|B_Fehlhauer_(1782)_
Geographie Fehlhauer
Strasbourg, BNU: Ms 3016
Transkript: Juni 2006 / Fassung vom: 11.01.2007 / 24.03.2007 / 01.10.2007
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Knopf

|P_0

/Immanuel Kants
der Logick %und Metaphysik ordentl: Prof:
/Vorlesungen
/über
/Die Physische Geographie. ≤
/
/
/
/ kostet 7. %Florin
/ 1782. %den 1 May Fehlhauer

|P_0'
/δ_leer

|P_1
/Prolegomena

/Der Physischen Geographie ≤

/Die physische Geographie «gehört zu einer Idee, welche <kann @%man@>
man» die Vorübung in der Kentniß der Welt nennen «kann».
Der Unterricht derselben scheint noch biß jezt sehr zu fehlen.
Sie ist diejenige Wißenschaft, von der man in allen Verhältnißen
in die man in der Welt kommen kan, nüzlichen Gebrauch machen
kann. Es ist also nöthig sich «solche» <dieselbe> bekandt zu machen, weil sie die-
jenige Erkänntniß ist, die wir durch Erfahrung verbeßern
können. Wir anticipiren hier unsere künftige Erfahrung, die
wir hernach in der Welt haben werden durch diesen «Unterricht,
in diesem» allgemeinen Abriß, der uns einen Vorbericht von
allem giebt.

/Derjenige, der viel gereiset ist, von dem sagt man: er hat die
Welt gesehen; aber zur Kenntniß der Welt gehöret mehr als die
Welt zu sehen. Wer von seinen Reisen einen Nutzen haben will,
der muß schon zum voraus einen Plan von seinen Reisen sich
entwerffen; denn derjenige, der ohne alle Begriffe reiset,
der siehet die Welt nur als einen Gegenstand des äußern
Sinnes an, %und hat nicht den geringsten Nutzen davon.

/Wenn wir von der Welt reden, so betrift es entweder den Gegen-
stand des äußern Sinnes, %und das ist die Natur, oder den Ge-
genstand des innern Sinnes, %und das ist die Seele oder der Mensch.
Die Kenntniß «der» <%.vom> Menschen enthält den Inbegriff aller

/   den- 

|P_2

/denckenden Wesen. Der Umgang mit dem Menschen erwei-
tert also unsre Kenntniße. Zur Kenntniß der Welt gehört
also die Kenntniß des Menschen, %und dieses zeigt die Antro-
pologie. Hier wird nicht gesehen, was in dem Menschen specu-
lativisch, sondern auf das, was in ihm pr<a>gmatisch ist. Es
fehlt noch immer an Natur-Anweisungen, alle Erkenntniße,
die man sich erworben hat, in Ausübung zu bringen, %und einen,
«seinem Verstande in» den Verhältnißen, worinnen man in der
Welt steht, gemäßen %und nüzlichen Gebrauch <davon> zu machen i. e. <2>das
practische <1>allen unsern Kenntnißen zu geben, %und dieses ist
die Kentniß der Welt. Die Welt ist der Schauplatz, wo das
SPiel unsrer Geschicklichkeit «vorgehet.» <Statt finden soll> Es ist der Boden «wo»
wo unsre Erkentniße erworben werden, %und zur Anwen-
dung <gebracht werden> können. Damit aber dasjenige könne in Ausübung ge-
bracht werden, was der Verstand sagt, (welches geschehen soll),
so muß man erst die Beschaffenheit des Subjects kennen,
weil «dieses» <jenes> nicht eher angehet, als biß man den Menschen
kennen lernt, in welchen solches hervorgebracht werden soll.
Ferner müßen wir im Ganzen die Gegenstände unsrer
Erfahrungen kennen lernen; so daß unsre Kenntniße nicht
ein Ag<g>regat, sondern ein System aus machen. Denn im
System ist das Ganze eher, als die Theile; im Agregat
aber die Theile eher als das Ganze. Im System muß also
das Ganze vorhegehen, %und so ist es mit allen Wißenschaften
beschaffen, die in uns eine Verknüpfung hervorbringen.
ZE die Encyclope¿dien, wo das Ganze erst im Zusammenhange

/   er

|P_3

/erscheint. (Eine Idee ist architectonisch; die Wißenschaft: Die
abstrahirte (aber sezt schon Kenntniße voraus, wer zE: ein
Hauß bauen will, der macht sich erst vom Ganzen eine Idee,
aus dieser Idee werden nachher alle Theile abgeleitet.)

/Die Vorbereitung ist also eine Idee von der Kenntniß der Welt;
ich mache mir einen architectonischen Begriff, welcher ein Begriff
ist, woraus das Mannigfaltige aus dem Ganzen hergeleitet
wird. Das Ganze ist hier die Welt, der Schauplatz, wo ich alle
Erfahrungen anstellen werde. Umgang %und Reisen sind
diejenigen, welche den Umfang aller unserer Erkenntniße
erweitern. Umgang lehrt mich den Menschen kennen; dazu
gehöret aber viel Zeit, um den Menschen kennen zu lernen.
Wenn wir aber durch Unterweisung schon sind vorbereitet
worden: so haben wir schon einen ganzen Inbegriff von Kent-
nißen, die mich den Menschen kennen lehren, %und nun können
wir jede Erfahrung in ihre Classe sezen; - durch Reisen
erweitert man die Kenntniße der äußern Welt, welches
aber von wenigem Nutzen ist, wenn man nicht vorher durch
Unterweisung vorbereitet ist. Wer also die Welt kennt,
«so» <%von %dem> versteht man «dadurch,» daß er den Menschen kenne, %und das
heißt: die Natur des Menschen kennen.

/Das 2te Stück der Weltkenntniß, ist die Kenntniß der Natur,
%und diese lehret mich die physische Geographie.

/Von den Sinnen fangen sich die Kenntniße an, sie geben
uns die Materie, der die Vernunft nur neue Formen giebt.

/   Der

|P_4

/Der Grund von aller Kentniß liegt also in den Sinnen,
und der Erfahrung, und zwar entweder in der eignen
Erfahrung oder in der fremden. Wir solten uns wohl nur
mit unserer eigenen Erfahrung beschäftigen; aber alsdenn
könten wir unsre Kenntniße nicht erweitern; unsere Kent-
niße erweitern wir aber durch Nachrichten so, als wenn
wir in der ganzen vorigen Welt gelebt haben; wir erweitern
unsre Kentniße der gegenwärtigen Zeit aus Nachrichten,
aus fremden entlegenen Ländern, so als wenn <wir> selbst da wären.
Es sind also 2 Stücke a, Geschichte. b, Geographie, welche
unsre Kenntniße erweitern, in Ansehung der Zeit und des
Raums. In Ansehung beyder <%der %Zeit %und %des %Raums> nimmt ein «j»Jeder nur einen kleinen
Teil ein, und der Umfang seiner Kentniße durch seine «eigne»
eigne Erfahrung würde sehr klein seyn; er erweitert aber
diese«s» durch fremde Nachrichten. Die Geschichte betrift die Be-
gebenheiten, die in Ansehung der Zeit, sich nach einander
zugetragen haben. Die Geographie beschreibt aber Bege-
benheiten, die in Ansehung des Raumes zu gleicher Zeit sich zu-
tragen. Geschichte ist eine Erzählung; Geographie aber eine
Beschreibung deßen, was (zu gleicher) <in> Zeit %und Raum neben
einander ist. Daher haben wir eine Natur-Beschreibung
deßen, was zu gleicher Zeit %und Raum geschiehet, aber nicht
eine Natur-Geschichte. Dieser Nahme ist sehr falsch, den
einige brauchen, %und indem wir den Na«h»men haben, so glauben
wir, «nicht» <@es@> die Sache zu haben, %und dann denkt keiner daran, an

/   einer

|P_5

/einer solchen Natur_Geschichte zu arbeiten. Die Geschichte der
Natur enthält die Mannigfaltigkeit der Geographie, so wie
sie in verschiedenen Zeiten gewesen ist, aber nicht wie es jezt
zu gleicher Zeit geschiehet, denn dieses ist die Natur_Beschrei-
bung. Wenn ich aber die Begebenheiten der gantzen Natur,
wie sie zu allen Zeiten beschaffen gewesen, vortrage, so
liefere ich eine Natur_Geschichte <*> ZE: Wenn ich betrachte, wie
die verschiedenen Racen der Hunde aus vielen Umständen
der Luft, der Erde, aus einem Stamm entsprungen %und welche Ver-
änderungen mit den Hunden zu allen Zeiten vorgegangen,
so wäre das eine Natur_Geschichte <der Hunde>, %und dergleichen könte man
von allen Stücken der Natur liefern, ZE Von den Pflanzen.
Allein sie hat das Beschwerliche an sich, daß man sie mehr
durch Experimente errathen muß, als daß man eine genaue
Nachricht von allem geben könnte. Denn die Natur_Geschichte
ist so alt als die Welt, %und wir haben kaum von derjenigen
Zeit Nachrichten, als man anfing zu schreiben. Die Verschie-
denheit und die Mannigfaltigkeit einer Sache «seit» <in> allen Zeiten
zu beobachten, das ist eine wahre Philosophie. Wenn man
die wilden Pferde in der Steppe zahm machen möchte, so
wären das sehr dauerhafte Pferde; «%und» man bemerkte <a>, daß
Esel %und Pferde aus einem Stamm herkommen, %und daß dieses wilde
Pferd lange Ohren hätte, so wie ein Esel. (Ferner das Schaaf
ist der Ziege ähnlich, %und die Cultur macht nur darinn die Ver-
schiedenheit.) Also den vorigen Zustand der Natur so
durchzugehn, was dieselbe zu allen Zeiten, «vor» <für> Verän- 

/   derungen, ~

|P_5R

/δ_Z_7

/Buffon lieferte eine
unter dem Titel: Epo-
che de la nature, man
nennt es aber richti-
ger einen Roman der Natur. ~

|P_6

/derungen erlitten, das wäre die Natur_Geschichte. (Wenn
man aber den Titel übel anbringt, so bemühet sich keiner um
die Sache, weil man glaubt, man hat sie schon.) Die allge-
meine Natur_Beschreibung ist 2fach. 1.) Ein Systema Naturae,
oder logische Beschreibung, %und 2.) Eine Geographische Natur-
Beschreibung. Die Stelle der Dinge unter den Begriffen, ist
ein Systema naturae oder eine logische Eintheilung; aber die Stelle
der Dinge der Natur in dem @«An»@<Um>fange, wo sie angetroffen
werden, ist die Geographische Eintheilung. ZE Das Rinder-Ge-
schlecht wird gezählet unter die 4füßigen Thiere, oder unter
die mit gespaltenen Klauen. Dieses wäre eine Eintheilung im
meinem Kopfe, folglich eine logische Eintheilung. Das Systema
Natura ist gleichsam eine Registratur des Ganzen: «,» da stelle
ich ein jedes Ding unter seinen Titel wenn sie gleich in der Welt
an verschiedenen Plä<t>zen «seyn»<%sind>. In der Geographischen Ein-
theilung aber werden sie nach den Stellen, die sie auf der Erde
einnehmen, betrachtet. Das System weiset die Stellen an,
%und die Classe der Eintheilung. Die physische Geographie aber
weiset die Stellen, wo sie würklich auf der Erde zu finden
sind, ZE die Eydexen %und Krokodille sind einerley. «Der» <D.>
Krokodill ist nur eine ungeheure Eydexe, man rechnet «sie» <beide>
zu «e»<E>iner Classe, sie sind aber in verschiedenen Orten.
In Summa man betrachtet hier den Schauplaz der Natur; die
Erde selbst, %und die würklichen Stellen, wo die Dinge angetroffen
werden. Im Systemate naturae aber, wird nicht nach dem
Geburts_Orte, sondern nach ähnlichen Gestalten gefragt. Es

|P_7

/Es ist also die physische Geographie eine besondere Disciplin,
die auch denjenigen noch immer nöthig ist, die die ausgebreitesten
Kenntniße im Systemate Naturae haben <*1>. Die Systemata die schon
geschrieben «seh» sind, möchte man lieber: das Aggregat der Natur,
aber nicht ein System nennen«,» : denn ein System sezt schon die Idee
des Ganzen zum Voraus, aus der die Mannigfaltigkeit der Dinge
abgeleitet wird. %Eigentlich haben wir noch keine Systemata Naturae,
denn in den jezigen Systemen sind nur die Dinge zusammen
verglichen und geordnet.

/ ≥ Die Mathematische Geographie. ≤

/Der ErdKörper ist eine Kugel; «denn» indem ich von den übrigen
Eintheilungen abstrahire, so ist offenbahr, daß «darauf» <%auf der Erde>, so wie
auf einer Kugel, kein Theil von dem andern unterschieden
ist. Allein die Erde hat eine Bewegung von Abend gegen %Morgen,
womit sie gewiße Punckte bezeichnet. Es sind darinnen
2 Punkte, durch die, die Axe durchgehet; und die Umdrehung
um ihre Axe %und die Sonne ist zugleich die Ursache, daß es scheint
als wenn die Sonne, Mond, %und Sterne, sich von Morgen gegen
Abend bewegen. Dieses ist nur eine sichtbare Richtung, welche
man sich vorstellen kann, wenn man auf einem Schiffe fährt,
da denn das Schiff still zu stehen, %und sich das Ufer zu be-
wegen scheint. Diese beyden festen Punckte auf der Erde
heißen die beyden Pole, %und die Linie die durch diese
beyden Punkte durchgezogen wird, heißt die Axe. Durch
diese beyden Pole kann man Cirkel ziehen, welche um die

/   ganze ~

|P_7R

/δ_Z_2

/*1 Sie ist der Grund
worauf Politik,
Regierungsform und
selbst Gesetzgebung
sehr beruht ~

|P_8

/ganze Erde herum gehen, und diese Cirkel heißen die
Meridiani. Kein Meridianus ist bestimmt, denn ich kann
deren unendlich viel ziehen. Wie zieht man den Meridianum?
Wenn wir dieses beantworten wollen, so kommen wir
erstlich auf einen andern Punkt. In der Mitte der Erde
ist ein Centrum: zwischen diesem Centro der Erde %und dem
Punckte, wo der Zuschauer steht, kann eine Linie gezogen
werden; wenn ich diese Linie biß an den Himmel fort-
ziehe, so heißt dieser Punkt am Himmel, der Scheitel_Punkt
oder das Zenith. Dieser Punckt correspondiret mit demjenigen
auf dem der Zuschauer hier auf der Erde stehet. Der Cirkel,
der durch dieses Zenith %und die beyden Pole der Erde gehet,
ist der Meridian dieses Ortes. Jeder Ort hat seinen Meri-
dian; doch können auch viele Örter einen haben. Ein jeder
Meridian theilet die Erde in 2 Hälften, davon die eine
die Westliche, die andre die Oestliche Hälfte genannt
wird. ZE wenn ich den Königsbergschen Meridian ziehe,
so ist auf der Westlichen Seite Europa %und Africa, %und ein
großer Theil von Asien; auf der Oestlichen aber auch Africa
%und ganz Amerika. Die Oerter die alle unter einerley
Meridiane liegen, die sind nicht in Osten %und Westen sondern
im Süden %und Norden unterschieden. Denn wenn ein Ort
dem Süd-Pole näher liegt, denn ist er «in» <%von> Norden unterschieden
wie Capo bonae spei von Königsberg, %und wenn er dem
Nord-Pole näher liegt, denn ist er «in» <%von> Süden unterschieden

/   wie

|P_9

/wie Stockholm von Königsberg. In dem Meridiano sind 2 Theile
1.) Der Meridianus des Orts selbst, und 2.) der antipodische Me-
ridianus, weil er durch die Antipoden des Ortes auf der andern
Seite <%der %Erde> gehet. Wenn die Sonne am höchsten stehet i. e. Wenn bey
uns Mittag ist, dann ist die Sonne in unserm Meridian, alsdann
ist die Hälfte nach Morgen zu eben so groß, als die Hälfte
nach Abend zu. Wenn bey uns Mitternacht ist, so stehet die Sonne
in dem antipodischen Meridian, wo sie denn wiederum die Hälften
gegen Morgen %und gegen Abend gleich «sind» <macht>.

/Alle Oerter, deren Lage in Westen %und Osten unterschieden ist, «die»
haben verschiedene Meridiane, aber die Oerter, deren Lage in
Norden %und Süden unterschieden ist, die haben einerley Meridiane,
der Meridianus ist durch nichts anders «unterschieden» bestimmt,
als durch die Umdrehung der Erde um ihre Axe, und durch
die beyden Pole. Doch wird durch ihre Umdrehung auch noch
ein 3ter Punkt bestimmt, der von den beyden Polen gleich weit
entfernt ist, %und um den die Umdrehung um die Axe auch am
stärksten ist. Der Cirkel der von den beyden Polen gleich weit
abstehet, theilt die Erde auch in 2 Hälften, so wie der Cirkel
der durch die beyden Pole gezogen wird, dieselbe in 2 Hälften
theilet; nur mit dem Unterschiede, daß durch die beyden Pole
unendlich viele Meridiane, hier aber nur ein einiger Cirkel
gezogen werden kann. Dieser Cirkel heißt der Aequator. Dieser
Aequator theilt die Erde in die Südliche %und Nordliche Hälfte. Beyde
Hälften heißen Hemisphaer«i»en. Man kann auch den Meridianum
ein<en> Haemisphae«num»<re> nennen, er wird aber als denn nicht durch

/   die

|P_10

/die Natur, sondern willkührlich bestimmt. Die Oerter die unter
einem Meridiano liegen, die sind in Osten %und Westen gar nicht un-
terschieden. Wenn aber Oerter unter einerley Aequator liegen,
die sind in Norden %und Süden gar nicht unterschieden. Da dieses
ist, so dienet der Aequator dazu, die Lage der Oerter in Osten
%und Westen zu unterscheiden %und zu bestimmen. Einen jed«weden»<en> Cirkel
kann man in 360 Theile theilen, welche *1 den Unterschied der Oerter
anzuzeigen, welches man auf folgende Weise thut: Man «zählet»
ziehet durch 2 solche Oerter, deren Unterschied man bemerken
will, die Meridianos, %und siehet wo sie den Aequator durchschneiden
%und die Anzahl der Grade auf dem Bogen, der zwischen diesen
beyden Meridianen liegt, ist der Unterschied, wie weit ein
Ort vom «a»Andern «unterschieden» <entfernt> ist.

/Die Pole sind die beyden Punkte, die der Natur nach bestimmt
sind. Der Aequator hat aber keinen bestimmten Punkt, sondern
man hat einen beliebigen Punkt angenommen, %und zwar die Insel
Ferro, von der die Franzosen die Grade des Aequators anfingen
zu zählen. Jezt fängt man an von Paris die Grade zu zählen
%und zwar von Westen nach Osten. Die Engländer zählen die Grade
des Aequators von dem Observatorio zu Grönisch, ohnweit London.
Es wäre dienlich daß dieser Mißbrauch des Aequators auf-
gehoben würde; %und die Gelehrten unter sich deswegen ein-
stimmen möchten %und nun einen Punkt erwählen, der doch jezt
willkührlich von einem «j»Jeden kann angenommen werden,
und als denn würde man auch nicht nöthig haben, die
Grade so vielmahl zu reduciren.

/   Man ~

|P_10R

/δ_Z_7

/*1 Grade heißen:
der Aequator in 360
Grade getheilet,
kann dazu dienen, um ~

|P_11

/Man hat also 2 Cirkel, die einander unter einem rechen Winkel
durchkreuzen. Alle Grade auf dem Meridiano heißen Grade der
Breite, %und alle Grade auf dem Aequator heißen Grade der Länge.
Der Breite des Orts bedeutet die Entfernung dieses Orts vom Ae-
quator, diesen finde ich durch den Bogen des Meridiani, der zwischen
dem Aequator %und dem gegebenen Orte enthalten ist. Da nun der
Aequator die Erde in 2 Hälfte theilet, so hat man auch 2 Breiten,
eine Nördliche %und eine Südliche. Wenn ich mich im Südlichen Haemisphaerio
befinde, so sehe ich die Sonne zur rechten Hand aufgehen %und Mittag
gegen Norden: befinde ich mich aber im Nördlichen Hemisphaerio,
denn sehe ich die Sonne in Osten zur linken Hand, Westen zur
rechten Hand, %und das Gesicht hat man <hiebei> dahin gerichtet wo die Sonne
im Mittage ist. (Die Oerter die im Südlichen Theile liegen, haben
eine Nördliche Breite; die größeste mögliche Breite ist 90 Grade,
%und diese haben die beyden Pole.) «Der» @<%Ein>@ Ort «vom» <@%für den@>Aequator selbst
hat keine Breite. Um die Länge der Oerter zu wißen, muß ich
erst einen Meridianum haben, %und von «demselben» <diesen> zähle ich die Grade
auf dem Aequator von Westen nach Osten biß zu dem Meridiano,
der durch den gegebenen Ort gehet. Diese Länge muß immer westlich
gezählet werden, sonst ist eine große Confusion wenn man sie
östlich zählet ZE. Philadelphia hat 40 Grade Westlicher Breite,
wenn ich aber die Grade der Länge von Osten nach Westen zähle,
so sind es 320, welches ein großer Unterschied ist. Der Aequator
macht, daß ich viele Cirkel, die mit demselben parallel laufen,
ziehen kann, die<se> heißen Circuli paralleli, auch Circuli diurni
Tages_Cirkel, indem «in jeden» <allemal in> 24 Stunden, da sich die Erde um
ihre Axe herumdrehet, jeder Ort einen mit dem Aequator

/   pa

|P_12

/parallelen Cirkel beschreibet. Zwischen diesen parallelen Zir-
keln sind die Abtheilungen der Erde enthalten, %und diese heißen
Climata, Himmels_Striche. (Aber die Oerter, die nicht unter einerley
<Parallelkreise> «Meridiano» liegen, die liegen auch in verschiedenen Climatibus.) Die
Climata sind (also) nach dem Unterschiede der parallel Cirkel auch ver-
schieden. Die Oerter die unter einerley Meridiano liegen, die liegen
«doch» so, daß sie zu gleicher Zeit Mittag «zu» <haben z. B.>. Königsberg %und Capo bonae
spei «haben». Die Oerter aber, die unter einerley parallel Cirkeln
liegen, die haben nicht gleiche Mittagszeit, sonder<n> gleiche Tages=
Länge. Die Alten haben die Erde in unzählige Climata eingetheilet,
%und zwar wurde der Ort, deßen Tag eine Stunde länger war, als
der längste, zum 2ten Climate gezählet./Nun kommen wir an den Jahres_Cirkel, %und den theilet man in
4 Theile, die Erde bewegt sich in einem Cirkel, in deßen Centro
die Sonne ist. Wenn die Axe der Erde mit der Fläche ihrer
Lauffbahn einen rechten Winkel machen möchte oder auf der-
selben perpendicular stünde, so möchte jederzeit ein Aequinoctium
seyn, denn die Sonne wäre immer ein Aequator. Die Axe der
Erde weicht aber von der perpendicularen Stellung auf der
Fläche der Lauffbahn um 23_1/2 Grad ab, %und da muß folgen,
daß ein Hemisphaerium zu einer Jahres_Zeit mehr von der
Sonne absteht, das andre ihr hingegen zugekehrt ist.

/Mit der Bewegung der Erde um die Sonne hat es die Bewandt=
niß, daß die Erde in der Bewegung um die Sonne immer
ihre Stellung behält. Sie drehet sich nur in 24 Stunden um

/   ihre

|P_13

/ihre Axe, %und in einem Jahr um die Sonne. Den 21 December ist
die Südliche Halbkugel der Sonne zugekehrt, %und die Nördliche abgekehrt,
doch wird die Südliche nicht biß zum Pole beschienen. Den 21 Maerz
stehet die Sonne im Aequator %und alle Oerter auf der Erde haben Tag
%und Nacht gleich. Den 24ten Septembr bescheint die Sonne beyde Pole, %und
Tag %und Nacht sind wieder gleich. Den 21 Iuny bescheint die Sonne den
größesten Theil von Norden. Die JahresZeiten beruhen also auf
der schiefen Stellung der Axe der Erde auf der Fläche der Laufbahn.
Weil nun die schiefe Stellung der Erd_Axe auf der Fläche der
Laufbahn 23_1/2 Grad ist, so hat man in dieser Weite vom Aequa=
tor 2 Cirkel von beyden Seiten gezogen, %und diese heißen die Tropici.
In der Weite von 23_1/2 Grade«, »von beyden Polen, sind die
Polar_Cirkel. Zwischen den Cirkeln der Tropicorum bleibt
die Sonne das ganze Jahr durch, die Sonne ist an allen Orten
der Tropicorum wenigstens einen Tag im Jahr über dem Scheitel-
Punkt. Und alsdenn haben diese Oerter innerhalb der Tropicis
keinen Schatten. Die Polar_Cirkel sind wie die Tropici, %und haben
die Polar_Cirkel das besondere, daß die Oerter unter demselben
wenigstens an Einem Tage keinen Aufgang %und Untergang der Sonne
haben. Je näher sie den Polen sind, desto mehr haben sie Tage,
da keine Sonne auf %und untergehet.

/Von den Zonen giebt es folgende 5.

/1. Zona torrida, der h«itzige»<heiße> Erdstrich.

/2. Zona temperata septentrionalis, der gemäßigte Nördliche [_Erdstrich._] 

/3. [_Zona_] temperata australis der gemäßigte Südliche [_Erdstrich._]

/   4.

|P_14

/4. Zona frigida septentrionalis der kalte Nördliche Erdstrich

/5. [_Zona_] frigida australis der kalte Südliche Erdstrich.

/ ≥ Von der Physischen Geographie selbst. ≤

/Die Physische Geographie betrachtet

/1.) Die Erde nach ihren Abtheilungen %und

/2.) die Erd-Geschöpfe.

/Wenn wir hier die Erde erwegen, so betrachten wir den Schau-
platz %und die verschiedenen Fächer, wo wir hernach die ErdGe-
schöpfe hinsezzen. Wir wollen sie hier nach den Elementen er-
wägen, welche das Waßer, die Erde, %und die Luft sind, und
handeln also:

/ ≥ 1. Vom Waßer ≤

/Das Waßer müßen wir hier nach dem großen Waßerbe-
hälter dem Ocean betrachten, weil er als der Ursprung und
der Grund von allen andern anzusehen ist:

/1. Ein Archipelagus ist ein Meer, welches viele Inseln
enthält. Der Ocean ist der allgemeine Archipelagus,
weil er alle Länder der Erde einschließt. Der Ocean
muß erstlich betrachtet werden, weil er das erste %und %folglich
auch das allerälteste von der Welt ist, weil es scheint
daß alles veste Land darunter gelegen habe, und sich der
Ocean nur von demselben nach %und nach abgesondert.

/Der Ocean muß von dem Mittelländischen Meer, welches
zwischen Europa %und Afrika ist, unterschieden werden, %und

/   man ~

|P_14R

/δ_Z_15

/{2- Ocean ist das Allgemeine
wovon alle Meere Theile
sind. -2} ~

|P_15

/man kann ein jedes Meer, welches vom Lande eingeschloßen
wird, ein Mittelländisches Meer, oder ein innländisches nennen.

/Ein Meer nennt man eine See, welche saltziges Waßer in
sich enthält. Indeßen giebt es auch Seen, welche ein süßes
Waßer haben, %und die daßelbige nicht aus dem Ocean herleiten.
Wenn ein Meer ein Land einschließt so heißt es ein Archi-
pelagus, ein Meer aber, das vom Lande eingeschloßen wird,
das heißt ein Mittelländisches Meer, wozu aber erfordert,
daß es sein Waßer aus dem Ocean habe, %und daß daßelbe salzig
sey. Das Caspische Meer, das Todte Meer, %und die See Aroe
nennt man auch Mittelländische Meere. Ocean nennt man den
ganzen Inbegriff aller Waßer, womit vorher die Erde
bedeket war. Dasjenige Meer das vom Ocean nicht ganz ab-
gesondert ist, nennt man ein solches Meer, das mit demselben
in Gemeinschaft stehet, sonst könte es ein Busen genandt werden.
Das uralte Waßer ist also der Ocean unter deßen Grunde
alle Geschöpfe hervorkommen. Der Ocean muß nach seinen Ab-
theilungen betrachtet werden. Diese Abtheilungen deßelben
sind willkührlich. Der Theil des Oceans, der innerhalb dem
Polar_Cirkel ist, heißt das Eis_Meer, %und das ist entweder
südlich oder Nördlich. (Die Theile innerhalb de«n»<r> kalten Zonen
heißen auch Eiß_Meere.) Die Theile aber<2> deßelben<1> innerhalb
de«n»<r> temperirten Zonen haben einen besondern Nahmen, der von
dem Nahmen der Länder, die daselbst liegen, genandt wird.
Der Theil des Oceans, der zwischen der alten %und neuen Welt
@liegt@, heißt das Atlantische Meer. Von der anderen Seite ist

/   auch ~

|P_15R

/δ_Z_4-5

/δUnleserlich ~

|P_16

/auch der pacifische Ocean zu merken, deßen Umfang so groß
ist als alle Meere zusammen genommen.

/2.) Die Busen sind Vertiefungen des Meeres ins Land. Es wird
hier ein Unterschied gemacht zwischen Bay und Golfo.

/Ein Golfo ist ein langer Busen, der sich weiter ins Land er-
streket, als er breit ist. «Die mehresten Seehäfen.» Die meh-
resten Seehäften sind in den Busen, wo gemeinhin das
Land Schutz giebt wi«e»der die See. Die vornehmsten Busen
sind.

/A. In Europa.

/Das Mittelländische Meer, welches eben sowohl ein Busen
genandt werden könte, als andere, weil es aber durch
die Straße bey Gibraltar mit dem Ocean verbunden
ist, so wird es doch als ein Meer angesehen. Es sind
also nur folgende als die vornehmsten im Europa zu
bemerken.

/1. Golfo di Venetia, oder das Adriatische Meer

/2. [_Golfo di_] Genua.

/3. [_Golfo di_] Biscaja.

/4. [Golfo_] der Bottnische %und Finnische Meerbusen.
(zwischen Dennemark %und Norwegen)

/B. In Asien sind folgende merkwürdig:

/1. Der Bengalische.

/2. Der Persische.

/3. Der Arabische Meerbusen

/4. Das rothe Meer

/5. Der Meerbusen von Ormus.

/6.    Die ~

|P_16R

/δ_Z_4-5

/{2- Meer_Busen ist ein @Halbweg-Meer@
welches vom Lande
beynahe ganz ein
geschloßen ist. -2} ~

|P_17

/6. Der Siamische Meerbusen.

/C. In Africa ist nur zu merken der Meerbusen von Benia. <@%vielleicht@ Guinea>

/D. In America sind aber folgende zu merken:

/ 1. Der Mexicanische Meerbusen, welcher von der Linie, die
man von Cuba biß zu der Insel Iuckaten ziehen kann,
eingeschloßen wird. Er hat seine Oeffnung «in» <an> der Spitze
von Florida.

/ 2. D«er»<ie> Hudsons-Bay.

/ 3. D«en»<ie> Bay Aller-Heiligen in Brasilien, wo ein vor-
treflicher Hafen ist.

/ 4. D«er»<ie> Bay von California.

/ 5. Der Busen von Bengala. Er wird auch Golfo genanndt.

/3.) Die Straßen«,» sind darum in der Geographie zu bemerken,
weil es den Seefahrern bekandt seyn muß, wo sie sicher
ans Land fahren können; ferner auch, weil darin der Sitz
der Schiffarth ist, da man hier die mehresten Häfen antrift.
Die Straßen wodurch man aus einem Meer ins andere
fähret, heißen auch Meer-Engen.

/A. In Europa sind folgende zu bemerken:

/1. Die Straße von Gibraltar; bey den Holländern heißt
sie schlechthin die Straße, daher die nach der Levante
fahren, schlechtweg die Straßenfahrer genandt werden.
Sie ist 4 Meilen breit, sie kommt aber den Schiffern
wie gegraben vor, weil die Küsten sehr steil und
hoch sind.

/2. Pas de Calais, zwischen Engeland %und Frankreich.

/3. Die Straße zwischen Sicilien %und Neapel bey Messina,

/   worinn

|P_18

/worinn viele Ströhme «seyn» <%sind>, von denen wir hernach zu
reden Gelegenheit haben werden.

/4. Die Dardanellen, sind der Canal zwischen dem Meer di Mar-
mora %und dem Mittelländischen.

/5. In der Gegend von Gallipoli sind auch 2 Dardanellen.
NB. Dardanellen sind Schlößer, welche angelegt sind,
eine Furth im Meer zu beschützen.

/6. Die Straße bey Caffa verbindet das Schwarze Meer mit
dem Meer von Azow, welches sonst auch Palus Maeotis
genandt wird.

/7. Die Straße aus dem Cattegat in d«er»<ie> Ost_See welche der
Sund heißet. - Sund heißet eigentlich ein nicht tiefes
Waßer.

/8. Der Große und Kleine Belt.

/9. Der St. Georgen Canal zwischen Engeland %und Irrland.

/B. In Asien sind zu merken.

/ 1. Die Straße bey Ormus.

/ 2. [_Die Straße bey_] Molluca.

/ 3. [_Die Straße bey_] Sunda, zwischen Iava und Sumatra,
um dieser Straße willen werden alle umliegenden
Oerter Sunda genennet.

/4. Die Straße zwischen Africa %und Asia heißt Buda.

/C. In Africa ist

/Die Straße bey Mosambique. Diese Straße oder vielmehr
Canal erfordert bey den Seefahrern die größeste Auf-
merksamkeit.

/   D. In ~

|P_18R

/δ_Z_11

/{2- Ost_See heißt darum so,
weil den Engelländern
gegen Osten liegt.
@Ost_See@ erst im 8 Saeculo von
den Engelländern endeckt. ~

/δ_Z_19

/Durch diese Straße gehen
alle Schiffe nach China -2} ~

|P_19

/D. In America.

/1. Die Straße zwischen Florida %und Cuba heißt Bahama.

/2. Die Straße Davids zwischen Grönland %und einem festen Lande.

/3. Die Hudsons_Straße.

/4. An der SPitze des Landes Patagonien liegt eine Menge von
Inseln, welche die Terra del Fougo genandt werden. Zwischen
dieser ist eine lange Straße ohngefähr 80 Meilen lang,
und diese heißt die Magellanische Straße.

/5. Zwischen Terra del Fougo %und einer andern kleinen Insel ist
auch eine MeerEnge, welche die Lerneische genannt wird.

/Die Meere selbst nach ihren allgemeinen Merkwürdigkeiten:

/Die Tieffe des Meeres ist desto größer, je weiter man sich
von der Küste entfernet. Hiebey ist aber zu bemerken, daß
die größeste Tiefe die ist, wo die Seite der Küste steil, oder wie
man zu sagen pflegt kühn ist. Das Meer ist anzusehen als ein
Thal, wo sich das Waßer versammlet, oder als eine continuirte
Landes_Fläche, welche mit Waßer überschwemmt ist. Und so ist
eigentlich der See-Grund als ein continuirtes festes Land anzusehen,
der in «den Höhe» <beinahe> dem Lande gleich ist. Die Küsten gehen seichte,
wenn das Land flach ist. Wenn aber das Land kühn ist, i. e.
steil, dann ist das Meer auch in der Nähe der Küste sehr tief.
Und auf dieses muß ein Schiffahrer sein Augenmerk richten,
damit er nicht in Gefahr lauffe, wenn er wo ans Land fahren
will. Africa hat eine sehr nachtheilige Lage, weil an den Küsten
eine lange Bank ist, die da «verhindert» <macht>, daß man sich keinem
Hafen sicher nähern darf. Die Westliche Küste von America
ist sehr steil %und hat auch die meisten Häfen. Auf der West=

/   Seite ~

|P_19R

/δ_Z_13

/ {2- Kurz
/Meeres_Grund ist
die fortgesezte Küste
des Landes. -2} ~

|P_20

/Seite sind gemeinhin mehr Häfen, als auf der Ost-Seite«n».
Norwegen hat die mehresten Häfen unter allen Ländern der
Welt: denn allenthalben sind steile Küsten, wo man sich also dem
Lande nähern kann.

/Einige Meere sind gemeinhin wenn sie enge sind, untiefer
als die weiten Meere. Die Tiefe des Meeres wird nach
«dem» Faden bestimmt. Ein Faden enthält 6 Fuß. Die größten
Tiefen richten sich

/a.) Nach der Tiefe der See «in» <an> den Küsten %und

/b.) Nach der Höhe des Landes, das ihm am nächsten ist. ZE.
der Graf Marsilli bestimmt die größeste Tiefe des Mittel-
ländischen Meeres, welche es an der Schweiz hat, «wie denn»
<indem> daselbst die höchsten Gebürge von Europa sind, auf 1000 Faden.
Das Meer, das an die Insell Teneriffa stößt, wo sich der
Berg Pico d'Adam befindet, hat eine Tieffe von 5000 Faden.
Das Pacifische Meer an der Küste von Peru beträgt auf 22000.
Faden. Die Ost-«Faden»See hat aber «zu» <in> ihrer größesten Tiefe
100 Faden, die Ursach davon ist, weil das Land gantz flach
ist; Ein Meer das zwischen Ländern liegt, «deßen» <hat die> größte
Tiefe «ist da zu suchen», wo das Land am hochsten ist. Zwischen
England %und Norwegen ist die größte Tiefe der Nord-See
an der Küste von Norwegen zu suchen.

/An der Küste giebt es die sogenannten Baren, welches lange
Bäncke von Sand sind, die am Lande hinlauffen, %und verhindern
daß man «nicht» sicher anlanden kann. Es sind gleichsam Riegel«n»
die «zum»<den> Eingange großer Häfen vorgeschoben sind. An der

/   Küste

|P_21

/Küste von Africa ist nun solche lange Bank, die von Sand auf-
geworfen ist. An der Küste von Indien %und <be>sonder«lich»<s> von
Coromandel giebt es keine Häfen, weil das Land flach und
«in»<be>sonder«heit»<s>, weil es daselbst viele dergleichen SandBänke
giebt. Von Engeland an, biß an die Küste von Jütland erstrekt
sich eine Bank, die man die Dogges_Bank nennt, %und wo man
viele Stokfische fängt. Auch mitten im Ocean giebt es Untiefe<n>
Lehm, Sand, %und Felsen _Bänke. Auf solchen Bäncken kann
man nicht anckern. Zum Anker_Platz wird erfordert:

/1.) daß e«s»<r> nicht zu tief sey. Ein Schiff in einer Tieffe von
50 Faden kann bequem vor Ancker liegen.

/2.) daß der See_Grund weich sey, damit der Ancker den Boden
faßen könne; doch muß er auch nicht zu weich seyn, damit
der Anker nicht in demselben versincke. <Be>Sonder«lich»<s> muß
man sich hüten, an solchen Stellen zu ankern, wo Steine %und
besonders viel Korallen sind, denn da werden die Anker-
Thaue zerrieben, %und gerathen öfters in sehr große
Gefahr. Es giebt auch Moräste in der See, wo der
geworffene Anker versinckt. An den Bäncken ist auch
gefährlich zu anckern, weil hier die See sehr ungestüm
ist, indem das Waßer an den Bäncken gebrochen wird.
Man ankert deswegen am liebsten an den Küsten, und
solche Stellen nennt man Rheeden. Bey Engeland ist
eine große Rheede welche die Dünen heißt, %und zwischen

/   Daven

|P_22

/Daven und Sandwich liegt. Sie sind gemeinhin von Sand-
Bänken eingeschloßen, damit sie gegen die ungestüme
See %und gegen die Ströhme gesichert «seyn»<%sind>. Außer diesen An-
kerpläzzen oder Rheeden wird zum guten Hafen noch fol-
gendes erfordert.

/a.) daß man sich biß an die Bollwerke des Landes nähern
kann.

/b.) daß es inwendig geräumig sey, damit, wenn ZE ein Schiff
in Brand gerathen solte, «daß» dieses auch den andern
keinen Schaden thun kann.

/c.) daß <d>er <%Hafen> eine enge Oefnung gegen das Meer zu habe,
damit er sich,

/$a$.) Gut «defendiren» <%vertheidigen> kann, wenn er von feindlichen Schiffen
angegriffen wird.

/$b$.) Damit die Anfälle der See den Hafen nicht beun-
ruhigen; solche Gute Häfen sind zE: Porto Mahon
%und Italiana in America.

/Überdem muß der ganze Hafen mit «genugsamen»<hinreichenden> hohen Lande
umgeben seyn. Solche vollkommnen Häfen aber sind sehr wenig
%und zählen nur 2 solche in Europa, nehmlich 1.) den Hafen
von Bergen in Norwegen %und (wie schon gesagt ist) 2.) Porto Mahon
auf der Insel Minorca. In America kann man viele Län-
der vorbeygehen, ohne eine Anlage zum Hafen anzu-
treffen, weil sich nemlich viele Sand-Bäncke und die
sogenannten Barren daran befinden.

/   Im

|P_23

/Im gantzen Mare Pacifico, und an seinen Inseln findet man
keine Häfen an der Ost %und Nord-Seite des Landes, sondern man
muß sie an der Süder %und West_Seite suchen. Dieses kommt daher,
weil dieses stille Meer eine beständige Bewegung von Osten
nach Westen hat, folglich hat es beständig Korallen %und Sand
auf die Küsten getrieben %und dieselben dadurch erhöhet. Ein
Reff <oder Riff> nennt man eine Untiefe, oder eine Banck, die sich
in einiger Entfernung vom Lande anfängt, %und sich tief ins
Meer erstreket. Im rothen Meer ist eine solche Banck,
die sich in einiger Entfernung vom Lande anfängt, %und sich
tief ins Meer erstrecket, davon man glaubt, daß die Kinder
Israel herüber gegangen «seyn» <%sind>.
Der See_Grund ist sehr un-
gleich, aber dem festen Lande so ähnlich, daß man glauben
solte, daß er vorhero selbst vestes Land gewesen, welches
hernach gesuncken, %und von Waßer überschwemmt worden.
Es giebt darin solche Schichten, wie auf dem festen Lande,
es sind da Berge, ja gantze Reyhen von Gebürgen. Man
«examiniret» <@%untersucht@> den See_Grund durch ein Loth, welches gemein-
hin 30 Pfund schwer ist; doch vermehrt man auch seine
Schwere ohngefähr um 10 Pfund, daß er also 40 %Pfund schwer
ist, «wenn die Tiefe groß ist» <besonders wenn es ein große Tiefe hat>, (%und alsdenn darin auch die
Größe des Thaues verhindert wird.) Dieses Loth ist in
der Form eines Zukerhuts gemacht, welcher inwendig
hohl ist; «welche» <diese> Aushöhlung <2> man mit «Fett» beschmiret <1>,
damit sich daran die Materie des See-Grundes, als Sand,

/   Kor-  ~

|P_23R

/δ_Z_24

/  Talg ~

|P_24

/Korallen, Leim anhängen kann. Man hat auch Taucher, die
entweder gerade zu, oder unter einer Glocke unter das
Waßer gehen. Dieser bedinet man sich theils, um die Tiefe
%und Beschaffenheit des Meer-Grundes zu erfahren, theils
auch zur Perlen-Fisch«ung»<erei>. Die Leute <be>sonder«lich»<s> auf den Male-
divischen Inseln, legen sich von Jugend auf stark auf das
Tauchen. Die vornehmsten Perlen-Fichereyen sind

/1. An der Küste von California.

/2. In dem Persischen Meerbusen.

/3. An der Ost-Indischen Küste von Ceylon, Madura gegenüber.

/Sie sammlen die Perlen-Muscheln in die Körbe, die sie sich
um den Leib gebunden haben. Oft %und <be>sonder«lich»<s> bey Ceylon er-
stechen sich die Täucher selbst mit Meßern, unter dem Waßer,
wenn einer die Perlen des andern nimmt. Die Taucher_Gloke
ist eine Erfindung von großer Wichtigkeit. Sie ist von Holtz
unten aber ist sie mit Bley vergoßen. Unten am Boden
ist eine Bley-Kugel festgemacht, damit sie perpendiculair
%und in der größesten Geschwindigkeit auf den See_Grund fallen.
An der Seite ist eine oder mehrere Oeffnungen, die mit
starkem Glase versehen seyn, damit «daß» das Licht hinlänglich
in»<er>einfallen kann. Das Waßer dringt zwar in die Gloke, %und zwar
steigt es desto höher, je tiefer sie herunter gelaßen wird, indeßen
steigt es nicht biß ganz oben in die Gloke, weil sich Luft in der-
selben befindet, deswegen auch der Taucher da oben in der Gloke

/   sitzen ~

|P_24R

/δ_Z_2

/{2- Wenn die Täucher in den Grund
gehen, so nehmen sie Oel in
den Mund %und laßen es wenn
sie auf dem Boden seyn aus dem
Munde; dieses steigt alsdenn
in die Höhe %und ergießt sich
über dem Waßer, daß man
sehen kann wo der Mensch ist. -2} ~

|P_25

/sitzen muß. Da aber die Erfahrung gelehret hat, daß eine ver-
schloßene Luft die Respiration verhindert, %und daß durch die
Ausdünstung vom Menschen selbst die Luft so schädlich geworden,
daß sie davon erstickt «seyn» <%sind>, so hat man ein Fäßchen, welches
mit Pech verstopfet ist, %und worinnen sich frische Luft befindet,
ihnen mitgegeben damit sie sich frische Luft verschaffen
können. Auf die Art können einige bis 2 Stunden unter dem
Waßer bleiben. Das Meer-Waßer ist weit durchsich-
tiger und heller, als das süße Waßer, obgleich in dem erstern
sich Saltz befindet. Dieses kommt daher: In dem süßen
Waßer ist die Luft in kleinen Bläschen vertheilt %und zer-
streuet, in dem Meer-Waßer aber, treibt das Saltz die
Luft weg, und sezt sich an seine Stelle, so daß das Waßer
einen beßern Zusammenhang hat, und dadurch heller und
durchsichtiger wird. In einer Tieffe von 30 oder 40 Faden
kann man die See_Thiere auf dem Grunde spielen sehen. *
Nach der Beschaffenheit des See Grundes pflegt das Meer
auch verschiedene Farben zu haben; doch hat das rothe,
weiße %und schwarze Meer nicht von seinen Farben, son-
dern von den Farben der Kleidung der Einwohner die Be-
nennung. Die Farbe des Meer-Waßers ist von weiten
«blos» <blaß> grün und fält ins bläuliche. Das Süße Waßer hat
eine graulichte Farbe, die blaue Farbe scheint auch der
Luft eigen zu seyn, weil alle weit entfernte Gegenstände

/   um ~

|P_25R

/δ_Z_15

/{2- NB Wenn kein Wind
ist

/Nur bey stillem
Waßer. -2} ~

|P_26

um den Himmel» blau aussehen.

/An dem Meer-Waßer hat man auch die Veränderung bemerkt,
daß es zu gewißen Jahres Zeiten leuchtet, <be>sonder«lich»<s> wenn
es in Bewegung gesezt wird, so daß es scheint, als wenn
sich eine Flamme ergieße, wenn sich das Schiff durchs Waßer
bewegt. An den Moluckischen Inseln bemerkt man dies
zur Sommers-Zeit. Ein <Italiener> hat davon diese Ursache an-
gezeigt: er hat nemlich das See-Waßer durch ein feines Sieb
lauffen laßen, «da» <worin> denn Insekten zurückgeblieben, an denen
man dieses Licht bemerkt hat. Sie werden erzeugt theils von
dem Schlamm der Fische, der auf dem Meere schwimmt, theils
von den todten Körpern der faulen Fische. Oft bekommen auch
einige Meere von einigen Substanzen, die darauf beständig
herumschwimmen, ihren Nahmen. So hat das Meer bey Capo
Sierra Lione den Nahmen von dem daselbst herumschwim-
menden Sargasso oder Parro; indem es Mare del Sar-
gasso heißt. Das Meer ist da mit diesem Sargasso gänzlich
bedeckt, daß die Schiffe einen guten Wind haben müßen,
um durchzugehen. *1 Auf diesem Kraute oder Meer-
Laube halten sich auch sehr viel Frösche auf. Man findet
es vorzüglich an den Bernnischen Inseln, an der Spitze
von Californien, an den Mexicanischen %und überdem an
den Amerikanischen Küsten am häufigsten. Woher kommt es
aber, daß sich dieses Meerlaub bloß «in» <an> einigen Stellen auf

/   dem ~

|P_26R

/δ_Z_18

/{2- *1 bey der Insula Ascensio
«nis» findet man
auch diesen Sargasso. -2} ~

|P_27

/dem Meere befindet, und nicht zerstreuet wird, ohnerachtet
es gar nicht mit der Wurzel an dem Boden oder an der Küste
befestiget ist? Die Ursache davon ist diese. Es giebt sehr
viele Ströme im Meer, die sich entgegengesezt sind, %und da
wo sie zusammen kommen, in einem Wirbel das Waßer herum-
treiben. Diese bringen mit sich, aus den verschiedenen Ge-
genden, «da»<wo>her sie kommen, diesen Sargasso, %und behalten ihn stets
in ihrem Wirbel. Ferner ist auch zu merken, daß in diesen
Gegenden zugleich eine Wind-Stille herrschet, weil sich hier
die Winde aus den verschiedenen Ländern und Inseln oft
entgegen blasen, %und dadurch, wenn keiner von beyden stärker
ist, die Luft in einem Gleichgewicht erhalten.

/In einigen Meeres_Gegenden trift man wieder viele Schlan-
gen an, als an der Küste von Indien und sonderlich an der
Küste von Surra, wo man 3 Tage zuvor, ehe man die-
selbe erreicht, das Meer mit sehr vielen Schlangen ange-
α_füllt findet. *1 Was die See-Luft betrift, so ist sie die
gesündeste von allen. Man hat gefunden, daß durch die
See-Reisen Menschen, die «sonderlich» an langwierigen
Krankheiten laborirt haben, %und deren Säfte fast schon in
α_«eine» Fäulniß gerathen waren, dadurch sind <2> «curiret worden <1>».
Der Seefahrer nennt das süße Waßer, womit zugleich
Saltz_Waßer vermischt ist, Brandt_Waßer. Das See-
Waßer soll sich selbst auch durch den (Gebrauch) von dem

/   süßen ~

|P_27R

/δ_Z_15

/α_*1 {2- zwischen neu_Guinea
%und neu_Holland
find man Würmer
wie Säge«l»späne ~

/δ_Z_24

/<%vielleicht: Geruch> -2} ~

|P_28

/süßen unterschieden. Es unterscheidet sich aber vorzüglich
dadurch:

/1.) daß es Saltz und

/2.) Bitumenische Materie enthält, wo«her»<%von> seine Bitterkeit her-
rühren soll. Doch hat die Erfahrung gelehret, daß dieses
letztere falsch ist.

/Die Menschen können es seines salzigten Wesens und seiner
Bitterkeit «nach» <wegen> nicht genießen. Die Kühe auf den Inseln
von Capo Verde trinken das See_Waßer. Die Menschen auf
der «neu erfundenen» Insel Otaheite bedienen sich auch deßelben
da sie noch nicht wißen, wie das Saltz vom Waßer abzuson-
dern ist, um ihr gebratenes und gekochtes Fleisch zu besaltzen,
indem sie solches darin eintauchen. Seine Bitterkeit kommt nicht
von der Bituminischen Materie, die sich darin befindet, sondern
von der KalkErde. Alle Geschöpfe der See sind kalckartig,
und man kann aus allen Kalck brennen.

/Das See-Waßer süß zu machen, ist schon erfunden, nur
müßen die Schiffe, die sich deßelben bedienen wollen, zum
distiliren viele Steinkohlen mit sich führen. Sein distiliren
geschiehet ebenso wie des Brandtweins. Die Ost-See soll
den 60ten Theil Saltz, die Nord-See den 30ten Theil und
das Mittelländische Meer in der Gegend von Malta wo
es am stärksten gesaltzen ist, den 8ten Theil von Saltz
in sich faßen. Jemehr das Meer_Waßer mit dem Fluß=

/   Waßer ~

|P_28R

/δ_Z_22

/δUnleserlich ~

|P_29

/Waßer vermischt ist, desto weniger schmekt es saltzigt. Die
Ost-See bekommt mehr Fluß_Waßer zu geführt, als sie durch Aus-
dünsten verliert. Die Nord_See bekommt zwar auch durch Flüße
viel süßes Waßer zugeführt, allein sie ist mehr mit Meeren
verbunden. Die Grade des Saltzes im Meere richten sich auch

/1.) Nach der Trokenheit der angränzenden Länder, %und

/2.) Nach dem Clima. - Denn wenn die angränzenden Länder
troken sind; so giebts darinn wenig Flüße, welche ihr süßes
Waßer ins Meer ergießen, und deßen Saltz«igkeit» dadurch
vermindern können. Im heißen Clima ist ebenfals das Meer=
Waßer mehr gesaltzen. Doch ist hiebey auch merkwürdig,
daß das Waßer in dem Eis_Meere fast am stärksten mit
Saltz angefüllet zu seyn scheint. Dieses kommt daher, weil
blos das süße Waßer bey der Kälte gefrieret; dahingegen
das Waßer, welches stark mit Saltz vermischt ist nicht gefrieret.
Im heißen Erdstrich ist das Meer nicht saltziger als im kalten.
In der Eis_Zone frieret das Waßer, %und das zurückge-
bliebene ist fast lauter Saltz. Die einheimischen Meere sind
anzusehen als Bassins. - Es giebt einige Meer die mehr
ausdünsten, als ihnen durch die Flüße zugeführt wird. ZE:
Das Caspische Meer; die Ost-See aber empfängt mehr
Waßer, als sie ausdünstet; das Mittelländische Meer dünstet
auch mehr aus, als ihm durch die Flüße, oder selbst durch den
Ocean zugeführet wird; daher ist es stärker gesaltzen

/   als

|P_30

/als der Ozean selbst, so daß man bey Malta auf 1 %Pfund Waßer
den 4ten Theil Saltz, folglich 8 Loth rechnet. In der Mitte der
Ost-See rechnet man den 64 Theil, «nur» an der Küste von Nor-
wegen den 32 Theil des Waßers zum Saltz. In allem Koch-
Saltze ist eine kalckartige Materie, %und es ist daher zu %vermuthen,
daß alles im Meer, die Muscheln, Korallen, die Gräten der
Fische, %und überhaupt alles kalkartig sey.

/Die Säure des Waßers ist entweder:

/1.) die Säure des Vitriol-Saltzes.

/2.) [_die Säure des_] Salpeter- und

/3.) [_die Säure des_] Koch_Saltzes.

/Das Stein_Saltz ist ein Saltz in Gebürgen %und siehet wie Alaun
aus, es wird in den Berg-Werken bearbeitet ZE bey Cracau.
Das See_Saltz ist aus der See. An den Küsten wird es gesotten.
In den Nördlichen Ländern wird kein See_Saltz gesotten, weil da
die See nicht saltzig ist, %und dann auch, weil da das Waßer nicht
ausdünstet. Es ist aber zum Saltz-Sieden nicht genug, daß das
Waßer viel Saltz enthält, sondern es muß auch solche Luft dazu
seyn, daß das Waßer ausdünsten kann. ZE an den Bahemischen
Inseln wird fast nichts als lauter Saltz gesotten. Man hat
Bassins besonders bey hohem Waßer, leitet in dieselben
das See_Waßer, so daß daßelbe darinn durch die Sonne aus-
getrocknet wird, %und nur das Saltz bleibt. Das Saltz von St.
Huber ist schon fein, daß Spanische bey Cadix schon heller, %und weißer
und kommt dem Hallischen sehr nahe. Man sagt daß das

/   Saltz

|P_31

/Saltz an der Küste von Guinea klar ist, aber doch eine Säure
bey sich führe, die von der Beschaffenheit der Erde herrühret,
wo die Basseins angelegt waren. Dieses Saltz nun hat einen
großen Nutzen fast in der gantzen Welt. In Amerika haben
die Einwohner gar kein Saltz, imgleichen die Grönlaender und
Caraiben auf den antillischen Inseln können kein Koch_Saltz
leiden, man hat aber daselbst gewiße Pflantzen, deren
ausgepreßter Saft ihnen die Stelle des Saltzes vertritt.
Der Gebrauch des Koch_Saltzes scheint der Menschlichen Natur
sehr angemeßen zu seyn. - Bey diesen physikalischen
Beobachtungen kommt eine wichtige zu entscheidende Frage
vpr, nemlich: ob das ursprüngliche Waßer süß oder saltzig
gewesen sey? Es war einfach, folglich süß, denn das
saltzige Waßer ist zusammengesezt, folglich auch abgeleitet.
Wenn» wir also das süße Waßer in Verhältniß mit dem
saltzigen betrachten, denn es ist ein Simplex -) Wir
finden an den Oertern, wo sich Flüße ergoßen haben,
und hernach ausgetroknet «seyn» <%sind>, gantze Streken von Saltz,
daher einige glauben, daß das Saltz ein Niederschlag vom
süßen Waßer sey. Halley glaubt hingegen, daß es sein
Saltz durch die Abspülung aus dem innwendigen der Län-
der bekommen habe.

/   Alle

|P_32

/Alle Pflantzen enthalten ein gewißes Saltz, und vorzüglich
einen kleinern Grad von Kochsaltz. Von diesen Pflanzen
glaubt er ├Halley┤, daß sie von dem Waßer ebenfals abgespühlet
und in die See geführet seyn, dadurch sich nach und nach
das Saltz so angehäufet habe, wie es sich jezt darin befindet,
doch ist alles dieses unwahrscheinlich, weil viele 100000 Jahre
dazu erfordert würden, ehe das Meer hätte so viel aus-
dünsten können von seinem süßen Waßer, daß bloß das
Saltz hätte zurük bleiben sollen.

/In den warmen Climatibus an den Küsten rostet das
Eisen so stark, daß man daselbst kein Schloß oder sonst«e»n
Sachen von Eisen ein Jahr brauchen kann, weil es vom
Roste ganz von einander fällt. Dies komt von dem Aceto
Salpetri«s» des Seewaßers, welches in die Luft steiget.
Es erhält auch das Meer durch seine Ausdünstungen, die im
Regen, Schnee, Thau p niederfallen die Fruchtbarkeit.
Es giebt ferner auch sehr große Schrekken von Stein-
Saltz in der See, und es ist sehr wahrscheinlich, daß die
Saltzpläze, auf dem Lande aus dem Meere herrühren,
welches da vielleicht ausgetrocknet ist. Hieraus kann
man abnehmen, daß das Meer anfänglich, süß Waßer
gehabt habe, und daß es nach und nach das in seinem innern
befindliche Saltz aufgelöset habe, »da«<wo>durch das Waßer
saltzig geworden. Ferner bestättigt diese Vermuthung

/   noch

|P_33

/noch mehr die Betrachtung der Feuerspeyenden Berge in
der See; die <be>sonder«lich»<s> in den alten Zeiten getobt haben, und
aus ihrem Inwendigen verschiedene Materien, <be>sonder«lich»<s>
Kalckasche, Lauge und Kochsaltz ausgeworfen haben.

/Der Nutzen des Seesaltzes ist vielfach, denn es dient:

/1.) dem Menschen zur Nahrung und Verdauung.

/2.) Steigen sehr viele Saltztheile aus dem Meere in die Luft «f»
«über», welche indem sie im Regen p niederfallen, die Erde
betünchen und fruchtbar machen, denn Luft und Regen sind
nicht nur die Triebfedern, sondern auch die Elemente der
Fruchtbarkeit.

/3.) Kann das Meer wegen seines Saltzes größere Frach-
ten tragen. Daher«o» sind auch im Meer weit größere
Thiere, wie «die» auf dem Lande; man kann in dem süßen
Waßer auch nicht so leicht schwimmen; wie auf dem saltzigen
See-Waßer. Imgleichen ist das Baden auch im See_Waßer
sehr gesund, und es corroboriret weit mehr als das süße
Waßer. Was die Kälte und Wärme betrift; so ist in den
Tiefen eine Kellerwärme, doch nicht eine solche, wie wir in
unsern Kellern haben, sondern wie sich in einem Keller, der
20 Fuß in die Erde gegraben ist, befinden würde, und diese
beträgt nach dem Fahrenheitschen Thermometer 52_1/2 Grad.
Es wird also daselbst temperirt seyn. An den Küsten von
Ceylon, Madura gegenüber, wo die Perlenfischerey ist,
sind manchmahl die Taucher, wenn sie aus der Tiefe hervor

/   ge- 

|P_34

/gezogen werden, so erfroren, daß man sie beym starken
Feuer wieder erwärmen muß, obgleich «schon» das heißeste
SommerWetter da ist. Im Grunde der See ist es auch ruhig, auch
schon selbst in einer Tieffe von 15 Faden, wenn gleich oben ein
starker Wind das Meer beunruhiget. Wenn aber der Wind
lange anhält, so wird es auch nach und nach <im Grunde> bewegt. Der
Druck des Waßers ist auch merkwürdig, und er ist desto stärker
je tiefer man kommt. Der Graff Marsili, der die Geschichte
des Donau_Stroms beschrieben, so wie «auch» die Geschichte des
Mittelländischen Meeres, untersuchte den Druck des Waßers auf
folgende Weise: Er nahm eine Flasche, die er mit Waßer
angefüllt hatte und verpfropfte sie stark, er nahm auch
Pech und verklebte die Flasche damit, und hernach band er
noch Leder darüber; hierauf ließ er sie 300 Faden tief ins
Meer, und er befand, da er sie heraus zog, daß der Pfropfen
sammt dem Leder vom Waßer auf einen halben Zoll in den Hals
der Flasche getrieben war, und daß durch die Poros des
Pfropfens, ob sie gleich verpicht waren, dennoch gegen einen
Löffel Seewaßer durchgedrungen war.

/Von den Bewegungen des Meeres ist folgendes zu be-
merken. Die vornehmsten Bewegungen des Meeres
geschehen.

/a.) Durch den Wind und das sind die Wellen, und

/b.) durch die Ströme.

/1.) Bey der Bewegung der Wellen ist dieses zu bemercken.

/   Es

|P_35

/Es scheint als wenn sie einen fortbewegenden Gang hätten;
doch bleiben sie immer an ihren Stellen, und ihre Bewegung
ist bloß eine oscillante oder eine steigende und fallende Be-
wegung, wodurch aber das Waßer seine Stelle gar nicht
verändert. Ein Schiff wird also durch die Wellen gar nicht fort-
bewegt, sondern es steigt und fällt. Die Wellen können bis-
weilen die Höhe eines Mittelmäßigen Mastbaumes erreichen.
%Obgleich nun dies zwar eine schaukelnde Bewegung des Waßers
ist, so geschiehet doch öfters eine Seestürzung, wenn man
den Wind zur Seite hat, (Seestürzung ist, wenn die Welle nie-
dersinckt) Im großen weiten Meere ist dieses nicht zu be-
fürchten, es bekommt wohl Schaukelung aber keine Stürzung.

/Ein Befrachter des Schifs muß also seine Geschäfte gut ver-
stehen, und er hat zu sehen.

/a. Wie tief das Schiff gehen kann, und

/b. Muß er auch verhüten, daß sich die Waaren nicht rollen,
weil sie sonsten die Wände des Schifs leicht zerschlagen
könnten.

/In der SPanischen See, die auch das Gasconische Meer genandt
wird, ist, wenn die Schiffe aus dem Canal kommen, die Bewegung
derselben immer im Gleichgewicht, denn die Wellen sind so lang
gestreckt. Dahingegen schlägt die Ost-See und das Schwartze-
Meer sehr kurze Wellen, die oft zurück geschlagen werden,
und Seestürzungen verursachen. Diese kurzen Wellen sind «das» <es>,
weswegen des Schwarze Meer einen solchen Abscheu erzeugt hat.

/   Die

|P_36

/Die Ursache von den kurzen Wellen, wird von einigen darinn ge-
sezt, daß es aus der Lage<2> nahen<1> der<3> Küste herrühre, wodurch
die Wellen die von der einen Seite der Küsten herkommen sehr
leicht an die andre, weil sie nahe liegt, geführt werden können,
und daß sie, indem sie daselbst anstoßen, ein solches Zurückschlagen
verursachen; doch scheint dieses nicht der rechte Grund zu seyn,
denn die Küsten des schwarzen Meeres liegen auf 20 Meilen
voneinander, daß also die Wellen nicht so leicht von der einen
Küste an die andre können getragen werden, und hernach
zurückschlagen, sondern es scheint daher zu kommen, weil
die eingeschloßenen Meere nicht «eine» genug«same» Tieffe haben,
«als» <wie> die Ostsee, die nur 90 biß 100 Faden tief ist, und daher
ist es auch «¿¿»<mög>lich, daß ein anhaltender Wind das Waßer
auf dem Grunde auch in Bewegung sezt. Je enger nun die
Meere sind, desto untiefer sind sie auch und daher
wenn die Wellen nur den Boden erreichen, müßen sie zurük-
schlagen, weil sie da einen Wi«e»derstandt finden. «(» Auf solche
Art <allein> kann man die Sandbänke * «nur» vom gantzen Meere un-
terscheiden, weil ihre Wellen kurz schlagen«)» ZE «wie» das Was-
ser bey Terre neuve welches nur 24 Faden tief ist, und da-
«selbst» ist es «auch» zugleich <so> nebelicht und kalt, «so» daß die Ma-
trosen ihre Winter_Kleider anlegen müßen. Die Ursache
hievon ist: das Waßer scheint in einer Tiefe von 400 Faden
gleiche Wärme zu haben, welche 52_1/2 Grad nach dem Fahren-

/   heitschen ~

|P_36R

/δ_Z_18

/{2- %nach der Oberfläche des Wassers -2} ~

|P_37

/heitschen Thermometer beträgt. Ist die See untief, denn wird
das Waßer im Grunde aufgerührt und also treiben die Wellen
dadurch«,» das kalte Waßer in die Höhe, welches diesen Nebel %und <dise>
Kälte erregt. Doch «erstreckt» <zeigt> sich dies Phaenomenon nicht weiter
als über der Banck, %und um die Banck herum ist es gemeinhin sehr
schönes warmes Wetter. Hier ist auch zu merken die hohle
See, welches gemeiniglich geschiehet, wenn auf Stürme eine
Windstille folget, die da verursacht, daß die Wellen hohl schlagen.
Als denn schlagen die Wellen sehr kurtz und machen eine
solche Erschütterung im Schiff, daß alles loß reißt und zerstöret %wird.
Muschenbrock hat die Anmerkung gemacht, das einige Fäßer
Oehl das Meer ruhig machen. Das Oehl besänftiget aber nicht
eine sehr große Bewegung des Waßers., («und besonders wenn»
man das Waßer <a r> im kleinen Umfange durchsichtig machen
will.) Wenn das Waßer ruhig ist, denn kann man eine
große Tieffe h«er»<in>absehen; sobald es aber bewegt wird kann
man dieses nicht thun, weil die Lichtstrahlen daselbst zer-
streuet werden. Um das zu verhindern, so begießt mans
mit Oehl, alsdenn runzelt sich nicht das Waßer, das Oehl
zieht sich darüber, und verhindert durch seine Zähigkeit die
Bewegung, und auf solche Art kommt es ¿ auch zur
Durchsichtigkeit.

/Die Brandungen befinden sich sonderlich an den SeeKüsten,
auch an den Bäncken, die mitten in der See liegen. Es

/ schlägt

|P_38

/schlägt nemlich das Waßer hier an die Küsten, und indem
es anstößt, wird es stark zurückgetrieben, wo«rauf»<%durch> man
verhindert wird, an solche Küsten mit Booten zu landen.

/Dies geschieht auch bey Capo Schillo oder der alten Scylla, in
der Straße von Messina, wo die Wellen, die von der Charib-
dis kommen, zurückgestoßen werden. Die Brandung ist
eigentlich die höchste Welle, die da macht, daß das SPiel der
Wellen wieder von neuem anfängt. Die Wellen in der
weiten See behalten immer einerley Höhe und Weite,
an den Küsten aber wird das SPiel der Wellen verzögert,
und die größeren Wellen schlagen über die kleineren. Dies
haben die Alten die Fluctus decumanos genandt, weil es
an den mehresten Ufern die 10te Welle ist, die da über-
schlägt, an einigen Orten ist es auch die 5te, oder 7ben«d»te,
wie auf der Küste von Guinea.

/Die Wellen gerathen auch oft in Unordnung, wenn sie
«im Zurückschlagen» von den würklichen Ströhmen einen
Stoß bekommen. Es giebt im Meere Ströme, die selbst ge-
gen den Wind so stark streichen, daß sie selbst Mühlen_Räder
treiben können. Diese Ströme machen einen wichtigen Theil
in der Schiffarth aus. Denn wo Ströme sind, denen der Wind
entgegen bläßt, da ist eine sehr ungestüme See. Der
sogenante M«ee»<aa>lstrom in Norwegen ist ein solcher SeeStrom,
der dem Winde entgegen ist. Die Ursache von diesen

/   Strö=

|P_39

/Strömen sind die Winde. Sie bewegen <anfangs> die Oberfläche des
des Waßers «anfänglich»; indeßen wenn der Wind lange
anhält; so treibt er das obere Waßer nach unten, folglich
wird dadurch auch das unterste in Bewegung gesezt. Die
Ströme erstreken sich biß «an» <zu> eine<r>, ansehnlichen Tieffe, wohl
aber niemahl«en»s biß zum Grunde. Die Winde können nur
nach und nach das Meer in Ströhme versezen. Es giebt auch
Ströme, die unaufhörlich aus eben derselben Ursache fortgehen,
ZE der Ostliche Strom zwischen den Tropicis, der von dem
beständigen Ostwinde herrühret, der an diesen Oertern bläset,
und daselbst schon von Anfang der Welt geherrschet hat. An
den Küsten aber verändert er seinen Strom, denn er
muß sich nach der Lage der Küsten richten.

/Wenn die Winde in gewißen Gegenden regelmäßig
abwechseln, so werden die Ströme auch ihre Perioden
halten. Nahe bey den Sudacus_Inseln und im Atlantischen
Archipelago wehet im Sommer ein beständiger Süd-West,
und im Winter Nord-Ost. Hier verändern sich auch die
Ströme (so, daß im Sommer der Strom von Süd«en nach»-Westen
und im Winter von Nord«en nach»-Osten gehet.) Doch geschiehet
diese Veränderung durch den Wind nicht bald, sondern sie
continuiren noch oft einen gantzen Monath durch ihren alten
Lauff, ehe sie durch den veränderten Wind davon abgebracht
werden können. - Bey den Moluccischen Inseln sind

/   diese

|P_40

/diese Ströme so heftig, daß sie oft ein Schiff mit den
Anckern forttreiben. Der Seefahrer muß die Ströme
sehr gut kennen, damit er seine Seefahrt richtig «cultiviren» <berechnen>
könne. Die Meere die zwischen Ländern liegen haben sehr ge-
fährliche Ströme ZE im Cattegat sind Ströme, wodurch viele
Schiffer, wenn sie auch mit der größesten Auffmerksamkeit
ihre Route halten, nach Bornholm getrieben werden. In
solchen innländischen Meeren beträgt die Ausdünstung
was wichtiges. Weil aber in dem Meere auf der einen
Seite viele Ströme kommen, die andre Seite aber kein Waßer
bekommt, und die Ausdünstung auf allen Seiten gleich stark
ist, so entspringt daraus ein Strom, der sich da schlängelt.

/In jeder Straße sind 2 Straßen ZE in der Straße der
Dardanellen, wo man sich, wenn man dahin gehet, an der
Europäischen, und wenn man zurück will, auf der Asiatischen
Seite halten muß. Es giebt auch einen oberen und einen
unteren Strom die sich einander wiederstreiten ZE in der
Straße von Gibraltar, wo der obere Strom ins Mittel-
ländische Meer, der unter aber aus demselben kommt.
Um diesen untern Strohm zu finden, nimmt man ein
leediges Fäßchen, und läßt es biß zu einer gewißen
Tiefe herunter, biß man merkt, daß unten ein starker
Strom das Fäßchen mit sich fortreißt. Im Sande fließt
das obere Waßer heraus, das unter aber herein.

/   Bey

|P_41

/Bey den Dardanellen ist es eben so.

/Die Ausdünstung des gantzen Oceans kann nur so viel betragen
als das Waßer beträgt, da«ß»<s> die Flüße hineinführen.

/Wenn man aber einzelne Seen nimmt, so kann nicht allemahl ein,
solches Gleichgewicht stattfinden wie ZE beym Mittelländischen
Meere. Auf der Africanischen Küste sind sehr wenige Flüße,
die sich in dieses Meer ergießen, außer dem Nil-Strom,
der noch etwas beträchtlich ist, aber dennoch nicht so viel, «an»<herbei>-
führen kann, als die Ausdünstungen «an»<weg>nehmen. Auf der Küste
von Franckreich, Spanien und Italien ergießen sich «auch»
«nicht»<recht> viele Ströme und daher muß folgen, daß das Waßer <im %mittelländischen Meer>
«darin» niedriger ist, als im Ocean. Und deswegen fließt <%auch %vom Ocean>
«auch» das Waßer <in %das %mittelländische %Meer> oben herein, und unten heraus. Da nun
der Ocean <%nicht> so viel süßes Waßer ausdünstet, als er zu-
geführt bekommt, so muß daraus folgen, daß das «süße»
Waßer des Oceans nicht so sehr gesaltzen folglich leichter
ist, und <in %das %mittelländsche %Meer> oben hineinfließt; dahingegen das Waßer des
Mittelländischen Meeres saltziger und folglich schwerer
ist, und daher auch unten herausfließt.

/Die 2te Ursach von den Ströhmen sind die Strudel.

Von diesen» <%Unter dem Strudeln> haben wir ZE den Mälstrom, der aber an dieser
Stelle nicht kann erklärt werden. Von dem Strudel aber
in der Straße von Messina zwischen Sicilien %und Neapel
nicht weit von dem Hafen bey Messina ist dieses zu

/   merken

|P_42

/merken. Wenn der südliche Wind wehet, so wehet er das
Waßer auf den Hafen vom Messina, «welches doch»<woraus %das Wasser> aber «nach»<in>
der Richtung von Norden fließet; folglich entstehet da ein
nordlicher oder südlicher Strom, welche beyde gefährlich sind.
Diese Gefahr betrift aber nur die kleinen Fahrzeuge. Die
großen Fahrzeuge gehen, wenn sie guten Wind haben, da glück-
lich vorbey. Sobald aber der Südwind aufhört, so hört auch
der Strudel auf. Dergleichen Ströme können <@%auch@> «ke»<E>ine ruhige
«ruhige» Stelle haben, wo sie den Sargasso und andre Un-
reinigkeiten des Meeres hinwerffen; das ist auch der
Grund des Sprüchworts: Die See leidet nichts «t»<T>odtes.

/Die Meere in der Eißzone, heißen EißMeere, die Ur-
sache ist, weil das Eiß in diesem Strich niehmahl«en»s schmilzt,
und ihnen also diesen Nahmen giebt. Wir haben 2 Eiszonen,
daher sind auch 2 EißMeere, in diesen Meeren sind sehr
große Eißfelder, welche gar nicht vom Winde können
bewegt werden, daher man 24 Stunden fortsegeln kann,
ohne eine solche Strecke <%von> Eißfelder<n> zurückzulegen. Dieses
Eiß bricht nicht anders, als durch seine ungleiche Härte.
Diese Eisfelder kündigen sich von weiten an, durch den
dicken Nebel, de«m»n sie bey sich führen. Zur Nachtzeit richten
sich die Schiffer auch <@%auf@ disen Nebel> «darnach; denn» wenn sie in einen solchen
«Nebel» <hin>kommen, so empfinden sie eine sehr große Kälte,
so daß sie <%gleichsam> ihr Gesicht in ein kaltes Waßer eingetaucht

/   «zu»

|P_43
«zu haben glauben» <fühlen>, und auf solche Art «nehmen»<können> sie sich vor
den Eißfeldern «in Acht»<hüten>. Auf diesem Eise «er»halten sich gewiße
WallRoße, Seehunde, und andre Amphibien <%auf>. Aber die größte
Rolle spielt darauf der Eißbär. «Die»<%Das> größte Hinderniß
dieser Eißfelder ist, daß sie die Farth «verstopfen» <%unterbrechen «und»>,
«und also als eine Hemmung anzusehen sind».

/Weiter ist in den Eißmeeren das Treibholtz zu merken.
Alle Küsten der EißMeere haben kein Holtz, obgleich an
einigen Orten sich kleine Sträuche finden. In Nova-
Zembla ist aber gar nichts. Grönland hat «in»<an> der SPitze
etwas Holtz, das aber nur um einen Arm dick ist. In-
deßen hat es die Natur so eingerichtet, daß auf diesen
Meeren «ihnen»<den Küsten> sehr viel Holtz zufließt. Doch gebrauchen
sie es nicht zum brennen, sondern sie machen sich Gefäße,
Keßel und Lampen daraus. In der Mitte der Meere
wird es von Osten nach Westen getrieben, «wenn»<bis> die
Wellen und Seestürme es ans Land werffen. Es sind
ganze Bäume von allerhand Gattungen, die oft von
Würmern gantz durchfreßen «seyn»<%sind>, «da»<wo>raus man siehet,
daß sie in warmen Ländern müßen gewachsen seyn.
An der WestSeite von Island treiben die Einwohner
einen beträchtlichen Handel damit. - - Oefters bemerkt
man «hier»<bei %den Eisfeldern> auch eine Flamme, welche entsteht wenn das
Treib_Holtz zwischen Eißstücken geräth und daselbst stark
gerieben wird. Dieses Treibholtz wird nicht nur

/   in

|P_44

/in der Nördlichen sondern auch in der südlichen EißZone
angetroffen. Es kommen hier wieder wichtige Fragen vor.

/1. Ob das Meer in allen seinen Theilen gleich hoch sey?

/Ein vom Lande eingeschloßnes %und vom Ocean abgesondertes
Meer, kann höher seyn als der Ocean selbst ZE das Caspische
Meer. Das Meer aber welches durch einen engen Strich mit
dem Ocean zusammenhängt, «das» hat <nicht immer> eine gleiche Höhe mit
demselben, «obgleich» indem der Zufluß und die Ausdünstung nicht
<immer> in Aequilibrio stehen. Das rothe Meer soll höher liegen als
das Mittelländische Meer., «dieses kommt daher», weil die
Land-Enge von Suez zwischen dem rothen Meere nicht kann
«ab»<%durch>gestochen werden. Der Atlantische Ocean soll auch höher
liegen als die Pacifische See., («die aber auch gleich hoch» stehen
möchten, wenn gleichfals der Canal zwischen den Belten
könnte abgestochen werden.) Von dem Canal der Stadt Suez
findet man noch Ruinen, wo<%.von> man aber glaubt, daß er
nur dazu gebraucht worden, die Waaren herüber zu bringen
die «aus» <in> Suez <am %rothen Meere> ausgeladen waren.

/2.) Ob die Meere auch unter sich eine unterirrdische Ge-
meinschaft haben? Denn man glaubte, «daß» wenn dieses
nicht wäre, so müßten die Meere von dem Waßer, daß
ihnen durch die Flüße zugeführt wird, immer voller

/   werden

|P_45

/werden. «Sie»<Man> bedachte«n» nicht, daß die Ausdünstung so viel
beytragen könnte, und daß das Waßer, welches die Flüße
in 24 Stunden hineinbringen, eine große Fläche nicht um einen
Strohhalm höher machten, und daß es also auch kein Wunder
sey, daß das Meer in dieser Zeit, das Waßer, welches auf
dieser großen Fläche kaum die Höhe eines Strohhalms beträgt,
ausdünstet. Das Caspische Meer stehet in gar keiner Ge-
meinschaft mit andern Meeren; wo bleibt dann das Waßer,
welches durch die Wolga und andre Flüße zugeführet wird?
Dieses Meer dünstet in einer sehr kurzen Zeit so viel aus,
als der Fluß Wolga ihm im gantzen Jahr zuführet. Oefters
trocknet es an einigen Orten aus und entfernt sich von den
Küsten. Vor 300 Jahren erzählt man, soll ein gewißer Bassa
«von» <%auf dem Meere bey> Suez auf der Jagd gewesen seyn, und einen Delphin
bekommen haben, den er aber wieder loßgelaßen, nachdem
er gewiße Zeichen an seinen Ohren p gemacht hatte. Von diesem
Delphin giebt man vor, daß er zu einer andern Zeit, und zwar
kurz darauf im Mittelländischen Meere gesehen worden,
wes wegen man glaubte, daß er unter der Erde aus dem
rothen ins Mittelländische Meer herüber gekommen sey, welches
aber ganz unwarscheinlich ist. Man hat also geglaubt, daß
eine gewiße Circulation unter den Waßern sey, welches aber
nichts mehr, als nur eine Distillation ist. Der Ocean ist als

/   eine

|P_46

/eine Distillir_Kolbe anzusehen«,»¿ diese«r» dünstet aus, die
Dünste kühlen sich in den Wolcken ab, und fallen in Tropfen
herunter. Von dem Nutzen des Oceans und aller Meere ist
folgendes zu merken.

/1.) Der erste Nutzen ist die Größe des Oceans«,»: man wundert
sich, daß 2/3 von der Erde mit Waßer überschwemmt ist,
«und»<%und fragt wol> ob es nicht beßer sey, wenn die Erde um so viel größer
wäre, als das Meer? Wenn das Meer nur halb so groß
wäre, als das Meer jezt ist, so würden wir auch sehr
wenig Regen haben.

/2.) Die Luft hat sehr viele schädliche Dünste, daher«o» das Meer
als ein <%nothwendiges> Reinigungs_Mittel der Luft anzusehen ist.

/3.) Das Meer hat auch einen Nutzen durch seine Biegungen«,»: es
macht in den Ländern große Busen und Ausspringe.

/Die Gemeinschaft der Länder ist nur durch die Meere möglich
ZE: Die Gemeinschaft der Länder «ist» Europens und «von» China's
Es könte vieles auch zu Lande geschehen; die Landreisen
sind aber weit beschwerlicher. In den alten Zeiten waren
die Römer, jezt aber sind die Armenier die großesten
Landreiser. Durch die See_Reisen kennt man auch beßer
die Länder, und man kommt auch in kürzerer Zeit von einem
Lande zum andern ZE aus Engelland nach Norwegen,
«das ist ein» <%dauert %der> Traject von 6 «Wochen»*1. Diese Gemeinschaft der
Länder würde größer seyn, wenn ZE «der»<%ein> Canal «von»<bei> Suez
könnte «ab»gestochen werden. - Die Alten nandten das Meer

/   den ~

|P_46R

/δ_Z_7

/α_*1 Tage %vielleicht ~

|P_47

/den Ursprung des Bösen, aber wir können es den Ur-
sprung des Guten nennen, ob«zwar»<%gleich> fast alle Einwohner
an den Küsten die bösartigsten und zum Betruge die ge-
neigtesten sind.*1 Die Cultur der Menschen ist aber dadurch
vergrößert. Indostan scheint der erste Ort und der Sitz
der Wißenschaften <gewesen> zu seyn, denn so lange die Geschichte
ist so lange hat man immer von Indien und seinen Reich-
thümern geredet. - Auch Griechenland, weil es viele Busen
hat, und so viele *2 Inseln «aus macht»<enthält> trieb «ein» große«s» «Com-
mercium durch die» Schiffarth, und hier ist auch der Flor
der Wißenschaften gewesen: denn die Gemeinschaft der
Menschen mit einander, daß einer dem andern «das belie-
bige bey» brachte, was ihm gefehlet «hat», «das » macht die
Cultur der Menschen und ihrer Wißenschaften aus.

/ ≥ Von der Ebbe und Fluth. ≤

/Die Ebbe und Fluth bestehet im schwellen %und sincken
des Wassers, «da»<wo>von jedes 6 Stunden dauret, diese Ebbe
und Fluth ereignet sich im Ocean in 24 Stunden zwey mahl;
zwischen der Ebbe %und Fluth ist immer wenigstens 1/2 Stunde
Ruhe. Es «geschiehet»<tritt> diese Fluth auch in allen den Meeren <ein>,
die sich in den«selben» <Ocean> ergießen, oder die mit demselben
«(Ocean nemlich)» zusammen hängen. Auch die Flüße die sich
in denselben ergießen, haben dieselben <Erscheinungen>, weil, wenn bey
Fluth das Waßer aufschwillet, es zugleich in die Mündungen
der Flüße «vergeßen wird»<%sich ergießt>, welche nothwendig deswegen

/   steigen ~

|P_47R

/δ_Z_4

/*1 %natürliche Veranlassung
%durch den Handel

/δ_Z_12

/*2 %vielleicht: Halbinseln ~

|P_48

/steigen «müßen», %und dann wieder«um» fallen <@%müßen@>. Wenn die Fluth
3 Stunden dauret so dauret die Ebbe 6 Stunden, indem in solcher
Zeit das sich in die Flüße ergoßene Waßer, wieder in
den Ocean zusammenfließt. Die Ebbe ist auch deswegen ge-
wöhnlich reißender als die Fluth. Die Ostsee hat keine Ebbe
%und Fluth, imgleichen das Caspische, %und schwarze Meer, weil
«sie»<%die beiden leztern> nicht mit dem Ocean zusammenhängen. Das Mittellän-
dische Meer hat auch keine außer bey Venedig, wo die
Fluth aber nur 3 Stunden beträgt, weil«daßelbe» <dis Meer> nur durch
einen «kleinen»<schmalen> Strich <%mit %dem Ocean> zusammenhängt. Die«se Fluth und» Ebbe
läßt wenn sie groß ist, die Schiffe auf dem Grunde liegen.
Bey Amsterdam ist sie wenig zu merken, weil *1 (die
Süd-Seite) nur durch eine kleine Oeffnung mit dem Ocean
zusammenhängt. Die Ebbe %und Fluth hat den Nutzen, daß
man zu ihrer Zeit die meisten Hafen reinigen kann.

/Ebbe und Fluth richten sich nach dem Monde %und nach der Sonne,
da der Mond aber der Erde am nächsten ist, so ist sein Ein-
fluß auf unsre Erde auch der größeste. Alle Himmels-
Körper haben außer ihrem Lichte auch noch eine Anziehungs=
Kraft, die desto größer ist, je größer die Maße oder
ihr körperlicher Inhalt ist. Doch vermindert ihre Entfernung
auch sehr diese Kraft. Der Mond aber als der nächste
Himmels_Körper hat einen Einfluß auf das Gewäßer

/   der ~

|P_48R

/δ_Z_12

/*1 %vermuthlich ZuyderSee,
an @%welcher@ die Stadt liegt ~

|P_49

/der Erde. (Um dieses deutlich einzusehen, müßen wir
uns concipiren, daß a, d, b, e, die Erde, n, d, r, l,
der Ocean sey, der Mond ist in L %und die Sonne in S. Der Mond
L. ziehet den Obersten Theil a, der Erde mehr als den Mittel-
punckt c, und c mehr als b. Die a, e, b. kann man sich
als Wagen«s» vorstellen, wenn alle durch gleiche Stärcke
nach L gezogen würden, denn müßen sie auch immer
in einerley Entfernung von einander bleiben. Nun wird
sich aber a von der Stelle entfernen c auch, aber mit solcher
Weite von b. als a von e. weil die Kraft da schwächer
ist, da nun das im Mittelpunckt der Erde c sich befindende
Waßer gezogen wird, so muß auch wohl nothwendig das
Waßer in b steigen.*1 Auf solche Art steigt nicht nur das
Waßer auf der zugekehrten sondern auch das auf der ab-
gekehrten Seite. *2 Die Oerter e %und d nach der Entfernung
von a, sind die 4ten Theile des Cirkels, daher wird
das Waßer daselbst nicht bewegt, sondern behält seine
natürliche Schwere, folglich wenn das Waßer bey a,
schwillt, so fällt es bey d.) Da sich die Erde nun
in 24 Stunden um ihre Axe bewegt, %und auch der Mond in dieser
Zeit um sie herum kommt, in d über 6 Stunden (6 ist der 4te Theil
von 24) <so ist> wo vorher«o» die Ebbe war, «nunmehro»<denn> die Fluth «ist».
Die Sonne aber, weil sie, «auch in Absicht auf ihrer» *3(ungeachtet»> «Größe)» sehr
weit entfernt ist, würkt nur den 5ten Theil von der Ebbe

/   %und ~

|P_49R

/δ_Z_2-11

/δSkizze %Figur 1

/δ_Z_12

/{2- *1 Aus dem Gleichniß %mit den Wagen
geht eher hervor, %daß das Waßer
%auf der dem Monde abgekehrten
Seite ebbet, als %daß es flu-
thet. Die Fluth %auf der %.vom Mond
entferntesten Seite der Erde
%muß %ein %.anderen %Grund haben.

/δ_Z_23

/*3 obgleich größer, -2} ~

|P_50

/und Fluth des Mondes. Der Mond erregt eine Fluth von
10 Fuß und die Sonne auf solche Art nur 2 Fuß.

/*1 Hier %.Figur 2. vereinigen sich beyde Kräfte (Die Sonne und
der Mond) folglich wird erstehet eines dem andern %und zwar
die Sonne mit 2 Fuß gegen 10 Fuß des Mondes L. Folglich
kann die Fluth des Mondes (wenn 2 von 10 abgezogen wird)
nur 8 Fuß betragen. Die größte Fluth kann 12 Fuß
%und die kleinste mögliche 8 Fuß auf dem Ocean betragen. *2

/Die hohe Fluth, die %.Figur 1. bezeichnet, nennt man die SPring-
Fluth. Diese aber %.Figur 2. die todte Fluth

/Zur Zeit des VollMondes und Neulichts geschiehet die SPring-
Fluth, zur Zeit der Virteln aber die todte Fluth. Wenn
der Mond aufgeht dann fängt die Fluth an, wenn er aber
im Meridian ist, denn ist sie am größesten. Geht er
aber abwärts, dann fängt die Ebbe an, wenn er im Hori-
zonte ist, denn ist sie sehr schwach, kommt er aber in den
Antipodischen Meridian, denn fängt wieder die Fluth an.
Der Mond geht alle Tage 3/4 Stunden später auf,
daher fängt sich auch die Fluth später an. Die Fluth
im Ocean ist klein, man hat sie nicht einmal 10 vielweniger
12 Fuß gefunden, weil der Mond in der Zeit, worin
die größeste Fluth möglich ist, schon den Meridian verläßt.

/Die Inseln im Stillen Meer haben eine Fluth, die @um@
um 6 Fuß hoch steigt, dahingegen da, wo sehr viele Busen

/   sind ~

|P_50R

/δ_Z_3

/*1 Hier folgt %das Wasser beiden
Kräften, %und von %der sonst 10 %Fuß hohen
Fluth %durch %den %Mond bewirkt, gehen
2 %Fuß ab, die %das Wasser %der Sonne
%gegen über steigt.

/δ_Z_6-11

/δSkizze Figur 2.

/δ_Z_8 bzw. 11

/*2 Die Fluth von 12
%Fuß wird Statt finden wenn
%der %Mond zwischen %der Erde %und %die %Sonne
tritt, %und so die Kräfte beider
Weltkörper %zusammenwirken. ~

|P_51

/sind, steigt sie 20 biß 40 Fuß hoch, z.E. in Bristol in St: Malo
α_beträgt sie 40 Fuß, die «ordinaire» <{3- %gewöhnlich -3}> aber nur 20; dies «@depen-@»<hängt>
«dirt» allso von der Lage der Länder <ab>. Es solte wohl «aber»
die Fluth am größesten seyn, wenn der Mond im Meridian
ist; dieses würde geschehen, wenn er am Meridian stehen
bliebe, nun verläßt er aber denselben, ehe noch alles Waßer
herbey läuft; «folglich kan dieses nicht geschehen», indeßen
bleibt doch auch das Waßer im steigen und zwar 3 Stunden
lang; nachdem der Mond vom Meridian weggegangen ist. Im
Voll und Neulichte ist auch nicht die größeste SpringFluth,
sondern erst 3 Tage darnach - Da die Anziehung des
Mondes so alt ist wieWelt, so sehen wir ein, daß
auch die Ebbe und Fluth schon von Anbeginn der Welt ge-
wesen «sey» ist. Diese Kraft würkt aber nicht bloß auf d«en»<ie>
OberFläche des Waßers, sondern auch auf den Mittelpunkt
der Erde, folglich auch auf d«ie»<en> «Tieffe» <Grund> des Meeres. Es ver-
hält damit so, wie wie mit der Schwere, die sich nach dem
Centro der Erde ziehet, die Waßerbewegungen müßen
alsdann bis auf den Grund reichen, und die Ebbe und
Fluth müßen durch dieselbe eine Veränderung im Grunde
hervorbringen. Durch diese WaßerBewegung, die von der
Ebbe %und Fluth erregt wird, entstehen die Ströhme.

/Die Ströme haben das Merkmahl, daß sie von den
Strahlen* in«dependent» <%unabhängig> seyn. Die Winde in den Ländern <*vermutlich: Winde>

/   zwischen

|P_52

/zwischen den Tropicis sind Östlich und die Ströhme auch,
wenn aber die Ebbe %und Fluth einen machen, dann ist dieser
demjenigen, der durch die Winde entstanden ist, ganz «zuwider» <%entgegen>.
(London hat eine vortrefliche Lage<:> «die sehr vortheilhaft ist,»
«daß»<denn> da die Fluth von Norden nach Süden kommt, indem auf
der einen Seite der atlantische Ocean, auf der anderen aber
die NordSee liegt, so können die Schiffe daselbst sowohl aus
Schottland, als aus dem Canal ohne Gefahr kommen.) - Ob zwar
Ebbe %und Fluth sich immer nach Regeln richten; so kann sichs doch
zutragen, daß die Winde sie in ihren Regeln stöhren<.> «, denn»
«sie können sie in etwas verhindern.» Ebbe %und Fluth bringen
auch Strudel hervor Z.B. bey der Stadt Negro_Ponte. Vor
dem @Hafen@ vo«r»n Negro_Ponte ereignet sich die«se»Erscheinung,
«indem das» <%daß> 12 mahl in 24 Stunden Ebbe und Fluth ist.

/Auf dem Golfo von Venedig «da» wird das Meer auch sehr
zusammengepreßt %und als denn steigts auch etwas. Bey
NegroPonte läuft <%.ein Strom> die Küste von Morea herauf %und bey
Thessalonicha herunter, %und «da sie sich begegnen, so» <wenn %.sie %.sich %einander mehr stoßen
«sie zusammen %und» <so> drehen <%sie> sich in einem Strudel herum, je nach-
dem einer einen größeren oder kleineren Einfluß hat, als
der andre. Die größesten Strudel können nicht durch die
Ebbe %und Fluth erregt werden, nur solche die ohngefähr
2 Klaftern breit %und lang und 2 Klaftern tief sind.

/   Dieser

|P_53

/Dieser nur kleine Boote daselbst in Gefahr stehen. Der-
gleichen Strudel findet man bey Schottland.

/II Vom Lande. ≤

/Alles Land wird «ins» 1. <in> Continent und 2. In Inseln eingetheilet.
Das Land welches in sich ein Meer einschließt heißt Continens.
eine Insel aber <ist es>, wenn es von Waßer eingeschlossen wird.
Alles feste Land liegt auf einer Hälfte der Erd_Kugel, die
andere ist meistentheils mit Waßer bedeckt. Aus dieser
Ursache haben viele vermuthet, daß nach Süden zu noch
größere Länder seyn müßten, welche nothwendig das
Gleichgewicht mit den Nordlichen hielten. Nimmt man
das Wort GleichGewicht aber im wahren Verstande, so
weiß ich nicht, ob man sich vielleicht vorstellt, daß alle
Länder der Welt ein großes Schiff ausmachen, welches auf
dem Ocean schwimme, %und deßen Hintertheil in die Höhe
stünde, wenn das Vordertheil zu viel beladen ist %und daß
also folglich das Gleichgewicht der Schwere der Erde aufgehoben
würde, wenn sich auf der einen Seite mehr Länder befän-
den als auf der anderen.Wohin richtet sich aber die Schwere?
Nach dem Mittelpunkte. Die Schwere auf der Erde ist eine
Würckung der Kraft der vereinigten Anziehung aller Theile
der Erde, %und diese muß beständig nach dem Mittelpunkte der
Erde würcken. Hernach ist eine gewiße Kraft, welche von

/   der

|P_54

/der Schwere unterschieden ist und das ist der An-
schwung, «dadurch daß» <indem> die Erde sich um ihre Axe bewegt;
dadurch bekommen alle Theile auf der Oberfläche der
Erde einen gewißen Schwung oder centrifugalKraft.
Diese «Schwerungs» <Schwung_>Kraft ist eine wahre Kraft, die sich
bemühet, alle Körper von der Erde zu entfernen, durch
die Schwere wird sie aber darauf verhindert. Diese
«Schwerungs» <Schwung_>Kraft beträgt unter dem Aequator selbst
den 288sten Theil von der Schwere. Wie groß ist aber
daselbst die Schwere? Unter dem Aequator sind die
Körper am leichtesten, %und man hat auch Waagen, wodurch
man den Unterschied der Schwere unter den Polen %und
dem Aequator bemerken kann. Am besten aber wird
er «aber» durch die Schwenckung des Perpendickels einer
Uhr bestimmt. Unter den Polen haben die Cörper ihre
eigene «Wärme» Schwere. (Wäre nun die Erde eine
pure Kugel, wenn wir alles Waßer weglaßen,
welches doch nicht möglich wäre, %und es entstünde, es
mag seyn aus welcher Ursache es wolle, ein Berg; als
denn würde die Axe immer rücken, biß der Berg, welches
nicht lange dauern würde, unter dem Aequator stünde.
Es ist dieses aber nicht möglich, und) die Länder brauchen
(auch also) wegen des Aequilibrii in seiner Proportion

/   zu

|P_55

/zustehen. Denn unsere Erde ist keine Kugel sondern
eine platte Rundung, bey den Polen ist sie niedrig und
bey dem Aequator hoch. An der SPize des Aequators
ist sie 4 deutsche Meilen höher, als wenn sie rund wäre,
und denselben Durchmeßer hätte, den die Pole haben.
(Nun ist aber keine Kraft hinreichend, die einen solchen
Berg oder Land unter dem Aequator bringen könte.
weil unsere Erde platt ist.) Die Abplattung der
Erde ist eine Würckung von der Bewegung der Erde
um die Axe, %und diese <Bewegung> hat den Nuzen daß die Axe
gar nicht verrückt, wenn sich auch sehr viele Länder
der Erde auf der einen Seite befänden.

/Wo sind noch Entdeckungen zu machen? Es wäre eine
Entdeckung, wodurch uns die ganze Erde offen seyn
würde, wenn wir nemlich in Norden durch EißMeer
kommen könnten. Die beyden Passagen dahin sind.

/a) Die NordWestliche, %und

/b) Die NordOstliche; <diese> die hat man am ersten versucht; da
man um das äußerste Vorgebürge von Asien ins Pa-
cifische Meer zu kommen «probierte» <%sich bemühte>. Hernach suchte man
nach Nova_Zembla zu kommen, da man dieses aber «im-» <un%anführbar>
«practicable» fand, so entschloß man sich nach Nordwest
zu reisen, %und zwar durch die Hudsons_Straße, aber

/   auch

|P_56

/auch dieses ist fehlgeschlagen, daher hat man in den
neueren Zeiten einen Porth gerade nach Norden zu
genommen, wo man sich an der östlichen Seite hält.
Die größete «Seite» <_Nähe>, «wo» <in der> man zum NordPol gekommen,
ist 82 %Grad gewesen. Doch haben auch einige, die biß
zum 88 %Grad gekommen zu seyn vorgaben, angezeiget,
daß daselbst das Meer von @Wellen \ allem@ frey sey. Diese
Fahrt nach dem NordPol scheint die rathsamste zu seyn,
wie denn auch das Parlament in Engelland damit
umgehet 2 Reisen, nach NordOst %und nach dem NordPol
an«zu»stellen zu lassen.

/ ≥ Von den unbekandten Ländern. ≤

/Hier betrachten wir die Länder

/1. Wie wir sie in ihrem Umfange kennen. Europa
und Asien sind uns nicht unbekannt, außer bey Thibet
wo man sehr wünscht, nicht so wohl das In«wendige»<nere> als
die Beschaffenheit der Einwohner kennen zu lernen, denn
dies scheint der Ort zu seyn, wo die Menschen nach der Ver-
wüstung *1 sich anfingen zu theilen. Afrika ist auch in seinem
Umfange bekandt; aber Amerika nicht ZE Nordwärts von
Californien liegt ein Ort, der Monte_Regio (Königsberg) heißt,

/   der ~

|P_56R

/δ_Z_19

/{2- *1 %vielleicht %durch die Sündfluth? -2} ~

|P_57

/der sonst unbekandt war.

/2.)Wie weit wir sie in ihrem In«wendigen»<nern> kennen, %und die in
Ansehung der Küsten uns unbekandt seyn. Bey America
ist uns die ganze Küste unbekandt. (Die Spanier haben jezt
eine Reise von Congo biß Mosambique <%unternommen>; folglich müßen sie
auch Länder gefunden haben, die uns ganz unbekandt sind.)
Rio, Guban, Calabor %und Benine sind noch immer unbekandt;
die Küste aber bey Guinea, Marocco, Aegypten %und Nubien
«die» sind bekandt. Gewöhnlich kommt eine SandKüste die aber
nicht viel verspricht. Die Wüste Sara ist in der Mitte
bewohnt, und <Wüste> «macht die Schwürigkeit» < macht es schwierig>, da«ß»s In«wendige»<nre> von
Africa <zu> erforschen «kann». Die Ursache die<ser> Unbekan«dtheit»<schaft>
ist: die Europäer «, wenn sie reisen», «so» reisen «sie»
dahin, nicht um das Land kennen zu lernen, sondern des Hand-
lungs-Intresse«s» wegen«,»<:> von da bringen sie die Neger«s», welche
die Waaren %und das baare Geld der Africaner sind.

/Die Bemühungen neue Länder zu entdeken sollte man
mehr auf das Inwendige der schon an den Küsten bekand-
ten Länder richten, als auf neue Polar-Länder ZE.
Africa war dem Alterthum weit bekandter als uns;
denn die Alten thaten erstaun«ende»<liche> LandReisen, weil
sie nicht der Seereisen kundig waren, %und ihnen die letzteren

/   über

|P_58

/überd«em»<ies> sehr langwierig %und gefährlich zu seyn schienen.
Jezt sind die Armenianer die einzigen, die so beträchtliche
LandReisen thun. Sie gingen nach Indostan %und nach anderen
weiten Ländern, wo man sehr gerne erfahren möchte,
was sie daselbst angetroffen haben. Es ist sehr glaublich;
daß die Nubier, Abissinier %und anderen mittelländische
Africanische Völcker, viele Ueberbleibsel Aegyptischer Weis-
heit noch biß jezt <übrig> haben. Zwey Länder sind für den Alter-
thumsForscher die allerwichtigsten.

/1.) Thibeth welches die höchste Gegend in Asien ist. Es
ist benachbart mit Indostan, %und scheint der StammOrt
der Völcker zu seyn, die sich hernach am Indostan ausge-
breitet haben. Würde man da noch mehr untersuchen,
welches die Engländer von Bengala durch Reisen am
besten thun könten: so würde man finden, daß alle Künste
%und Wißenschaften ursprünglich von da her<ge>kommen ZE die
Ziffern, das Schachspiel p. Die ältesten Geschichtschreiber
reden immer von Indostan, als dem Paradise %und Vater-
lande der Cultur. Einige meynen gar Abraham habe an
den Indischen Gränzen gewohnt. Da nun alle Eroberer immer
«für» <vor> de«n»m Dalai Lama eine religiöse Achtung %und Scheu«ung» be-
weisen, so müße da die ungestörte Geschichte der Alten

/   noch

|P_59

/noch zu finden seyn. Die Schreibekunst ist auch da so alt,
daß sie da schon Bücher hatten, ehe andere Völker noch ans
Schreiben dachten. Herodot redet von einem Volke, da«ß»<s>
er unsterblich nennt, %und man sieht aus seiner Beschreibung
daß er dadurch Thibet meyne. Dalai Lama heißt der
ewige Vater. Das 2te Land ist:

/2.) Aegypten. Dieses Land enthält die Uberbleibsel von
der Baukunst. ZE die Pyramiden, welche «lohnen nach» <verdienen genauer> er-
forschet zu werden, obgleich man @<%er>@ mit großer Mühe in
ihr Inneres kommen «könnte» <kann>, weil sie sehr stark aus lauter
Felsen gebauet sind, %und innwendig auch viele mechanische
Geschicklichkeit angebracht ist. Eine Oefnung in eine Pyra-
mide hat ein Calife vor 500 Jahren gemacht, wo Gänge
und künstliche Zimmer zu sehen. Man fand nichts darin als
einen steinernen Sarg, der für den zukünftigen erschei-
nenden Osiris da steht, so wie in Medina ein solcher leerer
Sarg für Jesum stehet, der noch einmahl wie sie meynen
kommen soll. Man weiß aber auch, noch durch alte Nachrichten,
daß die Pyramiden unter der Erde durch Gänge zusam-
men gehangen haben, wo die geheimnißvollen Lehren der
Egyptischen Weisheit vorgetragen worden %und wo ihre
Pharaonen liegen. Der Abt Bartilemi in Paris hat
das Phönicische Alphabet entdeckt. Nun geht alle Be-

/   müh-

|P_60

/Bemühung der Gelehrten bey ihren Reisen auf die Er-
findung der pharaonischen Buchstaben; Prof. Büttner
in Göttingen arbeitet daran, %und alsdenn könte man die
Aufschriften der Mumien %und Obelisken lesen, %und man
könte alsdenn erstaun«end»<lich> Vieles entdecken; denn da würde
man alle alte Bücher finden, %und also auch dadurch die alte
Geschichte aufdecken.

/Aegypten scheint indeßen seine Wißenschaften und
Cultur von «Aegyptiern» <Abyssinien> zu haben. Die Aegyptier wahl-
fahrten nach Abyssinien, so wie die Indianer nach Thibet
%und dieTürken nach Mecca, das ist, nach dem Entstehungs-
Ort ihrer Religion_

/Niebuhr welcher vom Könige von Dännemark nach Arabien
geschickt wurde, räth sehr an, das Koptische zu lernen.
Koptisch ist Egyptisch, denn Kop ist ägypt. Die alten
Kopti hatten <@ben@> viele Klöster, worinnen viele alten Phara-
onische Schriften sich finden würden, die vielleicht noch von
einigen daselbst befindlichen Mönchen gelesen werden können.
Von der Koptischen SPrache kommt jetzt in London ein Lexicon
heraus. Diese Sprache war in ganz Europa unbekandt,
keiner kandte sie, als de @la_Croze@, von dem lernte sie Ja-
blonsky, von welchem sie wiederum der einzige Prediger

/   Schloezer

|P_61

/Schloezer in Berlin gelernt hat.

/In Bombara nahe am Salomons Strom ist Gold_Staub genug
um den Golddurst der Europäer zu reizen. Es giebt da
auch eine Nation gelber Gesichter, die vom Maleyschen Stamme
aus Malaica seyn soll. Die Portugisen haben einen Weg
durch Africa aus Congo nach Mosambique entdecktp den
sie aber in Europa noch nicht kund machen.

/Walter Kaleigh ein großer unruhiger Kopf wollte Eldo-
rado einnehmen, es würde doch der Mühe verlohnen, dieses
Land auszukundschaften, denn dahin ist der letzte«r» Inca«rs»
mit seinen Schäzen geflohen. Da er aber sein Reich hinter
unzulänglichen Gebürgen gegründet hatte, so möchte dieses
kaum angehen.

/Alle Völcker stimmen überein, daß es gewiße Nationen
von bloßen Weibern giebt, die Amazonen heißen, welche
sich an dem Amazonen_Fluß befinden sollen, Condamneux
fand aber keine, Beauw läugnet es auch; aber es mag doch
wohl seyn. Das Land ist ganz unbekandt«,». Die Durchfarth
durch NordOsten bey Asien ist auch noch zu merken, welche
man noch entdecken soll<*1>. In Ansehung America <es> ist die Nord-
Ostliche Passage sonderlich zu entdecken«,». In NordAmerica ist
das große Missu«n»<r>ische Gebürge zu bemerken, dieses hat den
Nahmen von dem Fluß Missu«n»<r>i der in den Mississipi fließt.

/   Das ~

|P_61R

/δ_Z_19

/{2- *1 es ist geschehen -2} ~

|P_62

/Das Südliche America könnte auch noch mehr Aufmerksam-
keit «entdeckt zu werden» auf sich ziehen.Die Portugiesen besitzen
hier Brasilien, welches sich aber kaum 15 Meilen weit ins Land
erstreckt. Es soll da ein vortrefflicher Hafen sein, der Bay
Sana fond heißt, %und denn noch niemand kennt.

/Die großen AustralLänder sind uns noch sehr unbekannt.
Neu_Seeland ist nur neulich von Dampier entdeckt. Da
ist noch Neu_Brittanien %und Neu_Irrland zu entdecken, wozu
auch ein gewißer Förster <ab> gereiset «hat» <ist>, der die Reise aber
noch nicht zurückgeleget. Da sollen die Gebürge von ganz
America sich befinden.
Das größeste Land <@für die Zeit@> ist Neu-Holland
welches fast so groß ist wie Europa. Hier findet man die
Menschen im größesten Stande der Wildheit; sie haben nicht
einmal Hütten wie die Grönlander. Weil die ganze Küste
so ist, so läßt sich auch nicht vermuthen, daß sich im Innern
dieses Landes etwas befinden sollte. Auf Terra del
eu»<ue>go
ist es bekandt, daß die Einwohner daselbst der
Wildheit %und Thierheit am nächsten kommen. Die Grönländer
zeigen noch immer viel Geist, aber die Feuerländer nicht
das geringste, obgleich sie in der Königsbergischen Breite
liegen %und rund um sich Meere haben. Sie sind gar nicht
neugierig, %und würdigen nicht einmal das Schiff es anzusehen.

/   Wir

|P_63

/Wir haben Länder verlohren, die wir schon würcklich gehabt
haben. ZE die Salomons Inseln, vornehmlich aber das alte Grön-
land
, wo«zu»<hin> von neu Grönland die Seite nur 15 Meilen beträgt
man kann aber nicht dahin kommen, weil die Farth mit Eiß ver-
stopft ist. Vor 500 Jahren war dies alte Grönland von
Island bevölkert, daselbst waren 2 Bißthümer Lady Garde
%und Albe. Der Bischoff von Albe wohnte sogar der Huldigung
der Königin Margaretha in Copenhagen bey. Die Königin
Margaretha hatte das Monopolium dahin; da sie nun eifer-
süchtig war auf die Kauffleute, so blieb der Handel theils
deswegen, theils aber auch durch <die> viele Nordischen Kriege steken.
Olarsen sagt in d«er»<ie> Beschreibung von Island, daß die
Islaender sagen: es gäbe daselbst in den hohen Gebürgen
ein tiefes Thal, worin«nen» ein Volck wohnt, das aber un-
zugänglich ist, %und mit den Islaendern gar keine Gemeinschaft
hat; auch in den Alpen mögen solche Völcker seyn.
meynt Gruner.

/Borneo ist vielleicht die größeste Insel der Welt <*1> aber
inwendig ist es uns unbekannt; da sollen die Leute
Affenschwänze haben; sowie in Formosa %und Monilla
nach wahrscheinlichen Nachrichten. In Guinea sollen auch
Kubili Tartare sein, die Affenschwänze haben.

/   Von ~

|P_63R

/δ_Z_18

/{3- *1 kleiner als Neu-G.-3} ~

|P_64

/ ≥ {2- Von denen Inseln

/1.) Große Inseln liegen ziemlich nahe dem Continente
und ihre Länge ist paralel den Küsten des Landes.
Die Inseln des Mittelländischen Meeres sind nahe am
festen Lande. Die Insell von Groß-Brittanien
liegt deicht an der Küste von Europa. Die
Insel Sumatra liegt nicht weit von Malacca.
NeuSeeland ist ziemlich weit vom Continente ent-
fernt, indeßemn liegt doch Holland nicht sehr
weit davon.

/2.) Ein Archipelagus ist da, wo das Land große
Busen macht. Der größeste Archipelagus ist «ein» als
große«s» Busen zwischen Klein_Asien und Grie-
chenland. Die größesten unter den Inseln sind
Borneo, Sumatra, Madagascar, Großbrittannien
und Java. Die Maldiven begreiffen auch viele
Inseln in sich, und der König daselbst nennt
sich auch einen König von 2000 Inseln. Zwischen
diesen Inseln ist nur Eine Hauptdurchfarth
weil sie alle auf einer großen Felsenbank
liegen, und man daher auch nur «@auf\mit@» am wenigen
Inseln mit großen Schiffen anlanden kann.
Dies kleine Inseln liegen in einer solchen
Entfernung von einander, daß man mit
einem Springstock, von einer zur anderen
kommen kann.

/   die

|P_65

/Die Bänke haben eine große Verwandschaft
mit den«@en@» Inseln, und ihr Unterscheid besteht
darin, daß die Inseln über das Waßer her-
vorragen, diese aber nicht. Sie werden einge-
theilet.

/a In Fels- und

/b In Sand_Bänke

/Solche Felsbänke giebts bey Terre neuve, welche
20 bis 30 teusche Meilen lang sind und 50 bis
60 breit. Ueber sich haben sie 28 Faden Waßer.
An vielen Orten sind dieselben senkrecht
abgeschnitten. Auf diesen Bänken wird
der Stockfischfang getrieben. Dieser Fisch
heißt Sienus, worunter aber auch Cabilio
und andere Arten von Fischen begriffen
werden.

/Ueber großen Ländern und Rieffen <Riffen> (Riefe
unterscheiden sich von den Banken darin,
daß sie mit dem Lande zusammen
hängen) ist «ordinaire» <%gewöhnlich> Das Waßer un-
ruhig und kalt, welches schon oben
erklähret worden <ist>. «und wovon die Ursache
woher es kommt, auch schon angezeiget ist.@
»
In Europa ist die Land von Dawer vor-
züglich zu bemerken. Auf den Land_Charten
sind die Felsbänke mit einem X bezeichnet.

/   Das

|P_66

/ ≥ Das Bauwerk des festen Landes

/Beym BauWerk des festen Landes können wir
mit dem berühmten Baachif ├Buache┤ 3 Stücke be-
merken.

/1. Die LandRükken@

/2. Die Bassins und

/3. Die platte Form.

/a. Unter dem LandRükken verstehe ich lange Land-
strecken, wo von den beyden Seiten das Waßer
abfließen kann, so daß sie einen Rükken
ausmachen. Die mehreste Male machen die Berg-
Reiche den LandRükken aus. Die Lienie,
die durch die Spitze des Berges gezogen
wird, nennen die Engländer einen
Berg_Grad wenn man dem LandRükken
nahe kommt. So sieht man, daß sie sich
herumziehen, und beynahe einen Cirkel
ausmachen. ZE das Apeninische@ Gebürge
gehet durch Helvetien, Tyrol, @Krain@ Grie-
chenland, herum und schließen Bass«e»ins
in sich.

/b. Die Bass«e»ins sehen <wie>Thäler und Teiche aus
Die die von einem Wall umschloßen sind. «Dieses»
<Es> ist zu glauben, daß alle diese Länder
abgelaßene Teiche «seyn», die würckliche
Bass«e»ins in der alten Welt waren. Fast
alles ist ein Merckmahl«e» von solchen
Bass«e»ins.

/   c.

|P_67

/c. Die platte Form bestehet darinn. Es giebt
<Gebirg->Ströhme, welche keine (verschiedene) Nei-
gung zur See <hin> haben, weder auf der
einen noch auf der anderen Seite. Die
platte Form sind eigentlich Landes_Höhen,
die zwar einige gewiße Länge und Breite
haben, aber keinen Abgang nach irgend
einem Meere zeigen. Dergleichen haben
wir in Europa gar nicht, nur in Asia
und Afrika, ZE das Ural Gebürge in Afrika,
das (Alpeninische) und Saltinische <¿> Gebürge.
Die Ströhme, die daraus entspringen, machen
entweder eine<n> kleine<n> See, d«i»e<r> aber nie
so groß wird als der Bothnische Meer-
Busen, aber sie verlieren sich im Sande.
«Imgleichen» sind inn Persien und in Arabien
Flüße, die im Sande versincken. Eine solche
platte Form ist auch die Wüste Sara, die
aber keinen Abgang zu irgend einem
Meere hat. Alle platte Formen sind Sand-
wüsten. Wüsten nennt man Länder,
die bloße Einöden sind, oder die die
Menschen schon verlaßen haben, (von
diesen ist hier aber nicht die Rede, denn sie
sind nicht natürlich sondern zufällig).
Ein solches Land wird verlaßen, theils

/1. Wegen des Landes, theils auch

/2. Wegen des Klima, das nicht bewohnet
werden kann.

/   Indeßen

|P_68

/Indeßen kann der Boden auch gut seyn, es ist aber
beständig mit Schnee bedeckt. Von der Art ist
die Wüste Pargos in dem peruanischen Gebür-
gen. «Dergleichen» <@Eine@ Solche> Inhabitabilitaet <Unbewohnte> kommt auch von
dem feinen Sande her, welcher den Boden «total» <ganz>
unfruchtbar macht <.>, (obgleich der Graben immer
eine Fruchtbarkeit bey sich führet). Wenn man
von Aleppo nach Bagdad oder nach Anna rei-
set, so ist es alle«@warts@»<nthalben> als wenn man auf
einem weiten Meere wäre. Denn man
sieht keine Sandhügel, aber andere Berge, und
der Sand ist hier so flüchtig, daß es vom Win-
de hin und her beweget wird.

/ ≥ Von den Bergen

/Hier muß man die BergReiche und die BergKet-
ten bemercken. Einige Berge stehen isolirt; son«st»<->
sten stehen sie aber <%gewohnlich> im Zusammenhange,
und da haben sie einen Strich, aber die Kette
genand wird. Solche Gebürge haben einen
Hauptstand, wenn die BergKetten nach ver-
schiedenen Oertern aus lauffen ZE die Alpen-
Gebürge haben einen Hauptstand in der Schweitz,
und daraus lauffen die BergKetten Südwärts.
nach Italien Tyroll p aus, die größeste Haupt-
Kette fängt an vom Hauptstand. Der @Missuri@-
schen Gebürge. Es soll da wo sich dieses
Gebürge anfängt ein sehr großer Morrast

/   von

|P_69

/ohngefehr 80 Meilen sich befinden. Hernach wird
dieses Gebürge in Peru am höchsten, und heißt
das cordillerische Gebürge. In Chili ist es
schon niedriger, und endigt sich in der Magel-
lanischen Meerenge. In Afrika kennt man
die Gebürge nicht, «die» <%eine> Berg_Kette «da» ist ZE
das abyßinische Gebürge. In Marocco ist das
Atlas Gebürge, inde<ß>«ssen» diese Bergreiche kennt
man auch nicht völlig.

/In Europa sind die Bergreichen «in» <der> Pyrenaeen
in Spanien und Frankreich, die mit dem Tyro-
lischen in der Schweitz zusammen hängen. Weiter
«hernach» <%östlich> kommt der Taurus und Antitaurus,
als denn ist das Gebürge abgebrochen, wo-
@d«a»enn@ in wiederum das Gebürge Imaus anfängt.
Bey Petzaro am Oby_Strohm ist auch das
Ural_Gebürge.

/Bey diesen Bergen haben wir zu betrachten

/1. die Höhe derselben, und die ist verschieden
die größeste Höhe ist «von» <noch> nicht eine«r» deutsche«n»
Meile, «sondern» <%nämlich> sie beträgt <19.000> 240.000 Werkschuhe
perpendiculair über die Fläche des Meeres
erhaben, folglich kommt es schon dieser Höhe
sehr na«c»he. Der Berg Pico auf der Insell
Teneriffa scheint gewaltig hoch zu seyn, und
praesentirt sich majestätisch, «und zwar aus
der Ursache», weil er ganz allein steht. Er
ist 14.000 Pariser Fuß hoch, er ist weit in der
See zu sehen, und man kann seinen

/   Schatten

|P_70

/Schatten in der Luft auch sehr weit sehen. So
«ist auch der» <gibt es @%auch@ %den Pilatus_Berg, der <*> sehr klein ist;
weil er aber ganz isoliret stehet, <scheint er> dennoch
beträchtlich «vorkommt». Man bedient sich, um
diese Höhen zu meßen, außer der geometrischen
Art, auch des Bar«r»ometers wenn man
70 Fuß hoch steigt, so muß das Quecksilber;
nur eine Linie fallen, denn diese Schichte
von Luft wiegt eine Linie vom Quecksilber
«die»weil aber je höher ich komme, die Luft
immer weniger zusammen drückt, folglich
dünner wird, so kann man sich auf diese Rich-
tigkeit nicht verlaßen, «die»weil das Queck-
silber diesen Gesetzen nicht folgen kann.
Die HauptMerkwürdigkeit von der Höhe der
Berge ist.

/a) Die Kälte

/b) Die Dünnigkeit der Luft. (Diese Dünnigkeit auf
hohen Gebürgen ist von wenigem Einfluß
auf die Menschen.) Je niedriger der Boden ist,
je mehr Hitze hat er; in hohen Gebürgen
aber ist eine sehr große Kälte. Die Länder,
die nahe an der See liegen, haben *1 ein
wärme<re>s Clima, «bey alle in dem» <Im Sommer> haben <sie> «sich doch»
aber den Vortheil, daß sie von der See-
Luft abgekühlet werden. Die Alten hatten
die «Opinion» <%Meinung> daß unter dem Aequator, die
Länder unwohnbar seyn müsten. Sie kann«d»ten
Aegypten die Hitze war da unermeßlich groß, da-
her sagten sie, werden wir nun weiter bis
unter den Aequator kommen, so würden wir

/   es ~

|P_70

/δ_Z_02

/%gegen %den %vorigen

/δ_Z_23

/*1 im Winter ~

|P_71

/es gar nicht aushalten, die«se» war aber falsch
geschloßen. In der Gegend unter dem Ae-
quator verändert die Sonne ihren Platz.
Der Winkel, den die Eclypsie mit dem
Aequator macht <bewürkt «dieses macht»> daß sich die«se» Sonne in wenig
Tagen vom Aequator entfernt, (Also um
der Zeit des Solstitii verändert sie ihren
Ort,) und dieses macht auch, daß unter dem
Aequator nicht solche Hitze ist, als es in den«en»
Ländern, die nicht weit davon entfernt
sind d. h. in den Tropicis, hieraus sind
zu erklähren.

/2. Die SchneeGebürge: Das Thal zwischen den
cordilerischenGebürgen heißt Quit«t»o. Dieses
liegt 12000 Fuß höher als die SeeKüste, folglich
ist dies eine Höhe, in welcher bey uns
der Schee liegt und nicht mehr schmilzt.

/Der Punkt, den man in Ansehung der
Höhe und Kälte annimmt, oder wo man die
Kälte zu beobachten p«f»flegt, ist derjenige, wo
der Schnee nicht mehr schmilzt. Die Höhe
in welcher der Schnee schmilzt, ist in verschie-
denen climatibus auch verschieden. Indeßen
hat man gefunden, daß in einer Höhe von
15000 Werkschuh auch selbst unter dem Ae-
quator
der Schnee nicht mehr schmilzt. Da
er nun also gar nicht schmilzt, sondern
dazu immer angehäuft wird, so sind einige

/   auf

|P_72

/auf die Gedancken gekommen zu behaupten, daß es
einen ewigen Schnee gebe. Man muß aber be-
merken, daß diese Schneeberge auch durch den
geringsten Wind ihre Haltung verlieren, «die»
als dann herabstürzen, und sehr großen Schaden
verrichten. Wenn man die Schneeschichten
<%durch> gräbt, so kann man die Schichten des vorigen
Jahres«,» von der sich in diesem Jahr angehäuften
Schichte recht gut unterscheiden. Der Schnee
dunstet auch immer aus. Auf der Spitze hoher
Berge schmilzet er sehr wenig, indessen rührt
dieses Abschmeltzen mehr von dem warmen
Winde als von der Sonne her. Diese Win«n»de
steigen doch aber auch nicht bis zu einer
sehr großen Höhe. Der Schneesturm ist eine
Lauine, die entweder

/a. Staub_Lauine oder

/b. Rollende_Lauine ist.

/Die Staub_Lauine ist, wenn ein «sich» nicht nicht
dicht gesetzter fester> Schneeberg von den Win-
den <fort>«hin»gerissen wird, und ganze Ge-
genden bedecket.

/Die rollenden Lauine aber <entsteht>, wen von oben ein
mittelmäßiger Schneeberg herabrollt, an
andere klebt, und indem er diesen
wiederum mitnimmt, immer größer
wird, und wie ein Ball aussiehet, so daß
er, wenn er herunter kommt, Bäume, Häu-
ser, ja wohl ganze Dörfer zu Grunde
richtet.

/   3.

|P_73

/3. die EißGebirge nennt man diejenigen, die
einen ewigen Schnee behalten. Von der
Art ist das Tyrolische Gebirge und in der
Schweitz das St._Gotthardts_Gebürge, welches
sich durch das Walliserland bis an d«as»<en> Kanton
Bern erstreckt. Das Eiß ist klar, und von
verschiedenen Formen als Eißtaffeln, Eißthür-
men woraus die größesten Flüße entsprin-
gen. Auf den Eißtaffeln stehen die Eiß-
thürme von einer sehr großen Höhe, und
verschiedener Gestalt. Viele sind von bläu-
lichten Farben, andere aber ganz klar.
Die da zu rauchen scheinen, wenn die Sonne
darauf scheint. Die Thäler dieser Eißberge
enthalten Eiß Meere. Die EißMeere in der
Schweitz sind fast ganz mit Eiß bedeckt.
Die Eißthürme müssen unterschieden werden
von den Eißbe<r>gen, denn diese leztern
sind diejenigen, die allein stehen und ganz klar
klar <%sind> «seyn». Sie sind öfters über 6.000 Fuß
hoch.*1 Die Eißthürme entstehen auf folgende
Art nemlich aus der Oefnung der Gebürge
dehnet sich eine Eißtaffel aus, die 100 Fuß
und darüber dick ist, wenn nun hernach
wieder, aus dem Innwendigen der Gebürge
Waßer kommt, so schmilzt es das Eiß weg, und
nur das Harte bleibt übrig, woraus die
Thürme entstehen. Ist die Kälte größer

/als

|P_73R

/δ_Z_21

/*1 <die Beschreibung ist %.nicht ganz deutl%.ich>

|P_74

/als das Schmelzwasser, so wächset die Taffel, die
Thürme werden aber nicht größer. Dahingegen
ist das Schmelzwaßer stark, und die Kälte
nicht, dann sind die Eißthürme hoch¿

/Das Wort Alp bedeutet in der Schweitz die Vieh-
weide auf hohen Bergen, und daher kommt der
Nahme die Alpengebürge. Die Alpen
oder Viehweiden erstrecken sich bis an die
Eißtaffeln. | Das Eiß in der Schweitz nimmt
jetzt nach und nach zu, und andere wie-
derum ab. Denn daß da vorher eine Wär-
me gewesen ist, das siehet man noch an
denen Produkten und Gewächsen.|

/Das Gl«i»<e>tscherEiß scheint eine blaue Farbe zu haben
und ist auch härter als das andere. Wenn
man dies Eiß in einer Schüssel an einen <warmen> Ort
hinsezt, so bedarf es wenigstens 10 Stunden,
ehe es schmilzt, obgleich das andere in weit
kürzerer Zeit schmilzt. Dieses Eiß ist also nicht
ein gemeines Eiß. Imgleichen hat das Waßer in
den warmen Brunnen, welches schon von
Natur etwas heiß ist, diese Eigenschaft an
sich, daß es wenn es gekocht werden soll
eben so lange Zeit «dazu» erfordert, als ein
anderes kaltes Wasser, weil diese seine
natürliche Wärme, dazu nichts beyträgt.
Und wiederum, um es kalt zu machen be-
darf man mehrere Zeit, als zu einem andern
Waßer. Es muß also durch eine Gährung
darin ein principium der Erzeugung der Wär-

/me

|P_75

/me enthalten seyn. Dieses principium ist ein
chimisches principium, weil es eine gewiße
Säure beÿ sich hat, die die Kälte unterhält.
(die Eißberger gehen darin, um die weiße
Bären zu tödten). Dieses Eiß und <der> Schnee haben
in Ansehung des flachen Landes einen großen
Nutzen. Sie «be»speisen die Flüße besonders
wenn die Wärme in die Gebürge dringt,
«daß sie es dann» <%.und dieselben> schmelzte«n».
Hohe Berge zeigen folgende Phoenomena

/1. dünne

/2. reine %.und

/3. heite<re> Luft.

/Was die Dünnheit der Luft an betrifft, so mer-
ken wir, daß sie der Gesundheit sehr %.zuträglich
ist, und besonders am Umlauffe des Blutes.
Die franzosischen Academici hielten sich 3 Wo-
chen auf den cordilerischen Gebürgen auf
und zwar bey einer sehr strengen Kälte;
da brandte das Feuer eben so lebhaft, als
in der untern Luft. Doch haben sie auch noch
bemerkt, daß noch 100 Fuß über ihnen Adler
geflogen seyn, «da»<wo>raus man also siehet, daß
die Vögel durch diese Dünnheit der Luft in
ihrem Fluge gar nicht gehindert werden.

/Da wo sie äußerst dünne ist, da ist auch die
beste BlutMischung und folglich auch die Ge-
sundheit. Dieses führt man auch als eine Ursache
von«m» dem Heimweh der Schweitzer an, die sich
auch mit Verz«ä»<e>hrung <aller> ihrer Kräfte nach ihrem
Vaterlande sehnen. Die Meinung aber, daß sie sol-

/ches

|P_76

/ches Verlangen tragen, blos aus Begierde, diese
Luft zu genießen, ist ganz falsch. Denn die
Verbindungen der Fami«e»lien ist die einzige
Ursache da von (Lithauer und Pommern
haben auch ein solches Heimweh«e»)

/Diese Dünnheit der Luft «hat zu ihrer Würkung»
die Reinigkeit, Heiterkeit und Durchsichtigkeit
ZE die Milchstraße und auch die einzelnen Ster-
ne darinn, kann man daselbst gleichsam
wie <in> ein<em> Meere «davon» <«deutlich<schwimmen> sehen, da sie doch
bey uns wenig zu bemerken sind (Der
Pilatus_Berg hat auch eine Höhle, vor dieser
ist ein Absatz und unter diesem an einer
Seite eine Oefnung. «)» Diese Höhle gehet
über 100 Ruthen quer durch den ganzen
Berg. Über der Oefnung der Höhle ist
ein überhangender Fels, an dem man, wenn
man die Höhle beobachten will ein Seil
«auf wirft» <befestigt>, %.und sich alsdenn darauf vor der Höhle
schwingen kann, da man alsdenn die Höhlen
sowohl, als die sich daselbst <%sich> befindenden Säulen
besehen kann. Man hat aber dabey nicht
bedacht, daß das Seil durch das Reiben an
einen scharfen Fels immer dünner wird. Daher
ist auf solche Art, indem das Seil entzwei«y»
gieng, ein Beobachter «während» <bei> dem Stürtzen
vom Felsen ganz zerschmettert.)

/Die Wolken erreichen die Spitzen der Schnee-
Berge, aber die Wolken, die Gewitter bey
sich führen, «die» gehen weit niediger. Auf
den Spitzen hoher Berge sieht man die Ge-

/witter

|P_76R

/δ_Z_7

/<hat %.zugleich im Gefolge>

/δ_Z_20

/<hin %.und her>

|P_77

/witter Wolken «,» unter seinen Füßen, indem der
Blitz unterwarts führet. Die Berge scheinen
die Wolken auch an sich zu ziehen, sie können
als hohe hervorragende Oblisken angesehen
werden, um welche sich die «Berge» {3- Wolken -3} anhängen.
Ueberhaupt <ziehen> emporstehende Gegenstände «ziehen»
mehr als eine ebene Fläche «,» die electrische
Materie a«uch»<n> sich. Die Gebür«¿»ge sind auch die
wahre<n> M«u»<ü>tter der Wälder, die von da in
die Ebenen herabgestiegen zu seyn scheinen.

/ ≥ Von den Höhlen. ≤

/Die größeste Höhlen sind in großen Gebürgen
und nicht in platten Landen. Wie dieselben
entstanden, ist schwer zu bestimmen. Es giebt
Höhlen, die

/1. Natürlich

/2. Künstlich sind, und noch könnte man hinzu-
setzen

/3. Natürliche die aber verbeßert sind.

/δδ_sigle1_hebräisch Unter die Natürliche können wir rechnen

/a. die Arnsbergische <*, die an SteyerMark
grenzt. Sie betragt ohngefehr Eine Meile
und ist sehr abschüßig.

/b. die BauManns Höhle im Harz Gebürge.
Daselbst siehet man allerhand Säulen und
Figuren, die von de«n»<m> «Stein»Tropf«en»<-Stein> er-
zeugt sind, welcher von der Decke des
Gewölbes <in Wassertropfen> herunter fallen, %.und

/C.

|P_77R

/δ_Z_21

/<%vielleicht «W» Arlsbergische>

|P_78

/C. die Drachen_Höhle, worinnen eine außerordentliche
die Kälte ist, besonders im Sommer, wenn die Luft
warm ist. *1 Z. B. zu Selitz in OberUngarn
am Carpatischen Gebürge.*2 Diese Höhle
hat eine Oefnung gegen Mittag, so geräu-
mig, wie ein großes Thor, wo man
Stüke Eiß herabhangen siehet, die eine Dicke
haben welche der Dicke breiter Fäßer
gleich kommt. Dieses Eiß welches im Som-
mer fest und gefrohren ist, «das» «schwizt» <schmilzt>,
wenn der Winter ankommt.

/Um etwas in der Wärme kalt zu erhal-
ten, hat man ein Chymisches Mittel, nemlich
wenn man die Kälte durch Salmiak
Küchensaltz p hervorbringt. Indeßen giebt
es doch noch ein anderes Mittel, und
dieses ist: Man schlägt um die Flasche
in der man etwas kalt und frisch aufbe-
halten will naße Tücher, verstopft sie
und hängt sie in die frische Luft. Wenn
die Luft frisch und trocken ist, so bleibt
auch das Getränke recht kalt. Die
Spanier, sollen es wenn sie nach Manilla
reisen, thun. Die Bauren in Ungarn
haben dazu wieder ein anderes Mittel,
nemlich sie vergraben es Fuß tief in
die Erde decken es zu %.und machen darauf
Feuer darüber und lassen die Kohlen ent-
weder noch darauf wenn sie es kalt er-
halten wollen oder sie nehmen sie weg

/wenn

|P_78R

/δ_Z_3

/<*1 wahrscheinl%.ich ist dies die
Ortsbezeich%.nung der Höle, %.und
z. E. @%außweg@>

|P_79

/wenn sie das Getränke gleich wieder ausgraben
wollen. Die Ursache «davon», daß auf solche
Art das Getränke kalt wird, ist: Von unten
aus der Erde steigt alle Wärme in die Höhe;
indem sie sich zum Feuer ziehet, «folglich» bleibt
«da» nur lauter Kälte.

/P. Pallas führet eine Höhle an, die eine außer-
ordentliche Kälte bey sich führet. Er merket
als eine Ursache davon an, daß «alle» <diese Höhle>«n»
in Alabaster und Gypssteinen liege«n», woher
es also komme, daß das Waßer daselbst recht
kalt «ist» <sey>, welche Kälte nicht blos daher kommt,
weil das Waßer aus der Tieffe der Quelle
kömmt, sondern besonders, weil es über sol-
che Gypssteine flüßt. Gypsstein <%.natürlich¿> ist ein Kalk-
stein vermischt mit Vitriol-Säure. Vitriol
bringt aber Kälte hervor, wenn er mit
Waßer vermischt wird.

/δδ_sigle2_Hebräisch Viele Höhlen sind auch durch Menschen Hande
angelegt worden, darunter ZE die Salz Werke
gehören, wovon die vornehmsten sind:

/1. das SalzWerk von Wolhinia und Wi<e>li«¿»cz<k>a in
Pohlen und zwar ohnweit Warschau. Sie gehen
in so große Tiefe «her»<hin>ab, daß der ganze
Umkreyß eine QuadratMeile beträgt. Sie sol-
len 700 bis 800 Faden perpendiculaire Tiefe
haben.

/2. Bey Mastrich ist auch ein«es» <Salzwerk>, wo ein ordentlicher
Handel mit Bremen und Schweden geführet wird.
Man fährt daselbst beständig mit großen Wagen«s»

/herein

|P_79R

/δ_Z_4

/<in der Stelle des Vergrabnen>

|P_80

herein», (und siehet auch Spuhren, von der vorigen
Farth, aus denen man schlüßen kann, daß
die Höhle damahls noch nicht so tief war.) Jezt
siehet man «aber», daß sie immer tiefer und
zwar Gewölbeförmig wird. Es ist daselbst eine
sehr große Menge von hohen Säulen, «al»so daß
man sie fü«h»r ein Labyrinth ansehen kann. In den
Steinkohleberg«en»<werken> befinden sich auch solche Höhlen,
welche entstanden sind, indem man immer tiefer
gegraben hat. Diese gehen unter tiefe«n»r See«n»
fort, über welche die größ«e»sten Krieges-
Schiffe «reisen» <hinfahren>.

/Jezt frägt es sich: Ob es, wenn man immer tiefer
in die Erde gräbt, wärmer oder kälter wird?
Ein großer Naturlehrer Jacob Bernouille ist
der Meinung, daß im «i»<I>nwendigen der Erde
eine gleichformige Wärme sey. Diese mittleren
Grade der Wärme wollte er gerne aus-
fündig machen. In dem Observations-Keller
in Paris, welcher 70 Fuß tief ist, hängt ein
Thermometer, nach dem man bemerkt hat,
daß die Differentz des Winters und des Sommers
Einen Grad betrage. In den Gebürgen
von Boussilon hat er in «dessen» <der> Höhle, welche
500 bis 700 Fuß tief ist, bemerkt, daß die
Luft daselbst temperirt ist und ohngefehr
die Wärme von 52_1/2; Grad nach den Fah-
renheitschen Thermometer beträgt. Aus diesem

/will

|P_80R

/δ_Z_24

/<Roussilon>

|P_81

/will er auch schlüßen, daß sich eine gleichformige
Wärme im Inwendigen der Erde befinde.
In dem Harz Geburge ist ein (Remmels)berg,
in dem sich ein Schacht von einer %.betrachtlichen Tiefe
befindet. Daselbst ist eine solche Wärme, daß
man gleich seine Kleider ablegen muß, wenn
man daselbst hinkommt. An dem Schacht ist «gleich»
eine Quelle, deren Waßer ist<2> Eißkalt<1>, <so> daß
man es kaum trinken kann. Diese große
Kälte des Waßers kommt bloß daher, weil
die QuellAdern über Alabaster flüßen.
Da«ß»s Waßer aber, das über Kieß flüßt, «das»
führet eine gewaltige Hitze bey sich, weil
der Kieß Schwefel_Theilchen«s» in sich enthält.
Auch in Berg-Werken, wo es viele Schwefel_Schich-
ten giebt, ist eine starke Hitze zu vermuthen.

/

/ ≥ Vom Erdbeben. ≤
Daß es sehr tiefe und weit ausgestreckte Höhlen
in der Erde giebt, «das» ersehen wir an den
Phaenomen«is»<en> des Erdbebens. Vor dem Erdbe-
ben gehen folgende Kennzeichen vorher.

/1. Eine ziemliche Stille in der Luft, als wenn
feurige LuftErscheinungen zu erwarten sind.
Dieses kommt daher, weil alsdenn Dämpfe
entspringen, (und «al»so die Ursachen von diesen
Würkungen seyn.)

/2.

|P_82

/2. Alle Thiere gerathen in Unruhe. Die Katzen und
Mäuse kommen aus ihren Löchern hervor, über-
haupt Pferde und andere Thiere in den«en»
Stallungen werden sehr unruhig. Die
Menschen fühlen eine gewiße Verwunderung,
ein gewißer Schwindel fällt sie an.
Was die Phaenomena des Erdbebens selbst betrifft,
so sind dabey zu bemerken.

/a. die Schwankungen des Bodens, und

/b. die Stöße des Erdbebens.

/Die Schwankung «zeigt»<2> wird<1> nicht an allen Orten
gemerkt, besonders auf ebenen Flächen nicht
so, wie auf hohen *1 Thürme«e»n. Der Stoß
wird aber aller«wärts»<nthalben> gefühlt, vornehmlich
bedient man sich des Ausdrucks: das Erdbe-
in *2 Mauervesten Gebäuden. Die Schwankun-
gen geschehen nach gewißen Gegenden, und
bedient man sich des Ausdrucks: das Erdbe-
ben hat seinen Strich entweder von Morgen
gegen Abend, oder <in %anderer Richtung>. <(> a Das Waßer zeigt «auch» die
Schwankungen des Erdbebens<)> Diese Schwan-
kungen sind die Ursachen von den großen
Verwüstungen und Zerrüttungen. Denn sobald
ein Gegenstand geschwenkt wird, «dann» ist er
auch in Gefahr zerrüttet zu werden. Wenn
das Erdbeben die Richtung hat, so wie die
Häuser in der Reihe stehen, so werden
alle Häuser umgestoßen, «da»weil «wenn» eines
<%.das andre niederstößt> «aufgehoben wird, so muß nothwendig das
@anderie@ niedersinken.
» Indessen, wenn «es» <der Stoß> quer
<%.durch die Straße %.von %.einer Seite zur andren hin-> «durch»gehet, dann pflegt nur Eins in Gefahr zu stehen.

/In

|P_82R

/δ_Z_12

/<%gleich stark>

/δ_Z_13

/<*1 %.natürlich @δ_sigle3@ machts auf Thür-
men größere Schwingungen
als unten %auf der Ebene>

/δ_Z_15

/<*2 sie sind aber durch ihre %.Festig¥
keit %.nicht
im Stande die Stöße %durchzugeben>

|P_83

/In Peru, wo es öftere Erdbeben giebt, lachten
die Peruaner, als die Spanier sich daselbst große
Häuser von Steinen baueten, und sagten ihnen:
daß sie sich Gräber bauten, welches auch würk-
lich zur Zeit eines Erdbebens erfüllet wurde,
weil die Häuser, die hoch von Steinen aufge-
bauet <%.sind> «seyn», «dadurch einer desto großeren»
Gefahr ausgesetzt sind.»

/Die Erdbeben sind im Inwendigen der Länder nicht
<so> merklich als an den Küsten z. B. in Sicilien
wo der Vesuvius nicht weit von den Küsten
entfernt ist. Preußen ist zwar nahe an den
Seeküsten; es ist aber von allen Gebürgen
weit entfernt, und so ist auch Lithauen und
Pohlen.

/Die Physi«ci»<ker> sind darüber uneinig, ob die Ursache von
dem Erdbeben in der Oberfläche oder ob sie tief
in der Erde anzutreffen ist. Lehmann behauptet, daß
die Ursache davon in der Oberfläche steckt, und
zwar erklähret er es auf folgende Art. Er sag«e»t:
Man findet Kieß in der Erde, der so aussiehet
wie Messing, mehr weißlich auch gelblicht und
stahlfärbig«t».Dieser Kieß enthält Schwefel und
Eisentheile, welche wenn sie naß werden
und verwittern sich gleich erhitzen und in Brandt
gerathen. «Nun» «¿»In der Erde <nun> liegen ganze Lagen

/von

|P_83R

/δ_Z_7

/<größere %.und stärkere Schwan-
gungen leiden, als kleinere %.und leichter
gebaute>

|P_84

/von solcher Materie, «so» die sich gleich erhitzen; <dies> «welche man
sehen kann
» an warmen Brunnen, «da»<wo>von Quel-
Adern über solchen Kieß lauffen. Indessen ist
dies nicht ein zureichender Grund. (Denn wenn
das wäre, so kann man daraus erklähren
den Zusammenhang und die Geschwindigkeit des
Erdbebens.) Die Ursache muß also tief in der
Erde seyn, von wo Kanäle nach andern Ge-
genden aus«h»gehen. Unsere Erde ist im An-
fange der Welt in allen ihren Theilen flü-
ßig gewesen, woher auch die A«p»bplattung der-
selben herkommt, welches an jedem Körper
zu sehen ist, welcher, wen er vorher flüßig
war, diese Figur bekommt. Wenn nun die
Erde fest geworden ist, ist sie es <zu>erst«lich»
auf der Oberflache, oder im Innwendigen
geworden? Auf der Oberflache, und dann
nach und nach im Innwendigen. «ZE» Eine
Mauer von einigen F«ü»uß«en» muß 30 Jahre
Zeit haben, um völlig auszutroknen.

/2. Ist die Erde schon jetzt bis auf ihren Mittel-
punkt vest geworden oder ist das centrum noch bis jezt im
chaotischen Zustande?

/Das kann kein Mensch ausmachen, indeßen ist es
sehr wahrscheinlich, daß ein so großer Körper; deßen
Durchschnitt 1720 Meilen ist, eine sehr lange Reihe
von Jahrhunderten bedarf«,» zu seinem Trokenen,
folglich muthmaßt man, daß die Erde bis zu ihrem

/Centro

|P_85

/Centro noch nicht sey<2> vest geworden<1>. Aber wenn
sie auch bis zu ihrem Centro wird vest gewor-
den seyn, dann wird sie auch unbewohnbar
seyn.*1 Daraus kann das Erdbeben am besten
erklähret werden. Denn weil die Oberfläche
vest ist, so kann darauf keine Veränderung
geschehen als diejenige, die durch die Sonne
und den Mond gewürket wird. Wir müßen
uns also vorstellen, daß das Centrum unserer
Erde noch gähret, und daß sich daselbst noch
immer die <feste Materie> von der chaotischen «Materie» ab-
sondert. -

/Das Getöse des Erdbebens wird verglichen:

/1. Mit einem schwer beladenen Wagen, der auf
einem gepflasterten Wege fähret, und

/2. Mit einem unterirdischen Sturmwinde. Dieses
Erdbeben gehet auch bis in den Seegrund,
die Schiffe werden so sehr und so plözlich
erschüttert, daß alles darauf prassellt,
und daß öfters alle Taue reißen. (Die
Communication dieses Erdbebens zeigt be-
sonders, daß die Ursach davon nicht über
uns, folglich nicht in der Sonne und im
Monde; sondern unter uns im Innwen-
digen der Erde zu suchen sey.

/Von

|P_85R

/δ_Z_3

/*1 <Das könnte @%wieder@ so gefolgert
werden: da die Erde die für ihre
bewohner nöthige Wärme %.aus
%.sich %.selbst zu entwikeln scheint, in-
dem %.vielleicht die flüßige, %.chaotische
Materie, im Kampf %.mit der
festen, Hitze erzeugt«,»: so
würde, diese Erklärung der Wär-
me zugegeben, die Erde wegen
Kälte unbewohnbar werden,
wenn beim Mangel der flüssigen
%.chaotischen Matrie, %.auch %.ein %.gänzlicher
Mangel der Lebenswärme %einträte.>

|P_86

/ ≥ Von den feuerspeyenden Bergen ≤

/Die Erdbeben stehen im Zusammenhange mit
den Feuerspeyenden Bergen. Wenn die
Erde ZE bey Neapel bebet so hört der Vesu-
viusauf. Die Erdbeben geben auf ein-
mahl nicht viel Erschütterungen sondern ein
Erdbeben dauret 10 bis 12 secunden, alsdann
fängt wieder ein neues an.

/Die Ausbrüche der Feuerspeyenden Berge geschehen
aus den Spitzen derselben, und die erste Ma-
terie, die ausgebrochen wird, ist weich, welche
in Wasser aufgelöset wird. Diese Berge;
welche nicht«s» anders als durch Erdbeben
entstanden sind, bestehen aus solchen Lage«e»n
der Erde, die alle weich waren, und hernach
hart geworden. Der Vesuvius selbst bestehet
aus Schichten, die aus dem Waßer «ge»<er>zeuget
sind, denn wäre er nicht auf solche Art
entstanden, so müßte der Ausbruch nicht
durch die Spitze, sondern durch einen nähern
Weg geschehen. Ueberhaupt alle Berge, die aus
ihrer Mündung Feuer speyen, «sich auch» <%sind> eben <so> «dar-
aus
» entstanden. Bey der Insell Sarino ist eine
neue Insell entstanden, die aus lauter solche<r>
Materie bestehet als die feuerspeyende Berge <enthalten>.
In Europa, wenn Island dazu gerechnet werden

/kann

|P_86R

/δ_Z_5

/*1 <zu speien, oder zu rauch%en>

|P_87

/kann, haben wir 3 feuerspeyende Berge.

/1. Hecla, der viele Nebenberge hat, die auch Feuer
speyen z. B. der Grablo

/2. Vesuvius %.und

/3 Aetna in Italien.

/Der Aetna ist der Vater von allen Feuerspeyen-
den Bergen. Denn an ihm siehet man den
ganzen Reichthum des Auswurfs der Mate-
rien. Er hat 12.000 Fuß perpendiculaire Höhe
und seine Spitze ist beständig mit Schnee bedekt.
In seiner Basis betragt er 4 Meilen. Man
hat 1 1/2 Tage Reise, ehe man seine Spitze
erreichet, von unten kann man sie gar
nicht sehen.

/Die Mündung an seiner Spitze heißt der Crater.
(Außer diesem Crater sind «durch seine Abschü-
ßigkeit
» eruptiones, davon einige so hoch, und
auch höher sind, als er selbst, und welche«,»
gleichsam alle Crater«s» haben.)

/Es sind Jahrhunderte gewesen, wo sie gar nicht
gespieen haben. Im 12ten Saeculo hat <der> Vesuv«ius»
aufgehöret zu speyen; damahls wuchsen Wäl-
der darauf, worin sich wilde Thiere be-
fanden. In der Folge der Zeit aber entstand
ein Erdbeben, und kurz darauf hat der
Berg angefangen zu speyen, so daß dadurch

/gar

|P_88

gar erbärmliche»<%.furchtbare> Zerrüttungen <verursacht %wurden> «geschehen seyn». So
weit die romische Geschichte reicht, so weit
findet man daß <der> Aetna immer gespieen
hat, aber <der> Vesuv«ius» nicht. <Schon> Vor Erbauung der
Stadt Rom soll er gespieen haben, wie
auch einige Auctore«s»<n> die Spuhren davon be-
schrieben haben.

/Der Aetna hat zur Seite große Eruptiones,
davon einige großer sind als der Vesuvius
und die als seine Kinder anzusehen sind.
Bey Eger und Hessen siehet man Spuhren
von solchen Craters und in Cöln wird eine
SteinErde oder überschwemmte Asche, aus de«m»<n>
Feuerspeyenden Berge<n>, welche Tarecco ge-
nand wird, (au«s»<ch> Tuffi wird <%sie> genan«d»<t>) an die
Holländer verkauft. Damit kann man*1 «unterm
Waßer
» mauern, und «es gehet» <diese Erde löst %.sich> nicht auf, sondern
«es» wird vielmahls härter. (In solchen Feuerspeyen-
den Bergen kocht es so sehr, daß ein Stoß
in Neapel sehr weit gehöret werden kann.)
Der Rauch ist electrisch, und fast gefährlicher als
der <Aus>Bruch selbst. Vor dem Feuerspeyen gehet
immer ein Platz_Regen vor«bey»<her>. Zur Zeit
des Speyens des Vesuvii sind viele Städte
überschüttet worden, darunter unter andern
Herculeanum gehöret, «wozu man sich noch»

durch»

|P_88R

/δ_Z_16

/*1 <die Mauern, die %unter Wasser
zu stehen kommen>

|P_89

durch»<wo %man %durch> gegraben; und verschiedene Schriften ge-
funden <hat>, die aber, weil sie von der Hitze
ganz Mürbe geworden sind, nicht <gut> «hat» <ge>lesen
<werden> können. Es mag vielen Städten so gegangen
seyn, von denen wir nichts wißen, «welches» wir <können dies wenigstens>
«doch aber» aus den Spuhren von solchen gro-
ßen Revolutionen schlüßen «können». Das was
die feuerspeyenden Berge auswerfen, heißet
Lava, und das ist ein Strohm von zusammenge-
schmolzenen Metallen, welcher plözlich hervorbricht
und sich alsdann herabläßt. «Es»<Sie> ist als eine Schwefel
Wolke anzusehen, die sich 2 bis 3 italiänische Meilen
weit <fort>schiebet. Der Aetna hat so viel Lava aus-
geworfen, daß davon 3 bis 6 solche großen Ber-
ge könnten gemacht werden als der Vesuvius
selbst. Am Tage siehet sie, wenn sie auch glühet
nur wie Rauch aus, bey Nachtzeit aber, als wenn
es lauter Feuer wären. Wenn die Lava hart
wird, dann kann man sie so, wie die
Steine gebrauchen, so wie auch in Neapel
die Straßen damit gepflastert sind (die
Lava von Aetna ist poreuse)

/(Man hat dem St. Agatus und St. Jannarius zur
Ehre eine Geschichte aufbehalten, daß nemlich)
bey Gelegenheit des Feuerspeyens bey der Stadt
Catania, welche gar keinen Hafen hatte, «mit»<welcher durch> die-
se«r» Lava einer von den prachtigsten Häfen
«ist» gemacht «worden», indem sie sich nicht weit

/von

|P_90

/von dieser Stadt in die See h«er»<in>unter gelaßen
hat. Zum andern mahl aber kam wieder
eine andere Lava, welche ihn wieder«um»
ausfüllete, und folglich auf solche Art %.gänzlich
unbrauchbar machte.

/Die Asche aus den Feuerspeyenden Bergen giebt
hernach den schönsten <Boden> und macht denselben
überaus fruchtbar. Die Lava ist ofters auch
sehr hoch, so daß sie großen Bergen nichts nach-
giebt.

/ ≥ Von dem Waßer, das zum festen Lande
gehöret. ≤

/Flüße, See und Morraste sind dasjenige Waßer,
das zum festen Lande gehöret. Der Morrast
unterscheidet sich von den Seen darin«nen»,
daß <er> wenn er tiefer wäre, «so würde er»
auch einst See seyn <würde>. Das Waßer des festen
Landes kommt aus den Quellen und der physi-
sche Ursprung derselben ist gar nicht schwer
einzusehen. Wenn die Erde ein Schutthaufen
von allerley Materien wäre, so wäre
auch keine Quelle, so wie solches an de«n»r
Insel«n» Ascension zu sehen ist. Sie ist ein
verbrandter Fels, oder ein über einander ge-
häufter Hauffen, folglich ist es «gleich» natürlich,
daß daselbst keine Quelle entspringen kann.
Nun ist die Erde nicht so beschaffen, sondern sie

/liegt

|P_91

/liegt vornehmlich nach gewißen Schichten. Je «mit»
flüchtige«n»<r> «Lagen» man die Erde übersiehet
desto weniger wird man gewahr, wenn man
aber untersucht, <so findet %sich>, daß daselbst alles in einer <gewissen>
Ordnung über einander liegt.

d»Die «d»DammErde ist die oberste Fläche von der schwar-
zen Erde. Bey uns ist diese oberste Platte
sehr klein, unter dieser befindet sich der
Lehm, welcher als ein Gewachs von der sich unter
ihm befindenden todten Erde anzusehen ist.

/Eben so kann auch <%.das> «a» flüchtige Alcali welches
sich in aller Kreide und Kalk befindet, zum
Thierreiche gerechnet worden. Nach dieser Ge-
wächs_Erde kommen die Schichten, diese halten
nicht beständige eine «gewiße» <bestimmte> Ordnung, sondern
sie sind nach gewißen Gegenden auch in
verschiedener Ordnung befindlich. Diese Erdlagen
liegen so über einander, wie die Blätter
in einem Buch. (Was ein Stratum <Schichte> «von» <an>
Einem Ort «vor» <für> eine Dicke hat, dieselbe
hat es <%nicht> auch an einem andern; soweit als sich das-<dieselbe>
selbe erstreckt.) Diese Lager«n» sind öfters von
sehr großer Dicke, und diese Dicke wird hier
die Mächtigkeit genand. <- Man nehme an:>

/An einem Orte «ist» <sei> ein mächtiges Lager von
Thon, hernach folg«t»<e> ein 10 Fuß dicker Kieß,
hierauf eine Schichte von Kalk <u.s.w.> «und» <Hiebei 2> man findet <1>
<%.gewöhnlich> «ordinaire», daß sich diese Lager«n» der specifi-
schen Schwere nähern. Die Lager woraus die

/Erde

|P_92

/Erde bestehet, liegen nicht horizontal, sondern sie
incliniren «sich» so, wie die Landes Flächen. Die
Quellen sind aber die Gänge, die, sich das Waßer
zwischen Schichten durchbohret. Ein guter vester
Thon läßt sie nicht <leicht> «gern» durch; da die Lager«n»
aber abschüßig sind, so flüßet es auch na-
türlich dahin, wo dieselben incliniren. Wo
die Quelladern zum Ausbruch oder wie
man es nennt an den Tag kommen, da
machen sie einen Bach. Wenn viele Quelladern
ausbrechen, dann entstehen auch viele Bäche
und wenn sich diese wieder vereinigen,
so geben sie Ströhme oder Flüße.

/Wenn ich eine Quellader durch das Graben durch-
schneide, so mache ich einen Brunnen. Das die
Quelladern sehr viel Waßer den Strohmen
zuführen, kann man daraus sehen, daß
wenn ein Fluß ziemlich abnimmt, in Ansehung
seines «äußern» <eigenen, eigentl%.ichen> Waßers, so führen sie ihm
doch immer so viel zu, daß «also» der Strohm
nie aufhören kann zu flüßen. Hin
und wieder entspringen auch solche Quell-
adern aus dem Grunde des Meeres z. B. bey
dem Orte Elcatiff, wo man frisches trink-
bares Waßer auch aus dem Grunde des
Meeres hervorholen kann.

/Alles Quellwaßer «kommt» <entsteht> «von» <%aus> der Luft. Eini-
ge glauben, daß die Berge d«e»<a>s Waßer«s» vom
Ocean, so wie ein Stück Zucker in sich ziehen

/und

|P_93

/und hernach herauslaßen, daraus läßt sich aber
nichts erklähren. In der ganzen Welt ist keine
Quelle oder Brunnen anders möglich, als
wenn das Land rund herum höher lieget,
als die Quelle «über» <oder> de«n»<r> Brunnen. In Gebürgen
ist alles voll Quellen weil sie alle höher sind
als das Land an sich. In ebenen Flächen kann
es auch viele Quellen geben, welche jedoch
«aber» <immer> aus einer Höhe entspringen, obgleich sie
weit davon entfernt seyn mögen. Von
der Art sind die Brunnen in Afrika, und
Arabien. Diese sind in diesen Ländern mit
sehr großer Mühe von der ganzen Nation
gegraben. Diese Brunnen werden daselbst
auf folgende Art angelegt. Man gräbt Stuffen-
weise bis 100 Fuß tief in die Erde, und zwar
so, daß es nach unten zu immer enger
wird. Man muß daselbst sehr tief graben
ehe man auf die Schichten kommt. Dieses
kommt daher: Weil hier ehemahl«en»s ein innlän-
disches Meer war, von dem sich eine so
große Sandschichte gesezet hat, «in» <@δ_sigle3@> «welche»
das Waßer ganz perpendiculair«e» bis an
die Erde dringt. Man muß also erstlich
diese Sandschichten «unter»<%durch>graben, und dann
kommt man auf die abschüßige Schichten, worin«-
nen
» man alsdenn Quellen findet. Die
rußischen Steppen sind schon von anderer

/Art

|P_94

/Art ZE die Wüste Sarba enthält Steppen, die schon
können bebaut werden. Im Sommer aber
wenn es nicht regnet, troknet alles aus. Hin-
gegen sind die Wüsten in Arabien und
Afrika, wenn sie auch sehr viel Waßer
bekommen niemahls fruchtbar. Alle Steppen
in Rußland liegen zwischen zwey Ströhmen.
Sie liegen höher als die Ströhme, folglich kann
daraus keine Quelle entspringen, «da»weil
die Erde daselbst nur über einander gehäuft
ist. Die Brunnen in gewißen Districten
in Arabien troknen auch aus, oder die Heu-
schrecken fallen hinein, crepiren, und ver-
pesten sie.

/≥ Von den Quellen. ≤

/Was die Quellen anbetrift, so fließen einige perio-
disch, andere beständig, andere wiederum zwar
nicht periodisch, aber doch «%noch zwischen» <%.durch gewißen> Abwechse-
lungen. Solche periodische Quellen giebts in
der Schweitz, davon einige nur im Sommer flü-
ßen; «und» das kommt daher: In der Schweitz
sind hohe SchneeGebürge, daher<2> «,» wenn<1> «da» eini-
germaßen der Schnee im Sommer schmilzt, dann
flüßen sie. Imgleichen sind andere Quellen, die
nur des Nachts flüßen. Dieses kommt daher.
Am Tage flüßt das SchneeWaßer nach und
nach von der Höhe der Gebürge herunter

/und

|P_95

/und sammelt sich, worauf es sich dann in der
Nacht ergießt. In Grönland und Island
sind wieder Quellen, die sich nach dem Monde
richten. Auch bei Krakau soll eine solche Quelle
sich befinden. (Wir haben angezeigt, daß die An-
ziehung des Waßers vom Monde zwey mahl
in 24 Stunden geschiehet, und zwar dadurch, daß
er einen mehr <an>ziehet als den andern, wel-
ches alsdenn fallen muß. Hier ist es aber nothwen-
dig, daß der Mond eine merkliche Größe
der Fläche an sich ziehe, damit alle Theile dar-
in horizontal bleiben möchten, welches er doch
aber nicht thun kann, oder wir es vielmehr
nicht einsehen können, und es doch demohnge-
achtet in Island geschiehet. Man merke <folgendes:> «aber
auf.
» Es sind gewiße Länder, wo der Mond
«in»<%auf> die Gewächse etc. mehr «einflüßt» <Einfluß habe> als bey
uns ZE unter den Polen <weniger als> unter dem Aequator.
Ein spanischer Auctor benachrichtiget uns, daß
es in Peru ein Rohr von der Höhe eines
Mastbaums gebe; dasselbe soll hohl seyn
und viel Waßer in sich enthalten. Man fin-
det, daß das Waßer in diesem Rohre mit
dem Zunehmen und Abnehmen des Mondes
auch zu und abnehme.

/Ingleichen hat Linth ein Englischer Auctor von
den Krankheiten der Menschen in verschiedenen

/Welt

|P_96

/Weltgegenden geschrieben. Dieser merket an, daß
in Bengala, wenn die LandesKrankheit, welches
faul«e» Fieber sind, eingerißen ist, sich das Ster-
ben der Menschen nach dem Monde richte. Zur
Zeit der Abnahme des Mondes sterben sie mehr
als beym Zunehmen; wenn aber eine Mond-
finsterniß ist, dann sterben die meisten
Menschen. Dieses kann aber auch aus dem
Einfluße, de«m»<n> der Mond auf das Waßer
hat, nicht erklähret werden. Indeßen müßen
wir es doch nicht für unmöglich halten.
Der Mond würkt auf unseren Luft Kreiß <nicht>
«mehr» <weniger> als auf unsere Erde oder aufs Waßer.
Wenn er 10 Fuß hoch das Waßer hebt, so hebt
er auch die Luft 10 Fuß hoch. Wir können
aber nicht wißen, ob es nicht <%eine> «wo etwa
was in
»flüßige«s» <Materie> gebe, woraus man alle
electrischen Erscheinungen, die Nordlichter und
das Ungewitter <etc.> erklähren kann. Wenn sich diese«s»
<%.Materie> hoch und weit erstreckt, dann darf des
Mondes Einfluß hier nicht einmahl namhaft
gemacht werden. (Das ist nur ein Meer von
lauter Aether, welches die Pyrosperie genandt
wird). Indem diese Materie nun auf alles,
auch auf den Menschen einen Einfluß hat,
so ist es also auch möglich, daß sie «also» auch
auf die Krankheiten der Menschen einen Einfluß
haben. Wir müßen des wegen die Erfahrungen
des Einflußes des Mondes nicht wegwerfen; sondern

/wenn

|P_97

/wenn wir sie auch nicht einsehen können, den-
noch annehmen «können». Denn es scheint, daß
wenn wir mehr Beobachtungen anstellen wer-
den, wir auch würklich eine Regel davon
geben<2> werden<1> können.

/

/ ≥ Von den Quellen nach der Beschaffenheit
des Waßers. ≤

/Die Brunnen enthalten reines Waßer, worinn
sich weder etwas vegetabilisches, noch etwas
aus dem Thierreich befindet. Das Regen-
Waßer aber enthält vieles aus dem Thierreich
und aus dem Pflanzenreich, und das ist auch
die Ursach, weswegen es so zeitig faulet.
Vom mineralischen ist zwar das Waßer,
das aus der Luft kömmt rein, aber das
Waßer auf der Erde enthält nun desto-
mehr davon.

/Unter die Erd_Waßer gehöret das harte Waßer.
Das weiche Waßer, oder dasjenige, was
am wenigsten vom mineralischen enthält,
«das» ist das SumpfWaßer, welches aber <in> «an»
i»e<r> @«St»Q@uelle viel vegetabilisches in sich enthält.
Das weiche Waßer löset gut die Seiffe
auf, imgleichen laßen sich auch die Ge-
wächse gut darinn kochen«.»<;> «Hingegen hat» <%nicht so>
das Quellwaßer «das nicht», denn die Ge-
wächse @macuriren@ nicht leicht darinn. Das

/harte

|P_98

/harte Waßer ist aber gut zu trinken. Die gemeine
Leute nennen dasjenige, was sich auf dem Grunde
dieses Waßers sezt, Salpeter, daß ist aber der so
genanndte Kesselstein oder Taphus. Die Aker_Erde
findet sich aufgelöset in solchem Waßer, und diese
enthält sehr viel Luft in sich, welche«r»<s> der «ä»aer
Fi«c»us<x> genandt wird, und von dem aëre libero
sehr unterschieden ist. Diese«r» aër fixus kann
aus «s» diesem Waßer nicht anders als durch langes
Kochen befreyet werden. Wenn nun also das
Waßer gekocht wird, alsdann gehet der Aer
Fixus heraus, und dadurch <sezt> praecipitiret sich auch
zugleich eben soviel von dem Taphus auf den
Boden. Dieser Taphus ist nur durch den aërem
fixum darin aufgelöset. Dasjenige Waßer,
welches lange in der Luft stehet, das verliehret
auch seinen aërem fixum. Wenn aus dem
Waßer d<i>e«r» aër«e» fixus herausgehet, so wird
es schaal: Man kann «ihn» <%.sie> aber auch wieder«um»
dem Waßer ersetzen, wenn man in dasselbe
ein Stück Kreide «herein» legt, woraus man
viele Luft herausgehen siehet, und auf solche
Art bekommt das Waßer wiederum seine
Kraft.

/Mit dem pyrm«e»onter Waßer ist es so bewand, daß
dasselbe den aërem fixum sehr lange behält,
und deswegen ist es auch sehr gesund. Diese
harte Waßer enthalten viele irrdische Theile
imgleichen Eisentheile mit Vitriol vermischt. Wenn

/man

|P_99

/man wißen will, ob das Waßer Eisentheile
enthält, so nimmt man Gallaepfel und gießet
<%.das> Waßer darauf, welches man probiren will,
wenn das Waßer nun Eisentheile enthält, so
wird es ganz schwarz. Um wiederum zu pro-
biren, ob es alcalisch oder laugenhaft sey, pflegt
man etwas saures einzulegen, da es denn
gleich zu brausen anfängt.

/Wenn man wiederum versuchen will, ob
Kochsaltz darinnen ist, dann nimmt man Feil-
staub von Silber und ScheideWaßer. Wenn
man dieses auf das Waßer gießet, so wird
es milchicht trübe.

/Bey einer chimischen Analysis bemerkt man immer,
daß aus einer flüßigen Materie beständig
etwas verlohren gehet, und Boerhave sagt,
auch, daß dieses ein gewißer spiritus rector
sey, oder «es sey» eine gewiße flüchtige Sub-
stanz in der Kraft des Waßers, welche
verfliegt. Dies <nun> soll «also» in den Gewächsen
sich befinden, und ich kann ZE dem Kanehl-
Oehl alle seine Würkung benehmen, wenn die-
ser spiritus «aus» <weg> ist, ohne daß doch das Gewicht,
welches dasselbe vorher gehabt, verlohren gehet.
Was diesen spiritus rector betrifft, so ist derselbe
nichts anders, als der erwähnte aer spiritus @%.sive@ fixus.
Wenn man Kreide nimmt und dieselbe zu
Kalk brennt, so steigt da eine Menge Luft her-
aus, welche, wenn man sie in ein «a partes» <besonders>

/Gefäß

|P_100

/Gefäß sammlet, und wiegt, 1/3 von dem Gewicht
der ganzen Kreide ausmacht, und man kann
damit folgendes Experiment machen: Wenn ich ein
Gefäß geschabter Kreide habe, und vitriol dar-
auf gieße, so treibt das leztere die Luft
aus dem erstern heraus. Wenn ich nun an
dieses Gefäß eine Röhre anbringe, die in
ein anderes Gefäß gehet, so daß die Luft
sich in dasselbe sondern kann, so wird wenn
in dem leztern Gefäß sich Waßer befindet, dieses
Waßer eben so gut als das Pyrmonter Waßer
«während» <in>dem, «daß» diese Luft in dasselbe ein-
dringt. Auf solche Art kann das Waßer
auch von der Fäulniß bewahret werden, und
ist besonders kränklichen Personen sehr vor-
theilhaft. Das Pyrmonter Waßer hat bloß
durch d«en»<ie> aërem fixum diese Kraft, und
«dasselbe» <es> behält «ihn» <dieselbe> auch am längsten in sich
und zwar «auch» in großer Menge.

/Im Canton Bern in der Schweitz ist ein Ort
Phaeffer, von dem auch die dasige Quelle
die PfeffersQuelle genand ward, welche auch
von derselben Beschaffenheit ist. Die Ursache
davon ist: die Erde daselbst enthält viele «Erde»
KreideSchichten und «auch» vitriol. Da nun die Quell
Adern über diese Schichten <hin>flüßen, so sp«¿¿¿»ülen sie
auch zugleich vitriol ab, wovon es alsdenn «den»
<die fixe Luft> «aërem fixum und auch diese Beschaffenheit» e«nt»<r>hält.

/Die Ursache von der Bitterkeit des bitteren Waßers

/ist

|P_101

/ist das Nitrum-Saltz. Von der Art ist auch das glauber-
sche Saltz, welches mit dem bitteren Saltze ziemlich
übereinkommt, und ein medium purgationis ist.

/Eisenhaltige Waßer corroboriren sehr. Dieses
Waßer ist auch unserm Körper sehr angemeßen, da«se»
so zu sagen, die Röthe unseres Blutes, daher zu
kommen scheint. Das Eisen hat also eine nahe Ver-
wandschaft mit unserm Körper, wie denn auch
wahrscheinlich ist, daß unsere Fasern uns Muskeln
daher ihre Festigkeit haben. Das wahre Leben
der Theile scheint aber von dem<r> «aëre» «fixo» <%.fixen %.Luft>
zu kommen.

/Die Hälfte des Gewichts des menschlichen Kör-
pers beträgt wohl die Luft. Diese Materie
obgleich sie sehr flüßig ist, «so» dient «sie» doch zu
einem vesten Zusammenhange der Theile, die
davon eingeschloßen sind. Diese Gesundbrunnen
schaffen uns Nutzen:

/1. Wenn man sich eine gewiße genaue Diaet
vorschreibt und

/2. Wenn man kaltes Waßer <%davon> trinkt und besonders
des Morgens. Viele Brunnen sind nicht sowohl
durch das Trinken, als durch das Baden
zuträglich.

/Es giebt auch Schwefel Brunnen.

/Alle heiße Brunnen entspringen aus QuellAdern
die über «strata» <Lagen> von Kieß gefloßen sind. Diese
Strata sind von Metall und Schwefel gemischte
Stüke, und sehen, wie Meßing aus. Dieser Kieß
welcher auch Marcasita und Pyrites genanndt wird

/hat

|P_102

/hat diese Eigenschaft an sich, daß. wenn er an der
freyen Luft liegt, und es darauf regnet, «so»
erhizt<3> er<1> sich<2> «von selbsten», und dieses scheint
auch der Ursprung von den warmen Brunnen
zu seyn.

/Alle kalte Brunnen entspringen aus QuellA-
dern, die über strata von Gyps und Alabaster
fließen. Der Gyps ist ein Kalk der mit
vitriol_Oehl gesatiget ist, und der Alabaster ist
darinn von ihm unterschieden, daß er sich beßer
verarbeiten läßt. Wenn Waßer mit Gyps
vermengt wird, denn ist alsdenn ein ganz an-
deres Phaenomenon als beym Kalk. Denn hier
«wird» gebrandte«r» Gyps <%.wird> bald fest, und kalt. Wenn
also GypsLager«n» in der Erde angetroffen wer-
den, und QuellAdern darüber flüßen, dann
nehmen sie davon die Kälte an. Merg«¿»<e>l ist
wieder von Gyps unterschieden, denn das ist
ein compositum von Halbthon und halb Kalk.
Er wird ThonMergel genandt, wenn mehr
Thon als Kalk sich darinn befindet, KalkMergel
aber, wenn eine umgekehrte «Proportion ist» <Mischung stattfindet>. Durch
diesen Merg«¿»<e>l werden die sehr strengen lehmig-
ten Aeker verbeßert. Dahingegen werden
diejenigen Aeker, die viel Kalkigtes in sich
enthalten, dadurch fruchtbar gemacht, daß
man Gyps darauf streut, welcher alsdenn die
vitriol-Säure aufgeschluckt, «und nur das Land
dadurch befruchtet wird
». Das Karlsbad, im-
gleichen auch das Achnerbad sind heiße Brun-
nen. In Grönland und Island soll es auch derglei-

/chen

|P_103

/chen heißes Waßer geben, welches in «den» Fontainen
«bis» über 60 Fuß hoch getrieben wird. Dieses
ist eine chimische Hitze, die durch vereinigung
gewißer Materien entspringt, und welche von
der physischen Hitze sehr unterschieden ist. Die
chymische Hitze wird (in ihrer Efferuescentz) durch
die Luft befördert. Wenn man «ein»<in> solche«s»<m> Wa-
ßer kochen will, so muß erstlich das physische
Feuer «den» «aërem fixum» <die %.fixe %.Luft> heraustreiben; und alsdann
«erstlich» erfordert es <noch> eben so viel Zeit zum Kochen
als ein gemeines Waßer. Dieses Waßer, wenn
es kalt wird, soll mehr wiegen, als «da» <wenn> es
warm war; wovon man doch die eigentliche Ur-
sache nicht angeben kann. Es giebt auch solche
kalte Brunnen, daß «wenn» <man> das Waßer daraus
nicht in den Mund nehmen kann, ob es gleich an
der Sonne liegt. Solches kalte Waßer löset
Materien auf, die die Kälte noch vergrößern
und das ist die vitriol Säure. Es giebt aber
auch Brennbrunnen. Diese sind zwar kalt,
wenn man aber brennbare Materien denselben
nahe bringt, so werden dieselbe davon ange-
zündet. ZE <bei> Aedenburg *1 in Schottland ist ein <solcher> Brun-
nen, <%daß;> wenn man an denselben einen Strohwisch
hält, «so» <an>zündet<3> sich<1> derselbe<2> «an».

/Es giebt Brunnen, die würkliche Metalle in
sich enthalten. Es ist aber kein Metal in größerer
Menge im Waßer als das Kupfer. Das Caement-
Waßer in Ungarn und Liefland hat eine
Art von Kalk, der aller Witterung und Stöße wie-

/der

|P_103R

/δ_Z_23

/*1<@%.vielleicht@
Edinburg>

|P_104

/wiederstehet, weil er sehr stark bindet.

/Um unter Waßer zu mauren bedient man sich
des Tarasso, welches eine Asche aus den feuerspey-
enden Bergen ist. Wenn dieses mit Sand und
Kalk vermenget wird, so wird es nicht aufgelö-
set, sondern vielmehr immer starker. In China
verwandelt man die Metalle in Kalk oder
in metallische Erde. Die «gemeine» <%.gewöhnliche> Art solches
zu thun ist z. B. wenn ich geschabtes Silber durch
Scheidewaßer auflöse; und thue etwas sal tartari
dazu, dann ist das Silber, was zu Boden
fällt ein SilberKalk.

/Wenn Kupfer in vitriol-Säure aufgelöset wird,
dann sezt sich etwas auf den Boden, und das
Waßer heißt als denn das Caement_Waßer.
Wenn man Eisen in solches Waßer thut,
dann wird es darinn aufgelöset, und je mehr
Eisen darinn aufgelöset wird, desto mehr
Kupfer sezt sich auch auf den Boden, und das
Eisen verschwindet ganz: das Caement-Waßer
von Kupfer wird zum legiren der Müntzen
gebraucht. Legiren heißt, wenn man e. g. <z.b.>
Kupfer unter Silber bey den Müntzen nimmt.

/Es giebt auch giftige Brunnen. Sie enthalten
zwar nicht Gift in sich, aber die Dünste daraus
sind giftig, denn sie tödten, wenn man ihnen nahe
kommt. Das eigentliche Gift darinn bestehet aus
dem Schwefel der dem Menschen die Luft benimmt,
«I» wenn er in großer Quantitaet in den Menschen
kommt.

/Der Schwefeldampf«s» ist aber «alsdenn» gesund, wenn
man damit eine Stube, «da»<wo>rin eine Zeitlang Kran-

/ke

|P_105

/gelegen «sind» <haben>, (sie also mit schadlichen Dünsten an-
gefüllet werden) räuchert.

/Bey Gelegenheit der heißen Brunnen war<en> noch an-
zumerken, die Dampfbäder. Bey Pyrmont ist
ein solches Dampfbad, wo man in einer gewi-
ßen Höhle sich ausziehet, und von dem heißen Dampf <über und über in Schweiß geräth>
«ganz überschwizt».

/Auch kalte Brunnen haben Ritzen in der Erde,
woraus ein Dampf aufsteigt, der die Vögel in
der Luft erstickt. Es ist aber nichts schädlicher, als
die Luft, welche lange still gestanden hat, (und
also zur Respiration untauglich geworden). Eine
solche schädliche Luft kann auch durch den menschli-
chen Athem entstehen, wenn nemlich viele zu-
sammen in Einer Gesellschaft sich befinden. Das Ge-
fängniß Fieber «macht auch» <%.wird %.auch bewirkt %durch> eine solche tödliche Luft.
Die Schwefeltheile sind sonst«en» gesund, wenn sie
nur nicht in gar zu großer Menge in den
Menschen kommen. Um die schreckliche Ausdünstung
zu verhüten, muß man

/1. die Wände in der Stube gut mit Eßig
waschen, und

/2. Auch mit Schwefel durchräuchern. Solches ist beson-
ders nöthig <in> Lazarethen, <in> großen Gesellschaften
<in> Bergwerken p. Wenn man alte Gewölbe oder
Keller ausräumt, so muß man sich daselbst auch
vor der verpesteten Luft in Acht nehmen, und
besonders kann man die schädliche Luft dar-
an bemerken, wenn ein Licht an einem Orte
nicht brennen will, oder wenn eine Pistole an

/einem

|P_106

/einem Orte nicht losgehen will, denn alsdenn kann
der Mensch auch nicht mehr darinn leben. So ist be-
schaffen die Grotte del Cane oder die Hund-
Grotte. Sie wird so genand, weil man mit
Hunden probiret, ob Menschen sich darinn ohne Ge-
fahr aufhalten können, aus der Ursach weil da
sehr viele Fremde <zu> reisen <pflegen>.

/An dem Orte, wo ein Kohlendampf ist, da ists auch
sehr gefährlich, er destituirt die Nerven und bringt
die Hypochondrie hervor. Auch der Geruch von den
Blumen ZE der Veilchen, Li«e»lien p. besonders wenn
sie etwas troken sind, ist gefährlich.

/In einigen Ländern giebt es Saltz_Quellen, auch
Saltz_Teiche. ZE in Rußland «, da» ist ein Saltz_Teich,
wo sich, wenn das Waßer ausdünstet, das Saltz
in großen Stücken auf den Grund setzet. Es muß
aber gereinigt werden, weil es schwarz ist, und
hernach wirds der Krone zugeschickt. Haller hat in
seiner Reisebeschreibung angemerkt, «daß» alle Spuhren
da<2> sey<e>n<1>, daß das caspische Meer sich so weit
erstrekt habe, daß es mit mit dem schwarzen Meer
zusammen hieng, und daß folglich die ganze
Astracanische Steppe unter «dem» Waßer lag.
Man findet daher in allen Steppen, die nicht weit
vom schwartzen Meer liegen sehr viel Saltz. Auch
überhaupt in den Ländern, die zwischen Ströhmen
liegen, und die nicht einen gehörigen Abgang <*Abfluß> des
Waßers haben; findet man gemeiniglich sehr viele
Saltze.

/In Europa sind keine Saltzteiche, sondern
nur gegrabenes Saltz ZE in Pohlen und England

/welches

|P_107

/welches aber erst«lich» geläutert werden muß. Das Saltz
in den Brunnen heißt die Saltzsohle ZE in Halle.*1
wird «also» <%.das Wasser> erst«lich» gradirt, und dieses geschiehet
in <%.besonderen> «a parten» Häusern. Das Waßer fält von
oben auf einige Strohbündel<*2 >, die auf Gefäßen
liegen, da sezt sich nun darauf ein Trophus
diesen kocht man, hernach dünstet das Waßer
aus, und es bleibt das Saltz übrig. Dazu pflegt
man gemeinhin SteinKohlen statt Holtz zu brauchen
weil in Halle vorher sehr viele Krankheiten
sollen grassiret haben, welches man den Dünsten
des vielen brennenden Holtzes zuschrieb. Denn
die Holtz_Kohlen haben etwas arsenicalisches bey
sich, <so> daß sie äußerst schädlich seyn, besonders der
Dunst, welcher entstehet, wenn bloß die Kohlen
davon da sind. Diejenigen, die das Saltz verfer-
tigen, heißen Halloren (Es ist ein Unterschied zwi-
schen dem Versteinern und Besteinern, das erste
heißt die Petrefaction, und das andere die In-
crustation, <die> aber nun desto geschwinder <%.von Statten geht>. Es haben
die warmen Brunnen z. B. bey Eger und Carlsbad
außer den Mineral_Theilen auch einen gewißen
Tophus. Was dieses ist, das ist schon erklährt. Ein
solches Waßer kann nu«n»<r> etwas versteinern und über-
ziehen)

/(In dem Innwendigen dieser Quellen sind nun die
großen Steine, welche besonders vielen Leuten Anlaß
geben, sich um die ehemahligen Merkwürdigkeiten
zu bekümmern, da sie doch nur auf solche zufäl-
lige Art entstanden seyn. Wenn aber schon

/einmahl

|P_107R

/δ_Z_2

/*1 <- In den <Salz>Quellen, die %nicht reich-
haltig sind,>

/δ_Z_4

/*2 oder Reisbündel>

/δ_Z_26

/<dies hat ¿¿¿¿ die vorhergehende
%keine %.ordentlichen Zus¿¿¿>

|P_108

/einmahl die Einbildungskraft spielet, so bringt sie
auch würkliche Produkte hervor, daß einige Steine
von Personen vor allerhand Figuren angesehen
werden, und da nennen sie dieses ein Spiel
der Natur. Von der Art ist die Baumans_Höhle
da sollen einige Steine, die Figur der Tauf-
Steine andere die Figur der Mönche p. haben.
Ein solcher Tropfstein entstehet durch Herabtrop-
fen solches Waßers von der Oberfläche der
Höhlen. Dieses Waßer dünstet alsdann aus, und
da sezt sich der so genandte Spatus. Der Tropf-
stein wird sonsten auch der Quirites genandt,
der aber zu nichts gebraucht werden kann, weil
er e»<or>euse ist. Ob sich gleich solches Waßer in Crustam
sezt, so habens doch die Menschen genoßen. Denn
auch alle unsere Nahrungs_Mittel enthalten viel
Stoff, veste Steine hervorzubringen, und man
muß nur eine Disposition haben, das Waßer zu
elaboriren. So ist es auch mit den Würmern be-
schaffen, denn durch nähere Untersuchung findet
man, daß ein jedes Thier auch seine a parte Art
von Würmern hat.

/Klein ein berühmter Physicus und Secretaire in
Danzig hat auch solches bemerkt: denn würde ir-
gend in einem Element kein Thier anzutreffen seyn
so würde es bey dem Menschen nicht seyn. Weil
nun aber der Mensch schon von seiner Zeugung
den Wurmsaamen hat, so hat man würklich ge-
schloßen, daß auch schon Adam solche gehabt hat
und auf alle seine Nachkommen fortgepflanzet habe.

/Man

|P_109

/Man hatte sonst zu allen Zeiten eine generationem
aequivocam angenommen %.das %.heißt daß aus derselben
rohen Materie auch etwas so rohes entstehet.

/Aber jetzt hat man angenommen eine genera-
tionem univocam, daß nur bloß auch einer Art
eben solche progenerirt werden.)

/ ≥ Von den Flüssen. ≤

/Die Natur hat es so geordnet, daß sich das Waßer
der Luft nicht i«m»n Sümpfen oder Inländischen Meere<n>
«ver»sammelt, sondern daß es «so» regelmäßig
durch <be>sonder«lich»e Kanäle durch den ganzen Erd-
boden geführet wird. Dazu gehören alle Bedin-
gungen des Bodens, nicht aber bloß, daß es ge-
gen den Strohm Abschüßig ist, sondern selbst
das Bette des Strohms muß eine Abschüßigkeit
haben, damit das Waßer zum Meere geführet
werden könn«t»e. Bey allen Ströhmen kann man
dies als eine Regel annehmen: Sie entspringen so,
daß sie mit den Bergreichen, aus denen sie ent-
springen einen rechten Winkel machen. Die
Ströhme, die aus den Alpen_Gebürgen entspringen
machen mit denselben einen rechten Winkel. Ge-
meiniglich erstreckt sich auch ein BergRükken «von» <%aus>
beyden Seiten des Strohmes, und dieses war auch
nothwendig. Denn, weil Ströhme «durch den» <im> Fort-
flusse, immer größer werden sollen, so müßen sie

/auch

|P_110

/auch durch Quellen unterhalten werden; denn son-
st«en» würden sie versiegen.

/Von diesen Strohmen wollen wir die allgemei-
nen Merkmahle erwegen

/1. die Bewegung und der Abgang der Flüße. Die
Ströhme lauffen desto schneller, je mehr ihr
Boden Abschüßigkeit hat. Dies Gefälle «macht»
«ein» <%.ist die> Ursach von der Geschwindigkeit des Strohms
«aus». Uebrigens wenn 2 Ströhme verschiedene
Gefälle haben, so hat das Waßer welches ein
größeres Gef«olge»<älle> hat, auch immer eine «schnellere» <größere> Ge-
schwindigkeit; und die andere<n> lange<n> Ströhme
wenn sie auch ein kurzes Gefälle haben, lauffen
doch geschwinder als andere. Je tiefer auch der
Strohm ist, desto schneller ist sein Lauff. Man
hat gefunden, daß die Ströhme wenn sie
nicht weit vom Meere sind gerade lauffen,
und wiederum bey Quellen sehr schnell
flüßen.

/2. Die Größe dieses kommt auf ihre Länge an;
der Amazonen Strohm «der» ist der längste, denn
er läufft über 700 teusche Meilen. Nach ihm
sind der Nil, Senegal, der noch größer ist als
der Nil; der Missisippi, der aus dem Massori-
schen Gebürge entspringt, und denn der Ganges
der von NordWest nach Südwest flüßet. Er
entspringt aus de«n»m Gebürge«n», welches Indostan
von der Bucharey absondert.

/Die Donau ist in Europa der größste
Fluß. Ein Fluß kann aber auch groß genandt
werden, wenn er viel Waßer in sich
enthält.

/Was

|P_111

/Was die Breite anbetrifft, so ist de la Pla«t»ta 60
Meilen breit. St. Florentinus in Canada ist
auch so breit, daß man aus der Mitte des
Strohms kein Land sehen kann. Der Amazonen-
Fluß ist «auch» noch tiefer als la Platta, denn
er ist wenigstens 200 Faden tief, und die Höhe
von welcher er fällt betragt 12.000 Schuh. Auch
die kleinen Strohme, die in denselben «F»flüßen
als Rio, Bacca, Uraluge, sind sehr groß und
zwar größer als der Nil bey Cairo. (Große
Gebürge und Wälder, diese verursachten, daß
die Dünste in der Ausspannung erhalten
und hernach zusammengepreßt werden.)

/Der Zairis ist sehr schnell. Rio Gallo ist aber
der schnellste Strohm in der Welt. Er hüpft
wenn er ins Meer flüßt. Es sind zwar viele
schnelle schöne Ströhme, doch sind die mehresten
so beschaffen, daß sie mittelmäßig flüßen, so
daß sie schiffbar seyn. In den alten Zeiten
haben die Ströhme weit größere Gefälle
gehabt, als jetzt, welches man an den hohen
und steilen Gebürgen siehet, die von beyden
Seiten des Strohms stehen. Die Waßerfälle
findet man nicht auf dem Boden von «der»
Erde, sondern auf «den» Felsen. Denn sonsten
möchte das Waßer die Erde so lange weg-
spühlen, bis sie an den Oertern gleich wären.
Dergleichen Waßer ist in Europa am Rhein
bey Schaffhausen, wo das Waßer 75 Fuß tief

/fält

|P_112

/fällt, aber nicht perpendiculair. Der Magona
in NordAmerika fällt, ehe er sich in den Ontonio
ergießt über 150 Fuß und zwar perpendiculair.
Bagotta ein kleiner Fluß bey Santaffa in Süd-
Amerika hat einen perpendiculairen Fall von
1.200 Fuß. Da man auf solche Art nicht weiter
auf den Flüßen fahren kann, so macht macht
man sich daselbst Böthe, die man von einem
Fluß in den anderen tragen kann. Solche wer-
den von den Russen Hollachs, und von den
Franzosen Portage genandt. An einigen Flüßen
aber geibts Canäle, auf denen man von
einem Strohm zu dem anderen herüber
fahren kann, als ZE der Kanal von Languedoc
imgleichen der Ladogische Kanal, welcher 15
Meilen lang ist. Einige Flüße scheinen sich in
der Erde zu verliehren, und kommen hernach
wieder hervor, ZE die Rhone. Daselbst soll
ein Getöse seyn, als wenn, «als» ein Wagen
mit Eisenstangen fahre«n möchte». Man siehet
daß ehedem das Waßer daselbst die Ober-
fläche überschwemmt habe, und hernach sich
da durchgearbeitet hat. Die Guadiana flü-
ßet auch zwischen Gebürgen und Wäldern, daß
man sie nicht leicht wahrnehmen kann. Auch
in der Wüste von Bucharest, und in Persien
wo*1 «es platte Formen giebt, die kleine determi-
nirte LandesRücken haben, da
» sind Ströhme
die in den sich daselbst befindlichen SandWüsten

/stecken

|P_112R

/δ_Z_27

/<*1 wenig Gefälle ist>

|P_113

/stecken bleiben, und ihren Strohm nicht «continui-» <%.fortfüh->
ren können. Fast kein Strohm hält sich so in
seinen Ufern, daß er nicht <zuweilen> sollte aussteigen.
Im Anfange sind sie nicht in ihre Rinnsäle ein-
geschloßen gewesen, aber in der Folge, da
der Zufluß des Strohms immer kleiner wurde,
haben sich die Ströhme immer tiefer einge-
graben ZE in Ungarn sieht man, daß die
Donau selbst sehr viele Seen gemacht habe
und so überschwemmen auch bisweilen jetzt viele
Flüße die Wiesen. Dieses Austreten der Flüße
ist mehrentheils d«e»icht am Ausfluß, welches zu
verhindern sich auch die Menschen bemühen, indem
daselbst von beyden Seiten der Strohm mit
hohen Dämmen verbauet wird, damit er sich
an einem anderen Orte ergieße. Deswegen
sind auch nur am Ausfluß der Ströhme die
fruchtbarsten Länder. Das Austreten geschieht
besonders im Frühling. Es giebt aber auch Länder
wo diese Ueberschwemmungen regelmäßig ge-
schehen, und ohne die das Land nicht <angebaut> «cul-
tivirt
» werde. Unter diese können wir die 2
Länder rechnen Aegypten und «Asien» <Siam>. In
Egypten ergießt sich der Nil, und in Siam
der Strohm Menan. Das rechte Ufer vom Nil-
strohm ist eine SteinKüste, und das linke eine
Sand Küste, da ergießt sich der Nil, überschwemmt
den Acker mit Lehm, und macht ihn auf
solche Art fruchtbar. Siam könnte bewohnt

/werden

|P_114

/werden, wenn sich auch der MenaraStrohm nicht er-
gießen möchte, denn es regnet «auch» daselbst.
In Egypten regnet es aber gar nicht, nur die
Ueberschwemmung des Niels geschiehet im Sommer
vom Julio bis zum August. (Ohne menschliche
Zuthun könnte diese Überschwemmung nicht
regelmäßiger seyn) Egypten führet sehr viele
Wäytzen aus, und bauet auch sehr viel«en» Reiß
«an». Dieser Reißbau füllet «auch» die Luft mit
α_«vielem» faulen Fieber an, weil «er» <diese ## ##> nicht anders
wachsen kann, als auf einem sehr naßen Boden,
so daß er auch unter dem Waßer wachsen
kann. Nun giebts in der ganzen weiten
Welt nichts, was eine schädlichere Luft macht,
als ein lange stehendes Waßer; und das
ist auch die Ursach, weswegen Egypten so
schädlich ist. Die Kinder_Pocken haben auch von
da ihren Ursprung.

/Wenn aber der Nil nach seiner Ueberschwem-
mung wieder in sein Bette tritt, dann ist es
für ein wahres gesegnetes Land anzusehen, weil
da alsdenn ein schöner Wuchs des Grases, und
«überdem, weil es alsdenn» einer der fruchtbarsten
Boden«s» ist. Es ist dieses zwar für das Land gehalten
welches zuerst ist<2> bewohnt worden<1>; wir müßen
aber den Ruhm dem Indostan geben. Dieses
liegt unter dem 32ten Grad, welcher für den
glücklichsten Ort gehalten wird. In diesem
District ist der Sitz des Tamerlans. Da liegen
einige Gegenden, wo der Fluß Gion durchflü-

/ßet

|P_115

/ßet, imgleichen einige Gegenden von Persien, wo-
von so viel «g»<G>utes geschrieben wird. Überhaupt
die Araber und alle Völcker redeten beständig
vom Indostan.

/Die jezige Ueberschwemmung ist in Ansehung der
alten Ueberschwemmung des Nils um Eine Elle
geringer. An einigen Orten steigt das NilWaßer
18 bis 20 Fuß hoch, und alsdann vermuthet man
die größeste Fruchtbarkeit. Wenn es aber zu hoch
oder zu niedrig ste«igt»<ht>, daraus erfolgt ein
Miß«s»wachs.

/Alle Flüße führen Materien bey sich aus den
Ländern, woraus sie ihr Waßer führen. Wenn
man den Inhalt der Materien, die die Flüße
besonders im Frühjahr führen, «ansehen» <%untersuchen> möchte,
so könnte man daraus auch auf das Minera-
lische des Landes selbst schlüßen.

/Die kleinen Ströhme führen, ehe sie in größere
Ströhme fallen, schwereres Waßer, als wenn
sie sich hernach schon mit anderen vereinigt
haben. Die Ursache davon ist diese: Sie
«ist» <sind> geschwängert von der Materie, die sie
aus den Gebürgen fortgespühlt haben; wenn
sie sich aber mit großen Strohmen vereinigen,
dann vertheilt sich die Materie auch in das
übrige Waßer, folglich muß es nothwendiger
Weise leichter seyn.

/Keine Materie <nun gibt es> wornach die Menschen so sehr fra-
gen «ist vorhanden», als das Gold. Die Alten
hatten das Gold nur bloß aus den Ströhmen
und nicht aus Gebürgen. Jezo wird sogar

/aus

|P_116

/aus dem Rheinstrohm Gold geläutert. Dies bringt
aber so wenig ein, daß «daselbst» sich nur faule
Leute damit beschäftigen, und sie finden auch
daselbst nur so viel als sie des Tages zu
ihrem Unterhalt gebrauchen. Man hört zwar
daß in den alten Zeiten die Ströhme mehr
Gold geführet haben; dieses ist aber nur so
zu verstehen: das Gold war damals von
einem größeren Werthe, als jezt. Am Rhein-
strohm wird das Gold nicht in so großer
Menge gewaschen als in Guinea. Das <reichste> «re»chte
Bergwerck ist aber in Brasielien. Dieses Berg-
werck von gewaschenem Golde ist ein Seiffen-
werck. Es wird aus der Erde gewaschen.

/In Papacorhon und in Quitto lauffen die
Regen- und Gießbäche in großer <%.Schnelligkeit>«Praeci-»
pitien, und reißen sehr viele Erde mit
sich weg. In der Erde liegt aber Gold; «die-»
weil es aber nicht so schnell, wie die Erde
mit dem Waßer fortlauffen kann, so fließt
<es> nur so lange, bis es einen tiefen Ort oder
Busen antrifft, wo es sich den zu setzen
pflegt, und hier wirds auf folgende Art
aufgefangen: Man nimmt Bretter mit Flanell
überzogen, und darauf legt man ein Stück
Erde, und gießet Waßer darauf, so lange
bis all der Sand abgespühlt ist, und nur das

/Gold

|P_117

/Gold am Flanell hängen bleibt. Man troc<k>net
hernach den Flanell und klopf das Gold her-
aus (In Arabien, wovon man so viel redet
ist gar kein Gold)

/ ≥ Von den Land-Seen und Morrästen ≤

/Unter die Land-Seen können wir auch die
Saltzseen rechnen. Das sind alles Waßer, welche
irgend einen Abfluß zum Meere haben, ent-
weder einen sichtbaren oder einen unsichtbaren.
ie»<o> ist ZE der Genfersee in der Schweitz, und
auch de«ie»<er> Bodensee. Von de«r»<m> Genfersee giebt
man vor, daß man da sehen kann, wo der
Strohm fließt. (Der Schein davon kommt aber
daher: Wenn der Rhein aus dieser See fällt, und
die Rohne dahin fließt, so muß nothwendig
ein Zug des Waßers seyn, <%.und> unten ist da alsdann
ein Strich zu sehen welcher weiß.)

/Die Morräste verpesten die Luft. Bey Esek
sind viele Morräste, daher sehen auch die
Menschen alle aschfarbigt aus, von den daselbst
herrschenden Quartal-Fiebern. Ungarn hat
auch eine solche Lage. Hievon kommt auch die
Ungarische Pest, die im Fleckfieber bestehet, und
das ist auch die Ursache, weswegen Ungarn
der Deutschen Kirchhoff genand wird. Die-

/se

|P_118

/se Fleckfieber schreiben «sich da»< Manche>selbst von dem
Obste her; wie bey uns die Ruhr; «die» aber
so wenig «daraus, so wie» <als> bey uns die Ruhr
«entspringen,» viel«chen»<mehr> ist das Obst ein Reme-
dium dafür. In Feldlagern kommen auch die
die Krankheiten größesten Theils nur von den
Morrasten her, die nicht weit davon liegen.
Die berüchtigsten Sümpfe sind die Po«m»<n>tinischen
Sümpfe von Rom nach Capua zu. Viele kleine
Strohme haben daselbst nicht ihren rechten Ab-
fluß, sondern bleiben da einigermaßen
stehen, und daher kommen die Sümpfe. Der
Wind der von da wähet, «der» kann auch in
der Entfernung einen <%.Menschen> plözlich ersticken. Hernach <Dann>
giebts auch Morräste in England, und zwar
bey Lincholm.

/ ≥ Von der Luft. ≤

/Man theilt die Luft in 3 Regionen ein.

/1. d<i>e«r» erste erstreckt sich «soweit,» bis in die Höhe
wo der Schnee nicht mehr schmilzt.

/2. die zweyte bis zu der Höhe, über welche die
die Meteore. d.h. LuftErscheinungen, sowohl
feurige als wäßrichte nicht mehr steigen.

/3. die 3te gehet bis zu der Höhe der Atmo-
sphäre.

/Die Höhe, in welcher der Schnee nicht mehr schmilzt
beträgt bey uns 6.000 Fuß, in Frankreich 10.000

/Fuß

|P_118R

/δ_Z_3

/<die Fieber entstehen %daraus>

|P_119

/Fuß, und auf den Cordilleren in Amerika 15.000
Fuß perpendiculairer Höhe.

/Die <2te> Region fängt da an, wo die erste auf-
höret, nemlich «nur bis» <in> «zu» der Höhe, über
die die Meteoren nicht mehr steigen. Die Wolcken
gehen in dieser Höhe nicht möher als 1 teutsche
Meile. Sehr wenige Wolcken steigen über 6 bis
<?> 1.000 Fuß. Die übrigen Meteoren aber, als Stern-
sch<n>uppen, Nordlichter, FeurKugeln etc. kommen
«von» <in> einer Höhe <vor> die weit größer ist. Doch
befinden sich auch die Nordlichter nicht sehr hoch.
Denn nach den Beobachtungen, die in Wardhus
angestelt sind, hat man gefunden, daß die
Nordlichter eben so, als wie die Regenbogen,
nichts mehr als eine Refraction der Luftstrah-
len «seyn, die aus» <in> den Schneetheilchen <ist>, <die> in
hohen Gegenden erzeugt werden. Und wenn
das ist, so müßen sie nicht hoch «steigen» <seyn>.

/Wo hört alle Luft auf? Da, wo ihre Ver-
dünnung so groß ist, daß sie sich nicht mehr
viel ausdehnen kann. Es ist <%nichts> dünner als
das Licht, obgleich dieses von <so> zarter Natur
ist, daß es von allen Körpern überhaupt re-
flectirt wird.*1 Der Raum, der mit Luft
angefüllt ist, betragt ohngefahr 300.000 Fuß
oder 9_1/2; deutsche Meilen.

/Jezt

|P_119R

/δ_Z_24

*1 %.durch %.das Licht wird man in
Stand gesezt die Höhe der
Atmosphäre zu bestimmen.>

|P_120

/Jezt wollen wir ihre Eigenschaften überhaupt
erwägen, und zwar

/1. Ihre Feuchtigkeit und Trockenheit. Eine Luft heißt
nicht feucht, <%.nicht> wenn sie nicht viele wäßrichte
Dünste hat, sondern wenn sie nicht viele
Feuchtigkeit verschlucket; trocken aber, wenn sie
dazu fähig ist. Man beurtheilt also die tro-
ckene und feuchte Luft nach den verschie-
denen Gegenden, «darin» <wo> sie entweder
Feuchtigkeit einziehet, oder fahren läßt.

/Die größeste Feuchtigkeit kommt nicht sowohl von
den nahen Meeren als

/a. Von dicken Wäldern, und

/b. Von Morrästen. Denn es giebt schöne trockne
Gegenden, wo «keine» Landseen <sind>; aber um
desto mehr <*1> Morräste sind, «und» die also
die Ursache von der Feuchtigkeit der Luft
sind.

/Daß die Wälder «ein» Feuchtigkeit verursachen
siehet man daraus: Die Blätter der«er»
Blumen dünsten erstaun«end,»<lich> «ein»<viel> aus ZE
ein Hopf«en» Garten<blumen> dünstet mehr aus, als
eine gleich große Fläche *2 Waßer. Die Ge-
wächse pflegen aber auch (in der untern
Luft) die Feuchtigkeit in sich zu ziehen. «Daher
an solchen Orten ZE
» <I>«i»n Portobello einem
Hafen, <können oder konnten> die franzosische Akademiker ihr Pa-
pier nicht brauchen «können», weil wegen

/der

|P_120R

/δ_Z_16

/<*1 feuchte Gegenden, wo>

/δ_Z_16

/<%vielleicht
%.auf der untren Seite>

|P_121

/der Feuchtigkeit der Luft die Tinte auf dem Pa-
pier gleich verfließt.

/<Wenn> «Weil» die Morräste «auch» dem Schein der Sonne
«nicht entgegen» <sehr %.aus>gesezet sind, so verursachen sie
«auch» zugleich eine feuchte «aber auch» %.und gefährliche
Luft. (In den nördlichen Gegenden ist das
Licht so gefährlich als in den heißen.)

/In den nordlichen Gegenden von Egypten
giebt es eine sehr trockne Luft, wo die Ein-
wohner kein anderes Mittel haben, als daß
sie künstliche Fontainen machen, womit sie
das Waßer in die Luft spritzen, um sie
etwas feucht zu machen, oder sie bedienen sich
auch gemeiner Aeste dazu.

/Am arabischen Meerbusen ist ein Hafen Gamro
daselbst trocknet der Schweiß gleich weg, und
die Europäischen Völcker werden daselbst auf
solche Art gleich «entzückt»*1. die Blutgefäße «nun»<%nämlich>
«verursachen dadurch» <gerathen %.dadurch in> Inflammation. Sehr
trockene Luft muß also immer so viel als %.möglich
vermieden werden. Wir athmen die Luft
in uns <ein> und «dadurch thut sie uns» <erfahren %dadurch> zwey Wür-
kungen: <%Wir %.verhalten uns zu ihr wie>

/$a$. «Als» eine pneomatische Maschine, da sie die
Lunge aufblaset, und dadurch «zuwege brin-» <bewirkt,>
«get», daß das Blut die Adern gut durch-
«circuliren» <strömen> kan.

/$b$. daß sie die faulen Theile aus der Lunge weg-
nimmt.

/Unsere

|P_121R

/δ_Z_18

/*1 entzündet

|P_122

/Unsere Lunge ist dasjenige «Viscus» <Vehikel>, wodurch die
Natur besorgt war, die faulenden Partikelchen
wegzuschaffen.Unsere Lunge nimmt aber auch
aus der Luft NahrungsSäfte, die mit dem
Blut vermischt werden. Wenn wir riechen, so
ziehen wir die Dünste mit in die Lunge. die
Passage nach der Lunge ist mit Nerven ver-
wahrt. Riechts gut, so nimmts die Lunge auf
und behält es, weil es ihr dienlich ist. Was übel
«w»<r>iechendes nimmt sie nicht auf, weil sie einen
Wiederwillen dagegen bezeiget. Vitriol, Alaun
und Schwefel sind ihr nachtheilig. Denn der
Dampf des Schwefels, den wir in uns ziehen, der
ziehet die Lunge zusammen, welches das
Stipticum genand wird.

/Eine feuchte Luft trock«t»net nicht, folglich ist sie
auch nicht für uns so nüzlich, als eine mittelmäßig
trockene Luft, weil diese die Dünste aus uns
wegschaft. Die feuchte Luft aber schluckt die
faulen Dünste nicht leicht auf sondern sie
werden in unserm Körper aufbehalten,
folglich ist sie der Gesundheit nachtheilig. Ist die
Luft aber wiederum sehr trocken, dann trock-
net sie die Lungen_Bläschen«s» allzu geschwinde
aus, welche da sie nicht gleich feucht werden
zum zerreißen <geneigt> «auferlegt sind». Dadurch entstehen
denn die BlutGeschwüre, %.und andere Krankheiten,
<so> daß also in einer sehr trockenen Luft nur lauter

hectische Personen leben.

/2.

|P_123

/2. Die Reinigkeit der Luft beurtheilen wir so, wie
alles andere «durch» <@auf@> ihrer Durchsichtigkeit: denn
wenn die Dünste ganz aufgelöset sind, «denn»
sind sie auch durchsichtig und rein. Solche Luft
befindet sich auf hohen Bergen. Ein Beweis-
Grund von der größesten Reinigkeit der Luft
ist, wenn die Sterne das bebende und wan-
kende Zittern nicht haben. Wir sehen sie sonsten
immer zitternd, welches daher kommt, weil die
Dünste in der Atmosphäre, durch die wir sehen
müßen, in beständiger Bewegung sind.
(Im @Trac¿@ <?> Arabien oder im alten Chaldea, sind
lautter Häuser mit «solchen» <platten> Dächern. Auf die-
sen Dächern schläft man auch, weil die
Luft da so trocken ist, daß sie «so»gar keinen
Thau mit sich führet. Nun wird begreiflich,
wie die Astronomie in diesem Lande hat so
früh entst«standen»<ehen> «seyn» können. Die Einwohner
daselbst haben lange Nachte, indem die Sonne
um 7 Uhr des Morgens aufgehet und um 7 Uhr
des Abends untergehet. Daher ist in den Ländern
in denen der Regen so spahrsam ist, die Luft
so heiter, daß die Einwohner bey ihren langen
Nächten, obgleich sie einiger maßen kälter
sind, als bey uns, erst«lich» einem Theil
von Sternen Namen«s» geben, hernach «nach» ihre«n»
Laufbahnen zu «spühren» <beobachten> anfingen p. daß es also
ganz natürlich zugieng, weswegen sie sich eher
als andere Völcker auf die Astronomie gelegt
haben.

/3.

|P_124

/3. Gesundheit. Die Luft ist entweder zuträglich oder
nachtheilig. Wo es keine epidemische Kranck-
heiten giebt, da ist eine gesunde Luft<.> «ZE»
«i»<I>n Grönland und überhaupt im kalten Clima
werden die Menschen nicht sehr alt, und ihr
Körper wächset auch nicht groß. (Da die
Maschiene irgend einer Luft also beraubt
ist, so ist es auch kein Wunder, warum die Men-
schen daselbst sehr kurz leben.)
α_<In Oertern gibt es> «Aber» Eine Luft, «ist» <die> «besonders» wegen ihrer
Gesundheit berufen <ist>, als

/a. die Luft auf den Insell Bermudas, wohin man
Reisen anstellte, um diese gesunde Luft
zu genüßen

/b. In Brasilien. Dies Land liegt an <der> See so wie
alle Länder, die wegen der gesunden Luft
berühmt sind. Das See_Waßer corroboriret
mehr als das süße Waßer. Daher hat man
auch gefunden, daß die kalten Bä«n»der von
SeeWaßer mehr Würckung thun als von
einem andern Waßer. «Daher hat man auch
gefunden, daß die kalten Bä«n»der von
SeeWaßer mehr Würckung thun als von
einem andern Waßer.
» («daselbst ist auch noch
die Seeluft
» <Auch %diejenige Luft ist> ungesund, «wenn sie» <die> mit den Dün-
sten von Gewächsen vermischt ist.

/c. <bei> Montpellier in Frankreich ist auch eine gesunde
Luft, imgleichen

/d. In Liesabon <lißaboa>. Die Englander besuchen die-
sen Ort sehr oft.

/NB

|P_125

/NB. Seereisen scheinen in Ansehung vieler Krank-
heiten Mittel zu Genesung zu seyn, be-
sonders für Personen, die abgehend und
hypochondrisch sind. Montpellier ist aber der
Haupt_Ort vor allen übrigen, wo man hin-
reiset, um durch die Luft, und durch
die Lage des Orts seine Gesundheit
<her>zu« repariren» <stellen>.

/e. Nizza. Dieses scheint auch ein vortheilhafter Ort für
die Gesundheit zu seyn, nur daß er nicht
so angenehm ist, wie Montpellier.

/Hingegen giebts auch eine sehr ungesunde Luft, die
wir nun jezt betrachten wollen.

/Der hauptsächlichste Grund der ungesunden Luft
ist das lange stehende Waßer, und wenn vor-
nehmlich noch die Sonnen_hitze dazu kommt. Wenn
solche Waßer «da» <an solchen Orten> sind, wo die Nächte kälter
sind als die Tage, dann ist daselbst die Luft am
schädlichsten. Dieses ist auch die Ursach von den
Krankheiten an den Morrästen der Donau.

/In Afrika ist eine Insell St. Thomas, die unter
dem Aequator liegt, von einem unvergleichli-
chen Boden, hat schöne Gebürge, Wälder p. In
den Städten derselben siehts so gefährlich mit
der Gesundheit aus, daß Fremde daselbst <oft> in Ei-
ner Nacht sterben «müßen».

/Die Holländer haben eine sehr große Liebe
zum Vaterlande, besonders aber zu Amsterdam.
Als sie nach Iava reiseten, so bauten sie sich

/da

|P_126

/da auch eine Stadt, welche jezt Batavia heißt
und Amsterdam gleich kommt, wo aber auch die
Luft höchst ungesund ist. Denn erstlich lieget
der Boden sehr niedrig, die Kanäle sind ste-
hend, und mit Brunnen bepflanzt, welche noch
verhindern, daß die Sonne die Feuchtigkeit daselbst
nicht austrocknen kann. Dies alles ist die Ursach
von der Ungesundheit der Luft in Batavia,
<so> daß fast alle Jahr die Hälfte von den Europä-
ern, die dahin kommen, sterben. Deswegen
können sie sich auch hier gar nicht vermehren,
und sie hätte «es» weit beßer gethan, wenn
sie Batavia wenigstens 1/2 Meile von dem
Orte, wo es jezt stehet, ge«h»<b>auet hätten.
Denn die ungesunde Luft «v» <um> Batavia er-
streckt sind gar nicht weit.

/(In Afrika beym Ausfluß gewißer Ströhme
wird der Boden sehr schwach <?>, und bestehet aus
einer schwammigten Erde. Die Engländer
nennen diesen District Senegamien, weil
es zwischen Senegal und Gamia liegt. Wenn
nun das Fleisch von solchen Orten in die
Schiffe gebracht wird, so sterben viele Ma-
trosen bloß von dem Geruch desselben.
Daher sind schon gewiße Negers dazu be-
stimmt, die diese National-Luft vertragen
können.)

/In Sumatra konnten die Engländer auch keine
dauerhafte Factorey errichten. Denn die

/mehresten

|P_127

/mehresten Leute, starben ihnen daselbst immer aus,
bis sie den sumpfigten Boden bemerkten und
nicht weit davon ihre Factorey baueten.

/Es sind 2 Länder, <%.Aegypten %und %Arabien> die weit entfernt «sind» ei-
nen feuchten Boden zu haben «als Egypten
und
» Arabien, und die doch der Sitz %.vieler
solchen ansteckenden Krankheiten sind, <wie sie> «der-
gleichen
» in der ganzen Welt nicht zu fin-
den sind. Unter diesen Krankheiten sind
besonders

/1. Der Aussatz, der einheimisch in Arabien
und Egypten zu «finden» ist. Solche Perso-
nen sind ungemein «sehr»verderbt und
verliebt, und bekommen zulezt ein ganz
scheußliches Gesichte.

/2. Die KinderPokken haben sich aus diesen Län-
dern in Europa ja in der ganzen
Welt ausgebreitet. Im Anfange des 7ten
Jahrhunderts hat man die erste Nachricht da-
von gehabt. Sie wurden die Krankheit
der Franken und Europäer genandt, weil
sie sie weiter ausgebreitet haben. Die
Pokken befinden sich auch in Amerika, Grön-
land etc. Sie sind nicht anzusehen als eine
Krankheit, die aus sich selbst entspringt, son-
dern nur als eine Contagion blos durch
Berührung der Kinder; auch durch den
Athem. ( Madame de Monteque brachte zuerst

/hieher

|P_128

/hieher aus Constantinopel die Kunst die Pokken
zu oculiren) Die Constantinopolitaner haben
sie von den Braminen bekommen

/3.) Die Pest scheint in Egypten mehr als in Ara-
bien zu wüten.

/Man ist «einer» falsche«n»<r> Meinung, wenn man
glaubt, daß sie hier bey uns in Europa
entstehen könne. «Denn» Es mögen ansteckende
Krankheiten, die so nachtheilig sind als die
Pest, immerhin in unseren Landen entstehen; so
ist es doch keine Pest. Denn diese kann nicht
anders entstehen, als sie muß entweder aus
Egypten kommen, oder wir « recepiren» <bekommen> sie
von einem, der sie schon gehabt hat. Diese
Pest <hat> vor allen ein Merkmahl, und das ist
das Karbunkel Geschwür. Aleppo bekommt
sie von der Südseite von Palestina.

/Die Opinion der Mahomedaner, indem sie
glauben, daß die Verhinderung «und Vorbeu-
gung <%.gegen %.die>
» der Pest als ein Frevel wi«e»der die
göttliche Religion anzusehen sey, macht, daß
die Pest unter ihnen so sehr um sich greift.
Man behauptet daß die Pest in China noch
nicht gewesen ist, obgleich sie fast alle
Länder des Erdbodens durchgestrichen *1

/4.

|P_128R

/δ_Z_25/6

/*1 <der natürliche Grund %.davon scheint
mir der geringe Verkehr %mit
%.anderen Nationen, %.von denen
sie angesteckt %.werden könnten.>

|P_129

/4. Die venerische Krankheiten können auch nicht anders
als durch eine Contagion <entstehen> und zwar kommen
sie aus Amerika.

/Es giebt noch epidemische Krankheiten, die gewi-
ßen Völckern eigen sind, aber zu gewißen
Zeiten aufhören, so sind ZE die PokkenGicht und
Vieh-Seuche. Die lezte hat angefangen, da
man die Viehweiden anfi<n>g einzuschränken,
wo das Vieh das zu fressen gezwungen
war, was es nicht <ver>zehren mag; alsdann be-
kommt es erstlich einen Schnuppen; wenn die-
ser bösartig ist, so entstehet eine Contagion.
«und w»<W>enn <nun> «auch» die Stallfütterung aufgehoben
würde, dann würde auch alle Vieh-Seuche
abgeschaft werden.

/ ≥ Von den Winden. ≤

/Wenn die Luft von der Sonne an einem
Orte mehr afficirt wird, als an dem
andern, imgleichen wenn die Luft im
Norden zusammengepreßt und im Süden
alsdann nothwendiger weise <ausgedehnt> dilatirt wird, <ausgedehnt>
so wird das Aequilibrium der Luft aufge-
hoben, und es entsteht ein Wind.

/Alle Inse«l»ln im heißen Erstrich «als ZE»
Iamaica, Barbadox, de la Cruze haben 2 Win-
de

/1. den See- und

/2. den Land-Wind.

/Den Tag hindurch wähet der Seewind, dieser
kühlet die Zeit durch die Inseln.

/Wenn

|P_130

/Wenn der <Abend> Wind kommt, so läßt der Seewind
nach und schon um 7 Uhr des Abends fängt
ein AbendWind an, der warm ist. Nach Son-
nen Aufgang hört er wieder auf. Dieser
Wechsell der Winde macht, daß man zwischen
den Insell«e»n bestandig Winde antrift, die
bald wärmen bald aber wieder abkühlen.

/ ≥ Die Winde nach ihrer Qualitaet, Feuch-
tigkeit, Trokenheit, Wärme, Kaelte, Ge-
sundheit <etc.> beobachtet. ≤

/Die WestWinde sind bey uns feucht. Die Ur-
sache, wie wir «sie» dafür halten ist «nemlich»
daß sie über große Meere kommen, aber
diese ist falsch, denn obgleich sie Dünste mit
sich führen, so folget doch noch nicht daraus,
daß sie dieselben sollten fallen laßen,
eben so wenig als das Waßer, worinnen
Saltz aufgelöset ist, dasselben von sich laßen
wird. Was die wahre Ursache also anbe-
trift, weswegen die WestWinde die Feuchtig-
keiten fahren laßen, so ist und dieselbe
nocht unbekand. der WestWind in NordA-
merika in Boston ist trocken. Ingleichen
sind die Winde, die über SandWüsten, beson-
ders über hohe Gebürge wehen sehr trocken,
weil die obere Luft auch von großer Trocken-

/heit

|P_131

/heit <ist>. An der Küste von Guinea ist eine sehr troc-
kene Luft, wo das Holtz, wenn der <W> «w»ind
wähet solche Spalten bekommt, daß man die
Hand darinn legen kann uned sobald dieser
Wind aufhöret, sich so zusammen ziehet, daß man
nicht mercken kann, wo es gespalten war.
Die Winde aus NordOsten und NordWesten
sind kalt; aus SüdOsten und SüdWesten aber
warm.

/Unter allen heißen Winden ist in Italien
berühmt der Sericco, den die Alten Africus
nandten, der in einer kurzen Zeit die
Steine so erhizt, daß man die Hand nciht
daran halten kann. Es gehet diese Hitze
des Sericco weit über die Hitzes der Blut-
Wärme. Ein jeder Wind, den wir «jemahls»
in Preußen «ge»<emp>funden haben, «der» kühlt uns.
Aber <es> ist nicht alle«rwärts»<%.nthalben> so, und vor eini-
gen muß man sich sehr hüten, indem sie
einen Menschen so erhitzen, daß er in Gefahr
steht aufgerieben zu werden. Wir leben
in einem solchen Strich, wo die Hitze der
Winde niemahl«en»<s> den 6ten Grad des Fahren-
heitischen Thermometers erreicht, daher kühlen
uns immer die Winde, weil sie kälter
sind, als die Hitze unseres Körpers. Wenn aber
der Wind heißer ist als die Hitze des Bluts
dann muß er nothwendig viel Schaden an-
richten. So sind die Chamsen in Egypten, die
schon zu Anfange des Iunius zu wähen an-

/fangen

|P_132

/fangen. Da«s» schl«ü»ießen «ihre» <die> Einwohner ihre Zimmer
zu, und sprützen Waßer in die Luft, um
sie <ab> zu «er»<¿>kühlen. Der e»<i>ricco macht aber in
sehr kurzer Zeit ganz matt, so daß er in
24 Stunden *1 ganz aufreiben kann. Noch ge-
fährlicher ist aber der «Samiel» <*2 Samum> in Persien
der kommt von NordOsten und Arabien
und zwar über Sand Wüsten. Wenn dieser
Wind w«ä»ehet, dann ist die Luft ganz röthlicht.
Er gehet nicht hoch und scheint auch nicht die
Erde zu berühren. Wehe aber dem, der
sein Gesicht diesem Winde entgegen stel-
let (besonders die Nase) denn er ersticket
gleich. Wenn der Körper getödtet ist, «dann»
ist er auch gleich aufgelöset, und so klebricht
daß wenn man sein Bein anfaßt, man
es gleich in der Hand behält. Die Ursache von
diesem Winde ist: Er w«ä»ehet über Sand-
wüsten, der Sand ist aber electrisch, und
«dann» <so> scheint er wegen der Hitze viele e-
lectrische Materien von sich zu exhaliren,
welche hernach die Winde mit sich führen.
Dies ist auch die Ursache von den Windw«ü»ir-
beln. Indostan ist das von der Natur
am reichesten versehene Land; es enthält
viele mannigfaltie Produkte der Natur.
Hier hat die Natur aber auch viele Sandwüsten
mitten unter den fruchtbaren Gegenden

/verbreitet

|P_132R

/δ_Z_4

/*1 <den %.Menschen>

|P_133

/verbreitet, die auch heiße Winde verursachen.
Man hat gefunden, daß wenn die heißen
Winde w«ä»ehen auch fast alle Leute krank
werden, darauf ist aber die Luft so gesund
daß «sie ohne diese heißen Winde» <die Leute> auch fast alle
wieder gesund werden.

/In Narbonne werden die Einwohner, wenn
der Sand Wind wehet, mager und krank. Ueber-
haupt «thut»<hat> «es»<er> auch in Griechenland <%.eine> solche
Würckung, daß er die Käfte «der» <%.und die> Munter-
keit des Gemüths auf einige Zeit stumpf
macht, daß er aber durch seine Farth über <%.das>
«alle» attlantische Meer«e» diese Eigenschaft
α_nicht verliehret, ist unbegreiflich. <##sat> die«se» Ge-
schwindigkeit der Winde ist jezt eben so,
wie die Menge der Sterne zum Sprüchwort
geworden. Wenn man aber die Geschwin-
digkeit der Winde meßet, wozu man ein
Instrument hat, das « ani»mus <anemus> metris genand
wird, so findet man, daß der Wind, der
in einer Secunde 24 Fuß zurücklegt, der
größeste Sturmwind ist, der Bäume etc.
umwürft. Aber die Englische RennPferde
lauffen in einer Secunde 61 bis 62 Fuß.
Der Condamine ein französischer Akade-
mikus hat dieses beobachtet, und merkt an, daß
es wenn mans nicht sieht, ganz unbegreif-
lich ist.

/Ein

|P_134

/Ein barbarisches d. h. ein aus der Barbarey
ge«e»kauftes Pferd läuft ohne Reuter 50 bis 51
Fuß in Einer Secunde; solche Sturmwinde
«sich» <sind> bey weitem nicht anzutreffen. Unter
den SturmWinden sind die berühmtesten die
Orcane (eigentlich sollte man nur die Winde,
die sich bey den Attillischen Inseln, die die
Holländer Westindien nennen, ereignen, Orcane
nennen) Er bricht aus NordOst und treibet
Wolcken, die sich (pumpen und) immer kräu-
seln. Ein solches Kreuseln wird Typhon
genand. Wenn dieser Wind wähet, so kocht
das Chinesische Meer, und wird warm. Vor-
mahlen richteten die Orcane einen großen
Schaden an, ehe man ihre nahe Anwesenheit
merken gelernt hatt, besonders sind die
Schiffe dieser Gefahr ausgesezt.

/Hernach sind «d» noch zu merken Stürme,
die die Holländer die Ochsen_Augen nennen.
Sie entstehen über dem Taffelberge in Capo
bonae fpei. Oben entstehet ein kleines
rundes Wölckchen, und das ist auch die Ur-
sach, weswegen dieser Wind ein Ochsen-
Auge genand wird.

/Im heißen Weltstriche gehen schon die Winde
nach anderen Regeln als bey uns ZE im Ben-
galischen Meerbusen <im %.antillischen> attillischen und Chinesischen
Meer, die nahe an den Ländern liegen.
Diese Winde werden von den Engländern

/Morzan

|P_135

/Morzan und Mouchons genand. Diese wehen nach
den JahresZeiten. In unsern SommerMonathen
wehet von Anfange Aprills bis zum Sep-
tember Westwind mit Regen, und in andern
Monathen, NordOstWind mit trockenem Wetter.
Zwischen dem Wechsell dieser beyden Mauschons
welches im Frühling und im Herbste ist
sind die ZweifelMonathe. Da entstehen denn
entweder viele Stürme oder Windstillen. In
diesen Monathen man man nicht gern auf
Reisen seyn.

/Beständige Winde nennt man Passat-
Winde, die in gewißen Gegenden wehen.
Der Oestliche Passat-Wind ist zwischen den
beyden Tropicis. Ueber den Tropicis ist
der nördliche Passat-Wind. Außer den
Passat_Winden sind noch stehende Winde,
die von der Art sind, daß sie beständig
«@in@» <%durch> einer Gegend w«ä»ehen ZE an der Küste
von Süd_Amerika wehet ein beständiger Süd-
Wind.

/Unter den mancherley Wind_Würbeln ist
die Waßerhose die beträchtlichste. Von
Weitem hört man kein anderes Geräusch
als ob Gänse flie«h»<g>en «mochten». Wenn es
dem Meere nahe kommt, so fängt das Meer
an zu brausen, hierauf steigt eine Menge
Waßer darin, und ziehet sich mit dem

/Winde

|P_136

/Winde weg, «da» <wo> sie dann, wenn sie über ein
Schiff kommt, dasselbe zu Grunde richtet.
Bey der Stadt Savana (Savanen heißen sonst
Wiesen, die neben den Flüßen liegen, auch
ein Fluß hat diesen Namen) «ist uns eine»
<gibt es öfter> solche Waßerhosen. Die Verwüstung war
einmahl so groß, daß sie, als sie in
die Stadt gekommen war, alles wie Spreu
zerstreuet hatte.

/ ≥ Von den Verhältnissen der Witterungen
zu den Jahres-Zeiten, Clima-
tibus und Land-
strichen ≤

/In dem ganz heißen Clima«te» heißt die
Regenzeit, der Winter. Was wir Sommer
nennen, das heißt bey ihnen Winter und
umgekehrt. (und dieses ist nicht der Sonne
wegen, sondern weil es alsdenn regnet).
So ist ZE in Indostan der Regen, sowohl
«wegen» seiner Menge als seinem Effect
nach unterschieden. In Frankreich beträgt der
Regen durchs ganze Jahr 16 Zoll, «¿¿» <in> «mitt-
leren
» <%.einem mittelmäßigen naßen> 18 und im ganz naßen 22 Zoll. In
Indostan aber und Bengala regnet es in
3 Tagen so viel, und also sezt es da die

/Erde

|P_137

/Erde in Einem Tage 7 Zoll unter «das» Waßer.
Bey uns können die Wolckenbrüche mit dem
Regen in heißen Clim«tibus»<s> verglichen
werden. Auf dem flachen Lande thun
sie keinen großen Schaden, indem sie blos
das Getrayde niederschlagen, wohl aber
den Gebürgen: denn wenn von denselben
sich das Waßer in die Thäler «sammlet» <ergießt>, so
entspringen Gießbäche, und reißende Flüße.
An der Küste von Guinea ist auch ein so
großer Regen. Die RegenZeit ist alsdenn
wenn der SüdWest Wind wehet, und dieses
geschiehet 3 Wochen nach dem Aequinoctio
auch wohl gar einen Monath darnach, welcher
der Zweifel Monath genand wird. Diese
Länder im heißen Clima«te» bauen deswegen
nur Reiß, denn dieser erfordert einen
sehr «harten» <naßen> Boden. Man kann daraus
sehen, wie ungesund diese Länder deswegen
seyn müßen, indem die Luft von dem
stehenden Waßer verpestet wird. Doch hat
die weise Vorsehung auch diese Länder mit
Sand_Wüsten gegabt, damit den Winde, welche
«darüber» <%.durch diesselben> wehen zum Gegengift dienen können <%.gegen> die
«denn» Ausdünstungen, die aus den stehenden Wä-
ßern und Sümpfen aufsteigen, und die Luft

/verpesten

|P_138

/verpesten. Man sieht auch, daß der Regen, in
diesen heißen Ländern oft den andern auch,
wo es gar nicht regnet zu statten kommen
kann ZE Wenn es in Aethiopien geregnet
hat, so ergießt sich das Waßer in de«r»<n> Nil,
und schwängert ihn so, daß er <sich> in Egypten
wo es gar nicht regnet, ergießen kann,
um die Felder zu befeuchten. Es giebt Län-
der, wo es gar nicht, auch <solche>, wo es beständig reg-
net. In OberEgypten, wie auch an der
Küste Chili bis Peru einem District von
150 Meilen, regnet es niemahls. Anno 1633
soll es da geregnet haben. I«n»<m> Delta in
UnterEgypten regnet es 3 mahl oder 4 mahl
im Jahre, sonst«en» aber gar nicht. Die Ur-
sache davon scheint diese zu seyn: Egypten
ist ein «Theil» <Land>, welches zwischen 2 Gebürgen
liegt, davon das eine, eine Stein- und das
andere eine Sand-Wüste ist. Es ist ein «schnel»
<schma>les Thal, welches nirgend«s» über 4 Meilen
breit ist. Dieses Land, welches zwischen tro-
kenen Gegenden liegt hat große Sand_Wü-
sten, deren Sand durch die große Sonnen-
Hitze eine electrische Kraft bekommt,
und auf solche Art werden durch die electri-
schen Würkungen die Wolcken beständig
von den Winden weggetrieben.

/An

|P_139

/An der Küste von Chili wehet <%.ein> beständiger
SüdWind, mit dem es daselbst so bewand ist,
wie bey uns mit dem NordWind. Die Regen-
zeit fangt im heißen Climate schon im A-
prillMonath: in Spanien im Junio und bey
uns im Augusto an.

/Alle Landstriche, die an der SeeKüste lie-
gen haben eine weit temperirtere Luft,
als die, welche tiefer «ins» <im> Lande «hinein»liegen,
und zwar kühlt die Seeluft im Sommer und
vermindert die Kälte im Winter. Bergen
in Norwegen hat eine 60 %Grad (großere) Breite
(als Petersburg) und da ist «auch» ein so geringer
Grad der Kälte, daß es im Winter nur regnet
und schneyet. Man darf nur<2> aber<1> einen
kleinen Weg thun über das Sara_Gebürge,
und «ist» da«selbst» <ist> eine «solche» Kälte, die die ent-
setzlichsten Würckungen thut. Die «a»<o>rcadischen
Inselln liegen noch Nordwärts von Norwegen
und dennoch haben hier die Leute noch Schaaffe,
die den ganzen Winter durch im Freyen
bleiben. Hieraus kann man sehen, wie
sehr die Seeluft die Kälte vermindert. Das
kommt aber daher, weil in der Tieffe des
Meeres eine Keller-Temperatur ist. Da
nun die Winde das Waßer bewegen, so daß
das untere nach oben kommt, so wird da-
durch die Luft, die an der See ist, im Sommer
ausgekühlt, bey großer Kälte aber im Win-

/ter

|P_140

/ter erwärmet. Ueberhaupt hat man bemer-
ket

/1. daß die Ostseite der Länder beständig kälter
ist als die Westseite. So hat Virginien einen
Winter, der eben so strenge ist, wie bey
uns, ob es gleich eben so (hoch) lieget als
Marocco, wo man doch von keinem Schnee
vielweniger vom Winter weiß. Auf der
Westseite von Afrika sind die Neger,
und auf der Ostseite die Kaffern oder
Kapern, die schon lange nicht so schwarz
sind als jene.

/2. Im südlichen Hemisphaerio ist es kälter als
im nordlichen ZE Terra del Fuego liegt im
55 %Grad der Breite, und also fast in eben der
Breite als Königsberg, und dennoch war
da im Sommer die Kälte so groß, daß
zwey Leute erfroren.

/3. Die ganze neue Welt ist kälter, als die
alte. (die größeste Hitze ist doch wenig-
stens 10 Grade <*1> geringer, als zu vori-
gen Zeiten.) Hieraus sollte man fast
glauben, daß die neue Welt, auch ihrem
Ursprunge nach, neuer wäre, als die
alte, weil man überdem auch findet,
daß sich die ganze Natur daselbst noch
nicht ganz (recht %.und accurat) ausgebildet
ha«be»<t>.

/In

|P_140R

/δ_Z_21

/<*1 %vielleicht größer>

|P_141

/In den alten Zeiten scheinen alle Länder
kälter gewesen zu seyn als jezt: und dieß
«macht» <lassen> uns «vermuthend» die verschiedenen Nach-
richten <%.vermuthen>, die uns übrig geblieben «seyn,» von
der Beschaffentheit der Luft in verschiedenen
Ländern, zu den alten Zeiten. Wenn man
ZE, lieset die Beschreibung der Römer von
den nördlichen Theilen «von» Italiens, und von
der Gegend um Genua, daß es wegen seiner
Kälte unfruchtbar gewesen, «welche man» so <ist dies jezt %nicht mehr der>
<Fall> «doch jezt findet, sondern» es ist jezt vielmehr
ein warmes und mit vielen Früchten geseg-
netes Land.

/Man findet weiter, daß die Ti«e»ber jährlich
einmahl gefroren gewesen. Dieses geschie-
het jezt nicht mehr. Caesar gieng mit seiner
ganzen Armee über d«en»<ie> gefrorene«n» Rhone;
dieses würde man jezt nicht thun können
weil dies Eiß niemahls eine solche Stärcke
erlanget. Zu der Zeit des Constantin«i» Capro-
nimus
war das ganze schwarze Meer zu-
gefroren; <%.und> dieses geschiehet ««d»au«r»ch jezo» nicht
mehr.

/Die Gegend um den «Dnister» <Dniester>, wo sich Ovi-
dius
wahrscheinlicher Weise im Exilio befun-
den, beschreibt er so «er»schrecklich, daß man
glauben müste, er wäre an den äußer-
sten Grenzen von Syberien gewesen, da

/doch

|P_142

/doch «zu dieser Zeit» <jezt> die Luft in dieser Gegend sehr
temperirt ist. Die Römer beschrieben die Län-
der am Rhein sehr rauh, jezt aber hält
man sie für die angenehmsten und fruchtbar-
sten in ganz Deutschland.

/Es giebt aber auch «Beweisthümer» <Gründe>, die uns
überreden, daß einige Länder vorhin sind<3>
wärmer<1> gewesen<2>, als jezt. In der Schweitz
sieht man aus dem tiefen Schnee noch Ficht-
ten hervorragen, die unmöglich unter dem
kalten Schnee können gewachsen «seyn», sondern
schon vor seiner Zeit müßen da gewesen seyn.
Ferner sieht man «an» <in> diesem Lande am Rhein
Eißberge, deren Höhe auf 6.000 Fuß perpen-
diculair beträgt, und die allenthalben von
Bergen umgeben «seyn» <%.sind>, mit denen sie «so»
gar nicht zusammen hangen, und an diese
nicht einmahl anstoßen. Es muß folglich eine
Zeit gewesen seyn, wo deas ganze Thal
zwischen den Bergen mit Schnee «voll» <angefüllt> gewe-
sen, weil man sonst«en» nicht begreiffen kann,
wie ein so großer Berg isolirt von allen andern
habe entstehen können. Dieser Schnee hatte aber
auch nicht zu einem Berge sich häuffen können,
wenn er nicht erst«lich» geschmolzen, <%.und dann> als Glätscher
von den Gebürgen ins Thal herabgefahren <wäre>
und sich angesezt hätte. Hieraus kann man
ersehen, daß die Sonne eine stärkere Wür- 

/kung

|P_143

/kung in vorigen Zeiten auf dieses Land gehabt
habe. Denn jezt schmilzt der Schnee in einer
Höhe, die so groß ist, nicht mehr. Es ist hier
also schwer etwas zu unterscheiden, denn
man hat noch nicht genung beobachtet, um da-
von Gesetze angeben zu können. Man
sieht «doch aber» gleichwohl aus alle diesem,
daß verschiedene Revolutione«s»<n> auf der Erde
müßen gewesen seyn, welche vorzüglich durch
«die» magnetische <?> Kraft <möge> bewürkt werden.
Doch läßt sich von allem diesem nichts mit
Gewißheit sagen, sondern nur bloß ver-
muthen

/Viele von den Physi«cis»<kern> haben die Verän-
derung der Temperatur «von» Deutschlands aus
der Ausrottung der vielen Wälder erklähren
wollen; doch kann alles dieses nicht eine so
große Verenderung bewürket haben. Die
Wälder machen zwar kühle Luft, aber
sie halten auch oft die Kälte ab, indem
sie die kalten Winde nicht durchlaßen.
Francklein in seiner Reisebeschreibung sagt,
daß in NordAmerika sehr große Wälder
gewesen, deren Ausrottung, «welche
von den
» <%.durch> Engländern «geschehen», dennoch keinen
Einfluß auf die Witterung gehabt
habe«n».

/Plan

|P_144

/ ≥ Plan
von
der alten Geschichte der Erde ≤

/Wenn wir in eingen Gegenden die Erde durch-
graben, so finden wir unterirrdische Wälder.
Von dem Lünebürgischen an bis Frießland findet
man ein ganzes Stratum von Bäumen, die
alle niedergestreckt liegen, und ihre Gipfel nach
Westen und die Wurtzel nach Norden gekehrt
haben. Auch bey uns giebt es eben solche
Lagen von Bäumen.

/Ferner findet man ganze Strata von Kno-
chen der Landthiere, «A»<a>ls in der Höhle auf
dem Fichtel-Berge, wo man Knochen von
Elephanten, und von verschiedenen oft ganz
unbekandten Thieren antrift.

/Daß es große Uebereinstimmungen gegeben
siehet man aus den verschiedenen Stratis
von Muscheln, die man in ihrer wahren
Lage selbst auf hohen Gebürgen in der
Schweitz, die 4.000 Fuß über die Fläche des
Meeres erh«a»<o>ben <sind> «seyn», antrift.

/In Modena, wenn man da die Erde durch-
gräbt, «so» findet man erst«lich» einen Nuß_Wald
hernach ein Stratum von Muscheln, dann wie-
der Knochen von Landthieren etc. Hieraus sieht
man, daß Ueberschwemmungen zu verschiede- 

/nen

|P_145

/nen Zeiten auf der Erde müßen gewesen seyn,
und die Erde hat«te» sich «fast samt» <%.mit> ihren Arten
von Geschöpfen <fast> nicht anders als durch eine
neue Schöpfung fortpflanzen <verjüngen> können. Die Ober-
fläche des festen Landes «,» scheint sich jezt nicht
merklich zu verändern, obgleich einige glauben,
daß durch eine lange Zeit der Boden ver-
alte. Grüner in seiner schweitzerischen Rei-
sebeschreibung«,» behauptet, daß selbst das
feste<ste> Gestein«,» die Felsen durch die Länge der
Zeit etwas leiden, obgleich diese Zeit erstaunlich
«und» lang«e» seyn muß. Einige haben sogar
geglaubt, daß die großen SandWüsten in
Arabien und andern Ländern nichts anders
als eine große Strecke verw«e»itterter Fel-
sen seyn, welche sich in <d.> sich aufgelöset
haben, woraus sie vorhero entstanden
sind.

/B«o»uffon glaubt, daß die Berge durch den
Regen abgespühlt, und erniedriget werden.
Einige wollen auch beobachtet haben, daß
die Felsen in der Schweitz sehr poreuse
und durchgefreßen «seyn» sind. Doch geschiehet
alles dieses sehr unmercklich. Ein gewißer
Engländer Wood scheint aber diese«m»<n> vor-
hergehenden Beobachtungen zu wi«e»der-
sprechen, indem er die Gegend von Troya
besichtiget hat, und dieselbe eben <so> «unverändert»

/gefunden

|P_146

/gefunden, wie sie Homer vor 3000 Jahren
beschrieben.

/Eben so hat ein gewißer Ritschkow seine
Reisen ins orenburgsche Gouvernement beschrieben.
Dieser hat noch die alten Vestungen angetrof-
fen, welche «mit» <%.von> hohen, mit Gras bewachse-
nen Wällen umgeben sind, und die vor
vielen Jahrhunderten, von den alten Tar-
taren, welche die Rußen Schudi nennen
(Schudi nennen die Rußen alle alten
Völcker, die jemahls an einem Orte gelebet
haben) sind aufgeführet worden. - Man soll-
te «auch nach» diesen Berichten glauben, «und» <daß> keine
merkliche<n> Veränderungen auf der Oberfläche
der Erde vorge«b»<h>en.

/Indessen haben wir auch Gründe, das Ge-
gentheil zu glauben. denn

/1. Man findet da <M>«m»erckmahle von alten
Meeren, wo jezt festes Land ist. Auch selbst
in solchen Gebürgen als ZE in der Schweitz,
die über 6.000 Fuß hoch «seyn» <sind>, findet man
ordentliche Lager von Seethieren, die so
unvermengt «seyn» <sind>, daß man daraus ab-
nehmen kann, daß sie nicht bloß dahin
gespühlet, sondern würcklich erzeugt wor-
den sind. Und dieses wird in allen Län-
dern angetroffen.

/2. Man findet auch wiederum Spuhren vom fe-
stem Lande, welches vorher eben gewesen
und jezt tief unter der Erden leigt, und mit

/ganz

|P_147

/ganz anderen Schichten bedeckt ist. «Als» In der
Mannsfeldischen Gegend, «da» gräbt man
Schieffer, woriinn allerley Abdrücke von
Fischen wahrgenommen werden, und zwar
so deutlich, daß man unterscheiden kann, was
es «vor» <für> Fische gewesen sind. Aus diesem
Schieffer wird daselbst Kupfer geschmoltzen.

/Bey Aichfeld findet man in der Erde 1.140
Fuß tief ein Stratum von einer Wiese, wo
noch Produckte, als Blumen, das Kraut Asto-
mantanus etc. angetroffen werden.

/3. Man findet auch Knochen von Landthieren«,» in
den Stratis der Gebürge, und noch mehr
in den Schichten des festen Landes. See-
thiere findet man auch in den Marmor-
Felsen

/Die Gegend am Eiß_Meer enthält viele Elephan-
ten Knochen, imgleichen führet das der Donau Strohm
solche bey sich, welche man auch <be>sonder<s>«lich» häu-
fig in den Morrästen «daselbst» <derselben> findet.

/<Be>«S»<s>onder<s>«lich» bemerkt man große Veränderun-
gen des Clima«ti»s. Denn wir finden Indiani-
sche Thiere, auch Muscheln Indianischer Art
bey uns, und einiges liegt sogar auf der
Oberfläche.

/Im Harz_Gebürge findet man Crocodillen
Gerippe, Knochen von Eichhörnern p. Bey <Einhörner>
Turrero in Frankreich, wo strenger Acker ist

/tünget

|P_148

/<dünget> tünget man denselben mit lauter Muscheln, wel-
che kalckartig sind, und die man auf der Ober-
fläche der Erde in großer Menge findet. «d»<D>urch
die Sündfluth hat dieses alles nicht geschehen
können. denn diese war nur eine Waßer-
fluth, die die Erde so gelaßen hat, wie
sie war; sondern es müßen nothwendig
andere Revolutiones, «die» <wie> man aus den«en»
an«f»geführten Umständen ersehen kann, mit
einmahl über die Erde gekommen <seyn>, also hat«te»
nothwendig eine neue Schöpfung vorgehen
müßen. «Sie» <Diese Veränderungen> haben zwar alle Länder be-
troffen, aber nicht zu ein und eben derselben
Zeit, und vielleicht noch eher, als der Mensch auf
der Erde gewesen. Denn obgleich man allent-
halben Knochen von den Seethieren findet
und von Landthieren, so hat man doch nir-
gends dazwischen MenschenGerippe oder andere
Knochen entdeckt. Man darf auch nicht der
Schrift wi«e»dersprechen, wenn man das Al-
ter unserer Erde weiter hinaussezt, als es
Moses bestimmt. Denn er beschreibt nur die
Erde wie sie damahls gewesen, als Gott
den Menschen erschaffen. Die Naturbeobachter
müßen einen ganz andern Gang gehen, und
sich an keine«r» Offenbahrung halten. Und «wenn»
man kann das Alter der Erde schon immer
viele tausend Jahr vor Erschaffung des Menschen

/annehmen

|P_149

/annehmen, ohne der heiligen Schift zu wi«e»dersprechen.

/Ein Theil von Naturbeobachtern behauptet, daß
das feste Land immer mehr und mehr zunimmt
und daß sich das Meer zurück ziehet; und wenn
sie zurück gehen, in den alten Zeiten «,;» so sagen
sie, daß das Meer im Anfange die ganze
Erde bedeckt habe, und sich nur allmählich zurück<gezogen>
«ziehe». Ein anderer Theil aber «, welcher klein»
behauptet umgekehrt, daß das Meer immer mehr
Land «occupire» <einnehme>. Ein dritter Theil behauptet, daß
hierin keine Veränderungen vorgehen, son-
dern daß alles so sey, wie es war.

/Vor 1740 war über diesen Punkt noch kein
Streit, nur der P. Celsius in Upsall hat
diese Meinungen in «Flor» <Gebrauch> gebracht, weil er
besonders darauf seine Aufmercksamkeit ge-
richtet hatte. Er merckt an, daß über 30
Meilen von Stockholm ein Hafen mit Namen
Goevel ist, wobey sich Felsen oder Seehunds-
Steine befinden. diese besuchte er selbst,
und fand, daß innerhalb 50 Jahren, das Meer
sich so weit vom Felsen entfernt, daß man
aus dem Meere dasjenige Stück des Felsens,
welches ihnen vorher, so zu sagen, zur Leiter
den Felsen zu ersteigen diente, jezt gar
nicht mehr erreichen <kann>. Er verglich die Länge
der Zeit mit dem Zurückziehen des Waßers,
und fand da«s»<ß> das Meer in 100 Jahren auf 45
Zoll sich zurückziehe.

/Dalins

|P_150

/Dalins ein berühmter Gelehrte «,» schrieb die Ge-
schichte von Schweden, worinn er be<merkt>«obachtet»,
(wie Schweden in den alten Zeiten war
und findet,) daß Finnland ehemahls ganz unter
«dem» Waßer war. Man führet auch noch an,
daß zu den Zeiten der Kreutzzüge im 11 %.und
12ten Saecula die Stadt Fuae»icht an der Mün-
dung des Nilstrohms war, und daß sie jezt
5 Meilen davon entfernt sey. Indeßen siehet
man auch Ruinen der alten Stadt am Nil und
nur wegen «der» Unbequemlichkeit haben die
Einwohner eine Stadt unter demselben Na-
men 5 Meilen davon gebauet.

/Vom Gegentheil, daß das Meer sich nemlich
nicht zurückziehe, führet Siveno Bring fol-
gendes an: die dänischen Schlößer, die über
800 Jahre alt «seyn» <sind>, und in <der> See liegen, «al»so
daß sie das Waßer anspühlen kann, müßten
vorzeiten nothwendig, bis in der obersten
Etage «das» Waßer gehabt haben, (indem
das Waßer damahls so hoch stehen muste).
Dieses ist aber gar nicht wahrscheinlich.

/Linnaeus führet aber wieder Gründe an, die
ganz gewiß das Gegentheil beweisen. E«s»<r>
führet folgendes an: An der Küste von
Schweden, in der Gegend von Gothland sieht
man an den Muscheln, die «sie» <die Küsten> in sich enthalten *1.
α_gewesen seyn ###> Es ist also wahrscheinlich, daß die See «solche»

/errichtet

|P_150R

/δ_Z_27

/<%.vermuthlich: daß %.das Meer höher

|P_151

errichtet» <die Muscheln abgesezt> hat, inde«s»m <sie sich> «dieselbe» allmählich zurück-
zog. Hernach findet man noch an den«en»
Küsten Höhlen, welche anfänglich müßen klein
gewesen seyn; findet man einen Stein, wel-
cher, da das Waßer diesen Theil der Küste
noch überschwemmet hatte, darinn von dem-
selben «sey» <%müßen> herumgerollt <seyn> und «al»so diese runde
Höhle so weit <%müße> gemacht <haben> «worden»; Jezt kann
er aber nicht mehr gerollt werden; weil
das Waßer sich schon von der Stelle zurück-
gezogen hat.

/An der Küste von Phoenicien in der Ge-
gend von Tyrus, siehet man auch noch die
große<n> Bassins, wo man ehemahls das
Waßer hereinließ, daß es von der Sonne aus-
getrocknet würde, und nur das Saltz zurück
bl<ieb>«eiben möchte». Jezt gehet es aber nicht mehr an,
«die»weil das Waßer «allezeit» <immer> davon ent-
fernt ist. Imgleichen führt auch der Etats-
Rath Müller an, daß «e» Eine Meile vom
Ufer des EißMeeres, alte Fahrzeuge, im-
gleichen sehr viel Treibholtz lieg«t»<e>, welches
noch nicht versenkt <fault> ist, und woraus man
also schlüßet, daß das Meer sich in kurzer
Zeit, müßte soweit zurück gezogen haben.

/Daß die See aber immer höher steige, <daf%.ür> sind
noch folgende Beweise, welche von morrä-

/stigen

|P_151R

/δ_Z_4

/<%.vermuthlich: in jeder derselben
findet etc.
Sollten diese Hölen %durch jene
Steine entstanden seyn?
Könnte %.das Wasser die Steine
heben %und %durch Rollen die Höle
erweitern?

|P_152

/stigen und andern Gegenden hergenommen
sind ZE bey Venedig und um Pad«o »ua und Raven-
na herum, sind große Sümpfe, «da sind» auch
die Lagunen, welches untiefe Meere sind,
an der Spitze des adriatischen Meeres, wo
Inseln sind, die«s» durch Kanäle von ein-
ander «unterschieden» «seyn» <getrennt sind>. Venedig liegt
auf 70 solchen Inseln, wovon Ricolto *1 die
vornehmste ist. Auf Rialco liegt der Marcus-
Pallast, der 600 bis 700 Jahre alt ist.
An diesem ist eine Marmoren Treppe, «über»
<auf> welche<r> man «in die» <zu den> G«rün»<on>deln <hinab> gehet. Da
nun <aber> einige Stuffen «aber» welche man
noch vorher «an» <zu> die Gondeln herunter
steigen konnte, jezt ganz unter «dem»
Waßer sind, so glaubt man auch daher, daß
die See immer hoher steige.

/So ist auch Holland beschaffen. Die «h»<H>olländer
sind durch dämme «vom» <gegen %.das> Meer«e» geschüzt. Würde
die See sich weiter von dem Lande entfernen
so hätten sie eine sehr glükliche Aussicht. Das
Land würde größer werden, und die jezige
Besorgniß, daß das Land dereinst ein Grund
des Meeres seyn wird, würde alsdenn
völlig wegfallen. Man findet aber daselbst
das Gegentheil. Sie haben bey ihnen gewiße

Ingenie«e »<u>rs, die besondere Zeichen and den Pfähle«m»<n>

/haben

|P_152R

/δ_Z_8

*1 Rialto

|P_153

/haben, wornach sie den Stand des Waßers be-
obachten, und diese finden, daß das Waßer
immer höher steige, bis es endlich die Dämme
überschwemmen wird, wie solches auch der
Ingenieur Krokius dargethan hat, als die Aka-
demie von Halem solches untersuchte. Man
ist also genothiget einzugestehen, daß das
Land zu befürchten habe von der See
wieder überschwemmt zu werden

/Holland ist eben so wie Venedig entstanden,
da sich die See zurük zog. Der Rheinstrohm
scheint derjenige zu seyn, der das Erdreich
ansetzet, woraus Holland bestehet. Wenn
man in Amsterdam bauen will, so muß
man Mastbäume einrammeln, und ehe man
den alten sandigten Boder erreicht, muß
man noch zum 2ten mahl Mastbäume dar-
über setzen. Der Boden ist also noch nicht
getroknet, daher er nothwendig sinken, und
die See höher werden muß.

/Wenn vo«n»<m> Meer«e» gesagt wird, daß es
sich vom Lande ziehe, so ist dieses nicht
bloß von einem Theil des Landes zu verstehen,
sondern von allen Ländern, die daran liegen.
Wenn man dieses aber auch aufs Land appliciren
sollte, so kann hier nicht gesaget werden, daß

/wenn

|P_154

/ein Land sinkt, «daß» auch alle übrige sinken,
so wie bey der See, wo man kein partia-
les zurükziehen behaupten kann, ohne gleich
ein totales zuzugeben.

/Das Sinken der Länder läßt sich leicht ver-
stehen, denn solches verstehet sich gemeiniglich
vom sumpfig«t»en Oertern. «Imgleichen auch s»<S>elbst
die Quellen, die unter der Erde sind,
spühlen innwendig auch vieles vom vesten
Lande weg, so daß also die Oberfläche
wegen ihrer Schwere sinken muß. Ein
gewißer Obrister Runeberg führet an,
daß Italien an den Küsten höher sey als
in der Mitte, und zwar aus verschiednen
Gründen. (Unter andern führt er an, daß
die Via Appia von Rom bis Brundisium, wel-
che Appius ein reicher Orator zu Rom mit
Quader-Stüken hat pflastern laßen daher
bey der Gelegenheit ein Berg muste durch sto-
chen werden, muste, damit sie auf diese
Art eben und gleich war, die doch jezt ungleich
und dessen großester Theil jezt über Sümpfe
gehet. Imgleichen war der Flaminische Weg
den Flaminius ein romischer Consul hatte
pflastern laßen, eben so beschaffen, der doch jezt
bald Berg auf bald Berg ab gehet.)

/Es

|P_155

/Es sind sehr große Ursachen zu vermuthen, daß
unsere Erde aus dem flüßigen Chaos, noch nicht
tief, fest und troken geworden sey, so daß
noch um den Mittelpunkt das alte Chaos herrscht
und sich erstlich nach und nach ausbildet. Es können
aber viele Rei«c»he<n> von Saeculis <.%Jahrhunderten> verbeyfließen,
ehe die Erde die Festigkeit, die man jezt nur
auf der Oberfläche siehet, bis zu ihrem Centro
erhalten wird. Aber alsdenn ist es auch so zu
sagen der Todt der Erde, indem nichts dar-
auf wird wachsen und bestehen können, wenn
die Circulation in ihrem innersten aufhören
wird. Denn man wird die vielen Trieb-
federn entbehren müßen, die zum Wachsthum
der Pflanzen und Unterhaltung der Geschöpfe
das meiste beytragen. Neuton in seiner
Philosophie nimmt an und beweiset, daß

/1. Weil die Erde eine solche Figur hat, die ein
flüßiger Körper bekommt und auch annehmen
muß, wenn er um seine Axe beweget wird
(Eine solche Figur heißt Sphaeroides) «so muß»
sie vorher flüßig gew«orden»<esen> seyn <muß>. Als
einen Grund und Beweis führt er davon auch noch an,

/2. Alle Materien, die nur auf der Erden sind
müßen vorher flüßig gewesen seyn. Denn
ZE die festesten Steine,*1 enthalten Substantzen
Knochen und Muscheln in sich.

/Man

|P_155R

/δ_Z_26

/<*1 %auch %.der Granit?>

|P_156

/Man hat also Ursache zu vermuthen, daß der
erste Zustand der Erde chaotisch, folglich ein
flüßiger Klumpen war. In diesem Chaos
sind die Materien unter einander vermischt
und die Luft ist auch in demselben verschlukt
gewesen. Es ist auch sehr wahrscheinlich, daß in
der Admosphaere noch eine größere Verän-
derung vorgegangen sey als in den Meeren
indem dieselbe allmählich durch die Feuer-
speyenden Berge aus dem Inwendigen der
Erde einen Zusatz von Luft bekam, und
noch immer daraus mit Luft gleichsam «an»ge-
speiset wird. Es ist schlimm, daß die Alten
keine Bar«r»ometra gehab«et»<en> haben, daß
man jezt sehen könnte, ob«e» die A«t»<d>mo«p»<s>p«s»häre
höher gestiegen sey oder nicht.

/Es ist also die Erde bis zu ihrem Centro noch
nicht fest, welches sich auch daraus muthmaßen
läßt, weil ein großer Körper, dessen Dia-
meter
über 1750 Meilen beträgt, eine %.erstaunlich
lange Reihe von Jahren erforder«t,»<@dert@>, um ganzlich
auszutroknen. Da also das Festwerden der
Materie«n» <in> der Oberfläche angefangen hat, folglich
dasselbe in der Mitte noch flüßig ist, so senken
sich die Schweren Korper zum Mittelpunkt, und
die Leichten, worunter auch die Luft <steigen>alsdenn
empor «zu steigen». daher kö«m»nnen auch Erdbe-
ben erstehen, wenn «sie» <die Luft> heftig her«vor»<aus> gestoßen <%wird>
«werde».

/dieweil

|P_157

Diew»<W>eil aber das Inwendige der Erde noch Wärme
enthälten muß, «weil» <da> nichts Flüßiges ohne Warme
gedacht werden kann (diese Wärme kommt
aber nicht von der Sonne, sondern sie ist %.ursprünglich)
so sucht man aus dieser Ursache die Luft und
andere Materien, als ein (Geschwänger)<Produkt> «von»der
Inwendigen Hitze ihren Ausgang, woraus sich
also das Entzünden der Materien im Schoße
der Erde erklähren läßt

/da nun die Erde innwendig im chaotischen
Zustande ist, indem sich daselbst die Materien
natürlicher Weise modificiren, so ist keine
andere Folge, als die Erde müste immer
kleiner werden, und zusammentrocknen, in-
dem daselbst sehr viele Luft steckt, welche
da sie heraus bricht, einen leeren Raum
läßt, wohin sich also nothwendig die Materie
senken muß. Selbst die Veränderungen auf
unserer Erde zeugen davon, nemlich, wäre
die Erde fest, so müßte auf unsere Witte-
rung nichts einen großen Einfluß haben, als
Sonne und Mond, weil sie uns am nächsten
sind. «da» <Wenn> diese aber solches bewürken sollten,
so müßten die Witterungen nach solchen
Epochen eintreffen, «als» <wie> sonst«en» Veränderun-
gen mit diesen beyden Weltkörpern vorgehen.
Unter unsern Füßen ist aber der große Kessel,

/worin

|P_158

/worin die Materien kochen, welche indem sie
heraussteigen, Veränderungen in unserer Luft
verursachen.

/Es ist sehr sichtbar, daß die Länder noch gro-
ße Bass«e»ins oder abgelaßene Teiche sind. die
Schweitz hat 6 Oefnungen, wodurch ihr Waßer
abfließt, nemlich 3 Strohme gehen nach Italien
ins adriatische Meer, die andern sind die Rhone
der Innstrohm, der in die Donau flüßt, und der
Rhein, dessen Oefnung am weitesten ist.

/Der Instrohm flüßt zwischen steilen Ber-
gen und es ist da so dunkel, daß da die
ganze Gegend die finstere Münze heißt.
Man findet daselbst Muscheln und andere See-
Produkte, die aber unter einander ver-
mischt sind.

/Man sieht das ausgebreitete Meer, wo unter allen
das pacifische Meer zwischen Asien und Ameri-
ka das größeste ist. Hier findet man Inseln,
welche bewohnt sind, und wobey man sich wun-
dern muß, wie die Menschen hieher gekom-
men sind. (Wenn man sagen möchte: sie sind
durch die Schiffahrt hingekommen, so müßte man
wißen, wo dieselbe jezt gebleiben seyn, «die»
weil diese jezt immer cultivirt wird, wenn
sie schon einmahl im Lande ist.) Wie haben
die Menschen nach Othaheite und andern In-
seln kommen können, welche jezt nicht nur
bewohnt sind, sondern auch solche Leute haben die
«an» <in> «der» Künsten die unsrigen, wonicht über-
treffen, doch ihnen gleich kommen? In Bancks

/Reisen

|P_159

/Reisen werden viele HandArbeite«r»<n> von ihnen <beschrieben> «er-
zahlt
» (als Kästchens zeichnen in Laubwerk) der-
gleichen kein Künstler bey uns in Elfenbein
machen kann. Wie ist es aber möglich, daß sie
diese Künste von sich selbst haben können? Allem
Vermuthen nach ist das Meer, welches die In-
sell von einander scheidet ein Continens gewe-
sen. Ein Umstand macht es sehr wahrscheinlich: die
Leute in Neuseeland und Otaheite haben %.einerlei
Sprache. «daz»<Z>wischen <beiden Sprachen ist> nur ein so<lcher> große«r» Unter-
schied «ist», wie zwischen unserer Deutschen Sprache
und der Sprache in Tyrol und vor Ankunft
der Engländer wusten die«se» <%Otaheiter %.von den %.Neuseeländern> von jenen gar
nichts. Auch die Leute «hier» in Neuseeland sind
eben so geschikt; sie machen sich Kähne,
die sie, wenn dieselben bloß aus Brettern
zusammengeschlagen sind, Caneaux, wenn sie
aber aus einem Stück geschnitten <sind>, und einen
Mastbaum haben, Piraugen nennen. Wie soll<t>en
diese Nationen sich so ähnlich seyn, da sie doch
«alle» über 300 Meilen von einander entfernt
sind? Die See ist zwischen ihnen entstanden
da sie noch allen von Einer Nation waren.
In Ottaheite giebt es kleine Schweine %.und aller-
hand Produkte, die sich die Einwohner «aus» <%.von> Neu-
Seeland, wenn sie mit ihnen einige Gemein-
schaft <gehabt> hatten, würden in ihr Land gebracht
haben: imgleichen auch die <in> Ottaheite sich befindliche
Brodtfrucht, die sie Ballan nennen, und die
so wie Sermmel <Semml> schmeket. Es ist also sehr zu glau-
ben, daß diese Inseln vor Zeiten zusammen
gehalten haben. Die eine hat solche Producte in
der einen Gegend gehabt, «was» <welche> die andere nicht
hatte«n» und die sie vormahls %.vermuthlich auswechselten.
Hernach aber sind sie durch ein Meer getrennt, und
sie konnten einander gar nicht erreichen.

/Finis Partis primae

/Vom

|P_159R

/δ_Z_31

/<Aber wenn %sich diese Völker
die %.Produkte %auswechselten
so konnte %.das Volk, %.das %einige
früchte entbehrte, dieselben
%.von den %benachbarten %Landen in
%das %Seinige zu verpflanzen
%.suchen. - Ein schwacher
Grund für %.den frühern %.Zusammen-
hang dieser Länder!

|P_160

/ ≥ Vom Bauwerk des Schiffes und der
Farth. ≤

/Wir wollen hier die verschiedene Figuren der«er»
Schiffe betrachten.

/1. Es giebt Schiffe die groß und spitzig sind, damit
sie die Wellen durchschneiden können, und
welche die Gestalt eines @Vogels@ haben.

/2. <Es ist bekannt> Daß die Indianer «wegen» <%durch> ihrer geschikten
Baukunst eine Art von Schiffen erfunden haben
welche sehr schnell fortgehn. Es heißet
Bona, hat von der Seite, die dem Winde
entgegen ist einen Rahmen, an den Enden ist
«das» Bambus-Rohr. Mit diesem Fahrzeug kön-
nen sie auch neben dem Winde fahren.
Kein Europäisches Jagd Schiff kann so schnell fah-
ren als dieses. Man hat in England Proben an-
gestellt.

/Ein Schiff seegelt leichter als das andere, obgleich
sie einen Modell haben. Wenn der Boden
ses Schiffes glatt ist, so macht er das Schiff
schneller, aber es setzen sich eine Menge
kleiner Muscheln auf den Boden, welche«s» das
Schiff ungemein schwer machen, und daher kann
er auch nicht geschwinde fortgehen. Man
kann es aber leichter machen, wenn man
die Muscheln von dem Boden wegnimmt.

/Was anbetrift die Größe des Schiffes, so
wirds nach Lasten bestimmt. Eine Last hat 20.
Tonnen; und Eine Tonne hat 200 %Pfund mithin
eine Last von 4.000 %Pfund. In Schweden macht
man einen Model und «man» beladet es nach

/einem

|P_161

/einem verjüngten Maaßstab, und so kann
man durch Experimente p. erfahren, wie <schwer> «viel»
ein großes Schiff geladen werden kann.
Man ladet jezt auf ein großes Schiff 50 Kano-
ne. Die Spanier bedienen sich einer großen
Gattung von Schiffen, bey der Flotte, Caractan <genannt,>
welches mit 12 Lasten beladen werden kann.
Die Befrachtung des Schiffes erfordert eben so
viel Reflection wie die Baukunst. Vorzüglich
muß man auf den MittelPunkt des Schiffes am
meisten laden und zwar mit Ballast oder
auch Bley oder Marmor, und je schwerer
die Last ist, desto leichter muß geladen wer-
den, denn wenns stark geladen ist, so gehts
sehr schwer; und «es» gehet bis weilen zu
Grunde. Nach Verschiedenheit der Meere
werden auch die Boden der Schiffe ge-
baut ZE die Holländer bauen <%.sie> mit flachen
Boden, damit «es» <%.sie> schneller gehen «möchte».
Eben so bauet man verschiedene Schiffe stär-
ker in Ansehung der Meere. Die India-
ner und die Russen bauen von leichtem
Holtz, die erstern von Cedern«bäumen» etc.
Die Engländer bauen von Eichenholtz. Der übrige
Apparatus von Schiffen sind das Tau Werk %.und %.dergleichen.

/Nunmehro wollen wir etwas von der
Navigation reden. Auf jedem Schiffe sind
zwey HauptPersonen: der Schiffer und der
SteuerMann, und diese beyde haben einen
Compas. Der SteuerMann muß sehen, daß
das Schiff nach dem Compas gehe. Er hat auch

/eine

|P_162

/eine Sanduhr, nach welcher er die Zeit der
Geschwindigkeit des Schiffes bestimmt.
Der SteuerMann führt sein Journal, der
Schiffer auch «sein Journal». Diese beyde haben
das Geräthe und den Compas. Nachher
haben sie Lognnige, welches eine Maschine
von Brettern ist, die wie ein Triangel
gestaltet und wo oben in der Spitze Bley
sich befindet. Von der Spitze gehet eine Leine
und damit weiß er die Sch«w»<n>elligkeit des
Schiffes zu bemerken, und zu meßen.

/Sie haben ferner Thubos und andere Astro-
mische Instrumente. Zur Nachtzeit haben sie
einen Thubum und man kann bemerken
was dem Schiffe bevorstehet ZE ein anderes
Schiff kmmt entgegen, oder eine Küste etc.
Er muß auch haben<2> einen<1> Quadranten, um
die Höhe und die Breite der Sonne zu finden
wornach sie die Mittage bestimmen. Sie haben
auch einen Metallenen Spiegel, der wie ein
@Keiß@ aussiehet, «durch» <bei> dessen Gebrauch sie
«auch können» <%ähnliche> Bestimmung«en» <machen können> etc. Sie haben auch
einen Schiffsstuhl, der an den Masten ange-
bunden wird, und wenn sich auch das
Schiff drehet, so stehet er doch perpendiculair.
Die Länge des Orts zufinden ist schwer.
Indeßen wurde ein<e> Praemi<e um» von 2000 %Pfund
Sterling ausgesetzt, wer eine solche Schiffs-
Uhr machen möchte, wornach man die
Länge des Orts bestimmen könnte. Es

/fand

|P_162R

/δ_Z_8/12

/δSkizze

|P_163

/fand sich ein Uhrmacher in London, der «hat» 30
Jahr daran ge«macht»<arbeitet hatte> der es zu Stande brachte
Euler ist derjenige, der die MondesBewegung
und deren Ungleichheiten unter Regeln gebracht
hat. Meier Proffess. zu Göttingen calculirte
dieses auf eine Tabelle, und sie brachten also
dadurch Mondes Tabellen heraus, die überaus
nüzlich sind. Nach «dem starb er, und» <%.seinem Tode> England<2>
schikte<1> seinen Freunden 2000 %Pfund Sterling. Sie
sind <bis> jezt die einzigen Mittel zu <bestimmten> «rechtschaf-
fenen
» Beobachtungen.

/

/ ≥ Paradoxon über die T«hur»<our> der
Welt. ≤

/Derjenige der von Morgen nach Abend rei-
set, verliehret Einen Tag, dagen reiset
er von Westen nach Osten, so gewinnt
er einen Tag. In Einer Stunde «absolvirt» <rückt>
die Sonne 15 Grad, um 30 Grade zu ab-
solviren braucht sie 2 Stunden. Wenn bey
uns 8 Uhr ist so ist in Lissabon 10 Uhr,
weil es 30 Grad von uns entfernt ist.
«dahingegen» wenn es <aber> in Constantinopel
10 Uhr ist, so ist es bey uns 12 Uhr. Ein
Seefahrer muß Perspective auch See-
Charten bey sich haben.

/Die

|P_163R

/δ_Z_2

/<aber sie war doch nicht probat.>

|P_164

/Die Versorgung des Schiffes ist Brodt und Wa-
ßer. Das Brodt ist das so genandte Bisquit
welches doppelt gelegt ist, und nicht schimmelt.
Jezt hat man <%.ein Mittel> gefunden, das SeeWaßer süß
zu machen, nemlich durchs Distiliren, und
es gehet eben so wie bey dem Brandt-
Wein. Ferner «die» Gewächse <zur Reinigung des bluts>, SauerKraut
sollen sehr nüzlich seyn, «woraus sie» <um> sau-
re Suppen <zu> machen.

/Hales hat einen Ventilator, eine Maschine,
wodurch das Schiff von der bösen Luft rein
gemacht wird, erfunden. Linth hat ein
gewißes nahrhaftes Pulver erfunden,
wovon die Menschen %mit einem %Pfund bis Einen Monath
leben können. Es ist <%.von> eine<r> gewiße Wur-
zel Sareb (sie wird auch in England,
aber sonsten in der Levante ge-
graben) Wenn diese gerieben wird,
so nennet man das Pulver Bouillon
de poche. Von einem Lothe solches
Pulvers kann man ganz vollkommen
Einen Tag leben. Saleb wird auch ge-
brauchet bey hectischen Krankhei-
ten.

/Von

|P_165

/ ≥ Von Gefahr des Schiffes ≤

/Es giebt See Würmer, die man auch See-
Pfahl Würmer nennt, die nichts anders als
Folados oder BohrMuscheln sind. diese bohren
und verderben mit ihrer scharfen Schaale die
Schiffe bey Guinea. Man hat gesucht dieselbe
mit Kupfer zu überschlagen, aber man
hat den Schaden daß die Fische von dem Gru
Geruche des Kupfers crepiren.

/Andere Gefahren entstehen aus dem Stran-
den. In unbekandten Meeren ist nicht gut
zu seegeln, weil es viel Klippen, Felsen
und dergleichen giebt, so sind <also> die Schiffe
«daher» vielen Gefahren ausgesezt. Man hat
daher«o» erfunden<2> ein Instrument<1> Scopanger
genandt, welches dazu bey einem Schiffe
dient, nicht nur die Menschen zu retten
sondern sie können auch etwas Geräth
mit sich nehmen.

/δRest_leer

|P_166

/Pars secunda

|P_167

/Sectio secunda

/Nach dem wir die Elemente, aus welchen
die Erde zusammengesezt ist, «erwogen» <%untersucht> haben;
«so» ist es billig, daß wir zu ihren Produkten,
mithin zu ihren Geschöpfen übergehen. Wir
finden aber unter denselben sowohl solche
bey denen wir etwas Zwekmäßiges gewahr
werden, als auch <@und@andre> «D» bey Denen solches nicht entdekt
werden kann. Unter jene nehmen wir
die lebendige Wesen, und nennen solche«s»
organisi«e »rte Geschöpfe. Weil nun unter
den«en» lebenden, die vernünftigen Geschöpfe
die vornehmsten «seyn» <sind>, so wollen wir an-
fänglich von den«en» Menschen, deren Körper,
GemüthsArt etc. betracht«en»<ungen> <anstellen> weil diese Ordnung
die bequemste für den menschlichen Ver-
stand ist.

/

≥ /Articulus 1mus

/Von den«m» Menschen. ≤

/Einige lebende Wesen sind so beschaffen, daß,
indem sie sich begatten, andere erzeugt wer-
den, die ihnen in allem und zwar allen beyden
ähnlich sind, diese wiederum andere hervor-

/bringen

|P_168

/bringen, die auch nach ihnen schlachten, mithin sich
<wieder>fortpflan«t»<z>en können. Bey andern findet man,
daß sie «sie», wenn sie sich gleich begatten, ent-
weder gar keine Frucht, oder solche, die nicht-
lebend ist hervorbringen (wie man erzehlt
welches aber unwahrscheinlich ist, daß ein Ka-
ninchen mit einer Henne ein Ey erzeugete
«und» <%.das> keinen Dotter hatte) höchstens nur eine
solche, die zwar ein Leben hat, aber dabey nicht
weiter von ihrer Seite zeugen kann. (Wie ein
MaulEsell aus Vermischung eines Hengstes und einer
Stutte) «Ihre» <Die> Produkte <%.derjenigen *1> müßen «im
leztern Fall
» von beyden Eltern, gleich viel
an sich haben, und zweygeschlächtig seyn.

/Die lebendige<n> Wesen, und die andern, die
sich gleichen, und diese leztern wiederum,
die eben dergleichen durch Bega«r»ttung hervor-
bringen können, heißen eine Gattung.

/Einige lebendige Wesen, welche verschieden
sind, können durch Begattung andere hervor-
bringen, die sich weiter fortpflan«t»<z>en können
und so viel ähnliches von dem einen als von
dem andern Theile der Zeugenden an sich haben
und diese werden Racen genandt. Bey andern
lebenden Wesen behauptet man, daß wenn
sie gleich verschieden sind, <%.sie> dennoch solche pro-
ducte hervorbringen, die sich selbst fortpflan-
zen, und entweder dem einen oder dem an-
dern von den Zeugenden ganz vollkommen

/ähnlich

|P_168R

/δ_Z_12

/<Wesen, die %von %andern %mit Zeu-
gungskraft, und ohne Zeugungskraft
geboren werden>

|P_169

/ähnlich «seyn» <sind>, und diese werden von Bouffon Varietaeten
genandt, weil der Unterschied der Theile dann
keinen Einfluß auf die Zeugungs Kraft «alsdenn»
hat. «Weil» <%.Obgleich> die Menschen sehr mögen unterschie-
den seyn, dennoch aber die Begattung ihnen ähn-
liche Wesen, die sich wiederum weiter fortpflanzen
können, «erzeuget» <hervorbringt>, so sind sie von «e»<E>iner Gattung,
und es ist gar nicht philosophisch, da, wo man
«e»Einen Stamm annehmen darf, «deren» mehre-
re zuzusetzen. Da nun dieselbe so sehr von
einander nach ihrer Farbe unterschieden «seyn» <sind>,
so werden wir leicht finden können, welches
von ihnen Racen oder Varietaeten sind z. B. die
Blonden und Brunetten, wenn sie gleich ofters
mehrere zeugen, die eine ihnen ähnliche Farbe
haben, zeugen dennoch auch andere.

/Zu den Racen aber, durch deren Vermi-
schung andere erzeugt werden, die halbschläch-
tig sind, rechnen wir 4 als:

/1. die «w»Weißen, «W»<w>ozu die Europäer bis an die
Chinesischen Mauern <gerechnet werden>, zu deren Stamm die
Parthische, «Sce»<Cel>tische, Scythische und Slavonische
Nation gehören.

/2. Die Indianer, welche eine grüngelbe oder
a»<r>une Farbe haben wohin nicht allein die
Einwohner von Indostan, sondern auch die in
den umligenden Ländern und Inselln
vorhandene<n> gehören. «Wo»<Hie>zu <können> die Zigeuner
die schon über 500 Jahr in Europa «seyn» <sind>

/und

|P_170

/und ihre eigenthümliche Farbe noch beybehalten ha-
ben, gerechnet werden können.

/3. Die Mungale«r»<n>, welche eine rothbraune Farbe
haben, dabey alle ohnbärtig <sind> «seyn», überd«em»<ies>
auch eine besondere Leibes und Gesichtsbil-
dung haben. Ihre Augen stehen ihnen tief
im Kopfe, und die AugenKnochen ragen
sehr hervor; <%.sie> haben ein breites Gesicht, kleine
und flache Nasen, und dünne Leftzen.
Ihre Augen sind sehr groß, doch die Lieder
<@¿@> etwas gespalten, <so> daß sie nicht ordentlich
sehen, sondern vielmehr blintzern. Sie
haben sich in Amerika ganz ausgebreitet
und sind nichts anders als die Kalmuken;
an manchen Orten sind sie ganz Kupfer-
farbig.

/4. die Neger«s» oder ganz Schwarze, sind sowohl i«m»<n>
<%.der> nordlichen als «auch in» <«der»> südlichen Hemisphaer«o »<e>,
und zwar in jenem nur einzig in Afrika
obleich die Zona torrida sich auch über andere
Länder erstrekt: im südlichen aber halten
sie sich in Neu-Guinea und den umliegenden
Inseln auf. Sonst«en» sind diejenigen, die man
auch wo anders antrift nur Cre« a »<o>len, d.h. die
von fremden Eltern und Einheimisch<en> gebohren
sind. Sie sind von denen Mohren ganz unter-
schieden, indem leztere, weil sie bestandig
an der Sonne arbeiten, schwarzlich aussehen

/ihre

|P_171

/ihre Weiber aber, wenn sie eingesperret werden
ganz weiß aussehen. Sonst«en» stammen sie
von den altern Maures her.

/D«er»<ie> Neger-Farbe«n» «sind» <ist> von der schwarzen un-
terschieden, «nd»<«dies» welche letztre> am Senegal-Strohm bey den @Salcans@
am stärkesten <geschwärzt ist>. Sie ist nicht etwa«s» aus einer
braun«en» Farbe entsprungen, oder gar selbst
eine Art derselben, «und» <%obgleich> die Terze«ro »nen
und Quarte«ro »nen von den sehr braunen Spaniern
nicht unterschieden sind.

/Um die Terminologie inne zu haben, mer-
ken, wir, daß wenn ein Weißer sich mit
einer Negerin verheyrathet, dies Kind ein
Mulatte; wenn aber derselbe mit einer India-
nerin cohabitirt ein Mestice, und wenn
ein Indianer mit einer Negerin sich verheyrathet
«wird» das Kind Camul genandt <wird>. In der ersten
Erzeugung dieser verschiedenen Racen entstehet
eine Halbschlach«t», in der andern, wenn nemlich
die Kinder mit eben derselben Race sich ver-
einigen, ein Vierthel Schlach«t», in der dritten
ein Achtel Schlacht etc. Die ersten werden die
Terzenen, die andern aber die Quartenen genandt
und <es> ist zu merken, daß biß zu der 4ten
Zeugung (exclusive) die Kinder noch allemahl
halbschlachtig <sind> wiewohl immer weniger, «seyn»
je weiter sie von der ersten Zeugung ab-
stehen, bis sie dann endlich in der 4ten ganz zu
der einen Race <übergehn>, «welches» <diese Race ist> eine Abartung «ist» dage-

/gen

|P_172

/gen diejenigen, die sich nicht fortpflanzen können
Varietaeten, Ausartungen genand werden (über-
gehen

/Neger«s» haben außer ihrer schwarzen Farbe noch
andere Kennzeichen, nemlich Wolle anstatt <der>
Haare, wenn man dasjenige, was auf den Fellen
der Schaffe ist, so nennen will; eine Nase, die
oben ganz dünne, unten aber dike und ganz
klein ist. Ihr Blut ist ein schwarzer Saft. Ihr
Gesicht und das Fleiß tFleischu nebst der Haut ist dikke
und wie Sammet anzufühlen, dagegen unsere
ganz glatt ist. Es sollen sich in ihrem Saamen
schwarze Fleken befinden, <die Kinder> roth gebohren wer-
den, und der schwarze Fleken, der schon «als-»
e»ann bey ihnen wahrgenommen wird, inner-
halb der ersten 4 Wochen sich über dem ganzen
Leibe ausbreiten. Wenn sie krank werden
und lange liegen bleiben, bleichen sie etwas
aus; wenn sie aber sterben, werden sie
desto schwärzer, vermuthlich weil als denn der
Saft auszutreten vollige Freyheit bekommt. Es
giebt auch eine Art weißer Neger, wenn man
unter diesem Namen die ganze Bildung <%.derjenigen> ver-
stehet, welche von den Spaniern Albinos ge-
nand werden: sie sehen ganz bleich aus, ihre
Pupilla ist Aschfarb, «und» <%.sie> können bey Tage
gar nichts sehen, «da» <weshalb> sie dann in der Dämmerung
und in der Nacht arbeiten. Von den Portugiesen
werden sie Dopedes und von den Holländern Prapen
genannt.

/Sie

|P_173

/Sie haben in Afrika und Amerika weiße
Wolle, wie Schaaffe, in Asien aber rohte. In
erstern Gegenden werden sie vertrieben %.und
sehr verfolgt, in leztern aber wiederum hoch <geachtet>
und von den Vornehmen zur Bedienung ge-
halten. Sie können «sie» <%sich> nicht weiter in ihrer
Art fortpflanzen, und sind dabey erstaunlich
dum und einfältig,*1 (wie die so von ihnen
nach Paris gebracht worden und daselbst ana-
tomirt worden.) Wenn <%sich nun findet> «nun beobachtet worden»
daß die MaulEsel sehr tükische Thiere sind, so
kann es wohl statt finden, daß die Vermi-
schung der Racen die Fähigkeiten und den
Gemüths Charakter verschlechtern und daher
beym Heyrathen nicht allein auf die Gleichheit
«von» <der> Racen, sondern auch, «ob» <wie> die Vorfahren
von selbigen gewesen <sind>, zu sehen ist. Die
Chineser, Japaneser sind vermuthlich aus der Ver-
mischung der Indianer und der Mungalen ent-
standen, da sie gleichfals ohnbärtig sind. Auch
würde gleichfals eine «curieuse ¿¿atur,»<sonderbare %.und %.abscheuliche Creatur> «die
dabey entsezlich anzusehen wäre,
» entspringen,
wenn ein Neger mit einer Mungalin cohabiti-
ren würde, welches Maupertuis anrathet,
um die Ausartung der Menschen kennen
zu lernen. die Mungalen können als ein
Scheusal der menschlichen Natur angesehen wer-
den, indem sie sowohl eine entsezliche Lei-
besbildung besitzen als auch viele Unruhen ange-

/richtet

|P_173R

/δ_Z_8

/<dies zeigt %sich bei denen
besonders, die %man nach Paris
brachte, und %nach ihrem Tode
anatomirte>

|P_174

/richtet haben; sie erstreketen sich vormahls sehr
weit nach NordOsten, und wurden zuerst in Eu-
ropa unter dem Namen der Bulgaren, her-
nach aber <%unter dem> der Hunnen bekand. Sie vertrieben
die Völcker aus ihren WohnPlätzen, unter welchen
auch «die» <%.die> teutsche «sind» <ist>, welche vormahls am
caspischen Meer gewohnt haben «müßen» <%muß> weil
man daselbst noch sehr viele Spuhren von
ihnen antrift. In Italien sind die so ge-
nandten Cymbrier nichts anders als Abkömmlinge
von ihnen, und es ist zu verwundern, daß sie
sich so lange Zeit «bey» <in> der Rein«igkeit»<heit> «dieser» <ihrer>
Sprache erhalten haben,. (und haben zugleich die
Türken und Tartarn gebracht.)
Armate Die *1 @attische@ Sprache scheint, die allgemeine
in ganz Europa gewesen zu seyn, aus welcher
nach<her>«gehends», die griechische, lateinische p. ent-
standen sind.

/Die ursprüngliche Farbe scheint die weiße zu
seyn, welche aus der Durchsichtigkeit der schleimig-
ten Partikelln der Haut entstehet («welches»
<Das beweist> das Durchscheinen des Blutes und <der> Adern «er-
weiset
») «indem diese» <die Haut ist> ein Fundament zu allem «ist»
und <kann> durch das Zuthun der äußeren Luft des Bo-
dens NahrungsMittel p in andere Farben <übergehen> «degenerieren
kann
». Adam scheint also ein weißer und blonder
gewesen zu seyn. die blondesten Volker sind
wohl die deutschen. <Nicht> Eben so leicht ist der Ue-
bergang der andern Farben «nicht» zu erklähren.
Einige Nationen zogen sich sehr nach NordOst

/und

|P_174R

/δ_Z_15

/*1 %vielleicht celtische

|P_175

/und also in ein sehr kaltes Clima nach den Polen
zu; weil nun aus der Erfahrung bekand ist, daß
der Frost, wenn er sehr stark ist, die Haut
dünne macht, «daß» das Blut sehr ins Gesichte
steiget, so ist leicht einzusehen, «wie» <woher> die Mun-
galen in Kamschatka und <der> Buchare«t»y eine roth-
braune Couleur haben «und» <indem> «daß» <diese> <«%selbst»> erblich
geworden <ist>, «ja die ZeugungsArt selbst afficirt».
In der dortigen Gegend ist eine sehr große
«incommoditaet» <Beschwerde>, daß <%.nämlich> der Schnee die Augen <sehr> stark <angreift>
«verzehrt», <so> daß «daher» die jezigen Einwohner ein
Stück holtz, worinn eine ganz kleine Spalte,
α_die 26 mahl kleiner als ohngefehr der Diameter
der Pupillae ist, vor die Augen nehmen
müßen. In der <Sommers>Zeit aber «wenn bey ihnen
der Sommer ist
» halten sich <soviel> «der» Müken «so stark»
daselbst auf, daß Domp<i>er anmerket, «daß» die
Einwohner <hätten vor> «für» ihnen nicht einmahl die Muscheln <ihre einzge Nahrung>
welche «sich» <sie> bey der Ebbe, «als ihr einziges NahrungsMittel»
auflesen, sehen können und sobald sie nur
den Mund auf<ge>th«u»an, «so fliegen» <waren ihnen> twärenu ganze Schaaren in
den Mund <geflogen>. Hieraus ist einzusehen, daß die Ein-
wohner genothigt gewesen, ehe sie noch ein Mit-
tel «dafür» <gegen beides> erfunden, die Augen nur inwendig
zu eröfnen, und da solches jederzeit geschehen
muste, so ist kein Wunder, daß ihre Augen
eine solche Stellung erhalten, und die Muskeln
unbiegsam geworden <sind>. Weil auch jedesmahl durch
die große Kälte, die Nase, als das empfindlichste

/Glied

|P_176

/Glied etwas verliehret, so wird sie immer in der
Zeugung etwas flächer, @«da»@ <auch> die Leftzen als
schwammig«t»e Theile verschwinden sehr. «d»<D>aß bey
ihnen endlich der Bart nicht wächset, «so» mag «sol-
ches daß
» wegen Mangel der gehörigen Wärme, «wie
auch daß
» <weshalb> sie <%.auch> nicht groß «wachsen» <werden>, ge«se»hen. In
den südlichen Gegenden kann die braune Farbe
auch entstehen, indem die Sonne stark auf d«ie»<en>
Körper würkt, <so> daß endlich die Galle, welche
wegen der öhlig«t»en und fettigen Theile, seiffen-
artig ist, <%sich> ins Blut ergießet und nicht allein
<dieses> «daselbst» sondern auch die Haut färbet. Sie
haben schwartze Haare die Indianer so wie
die Mungalen, «weil» <so wie> öfter«s» «viele» <die> Würkungen
der Kälte und der Wärme einerley <sind> «seyn» z. B.
in der Wärme sowohl, als in der Kälte, dün-
sten die Körper sehr aus; es können also auch
die schwartzen Haare aus «denen gar» <der> «gar» zu «viel» <starken>
Ausdünstung«en» entstehen; «maaßen» <«da»> «w»Wir sehen,
daß sowohl die Hottentotten «sich mit» <%durch> Fett als
die nordischen Völker «mit» <%durch> Trahn <%sich> vor «das viele» <einem starken>
Ausdünsten zu bewahren suchen.

Wenn» <Da> Afrika fast mit lauter Waßer um-
geben <ist>, so kan <«es»> «vorher solches» <es> im ältern Zu-
stande, gar eine Insell, obgleich eine sehr große
gewesen seyn, da denn die Wüste Sara, Egypten p.
ihre Ufer gewesen zu seyn schein«t»<en>. Wenn nun
zu vermuthen, daß die alte Chaotische Materie
und Schlamm mit unterirdische«n»<r> «Erdh»<H>itze«n» «vermischt»

/gewesen

|P_177

vermischt gewesen» <zu kämpfen hatte>, und dadurch sowohl die Luft
als den Erdboden erhitz«et»<te>, überd«em»<ies> das Waßer
nach und nach <alle> Länder bedecket,*1«(die Negers
da die andern Volker sich weg begeben, auch
in dem ersten Lande, und in die Mitte dessel-
ben gelegene vielleicht sehr hohe Gebürge wer
den retiriret haben, weil sie wegen des Waßers
von ihren WohnPlätzen nicht weggehen können.
Weil nun das Waßer auf den kleinen Inseln
die «be»<Ein>wohner, wegen Mangel der Berge daselbst
getödtet, und ersäufet, so ist kein Wunder, daß
man um Guinea und Afrika auf den beyden
größesten Inseln auf der Erde, Negers sich aufhal-
ten, deren Schwärze daher rühret, weil ihre Vor-
fahren beständig sich in diesem Lande aufhielten)
»
und w»<W>odurch die «er»<an>haltende So«mmer»<nnen>hitze «dergleichen» <eine solche Farbe>
<%.und solche> Gesichter «über»<be>kommen haben <.> «als wozu viele Jahr-
hunderte erfordert wurden
» die Amerikaner
sind ohne Zweifel von den Mongalen entsprun-
gen, sowohl, weil sie «selbst» nach ihren schlachten,
ohnbärtig und dabey Kupferfarbig «seyn» <sind>,*2 «und» <%sich> auch
dieselben Thiere in Nordamerika «sich» aufhalten,
die an am nordostlichen Theile von Asien ange-
troffen werden. Wie endlich die Austral-
Länder (Afrika <Asien> und Amerika gegenübergelgen
«wie» nemlich «das» Poly«@m@»<n>esien «hinter» <in> «dem» paci-
fischen Meere bevölkert worden, müßen
wir <%dadurch zu erforschen> suchen,ob die Einwohner roth oder gelb-
braun aussehen, da sie dann im ersten Fall

/Ab-

|P_177R

/δ_Z_2

/*1 <so ist zu vermuthen, %daß
die Neger %sich auf die hohen
die %.Produkte %auswechselten
Gebirge ihres Welttheils
geflüchtet, %.und %.eine lan-
ge Reihe %.von %.Jahrhunderten
unvermischt %mit %.anderen
Völkern gelebt %und etc.>
de»>

/Die Erklärung der ver-
schiedenen Farben ohne
die Annahme mehrerer
schon so geschaffner %.Menschen
Paare hat immer sehr
α_viel @Schwüriges@, %.und kann
wol %nur %durch physiologische
Untersuchungen der Aerzte
%.ein Gewicht erhalten.>

|P_177R

/δ_Z_21

/*2 <als @auch@ deshalb, weil>

|P_178

/Abkömmlinge der Amerikaner, im andern aber der
Indianer <sind> «seyn».

/Es ist eine berühmte Frage: Ob auch der Boden
einen Einfluß auf den Charakter, <%.das> Temperament,
<die> Fähigkeiten und die Religion der Menschen habe?

/α_@R.__me@ Ame glaubt: Nein, weil diese Einwohner in Ländern
die d«e»icht beysammen liegen, <oft> sehr verschieden <%.sind> «seyn»
und gewesen sind z. B. Vorma«h»ls die sehr einfälti-
gen Boetier und die Vernünftigen Griechen; jezt
<die> gravitaetische<n> Spanier, und <die> leichtsinnigen und un-
treuen Franzosen, die <in> «unter» Einem Clima
liegsen»@ <wohnen>. (weil ferner nicht die Kunst, von dem Wohl
zu unterscheiden) Montesquieux «glaubt» <beantwortet jene Frage mit> Ja, und
α_dieses möchte «wohl fast» «bei» <beinahe> statt finden, denn bey dem
Unterschiede der Charaktere«n» müßen wir
auf die Racen aus welchen die Menschen herstam-
men «Achtung geben» <Rücksicht nehmen>. Die Spanier sind eine
Mischung von Saracenen, Juden und Mohren
die Franzosen eine (vielleicht glükliche) Mischung
der deutschen, Römer und Griechen.

/Was «das andere» <die geistige Beschaffenheit der %.Menschen> anbetrift, so zeigt «aber dieses» <das>,
daß bey einigen Völkern sehr viele Künste er-
funden worden, bey andern aber nicht, von ihren
verschiedenen Fähigkeiten. Wir finden aber bey
«einer» andern Race<n> «etwas» <noch andre> characteristische«s»,
<Unterschiede> welche«s» wir hier bemerken wollen.

/1. die NordAmerikaner sind im höchsten Grad un-
empfindlich. Dieses äußert sich «sowohl» <zuerst> darin«nen»,
daß bey ihnen «o»<fa>st <gar> keine Geschlecht«er»<s> Neigung«en»

/sich

|P_179

/sich spühren la<¨>ß«en»<t>, «da»<wo>her«o» auch die Weiber nicht anders
als Hausthiere, die ihnen das Eßen auf der Jagd
nachtragen, behandelt werden. Und dies be-
stätigt sich auch durch ihre große Kaltsinnigkeit
im Kinderzeugen, als auch durch ihre scheinbare
Tapferkeit, welche aber ganz andere Würkungen,
als bey den Europäern hervorbringt. Im Anfange
werden sie verzweifelt, wenn sie aber alle
Hofnung zum Siege aufgeben, so werfen sie
die Waffen weg und laßen sich ganz gelaßen
in Stüken zerhauen; da die Europäer im
Gegentheil sich bis auf den lezten BlutsTropfen,
wenn sie am tapfersten sind, vertheidigen.

/Condamie sahe einen Spanier mit einem Peruanier*1;
zugleich zum Galgen führen. Jener war bestürzt
und ganz betrübt, dieser aber sahe alle furcht-
baren Anstalten mit ganz gleichgültigen Augen
an. Auch die «Spanier» <%.Sklaven> fa<n>gen nicht eher an zu ar-
beiten, bis sie der Eigenthümer mit Schläge«l»n dazu
nöthiget, sobald er aber weg ist, laßen sie die
Arbeit liegen, und fangen nicht eher an, bis
sie den Stok <wieder> fühlen. Dieses scheint von der
großen Stumpf«igkeit»<heit> ihrer Sinne herzurühren;
sie sind dabey so einfältig, daß sie die Jahre
ihres Alters, die ihnen volle Tage von den«en»
Jesuiten, die sich daselbst sehr große Mühe geben,
vorgebetet werden, sobald sie aus der Kirche ge-
treten, wieder«um» vergeßen; doch scheinen sie nach
NordOsten etwas vernünftiger zu seyn.

/2.

|P_179R

/δ_Z_14

/*1 <%.vielleicht Peruaner
oder Peraguaner>

|P_180

(»2. Die Indianer scheinen ein Analogon der Amerika-
nischen Tapferkeit, und überhaupt sehr beherzt
zu se«ie»<y>n. Ob sie nun wohl im höchsten Grade
rachsüchtig, wollüstig, und Geldgeitzig sind, so
sind sie dennoch dabey f«ähig»<eig> und furchtsam. «)»
(Daher auch sehr viele Nationen von ihnen,
sobald der Europäer zornig wird, sich von
ihm hinweg begeben, auch nicht eher wieder-
kommen, bis er besanftiget ist.)

/3. Die Neger«s», haben ein sehr flatterhaftes %.und
hurtiges Wesen an sich, werden frühe klug,
daher sie auch im 15ten Jahre, «die» <wie> bejahrte«n» Alte
wirken, wobey es auch sein Bewenden hat,
«um» <Sie bleiben %nemlich> jederzeit kindisch, «verbleiben»; wie sie dann
den «einen» <«zig»> Sontag, der ihnen einzig zur Belusti-
gung freygelaßen «worden» <ist>, mit Tantzen zu-
bringen, da sie die übrigen Tage beständig <arbeiten>, und
daneben für ihren Unterhalt, aus den Früchten, die
sie selber pflanzen, sorgen müßen.

(An die» Beschaffenheit der Menschen und über-
haupt der ganzen LeibesConstitution der Menschen
auf die Eigenschaften) <Die Beschaffenheit> der Fasern <%.und Muskeln> «zu gründen
scheinen
», welche in ganzen Bündeln zusammen
liegen, «so» kann «ihr» <«d%.er»> «Unterschied» wenn sie nemlich
mehr stark und gar nicht reitzbar, oder wenn
sie gleich stark und reizbar, oder wenn sie mehr
reizbar als stark sind, den Unterschied der
Leibes-Constitution «herausbringen» <bestimmen>. Wie <weit> sich aber

/ihre

|P_181

ihre»<die Leibes>Kraft auf die Fähigkeiten der Menschen er-
streke, ist nicht einzusehen. Es ist aber auch
sehr wahrscheinlich, daß die NahrungsMittel
die Luft und Sonne auf d«ie»<en> Körper sehr
großen Einfluß haben. Als eine «große» <wichtige> E«mp»<r>-
findung ist <es> nemlich «das» <«es»> anzusehen, daß die
Menschen einige Thiere entdekten, die sich zahm
machen l«a»<ie>ßen, durch deren Hülfe dann die
GraßArten, und der Boden, angebauet werden
könnten: denn so lange diese<s> nicht geschiehet,
«so» kann keine Gesellschaft zu Stande kommen.
Es bestehet aber auch das Mehl <Me> der GraßArten
aus milch«sächtigen»<@igen@> und klebrichten Theilen,
welche erstern dem PflanzenReiche, die
andern aber dem Thierreiche sehr nahe
zu kommen scheinen, «und» deren erster«e»<n>
die Wurzel z. B. Zamies <Yams> oder die rothen Rüben
der Indianer <sehr viel enthalten>, «deren aber die leztern die Thiere
in Menge, aber ohne Menschen beysammen
» haben.)
Zuerst «sind» <ist> allem Vermuthen nach der <Anbau des> Reißes,
denn das Weitzens, <des> Roggens etc. erfunden worden
und wenn wir eine Rangordnung unter
diesen Eßsorten machen wollen, so würden
Korn, Weitzen, Gerste, die durch den Anbau
zu weit größerer Vollkommenheit gediehen, fer-
ner der Reiß, dann die Wurzeln, und %.endlich
das Fleisch der Thiere und <die> Fische folgen. Was
die verschiedenen Größen der Racen anbetrift
so ist zu merken, daß diejenige Völker, «so» <die>

/an

|P_181R

/δ_Z_5

/δ_Zeichen

|P_182

/an den Pohlen und nach Norden zu wohnen, klein
<sind> «seyn», so daß ein Grönlander selten über 5
Fuß hoch wird, wo «er» dann leicht zu erkennen
ist: daß hiezu eben nicht der Mangel der Nah-
α_rungsMittel «behüflich sey» <beitrage>, indem die Grön«län»-
läder solche Speisen, wovon man satt wird,
als Seehunde, Fleisch und Fische, im Ueberfluße
haben, sondern vielmehr die Kälte, «als» welche
die Glieder constringirt«,» hievon die Ursach<e> sey.

/Unter dem Aequator und <der> Zona torrida, ge-
langen die Leute frühe zu ihrer Reife, allein
bey der Mittelmäßigkeit ihres Verstandes hats
auch sein Bewenden. Sie werden ziemlich groß
und fett, doch dürfte ihre specifische Schwere
nicht so viel betragen, als der Einwohner in
den temperirten Zonen «. Überdem auch
leztere eine Größe haben
», <so> daß «also» die
Hitze nichts weiter befprdert als da«ß»<s> «sie
das
» <schnelle> Wachsthum «treibt». Die Weiber fangen
frühe im 8ten und 10ten Jahre an, Kinder zu
zeugen, hören aber auch im 24%.ten Jahre auf,
welches auch mit den Einwohnern der nordli-
chen Gegenden geschiehet, daß also in diesem
Fall vornehmlich wegen den übertriebenen
Ausdünstungen in beyden <Zonen> der Hitze und die Kälte
einerley Würkungen hervorbringen «,»<.> «s»<S>onst«en» wäre
hier anzumerken, daß da ohngeachtet der ver-
schiedenen Di@ae@ten der verschiedenen Länder,
dennoch beständig einerley Proportion der Anzahl

/der

|P_183

/der<%.jenigen> Menschen statt findet, die in gewißen Perioden
des menschlichen Alters sterben ZE von 20 bis
zum 30%.ten Jahre, vermuthlich mechanische und
physische Ursachen vorhanden <sind>, die die Länge
des Lebens «lem» determiniren; und dessen Ziel
der <%.Mensch> durch Ausschweifung nicht verkürtzen, sondern <nur>
dasselbe sauerer und elender machen kann.
Doch sind hiebey zufällige Ursachen, die die gan-
ze Maschine des menschlichen Lebens destruiren, <%auszunehmen:>
als der Schlagfluß, Pest etc. doch <%.wird> es «macht es noch»
wahrscheinlich«er», daß <es> gewiße Ursachen «seyn» <gibt> ,
die die Zeit unseres Wachsthums bestimmen.
In den südlichen Ländern, und besonders in
Patagonien soll das MittelWachsthum der Menschen
im Durchschnitt genommen «kleiner» <größer> als das un-
srige seyn. Daher könnten auch wohl die
großen bey den Patagoniern bey uns Riesen
heißen. Wenn nun die Größe des Wachsthums
beständig auf der Stärke und Elasticitaet der
Fasern beruhe«n»<t>, und «entstehen» <Statt findet>, wenn die
Fasern denen sich ausspannenden Kraften der
NahrungsMittel <%nicht> wi«e»derstehen können, so ist eine
sehr hohe Statur eine Krankheit, und man <wächst>
würklich, wenn man krank ist, sehr stark.
So ist auch das sanft«mäßigen»<e> Wesen der Pata-
gonier eine Anzeige von ihrem kränklichen Zustan-
de, und daß ihre Fasern nicht die gehörige
Stärke erhalten «haben», der ausspannenden
Kraft der NahrungsMittel zu wi«e»derstehen.

/Sonsten

|P_184

/Sonsten müß«t»en wir noch anmerken, daß «die» <ob ein %.Mensch>
<%.von> Teiche<n> «einer Stadt», <oder> ob sie von einem Sumpfe
Berge oder Walde eingeschloßen, und sie dem
Nord-«und» Ost-Winde ausgesezt <ist> «sey», nicht «ge-
ringe
» zu «schätzen» <übersehen> sind «,» («nach der» Kunst einer
Erziehung) in Ansehung der Leibes-Constitu-
tion und <des> Charakters de«n»<r> Menschen «beyzumeßen».
Es wird gemeldet, daß die Abyssinier eine
sehr große Vorhaut haben, und daß vermuthlich
ieser»<es>wegen die Beschneidung bey den Heyden
vorgenommen ist; allein dieses dient bey ihnen
zum Opfer, weil sie sowohl als ihre Weiber
sehr fruchtbar seyn wollten, <NB> (daher diese leztern
auch von den @Nümpfen@ sich wegschneiden laßen
um der Göttin der Fruchtbarkeit ein Opfer zu
bringen, welche Erzahlung also Grund falsch ist.
So sollen sie auch an einigen Orten Fellen von
Fleisch an ihrer Scham haben, welche aber
von ihnen als eine Unanständigkeit angesehen
wird.)

/In Florida werden viele Hermaphroditen
angetroffen, welche mehrentheils nur eigentlich
Männer, und nur bloß eine Scham im Bauch
haben, welch«r»<s> sowohl aus ihrer Neigung zum
weiblichen Geschlecht, als auch weil die Anatomer
keinen öfnen, bey ihnen zu sehen und zu fühlen ist,
wiewohl auch nicht zu leugnen ist, daß es auch
würkliche Hermaphroditen geben könne, die
zugleich männlichen und weiblichen Geschlechts

/sind

|P_185

/sind. Endlich sollen die Leute in Borneo Ansatze
von Affenschwäntzen haben. Wenn man gleich
dieses Vorgeben als einen Irrthum passiren ließe
indem die Schiffer Thiere vor Menschen an-
gesehen haben können; so macht doch die Nach-
richt eines auctorisirten rußischen Scriben-
ten
, daß noch einige Familien am schwarzen
Meere Affenschwanzig sind, oder die einen %.äußerlich
verlängerten Rüken haben, dieses wahrscheinlich
die von den übrigen Tartaren verfolget
werden, und durch diese Verfolgung allmächlich
(wie ein Geschlecht der Menschen, welches so fle-
kigt als die Tieger gewesen seyn soll, jezt
aber ausgegangen ist) wird ausgerottet wer-
den.

/Noch müßen wir die Cretins merken, die
die K<r>öpfe bis an das Ende des Bauchs hen-
gend haben, und <die %.von> von denen ihre Mitbrüder
wegen des sanften Temperaments, das aber
aus der Vernunft rühret, hochgehalten wer-
den, da im Gegentheil die Alten und
Unsinnigen für heilig gehalten werden,
weil ihre Seelen ihrer Meinung nach schon
im Himmel seyn. «d»<D>er Türken Charak-
ter ist sehr witzig, der Araber sehr
phlegmatisch.

/Die Menschen sind jederzeit geneigt schon
zu seyn, und das Clima kann was dazu bey-
tragen. Wenn nun in Europa dieselben ihre

/Leiber

|P_186

/Leiber mit Kleidern bedeken, u«nd»<m> durch ihre Tracht
<an> sich Schönheit hervorzubringen, bemühet seyn, so
müßen die Einwohner anderer Gegenden in der
Ermangelung des Kleiderzierrats, unzufrieden
und mit dem was die Natur ihnen verliehen,
Veränderungen mit ihrem Leibe vorzunehmen
suchen. Die Caraiten in NordAmerika als die
unempfindlichsten Völker der Welt der Welt, wel-
che die Insell Lucia bewohnen, belegen die
Stirnen ihrer Kinder mit bleyernen Platten,
damit sie breit werden und ihre Augen hervor-
ragen, mithin nicht nöthig haben, den Kopf auf-
zuheben, um den Himmel anzusehen. Außer
der schlemigten Materie, die ihnen im Anfange aus
der Naß flieset, und außer den vielen Kin-
dern, die in der Probe sterben, scheint es ihrer
Gesundheit nicht schädlich zu seyn.

/Andere Nationen in Amerika können nicht
leiden, daß der menschliche Kopf ekigt, und
der <%.Eine> Durchschnitt desselben größer als der andere
sey, und zwingen daher denselben in Kugel-
formen welche den Zukkerhütten gleich sind, woher
denn die Kugel- und Spitz-Köpfe zu merken.
Sonst machen fast alle amerikanische Einwohner
Ritze<ße> in den Leib, schmieren allerhand Säfte
von Kräutern und Bäumen hierin und machen
ihn dadurch flekigt und zuweilen voller Figu-
ren. Manche von diesen Nationen haben unter

/der

|P_187

/der Lippe ein Loch eingeschnitten, welches so wie
ein anderer Mund aussiehet, und niemahlen
zuheilet, worinnen sie einen grünen Stein
von ziemlichen Werthe hineinsetzen. Eine von
ihren gewöhnlichen Zierden ist es auch ihr Gesicht
mit allerhand Vögel Federn auszuzie«h»ren.
Endlich gebrauchen auch die rothbraunen Ame-
rikaner den Zinnober zum Schmüken, wel-
cher zu ihrem Gesichte sehr wunderlich abste-
chen muß. In Asia müßen die Chineser Frauen
um kleine Füße zu erhalten, dieselbe in enge
Bandagen einklemmen, wodurch dieselbe Klum-
pen ohne Zehen vorstellen, um dieselbe vom
Ausgange abzuhalten; welches die Männer darum
vermuthlich als eine Schönheit angesehen haben
damit sie von Ausschweifungen absehen möchten.
Die Tungallen nähen ihren Kindern das
Gesicht (nach dem Beyspiel ihrer vormahligen
Helden) mit blauen und mit Feilstaub gefärb-
ten Zwirn, «Zeichen» aus. In Afrika punkti-
ren die FrauenZimmer ihr Gesicht.

/Die *1 Schuckzy im nordlichsten Asien machen
sich 2 Löcher in den Backen und setzen Wall-
roßZähne ein. In Turckie färbt man die
Zähen mit dem giftigen Safte Daxicodendo
schwartz, welche Couleur doch beßer, als einge-
schmuzte weiße laßen muß«en». Die Morasch-
kaden in Boneo <Bornio> setzen 2 goldene Zähne in
die Stelle derer, die sie sich ausschlagen, herein.

/Auf

|P_187R

/δ_Z_22

*1 <Tschuktschen>

|P_188

/Auf der Küste von Gabo steken die Einwohner
Höltzer in die durchgebohrte Scheidewand der
Nase. In Asia besonders in Malabar ist
<es> gewöhnlich, einen Nasenring durch die Nase
zu ziehen, und bis über den Mund hängen
zu laßen, wie denn auch einige Nationen
ihren Kindern durch die Vorhaut und die
Nümpfen dieselbe zogen, «d»<w>ie vormahls die
Römer, welche diesen actum infibulatio
nandten, um ihre Konige bis zu ihrem Ein-
tritt in die Ehe vor Ausschweifung zu
bewahren, thaten, worauf dann selbige
herausgenommen wurden.

/Auf der Halbinsel jenseits des Ganges und
in Canada schneiden sie sich in die Knorpel
von den Ohren, und hängen in die Löcher
durch die man öfters mit 2 Fingern durch-
fahren kann und bis auf die Schultern
herabhangen ihre Vampons oder Enden
großer Muscheln die violet aussehen hinein.

/Endlich sind die obern Kinnbaken bey den«en»
Chinesern mehr als der untere hinterwärts. daher
sie viele Buchstaben nicht aussprechen können ZE
L und N.

/Die einfachste Art <%sich> zu ernähren sind die Wurtzeln,
wie in Nordamerika, d«ie»<er> Reis <Mais> oder turkischer
Weitzen, und in SüdAmerika die Manock-Wurtzel
die zwar giftig ist, dennoch aber, wenn ihr Saft
ausgepreßt ist, nähret; dann folge«n»<t> die Jagd und
«endlich» die Fischerey.

/Die

|P_189

/Die Elendsten unter den Nationen sind die Esqui-
maux. Nahe am Meer f«u»<a>hren sie auf ihren Ka-
iacken oder Kahnen, die Seehunde zu fa<ng>«h»en«,»<.>
«m»<M>itten im Lande finden sie keine Wurtzel
sondern die Einwohner müßen sich etliche 10 Meilen
in der größesten Kälte entfernen. Daher
es eine große Wohlthat ist, wenn die Kinder
die alten Eltern umbringen. In Guinea wer-
den die Hunde gegeßen, welche alle stumm
sind, und wenn einer von den europäischen
dahin kommt, «der» <so> muß <er> auch verstummen. Die
Esquimaux heißen die Einwohner des Lohrentz«en»
Strohms an der Houdsons Bay. Zu den Esquimeaux
können auch in Ansehung des elenden Zustandes
die NeuHolländer gezählet werden, die bloß
von Muscheln leben. Die Negers nähren sich
von den <Yams->Wurtzeln «Iams»<«Yams»> die gesittete<n> Na-
tionen brauchen Hausthiere und Getreyde-
Arten.

/Die Ostiaken müßen im Winter ofters «%.gräßlich» <gewaltig>
hungern, weil sie <zu> faul sind, auf die Zukunft
bedacht zu seyn. | Endlich ist auch zu merken, daß
am Ausfluß des Flußes Senarib ins schwar-
ze Meer <sehr> dumme «g»<G>änse gefunden und auf
folgende Art gefangen werden: Es wird
eine Hütte gebauet, hierauf nähert sich einer
von denen Einwohnern mit einem weißen Peltze,
ein anderer gehet von hinten und klappert, wenn

/alsdenn

|P_190

/alsdenn die Gänse dem vordersten folgen, in-
dem sie ihn für eine Gans ansehen, und wenn
er sie in eine dazu gebaute Hütte einführt,
so wird die Thüre hinten zugeschloßen.

/In der <äußersten> Spitze «von» der Magellanischen Meer-
enge lebt man allein von Pferden. Die Vicu-
ner haben nur eine Art von Ziegen, von deren
Wolle sie sich kleiden, und die von den Spaniern
so hoch gehalten werden, daß sie nicht aus dem
Lande geführet werden dürfen. In den warmen
Ländern gebrauchet man die Ochsen, und in In-
dien die Büffel zum Fuhrwerk. Die Asiatier
aber leben nebst dem Reiße hauptsachlich von
<Kokos-, Sago-> den«en» Palm(aten) Bäumen, dem (Kosbos, Sago)
und Dattelbaum.

/Was die Arten der Wohnungen anbetrift, so
wohnen die Grönländer in Zelten, die sie
mit Erdstükken und Seehundfellen bedeken, und
Caballe nennen, welche aber sehr dem im
Winter hineintropfenden Waßer ausgesezt sind.
Im südlichen Amerika in Cuba wie auch in
Brasilien sind die Einwohner alle nakend und
wohnen in ihrem Caballen. In Guinea aber
müßen die Galletii ihre Hüttchen auf hohe
Bäumen aufschlagen, um sich vo«n»<r> den wilden
Thieren, <%und> «aus» den daselbst reißenden Ströhmen
zu retten.

/Was das Verhältniß des weiblichen Geschlechts zum
männlich betrift, so werden sie von denen
Amerikanern als Hausthiere angesehen, denen

/alle

|P_191

/alle Geschäfte, außer das Kriegen, obliegen. In
Asien werden sie in Zimmer eingesperrt, von
aller Arbeit befreyt, und so lange sie nicht Ja-
lousie erweken, wohl gehalten. In Europa
allein ist die Galanterie eingeführt.

/

/Articulus A A

/Von den Thieren. ≤

/Wenn wir jetzt von den Thieren «wer»<re>den wol-
len, so werden wir den Anfang mit den
Hausthieren machen, und davon folgendes
anmerken.

/1. Das PferdeGeschlecht. Außer de«m»<n>jenigen Tugen-
den, auf welche die EinbildungsKraft der
Menschen <bei den Pferden> einen Werth gesetz«e»t, und ihre
Gestalt, %und Größe betreffen, sind folgende
remarcable: Die Leichtigkeit, und damit ver-
knüpfter (schneller) <schöner> Wuchs, die Dauerhaftigkeit
und endlich eine Fähigkeit sich discipliniren
zu laßen, welche sie im Zustande der
natürlichen Freyheit <%nicht> haben. In de«s»<r> Wildniß
findet man «selbige» <«sie»><Pferde> selten, außer in den
Steppen, wiewohl es eine Art von wilden
Pferden in der Grafschaft Lippa giebt, auch
sind viele von den spanischen in Ameri-
ka in die Wildniß gerathen, welche von
den Patagoniern gefangen wurden, und wo-
von sie sich nähren. Die Arabischen Pferde sind
die besten, und beständig von einer Race er-
zeuget, wovon denn auch die Araber Geschlechts-

/Register

|P_192

/Register haben, und dieselben öfters für 8 bis 10
tausend %Reichsthaler verkauffen. Nach ihnen folget eine
Race von ihnen, namlich die barbarischen
Pferde in Algier, die sehr leicht und disciplina-
ble sind. Die Spanische sind eine Race von
ihnen. Die Englischen Pferde, die die schnellsten
sind, und in Einer Secunde 61 Schuh lauffen
können, da «nun» die wilden Pferde in derselben
Zeit <%nur> 52 Schuh zurücklegen. die größeste*1 Art ist
in Danemark, und die Holsteinischen sind
unter ihnen die besten. Wenn verschiedene
Racen von Pferden zusammen gelaßen wer-
den, so pflegt das junge in der Größe
Farbe etc.*2 in den Extremitaeten im Kopf
und Schweife nach dem Hengst zu schlachten.
In der Zona torrida sind sie schälig <schekig>, und in
der Zona frigida sehr klein, in Spanien
aber am besten, in de«r»<n> Nied«rugeng»<rungen> sehr faul
auf den Höhen aber munter.

/2. «Der» <%.Das> Cebra ist eine Art Pferde, welche lange
Ohren, wie die Esell haben, sonst aber wie
ein Pferd«t» aussehen, es hat dunkelbraune
weiße und gelbe Streiffen, die seinen Kör-
per in Gestalt großer Cirkel«n» umgeben. <Es> Wird
in Oberbythinien bis zum Cap«o» bonae fidei wie auch
in Abyßinien angetroffen.

/3. Das Esel«l»Geschlecht, welches zu«r» <%.einer> commoden Reise
«bequem» und zum tragen geschickt ist. Es giebt
auch eine Art Waldesell.

/4.

|P_192R

/δ_Z_9

*1 <In England gibt es
%.außerordentlich große %.und
starke .%Pferde>

/δ_Z_14

*2 <%.vielleicht fehlt: %auch der Stute>

|P_193

/4. Die MaulEsell ein«e» Halbschlach«t» und Ausartung
von de<n>«m» Eseln und Pferden. Sie sind sehr
tükisch.

/5. Das Rindergeschlecht. Hiezu zählen wir nicht allein
die barbarische Kühe, sondern auch den Büffel
mit zurückgebogenen sehr spitzigen Hörnern,
welcher nach dem Elephanten das stärkeste
Thier ist, und nur in Norden sich aufhält, und <ein E>
den Elephanten<->Ochsen, welcher von erstau<n>ender
Höhe ist, <%und> wie fast alle Thiere in der Zona
torrida <gefunden %wird>. Die sybirische Kuh kratzet im
Winter ihr Futter unter dem Schnee hervor.

/In Amerika sind viele von den«en» aus Spa-
nien mitgebrachten in die Wildniß gerathen,
haben sich sehr multipliciret, werden aber
auch von den verwilderten Hunden sehr
verfolget und aufgerieben. Vor der Spanier
Ankunft waren die Ochsen so wie die
Pferde in Amerika ganz unbekan«d»t. der
WaldEsell ist größer, als der zahme, und
wird in Candia angetroffen. Die barbarische
Kuh hat einen Kopf wie «ein» <%.das> Pferd. «Er»<Der> Büffel
wird in OstIndien gebraucht <(gefunden)>.

/6. Das SchaafGeschlecht. Es hat bey uns Wolle, jedoch
merket Condamine an, daß <es NB>, wenn es wild
ist, Haare und dabey Hörner hat, sich auch tapfer
wehret. Die Aluparische Schaafe sind diejenigen,
von welchen man die Kameel Haare bekommt,
weil das Schaaf-Camel bey den Türken heißt;
es wird aber von ihnen nicht eigentlich die Wolle,

/sondern

|P_194

/sondern nur das von ihr ausgeschorene Garn aus-
geführet, wovon (der Kamel <%.das ¿am. Garn>) verfertiget wird,
wiewohl auch einige Zeuge von den würklich ab-
geworfenen Haaren des Kamels verfertigt
werden. Die SchaafWolle ist gegen Noden zu
(großer) <langer> in der Zona torrida aber feiner. die
besten Schaafe sind die spanischen. «Ueberhaupt
s
»<S>ie leben in den SchneeGebürgen von Astu-
rien; gegen den Herbst aber (marchiren <ziehn>) sie
nach Andalusien, und bleiben den ganzen Win-
ter daselbst, (und unter ihnen ist die beste
Wolle von Legoroa weil hier der beste
Markt ist.) die Engländischen Schaafe sind eine
Race von den«en» Spanischen. In Afrika
giebt es breitschwänzig«t»e und <in> Maro<c>co «aber»
langschwänzig«t»e Schaafe, «welcher» <deren Schwanz> von einem
Wagen, de«m»n die Einwohner diesen Thieren
(appliciren,) <anbr.> geführet wird.

/7. Das BokGeschlecht. <dazu gehören:> Die Steinböke und die Gemsen,
welchen lezten sehr schwer beyzukommen ist; und
wenn sich die auf sie eyfrigen Jäger verstei-
gen, so sind sie bey der RückKehr in Lebens-
Gefahr; ja wenn die Gemsen nicht weiter
fortkommen können, <@machen@ sie> einen Satz «thun» und
<stürzen> dadurch entweder sich oder den Jäger, in die
Klüfte hinab«stürzen». Auf der Insell Island
sind die Horner der Böke sehr durch einan-
der geflochten.

/8. Die Gasellen sind Ziegen in Persien, welche
von ihren Einwohnern vermittelst der Leoparden
verfolgt werden. Sie sollen sehr schöne Augen

/haben

|P_195

/haben, und diejenigen seyn, von denen die hohen
Lieder Salomonis Er«inner»<wähn>ung thun. Von den
Ziegen Fellen wird der Corduan gemacht.

/9. Das Bi«e»samthier. welches unter dem Bauche eine
Blase hat, worin sich der so genandte Biesam
sammlet, welches ein röthlicher Saft, und ein
starkes Oehl ist. Dasjenige Thier, in welchem
es gefunden wird heißet ein Muscus-
Bok.

/10. Das Bezo«e»<a>r-Thier ist eine Art von «Thieren» <Ziegen>; <es> hat
unter dem Bauche zwey @Morgenballen@, welches
der Berzour-stein heißt, und dabey roth aussiehet,
sonsten aber verfälscht aussiehet. Es siehet wie
eine Zwiebel aus, und hat eine gallertige
Bitterkeit, welches vo«n»<r> der Fäulniß *1 praeser-
viren soll.

/11. Das Ziegenhorn, welches sich in Amerika auf-
hält, welches das einzige Einhorn in der Welt
ist. Denn das gräßliche Horn, welches @(gerne
unten ist, und)@ öfters unter der Erde «g»<a>nge-
troffen wird, ist von einem «¿¿¿ Fisch» (@Ribbl Nannou@¿¿)

/12. Das Guineische Glasgelbe Bökchen

/13. «Ch»<G>iraffe oder Cameloleopero<pard> ist in Asien <und Abysinien> und hat
solche Beine, daß ein Reiter auf einem mittel-
mäßigen Pferde unter seinem Bauch fort-
reiten kann. Es ist wie ein Leopard flekigt
hat einen langen Hals und Hörner.

/14. Das HirschGeschlecht. die Hirsche werfen jährlich
ihre <Ge>Weihe <ab>, und bekommen mehrentheils mehrere
Enden. Jedennoch kann man nicht eigentlich aus
denselben die Anzahl ihrer Jahre erkennen. Sie
sind schwer zu fangen. Im gemeinen Leben wird

/%.derjenige

|P_195R

/δ_Z_14

*1 <%.vermuthlich in Krankheiten>

|P_196

/derjenige, der seine Kunst in der Jagerey genau
verstehet, ein hirschgerechter Jäger genandt, weil
allemahl neue Kunst und neue Hunde dazu
geordnet werden, de«m»<n> Hirsch«en» auf einen ge-
gebenen Wink auf<zu>halten «zu laßen» <verstehn>. An Einem
α_Hirsch Geweihe hat man schon 66 Enden gezält.

/Von diesem Geweihe wird (der Gellart) <die Gallerte> ver-
fertiget, und insbesondere liefert dasselbe, wenn
es zu wachsen anfängt, und also noch knorpelicht
ist, «ist» es eine sehr wohlschmekende Speise. Das
Reh ist auch eine Art von Hirsch«en», wie auch das
Carmenische<lsche> Reh, welches nicht größer ist, als ein
Hase. (Der Damhirsch,*1) das Elen«d»thier, welches
einen Kopf, der dem Rhinozeros Kopfe sehr
ähnlich ist, hat, seinen Weg durch unwegsame
Oerter und Morräste nimmt, sehr wohl schwim-
men kann, sonst aber ein unschmakhaftes
Fleisch hat.

/15. Das Rennthier welches das äußerste Thier im
Norden ist, «so» <%.das> Gewächse frißt, da die meisten
Bären Fisch«e» freßen. Es behülft sich mit ganz tro-
kenen Mo«ß»<os>, welche«n»<s> es noch dazu unter dem Schnee
hervorsucht, «sonsten hierinn» die Einwohner <würden ohne> «bey
ihm
» <dieselben> alles entbehren. Sein Fell giebt ihnen
Kleidung; <sie> «ziehen seine» <«¿¿¿» %.von ihm> Milche, woraus sie Käse
machen; seine Sehnen brauchen sie zu Zwirn«e»
und ihr schneller Lauff dient ihnen, ihren kahn-
förmigen Schlitten fortzuschleppen.

/16. Das SchweinGeschlecht«e». Ihre Borsten sind ein
«vornehmer» <wichtiger> Artikel der Handlung, weil sie zu
den Bürsten und Besen sehr nothwendig sind,
sie sind aber nicht allenthalben, «<so> daß sie» zu gebrau-

/chen

|P_196R

/δ_Z_4

/<%.und die Kunst besteht darin,
die Hunde so abzurichten, %daß sie>

/δ_Z_13

*1 <gehort ebenfalls in dies
Geschlecht>

|P_197

/chen «wären», sondern nur bey einigen, welche in Rußland,
Brittanien <%und %anderen %Ländern> gefunden werden. «In» in der Südersten,
«wo» <ist> es da«ß»<s> größeste Thier «ist», und <hat doch %nur> die Höhe eines
kleinen Hundes, «auch» <aber> eine ziemliche Länge «hat; d» <. D>ie
wilden «Thiere» <%.Schweine> sehen schwarz aus, haben zur
Seite Klauen, mit welchen sie nicht sehr tief ein-
dringen; sind sehr verwegen; ja es lauffen
dieselben, sobald sie verwundet werden, gern
«da» auf den Ort, wo der Schuß geschehen, wo
alsdenn kein anderes Mittel «ist» <gibt>, als sich auf
die Erde zu legen, wodurch man nur eini-
germaßen gerettet wird. Sie halten sich
in Morrästen auf, woraus man sie in Deutsch-
land mit Schwefel Dampf verjaget. Sie setzen
durch den Rheinstrohm, wo sie von den Bau-
ren, inde«n»<m> sie dieselbe bey den Hinterfüßen
faßen, und mit dem Kopf ins Waßer steken,
ersäufet werden, welches ihnen jezt aber ver-
bot«h»en ist. Die Asiatischen Schweine sind lang
dabey sehr gesund. Es gehören hier: das Mexi-
canische Muscus-Schwein und der Schweinhirsch, der
nemlich ein Geweyhe hat, und auf der Insel«l»
Malucco ganz allein angetroffen wird.

/17. Der Hip<p>opotamus oder das NilPferd, welches
den Schweinen ahnlich ist, und mit den beyden fol-
genden das größeste unter den Landthieren
ist. Es hat eine ganz besondere Art von Zähnen
mit 2 Hauern, die (eben so) <%.einen> noch feinere<n> Kno-
chen in sich enthalten als die Elephanten-Zähne
die auch so groß, wie Ochsenhörner sind. Es hält
sich in den Flüßen von ganz Afrika, und sonst«en»

/nirgends

|P_198

/nirgends auf. Sein Leder ist so dik, daß kein Schuß,
ausgenommen, wenn er «ihn» hinter den Ohren
trift, ihn verletzen kann. Seine Schwere be-
trägt 30 Centner.

/18. Rhinozerus ist gleichsam mit einem Pantze«n»<r>
umgeben, obleich derselbe nichtg so stark, als
<%der> der SchildKröte «ihr» ist. Er würde also ganz
unbiegsam seyn, wenn ihm die Natur nicht
Falten in denselben verliehen <hätte>, vermittelst
dere«r»<n> er sich bewegen kann, welche von
Weitem wie Kleider, Stiefel, Hosen etc. aus-
sehen. Es hat sein«en» Horn auf der Nase,
«zu» <%und> öfters 2 hinter einander, wovon das unterste
am größ«e»sten ist; beyde aber <sind> stumpf «sind» daher
sie <ihm> wahrscheinlicher Weise <%.von der Natur> nicht zur Wehre
sondern nur um Wurtzel<n> aufzusuchen ge-
geben worden <sind>.

/19. der Elephant ist in Asia und Afrika, nicht aber
in Amerika anzutreffen. In Asia beträgt
ihre Höhe 14 bis 15 in Afrika aber nur 12
Schuh. Die größeste Sorte von ihnen trift
man in Ostindien, und zwar auf der Insell
Ceilon und der Halbinsell jenseit des Ganges
an. Seine Ohren «sind an der» <haben die> Größe von 2
Kalbfellen, <es> hat gleich dike ungeschikte Füße mit
5 Klauen; «E»<e>ine graue Couleur, wiewohl noch
zuweilen auf der Halbinsell jenseit des Ganges
weiße gefunden, und von den Indianers «als» <für> hei-

/lig«e»

|P_199

/lig«e», in welche die Seelen ihrer (Heiligen) <%Verstorbenen> hinein-
fahren, gehalten werden. Das merkwürdigste
von ihnen ist, sein großer Rüssel, dessen Spitze
sehr musholeuse, sonst aber ganz beweglich ist,
er kann denselben bewegen und biegen
wie er will, sogar das Freßen und Sauffen
zum Munde, welcher unter dem Rißel befindlich
ist, bringen; auch befindet sich seine größeste
Force darinnen. (Ob er gleich seine «(ungeschikte)»
Kräfte allgemeiner als alle Thiere zu ge-
brauchen weiß) «so» <%sie> brauchen «sie» ihn «doch
stark
» zu Handlungen, welche sie sehr <geschikt> ver-
richten. Vom TobaksRauch wird er ganz betrun-
ken; <er> läuft wie ein gutes Pferd, und «scheint» <trägt> auch
vortreflich; hat übrigens einen kurzen Schwanz
dessen Haare, wegen ihrer dike zu Tobaks-
Pfeiffen gebraucht werden. Sie werden ver-
mittelst zahm gemachter <%.Elephanten> Weibchen «der Ele-
phanten
» in enge Orte geloket und gefangen.
Sonst setzet man ihnen die Palaseings oder
Sänften auch bisweilen wohl kleine
Thürmchen auf.

/20. Das Kame«<e>»l, welches von den Dromedariis unter-
schieden ist, die nur einen Rükken und einen
«R»<P>ukel, indem die Kamele 2 Pukel und 2
Rüken haben. Es hat einen langen Hals. Wenn
es beladen wird, knieet es nieder und weiß
wohl, die Last, die es ertragen kann, zu
unterscheiden, indem es nicht eher, falls es auch geprü-

/gelt

|P_200

/geprügelt wird, aufstehet, bis sie dasselbe auf heiß
gemachte Platten anbinden, und dieses oft wie-
α_derhohlen.*1 «bis daß, wenn es die Music, die die
Einwohner von Asia dabey hören lißen, wahr-
nimmt, dieselben Sprünge macht, die «s» es sehen
ließ, als es die Würckung der Hitze emfand
»

/21. Das Faulthier wird nur allein in Amerika
angetroffen, sieht wie ein Affe aus, nur daß es
anstatt der grauen, «es» eine weiße Farbe hat.
In einer Weite von 12 Schuhe bringt es öfters
den ganzen Tag zu, und bey jedem Tritte
schreyt es so erbärmlich, «daß man dencken
sollte
», als wenn alle seine Knochen zerbre-
chen werden, und eben dieses Geschrey ist es
«da» <wo>durch es vo«n»r alen übrigen Thieren, welche
es nicht leiden können, gesichert ist.

/22. Der Ameisenfreßer. Er hat seinen Namen da-
von, daß er Ameisen frißt <:er> hat eine sehr lange
Zunge, die so groß wie er selbst, und dabey
klebricht, wie eine Leimruthe ist.Wenn die
Ameisen durch ihn aus ihrem Neste gestöhret wer-
den, so lauffen sie auf seine Zunge, bleiben
daran kleben, «¿¿» wobey er denn die Zunge mit
den Ameisen in sich schluckt, «so ist» Es <ist> wunder-
bar, wie solche große Thiere «als ein Bär,» sich an
einer so sehr geringen Nahrungen behelfen
können.

/23. Das Eichhörnchen sieht in allen Gegenden der Welt
gelblicht aus; ihre Art über den See zu schwimmen
ist sehr sonderbar, indem sie nemlich auf einer Bank
von Holtz sitzen, und mit ihrem Schwantze den
Wind auffangen.

/24.

|P_200R

/δ_Z_2

/*1 <Während dieser Zeit %unterhält
%man %eine Musik. - So bald
%das %.Kamel kann diese Musik ver-
nimmt, %auch wenn es %nicht mehr %auf
jenen Platten steht, so macht
es %mit %seiner dieselben Sprün-
ge, die %durch die Hitze bey ihm
hervorgebracht %worden.>

|P_201

/24. Das Rattengeschlecht. - Die Ratten sind «sowohl» Thiere
welche <%durch ihr scharfes Gebiß> alles im Hause verwüsten, «als auch wegen
ihres scharfen Gebißes gefährlich
». Die beste Me-
tode sie zu fangen ist, wenn man sie in einen
pollirten Keßel an der Zahl 4 bis 5 hineinsezt,
und wenn sie endlich gewaltig hungern, so fan-
gen sie sich selbst an zu freßen, und die lezte
die übrig bleibt, fangt an, den Vorrast der
todtgebißenen Ratte zu verschlingen. Wenn
selbige hinaus gelassen wird, so bekommt sie einen
Trieb den Fraß zu wiederholen, worauf sich denn
alle anderen Ratten fortmachen. Ja es ist zu glau-
ben, daß wenn sie aus einem Hause verschwin-
den; wo vormahls viele gewesen sind, solches
von einer toll gewordenen herrühret. Es giebt
gewisse Ratten, deren Junge in Gefahr ihre
Schwäntze um die Schwänze ihrer Alten win-
den, und sich von denselben fortschleppen laßen.
Die Beutel Ratten, welche unter dem Bauche
einen Beutel haben, in welchen die Jungen
wenn sie verfolget werden, sich sammlen,
sind noch zu mercken.

/25. Das Hundegeschlecht: Der original Hund scheint
der Schäfferhund zu seyn, weil alle Hunde, wenn
sie in die Wildheit gerathen, des gleichen werden.
Daher ist es auch wahrscheinlich, daß alle Hunde, sie
mögen so verschieden seyn wie sie wollen, den-
noch nur von einem einzigen Stamme herkom-
men, weil in <*1 allen Thier> (großen Producten) überhaupt
solche Keime liegen, welche sich unter der Be-
günstigung der NahrungsMittel der Luft etc des

/Landes

|P_202

/Landes entwickeln. In kalten Gegenden haben alle Thie-
re weit dickere Peltze als in den warmen,
und Vögel haben Eine Schichte mehr<2> Federn<1>, in den
Zonis frigidis als in den temperatis. Folgende
Halbschlachten sind merckwürdig: von dem spa-
nischen Pudel und dem spanischen Wachtel-
hund wird der Bologneser erzeugt: von dem
Bollenbeißer und dem spanischen Wachtelhunde
des Mohr. Die wilden Hunde in Afrika
sind stumm, und ist<2> vermuthlich<1> der Mangel des
Bellens deswegen bey ihnen anzutreffen, weil
sie Gewahr werden, daß sie das Wild dadurch
verscheuchen; wenn sie auf die Schiffe ge-
bracht werden, so fangen sie an zu gnorren
endlich gewöhnen sie sich auch ans bellen. Sie zie-
hen dort«en» in ganzen Heerden herum, aus
welchen Einer von ihnen als Leiter voran-
gehet. Die«ses» <Hunde> scheinen die vollkommensten Thie-
re zu seyn und das Analogon rationis am
stärckesten. Zu zeigen «maaßen» <indem> sie das ihnen
auferlegte Amt sorgfältig in Acht nehmen, und
bey ihrem Herren verbleiben; wenn sie böses
gethan, unruhig werden, und wenn <so> «selbige»
ihren Herrn zornig sehen, sie durch eine demü-
thige Stellung ihn zu gewinnen suchen. Zuweilen
werden sie auch toll, und der Biß von ihnen ist
sodenn sehr gefährlich, weil die Menschen in eine
ähnliche Raserey verfallen, doch hört der Hund auf
gefährlich zu seyn, wenn der tolle Wurm unter der
Zunge ihm vorne geschnitten wird. Sonst scheint das Salz
welches, sobald der Biß geschen, in die Wunde gereibet,
und in Waßer aufgelöset wird, nüzlich zu seyn

/26

|P_203

/26. Der Wolff ist dem innern Bau nach von den
Hunden unterschieden, denn weil «selbig»er mehr frißt
als er zu seinem Unterhalte braucht, ein grausames
Thier «ist». Zum Wolf«en»-Geschlecht rechnet man auch den
Scha«¿»cal, welcher größer als ein Fuchs und kleiner
als ein Wolff ist. Vermuthlich sind Simsons Füchse
dergleichen Thiere gewesen, weil «selbige» <%.sie> in einem
Haufen beysammen sind.

/27. Das Fuchs«en» Geschlecht. In Syberien giebt es 3erley
Arten von ihnen; de«r»<n> weißen Fuchs, de«r»<n> braunen
und blauen der aschenfarbig aussiehet, dessen
Haare aber nicht beständig und dauerhaft sind;
«wozu» <Hiezu kommt> noch der schwarze «kommt», der wegen sei-
ner Kostbarkeit regal ist. Der StankFuchs hat
einen solchen Gestank, daß alle Menschen und
Thiere fliehen müßen; wiewohl sein Fleisch schmack-
haft ist. Zu ihnen zählet man auch die Igel
und Biesam Katzen, die ihnen in allen Stücken <gleichen,>
außer den Spuren und Klauen, nach welchen sie
einer Katze ähnlich sind, «gleichet». Hinter dem
Schwanz (und außerhalb dem ano) hat sie eine
Drüse, aus welcher ein klebrichter Saft, den
man den Cibet nennet gedrück«e»t wird.

/Er ist im Anfange scharf, hernach leidlicher
und (übrigens) <%gewöhnlich> halt man seinen Geruch für
vortreflich. Allein weil die Kinder sowohl als
die Wilden «k»einen Abscheu und Eckel vor
gewissen Dingen wegen ihres Geruchs haben
so scheint das Gefallen und Mißfallen an einem
Geruche nicht natürlich, sondern vielmehr eine
Mode zu seyn.

/28

|P_204

/28 Das KatzenGeschlecht. wird nirgends so <gerne> gelitten
als in der Türckey, weil sie glauben, daß kein
Thier in das Paradies als des Mahomeds Katze
kommen wird. Die lässt sich nicht discipliniren,
und gewöhnt sich mehr ans Haus als an ihren
Herrn. Eine Art davon ist die Ti«e»gerkatze,
und bey uns der Luchs.

/29. Der Tieger wird in Asien jenseit des Ganges
angetroffen, hat schwarze und weiße Streiffen,
die um den ganzen Leib herumgehen, ist sehr
grausam und ganz indisciplinable; dabey
so starck, daß er selbst einen Löwen über-
wältigen kann, sonsten muß man ihn nicht
mit dem Panther verwechseln.

/30. Der Dublal <bleh>*1, welcher bey den Alten die berufe-
ne Hiäne ist, bey Algier angetroffen wird,
und die Todten aus ihren Gräbern heraus-
klauet.

/31. Der Löwe. Er wird wegen seiner Großmuth
(nach welcher er immer gesätiget ist, und jedes
Thier in Ruhe läßt) gerühmt. Der der Afrikani-
sche ist der mächtigste von ihnen, hat länge
aber sträubigten Mähne.<*2> Dagegen <ist> der
Asiatische «ist» im Gesichte der Katze ähnlich.
Sein Brüllen ist fürchterlich, und <er> erhebet «solches» <dasselbe>
sowohl des Abends als des Morgens, als auch
bey jeder Veränderung des Wetters; hat er-
staun«ende»<liche> Force in seiner Brust, frißt übri-
gens am liebsten Affen, «nachgehends» <dann> das andere
Vieh und endlich den Menschen, und unter diesen
einen schwartzen lieber als einen weißen, und eine
MannsPerson «williger»<eher> als ein Frauenzimmer,*3

|P_204R

/δ_Z_15

/%vielleicht Dubleh

/δ_Z_23

/α_*1 Eine gerunzelte Stirn
Menschen ähnliches Gesicht
und tiefliegende Augen

/δ_Z_30

/α_*2 Seine Höhe vom Rücken
bis an die Erde ist 4_1/2 Fus

/δ_Z_33

/α_*3 Sonst ist das einzige Mittel
in der Noth sich auf die
Erde zu legen.

/32

|P_205

/32. Das Affengeschlecht. Die haben entweder keine
Schwäntze: als denn werden sie MenschenAffen
genandt, oder lange, und als denn heißen sie
Meerkatzen, oder kurze, welche man Pavi-
ane
nennet. Ob nun gleich die Affen ein
Analogon rationis haben; so wird doch Ana-
logon moralitatis
<bei ihnen> vermißt, indem sie
jederzeit boßhaft, tükisch und eigensinnig sind,
und allenthalben, wo sie können, Schaden thun,
«es nicht unterlaßen». Sie haben Menschen-Finger,
(und ist, deswegen ihre Organisation nicht auf
etwas besonderes eingeschränkt, ja wenn dieses
zu einem allgemeinen Gebrauch eingerichtet ist
so zeigt sie auch ganz sicher von den allgemei-
nen Fähigkeiten des Thieres.) Die größesten
von den ungeschwanzten Affen werden Wald-
Männer genandt, sind 5 Fuß hoch «,» haben wenig
Haare, eine herabhängende Oberlippe, Run-
zeln im Gesicht, können einem sich wi«e»der-
setzen, und haben von weitem die Gestalt
eines bejahrten Mannes: Die Kleinen von
«diesem» <den> ohngeschwänzten Affen, sind noch böser
als die Großen, und äußerst flatterhaft,
brechen sich Prügel von den Bäumen. und
können damit («sintermahl» <indem> sie äußerst ge-
sellig <sind> und in großen Haufen ziehen) einen
Löwen und Ti«e»ger vertreiben. Die lang-
schwänzigsten gebrauchen ihre Schwäntze, sich
um die Bäume zu schlengen, und vermittelst
«diesen» <desselben> sich «über die Bäche», weil sie nicht schwimmen
können, «zu setzen » <über die Bäche zu schwingen>. Sie haben einen Schlauch in

/den

|P_206

/den Backen, den sie zu einem Magazin brauchen; allein
weil sie sehr flatterhaft sind, so pflegen sie «wenn» <des>
Obstes oder Reißes überdrüßig zu werden
und <etwas> anderes zu ho«h»len. «Endlich» werden sie bis
zum Capo bonae spei angetroffen. Sonst«ens»
sind noch die SchooßAefchen«s», welche nicht größer
als die Eichhörnchen«s» sind, anzumercken, welche
aber in Europa nicht wohl leben können.

/33. Das SchaafKameel wird in Americka und zwar im
oberen Theil angetroffen, wo es vormahls das
einzige*1 Ostthier «in dieser Gegend» war; <es> hat
einen langen Hals, und das sonderbare an
sich, daß es den Menschen starr ansiehet; <es> wird
auch «R »Vacunna genanndt.

/34. Das Haasengeschlecht. theilet sich ein: in Sandhaasen,
welches die starkesten Läuffer, und dabey am
wohlschmeckendsten sind, und in Waldhaasen.

/Ihre Furchtsamkeit, schneller Lauf, und dabey
ihre Intriguen wenn sie verfolget werden,
sind bekanndt. Sie treten in allen Gegenden
Spuhren, um die Hunde von ihrem wahren
Lager abzubringen. Die weißen Haasen sind
vielmehr eine Aus- als Abartung.

/35. Das Meerschweinchen oder Ferkel wird aus Bra-
silien gebracht.

/36. Das «Maul» <Murmel>thier wird in Sawoyen und Piemont
angetroffen; <es> kommt mit der Schlafratte darin über-
ein, dass «sie» <es> öfters in einer Art von Erstarrung
liegen, und ohne dass «sie» <es> sich bewege«t» wegge-
bracht und anatomirt werden «können» <kann>. Die

/Ursache

|P_206R

/δ_Z_11

/α_%vielleicht große; oder: Last-Thier

|P_207

/Ursache davon ist die: Im Schlaf kühlet sich das
Blut immer mehr und mehr ab; weil nun das
Blut dieser Thiere nicht so warm als das
Blut des Menschen ist, so wird es mit dem an-
haltenden Schlaff kälter als die Luft selber. «und»
(kann solcher Gestalt durch dieselbe nicht
beweget werden.)

/37. Vom Bären. Von ihm ist dieses anzumercken, daß
er im Winter von seinem Fette, <lebt> welches «aber»
durch seine innerlich zurückführende Gefäße
selbst«en» zur Nahrung wird, «lebet». <Die B.> sind von
den Dachsen darinn unterschieden, daß diese
von dem 2 Hand breiten Speck, «so» <der> sich unter
ihrer Haut befindet, und welches sie vermittelst
eines Loches, oberhalb de«m»<s> «ano» <Afters> fangen ernäh-
ret werden.

/38. Die Maulwürfe haben kleine Augen, welche
aber dennoch hinreichend sind, den Tag von
der Nacht zu unterscheiden. Man bemerckt,
daß wenn ein Maulwurf «verworfen» <auf der Erde> ver-
stirbt, <er nach der Zeit, wie begraben> unter der Erde angetroffen wird. «??»

/Gladitsch «aber» nemlich hat beobachtet, daß solches von gewissen
«den» Käfern, welche zur Seite die Erde erheben
α_würdet, wird,damit sie ihn hernach unter der Erde <ungestört> verzehren können.

/39. Das StachelSchwein hat lange Stacheln, die
wie FederKeilen zugespizt seyn, und welche
es nach Gefallen «?» (abschüssen) kann. Der Stein-Becois
der in seinem Magen gefunden wird ist von
großem Werthe. Uebrigens sind folgende Thiere
noch merckwürdig

/40

|P_207R

/δ_Z_8

/Er ist ein großer
Honig-Dieb.

/δ_Z_11

/der weiße Bär in
Honig-Dieb.
Spitzbergen hat einen
HundsKopf. Einige
sind 6 Fuß hoch und
14 lang schwimmen
starck

|P_208

/40. Die Fledermäuse, welche zu beyden Seiten
ausgespannte Häute haben, und dabey die
«abscheuligsten» <häßlichsten> unter allen Nachtthieren
sind.

/41. Die fliegenden Katzen in OstIndien und

/42. Die fliegende Einhörner, welche nur wegen
der zur Seite befindlichen Haut, <größere> Sprünge,
als die gewöhnlichen «Arten der Eichhörnchens» machen können

/43. «Der» <D> Hermelin oder der <weisse> Wiesel

/44 Die Speicher Wiesel, Die den Mäusen nach-
stellen

/45 Die Marder die man durch «das» Schleifen, «als»
welches sie nicht vertragen können, hervorlockt.

/46. Die Iltiße, die man durch das Einge-
weide eine«s»r Gans fangen kann; und dann
ist noch zu mercken

/47. Die Ferette, welches kleine Wiesell «seyn» <sind>,
die die Kaninchen aus ihren Löchern stö«h»ren

/Man könnte sich in Europa nach dem Bey-
spiel der Engländer resoluiren, die Kaninchen
fortzupflanzen, weil sie sich selbst ernähren,
ein schönes Fell haben und sich sehr mul-
tipliciren, (und durch Hülfe des Wohn-
haus Thieres aus ihren Löchern hervor-
gejagt werden können)

/Unter

|P_209

/Unter den Amphybien, oder den Thieren; die
sowohl im Waßer als auf dem Lande leben
können, sind zu mercken.

/1. Die Fluß-Otter. Sie sind in den Flüßen zu fin-
den, graben sich Gruben, von den Ufern bis
zu den Wäldern, und werden durch ihr
Fell zu <den> Bremen «zu den» <der> Mützen brauch-
bar.

/2. Die SeeOtter wird bey Kamschatka gefun-
den; und hat ein so glänzendes schwarzes Fell
daß es <bis> 40 rthl kostet. Sie haben übrigens Floß-
federn an den Füßen.

/3. Der Bi«e»ber hat 4 Füße und einen Eyrunden
FischSchwantz, den er beständig im Wasser halten
muß; auch Zähne, die hervorragen. Sie sind
jezo seltener als sie vordem waren. Die
Länder scheinen vormahls alle mit Wälder be-
deckt gewesen zu seyn, außer d«i»en SandWiesen
und Steppen; «(weil» <wie> man überhaupt die neu
«erfundenen Gegenden» <entdeckten Länder> voller Wälder antrift. «)»
weil sich diese <Wälder> «nachgehends?» <allm&aauml;hlig> vermindert haben.
so mag <das> «es» auch die Ursache von der Vermin-
derung derjenigen Thiere seyn, deren Aufenthalt
α_der Wald ist. «Ihre Moden» <die Kunst der Biber>, den Damm an
dem Ufer zu verfertigen, den sie von der
Fluß Seite steil, von der Landseite aber
abgedacht, <wie> nach den Vorschriften der Baukunst
aufführen, ist «sonderbar» <zu bewundern>. Er hackt mit seinen
2 vordersten Zähnen den Baum «h¿» ab, und führt
ihn bis an das Waßer: mit seinem Schwanz trans-

portirt er den Thon, «und» <um> die Faschi«e»nen aus zu

/füllen

|P_209R

/δ_Z_7

/{Brämen}
/α_weitere Hand (No. 4?)

|P_210

/füllen, baut sich darauf im Lande am Ufer mit 2
Etagen ein Haus, damit er nach Proportion des
Waßers seine Wohnung verändern kann; er
ißet im Winter die BaumRinde.

/4. Die Meerkälber oder Seehunde werden in der
Ostsee und beständig im Eißmeere ange-
troffen. *1

/5. «der» <D> Wallroß. oder der Meerochs, welchen Namen er
keines Weges verdient hat. Er hat einen großen
Kopf und hervorragende Zähne, die aber unten
herabgehen: Die Seebären und Seelöwen
werden auch bey Kamschatka angetroffen.*2

/6. Die Crocodille«n» sind äußerlich und innerlich mit
den Eydexen einerley und nur der Größe
nach von ih«r»<nen> unterschieden; <%.sie> halten sich bey
Afrika selten (und nur bey <in Aegypten> atetacta häufig)
auf, und sind in der alten Welt das, was
in der neuen der Aligator ist; nur daß
der Schwanz des leztern herabhänget, und eine
etwas verschiedene Farbe hat. Gleichwie
aber die Natur so schädliche Produckte nicht
α_häufig hervorbringt, also frißt «der» <d> Ichnenmon
oder die Pharaonis Mauß die Eyer des Crocodillen;
und die Gallinassen ein den Gänsen ähnlicher
Vogel die Eyer des Aligatons auf; welche bey-
de <@den Krof. und der ¿¿¿> die Ausbrütung der Sonne überlassen, und die
Eyer in den Sand verscharren.

/7. Die Schildkröten. Die größesten von ihnen sind in SüdAme-
rika und wiegen bis 3 Centner; haben so starcke Knochen
als ein Ochs, schwimmen auf dem Waßer und legen auf
dem Lande 2 bis 300 Eyer. Ihr Fleisch soll wohlschmeckend
seyn, und den Pantzer braucht man, wiewohl nur von den
kleinern zu TobacksDosen und UhrGehäusen

/Von

|P_210R

/δ_Z_8
/*1 Auf den antilschen
Inseln sind einige bis
20 Fuß lang.

/δ_Z_13
/*2 und sind größer als
die Landbären. -

|P_211

/ ≥ Von den Fischen. ≤

/Ueberhaupt ist anzumercken, daß sowohl die
würckende Ursach als auch der Endzweck erfordern,
daß in dem Wasser die größesten «Ballasten» <Thiere> gefun-
den werden, weil theils die Landthiere in
«selbiger» <derselben> Größe <von> ihrem eigenen Gewicht, nach des
Gallilaei Beobachtung zerbrechen würden,
<aber auch> im Wasser leichter schwimmen und
der Füße entbehren können. Dahin gehören
denn nun folgende.

/1. Die Wallfische sind die größe«s»ten Seethiere und
in den Eißmeeren am größesten, vermuthlich
deswegen, weil sie schlammig«t» sind, und in
den heißen Zonen zerschmeltzen würden.*1 Die
verschiedenen Arten von ihnen sind der Grön-
ländische <%Wallfisch> der Nordkapp<er>, der Pottfisch der
Finnfisch, der <Narval> (Charxall), der Schwerdtfisch.
Was das Zeugen dieser Thiere anbetrift, so
muß man einen Unterschied zwischen Thieren,
«die»<von> kalte«s»<m> und «solche» heiße«s»<m> «Waßer»<Blut> «haben», ma-
chen. In den süßen Wassern haben sie al«t»e
kaltes Blut, und «unter dieser Bedingung» <dann> ist
keine Beiwohnung; sondern das Weibchen läßt
den Roggen fallen, und das Mänchen vermischt
«den» seinen <Saamen> «auch» damit, folglich geschiehet die Be-
fruchtung außer «ohne» de«r»m Leibe. Diejenigen Fische,
welche heißes Blut haben, gebähren lebendig,
und säugen ihre Jungen. Dieses leztere geschiehet

/mit

|P_211R

/δ_Z_7
%weil die großen %Thiere

/δ_Z_14
/*1 Das kann schwerlich die Ur-
sache seyn, %weil %man %auch nahe
%unter ihm Wallfische bemerkt
hat.

/Vielleicht schuf die Natur die
Wallfische und die anderen Thiere
des Eismeeres deshalb so %weil sie %durch diese Hülle
der Kälte besser wieder-
stehen konnten.

|P_212

/mit den Grönländischen Wallfischen. Die haben
einen ungeschickten Kopf, welcher 1/3 von «seiner» <ihrer>
Länge, und eine Dicke, welche im Durchschnitt
<ebenfalls> 2/3 <derselben> beträgt; <der Wallfisch> hat kleine Augen, welche nicht gro-
ßer als <die> eines Ochsens, «und» wie überhaupt die
Pupille, das Thier mag so groß seyn als es
will, nicht «so» eigentlich groß sondern empfindlich seyn
muß; an der Seite starcke Floßfedern, auf der
Nase «blasen» <2 Oeffnungen>, aus welchen mit einem großen
Getöse das Wasser in Gestalt zweyer
Fontainen herausfließt, einen weiten Rachen,
aber <zu> engen Schlund «dabey». Endlich findet man
bey ihnen nicht Zähne, sondern «Kraden» <Bardten> an
seinen Gaumen, welche wie Schwerdter ge-
legt und oben mit Borsten versehen sind,
wovon man den Fischbein verfertigt. Seine
Nahrung ist eine Menge Gewürme, die sich zu
gewißen Zeiten ohne Zahl in dem EißMeer
aufhalten, die er samt dem Wasser*1 «ein-
schluckt
», welches leztere er aber vermittelst
seiner <obern Oeffnungen > «Baden» wieder aussprützet. Weil
nun diese Würmer ganz trahnig«t» sind, so
ists kein Wunder, dass er selbst <so> «von solcher
Art
» wird. Er hat eine große Force in seinem
Schwantze, welchen er horizontal, nicht wie
andere Fische vertical hat, und ist damit
im Stande ein kleines Boot«h» zu zerschmettern.
Seine Lange beträgt 80 bis 120 Schuh, und
«wird» von ihm <wird> nichts als das Speck, dessen
Absonderung von dem übrigen Fleisch die

/Schiffer

|P_212R

/δ_Z_19

/*1 in sein Rachen nimmt

|P_213

/Schiffer Flemster nennen, nebst dem Fischbein ver-
braucht. Der Wallfischfang ist sehr important
α_und einr «Ordinairer von diesen Fischen» <von mittler Größe> lie-
fert bis 7.000 %Gulden Einckünfte. Er wird eigentlich
in Grönland oder Spitzbergen, in der
Davids- und Hudsons-Straße ge«trieben»<fangen>,
wohin er sich im Sommer verirrt, sonst«en»
aber im Winter in den EißMeeren ist.
Man fängt ihn folgender Gestalt. Es wird
ihm eine Harpune in den Leib geworfen,
welche«r» an einem langen klauen Garn
bevestiget ist. Hierauf fahrt er mit großer
«Beständigkeit» <Schnelligkeit> unter das Waßer, weil er
aber beständig Luft schopfen muß, so
kommt er bald hervor, fährt aber wieder
er»<in>unter, bis er endlich mit vielem K«r»euchen
wieder auf die Oberfläche des Waßers
sich erhebt, man nähert sich alsdenn mit
Booten, versezt ihm viele Lantzenstiche
bis das Waßer, das er aus den <Oeffnungen> «Blasen»
sprizt mit Blut vermenget wird, in wel-
chem Fall er bis aufs Leben verwundet
ist. Die größeste Schwierigkeit beym Fan-
gen war vormahls, wenn er sich unter
das Eiß retirirte, jetzt aber weiß man
«die Methode» ihm auch alsdenn beyzu kommen;
nur man muß sich «für» <vor> den Eißstücken in Acht
nehmen. Seine Feinde sind die Wallfisch-Laus

/welche

|P_214

/welche sich an seine Genitalia sezt, sonst«en» aber
nicht großer als ein Käfer ist. (Der Hayfisch)
Der Navall welcher ihn mit seinem gewun-
denen Horn durchläuft, und der Schwerdt-
fisch, welcher seine Junge verzehret.*1 Die
anderen Arten der Wallfische sind:

/a. Der NordKap«p»<r> hat nur ein «bloßes» <Blas>-Loch im
Nacken, frisst gerne Heeringe, hat aber nicht
so gutes Speck wie «ein» <der> grönlandische Wall-
fisch.*2

/b. Der Finnfisch hat seinen Namen von der gro-
ßen Flußfeder auf dem Rükken, und führet auf.
Zähne im Rachen.

/c. Der Pottfisch welcher einen Kopf inder Ge-
stalt einer Flintenkolbe«n Zahn» hat, dabey
auch sehr lang ist. Man findet in ihm eine
Tonne Hirnöhl, welches man Wallroth nen-
net; <Er> streicht durch die Mittelländische See
und wird für den gehalten, welcher den
Jonas verschlungen hat.*3

/d. Der Narval hat ein gewundenes Horn
welches 3 bis 6 Schuhe lang ist, wiewohl auch
einige 2 haben.

/e. Der Schwerdtfisch hat einen hervorragenden
Zahn, der wie ein Schwerdt gestaltet ist. Eine
Art von ihm ist der Sägefisch.*4

/2. Die Seekuh wird bei Kamschatka, und den
großen attillischen Inselln angetroffen. « haben» <sie hat>
vorne statt der Füße zwey «S»<s>tumpfe«n» <Floßen>, ra-
ge«n»<t> mimt ihrem Körper über die See hervor.

/Den

|P_214R

/δ_Z_5

/*1 sind noch zu merken.

/δ_Z_7

/*2 Er halt sich in den nordlichen Ge-
genden bey Spitzbergen
und nova Zembla auf.

/δ_Z_14

/Das Gehirn des Pottfisches ist
das sogenannte sperma
Caethi

/δ_Z_17

/*3 Er gebähret lebendige Junge
und säuget sie.

/δ_Z_25

/*4 Er tödtet den Wallfisch.

|P_215

/Den Kopf aber tauchet sie unter das Waßer .
Sie nährt sich von der Seeruthe, welches
ein Seekraut ist, und «haben» <hat>, ein sehr schwam-
migtes Fleisch und «Butter» <%ein Fett>, welches nicht so
leicht in Fäulniß geräth.

/3. Der Hey oder SeeWolff hält sich in der
spanischen See, am meisten aber bey der
Küste Guinea (und der schwarzen) auf, hat
einen langen Kopf, gleich einer Flintenkolbe
in seinem Rachen 3 Reihen von «Rachen» Zähnen,
einen weiten Schlundt (daher man öfters
ganze Matrosen in seinem Magen ange-
troffen <hat>) eine Schnautze, die «wohl» einen Fuß
über seinen Rachen hervorragt, und wodurch
einigermaaßen die Seethiere von diesem
größesten Raubthiere der ganzen See gesichert
«seyn» <sind>. <Es> hat eine große <@Stärke@> «Force» in seinem Schwanz
und ist bis 50 Fuß lang. Er frißt ohne
zu untersuchen, was ins Meer fällt, weil
beständig 3 oder noch mehrere sich dar«nach» <%auf>
«reißen». «Indessen» haben<2> sie<1> die Eigenschaft,
daß sie, wie der Stockfisch, ihren Magen um-
kehren und reinigen können. Weil um
diese Fische die Schiffer «(sobald sie etwas
gefreßen, was ihnen ausgeworfen worden)
»
von Afrika bis Amerika, wo sie die Ladungen
von «den» Schwarzen, die «sie» <man> in Guinea verkauft,
«transportiren», verfolgen, so ist es leicht, sie vermittels
einer Kette mit Wiederhaken, woran ein Stück
Fleisch befündlich ist, zu fangen.

/4

|P_216

/4. Remora sonst«en» auch Lauger genandt, hält sich
bey der Küsten von Afrika auf, und ist der-
jenige Fisch, von welchem die Alten vorgeben,
daß er das Schiff unbeweglich machen könnte. Weil
nun das Schiff, wenn der in dem Waßer be-
findliche Theil glatt ist, geschwinder seegeln
kann, so geschiehet es wohl, daß wenn sich
eine große Menge von diesen «Schiffen» <Fischen> an
das Schiff ansaugen, und daran hängen bleiben,
der cours langsamer ist.

/5. Der Mantelfisch. (ist eine große «Rache» <Roche> aber «Platt»
<Plattfisch>) <er> hat wie die Flunder, eine auf der Seite
liegende <Figur>. <Sie> sind groß und haben einen der Peitsche
ähnlichen Schwanz, <und> sind «dabey» den Perlenfi-
schern sehr gefährlich. Die Flundern sind auf
der einen Seite gelb und auf der andern
Seite schwarz.

/6. Der Seeteufel eine Art von «Rachen» <Rochen>, hat Hör-
ner und Hare.

/7. Der Zitterfisch oder Krampffisch (Roga torpida)

i. e. eine Roche, hält sich in den Afrikanischen
Gewäßern auf, und theilt, wenn man ihn
berühret, ziemlich starcke electrische Schläge
aus.

/8. Der Zitteraal ist «e»in Surinam und den ame-
rikanischen Gewäßern zu finden, <er> hat die
Gestalt eines Aals, und folgendes merckwür-
dige an sich. Wenn man ihn mit dem Finger
aber auch vermittelst einer metallenen Stange

/be

|P_217

/berühret, so bekommt man einen sehr emp-
findlichen Schlag: berühret man ihn mit ei-
nem spannenden Holtze überhaupt, so ist der <Schlag>
sehr wenig mercklich; nähert man sich ihm
aber mit einer Gläsernen Röhre oder
Stange Siegellack, so bekommt man gar
keinen. Bringt man an ihn einen Mag-
neten, so wird er matt, und verliehret
seine Kraft, bekommt sie aber wieder
wenn man Eisenspahne auf den Grund schüt-
tet: wenn er endlich stirbt, so ist «sie auch» <diese «¿¿¿» Kraft> gar
nicht bey ihm anzutreffen. Dieses sind «aber» <nämlich>
Würckungen der Electricitaet; «und» <es> hat also
derselbe würklich eine electrische Kraft,
welche er nach «seiner» Willkühr ausübet,
(Ob es gleich scheinen sollte, daß sie durch me-
chanische Sachen, d«ie»a er bey Anwendung dersel-
ben die Haut runzelt, hervorgebracht wird)
«und» «wo»<da>durch <kann> er sich vo«n»<r> den anfallenden
Raubthieren retten «kann».

/9. Der Blak <Plak> oder Tintenfisch hat in seinem Ma-
gen eine Blase, worinnen <er>*1 «Tinckte häuflicher
aufbehalten wird
» welchen er bey der Verfol-
gung ausspritzet, «dadurch» und sich «zugleich» <%dadurch> un-
sichtbar macht.

/10. Die Rotzfische sind gallartig oder sch<l>amm-
artig (sie scheinen kleine Organition zu haben) <sie> sind
(in der Kaute zusammengewunden) perlenfarb

/zergen

|P_217R

/δ_Z_22

/*1 einen der Tinte %ähnlichen
Saft hat

|P_218

/(zergen in der Hand) <und> «doch» pflegen<2> einige<1> eine
sehr starke Hitze in derselben zurückge-
lassen.

/11. Die fliegenden Fische zwischen den Tropicis
haben die Gestalt von «den» Heeringen, er-
heben sich vermittelst der Floßfedern, die sie
«an ihrer» an den Seiten haben, von dem Waßer in
die Luft, wodurch sie der Verfolgung der
Tropical Fische entgehen, wiewohl sie in
der Luft <an den> Raub-Vögeln ihre Fein-
de finden.

/12. Der MeerMensch hat nicht die geringste Aehnlich-
keit mit dem Menschen, und <es> ist ihm dieser
Name von «diesen» <denen> beygelegt, welche glauben
daß alle Produckte in der See «seyn» <sind>, die auf
dem Lande sich befinden. Er ist ein Platt-
fisch, wird von den Portugiesen gegeßen,
ist ein schöner Fraß für den Heufisch, «auch»
<so wie> seine Jungen. Eine Art von ihnen gehöret
zu den Meerwundern. (Der Pantopopidans
welcher Erzählungen auf den Glauben der
gemeinen Leute gründet, welcher aber nebst
den Alten die wahrhafte Erzählung aus
der Acht laßen.)

/13. Der Seewurm, soll so dick, wie das grö-
ßeste Weinfaß, und so groß seyn, daß er
sich im Horizont verliehret, und soll sich an
Norwegen aufhalten.

/14.

|P_219

/14. Der Kracke als das 3te Meerwunder, soll
wenn er sich über die See erhebet, als eine
Insell seyn, und eine Viertheil Meile im
Umfange haben, und aussehen, als wenn er
mit kahl gewordenen Ländern besezt wäre.
Man muthmaßet, daß einer in den Sch(we)<ee>ren
von Stockholm anzutreffen seyn, weil man
(bey Verfertigung der Grotte), bald eine Insell
zu sehen bekommen in dieser Gegend,*1 «welche
aber bald wieder verschwunden
». Weil nun
die Fische eben so dem großen Fische folgen
wie die Mücken den Menschen, so meint er
auch, daß über ihm <beständig> ein guter Fischfang «bestän-
dig
» sey, und daß der Ort, wo er sich auf-
hält, leicht aus der Tiefe des Boths zu er-
kennen sey.

/15. Der Spritzfisch hält sich «auf» <in> den sardinischen
Gewäßern auf, und von ihm <ist> die besondere
Art, seine Nahrung zu suchen, «an»zu mercken:
er hält sich «vor»nehmlich nahe am Ufer bey
denjenigen Gebüschen auf, wo sich «nemlich»
viele Gewürme, Fliegen und Insekten
aufhalten <und> sprizt «aber auch» nur Einen Tropfen <«auf» das Thier>
«womit» <das> er «den Vogel» ganz genau «und accurat»
trift, «worauf» <so %daß> e«r»s ins Waßer fällt, und von
ihm gefressen wird; auf dem Grunde des
Meeres befinden sich ohne Zweifel viele
Thiere, die eine wunderbare Gestalt haben

/als

|P_219R

/δ_Z_22

/*1 und bald wieder aus
den Augen verloren haben.

|P_220

/als zE «des» <die>Polypen mit unzählich vielen Füßen,
ohne daß man nöthig hat, Meerwunder auf
zusuchen. Allein es ist überhaupt anzumer-
ken, daß bey Künsten und Professionen,
welche dem bloßen Glück unterworfen
sind, der Jagerey und Fischerey, der
Aberglaube herrschet, weil der Ausgang
dieser Unternehmungen nicht auf gewissen
Gründen beruhet.

/Hiebey sind die 3 merckwürdigsten Fisch-
fänge zu mercken.

/1. Der Wallfischfang bei Grönland und Spiz-
Bergen

/2. Der Heeringfang. Die Heeringe halten sich im
EißMeere auf; gegen den Sommer ziehen sie
in 3 Heerden herum: die erstere hält sich an
den Ufern von Norwegen auf, «gegen» <geht bei> Dront-
heim und Bergen vorbey, <und> begiebt sich (bey
Gothemburg in den Sund von @Rudila@ bis) wie-
der in die Nordsee. Die andere hält sich an
den Flüßen von Schott<land> und England, besonders
aber bey den arcadischen Inseln auf. Die dritte
gehet durch den Schotte Georgen-Canal zwi-
schen England und Irland, und <geht> «welche leztere»
auch nach dem Meere zurück «gehet». Es entstehet
aber die Frage hiebey: warum sich die Heerin-
ge nicht hieher <höher %hinauf zum Pole> begeben«.»? «Dadurch» <Es ist> zu vermuthen
«ist», daß daselbst eine allwaltende Kalte an
zu treffen. So viel ist gewiß, daß sich alle

/Fische

|P_221

/Fische nach der Wärme «zu» <hin> begeben. Wenn wir
aber betrachten, wie «in» <bei> allen Syberischen
Hütten anstatt Fenster Eißstücke eingesezet
werden, welche nicht abschmeltzen, weil die
äußere Kälte der inneren Wärme genug«-
samen
» Wi«e»derstand leisten kann, sondern viel-
mehr die Warme (enthalten) <%ein schließen> und das Licht durch-
laßen, so könnten wir leicht auf die Vermu-
thung gerathen, daß in der Tiefe des Meeres
beständig jedem Zustande auf der Oberfläche
der Erde, ein dem entgegen gesezter Zustand
anzutreffen sey, und daß <es> wenn es oben frie-
ret, unten warm sey, et vice versa. Bey
Tormuth wird der große Fang von den«en»
Holländern in der Johannis Nacht praecise um
2 Uhr in der Nacht, wo zu ein Zeichen mit
der Kanone gegeben wird, angefangen und diese Fische
«da» s«ie»o auf einander drängen, so daß <sobald> kein Man-
gel an ihnen <eintrift> «wahrzunehmen»; <jeder Heering> muß aber auf
Befehl «ihrer» <der> Regierung auf dem Schiffe von
den Eingeweiden gereinigt und eingesaltzen
werden, damit der Credit der Holländischen Hee-
ringe, (als wodurch der gute Geschmack beför-
dert wird) «unt»erhalten werde«n». Der Kopf
als wovon das das «öhl» <Oe>li«eht»<g>e, trahnig«t» ¿ «sind und sich» <der Hering entsteht>
«durch den ganzen Körper ausbreitet, » muß
weggeschnitten werden. Es wird auch<2> dieser Fang<1>
bei der Rückkehr der Heeringe wiederholet, wodurch
die Herbstheeringe zu uns gebracht werden. Die Hollän-
dischen Heeringe sind die besten. Wie sie aber nach Ameri-
ka kommen, ist unbekand.

/3

|P_222

/3. Der Stockfischfang bei Terre neuve, wohin sich
viele französische, Englische und spanische <Schiffe> hinbege-
ben. «Sonsten» <Es> müßen die Cabl«e»<i>au und die Stock-
fische nicht für verschiedene Arten gehalten
werden. Die Dappers Bank«e» in der Nordsee ist
auch deswegen zu merken.

/Jezo kommen die Thiere, welche weder zum
Gewürme, noch zu den Fischen gezählet werden
können. Wohin folgende gehören

/1. Die Schlangen. Von ihnen ist das Gift besonders
zu merken, welches nirgends als in eine<r> offene<n>
Wunde schadlich ist, sie mag so klein seyn wie
sie wolle ZE ein«e Ritze» <Rißchen> in der Hand, daher«o»
auch ein Arzt in London die Probe gemacht hat,
es zu trinken, man kann sich auch damit die
Hände reiben, so viel als man will. Wie
aber führen die « simphatischen» <lymphatischen> Gefäße «unter» <in>
der Haut, wodurch der Schweiß herausgehet,
das«selbe» <%das Gift> nicht zum Hertzen «)»? da«n» man doch
vermittelst derselben allerhand Fluida «in» <bei>
den Curen in den Leib bringen kann? Ei-
nige muthmaßen, daß <jene Gefäße> «sie» die merkwürdige
Eigenschaft <haben>, von allem, was dem Menschen schäd-
lich seyn kann, sich zu verschlüßen, und zu dem-
jenigen, was nüzlich ist, sich <zu> «er»öfnen. «Sie» <die Schlangen> haben
Zähne im Munde, welche sie «als» <wie> die Katzen
ihre «Spohren zurück legen» <Krallen> <einziehen> können. Ihre liebste
Speise sind die Eydexen, weil dieselben lang
sind, und ihnen nicht viel Mühe, sie herunter zu
schluken, machen. (welches auch die Frösche thun.)
«w»<W>eil sich diese Thiere (nemlich die Eydexen) «für» <vor>

/dem

|P_223

/dem Menschen eben so sehr fürchten, als «für» <vor> den«en»
Schlangen, so kann man sicher urtheilen, daß wenn
sie auf ihn im Schlaffe läuft, eine Schlange sie
verfolgen müße, weil sie vor Angst ihre Furcht vor den %.Menschen
vergißt. die vornehmsten «unter ihnen» <der giftigen Schlangen> sind die
Klapperschlangen. Sie haben hinten biegsame
Gelenke, «die» von Knochen und mit einer dün-
nen Haut überzogen «sind», welche bey der
geringsten Bewegung, außer beym «Regfen»<Regen>wet-
ter, «als» zu welcher Zeit die Wilden in die Wäl-
der fliehen, ein Getöse machen.*1 Sie halten sich
in Amerika auf, und haben röthliche und fürch-
terliche Augen, «daß» <%mit welchen> sie den Menschen starr
ansehen, <so> daß derselbe «in Un»<unge>wiß«heit» «geräth» <%wird>
ob er fliehen oder stehen soll.*2 Sie werden von
den Schweinen, vor welchen sie sich auch fürchten,
gefreßen; «welches ihnen» <diesen kann der Biß der %Schlange auch> nichts schaden «kann» weil
das Gift <bloß> in ihre Schekhaut trift.*3 Sonst sind alle
Schlangen gallertartig, welches auch nöthig ist,
damit <%eine so> «die»flüchtige«n» Sachen, als das Gift ist
nicht verfliege«n»<t>, sonder durch das Zähe
«von welcher Art» der Gall«a»<e>rte «ist» zusammen
gehalten werde. Diese Schlangen sind bis 30
Fuß lang. Man hat auch die Beobachtung
gemacht, daß wenn gleich Vögel und Thiere
in Sicherheit sind, sie sich dennoch ängstlich geber-
den, und so lange <%ängstliche> Bewegungen machen, bis sie
von «ihr» <der Schlange> erreicht und gefreßen werden können.
Da nun die Schlange sehr langsam frißt, so ist es
wunderbar, wie solche geschwinde Thiere, ihnen

/zu

|P_223R

/δ_Z_10

/*1 %Vermuthlich also werden
viele Wilde Opfer dieser
Schlangen, die %sich doch wol
%mehrentheils in Wäldern %aufhalten

/*2 Dasselbe wurde früher %.von
%einigen kleinen Thieren er-
zählt, die %dadurch %.ein Raub dieser
Schlange wurden. Von den neu-
ern Naturforschern ist dies
für eine Fabel erklärt, %wahr-
scheinlich also %auch jene Kraft der
Schlangen %auf die %.Menschen ungegründet

/*3 aus der es wegen Mangel %.von
Blutgefäßen %nicht in die ü-
brigen %Theile des Körpers geführt
%werden kann.

|P_224

/zum Raube werden müßen: allein da sie zu<%.gleich> «der-
selben Zeit
» sehr stü«m»<n>ken, so ist es sehr wahrschein-
lich, daß dieser Gestank sie beneble<t>. Es giebt
in NordAmerika eine Art schlangen, welche durch
die Posteriora «sich» <in> die Eingeweide schlü«r»pfen,
und also «er»schreckliche Schmerzen anrichten. Eine
andere Art «ist» von ihnen <ist> so schnell, daß sie
mit der größesten Behendigkeit über die Flüße
setzen, und den Menschen in der Flucht bald
einholen können; jedoch ist ihr Biß nicht giftig.

/Was den Schlangen Stein anbetrift, so ist der-
selbe eine Arbeit der Indianischen Braminen.

/2. Scorpion. Diese halten sich in allen warmen Län-
dern, besonders aber in Italien auf, sehen wie
kleine Krebse aus, und haben an ihrem Schwan-
ze einen Haaken womit sie die Stiche ver-
setzen, welche «doch» aber nicht tödlich sind, ob sie zwar
große Wundfieber verursachen. Das Scorpionen
Oehl in Italien ist «die» wi«e»der dieselben «sehr»
%.ein vortrefliches %Gegenmittel.

/3. Chamaelon ist größer als eine Eydexe, sieht der-
selben sehr ähnlich «aus», und ist daher auf vielfäl-
tige Art <ge>flek«ig»t. Man berichtet von ihm, daß
er alle Farben, welche die Gegenstände an sich
haben, d«i»e<ren> er ansichtig wird, annehme, welches
aber ungegründet ist, «sondern» er kann <@er@> die Säfte
in seinen Körper noch Belieben ausbreiten, und
dadurch verschiedene Farben außer der rothen
und recht grünen annehmen. Wenn er munter ist, so
verändert er die «Couleur» <%.Farbe> %.augenbliklich wenn er aber
böse wird, so sieht er aschgrau aus.

/4.

|P_224R

/δ_Z_16

/Die Indianer bedienen sich
im Nothfall wi«e»der «¿¿¿» <den>
giftigen Biß des Brennens
der gebißenen Stelle

|P_225

/4. <%.der> Salamander hat zur Seite Drüsen, worinnn ein
zäher Saft enthalten ist, vermittelst dessen er die
Kohlen auslöschen kann, wenn er aber länger
über denselben gehalten wird, so muß er ver-
brennen. Diese Nachricht aber ist falsch, daß es
ein Thier ist, welches sogar im Feuer leben
kann.

/Jezt kommen wir auf die Thiere, die im
Meere sich aufhalten und schalicht sind. Die
Schaalen sind alle Kalkartig, weil d«ie»<er> Grund-<Stoff>
«Erde» des Meeres«saltzes»<Wassers> kalkartig ist, so daß
man aus den Austerschaalen Kalk brennen
kann, (wiewohl sie auch zur @asur@pence ist wie
die Eyerschaalen gebraucht werden.) hiezu
rechnen wir:

/1. Die Purpurschneken. In ihnen findet man den
so genandten Purpur saft, wiewohl nur «in»
wenige«n» Tropfen. Fäden die damit gefärbt
werden, und in der Luft «seyn» <troknen>, werden %.anfänglich
weiß, dann grünlich, zulezt aber roth. Daher
zu glauben ist, daß sehr viele Luft Partikel-
chen«s» da«zu»<mit> «concurriren» <%sich verbinden> müßen, um diese
«couleur» <F%.arbe> hervorzubringen. Weil nun von
diesem Saft sehr wenig zu haben ist, so ist
kein Wunder daß bey den Alten der Purpur
so kostbar gewesen ist, daher er zu ihre«n»<r> Bekleidung <er>
(Battest) in wenigen Streifen gebraucht <%wurde> «wor-
den
», wiewohl WinkelMann glaubt, daß wir
vom Purpur der Alten gar keinen Begriff
haben, indem der Mantel eines Triumphator«e»s

/welcher

|P_226

/welcher in einem unter dem Schutte von Hercu-
laneum gefundenen Gemählde Alfresco, die
Farbe der <erfrornen Weinblätter> «Weintrauben, wenn sie im Winter
gefrohren sind
», an sich hatte, «da doch» <%.und> diese Bil-
der noch jez«o»<t> ihre wahre<n> Farbe<n> <haben> «an sich behal-
ten
». «und es» Der Mantel eines Triumphator«e»s
<%aber war jedes Mal> von Purpur «war». Sie werden an den
Küsten von Malugo und Mexico ange-
troffen.

/2. Die PerlenMuscheln. Obgleich dieselbe im Elster-
Strohm in Sachsen, in Schweden im Prezer See ge-
funden werden, so sind sie doch weit häufiger
«und» schöner und größer auf den Küsten von
Mexico, wiewohl sie daselbst eine irregulaire
Figur haben; <ferner> an den Küsten von Ceilon und
Capo Cumomie, wiewohl sie daselbst sehr
groß «seyn» <sind>; und endllich im Persischen Meer-
busen, woselbst die größesten und schönsten
angetroffen werden, welche Fischerey vor-
mahls der König von Persien gehabt <hat> jezt
aber von den Seeräubern sehr «zer»<ge>stö«h»rt
ist. Die Perlen sitzen gemeiniglich im Fleisch
dieser Muscheln, «und können» und können
wie es auch die Holländer thun, am besten
durch die Fäulniß, in welche man dieses
Thier gerathen läßt, wenn es der Sonnen-
hitze exponirt wird, «gesammlet» <%herausgebracht> werden.

/Es gibt von ihnen 7 Sorten, die der Größe
nach unterschieden «seyn» <sind> «(» und durch «aparte» <eigne> leder-
ne Stäbe abgesondert werden«,»<.> (von denen die

/kleinste

|P_227

/kleinste nicht größer ist, als der Same,) «daher» <die kleinste Sorte kann> «sie
auch
» nur zu «den» Arzeneyen gebraucht wer-
den «kann». (Wenn nun das Auswerfen der«en»
Perlen eine Krankheit der Muscheln ist, so laßen
sie dieselbe nicht ofter ¿fahen¿, welches zu befördern
Linäus eine sichere Manier soll erfunden haben
wofür er von der Schwedischen Regierung in
den Baronstand erhoben wurde, jedoch ist die-
ses Geheimniß «noch nicht bekand» <mit ihm gestorben>). Man ver-
fertiget auch falsche Perlen, die eben diese
Couleur haben. Weil nemlich die Fischschuppen
aus ganz subti«e»len Blättchen«s» bestehen, so
läßt man sie im Waßer auflösen, und füllet
diese Mixtur in ein hohles gläsernes Kügelchen,
welches an 2 Enden eine Oefnung hat, worauf
«sie» sich <die Mixtur> an «ihr» <den Seiten> «an»setze«n»<t>, und der übrige Raum
mit Wachs angefüllet wird.

/3. Die Penna marina eine Art von Muschel, die
in Sicilien angetroffen werden, eine braunchliche
Seide spinnet, und die man besonders in
Palermo zu Strümpfen <braucht>, weil sie für kranke
Füße sehr zuträglich seyn sollen, «ge-
braucht
».

/4. Der Nautelus oder Spicantel ist sehr zierlich
gewunden, so daß das Ende der Windung wie-
der in die Schaale zurück läuft. Sie «können» <kann>
das Waßer durch eine Ritze aus der Schale
auspumpen, steigt darauf in die Höhe, spannt
ihre Füße als «Rudern» <Segel> aus, gebraucht «seinen» <%den>
Schwanz statt eines Ruders, und seegelt «auf
solche Art
» auf dem Waßer <hin>, «sinkt» <wirft sich> aber gleich, wenn
Gefahr vorhanden ist, «zu Boden» <auf die Seite läßt das
Waßer in die Schale laufen, und sinkt zu Boden.>

|P_227R

/δ_Z_3

/Sonst wurden die Perlen
als Folge %einer %Krankheit
angesehen, jezt weiß
%man, %daß die Perle %durch %.das boh-
ren %eines gewissen Thierchens
veranlaßt ist.

/5.

|P_228

/5. Die Vampons in Indien sind Muscheln, die an ihren
Eken violet aussehen, (sie formiren selbige in
Celindern, werden an ganzen «Scharen» <Schnüren> befesti-
get und <sie> machen das Gold der Indianer aus.

/Sonst«en» ist noch anzumerken, daß man öfters in
den Steinen Muscheln findet«,»<.> (wie dieselbe sich ohn-
gefahr verhalten ist wegen der ZwischenRäume
des Raums einigermaaßen zu begreiffen) wie
«aber selbige» <so> hin<ge>kommen, ist schwer«er» einzusehen;
<so wie> «daß» man auch bey Bearbeitung des Marmors
lebendige Frösche zuweilen darinn«en»antrift,
die folglich zur Zeit der Entstehung des Marmors
«von demselben,» und also vielleicht vor vielen
100 Jahren eingeschloßen «worden» <%wurden>; (so muß man
hier auch auf eine ähnliche Art der Entstehung
denken.) Man sagt auch ferner von einigen
Muscheln, daß sie auf den Sträuchen wachsen;
allein es hat folgende Bewandniß damit: An
den schottländischen Küsten werden Muscheln,
die die Einwohner Pernachons nennen, mit
welchem Namen auch einige Art von Endten
daselbst belegt werden, «vor» <bei> der Fluth auf
«die» Sträuche angespühlet «werden»; und weil
«selbige»<%.sie> durch «die» Erofnung der Schaale
sich da«von»<ran> <fest> kneipen, so werden sie «von» <bei> der
<Ebbe> «Fluth» zurükgelaßen. Uebrigens ist eine Art
von Muscheln, (die wie Müntzen aussehen), Cauris
oder SchlangenKöpfe genanndt, <die> in «u»<Un>garn auf die
Pferdezäume gesezt werden. In Ostindien werden
sie statt <des> Geldes gebraucht, davon 10 auf unsern
Schilling gehen.

/Denn

|P_229

/Denn folgen in unserer Ordnung die Insekten
davon ein Theil nüzlich, der andere aber schädlich
ist. Zu den erstern können wir bey uns
die Bienen, und besonders diejenige Insekten
von welchen die Farbe herkömmt, rechnen. Hie-
zu gehör«t»<n>:

/1. Die Cochenille welches ein Seidenwurm ist, und
von welcher die beste rothe Farbe«,» nächst
dem Zinnober herkommt.

/2. Ein Wurm von welchem der KermesKorn
welche«r»<s> gleichfals eine sehr schöne rothe Farbe
giebt, herkommt. Die Kermes Körner sind
Galli, auf den arabischen Bäum«en»-Blättern.
Die Galli sind aber Auswüchse der Blätter,
wenn sie von einem Wurm gestochen wer-
dern, wodurch sie nemlich die <Saft->Fasern «des Bluts»
zerschneiden, <%und> ihre Eyer einlegen. «und» wenn
daraus eine Made wird, <so wachsen> die Fasern über
sie «wachsen»; und indem diese <Würmer> größer
«wird» <werden>, <nehmen> sie auch zu«nehmen»; «und» wenn sie endlich
heraus «kommen» <kriechen %wollen>, eröfne«t»<n> «werden» <sie die«s» Auswuchs des blatts>.

/3. Der Gummilac wird von gewißen Ameisen
in Bengal«a»<en>, die ihre rothe Eyer in Gallen legen
(und darauf zermalmet werden, gebraucht, <Es> ist eine
sehr schöne Farbe.

/4. Der Cypriticus in Cypern, welcher die Feigen sticht,
worduch sie süß werden. daher sie auch von
den Einwohnern mit Fleiß auf die Bäume ge-
sezt werden. die Ursache davon scheint diese
zu seyn, daß da der Raum durch welchen der
Saft zu lauffen hat, ver«berget»<engt> wird, er <%dadurch> schneller
circulirt.

|P_229R

/δ_Z_10

/Kermes heißt im
arabischen eigentlich
ein Würmchen.

/Zu

|P_230

/Zu den schädlichen zählen wir aber:

/5. Die Heuschreken welche sich in OberEgypten und
Arabien aufhalten, zuweilen aber ihre Woh-
nung verändern, dabey aber ihren «Corps» <Kours> be-
ständig von Süden nach Norden halten, und blos
durch die Gebürge davon abgelenkt werden.
In den Ländern, wo sie häufig sind, wer-
den sie gegeßen.

/6. Die Tarantel-Spinne; sie ist häufig in Apulien,
woher sie auch den Namen von Tarento, einer
Stadt, die darin«nen» liegt, bekommen. Durch
ihren Biß sollen die Menschen einen gewalti-
gen Instinct zum Tantzen bekommen; allein
diese Tantz«er»sucht, ist würklich eine Krankheit,
die aus einer gewißen Melancholie entstehet. Son«-»<st>
«sten» ist das Tantzen sehr natürlich, wie wir
denn «auch» sehen, daß bey einer wohlgespiel-
ten Polonaise durch das Zupfen der Nerven
derjenige, der nicht tantzen kann, dazu ge-
reitzet wird. Die ernsthaften Spanier selbst
sind dem Tantzen ergeben, «und» <%auch> die Negers
lieben ihn gar «zu» sehr. Der Spani«er»<sche> Tanz
wird Fandando genandt.

/7. Die Nervenwürmer werden bei den«en»
Neger«s»<n> angetroffen; <sie> setzen sich unter die Haut
der Füße, und müßen sehr behutsam aus-
gezogen werden, damit nicht ein Theil von
ihnen steken bleibe, wodurch der kalte Brandt
verursachet wird, weswegen sie auch äußerst %gefährlich
werden.

/8.

|P_231

/8. Die Mos«ch»Kitos, eine Art von Müken sind in heißen
Ländern, in NordAmerika und Lappland, in
ganzen Heeren anzutreffen. Ja wenn im
lezteren <Lande> nicht eine so erstaun«ende»<liche> Menge von
ihnen angetroffen «wird» <w%ürde>, so «würde» <möchte> noch der
Zustand ihrer Einwohner ertraglicher seyn. Ihre
Rennthiere werden dadruch verscheucht, gera-
then dadurch in Wildniße, und werden
den Wölffen zu Theil, «deren» <die> Gerippe aber <werden>
allemahl mit dem Kopf nach Osten und mit
dem Schwanz nach Westen zu, liegend gefun-
den «werden».

/9. Die weißen Ameisen, in den Wüsten von Afrika,
und Amerika, sind großer als die andern, wohnen
in Zellen, die wie Kugeln aussehen, und mit Thon
überzogen sind, bekommen zuweilen eine Lust zu
marchiren, wodurch dann alles, was zu finden <ist>,
verzehret wird ZE Ochsen, Kälber etc.

/Den Beschluß des Thierreichs machen die Vögel
und unter diesen sind vorzüglich nöthig zu
merken:

/1. Der Strauß <er> hält sich vorzüglich in den SandWüsten
auf, <%und> ist der größeste Vogel <doch> sind ihm seine Flügel
nicht zu<m> «F»<f>l«u»<ie>gen, sondern nur zum schnellen Lauff
gegeben, indem er durch das Ausspannen der-
selben «dem Winde die Force giebt» <%seinen Körper %.etwas erleichtert> «(und wenn»
keiner da ist, er durch das Bewegen seiner Flügel
einen erregt) <er> hat «aber» in de<n>selben eine sehr
große Force, wie auch in seinen Klauen, mit
welchen <er> «den» Menschen und «die» Thiere aufzurei«b»<ß>en

/im

|P_232

/Stande ist. Er wird von den Arabern mit
Windhunden gehezt, und von ihm werden ins
besondere die kleine Federn zu Plümen ver-
braucht. Wenn er seine Flügel ausspannt, so
beträgt seine Breite wohl 30 «13» Schuhe. Sein Fett
wird durch eine Wunde, die man ihm am
Hal«b»<s>e beybringt durch vieles Schütteln heraus-
gepreßt und ist zur Arzeney <sehr> nüzlich. Er ist
besonders in Afrika, <%nur> wenig in Asien, und gar
nicht in Amerika anzutreffen. Er hat einen
langen Hals.

/2. Der Casuar kann auch nicht fliegen, und siehet
im «u»<U>ebrigen ganz schwarz aus, <er> legt seine Eyer
m»<n> <%.den> Sand«e» und ist nach dem Strauße der grö-
ßeste <%.Vogel>. Er wird in Amerika besonders aber
in Chili angetroffen.

/3. Der Condor ist der größeste von allen Vögeln,
die da fliegen; <er> wird in Amerika*1 angetroffen
<%.und> ist im Stande Kälber, Lämmer etc. und wohl
auch kleine Kinder mit sich in die Luft zu
führen.*2 Die Amerikaner berauben ihre
Nester wegen des vielen Wildpretts, welches
sie ihren Jungen zuführen,*3 «und darinnen fin-
den
»; doch scheint der LämmerGeyer in der
Schweitz ihm nicht viel nachzugeben.

/4. Der Colibri ist der kleinste Vogel unter allen
und ist wegen seiner schönen Gestalt <sehr> l«¿¿»ieblich;
<er> hat allerley schöne Farben, und soll in Süd-
Amerika auch singen können, welches aber
wegen seines kleinen Schnabels vielmehr <%nur> ein Pfeiffen
seyn kann.

/5.

|P_232R

/δ_Z_12

/schlingt Eisen und selbst
glüende Kohlen; aber
verdaut das erste
nicht.

/δ_Z_18

/*1 aber selten

/δ_Z_21

/*2 <Er> Ist von dem Ende des
einen Flügels bis zum
andern gemeßen 16
Schuh breit

/δ_Z_23

/*3 <er> vermehrt sich nicht
sehr.

/δ_Z_26

/Der Singvogel oder
Blumenhacker auch
ein americanischer Vogel

|P_233

/5. Der Pfau ist, wenn er sich ausgebreitet hat,
sowohl wegen seiner Figur, als auch wegen
der Fare der schönste Vogel unter allen <%und> wird
aus Asien gebracht, da im Gegentheil die
cal«i»<e>cutschen Hüner aus Amerika kommen.

/6. Der Paradies Vogel ist braun und an andern
Orten fleckig«t», und wegen seiner schönen Gestalt von
den Amerikanern zum Kopfputz gebraucht «wird»,
und weil sie ihm nothwendig die Füße deswegen
abschneiden müßen, so ist der Wahn in Europa
erstanden, daß sie gar keine Füße haben
sollen.

/7. Die goldenen Hüner sind in China, und eine Art
Fasanen; <%.sie> werden wegen der Goldfarbenen Fe-
dern, die überdem viele andere Arten von
Schattirungen haben, sehr hoch geschäzt.

/8. Der Pelikan wird in den nördlichen Ländern
und a«m»<n> <der> Hudsons-Bay in Afrika angetroffen; <er> hat
einen breiten aber langen Schnabel, unter
dem Halse einen K«¿¿»<ropf>, in welchem er
vieles Waßer aufgehält, («und welchen er
im Fall
»der Noth mit seinem Schna-
bel öfnet, bey welcher Gelegenheit
auch zuweilen Blut mit unterlauf-
fen kan, welches er aber keinesweges
für seine Junge vergießt, indem es ohne-
dem eine schlechte Nahrung für sie abgeben
würde.) Die Jäger stellen ihn wegen dieses
Waßers, wenn sie vom Durst geplaget werden,
sehr nach, %und suchen ihn auf allen Bäumen auf.

/9.

|P_234

/9. Der MeerAdler. Von ihm ist anzumerken, daß er in
einer großen Höhe einen Fische in mittelmäßiger
Tiefe des Waßers gewahr werden kann, mit
einer sehr großen Behendigkeit auf ihn <herab>schüßt, und
ihn in die Luft wegführet. Weil er nun mit
seinen scharfen Klauen bis in das Fleisch ein-
hakt, so wird er öfters von einem Fischer der
schwerer ist, als er, mit auf den Grund des
Waßer gezogen, kann auch leicht durch ein
Brett auf welchem Fische angenagelt «seyn» <sind>
gefangen werden.*1 Bey diesem VogelGe-
schlecht ist noch merkürdig: «I»

/a. daß gewiße Arten von Vögeln gewiße Län-
der zu ihrem Sitze haben, wie «in» Huanos «eine
Art von Gänsen
», eine Insell, Chili gegenüber,
ganz allein <%.von %einer Art Gänsen> bewohnt <%wird>, dahero dieselbe auch
öfters 2 Fuß Mist über sich hat, welchen die
Spanier zum Akerbau gebrauchen, und von
den Holländern das beschittene Eyland ge-
nandt «ge» wird.

/b. Daß der Ort des Aufenthalts derjenigen Vögel,
die sich im Winter fortmachen, schwer zu be-
stimmen sey. So viel will man bemerket
haben, daß zu der Zeit wenn hier die
Schwalben ausziehen, in Afrika ganze Heere
von ihnen ankommen; und <dies> ist auch «solches»
bey Vögeln <der Fall>, die einen geschwinden Flug
haben ZE bey Wachteln.

/Andere

|P_234R

/δ_Z_11

/*1 Ich glaube einmal %.von %einem
Fische gelesen zu haben, %auf dessen
Rüken wo die hörnenen Klau-
en dieses Vogels %mit dem Fleisch ver-
wachsen gefunden hat, so %daß dieser
Fisch den Körper des Vogels so lang
%mit %sich herumgeschleppt zu haben scheint
bis er %durch die Fäulniß %aufgelöst,
oder %.von %.anderen Fischen ihm abge-
fressen worden ist.

|P_235

/Andere Vögel scheinen sich den Winter über zu
versteken, und in einer Art von Betäubung zu
liegen, wie die Lerchen, die beym kalten Wet-
ter gleich unsichtbar werden, beym warmen
aber so geschwinde wieder her<vor>kommen. Diejenigen
Schwalben aber, die aus dem Waßer gezogen
werden, und wiederum aufleben, bald aber
hernach völlig crepiren, sind verunglükte Schwal-
ben, die wegen Kälte des Waßers, einge
Funken des Lebens behalten haben.*1

/c. Der Reyherfang, welcher in Dänemark von
den Falken, denen man bis zu der Zeit, da
sie aufstoßen sollen, eine Kappe vorhängt
und <sie> auf der Hand trägt, verrichtet wird. Ehe
sie zu dieser Jagd fähig sind, müßen sie
abgerichtet werden, «wenn» <indem> man sie 3
Tage und 3 Nächte nicht schlaffen läßt,
wodurch sie ihren thierischen Zustand vergeßen
sich dem Menschen accommodiren, und
nach ihrer Art verrükt werden. Wenn
er auf den Reyher losgelaßen wird, so
hänget er in SchraubenGängen über ihm, und
stößt auf ihn, wodurch er gefangen wird. Auf
diese Art könnte man auch durch Habichte
die Rebhüner «fahen» <jagen>, weil «sie» <diese> sich <vor jenen> «(wie alle Thiere»
von ihres Gleichen) mehr als vor Menschen fürchten
und sogleich, wenn sie ihn ansichtig werden, sich
auf die Erde senken.

/Art. III.

|P_235R

/δ_Z_10

/*1 Die Kälte könnte wol
ihre Verwesung hindern; aber
sollte %sie wol %.das Leben erhalten?

/Leben %auch die Fische wieder %auf
die eingefrorn gewesen sind?

|P_236

/Articulus III.
Von den«en» Pflantzen. ≤

/Wenn wir von den Bäumen und Pflanzen reden
wollen, so müßen wir folgende Anmerkungen
vorausschiken:

/1. Daß in der Zona torrida alle Bäume und Pflan-
zen höher, als in den temperatis «seyn» <sind>, und daß
sie immer kleiner werden, je weiter es nach
«n»<N>orden gehet; bis in der Breite von 75 Grad
auch kein Graß mehr gefunden wird. Daher
dieses in Grönland ein «gewißer» <Handels> Artikel «des
Landes
» ist.

/2. Daß in der Zona torrida die Bäume aus di«k»ch-
teren Stoffe als in der temperata bestehen
ZE der Eisenbaum.

/3. Da«s»<ß> <die> Gewächse mehr Saft, %und mehr «a»<A>romatisches <haben;> «aber
auch
» andere in der Zona torrida giftiger
als in den temperirten Zonen <sind> «seyn», <%auch> wenn
sie «nemlich zu» einer Gattung gehören,
welches auch bis auf die Schlangen geht.

/4. Daß aber dennoch unter allen Gewächsen, die
Geträyde und Grasarten die besten Nahrungs-
Mittel <%sind> «seyn», wie auch

/5. Die Menschen und Thiere von Einer Gattung
in den temperirten Zonen beßer, als in der
Zona torrida «seyn» <%sind>, und zwar vermuthlich des-
wegen: In der Zona torrida sind die Knochen
der Menschen und Thiere sehr der Alcarlescens <?>, die
Früchte aber wiederum der Säure ausgesezt, wie

/denn

|P_237

/denn da«ß»<s> Süße selbst ein Saures mit Öhlichten
Theilen vermischt ist. Wenn um die Befor-
derung der Alcarlescence, «der» den thieri-
schen Körpern den Untergang zuziehet
die Pflanzen aber der Fäulniß exponirt, so
ist leicht einzusehen, daß sie in den temperir-
ten Erdstrichen dauerhafter seyn werden,
als in der torrida.

/Wenn nun die Frage entstehen sollte: Welches
ist das erste NahrungsMittel der Menschen ge-
wesen? so müßen wir sagen, da«s»<ß> dasje-
nige, dessen Zubereitung die wenigste
Mühe gekostet, es gewesen sey«n». Da nun
das Kräuterlesen viel Mühe kostet, indem
die Kräuter, weil sie auf dem Boden «seyn» <%sind>
des Menschen Aufmerksamkeit nicht auf sich zie-
α_hen;«*1» die Jägerey und Fischerey aber, wie
auch das Zähmen der Hausthiere viele Kunst-
griffe, und das Bebauen des Akers, anhalten-
den Fleiß und Arbeitsamkeit erfordern: so
können es diese nicht, sondern vielmehr die Baum-
Früchte gewesen seyn, die durch ihren Gruch d<i>e«n»
ersten Menschen zum Genuß werden an-
gereitzet haben. Daher ist auch zu vermuthen
daß die ersten Menschen entweder in der
Zona torrida gelebt <haben>, oder wenigstens mehr
an derselben. Erstens sollen diejenigen Bäume
und Kräuter vorgetragen werden, die ihres
allgemeinen Gebrauches wegen mannigfaltig
und merkwürding <%sind> «seyn»; und dahin ge-
höret.

/1.

|P_237R

/δ_Z_16

so %werden die 1sten %.Menschen %nicht
%.von Kräutern gelebt haben
»

|P_238

/1. Der Baum, welcher die Brodtfrüchte träget: wird
in den la«t»ronischen Inseln angetroffen, seine
Frucht siehet, wie ein ausgestopfter Ball aus
und hat, wenn sie noch rohe ist, den Geschmak
eines Semmels; <sie> schmekt aber noch viel beßer,
wenn sie gebraten ist.

/2. Der Wunderbaum. Seine Früchte sehen wie ein Be-
cher aus, der aber einen Dekel hat. Diese sind
voll Waßer, welches, <wenn> sie reif sind, und <sie> ihren
Dekel eröfnet haben, ausgießen.

/3. Das Bambus Rohr wachset sehr gerade; wenn
es jung ist, so wird es zu Pfählen der Häuser
auch zu den Deken derselben, wie es in
Sicilien geschiehet, gebraucht, wenn es aber
älter wird, zu Mastbäumen, und von den
Wilden zu Kähnen «emploirt».

/4. Der Wachsbaum ist mit dem folgenden in China
anzutreffen, das Wachst <kommt> aus den Blättern dieses
Baumes, wenn sie von einem Wurm gestochen
werden. D«as»<ies> Wachs ist z«ä»<a>«h»rter als das Baum-
Wachs.

/5. Der Talgbaum. Der Talg, wie auch die Früchte
des folgenden Baumes, welchen die Einwohner
zum brennen gebrauchen, wird so praepariret:
Man nimmt nemlich die Schaale der Früchte
ab, kocht den Kern, und schöpft die fette
Materie, die oben schwimmt ab.

/6. Der Seiffenbaum in Mexico ist wegen der Seiffe,
die er den Amerikanern liefert, berühmt.

/Jezo folgen die Bäume von der PalmenArt, wel-
che alle keine Aeste haben, sondern deren Blätter
krum in die «Bände» <Länge> gehen. (und die Frucht unmit-

/telbar

|P_239

/telbar aus dem Erdensaamen wachset.) Es giebt
viele derselben ZE <%.diejenigen> aus welchen der Palm«en»-
Wein fließet. Die Dracha couleur, die roth ist,
und in der Gestalt eines Schweißes aus dem
α_Baum hervorkommt, und geschöpft w«erden»ird. doch sind
«sonderlich» die merkwürdigsten

/1. Der Dattelbaum in OberEgypten. Seine Früchte
sind, wenn sie getroknet werden, «gar zu» <sehr> süß,
roh aber angenehmer.

/2. Der Cocos-Baum. Seine Früchte sind zu allem
zu gebrauchen, die Schaale nach Beschaffenheit des
Alters de«s»<r> Nuß«es», dient bald zu Löffeln, bald
zu ander«n»<m> Geschirr. Sein Saft giebt eine an-
genehme Milch, der Kern eine wohlschmekkende
Nahrung, sein Bast wird zu Kleidern,*1 seine Blät-
ter«n» zu Tischtüchern gebraucht«,»<.>

/3. Der Segobaum, seine Fr«ü»<u>cht«e sind» <ist die> Seg<o>grütze;
er wird zu den Palmbäumen gerechnet, ob er
gleich Aeste hat. Die S«e»<a>goGrütze, die man nemlich
gekornet hat, ist das angenehmste Eßen, welches
man auch bis zum lezten Augenblik des Lebens
zu sich nehmen kann; <der> baum ist in Molluco und Java «,»<.>
«und» <Es> quillt eine lehmig«t»e Materie aus ihm her-
vor.

/Jezo folgen die übrigen merkwürdigsten
Bäume.

/1. Der BaumWollenbaum. Die Baumwolle wird in
den Fächern der Nüße, die er trägt, nebst dem
Saamen gefunden. <Er> Ist eigentlich in Afrika, jezt
aber allenthalben zu finden.

/2. Der Firnißbaum, aus welchem der Firniß kommt,
welches ein schwarzer Saft ist, «so» <der> von den Chinesern

/und

|P_239R

/δ_Z_15
/*1 %und Stricken

|P_240

/und Kongosna <%vielleicht Tungusen, oder Japanesern?>, zum Ueberziehen der Stöke gebraucht
wird, zwar nicht glänzt, aber doch beständig dau-
ret. Sein Saft ist giftig.

/3. Der Eisenbaum, dessen Holz so hart ist, daß da-
von die Schwerdter «von» de«n»<r> Indianer«n» verfer-
tigt werden, «und» <%womit sie> auch eines Menschen Arm«e» zu
zerschlagen im Stande ist. Der Sandalienbaum
in China, das Paradies Adlerholtz etc. sind die be-
sten Holtze in Indien.

/4. Der Campeschenbaum, von welchem die blaue
Farbe kommt, und der a»<e>rnambouch, von
welchem die rothe Farbe gebra<u>cht wird.

/5. Der Balsambaum. Der Balsam, den man von
ihm bekommt, «wird in den» <ist %.entweder der> arabisch«n», «und
in
» <oder> de«n»<r weiße> ostindische«n» «eingetheilt», und dieser leztere
wird «(»entweder aus Mexico oder«)» Pala <Peru> gebracht.
Der beste ist der mexicanische, der aber in den
Bofen <Häfe> gebraucht wird, und selten zu haben
ist. Außer diesem Baumbalsam ist der mi-
neralische zu merken, welcher aus de«m»<n> Felsen
quillt; <er> ist ein vortrefliches Bund <Wund> Mittel, <%und> ist selbst
in Cairo «selbsten» zu haben.

/6. Der Drohma-Baum, welcher einen Gummi oder
röthliches Oe«h»l schwizt. Hiebey ist zu merken der
Unterschied, welchen man zwischen dem Gummi
und der Resina macht. Jenes kann man nemlich
in Waßer, dieses aber durch flüchtige Oe«h»le auf-
lösen. Die folgenden Gummi sind die merkwür-
digsten: das Gummi Capal, welches im Sande
gefunden wird, und dem Bernstein sehr nahe
kommt: das Gummi arabicum, welches aus Antiochien

/kommt

|P_241

/kommt, und im Fall der Noth von den Schwartzen
statt Eßen und Trinken gebraucht wird,
und Hunger und Durst stillen kann. Endlich
α_das Gummi von Sengal <*1 %vielleicht von Senegal>

/7. Der Camp«t»<h>er Baum ist aus Borneo und schwizt
aus seinen Blättern den Campfer aus; welches
auch sonst«en» aus den Aesten der Bäume «g»
quillt, doch ist ersteres weit theurer.

/8. Eine Art von Eschenbaum in Calabrien, «welcher» <schwizt>
den Manna «schwizt», und ein anderer auf der
Insell Chio«, welcher» den Terpentin «quillt».

/(9. Der Lofa, spanisch Locha ist ein Baum von wel-
chem die Oberrinde genommen wird.) Hiebey
ist (die Gaioi oder) <%.das> Franzosenholtz und der Sassa-
fras, welches eine Wurtzel von einem flori-
da«i»schen Baum ist, zu merken.

/10. Die Plontains <sind> «ist» ein sehr hohes und wie ein
Baum gestaltetes «Baum» Gewächse, welches aber
die Eigenschaft der Kräuter hat, daß es alle
Jahr verwelkt, <es> trägt 50 bis 60 Gewächse, in
Gestalt der Gurken, welche für eine große
Delice gehalten, und bey den Arabern Musa
genandt werden.

/11. Der Coffe-Baum siehet wie ein «B»<K>irschbaum aus, und
seine Früchte, deren Kern die Coffee_Bohne ist, sind
roth wie Kirschen. Er wachset eigentlich im
Lande Gemen in Arabien, welch<r> unter dem
Namer, der levantische«s» bekand<t> <ist> «sind» und die
besten sind: von hieraus haben sie die Franzosen
vor ohngefahr hundert Jahren nach Martinique und
Guadel«u»<ou>ppe gebracht, «all» da <%selbst> sie zwar sehr gut

/fort-

|P_242

/fort<ge>kommen ist, und fast «das» <für> ganz«e» Europa <hinreicht> «damit
versorgen
», aber «die wenigsten» <bei weitem %nicht so> zu«¿¿¿» <ist> «haben».

O» Ob der Coffe nuzlich oder schadlich sey?

G» Alles das, was wir consumiren, theilt sich in
NahrungsMittel und Gift ein, jenes macht einen
Theil von unserer Substantz aus, dieses aber
bleibt nicht in uns, sondern wird abgesondert.
Die Gifte werden wiederum in nüzliche
und schädliche eingetheilt. Die nüzliche<n> sind, welche
died Nerven roboriren, die schadlichen sind aber
die, welche die Nerven vergeblich reitzen und
irritiren. Unter jene gehören die Arzneyen;
«und» weil der «d» Coffee <aber> die Nerven vergeblich
reizt, so gehöret er unter die schädlichen Gifte.
(der so genandte sultanische <?> <?> Coffee wird)
«a»<A>us den zerstampften rothen Hülsen, worin
d<i>e«r» «Coffe» <bohnen> lieg«t»<en>, <wird ebenfalls %.ein Kaffe> gemacht.

/Jezt folgen die vornehmsten Gewürz-
Bäume, und zwar

/1. Der Kaneel-Baum, dessen untere Rinde, an
die Sonne gelegt, (indem sie abgescheelt) «und»
von de«m»<r>selben ohne andere Beyhülfe zusam-
mengesro«nn»<ll>t wird.

/2. Der Mu«sch»<ß>katenNußbaum und

/3. Der Kreid Nägelchenbaum. Beyde werden auf
den moluckischen Insell angetroffen, auf wel-
chen die Holländer «3» <2> Gouvernements haben
in deren Einem die Mu«sch»<ß>katen Nüße, im andern
aber die KreidNägelchen Bäume gefunden werden.
Jezt suchen die Franzosen sie auf ihre<n> Insell<n> nach-
zu pflantzen.

/Die

|P_243

/Die seltenen und merkwürdigen Bäume sind

/1. Der Panianen Baum deßen Aeste herunter schie-
ßen, Wurzel faßen und solches öfter«s» wie-
derholen, so daß sie ordentlich viele Bogen
in Einer Reihe formiren, «da»<wo>runer die Hey-
den ihre Pagoden bauen.

/2. Der Bachab. Ein Baum in den niedrigen und
heißen Ländern <des> Senegal; <er> ist 12 bis 13 Fuß hoch,
und eben so dik, daher«o» eine völlige Wohnung
darinnen angetroffen werden kann. Seine
Aeste sinken und neigen sich bald, nach dem
sie aus dem Stamme kommen, zu boden und
umgeben den ganzen Stamm. Er erfordert
lange Zeit zu seine«n»<m> Wachsthum, und
Adamson glaubt, daß ein <solcher> «dergleichen» Baum
von der Sindfluth an müßte gewachsen seyn.
Die Negers halten sehr viel von diesem Baum
und nehmen, ehe sie nach Amerika in die
Sklaverey gebracht werden, einige Cala-
bas<s>chen mit. In der Mitte dieser Früchte
sind Bohnen befindlich.

/3. Die Mang<o>«el»-Bäume; <es> schießen ihre Aeste her-
unter, fassen Wurtzel «und» schießen wieder
er»<in>auf, und verflechten sind ganz, indem sie
über einer Stelle wachsen, und sich aus-
breiten, so daß dieser Baum sehr verwor-
ren aussiehet.

/4. Der Masinetten-Baum hat giftige Aepfel, aus deren
Ritzen ein giftiger Saft fließet, womit die Indianer ihre
Pf«erde»<eile> vergiften, welchen sie dennoch nur wieder die
Thiere nicht aber wieder die Menschen gebrauchen.

/5.

|P_244

/5. Die Beinzken. Ein Gewächs in Amerika; <sie> winden
sich um die Bäume, und schnüren si«ch»<e> fest zu-
sammen. Die breiteste Sorte von ihnen Vo-
ranna genandt; <sie> ist das größeste Gift, welches
man kennt, und woran ein Thier, wenn es
nur von «e»<E>inem <solchen> Tropfen, «so» <der> auf der Nadel-
Spitze kaum Raum hat, verwundet wird,
in Einer Minuthe sterben muß. Das Gift
überhaupt muß wohl wegen seiner ge-
schwinden Würkung, die Nerven erstarren«d»
machen. Man soll auch ein langsam tödten-
des Gift haben. (%.vielleicht %.von ihm %auch?)

/Jezo wollen wir <noch einige andre> (auch die) Pflanzen abhandeln,
die dazu gehören, als

/1. Der *1 Betterarek, dessen Blätter die Indianer
beständig kauen, und für eine große De-
lice halten.

/(2. Der Pfeiffer ist ein HauptArtikel des Handels
und wächst in den heißen Ländern mehr, als
in den kalten.)

/3. Der Thee, wird von den Blättern des Thee-
Strauchs in China und Japan, und zwar im
Märtz «welches» de«n»<r> feinste«n», im May, «welches» de«n»<r>
schlechter«n», und im Iuni«o welches» de«n»<r> elendeste«n»
«abgiebt» gemacht. Er wird sodann auf Kupfer-
oder Eisen-Platten gelegt, wodurch der Unter-
schied zwischen dem grünen Thee und Theebou
entstehet, welcher leztere am gesündesten
ist. Sonst«en» schadet der Thee nicht so
sehr, als die viele Feuchtigkeit, <«die» in der er so häufig %und heiß getrunken %wird.>

/4.

|P_244R

/δ_Z_15

/*1 betel-Arak

|P_245

/4. Der Wein wäch«set»<st> in der Zona torrida«,» am
meisten. %.Diejenigen «aber» <die> keinen Wein haben, bedienen
sich des Opi«i»<ums>, welches ein ausgedrükter Saft aus
gewißem (geripten) Mo«se»<hn> ist, welche in
Persien wachsen. Wenig davon genommen
macht munter, eine große Quantitaet aber
versenkt in einen tiefen Schlaff, welcher
dennoch mit den angenehmsten Träumen be-
gleitet ist. Wer sich einmahl von ihm zu ge-
nießen angewöhnt hat, muß ihn beständig zu
sich nehmen, weil sonst«en» seine Kräfte
abnehmen, und er in 24 Stunden sterben
muß. Die größeste Quantitaet, die ein Mensch
davon nehmen kann *1 ist ein Loth.

/5. Die Sentiva ein Kraut, welches, wenn
es berühret wird, sich zusammenziehet; <es> ist in
SüdAmerika anzutreffen.

/6. Das fliegende Kraut, ein großes Blatt in
Amerika. Wenn sich auf dieses eine Fliege sezt,
so «kneipet» <schließt> es <%sich> «zusammen», und sobald dieselbe
getödtet ist, öfnet es sich wiederum. Man
zweifelt, ob dieses <Kraut> nicht wurklich Empfindungen
habe; allein davon können wir keine Ur-
sache angeben, weil wir die Maschi«e»nen-
mäßige<n> Kräfte in den Thieren selbst nicht
genug kennen z. B. wenn man einen Fuß von
einem Frosche, der schon todt ist aber noch naß
mit einer Nadel berühret, so ziehet er sich noch
etliche mahl zusammen, welches (Helle die
Innabilitaet nennt, und) auch den Nerven

/des

|P_245R

/δ_Z_14

/*1 <ohne %daß er stirbt - %wahrscheinlich>

|P_246

/des menschlichen Leibes, (denselben zueignet.) <eigen seyn soll.> die
Land_Krebse in Süd_Amerika, sch«le»<ie>ßen, wenn
man sie berühren will, eine Scheere ab,
welche zu kneipen beständig fortführet.

/7. Das scytische Lamm oder Bornonez in Casan
wächset auf einem Stiel, hat eine braune Haut
mit feinen Haaren, aus welchen viele Spitzen
ausschießen, (die man abschneiden kan, und
statt Ohren gebrauchen.) da es um ein
schwämmig«t»es Gewächs ist, so läßt es sich in
eine Lammes Form eindrüken, woher das
Gerücht entstanden, als wenn es ein ordentli-
ches Lamm wäre, Gra«ß»<s> von der Erde fre-
ße, und von den Wölffen aufgesucht würde.

/Articulus IV.

/Von den Mineralien. ≤

/Unter die Metalle rechneten die Alten, vormahls
das Gold, Queksilber, Silber, Bley, Kupfer
Zinn und Eisen, wozu noch das jezt «dubiese»
<neu entdekte> Metall, welches man die Platina nennt,
gekommen ist. Alles Metall finden wir ent-
weder in Stuffen oder in SeiffenWerken.

/1. Das Gold wird in den <übrigen> Theilen der Welt meh-
rentheils in den SeiffenWerken, in Europa
aber in Stuffen, wovon das größeste in
Thernescas ist, gefunden. Das Verhältniß dieses
Metalls zum Silber war im vorigen Saeculo
aber nur in China wie 12 zu 1. jezt aber
wie 15 zu 1. In England ist es am theuersten.
«Wegen» «die Feinheit» <bei dem großen Werth> des Goldes wird <es> in 24 Cara«c»<t>ten, eine

/caratte

|P_247

/Caratte aber in 12 Gran eingetheilet. Ein veni-
tianischer Zechin hält 25 7/8 Caracte. Ein
Louis d'or aber nur 22. Dasjenige, welches
nur 18 Cara«c»<t>ten enthält, wird Pillon genandt.
Kein Gold ist aber 24 Caratten feine, sondern
dieses Maaß ist nur ein Ideal)

/2. D«as»<ie> Platina ist ein Metall, welches schwerer
als Gold ist, und eine Silberfarbe hat; <es> wird
α_nur auf den Silberhaiden getroffen, und (zwar
in Kornen vermuthlich) ist eine Materie, die
vom Queksilber nicht aufgelöset werden kann.
Die größesten Chymischen Feuer selbst können
diese Platina nicht in Fluß bringen ohne Zu-
satz von andern Metallen doch sollen einige
dieses Geheimniß *1 erfunden haben. Die
Spanier haben den Gebrauch dieser Metalle
untersaget, weil es ganze Wesen des
Goldes verändert.

/3. Das Silber. Es wird in Stuffen und nicht
in Seiffenbergen gefunden. Die mehrsten
Silber-BergWerke sind in Europa und
Amerika, die reichesten aber in Peru. Es
wird seiner Feinheit nach eingetheilet in
Bruto, d. h. wie viel in einer Quantitaet
noch Zusatz von andern Materien ist ZE
Kupfer. Denn überhaupt sind die Metalle
niemahls aecht rein, «doch aber» <%.sondern> mit den schlechtern
Metallen vermischt «seyn» ZE Gold enthält Silber,
dieses aber nicht wiederum Gold, sondern Kupfer,
dieses aber nicht wiederum Silber etc.

/In

|P_248

/In Netto, welches das reine Silber in seiner Quan-
titaet von diesem Metall ist, und in Thara,
welches der Abzug des Netto von dem Bruto
ist. Die Maaße sind Mark und Loth. 88 %Reichsthaler oder
16 Loth <%machen> Eine Mark Silber aus.

/4. Kupfer wird eingetheilt in Caement-Kupfer und
δLücke <%.dasjenige> Kupfer, (welches in den Bergwerken ge-
funden wird) Das erstere sezt sich an den
eisernen Stäben, die in das Caement_Waßer
eingetaucht werden, (wie überhaupt die Ver-
kal«t»<k>ung, welche die Theile des Metalles, welches
duche ein Mer δLücke aufgelöset wird, und nachge-
hends niedergeschlagen wird, enthält, das beste
Metall, wenn die Theile wiederum verei-
nigt werden, liefert.) Das beste Kupfer (von
der andern Seite) wird zu Japan in klei-
nen Stangen verkauft. Die berühmtesten
Kupfer-Bergwerke sind das hohensteinische,
MannsFeldische und das Talympische in Schwe-
den, und das rußische beym Cathanien Berge.

/5. Der Zinn «Es» wird «solches» am besten in der
Provinz Cornwallis angetroffen, und Brittanien
hat sogar den Namen davon bekommen. Un-
ser <bestes Zinn ist %.das> «E»<e>nglische«s ist», (dessen 1/6 Bley ist) Sonsten ist
alles Zinn versezt und besonders in England
mit Kupfer, und @Wis@muth vermengt.

/6. Das Eisen ist in der ganzen Welt in allen
Gewächsen, in allem Blute der Thiere, in
mancher Erde selbst, besonders in derjenigen, die

/da

|P_248R

/δ_Z_1

/<Ferner wird %.das Silber %eingetheilt>

|P_249

/da roth aussieht, anzutreffen. Der Stahl ist nichts
anders als das feinste Eisen, und ist durch die
Kunst von ihm auf folgende Art hervorge-
bracht: Man bringt es in Stangen in die Kohl-
Gestübe, dekt das Gefäß, worinnen es ge-
sammlet ist, mit einem Dekel zu, und sezt es
ans Feuer, worauf es von der Hitze durchge-
drungen und in Stahl verwandelt wird. «Das» <Die>
bekandte<n> Damascener-Gewehre bestehe«t»<n> aus einer
Mixtur von Eisen und Stahl; jenes bringt
die Geschmeidigkeit dieses die«s» <Harte, Spröde> Strübe hervor.

/7. Das Bley ist beynahe in allen Gebürgen
anzutreffen, ist wegen seiner Süßigkeit der
Gesundheit nachtheilig, und in Rußland, weil
es viel Silber enthält, am schlechtesten.

/8. Das Queksilber wird zwar «Z»<z>u den Halb-
Metallen gerechnet; weil sich aber dieses von
dem wahren«, und» durch die Unreinigkeit und
den metallischen Dampf der aus ihm flüßt
unterscheidet, so ist es mit Unrecht geschehen,
(Das meise ist ein Treake)

/Die bekandte Zeiteintheilung der Poeten in
das güldene, silberne, kupferne, %und eiserne
Zeitalter ist bekand. Das erste ist der Zustand
der Wildheit, weil es wenig Mühe kostete,
das Gold zu sammlen, indem es sich durch
seinen Glanz sogleich offenbahrte, und allent-
halben zu finden ist, wenn der Fluß sein
Bette verläßt. Das Silber ist in den Berg-

/Werken

|P_250

/Werken, und also schwerer zu finden. Mit der Zu-
nahme dieser Künste, nahmen auch die Wissenschaf-
ten ihren Anfang, und folglich zuerst in de«r»<n>
Gebürgigsten Gegenden; weil das Kupfer in den
Berg Werken schwerer zu finden ist, und folglich
mehr«ere» Mühe kostete, so waren die Künste
weiter gestiegen, und <es> macht diese Zeit das 3te
Zeitalter aus. Nachdem endlich das Eisen erfunden
«worden,» <%und> daraus Gewehre <ge>macht«en» <%wurden>, da erreichten
die Künste und Wißenschaften ihren Flro, und
<machten> das lezte und gesittete Zeitalter aus, in
welchem alle poetische Gemächlichkeiten
verschwinden.

/Nun folgen in der Ordnung die HalbMetalle,
deren Unterschied kurz «vorher» determiniret
«worden» <%wird>, wozu wir nun folgende rech-
nen wollen.

/1. Cinnebaris Factitra. Ein mit Schwefel ver-
mischtes Queksilber.

/2. Zimeth, welches zur Glokenspeise und PrinzMetall
gebraucht wird.

/3. Ga«l»lmey, welches nebst dem Kupfer d«en»<as> Messing
und besonder«e»<s> darin«nen» die gelbe Farbe
macht.

/4. Das Arsenicum ein Gift, welches alle thierische
Maschi«e»nen zerstöhrt.

/5. Der Coba«tt»l, welcher der blauen Farbe «eine» <mehr>
Stärke giebt, wird in den sächsichen Berg<werken>«stät-
ten
» gefunden.

/Jezo

|P_251

/Jezt schreiten wir zu den brennenden
Mineralien, welche alle Oehle und das so
genandte Ph«i»logisticon enthalten. Doch
ist das rechte Alimentum ignis unbekand, wel-
ches doch<2> aber<1> «ein» sehr «kleines» <wenig> betragen muß,
indem die <%nach der Brennung> zurück gebliebene Materie fast
eben so schwer, als der «brennende» Körper
<ist> «vorher», ehe er br«andte»<ennt> «gewesen», und «h»Hiezu
rechnen wir:

/1. den Schwefel, welches vitriol-Säure mit
brennendem Erdö«h»l ist; <er> wird bey uns <%aus «von»> Mor-
chasit oder SchwefelKie«ß»s geschmoltzen.

/2. D«as»<er> Naphta in Bacu bey Derbent ist das rein-
ste und leichteste Erdöhl; <es> war den Parsis
oder den alten Persern zur Unterhaltung
des ewigen Feuers beförderlich, und wird
auch bey Bagdad gefunden.

/3. Petralium in Italien

/4. Das Erdpech und Alphan schwimmt in
großen Stüken auf dem (@Praag@) <schwarzen> Meere

/5. Der Bernstein, Von ihm hat man gefunden,
daß er ein würkliche«r»<s> Baumharz gewesen «ist»
und daß «er» «unter» <%durch> «dem» <%.das> Waßer «gefunden» <%.etwas verändert ist>
«worden, und» «i»<I>n dem Einsinken der Wälder
<%muß wol> die Ursache liegen. Es hat auch das unter der Erde
«g»<G>elegene etwas bitumineuses *1 erhalten.

/6. der graue «d»<A>mbra wird in der See %und öfters im Magen
der Pottfische angetroffen, welcher doch @«vormahls»@ ein würkliches
Erdharz %und von jenem «vielmehr» @<2>@ verschluckt @<1>@, <%und %nicht> «als» i«n»m «ihrem»
Maagen erzeugt zu seyn scheint.

/7.

|P_251R

/δ_Z_26

/<*1 %.von der %bitumenischen d.h.
ja wol die %Bitterkeit des Meer-
salzes herühren?>

|P_252

/7. Die SteinKohlen deren GrundErde entweder Thon
oder KieselErde ist, «und» werden polliret. Die
größesten SteinKohlenWerke sind in England,
weil das Waßer in den Bergen einen
Abfluß gegen die Seite<n> hat, und obgleich (diese *1
den Fuß aller Flö«ths»<tz> Gebürge ausmachen, so
kann man doch nicht allemahl wegen des
vielen Waßers zu ihnen gelangen. Hier-
auf müßen wir zu dem Reiche der Steine
übergehen, und daselbe in Steine von
KalkArt, ThonArt, und KieselArt eintheilen
und bey ihnen sowohl die Congelation als
auch die Materien, woraus sie bestehen, er-
wägen. Es ist aber die Congelation nichts
anders, als die Eigenschaft, «da» <%nach der> ein Ding auf
einmahl aus dem Zustande des Flüßigen
in den Zustand der Härte übergehet. (Gleich-
wie man solches beym Waßer, welches in
einer Gläsernen Röhre gefüllet, bis zu einem
sehr großen Grad der Kälte gestiegen ist
dennoch aber nicht gefrieret, bis man einen
Stab von Eisen, welcher würklich in einem
so hohen Grad der Kälte ist, eingetauchet
hat, wo man alsdenn in der Mitte sich
das Waßer in Gestalt des SechsEcke ins
Eis verwandeln siehet.) Zu den«en» Steinen
von der Kristallert. «als» welche nur Congelation
erleiden gehören:

/1.

|P_252R

/δ_Z_5

/<*1 SteinKohlelagen>

|P_253

/1. Der Diamant. Er ist der härteste Stein, und
bestehet aus Blättchen, welche von einander
zu trennen, ohne daß der diamant Ri«tze»<sse>
bekomme, sehr schwer ist; <er> kann durch keine
englische «Pf»Feile, sondern nur durch «den» Dia-
manten-Staub verletzet werden.

/Wenn er verarbeitet wird, so wird er

/a. Entweder zu Brillanten verbrauchet, alsdenn
ist er oben platt, durchgehends aus lauter kleinen
Triangeln zusammengesezt, innerhalb de«m»<s>
Kastens sind die Triangel länglich; durch
den Kasten aber wird der Glanz sehr ver-
stärkt.

/b. Zu den Rosensteinen. Dieser bestehet aus Tri-
angeln, die oben zusammen gelauffen, und
haben nichts im Kasten.

/c. zu den Diksteinen, sie sind oben platt, und be-
stehen <nicht> aus kleinen Triangeln, sondern haben
zur Seite abgeschliffene Facen.

/d. Zu den Taffelsteinen. Obgleich die weißen
sehr aestemiret werden, so haben doch .%diejenigen, «so»<%welche in>
«der» <ein> gelbe Farbe «S»spielen, den Vorzug. Die
Diamanten <werden> nach Caratten gewogen, und ihr
Gewicht verhält sich zu dem Werthe, den sie
haben in Thalern, wie das Quadrat des Ge-
wichts. Der größste, welchen die Kayserin
von Rußland
hat, ist der größeste, den man
kennt, und enthält 771 Caratten. Eine sonderbare
Eigenschaft des Diamants ist diese, daß er sich

/durch

|P_254

/durch die größste Hitze in Dünste zertheilet
und aufgelöset wird. Der Brillant bestehet
aus der Krone oder dem obern, und dem
Kasten, oder dem untern Theile. Die Folie
die man dem Diamant giebt, ist schwarz
und von gebrandtem E«le»<l>fenbein gemacht, da-
mit er mit seinem eigenen Glanze prange
(Der rohe, die KieselErde, hat wie dieser die
Gestalt eines Octeonden, doch mit irregulairen
Ecken.) Um nun zu untersuchen, ob er Wun-
den, Ritze<n> p hat, ist es rathsam, <«dies»> unter dem
Schatten eines großen Baumes, <ihn genau> «solches» zu
«bewerkstelligen» <betrachten>. Eine Caratte hält 4 Gran
er ist aber der 18te Theil einer Schwere
von Einem Ducaten, deren 27 eine Mark
oder 1/2 Pfund Goldes ausmachen. Er wird
nicht in Europa sondern in OstIndien und
zwar in Golconda, Visapor etc. <in> einem röth-
lichen, und einem sichtbaren Erdreiche
gefunden.

/2. Der Rubin ist roth und ganz anderer Natur
als der Diamant, indem nach einem Experimente
des Kaysers Francisci der Rubin im Foco
eines Brennspiegels weich geworden. der
Rubinen-<P>«B»allast ist ein bloß rother Rubin.

/3. Der Saphir ist himmelblau, und wird mit
dem vorigen in der Halbinsell jenseit des Ganges
gefunden.

/4.

|P_255

/4. Der Smaragd ist grün, und wird, <besonders> wenn er
«besonders» Gras grün ist, sehr hoch geschätzet;
<er> war vor Entdekung von Amerika sehr sel-
ten. Im Kloster Reichenau soll ein Smaragd
so groß seyn, wie ein Foliant; allein es
ist solches vielmehr ein Glaß, welches wegen
des Kupfers, so darinnen ist, grün ge-
worden.

/5. Der Dapaphan ist ein occidentalischer Stein und
citronen gelb: wenn er «beym» <ins> Feuer gehal-
ten wird, so bekommt er die <%.Farbe> «Couleur» des
Rubinen-«B»<P>allastes.

/6. Turcis ist ein grünlich blauer Stein, kalkartig
und ist nirgends als in Japan. Er hat dunkel-
blaue Punkte, welche «couleur» <sie> sich über den
ganzen Stein ziehet; wenn er *1 geröstet ist, so <im Sommer>
nimmt er keine Politur an.

/7. Der Carfunckel ist ein hochrother Rubin, falsch
ist es aber von ihm, daß er leuchten soll

/8. Der Op«p»al ist ein occidentalischer Stein, sieht
wie ein weiß blauliches Glas aus, und wü«c»rft
zwar nicht von seiner Oberfläche «seinen
Glanz
», aber aus seinem «i»<I>nnwendigen gelbe
Fun«c»keln zurück, und ist sehr kostbar.

/9. Der Chrysoph«r»ras ist gelb und langfärbigt; (eine
Art von Wartzen <Quarz>,) <er> findet sich am meisten in
Schlesien. Was die übrigen Steine anbetrift,
ZE der Hyacynth gelb <ist>, der A<ch>«ck»at und Carniol
in Ungarn angetroffen werden, daß der Opitz nichts

/anders

|P_255R

/δ_Z_16

/im Feuer

|P_256

/anders als ein A«ch»gat mit einem Fleken, und der
Sarder nur eine Art des Carniols sey, ist
von «voriger» <weniger> Erheblichkeit. Der BergKrystall
wächset in der Gestalt einer Pyrami«e»de auf
den Spitzen der Berge. der Lapis Lazati
leifert die kostbarste«n» blaue«n» Farbe«n» nemlich
das ultra marine. Ob es gleich sehr theuer
ist, so daß Ein Loth von dieser Farbe, mehr
als ein Loth Gold zu stehen kommt; so ist
doch Ein Loth von ihr, einem stark«en» und jeder-
zeit beschäftigten Mahler auf seine ganze
Lebenszeit hinlänglich. Obgleich der Marmor
fast allenthalben anzutreffen ist, so sind die
feinsten <Arten> unter ihnen doch sehr selten. Unter
diesen lezten Sorten ist der weiße Marmor
von @Masa corona@ in Italien, wie auch die-
jenigen, in welche vermuthlich ein glänzender
Stein-Saft«,» allerhand Figuren, in Gestalt ver-
schiedener Schlößer, Rinnen etc. eingegraben <hat>
zu merken. Wenn dieser Marmor von
vi<tri>ol_Säure durchdrungen ist, so entstehet
der Alabaster. Der «g»<G>ranit ist der Stein,
wovon die Egyptischen Obelisken verfertigt
worden. Die Terra sigillata @eine@ Art von Thon-
Erde. Die Völker_Erde kommt den bolis oder
der fetten Erde sehr nahe, und endlich ist d«i»er
ombra von brauner Farbe.

/Noch

|P_257

/Noch zweyerley ist hiebey zu bemerken

/1. Die *1 «Wustinische» oder ausgelegte Arbeit; Man
nimmt verschiedene Glasscheiben, de«ne»n man
alle nur erdenkliche Farben gegeben, sezt
sie in einen, mit cement-Oehl gefüllten Kasten,
und läßt diese Masse verhärten, worauf
sie pol«l»irt, und zu allerhand Gerähten, theils
in Kirchen, «als woran» <wie z. B.> die St. Peters Kirche in
Rom ganz voll <%.davon> ist, theils in Pallästen etc ge-
braucht <zu> werden.

/2. Die Florentinische Arbeit, ist anstatt, daß die
Musti«n»vische von Glas, «diese» von Edelsteinen
alle«n»<r> «couleuren» <Farben> verfertigt.

/Jezt folgen noch einige «generale» <%.allgemeine> Anmer-
kungen zum Beschluß dieser Materie.

/1. Obgleich die Steine «eine» zuerst <%eine> aufgelösete
hernach aber wieder «zusammen» «g»<v>erbundene
Erde sind, so scheint doch außer dieser noch
etwas Klebrichtes dazu kommen zu müßen,
welches man aber noch nicht entdekt hat.

/2. Daß wenn die KalkErde in «v»<V>itriol-Säure
gesätiget ist, der Gyps, wenn aber die Kie-
selErde damit vermischt worden, die Thon-
Erde entspringe.

/3. Daß die Steine von den Metallen, «in dem» <darin>
«Stükke» unterschieden sind, daß jene congeliren,
diese aber nur co<n>giliren, und langsam aus
dem Zustande des Vesten ins Flüßige über-
gehen.

/4

|P_257R

/δ_Z_2

/<Aber wenn %sich diese Völker<*1 musivische>

|P_258

/4. Daß der jezige Geschmack die Farbensteine nicht
mehr leiden könne, und die Edelsteine Ueber-
haupt von der KieselArt seyn müßen, weil
sie sonst«en» die Politur nicht annehmen könnten,

/5. Daß die Kieselsteine in 3 Gattungen eingetheilt werden.

/a. In Crystallartige, welche alle in Zinken auswachsen

/b. In die rechten Kieselsteine

/c. In den («War»<Quar>ze«n»), woraus alle, und die
größesten Felsen, wenn sie noch mit dem
Spath und Glimmer untermenget «seyn» <sind>, b«a»<e>ste-
hen. Es sche<i>nt eine noch nicht völlig reife
KieselErde zu seyn, woher der <%.Quarz> auch milchicht
und nicht durchsichtig ist

/6. Daß eine Zusammensetzung von Kieselstein«en»<ig>en
Stüken eine Drüse heiße, «und» daß dieses
zuweilen «W»<Qu>arz bei sich führet, <%und> deren Spitzen
farbig«t» «seyn» <sind>, (und von welchen der @Memethy-
cho@, gebracht wird.)

/7. Daß endlich die Farben nach «den» Deliabate
in den Edelgesteinen von den Metal«d»en, die
sie bey sich führen, <sich> originiren; daß die rothe
Farbe der Rubinen vom Gold, die «D»<G>oldgelbe
von Topasen, vom Silber; die Orangen gelbe oder
hyacynth«en» <der> vom Bley; die Grüne der Smaragden
und die Bläue der Saphyren <vom> Kupfer, und endlich
die violette des Amethysten vom Eisen <%und> durch
Zinn, <entstehen>, daß also die Metallen gewiße «couleuren» <%.Farben>
hervorbringen, die sich nach der Beschaffenheit ihrer
specifischen Schwere richtet, und daß also hiedurch das
«couleurische» System von den Farben sehr bestätigt
wird.

/Articul. V.

|P_259

/Articulus V.
Von dem National-Character, Sitten,
Gebräuchen verschiedener Völker ≤

/Im ganzen Meridian, welcher über Bengalen
gezogen worden bey den Einwohnern von
Thibet, bey den «Tunchi» <Cochina>nesern Chinesern etc
bemerken wir sowohl große Aehnlichkeit
der Gesichtsbildung, nemlich der Kalmukschen
als auch der Sprache, welche darinn überein-
kommt, daß ihre Wörter alle Einsilbig
seyn. Wir bemerken also, daß das Reich
China, welches ohngefehr 3 mahl so groß ist als
Deutschland, der mächtigste Staat jederzeit
gewesen, und noch seyn wird. Zwar ist die
römische und griechische Monarch«e»<ie> berühm-
ter und größer gewesen, doch ist dieses
was wir von China gesagt haben, immer
von der Einheit der Bildung, Sprache, Sitten
und Gebräuche«n» zu verstehen, die unter
diesen Völkern herrschet.*1 Es ist das berühmteste
Land, so daß keine ProvinzialStadt in ihr
weniger, als 100.000 Einwohner enthält, von
dieser großen Menge des Volkes zeigt auch die
Länge der Chinesischen Mauer, die ohnge-
fähr 300 Meilen im Umfange, und in der Mitte
sehr viele Th«u»ürm hat, wogegen sie aber auch
an viele Berge anstößet. Ihre Bücher, denen

/man

|P_259R

/δ_Z_20

/<*1 Jenen größren Reichen
fehlte es an dieser %.Einheit
%und konnten deshalb %nicht lange
bestehen.>

|P_260

/man Glauben beymeßen kann, gehen nur bis
auf die Geburth Christi heraus: allein so viel
ist gewiß, daß sie schon 1.000 Jahre vorher ge-
wesen <%sind>. Ihre Regierung ist Monarchisch. Doch wird
sie von den mandarinen, deren «3»<2> Gattungen
sind, namlich StaatsGelehrte, und Krieges-Ma-
darinen (welche«s»r <Name> so viel als Leute, die den
Inbegriff ihrer Wißenschaften durchgegangen
sind, bedeutet) eingeschränkt. Die Chineser
werden als Leute, die sehr zu allerhand
Künsten und Wissenschaften geschikt sind, ge-
rühmt: allein es bestehen die «ersten» <leztren> nur aus
einiger Kenntniß von einigen Sätzen der
Geometrie und Astronomie, mehrentheils aber
ohne Beweise. Ihre Art zu schreiben be-
steht in der Kunst die Gedanken durch ge-
wiße Bilder und Zeichen, deren sie 60.000
haben sollen, auszudrüken. Sonst sind sie aber
zum Betrügen und niedrigen Gesinnungen
geneiget, «maaßen» <indem> dieselben nach ihren Gesetzen
auch nicht bestraft werden. Sie sind übrigens
schlechte Helden, «maaßen» <da> sie auch ohnlängst
von den Tartarn unter das Joch gebracht
sind, von welchen sie die Gewohnheit, ihre
Haare auf den Köpfen abzuscheeren, gelernt
haben. Buchdruker«ey» Kunst soll bey ihnen
schon «lange» <viel früher> «vorher», als bey uns erfunden seyn,
welches auch wegen der Leichtigkeit ihrer Buch-
staben wahrscheinlich ist. Sie halten auch sehr
/auf

|P_261

/auf die alten Gesetze, «Dadurch» <%.wovon> der Monarch
nicht leicht abgehen kann. Die 3 vornehmsten Gesetze,
die sie verehren müßen sind: Der Gehorsam
gegen den Kayser, gegen die Eltern, deren
Verletzung eine große Straffe bey ihnen <nach %sich>
ziehet, und denn die Komplimente, durch
welche sie die Ruhe im Staate zu erhal-
ten gedenken, und d«iese»<es>wegen sind die
Gesellschaften auch nicht angenehm, weil dar-
innen alles sehr gezwungen aussiehet, doch ha-
ben «selbige» <dieselben> noch den Vorzug vor den«en»
Türkischen, in denen alles still und leblos
ist, und <die ganze Unterhaltung> nur im Eßen, Trinken, und Schmau-
sen bestehet. Ja es scheint überhaupt, daß der
gute Geschmak und der scherzhafte Umgang
bey den Europäeren blo«s»<ß> durch die Franzo-
sen ihren Anfang genommen <haben>, und daß
«bey ihnen» <sie> die Ursache davon gewesen <%sind>, daß
das Frauenzimmer, welches die Fröhlichkeit liebet,
und denen zu gefallen eine Hauptsorge der
MannsPersonen ist, mit in die Gesellschaft
gezogen wird. Bey ihren Gastmählen sitzen
sie auf Stühlen und nicht wie die Morgen-
Länder auf Knieen, jeder hat aber einen
a parten Tisch; <sie> richten sich in allen Kleinigkeiten,
«während dem» <bei> Tische nach dem Wirthe. Sie
haben gewiße Universitaeten, und diejenigen,
welche bey ihnen promoviren wollen, müßen

/zuerst

|P_262

/zuerst in Peking, hernach aber <noch> öfter«mahl» exa-
minirt worden. Ihre Religion bestehet einzig
in dem Deismo d. h. sie statuiren ein obe-
res Wesen. Ihre größeste Kunst äußert sich
in dem GartenWesen, welchen sie in 3
Theile, in das reitzendschöne, schauderndschöne
und erhabene Feld eintheilen, der Natur
gemäß «in einem» sehr <ins> «g»<G>roße«n» «Etenu» an-
bauen ZE sie führen Hügel, Felsen, Flüße
Wüsteneyen auf, worauf dann die schönsten
Prospecte folgen«;»<.> «und i» <I>n diesem alle<n> andere<2>
Nationen übertreffen<1> <%sie> , und <es zeigt> äußert sich
bey ihnen eine <große> Fertigkeit in den mechani-
«schen» Handgriffen. In China ist ein ganz
natürlicher Markt, worauf alles, was nicht
offenba«h»r schädlich ist, verkauft wird, ZE «Hunde»
<Hund->Fleisch, KatzenFleisch, Schlangen etc. und <so> der Ge-
schmak der Europäer gar nicht be«trachtet»<rüksichtigt>
wird, (welcher von der erstern Ausbreitung
des Christenthums sich zu origeniren scheint,
da sich nemlich die neu gewordnen Christen
von dem Fleische der Hunde zu essen, ein
Gewißen machten und äußerst verderblich ist.)
die Chineser scheinen ein Abkunft der Egyp-
ter zu seyn.*1 Die Chinesische BauArt liefert
niedrige Gebäude, die aber flach und sowohl
innwendig als auswendig laquirt «seyn» <sind>, sonst«en»

/aber

|P_262R

/δ_Z_25

/<Aber %nicht %.vielleicht umgekehrt?>

|P_263

/aber ein schönes Aussehen haben, wozu sie noch
die Neben Wände so fabricirt haben, daß sie
leicht auseinander gebracht werden können.
Ihre Religion bestehet in den Kings oder
heiligen Büchern, die von dem Confutius
herkommen, und nichts als tokene Rech@en@lehren
enthalten. Merkwürdig ist es doch, daß in
allen Sprachen und bey allen Völkern das-
jenige Buch, welches den Grund der Religions-
Principien enthält, $kat_exochen$ ein Buch heißt ZE
Bi«e»bel, Kings, Becoren. *1 das Reich Japan wird
von einem K«ä»<a>yser und einem großen geistlichen
Fürsten, welcher in Dario residiret und Lama
heißt, regieret. Man trift überhaupt alles an
was zur Nothdurft und Vergnügen des menschlichen
Lebens gehört, weswegen sie auch die «ganze»
Handlung <ganz> entbehren können, und mit keinem
Volke als mit den Holländern Handlung treiben.
<Sie> haben nur Einen einzigen Ha«u»afen, welcher
ohnedem<ies> nicht einmahl allen frey stehet,
sondern dessen Zugang verschloßen werden
kann; vor welchem die Schiffe die Anzahl der
auf ihnen befindlichen Personen und Thiere«n»
sorgfältig angeben und bey ihrer Abfarth
wiederum aufweisen müßen, damit keiner
im Lande bleibe. Obgleich die «v»<V>ornehmen
hier gleichfalls Deisten «seyn» <sind>, so herrschet
dennoch auch die Religion der Kami nebst <des Lama>

/einigen

|P_263R

/δ_Z_11

/<Japan>

|P_264

/einigen anderen; «und sind» <es ist> eine erstaun«ende»<liche> An-
zahl von Bontzen oder heidnischen Priestern
darin«nen» anzutreffen. Das Christenthum fand
einen erstaun«enden»<lichen> Eingang in diesem
Lande, wobey aber die Missionara den
wahren Geist des Christenthums auszubreiten
unterließen, und ihnen «zi» nur Ceremonien be-
kan«d»<t> machten. Es gefiel «ihnen» <%.den %.Chinesern> auch dasselbe
beßer, weil dadurch die Furcht von der
Seelen Wanderung vertrieben wurde. Endlich
wurde «es» <%.das %Christenthum wieder> ganz ausgerottet. Das Land ist
sehr bewohnt, und die Landstraßen bestän-
dig, und zwar wegen des großen Gefolges
ihrer Großen, die öfters 900 Mann bey
sich führen, voll Menschen. Des Lama Ab-
kunft erstrekt sich vo«n»<r> allen Fami«e»lien am
weitesten in das <graue> %.Alterthum hinaus, und gehet
in descendentaler Abkunft 800 Jahr vor Chri-
sti Geburt«h» hinauf. Was den Charakter
der Einwohner «dieses Landes» <Japans> betrift, so
sind sie zwar nicht so betrügerisch als die
Chineser, aber im äußersten Grade hart-
näkig, wodurch sie zwar zu guten
Soldaten gebildet werden, aber auch
sehr schwer zu regieren sind.

/Das

|P_265

/Das Reich Indostan hat einen großen Um-
fang, und mit den Staats Veränderungen
in Europa einen großen Zusammenhang.
Es ist sehr volkreich, und weil es überd«em»<ies>
an einigen Orten unter der Zona torrida
an andern unter den temperirten Zonen liegt
so bringt es fast alle Producte hervor, die
Europa, Asia und Afrika «zerstreut» <«insge» einzeln> lie-
fern. Ihre Einwohner sind gelb im Gesicht,
welches in der Bildung <da> der «E»<e>uropäischen ganz
gleich ist; %.sie %.sind> sehr sanftmüthig, welches auch die
Ursache ist, weswegen «sich» alle «ordentliche»
Natione«s»<n> daselbst anzutreffen sind, und von
den Tartaren so leicht unter das Joch gebracht
werden können; redlicher als die Chineser,
sehr fleißig und arbeitsam in ihren Ver-
richtungen sonst«en» aber schlechte Helden,
und «s» besonders die Furcht vor dem Schuß-
Gewehr, wie fast bey allen orientalischen
Völkern, <ist> unauslöschlich; «¿¿» <%sie %.sind> auch eine ganz reine
Race, weil es ihre Religion verbietet,
sich mit fremden Völkern zu vermischen,
die«se» <%.sie> aber «gleichfalls» ohngeachtet der Verschie-
denheit der Religion gerne dulden, weil
sie dieselbe alle für wahr, und nur für
verschiedene Methoden, die aber gewißen
Vökern eigen sind, halt, Gott zu dienen.

/Es

|P_266

/Es herrschet bey ihnen die «tyranni»<bramini>sche Religion
deren Fundamental Begriffe zwar rein, aber
mit vielem Aberglauben untermischt «seyn» sind. Sie
statuiren 3 obere Wesen

/1. Den Brama oder den Schöpfer, welcher den Prie-
ster mit de«n»<m> heiligen Buch und einem melan-
cholischen Temperamente, den KaufMann
mit einem phlegmatischen Temperamente
und den HandWerker mit einem Beutel
und sanguinischem Temperamente «,» im Anfan-
ge auf die Welt gesezt, die aber «nachgehends» <in der Folge>
ihre «Instrumente» <Fähigkeiten> gemißbrauchet haben.

/2. Den Vischka oder Regierer und

/3. Den Rudner als Zerstöhrer der Welt; die aber
von einem einzigen Urwesen abstammen <soll>, wel-
ches auch mit der Mythologie der Griechen
und Römer überein zu kommen scheint.
Ferner glauben sie 4 Welt-Epochen, und
diese wiederum in verschiedenen Abschnitte
eingetheilt, an deren Ende der Vischka in ver-
schiedener Gestalt erscheint, daß die Welt
durch die Luft, Waßer und Erde schon zer-
stöhret, mithin 3 Epochen vorbey und wir
im @9ten@ «t» Abschnitte des 4ten Lebens <sind>, «wo alsdenn» <an dessen Ende>
die Welt durch Feuer zerstöhret, und die
Seelen in den Schooß Gottes, nachdem sie
viele Länder durchgewandert, versammlet
werden. Merkwürdig ist die«se»s, daß alle
Nationen jederzeit nahe am Ende der Welt

/zu

|P_267

/zu seyn, geglaubt haben, weil ihnen die
menschliche Natur die höchste Stuffe des
Verderbens erreicht zu haben schien, welches
der gerechte Urheber nicht würde leiden
können. Die Indianer sind schwer zu bekehren
welches man überhaupt bey allen Völkern,
die heilige Bücher haben, deren Auctoritaet
die gemeinen Leute nicht «examiniren» <%untersuchen> können
antrifft«,»<.> «s»<S>onst«en» sind <hier> auch die Lusten häufig
und weit schmerzhafter als ein Europa.
Dieses Land wird von einem Mogul regie-
ret, der aber nur ein Schatten von dem
vorigen Regenten ist, nach dem Schach Nadir
den Schatz dieses Reiches, welcher der größeste
in der ganzen Welt«,» war, und auch den
kostbaren und mit Edelsteinen, die die ihn
natürlichen Farben hatten, besezten Pfau,
enthielt, geplündert und Delli zerstöhrt
war, indem die Gouverneurs in den Pro-
vinzen, mächtiger als er selbst «ist» <%sind>, und
das Land dadurch, daß jeder dem Mogul
beyzustehen vorgiebt, verwüstet ward. Die
Engländer haben ein Comptoir daselbst,
welches auch die Regierung, aber die grau-
samste von der Welt führet, welches bey
allen geschiehet, wo «jede» ein Regi«ment»<erung> «zer»<ge>theilt
geführe«n»<t> <%wird>, indem einer die Schuld des Uebels
auf den andern schieben kann, und die Ehre

/eines

|P_268

/eine«s»<r> guten Regi«ments»<rung> getheilt ist, «da» <weßhalb> sie dann auf
nichts als auf EigenNutz bedacht sind. Ja es ist gar
kein Zweifel, daß wenn die milde Englische
Regierung daselbst eingeführet würde, alle
Indianer mit der größesten Freude sich unter-
werfen würden (die M(on)<ar>atten allein sind die
wahre Race der Indianer) Unter andern
Provintzen die zu China gehören, ist das
Land Flichs zu merken, welches nur dem
Deismo ergeben «sind» <ist>, und von einem Collegio
von vielen membris regieret wird, auch alle
monarchische Gewalt verabscheue«n»<t>, woraus dann
die Meinung derjenigen wiederlegt wird, daß
das heiße Clima keiner als der monarchischen
Regierung fähig wäre.

/Das Land Tunckin wird von einem Chan
oder Könige welcher abwer nur als ein Gözen-
bild zu «consideriren» <betrachten>, und den Leuten zuwei-
len vorgezeigt wird, besonders aber von
«ihren» <seinen> Generalen regieret wird. Die Einwoh-
ner sind redlicher als die Chineser, dabey
aber erstaunlich arm, sonsten «aber» <in> «an» allem
dieser Nation ähnlich. Der vornehmste Artikel
des Handels der von den Holländern daselbst
getrieben wird, ist die Seiden Manufactur, wel-
che zu befördern die Holländer auf eine Zeitlang
mit den Landes-Weibern (pacta) eine(s) Ehe eingehen, wo-
durch sie dann Gelegenheit bekommen, über die Ar-
beit zu inspiciren.

/Das

|P_269

/«Das» Persien ist ein Land, welches gar keine
icht»<chiff>bare Flüße <hat>, «welche» zwar <solche %mit> eine<r> breite<n>
Oberfläche, aber «keine» <ohne> Tiefe «haben», welche <%sich>
«hernach» <%auch oft> im Sande «oftmahls» ver«sinken»<lieren>. Weil
es überd«em»<ies> durch große Sandbänke oder Wü-
sten von einander unterschieden ist, so wird
«auch» dieses Land von vielen kleinen Fürsten
regieret. Die Nation wird in die alten
Perser und in die neuen eingetheilt. Was
die ersten betrift, so ist ihre Religion sehr
alt, und von der Zeit Darii H«i»<y>staspes bis
auf uns «gebracht» erhalten. Das Vornehmste, «welches» <was> sie
verehren, ist das ewige Feuer, vermuthlich
weil es wegen seiner Rein«l»igkeit das göttliche
Wesen vorstellen soll, und wird in Bacht
durch d«ie»<en> Naphta«n» unterhalten. Es kommt
diese Gewohnheit der römischen, «da sie» <%nach der %man> ve-
stalische Jungfern unterhielt«en», um das Feuer
zu verwahren, sehr nahe, und <es> scheinen
beyde eine vernünftige Ursache zu haben.
(wie überhaupt alle Gewohnheiten im An-
fange vernünftig <%sind> «seyn die aber» hernach <aber> mit
viele«n»<m> Aberglauben vermischt sind) Das <%nothwendige>
Feuer, «welches zur Nothwendigkeit ist,» bekommen
sie entweder durch Feuerzeuge, wei bey uns,
oder durch das Reiben Zweyer Höltzer, wie
bey den Wilden. Da nun die erste Methode
den Alten unbekand war, die lezte aber

/viele

|P_270

/viele Schwierigkeiten erfordert, wie denn
auch die Europäer fast gar nicht damit zurecht
kommen«,» können, so ist es wahrscheinlich, daß zum
Vortheil der Armen ein beständiges Feuer
unterhalten wurde, und zu Aufrechterhaltung
dessen FrauensPersonen gehalten wurden, die,
damit das Feuer nicht ausgehen möchte, vom
unkeuschen Leben, wovon sie nemlich durch
die fleißige Unterhaltung desselben abge-
halten werden konnten, abstrahiren mußten,
welches nach<her>«gehends», als die Feuerzeuge erfun-
den wurden, unnütz war, so wie vormahls
die Nachtwächter, <%welche> wegen Mangel der öffentlichen
Uhren gehalten wurden, «und da» <als> nu«r»<n> die
Sand- und Waßer Uhren bekand «sind» waren,
nüzliche Leute waren, «jezt aber» <deren fortwährende beobachtung> eine leere
und unnütze Gewohnheit ist. Ihr heiligen Buch
«Centa» <Zenda> vesta ist «aber» so alt, als ihre Religion
(und in das spanische Cent geschrieben,) «wie
dann
» «i»<I>n Persien <%sind> 3 Sprachen «sind», 2 todte
und Eine lebendige Sprache. Sie statuiren
2 gleichmächtige Urwesen, einen guten und
einen bösen Gott, welchen leztern sie
gimal»<hriman> nennen, «was» <%welches> vermuthlich von dem
teuschen Wort ArgeMann herkömmt, wie dann
sehr viele Wörter in dieser und selbst in der
lateinischen Sprache aus der deutschen herge-
nomen sind, welche vormahls die vetische

/hieß

|P_271

/hieß, wie das Wort Vesta von «V»<f>est herkommt,
weil die Erde, wovon sie eine Göttin vor-
stellt, vest ist. Die heutige<n> Perser sind nach
ihrem NationalCharakter betrachtet in An-
sehung der orientalischen, <%.diejenigen,> welche den herz-
haften Umgang und alles was schön ist, ein-
geführet «haben», und durch ihr lustiges Temperament
die anderen Nationen aus dem rohen Zustan-
de gerißen haben. Sie sind leichtsinnig in der
Religion, und ihre Sprache klingt angenehm,
«und» <sie <%sind> in Auslegungen, Schertzen etc. sinnreich.

/Man findet bey ihnen zwar nicht schöne Ge-
sichter aber einen schönen Wuchs, welcher der
Mäßigkeit und Arbeitsamkeit, welche fast
allen orientalischen Völkern eigen ist, und
von den Europäern, die nemlich im Stande
sind «commode» <bequem> zu leben ver«absäumet»<%nachläßiget>
wird,)(*1 «da» es doch scheint, <%namlich> daß die Geschmak-
drüsen «im Anfange» <%.ursprünglich> so beschaffen «zu seyn
scheinen
», daß «sie», wenn ihnen das Eßen
nicht mehr schmekt, <sie> auch den Menschen zwin-
gen, vom Eßen abzustehen, «welche» <diese Geschmacksdrüsen> aber
«nachgehends» <werden> durch den Reitz, den <man> den Speisen
giebt, verdorben «werden») «zuzuschreiben
ist
». Die Religion der neuen Perser ist mahome-
danisch, welche sie «aber» nach der Auslegung des
Alcali (statuiren) <%ausbilden>, da«n» im Gegentheil die Türken

/die

|P_271R

/δ_Z_17

/<*1 Wie %.der %.Mensch allmählich
%.von %.der Vorschrift der
Natur abweicht, möch-
te folgendes zeigen:>

|P_272

/die <Auslegung des> Omar «beklagen» <annehmen>, daher unter diesen Nationen
«der größeste» Nation«s»<al> Haß <größer als irgendsonst wo> ist, der in der gan-
zen Welt statt findet. (Um alle türkischen
Länder zusammen zu faßen, so ist zu merken,
daß sie keine «außerordentliche» <andre> Producte
«die» <als> «die andern» <%.asiatischen> Länder liefern, und besonders
<von> Seide und Kameelhaar im Ueberfluße
haben. Die Einwohner sind stolz, verwegen, me-
lancholisch, und im höchsten Grade plump.

/Arabien ist unter «ihnen» <%.den türkischen Ländern> das merkwürdigste <«Land»>,
und wird in 3 Theile eingetheilt, nemlich

/1. «i»<I>n das wüste Arabien, welches große Sand-
Wüsten enthält, worin«nen» dennoch zuweilen
sehr große Bäume anzutreffen sind. QDennQ

/2. In das Hadschas, welches am rothen Meere
liegt, und die beyden Städte Mecca und Medina
in sich faßt, und

/3. In das Land Ge(ne)<m>en, wo die levantischen Coffee-
Bohnen wachsen.

/Die Beduine«r»<n> ein Volk in Arabien führen <%.ein sehr> «eines
der <sehr>
» glücklich«sten»<es> Leben, weil sie ganz sorglos
sind, in Zelten Wohnen und von einem
Orte zum andern reisen, worinnen sie sehr
mit den Völkern <%übereinkommen>, die in den rußischen Steppen
wohnen, und sehr gastfrey sind, wie solches bey
allen Völkern, die arm sind, eintrift, denn bey
den Reichen bestehet die Gastfreundschaft nur
in der Höflichkeit «übereinkommen, und» <Sie mögen> gerne

/die

|P_273

/die Reisenden unter dem Vorwande beherbergen,
daß bey der Theilung der Kinder Abrahams
«der» Ismael, dessen Descendenten sie wären,
zu kurz gekommen sey, wobey sie «ihnen» <%.den %.Fremden> dennoch
das Nothwendigste laße«e»n nebst dem Leben.
Die Religion ist die Mahomedanische, und eines
der größesten Hauptstüke dieser Religion, sind
die Wallfarthen nach Mecca und Medina,
wohin alle Mahomedaner jährlich in 3 Caravanen
reisen, welche erstere alle Perser, Indostaner etc.
die andere alle aus den türkischen Provintzen
die 3te alle aus Marocco, Egypten und ganz
Afrika aufnimmt. Das Heiligthum, welches
sie verehren, ist das 4eckigte Gebäude, welches
ein ordentlicher Cubus ist, nicht größer als
eine mittelmäßige Stube, und mit schwarzem
Sammet und Dammast bedekt ist, und Cabba
genandt wird, und den schwarzen Stein
welchen alle Mahomedaner Küssen müßen,
enthält; auch der heilige Brunnen, welcher
derjenige seyn soll, den der Engel <der> Hagar
wieß, als sie von Durst geplaget wurde
und «a»<v>on welchem alle Mahomedaner trinken
müßen. Beyde umgiebt eine Gallerie, wohin
die Andächtigen zur Zeit des Regens hintre-
ten können. Es ist dieses Meca auch zugleich der
Augenpunkt der Mahomedaner, nach welcher Gegend
sie %nemlich ihr Gesicht unter dem Gebeth kehren müßen. Der heilige
Brunnen heißt Zenzen.

/Annot. 1

|P_274

/Annot. 1.m»<n> den Deutschen scheint <schon deshalb %etwas Großes> «auch was gewiß
zu «steken» <liegen>, @maaßen@ <indem> die 3 berühmtesten Völker
von ihnen herstammen: die Franzosen von den
Franken, die Engländer von den Dänen, Norwe-
gen und Sachsen; und dann die Italiäner «%vorzüglich»
<%.von> den «Sachsen» <Ost-Gothen %und %den %.anderen> «deutschen» Völkern, die es in dem («1»)5t
Saeculo und in den folgenden Zeiten überschwemm-
ten.

/Annot. 2. Was die Völker zwischen dem Caspischen
und schwarzen Meere anbetrift, so sind «es» <sie> der
Stamm von allerley Nationen, als Georgianer«n», Ar-
menianer«n», Czyrcassi«¿»er«n», die <jedoch> alle verschiedene
Sprachen haben. Auch haben wir vermuthlich
die Erfindung des Akerbaues diesen Ländern zu-
zueignen, «welches» vermuthlich <wol> «von» den deutschen
«geschehen»; die«se aber» vormahls am Don woh-
neten. Die Steppe Narba, jenseit des Strohms
ist sehr fruchtbar, und von den nach Syberien
retigirten Gefangenen bebaut.

/In Syberien ist es sehr kalt, woher sie
auch keine Ochsen, keine Bienen haben; auch
wollen daselbst die Bäume nicht fortkommen,
weil wenn man gleich im heißesten Sommer
gräbt, dennoch in einer Tiefe von 3 Fuß
gefrorene Erde gefunden wird, und die Bäume
also nicht tief genug Wurtzel schlagen können.
Es ist ein «Ort» <Land> wohin die Rußischen Gefangenen ge-
bracht werden die indem sie ihrem Schicksaal über-

/laßen

|P_275

/laßen «seyn» werden, de«r»<m> «Republik» <Staat> nicht schaden, sondern
durch die Anbauungen «ihr» <ihm> noch nutzen aber
auch nicht «aus»<ent>weichen können, weil sie von
der einen Seite Rußland selbst, von der
andern Seite aber die Kinigienser, eine
«über die Maaßen» <sehr> räuberische Nation vor
sich finden. Dieses Syberien hat «aber» Berg-
Werke, worunter besonders das Athensische
Gebürge gehöret, welches den Rußen vieles
aber schlechtes Eisen feines Kupfer, und öfters
auch Silber liefer«e»<t>. Was die in dieser Gegend
«gelegene» <wohnenden> M«o»<u>ngal«l»en betrift, so bauen <die>selb«igen»<en>
keinen Aker. Die Tungusen ziehen nicht das
Vieh, sondern schwärmen herum, und sagen,
im Fluche unter einander, daß du magst das
Vieh selber ziehen, wie ein Tartar; wo wie
dieser sagt daß du magst den Aker bauen,
wie ein Ruße; dieser vielleicht: daß du magst
beym «R»<W>ebe<r>stuhle sitzen, wie ein Deutscher; der
leztere: Das Du magst auf dem Meere fahren
wie ein Holländer, und überhaupt richtet sich
die Art des Fluches beständig nach der Ar-
beit, die einem Volke als unanständig vor-
kommt. Es sind auch die Tungusen sehr stoltz,
wie solches alle faulen Nationen <sind> «thun», z. B. die Spanier.

/Was endlich die Kalmuken, «so» <die> mit den Mun-
ga«l»len «mitleiden» <%.zusammen grenzen>, betrift, so leben <sie> «selbige»
von Pferden. Die Bucharn und Tartaren von

/Usbek

|P_276

/Usbek aber einzig und allein von der Handlung
und Akerbau.

/Was die Asiatischen Inseln anbetrift, so sind
die größesten von ihnen

/1. die Insel«l» Ceilon. Ihre Einwohner scheinen
von den Malabaren und Arabern abzustgammen,
<sie> haben eine solche kleine und eingedrükte Nase
als die lezteren. Auf ihr ist der Berg Pico d'Adam,
worauf sehr viele Klöster <«d sind»> und auf der Spitze
«auf dem» <des> Felsen<s> ein menschlicher Fußstapfen
befindlich «ist» <sind>, welchen «sie» <die Eingebornen> für einen Tritt des
Vischka halten, und nicht nach der Europäer
Meinung für <den> des Adams. Sie ist sehr fruchtbar,
weil sie aber auch zugleich an manchen Orten
waldicht, und sumpfigt ist, ungesund. Auf ihr
wächst <das> Talipat und <%.der> Kameel-Baum, von
denen «die» <der> erste«n» <Baum> Blätter <hat>, die «zwar» groß
«aber» <%und> in Falten gelegt seyn, so daß ein Blatt
von ihnen, wieder allen Regen «dienen» <schützen>, und
2 von ihnen ein Zelt formiren; «des»<die Rinde des> leztern <Baumes> «aber»
<ist> ein Monopol«ier» der «¿¿¿»<Hol>länder ist. Von dem
erstern Baume werden die Blätter, in
Riemen geschnitten, zu Schriften gebraucht.

/2. Die Maldivischen Inseln. Diese Inseln sehen als
13 Trauben aus, und enthalten ohngefehr 4.000 Inseln
und haben <nur> 2 Zugänge, «d»<w>eswegen <sie> nebst ihrer
Armuth «sie» vor den Einfällen «ihrer» <der> Feinde gesichert
<%sind> «seyn». Sonst«en» sind «sie» <die Einwohner derselben> sehr stoltz und lieben den
Rangstreit.

/3.

|P_277

/3. Die Philippinischen Inseln dienen bloß zum
<%.der> Waaren <2> niederlegen <1>, und zwar der«en»
Waaren, die von China nach Amerika trans-
portiret werden.

/4. Die Insell Sumatra, welche den Europäern
wenig bekand ist, (und an deren %Einer Spitze d«e»<a>s
Königreich«s» Achen, welches aber nur eine Stadt
die reich und volkreich, und nur ein kleines
Territorium besizt, enthalt.) Die Forts auf
ihr sind wegen der ungesunden Luft ver-
laßen. Der Handel dahin betrift Gold-
Staub und Pfeffer. Sie «,» trennt die Straße
Suada von der folgenden Insell.

/5. Die Insell Java. Ihr Kayser hält ein Leib-
Wache von vielen Weibern. Die Religion
m«¿¿¿»<ahomed<an>isch und das Land sehr volkreich
so daß 3<0>000.000 Menschen daselbst wohnen sollen,
ob es gleich noch ein mahl so klein ist als Frankreich.
Allein «es macht, daß» in dieser Insell, und
allen warmen Ländern <wohnen> so viel Menschen
«wohnen». <Sonst ist %.von Java noch zu bemerken:>

/1. Daß «es» <hier> niemahl<s>«en» Winter ist, sonder be-
ständig gesäet und geerndtet werden
kann

/2. Daß alle Wälder voll nahrhafter Ge-
wächse und das Land voller Vieh ist

/3. daß die Einwohner «in» <hier wie in allen> solchen warmen
Ländern sehr mäßig seyn.

/Die

|P_278

/Die Hauptstadt der Holländer darauf ist
Battavia, und der General Gouveneur ein Bedien-
ter der ostindischen Compagnie, (von denen
Einer als er die Macht der general-Staaten
räumen sollte, sagte: Er, der Knecht ihrer
Knechte ist ein König der Könige.)

/6. Die Insell Borneo, welche*1 die größeste in
der ganzen Welt zu seyn scheint, und
rund ist. Auf ihr und den Philippinischen In-
seln findet man, welches merkwürdig ist,
Neger«s».

/7. Die Moluken auf welchen die beyden Gou-
vernements der Holländer «M»<A>mbuina, wor-
in«en» die Kreyd«e»-N«ägelchens»<elken>, und Bende,
worin«nen» die Muskaten Nüße ganz allein
wachsen, zu merken. (Die natürliche
Grenze von Afrika, welches beständig
eine Hinderniß wieder die Conversation der
Völker seyn muß, kann nicht kann nicht das
Mittellandische Meer seyn, weil das Waßer
den Zusammenhang der Völker befördert
sondern es muß die Sandwüste Sara.) Die
Einwohner <Afrikas> sind äußerst arm; %.diejenigen <die> an der
Küste wohnen ZE in Marocco die Nachkömmlinge
der Alten Mauritaner, sind alle Neger«s», un-
ter ihnen die berühmtesten 3 Nationen die
Folos, Folys und Mondigos sind, die nach ihrer
Art gesittete Völker und Mahomedanischer

/Religion

|P_278R

/δ_Z_7

/<*1 %nach der Insel Neuholland>

|P_279

/Religion sind. Sonsten sind alle Negers dem
Stehlen und dem Brand<t>Wein sehr er-
geben.

/Die Küsten von Guinea sind

/1. Die ZahnKüste

/2. Die GoldKüste

/3. Die PfeffeKüste, und

/4. Die SklavenKüste; die <insgesammt> den Namen von den
Waaren, womit der Handel getrieben wird,
bekommen haben, doch wird jezt nur die
lezte<re> besucht. Es werden nemlich von den Elen-
den bis 120.000 jährlich nach Amerika in die
Plantagen geschikt, wo sie mehrentheils sehr
grausam gehalten werden, und sich dennoch
etwas mehr, als ihre Lands Leute zu seyn
dünken. Weil nun ein Neger dem andern
wenn es auch sein Sohn, <oder> Vater, <%seine> vertrau-
teste<n> Freunde und Anverwandte wären,
nicht trauen kann, daß er ih«m»<n> als
Sklave für «den» Brandwein verkauffe,
so gehen sie aus einander, und weil die
Europäer zu den Neger«s»<n> mitten im Lande,
wegen den unzulänglichen Wäldern, die
ganz in einander verflochten sind, nicht kommen
können, so glaubt Roemer daß innerhalb 30
bis 60 Jahren ein gänzlicher Mangel «von» <an> Sklaven
seyn würde, und die Plantagen in Afrika
angelegt werden müßen, <da> ohned«em»<ies> schon jezt

/ein

|P_279R

/δ_Z_12

/<Jetzt gilt ein Sklave
ohngefähr 200 %Reichsthaler>

|P_280

/ein wohlgewachsener Neger 2 bis 300 %reichsthaler kostet«,»<.>
<Sie müßen> «die» beym Verkauffen allerhand Beugungen
machen «müßen», u«nd»<m> zu sehen, ob sie auch
fehlerhaft «seyn» <%sind>. Ihre Religion ist die
Am«o»<u>leten <%.Religion> oder <der> Foetism<us>«aner Religion, die die
Einwohner poetisch nennen
» (Talis«n»<m>an«n»e sind
Sachen, die am Halse getragen werden, und
«für» <vor> alle«s»<m> Unglük schützen) «%.die» <Ihre Religion> bestehet darin,
daß einer von ihren @Martutka@ oder Priestern
eine beliebige Sache einweyhet, bey der
sie hernach schwören, etliche Speisen ihnen
zu Gefallen entsagen, <%sie> beständig bey sich tra-
gen etc. «und» <Es> scheint <diese> von allen Religion<en> die
älteste zu seyn. Sie haben auch einen Lan-
des Foetisch, «die» <%welches> mehrentheils Bäume <%sind>, und
einen neuesten Foetisch, welche«s»<r> das Meer ist;
«w»<W>as die Länder der Capern und <oder> Caffern
betrifft, so sind die Nationen daselbst mehren-
theils unbekand, und scheinen von den Hotten-
totten herzustammen. Diese sind das un-
schlächtigste Volk in der Welt, und eine
Race der Neger«s» <%sie> bewohnen ein Land, welches
die Natur sehr wohl versorget hat, haben
Dörfer, die aus Zelten bestehen, welche
rund aussehen, und in enem Cirkel gestellt
<%sind> «seyn». Sie haben keinen Oberherrn, aber

/doch

|P_281

/doch Aelteste, wißen fast von keinem Ur-
wesen, doch haben sie Feste, die sie Andens-
maken nennen, welches Wort sie denen
Holländern abgelehnt haben müßen; <%sie> halten
ihre Weiber in der größesten Erniedri-
gung, die so oft sie sich verändern,*1 ein
Glied von dem Finger abschneiden müßen.
Sie bedienen sich der StreitOchsen und Hunde
zur Gegenwehr«,» wi«e»der die wilden Thiere,
die sie um ihre Dörfer stellen; <%sie> haben
eine Art von Beschneidung, wobey sie
dem Knaben einen Testicul, damit sie
nicht Zwillinge erzeugen können, wegnehmen,
<%sie haben keinen Ekel vor dem Gestank, daher>
alles, was nur den Namen Unflätherey
verdient, bey ihnen anzutreffen ist.

/8. Die Insell Madagascar*2 ist mit «E»<e>ine von
den größesten Inseln in der ganzen Welt,
und noch wenig«en» bekand, indem sie von
den Holländern nur der Neger«s» wegen be-
sucht wird, die aber zum SelbstMorde %erstaunlich
«und» incliniren. Von diesen Völkern wie auch
von den übrigen allen jenseit des Ganges
bemerkt man, daß sie beym heyrahten,
wo nicht gerne sehen, dennoch gleichgültig
sind, wenn ihre Bräute die Jungfernschaft ver-
lohren haben.

/9.

|P_281R

/δ_Z_5/6

/<*1 %.vermuthlich in der Ehe>

/δ_Z_17

/<*2 %wird %mit Recht jezt
zu Afrika gerechnet>

|P_282

/9. Abbyssinien wird von einem Könige beherr-
schet, der, weil das ganze Reich mehrentheils
Christlich ist, und solches vor vielen J«h»ahrhun-
derten gewesen, gleichfalls dieser Religion
anhäng; <er> wird aber sehr von den Mahome-
danern, welche von Egypten Unterstützung
bekommen, eingeschränkt. Egypten liegt zwi-
schen der Sand Wüste Sara und zwischen
einer großen SteinWüste. Die Merkwür-
digkeiten dieses Landes machen die großen
Pyrami«e»den mehrentheils aus, welche eine
4 eckigte Basi«e»<s> haben, und aus großen
Felsenstüken, die aus der SteinWüste ge-
brochen werden, bestehen, «da»<wo>bey es denn
doch wunderbar ist, wie <%man> «sie» <dieselben> so hoch «dieselbe»
in»<er>aufbringen könn«en»<te>. Es lieg«t»<en> darin«nen»
vermuthlich «ein» König<e> begraben, und «ist»
wahrscheinlicher Weise <ist> der Zugang zu ih«m»<nen>
verboten gewesen, da man findet, daß
<bei der %Einen Pyr%.amide> der Zugang «zu der einen Pyramide
<sehr> s
» gekrümmt <«ist»>, und jederzeit mit großen Steinen
vermauert worden <«ist»>, dabey bald aufwärts
bald niederwärts gebeugt ist <so> daß Einer von
<%.den> Califen
mit der größesten Mühe nur Eine
von ihnen eröfnen kön«ne»<te> da man <dann> gefunden,
daß in der Mitte «Einer» <der> Pyrami«e»de ein Marmor-

/nes

|P_283

/nes Gewölbe in welchem vermuthlich vorher
ein Sarg gewesen <ist>, «denn» oben <im Gewölbe %sind> 2 Löcher und
unten 1. Dieser «leztere» Umstand führet
eine fürchterliche Idee mit sich denn
allem Schein nach wurden vormahls der
%.Königlichen Leiche zur Gesellschaft 2 Menschen
mit eingesperret «seyn», «davor»<für die> die obern
Löcher zum Athem holen, und das Eßen
er»<in>unter zu laßen, «die» <das> untere aber die
Excrementa von sich zu laßen, dienen mußten,
wo sie <denn> ohne alle menschliche Gesellschaft
und ohne Trost, jemahls das Tages Lich zu
sehen, verbleiben musten.

/Ferner ist auch das Labyrinth zu merken,
von welchem auch noch jezt bis 100
Stuben zu «merken, und» zu sehen sind«.»<,>
<es> ist aber von dem auf der Insell «K»<C>reta
weit unterschieden. Ob sich gleich die Tür-
ken bemühen es ganz und gar auszurotten,
so gehet <es> doch «solches» nicht an. Weil man nun
von Babel und von Ninive keinen Stein
mehr siehet, so müßen es wohl nicht <so> «sehr»
große Städte gewesen seyn, als man es
gemeinhin glaubt.

/Es

|P_284

/Es «herrscht» <gibt> unter manchen Leuten ein Kunst-
stük, Schlangen die ihre Zähne und Gift bey
sich führen, <%und> dabey recht böse sind (dergestalt,
daß wenn sie nahe an einen Hund, oder
<%.ein> anderes Thier gebracht werden, «selbige» <diese«lben»> so-
gleich von dem Gift aufschwellen und ster-
ben) in der bloßen Hand frey und un-
beschädigt zu halten. Ob sie nun gleich vor-
geben, daß «solches» <dies> von der Einweihung ihrer
Priester herrühre, so liegt denn«och» doch
wohl eine andere Ursach darunter, nem-
lich ein natürliches Mittel, wodurch die
giftigen Thiere einen gewißen Ekel und
Abscheu vor dem Menschen bekommen,
wie das arabische Kraut Assat, <gegen> «für» jedes
giftige Thier seyn soll. Was die barbari-
schen Küsten anbetrift, so kommt ihr«e» Name
von einem Wort Berbers «reden» <oben her>, welches
so viel, als die da auf den Bergen woh-
nen, bedeutet. Die Regierung wird da-
selbst von einem «D»<B>eg und verschiedenen
a»<e>ys geführet, welches erstere so viel als ein
König, das lezte aber so viel als ein Gouver-
neur bedeutet. <die Barbarei> bestehet nur aus Soldaten, und

/ist

|P_285

/ist (ohngefehr zu den Zeiten Carl V.<V>) von einem
Umstreicher fundiret, welcher den Malteser-
Rittern zum Torte, Räubereyen auf dem
Meere anfing, welche seine Nachfolger auch
fortsezten. In der Gegend weiter Landein-
wärts müßen noch viele Merkwürdigkeiten
anzutreffen seyn, «maaßen» <indem> die Einwohner
vorgeben, «alsdann» <%daß> daselbst ein Stadt mit
Einwohnern, Vieh und allem was darinnen
ist, versteinert worden <sei> und obgleich der
Englische Consull die «Falscheit davon» <%Unwahrheit dieser @Bedeutung@> ent-
dekte, indem auf sein inständiges Verlangen
einen versteinerten Menschen zu sehen, ihm
ein Cupido, mit «ver»steiner«ten»<nen> Flügeln <gezeigt> «prae-
sentiret
» wurde, so muß doch diese Stadt
wenigstens von vielen Bildern und anti-
qu«itaetischen»<arischen> Seltenheiten voll seyn.

/10. die Insell Bourbon auf welcher der
häufige Caffée wächset, welcher dem mar-
tiniquischen weit vorzuziehen ist. Man
hat bey ihrer Entdekung zwar keinen
Menschen gefunden, aber so viele Obe<l>is«ces»<ken>
und runde von T«h»on verfertigte Säulen,
die so hoch als die Kuppeln von der Pfarr-
Kirche zu Paris waren, daß man leicht

/unter

|P_286

/unter ihnen verirren konnte, welches also von
der Menge der vorigen Einwohner zeugen
«kann» <¿¿¿>. Man findet auch an einigen Oer-
tern diese«n»<r> Inseln, daß sie vormahls
Bernstein gehabt haben, welches sie noth-
wenige aus Preußen müßen bekommen
haben, und da ist es unbegreiflich, wie die
Alten ohne Co(ngresse)<mpasse> sehr weite Reisen
mit eben der«selben» Geschwindigkeit als
jezt haben «verrichten» <«tn»thun> können. <sie> «so» müßen
«selbige» <%sich> wahrscheinlich «unter andern» der
«sich betagten» Portages, «da» <die> sie nemlich «das
Fahn- und Fahr-Zeug
» von einem Fluße
zum andern trugen, wie es jezo noch stark
in Syberien gebräuchlich ist, bedienet
haben.

/11. Die Insell L'Acension ist eine der«en»
glüklichsten <Inseln> welche <%auch> vor den Anfällen der
Feinde <am meisten> gesichert «seyn» <ist> «kann». Sie lieget
nemlich auf einem großen Felsen, von wel-
chem man den Feind bey Tage weiter
übersieh«¿¿»<t>, als er des Nachts in der größe-
sten Geschwindigkeit seegeln kann, mit-
hin sie nicht zu überrumpeln vermag.
Man kann übrigens den Zugang zu ihr

/da

|P_287

/da ohnedem nur ein einziger ist, sehr leicht
mit einer Kanone, oder <%einem> großen Steine <vor>
jedem Feinde ver«hemmen»<sperren>, und da über<dies>
«dem» diese Insell an allem Nothdürfti-
gen einen reichen Unterhalt besizt, so
dürfte leicht die Lust mit etlichen Redlichen
(auf dieses @Adasoncke Klion@) transportirt
zu werden, bey einem und dem andern
entstehen.

/Amerika ist von den übrigen Welttheilen
ganz und gar, selbst durch seine Produkte,
die unter demselben Clima verschieden
sind, zu unterscheiden, und wird in das
Süd- und Nord-Amerika, die durch die
Straße Panoma vereinigt werden, ein
getheilt «werden».

/In Süd Amerika sind folgende Länder
merkwürdig.

/1. Terra del Fuego «sie» bestehet aus einer
Menge von Inseln, die von herumstreichen-
den Nationen bewohnt werden, die sich von
Nichts als von den See Vogeln und Fischen
nähren können.

/2. Chili. Ihre Einwohner sind die tapfersten
und im höchsten Grad unempfindlich. Diese
Nation ist sehr zum Aufruhr geneigt und
besizt eine besondere Gabe ihre «Desseins» <Entschlüsse> ge-
heim zu halten wodurch sie äußer«t»<st> gefährlich

/wird

|P_288

/wird. «Sie» <Die %.Einwohner> haben die Gewohnheit sich unter den«en»
Lippen ein Loch <%ein> zu schneiden, in welches sie
einen grünen Stein einsetzen, welcher
von keinem andern Dinge in der Natur,
also von Diamant angegriffen werden kann,
man bemerkt von ihm, daß die Einwohner
allerhand Figuren ZE von einem RindsKopf
demselben geben können, woraus manche
geschloßen haben, daß er aus dem Schlamm
der in ihrer Gegend ist, wenn er verhärtet
wird, erzeugt werde.

/3. Peru wird in den gebürgigten und nie-
drigen Theil eingetheilet, in welchem er-
stern Lima und dem andern Quitto an-
getroffen wird, «welches» <in %welchem> leztere <es> sehr %.kläglich
auss«ch»iehet, so daß dieses Land nie <viel> von den
Europäern besucht worden <ist>, «wenn sie es
von der Seite @entrirt@ hatten
» (Von den
Chilianischen Einwohnern ist die besondere Art
sich der Pferde, die «in die Wildniß gerathen» <vorher wild sind>
bey der Jagd zu bedienen, <indem sie dieselben> «welche sie» in
«dem» ganz freyen Lauffe laßen, nebst
dem Gebrauche ihrer Schlingen, vermittelst
welcher sie jede«n»<s> «erhabenen Theil eines jeden
wilden
» <wilde> Thier«es» mit einer besondern Geschwindig-
keit zusammen schnüren und nach sie ziehen

/können

|P_289

/können zu merken) Es ist auch in diesen Ge-
genden ein großes Silber BergWerk, wor-
aus seit 200 Jahren jährlich auf 20 Millionen
Piaster«s» nach Europa transportiret wer-
den.

/4. Paraguey (in welchem <die Wege> «besonders die Korde-
Lehren
» <%durch> große Gießbäche, und unterschie-
dene Regen «verursachen» <sehr %beschwerlich gemacht %werden>, und «da» <wo>her«o» <es> schlimm
ist, Reisen in ihnen anzustellen, «indeßen» <indem>
man bey den großen und steilen Felsen, die
von dem häufigen Waßer ausgewaschen sind
sein Vertrauen einzig und allein auf die Maul-
Esell, welche <%nicht leicht> herunter gl«itschen können»<eiten>, se-
tzen muß.

/5. Brasilien ist sehr wegen der gesunden Luft
bewohnt, weil daselbst ein immerwährender
Frühling und Sommer herrschet, und wird be-
sonders «zu ders» <%durch> Caffée <%und> Zuker (und (@Tolucks-@)
Plantagen, wozu sie Negers gebrauchen, und
sehr grausam halten, ohngefehr 15 Meilen Land-
einwärts emploiret <angebaut>. Die Ursache, warum «sie» <die %.Europäer>
die Neger«s» mit so vielen Unkosten zu diesen
Arbeiten halten, und nicht vielmehr die <%unempfindlichen Amerikaner «Ameri-
kanische Unempfindlichkeit, nach welcher sie
» <die %sich sonst> «so zu
sagen, sich
» durch nichts bändigen laßen, und <von der %Beschaffenheit @beinah@>
«welche» durchgängig «bey ihnen» a«n»<m> «dem» Amazo-
nen Fluß angetroffen w«ird»<erden>, weiß man nicht.

/Ob

|P_290

/Ob nun gleich fast mehrere Neger«s» als Euro-
päer hier angetroffen werden, und wegen
ihrer Leichsinnigkeit sehr zu Empörungen
geneigt sind, so werden sie dennoch durch die
Härte der Straffen (ZE wenn ein Neger einen
weißen nur schlägt, so wird er schon leben-
dig verbrannd,) «sowohl davon abgehalten
als auch
», «i»<I>m Fall <%sie %sich in Kampf %mit %den %.Europäern einließen %und> «sie verspiel<t>en», «würden»
so würden sie nirgends eine Zuflucht fin-
den, weil die Amerikaner viel lieber
einen «w»<W>eißen als einen «s»<S>chwarzen leiden
mögen, und die«selben» <leztern> ohnfehlbar tödten wür-
den. Es schaffen sich aber viele von ihnen
durch den SelbstMord aus der Welt indem
sie glauben, daß sobald sie <in der Fremde> «an einem
Orte
» sterben, sie in ihrem Vaterlande wie-
der auferstehen, wovon sie auch gar nicht
«davon» abgebracht werden können. Was
die Gallits anbetrift, so ist auch die Art
ihren König zu wählen, merkwürdig,
welcher <%nemlich> bey seiner Wahl alle Arten von
Schmertzen, Hunger, Geißeln etc. mit der
größesten «u»<U>nempfindlichkeit aushalten
muß.

/6.

|P_291

/6. Das Missions-Land in welchem die Jesuiten
die Regierung führen, und es von den Wil-
den anbauen laßen, wobey sie ihnen zwar
Ausspeisungen machen, aber nichts von ihre«r» <m Vermögen>
«Rente» zu kommen laßen, und überhaupt
mit <ihnen als mit> Kindern umgehen. «Doch aber o»<O>bgleich
sie dieselbe<n> mit der größesten Mühe zu unter-
richten suchen, <so bleiben> sie dennoch mehrentheils so
einfältig «bleiben» wie vorher. Das Zählen
«beynahe selbst» <z. B.> ist ihnen fast unmöglich, weil
sie von der Zahl 3 schon eine Berechnung
von 6 Silben haben, wie man überhaupt
bey ihnen eine solche langsylbigte «Straffe» <Sprache>
bemerkt, welches alles doch zeiget, daß bey
ihnen würklich eine schlechtere Fähigkeit
als bey andern rohen Menschen anzutref-
fen ist.

/(Was die MeerEnge e»noma <«anama»> anbetrift, so
findet man daselbst sehr viele Albinos
und) «in» <In> den <einig>«übrig»en Provinzen <%.von Amerika gibt es> Nationen
die Menschen freßen, wie auch auf der Insell
Lucia die Caraiben die <jedoch> jezt bis auf einen
sehr kleinen Ort <aus>gerottet sind. In Lima
wird besonders ein sehr großer Aufwand, und
mehr Staat als in Europa getrieben. Doch
sind die Moden etwas verändert ZE daß
die Frauenzimmer Tobak rauchen. Havana

/ist

|P_292

/ist das Rende-vous von allen Schiffen, die
nach Europa gehen wollen, und Barbados
«die» <%.das> den Holländern gehöret, unter den
kleinen Inseln die beste

/In Nord Amerika sehen sich die Leute ziemlich
ähnlich «aus», und nennen sich auch im Frieden
Brüder unter einander. Ihre größeste
Tugend setzen sie in d«er»<ie> Tapferkeit und in
der Ausübung der Rache, wenn sie belei-
digt worden, (wobey sie dennoch solches
nur allein durch die Ehre und nicht
durch die Gewalt erzwingen, sondern
ihnen vielmehr völlige Freyheit laßen, wel-
ches doch anzeigt, daß Kinder bey der ihnen
noch gelaßenen Freyheit beßer, als ge-
zwungen gerathen.) Ihre Art Mensche zu
eßen ist folgende: Sie verzehren keine
todte Menschen, auch lebendige nicht mit
großem Appetite, wie solches überhaupt
keine Nation thut, sondern nur ihre Feinde,
welche mit gewißen Solennitaeten geschlach-
tet werden. Wenn sie in den Krieg ge-
hen, so hauen sie ihre Axt in den Baum, und
tantzen um ihn herum, wodurch sie sich zu
Kriegen obligiren, überfallen ihren Feind,
welches sie beständig thun, indem sie dazu

/in

|P_293

/in ihrer Jugend allerhand Künste gelernet haben ZE
an einem troknen Bo«te»<den> die Fußstapfen eines
Menschen zu erkennen, ob es eine Frauens- oder
Mannes-Person, und von welcher Nation «er» <die Person>
gewesen, «und weil sie sich auch z» <Z>u ordentlichen
Treffen «nicht» bequemen <%sie %sich %nicht> «wollen»: <sie> führen <@%nur@> diejenigen
die sie lebendig gefangen haben, gebunden mit
sie, die sie «nachgehends» bey ihrer Rükkunft den
Wittwen, die ihren Mann verlohren haben, dem
Vater, der seinen Sohn eingebüßt, vorstellen, und
wenn sie ihnen gefallen, diese (ihren mit Vam-
pons besezten Gürtel umnechen, und) in ihre
Nation aufnehmen; w«o»<enn dies> aber «solches» nicht ge-
schiehet, <%werden %sie> bis zu einem Tage, an welchem die
Exsecution vor sich geht, wohlgehalten, und
dann an einen Pfahl angebunden «werden»
an welchem die Gefangnen, d«em»<ie> zwar melan-
cholischen aber hochtrabenden Todten-«einen»
Gesang anstimmen, und die Freyheit haben, sich
zulezt mit denen Steinen, die um sie herum
geleget werden, zu wehren, hierauf quält
man sie ganz langsam <zu Tode> z. B. sie schlagen ihnen
Höltzer unter die Nägel, hacken das Fleisch
in Stüken, und essen es auf «zu Tode», <dann> wirft %.man
sie in den KriegesKessel, und verzehret sie,
blo«s»<ß> um die Familie<n> zu rächen, wobey aber

/der

|P_294

/der Gefangene nicht den geringsten Grad
der Empfindlichkeit bey Verlust seiner Ehre
welches er auch gewiß nicht thut») äußern
«muß» <wird>.

/Alle NordAmerikaner spielen zwar <gern> in ihrer
Jugend, werden aber von ihrem 20ten Jahre
an sehr melancholisch, und ob sie zwar ihre
Frauen, als Hausthiere ansehen, so ist ihnen
dennoch, weil sie an dem Kriege Antheil
nehmen, erlaubt, unter sich Rath zu halten,
ob der Krieg vor sich gehen soll oder nicht.
Sie haben keinen Oberherrn, sondern sind
alle unter einander gleich, wählen sich aber
dennoch einen Anführer. Der Mord wird
unter ihnen nicht bestraft, wird auch selten be-
gangen, weil alsdenn des Erschlagenen Familie
so lange «incliniret» <%auf Rache sinnt>, bis der Totschläger gleich-
fals ins Reich der Todten über«gehen»<gegangen ist> «muß».
Die Neger«s» verfallen jezt auch auf eine
Art von Tapferkeit, wobey sie, «ein» <um> Sieges-
zeichen zu erlangen, erschrekliche Verwü-
stungen anrichten.

/Sonst«en» aber bemerket man überhaupt, daß
die Wilden sich sehr unter einander ähnlich seyn,
welcher Umstand die original-Triebe des Men-
schen einigermaaßen entdeken könnte. Ihre Freund-

/schaft

|P_295

/schaft ist weit Fantas«ti»tischer <fanatischer> als die Europäische; <%sie>
«und» hegen besonders gegen den Diebstall gro-
ßen Abscheu, wobey man dennoch bemerket,
daß sie keinen am Leben strafen, son-
dern nur nach der Größe dieses Verbre-
chens bald mit Abnehmung einzelner Finger
bald der ganzen Hand, den«selben» <Dieb> bestraffen.
Man lebet unter ihnen, wie überhaupt un-
ter allen räuberischen Nationen, sehr sicher,
weil sie ihre RaubBegierde nur auswärts
zu befriedigen suchen, daher die innere Ruhe
doch erhalten wird. Es äußern auch die Ein-
wohner von Nord Amerika «unter allen» <wie die andern> ameri-
kanischen Völkern einen großen Verstand.
Das Friedenszeichen ist bey ihnen eine mit
Laub umwundene Pfeiffe, welche in der
ganze<n> Gesellschaft herumgetragen wird
und das Caelurth genandt wird. Ihr größe-
ster Reichthum bestehet in Thier- und Biber-
Fellen, wo«von»<für> sie wiederum einen Kessel
ein Schieß Gewehr, ein Meßer, ein Hemde,
Brandwein, zinober zu«m»<r> «s»<S>chminke«n», einen Spie-
gel und ein Brennglas, einzutauschen suchen.
Die Einwohner dieser Länder leben vo«n»<m> «dem»
Mays oder Türkischen Weitzen, und dann
von der Jagd. (Weil aber zu der Jägerey

/ein

|P_296

/ein weitläuftiges Terrein erfordert wird *1 «dieses
die Einwohner nach und nach einnehmen, und dadurch
schwächen
» ferner auch) <Weil> d«en»<ie> dasigen Einwohner«n»
den BrandWein kennen gele«hr»<rnt haben> welchen sie
jezt so stark sauffen, daß «sie sich beym völligen <die mehrsten ihre %Gesundheit %untergrab>
Ueberfluße den ohnfehlbaren Tod zuziehen
werden
», und dadurch «sie» zur Jäg«erey»<d> un-
geschikt gemacht worden, hiernächts auch die
KinderPoken <%unter ihnen %sich %ausgebreitet haben> «eingeführet» so kann man sicherlich
behaupten, daß die Einwohner in Europa denen
Nordamerikanischen Nationen «wenigstens» <%nur> zum
Unglük hingekommen sind, <%und> daß mit der Zeit
diese Nationen ausgehen werden, da die Frau-
ensPersonen, die Kinder, wenn sie schon groß
sind«,» saugen, in welcher Zeit sie doch gar
keine Kinder gebähren können.

/Nordwarts vom Laurentius Strohm wohnen die
Esquimaux, welche die Franzosen als eine sehr
grausame, trozige und halsstarrige: die
Engländer aber als eine sehr milde Nation
beschreiben. Es ist aber auch ganz naturlich,
daß das Betragen dieser Völker sich bestän-
dig nach der Aufführung der Ankömmlinge
richten werde. Ihr Unterhalt ist sehr kümmerlich,
weil sie von nichts als von der Jagd leben, und
um sich vor dem Hunger zu «ernähren» <schützen>, öfters

/etliche

|P_296R

/δ_Z_1

/<*1 %und die Indianer %dadurch in
häufige Kriege gerathen>

|P_297

/etliche 100 Meilen in dem größesten Froste rei-
sen müßen; <%.sie> haben keine Caballen, wes-
wegen sie ihre ganze Familie mit sich auf
die Jagd nehmen, und wenn ein oder die
andere Person von ihnen nicht fortkommen
kann; so ist die Beraubung ihres Lebens d«er»<ie>
gewißeste <Folge> «@Tod@». (Die Art durch angestekten
Schwefel die Gesinnungen des Frauenzimmers
ob sie die Mannes Person haben wolle oder nicht
die dieses Mineral in ihrem Bette hält, ist bey
ihnen zu merken, und wird das Auslöschen
dieses Schwefellichtes für ein Zeichen der Wohl-
gewogenheit gehalten.)

/Die Grönländer sind von kleiner Statur; <%.sie> ha-
ben schwartze Haare, worinnen sie mit den <übrigen>
<%südlichen> Indianern übereinkommen. Sie nähren sich
von lauter Fischen, und besonders von Seehunden-
Fleisch. Man findet bey ihnen überhaupt einen
großen Grad der Hitze in ihrem Blut, daher«o»
einige von ihnen in Einer Cabane beisammen
in dem größesten Frost, eine solche Hitze her-
vorbringen, daß <%einem %.Europäer> der Schweiß ausbricht, wel-
ches vielleicht von den Fettigkeit des See-
hundfleisches herkommen mag, da nemlich
das Oehl <desselben> das Austroknen verhindert«,». <die %.Austroknen bringt sonst>
«sonst» die Kälte hervorbringt, welches man
daraus schon, daß ein Barrometer, wenn e«r»<s>

/in

|P_297R

/δ_Z_27

/<vorher befeuchtet,
%und %mit Wasser gefüllt ist,>

|P_298

/in den Wind gesetzet wird, «wenn es vorher
befeuchtet worden, und mit Waßer innwen-
dig ausgefüllet,
» dieses Waßer in «ihm» <demselben> «gefallen» ;<fällt>.
Diese Nation hat vorher«o» ohne Saltz gelebet;
ha«ben»<t> kein Graß, außer dem, welches auf den
alten Mauern der Kirchen <wächst> «das» <was> doch auf die
Vermuthung bringt, daß dieses Land vorher«o»
«sehr» <mehr> bewohnt gewesen «seyn muß» <ist>) und einen
sehr beträchtlichen Artikel ihres Handels aus-
macht. Ihre Cabanen haben kein schräges
Dach, und sind deswegen, weil sie nur mit
Rasen bedekt sind, dem Regen selbst expo-
nirt. Ihr<e> Mannsböte heißen Caiaken; <«s» und> haben
eine ziemlich große Länge; «um» <über> diese span-
nen die Einwohner «ein» Seehundsfell«e»,*1 so
*2 daß nur der Kopf <des Fahrenden> hervorragen kann,
damit kein Waßer hineindringen möge
«welches u» <U>m <die %Kähne> zu regieren, <brauchen> sie einen Rie-
men statt des Ruders «gebrauchen, und
welches wegen der Structur des Kahnes
nothwendig ist, w
» <W>eil <nun> die Caiake<n> zuweilen
umschläg«t»<en>, so werden bey ihnen viele Kunst-
Griffe, sich vermittelst dieses Riemens wieder
empor zu schwingen, erfordert, und man
bemerkt, daß das zuschauen einer solchen Noth
bey «ihnen» (den Einwohnern) ein Lachen erweket
welches anzeiget, <wie> die Menschen die beständig in Ge-

/fahr

|P_299

/Gefahr sind, kein Mitleiden haben. Sie empfin-
den keinen Ekel «für» <vor> dem Gestank, und «der» das
Frauenzimmer wird im wilden Zustande <der %.Menschen>
wie ein Hausthier angesehen«,»<.> «i»<I>n einem ver-
feinerten und gesitteten Leben aber <%wird es> sehr hoch
gehalten «wird», so daß es sogar Befehle aus«geben»<theilen>
kann, da «doch» die naur Fähigkeiten in ihnen
«schon» <ebenfalls> liegen, und nur nach dem verfeiner-
ten Geschmak entwickelt werden«,»<.> «so» <Dies> könnte
«dieses» zum Nachdenken, über den Unterschie
von diesen beyden Gattungen «von» <der> Zustän-
den«,» anreitzen. Die Weiber haben gleichfals
Kähne, die aber von den Mannsbooten
ganz unterschieden sind. Ihr Holtz, wel-
ches sie <%durch %.das Meer> «aus dem Waßer» bekommen, ge-
brauchen sie zu ihren Cabanen, Caiaken, Ru-
dern etc. zum brennen aber gebrauchen sie
Seehundsfett, und dürres Mooß, wovon
sie eine Art Lampen machen, indem sie
«vorerwehnte» <diese> Materie<n> in den Tropfstein, wel-
cher ein sehr weicher Stein ist, statt <wie in> eine«s»<n>
Keßel«s» werfen.

|P_300

/Prolegomena %der %.physischen Geographie Pag. 1
/Mathematische Geographie 7
/Von %der %.physischen Geographie %selbst 14
/Ebbe und Fluth 47
/Vom Lande 53
/Von %den %unbekannten Ländern 56
/Inseln 64
/Das Bauwerk des festen Landes 66
/Von den Bergen 68
/Hölen 77
/Erdbeben 81
/feuerspeiende Bergen 86
/dem Wasser, %.das zum festen Lande gehört 90
/die Quellen 94
/%nach der Beschaffenh%eit des «festen Landes» <Wassers> 97
/Flüsse 109
/Land-Seen und Morräste 117
/Die Luft 118
/Die Winde 129
/Die Winde %nach ihrer Qualität, %Feuchtigkeit, %Trokenheit, Wärme, Kälte, %Gesundheit 130
/Von den Verhältnisen der Witterungen zu den Jahreszeiten, Klimaten %und Landstrichen 136
/Plan %.von der alten %Geschichte der Erde 144
/Bauwerk der Schiffe %und der Fahrt 160
/Paradoxon über den Weg der Erde 163
/Von der Gefahr des Schiffes 165

/Pars secunda. Articul. 1. %.Von %.den %.Menschen 167

/ ---------------- 2 - Thieren 191
/Fischen 211
/%Amphibien 222
/%Schaalenthieren 225
/Insekten 229
/Vögeln 231

|P_301

/Articul. 3. %.Von den Pflanzen 236
/4. %Mineralien 246
/5.Nationen, Charaktern, Sitten %und Gebräuchen %.verschiedener Völker 259

/δRest_leer