsen hier die
Meisten Ost %und West-Indischen Bäume. Der Baum
Comandag ist so gifftig, daß in seinen Schatten @zu@
schlaffen Tödlich ist. %und die Blätter, die von ihm ins
Wasser fallen, die Fische Tödten. Von der Manil-
lischen Gallion in der Vorlesung.

/ ≥ Latronische Inseln. ≤

/Es wächßt auf ihnen %und den Philippinen
die Brod-frucht, so groß als ein Ballon zart %und «¿¿»
süß, wenn sie getrocknet ist, schmeckt sie
wie Semmel. Ihre Prönen oder fliegende Fahr-
zeüge sind oben beschrieben, nur daß ich

/|P_272

/noch hinzusetze, daß auf der Bauchigten Seite
der Ausleger, nähmlich ein schmales Kahn 7 Fuß
vom dem Botte ab an einem Rahmen befe-
stiget ist, damit das Schiff nicht umschl«ägt»age; die
Platte Seite, ist die Wind-Seite, %und eine jede
Spitze ist das vorder- oder Hintertheil. Sie seeglen
in 6 Stunden 33 bis 35 deütsche Meilen. Die In-
sel Guam ist die vornehmste. Timian ist we-
gen des Aufenthalts des Admirals Anson in
derselben merckwürdig.

/ ≥ Moluckische Inseln. ≤

/Stehen unter der Herrschafft der 3 Könige
von Ternate, Tidon %und Bassian, welche alle Ma-
homedaner sind, sie haben den Holländern, die
Landes_Herrliche Hoheit abgetreten, %und kan kein
König ohne Einwilligung der Holländer gewählet
werden. Diese haben mit ihnen auch einen
Vertrag gemacht, daß sie für ein gewißes
ansehnliches IahrGeld die Muscaten %und Nägelein
Bäume, auf allen ihren Inseln außrotten,
ausgenommen Anboina %und Banda, %und daß sie
hin %und wieder Castele zur bedeckung ihrer Hand-
lung anlegen. Die Molucker sind faul, feige,
hoffärtig, betrügerisch, lügenhafft, rächen sich
heimtückischer Weise, halten Hurerey für keine

/ Sünde

/|P_273

/Sünde. Es ist hier wie auf festem Lande von
Indien ein Cocos oder andern Palmbäume alles
in allem. Die Blätter sind ihr Tischtuch auch
ihre Teller, wozu auch Cocos_Schaalen kommen.
Außgehöhlt Bambus_Rohr ist ihr Gefäß zum
Trinken. Sago ist ihr Brodt. Die Nägelein-Bäu-
me werden bloß auf Amboina, %und die Musca-
ten auf Banda geduldet. Walther, Schultz schreibt
von denen von Ternate, daß sie Helden im
Gefecht sind, aber eine Ewige Rachbegier haben,
sonsten sehr schwartz, aber mit langen Haaren
sind.

/Die Landvogtey von Amboina, %und den dazu ge-
hörigen Inseln, ist sonst die beste, überhaupt aber
sind diese Inseln sonst überaus Arm %und ver-
lohnen den Holländern nicht die Unckosten, wenn
man die gewürtze ausnimmt.

/Der Nägelein-Baum hat einen Birn-Baum
%und der Muscaten-Baum einen Apfel-Baum.

/ ≥ Die Insel Celebes oder Ma«hs»cassar. ≤

/Celebes oder der %Nordliche Theil der Insel, gehört
dem Könige von Ternate zu. Macassar aber der
%südliche Theil, ist unter dem Unmittelbaren Schutz
der Holländer. Sie haben Gold-Sand, Calambac, San-
delholtz, %und Farbehöltzer. Die Einwohner bespren-
gen ihren Toback mit im Wasser zerlassenen

/ Opio

/|P_274

/Opio, oder thun soviel als ein Nadelkopf groß
in die Pfeife, wovon sie kühn im Gefecht werden.

/Die Macassaren scheinen die einzige kriegeri-
sche Nation, die jenseits der Bay von Bengala wohnt,
zu seyn. Sie werden wie die Schweitzer an andern
Höfen zur Leib-Garde gesucht. Der Macassaren
Farbe ist schwärtzlich. Die Nase ist Platt %und zwar
in der Iugend so gedrückt. Ihre Buchstaben sind
den Arabischen gleich, %und sie scheinen auch von
ihrem Geblüte herzukommen. Sie scheinen edel
gesinnt zu seyn, sind hitzig %und auffahrend %und nicht
zur Sclavischen Untherthänigkeit gemacht. Sie
sind Mahometaner. Sie schiessen ihre Pfeile
aus Blas-röhren.

/ ≥ Von den Sundaischen Inseln.
/Borneo. ≤

/Ist die gröste unter allen bekanten Inseln.
Die Dünste die nach der überschwemmung vom
Erdreich aufsteigen, der Gestanck, der alsden
zurückbleibenden Ungeziefer, die kalten Winde,
welche plötzlich auf große Hitze folgen machen die-
se Insel zu einem ungesunden Lande. Die
Moussons gehen also, daß vom October bis in dem
Aprill West-Winde nebst vielen Regen von diesen
aber bis in dem October ost-Winde %und trocken

/ Wetter

/|P_275

/Wetter auf der Südlichen Küste sich zutragen.
Doch gehet selten ein Tag hin, da nicht ein schauer
Regen kommt; denn es ist auch alle Tage ein Wech-
sel der Land %und See-Winde. die %nordliche Küste
wird nicht besucht.

/Die Fluth geschieht nur einmahl in 29 Stun-
den, %und zwar bey Tage, denn in der Nacht wehen
die Land-winde sehr starck gegen dieselbe. Die
an. die an den Küsten «gehen» wohnen sind Maho-
metaner, im inneren des Landes wohnen Heyden;
die letzteren blasen auch so, wie die Macassa-
ren, ihre vergiftete Pfeile aus Blaß-Röhren,
diese sind auch mit einer Art von Bajonette ver-
sehen. Die von Borneo sind schwartz, haben a-
ber lange Haare«n». Die Heyden im innern des Lan-
des machen sich den Leib blau. Ziehen sich die
vorder_Zähne aus, und setzen Goldene ein. Man
ha«t»ndelt allhier Gold in Stangen, %und in Staub ein.
Drachen-Blut, Affen %und Ziegen, Bezoar, den besten
Campher, Vogel-Nester, Schwartzen %und weissen Pfef-
fer, der letztere weil er von selbst abgefallen
%und an der Sonne gelegen hat, ist besser. Hier sind
auch Diamanten. Der Orang_outang ist 6 Fuß hoch.
Hier herrscht auch die Meinung vom Drachen der
den Mond verschlingen soll. Die von Borneo
glauben, daß alle Kranckheiten vom Bösen

/ Geiste

/|P_276

/Geiste herrühren, dem sie ein Opfer in ein kleines
Schiff setzen, %und es auf dem Flusse weggehen
lassen.

/ ≥ Iava. ≤

/Auf dieser Insel herrschen 5 Könige.
Auf der von Ba«h»ntam seinem Lande ist Batavia
erbauet; der von Mabaram ist der mächtigste,
von November bis in dem Märtz sind West-Winde
%und Naß Wetter, vom May bis in dem October
Ost-Winde, %und trocken Wetter.

/Die Holländer halten in allen ansehnlichen
Städten auf Iava Vestungen, %und geben allen
Fürsten, ausgenommen den von Palamboang Leib-
Garden, um sie in Ruhe zu halten.

/Die herrschende Religion ist die Mahometanische.
Im inwendigen des Landes sind Heyden.

/Die Iavaner sind gelb, %und von breitem Gesichte,
heraußstehenden hohen Kinnbacken, platter Nase,
diebisch, trotzig %und sclavisch, bald wütend, bald
furchtsam.

/Die Europäer wenn sie bey ihren Sclaven eine
Aussage herausbringen wollen, so legen sie ihm ein
Stöckchen, welches gespalten an dem Halß %und er muß
sagen: schwartzer Iohan wenn ich schuldig bin so
knei«p»fe mir den Halß zu, welches zu sagen, er,
wenn er schuldig ist, %gemeiniglich nicht das Hertz hat.

/ oder

/|P_277

/oder sie geben ihm, einen Haufen Trockenen
Reiß zu kauen, %und bilden ihm ein, daß, wenn
er lügt, es ihm ersticken werde, da alsdenn die-
se Vorstellung offt die Wahrheit heraußpreßt
oder sie geben ihm einen Stock, eines Fingers lang,
murmeln etwas darüber, %und machen ihnen @weis,@
daß derselben, wenn er bey dem Schuldigen eine
Zeitlang gewesen, einen Fingerbreit länger
werde. Dieser Glaübt es, %und schneidet etwas da-
von. Man findet auf Iava viel Pfeffer, Zu-
cker-Rohr, Cordemom, welcher an einem Rohr ähnli-
chen Stamme wächßt. Man hat zwar Wein-stöcke oder
Trauben, aber man kan keinen Wein davon ma-
chen. Es sind ferner darauf Cubeben, eine krie-
chende Pflantze, wie des Pfeffers Tamarinden,
eine Art Bäume, wie Castanien-Bäume, die eine
Schotenfrucht tragen. Benziun Beckel %und Titang
oder Arack-Nuß. Es giebt wie wohl selten Orang ou-
tang, den Rhinoceros, 25 Fuß lange Schlangen,
die einen gantzen Menschen verschlingen. @Hessen@
erzählt, daß man aus dem Bauche einer solchen
Schlange ein Kind noch lebendig heraußgezogen habe.
Unter die großen Landplagen gehören die «Halt¿¿»
Hackerlacks eine Art Käfer, welche alles zerfres-
sen, dem Menschen im Schlaffe beißen, %und heßlich stinken.

/ Sumatra

/|P_278

/ ≥ Sumatra. ≤

/Diese Insel ist ungesund. Die Witterung
schlägt von der größten Hitze, bis zur empfindlichen
Kälte plötzlich um. An dem Küsten sind Moräste
%und Sumpffe von ausgetretenem See-Waßer,
welches ungesunde stinkende Nebel macht. Das
Sterben der Fremden ist so gewöhnlich, daß man
fast alle Furcht davor verlohren hat. Achen ist
das vornehmste Königreich auf dieser Insel
an der Norder-Spitze derselben; der Regen, der hier
im Nassen Mousson fält, ist erstaunlich hefftig.

/Die von Sumatra sind schwärtzlich, von platten
Gesichtern, kleinen Nasen, färben sich die Zähne
schwartz, %und salben den Leib mit stinckendem Oehle.
Sie sind an den Küsten Mohametaner, im Inwen-
digen das Landes Heyden, sie bedienen sich
starck nebst dem Betel arac des Opii, %und des Bangs.
Das vornehmste Land-Product ist der Pfeffer,
hernach Reiß, %und dann Zucker-Rohr. Es wird hier viel
Gold %und mehr als sonst in Asien aus den Bächen gewaschen.

/Ihre Prönen haben zu beyden Seiten Rahmen,
Aus-leger, worauf sie zur Zeit des Sturms
2 Männer setzen, %und zwar auf der entgegengesetzten
Seyte das Umschlagen zu verhüten.

/ ≥ Inseln Nicobar, %und Andomann. ≤

/Liegen nordwerts von Sumatra. Die Einwohner

/ sind

/|P_279

/sind lang %und wohlgemacht, dunkel Gelb; Sie haben
eine Baum-Frucht, deren sie sich als Brod bedie-
nen; den ander Getreyde haben sie nicht. Sie
Essen auch nicht viel Fleisch. Man beschuldigt
sie %fälschlich daß sie Menschenfleisch fressen
sollen. Ueberhaupt haben die Vernünfftigsten von
allen neüen Reisenden diese manchen unbekan-
ten Völckern angedichtete Grausamkeit unwahr
befunden, worunter auch Dampier gehört.

/ ≥ Das Land der Papuas. ≤

/Es ist noch nicht recht außgemacht, ob es eine
Insel sey. Die Einwohner der Küste sind schwartz
%und leben blos von Fischen. Ihre Religion soll in
Verehrung eines kleinen Steins mit Grünen %und
Rothen streifen bestehen. Neü-holland ist von Dam-
pier
entdeckt worden im 16 Grad der Süder-Breite.
Die Einwohner sind schwartz, %und haben ein wol-
ligt Haar wie die Negers, %und sind fast eben so
häßlich, können die Augen nicht recht aufma-
chen, so Armseelig als ein Volk auf der Erde.

/ ≥ Andere Inseln in diesem Meere. ≤

/Die Insel Bali ostwärts nahe an Iava, heißt
auch Iava Minor. Die Einwohner sind fast alle Gö-
tzen-Diener. Sie sind Weiser als die von Iava,
getreü, Fleißig, tapfer, vornehmlich ihre Weiber
sehr vernünfftig, Arbeitsam, guthertzig. Daher

/ diese

/|P_280

/diese gern von Chinesern zu Weibern sich mit
ihren verstorbenen Männern verbrennen müssen.
Als im Iahr 1691 der Fürst_von_Bali verstarb, wür-
den von seinen 400 Weibern 270 mit Dolchen nie-
dergestossen, worauf sie eine Taube, die sie
in der Hand hielten, fliegen liessen %und riefen:
Wir kommen Kayser, darauf verbrannt wurden.

/Auf Solor, Timor, %und einigen nahen Inseln, wird
eintzig %und allein der rechte Sandel-Bau, sowohl
der weisse, als Gelbe, als auch Rothe gefunden.

/ ≥ Ceylon. ≤

/Liegt nur 8 Meilen vom festen Lande Indiens.
Die Holländer besitzen die Küsten umher, und der Kö-
nig von Ceylon
das innere des Landes

/Die Alten Einwohner des Landes, werden Cinga-
lesen genannt, sie sind braun von Farbe, aber nicht
häßlich, sind behertzt, Munter %und höfflich, sanfftmüthig,
sparsam aber starcke Lügner. Reiß ist ihre vornehm-
ste Kost. Unter ihre vornehmsten Bäumen gehört
1) der Tallipot hat ungemein grosse Blätter, wel-
che wie Wind-fächer in langen Falten wachsen.
Auf Reisen tragen sie solche wieder Regen %und
Sonne auf dem Kopfe. Ein jeder Soldat hat ein
solches Blatt statt eines Zeltes. Der Baum wiegt
nicht eher Frucht als das letzte Iahr, wenn er vertro-
ckenen will. 2) der Neffula, aus dessen abgezogenem

/ Saffte

/|P_281

/Saffte sie Iaggorey oder Brau_Zucker Kochen.
3) der Zimmet-Baum ist allein auf dieser Insel
anzutreffen, die 2te untere Rinde abgestreift
ist der Zimmet. Es sind verschiedene Gattungen von
Zimmet-Bäumen. Ein jeder Baum geht aus sobald
er abgeschälet worden, %und er muß bis @6@ Iahr Alt
seyn, um dazu gebraucht zu werden. Der gantze
vortreffliche Geschmack, sitzt in dem zarten Häutchen,
welches die Rinde inwendig bekleidet, dessen
Oehl beym Trocknen in die Rinde dringt, das Holtz,
die Blätter, %und die Frucht, haben zwar etwas von
diesem Geruch in sich, aber wenig. Eine Art Vögel,
Zimmet-Fresser genannt, pflantzen diesen Baum
durch ihre unverdaute Frucht sehr fort, wie @dann@
auch nach abgehauenen Bäumen neüe sprößlin-
ge ausschiessen. Der Geruch dieser Bäume ist
weit in die See zu mercken. Aus den Wurtzlen
macht man «Kupfer» Kampfer.

/Diese Insel hat eine große Menge wilder E-
lephanten, welche sie zu fangen %und zu zähmen @wissen.@

/Die Blut-Igel sind auf reisen eine erstaunli-
che Plage. Ihr Papier besteht aus Striemen, die aus
den Blättern des Tallipot geschnitten werden,
worauf sie mit einem Griffel, die Buchstaben
ritzen. Sie verehren einen Obersten Gott, beten
aber doch auch die Bildnisse der Hheiligen und @Hel@-
den an. Auf der Spitze des Pico d'Adam ist

/|P_282

/ihren Vorgeben nach noch ein Fußstapffen ihres
Gottes Budda anzutreffen. Diesen Fußstapffen ver-
ehren sie.

/Man findet einige Prächtige %und sehr Alte
Tempel, die zu einer Zeit müssen erbaut seyn,
da ein sehr Mächtiger Monarch über sie geherrscht
hat. Denn jetzt wissen sie nicht einmahl etwas
an ihnen außzubessern. Die Ehe_Männer sind
hier nicht eyfersüchtig. Die Weiber werfen ihre
Kinder weg, oder verschenken sie, wenn sie ihrer
Einbildung nach in einer unglüklichen Stunde
gebohren werden. Die Schlange Pimberach schlin-
get ein gantzes Reh auf. Die Spinne Demacalo
ist so groß als eine Faust, haarigt, gläntzend %und
durchsichtig, ihr biß macht wahnsinnig.

/ ≥ Maldivische Eylande. ≤

/Dives heißt in der Sprache der Einwohner
eine Insel, %und Mala ist die vornehmste aller
dieser Inseln, die Haupt-Stadt des Königes. Aus
beyden Wörtern ist Maldives zusammengesetzt.
Die Reihe dieser Inseln beträgt über 200 deüt-
sche Meilen; Sie sind in 13 Attolons, oder Trau-
ben von Inseln, als so viel Provintzen abgetheilt.
Ein jeder Attolon ist mit einer besondern Stein-
brück umfaßt, woran sich die Wellen mit Un-
gestüm brechen. Wenn sich der König der Maldiven

/ einen

/|P_283

/einen König von 12.000 Inseln nennt, so ist dies
eine Asiatische Vergrößerung. Die meisten Inseln
sind unbewohnt, %und tragen nichts als Bäume. Ande-
re sind bloße SandHauffen, die bey einer starken
Fluth unter waßer gesetzt werden. Es giebt
hier keine Flüße sondern bloßes Brunnen-
Waßer. Nur 4 bis 5 Canäle, von denen die zwi-
schen den Attolons fortgehen, können be-
fahren werden, %und diese wegen der reissenden Ströme %und der vie-
len Klippen mit großer Gefahr. Die Hitze ist hier
sehr Mäßig. Die Regen Monathe sind vom April
bis in den %@September@ mit West-Winden. Die übrigen
Monathe mit Ostwinde immer schön Wetter. Die
Maldiver sind schön obschon olivenfärbig, sie
scheinen von den Malabaren abzustammen. Man
begräbt hier sorgfältig die abgeschnittenen
Haare %und Nägel als Theile, die eben so_wohl als
die übrigen zum Menschen gehören. Die Haupt-
Insel Mala, liegt in der Mitte aller Inseln.
Es ist eine Art von Bäumen hier, deren Holtz
ungemein leicht ist, mit deren Brettern, die
die Täucher in der See an versunkenen Sachen an-
knüpffen, bringen sie weiße glatte Steine,
die mit der Zeit schwartz werden hinauf zum
bauen, auch wohl Canonen.

/Die Religion ist Mahometanisch.

/|P_284

/Die Maldiver essen mit niemanden, als mit
einem, der ihnen an Ehrenstellen, Geburt %und Reich-
thum völlig gleich ist, weil dieses nun schwer
auszumitteln ist, so schickt derjenige der Freün-
de bewirthen will, ihnen gemeiniglich einen Tisch
ins Hauß.

/Die Betel-Blätter mit der AracNuß werden
hier auch unmäßig gebraucht. Gegen Augenschmer-
@tzen@, wenn sie lange in Sonneschein bleiben,
essen sie eine gekochte Hanenleber %und das hilfft,
wie Pyran an sich selbst erfahren hat. Die Nation
ist sehr Geil. Der Hofstaat des Königs sieht
ziemlich Prächtig aus. Maldivische Cocos_Nüsse
werden aus der See ausgeworfen, ohne daß
man weiß wo sie herckommen, %und sind sehr rahr,
sollen ein Artzne«¿»i-Mittes seyn. Hier findet
man die kleine Muschel Bolis, %und in Indien Koris
genannt, die 30 bis 60 Schiffsladungen voll vor-
nehmlich nach Bengalam geschifft werden, %und dort
für Baar Geld gehen. Sie gelten auch in Afrika.
Die Einwohner sind künstlich in Arbeiten.

/ ≥ Persien. ≤

/Das Land hat vornehmlich in seinem mitt-
lern Theil in den Gegenden von Tauris %und Schiras etc.
starcke Abwechselung von Kälte %und Hitze, es giebt
viele unbewohnte Wüsteneyen, %imgleichen Saltz-Wüsten,

/ die

/|P_285

/die nach dem ausgetrockneten Regen-Waßer
mit Saltz Candisirt sind, in demselben. In der
Mitte von Persien ist kein Schiffbahrer Strom, %und
es ist überhaupt nicht leicht, ein Land in der Welt,
das an der See läge, %und so wenig Strömme hätte.
Vom Iuny bis zum %@December@ ist die Lufft überaus hei-
ter. Zum Gomron am Persischen Meerbusen @in@
dem nahe gelegenen Gegenden ist der Ost-Wind,
der über die Wüste Kerman kommt, brennend heiß
%und Roth. Ist nichts anders als der Samgel. Die-
se Insel Ormus ist 2 Finger dick mit Saltz can-
disirt, %und daher sehr heiß.

/Das Persische Geblüt ist sehr vermischt,
nähmlich von den Arabern, Tartern, Georgianern,
deren Weiber sie häufig nehmen, daher ist in
ihrer Gestalt ausser der Oliven_Farbe kein be-
sonderes Merkmal. Die gauren oder Guebren sind
der Nachlaß von der alten Nation. Zerdust oder Zoro-
aster
ist ihr Prophet, sie sind häufig in den %südlichen
Provintzen anzutreffen, %und beten das Feür an.

/Die Perser sind Witzig %und Artig, sie lieben die
Poesie ungemein, %und sie gefält auch selbst de-
nenjenigen, die kein persisch verstehen. Die
Mädchen werden im 8ten Mannbar, %und im 30ten hö-
ren sie auf es zu seyn. In Persien ist die A-
strologie in grossen ansehen. Das Reich ver- 

/ wendet

/|P_286

/wendet an die, welche sich hierinn hervorthun
an Geschenken auf 2 Millionen %Reichsthaler weil
sie allenthalben mit den Medicis zugleich bey
Krancken gebraucht werden (mit welchen sie
doch in immerwährender Uneinigkeit leben) so
stehen sie in großer Connexion, %und könen dadurch
leicht heimliche Dinge erfahren. Eine rühmliche
Sache in Persien ist, das Meritirte vornehme Män-
ner vielfältig im Alter öffentliche Lehr-Stun-
den halten, da sie ihre Wissenschafft %und Erfahrung
den Iungen mittheilen. Was die Religion anbetrifft
so ist sie eine Seckte der Mahumedanischen, welche
aber von den Türcken sehr gehaßt wird. Man findet
aber in ihren Schrifften öffters viel reinere be-
griffe vom Himmel %und Hölle als man sie im Coran
ließt. Eine artige Fabel, die man hier von 3 Kin-
dern erzählt, deren eins als ein Kind starb, das
2te Gottloß, %und das letzte From starb. Eine andere
Fabel vom versuche der Engel in Menschliche Leiber
überzugehen.

/Die guten Werke sind ihrer Lehre nach Zeichen
der göttlichen Gnade aber verdienen nicht die See-
ligkeit. Die Seele soll nach dem Tode einem Zar-
ten LufftLeib bekommen.

/Adam soll %eigentlich durch das Essen des verbo-
tenen Baums nicht gesündiget haben. Es sey

/ ihm

/|P_287

/ihm nur wiederathen worden, weil er diese
grobe speise, nicht so wie die @übrigen@ ausschwi-
tzen könte, Er sey aus dem Himmel gestoßen
worden, damit er ihn nicht verunreinigte. Sonst
ist ihre Andacht bey Predigten sehr schlecht, in-
dem manche Toback rauchen, einige sich un-
terreden pp. Hier lauffen auch die Derwischen %und
Taquirs häufig um, Gegen dem Persischen Meer-
Busem zu, giebt es so genante Iohannis-Chri-
sten, welche von Christo nichts wißen, außer
das sie vom Taufen viel Wesens machen, %und
des Iohannis zu öfftern gedencken. Naphta fließt
hier aus Felsen. Der Schiras-Wein soll der
köstlichste in der Welt seyn. Man trinckt ihn
nur heimlich, aber man berauscht sich öffentlich
Am Opium Bang %und Tranck von Mohnsaamen.
sie rauchen den Toback durch Waßer. Das
Opium, das sie sehr stark«t» brauchen, wird
aus der Mohnpflantze Hiltot durch Ritzen des
Kopfes gezogen. Die Arbeiter bekommen hierbey häu-
fige schwindel. In Chorosan giebt es Mumien,
aber bloße Sandmumien, die Perlenfischerey
trägt 5 Millionen %Reichsthaler. Ietzt läßt man die Mu-
schel-banck ruhen. Sie ist bey der Insel @Bah@-
ren %Vorzüglich. Eine der vohrnemsten Waaren, die

/ man

/|P_288

/man aus Persien führt ist die Seide. Tutia ist
eine Gattung Erde, welchein Töpfen gekocht
sich an die Seiten ansetzt. Datteln %und Pistacien
sind hier schön. Sie folgen dem Galeno in
ihren Curen, %und glauben er habe von Christo
darin sehr viel gelehret. Er soll seinem
Vetter Philippum an Christum geschickt haben
der von ihn Profitirte. Avicenna ist ihr großer
Philosoph %und Medicus (siehe den gegenwär-
tigen Staat von Arabien, %und der grossen Tartarey, nach
Salomons Beschreibung)

/ ≥ Arabien. ≤

/Es hat das Rothe-Meer «ge»gegen Westen, wel-
ches darum scheint, weil im Grunde viel Coral-
len-Gewächse sind. Die Winde sind auf dem-
selben fast eben so, als in der Zona torrida ge-
dacht worden. Suetz ist eine der besten Städte an
demselben; Aber Niocha wird von den Europäern am
meisten besuchet.

/Medina daselbst ist des Mahomets-Grab.
Es ist ein 4Eckigs Gebäude, 100 Schritt lang, 30
breit, %und ruht auf Saülen, woran 4.000 Lampen
hangen. Das Grab selbsten ist mit einem Silber-
nen Gitter Umfaßt %und die Mauer ist auf
allen Seyten mit köstlichen Stoffe umhangen

/ mit

/|P_289

/mit Diamanten besetzt, welches Geschencke
Mahometanischer Printzen sind. Mecca liegt
mehr Süd-wärts, darin ist die Kaaba, ein Wür-
fel_förmiges altes Gebaüde, dessen Dach mit
rothem %und weissem Stoff, die Wände aber mit
Damast behänget, welches schon vor Mahomets
Zeiten vor heilig gehalten worden, Der Platz um-
her ist mit Gallerien eingeschloßen; dahin gesche-
hen die Wahlfarten. Mascate hat den Mächtig-
sten See-Fürsten in Arabien, der gröste Theil
der Araber wohnt in Zelten.

/Die Christen von Mecca %und Medina, kommen
von den Enkeln Mahomets Hassan her. In Arabien
%und überhaupt unter den Mahometanern ist das
Stehlen am meisten verhaßt.

/Die herumschweiffende Araber sind in Stäm-
me eingetheilt, die ihre Scheicks oder Emirs haben.
Einige sind den Türken Tributair, die meisten
nicht.

/Die Araber sind mittelmäßig groß, Schlank,
schwärtzlich, haben eine feine Stimme, sind
Tapfer, sie Punctiren ihre Haut gern mit Nad-
len, worinnen sie ätzende Farben einreiben, vie-
le tragen «Ohr»<Nasen>-Ringe, sie sind auffrichtig, ernst-
hafft, liebreich, %und wohlthätig. wie ihre Räuberey
zu Waßer, %und zu Lande zu entschuldigen sey.

/ Ihre

/|P_290

/Ihre wenigen Brunnen in den Wüsten Gegenden
machen es sehr beschwerlich zu reisen, aber
der Dienst der Camele erleichtert es.

/Die Arabische sprache ist die Gelehrte in Orient
Sie halten eben so wie die Türcken die Hunde
für unrein, %und scheüen ihre berührung. Sie nehmen
aber das Wind-spiel %und den Spürhund aus.

/ ≥ Natur_beschaffenheit. ≤

/Das Land ist mehrentheils Sandigt %und dürre.
Der rechte Dattel-Baum ist %eigentlich in Persien %und
Arabien zu Hause. Er ist entweder mänlich oder
weiblich. Der Erstere trägt Blumen %und keine Früchte,
der letztere Früchte und keine Blumen. Von ihrer
«B¿¿» begattung. Das Weibliche trägt nicht eher Früchte
bis es von dem Staube des Erstern bestaubet ist.
Der Määnliche hat eine Art Schooten, welche beym
aufplatzen einen Blumen-Staub von sich geben.
Der Syrop, der aus Datteln gekocht wird, dienet
hier anstatt Butter. Der Caffe-Baum. vide ante.
Die Aloe %sonderlich von Socotora. «G»Hier ist sie am
besten %und häufigsten. Der Arabische Balsam
wird durch Einritzen eines besonderen Baums
genommen. Er ist im Anfange so starck, daß von
seinem Geruch die Nase blutet. Myrrhen Abel-
Mosch oder der Saame des Mosch sind Balsam-Körner

/ sind

/|P_291

/sind Saamen einer Pflantze.

/Der Felß in der Arabischen Wüste Sin, darin
noch die Löcher, daraus auf Moysis Anschlagen
mit dem Stock Wasser geflossen zu sehen. Die
Griechen haben das Kloster auf dem Berge Si-
nai schon auf 1.000 Iahr in besitz gehabt. Sie
haben hier den besten Garten in Arabien.

/ ≥ Religion. ≤

/Mahomed, der in Mecca Anno 571 gebohren,
heyrathete eine reiche Wittwe Cadigha. Diese
machte seinen %vertraulichen Umgang mit dem Engel
Gabriel in einer Höhle neben Mecca kund. @Er@
beschuldigte Iuden %und Christen der Verfälschung
der %Heiligen Schrifft, gab seinen Coran stückwei-
se heraus. Ali_Osmann %und Ababacker waren
bald seine neübekehrten, von diesen verbesser-
te osmann seinen Coran. Mohamed war liebreich, be-
redt schön. Seine Schreibart, war so vortrefflich,
daß er sich offt zum Beweise seiner sendung
auf die Schönheit seines Styls beriefe.

/Er bekante daß er keine Wunder thun
könne, doch dichtet man ihm an, daß er den
Mond in 2 Theile zerspaltet, daß eine Schöps-
keüle ihn gewarnet, nicht von ihr zu Essen, weil
sie vergifftet wäre. Man dichtet ihm viel be-
trügereyen an, die er doch nicht gethan hat. Er

/ heirathete

/|P_292

/heyrathete nach der Cadigha Tode, die Aischa eine
Tochter ababekert, %und hernach auch die Kapsha
eine Tochter Omars.

/Von seiner Reise durch die Sieben Himmel.

/Das Volk in Medina fieng an ihm anzuhängen,
%und er floh dahin bey seiner verfolgung durch die
Regierung. Diese Aera der Mahometaner war 622
nach Christi Geburth. Seine Tochter Fatima ver-
heyrathete er an dem Vetter Aly. Er befahl das
Gesicht im beten gegen Mecca zu kehren, gab die
Vorher_bestimmung des Todes vor, als er geschlagen
war. Er nahm Mecca durch Überrumpelung ein
%und bezwung einen großen Theil Arabiens, starb
an dem Giffte, welches er mit der Schöps_Keüle ein-
gefreßen. Das Gebiet von Mecca ist heili«ch»g,
der «Bruen» Brunnen Zenzen. Alle Mahometaner
sollen wahlfarthen, oder doch andere Schicken.

/ ≥ Asiatische Tartarey. ≤

/Dieses große Land wird, fälschlich mit einem
gemeinschafftlichen Namen Tartarey oder Tatarey
genannt; denn diese ist eine von den Horden gewe-
sen, die sich in einer gewissen Zeit vor andere
«heyrathen» hervorgethan %und mächtig gemacht haben.

/ ≥ Russisches Gebiet.
/I Siberien

/Die Einwohner sind Russische

/|P_293

/Christen, theils Mahomedaner aus der Bucharey,
theils Heyden von allerley Gattung, deren die gröste
Menge ist.

/Die Mahometaner sind höfflich %und eines fried-
lichen Wesens, sie sind die eintzige in diesem Lan-
de, welche einen Abscheü vors besauffen haben, denn
was die übrigen sowohl Christen als Heyden an-
langet, so ist wohl nirgend ein Geschlecht der Men-
schen, da der Sauffteüffel so seine Herrschaft bezei-
gen sollte, als hier; Siberien ist vornemlich in
dessem Südlichem Theile ein gut Land, es hat allent-
halben Weyde %und Waldungen im Überfluß, %und
trägt allerley Getreide, welches doch gegen Norden
zu abnimmt, %und weiter nach der Chinesischen @Grentze@
hin aus Faulheit nicht gebauet wird. Es hat Silber,
Gold, Kupfer, Eysen, Marienglaß, Marmor pp. In
dem Argimskischen Silber-Bergwerck, wird
im Durchschnitt des Iahres 15 δLücke Silber gewonnen.
Obgleich die Viehweide hin %und wieder sehr gut ist,
so giebt es doch große Steppen oder Wüsten von
dürrem Grase, welches sie anstecken, %und oft Mei-
lenweit abbrennen. Überhaupt ist es merckwür-
dig, daß allenthalben in diesen Ländern, %und wie
andere Reisende versichern, auch in der Muga-
lischen Tartarey die Erde in die Tiefe von 3
bis 4 Fuß niemals im heißesten Sommer auf- 

/ thauet.

/|P_294

/thauet. Dieses fand Gmelin mitten im Sommer
in Argunskoi, einer Stadt die noch näher nach Süden
liegt, als Berlin. In den Nordlichen Provintzen scheint
dieser Frost in der Tiefe kein Ende zu haben. In Ia-
kutskoi, sollte ein Brunen gegraben werden (denn
man muß mercken, daß es in den etwas %nordlichen
Theilen von Siberien, gar keine Qwellen giebt,
weil die Erde bald unter der Oberfläche gefro-
ren ist.) allein diese Erde war auf 80 Fuß tief
immer gefroren, %und «¿¿»davon kein Ende zu fin-
den bey dem Fluße Iunackan, in dem Lande
der Iakuten sind einige Eisseen, da es mitten
in der Hitze des Sommers an den freyen Lufft,
starkes Eis frieret. In Ieniseiskoi fand Gmelin
bey seinem Winter_aufenthalte eine Kälte, die
das Fahrenheitsche Thermometer 120 Grad unter 0 brachte,
das Qwecksilber schien Lufft von sich zu geben,
aber es gewann nicht. In Iakutskoi kann man die
Früchte in Kellern unverletzt erhalten, weil der
Frost niehmals heraußkömmt.

/Von den Mamons_Knochen in Siberien.

/ ≥ Character der Nation in Siberien

/Die Samojeden, als die äusserste bewohner
dieses Landes gegen Norden sind klein, plump,
von glatten Gesichtern, brauner Farbe %und schwar-
@zen@ Haaren. Ihre Kleidung ist im Sommer aus

/ Fisch

/|P_295

/Fischhaüten, %und im Winter aus Rauchfellen ge-
macht. Ihr Gebäude ist nur ein Zimmer, wo der Heerd
in der Mitten %und das Rauch-Loch oben ist, welches
wen das Holtz a«n»usgebrant ist, mit einem durch-
sichtigen Stück Eis zugemacht wird, und zum
Fenster dienet. Ihre speisen sind frische %und
trockene Speisen. Man gehet hier, wie in dem
übrigen Nordlichen Siberien auf langen bret-
tern, wen Tiefer Schnee ist.

/Fast alle nordliche bewohner Siberiens schlu-
cken den Toback beym Rauchen herunter.

/Die Ostiacken bringen ihr Leben mit der Iagd,
%und dem Fischen zu, sie thun dies aber mit solcher
Faulheit, daß sie offt in sehr große Noth kommen.
Ihre Kleider machen sie von Störhaüten.

/Unter allen Siberianern möchten wohl die Tun-
gusen, %vornemlich in Konigsche die fleissigsten
seyn. Denn ob sie gleich keinen Ackerbau haben,
so sind sie doch ziemlich geschi«ch»ckt, allerley
Hand-Arbeit zu machen %und fleißig auf der Iagd.
Da«n» im Gegentheil die Iakuter kaum so viel
Lust haben ihre Fallen, worinn sie das Eichhörn-
chen fangen aufzustellen.

/Alle Tartarn, die Pferde haben, machen aus
ihrer gesäuerten Milch einen berauschenden Trank,
oder ziehen auch Brantwein ab, alle ihre @Gedenk- @
alle ihre Fest-Tage sind auf nichts anders gerich- 

/ tet

/|P_296

/tet, als hierauf. Wo man Kühe hat, macht man eben
dieses auch aus Kuhe-Milch. Es ist zu mercken, daß
um Tobolskoy, so wie in Persien die Kühe keine
Milch geben, wenn nicht das Kalb oder dessen aus
gestopfte Haut dabey ist. Es ist auch wunderbahr,
daß das Rindvieh sich hier im Winter durch
das wegscharren des schnees, das dürre Graß
selbst hervorzusuchen weiß. Außer dem Sauf-
fen herrscht die Unzucht %und daher die Venus-Seüche
in allen Städten, als Tobolskoi, Ieniseikoi, Nerzins-
koi, Iakutskoi, Argunskoi %und andern dermassen,
daß man in keinem Lande der Welt, so viel
Leüte ohne Nasen sieht als hier. Allein es scheint
sich endlich ihre Natur, so dran zu gewöhnen,
daß sie selten daran sterben. Die Faulheit in
diesen Ländern ist erstaunlich. In Nerzinskoi
wird einer lieber seyn Hauß umfallen la-
ßen als es stützen. Kein verdienst kann ihn zur
Arbeit bewegen, sondern blos die Gewalt.

/ ≥ Religion

/Wenn man die Russen ausnimmt, in denen doch
kaum ein Schatten der Religion ist, %und die Muha-
medaner, so haben die andern Völcker mit keiner
andern Gottheit als mit den Teüfel zu thun,
den ob sie zwar einen Obersten Gott Statuiren,
so wohnt der doch im Himmel %und ist gar zu

/ weit

/|P_297

/weit; die Teüfel aber Regiren auf der Erde.
Alle Dörfer haben ihren Schamman oder Schama-
nin die Teüfels-beschwerer. Diese stellen sich
wie rasend an, machen grausame Gebehrden,
murmeln Worte, %und denn geben sie vor, den Teü-
fel ausgefragt zu haben. Gmelin hat sich von
ihnen offt vorzaubern lassen, aber jedes mahl ihre
betrügereyen entdeckt. In Iakutskoi fand er
eine Schammanin, welche das Volk betrogen, in-
dem sie that, als wenn sie sich ein Meßer in
den Leib stach, aber endlich die Herzhafftigkeit
hatte, als er auf sie genau Acht gab, sich wirk-
lich hineinzustechen, etwas von dem Netze he-
rauszuziehen, ein Stück abzuschneiden, %und es auf
Kohlen gebraten zu Essen, sie heilete sich in 6 Tagen.
Allenthalben hat man bildniße vom Teüfel, der
Ostiaken ihrer ist sehr unförmlich, der Iakuten
aber eine ausgestopfte Puppe.

/ ≥ Kamtskutska Eine Halb-Insel. ≤

/Dieses Land ist wegen des Versuches der
Russen, die Durchfarth in Norden zu suchen, sehr be-
rühmt. Ihre beobachtungen sind uns noch nicht
recht bekandt geworden, die Einwohner sind fleißi-
ger in der Iagd und Fischerey, als die andern Si-
berianer, sehen besser aus, %und haben bessere

/ Kleider

/|P_298

/Kleider. Sie beschäftigen sich mit schiessen der
Meer-Ottern, %und anderer Peltz-Wercke, %und fangen
Seekühe, See-Löwen, Seebären %und andere See-Thie-
re mehr. Die Astracanische Tartern stehen auch
unter Rußland. Die Tartarische Vorstadt in
Astracan wird nur im Winter von Tartarn be-
wohnt, im Sommer Campiren sie. Ausser dem Bel-
luga, einer Gattung «Roh» Stöhre, dessen Rögen der
Caviar ist, wird noch der Sterlede ein fetterer %und
delicaterer Fisch allhier in der Wolga gefangen.
Der Czaar hat hier Weinstöcke pflantzen lassen,
welche ziemlich gut fortgehen. Dieses Land hat
großen Mangel an Reg«n»en, vom Märtz bis in dem
%September regnet es hier gar nicht. Die Nagaischen Tar-
tern haben ein runtzlichtes %heßliches Gesicht. An der
Ost-seite von Astracan neben dem Caspischen
Meer wohnen die Karakalpacken d. i. Tartern, die
von den Schwartzen Mützbremen ihren Nahmen ha-
ben, %und zum Theil unter Russischen Schutz stehen.

/Gegen Westen von Astracan sind die Circassi-
schen Tartern anzutreffen. Ihr Land ist eine
rechte Pflantz-Schule schöner Weiber, welche von
da in die Türkischen %und Persischen Länder ver-
kaufft werden. Das Land ist schön aber die Vieh-
Zucht wird mehr als der Ackerbau getrieben.

/ von

/|P_299

/Von hier hat die Inoculation der Pocken ihren
Anfang genmmen, weil sie die Schönheit erhält.

/ ≥ Muhamedanische freye Tartern. ≤

/Usbeck hat 3 Abtheilungen 1. Die große Bacha-
rey mit den Städten Samarca %und Bachara, davon @die@
erstere eine lange Zeit der Sitz aller Wissenschaf-
ten im Orient war. Balck hat einen besondern
Chan, die Bacharen sind wohlgesittet, %und die alten
Einwohner des Landes handeln starck. Sie ste-
hen alle unter der Protection des großen Mo-
guls, welcher daher seine besten Soldaten hat.
2. Kavasm. Die Einwohner desselben sind wohl-
gesittet %und starcke Räuber. 3. Turkenscen,
daraus die Türcken entspringen. Westwerts
dem Caspischen Meere, findet man die Dage-
stanische Tartern, die häßlichsten unter allen
%und Erzräuber.

/ ≥ Mogulische Tartarn. ≤

/Sie wohnen Westwärts, %und Nordwärts der Küste
Schame <oder> Xam. Karakarum eine Stadt an dieser
Wüste war die Residentz des Zsichingis_Kan ei-
nes der grösten Eroberer in der Welt. Mogalen wer-
den von den Chinesern stinckende Tartarn ge-
nennt, wegen ihres üblen Geruchs. In ihrem Lan-
de, %und dem Lande der Kalmucken giebts

/ keine

/|P_300

/keine Bäume, sondern bloße Gesträuche. sie
wohnen daher nicht in Städten, sondern in Lagern.
Das Erdreich soll allenthalben in der Tiefe von we-
nig Fuß, selbst im Sommer gefroren seyn. Man
lebt von der Viehzucht, %sonderlich Pferden %und Kräu-
tern.

/ ≥ Kalmucken
/nennen sich selbst Etuthen. ≤

/Die Kalmucken bewohnen die höchste Gegend
der %Östlichen Tartarey, bis an das Gebürge Imaus, %und haben
sich ostwerts %und Nordwerts ausgebreitet. Sie
rühmen sich ächte Nachkommen der Alten Mugalen
zu seyn. Ihre Gestalt ist oben beschrieben. Ihr Ober-
ster beherrscher nent sich Contaischa; seine Ge-
walt erstrekt sich bis Tangut, obgleich einige
Horden sich unter Rußlands Schutz begeben haben.
Im Königreiche Tangut blühet noch etwas von
denen Wissenschaften der alten Mugalen.
In Barantola, oder wie andere es nennen in
Potala Residiret der Große OberPriester der
Mugalischen Tartern, ein wahres ebenbild vom
Pabst. Die Priester dieser Religion, die sich
von dieser Gegend der Tartarey bis an das Chine-
sische Meer ausgebreitet hat, heissen Lamas.
Diese Religion scheint ein in das blindeste «<Christen>
Heydenthum» Heydenthum, ausgeartetes catolisches

/|P_301

/Christenthum zu seyn. Sie behaupten %Gott habe
einen Sohn, der in die Welt als Mensch gekom-
men, %und in der er bloß als ein Bettler gele-
bet, sich aber blos damit beschäfftiget habe, die
Menschen Seelig zu machen, er sey zuletzt in den
Himmel erhoben worden. Dieses hat Gmelin aus dem
Munde eines Lama selber gehöret. Sie haben
auch eine Mutter dieses Heylandes, wovon sie
Bildniße machen. Man sieht bey ihnen Pater-
noster, Die Missionarien berichten, daß sie
auch etwas dreyfaches in dem %Göttlichen Wesen
Statuiren, %und daß der Dalei Lamma ein gewißes
Sacrament mit Brod %und Wein Administriren soll,
welchen aber kein anderer genießt. Dieser
Lama stirbt nicht, seine Seele belebt ihrer
Meinung nach alsbald einen Körper, der dem vo-
rigen völlig ähnlich war. Einige Unter-Priester
geben auch vor von dieser Gottheit beselt zu
seyn, %und die Chineser nennen einen solchen
einen lebendigen Fo. Das angeführte, %und daß
der große Lama, welchen sie auch den Ewi-
gen Vatter nennen, würklicher Pabst bey den
Heiden ist, %und auch so zu sagen, sein Patrimo-
nium Petri zu Barantola hat, bestätiget die
Obige vermuthung. was einige Reisende Vorgeben,

/ daß

/|P_302

/daß die Anhänger dieses Glaubens den Koth
des Lama als ein feines Pulver bey sich füh-
ren, %und in schachteln tragen, %und etwas davon
auf ihr Eßen streüen, mag wohl eine blosse
Verläumdung seyn.

/ ≥ Niuche oder Machewe Tartarey

/Wohnen in Städten. Die Wissenschaften %und
Künste Floriren hier ziemlich. Diese Tartarn
haben China bezwungen, %und es herrschen noch
Kayser aus diesem Stamme, sie sind wohlgesit-
tet, bauen dem Acker. In ihren Wüsten wächßt die
Wurtzel Ginseng. Sie sind von der Religion des
Dalai Lama.

/ ≥ Von dem Versuche, aus dem Nordischen
Eis-Meere, eine Durchfarth nach Indien zu suchen. ≤

/Die Rusischen Monarchen, haben seit Czaars
Peters Zeiten Schiffe auf diese Expedition geschi-
cket, theils sind sie von der Nordischen Küsten von
Asien fortgeseegelt, aber weil man daselbst
in Eise bald einfrieret, so ist versucht worden
in Kamschatka Schiffe zu bauen, %und Nordostwerts
eine Durchfarth zu finden. %Capitän Behring scheiter-
te in den Lurallischen Inseln, aber es wur-
den dennoch wichtige entdeckungen gemacht, die
das rußische Gouvernement bisher verschwiegen

/ hält

/|P_303

/hält, soviel ist höchst warscheinlich, daß Aßien
%und America nicht zusammen hange.

/ ≥ Asiatische Türckey

/Es ist dieses weit ausgebreitete Land in
einigen als den Gebürgigten Gegenden von Ar-
menien ziemlich kalt, in der Ebene am See_U-
fer als bey Aleppo heiß. Bey Erzerom fand Tour-
nefort
gegen das Ende des Iunius noch Eis von
2 Finger dick, %und das es einige mahl schneyete.
Daher in dieser Gegend fast gar kein Holtz an-
zutreffen. Auf dem Berge Libanon, finden sich
nur noch 16 Stück von den Majestätischen Cedern
des Alterthums, die aus dem Schnee hervorge-
wachsen. Der Boden dieses Landes ist hin %und
wieder saltzigt %und voll Naphta. Bey Aleppo
ist ein Saltz-Thal, wo das Zusammengelaufene
Wasser, wen es austrocknet Waßer zurück-
läst. Man findet auch einige Meilen vom todten
Meer schon eine Saltz-Rinde auf dem Felde,
imgleichen hin %und wieder in der Erde. Die Tür-
cken die diese Länder besitzen, sind eigentlich
von Tartarischer Abkunfft, wohlgestaltet, Gast-
frey, Mildthätig gegen Arme %und Reisende,
in der Verrichtung der Caravanen <Seras>. Sie sind
ziemlich der Faulheit ergeben, können Stunden

/ lang

/|P_304

/lang bey einander sitzen, ohne zu Reden. Der
Geitz ist hier herrschend Laster. sie sollen
zwar keinen Wein Trincken; aber man trinckt
ihn doch heimlich. Man hat bey ihnen keinen
Adel; keine Duelle. Ihr Glaube von der Prae-
destination. Sie spielen nie um Geld. Sie sind
Muhametaner von der Secte des Omars.

/ ≥ Haß gegen die Persianer. ≤

/Es giebt selbst viele Secten unter ihnen
ja sogar Sceptici %und Atheisten. Mingrelien, Geor-
gien %und Iremette sind die Pflanz-Schulen schöner
Weiber. Mingrelien ist sehr Regenhafft. Das Erd-
reich ist hier so durchweicht, daß «d¿» man das Ge-
trayde in dem umgepflügten Acker hinwirfft,
oder zum höchsten mit einem höltzernen Pfluge
umwühlt. Die Georgianer sind schlechte Christen,
unkeüsch, diebisch, versoffen. Die Armenianer
gehören, unter die grösten Kaufleüte im Orient.

/ ≥ Der IIte Welttheil.
/Africa
/I. Das Vorgebürge guter Hoffnung

/Die %eigentlichen Einwohner sind Hottentotten. Diese
haben nur eine Zigeüner Farbe, aber Schwarz, wol-
ligt Haar, wie die Negers, %und einen dünnen wollig-
ten Bart. Sie drücken ihren Kindern bald nach

/ der

/|P_305

/der Geburth die Nase oberwerts ein, %und haben also
eine ungeschickte aufgestütze Nase %und dicke
Wurst-Lippen. Einige haben ein natürliches
Fell am Osse pubis welches ihre Genitalia bede-
cket, ob sie gleich noch ein Schaff-fell darüber
tragen. Thevenot bemerket eben dieses von
vielen Mohrinnen %und Aegiptierinnen. Sie werden
Alt, sind sehr schnell zu Fuß. Sie salben täglich
ihre Haut mit Schöpsenfett, alter Butter %und Kiefer-
ruß. Kolbe glaubt, dieses geschehe, um die «S¿¿¿»
Schweiß-Löcher gegen die gar zu große Aus_tro-
knung der Lufft zu bewahren. Allein, daß es
aus Galanterie geschehe, sieht man daraus, weil
sie nicht allein ihre Haare ohne sie sich jemals zu
kämmen, täglich mit eben derselben Salbe Balsamiren,
sondern auch ihr Schaafpeltz, den sie %erstlich mit
Kuh-Mist (welches überhaupt ihr LieblingsGeruch
ist) stark einsalben, %und täglich mit Schaffett %und
Ruß schmieren. Ihre übrige Zierrathen sind
Ringe von Elfenbein um die Arme, ein klei-
ner Stock mit einer Katze oder Fuchs-Schwantz
welcher zum Schnupf-Tuch dienet. Nur die Wei-
ber tragen Ringe von Schaaf-Leder, um die
Beine gewikelt. In den Haaren tragen sie Glas,
Messings_Knöpfe, %und um den Hals kupferne
Ringe. In Festtagen mahlen sie sich 6 rothe

/ Striche

/|P_306

/Striche mit rother Kreide über die Augen, Backen,
Nase %und Kinn. In ihren Schlachten sind sie mit
Wurf-Pfeilen, einem Parierstock %und Pique
ausgerüstet, %und Attaquiren so lange, als ihr Ober-
ster auf der Pfeif bläßt mit %wunderlichen Grimacen,
indem sie einzeln Ausfall thun, %und bald zurück-
springen. Wen der Oberste zu blasen aufhört,
so hört das Gefecht auf, sie können auf eine
erstaunliche Art mit Wurfpfeilen oder Steinen
treffen, %und zwar indem sie ihre Augen nicht
gerade auf den Gegenstand, sondern oben, unten
%und zu den Seiten richten.

/Sie haben eine Menge Religiöser Handlun-
gen, ob sie sich gleich niehmals %eigentlich darum
bekümmern, was Gott, den sie den Obersten Haupt-
Mann nennen, sey. Sie verehren den Mond %und
tantzen vor einer Gattung von Gold-Käfern, die
sie als eine Gottheit verehren. Wenn dieser sich
irgend in einen Dorfe zeiget, so bedeütet
es groß glück, %und setzet er sich irrgend auf
einen Hottentotten, so ist er ein Heiliger. Sie
glauben wohl ein Leben nach dem Tode, aber
sie dencken niehmals an Seeligkeit oder Unseelig-
keit. Sie scheinen von dem Iudenthum etwas an-
genommen zu haben. Der erste Mensch hat ihrem
Vorgeben nach, Noh geheissen. Sie enthalten

/ sich

/|P_307

/sich keines andern Fleisches, als des Schwein-
fleisches, %und der Fische ohne Schuppen. Sie geben
aber niemahls eine andere Ursache an, als weil
es so Hottentotten_Gebrauch ist. Die Hottentotten ha-
ben viel natürlichen Witz %und viel geschicklichkeit
in ausarbeitung mancher Sachen, die zu ihrem
Geräthe gehören, sie sind Ehrlich %und sehr keüsch @auch@
Gast-frey.

/Aber ihre Unflätigkeit geht über alles. Man riecht
sie schon von weitem. Ihre neügebornen Kinder
salben sie recht dick mit Kuh-Mist, %und legen sie
so in die Sonne; alles muß bey ihnen nach Kuh-Mist
riechen. Läuse haben sie zum Überhaupt zum
Überfluß, welche sie zum Zeitvertreib Essen.
Alle Hottentottsche Knaben müssen vor dem
9ten Iahre eines testiculi beraubet werden.
Diese und Feyerlichkeiten werden damit be-
schlossen, daß 2 Aelteste die gantze versamm-
lung bepissen, welches Weihwaßer sie sich stark
einreiben. Dieses geschieht auch bey Zusammen-
gebung 2er Ehe-Leüte. Der Iunge wird mit vie-
len Ceremonien im 18ten Iahr unter die Männer
aufgenommen, %und wie vorher bepißt, welches er @sich@
mit Fett einreibt. Hernach muß er mit keinem
Weibe mehr etwas zu thun haben, %und kann seine
Mutter ungetadelt wohl gar prügeln. Die Wei-
ber müssen die gantze Wirth-schafft besorgen;

/ der

/|P_308

/der Mann thut nichts als Tobacksrauchen, Saufen,
%und etwa zur Lust Iagen. Ihre Faulheit bringt sie
oft in grosse Noth, so daß sie ihre Schuhsohlen
oder die Ledernen Ringe, um die Füße fressen.
Unter ihre %lächerlichen Gewohnheiten gehört sonderlich,
daß eine Wittwe, die zum zweiten-Mahl hei-
rathen will, sich ein Glied vom Finger muß ab-
schneiden laßen; dieses fängt von Erstem
Gliede am kleinen Finger an, %und geht so, wenn sie
mehrmalen heyrathet, durch alle Finger durch.

/Was ihr Essen anlangt, so sind sie die grö-
sten Liebhaber von den Gedärmen. Sie machen Koch-
töpfe aus Erde von Ameisenhauffen, ihr Löffel
ist eine Muschel. Sie braten zwischen heißen
Steinen. Brantwein ist ihr ergötzlichstes Geträncke,
wovon sie nebst dem Tobackrauchen fast Rasend
werden. Die Kühe geben hier auch nicht Milch, ohne
daß das Kalb dabey ist. Sie blasen ihnen aber in
dem verwegerungs-Fall in die Mutter. Die Butter
machen sie durch schütteln der Milch in Säcken,
von rohen ochsenhäuten, davon das rauhe inwendig
ist, aber sie brauchen sie nur sich zu schmieren.
Kein Volck ist hartnäckigter auf seine Gewohn-
heiten. Man hat noch nicht einen Hottentotten zum
Christlichen Glauben bringen können. Wen sie Zwil-
linge bekommen, @und@ ein Mädchen ist, so begraben sie es Lebendig.

/ Wenn

/|P_309

/Wenn ein Alter unvermögender Mensch nicht mehr
seine Nahrung suchen kann, so schaffen sie ihm bey
Seyte, lassen ihm etwas Vorrath, %und darauf verhun-
gern. Sie halten viel zum Streidte abgerichtete
Ochsen oder Backeleyer, ihre Hütten sind wie Heü-
haufen, %und das Dorff in die Runde mit Hütten
besetzt. In der Mitte ist das unwehrhaffte Vieh.
Auswerts die Streitochsen %und Hunde.

/ ≥ Naturbeschaffenheit des Landes. ≤

/Vom May bis in den %September sind hier
häufige Regen mit Nord-West-Winden, vom
%September bis in den Märtz das Gegentheil. wo
das Regenwaßer in Pfützen austrocknet, bleibet
Saltz zurück. Selbst ein Gefäß, das mit seiner @Ö@-
fnung den Wind aufängt, setzt Wasser auf dem
Grunde ab, welches saltzigt wird.

/Der gute Mousson, oder Süd-Ost-Wind «s¿¿»
streicht hoch, %und hat eine ungemeine Gewalt. Dieser
erhält die Gesundheit. In den ZweifelMonathen
ist es sehr ungesund. Das Gewölcke am Tafel-Ber-
ge, das Ochsen-Auge genannt, ist oben beschrieben worden.

/ ≥ Producta des Landes. ≤

/Das Wasser auf dem Capo ist sehr schön. Es
verliert, wenn es bis nach Europa gebracht wird, nicht
seine Neüigkeit. Man findet Eisen-steine, daraus die
Hottentotten Eisen schmeltzen, %und sich ihre werkzeüge mit
Steinen schmieden.

/ Man

/|P_310

/Man findet Zinober %und etwas Gold. Es findet sich
hier der Elephant, dessen Mist die Hottentotten im
Nothfall als Toback rauchen. Löwen, Tieger %und
Leoparden, deren Fleisch sehr schön schmeckt. Das
Nase-horn, dessen Horn, wenn es als ein Becher auß-
gehöhlt worden, vom Giffte springt. Das Zebra der
Büffel, oder Fluß-Pferd, Stachelschweine, wilde Hunde,
die in Gesellschaft Iagen, aber den Menschen
nichts thun. Viel Paviane. Iackhälse. Stinckdachse,
die, wen sie verfolgt werden, einen solchen Ge-
stanck von sich laßen, daß Menschen %und Thiere Ohn-
mächtig werden. Grosse Schild-Kröten, die Durst-
schlange, (Prester) die Cobra de Capello, Tausend-Füße,
den Nord_Caper, Delphine %und Doraden, Hayer, Blaser,
Krampfische. Es findet sich hier auch die Wurtzel Gielag,
%und die Hottentotten trachten sehr darnach. Der Wein ist schön.

/ ≥ Das Land Natal. ≤

/wird von Kaffern bewohnt %und ist zum Theil von
den Holländern erkaufft. Die Caffern haben fast nichts
ähnliches mit den Hottentotten. Sie salben sich nicht,
wie diese, haben 4_Eckigte Leinerne Häuser, sind
sehr schwartz, haben lange glatte Haare, säen %und «b¿¿¿»
brauen Geträncke, welches die Hottentotten nicht
thun. Sie handeln mit den See-Räubern. Die Thiere
%und Pflantzen sind hier eben dieselben, als im Lande
der Hottentotten.

/ Die

/|P_311

/ ≥ Die Küste Sofala. ≤

/Sie wird Itzt Sena genant, wegen einer Portu-
giesischen Stadt dieses Namens. Man hält diese
Küste vor das Ophir des Salomons mit vieler
Wahrscheinlichkeit. Man findet hier Elephanten-
Zähne %und Gold-Staub. Mazambik eine Insel gehört
den Portugiesen. Oberhalb dieser Küste gehört
das Land den Arabern von Muscate, %und einigen
wilden ungast-freyen Nationen, bis an die Meer-
Enge bab-al-Mandal.

/ ≥ Eyland Madagascar

/Diese Insel wird vor die gröste unter allen
bekanten gehalten. Die Franzosen beherrschen
ein gutes Theil der Küste. Die Einwohner sind
theils schwartze, deren Menge 1.600.000 ge-
zählt werden, theils von Arabischer Abkunfft.
Die Schwartze sind groß, hurtig. Die Weiber
schön %und Artig; Niemand bekümmert sich darum,
wie sich ein Mädchen vor der Ehe aufgeführet habe,
wen sie nur hernach Treü ist. In ihren Kriegen
hängt der Sieg bloß von der Tapferkeit des
Anführers ab; dessen Tapfferkeit oder Flucht ein
gleiches unter dem Volcke nach sich zieht. Sie ha-
ben die beschneidung, wie die meisten Africani-
schen Nationen der Küste. Sonsten haben sie kei-
ne andere Gottheit, als eine Grille, die sie im

/ Korbe

/|P_312

/Korbe füttern, %und worin sie die besten Sachen
setzen. Dieses nennen sie ihr Oly. Die Ochsen
haben hier alle Höcker von Fett. Die Schaafe be-
kommen sehr breite Schwäntze, die aus lauter
Fett bestehen. Es findet sich hier eine Menge
leüchtende Fliegen, welche, wenn sie sich des
Nachts auf einen Baum befinden, das Anschein
geben, als wenn der Baum brennet. Eine art
Schlangen kriecht denen unvorsichtigen mit gros-
ser Geschwindigkeit in den Steiß %und tödtet sie.

/Man findet hier auch ein großes See_Ungeheür,
so groß als ein Ochs, mit Crocodill-Füßen, aber burstig
Auf der Insel haben sie kein ander Gold, als was
sie von den Arabern durch Handel bekommen haben,
aber %unterschiedliche Edelgesteine finden sich bey ihnen

/ ≥ Monomotapa. ≤

/Der Kayser dieses weitläuftigen Landes herrscht
über viel UnterKönige. Im innern des Landes sind
Silber %und Gold_Berg-Werke, die sehr reichhaltig sind.

/Die Einwohner sind schwartz, behertzt, Schnell zu
Fuße. Sie bemengen sich viel mit Zaubereyen.
Die Portugiesen wollen uns weiß machen, es wären
unter den Soldaten dieses Kaisers auch Amazonen-
Legionen, welche sich die Lincke Brust abbrennen %und sehr tapffer
fechten.

/ Von

/|P_313

/ ≥ Von den Ländern Congo, Angola %und Bengala

/Die Lufft in Congo ist gemäßigt. Vom April bis @in@
dem August ist hier Regen mit Nord-Westwinde, %und
vom %September bis in dem Aprill heiter mit Süd-Ost.
obgleich ihnen in diesen letzten Monathen die Sonne
am höchsten ist, so kühlen diese Winde doch unge-
mein. Das Erd-Reich ist sehr Fruchtbar.

/Man bauet einige Gattungen von Korn, Hirse
%und HülsenFrüchte, man macht Brodt aus der Wurtzel
Manioc. Die Bananas, Amanas, %und andere mehr finden
sich hier. Der Ensada-Baum ist mit dem Banian-
Baum einerley. Der Migna minga soll an Blätter %und
Holtz gifftig seyn. Allein wer durch seine Blätter
vergifftet worden, dem hilfft das Holtz %und so umge-
kehrt. Die Missionarien melden hier von einigen
Vögeln, die Articulirte Stimmen haben, als deren
einer den Namen Iesus Christ re«¿»cht vornehmlich
ausprechen soll, andere deren Geschrey Wilde Thiere verräth.

/Man jaget hier den Elephanten, vornehmlich um sei-
nes Schwantzes willen, weil das Frauenzimmer
mit seinen Borsten ihren Halß ausziert.

/In Congo giebt es sehr gefrässige Ameisen, die eine
gantze Kuh auffressen. Unter den Fischen ist hier auch
die MerIungfer. Große Schlange, Embambe die ein
Schaaf auf einen Bissen verzehrt. Die Einwohner
dieser Länder sind gantz schwartz. %Obgleich auch mit
vielen Mulatter untermengt, %vornemlich in den Por

/ tu

/|P_314

/tugiesischen Besitzungen von Angola %und Bengala.

/Bengala hat eine sehr ungesunde Lufft. Die
Europäer verlieren hier ihre gesunde Farbe.

/Die Religion ist hier mehrentheils Christlich. Die
heidnischen Einwohner bemengen sich viel mit Zaube-
reyen.

/ ≥ Anzicko, Matamba %und die Iaggas. ≤

/Die von Anzicko werden beschnitten, bey ihnen
soll nach dem Berichte der Missionarien Menschen-
fleisch von %ordentlich dazu geschlachteten fetten Sclaven
auf dem Marckte feil seyn. Die Iaggas sind ein un-
gemein weit ausgebreitetes Volck. sie sind schwartz
kühn, zeichnen sich mit eingebranten Strichen das
Gesicht. Sie leben vom Raube, bemühen sich nicht den
Palmen-wein zu zapfen, sondern hauen den Baum
um, %und ziehen den Safft so heraus. Die Weiber müs-
sen 2 von den Obern %und 2 von den Untern Zähnen sich
ausziehen laßen. Man sagt: sie tödten ihre Kinder
%und rauben davor erwachsene aus andern Ländern.
Sie sollen aus Sierra_Leona ausgezogen seyn, jtzt
aber haben sie sich in einer Strecke von mehr als 900
Meilen ausgebreitet. Matamba wird auch mehrentheils
von Iaggoern bewohnt.

/ ≥ Küste von Africa.
/Von den Canarischen Inseln an bis an Congo
/Canarische Eylande

/Auf der Insel Ferro ist der schon beschriebene

/ Wunder-baum

/|P_315

/Wunder-Baum. Auf der Insel la Palma, Palmen-
sect, der %unsterbliche Baum ähnt dem BrasilienHoltze,
fault aber nicht, weder in der Erde noch im Wasser.
Auf Teneriffa ist der Pic zu mercken. %Imgleichen die in
Ziegenfell eingekleidete Mumien. Madera hatte
vordem lauter Wald, jetzt ist er weggebrant. Made-
ra-Wein ist aus Candia hieher verpflantzt. Vino
Tinto ist roth aber schlecht.

/ ≥ Länder vom grünen Vorgebürge
bis an dem Gambra-Fluß. ≤

/Auf der Nord-Seyte des Senega oder Senegal,
sind die Leüte von Mohrischer abkunfft %und keine rech-
te Negers; aber auf der Süd-seite sind so schwar-
tze Negers als irgendwo in der Welt, ausgenommen
die Iulier. Man redet hieselbst von einem Volcke mit gro-
ßen rohen Lippen, die niemals reden, ein Tuch vor
dem Munde haben, %und ihren Handel stum treiben.

/An beyden Ufern des Senego herrscht die Muha-
medanische Religion. am Capo Verde %und den Inseln
desselben schwimmt, das Sargasso über einer uner-
gründlichen Tiefe. Diese Inseln haben eben sol-
che Einwohner, als das benachbarte feste Land. Die
meisten Vögel daselbst haben schwartze Haut %und Knochen.

/Am Senega ist die Hitze unerträglich.

/Iuli, eines von denen daran gelegenen Ländern,
hat sehr schöne artige Schwartz-Braune Weiber mit

/ langen

/|P_316

/langen Haaren. Die fleissigen Weiber nehmen hier
bey ihrer Arbeit Wasser ins Maul, damit sie sich des
Schwatzens enthalten.

/Die Ameisen bauen hier Hauffen wie Kegel
die mit einer Art besten Gips bezogen sind, %und darin
nur ein Thier ist.

/Die Art Ialofer, die zwischen dem Gambra %und dem
Senega wohnen, sind die schwärtzesten %und schönsten
Negers. Sie stehlen sehr %künstlich. Man muß ihnen
mehr auf die Füsse, als auf die Hände Acht geben. Hier
wird die aeüsserste Treülosigkeit mit verkaufung
der Sclaven begangen. Der König von Barsalli
steckt öffters seine eigene Dörfer in den Brandt
um Sclaven zu fangen. %und sich davor Brannt-Wein
anzuschaffen. Eltern verkaufen ihre Kinder, %und
diese jene. Von dem Gambra an hört die Muhameda-
nische Religion auf, %und die Götzen-dieners fangen an.

/ ≥ Von den Ländern am Ausflusse des Gambra
längst der Küste Guinea bis an den Fluß Gabon. ≤

/An dem Gambra haben die Leüte platte Nasen, welche
die Kinder daher bekommen sollen, weil sie von den Müt-
tern bey ihrer Arbeit auf dem Rücken getragen werden.
Hier ist auch die Plage mit den Colubrillen oder
langen Würmern, die sich in die Haut fressen. Alle
Götzendiener längst der genanten Küste haben mit
Grillen oder Zauberkunst zu thun. Die Pfaffen machen

/ in

/|P_317

/in dem Lande an dem Gambra ZauberZettel, @die@
sie gris gris nennen, daher das Papier sie @darauf@
zu schreiben, hier eine sehr gangbahre Waare
ist, die Soldaten staffiren sich gantz %und gar @damit@
aus. Der Kopf hinten %und vornen, die Schultern,
%und Arme sind hiemit gezieret. Man hat gar einen
Magischen Cuirass der aber viel Geld kostet. Mambo
Iumbo, ein Stock, darin ein Popantz oder eine Puppe
sich verkleidet, die Weiber zu schrecken. In Sierra-
Leona ist Regen %und Gewitter nur in SommerMona-
then. Die Gebürge geben den Knall des Geschü-
tzes auf eine fürchterliche Art wieder. Die Fluth
kommt hier aus Westen %und Süd-West, %und geht dahin
immer zurück.

/Die von Sierra_Leona sind nicht völlig Neger
schwartz aber sticken sehr.

/Man hat hier überhaupt 4 Gattungen Bäumen
von der Palmenart, Datteln, Cocos, Arehe %und Cy-
preß-palmbäume oder WeinBäume, der den
besten Palmen_Safft giebt. Man schneidet nemlich
einen Stab ab, %und hänget an den Stumpf eine Flasche.

/Die wilden Thiere fressen in diesem Lande,
wie man versichert, nur die Negers, %und nicht die @Europäer.@

/Es giebt hier auch ein Thier, der Africanische
Cunee genannt, so groß wie ein Spür-Hund, sehr
wütend %und von der Leoparden Art. Der Löwe ist
hier sehr groß, %und eben so Majestätisch wie an-
derwerts. Der Iackhals soll vor ihm vorherjagen.

/ Der

/|P_318

/Der Elephant ist hier nicht völlig so groß als in In-
dien. Man hat ihm hier abgemerckt, daß er sich leich-
ter von der Lincken gegen die rechte, als umgekehrt
drehet, %und dessen machen sich die Negers zu Nutze.

/Man hat hier den Geis, Antelope genannt, ohnge-
fähr wie ein spiesser oder Spies-Hirsch. Die De-
moiselle oder Africanische Pfau ist gerne allein.
Der Ochsensäuger ist von der größe einer Amsel.
Der Fischer_Vogel hängt sein Nest an die zarten
Zweige eines Baums, die über dem Wasser hangen.
Die Oeffnung ist jederzeit gegen Osten. Der Hay,
der Blaser, Turmora, Pantuflier, der Hammerfisch,
Monati, Torpedo, Schildkröten, Crocodill, FlußPferde,
Grampas oder Nordcapers, sind in diesem Meere %und Küsten.

/Man muß hier noch mercken, daß die Seefahrende
bey der Passirung des Tropici oder der Linie mit
allen, die sie zum ersten Mahle passiren die
See-Taufe vornehmen; der Täuffling muß
schwören dem Gebrauch beyzubehalten.

/Die Aqua_Küste hat ihren Nahmen von dem
Worte Quaqua, welches die Negers hier immer im Munde
führen, %und ihr Diener heißt. Diese Leüte Pfeilen sich
die Zähne wie Pfriemen spitz.

/Die Negers von der Küste Guinea, sind nicht un-
angenehm gebildet, sie haben nicht die Platten Nasen,
sind stolz, sie sind aber sehr boßhafft %und diebisch,

/ Atkins

/|P_319

/Atkins, %und verschiedene andere geben vor glän-
tzend gelbe Menschen, die als Fremdlinge ankommen, @ge@-
sehen zu haben. Man läßt hier an der Gold-Küste
die Nägel sehr lang wachsen, um den Gold-staub mit
aufzunehmen.

/Die Muhamedanische Marbuten geben die Ursache
der Armuth der Negers daher an, daß von den @drei@
Söhnen des Noah, der eine ein Weisser, der 2te ein
Mohr, %und der 3te ein Neger gewessen %und daß die @zwey@
Ersten den letzten betrogen. Die Hayden aber sa-
gen: Gott hätte schwartze %und Weisse Menschen ge-
schaffen, %und ihnen die Wahl gelassen, da der «¿¿¿»
Weiße die Wissenschaft; der Schwartze aber
das Gold begehret habe.

/Die Schwartzen an der Küste richten die Weiber
so ab, daß sie Fremde verführen, damit sie selbi-
ge hernach mit Geld«,» Straffen können.

/Es werden hier öffentliche Huren gehalten, die kei-
nem ihre Gunst abschlagen müssen, wenn er auch
nur einen Pfenning gäbe.

/Die Negers glauben hier überhaupt 2 Götter, einen
Weissen, %und einen Schwartzen, den sie Demonio @oder@
Diabro nennen; der letztere sey boßhafft %und kön-
ne kein Getreyde, Fische %und %demgleichen geben. Der weis-
se Gott habe den Europäern alles gegeben.

/Die Souveraine Religion aller Negers an der
Küste von Afrika von Sierra Leona an, bis in den

/|P_320

/Meerbusen von Benin ist der Aberglaube der Fe-
tische von dem Portugiesischen Worte Fetisso Zaube-
rey. Der große Gott %nemlich bemenge sich mit der
Regierung der Welt, %und habe besondere Kräffte in
die Priester oder Fetischirs gelegt, daß sie durch
Zauberworte eine jeden Sache eine Zauber-Krafft
geben können. Sie tragen daher Irgend einen solchen
Fetisch z. E: Ein Vogelbein, eine VogelFeder, ein Horn
mit Mist pp. bey sich, welchen sie sich um die Er-
haltung des ihrigen anvertrauen. Schwören heißt
bey ihnen Fetisch machen. Sie haben Fetisch-Bäume,
Fetisch-Fische, Fetisch-Vögel, sie fluchen, daß
der Fetisch sie hinrichten soll, sie thun Ge-
lübde beym Fetisch, daher fast ein jeder von
ihnen sich Irrgend einer Art von Speise enthält,
sie haben eine beschneidung, unterhalten ihre
Bettler durch öffentliche Abgaben. Ihre Könige
machen eine elende Figur zu Hause, %und gehn wie
Schuflicker. Man wählt aus allen Ständen selbst
aus Laqueyen Könige; da hingegen werden die-
ser ihre Töchter offt an Sclaven verheyrathet.
Der König %und seine Printzen pflügen ihre Acker
selbsten, denn sonst würden sie Hungers sterben
müssen, von seinem Tribut muß er das meiste
verschencken, %und vertractiren. In einigen Provintzen

/ nimmt

/|P_321

/nimmt der Gläubiger den Ersten den Besten, et-
was weg, er weiset ihn an den Debitor, mit @dem@
er den Process führen muß.

/Ihre Schlachten sind Lächerlich. Sie laufen ge-
bückt oder kriechen auch wohl gar an den Feind, feü-
ren ab, %und lauffen zurück wie die Affen. Die Ge-
fangene Könige werden als Sclaven «bey»<an> den Eu-
ropäern verckauft, %und niemahls ausgelöset. Ih-
ren Gefangenen schneiden sie den untern Kinn-
Backen lebendig ab, %und hernach zieren sie sich da-
mit wie auch mit Hirnschedeln.

/Der Sommer fängt mit dem @Septembr@ an, %und
dauret 6 Monathe, da ist die Hitze am hefftigsten.
Die übrige Zeit da doch die Sonne am höchsten
ist, bleibt wegen dem beständigen Regen %und Ne-
bel kühle. Die schwartzen hüten sich sehr vor
dem Regen, der roth ist, %und die Haut frißt.

/Man sagt hier auch, daß die Winter vordem
kälter, %und die Sonne wärmer gewesen. Die Tor-
naden sollen auch jetzt nicht so hefftig seyn als
vordem. Karmattans sind schneidende Kälte,
Nord-ost-Winde, die von dem Ianuari bis in den Februar
dauren. Sie sind aber dem Meerbusen von Benin eigen.
Den meisten Gold-Staub findet man in Axim
und Ietae, Das Saltz von Guinea ist von einer
Siedung sehr weiß. wird aber von der Sonnenhitze bitter
und sauer.

/|P_322

/Unter den Feld-Früchten sind die Potatons, die
den Cartoffeln ähnen in diesem so wie in an-
dern Indianischen Ländern sehr im Gebrauche
Vieh sowohl als Menschen sind hier leichter am
Gewicht als nach dem äussern ansehen zu ur-
theilen wäre, man liebt hier das Hunde-Fleisch,
Die Hunde sind hier alle kahl %und stum. Schlange
die 22 Füsse lang ist, in der man einen völlig«en»
ausgewachsenen Hirsch findet.

/Im Königreiche Whidah sonst Iuda genannt,
sind die Negers nicht so schwartz, als an der Gold-
küste. Sie sind Arbeitsam, voller Complimenten,
die verschmitztesten Diebe, in der ganzen Welt. Ein
lächerliches Verdienst, welches sich reiche Frauen, bey ihren
Absterben zu machen, einbilden, ist dieses, daß sie
ihre Sclavinnen zu %öffentlichen Huren <ver>machen, %und glauben
davor nach dem Tode belohnt zu werden. Die Eltern
verkaufen hier gewöhnlich ihre Kinder zu Sclaven.
Viel Kinder, viel Reichthum. Man bedient sich hier
wie anderwerts in Africa der Beschneidung.
Es ist eine große Unhöfflichkeit vom Tode zu Reden.

/Der große Fetisch von Whidah ist eine
große Schlange, die Ratzen %und gifftige Schlangen
verfolgt. Ein Schwein fraß einmahl eine

/ solche

/|P_323

/solche Schlange, %und das gantze Schweine_Ge-
schlecht wurde ausgerottet. Man widmet ihr
Schlangen-Häuser als Tempel. Ihr werden Mädchen
geheiligt, welche hernach von ihren Männern müs-
sen geehret werden, sie sind feige, haben auch
die Tolle Gewohnheit, sich wegen der Schulden an dem
ersten dem besten zu halten.

/Das Königreich Benin ist Mächtig.

/Der Konig von Whidah hat seinen Pallast, Ge-
räthe und Tractamente auf Europäischen Fuß eingerichtet.

/Der König von Ardrah. Er schickt Gesandte nach
Franckreich. Die Einwohner am Flusse Gumbra
tragen Ringe in ihren Ohren, Nasen, Lippen, andere
machen ein Loch in die untere Lippe, wodurch
sie die Zunge steken. Der König von @Gambra@
trieb zu Bohsmans-Zeiten das SchmiedeHandwerk.

/ ≥ Aegypten

/Das Land ist wegen seines Fruchtbahren
Bodens %und großer Hitze im untern Theile sehr
ungesund %vornemlich vom 7ten Aprill an 50 Tage
lang, Da Südwinde Hametin oder Camphin ge-
nannt, sehr heisse Lufft zuwehen, die Seüchen, die
darus entstehen, hören plötzlich auf, sobald der Nil
auszutreten anfängt. Man hat in Cairo fast allen-
thalben schlimme Augen. Der Nil-Strom, von dem

/ oben

/|P_324

/oben schon gehandelt, würde das Land nicht so weit
hinein überschwemmen, wenn nicht durch Kanäle
das Wasser herüber geführet würde. Unter den
Armen des Nils sind nur 2 Schiffbahr, der von Ta-
miate, %und der von Rossetta.

/Die Alten LandesEinwohner sind hier nur Gelb,
werden aber immer Brauner, je näher sie Nubien
kommen. Die gröste unter den Pyramiden hat ein
%Quadrat Basin, deren Seite 693 ist, %und die schrege
Höhe gleichfals so viel außträgt. Versuche sie durch-
zusuchen.

/In den Catacomben oder Gräbern West-werts
von dem Orte der alten Memphis findet man
die Mumien, deren die beste Art nach ausgezo-
genen Gehirn, %und ausgenommenen Eingeweide mit
Arabischem Balsam %und Benzoin eingesalbt, in eine
Saltz-«¿¿»Lake eine Zeit gelegt, dann inwendig mit
den besten Kräutern %und wohlriechenden Sachen
angefüllt ist. Eine solche kostet jtzt 4.000 Rhein«¿¿¿»-
nische Gulden, bey der 2ten Art werden schlech-
tere Ingredienzien genommen, bey der 3ten aber
nur IudenPech. Ein Iude in Alexandrien schmierte
die in der Pest verstorbenen Körper zu Mumien an,
auf der Insel Teneriffa, findet man auch Mu-
mien in Gräbern in ZiegenFell eingeneht, die sich
sehr wohl gehalten haben.

/Unter den Gewächsen, mercken wir nur

/ den

/|P_325

/den Papyrus der Alten, eine Art Schiliff, da die
alten Aegyptier ihr Brod, Kleidung auch sogar
Papier hernahmen. Man hat in Cairo auch Offen,
darin HünerEyer, durch eine gemassigte Hitze
von schwölenden Küh- oder Kameels-Mist augebrütet
werden.

/Bey Alt-Cairo ist ein KirchHoff, wo die Copten den
Glauben haben, daß die Todten Leichname am Char-
freytage sich an die Luff herausbewegen. Wie
sich die Copten bey Lesung des Evangelii verhalten.
Der Crocodill ist einer der Ärgsten Feinde in Aegyp-
ten, der Ichneomon, frißt ihm nicht die Gedärme
durch sondern zerstört nur seine Eyer.

/Der Ibis-Vogel ist Aegipten gantz allein eigen,
ist einem Storche sehr ähnlich %und stirbt sobald er
nur über die Grentze kommt, er Rottet die aus
Ethiopien kommende Heüschrecken aus. Die Ziegeu-
ner sollen %Ursprünglich von den Alten Landesein-
wohnern seyn, welche nachdem die Türken das
Reich der Mamelucken zerstörten, sich in die Wü-
sten retirirten, %und durch rauben sich nährten; zu-
lezt aber gröstentheils ausgerottet oder verjagt worden.

/Die Christen dürfen hier so wie in andern
Türkischen Ländern nicht auf Pferden, sondern
auf Eseln reiten.

/ ≥ Abyssinien

/In den niedrigen Gegenden des Landes als zu

/ Küsten

/|P_326

/des rothen Meeres hin bey Swacken
ist die Hitze ganz unerhört hefftig, in den andern
gebürgigten Gegenden so Mäßig, als in Italien
oder GriechenLand. Man sieht hieselbst auf dem
Bergen, entweder niemals, oder sehr selten Schnee.
Der Regen, der hier in den Monathen %Iuni %Iuli %und August
als aus Kannen herabstürtzt, ist mit schrecklichen
Donner-Wetter verbunden, %und giebt dem Nil seinem
Zuwachs. Dies Land ist so gebürgicht %und rauh, wie die
Schweitz. Es giebt hier %allerley seltsamme Figuren %und
Gestalten von Bergen.

/Dieses Land hat ohne Zweifel edle Metalle,
aber sie suchen sie nicht, damit der Türcken Geitz
dadurch nicht angereitzet werde.

/Albuquerque, der aus Portugall an den Kö-
nig von Abyßinien
geschickt war, gab den Rath
um der Türcken Macht zu schwächen, den Nil
anderwerts zu leiten, oder wenigstens sein
Wasser, durch viele seitwerts geleitete Bäche
so zu vermindern, daß die Uberschwemmung in
Aegipten nicht die zur Fruchtbarkeit nöthige Höhe
erreichen könte, den sobald der Nil Abyssinien ver-
lassen hat, bekomt er keinen Strom mehr in sich,
%und es sind viele Ströme in Anthiopien so wie in
der grossen Tartarey, %imgleichen in Persien, die das Meer

/ nicht

/|P_327

/nicht erreichen, indem sie in verschiedenen Aesten
sich im Lande verlieren. Unter den Gewächsen
des Landes, darunter es die meisten Europäischen
giebt, merken wir nur das Kraut Asozoe, welches,
wen es die schlangen berührt sie dumm macht, %und
wer nur die Wurtzel desselben gegessen von ih-
rem Biß den Tag über frey bleibt.

/Die Aetiopische Ochsen übertreffen die unsri-
gen über die Hälffte an größe, die Pferde sind
hier muthig %und schön, Schaafe, deren Schwantz wohl
10 bis 40 %Pfund wiegt sind gemein. Das Zebra, das hier
Zecora heißt, der Caamelopard, oder Giraffe, der von
Ludolph so hoch beschrieben wird, daß ein Mensch von
gemeiner größe ihm nur bis an die Knie reichet
%und einer auf dem Pferde unter seinem Bauch
durchreiten kan, das Land hat unzählich viel Affen,
davon die Benennung mag hergekommen seyn;
schlauer Affen-Land, da denn die Fabel des Herodots,
daß daselbst der Tisch der Sonne alle Morgen auf
freyem Felde, mit gebratenen Wildprett besetzt,
anzutreffen wäre, von welchen das Volck glaube
es komme von selbst hinauf, Anlaß gegeben hat, ein
Land von erdichteter Beqwemlichkeit %und Schönheit
Schlaraffen-Land zu nennen.

/Der Hipopotaneus, Crocodill u s.w. sind hier an-
zutreffen. Unter den Vögeln merke ich nur den Pipi,

/ der

/|P_328

/der diesen Nahmen von seinem Geschrey hat, welches
er, sobald er einen Menschen merckt, %und ein wildes
Thier oder Schlange zugleich gewahr wird, macht indem
er den Menschen gerade an dem Orte hinführet, wo es
sich befindt, sie haben keine zahme @Gämse@. Was die
Araber von ihrem Vogel Rach oder Roc für Fabeln er-
zählen, %und der Pater Boliva bestätigt, gehört unter
die Merkwürdigkeiten des Schlaraffen-Landes. Die
Heüschrecken sind hier groß, schädlich aber «Un»gesund
und angenehm zu Essen. Ludolph behauptet, daß Iohannis
der Täuffer %imgleichen die Kinder Israel in der Wüsten %dergleichen <gegessen>.

/Die Abyssinier sind von Arabischer Abkunfft,
witzig, wohlgebildet aber schwartz oder falb, mit wollig-
ten Haaren. Ehrlich nicht zancksüchtig. Es giebt unter
Ihnen auch weisse Mohren; die Caffern aber die
in ihrem Gebiete wohnen, sind erstlich so häßlich,
%und dann auch so ungesittet %und boßhafft wie die
übrigen Negers, sonsten giebt es auch Araber %und
Iuden unter ihnen Die Religion ist Christlich,
allein ausser vielen Heyden, sind ihnen die Türcken
in ihrem Lande sehr gefährlich.

/Die Abyßinier, ob sie gleich Christen seyn, beschnei-
den dennoch ihre Kinder, so wie die Copten.

/Vom Priester Cham, vom Betrüger Saga_Christ

/ Die

/|P_329

/ ≥ Die Nordliche Küste von Africa. ≤

/Die Einwohner sind ein Mischmasch von alten Ein-
wohnern, Arabern, Vandalern %und haben also keine son-
derliche verschiedenheit von den Europäern, die Pro-
ducte des Landes sind so wie in Aegipten; das Innere
von Africa am Senegal ist sehr unbekant.

/ ≥ Das 3te Welt-Theil
/Europa
/Die Europäische Turckey

/Bulgarien. An dem Berge, welcher dieses Land von
Servien scheidet, ist ein laulichtes %und 60 Schritte da-
von ein Eiskaltes Bad, sonst sind hier viel warme
Bäder. Hier giebt es die großen Adler, deren @Schwantz@-
Federn von den in der gantzen Türkey %und Tartarey zu
den Pfeilen gekaufft werden.

/Die Dobrucinsche Tartern an dem AusFluß der
Donau Südwerts, sind wegen ihrer Gastfreiheit
berühmt, da ein jeder Reisender von dem Leüten im
Dorfe liebreich eingeladen wird, mit ihnen @verlieb@
zu nehmen, %und bis 3 Tage mit Honig, Eyer %und Brodt
umsonst aufgenommen wird.

/ ≥ Griechenland. ≤

/Der Berg Athos in Macedonien, darauf 22 Klö-
ster. Er soll seinen schatten auf dem Marckt-Platz
der Stadt Tyrrhenia in der Insel Lemnus werfen,

/ zur

/|P_330

/zur Zeit des Sol Stitii aestivi. Der Stix in Morea
dessen Wasser bis zum Tode kalt, %und so fressend ist,
daß er Eisen %und Kupffer auflöst.

/Die Mainotten, Nachkommen, der Alten Macedonier,
sind bis auf diesen Tag von den Türcken nicht
bezwungen. Unter den Griechischen Inseln ist Lemnos
oder Stalimene wegen der Terra Siggillata berühmt,
welche mit vielen Ceremonien ausgeraben wird.

/Bey Negroponte ist der berühmte Eurypus.

/Die Insel Milo oder Melus besteht aus einem
schwammichten %und durchweichten Felsen, worunter
ein beständiges Feüer wirckt, daß man es allent-
halben fühlt, wo man die Hand in die Löcher des Felsens steket.

/Einige Felder auf dieser Insel rauchen wie Schor-
steine Alaun %und Schweffel findet sich hier häuffig.
Die Luft ist Ungesund aber das Erdreich fruchtbar.
Antiparos hat die schöne Grotte, welche voll schöner
Bildungen aus durchsichtigem Christalichten Marmor
ist. In Candia ist da Labyrinth am Fusse des Berges
Ida merckwürdig, der vornehmste Gang ist 12.000 Schritt
lang, %und man Irret sich ohne Wegweiser %leichtlich darinn.
Die Insel Santorini ist durch einen gewaltsamen
Ausbruch des unterIrrdischen Feüers aus dem
Grunde des Meeres erhoben. Auf eben die Art, sind
noch 4 andere nahe Inseln aus dem Meere, welches
hier fast unergründlich tief ist entstanden.

/|P_331

/Überhaupt ist Griechenland und seine Inseln an
Feigen, Rosinen, guten Wein pp fruchtbar. Die
Einwohner sind sehr von ihrem vorigen guten Character he-
runtergekommen.

/ ≥ Ungarn. ≤

/Dieses Land ist in dem Inwendigen seines
Bodens voll von Mineralien, die Cement-Wasser, die
verschiedenen Berg-Wercke, vornehmlich die Gold-Berg-
Wercke von Cremnitz %und Schemnitz welche letzte sonder-
lich Schemnitz das feinste Gold liefern, aber beide
jtzt kaum die Unkosten verlohnen, die heissen %und
%tödtlichen Qwellen, %imgleichen die Eiß-Höhlen sind Zeügniße
davon. An den niedrigen Oertern, wo die Donau
Sumpffe macht, ist die Lufft sehr ungesund. Der
Wein ist der beste in Europa.

/ ≥ Italien

/Dieses Land ist oberwerts von Westen nach Osten
mit einer Reihe Berge Alpen genannt (welches
wort überhaupt einen hohen Berg anzeiget) von Frank-
reich %und der Schweitz abgesondert, %und Mitten durch
von Norden nach Süden durch den Apenninus durchgeschnitten.

/Die Europäischen Obst-Arten sind mehrentheils
alle aus Italien verplanßt, %und nach Italien sind
sie aus Asien %und Griechenland übergebracht worden.
Die Abricosen aus Epyrus, die Pfirschen aus Per-
sien, die Citronen aus Medien, die Granat-Äpfel

/ Mala

/|P_332

/Mala punica aus Carthago, die Castanien aus Ca-
stanea in Mecedonien, die besten Birnen aus A-
lexandria, Numidien, Griechenland, die besten Pflau-
men aus Armenien, Damascus Lucullus hat die Ersten
Kirschen aus Pontus gebracht. Als Alexander Persien
bezwang, war das Holofericum oder Zeig aus Lauter
Seide so theüer als Gold, nachher wurden Seiden_Wür-
mer nach Griechenland %und Italien gebracht. Eben dieses
ist mit dem Wein geschehen.

/Italien ist vor Zeiten viel Waldichter, kälter %und
wahrscheinlicher Weise unbewohnter gewesen als jtzo.
Die Einwohner Italiens sind nunmehr sehr vermischtes
Geblüts; also ist es schwer ihren Caracter festzusetzen;
doch sind sie eyfersüchtig, rachgierig %und %heimlich sonsten
sinnreich %und kluge Politici.

/Im Savoischen Gebürge ist der Mont cenis der be-
rühmteste, über welche der Eingang aus der Schweitz
in Italien ist 1751 wurde einer der Piemontischen
Berge ein Feüerspeiender.

/Die Savoyarden sind Arm aber redlich. In den
Gebürgen reisen die Männer mit Murmelthieren, %und
einen kleinen Kram jährlich aus, %und kommen fast alle
zu gleicher Zeit nach Hause, welches die Ursache ist,
daß fast alle Weiber %zugleich ins Wochenbett kommen. In
Savoyen herrschen ungemein grosse Kröpfe, vornehmlich
unter den Weibern.

/ Piemont

/|P_333

/Piemont Ist sehr Fruchtbar. Der Berg Rocheme-
lon ist der höchste unter den welschen Alpen. Eine
Pistole knallet auf den Gipflen derselben wie ein
zerbrochener Stock. Der Berg Vrso, der gegen Mittag
dem Thal Lucern liegt ist derjenige, wodurch Han-
nibal
seinen Weg durchgehauen welchen noch zu
sehen ist.

/Auf den höchsten Alpen findet man weisse Haa-
sen, weisse Rebhüner, %und Nordische Plantzen, so
wie in LappLand. Der Rumar ist ein Thier, wel-
ches von einem Stier %und einer Stutte, oder einem
Stier %und Eselin gezeügt worden; Iener heißt baf die-
ser bif, Kopf %und Schwantz sehen einem Stier ähn-
lich. Er hat aber keine «Ohren» Hörner, sondern nur wul-
stige Stellen an den Orten wo sie stehen sollten;
sonst sind sie der Mutter ähnlich aber nicht so groß
als MaulEsel, lauffen schnell, sind sehr starck %und fressen
wenig. Steinöhl wird an vielen Orten Italiens
von den Bäumen über deren Wasser es sich setzet
geschöpft, vornehmlich bei Modena.

/Bey Bologna wird der bekandte Bologneser-Stein,
der wann er Calcinirt worden, Lufft in sich sauget,
gefunden. Das unmittelbahre Sonnenlicht ist für
ihn zu starck, darin zerfällt er

/Von den Meer-Datteln oder Bularii, der Art Muscheln,
die in einen schwammichten Stein gefunden werden

/ ist

/|P_334

/ist schon gehandelt. Hier mercken wir nur an,
das ihr Safft im finstern so hell leüchtet, daß
man dabey lesen kann. Den Muscatteller-Wein bey
Monte Fiascone ist der beste; daher die Historie
von Est, est. Pietra fungifera bey Neapel trägt
3 bis 4 Pfeiffen deren manche 20 %Pfund wiegt, wovon
schon gehandelt worden.

/Die Steine die der Vesuvius außwirfft, halten
offt Edle Metalle in sich. Die Schwitz-Bader bey Neapel
sind Gewölber von dem See Agnano, in denen eine
Oeffnung ist, woraus ein sehr heißer Dunst her-
rausdringt, der die Gewölbe anfült, %und die darinn
befindliche zum schwitzen bringt.

/Solfatara ist ein kleines Thal, in welchem
Dampf-Löcher sind, die Steine die Rings um eine
solche Oeffnung liegen, sind immer in bewegung, %und
wenn man eine Handvoll kleinere Steine hineinwirfft,
so werden solche 6 Ellen hoch in die Höhe getrieben.
Solfatara %und Vesuvius haben mit einander Gemein-
schafft. Das Erdreich ist hier hoch %und das Echo donnernd,
wenn ein Stein in ein gegraben Loch geworfen wird.

/Apulien. Ist ein sandigtes Land, ohne Qwellen, wo
Mensch %und Vieh aus Natürlichen %und künstlichen «Cy»
Cisternen getränckt werden. Es Regnet hier sehr we-
nig. Der Wein ist etwas saltzigt, aber die Wasser-
Melonen sind vortrefflich.

/ Von

/|P_335

/Von der Tarantal-Spinne, %und von den Tarantolatio
ist gehandelt worden. Die Meerenge zwischen @Sici@-
lien, %und dem heütigen Calabrien, welche die Straße @von@
Messina genant wird, ist wegen des Strohms merk-
würdig, den die Ebbe %und Fluth macht den %Nordlichen Strohm,
der durch die Küste Italiens bestimt wird, ist der stär-
ckste, so daß die Schiffe selbst nicht mit einem
starken SüdWinde dagegen fahren könen, %und selbst
nicht qwer über kan gefahren werden. Bey Messina
gerade vor dem Hafen entsteht ein Wirbel, Cha-
rybdis aus dem Wiedereinanderlaufen zweyer
Ströme. Wenn kein Süd-Wind ist, so ist er ruhig.

/Malta ist gantz felsicht, %und kan die Einwohner
nur auf ein halb Iahr mit Geträide versorgen.

/ ≥ Franckreich

/Von der Erde in diesem Lande zeiget Guettard,
daß es dreyerley Arten des Bodens gäbe. 1. Von Paris,
Orleans, einen Theil der Normandie bis nach London
sey das Erdreich lauter Sand %und darin kein ander
Metall als Eisen 2. Diesen Kreiß umschiesse
ein anderer, wozu Champagne, Piccardie, Tourrai-
ne, Perry, %und ein Theil der Normandie gehören. Die-
ser halte nichts als Mergel in sich. Der 3te @Kreis@
soll die bergichten Theile des Landes in sich fassen,
sich durch Deütschland %und selbst in Engelland aus-
breiten, %und allerley Steinbrüche %und Metalle

/ in

/|P_336

/in sich halten. Die Weine in Franckreich Vin l'E-
remitage, Frontiniac, Pontac, Champagner, %und
Burgunder sind bekandt. Die 7 vorgegebene Wunder
des Delphinats sind lange wiederlegt worden. Der
Gabeln_Baum Wächßt «wachß» in Languedoc. Sein Stamm
ist bis 4 Fuß hoch. Oben auf dem Stamm wächßt
eine große Anzahl gerader Zweige, die man durch
Beschneiden zu 3_zackichten Gabeln bildet, nachmahls
werden sie in heißen Oefen noch mehr außge-
bildet. Der %Königliche Canal von Languedoc ist 40 Fran-
zösische Meilen lang, halb Fuß Wasser 64 Corps
d'Ecluses, deren einige 2 bis 4 schleüsen haben. Der
Canal hat 13 Millionen gekostet. bey dem Flecken
Balarue in Languedoc ist ein so temperirter war-
mer Brunnen, daß er Eyer ausbrütet, dem ohnerach-
tet behält das ausgeschöpffte Wasser doch diese Wärme
wenigstens 8 Stunden, %und es wird im Kochen Langsa-
mer zum Kochen gebracht, als das gemeine Wasser.

/In der Gegend von Clermont sind versteinernde
Qwellen deren eine, eine %ordentliche Brücke Formiret
hat, unter welchen ein Bach fließet. Man hat diese
Qwelle in viele Arme zertheilet, %und ihr ihre verstein-
nernde Krafft meistens benommen. Man trinks es ohne
Schaden.

/ ≥ Spanien. ≤

/Dieses Land hat nur 7_1/2 Million Einwohner.

/ Zur

/|P_337

/Zur Zeit der Mohren und Gothen hat es wohl 4 Mahl
so viel gehabt. Das Klosterleben, die bevölckerung
Indiens, %und die schlechte Wirths-schafft, sind Ursachen
davon. Die Spanier sind fast alle Mager, dazu der
Genuß vieler Gewürtze %und hitziger getränke bey-
trägt. Es gibt selten wo mehr blinde als hier. Seit
der entdeckung Indiens sind über 6.000 Millionen
Personen ins Land gekommen. Die «Aturi» Asturier
sind wegen ihrer Gothischen Abkunfft sehr berühmt,
ihre Pferde sind gut. Bey Bejar in Estremadura
sind 2 Qwellen, davon eine sehr kalt %und eine sehr
warm ist, die Andalusischen Pferde übertreffen alle.

/ ≥ Portugall. ≤

/Hat bis 2 Millionen Menschen. Man ist hier so
wie in Andalusien gewohnt, des Mittags zu schlafen,
%und des Abends, Morgens %und Nachts zu arbeiten. Aus
Brasilien ziehen die Portugiesen nur an dem darin
gefundenen Golde Iährlich auf 12 Millionen %Reichsthaler.
auf dem Gebürge Estrella ist eine See, die immer
in einer sprudelnden bewegung ist.

/ ≥ Schweden. ≤

/Ist Arm am Getreyde. Man hat gelernt Brod aus
Bircken, %und Fichten-Rinden, ja Stroh %und Wurtzlen zu
backen. Man hat hier Silber-Gruben, vornehmlich Kup-
fer %und Eiser-Bergwercke, auch etwas Gold, hat nicht
mehr als 3 Millionen Einwohner, die Insel OesLand

/ hat

/|P_338

/hat kleine %und muntere Pferde. Die Troelhetta ist
ein 3_Facher Waßer-fall den Gothischen E«b»lbe.

/In dem Südlichen Theile von Lappland wird ei-
niges Getrayde gesammlet. Die ViehBremsen sind
eine %unendliche beschwerlichkeit, lange Fußbretter,
worauf man einem Wolff im laufen erhascht. Nutz-
barkeit des Renthiers. Einige besitzen deren et-
liche 1.000. Die Lappen sind Brau mit schwartzen
Haaren, Breite Gesichter, eingefallene Backen, spi-
tzen Kinn, faul %und feige; Ihre Wahrsager-Trommeln,
haben sie mit andern Völckern<1> gemein<5> in<2> diesem<3>
Climate<4>. Finland hat große Perlen.

/ ≥ Norwegen.
/Die Inseln Faeröer %und Island. ≤

/Der Winter ist hier erträglich, ausser in den Gebürgen;
von diesen schiessen auch große Schneeballen herab,
die alles zerschmettern; öffters fallen auch Stücke
von Bergen ab. Die %Östliche Seite ist in ansehung der
Witterung von der Westlichen sehr unterschieden,
die schmalen Busen, die das Meer offt bis 8 Meilen
ins Land macht, %und deren etliche die Tiefrinnen
genandt werden, nur 50 bis 100 Faden breit aber
400 tief sind, sind häufig, der Norwegische Strand
ist an den meisten Orten steil. Man findet hier
viel Marmor, %und andere Steinarten, etwas

/ Gold

/|P_339

/Gold, %und Silber, mehr Kupfer, %und Eisen. Der
Mäl-Strom entsteht von der Ebbe %und Fluth, nur daß
seine Bewegung der an den Küsten gewöhnlichen
entgegen ist. Es soll gar kein Wirbel darinn seyn,
sondern nur ein hochspritzendes Waßer. Schelderug
aber will viele %dergleichen Wirbel, die umgekehrten
Kegeln gleich wären, %und bis 4 Klafftern im Durch-
schnitt, 2 aber in der Tiefe hätten, gesehen haben.
Dieses letztere geschicht zur Zeit der Spring-Fluth.

/Die Finnlappen leben gröstentheils von der Fische-
rey. Die Insel Faeröer haben ziemlich mässige Win-
ter %und Sommer, sie bestehn aus blossen Felsen, die
aber eine Elle hoch Erde über sich haben, sie haben
einen Ueberfluß an Schaafen %und Gänsen.

/Die Insel Kille Dimen hat die Eigenschafft an sich,
daß auch weise schaafe, die herauf gesetzet wer-
den, gantz schwartze Wolle bekommen.

/Die Insel Island ist vom Morgen nach Abend
mit einer Reihe Bergen durchschnitten, worunter
einige Feüer auswerfen, wobey zugleich der @vorn@
schmeltzende Schnee schreckliche Gießbäche macht, die die
Thäler verwüsten.

/Man merckt, daß, wen Schnee %und Eis dem Mund
eines solchen Berges nach %und nach verstopffen, ein
neüer Ausbruch des Feüers Nahe sey. Es giebt vie-
le heiße Qwellen, deren einige ihr Wasser als

/ kochend

/|P_340

/kochend in die Höhe spritzen, %und die an solchen Qwel-
len wohnen, kochen ihre speisen in hineingehängten
Kesseln drinnen auf.

/Die Schaafzucht ist hier ansehnlich. Sie suchen sich
bey gutem Wetter im Winter selber ihr Futter im
Schnee.

/ ≥ Rußland. ≤

/Die Asiatischen Länder sind von den Europäi-
schen dieses Reichs zwar Geographisch unterschieden,
die Physische Grentzen aber könte der Fluß Ienisea
wie Gmelin meinet machen. Denn Ostwärts diesen
Flusse ändert sich die gantze Gestalt des Erdreichs
sowohl, da die gantze daselbst gelegene Gegend Ber-
gicht ist, als auch andre Pflantzen, fremde Thiere,
als das Bisamthier %und %andere %mehr anzutreffen sind; der
Fisch Belluga, der in der Wolga häufig anzutreffen,
schluckt bey der Iährlichen aufschwellung des Stroms
grosse Steine statt Ballast herunter, um auf dem
Grunde erhalten zu werden.

/Der Sterlede %und der Stör haben einen geringen
Unterschied, ausser daß jener Delicater am Ge-
schmack ist. beym Kloster Troitz, %und in den Gräbern
bey Kiow, sind einige aus Natürlichen Ursachen
unverweste Leichen anzutreffen, die %.fälschlich vor Märtyrer
gehalten werden.

/ ≥ America.
/I. Süd_America. ≤

/Das Staaten-Eyland, zwischen welchen %und der Feüer

/|P_341

/Feuerinsel, (welche eigentlich eine Menge vieler Inseln
ist) die Lemairische Straße liegt, hat wegen der
öden %und %fürchterlichen Gestalt ihrer Berge, %und des fast
immer währenden Regens %und Schnees, die traurigste
Gestalt von der Welt. Lord Anson schlägt vor, Süd-
wärts um die Staaten_Inseln zu seegeln. Das Land
der Patagons, ein sehr flacher Strich Landes an der
Magellanischen Meer-Enge soll mit Riesen bewohnt
seyn; man hat aber davon keine Versicherung.

/Am Silber-Flusse sind die reichen Potosischen Sil-
berbergwercke, so den Portugiesen gehören. In Para-
guay haben die Iesuiten die Wilden zu einer so gu-
ten Conduite gebracht, wie sie Nirgends in Indien haben.

/Chili hat muntere %und kühne Einwohner. Die Geschick-
lichkeit gewisser Fang-Riemen sich auf der Iagd
%und im Kriege zu gebrauchen, ist %ausserordentlich. Die
Spanischen Pferde werden hier flüchtiger %und schö-
nerer. Kühne Iagd mit denselben, die Araucaner
eine in Chili %befindliche Indische Nation, können noch
nicht von den Spaniern bezwungen werden.

/Peru. Ist an der See-Küste unfruchtbar, %und
unerträglich heiß. Es Regnet auch nicht darinn aus-
ser 1720 hat es 40 Tage geregnet, wodurch Städte
%und Dörfer zerschmoltzen. Der Gebürgigte Theil ist
Temperiret %und Fruchtbar. Die jetzigen Peruaner schei-
nen von ihrer Vorfahren Geschicklichkeit @erstaunlich@

/ abgewichen

/|P_342

/abgewichen zu seyn. Man findet noch Mauren von
Pallästen, die mit gehauenen Feüersteinen aufge-
mauert seyn, ob sie gleich damals kein eisern
Werckzeüg zum behauen hatten sondern blos Kupfer.
Ietzo aber ist die Tragheit der Nation erstaunlich.
Man sieht bey ihnen eine %unbegreifliche Gleichgültigkeit
in Ansehung der Straffen %und belohnungen, nach des
Condamine bericht. Diese Farbe dieser Indianer
ist kupferroth, sie haben keinen Bart. Das Erdreich
im niedrigen Theil von Peru verlieret offt durch
Erdbeben sehr seine Fruchtbarkeit.

/Am Anazonenstrome auf beiden Seyten desselben
ist etwas ferne von dem Gebürge Cordillera, das
Erdreich %erstaunlich fruchtbar, so eben wie eine See
%und ein Kieselstein eben so rar als ein Diamant. Denen,
die über diese Gebürge von Westen nach Osten Reisen
wollen, weht ein ungemein hefftiger, %und offtmals
Tödlich kalter Ost-Wind entgegen. Die Einwohner
des Anazonenstroms vergifften ihre Pfeile mit
einem so schnellen Giffte, daß sie ein damit
nur leicht verwundetes Thier, noch kaum fallen
sehen. Das Fleisch ist unschädlich

/Man sieht hier seltsame Ueberfahrten über
Ströme, da eine gewisse Gattung von gewach-
senen Stricken, Beincken genannt, über eine«m»n

/ Strom

/|P_343

/Strom gespannt werden, daran ein Pferd an ei-
nen Ring schwebend, oder auch Menschen an Mat-
ten ha<n>gend herüber gezogen werden, über das
Peruanische Gebürge nach Panama zu reisen, be-
dient man sich gewisser dazu abgerichteten Esel,
welche dieses an dem allergefährlichsten @Orte@
mit großer geschicklichkeit thun. In Papayan
wäscht man viel Gold-Staub aus der Erde, die von
reissenden Gieß-bächen welche von Gebürgen he-
rabstürtzen, durchschnitten werden.

/Porto Bello am Isthmus von Panama ist
eine der aller ungesundesten Städte in der Welt,
überhaupt ist das niedrige Land an diesem Isthmus
erstaunlich feücht, Waldigt %und durch die unmässige
Hitze sehr ungesund. Die Niederkunfft in Por-
to Bella ist fast Tödlich. Die Mücken in diesen Wüsten
quälen die Reisende erstaunlich

/Die Fledermäuse lassen in Carthagena Menschen
%und Vieh im Schlaff zur Ader. Das Frauenzimmer in
dem Spanischen America raucht fast allenthalben @Tobac.@

/Auf Hispaniola ist ein Baum, der gifftige
Aepffel trägt, dessen Schatten sehr gefährlich ist,
%und in deren Safft die Wilden ihre Pfeile tauchen.
Das Manati kan hier zahm gemacht werden,
%und einige halten es deßwegen vor den Delphin, der

/ Alten

/|P_344

/Alten. Die Land-Winde im Mexicanischen Meer-
busen sind von grosser beqwemlichkeit, indem
man %dadurch wohl 100 Meilen gegen den Allgemei-
nen Ostwind seegeln kann. Die Schiffer gehn mit
dem Land-Winde in der See %und mit dem Seewind wieder
zurück. Das grosse Land Guiana, in welchem Walter
Raleigh auf dem Oronoqua_Strom auf entdeckungen
ausgegangen, ist nicht tief in seinem Innern be-
kant. Es hat viel Gold-Sand, aber die Stadt Manca
oder el Dorudo die am See Parima liegt, %und wo
das Gold fast wie die Steine auf der Strasse
gemein seyn soll, ist sehr ungewiß; eben so wie
die Ohnköpfe, wovon fast alle Indianer am Orono-
que reden, die das Maul auf der Brust, %und die ohren
auf den Schultern haben sollen, entweder erdichtet,
oder Leüte sind, die wie viele Indianer den Kopf
durch Kunst verstellen Zu diesem Lande gehört
auch das Surinam der Holländer. Die Iesuiten sind
hier sehr Manigfaltig %und oft sehr groß, unter
diesen ist auch das wandelnde Blatt; %nähmlich eine
Heüschrecke, welche in einem Zusammengewick-
leten Blatt zeitig wird, %und nachdem sie auf der
Erde gefallen. Flügel «%und Farbe» von einer Farbe
%und Gestalt, wie die Blatter zeügt merckwürdig.
Die Frosche verwandlen sich hier zuletzt in Fische

/ Der

/|P_345

/Der Laternenträger, eine Fliege, welche eine Blase,
die im finstern sehr helle leüchtet, am Kopfe hat.
Gehen wir von da weiter in die Brasilianische
Küste herab, so finden wir dieselbe mit Portu-
giesen wohl bewohnt. Das Brasilien_Holtz oder
der Baum Arbaten macht eins der vornehmsten Ge-
wächse dieser Länder aus, wiewohl sie viele an-
dere schöne Producte haben, deren wir bald erwäh-
nen werden.

/Unten den vielen Nationen der Wilden, die in
den Wüsteneyen in dem innern des Landes herum
gehen, sind die Tapuqer die berühmtesten. Sie ha-
ben keinen begriff von Gott, kein Wort das ihn
bezeichnet, gehen Nackt, fressen die gefangenen
Feinde, %obgleich nicht mit so viel Martern als die Cana-
dier, durchbohren ihre UnterLippen %und stecken eine
Art grünen Iaspis ins Loch, welches doch die Weibs-
bilder nicht thun, die dafür das Loch im OhrLäppchen
sehr erweitern, kleben sich das Gesicht voll Federn,
dagegen es sich die Weiber mit Figuren bemahlen,
die im Kriege Gefangene werden zuerst sehr gut
gehalten, bekommen so gar eine Beischläfferin,
werden hernach getödtet %und gefressen, aber nicht gemartert.

/Man begegnet indessen allen Freünden sehr wohl.
Diese Menschenfreßer sind %eigentlich nicht am Anazo-
nen-Strom, sondern an der Ynpura. Der Colibri

/ soll

/|P_346

/soll hier schön singen, welches er in Nord_Amerika
nicht thut. Man sahe in diesen Gegenden vor der Eu-
ropäer ankunfft kein RindVieh, %und jetzt hat es sich
so verfielfältiget, daß aus Paraguay wohl 40.000
Rindhäute des Iahres ausgeführet worden sind,
wiewohl die wild gewordenen Hunde es sehr auf-
gerieben haben. Man sagt auch, daß nichts vom Eu-
ropäischen Obst in America ehedem gewesen wäre
nun aber sind in Peru, %und den dazu gehörigen @Andien-
¿¿us@ gantze Wälder von Aepfel %und Birn-Bäumen. Brasi-
lien ist voll schlangen %und Affen; die dasigen Pa-
pagoyen sind die besten, nur in Ost-Indien giebt es
graue; Die von Europa übergebrachte Schweine haben
hier wie in der übrigen Zona torrida ein sehr schönes
%und Gesundes Fleisch. Die Manioc Wurtzel die sonst
roh gegessen ein Gifft ist, wird von einigen Brasili-
anern ohne Schaden roh gegessen. Viele Land-Teiche,
die nur bey der Regenzeit Wasser haben, enthalten
doch alsden ohne daß man weiß auf was Art
eine große Menge Fische. Der Vogel Vyra ist dem
Condor an größe %und Wildheit Fast gleich, seine
Klauen sind schärffer. Es giebt auch allhier einen
Vogel, in der grösse eines Kalekutischen Hahns, der
wie der Strauß nur laufen kann, aber schneller als
ein Windspiel.

/Das Land Paraguay. Hier findet man das berühm-
teste Paraguay-Kraut, welches ein blatt vom Baum ist

/ %und

/|P_347

/%und getrocknet als ein Infusum gebraucht wird, öfnet,
treibt den Urin, erregt den Schlaff, ist, wenn es über-
mäßig gebraucht wird sehr hitzig, von den Großen
Schlangen dieses Landes hat P. Muntayc %und andere
Missionarii viel unwahres ausgebreitet. Man re-
det im inwendigen des Landes von einem Volcke der
Caesaren, die im 44ten Grade Südlicher Breite wohnen,
%und von einigen unter Carl_V Regierung herüber-
gekommenen Spaniern abstammen sollen. Die Wilden
dieses Landes sind gefährliche Menschen_freßer.
Die Weiber zerstechen sich das Gesicht %und die Männer
bemahlen es.

/Die Spanische Poßeßion besteht aus Commanden %und
Reductionen welche letztere durch Iesuiten regie-
ret werden. Die Republick St_Paul, besteht aus hart-
näckigten Rebellen, die nicht könen zu Paaren ge-
trieben werden, %und vergrössert sich durch Zulauff
loses Gesindels immer mehr. Südwerts von Bue-
nos_Arges ist die Küste von Amerika völlig un-
bewohnt, %und kan auch nach der Anno 1746 geschehenen
Untersuchung nicht bewohnt werden, da man
selbst im Sommer hier ansehnliche Kälte fühlt. Doch
sollen auf einer Insel, die ein gewißer Fluß
hier macht. Europäer seyn.

/ ≥ Nord-America. ≤

/Die Esquimaux, welche Capitain Ellix 1746 in
den Meeren, bey der Hudsons_Bay antraf, waren

/ leütseelig

/|P_348

/leütseelig %und klug. Sie fahren mit Hunden wie
in Siberien, nur die dortigen bellen nicht, versorgen
sich auf ihrer Reise mit einer Blase voll Trahn,
wovon sie mit Ergötzlichkeiten trinken, die etwas
südliche Esquimaux, sind ein wenig größer, aber
die Franzosen beschreiben sie sehr abscheülich von
Gesicht, %und Wild %und boßhafft von Sitten, Gerathen offt
auf ihrer Reise in großer Noth, so das man hier
sein Weib %und Kind zu fressen genöthiget wird. Sie
machen ihre Canoes wie die Gronländer, mit über-
zeüge von See-Hund, tragen Hemde von zusammen-
genehten Blasen dieser Thiere. Ihre Schnee-Brillen,
die aus einem Stück Wallroß_Zahn mit einer kleinen
Spalte gemacht sind, thuen ihnen sehr «wohl» gut.

/Brantwein denn sie %schwerlich meiden könen, ist ihnen
sehr schädlich. Die Eltern, wenn sie Alt sind, machen
ein Tractament, %und laßen sich von ihren Kindern er-
droßeln, aber niehmals sterben sie durch ihre eigene
Hand. Über den 67 %Grad der Breite findet man in America
keine Menschen mehr, Die Länder, welche zu Canada
sowohl dem Französischen als Englischen Antheil
gerechnet werden, sind in Ansehung der Lage ihres
Clima im Winter sehr kalt. Die %.Nord_%.West_Winde brin-
gen die heiterste Lufft %und grö«ße»ste Kälte. Ie
weiter man nach Westen kommt, desto kälter ist die
Gegend. Die allerWestlichsten Indianer heißen Assinipolier

/ %und

/|P_349

/%und wohnen an einem See, wo aber noch nicht Euro-
päer gewesen. Allein diese Indianer haben eine
schmutzigte<1> Farbe<3> rothe<2> des Leibes, %und welches be-
sonders ist fast keine Haare auf dem Leibe, als
auf dem Kopf, %und den Augen_braunen, welche
letztere jedoch die meisten sich ausziehn. Die Thie-
rische Eigenschafften dieser Wilden sind aus-
nehmend. Sie riechen in größerer Weite ein Feü-
er, als man es sehen kan, daher sie auch keinen
Muscus leiden, sondern nur Eßbare Sachen @gern@
riechen. Ihre Einbildungs-Krafft in erinnerung der
Gegenden, wo sie einmahl gewesen, %und ihre Feinnig-
keit, %und entdeckung der Spuhren von Menschen %und
vieh ist unbegreifflich groß. Unter allen diesen
Völckerschafften, kann man mit der Sprache der @Alon@-
quins %und der Hurons durchkommen, welche beide
sehr schön nachdrücklich %und Rein sind. Alle diese
Nationen haben keine andere Oberhaüpter, als
die sie sich selber wählen. Die Weiber haben hie-
rin, %und in andern Staatsgeschafften grossen Ein-
fluß, aber @nun@ den Schatten der Oberherrschafft.

/Die Iroquesen machen jtzo die gröste Völckerschafft
aus, überhaupt aber werden die Nationen bestän-
dig schwächer. Sie haben kein Criminal-Gericht.
Wen jemand einen getödtet hat, so weis man
kaum wes es straffen soll, %.gemeiniglich thut es
die Familie, aus der er ist. Die gröste schwie- 

/|P_350

/rigkeit ist der Rache der Familie des Erschlage-
nen zu entgehen. Eine Familie muß durch einem
Gefangenen, wegen dessen den sie verlohren hat,
schadloß gehalten werden. Diebe werden zur
Revanche gantz ausgeplündert, nur verzagte
%und Hexen werden getödtet, %und verbrannt. Ihre Religions-
begriffe sind sehr verwirrt. Die Alonquins nen-
nen den obersten Geist den großen Haasen, %und sei-
nen Feind den grossen Tieger. Nichts ist wütender
als ihre Traumsucht; wenn jemand Träumet er schlage
jemand Todt, so Tödtet er ihn gewiß, traumfest.
Ein junger Mensch muß durch einen Traum er-
innert werden was er künfftig als seinen Schutz-
Geist ansehen soll. Ein Traum einer PrivatPersohn
kan offt Kriege erregen. Im Kriege suchen sie
sehr ihre Leüte zu schonen, fechten gegen einander
nur %gemeiniglich durch Ueberfall %und Hinterfall, be-
dienen sich der Kopfschläger, %und wehren sich verzwei-
felt. Die gefangenen werden zwar gebunden,
aber %anfänglich gut gehalten, %und wissen nicht ob sie
sollen geschlachtet, oder zur Ersetzung des Verlustes
den gebliebenen in die Familie der Überwinder
aufgenommen werden; Wen das erste beschlossen
ist, so singt das Schlachtopfer seinen Todten-Gesang

/ %und

/|P_351

/%und man zerfleißt ihn durch Langsamme Martern,
die offt einige Tage dauren, wobey dieser ganz
unempfindlich thut, %und seinen Henckern Hohn spricht,
zuletzt kocht %und frißt man ihm. Dies geschieht
mehr aus begierde, den Geist der Erschlagenen durch
Rachopfer zu besänfftigen als aus Appetit. Die
im Gefecht erschlagenen werden niehmahls gefreßen.
Kinder %und selbst Weiber, bereiten sich schon, zu sol-
cher Standhafftigkeit zu. Die Freündschafft dieser
Wilden ist außerordentlich hoch getrieben. Der
Friedens-Stab oder das Calumet ist unter allen
diesen Völckern gebräuchlich, %und ist eigentlich eine
Tobacks-Pfeife, welche offt mit einigen Zierathen
ausstaffiret wird, woraus die Haüpter bey den
Partheien Rauchen. Man sieht die große Neigung
zur unabhängigkeit unter diesen Völckern, an der
Erziehung ihrer Kinder, welche bloß durch worte
%und kleine beschimpffung, als ihnen Wasser ins Ge-
sicht zu spritzen von den Eltern bestrafft wer-
den. Dies scheint die Ursache zu sein, weswegen
sich kein Indianer einfallen läßt, die LebenArt
der Europäer anzunehmen, obzwar diese offt jene
wählen. Weiterhin Westwärts in diesem Welt-
Theil sind die Nationen wenig bekantd. Einige
drücken den Kindern den Kopf zwischen 2 Klumpen

/ Leinen

/|P_352

/Leinen in der Kindheit breit %und heissen Platt-
köpffe. Unter den Alonquins sind Kugel-Köpfe
wegen der Figur, die sie den Köpffen durch die
Kunst geben, die Franzosen, welche die allerWest-
lichsten Indianer kennen, berichten, daß man unter
ihnen von einem grossen %.Westlichen Meer reden höre, %und
die Reisen der Russen von Kamtschatka beweisen,
daß America nicht weit davon sey, %und daß es wahr-
scheinlicher Weise, durch nicht gar zu grosse Meer-
engen %und einigen Inseln Ischaketskoi Nosh in
Siberien abgesondert sey. Die %.Englische Colonien in die-
sem Welttheile sind blühend. In Virginien ist der
Winter nur 3 Monathe lang %und %ziemlich scharf;
der Sommer ist angenehm. Es wachsen daselbst Wein-
stöcke wild, aber noch hat kein guter Wein davon
kommen wollen; ein Baum trägt in einer Art von
Schooten Honig, %und eines andern abgezapffter Safft
giebt aus 8 %Pfund Safft 1 %Pfund Zucker, so wie der Ingra
aus CocosSafft gesotten, %und in Indien rafinirt wird.
Pensilvanien, Mariland, u.s.w. kommen in
den mehresten Landes_Producten miteinander überein,
sehr viel Holtz in Walldungen, eine Menge von
Wild, welches gröstentheils vom Europäischen unter-
schieden ist. Carolina %und Georgien sind am Südlichen

/ gelegen

/|P_353

/gelegen %und bringen auch schon Seide hervor, %imgleichen
in China befindliche Kraüter. Einige wollen
hier den Theestrauch<1> gefunden<5> haben<6>, %und<2> den<3>
Ginseng<4>

/Wenn man den St_Laurentz_Strohm hinauf von
dessen Mündung an das Französische Canada be-
färth, so hat man anfangs zu beiden Seiten
ziemlich wüste Länder, bey Quebec aber %und wei-
ter hinan nach dem Ontario %und Erie-See hinauf
die vortrefflichsten Länder in der Welt. La_Hon-
tan
ist auf dem langen Fluß, der in dem Mißi-
sippi läufft, weiter gegen Westen, als Irrgend
ein Europäer gekommen, %und hat von den dahinlie-
genden Völckern, den Tahuglunken gehört, daß sie
Bärtig, wohl bekleidet %und künstlich wären, daß das
Calumet daselbst aufhöre, %und daß sie an einen
Saltzigen See wohnen. Diejenigen, die dem Mis-
sisipi heraufgefahren, finden Völcker von fast
ähnlichen Sitten, in einem sehr Fruchtbahren %und wal-
digten, im Winter aber sehr kaltem Lande.
Alle diese Völcker haben sich seit der Ankunfft
der Europäer sehr Vermindert. Man findet
bey allen diesen Nationen, daß der Gebrauch des
Kupfers viel Älter bey ihnen sey, als des Eisens.
In dem benachbarten Florida sind die Einwohner

/ sehr

/|P_354

/sehr behertzt. Sie opffern der Sonne ihre Erst-Ge-
burth. Das Land hat große Perlen, %und ist dem Ca-
rolina der Engelländer ähnlich.

/ ≥ Americanische Inseln. ≤

/Die Boucaniers und Flibastiers waren anfänglich
Seeräuber, haben die Niederlassung in St_Christoffle,
Dominique, davon die letztere hernach den Franzo-
sen unterworfen worden, veranlaßet. Im grösten
Theil des Spanischen America sind viele Spani-
sche Pferde, öffters auch Hunde die Wild geworden.
In Domigo sind beide, %und haben die Art an sich
ein großes Geraüsch zu machen, wenn sie sauffen
wollen, um die Caymanen abzuschrecken. Die Negers
welche hier als Sclaven dienen, sind sehr zahlreich,
offt gefährlich; die vom Senegal sind die witzigsten.
Die Neger-Ornolen sind geistreicher als ihre Vätter,
die von Madagascar sind nicht zu bändigen, die
von Monomotapa kommen bald um, sind mehren-
theils sehr dumm, «ch» Cachiren sich aber sehr
künstlich, sind dabey hochmüthig. Einige fressen
gern Hunde %und werden von Hunden angebellt. Sie
sind in Ansehung des Todes sehr gleichgültig, vor-
nehmlich die von Castelmina, tödten sich offt, um
geringer Ursachen willen. Einige Herren aber haben

/ sinn- 

/|P_355

/sinnreiche Ursachen gehabt, sie hievon abzuhalten. @In@
den Antillen ist die Nation der Caraiben hauptsäch-
lich ausgebreitet, %und in St_Vincent %und Dominique
regieren sie, sie sind starck %und groß, machen sich
den Leib mit Cocon roth, stechen sich viele Löcher in
den Lippen, %und stecken Knöchelchen, GlasKugelchen %und
Steinchen hinein. Ihre Stirn machen sie durch ein
Brett gantz platt %und gleichsam eingedruckt. Ihre Miene
scheint Melancolisch zu seyn. Das Caracolio oder
blecherne Kopf-Schmuck derselben, ist von «¿einem»
reinem, schönen unbekanten Mettall, welches sie
auch an der Nase, %und <der> Unterlippe tragen, wollen
nicht gerne Cannibalen heißen, %und können nicht be-
greiffen, wie man das Gold dem Glase vorziehe, es-
sen niemahls Saltz, sind träge, können keine Ge-
walt vertragen oder Härte, haben eigensinnige Gril-
len, %und ihr stoltz ist ungemein, niemahls wird
einer zur %christlichen Religion bekehret. In der Rache
kennen sie keine «Versöhnung» Grentzen, %und Versöh-
nung ist ihnen unbekandt. Ihr Cacique muß im
Kriege, in der Stärcke, dem Lauffen %und schwimmen @cacel@-
liren. brauchen das Schießgewehr wenig, sondern
Pfeile mit höltzernen spitzen, die mit Saffte des Man-
cenillen_Baums vergifftet sind, %und Keülen.

/|P_356

/ ≥ Von den Ländern am EisMeer. ≤

/Obgleich die Länder an dem Eis-Meer zum Theil zu den
@2@ andern Weltheilen gehören, so wollen wir doch um der
Vergleichung mit America willen, etwas davon hier
kürtzlich mitnehmen. Alle Volcker am Eiß-Meere kommen
darin überein, daß sie beynahe ohnbärtig sind, doch hat
Ellis an der Hudsons-Bay %und dessen verbundenen Meeren
Völcker der Esquimaux angetroffen, die im Gesicht sehr
behaart waren.

/Die Tschukschi, die Nordöstlichen unter allen
Siberiaken, sind ein Tapfer Volck am EisMeer, Gast-
frey, ihr Gewerbe ist, so wie hier überhaupt Fischerey
%und Iagd. Die Inseln Nova_Zembla, Spitzbergen u.a.m.
sind nicht bewohnt, aber man muß nicht glauben,
daß sie <so> gantz unbewohnbar sind, als sie die Hollän-
der, die unter Hemskerck darauf überwinterten, ge-
funden haben. %Professor Müller berichtet, daß fast Iähr-
lich einige Russen, um der Iagd willen, den Winter
darauf zubringen. Unter den Vögeln von Spitz-Ber-
gen merke ich nur den Eiß-Vogel mit seinen blen-
dend gläntzenden Gold-federn, %und den Struhljager,
wegen seiner seltenen Eigenschafft die ihm dem
Namen gegeben hat, an. Der Wallfisch ist hier das-
jenige Thier, dessen Iagd die Europäer am meisten
beschäfftiget, wiewohl ehedem von Wallrosen, um ihrer
Zähne willen, auch guter Profit ist gezogen worden, weiter

/|P_357

/Westwärts haben die Lappen ein überaus %heßliches Gesicht,
sind aber nicht so klein als man sie beschrieben. Anno
1735 sahe man einen Riesen, der 7 Reihnländische Fuß
groß war, in Paris, er war aus Lappland gebürtig. Die
Zaubereien oder vielmehr die betrügereien der schwarzen
Kunst, sind hier fast so wie in Siberien, werden aber im-
mer mehr abgestelt. Der Abbt Outhier bemerckt, daß hier
die Pferde zur Sommers-Zeit aus allen Dörfern, in
die Wildniße gelaßen werden, um diese Iahres-Zeit
in der Freyheit zu zubringen, da denn die von einer
Dorffschafft sich von selber in einem besondern
Bezirck halten, %und mit den Übrigen sich nicht @vermmengen,@
auch im Winter von selber in die Ställe kommen.

/Die Grönländer bewohnen ein Land, welches mit der
Südlichsten Spitze Farwe in nicht größerer Breite, @als@
Stockholm ist, aber sich bis auf unbekante Weiten
nach Norden erstrecket. Die Ost-Seite dieses Landes
ist gelinder, als, die West-Seite, %und hat %ziemlich hohe
Bäume, wieder die Natur dieser Länder. Ie Weiter
man in diesen Himmelstrichen nach Westen komt,
desto kälter findet man die Gegend. Nahe bey der
Hudsons_Straße siehet man Eißberge, deren Dicke
15 bis 1800 %Fuß ist, %und die mit einem Stamm von 30 bis @40 %Fuß@
Dicke wohl Meilen weit umgeben sind. Weil sie
der Wind kaum bewegen kan, so mögen wohl
Saecula dazu gehören, bis sie in die Temperirte

/ Zone

/|P_358

/Zone getrieben werden, da sie zerschmeltzen. Die
Eißberge, welche neben den hohen Bergen in Spitz-
bergen auf dem Lande stehen, haben große ähnlich-
keit mit diesen, %und den Gletschernden Alpen, welches
zu Artigen betrachtungen betrachtungen Anlaß ge-
ben kann. Hiebey ist nur noch zu mercken, daß das
Wasser des Eiß_Meeres so gesaltzen %und schwer ist,
als immer in der Welt. ZE. bey Nova_Zembla, wo
man in 80 Faden Tiefe das Muschel-Werck deütlich
sieht. Man sieht in der Hudsons-Strasse eine %unbeschreibliche
Menge Holtz in der See treiben. Ein gewißer Autor
hält dieses vor den sichersten Beweiß, daß dieses
Holtz aus wärmern Gegenden herkommen müsse, weil
es bis aufs Marck von Würmern zerfressen worden.

/Die im kalten Erd-Strich nicht anzutreffen

/ sind.

/δFolgt_Text