Geographie Busolt
SBB-PK: Ms germ quart 1296

Transkript: 25. September 2002
Fassung vom: 23. Januar 2006 / ... / 22.08.2011 /12.07.2016

Knopf

|P_0

/Posse: G. C. W. Busolt

|P_1

/ ≥ Die Phisische Geographie oder Natur-Beschreibung.

/Eine Vorlesung von Herrn Professor Kant.

/Nachgeschrieben in seinem Auditorio

/In Königsberg. ≤

|P_2 δleer

|P_3

/1. Die physische Geographie gehört zu einer Idee,
welche man die Vorübung in der Kentniß der
Welt nennen kann. Der Unterricht in derselben
scheint noch sehr zu fehlen. Sie ist dieienige von
der man bey allen Verhältnißen, in die man
in der Welt kommen kan, nüzlichen Gebrauch
machen kan. Wir anticipiren hier unsere
künftige Erfarung, die wir hernach in der Welt
haben werden, durch disen Unterricht %.und allge-
meinen Abriß; der uns einen Vorbegriff von
allem giebt.

/2. Von demienigen, der viel gereißt ist, sagt man,
Er hat die Welt gesehen, aber zur Kentniß der
Welt gehört mehr als die Welt sehen. Wer von
seinen Reisen einen Nutzen haben will, der
muß schon zum voraus einen Plan zu seiner
Reise haben, indem der der ohne alle Begrif-
fe reiset, die Welt nur als einen Gegenstand
des äussern Sinnes ansieht und nicht den
geringsten Nutzen hat von diser Ansicht.

/3. Wenn wir von der Welt reden, so betrift sol-
ches entweder den Gegenstand des äussern
Sinnes und das ist die Natur, oder den
Gegenstand des innern Sinnes und dis ist
die Seele oder der Mensch. Die Kentniß
des Menschen enthält den Begriff aller den-
kenden Wesen. Der Umgang mit den

/ M

|P_4

/Menschen erweitert also unsere Kentnisse. Zur
Kentniß der Welt gehört also die Kentniß des
Menschen und dises zeigt die Antropologie. Hier
wird nicht gesehen, was in dem Menschen
speculativ sondern was in ihm pragmatisch ist.

/4. Es fehlt noch immer an Unterweisungen, alle
Erkentnisse, die man sich erworben hat, in
Ausübung zu bringen und einen seinem Ver-
stande und seinen Verhältnissen gemässen
Gebrauch zu machen, das ist, allen unseren Er-
kentnissen das pragmatische zu geben %.und die-
ses ist die Kentniß der Welt.

/5. Die Welt ist das Substratum %.und der Schauplaz
wo das Spiel unserer Geschicklichkeit vor sich
geht. Es ist der Boden, wo unsere Erkent-
nisse erworben und angewandt werden.
Damit aber dasienige könne in Ausübung
gebracht werden, von dem der Verstand
sagt, daß es geschehen soll; so muß man zu-
vor die Beschaffenheit des Subiects kennen
weil dises nicht eher angeht, als bis man
den Menschen kennen lernet, in dem solches
hervorgebracht werden soll.

/6. Ferner müssen wir im Gantzen die Gegenstän-
de unserer Erfarung kennen lernen, so daß
unsere Kenntnisse kein Aggregat sondern
ein Systehm ausmachen; denn im Systehm @ist@
das Gantze eher als die Theile, im Aggregat
aber die Theile eher als das Gantze. Im

/ Systehm muß

|P_5

/muß also das Gantze vorhergehen, und so ist es
mit allen Wissenschafften beschaffen, die in uns
eine Verknüpfung hervorbringen, als die En-
cyclopädien, wo das Gantze erst im Zusammen-
hange erscheint.

/7. Eine Idee ist architectonisch, die Wissenschafften
schafft, die abstrahirte aber sezt schon Kent-
nisse zum voraus. Wer ein Hauß bauen
will, der macht sich erst vom Gantzen eine
Idee. Aus diser Idee werden hernach alle
Theile abgeleitet.

/8. Dise Vorbereitung ist also auch eine Idee von
der Kentnis der Welt. Ich mache mir einen
architectonischen Begriff, dis ist ein Begriff,
worin das Mannigfaltige aus dem Gantzen
hergezogen wird. Das Gantze ist hier die
Welt, der Schauplatz, wo ich alle Erfarun-
gen anstellen werde. Umgang %.und Reisen
sind dieienigen Hülfsmittel, wodurch ich
meine Erkentnisse und den Umgang der-
selben erweitere. Umgang lehrt mich die
Menschen kennen. Dazu gehört aber viele
Zeit, den Menschen kennen zu lernen.
Wenn wir aber durch Unterweisungen «schon»
vorbereitet sind, so haben wir bereits
ein Gantzes, einen Inbegriff von Kentnissen
die mich den Menschen kennen lehren und
nun können wir iede Erfarung in ihre
Classe setzen. Durch Reisen erweitert man

|P_6

/die Kenntnisse der äussern Welt, welches aber
von wenigem Nutzen ist. Wenn man also von je-
manden sagt, Er kennt die Welt, so versteth man
dadurch, daß er den Menschen kenne, und das
heißt, die Natur des Menschen kennen.

/9. Das zweyte Stück der WeltKentniß ist die
Kentniß der Natur, und dises lehrte mich die
physische Geographie.

/Von den Sinnen fangen sich die Kentnisse an.
Sie geben uns die Materie, wozu die Ver-
nunfft nur neue Formen giebt. Der Grund
von allen Kentnissen liegt also in den Sinnen
und der Erfarung und zwar in der eignen
oder in der fremden Erfarung. Wir sollten
uns wohl nur mit unserer eignen Erfa-
rung beschäfftigen; aber als denn könnten wir
unsere Kenntnisse nicht so erweitern. Un-
sere Kentnisse erweitern wir aber durch
Nachrichten eben so, als wenn wir in den gan-
tzen vorigen Welt gelebt hätten. Wir er-
weitern unsere Kentnisse der gegen-
wärtigen Zeit durch Nachrichten aus frem-
den Ländern so, als wenn wir selbst da wä-
ren. Es sind also 2 Stücke

/Geschichte und Geographie in Ansehung der
Zeit und des Raumes.

/In Ansehung beyder nimmt ein jeder einen
kleinen Theil ein, und der Umfang sei-
ner Kentnisse durch seine eigne Erfa- 

/ rung würde

|P_7

/würde sehr klein seyn. Er erweitert dise aber durch
fremde Nachrichten. Die Geschichte betrifft die
Nachrichten und Begebenheiten, die in Anse-
hung der Zeit sich nach einander zugetragen
haben. Geschichte ist eine Erzählung, Geographie
eine Beschreibung dessen, das zu gleicher Zeit
im Raum neben einander ist. Daher ha-
ben wir eine Naturbeschreibung, nicht eine
Natur_Geschichte. Diser Nahme den einige brau-
chen ist sehr falsch, und indem wir nur
den Nahmen haben, glauben wir, die Sache
auch zu haben und kein Mensch denkt daran,
an einer NaturGeschichte zu arbeiten.

/Die Geschichte der Natur enthält das Mannigfal-
tige der Geographie, so wie sie in verschiedenen
Zeiten gewesen ist, aber nicht, wie sie jetzt
zu gleicher Zeit geschiehet, denn dises ist die Na-
turbeschreibung. Wenn ich über die Begeben-
heiten der gantzen Natur, wie sie zu allen
Zeiten beschaffen gewesen, vortrage so lie-
fere ich eine NaturGeschichte. Als wenn ich
betrachte, wie die verschiedenen Racen der
Hunde aus vielen Umständen etwa der Lufft,
der Erde, aus einem Stamm entsprungen
und welche Veränderungen mit den Hunden
zu allen Zeiten vorgegangen, so wäre das
eine NaturGeschichte und dergleichen könnte
man von allen Stüken der Natur liefern

/ auch

|P_8

/auch von den Pflanzen. Allein sie hat das Be-
schwerliche an sich, daß man sie mehr durch Expe-
rimente %.und angestellte Versuche erraten müßte
als daß man eine genaue Nachricht von allem
geben könnte. Denn die Naturgeschichte ist so alt
wie die Welt und wir haben kaum von der
Zeit Nachrichten als man anfing zu schreiben.
Die Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit
von allen Sachen seit allen Zeiten zu beo-
bachten, das ist eine wahre Weltweißheit.
Wenn man die wilden Pferde in den Step-
pen zahm machen wollte, so würden das
sehr dauerhaffte Pferde werden. Man be-
merkt, daß Esel und Pferde aus einem
Stamm herkommen %.und daß das wilde Pferd in
den Steppen das Stampferd ist, denn es
hat lange Ohren wie der Esel. Das Schaaf
ist der Ziege ähnlich und die Cultur macht
darin nur den Unterschied %.und die Verschie-
denheit.

/Den vorigen Stand <Zustand> der Natur durchgehen,
was vor Veränderungen derselbe er-
litten, bemerken, das wäre also die Na-
turGeschichte. Wenn man aber den Titel
übel anbringt, so bemüht sich keiner
um die Sache, weil man glaubt man
hat sie schon.

/Die allgemeine Naturgeschichte ist zwei-
fach, Ein Systhema naturae oder lo- 

/ gische Be- 

|P_9

/Beschreibung und eine geographische Erdbe-
schreibung. δblank Die Stelle der Dinge unter
den Begriffen ist ein Systhema naturae oder
eine logische Einkleidung, hingegen die Stel-
le der Dinge in der Natur, in dem Um-
fang wo sie angetroffen werden, ist die
geographische Eintheilung. Als das Rinder
Geschlecht wird unter die 4füssigen Thiere
gezählt oder unter die mit gespaltenen
Klauen. Dises wäre eine Eintheilungn im
meinem Kopf folglich eine logische Ein-
theilung. Das Systhema naturae ist gleich-
sam eine Registratur des Gantzen. Hier
stell ich ein iedes Ding unter seinen
Titel, wenn gleich die Dinge in der Welt
in verschiedenen weit entlegenen Plätzen
sind. In der geographischen Eintheilung aber
werden sie nach den Stellen, die sie auf
der Erde einnehmen, betrachtet.

/Das Systhem weiset die Stelle an in der
KlassenEintheilung, die physische Geographie
weiset die Stelle an, wo sie würklich
auf der Erde zu finden sind. Als die
Eudexe %.und Crocodille sind einerley, denn
die Crocodille ist nur ein Ungeheuer
vom Eudex %.und man rechnet sie zu einer
Klasse, sie sind aber an verschiedenen

/ Orten

|P_10

/Orten. In Summa man betrachtet hier nur
den Schauplatz der Natur, die Erde selbst %.und
die würklichen Stellen, wo die Dinge anzutreffen
sind. Im NaturSysthem aber frägt man
nicht nach dem GeburtsOrt sondern nur
nach ähnlichen Gestalten.

/10. Es ist also die physische Geographie eine beson-
dere Disciplin und Wissenschafft, die auch dem
noch immer nöthig ist, der die ausgebreiteste
Kentnisse im NaturLehrgebäude hat. Die
Systhemata und Lehrgebäude die schon ge-
schrieben sind, möchte man lieber ein Ag-
gregat der Natur nennen als ein Systhem,
weil ein Systehm schon den Begrif des Gantzen
voraussezt, aus der die Mannigfaltigkeit der
Dinge abgeleitet wird. Eigentlich haben wir
noch kein Lehrgebäude der Natur, denn in
den jetzigen Lehrgebäuden sind die Dinge
nur geordnet und verglichen.

/ ≥ Die mathematische Geographie ≤

/11. Der Erdkörper ist eine Kugel, denn indem ich
von den übrigen Theilen der Erde abstrahire,
so ist ofenbar, daß darauf wie auf einer Kugel
kein Theil von dem übrigen unterschieden
ist. Allein die Erde hat eine Bewegung
von Abend gegen Morgen, womit sie ge-
wisse Puncte bezeichnet. Es sind darin 2
Puncte durch welche die Axe durchgehet und

/ dise

|P_11

/Umdrehung um ihre Axe ist zugleich die Ursach,
daß es scheint, als wenn die Sonne, Mond %.und Sterne
gegen Abend sich bewegen. Dises ist aber nur
eine scheinbare Richtung. Man kann sie sich vor-
stellen dadurch, daß wenn man auf einem
Schiff färth, das Schiff gleichfalls stille zu stehn
und das Ufer sich zu bewegen scheint.

/Dise beyde vesten Puncte heissen die Pole und
die Linie, die durch die Puncte durchgeth, wird
die Axe derselben genannt. Durch dise beyden
Pole kann man Cirkel ziehen, welche um die
gantze Erde herumgehen und dise Cirkel heis-
sen die meridiani. Kein Meridianus ist be-
stimmt, denn man kann unendlich viel Meridianos.
ziehen. δblank Wie zieht man den Meridianus.
Wenn wir dises beantworten wollen, kommen
wir zuvor auf einen andern Punct. In
der Mitte der Erde ist ein Mittelpunct. Zwischen
disem Mittelpunct der Erde und dem Punct wo
der Zuschauer steth, kann eine Linie gezogen wer-
den, wenn ich dise Linie bis an den Himmel ziehe,
so heißt diser Punct der Scheitelpunct, das Zenith.
Diser Punct correspondirt mit demienigen
auf dem der Zuschauer hier auf der Erde
steht. Der Cirkel der durch dises Zenith und
die beyden Pole der Erde geth, ist der Me-
ridianus dises Orts.

/Ieder Ort hat seinen Meridianum, doch können
auch viele Oerter einen haben. Ein ieder
Meridianus teilt die Erde in 2 Hälfften, da- 

/ von ~

|P_11R

/δZ_11

/Fig: 1.

/δZ_30

/Fig. 2 ~

|P_12

/davon die eine die östliche die andere die westliche
Hälffte genannt wird. Als wenn ich den Königs-
bergschen Meridian ziehe, so ist auf der einen
Seite Europa Africa %.und ein großer Theil von
Asien auf der östlichen aber «¿¿¿» Africa und
gantz America. Die Oerter, die alle unter
einerley Meridiano liegen, sind nicht in Osten
und Westen sondern in Süden und Norden
unterschieden, denn wenn ein Ort dem Südpol
näher liegt, so ist er in Süden unterschieden,
wie das Vorgebürge der guten Hofnung von
Königsberg, und wenn er dem Nordpol näher
liegt, dann ist er in Norden unterschieden,
wie Stokholm von Königsberg.

/ ≥ In dem Meridiano sind 2 Theile ≤

/Der Meridianus des Ortes selbst, und
der antipodische Meridianus weil er durch
die Gegenfüßner des Orts auf der andern
Seite geth. Wenn die Sonne am höchsten
steth, das ist, wenn bey uns Mittag ist, denn
ist die Sonne in unserem Meridiano, wo als denn
die Hälffte nach Morgen zu so groß ist als die
andern nach Abend. Wenn bey uns Mitter-
nacht ist, so steth die Sonne in dem antipodi-
schen Meridiano, wo sich dann wider die Hälfte
nach Morgen und nach Abend gleich ist.

/Alle Oerter deren Lage in Osten %.und Westen
unterschieden ist, die haben verschiedene

/ Meridiane

|P_13

/Meridiane, aber die Oerter, deren Lage in Norden
und Süden unterschieden ist, die haben einerley
Meridiane. Der Meridianus ist durch nichts
anders bestimmt als durch die Umdrehung der
Erde um ihre Axe und durch die beyden Pole,
doch wird durch ihre Umdrehung noch ein dritter
Punct bestimmt, der von den beyden Polen
gleich weit entfernt ist. Der Cirkel der
von den beyden Polen gleich weit absteht,
teilt die Erde auch in 2 Theile wie der Cirkel
der durch die beyden Pole gezogen worden,
diselbe in 2 Theile theilet, nur mit dem Un-
terschied, daß durch die beyden Pole viele
Meridiane, hier aber nun ein eintziger Cirkel
gezogen werden kan. Diser Cirkel heißt der
Aequator.

/Der Aequator teilt die Erde in die südliche %.und
in die nordliche Hälffte. Beyde Hälfften heis-
sen Hemisperia, Halbkugeln.

/Man kann auch den Meridianum ein Hemi-
spherium nennen, er wird aber alsdenn nicht
durch die Natur sondern willkührlich bestimmt.
Der Aequator ist ein eintziger Cirkel, der-
gleichen es mehrere nicht gibt. Die Oer-
ter, die unter dem Meridiano liegen, die
sind in Norden %.und Süden gar nicht unterschie-
den sondern nur in Osten und Westen. Da

/ dises

|P_14

/dises ist, so dient der Aequator dazu, die Lage der Erde
in Osten und Westen zu bestimmen %.und zu unterscheiden.

/Einen ieden Zirkel kann man in 360 Theile
teilen. Dise Theile heißen Grade. Der Aequator
in 360 Theile geteilt kann «dazu» dienen, den Un-
terschied der Oerter anzuzeigen.

/Man tuth solches auf folgende Weise, δblank

/Man zieth durch 2 solche Oerter, deren Unterschied
man bemerken will, die Meridianen %.und
bemerkt, wo sie den Aequator durchschneiden,
die Anzahl der Grade auf dem Bogen, der
zwischen disen beyden Meridianen liegt,
ist der Unterschied wie viel ein Ort von dem
andern unterschieden ist.

/Die Pole sind die beyden Puncte, die der Na-
tur nach bestimmt sind; aber δblank

/Der Meridian hat «aber» keinen bestimmten
Ort sondern man hat einen beliebigen Punct
angenommen und zwar die Insel Ferro. Die
Franzosen machten den Anfang die Grade von
diser Insel zu zählen. Iezt fängt man an,
von Paris die Grade zu zählen %.und zwar von
Westen nach Osten. Die Engländer zählen die
Grade <des Meridians> vom Observatorio zu Gronisch ohnweit
London. Es wäre dienlich, daß diser
Mißbrauch des Meridians aufgehoben würde

/ und

|P_15

/die Gelehrten einstimmig einen Punct vestsezten
der iezt willkührlich von einem ieden ange-
nommen wird. Alsdenn würde man nicht
nöthig haben, die Grade so vielmahl zu
widerrufen. Man hat also 2 Zirkel, die
einander unter einem rechten Winkel
durchkreutzen.

/Alle Grade des Aequators heissen Grade
Der Breite und alle Grade auf dem Meri-
dian heissen Grade der Länge. Die Breite
des Orts bedeutet die Entfernung des Orts
vom Aequator. Dise finde ich durch d«ie»en Bo-
gen des Meridians, der zwischen dem
Aequator und dem gegebenen Ort ist.
Da nun der Aequator die Erde in 2
Theile teilet, so hat man auch 2 Breiten
Die nordliche %.und südliche Breite.

/Wenn ich mich auf der südlichen Halbkugel
befinde, so sehe ich die Sonne zur rechten Hand
aufgehen und Mittag gegen Norden be-
finde ich mich aber auf der nordlichen
Halbkugel, denn sehe ich die Sonne in Osten
zur linken Hand, Westen zur rechten
Hand und das Gesicht hat man dahin ge-
richtet, wo die Sonne im Mittage ist. Die
Oerter, welche im südlichen Theile liegen,

/ haben

|P_16

/haben eine südliche und die im nordlichen
Theile liegen eine nordliche Breite. Die
möglichst größte Seite ist 90 Grad und
dise haben die beyden Pole. Der Ort vom
Aequator selbst hat keine Breite. Um die
Länge der Oerter zu wissen, muß ich einen
ersten Meridian haben und von demselben
zähle ich die Grade aus dem Aequator von
Westen nach Osten bis zu dem Meridian
der zu dem gegebenen Ort geth. Dise Länge
muß westlich gezält werden, sonst ist es
eine große Verwirrung, wenn man sie
östlich zählt. Als Philadelphia hat 40
Grad westliche Breite, wenn ich aber die
Grade der Länge von Osten nach Westen
ziehe, so sinds 320 Grad, welches ein großer
Unterscheid ist. Der Aequator macht es
möglich, daß ich viele Zirkel die mit ihm
paralell laufen, ziehen kan. Dise heissen
circuli parallelii diurni, indem inner-
halb 24 Stunden, da sich die Erde um
ihre Axe dreht, ieder Ort einen mit
dem Aequator paralelen Zirkel beschreibt.
Zwischen disen parallelen Zirkeln sind

/ die

|P_17

/die Abtheilungen der Erde enthalten, welche heissen
Climata. Oerter die unter einem parallelen
Zirkel liegen, haben einerley Breite und
unter sich einerley Clima und Himmelsstrich,
aber die Oerter, die unter einerley Meridiano
liegen, die liegen doch im verschiedenen Him-
melsstrichen %.und Climatibus. Die Himmelsstriche
und Climata sind also nach dem Unterscheid
der Paralellzirkel auch verschieden.

/Die Oerter, die unter einem Meridian liegen,
haben zu gleicher Zeit Mittag; als Königsberg
und das Vorgebürge der guten Hofnung,
aber die Oerter die unter einerley paralel
Zirkel liegen, haben nicht gleiche Mittags
zeit sondern gleiche TagesLänge.

/Die Alten haben die Erde in unzählige
Climata eingeteilet und zwar wurde der
Ort, dessen Tag eine Stunde länger war als
der längste, zum zweyten Clima gezählet.
Iezt kommen wir an den IahresZirkel und
den theilt man in 4 Theile.

/Die Erde bewegt sich in einer Zirkellinie
in deren Mittelpunct die Sonne ist. Wenn
die Axe der Erde mit der Fläche ihrer Lauf
Bahn einen rechten Winkel machen möchte
oder auf derselben perpendiculair stehen
möchte; so möchte iederzeit ein Aequinocti

/ um seyn

|P_18

/seyn, denn die Sonne wäre beständig im Aequa-
tor. Die Axe der Erde reicht aber von der
perpendicularen Stellung auf der Fläche der
Laufbahn 23_1/2 Grad ab und hieraus folgt, daß
eine Halbkugel zu einer Iahreszeit mehr
von der Sonne absteth als die andere, die
zugekehrt ist.

/Mit der Bewegung der Erde um die Axe %.und
um die Sonne hat es solche Bewandniß, daß
die Erde in der Bewegung um die Sonne alle-
mahl ihre Stellung behält, in 24 Stunden
dreht sie sich um ihre Axe und in einem
Iahr um die Sonne, den 21ten December ist
die südliche Seite der Sonne zugekehrt und
die nordliche abgekehrt, doch wird die südliche
noch bis zum Pol beschienen, den 21ten
Märtz steht die Sonne im Aequator %.und alle
Oerter auf der Erde haben Tag %.und Nacht gleich,
den 21then Iunius bescheint die Sonne den
größten Theil von Norden und wir haben
alsdenn den längsten Tag, den 21ten Sep-
tember steht die Sonne wider über dem
Aequator und alle Oerter auf der Erde
haben wider Tag und Nacht gleich. Die Iah-
reszeiten beruhen also auf der schieffen
Stellung der Axe der Erde auf der Fläche

/ der Laufbahn. Weil

|P_19

/Weil nun die schiefe Stellung der Oerter auf der
Fläche der Laufbahn 23_1/2 Grad ist, so hat man in
eben diser Breite vom Aequator 2 Zirkel
von beyden Seiten gezogen und dise Zirkel
heissen die Tropici. In der Weite von 23_1/2
Grad von beyden Polen sind die Polar-Zirkel.
Zwischen den Zirkeln der Tropicorum
bleibt die Sonne das Iahr hindurch. Die
Sonne ist an allen Orten der Tropicorum
wenigstens einen Tag im Iahr über dem
Scheitelpunct und alsdenn haben dise Oerter
innerhalb den Tropicis keinen Schatten.
Die Polarzirkel oder Angelkreise sind wir
die Tropici, nur haben die Polarzirkel
das besondere, daß Oerter unter demselben
wenigstens an einem Tage keinen Auf und
Untergang der Sonne haben. Ie näher sie
den Polen sind, desto mehr haben sie Tage,
da die Sonne nicht auf und untergeht.

/Zonen oder Erdkreise Erdgürtel Erdstriche
giebt es fünf,

/Der hitzige Erdkreiß

/Der gemässigte nordliche Erdkreiß

/Der gemässigte südliche Erdkreiß

/Der kalte nordliche, der kalte südliche
Erdstrich.

/ Von

|P_20

/ ≥ Von der physischen Geographie selbst ≤

/Die physische Geographie betrachtet

/Die Erde nach ihren Abteilungen

/Die Erdgeschöpfe.

/Wenn wir hier von der Erde reden, so denken
wir den Schauplatz und die verschiedenen
Fächer, wo wir hernach die verschiedenen
Erdgeschöpfe hinsetzen werden.

/ ≥ Vom Wasser ≤

¿¿» Das Wasser müssen wir hier nach dem
grossen Wasserbehalter dem Ocean betrach-
ten weil er als ein Ursprung und der
Grund von allen andern Wassern an-
gesehen wird. /δblank Hier wird gemerkt

/1. Ein Archipelagus ist ein Meer, welches vie-
le Inseln enthält. Der Ocean ist der
allgemeine Archipelagus, weil er alle Länder
der Erde einschließt. Der Ocean oder das Welt
Meer muß betrachtet werden als das erste
%.und folglich allerälteste Meer, weil es scheint
daß alles veste Land darunter gelegen hat
und sich von ihm der Ocean nur nach %.und nach
abgesondert zu haben scheinet. Der Ocean oder
Weltmeer muß unterschieden werden von

/ dem ~

|P_20R

/δZ_17

/Fig. 4 ~

|P_21

/dem mittelländischen Meer zwischen Europa und
Africa. Ein Meer nennt man eine See, die salzi-
ges Wasser in sich enthält. Es giebt indes auch
Seen, die süsses Wasser haben %.und die es nicht vom
Weltmeer hernehmen.

/Ein Meer also welches einen grossen Theil vom
vesten Lande und verschiedenen Ländern einschliest,
heißt ein Archipelagus; ein Meer aber, welches vom
Lande eingeschlossen wird, heißt ein mittellän-
disches Meer. Ein solch Meer muß sein Wasser
aus dem Weltmeer haben %.und es muß seyn
saltzig. Das Kaspische oder todte Meer und
andere nennt man auch mittelländische Mee-
re. Ocean ist der Inbegriff aller der Gewässer
mit denen vorher die Erde bedeckt war. Das
Meer welches nicht ganz abgesondert ist vom
Ocean, nennt man ein solch Meer, das mit
ihm in Gemeinschaft steht.

/Der Ocean muß also nach seinen Abteilungen
betrachtet werden. Dise sind willkührlich. Der
Theil des Oceans der innerhalb der Polar-Cir-
keln liegt und die Theile des Oceans inner-
halb den kalten Zonen heissen das Eiß_Meer,
die Theile des Oceans innerhalb den gemässigten
Zonen haben besondere Nahmen %.und leiten
ihre Nahmen her von den Nahmen der Län-
der die allda liegen. Der Theil des Oceans

/ zwischen

|P_22

/der alten %.und neuen Welt, heißt das
atlantische Meer. Von der andern Seite von
Amerika ist der pacifische Ocean zu merken,
dessen Umfang so groß ist als alle Meere zusammen.

/2. Die Busen sind Vertiefungen des Meeres
ins Land. Hier wird ein Unterscheid gemacht
zwischen einer Bay und einem Golfo.

/Ein Golfo ist ein langer Busen, der sich wei-
ter ins Land erstrekt als er breit ist, ein
Bay ist ein Busen, der sich nicht so weit als
er breit ist, ins Land erstrekt. Die
mehresten Seehaffen sind in denen Bu-
sen, wo das Land Schutz giebt wider die
See am gewöhnlichsten.

/ ≥ Die merkwürdigsten Busen sind ≤

/In Europa

/Golfo di Venetia oder das adriatische Meer

/Golfo di Genua, Golfo di Biscaia,

/Der bottnische und finnische Meerbusen

/Das Kattegat zwischen Dennemark und Nor-
wegen

/Das mittelländische Meer sollte ein Busen
genannt werden; weil es aber durch die
Strasse bey Gibraltar mit dem «¿¿¿»Ocean
verbunden ist, so wird es als ein Meer
angegeben und gerechnet. ~

|P_22R

/δZ_6

/Fig._5. ~

|P_23

/In Asien

/Der Bengalische, Persische, Arabische, Sianische
Meerbusen, der Meerbusen von Ormus
Das rothe Meer.

/In Africa der Meerbusen von Bonino

/In America

/Der mexikanische Mee<r>busen. Er wird einge-
schlossen von der Linie, die man von Cuba
bis Lucatan ziehen kan %.und hat seine Oefnung
in der Spitze von Florida,

/Die Hutsons Bay,

/Die Bay aller Heiligen an Brasilien, wo
ein vortreflicher Hafen ist.

/Die Bay von Californien

/Der Busen von Bengalen

/3. Die Strassen. Die Strassen, durch welche man
aus einem Meer in das andere färth, heissen
auch MeerEngen. Sie sind in der Geographie
darum zu merken, weil es den Seefarern
bekand seyn muß, wo sie sicher ans Land
faren können und weil hier der Sitz der
Schiffart ist, indem man hier die mehresten
Hafen antrifft.

/Strassen sind die merkwürdigsten

/ In ~

|P_23R

/δZ_18

/Fig. 6. ~

|P_24

/In Europa

/Die Strasse von Gibraltar

/Pas de Calais zwischen England %.und Frankreich
Die Strasse zwischen Neapolis %.und Sicilien bey
Messina, in der viele Ströhme sind, von denen
hernach gesagt werden wird.

/Die Dardanellen

/Die Dardanellen in der Gegend von Gallipoli
die Strasse bey Caffa. Dise verbindet das - 
schwartze Meer mit dem Meer von Azow,
welches genannt wird Palus Meotis.

/Die Strasse bey Konstantinopel, die ins Meer
del_Marmora führt

/Die Strasse aus dem Kattegat in die Ostsee

/Der grosse und kleine Bellt

/Der St._Georgo Kanal zwischen England
und Irrland.

/In Asien

/Die Strasse bey Ormus, bey Molucka,
bey Sunda zwischen Iapan und Sumatra

/Die Strasse zwischen Asien %.und Afrika heißt Babel

/In Afrika

/Die Strasse bey Mosambique. Dise erfodert
die grösste Aufmerksamkeit der Seefahrer.

/In Americka

/Die Strasse zwischen Florida und Cuba heißt
Panahma.

/ Die

|P_25

/δXerox!

/Die Strasse Davis zwischen Grönland %.und einem wüsten <Lande>

/Die Hutsons Strasse

/Die magellanische Strasse, ohngefähr 80 Meilen
lang liegt zwischen der Spitze des Landes Pa-
tagonien und den Inseln, welche genannt wer
den Terra del Fuego.

/Die limerische Strasse zwischen Terra del
Fuego und einer andern kleinen Insel.

/ ≥ 13. ≤

/ ≥ Die Meere nach allgemeinen Merkwürdigkeiten ≤

/Das Meer ist eine Vertiefung des platten Landes.
Die Tiefe des Meers ist desto grösser, ie wei-
ter man sich von der Küste entfernt. Die größ
te Tiefe ist da, wo die Seite«n» der Küste steil
oder wie man in disem Verstande zu sagen
pflegt, kühr ist. Das Meer ist anzusehen als
ein Thal, wo sich das Wasser versammelt oder
als eine fortgesezte Landesfläche, die mit
Wasser überschwemmet ist. Der Seegrund ist «¿¿»
also anzusehen als ein fortgeseztes vestes
Land, das in der Nähe der Küste gleich ist. Die
Küsten gehen seichte, wenn das Land flach ist, wenn
aber das Land steil ist, dann ist das Meer auch
in der Nähe der Küste sehr tief. Der Schiffer
hat sich um dis alles recht stark zu bekümmern,

/ daß

|P_26

/daß er nicht Gefahr laufe, zu scheitern, so wie
auf jedes, was noch wird bemerkt werden.

/Africa hat eine sehr nachteilige Lage, weil längst
der Küste eine lange Bank ist, welche hindert,
daß man sich keinem Hafen sicher nähern kan.
Die westliche Küste von Amerika ist sehr steil
und hier sind die wenigsten Hafen. Norwegen
hat die meisten Hafen unter allen Ländern
der Welt, denn es sind hier allenthalben steile
Küsten, wo man sich dem Lande nähern kan.
Enge Meere sind gemeinhin untiefer als die
weiten Meere.

/Die Tiefe des Meeres wird nach Faden be-
stimmt. Ein Faden enthält 6 Fuß.

/Die grössten Tiefen richten sich

/Nach der Tiefe der See an den Küsten

/Nach der Höhe des Landes, das ihr am nächsten ist.
Der Graf Marselli [Marsigli] bestimmt die grösste Tiefe
des mittelländischen Meeres; «¿¿¿» dise hat es
an der Schweitz. Hieselbst sind die höchsten Ge-
bürge von Europa, die auf 1000 Faden be-
tragen. Das Meer, welches an die Insel Te

/ neriffa stösset

|P_27

/δXerox!

/stösset, wo sich der hohe Berg Pico d'Adam befindet, hat
eine Tiefe von 15.000 Faden. Das pacifische Meer
an der Küste von Peru beträgt auf 22.000 Werk
Schuh. Die Ostsee hingegen hat zu ihrer grössten
Tiefe 100 Faden, weil das Land gantz flach ist.

/Die grösste Tiefe von einem Meer, das zwischen
Ländern liegt, ist da zu suchen, wo das Land am
höchsten ist. Die grösste Tiefe der Nordsee ist zu
suchen zwischen England %.und Norwegen an der
Küste von Norwegen.

/An den Meeres_Küsten giebt es so genannte Bar-
ren, welches lange Bänke von Sand sind, die
am Lande hinlauffen und verhindern, daß
man nicht sicher anlanden kan. Es sind gleich
sam Riegel, die zum Eingang grosser Hafen
vorgeschoben sind. An der Küste von Afrika
ist eine solch lange Bank aufgeworffen von
Sand. An den Küsten von Indien %.und sonderlich
von Coromandel giebt es keine Hafen, weil
das Land flach und besonders weil daselbst
viele Sandbänke sind. Von England an bis an
die Küste von Iütland erstrekt sich auch eine
Bank, die man die DoggersBank nennet. Hier

/ fängt

|P_28

/fängt man viele Stokfische.

/Mitten im Ocean giebt es tieffen Untiefen
Leim Sand und FelsenBanke.

/Auf solchen Banken kan man ankern.

/Zum Ankerplatz wird erfodert,

/1. daß der Meeresstand nicht zu tief sey. Ein
Schiff über einer Tiefe von 50 Faden kan
nicht mehr vor Anker liegen bequem.

/2. daß der Seegrund weich sey, daß der Anker den
Boden fasse, doch muß er auch nicht zu weich
seyn, daß der Anker nicht versinke in demsel-
ben. Insonderheit muß man sich hüten, an
solchen Stellen zu ankern, wo Steine %.und viele
Korallen sind, denn hier werden die Anker
thaue zerrieben %.und die Schife geraten in
grosse Gefahr. δblank Es giebt auch Morräste in
der See, wo der geworffne Anker versinkt.
An den Banken ist auch gefährlich zu ankern,
weil die See hier sehr ungestühm ist, indem
das Wasser an den Banken gebrochen wird.
Diserhalb ankert man am liebsten an den
Küsten und solche Stellen nennt man Reehden.
Sie sind gemeinhin von Sandbänken eingeschlos-
sen, daß sie gegen die ungestühme See und
die Stürme gesperret sind. Bey England

/ ist ~

|P_28R

/δZ_4

/Fig. 7. ~

|P_29

/δXerox!

/ist eine grosse Reehde, sie heißt die Dünner und
liegt zwischen Dover und Sandwich.

/Der Seegrund ist sehr ungleich aber dem vesten
Lande so sehr ähnlich, daß man glauben sollte, daß
es vorher selbst vestes Land gewesen, welches
hernach gesunken %.und vom Wasser überschwemmet
worden. Es giebt auf demselben Schichten, Ber
ge Reihen von Bergen, Gebürge wie auf dem
vesten Lande.

/Den Seegrund untersucht und prüft man durch
Loth, welches 30 %Pfund schwer ist gemeinhin, doch
vermindert man auch seine Schwere ohngefehr
um 10 %Pfund. Dises Loth ist in der Form eines
Zukerhuths gemacht, inwendig etwas ausgehö@lt.@
Dise Aushöhlung beschmiert man mit Fett,
daß sich daran die Materie des Seegrundes als
Sand Korallen Leim anhängen können.

/Man hat auch Taucher, die geradezu oder unter
einer Gloke unter das Wasser gehen. Durch sie
erfärt man die Tiefe und Beschaffenheit des
Meeres und man braucht sie auch zur Perlen
Fischerey. Die Einwoner auf den maldivischen
Inseln legen sich von Iugend auf recht stark
auf das Tauchen.

/ Am

|P_30

/Am stärksten wird die Perlenfischerey getrieben
an der Küste von Californien und in dem
persischen Meerbusen.

/Sehr oft sonderlich bey der Insel Ceylon erstech@en@
sich die Taucher mit Messern unter dem
Wasser, wenn der eine die Perlen des anderen
nimmt von einem zusammengelegten Hauffen.
Die Taucher_Gloke ist eine Erfindung von gros-
ser Wichtigkeit. Sie ist von Holtz unten mit
Leim vergossen %.und hat am Boden eine Bley-
Kugel bevestiget, daß sie perpendiculair
und mit der grössten Geschwindigkeit an
den Seeboden falle. An den Seiten ist eine
oder mehrere Oefnungen mit starkem
Glase versezt, daß durch sie das Licht hinein
fallen könne. Der Taucher muß oben in der
Gloke sitzen, weil das Wasser in die Gloke
dringt und desto höher steigt ie tiefer sie @her@-
unter gelassen wird, doch nicht gantz bis
an die oberste Spitze der Gloke, weil sich
Luft darin befindet. Da aber die Erfarung
lehret, daß eine verschlossne Luft das Athem
holen und die Respiration verhindert %.und
daß die Luft durch die Ausdünstung von

/ Menschen ~

|P_30R

/δZ_8

/Fig. 8. ~

|P_31

/Menschen so schädlich wird, daß der Mensch in ihr
erstiken muss: so bedient man sich eines
Fäßchens, in dem sich frische Lufft befindet %.und das
allenthalben verpecht ist und auf beyden Sei-
ten Hähne hat. Dis verpechte Fäßchen mit
einem guten Vorrath frischer Lufft schikt
man dem Taucher zu auf den Boden des
Meeres zu seinem Gebrauch aus dem Schiff
an einem langen Thau oder Faden. Sogleich
öfnet er beyde Hähne. Indem nun das Wasser
durch den einen in das Fäßchen eintritt, geht
die Luft durch den andern in seine Gloke, die
auch einen Hahn hat, den er zu gleicher Zeit öf-
net, als denn geht die alte unreine Lufft zur
Gloke heraus, indes daß aus dem Fäßchen
die frische hineindringet. Auf diese«r» Art er-
hält man den Taucher am Leben unter
dem Wasser Stunden lang

/ ≥ Von der Farbe und Durchsichtigkeit des Meeres oder Meers ≤

/Das MeerWasser ist viel durchsichtiger und heller
wie das süsse Wasser. Das kommt daher. In dem
süssen Wasser ist die Lufft in kleinen Bläs- 

/ chen zerstreuet, in

|P_32

/in dem MeerWasser, welches Saltz hat, treibt das Saltz
die Lufft weg und sezzet sich in ihre Stelle, so,
daß das Wasser bessern Zusammenhang erhält %.und
dadurch heller und durchsichtiger wird.

/In einer Tiefe von 30 bis 40 Faden kan man
die Seethiere auf dem Grunde spielen sehen
Nach der Beschaffenheit des Grundes scheint das
Meer verschiedene Farben zu haben. Das rothe
schwartze weisse Meer aber hat seine Benennung
nicht von der Farbe sondern von der Kleidung
der Einwoner, die auf den Meeres_Küsten woh-
nen. Von weiten ist die Farbe des MeerWas-
sers blassgrün und fällt ins blauligte, das
süsse Wasser hat eine grauligte Farbe. Die blau-
ligte Farbe scheint der Lufft auch eigen zu seyn,
weil alle entfernte Gegenstände @um@ den
Himmel blau erscheinen. δblank In dem Meer
Wasser bemerket man auch dise Erscheinung,
daß es zu gewissen IahresZeiten leuchtet beson-
ders wenn es in Bewegung gesetzet wird, so daß
es scheint, als wenn sich eine Flamme ergiesset,
wenn sich das Schiff durchs Meer beweget, An den
Molukken bemerket man dis zur Sommer
Zeit. Die Ursach hievon zu entdeken, hat ein
Italiener [¿¿¿] folgenden Versuch gemacht. Er ließ

/ Wasser durch

|P_33

/durch ein Sieb lauffen aus dem Meer geschöp-
fet, es blieben in dem Siebe Insecten zu-
rük, an denen man einen Glantz bemerkte.
Dise Insecten werden erzeuget von den fau-
len Körpern der Todten Fische und von dem
Schlamm der Fische auf dem Meer.

/Offt erhalten die Meere ihren Nahmen von den
Substantzen die auf ihnen herumschwimmen.
So hat das grüne Meer bey Afrika den Nah-
men von dem daselbst herumschwimmenden
Meerlauk %.und heißt von ihm Mare del Sargasso.
Das Meer ist hier mit disem SeeGraß so be-
dekt, daß die Schife einen guten Wind haben
müssen, durchzugehen. Auf disem Meer-
laub halten sich viel Fische auf. Vorzüglich
findet man es an den bermundischen Inseln
an der Spitze von Kalifornien bey Mexiko und
überhaupt an den americkanischen Inseln.
Woher kommt es, daß sich dises Meerlauk
nur an einigen Gegenden des Meeres
befindet, daß es nicht zerstreuet wird, ob
es gleich mit seinen Wurtzeln weder am
Meeresboden noch an den Küsten beve- 

/ stiget ist?

|P_34

/Es giebt Ströhme im Meer, die sich entgegen sind %.und
die da, wo sie zusammen kommen, das Wasser in einem
Wirbel zusammentreiben, dise Ströhme bringen
das SeeGraß von den Seeküsten aus weit ent-
fernten Gegenden und halten es in ihrem Wirbel.
Auch herrscht in disen Gegenden eine Windstille
denn hier blasen sich die Winde aus den ver-
schiedenen Ländern und Inseln entgegen und
erhalten dadurch indem keiner von ihnen
stärker ist, das Gleich_Gewigt der Lufft.

/In einigen MeeresGegenden findet man vie-
le Schlangen, als an der Küste von Indien %.und
besonders von Sura.

/Die Seelufft ist von allen die gesündeste. Man [Lind]
hat gefunden, daß Menschen, die an langwierigen
Krankheiten gelegen und sich schleppen müs-
sen, so daß ihre Säffte bey nahe in Fäulniß
geraten sind, durch Seereisen zur Gesundheit
gekommen und curiret worden sind.

/ ≥ Von der Saltzigkeit des Meeres ≤

/Der Seefarer nennt das süsse Wasser mit dem
saltziges vermischt ist, BrakWasser.

/Das SeeWasser und also das Saltzige soll sich
unterscheiden von dem süssen schon durch
den Geruch. Es unterscheidet sich aber von

/ dem süssen

|P_35

/süssen vorzüglich dadurch, daß es
Saltz und hartzigte Materie oder bitumineuse
enthält. Hievon soll seine Bitterkeit herkommen.
Nur die Erfarung hat gelehret, daß dis falsch
ist. Die Bitterkeit des SeeWassers kommt
nicht von der hartzigten Materie her, die
sich darin befindet sondern von dem Kalk. Alle
Geschöpfe der See sind Kalkartig %.und man kan
aus allen Kalk brennen. Des Saltzes und
der Bitterkeit wegen können die Menschen
das SeeWasser nicht geniessen; aber die
Kühe auf den Inseln von Capo Verd trin-
ken es und die Bewoner der neu erfun-
denen Insel Ottahiti bedienen sich desselben
ihr gebratnes %.und gekochtes Fleisch zu be-
saltzen, weil sie noch nicht wissen, wie das
Saltz vom Wasser abzusondern ist.

/Das SeeWasser süß zu machen, ist schon
erfunden. Es geschiehet durchs distilliren
indem es wie der Brandwein distilliret
wird. Nun müssen die Schife viele Stein
Kohlen mit sich führen zum distilliren,
die sich des süß gemachten Seewassers
zum Genuß bedienen wollen.

/ Die

|P_36

/Die Grade des Saltzes im Meer richten sich

/Nach der Trokenheit des angrenzenden Landes

/Nach dem Clima. Wenn die angrenzenden
Länder troken sind, so giebts darin wenige
Flüsse, die ihr süsses Wasser ins Meer
ergiessen %.und dadurch seine Saltzigkeit ver-
mindern können. Im heissen Erdstrich ist
das Wasser nicht saltziger als im kalten.
Es giebt Meere, die mehr ausdünsten als
ihnen durch die Flüsse zugeführet wird, als
das Kaspische Meer, das mittelländische
Meer; dises ist stärker als «der» selbst der
Ocean gesaltzen, so daß man bey Maltha
auf 1 %Pfund Wasser den 4ten Theil Saltz folg-
lich auf 8 «¿¿»@Loth@ rechnet. In der Ostsee die
mehr Wasser empfängt als sie ausdün-
stet, rechnet man in der Mitte dersel-
ben den 64ten Theil und an der Küste
von Norwegen den 32ten Theil Saltz.
Die Nordsee erhält auch viel süsses Wasser
durch die Flüsse zugeführt, nur sie ist
näher mit dem Ocean verbunden %.und
daher ist ihr Wasser mehr gesaltzen als

/ das

|P_37

/das Wasser in die Ostsee, die mehr süß_Wasser
zugeführt erhält, durch die Flüsse als sie durch
der Ausdünstung verlieret. Ueberhaupt hat
die Ostsee den 60ten Theil die Nordsee den 30ten
und das mittelländische Meer in der Gegend
von Maltha wo es am saltzigsten ist, den 8ten
Theil Saltz in sich. δblank Doch ist merkwürdig,
daß das Wasser im Eißmeer fast am stärksten
gesaltzen zu seyn scheinet, welches davon her-
kommt, daß bloß das süsse Wasser bey der
Kälte frieret %.und also das Saltz desto stär-
ker zu schmeken ist. δblank Die einheimischen
Meere sind als Bassains anzusehen.

/In allem Kochsaltz ist eine kalkartige Mate-
rie und es ist daher zu vermuten, daß
alles im Meer, die Muscheln Korallen
die Gräte der Fische Kalkartig sind.

/Die Säure des Saltzes ist die Säure
des Vitriol, Koch, Salpeter_Saltzes

/Das Stein_Saltz ist ein Saltz in den Gebürgen
und sieth wie Alaun aus, es wird in
den Bergwerken gearbeitet, als bey
Krakau in Polen.

/Das See_Saltz ist aus der See. Es wird an
den Küsten gesotten, weil da die See nicht

/ saltzig

|P_38

/saltzig ist und weil daselbst das Wasser nicht aus
dünstet. Zum Saltz_Sieden ist nicht genung, daß
das Wasser viel Saltz enthalte sondern es
muß auch solche Lufft dazu seyn, daß das
Wasser ausdünsten kan. Es gehet mit dem
Sieden so zu. Man gräbt Bassains besonders
bey hohem Wasser, leitet in diselbe das See
Wasser, so daß es durch die Sonne austroknet
und nur das Saltz zurükbleibt. An den
Bahamischen Inseln wird fast nichts gethan als
Saltz gesotten.

/Das Saltz von Sanct_Hubert ist schon fein, das
spanische bey Cadix ist heller und weisser
und kommt dem hallischen sehr nahe. Das
Saltz bey Guinea soll sehr klar seyn aber
doch eine Säure bey sich führen, die von
der Beschaffenheit der Erde herrüren muß.

/In Amerika haben die Einwoner
fast gar kein Saltz. Die Grönländer %.und
die Karaiben auf den antillischen Inseln
können das Saltz nicht leyden. Es sind aber
daselbst Pflantzen, deren ausgepreßter
Saft die Stelle des Saltzes oder wenigst@ens@
des SaltzWassers vertritt.

/Das Saltz <«bey @Guinea@»> hat einen grossen Nutzen fast

/ in

|P_39

/in der gantzen Welt. Der Gebrauch des KochSaltzes
scheint der menschlichen Natur angemessen zu
seyn. <Es> <«Das Seesaltz»> dienet und gereichet

/1. dem Menschen zur Nahrung und zur Verdauung

/2. Viele Saltztheile steigen aus dem Meer in die
Lufft welche indem sie in dem Reegen nie-
derfallen, die Erde fruchtbar machen.

/3. Wegen seines Saltzes kan das Meer grössere
Lasten tragen. Daher sind im Meer grössere
Thiere wie auf dem Lande.

/4. Auf dem süssen Wasser kan man nicht so
leicht schwimmen wie auf dem saltzigen Seewasser.

/5. Der Boden im Seewasser ist sehr gesund %.und
es stärket dis Wasser weit mehr wie das
süsse den menschlichen Leib.

/ ≥ Von der Kälte und Wärme des Meeres ≤

/Was die Kälte und Wärme betrifft, so ist in
den Tiefen eine Kellerwärme, nicht eine
solche, als wir in unsern Kellern haben,
sondern als sich in einem Keller der 70 Fuß in
die Erde gegraben ist, befindet und dise be-
trägt nach dem pharenheitschen Thermo<me>ter
@52_1/2@ Grad, es wird also daselbst gemässigt.
An den Küsten von Ceilon Madera gegen
über, wo die Perlenfischerey ist, findet man

/ die

|P_40

/die taucher, wenn sie aus der tiefe gezogen wer-
den, so erfroren, daß man sie an einem starken
Feuer wider aufwärmen muß, obschon daselbst
das heisseste Sommerwetter ist. Im Grunde der See
ist es ruhig selbst in einer Tiefe von 15 Faden
wenn gleich oben ein starker Wind das Meer
beunruhiget. Wenn aber der Wind lange anhält,
wird das Meer auch in der Tiefe nach und
nach beweget.

/Der Druk des Wassers ist merkwürdig und er ist
desto stärker, ie tiefer man herunter kommt.
Der Graf Marselli [Marsigli] der die Geschichte des Donau
Strohms und des mittelländischen Meeres
geschrieben hat, untersuchte den Druk des
Wassers auf folgende Weise. Er füllete eine
Flasche mit Wasser an, verpfropfte sie stark
und band ein Leder darüber. Hierauf ließ er
sie 300 Faden tief ins Wasser. Wie er sie he-
rauszog, fand er, daß der Pfropfen %.und das
Leder @1/2@ Zoll in den Halß der Flasche getrie-
ben war und daß durch die Poros des Prop-
fens, obgleich er verpecht war, ein Löffel voll
Seewasser durchgedrungen war.

/Bey disen physikalischen Betrachtungen komt ei-
ne wichtige Frage zu entscheiden vor. Ist das
erste Wasser süß oder gesaltzen gewesen?
Es war einfach folglich süß, denn das saltzige
Wasser ist zusammengesezt folglich abgeleitet.
Wenn wir also das süsse Wasser betrachten im Ver-
hältniß mit dem saltzigen, so ist <es> ein Simplex et- 

/ was einfaches. An

|P_41

/An den Orten«n», wo sich Flüsse ergossen haben, die hernach aus-
getroknet sind, findet man gantze Strecken von Salz.
Diserhalb glauben einige, daß das Saltz ein Niderschlag
vom süssen Wasser sey. Halley hingegen glaubt, daß
sie ihr Saltz aus dem Inwendigen der Länder durch
die Abscheidung bekommen haben. Alle Pflanzen enthal-
ten ein gewisses Saltz und vorzüglich einen kleinen
Grad von KochSaltz; von disen Pflanzen glaubt
Halley, daß sie von dem Wasser ebenfalls abge-
spielt und in die See geführet sind, wodurch sich
nach und nach das Saltz so angehäufet hat, wie es
sich iezt darin befindet. Diese Meynung ist sehr
unwahrscheinlich, weil Millionen Iahre erfo-
dert würden, ehe das Meer von seinem süssen
Wasser so viel ausdünsten können, daß bloß das
Saltz hätte«n» sollen zurükbleiben. δblank In den
warmen Climatibus an den Küsten rostet das
Eisen so stark, daß man daselbst kein Schloß oder
eine Sache von Eisen ein Iahr lang gebrauchen
kan, weil es vom Rost aus einanderfällt, dises
kommt von dem Essig des Salpeters, aceto salpe-
tris des Seewassers, welcher in die Luft stei-
get; es giebt ferner grosse Streken von Stein
saltz in der See und es ist sehr wahrscheinlich,
daß die Saltzplätze auf dem Lande aus dem
Wasser herrüren, welches daselbst ausgetrok-
net ist. Hieraus kan man abnehmen, daß

/ das

|P_42

/das Meer anfänglich süß Wasser gehabt habe und
daß es nach %.und nach das in seinem Innern befindliche
Stein_Saltz aufgelöset habe, wodurch das Wasser
saltzig geworden. Dise Vermutung wird noch
mehr bestätiget durch die Beobachtung der Feuer
speienden Berge in der See, die sonderlich in den
alten Zeiten sehr getobet haben und aus ihrem
Inwendigen verschiedene Materien sonderlich
Kalk Asche Lauge und KochSaltz ausgeworffen

/ ≥ Von der Bewegung des Meeres ≤

/Die vornehmsten Bewegungen des Meeres sind
die Wellen durch den Wind oder die Wellenbe-
wegung, die Ströhme oder die Strohmbewe-
gung des Meeres.

/Die Wellen entstehen durch den Wind. Es
scheint zwar als «e»wenn sie einen fortbewe-
genden Gang hätten, nur sie bleiben an
einer Stelle und ihre Bewegung ist bloß
eine steigende und fallende Bewegung,
wodurch das Wasser gar nicht von seiner
Stelle fortgerükt wird. Ein Schiff wird also
durch die Wellen gar nicht fortbewegt
sondern es steigt und fällt. Offt türmen
sich die Wellen so hoch als ein mittel-
mässiger Mastbaum, offt geschiehet

/ aber ~

|P_42R

/δZ_12

/Fig. 9. ~

|P_43

/aber auch ein Wellensturtz, wenn der Wind gegen
die Seite bläset. Auf dem weiten Meer
hat ein Schiff von den Wellen nichts zu be-
fürchten, ausser daß es Schokelungen erhält
oder Schaukelungen. Ein Befrachter des
Schifs hat also beym Laden der Waaren
zu sehen

/Wie tief das Schiff gehen kan, hiernächst
muß er verhüten, daß sich die Waaren
nicht rollen, weil sie sonst die Wände
des Schifs sehr leicht zerschlagen.

/In der spanischen See, in der See westwärts
von Frankreich wo die Schiffe aus dem Ka-
nal kommen, hat das Schiff beständig
eine gleiche Bewegung, weil daselbst die
Wellen lang gestrekt gehen. Hingegen
schlägt die Ostsee und das schwartze Meer
kurtze Wellen, die oft zurükschlagen %.und
Seestürtze verursachen. Einige geben
die Ursach hievon also an. In einer schma-
len See werden die Wellen sehr leicht
von der einen an die andere Küste ge-
führet, weil sie nahe liegt und indem sie
daselbst anstossen, verursachen sie ein
solch zurükschlagen. Dises scheint nicht

/ der

|P_44

/rechte Grund zu seyn, denn die Küsten des
schwartzen Meeres liegen auf 120 Meilen
weit von einander, daß also die Wellen
nicht so leicht von der einen an die an-
dere Küste getrieben, werden können %.und
das Zurükstossen verursachen; vielmehr
scheint es daher zu kommen, Weil die ein-
geschloßne Meere nicht eine gnungsame
Tiefe haben als die Ostsee die nur 90 bis
100 Faden tief ist, diserhalb ist es möglich,
daß ein anhaltender Sturm das Wasser
auch auf dem Grunde bewegen kan, ie
enger also die Meere sind, desto untiefer
sind sie, wenn daher die Wellen den Bo-
den erreichen, müssen sie nothwendig
zurükschlagen, weil sie daselbst einen
Widerstand finden.

/Aus dieser Ursach kan man die Sandbän-
ken rund um vom gantzen Meer un-
terscheiden, weil ihre Wellen kurz schla-
gen, wie das Wasser bey Terre neue
welches nur 24 Faden tief ist und daselbst
ist es zugleich nebligt und kalt. Eben so
ist der Scagen bey Iütland. Hier ist es
beständig nebligt und kalt, so daß die
Matrosen ihre Winterkleider anlegen

/ müssen

|P_45

/anlegen müssen. Das Wasser scheint in einer
Tiefe von 400 Faden gleiche Wärme zu haben
die 52_1/2 Grad beträgt nach dem pharenheitschen
Thermometer, ist die See untief, so wird
das Wasser im Grunde aufgerürt %.und denn
treiben die Wellen das kalte Wasser aus
dem Grunde in die Höhe, welches den Nebel
und die Kälte verursacht. Diese Luffter-
scheinung erstrekt sich aber nicht weiter
als über die Bank und um die Bank
herum ist schönes warmes Wetter gemeinhin.

/Die hohle See. Diese Meererscheinung er-
eignet sich gemeinhin, wenn auf Stürme
eine Windstille erfolgt, welche macht,
daß die Wellen kurz schlagen, diese kurtze
Wellen verursachen eine solche Erschüt-
terung im Schif, daß sich alles loßreißt
%. und zerstößt. δblank Muschenbrok [Musschenbroek] hat die
Anmerkung gemacht, daß einige Fässer Oel
das Meer ruhig machen. Es ist wahr, das
Oel besänfftiget, aber dis gilt nur von
einer kleinen nicht von einer grossen
Bewegung des Wassers, besonders wenn
man das Wasser in einem kleinen

/ Umfang durch

|P_46

/durchsichtig machen will. Die Durchsichtigkeit
läßt sich befördern durch Oehl. Ist das Wasser
ruhig, so kan man in grosse tiefen herabsehen,
wird es aber bewegt, so geht dis nicht mehr
an, weil die Lichtstrahlen von einer gekrau-
selten Fläche zurük«f»p<r>allen und also nicht
erreichen können den Boden des Meeres,
diserhalb gießt man Oel auf eine solche
Fläche, dises verhindert die Bewegung des
Wassers durch seine Zähigkeit, es kann sich
nicht runtzeln %.und auf die Art fallen die
Lichtstrahlen als wie durch ein Fenster auf
den Boden des Meeres

/Die Brandungen. Diese befinden sich an
den Küsten auch an den Banken die mitten
in der See liegen. Das Wasser schlägt an
die Seeküsten und indem es anstößt, wird
es stark zurükgetrieben, wodurch man
verhindert wird, mit Boten anzul@an@den
an die Küsten. Eigentlich ist die Brandung
die höchste Welle«n», dise macht, daß das Spiel
der Wellen vom neuen anfängt. Die
Wellen in der weiten See behalten
beständig einerley Weite %.und Höhe, an

/ den

|P_47

/den Küsten aber wird das Spiel der Wellen
verzögert und die grössere Wellen schlagen
über die kleineren. Die Alten nannten dis
die fluctus decumanos, «@es@» weil es an den
mehresten Ufern die 10te Welle ist, die
zurükschlägt, von der lateinischen Zahl
decem, welches heißt 10, an einigen ist es
auch die 5te oder die 7de, wie an der
Küste von Guinea. Besonders giebt
es solche Brandungen bey Capo Schilis oder
der alten Scylla in der Strasse von Messina,
wo die Wellen die von dem Charibdis
kommen, zurükgestossen werden.

/Die Meerströhme. Es giebt Ströhme im
Meer, die selbst gegen den Wind so stark
streichen, daß sie wohl Mühlräder trei-
ben können. Wenn die Wellen ein Zu-
rükschlagen von den widrigen See-
ströhmen erhalten, so geraten sie in
UnOrdnung. Diese Ströhme sind eine wichtige
Bemerkung vor die Schiffart. Wo Ströhme
sind, denen der Wind entgegenbläßt,
da ist eine ungestühme See. Der soge-
nannte Mahlstrom bey Norwegen ist

/ ein

|P_48

/ein solcher Seestrohm, der dem Winde entgegen ist
Es giebt Ströhme im Meer, die unaufhörlich
aus derselben Richtung komen, wie der
östliche Strohm zwischen den Tropicis, der
von dem beständigen Winde herrürt, der
an disem Orte bläßt.

/Die vornehmste Ursach von disen Meerströmen
sind die Winde. Die Winde bewegen das Was-
ser anfänglich nur auf der Oberfläche, hält
aber der Wind lange an, so treibt er das ober-
ste Wasser nach unten, folglich wird auch das
unterste in Bewegung gebracht.

/Die Ströhme erstreken sich bis in eine an-
sehnliche Tiefe niehmals aber bis zum
Grunde des Meeres. Die Winde können
nur nach und nach das Meer in Ströhme
versetzen. Ein Strohm der unaufhörlich
aus eben derselben Richtung kommt, muß
an der Küste seinen Lauff verändern, weil
er sich nach der Lage der Küste richten muß.
Wenn in gewissen Gegenden die Winde re-
gelmässig abwechseln, so werden die Meer-
ströhme auch ihre Perioden halten. In der
Nähe der Sudauer Inseln %.und im antillischen
Archipelago wütet im Sommer ein bestän-
diger Südwest und im Winter ein be-
ständiger Nordost_Wind, aber hier verän-
dern sich auch die Seeströhme so, daß im

/ Sommer

|P_49

/Sommer von Süden nach Westen und im Winter
von Norden nach Osten ihre Richtung geht. Aber
mit der Veränderung des Windes geschiehet
nicht zugleich die Veränderung der Ströhme son-
dern sie setzen ihren alten Lauff fort einen gan-
tzen Monath hindurch sehr offt, ehe sie durch den ver-
änderten Wind davon abgebracht werden können.
Bey den molukkischen Inseln sind die Ströhme
offt so hefftig, daß sie ein Schiff mit den Ankern
forttreiben. Der Seefahrer muß die Ströhme
gut kennen, daß er seine Farth richtig berechnen
und calculiren kan. Meere die schwischen
Länder liegen, haben sehr gefärliche Ströhme.
Im Kattegat sind Ströhme, wodurch viele Schiffe
wenn sie auch mit der größten Aufmerksam-
keit ihre Route halten %.und ihren Weg, nach
Bornholm getrieben werden.

/In solchen einländischen Meeren beträgt die
Ausdünstung Etwas Wichtiges.

/Indem auf der einen Seite viele Ströhme
in das Meer kommen, die andere Seite
aber kein Wasser bekommt und die Aus-
dünstung auf allen Seiten gleich stark ist,
so entspringt daher ein Strohm, der sich da-
selbst schlängelt.

/In iedem Wasser sind 2 Ströhme, wie in
der Strasse der Dardanellen, wo man

/ sich ~

|P_49R

/δZ_19

/Fig: 10. ~

|P_50

/sich, wenn man durchgeht, auf der europäischen
und wenn man zurükkommt, auf der asiatischen
<Seite> halten muß. δblank Es giebt einen
obern %.und einen untern Strohm, die sich ein-
ander widerstreiten, wie in der Strasse
bey Gibraltar, wo der obere Strohm ins
mittelländische Meer, der untere
aber aus demselben ins attlantische
Meer hineingehet. δblank Disen untern
Strohm zu finden nimmt man ein
leediges Fässchen und läßt es bis
zu einer gewissen tiefe herunter,
bis daß man merkt, daß unten ein
starker Strohm das Fässchen mit sich
fortreißt. δblank Im Sunde fließt
das obere Wasser heraus, das untere
aber herein, bey der Strasse der
Dardanellen ist es eben so.

/Die Ausdünstung des gantzen Oceans kan
nur so viel betragen als das Wasser
beträgt, welches die Flüsse hinein füh-
ren. Nimmt man aber einzelne Seen
so kan nicht allemahl ein solches Gleichge-
wigt statt finden, wie bey dem mittel-
ländischen Meer. Auf der afrikanischen

/ Seite

|P_51

/Seite sind sehr wenige Flüsse, die sich in dis Meer
ergiessen, der Nilstrohm ist der Eintzige, der
etwas beträchtlich ist, der aber doch nicht so viel
Wasser zuführen kan, als die Ausdünstung weg-
nimmt, an der Küste von Frankreich Spanien
Italien ergiessen sich auf nicht viel Ströhme
in dises Meer; hieraus müßte folgen,
daß in demselben das Wasser nidriger
stehen müste als im Ocean, allein indem
der Ocean durch die Strasse bey Gibraltar
sein Wasser oben hereinläßt, läßt dis
mittelländische Meer solches unten heraus.
Weil nun der Ocean so viel süsses Wasser
ausdünstet als ihm durch die Flüsse zu-
geführt wird, hingegen das mittellän-
dische Meer mehr Wasser ausdunstet
als es zugeführt erhält, so muß daraus fol-
gen, daß das Wasser des Oceans nicht so
sehr gesaltzen folglich leichter <ist> und daher
kan es oben hineinfliessen und daß das
Wasser des mittelländischen Meeres saltzi-
ger %.und folglich schwerer ist und daher kan es
unten heraus fliessen.

/ ≥ Die zweyte Ursach der Ströhme sind ≤

/Die Strudel. Von disen ist der Mahlstrohm
zu merken, der aber hier nicht kan erklä-
ret werden. Von dem Strudel aber
in der Strasse von Messina zwischen

/ @Sicilien@ ~

|P_51R

/δZ_25

/Fig. 11. ~

|P_52

/Sicilien und Neapolis nicht weit von dem Ha-
fen bey Messina ist dises zu merken, Wenn
der südliche Wind wehet, so wehet er das Wasser
auf den Hafen bey Messina, welches von
Norden fliesset der Richtung nach, da-
durch entstehet ein nordlicher %.und südlicher
Strohm, welche beyde gefärlich sind, dise
Gefahr betrifft nur kleine Fahrzeuge,
die grossen Schife, wenn sie guten Wind
haben, gehen glüklich vorbey. Sobald der
Südwind aufhört, hört auch der Strudel
auf. δblank Solche Strudel können
einen ruhigen Standt und Stelle haben,
wo sie den Sargasso und andere Unreinig-
keiten des Meeres @hinwerffen@. Dis ist
der Grund von dem Sprüchwort, Die See
leidet nichts todtes.

/Eißmeere. Die Meere in den Eisszo-
nen heissen Eiß_Meere, weil das Eiß
welches in dise Meere läufft %.und ihnen
den Nahmen giebt, in disem Erdstrich
niehmahls schmilzt. Wir haben 2 Eiß-
zonen %.und also auch 2 Eißmeere. In
disen Meeren sind grosse EißFelder
welche vom Winde gar nicht bewegt wer- 

/ den können ~

|P_52R

/δZ_13

/S. 66. Vide

/δZ_20

/Fig. 12 ~

|P_53

/können, daher kan man 24 Stunden fortseegeln
ohne eine Strecke solcher Eißfelder zurükzule-
gen. Das Eiß bricht nicht anders als durch seine
ungleiche Härte. Schon in der Ferne kündigen
sich die EißFelder an durch den diken Nebel den
sie bey sich führen. Daher können sich die Schiffer
auch zur Nachtzeit darnach richten und sich
dafür hüten, indem wenn sie in disen Ne-
bel kommen, sie eine solche Kälte überfällt,
daß sie ihr Gesicht in ein kaltes Wasser
eingetaucht zu haben glauben. Denn kehren sie
um. Auf disem Eise halten sich auf Wall-
rosse Seehunde und andere Amphibien, Thie-
re die im Wasser %.und auf dem troknen
Lande leben können, die größte Rolle
spielt der Eißbär. Die EißFelder
verstopfen die Farth und sind also eine sehr
grosse Hinderniß in der Schiffarth.

/Treibholtz. In den Eißmeeren findet
man Treibholtz. Es sind grosse Bäume
von allerhand Art und Gattung sehr offt
durchfressen von den Würmern, daher
man erkennet, daß sie in warmen Län-
dern gewachsen. Sie werden den Einwonern
der kalten Erdstriche zugetrieben %.und geführt

/ «auf» von ~

|P_53R

/δZ_19

/Fig. 13. ~

|P_54

/von dem Meer ohne zu wissen von wo, daher es
den Nahmen hat Treibholtz. In der Mitte der
Meere wird es von Osten nach Westen ge-
trieben, wo es die Wellen %.und Seeströhme
aufs Land werffen. Die Küsten der Eiß-
Meere haben kein Holtz als nur kleine
Gesträuche an einigen Orten. In Nova Zembla
ist nicht das gringste. Grönland hat in der
Spitze etwas Holtz, das aber etwa um
einen Arm nur dik ist. Wie groß ist also
die Fürsorge der Natur, wenn sie auf dem
Meer den Einwonern ein Holtz zuführet
das sie nicht gepflanzet oder abgehauen.
So wohl in der nordlichen als südlichen
Eißzone wird es angetroffen und die
Einwoner brauchen es nicht zum Bren-
nen sondern Bote und Häuser daraus
zu bauen und Gefässe zu machen und
an der Westküste von Ißland treiben sie
sie damit einen beträchtlichen Handel.
Offt bemerkt man hier eine Flamme,
welche entsteht, wenn das Treibholtz
zwischen Eißstüke geräth und daselbst
stark gerieben wird.

/ Hier «zulezt»

|P_55

/Hier kommen wider wichtige Fragen zu entscheiden
vor. δblank Ist das Meer in allen seinen Theilen
gleich hoch? Ein vom Ocean gantz abgeschnitt«nes»-
nes Meer kan höher seyn als der Ocean selbst, wie
das kaspische Meer, das Meer aber, welches
nur durch einen engen Strich mit dem
Ocean zusammenhängt, hat mit ihm eine
gleiche Höhe, obgleich der Zufluß %.und die Aus-
dünstungen nicht im Gleichgewicht stehen.
Das rothe soll höher liegen als das mittel-
ländische Meer, weil «die» die LandEnge
zwischen disen beyden Meeren nicht abge-
stochen werden kan. Das attlantische soll
höher liegen als das pacifische Weltmeer,
sie würden aber auch gleich hoch stehen,
wenn gleichfals zwischen ihnen ein Kanal
durchgestochen werden könnte. Von dem
Kanal der Stadt Suetz findet man noch
Ueberbleibsel und Ruinen; man gläubt
aber, daß er nur gebraucht sey, die
Waaren herüberzubringen, die in Suetz
ausgeladen waren.

/Haben die Meere unter sich eine unter-
irrdische Gemeinschafft?

/Die Alten glaubten, daß wenn dises nicht

/ wäre, ~

|P_55R

/δZ_7

/Fig. 14 ~

|P_56

/wäre, so müsten die Meere überlaufen von dem
Wasser, welches ihnen durch die Flüsse zugefüret
wird; sie bedachten aber nicht, daß die Aus-
dünstungen eben so viel betragen als das
Wasser, welches dem Weltmeer durch die
Flüsse zugeführet wird, und daß das
Wasser, welches die Flüsse hineinbringen
innerhalb 24 Stunden, eine so grosse Flä-
che nicht um einen Strohhalm höher macht
und daß es also kein Wunder ist, daß das
Meer innerhalb dieser Zeit das Wasser aus-
dunstet, welches auf diser grossen Fläche
kaum die Höhe eines Strohhalms beträgt.

/Das Kaspische steth in gar keiner
Gemeinschaft mit andern Meeren, wo
bleibt denn aber das Wasser, welches
ihm durch die Wolga und andere
Flüsse zugeführet wird? Dises Meer
dunstet in kurtzer Zeit so viel aus
als der Fluß Wolga ihm im gantzen
Iahr zuführet, öffters troknet es
aus an einigen Orten %.und entfernet
sich von den Küsten. Vor 300 Iahren
wie die Geschichte erzälet, hat ein Bassa [¿¿¿]

/ auf

|P_57

/auf der Iagd einen Delphin oder Meerschwein
bekommen, er ließ ihn loß, nachdem er ihm
an den Ohren gewissen Zeichen gemacht,
gantz kurtz drauf, wie vorgegeben wird, ist
dieser bezeichnete Delphin im mittellän-
dischen Meer gefunden worden, diser
halb kam man auf die Vermutung, er sey
unter der Erde aus dem roten in das
mittelländische Meer übergegangen.
Dis ist unwahrscheinlich.

/Aber eine Circulation ist doch unter den
Gewässern. Eine eigentliche Circulation
oder Umlauff kann man nicht füglich anneh-
men wohl aber eine gewisse Distillation.
Das Weltmeer ist als ein Distillir_Kolben
anzusehen, er dunstet aus, die Dünste
kühlen sich ab in den Wolken und fallen
«fallen» in Tropfen herunter.

/ ≥ Von dem Nutzen des Weltmeers und
aller Meere ≤

/Der erste Nutzen ist die Grösse des Welt
meers. Man wundert sich, daß 2/3 von
der Erde mit Wasser überschwemmet ist,
man glaubt, es wäre besser, wenn die
Erde um so viel grösser wäre wie das

/ Meer

|P_58

/Meer. Wenn das Meer nur halb so groß wäre
wie es iezt ist, so würden wir sehr wenig Ree-
gen und kaum halb so viel wie jezt haben.
Die Lufft hat viel schädliche Dünste und das
Meer ist als ein Reinigungsmittel der
Lufft anzusehen.

/Auch durch seine Bewegung verursacht das
Meer Vortheile. Es macht Busen %.und Aus-
sprünge in den Ländern. «Nur durch die»
Nur durch die Meere ist die Gemeinschafft
der Länder möglich, als die Gemeinschafft
zwischen Europa und China.

/Es könte doch aber Vieles zu Lande geschehen.
Die Landreisen sind beschwerlich und durch
die Seereisen lernt man die Länder besser
kennen und man gelangt in viel kürtze-
rer Zeit von einem Lande zum an-
dern als aus England nach Nord_Amerika
Dis ist«es» <ein> Traiect von 6 Wochen «oder Ueberfart»
oder eine 6wöchige Ueberfarth.

/Dise Gemeinschaft der Länder würde noch
grösser seyn, wenn der Kanal von Suetz
durchgestochen werden könte.

/In den alten Zeiten waren die Römer
iezt sind die Armenier die stärksten
Landreiser.

/Die Alten nannten das Meer den Ursprung

/ des

|P_59

/des Bösen, wir können es aber den Ursprung des Gu-
ten nennen, ob es gleich wahr ist, daß die Bewohner
der Küsten fast alle bößartige Menschen sind.
Die Kultur und Bearbeitung der Menschen ist
durch die Seereisen vergrössert %.und verbessert.
Indostan scheint der erste Ort und der Sitz
der Wissenschafften gewesen zu seyn, denn
so alt die Geschichte ist, hat man von Indien
und seinen Reichthümern gehört. Auch Grie-
chenland, weil es viele Busen hat und
viele Inseln ausmacht, trieb einen grossen
Handel durch die Schiffarth %.und hier ist auch
der Flor und der blühende Wohlstand der
Wissenschafften gewesen. Denn die Gemein-
schafft der Menschen mit einander und da
einer dem andern das beybrachte, was ihm
fehlte, machte die Kultur und Bearbeitung
der Menschen und ihrer Wissenschafften aus.

/ ≥ Von der Ebbe und Fluth ≤

/Die Ebbe und Fluth besteth im Schwellen
und Sinken des Wassers, davon iedes 6
Stunden dauert. Dise Ebbe %.und Flut ereignet
sich im Weltmeer in 24 Stunden 2 mahl.
Zwischen der Ebbe und Fluth ist immer
wenigstens 1/2 Stunde Ruhe. Diese Fluth

/ geschiehet

|P_60

/geschiehet fast in allen den Meeren, die mit
dem Weltmeer oder Ocean zusammenhangen.
Auch die Flüsse haben Ebbe und Fluth die sich
in das Weltmeer ergiessen, weil das Wasser
wenn es bey der Fluth aufschwillt, zugleich in die
Mündungen der Flüsse ergossen wird, die da-
für gleichfals steigen %.und fallen müssen. Wenn
die Fluth 5 Stunden lang dauert, so dauert die
Ebbe 6 Stunden, indem allererst in solcher
Zeit das in die Flüsse sich ergoßne Wasser
in das Weltmeer wider zusammenfliesset.
Diserwegen ist «e¿» auch die Ebbe gemeiniglich
reissender wie die Fluth.

/Die Ostsee hat keine Ebbe und Fluth, weil die
Oefnung %.und der Zusammenhang den sie mit der
Nordsee hat bey Dännemark, zu enge ist als
das merklich viel Wasser in sie eintreten
könte, um die Fluth zu verursachen. Auch
das kaspische %.und schwartze Meer haben nicht
Fluth %.und Ebbe, weil sie nicht mit dem Ocean
zusammenhangen, das mittelländische Meer
hat etwas davon bey Venedig, wo das Wasser
höchstens 3 Fuß steigt. δblank Wenn die Ebbe
%.und Fluth groß ist, so verursacht sie, daß

/ die

|P_61

/die Schiffe auf dem Grunde liegen bleiben, sie
gewäret aber zu derselben Zeit den Nutzen,
daß mann alsdenn die Seehaffen reinigen kan.
Ebbe und Fluth richten sich nach dem Monde %.und
nach der Sonne. Weil der Mond unserer Erde
am nächsten ist, so ist sein Einfluß der größte.
Alle Himmels_Körper haben ausser ihrem Licht
eine Anziehungskrafft, die desto größer ist,
je größer die Masse oder ihr körperlicher
Inhalt ist. Ihre Entfernung vermindert dise
Krafft sehr. Der Mond als der nächste Himmels
Körper hat einen merklichen Einfluß auf das
Gewässer unserer Erde. Dis deutlich einzu
sehen, müssen wir uns denken,

/Daß a. b. c. die Erde, n. d. re. der Ocean L.
der Mond und S. die Sonne sey.

/Der Mond L. zieht den obersten Theil der Erde
a. mehr als den Mittelpunct c. und c. mehr
als b. δblank a. b. c. kan man sich als 3 Wagen
vorstellen, die alle 3 in gleicher Entfer-
nung bleiben müßten, wenn sie durch gleiche
Stärke nach L. gezogen würden; Nun ent-
fernen sich zwar a. c. auch von b. aber nicht in
solcher Weite als a. von c. weil da die Krafft
schwächer ist; da nun das im Mittelpunct
der Erde c. sich befindende Wasser gezo- 

/ gen wird

|P_61R

/δZ_16

/Fig._15

|P_62

/gezogen wird, und zwar so wohl in a. als b. iedoch
in a. stärker als in b., so muß auch nothwendig
das Wasser so wohl in n. als in @re@. in <R> aber
stärker %.und höher als in r. steigen. Auf solche
Art steigt das Wasser nicht nur auf der zu-
gekehrten sondern auch auf der abgekehrten
Seite; da sich nun die Erde in 24 Stunden um
ihre Axe bewegt und der Mond in diser
Zeit auch um sie herumgeth, so wird in d.
über 6 Stunden, wo vorher die Ebbe war,
nunmehr die Fluth seyn.

/Die Sonne würkt ohngeachtet ihrer Grösse
nur den 5ten Theil von der Ebbe %.und Fluth,
weil sie so sehr weit entfernt ist. Der Mond
erregt eine Fluth von 10 Fuß die Sonne hinge-
gen nur von 2 Fuß. Wenn beyde die Sonne
und der Mond ihre Kräffte vereinigen, das
heißt, wenn sie in Coniunctione Verbindung
stehen, so muß die Fluth 2 Fuß höher folglich
12 Fuß hoch stehen; wenn sie aber in oppositione
Entgegenstellung stehen, das ist, wenn sich ihre
Kräffte entgegenwürken, so kan die Fluth
des Mondes, wenn 2 von 10 abgezogen
wird, nur 8 Fuß betragen. Die größte

/ Fluth auf

|P_63

/auf dem Ocean kan also nur 12 Fuß %.und die kleinste
8 Fuß betragen.

/Die hohe Fluth gezeichnet Fig: 1. nennt man die
Spring_Fluth, die andern gezeichnet Fig: 2. nennt
man die todte Fluth.

/Zur Zeit des Vollmonds %.und des neuen Lichts
geschieht die Springfluth, in den Vierteln aber
die todte Fluth. Wenn der Mond aufgeht, denn
fängt die Fluth an und wenn er im Meridian
ist, denn ist sie am größten. Geht er abwärts,
so geht die Ebbe an, wenn er im Horizont ist,
so ist sie schwach, kommt er aber in den anti-
podischen Meridian, so fängt die Fluth wi-
der an, dis ist der Meridian der Gegenfüsser
gegen uns. Der Mond geht alle Tage 3/4
Stunden später auf, daher fängt aus eben
diser Ursach die Fluth täglich später an.

/Die Fluth im Ocean %.und Weltmeer selbst ist klein
man hat sie nicht 10 vielweniger 12 Fuß ge-
funden %.und dis kommt daher, weil der Mond in
der Zeit, in der die größte Fluth möglich ist
schon den Meridian verläßt, ehe noch das
Wasser herbeygelauffen ist. Die Inseln im
stillen Meer haben eine Fluth, die nur 6
Fuß hoch steiget, an solchen Oertern hingegen

/ wo

|P_63R

/δZ_6

/Fig._10.

|P_64

/wo viele busen sind, steigt sie 20 bis 40 Fuß hoch,
die ordentliche %.und gewönliche Steigung ist 20 Fuß.
Man siehet wohl, daß dises von der verschiede-
nen Lage der Länder und besonders von den
vielen Busen %.und Krümmungen herkommt.
Die Fluth sollte wohl am größten seyn, wenn der
Mond im Meridian steht %.und dis würde auch ge-
schehen, wenn er stehen bliebe im Meridian, er
verläßt aber denselben, ehe noch alles Wasser
herbeyfließt %.und also kan solches nicht geschehen;
indessen bleibt das Wasser doch noch im Stei-
gen %.und zwar noch 3 Stunden lang, nachdem
der Mond vom Meridian weggegangen ist;
auch nicht gerade im Vollmond %.und im neuen
Licht ist die SpringFluth sondern erst 3
Tage hernach.

/Da die Anziehung des Mondes so alt ist als die
Welt, so sieth man, daß die Ebbe und Fluth
auch schon von Anbegin der Welt gewesen
ist. Dise Krafft aber würkt nicht nur bloß
auf die Oberfläche des Wassers sondern auch
auf den Mittelpunct der Erde folglich auch
in der Tiefe des Meeres. Es verhält sich
damit so wie mit der Schwere, die sich nach
dem Mittelpunct der Erde hinzieth.

/ Alsdenn

|P_65

/Alsdenn müssen die Wasserbewegungen bis auf
den Grund reichen und durch diselbe müssen
Ebbe %.und Fluth eine Veränderung im Grunde her-
vorbringen.

/Durch dise Ebbe %.und Fluth und der daher rührenden
Wasserbewegung entstehen die Seeströhme.
Dise Seeströhme haben das Merkmahl, daß
sie von den Winden independent unabhän-
gigt sind. Die Winde in den Gegenden zwischen
den Tropicis bringen auch wohl Ströhme hervor,
wenn aber Ebbe %.und Fluth einen Strohm hervorbrin-
gen, so ist diser dem der durch den Wind ent-
standen ist, ganz entgegen. London hat eine
vorteilhaffte Lage, weil da die Fluth von
Norden und Süden kommt, denn auf der ei-
nen Seite ist der attlantische Ocean %.und auf
der andern die Nordsee, die Schife können
daselbst so wohl aus Schottland als aus dem
Kanal ohne Gefahr ankommen.

/Ebbe und Fluth richten sich zwar allemahl nach
Regeln, demohngeachtet kan es sich zutragen,
daß sie die Winde in ihren Regeln stöhren,
denn sie können den Berg Wasser, der sich herauf-
beweget, zurükhalten.

/ Ebbe %.und

|P_66

/Ebbe und Fluth bringen auch Strudel hervor
wie bey der Stadt Negropont; hier läufft
das Wasser die Küste von @Morrea@ herauf und
bey Tessalinich herunter und da sie sich be-
gegnen, so stossen sie zusammen und drehen
sich in einem Strudel herum, ie nachdem ei-
ner einen grösseren oder kleineren Zufluß
hat wie der andere. δblank Aber nicht grosse
Strudel werden durch Ebbe %.und Fluth erregt,
sondern nur solche, die ohngefehr 2 Klaffter breit
%.und lang und 2 Klaffter tief sind, daher auch nur
kleine Böte daselbst in Gefahr sind.

/Bey Schottland findet man solche Strudel am
häuffigsten.

/ ≥ Von den Inseln ≤

/Grosse Inseln liegen ziemlich nahe bey dem
vesten Lande oder Continent und «¿¿¿»<ihre> Länge
ist den Küsten des Landes parallel gleichsei-
tig. Die Inseln des mittelländischen
Meeres sind nahe am vesten Lande.
Die Insel GroßBritannien liegt nahe an
der Küste von Europa, die Insel Suma-
tra nicht weit von Malacca, Neusee-
land nicht weit von Neuholland, ob es

/ sonst wohl

|P_67

/wohl vom Continent entfernt ist.

/Ein Archipelagus ein Meer das viele Inseln hat,
ist da, wo das Land grosse Busen macht, als
der griechische Archipelagus ist ein grosser
Busen zwischen Klein_Asien und Grichen-
land. δblank Die größte Inseln sind
Bormeo, Sumatra, Madagaskar, GroßBrit-
tanien und Java.

/Die Maldiver oder die maldivischen begrei-
fen auch viele Inseln in sich und der König
daselbst nennt sich einen König von 2.000
kleinen Inseln. Sie liegen in einer so klei-
nen Entfernung von einander, daß
man von einer zur andern mit einem
Springstok kommen kan, daher ist zwischen
ihnen nur eine kleine Haupt Durch-
farth und es ist mit grossen Schiffen
allenthalben schwer anzulanden, weil sie
alle auf einer grossen Felsenbank lie-
gen. δblank Die Banke haben
eine grosse Verwandschafft mit den Inseln
und der Unterscheid besteth darin, daß
die Inseln über dem Wasser hervorra-
gen, die Banke aber nicht. Die Banke

/ werden eingeteilt in

|P_68

/in Felß und Sandbänke.

/Eine solche Sandbank giebt es bey Terre neue
welche 120 bis 130 teudsche Meilen lang %.und
50 bis 60 breit ist. Ueber sich hat sie 25 Faden
Wasser und an vielen Orten ist sie senk-
recht abgeschnitten. Hier wird der Stokfisch
fang stark getrieben, der Cablio und andere
<Arten> Fische sind darunter mitbegriffen.

/Ueber solchen Banken %.und Unttieffen ist das
Wasser gemeinhin unruhig, davon die Ursach
schon angezeiget ist.

/In Europa ist die Bank bey Dover vorzüg-
lich zu merken. Auf der LandCharte
sind die Sand %.und FelsenBänke bezeich-
net mit einem X.

/ ≥ 14.

/ Vom Lande ≤

/Alles Land wird eingeteilt.

/In das veste Land oder Continent %.und
In die Inseln

/Das Land welches ein Meer in sich einschlies-
set, heißt ein Continens, wenn aber ein
Stük Land vom Wasser eingeschlossen
wird, heißt es eine Insel. Fast alles

/ veste Land liegt

|P_68R

/δZ_2

/Fig._17

|P_69

/liegt auf einer Hälffte der Erdkugel, die andere
Hälffte ist größtenteils mit Wasser bedekt.
Aus diser Ursach haben viele vermutet, daß
nach Süden zu noch grosse Länder seyn möch-
ten, welche also nothwendig das Gleichgewigt
mit den nordlichen Ländern halten. Nimmt
man aber das Wort Gleichgewigt im wahren
Verstande, so weiß ich nicht, ob man sich
vielleicht vorstellt, daß alle Länder der
Welt ein groß Schiff ausmachen, welches
auf dem Weltmeer schwimmt und dessen
Hinterteil in die Höhe stehen würde, wenn
das Vorderteil zu stark beladen wäre und
daß also das Gleichgewigt der Schwere der
Erde aufgehoben werden würde, wenn sich
auf der einen Seite mehr Länder wie auf
der andern befänden.

/Dise Anmerkung scheint überflüssig zu seyn,
indem es bekand ist, daß sich die Schwere
nach dem Mittelpunct richte. Die Schwere
auf der Erde ist eine Würkung der Krafft
der vereinigten Anziehung aller Theile
der Erde und dise muß beständig nach
dem Mittelpunct der Erde würken.

/ Hernach ist

|P_70

/ist eine gewisse Krafft, welche von der Schwere
unterschieden ist und das ist der Umschwung.
Dadurch daß sich die Erde um ihre Axe bewegt
bekommen alle Theile auf der Erde eine ge-
wisse Schwungskrafft oder eine centrifugal
Krafft, das ist eine Krafft die sich bemühet
alle Körper von der Erde wegzuziehen %.und
von dem ErdMittelpunct, durch die Scchwere
wird sie daran gehindert. Dise Schwung
krafft beträgt unter dem Aequator
selbst den 288ten Theil von der Schwere.
Wie groß ist aber daselbst die Schwere?
Unter dem Aequator sind die Körper
am leichtesten. δblank Man hat Wage¿
wodurch man den Unterscheid der Schwere
unter dem Aequator %.und unter den Po
len anzeiget. Am besten wird diser Un
terscheid durch die Schwenkung des Per-
pendikels einer Uhr bestimmt. Unter
den Polen haben die Körper ihre @eigne@
Schwere. Wäre nun die Erde eine @pure@
Kugel, wenn wir alles Wasser weglassen
welches doch nicht möglich ist und es @ent@-
stünde es sey aus welcher Ursache es
wolle, ein Berg, alsdenn würde die

/ Axe immer

|P_71

/immer rüken, bis der Berg welches nicht lange @an@-
dauern möchte, unter dem Aequator und
Gleichmesser stünde; dis ist aber nicht möglich
und die Länder brauchen wegen des Gleich-
gewigts in keinem Verhältniß zu stehen,
weil unsere Erde keine eigentliche Kugel
sondern eine platte Rundung ist, bey den
Polen ist sie nidrig und beym Aequator und
Gleichmesser hoch, An der Spitze des Aequa-
tors ist sie 4_1/2 deutsche Meile höher als
wenn sie rund wäre und denselben Durch-
messer hätte den die Pole haben; keine
Krafft aber ist möglich und hinreichend, ei-
nen solchen Berg oder Stük Land unter
den Aequator zu bringen, weil unsere
Erde abgeplattet ist. Dise Abplattung ist
eine Würkung von der Bewegung der
Erde um die Axe und dise hat den Nut-
zen, daß die Erde gar nicht verrükt wird,
wenn sich auch sehr vile Länder auf der
einen Seite der Erde befinden.

/Wie viel ist uns denn aber von der Welt
bekand? Man kan sagen, daß uns dise
Kentniß in vielen Stüken nicht sonderlich
interessiret %.und zum Vorteil gereichet. Die

/ wahren Vorteile

|P_72

/Vorteile davon bestehen in der Bestimmung des
Menschen, seine Kentnisse zu erweitern, sei
nen Wohnplaz nach allen seinen Theilen ken
nen zu lernen und überhaupt seine Wißbe
gierde zu befridigen.

/Wo sind noch wohl Entdekungen zu machen?

/Es wäre eine Entdekung von der größten
Wichtigkeit und dem ausgebreitesten Nutzen
daß wir in Norden durchs Eißmeer kommen
könten, die gantze Erde würde uns alsdenn
offen stehen. Die beyden Passagen %.und Durch
wege dahin sind die nordwestliche und
die nordöstliche, die nordöstliche hat man @am@
ersten versucht, da man um das äus-
serste Vorgebürge von Asien in das paci-
fische Meer zu kommen suchte. Hernach ver-
suchte man nach Nova_Zembla zu kommen.
Da man dises aber impracticable fand
und unthulich, so entschloß man sich nach
Nordwest zu reisen und zwar durch die
Hutsons_Bay, aber auch dis ist fehl geschla-
gen. Daher hat man in neuern Zeiten
eine Farth grade zu nach Norden ge-
nommen, wo man sich auf der östlichen
Seite hält. Die größte Weite wo man
zum Nordpol gekommen ist, betragt 82

/ Grad. Einige

|P_73

/Einige die bis zum 88 Grad gekommen zu seyn
vorgeben, haben angezeigt, daß das Meer
allda vom Eise frey sey. δblank Dise farth nach
dem NordPol scheint die rathsamste zu seyn.
Das Parlament in England geht damit um,
2 Reisen anzustellen, nach Nordost %.und nach
dem Nordpol.

/≥ Von den unbekanten Ländern ≤

/Hier betrachten wir die Länder,

/Wie wir sie kennen in ihrem Umfang

/In ihrem Inwendigen und die uns unbe-
kan sind in Ansehung der Küsten.

/Die Welttheile Europa Asien Afrika sind
uns bekand dem Umfang nach, Amerika
aber nicht. Nordwärts von Californien
liegt ein Ort, der vorher unbekand war,
er heißt Monte reggio Königsberg

/Thiebet in Asien scheint der Ort zu seyn,
wo sich die Menschen anfingen zu versam-
meln nach der Verwüstung. Die hohe Lage
des Landes und die ergiebige Fruchtbar-
keit des Bodens bestätigen dises, er
enthält faßt alle Producte der alten
%.und neuen Welt in sich. Hier muß also die

/ Cultur und

|P_73R

/δZ_9

/Fig._18.

|P_74

/und Bearbeitung der Menschen %.und ihre Entwik-
lung den Anfang genommen haben. Man wün-
schet nicht so wohl das Innere dises Landes als
vielmehr die wahre Beschaffenheit der Lan-
desEinwoner kennen zu lernen mehr @richtig@.
In Ansehung der Küsten sind für uns unbe-
kante Länder der gantze Welttheil Amerika.
Die gantze Küste dises so grossen Welttheils
ist für uns unbekand. Die Spanier haben
allda einen Weg von Congo bis Mosambi-
que erfunden vor kurzem folglich haben
sie auch Länder gefunden, die uns unbe-
kand sind, als wie Rio-Gabor, Calabar
und andere mehr, die wir nicht kennen.
Die Küsten von Afrika als die von Guinea
Marocco Egypten Nubien sind uns bekand.
Hernach kommt eine Sandbänke die nicht
viel verspricht. δblank Die Wüste Sara
ist in der Mitte bewohnt. Dise macht @es@
beschwerlich, daß man von dem Inwendi-
gen von Afrika nichts erfaren kan
obgleich die Habsucht der Europäer
auch Schuld daran ist. Es möchte noch
wohl angehen, tiefer ins Land zu kommen

/ von der Küste, aber

|P_75

/aber die Europäer treiben auf derselben einen
Sklaven_Handel, der sie so verhaßt macht,
daß die Neger oder Schwartze für einen
Weissen so gut erschreken als für den Teufel.
Die Neger verkauffen sich selbst unter ein
ander auf den Küsten, der Vater den Sohn
der Sohn den Vater, der Bruder den bruder,
von da bringen sie die Europäer nach
Amerika, wo sie in den Zukerpflanzun-
gen arbeiten müssen.

/Man sollte die Bemühung, neue Länder
zu entdeken, mehr auf das Inwendige
der an den Küsten schon bekannten Län-
der richten als auf neue Polar_Länder.
Afrika war dem Alterthum viel be-
kandter wie uns. Die Alten machten
grosse Reisen zu Lande, weil sie der See-
reisen nicht kundig waren, die ihnen
ohnedem langwierig %.und gefährlich vorka-
men. Iezt sind die Armenier die Ein-
tzigen, die beträchtliche Landreisen
thun. Sie gingen nach Indostan und
den andern weit entfernten Län-
dern. Man möchte gern erfaren,
was sie allda angetroffen haben.

/ Es ist sehr

|P_76

/sehr glaublich, daß die Nubier Abyssinier und
andere mittelländisch afrikanische Völker
schafften noch bis iezt viele Ueberreste alter
egyptischer Weißheit besitzen.

/Zwey Länder sind für den Alterthumsfor-
scher die wichtigsten, Thibet %.und Egypten
Thibet ist die höchste Gegend in Asien
Es ist mit Indostan benachbart %.und scheint
der StamOrt der Völker zu seyn, die
sich hernach um Indostan ausgebreitet
haben. Würde man da Untersuchun-
gen anstellen, welches die Engländer
von Bengalen durch Reisen thun könten
so würde man finden, daß alle Künste
und Wissenschafften ursprünglich von
da herrühren, die Ziffern das Schach-
spiel. Die ältesten Geschichtschreiber
reden von Indostan als vom Paradise
und dem Vaterlande der Cultur. Gatte-
rer
meint gar, Abraham habe an den
indostanischen Grentzen gewohnt. Hier
müßte die ungestörte Geschichte der al
ten Zeiten zu finden seyn, weil alle
Einwohner für den Dalai_Lama eine
religieuse %.und ehrfurchtsvolle Hochachtung

/ beweisen. Dalai

|P_77

/Dalai_Lama ist der Ewige Vater. Auch die Schreib-
Wissenschafft ist hier so alt, daß sie schon Bücher
hatten in Thibet, ehe andere Völker noch
ans Schreiben dachten. Herodotus der Ge-
schichtschreiber redet von einem Volk, welches
er unsterblich nennet und man sieth aus
seiner Beschreibung, daß er das Volk zu
Thibet meynet.

/Egypten enthält die Ueberreste der Bau-
kunst der Alten. Die Pyramiden daselbst
lohnen noch wohl erforscht zu werden. Nur
mit grosser Mühe kommt man in ihr Inwen-
diges, weil sie stark %.und aus lauter Fel-
sen gebauet sind, auch inwendig sehr viele
mechanische Geschiklichkeit angebracht
zeigen %.und sehen lassen. Vor 500 Jahren
hat ein Calif [???] eine Oeffnung gemacht. Er«¿»
fand darin Gänge und die künstlichsten
Zimmer aber nichts merkwürdiges in
ihnen als einen steinernen Sarg für
den künfftig zu erscheinenden Osiris hin-
gesezt, wie in Medina ein leerer Sarg
stehet für den Mahomed, der noch ein-
mahl kommen soll ihrer Erwartung nach.
Aus alten Nachrichten weiß man, daß
die Pyramiden unter der Erde durch

/ Gänge

|P_78

/Gänge zusammengehangen haben, wo die ge-
heimnißvollen Lehren der egyptischen
Weißheit vorgetragen wurden und wo ihre
Pharaonen begraben liegen.

/Ein Abt in Paris [Barthélemy] hat das phönicische Alpha-
bet entdekt. Iezt geht alle Bemühung
der Gelehrten auf ihren Reisen auf die Er-
findung der pharaonischen Buchstaben. Pro-
fessor Büttner in Göttingen arbeitet daran.
Sollte man sie erfinden, so könte man
die Aufschrifften der Obelisken %.und Mumi-
en lesen. δblank Indeß scheint es, daß
Egypten seine Wissenschafften %.und Cultur %oder
Ausbeßrung von Ethiopien herhabe. Die
Egypter wallfarten nach Abyssinien, wie
die Indianer nach Thibet und die Tür-
ken nach Mecca, denn dises sind die Ge-
burtsOerter ihrer Religion.

/Niebuhr der vom Könige in Dännemark [???]
geschikt wurde nach Arabien, räth sehr
an, das keptische zu lernen. Keptisch
ist so viel wie egyptisch, denn Kipt ist
egypt. Die alten Kepti hatten viele
Klöster. Man würde viele alte pha-
raonische Schrifften daselbst finden, die viel
leicht könten gelesen werden von de

/ nen allda

|P_79

/allda befindlichen Mönchen. In London kommt
iezt ein Lexicon heraus von diser keptischen
Sprache. Sie war in ganz Europa unbekand.
Niemand kante sie als de_la_Croze vom
ihm erlernte sie Jablonsky und von ihm
der Prediger Schlözer [Scholz] in Berlin.

/In Lombara nahe am SalomStrohm ist
Goldstaub genung, den Golddurst der Euro-
päer zu löschen. Daselbst giebt es ein Volk
gelber Gesichter, das vom malaysen Stamm
aus Malacca seyn soll. Die Portugie-
sen haben durch Afrika aus Congo nach
Mosambique einen Weg entdekt, davon
sie in Europa noch nichts bekandge-
macht haben. Walter @Releigh@ [Raleigh] ein
grosser unruhiger Kopf wollte Eldorado
einnehmen. Es würde der Mühe verloh-
nen, dis Land auszukundschafften. Denn
dahin ist der lezte Inkus [???] mit seinen
Schätzen geflohen, ob es gleich schwer ange-
hen möchte, weil er sein Land hinter un-
zu«l»gänglichen Gebürgen gegründet hat
Alle Völker stimmen überein, daß es eine
Völkerschafft von Weibern allein gebe,
die sich am AmazonenStrohm befinden

/ und Amazonen heissen. Con- 

|P_80

/Condamine aber fand sie nicht, Peaux [???] auch
nicht. Indeß könnte es wohl seyn, nur ist
das Land sehr unbekand.

/Die durchfarth bey Asien durch Nordosten
ist auch noch zu entdeken %.und in Ansehung des
Welttheils Amerika absonderlich die nord-
östliche Passage und Durchfarth. In Norda-
merika ist das grosse missurische Gebürge
zu entdeken, dis hat den Nahmen von dem
Fluß Missuri, der in den Missisippi fällt. Das
südliche Amerika verdient auch mehr Aufmerk-
samkeit, entdekt zu werden. Die Portugie-
sen besitzen hier Brasilien, welches sich aber
kaum 15 Meilen weit ins Land erstrekt.
Daselbst soll ein vortreflicher Hafen seyn ge-
nannt Bayhons_Fond, aber niemand kennt
ihn. δblank Die grossen Austral
Lander sind uns auch sehr unbekand.
Neuseeland ist nur kürtzlich vom Dam-
pier
entdekt. NeuBrittanien %.und NeuIrr-
land ist noch zu entdeken. Ein gewisser
Forster ist diserhalb abgegangen, hat
aber seine Reise noch nicht zurükgelegt.

/ Hier

|P_81

/Hier ist die Niderlage der Gewürze von ganz
Amerika. δblank Das größte Land ist Neu-
holland fast so groß wie Europa. Hier findet
man die Menschen im Zustande der größten
Wildheit. Nicht einmahl Hütten haben sie «¿¿
¿¿¿», welche doch die Grönlander haben und
da die gantze Küste so aussieth, darf man
vermuten, daß in dem Innern des Landes
kaum Etwas seyn werde, das Aufmercken ver-
dienet. δblank Auf Terra del fuego kom-
men die LandesEinwohner der Wildheit
%.und Thierheit noch näher %.und wohl am nächsten.
Die Grönländer zeigen noch immer viel Geist,
die Neuholländer nicht im gringsten, ob sie
gleich in der Königsbergschen Breite lie-
gen %.und rund um sich Meer haben. Sie
sind ohne Neubegierde, zu allem gleichgül-
tig %.und wenn ein Schiff ankommt, würdigen
sie es nicht des Anbliks.

/Wir haben Länder verloren, die wir
schon gehabt haben, als die SalomonsIn-
seln, das alte Grönland. Vom ihm ist
das neue Grönland nur 15 Meilen

/ entlegen, man kan

|P_82

/kan aber nicht dahin kommen, weil die Farth
mit Eiß verstopft ist. δblank Vor 500 Iahr war
das alte Grönland besezt mit einem Volk
aus Ißland. Es waren 2 Bischoffthümer
daselbst la_de_Guarde und Abbe. Der Bi-
schof von Guarde
[???] war bey der Huldigung
der Königin Margaretha in Kopenhagen.
Die dänischen Kauffleute handelten stark
nach Grönland und da sie durch den Han-
del etwas ansehnliches an sich brachten,
so machte dis die Königin eyfersüchtig,
sie zog den Handel an sich, nur er ge-
rieth ins Steken, weil es ihr nicht glü-
cken wollte so wie den Kauffleuten
und so wurde Grönland zum Theil des-
wegen zum theil %.und am meisten der
vielen nordischen Kriege wegen ver-
gessen und also gäntzlich unbekand.
Nach viel Jahren errinnerte man sich
an Grönland. Man rüstete Schiffe aus,
sie fuhren ab, suchten nach %.und fanden kein
Grönland. Die Küsten sind mit einem
immerwährenden Eise bedekt, welches sich
Meilen weit in die See erstrekt und

/ noch bis

|P_83

/bis dise Stunde den Zugang zu disem Lande ver-
sperret. Wenn es anginge, wäre es werth, zu
untersuchen, wie es den armen Einwoh-
nern ergehen mag, wenn sie noch existiren
der Rauhigkeit des Climatis %.und der Un-
fruchtbarkeit des Bodens wegen.

/@Olaffen@ [Olafsson] in der Beschreibung von Ißland
sagt, die Ißländer geben vor, Es befinde
sich in den hohen Gebürgen ihres Landes ein
Thal, in dessen Tiefe ein Volk wohnet, zu
dem niemand kommen kan, um mit ih-
nen Verkher zu haben. Grüner [Gruner] glaubt,
daß auch in den Alpen solche Völker seyn
dürfften. δblank Borneo ist vielleicht die
größte Insel der Welt, nur sie ist uns
inwendig unbekand. Daselbst sollen
die Menschen Affenschwäntze haben so
wie auf den Inseln Formosa %.und Manilla
glaubwürdiger Nachrichten zu Folge. Auch eine
Art Tartarn ist noch, die Affenschwäntze
haben.

/ ≥ 15.

/ Das BauWerk des vesten Landes ≤

/Bey dem BauWerk des vesten Landes kön-
nen wir mit dem berühmten Boacheff [Buache]

/ drey

|P_84

/drey Stüke bemerken,

/den LandRüken, die Bassains, die Plattform

/Unter dem Landrüken verstetht man lange
Landstreken, wo das Wasser von beyden Sei-
ten abwärts fliessen kan, so daß sie gleich-
sam einen Rüken ausmachen.

/Die Bassains sehen wie Thäler %.und teiche aus
und sind von einem Wall eingeschlossen.

/Die Plattform sind eigentlich Landhöhen,
die zwar eine gewisse Breite und Länge
aber keinen Abgang nach irgend einem
Meer haben.

/Die Linie die durch die Spitze des Berges
gezogen wird, nennen die Engländer den
Berggrad.

/Wenn man dem Landrüken nahe kommt, so sieth
man, daß sich die Landstreken herumziehen
und bey nahe einen Cirkel ausmachen.
Als das appenninische Gebürge geht durch die
Schweitz, Tirol, Krain, Griechenland herum
und schließt ein Bassain in sich.

/Fast ein iedes Land hat ein Merkmahl
von einem Bassain oder Aushölung des

/ Landes. Es ist

|P_85

/ist also zu vermuten, daß alle dise Länder ab-
gelaßne Teiche sind, die in der alten Welt
willkührliche Bassains waren %.und Ausholungen.
Es giebt Ströhme, die keine entschiedene Nei-
gung zum Meer haben weder auf der einen
noch auf der andern Seite %.und daher erkennt
man die Plattform des Erdbodens.

/In Europa ist keine Plattform nur in
Asien und Afrika.

/Die Ströhme die aus einer Plattform ent-
springen, machen entweder eine kleine
See aus, die niemahls so groß wird wie
der bottnische Meerbusen, oder sie
verlieren sich im Sande, solche Flüsse sind
in Persien und Arabien die im Sande
versiegen.

/Die Wüste Sara ist eine Plattform, sie
hat keinen Abhang zu irgend einem
Meer. Alle Plattformen sind Sand-
wüsten %.und alle Sandwüsten sind Plattfor-
men. δblank Wüsten sind Länder, die
nicht bewohnt sind auch nicht bewohnt wer-
den können. Von den Wüsten sind unter-
schieden die Einöden. Einöden sind Ge-
genden, die an sich bewohnbar sind, die

/ aber

|P_86

/aber verlassen worden von den Menschen. Es
sind also nicht natürliche sondern zufällige Wü-
steneyen. Ein Land wird verlassen, wegen des
Bodens, wenn er unfruchtbar ist oder des Clima-
tis wegen, unter dem Niemand wohnen kan,
weil der Boden mit Schnee beständig bedekt
ist. So ist die Wüste Paragos in den perua-
nischen Gebürgen. Der grobe Sand ist
allemahl fruchtbar, offt aber kommt die Un-
bewohnbarkeit eines Landes von dem fei-
nen Sande her, der den Boden gantz
unfruchtbar macht. Wenn man von
Aleppo nach Bagdad oder Ora reiset, so
ist es, als wenn man auf einem weiten
Meer reiset, man sieth keinen Hügel und
Berg und der Sand ist hier so flüchtig, daß
er vom Winde hin %.und her beweget wird
wie auf dem Meer die Wellen.

/ ≥ Von den Bergen ≤

/Man hat zu merken auf die Bergreihen
und Bergketten.

/Einige Berge stehen allein andere im
Zusammenhange. Im Zusammenhang ha-
ben sie einen Strich, der die Kette
genannt wird. Solche Gebürge haben ei- 

/ nen Haupt

|P_86R

/δZ_21

/Fig._19.

|P_87

/Hauptstand, von dem die Bergketten nach verschie-
denen Gegenden auslauffen. Als die Alpen
haben ihren Hauptstand in der Schweitz, von
da aus lauffen die Bergketten südwärts
nach Italien %.und Tyrol aus. Die grosse Haupt-
kette in Amerika fängt an vom Hauptstan-
de des myssurischen Gebürges. Wo das Ge-
bürge anfängt, ist ein Morrast von 80 Mei-
len, von hier geht es bis Peru, hier wird
es am höchsten und heißt das Kordyllai-
rische Gebürge, in Chili wird es niedri-
ger und endiget sich in der magella-
nischen MeerEnge. In Afrika kennt
man nicht die Bergketten wohl aber
die Gebürge, daselbst ist das abyssinische
Gebürge, in Marocco das AtlasGebürge.
In Europa sind die Bergreihen der Prinä-
en in Spanien und Frankreich, welche
zusammenhangen mit den tyrolischen
in der Schweitz. In Asien ist der Taurus
und Anti_Taurus, darauf ist das Gebür-
ge abgebrochen, wo hierauf wider das
Gebürge Imaus sich anfängt. Am Oby-
Strohm bey Pettzoro ist das UralGe-
bürge zu merken.

/ Die

|P_88

/Die Höhe der Berge ist verschieden, die größte ist
noch nicht eine teudtsche Meile perpendikulai-
rer Höhe oder sie beträgt noch nicht 24.000 Werk-
schuhe oder 2.000 Ruten. Von solchen Meilen gehn
15 auf einen Grad. Das kordyllairische Gebürge
komt diser Höhe sehr nahe, indem es 22.000
Werkschuh perpendiculair über die Fläche des
Meeres erhoben ist. Der Berg Pico auf der
Insel Teneriffa scheint sehr hoch zu seyn, ist
aber nur 14.000 Pariser Fuß hoch. Er prä-
sentirt sich maiestätisch, weil er allein steht,
und man kan seinen Schatten sehen in
der Lufft schon von einer grossen Weite.
Der PelatusBerg ist an sich klein, weil er
aber allein oder isolirt stehet, scheint er
beträchtlich hoch zu seyn.

/Die Höhe der Berge zu messen, bedient man
sich ausser der geometrischen Art der Barometer.
Steigt man 70 Fuß hoch, so muß das Queksilber
um eine Linie fallen, denn dise Schichte von
Lufft 70 Fuß hoch wiegt so viel als eine Linie
Queksilber, weil aber die Lufft immer weni-
ger zusamenngedrukt wird, ie höher man
steigt, folglich auch dünner wird, so kan man
sich hier nicht verlassen auf eine Richtigkeit
weil das Queksilber disen Gesetzen nicht fol- 

/ gen kan.

|P_89

/Die Hauptwürkungen von der Höhe der Berge
sind, die Kälte und die Dünnheit der Lufft.
Dise Dünnheit der Lufft auf solchen Gebürgen hat
einen gringen Einfluß auf den Menschen. Ie
niedriger der Boden ist, desto mehr Hitze
hat er, in hohen Gebürgen ist eine sehr grosse
Kälte. Die Länder die nahe an der See lie-
gen, haben ein warmes Clima und dabey
den Vorteil, daß sie von der Seelufft abge-
kühlt werden. δblank Die Alten hatten die
Meynung, daß die Länder unter dem
Aequator oder Gleichmesser unbewohnbar
seyn müßten. Sie kanten Egypten, die
Hitze war da schon unerträglich groß,
würden wir noch weiter kommen %.und bis
unter den Aequator sagten sie, so
würden wir es gar nicht aushalten.
Dis war falsch geschlossen. In der Gegend
unter dem Aequator verändert
die Sonne ihren Platz. Der Winkel den
die Eccliptic die Sonnenbahn, mit den Ae-
quator macht, verursacht, daß sich die
Sonne in wenig Tagen von dem Aequator
Gleichmesser entfernt. Also verändert sie
um die Zeit des Solstitii ihren Ort und

/ dises

|P_90

/dises macht, daß unter dem Aequator selbst die
Hitze nicht so groß ist als unter den Tropicis.
Das ist, in den Ländern, die nicht weit vom
Aequator liegen.

/Hieraus ist zu erklären die Beschaffenheit

/Der Schnee_Gebürge. Das Thal zwischen den
kordillairischen Gebürgen heißt Quitto. Dis
liegt 12.000 Fuß höher als die Seeküste folg
lich ist dis eine Höhe, in welcher bey uns
der Schnee nicht mehr schmilzt. Der Punct
den man in Ansehung der Höhe %.und Kälte an-
nimmt oder wo man die Kälte zu beobach-
ten pflegt, ist der Punct, wo der Schnee
nicht mehr schmilzt. Die Höhe in der der
Schnee nicht mehr schmilzt, ist in verschiede-
nen Climatibus auch verschieden. Man
hat gefunden, daß in einer Höhe von 15.000
Werkschuh selbst unter dem Aequator
der Schnee nicht mehr schmilzt, sondern
nur @angehäufft@ wird. Daher sind einige
auf die Gedanken gekommen, zu behaupten,
Es giebt einen ewigen Schnee. Dis ist falsch.
Die Schneeberge verlieren ihre Haltung durch
den gringsten Wind, sie stürtzen herab und
richten unermeßlich grossen Schaden an.
Auch dunstet der Schnee @immer@ aus. Zwar

/ schmilzt

|P_91

/schmilzt er sehr wenig auf den Spitzen hoher Berge,
und dis Abschmelzen kommt mehr von den war-
men Winden als von der Würkung der Sonne
her und die Winde selbst steigen nicht zu einer
sehr grossen Höhe. Wenn man die Schneeschich-
ten durchgräbt, so kan man die Schichte des
vorigen Jahres von der in disem Jahr an-
gehäufften Schichte recht gut unterscheiden.

/Den Schneesturz nennt man eine Lavine,
die entweder eine StaubLavine oder eine
rollende Lavine ist.

/Die StaubLavine entsteht, wenn ein noch nicht
dicht gesezter Schneeberg von den Winden
hingerissen wird %.und gantze Gegenden bedekt.

/Die rollende Lavine entsteht, wenn von
oben ein mittelmässiger Schneeberg he-
rabrollt, an andern Schnee anstößt %.und
anklebt und indem er disen wider mit-
nimmt, immer grösser wird, so, daß er wenn
er herunterkommt, Bäume«r», Häuser,
Dörffer und Städte zu Grunde richtet.

/Die EißGebürge sind die, die einen ewigen
Schnee aufbehalten. Von diser Art ist
das tyrolische Gebürge und in der Schweitz
Das Sanct GotthardsGebürge, welches sich

/ durch das

|P_92

/das Walliser Land bis an den Canton Bern
erstrekt. δblank Hier liegt ein beständiges
Eiß. Es ist klar und hat mancherley For-
men als Eißtaffeln Eißthürme.

/Hieraus entspringen die größten Flüsse.

/Auf der Eißtaffel stehen die Eißthürme
von einer sehr grossen Höhe und von ver-
schiedener Gestalt. Viele haben eine bläu-
ligte Farbe, andere sind gantz klar und
scheinen zu rauschen, wenn die Sonne da-
rauf scheint. δblank Die Thäler an disen
Eißgebürgen enthalten EißMeere. Die
EißMeere sind gantz mit Eiß bedekt be-
sonders in der Schweitz.

/Die Eißberge sind die, die allein stehen
und ganz klar sind. Öffters sind sie über
6.000 Fuß hoch. Von disen müssen die Eiß
thürme unterschieden werden. Die Eiß
thürme entstehen so, Aus der schmalen
Oefnung der Gebürge dehnt sich eine
Eißtafel, die 100 Fuß dik ist und drüber,
wenn nun wider aus dem Inwendigen
der Gebürge Wasser kommt, so schmilzt das

/ Wasser das

|P_93

/das Eiß weg und es bleibt nur das Harte vom
Eise übrig, woraus die Thürme werden. Ist
die Kälte grösser als das Schmelz_Wasser,
so wächst die Eißtaffel, die Thürme aber wer-
den nicht grösser, ist hingegen das Schmelz
Wasser stark und die Kälte nicht, so werden
die Eißthürme hoch.

/Das Wort Alp bedeutet in der Schweitz die
Viehweyde auf hohen Bergen und daher
rürt der Nahme, AlpenGebürge. Dise
Alpen oder Viehweyden erstreken sich
bis an die Eißtaffel. Das Eiß verdirbt
offt die Alpen, weil es nach %.und nach zu-
nimmt %.und anwächset in der Schweitz. Dis
kommt beynahe von dem kalten Clima
her oder es richtet sich nach gewissen Peri-
oden indem in einigen Iahrhunderten
die Kälte nach %.und nach zunimmt in an-
dern aber wider abnimmt. Man
erkennet es an den Gewächsen %.und Produc-
ten, die sich noch unter dem Schnee be-
finden %.und zu finden sind, daß «¿¿», wo
iezt Schnee und Eiß liegt, «¿¿» eben
daselbst vor vieler Zeit Wärme gewe- 

/ sen seyn muß.

|P_94

/Ein ganz sonderbares Eiß ist das Glätscher_Eiß.
Es ist härter wie das andere Eiß %.und scheint
eine blaue Farbe zu haben. Wenn man
dis Eiß im Sommer in einer Schüssel an ei-
nen Ort hinsezt, so bedarf es wenigstens
10 Stunden, bis es zum Schmelzen kommt,
«obgl» da das andere in viel kürtzerer Zeit
zergehet. Es ist also nicht ein gemeines Eiß.
Das Wasser in den warmen Brunnen hat
auch die Eigenschafft an sich, daß, wenn es soll
gekocht werden, dazu eine eben so lange
Zeit erfodert wird als zu anderm kal-
ten Wasser, weil seine natürliche Wär-
me nichts dazu beyträgt, daß es früher
ins Sieden komme und wider, wenn es
soll kalt werden, so bedarf man dazu
mehrere Zeit als zu einem andern
gekochten Wasser. In disem Wasser
muß also eine Gährung der Wärme ent-
halten seyn. Dis ist ein chymisches Prin-
cipium und das Eiß der Glätscher hat
auch ein solch chymisches Principium, weil
es eine gewisse Säure in sich hat die die
Kälte unterhält.

/ Die

|P_95

/Es giebt weisse Bäre in den Eißgebürgen %.und die
Bewohner diser Gebürge gehen offt aus, dise Thiere
zu tödten.

/In Ansehung des flachen Landes hat das Eiß %.und
Schnee «in» der Eißgebürge einen grossen
Nutzen. Es bespeiset die Flüsse, Besonders
wenn die Wärme in die Gebürge dringt, wo-
von Eiß %.und Schnee schmelzen.

/Hohe Berge erzeugen folgende Phänomena
oder LufftErscheinungen,

/Dünne reine heitere Lufft

/Die Dünnheit der Lufft betreffend, so ist zu
wissen, daß dünne Lufft der Gesundheit
zuträglich ist, weil sie den Bluthumlauf
erleichtert %.und befördert. Da wo sie äus-
serst dünne ist, da ist auch die beste bluth-
mischung und folglich die stärkste Gesundheit.
Die Dünnheit hat zur Folge und Würkung
die Reinigkeit Heiterkeit %.und Durchsich-
tigkeit der Lufft. Durch solche Heitere
Lufft kan man die Milchstrasse und
ieden einzelnen kleinsten Stern in
ihr ganz deutlich sehen, da sie doch unten
wenig zu bemerken sind, wo die Lufft
nicht so dünn und heiter ist.

|P_96

/In diser Gesundheit der Lufft will man [Scheuchzer] die Ur-
sach von dem Heimweh der Schweitzer finden
Die sich nach dem Vaterlande sehnen fast
mit Verzehrung ihrer Kräffte; daß aber
dise Vaterlandsliebe bloß aus dem
Wunsch die dortige lufft zu geniessen, ent-
stehen sollte, ist falsch, das Familienband
ist die wahre Ursach. Die Abgeordnete
aus der Akademie zu Paris hielten sich
auf den kordillairischen Gebürgen 3
Wochen auf bey einer sehr strengen Kälte,
das Feuer brante daselbst eben so leb-
hafft wie in der untern Lufft und
100 Fuß hoch über ihnen flog ein Adler.
Hiraus erkennet man, daß durch die
Dünnheit der Lufft die Vögel in ih-
rem Fluge gar nicht gehindert werden.

/Die Wolken erreichen die Spitzen
der Schnee_Gebürge, nicht die, die Ge-
witter bey sich führen, dise gehen viel
niedriger. Auf den Spitzen hoher Ge-
bürge sieth man die Gewitterwolken
unter seinen Füssen, indem der
Blitz unterwärts fährt. Die Berge

/ können als

|P_97

/als hohe hervorragende Obilisken angesehen
werden, an die sich die Wolken anhängen,
wie überhaupt emporstehende Gegenstände
mehr als eine ebene Fläche die electri-
sche Materie an sich ziehen. Es ist, als wenn
die Wolken von den Bergen angezogen
werden. Auch sind die Gebürge die
wahre Mütter der Wälder, die von
da in die Ebene sich gezogen zu haben
scheinen.

/ ≥ Von den Höhlen ≤

/Die größten Höhlen sind in hohen Gebürgen
nicht im platten Lande. Wie sie entstehen,
ist schwer zu bestimmen. Es giebt Höhlen, die
natürlich, künstlich %.und natürlich verbessert
sind, wie man hinzusetzen könte.

/Zu den natürlich kan man rechnen,

/Die BaumannsHöhle im HartzGebürge.

/Man sieth darin Figuren %.und Säulen, die von
den Steintropfen erzeuget sind, welche
von der Deke der höhle als von einem Ge-
wölbe herunterfallen.

/Die @arendsbergsche.@ Sie grenzt an Steyer-
mark, ist sehr abschüssig und beträgt ohn-
gefehr eine Meile.

/ Die

|P_97R δZ_13

/Fig. 20.

|P_98

/Die Drachen_Höhle. Hier findet man Knochen von
eben solcher Steinmaterie erzeugt wie in der
Baumannshöhle.

/Die Höhle bey Schlitz in OberUngarn im Kar
patischen Gebürge. Hier ist eine ausserordent
liche Kälte besonders im Sommer, wenn die
Lufft warm ist. Sie hat eine Oefnung gegen
Mittag so geräumig wie ein groß thor. Durch
sie«th» sieth man Stüke Eiß herabhangen, die
eine Dike haben, die der Dike breiter
Fässer gleich kommt.

/Die Höhle im Pilatus_Berge. Vor ihr ist ein
Absatz und unter ihm an einer Spitze eine
Oefnung. Ueber der Oefnung ist ein über-
hangender Fels. Wenn man die Höhle beo-
bachten will, wirfft man über den Fels
ein Seil, an dem man sich vor der Oefnung
hin %.und herschwingt, da @man@ denn die Höhle
und die darin stehende Säulen deutlich
sehen kan. Niemand aber bedachte, daß das
Seil durch das Reiben am scharffen Fels
dünner gemacht wird %.und abnimmt, daher ge-
schahe es, indem das Seil reißt, daß der
Beobachter [???] in diser Höhle sein Grab fand.
Die Höhle geht über 10 Ruten queer durch den

/ Berg. Pallas

|P_99

/Pallas gedenket einer Höhle, die eine ausseror-
dentliche Kälte bey sich führet. Er merkt dabey
an, daß alle Höhlen in Alabaster und Gips
Steine liegen, daher kommt es, daß daselbst das
Wasser so sehr kalt ist, weil es über Gips
Steine fliesset nicht allein, weil es aus der
Tieffe der Quelle herkommt. Gipsstein ist
ein Kalkstein vermischt mit Vitriol-
Säure, Vitriol aber bringt Kälte hervor,
wenn er mit Wasser vermengt wird.
Etwas kalt zu erhalten in der Wärme, hat
man ein chymisches Mittel, indem man
durch Salmiac, KüchenSaltz %.und so mehr, die
Kälte«¿» hervorbringt, auch noch eins, das
mehr einfach ist. Man schlägt um die
Flasche, in der etwas kalt %.und frisch aufbe-
halten werden soll, nasse Tücher, ver-
stopfft sie «damit» %.und hängt die Flasche in die
Zuglufft, die frisch %.und troken seyn muß.
So wird das Getränk kalt. δblank Die Bauern
in Ungarn haben noch ein ander Mittel
zu disem Behuff. Sie vergraben das
Gefäß einen Fuß tieff in die Erde,
deken es zu und machen Feuer darüber

/ und lassen

|P_100

/lassen die Kohlen darüberliegen oder sie ne-
men sie auch weg, wenn sie etwa das Getränk
gleich ausgraben wollen. <Die> «Alle» Wärme
aus der Erde steigt von unten in die Höhe,
indem sie sich zum Feuer hinziehet, das
über der Erde gemacht ist, und folglich
bleibt nichts als Kälte zurük, das ist die
Ursach, daß das Getränk in dem Gefäß das
vergraben war, kalt wird.

/Viele Höhlen sind von MenschenHänden an
gelegt. Hiezu gehören die Saltzwerke. Als
das Saltzwerk in Bochnia und Wieliza,
Pohlen ohnweit Warschau. Dise sollen 700
bis 800 Faden perpendiculaire Tiefe haben,
indem sie so tief herabgehen, daß der
gantze Umkreiß eine QuadratMeile
beträgt.

/Bey Mastrich ist auch eine SaltzwerkHöhle.
Man fährt mit grossen Wagen herein und
es wird hier ein ordentlicher Saltzhandel
mit Bremen und Schweden geführet. Man
sieth noch Spruren von der alten Farth, aus
denen man schliessen kan, daß die Höhle
damahls noch lange nicht so tief gewesen
wie sie iezt ist, indem sie iezt immer tiefer

/ ein

|P_101

/eingegraben zu sehen ist. Es ist daselbst eine
Menge Säulen, so; daß man die Höhle für
ein Labyrinth ansehen darff.

/In den Steinkohlbergen finden sich Höhlen, die
entstanden sind, indem man tiefer gegra-
ben hat von Zeit zu Zeit. Sie gehen unter
tiefen Seen fort auf denen die größten
KriegsSchiffe fahren können.

/Es ist die Frage, Ob wenn man tiefer in die
Erde graben wollte, es kälter oder wär-
mer seyn würde, ie tiefer man hinunter
kommen würde. Der grosse Naturlehrer
Jakob Bernouille [Bernoulli] meynet, daß in dem
Inwendigen der Erde eine gleichförmige
Wärme sey. Indem Er disen mittlern
Grad der Wärme ausfündig machen
wollte, verfuhr er auf dise Art. Im dem
Keller des BeobachtungsHauses zu Paris
der 70 Fuß tief ist, hängt ein Thermome-
ter (eine GlaßSäule nach der man die
Grade der Wärme bemerken kan; An
disem hat man abgenommen, daß der Unter-
scheid des Winters %.und Sommers einen Grad
beträgt, in den Gebürgen bey Roussillon
ist eine Höhle, die 5 bis 600 Fuß tief ist,

|P_102

/in diser Höhle ist die Lufft gemässiget und die
Wärme beträgt ohngefahr 52_1/2 Grad nach dem
Fahrenheidschen Thermometer, wie Ber<n>ouille
beobachtet hat %.und hierauß will er schliessen, daß
sich in dem Inwendigen der Erde eine gleichför-
mige Wärme befindet.

/In dem HartzGebürge ist der so genannte
Hammelsberg, worin sich eine Schacht von einer
beträchtlichen Tiefe befindet. Hier ist @eine@
so starke Wärme, daß man seine Kleider
ablegen muß, wenn man in die Schacht
hineintritt, an der Schacht ist eine Quel-
le, dise hat ein so eißkaltes Wasser, daß
man es kaum trinken kan, weil die
Queladern über Alabaster fliessen.
Das Wasser welches über Kieß fliesset, @hat@
eine gewaltige Hitze bey sich, weil der
Kieß schwefeltheilchens sich führt. @Auch@
in Bergwerken, wo es SchwefelSchich-
ten giebt, ist eine starke Hitze zu ver-
muten.

/ ≥ Vom Erdbeben ≤

/Es giebt tiefe und sehr ausgestrekte Höh@len@
in der Erde und dis erkennen wir @noch@
an den Erscheinungen der Erdbeben.

/ Vor iedem Erdbeben

|P_102R δZ_23

/Fig._21.

|P_103

/Erdbeben gehen Kennzeichen vorher als

/Eine merkliche Stille in der Lufft, als wenn
feurige Luffterscheinungen zu erwarten sind.
Dis geschiehet daher, weil als denn Dämpfe
aufsteigen, welche die Ursache sind von die-
ser Würkung.

/Eine Veränderung bey den Thieren, die in Un-
ruhe geraten, die Ratzen %.und Mäuse kom-
men aus ihren Löchern hervor, die Pferde
und alle Thiere in den Ställen werden sehr
unruhig, die Menschen empfinden eine Ver-
änderung, ein Schwindel fährt sie an.

/Die Phänomena oder die Ereignisse bey dem
Erdbeben sind,

/Die Schwänkungen des Bodens,

/Die Stösse des Erdbebens

/Ein«e» erschrekliches Getöse, welches dabey
zu hören ist. Es wird verglichen mit
«¿¿» dem Rattern und Krachen eines schwer
beladnen Wagens, der auf einem
Steinpflaster gezogen wird mit Heftig-
keit %.und Ungestühm und mit einem
unterirrdischen Sturmwinde.

/Die Schwänkung wird nicht an allen Or-
ten gleich stark bemerkt auf ebenen
Flächen nicht so viel wie auf hohen
Thürmen, der Stoß aber wird allent- 

/ halben gefühlt, be- 

|P_104

/besonders in Mauervesten Gebäuden.

/Die Schwänkungen geschehen nach gewissen Ge-
genden und denn bedient man sich des
Ausdruks, das Erdbeben hat seinen Strich,
Es hat ihn von Morgen nach Abend oder von
Süden nach Norden. δblank Auch auf dem
Wasser bemerkt man die Schwenkungen
und das Erdbeben geht bis auf den
Seegrund. Die Schiffe werden so sehr %.und so
plötzlich erschüttert, daß alles prasselt,
was darauf befindlich ist und die Thaue
reissen. δblank Dise Schwenkungen sind
die Ursach von den grossen Verwüstun-
gen der Länder. So bald ein Gegen-
stand geschwengt wird, geräth er in Ge-
fahr, zerrüttet %.und verwüstet zu werden.
Wenn das Erdbeben den Strich hat oder
die Richtung so wie die Häuser in der
Reihe stehen, so werden sie alle um-
gestossen, weil wenn eins gehoben
wird, das andere nidersinket, geht
es aber quer durch die Strasse, so
ist die Gef«ä»ahr nicht so groß gemeinhin.

/ In Peru

|P_105

/Peru giebt es öfters Erdbeben. Die Einwoner
lachten, wie sich die Spanier daselbst hohe Häu-
ser von Stein aufbauten, sie sagten, ihr bauet
euch Gräber und dis wurde wahr zur Zeit des
ersten Erdbebens.

/In dem Inwendigen der Länder sind die Erdbe-
ben nicht so merklich als nahe an den Küsten
als in Sicilien, wo der wütende Vesuvius
von den Küsten nicht weit entfernt ist.
Preussen ist zwar nahe an den Seeküsten
aber weit entfernt von allen Gebürgen
%.und so auch Pohlen Littauen %.und andere.

/Die Naturforscher sind uneins über die Ur-
sach der Erdbeben, ob sie in der Oberfläche
oder in der Inwendigen Tiefe der Erde an-
zutreffen ist. Lehmann sagt in der Oberfläche.
Man findet sagt er, Kieß in der Erde der wie
Messing aussieth mehr weißlich wie gelblich
und stahlfarbig, diser Kieß enthällt Schwe-
fel und Eisentheile, dise erhitzen sich, wenn
sie naß werden, und geraten in Brand,
weiter in der Erde aber liegen grosse
Schichten von diser Materie die sich leicht
erhitzet, welches an den warmen Brun-
nen zu ersehen, deren QuellAdern
über solchen Kieß lauffen und aus solcher

/ Ent- 

|P_106

/zündung der fe«u»üerfassenden Materie in
der Erde entsteht das Erdbeben.

/Wenn man dis zur Ursach annehmen wollte, so
wäre es schwer wo nicht unmöglich, den Zu-
sammenhang und die geschwinde Fortpflan-
zung des Erdbebens «daher» zu erklären.
Allem Vermuten nach ist die Ursach di-
ser Erdbewegung tief in der Erde, denn von
hier gehen Kanäle aus nach allen Gegenden.
Unsere Erde ist im Anfange der Welt in
allen ihren Theilen flüssig gewesen, da-
her kommt die Abplattung derselben her,
als welches an iedem Körper zu ersehen
der wenn er zuvor flüssig war, eine solche
abgeplattete Form erhält; also war al-
les flüssig damahls; wenn nun die Erde
da sie erst flüssig war, vest geworden ist,
so ist sie zuerst auf der Oberfläche vest
geworden, als welches man an allen
Körpern gewahr wird, wie sie zuerst
auf ihrer Oberfläche und darauf nach %.und
nach in dem Inwendigen troken werde,
iede Mauer einige Fuß dik muß 30
Iahr Zeit haben, durch %.und durch auszu-
troknen, sollte denn unsere Erde schon
iezt bis zu ihrem Mittelpunct vest

/ geworden

|P_107

/geworden seyn? Daß kan Niemand ausmachen und
Darthun, zu muthmassen aber ist es mit grosser
Wahrscheinlichkeit, daß sie es noch nicht gewor-
den ist, weil ein solcher Körper, dessen Durch-
schnitt 1720 Meilen beträgt, eine lange
Reihe von Jahrhunderten bedarff, um bis
zum Mittelpunct auszutroknen; wenn
nun, wie aus der Erfarung vest stehet,
die Oberfläche der Erde vest ist, so kan
darauf keine Veränderung entstehen und
geschehen als die die durch die Sonne und
den Mond gewürket wird und also sind
wir genötiget, uns vorzustellen, daß
der Mittelpunct der Erde noch gähret
und daß sich daselbst die Lufft von der
ursprünglichen chaotischen Materie
noch immerweg absondert, und aus
diser Ursach ist das Erdbeben am gewisse-
sten zu erklären.

/Die Communication und schnelle Mittei-
lung des Erdbebens bestätiget dises
und zeiget an, daß die Ursache der Erd-
beben nicht über uns also nicht in der
Sonne und im Monde sondern unter uns
in dem Inwendigen der Erde zu suchen
ist. Etwa 10 Secunden dauert ein Erdbeben
und denn fängt wider ein anderes an.

/ Von

|P_108

/ ≥ Von den Feuerspeienden Bergen ≤

/Die Erdbeben stehen im Zusammenhange mit den
Feuerspeienden Bergen. Wenn bey Neapel die
Erde bebt, so hört der Vesuvius auf Feuer
auszuwerffen. Die Erdbeben geben auf
einmahl nicht viele Erschütterungen, 10 bis
12 Secunden dauert nur ein Erdbeben und
darauf fängt ein anderes an.

/Die Ausbrüche geschehen aus den Spitzen der
Feuerspeienden Berge und die erste Mate-
rie die ausgeworffen wird, ist weich, weil
sie im Wasser aufgelöset @werden@.

/Solche Berge die nicht anders als durch Erdbeben
entstanden sind, bestehen aus solchen La-
gern der Erde, die alle weich waren und
hart geworden sind. Der Vesuvius selbst
besteht aus Schichten die aus dem Wasser
erzeuget sind, denn wenn er nicht auf
solche Art entstanden wäre, so müßte
der Ausbruch nicht durch die Spitze sondern
durch einen nähern Weg geschehen.

/Ueberhaupt alle Berge die aus ihrer
Mündung Feuer ausspeien, sind auch eben
daraus entstanden. Bey der Insel Sani-
no ist eine neue Insel entstanden, die

/ aus

|P_108R δZ_2

/Fig._22

|P_109

aus» die aus lauter solcher Materie besteth wie die
Feuerspeienden Berge.

/In Europa, wenn Ißland dazu gerechnet werden
kan, haben wir 3 Feuerspeiende Berge, Hecla
auf Ißland der viele Nebenberge hat, die
alle Feuer speien wie der Berg Grablo, und
in Italien Aetna und Vesuvius.

/Der Etna ist der Vater der Feuer speienden
Berge, denn an ihm sieth man den gantzen
Reichthum des Auswurfs der Feuermaterie
Er hat 12.000 Fuß perpendiculairer Höhe
und seine Spitze ist mit Schnee bedekt.
In seiner Basi oder Grundlinie beträgt
er 4 Meilen. Man hat anderthalb Tage-
reisen zu thun, ehe man seine Spitze er-
reichet, von unten siehet man sie gar
nicht. Die Mündung an seiner Spitze
heißt der Krater. Durch seine Abhängig-
keit sind Ausbrüche entstanden eruptio-
nes, davon einige so hoch und noch höher
sind wie er selbst und die alle gleichsam
Kraters haben. Es sind Jahrhunderte ge-
wesen, wo die Kraters gar nicht gespie-
en haben. In 12ten Jahrhundert hat Ve-
suvius zu speien angefangen. Damahls

/ waren

|P_110

/waren Wälder auf ihm gewachsen, worin sich
wilde Thiere aufhielten. In der Folge der
Zeit erhob sich ein Erdbeben und kurtz da-
rauf fing der Berg an zu speien, so daß
dadurch erbä<r>mliche Zerrüttungen gemacht
sind. δblank So <weit> die römische Geschichte
reichet, findet man, daß Etna beständig
gespien hat Vesuvius aber nicht. Vor
Erbauung der Stadt Rom soll er gespien
haben, als wo von einige Geschichtschreiber
die Spuren beschrieben haben.

/Auch an andern Orten findet man Spuren
von Feuerspeienden Bergen. Bey Eger
sieth man einen Krater. In Köln
wird eine Steinerde oder überschwemmte
Asche aus den feuerspeienden Bergen
die Turasch oder auch Tuff genannt
wird, an die Holländer verkaufft.
Mit diser Asche kan man unter dem
Wasser mauern, das Gemäuer ver-
geht nicht, sondern wird beständig härter

/In den feuerspeienden Bergen
kocht es so sehr und ertöset, daß ein
Stoß der zu Neapel geschiehet, sehr weit
gehört werden kan. Vor dem Feu-
erspeien geht allemahl ein PlatzRee- 

/ gen vorher

|P_111

/vorher, der Rauch ist electrisch und fast gefär-
licher wie der Bruch selbst.

/Zur Zeit des Speiens des Vesuvius sind viele
Städte überschüttet worden als die Stadt
Herculaneum, die man anjezt aufgräbt
und verschiedene Schrifften und Alterthümer
entdeket, die man aber weil sie von der
Hitze mürbe geworden, nicht lesen kan.
So mag es vielen Städten, von denen wir
nichts wissen, gegangen seyn, als welches
sich sicher schliessen läßt aus den Spuren
solcher Revolutionen und Entwikelungen.
Das was die feuerspeiende Berge auswerfen
heißt die Lava. Die Lava ist ein Strohm
von zusammengeschmolznen Metallen
der plötzlich hervorbricht und sich darauf
herabläßt. Sie ist eine teudsche Meile
oder 2.300 Ruthen breit. Sie ist als eine
SchwefelWolke anzusehen, die sich 2 bis 3
italiänische Meilen weit schiebet.

/Der Etna hat so viel Lava ausgeworffen
daß davon 3 bis 5 so grosse Berge gemacht
werden könten wie der Vesuvius ist.

/Am Tage sieth die Lava wenn sie auch glüth
wie ein Rauch aus, bey Nacht aber wie

/ lauter

|P_112

/lauter Feuer. Wenn die Lava hart wird, so
kan man sie wie Steine brauchen. Zu Neapel
werden damit die Strassen gepflastert %.und
in Sicilien bauet man davon Häuser %.und Kirchen.
Man hat dem Andenken des @%.heiligen@ Agatus und @%.heiligen@
Ianuarius eine Geschichte aufbehalten, daß
bey der Stadt Catanea die keinen Hafen hatte
ehedem, bey Gelegenheit des Feuerspeiens,
von diser Lava, als sie sich vom Berge Etna
in die See ergoß, ein prächtiger Hafen ge-
macht worden ist, Ein andermahl kam
eine andere Lava die den Hafen ausfüllte
und so unbrauchbar machte.

/Die Lava ist öffters sehr hoch, so, daß sie
hohen Bergen nichts nachgiebt.

/Die Asche aus den Feuerspeienden Ber-
gen gewähret hernach den fruchtbarsten
Boden. Sie dünget ihn.

/ ≥ Von dem Wasser das zum
vesten Lande gehöret ≤

/Flüsse Seen Morräste sind die Wasser, die
zum vesten Lande gehören.

/Der Morrast würde auch eine See seyn, wenn
er tiefer und reiner wäre, darin unterschei-
det er sich von einer Landsee. Das Wasser

/ des

|P_112R δZ_23

/Fig._23.

|P_113

/des vesten Landes kommt aus den Quellen und der
physische und natürliche Ursprung derselben ist gar
nicht schwer einzusehen.

/Mit ie flüchtigeren Auge man die Erde ansieth,
desto weniger wird man den regelmässigen
Bau derselben gewahr, untersucht man
aber, so sieth man, daß daselbst alles in ei-
ner Ordnung neben einander liegt.

/Die Insel Adscension ist ein verbranter Felß
oder ein übereinander gehäuffter Hauffen,
also ist es natürlich, daß darin Quelladern
nicht entspringen und seyn können. So
würden auch auf der Erde keine Quella-
dern seyn, wenn sie ein Schutthaufen von
allerley Materie wäre; aber sie ist nicht
so beschaffen sondern sie liegt ordentlich nach
gewissen Schichten.

/Die DammErde ist die oberste Fläche von der
schwartzen Erde, bey uns ist dise oberste
Platte sehr klein, unter ihr befindet sich
der Leim, der als ein Gewächs von der
unter ihm sich befindenden todten
Erde anzusehen ist, wie das flüchtige
Alcali welches sich in allem Kalk be-
findet, zum Thier_Reich gerechnet wer-
den kan. Nach diser GewächsErde kom- 

/ men

|P_114

/kommen die Schichten, dise halten nichtbestän-
dig eine Ordnung sondern sie sind nach gewis-
sen Gegenden auch in verschiedener Ordnung
befindlich. δblank Dise Erdlager liegen so
übereinander, wie die Blätter in einem
Buch. Die Dike, die ein Stratum und «¿¿» Lager
an einem Ort hat, diselbe hat es auch an ei-
nem andern so weit es sich erstreckt. Offt
sind sie von grosser Dicke und die Dicke wird
hier die Mächtigkeit genannt. An manchem
Ort ist ein mächtiges Lager von Ton, her-
nach folgt ein Kieß 10 Fuß dick, hernach
eine Schichte Kalk und man findet gewön-
lich, daß sich dise Lager der grossen Schwere
nähern. δblank Die Lagen daraus die
Erde besteht, sind nicht horizontal sondern
sie incliniren und neigen sich wie die
Landesflächen. δblank Die Quellen sind die
Gänge, die sich das Wasser zwischen den
Schichten durchbort. Da die Lager abschüssig
sind, so fließt es natürlich dahin, wo sie
incliniren und sich hinneigen. Ein guter
feiner Ton läßt das Wasser nicht gern
durch. Wo die Quelladern zum Ausbruch

/ oder wie es

|P_115

/es genannt wird, an den Tag kommen, da machen sie
einen Bach. Wenn viele Quelladern ausbre-
chen so entstehn auch viele Bäche und wenn
sich die Bäche vereinigen, so entsteht ein
Strohm oder ein Fluß.

/Wenn ich eine Quellader durchs Graben abschnei-
dem so mache ich einen Brun.

/Daß die Quelladern dem Strohm viel Wasser
zuführen, ersiehet man daher, daß wenn
ein Fluß in Ansehung seines äussern Was-
sers gleich ziemlich abnimmt, er doch von ihnen
so viel Wasser zugeführt erhält, daß er nieh-
mahls aufhöret zu fliessen.

/Hin und wider entspringen auf solche Art
Quelladern aus dem Grunde des Meeres
als bey dem kleinen Ort Elkaliff, wo man
frisches trinkbares Wasser aus dem Grunde
des Meeres hervorholen kan.

/Alles QuellWasser kommt aus der Lufft.

/Einige glaubten, daß die Berge das Wasser
vom Ocean und Weltmeer wie ein Stük
Zuker an sich ziehen und es hernach heraus-
lassen. Aber daraus läßt sich nichts
erklären.

/In der gantzen Welt ist keine Quell oder

/ Brunn anders

|P_116

/anders möglich, als wenn das Land rund herum
höher liegt als wie die Quelle oder der Brunn.
In den Gebürgen ist alles voll von Quellen,
weil die Gebürge höher sind, wie das Land an
sich. Auch in ebenen Flächen mögen Quellen
seyn, aber sie entspringen aus einer Höhe %.und
es kan seyn, daß sie von ihrem Ursprung «¿¿»
schon weit entfernt %.und abgelegen fliessen.
So sind die Brunnen in Arabien und Afrika.
Sie sind mit grosser Mühe von dem gantzen
Volk gegraben %.und werden angelegt in der Art,
Man gräbt stuffenweise bis 100 Fuß tief in
die Erde %.und zwar so, daß es nach unten zu
immer enger und enger wird. Bis man auf
die Schichten kommt, muß sehr tief gegraben
werden, weil hier ehedem im innländische<n>
Meer Banken gewesen, von denen sich eine
so grosse Sandschichte gesezt hat; in die das
<Wasser> perpendikulair sehr tief in die Erde dringt;
also muß man zunächst dise Sandschichte
durchgraben so lange, bis man auf ab-
schüssige Schichten kommt %.und da findet man
Quellen. δblank In gewissen Strichen
und Districten in Arabien troknen die

/ Brunnen

|P_117

/Brunnen aus, oder die Heuschreken fallen hinein
crepiren und verpesten den Brunnen. Die
Wüsten in Arabien und Afrika, wenn sie auch
viel Wasser bekommen, sind niemahls fruchtbar.

/Die russischen Steppen oder Wüsten sind von
etwas anderer Art. Die Wüste Barba kan
schon bebauet werden, doch wenn es im Sommer
nicht reegnet, so troknet alles aus. Alle
Steppen in Rußland liegen zwischen 2 Ströh-
men und zwar höher als die Ströhme und
also kan da keine Quelle entspringen, wie
die Erde nur übereinander gehäufft ist.

/ ≥ Von den Quellen ≤

/Einige Quellen fliessen periodisch, andere
zwar nicht periodisch aber doch nach gewissen
Abwechselungen. Solche periodische Quellen
giebt es in der Schweitz, indem einige
nur im Sommer fliessen, weil daselbst
sehr hohe SchneeGebürge sind; wenn der
Schnee auf ihnen einigermassen schmilzt
und herabfließt, so fliessen unten die
Quellen. Es giebt auch Quellen, die
nur des Nachts fliessen, weil der
Schnee im Tage schmilzt und das geschmolz- 

/ ne SchneeWasser

|P_117R δZ_14

/Fig._24

|P_118

/Wasser nach und nach im tage von der Höhe der
Gebürge herunter fließt und sich sammelt, wo-
rauf es denn des Nachts durch die Quellen sich
ergiesset. Drum heisset «sie peri» es, sie fliessen
periodisch, weil sie ihre gewisse Zeit halten,
wenn sie fliessen.

/Es giebt auch Quellen, die sich nach dem Monde
richten. In Grönland und Ißland sind solche
auch bey Krakau in Pohlen soll eine seyn.
Wir haben schon angemerkt, daß die Anzie-
hung des Wassers vom Monde in 24 Stun-
den 2mahl geschiehet und das auf die Art,
daß er einen Ort mehr wie den andern
anzieht, der alsdenn fallen muß, weil er
nicht angezogen wird. Hier aber ist es noth-
wendig, daß der Mond eine merkliche
Grösse der Fläche an sich ziehe, damit alle
Theile darin horizontal bleiben können,
welches er aber doch nicht thun kan oder
vielmehr, wie wir es nicht einsehen kön-
nen und er tuth es doch demohngeachtet
in Ißland. δblank Doch man merke, daß es
Länder giebt, wo der Mond mehr Einfluß
hat in die Gewächse und Witterung als

/ wie bey uns, als

|P_119

/als unter den Polen und auch unter dem Aequator.
Dis wird bestätiget durch Erfarungen, welche die
Beobachter gemacht haben. Ein spanischer Ver-
fasser
[???] giebt uns Nachricht, daß in Peru ein
Rohr ist von der Höhe eines Mastbaums. Es
ist hohl und enthält in sich viel Wasser und
dis Wasser in dem Rohr nimmt zu und ab
mit dem zu und Abnehmen des Mondes.
Linth [Lind] ein englischer Verfasser hat geschrieben
von den Krankheiten der Menschen in
verschiedenen Weltgegenden. Er merket
an, daß wenn in Bengalen die Landes
Krankheit eingerissen ist, welches faule
Fieber sind, das Sterben der Menschen
nach dem Monde vorfällt und sich richtet.
Zur Zeit der Abnahme des Mondes ster-
ben sie häuffiger als beym zunehmen, ist
aber eine Mondfinsterniß, so sterben sie
am häuffigsten. δblank Dise Begebenheit kan
nicht erkläret <werden> aus dem Einfluß, den der
Mond hat auf das Wasser des Erdbodens,
indeß müssen wir sie nicht gleich für un-
möglich halten. δblank Der Mond würkt auf
unsern Lufftkreiß nicht mehr als auf
die Erde oder aufs Wasser, wenn er das

/ Wasser

|P_120

/Wasser 10 Fuß hebt, sohebt er die Lufft auch so
hoch. δblank Wir können aber nicht
wissen, ob es nicht noch sonst eine einflies-
sende Krafft giebt, woraus man auch zu-
gleich alle electrische Erscheinungen der
Nordlichte und des Gewitters erklären
kan. Wenn dises hoch und weit sich er-
strekt, denn darf der Einfluß des Mon-
des nicht einmahl nahmhafft gemacht wer-
den. Im Meer ist es von lauter @Aether@,
welches genannt wird die Pneumospherie.
Dem ohngeachtet aber müssen wir die Er-
farungen des Einflusses des Mondes
nicht wegwerffen sondern annehmen, wenn
wir sie gleich nicht einsehen können. Es
scheint, daß wir einmahl würklich eine Re-
gel davon geben werden können, wenn
wir mehr Beobachtungen anstellen werden.

/ ≥ Von den Quellen
nach dem Inhalt und Beschaffenheit des Wassers ≤

/Die Brunnen enthalten reines Wasser,
worin sich nicht etwas vegetabilisches nicht
etwas aus dem «Thierreich» pflanzen-
reich noch etwas aus dem Thierreich be- 

/ findet. Das

|P_121

/Das Reegen_Wasser enthält viel aus den Thier-
reich und pflanzenreich und dis ist die Ursach,
weshalb es so bald fault. Das Wasser welches
aus der Lufft kommt, ist rein vom minerali-
schen, das Wasser auf der Erde aber enthält
davon um so viel mehr. δblank Unter die
Erdwasser gehört das harte Wasser, das ist
das Wasser, welches in sich Mineralien führt,
das Wasser welches die wenigsten mine-
ralischen Theile in sich hat, heißt das weiche
Wasser, dis ist das Sumpfwasser, es hat
aber desto mehr vegetabilische Theile.
Das weiche Wasser löset die Seife auf %.und
die Gewächse lassen sich darin gut kochen,
das harte tuth dises nicht, es ist aber gut
zum trinken.

/Was sich von disem harten Wasser auf dem Bo-
den ansezt, das nennen die gemeinen
Leute Salpeter. Es ist dis der sogenan-
te KieselStein oder Tophus.

/In solchem Wasser befindet sich aufgelöset die
OkkerErde und dise hält sehr viel Lufft in
sich. Sie wird genannt der aer fixus und
wird sehr unterschieden von dem Aere

/ libro. Der Aer

|P_122

/Aer fixus kan aus dem harten Wasser nicht
anders als durch ein langes kochen gebracht
werden, wird also das Wasser gekocht, so
geht der Aer fixus heraus und dadurch
<fällt> so viel von dem Tophus auf den Boden,
der Tophus ist nur aufgelöset durch den
aerem fixum in dem Wasser. Das Quell
Wasser, welches an der Lufft lange steht, ver-
lirt auch seinen aerem fixum und wenn der
aer fixus herausgegangen ist, so wird es
schaal. δblank Mit dem Pyrmonter-
Wasser hat es die Bewandniß, daß es
den aerem fixum sehr lange behält %.und
deshalb ist es auch so sehr gesund.

/Die harten Wasser enthalten sehr viel irr-
dische Theile auch Eisentheile mit Vitriol
vermischt. Will man wissen, ob es
Eisentheile enthält, so nimmt man Gall
Apfel und gießt Wasser drauf, sobald
es wohl filtrirt ist, gießt man davon
einige Tropfen in das Wasser, welches
man probiren will, enthält dises Ei-
sentheile, so wird es gleich schwartz, will

/ man

|P_123

/man erfaren, ob es alkalinisch oder lau-
genhafft sey, so legt man etwas Saures
hinein, hievon fängt es an zu brausen,
will man erfaren, ob Kochsaltz im Wasser
enthalten, so nimmt man Feilstaub von
Silber mit Scheidewasser und gießt es
aufs Wasser, wenn dises Kochsaltz in sich
führet, so wird es hievon trübe.

/Bey einer chymischen Analysi %.und Auflösung
bemerkt man allemahl, daß aus einer
flüssigen Materie etwas verloren geht.
@Börhave@ [Boerhaave] behauptet, dis sey ein Spiritus
oder eine gewisse flüchtige Substantz in
der Krafft des Wassers, die verloren geht.
Auch in den Gewächsen befindet sich dises.
Dem Kühnöhl kan man alle Würkung
benehmen, wenn man disen Spiritus heraus-
treibt, ohne daß dadurch das Gewicht verlo-
ren geht, welches es vorher gehabt hat. Dis
nennt man den Spiritus rector %.und er ist
nichts anders als wie der aer Fixus, der
Geist der Regierer und die einverleibte
beständige Lufft.

|P_124

/Wenn man Kreide zu Kalk brennt, so steigt ei-
ne Menge Lufft heraus, die wenn man sie
in ein besonder Gefäß sammelt %.und wieget
1/3 von dem Gewicht der gantzen Kreide aus-
macht. Damit kan man folgende Erfa-
rung und Experiment machen. Wenn man
geschabte Kreide hat in einem Gefäß und
dazu Vitriol giesset, so treibt das Vitriol
die Lufft heraus aus der Kreide, wenn man
darauf an das Gefäß eine Röhre anbringt
die in ein ander Gefäß gehet, daß sich in
demselben die Lufft sammeln kan, so wird
wenn sich Wasser in disem Gefäß befindet,
dis Wasser eben so gut wie das Pyrmon-
ter Wasser. Das auf solche Art präparirte
Wasser muß man sorgfältig zu zupfropfen
%.und wohl aufbewahren, wenn man es nach-
her gebrauchen will, daß sich daraus die
fixe Lufft nicht verlieren möge. Dis
zubereitete Wasser ist kränklichen
Personen sehr gesund, hindert die
Fäulniß im Geblüth %.und stärkt die

/ Nerven. Das

|P_125

/Das Pyrmonter Wasser hat dise nervenstärkende
Krafft bloß durch den aerem fixum, es behält
ihn am längsten in sich und zwar in sehr grosser
Menge. Die Pfeffersquelle ist auch von der
Beschaffenheit, sie liegt in der Schweitz im
Canton Bern an dem Ort Pfeffer genannt.
An disem Ort enthält die Erde viel Kreyde
Schichten und auch Vitriol, wenn also die Quel-
Adern über dise Schichten lauffen, so spielen
sie Vitriol ab und davon erhält das Wasser
den aerem fixum %.und die Eigenschaft, die Ner-
ven zu stärken.

/Es giebt auch bitterwasser. Die Ursach von
der Bitterkeit des Bittern @Wasser«s»@ ist
der Salpeter Nitrum. Das Glaubasche [Glauber] Salz
kommt mit dem Bittersalz sehr überein
%.und ist ein Reinigungsmittel, medium pur-
gationis.

/Eisenhaltige Wasser corrboriren und stärk-
en sehr. Solches Wasser ist unserm Kör-
per angemessen und es ist, als wenn
davon die Röthe unsers Bluths herkommt.
Das Eisen hat eine nahe Verwandschafft
mit unserm Körper und es ist wahr- 

/ scheinlich, daß unsere

|P_126

/unsere Fasern und Muskeln daher ihre Festig-
keit haben.

/Das rechte Leben der Thiere scheint wohl @von@
dem aere fixo herzukommen und die Hälffte
des Gewichts des menschlichen Körpers
beträgt wohl die Lufft. Dise Materie ob
gleich sie so sehr flüssig ist, dient doch zu ei
nem festen Zusammenhange der Theile, die
darin eingeschlossen sind.

/Es giebt auch Schwefelbrunnen

/Alle dise Wasser, das Pyrmonter, das
PfefferWasser, das bitter Wasser, das Eisen-
haltige das SchwefelWasser werden genannt,
Gesundbrunnen; dise Gesundbrunnen ge-
währen den Nutzen, daß sie den Körper
stärken %.und roboriren,

/Wenn man «von» solche Wasser trinkt und
braucht besonders des Morgens recht
fleissig bey einer vorgeschriebenen sehr
genauen und richtigen Lebensordnung.
Viele Brunnen sind nicht so wohl durchs Trin-
ken als durchs Baden zuträglich. Alle
heisse Brunnen entspringen aus Quellen
die über Strata von Kieß geflossen

/ sind. Dise

|P_127

/Dise Strata sind von Metall %.und Schwefel gemischte
Stüke und sehen wie Messing aus. Der Kieß
auch Pyrites genannt, hat die Eigenschafft an sich,
daß wenn er an der freyen Lufft liegt %.und es
reegnet drauf, er sich erhizt. Dis scheint
der Ursprung der warmen Brunnen zu
seyn.

/Alle kalte Brunnen entspringen aus Quellen
die über Strata von Gips und Alabaster flies-
sen. Der Gips ist ein Kalk gesättiget mit
VitriolOehl und der Alabaster ist von
ihm darin unterschieden, daß er sich besser
verarbeiten läßt. Wenn Wasser mit Gips
vermengt wird, so ist ein gantz ander
Phänomenon zu sehen wie beym Kalk
Wenn also in der Erde Gipslager angetroffen
werden und es fliessen Quelladern
darüber, so nehmen sie die Kälte an vom Gips
Mergel ist wider vom Gips unterschie-
den, es ist eine Composition %.und Mischung
von halb Ton %.und halb Kalk. Er wird Ton
Mergel genannt, wenn sich darin mehr
Ton als Kalk befindet %.und Kalk_Mergel,
wenn sich mehr Kalk als Ton darin finden
läßt. Durch disen Mergel werden die

/ sehr strengen

|P_128

/strengen lehmigten Aeker verbessert %.und frucht-
bar gemacht, die Aeker hingegen die viel
Kalkigtes in sich enthalten, werden verbessert
durch Gips, der von der VitriolSäure auf
geschlukt wird.

/Das KarlsBad und das Ach«¿»nerbad sind
heisse Brunnen. Auch in Grönland %.und Iß-
land soll es solch heisses Wasser geben,
welches wie Fontainen %.und Springbrunnen
über 60 Fuß hoch getrieben wird. Dis ist
eine chymische Hitze die durch Vereinigung¿
gewisser Materien entspringt %.und ist sehr
unterschieden von der physischen Hitze.
Die chymische Hitze wird in ihrer Efferues-
cence %.und Aufsiedung durch die Lufft beför-
dert. Will man solches Wasser kochen,
so muß zuerst das physische Feuer den
aerem fixum heraustreiben %.und darauf
erfodert es noch so viel Zeit zum Ko-
chen wie ein gemeines Wasser. Kalt
soll es mehr wiegen wie warm. Die
wahre Ursache hievon kan man nicht
angeben.

/Es giebt auch kalte Brunnen, deren Wasser

/ man nicht

|P_129

/nicht in den Mund nehmen kan, wenn es gleich an
der Sonne liegt. Solch kaltes Wasser löset Ma-
terien auf die die Kälte noch vergrössern
und dis ist die VitriolSäure

/Es giebt auch Brennbare Brunnen. Sie sind kalt
wenn man ihnen aber brennbare Materien
nahe bringt, so werden sie von ihnen ange-
zündet. Bey Edenburg in Schottland ist ein
solcher Brunnen, wenn man an ihn ein Stroh-
wisch anhält, so zündet er sich an

/Es giebt Brunnen, die willkührliche Me-
talle enthalten; aber kein Metall ist
im Wasser in größerer Menge anzutreffen
als das Kupfer. δblank Das Cement_Wasser
in Ungarn und Liefland hat eine Art
Kalk, die aller Witterung %.und Näße wider-
stehet. δblank Das Parasso ist eine Asche von
den feuerspeyenden Bergen, diser be-
dient man sich, unter dem Wasser
zu bauen, wird sie mit Sand %.und Kalk
vermengt, so kan sie vom Wasser
nicht aufgelöset werden sondern wird
noch immer stärker.

/In China verwandelt man die Metalle
in Kalk oder in eine metallische Erde.
Die gemeine Art solcher zu machen, ist,

/ Man löset geschabtes

|P_130

/geschabtes Silber auf durchs Scheidewasser %.und tuth
etwas Sal_Tartari hinzu, denn ist das Silber
was zu Boden fällt, ein Silber Kalk. Wenn
Kupfer in Vitriol Säure aufgelöset wird, denn
sezt sich etwas auf den Boden und das Wasser
heißt alsdenn das Cement_Wasser. Wenn man
in solches Wasser Eisen wirfft, so wird es da-
rin aufgelöset und ie mehr Eisen darin
aufgelöset wird, desto mehr Kupfer sezt
sich auf den Boden. Das Cement Wasser
vom Kupfer wird zum legiren der Mün-
tzen gebraucht.

/Es giebt auch giftige Brunnen. Zwar enthal-
ten sie nicht Gifft aber die Dünste daraus
sind gifftig, denn sie tödten, wenn man ihnen
nahe kommt. Das eigentliche Gifft darin
besteht aus dem Schwefel, der dem
Menschen die Lufft benimmt; wenn er
in grosser Menge in die «¿¿¿»<Lungen> kommt.
Es giebt Saltzbrunnen %.und SaltzQuellen;
durch gantz Deutschland giebt es Saltz
Quellen recht viel. In Kollberg ist ein
Saltzbrunn. Das Saltz in denen Saltz-
brunnen heißt die Saltzsohle. Die Salzsohle

/ ist von

|P_131

/von mehr oder weniger Gehalt. Sie muß
gradirt werden. Sie ist bis zu dem Grad ge-
saltzen, daß sie 3mahl mehr Saltz als Wasser
enthält und dis nennt man das Wasser
ist völlig gesättiget. Die SaltzSohle in
Halle wird also gradiret, das Wasser fällt
von oben auf einige StrohBündel die auf
Gefässen liegen, darauf sezt sich ein Tophus,
disen kocht man, darauf dunstet das
Wasser aus %.und es bleibt nur das Saltz
übrig. δblank Zum kochen des Tophus
brauchet man lieber Steinkohlen als Holtz.
Vordem haben in Halle viele Krankheiten ge-
wütet, man schrieb sie den Dünsten des Holtzes
zu, welches so häuffig verbrannt wurde. Die
Holtzkohlen haben etwas arsenikalisches
in sich und sind also äusserst gefärlich beson-
ders der Dunst der alsdenn entstehet, wenn
bloß Kohlen da sind. Dieienigen die
allda das Saltz zubereiten %.und verfertigen
werden genannt Halloren.

/In einigen Ländern giebt es Saltzteiche.

/In dem äussersten Rußland ist ein Saltzteich.
Wenn das Wasser ausdunstet, so setzet sich als

/ denn das

|P_132

/das Saltz in grossen Stüken auf den Grund des Teiches
es wird darauf gereiniget, weil es schwartz ist
und hernach an die Krone abgeliefert %.und hinge-
führet. δblank Pallas in seiner Reisebeschreibung
merket an, es wären alle Spuren da, daß
das Kaspische Meer ehedem so weit sich erstrekt
habe, daß es zusammenhing mit dem schwartzen
Meer, daß also dazumahl die«¿» gantze astraka-
nische Steppe unter Wasser gelegen. Daher
findet man in allen Steppen die nicht weit
vom schwartzen Meer liegen, sehr viel Saltz;
wie man überhaupt gemeinhin viel Saltz
findet in den Ländern, die nicht gnungsa-
me Abschüssigkeit haben, wie auch in denen
die schwischen Ströhmen liegen %.und nicht gnung-
same Abschüssigkeit haben.

/In Europa trifft man nicht Saltzteiche an,
nur gegrabnes Saltz, als in Pohlen und
England, es muß aber zuvor geläutert
werden.

/Zu den heissen Brunnen von denen wir gesagt
gehören die Dampfbäder.

/Bey Pyrmont ist ein Dampfbad, man ent-
kleidet sich daselbst in einer grossen Höhle
kalte Brunnen haben auch Ritze in der Erde

/ und

|P_133

/und durch sie steiget ein Dampf aus dem Brunnen,
der die Vögel in der Lufft ersticket.

/Eben dise Würkung bringt auch die Lufft hervor
die lange stille gestanden und eingeschlossen
gewesen war, weil sie hidurch zum Athemholen,
und Respiration untauglich geworden.

/Eine solche tödtliche Lufft entsteht aus den Schwefel-
Theilen, an sich sind sie gesund, kommen sie aber
in gar zu grosser Menge in den Menschen,
so werden sie schädlich, aus dem Kohlendampf,
wenn er stark %.und hefftig ist, er schwächt die Ner-
ven und erzeuget die Hipochondrie %.und selbst
von der menschlichen Ausdünstung %.und Athem,
wenn viele in einer Gesellschafft zusammen sind,
die stark ausdünsten. Das Gefängnißfieber
macht eine solch tödtliche Lufft. Durch Geruch
einiger Blumen als der Veilchen Lilien
besonders wenn sie etwas troken sind, ist
auch gefärlich. δblank Die schädliche Ausdün-
stung zu vermindern, muß man die Wände
in dem Zimmer mit Essig waschen und mit
Schweffel das Zimmer durchräuchern. Dis
ist äussert nothwendig in Lazaretten und
Krankenhäusern, an grossen Versammlungs-
Plätzen, in den Bergwerken, Gewölber<n>
%.und Kellern.

/ Wenn

|P_134

/Wenn man alte Gewölber und Keller ausräumet
so hat man Ursach, sich zu fürchten und sorgfältig
in acht zu nehmen vor der verpesteten Lufft
die darin eingeschlossen ist. Wenn an einem
solchen Ort ein angezündetes Licht nicht brennen
will oder eine abgedrukte Pistole nicht
loßgeht, so ist die Lufft äusserst gefärlich und
wohl auf der Stelle tödtlich. So ist die @Grote@
del Cane oder die HundsGrotte beschaffen.

/Endlich giebt es Quellen, die versteinern
Es ist ein Unterschied zu machen zwischen
dem Versteinern, dis ist die Petrifaction
%.und dem Besteinern, dis ist die Incrustation
Bey der Petrifaction ist etwas innerlich ver
änderlich und bey <der> Incrustation ist etwas
äusserlich veränderlich, es wird etwas von
aussen überzogen. Die Versteinerung
geschieht sehr langsam, die Incrustation
%.und Ueberziehung um so viel geschwinder
Die warmen Brunnen als der bey Eger
das Karls_Bad haben ausser den Mine
ralTheilen noch einen Tophus.

/Solche Wasser können etwas versteinern
und überziehen. In dem Inwendigen
solcher Quellen sind grosse Steine, die

/ vielen

|P_135

/vielen Menschen Anlaß geben oder sie nehmen
von ihnen Anlaß, sich um ehemalige Merk-
würdigkeiten zu bekümmern. Die Steine
sollen allerhand Figuren %.und Personen vorstellen
und wenn überdem die Einbildungskrafft
mit ihrem Spiel dazukommt, so kan sich dise
die allerseltsamste Obiecte %.und Gegenstände
schaffen. Man nennt es ein Spiel der Natur,
aber sehr unrichtig, denn dise Dinge %.und Fi-
guren sind bloß auf eine zufällige Art
entstanden und die Natur spielt gewiß
niehmahlen. δblank So ist auch die Baumanns
höhle beschaffen. Einige Steine sollen die
Figur eines Tauffsteins andere eines
Mönchen haben. Ein solcher Stein entsteht
durch das Herabtropfen des Wassers
von der «Erde» Oberfläche der Höhle, dis
Wasser dünstet aus %.und denn sezzet sich
der so genannte Spat, der Tropfstein wird
genannt Sinter. Weil er por«ö»o<e>s ist, kan
er zu nichts gebraucht werden.

/Obgleich solches Wasser sich ansezzet in eine
crustam, so haben es die Menschen doch ge-
nossen, denn alle unsere NahrungsMittel

/ enthalten viel

|P_136

/viel Stoff, veste Steine hervorzubringen %.und man
darff nur eine Disposition haben, das Wasser
zu elaboriren, eine Anlage, das Wasser auszuarbeiten.
So ist es auch mit den Würmern.

/Iedes Thier hat seine besondere Art von Wür-
mern nach einer nähern Untersuchung. Klein
ein berühmter Naturforscher und Secretair
der Stadt Dantzig hat dises bemerket.
Würde in irgend einem Thier kein Wurm
anzutreffen seyn, so würde es beym Menschen
seyn; da aber der Mensch schon durch die Zeugung
den Wurmsaamen erhält, so <hat> man geschlossen
daß auch schon der erste Mensch solche gehabt
haben müsse und daß die Würme von ihm
auf die Nachkommen fortgepflanzet worden
In alten Zeiten hatte man angenommen
eine generationem aequivocam, daß @aus@
derselben rohen Materie auch so was rohes
entstehe; iezt nimmt man an eine generatio-
nem onivocam, daß nur bloß aus einer
Art auch nur eben solche Art progenerirt
%.und erzeuget werde.

/ ≥ Von den Flüssen ≤

/Die Natur hat es geordnet, daß sich das
Wasser nicht in Sümpfe oder inländische

/ Meere

|P_137

/Meere sammle sondern daß es so regelmässig
durch besondere Kanäle und Rinnsähle
durch den gantzen Erdboden geführet wird.
Dazu gehören alle Biegungen des Bodens;
nicht, daß es bloß gegen den Strohm ab-
schüssig ist sondern selbst das Bette des
Strohms muß eine Abschüssigkeit haben,
daß das Wasser zum Meer geführt werden
könne. δblank Bey allen Ströhmen
kan man dis als eine Regel annehmen,
sie entspringen so, daß sie mit denen
Bergreihen aus denen sie entspringen,
einen rechten Winkel machen. Die
Ströhme, die aus dem AlpenGebürge
entspringen, machen mit ihm einen
rechten Winkel. Gemeiniglich erstrekt
sich auch ein Bergrüken von beyden Sei-
ten des Strohms. Dis war auch nothwen-
dig. Sollten die Ströhme durch den Fort-
fluß immer grösser und grösser wer-
den, so musten sie auch durch Quellen
unterhalten werden, sonst würden
sie versiegen, wenn sie keinen Nachschus
hätten, die Quellen aber entspringen,

/ in den

|P_137R δZ_3

/Fig._25.

|P_138

/den Gebürgen.

/Iezt erwägen wir die allgemeinen Merkmah
le von den Ströhmen.

/Die Bewegung und der Lauff der Ströhme
kommt von der Abschüssigkeit des Landes her.
Ie mehr ihr Boden abschüssig ist, desto schnel-
ler lauffen sie. Also ist das Gefäll eine
Ursach von der Geschwindigkeit des Strohms.
Wenn 2 Ströhme verschiedene Gefälle haben
so hat der Strohm der ein grösser Gefäll
hat, auch eine grössere Geschwindigkeit
oder er fließt reissender mehr rapida@ls@
der andere und ie tiefer und grader er
ist, um so viel schneller ist auch sein lauff.
Man hat gefunden, daß die Ströhme wenn
sie nicht weit vom Meer sind, grade lauf-
fen, nicht weit von den Quellen hingegen
fliessen sie schnell.

/Die Grösse der Ströhme kommt auf ihre
Länge an. Der Amazonen_Strohm ist der
Längste, er läufft auf 700 Teudtsche Meilen
nach ihm folgen der Grösse nach der «Ganges»
<Senegal> der Nil der kleiner ist wie der «Ganges» <Senegal>
und der Mississippi der in den messu-
rischen Gebürgen entspringt und der

/ Ganges

|P_139

/Ganges, diser entspringt aus dem Gebürge, wel-
ches Indostan von der Bucharey absondert
und fliesset von Nordwest nach Südwest.
In Europa ist der größte Fluß die Donau.

/Ein Fluß kan auch groß genannt werden,
wenn er viel Wasser in sich enthält.

/Betreffend die Breite der Ströhme, so ist,
de_la_Plata 60 Meilen breit so wie auch
der St._Florentius in Canada, daß man
aus der Mitte des Strohms kein Land sehen
kan. Der Amazonen_Fluß ist so tief als
de_la_Plata, wenigstens 200 Faden tief und
die Höhe von der er fällt, beträgt 13.000
Schuh. Selbst die kleinern Ströhme die in
disen Strohm fallen, sind sehr groß, als der
Rio Bacco Velaio und zwar grösser als der
Nil bey Kairo.

/Grosse Gebürge und Wälder sind die Ursach,
daß die Dünste in der Ausspannung er-
halten und hernach zusammengepreßt
werden.

/Der Strohm Zairi ist sehr schnell Rio Gallo
aber der schnellste Strohm in der Welt,
er hüpft wenn er ins Meer kommt. Es
sind viel schnelle Ströhme, doch sind die

/ meisten

|P_140

/meisten so beschaffen, daß sie mittelmässig
fliessen, so, daß sie schiffbar sind.

/In den alten Zeiten haben die Ströhme viel
grössere Gefälle gehabt wie anjezt, als wel-
ches man an den hohen %.und steilen Gebürgen
die von beyden Seiten des Strohms stehen
sehen kan.

/Die WasserGefälle findet man nicht auf einem
Boden von Erde sondern auf den Felsen, sonst
möchte das Wasser die Erde so lange weg-
spühlen, bis sie den andern Oertern gleich wäre
Dergleichen Wasserfall ist in Europa am
Reihn bey Schaffhausen, wo das Wasser 75
Fuß tieff fällt aber nicht perpendiculair,
der Nigara in NordAmerika, ehe er sich
in den Ontario ergießt, fällt über 150
Fuß %.und zwar perpendiculair, Bagatu ein
kleiner Fluß in NordAmerika hat einen
perpendiculairen Fall von 1.200 Fuß.

/Weil man nun aus diser Ursach nicht wei-
ter auf dem Fluß fahren kan, so macht
man sich daselbst Böte, die von einem
Fluß zum andern herübertragen, die Russen
nennen sie @Hollachs@ und die Franzosen @Portage@.
An einigen Flüssen sind Kanäle, auf de- 

/ nen man

|P_141

/man von einem Strohm auf den andern faren
kan, wie der Kanal bey Languedoc, der Lud-
wigsKanal, der 15 Meilen lang ist.

/Einige Flüsse scheinen sich in der Erde zu
verlieren %.und kommen wider hervor, wie die
Rohne, daselbst soll ein so groß Getöse seyn
als wenn ein Wagen fährt beladen mit
Eisenstangen. Man sieht wohl, daß daselbst
das Wasser die Oberfläche überschwemmt
hat und hernach sich durchgearbeitet. Die
Guadiana fließt zwischen Gebürgen und
Wäldern, daß man sie nicht leicht wahr-
nehmen kan. In der Wüste von der
Bucharey und in Persien wo es Plattfor-
men giebt die keinen bestimmten Lan-
desrüken haben, sind Ströhme, die in den
daselbst sich befindlichen Sandwüsten ste-
ken bleiben und ihren Lauff nicht fortse-
tzen können.

/Fast kein Strohm hält sich so in seinen Ufern
daß er nicht austreten sollte. Im Anfang
sind die Ströhme nicht so in ihre Rinnsäle
eingeschlossen gewesen, in der Folge aber

/ da

|P_142

/da der Zufluß des Wassers kleiner wurde,
haben sie sich immer tiefer eingegraben. In
Ungarn hat die Donau viele Seen gehabt,
welches man merklich gewahr wird.

/Noch iezt überschwemmen viele Flüsse die Wie-
sen. Gemeinhin geschiehet das Austreten
des Strohms bey seinem Ausfluß. Man giebt
sich grosse Mühe, solches zu verhindern, man
verbauet den Strohm mit hohen Dämmen von
beyden Seiten, daß er sich an einem andern
Ort ergiessen soll. Daher kommt es, daß die
fruchtbarsten Länder am Ausfluß der Ströh-
me sind. Besonders im Frühiahr geschie-
het das Austreten.

/Es giebt aber auch Länder, wo das Austreten
und die Ueberschwemmungen regelmässig
geschehen und ohne die das Land nicht an-
gebauet werden kan, als Egypten %.und Siam
in Egypten ergießt sich der Nil %.und in Siam
der Strohm Menan, das rechte Ufer vom
Nil ist eine SteinKüste und das linke eine
Sandküste, er überschwemmt die Aeker mit
Leim und macht sie so fruchtbar. Siam
könte bewohnt %.und angebauet werden wenn
sich der MenanStrohm auch nicht ergiessen
«ergiessen» möchte, denn es reegnet daselbst,
in Egypten aber reegnet es gar nicht. Die

/ Ueber- 

|P_143

/Ueberschwemmung des Nils geschiehet im Sommer im Iu-
lius und August. Ohne menschliches Zuthun
könte doch aber dise Ueberschwemmung nicht re-
gelmässig geschehen? Dahero sind Kanäle aus
dem Strohm geleitet durchs gantze Land %.und
mittelst diser Kanäle ist der Strohm im
Stande, das Land zu bewässern. Das Land
führet vielen Waitzen aus und bauet viel
Reiß. Der Reißbau ist höchst ungesund. Er will
nicht anders als auf einem nassen Boden
wachsen, hidurch wird die Lufft mit viel fau-
len Dünsten angefüllt, woher Faulfieber
entstehen, indem es bekand ist, daß in der
gantzen Welt nichts eine mehr schädliche
Lufft verursacht als ein lang stehendes
Wasser %.und dis ist die Ursach, warum das
Land Egypten so ungesund %.und schädlich ist. Die
Kinderpoken haben ihren Ursprung von
Egypten. δblank Indeß wenn der Nil nach der
Ueberschwemmung wider in sein Bette tritt,
so ist Egypten allerdings ein fruchtbares
Land, man hält es so gar für das fruchtbarste
und glaubt, es sey am ersten bewohnt wor-
den, aber diser Vorzug gehört dem Lande
Indostan. Dises Land liegt unter dem
32ten Grad. Der Sitz des Tamerlans ist hier

/ gewesen.

|P_144

/Es sind hier Gegenden, wo der Fluß Gion durch-
fliesset, auch einige Gegenden von Persien
von dem so viel Guts geschrieben wird. Die
Araber und alle Völker redeten beständig
von Indostan. δblank Die ietzige Ueber-
schwemmung des Nils ist in Ansehung der alten
nur eine Elle gringer. An einigen Orten
steigt das NilWasser 18 bis 20 Fuß hoch %.und
alsdenn vermutet man die größte Frucht-
barkeit, wenn es aber zu hoch oder zu nie-
drig steigt, so erfolgt ein Mißwachs.

/Alle Flüsse führen Materien in sich aus den
Ländern, woraus sie ihr Wasser führen.
Wenn man das Gehalt der Materien die die
Flüsse besonders im Frühiahr bey sich füh-
ren, einsehen möchte, so könte man da-
raus auch auf das Mineralische des Landes
selbst schliessen. Die kleinen Ströhme
führen ehe sie in grössere fallen, schwere-
res Wasser, als wenn sie sich schon vermengt
haben, mit sich, weil sie geschwängert sind
von der Materie die sie aus den Gebür-
gen fortgespült haben, wenn sie sich aber
mit grössern Ströhmen vereinigen, so

/ verteilt sich

|P_145

/sich auch die Materie in das übrige Wasser, folg-
lich muß das Wasser leichter seyn als <es> vor der
Vereinigung war. δblank Keine Materie nach der
die Menschen fragen, ist so wichtig wie das Gold.
Die Alten hatten das Gold bloß aus den Ströh-
men nicht aus den Gebürgen. Iezt wird
auch aus dem ReihnStrohm Gold geläutert,
aber dise Mühe bringt so wenig ein, daß nur
faule Leute sich damit beschäfftigen und sie
finden kaum so viel als sie des Tages zu
ihrem Unterhalt gebrauchen. Zwar ver-
nimmt man, daß die Ströhme in den alten
Zeiten mehr Gold in sich geführt haben, welches
aber nur so zu verstehen ist, das Gold war
damahls von einem grössern Wert wie iezt.
Lange nicht in so grosser Menge wird das Gold
am ReihnStrom als wie in Guinea gewa-
schen. Das rechte Bergwerk ist in Brasilien
In der Erde liegt viel Gold, weil es aber
nicht so schnell wie die Erde mit dem Was-
ser fortfliessen kan, so fließt es nur so-
lange bis es einen tiefen Ort oder Bu-
sen antrifft, wo es sich zu setzen pflegt und
hier wird es also hervorgesucht, Man
nimmt Bretter mit Flanell überzogen
auf dise legt man ein Stük Erde, gießet

/ so

|P_146

/so lange Wasser hinauf, bis der Sand alle wegge-
spült ist und nur das Gold am Flanell hangen
bleibt. Hirauf troknet man den Flanell und
klopft das Gold heraus. In Guinea verfärt
man auch noch anders beym Goldwaschen,
Der Flußschlamm, worin sich das Gold befin-
det, wird aufgeschöpfft, in Kuchen gebaken
und getroknet, die Kuchen werden zer-
rieben und in ein Gefäß mit Wasser ge-
schüttet, das Wasser wird umgerührt %.und abge-
gossen, wider Wasser heraufgegossen und
damit wird so lange fortgefaren bis <das> Gold im
Gefäß allein übrig bleibet. In Arabien
von dem man so viel redet, ist gar kein Gold.

/≥ Von den LandSeen und Morrästen ≤

/Unter die LandSeen können wir auch die Saltz-
seen rechnen. Dis sind Wasser, welche ir-
gend einen Abfluß zum Meer haben,
einen sichtbaren oder unsichtbaren, wie
der Genfer See und der Boden_See in
der Schweitz. Man giebt vor, daß «man in»
man in der Genfersee den Lauff des
Reihnstrohms sehen kan. Der Schein davon

/ kommt aber

|P_146R δZ_16

/Fig._26.

|P_147

/aber daher, Wenn der Reihn aus diser See fällt und
die Rhone dahin zufliesset, so muß nothwendig «ein»
ein Zug des Wassers entstehen und da ist alsdenn
mitten ein Strich zu sehen, welcher weiß ist.
Die Morräste verpesten die Lufft Bey Essec in
England sind viele Morräste, daher sehen die
Menschen daselbst alle aschfarbig aus, von
denen daselbst herrschenden Quartalfiebern
Ungarn hat auch eine solche Lage. Von ihr kommt
die ungarische Pest, die in Flekfiebern be-
steht, weshalb Ungarn der Kirchhoff der Teud-
schen genannt wird. Auch in disem Lande
herrscht das Vorurteil, daß man die Ur-
sach der Flekfieber in dem Obst finden will
wie bey uns die Ursach der Ruren darin
gefunden werden, aber beyde Krankheiten
entstehen nicht aus dem Genuß des Obstes,
als welches wider sie ein Gegenmittel ist.
In den Feldlagern kommen auch die Krank-
heiten größtentheils von den Morrästen her
die nicht weit davon liegen.

/Die berüchtigsten Sümpfe sind die ponti-
nischen von Rom nach Kapua zu. Vile
kleine Ströhme haben nicht recht ihren

/ Ablauff

|P_148

/Ablauff daselbst sondern bleiben einigermassen
steken und daher kommen die Sümpfe. Der
Wind der daselbst weht, kan einen schon in
der Entfernung erstiken. In Oberrissel und
in England bey Linkoln giebt es gleichfals
Morräste.

/ ≥ 16.

/Von der Lufft ≤

/Man teilt die Lufft in 3 Regionen oder Ge-
genden ein.

/Die erste erstrekt sich bis zu der Höhe wo
der Schnee nicht mehr schmilzt, die
2te bis zu der Höhe, über welche die Me-
theoren, die Luffterscheinungen feurige
so wohl als wäßrige nicht mehr steigen,
die 3te geht bis zu der Höhe der Atmo-
sphere. δblank Die Höhe in welcher der
Schnee nicht mehr schmilzt, beträgt bey
uns 6.000 Fuß, in Frankreich %.und Italien
10.000 Fuß und auf den Cordillairen in
Amerika 15.000 reihnländisch perpendi-
culair.

/ Die

|P_149

/Die Höhe der 2ten Region fängt da an, wo die erste
aufhört nehmlich bis zu der Höhe über die die
Metheoren nicht mehr steigen. In diser Höhe
gehen die Wolken nicht höher als eine
teudsche Meile. Sehr wenige Wolken
steigen über 6 bis 10.000 Fuß. Die übrigen
Luffterscheinungen die Sternschnuppen die
Nordlichter, Feuer_Kugeln kommen von
einer Höhe die weit grösser ist %.und mehr er-
haben. Die Nordlichter befinden sich eben
nicht sehr hoch. Durch die Beobachtungen die
man zu Wardhus angestellt hat, hat man [Hell]
gefunden, daß die Nordlichter ebenso
wie der Reegenbogen nichts mehr sind als
eine @Refraetion@ %.und Repercussion der luft-
strahlen die auf den Schneeteilchen in ho-
hen Gegenden erzeuget werden, eine
Strahlenbrechung %.und Strahlenzurükwerffung;
wenn das ist, so müssen sie nicht so hoch steigen.
Wo hört alle Lufft auf? Da wo ihre Verdün-
nung so groß ist, daß sie sich nicht mehr
ausdehnen kan. Die Lufft ist dünner,
als das Licht. Das Licht ist von so harter
Natur, daß es von allen Körpern re-
flectiret wird oder abgebeuget. Der Raum

/ der mit

|P_150

/mit Lufft angefüllt ist, beträgt ohngefehr
300.000 Fuß oder 9_1/2 teudsche Meile

/Die Eigenschafften der Lufft sind die feuchte %.und
Trokenheit die Reinigkeit die Durchsichtig-
keit und die Gesundheit und Dünnheit.

/Eine Lufft heißt nicht feucht, wenn sie viel wäß-
rige Dünste in sich enthält sondern wenn sie«¿»
viel Feuchtigkeiten verschlukt, troken aber,
wenn sie dazu unfähig ist. Man beurteilt
das Feuchte und das Trokne der Lufft nach
den verschiedenen Gegenden, darin <sie> Feuchtig-
keiten einzieht oder fahren läßt. Die
größte Feuchtigkeit kommt her von

/diken Wäldern und von Morrästen.

/Es giebt trokne Gegenden, wo keine Landseen
sind aber um so viel mehr Morräste, welche die
Ursach sind, daß die trokne lufft feucht wird.
Daß die Wälder eine feuchte Lufft verursachen,
kommt daher, weil die Blätter der Bäume
erstaunend viel ausdunsten. Ein Hopfen
Garten dunstet weit mehr aus als eine
gleich grosse Fläche Wasser.

/Die Gewächse ziehen auch in der untern Lufft
die Feuchtigkeit in sich.

/ In

|P_151

/In Porto_bello einem Hafen konten die Abgeord-
nete der Akademie zu Paris ihr Papier nicht brau-
chen, weil wegen Feuchtigkeit der Lufft die Tinte
auf dem Papier gleich zerfloß.

/Die Morräste verursachen eine feuchte %.und zugleich
schädliche Lufft, weil sie @«sich»@ dem Schein <«¿¿¿»> der Sonne
nicht entgegen «¿¿¿» und ausgesetzet sind. In
den nordlichen sind sie nicht so gefärlich wie in
den heissen Gegenden. In den nordlichen Ge-
genden von Egypten ist eine sehr trokne Lufft
Die Einwoner machen künstliche Fontainen und
Springbrunnen, womit sie das Wasser in die
Lufft sprützen, um sie etwas feucht zu ma-
chen, oder sie bedienen sich auch nur bloß ge-
meiner Wasser dazu. Am arabischen Meer-
busen ist ein Hafen genannt Gamro. Hier
troknet der Schweiß gleich ab und die euro-
päischen Völker werden daselbst aus diser
Ursach gleich entzündet. Dadurch daß die lufft
so sehr austroknend ist, troknen die lufftGe-
fässe im Menschen und dis verursacht eine
Entzündung. Sehr trokne Lufft muß also so sehr
als möglichst vermieden werden.

/Wir athmen die Lufft in uns und dadurch
erhalten wir 2 Würküngen,

/Sie löset die Lunge auf als eine pneumati

/ sche Machine

|P_152

/Machine oder als ein geistiges Werkzeug und
bringt dadurch zuwege, daß das Bluth durch die
Adern gut umlauffen und cirkuliren kan,
Sie nimmt die faulen Theile aus der Lunge weg.
Unsere Lunge ist dasienige Viscus %.und Eingeweide
wodurch der Natur besorgt war, die faulen
Partikeln %.und Theilchen wegzuschaffen, je
frischer die Lufft ist, desto mehr nimmt sie
davon weg. δblank Unsere Lunge nimmt aber
auch aus der Lufft NahrungsSäffte, die
mit dem Bluth vermischt werden. Wenn
wir riechen, so ziehen wir die Dünste mit
in die Lunge. Die Passage %.und der Weg
nach der Lunge ist mit Nerven verwarth
etwas Wohlriechendes nimmt die Lunge auf
und verwahret es, weil es ihr dienlich ist
etwas übel Riechendes nimmt sie nicht auf
weil sie dawider einen Widerwillen be-
zeiget. Vitriol Alaun Schweffel sind ihr
nachtheilig, denn der Dampf des Schweffels
den wir in uns ziehen, zieht die Lunge
zusammen. Dis wird genannt das Stiphicum.
Eine feuchte Lufft troknet nicht folglich ist
sie auch nicht so nützlich für uns als

/ eine

|P_153

/eine mittelmässig trokne Lufft, denn die trokne Lufft
schafft die Dünste aus uns weg, die feuchte aber
schlukt die Dünste nicht leicht auf, dise werden
in unserm Körper zurükbehalten und also ist sie
der Gesundheit nachtheilig. Ist die Lufft aber sehr
troken, so troknet sie die Lungen_Bläßchen
gar zu geschwinde, welche da sie nicht gleich feucht
werden, zum Zerreissen aufgelegt sind. Da-
raus entstehn die Bluht«e»_Geschwüre %.und ande-
re Krankheiten, daß also in einer sehr troknen
Lufft nur lauter hectische Personen leben.

/Die Reinheit der Lufft beurteilet man so
wie alles andere durch ihre Durchsichtigkeit
Wenn die Dünste ganz aufgelöset sind, denn
ist die Lufft durchsichtig und rein. Solche
Lufft befindet sich auf hohen Bergen.
Ein Beweiß von der größten Reinheit der
Lufft ist, wenn die Sterne das bebende %.und
wankende Zittern nicht haben. Wir sehen
die Sterne gewöhnlich zitternd %.und dis daher
weil die Dünste in der Atmosphäre, durch
die wir sehen müssen, in beständiger
Bewegung sind. In Arabien oder in dem
alten Chaldäa sind Häuser mit flachen

/ Dächern

|P_154

/Dächern, auf disen Dächern schläfft man. Die
Lufft ist daselbst sehr troken %.und rein, so daß sie
gar keinen Thau bey sich führet. Hiraus ist be-
greiflich, wie die Astronomie und Sternkunde
in disem Lande so früh hat entstehen können.
Die Einwohner haben lange Nächte, indem die
Sonne um 7 Uhr auf und um 7 Uhr des
Abends untergehet. Bey einer beständig
heitern Lufft bey wenigem %.und sparsamen
Reegen bey ihren langen Nächten ob sie wohl
etwas kälter sind wie die unsrigen, könten
sich die Einwohner um die Beobachtung der
Sterne ganz leicht bemühen. Zuerst gaben
sie den Sternen Nahmen einem Theil nach
und darauf spürten sie die Lauffbahn
der Sterne aus.

/Die Lufft ist entweder zuträglich oder nach-
theilig und darnach schließt man auf die
Gesundheit der Lufft. Wo es keine epide-
mische Krankheiten giebt, da ist eine ge-
sunde Lufft. In Grönland %.und überhaupt
im kalten Clima werden die Menschen
nicht sehr alt und ihr Körper wächset auch
nicht so aus. Einige Oerter sind beson-
ders wegen ihrer gesunden Lufft beruffen.

/ Dazu

|P_155

/Dazu gehören vor andern

/Die Insel Bermudas, wohin man Reisen tuth,
um daselbst die gesunde Lufft zu geniessen
Das Land Brasilien, dis Land liegt an der See
so wie alle Länder die berühmt sind wegen der
gesunden Lufft. Das SeeWasser stärket mehr
wie das süsse Wasser und man hat gefunden,
daß die kalten Bäder vom Seewasser mehr
Würkung <thun> als von einem andern Wasser.
Seereisen sind in Ansehung vieler Krankhei-
ten Mittel zur Genesung besonders für
Personen die abgezehrt %.und hypochondrisch
sind, aller Wahrscheinlichkeit nach.

/Die Stadt Montpellier in Frankreich. Dis
ist der HauptOrt vor allen andern, wo
man hinreiset, um durch die Lufft und
durch die Lage des Orts seine Gesund-
heit zu repariren %.und auszubessern.

/Die Stadt Lissabon in Portugall. Hier rei-
sen die Engländer offt %.und fleissig hin

/Die Stadt Nizza ist auch ein vortheilhaffter Ort
für die Gesundheit, er ist aber nicht so ange-
nehm wie Montpellier.

/Die vornehmste Ursach der ungesunden Lufft

/ ist das

|P_156

/Das langstehende Wasser besonders wenn die Son-
nenHitze noch dazu kommt. An Oerter wo
die Nächte kälter sind wie die Tage, ist die
Lufft wenn daselbst Wasser ist, am gefärlich-
sten. Dises scheint die Ursach von den Ru-
ren zu seyn und von den Krankheiten
an den Morrästen der Donau.

/Die Insel St._Thomas in Afrika hat einen un-
vergleichlichen Boden und schöne Gebürge
und Wälder, in den Städten aber siehts
so gefärlich mit der Gesundheit aus, daß
Fremde daselbst in einer Nacht sterben, sie
liegt unter dem Aequator. Die Holländer
haben eine grosse Liebe zum Vaterlande
besonders zu Amsterdam. Wie sie nach
Iawa reiseten, baueten sie sich daselbst
eine Stadt, die iezt heißt Batavia. Der
Lage nach kommt sie Amsterdam völlig
gleich, nur die Lufft ist höchst ungesund
daselbst, der Boden ist niedrig, die Kanäle
sind stehend und noch dazu mit Bäumen
bepflanzt, welche verhindern, daß die
Sonne die Feuchtigkeit nicht austroknen
kan und dis verursacht die ungesunde
Lufft in Batavia, die so hinreissend ist, daß
fast alle Iahr die Hälffte der Europäer

/ die dahin

|P_157

/dahin kommen, sterben. Sie hatten besser gethan, wenn
sie die Stadt 1/2 Meile von dem Ort, wo sie iezt ste-
het, gebauet hätten, denn dise ungesunde Lufft
erstrekt sich gar nicht weit. In Afrika
beym Ausfluß gewisser Ströhme wird der Bo-
den sehr flach, er besteht aus einer schwartzen
flammigten Erde, disen Strich %.und District nennen
die Engländer Senigambien, weil er zwischen
den Ströhmen Senegal und Gambia liegt,
wenn von disen Oertern das Fleisch in die
Schiffe gebracht wird, so sterben viele Men-
schen bloß von dem Geruch dises Fleisches.
Daher sind zu disem «Sch» Geschäffte schon einige
Neger bestimmt, die die Nationallufft
vertragen können. δblank In Sumatra kön-
nen die Engländer keine dauerhaffte Facto-
rey errichten, weil ihnen die Leute ausster-
ben, die sie dahin schiken; vor kürtzem haben
sie den sumpfigten Boden erkand, der
daselbst ist und auf dise Bemerkung ha-
ben sie ihre Factorey sogleich weiter von
dem sumpfigten Ort erbauet.

/Es sind 2 Länder in der Welt, die keinen
feuchten Boden haben, Egypten %.und Arabien
und doch ist da der Sitz von solchen anste- 

/ kenden Krankheiten,

/ als

|P_158

/als in der gantzen Welt nicht angetroffen werden
Zu disen Krankheiten rechnet man den

/Aussatz, die Kinderpoken, die Pest, die vene-
rische Krankheit.

/Der Aussatz ist in Egypten und Arabien einhei-
misch. Die Aussätzigen sind anfangs angenehm
sehr verliebt und bekommen zulezt ein ganz
scheußliches %.und ekelhafftes Aussehen.

/Aus disen beyden Ländern haben sich die Kin-
derpoken bis nach Europa gezogen %.und aus-
gebreitet ia bis in die gantze Welt.

/Im Amfange des 7ten Jahrhunderts hat
man von ihnen die erste Nachricht erhal-
ten. Iezt befinden sie sich auch in Amerika
und in Grönland. Sie entstehen nicht von
sich selbst sondern durch eine Contagion
und Seuche und durch die Berürung der
Kinder, die Poken haben oder auch bloß
durch den Athemzug. Madame Montesquie [Montague]
brachte die Kunst, Poken einzusetzen
aus Constantinopel zuerst zu uns he-
rüber und die Konstantinopolitaner
haben sie bekommen von den Braminen.
Die Pest scheint in Egypten mehr wie in
Arabien zu wüten. Die Meinung ist

/ falsch,

|P_159

/falsch, wenn man glaubt, daß die Pest bey uns in
Europa entstehen kan. Es mögen immerhin
anstekende Krankheiten in unsern Ländern
entstehen«den», die so schädlich sind, wie die
Pest selbst, so <sind> sind doch eigentlich nicht eine
Pest, denn dise kan nicht anders entstehen, als
wenn wir sie von iemand der sie gehabt hat,
recipiren, oder sie kommt zu uns aus Egypten
herüber. Aleppo bekommt sie von der Süd-
Seite von Palestina. In China ist die Pest
noch nicht gewesen, wie behauptet wird, ob
sie gleich fast alle Länder der Erde durch-
strichen hat. Die elende Meynung der
Mahomedaner, da sie glauben, es sey ein
Frevel wider die göttliche Religion, wenn
man der Pest vorbeugen %.und sie verhindern
will, macht, daß unter ihnen die Pest
so sehr um sich greifft. Die Pest hat vor
allen Krankheiten ein Merkmahl %.und
dis ist das KarbunkelGeschwür,

/Die venerische Krankheit kommt auch nicht
anders als durch die Contagion und
Seuche aus Amerika.

/Es giebt auch endemische Krankheiten, die
gewissen Völkern eigen sind, wie der
Aussatz der Neger, den sie auf den

/ Zuker

|P_160

/ZukerInseln haben und der aus ihrem Vater-
lande gebracht wird.

/Auch giebt es Krankheiten, die zwar eigen
sind, aber zu gewissen Zeiten aufhören, als die
Poken die Gicht die ViehSeuche.

/Die Viehseuche hat angefangen, da man anfing
die Viehweyden einzuschränken, daß das Vieh
das zu fressen gezwungen ward, w«¿»as es nicht
fressen %.und zehren mag. Wenn dis ist, bekommt
das Vieh zuerst einen Schnuppen, wenn die-
ser bösartig wird, so entsteht eine Contagion
und Seuche. Indeß ist es gantz sicher, daß
wenn die Stallfütterung aufgehoben wer-
den würde, so würde eben dadurch alle Vieh-
seuche abgeschafft werden.

/≥ Von den Winden
nach
ihrer Beschaffenheit Feuchtigkeit und Tro-
kenheit Kälte und Gesundheit. ≤

/Wenn die Lufft von der Sonne an einem Ort
mehr wie am andern afficiret wird,
desgleichen wenn die Lufft in Norden
zusammengepreßt %.und in Süden dilatiret
wird, wie nothwendig erfolgen muß, so
wird ihr Gleichgewicht aufgehoben %.und

/ «denn» es

|P_161

/es entsteht ein Wind.

/Alle Inseln im heissen Erdstrich als Jamaika
Barbados de_la_Cruze haben 2 Winde den See
Wind und Landwind. Den Tag über weht der
Seewind und wenn der Abend komt, so geht
der Seewind ab und der Landwind fängt
an zu wehen schon Abends um 7 Uhr,
nach SonnenAufgang hört er wider auf.
Der Seewind kühlt %.und der Landwind ist
warm. Diser Wechsel der Winde macht,
daß man zwischen Inseln beständig Winde
antrifft, die bald wärmen bald kühlen,
kühlen am heissen Tage wärmen in den
kalten Nächten.

/Die Westwinde sind bey uns feucht, man
glaubt, es kommt daher, weil sie über
grosse Meere wehen. Dis ist falsch. Wenn
sie gleich Dünste mit sich führen, so folgt
daraus noch nicht, daß sie diselben sollten
fallen lassen, eben so wenig wie dis, daß
das Wasser worin Saltz aufgelöset ist, daß
selbe von sich lassen muß. Die Ursach ist
uns unbekand, weshalb die Westwinde
die Feuchtigkeiten fahren lassen.

/Der Westwind in Boston in Nordamerika

/ ist

|P_161R δZ_2

/Fig._27.

|P_162

/ist troken, die Winde die über Sandwüsten we-
hen %.und über hohe Gebürge, sind sehr troken,
weil die obere Lufft eine grosse Trokenheit hat.
Auf der Küste von Guinea ist eine sehr trokne
Lufft. Wenn der Wind weht, bekommt das
Holtz solche Spalten, daß man die Hand hin-
ein legen kan, so bald er aber aufhört zu wehen
zieht es sich so zusammen, daß man nicht merken
kan, wo es gespalten gewesen.

/Die Winde aus Nordost und Nordwest sind
kalt die aber aus Südwest %.und Südost warm
Unter allen heissen Winden ist berühmt der
Sirocco «ist» in Italien. Die Alten nannten ihn
africus. Er erhizt die Steine in kurtzer Zeit
so sehr, daß man die Hand daran nicht halten
kan. Er macht matt und innerhalb 24 Stun-
den reibt er den Menschen gantz auf, seine
Hitze geht weit über die BluthWärme.

/Ein ieder Wind den wir in Preussen iemahls
empfunden haben, kühlet ab, so aber ist es
nicht allenthalben. Vor einigen Winden
muß man sich sehr in acht nehmen, sie er-
hitzen so, daß der Mensch in Gefahr steht,
aufgerieben zu werden. Wir leben in

/ einem solchen

|P_163

/solchen Erdstrich, wo die Hitze der Winde niemahls
den 96ten Grad des Fahrenheitschen Thermometers
erreicht, daher kühlen uns unsere Winde, indem
sie kälter sind wie die Hitze unsers Bluths.

/Ist der Wind heisser wie die Hitze des Bluths,
so muß er nothwendig grossen Schaden anrichten.
In Egypten weht schon zu Anfang des Julius ein
sehr heisser Wind. Alsdenn schliessen die Landesein-
wohner ihre Zimmer zu %.und spritzen Wasser in die
Lufft durch Springbrunnen oder ohne Kunst, umsie
abzukühlen. Eben so schädlich ist der Sorocco in Italien.
Noch gefährlicher ist der Zamiel in Persien.
Diser Wind kommt aus Arabien von Nord
Osten über Sandwüsten. Wenn er weht, so
ist die Lufft röhtlich, er geht nicht hoch und
scheint auch nicht die Erde zu berüren, ist
aber so schädlich, daß er auf der Stelle töd-
tet und der Körper ist so gleich aufgelöset,
denn wenn man ein Glied eines solchen vom
Winde Zamiel getödteten Körpers anrühret
so behält mans auch in der Hand. Die Ur-
sach diser tödtlichen Würkung ist, weil der
Zamiel über SandWüsten weht, der Sand-
aber ist electrisch und wegen der Hitze exha

/ liret er und

|P_164

/und hauchet aus viel electrische Materie die
hernach der Wind mit sich wegführet. Dis
ist auch die Ursach von den Windwirbeln.
Indostan ist das von der Natur mit den reich
sten Schätzen versehene Land, es enthält
viel und mannigfaltige Producte und Aus-
gaben oder Ausbeuten der Natur, doch aber
hat sie auch hier Sandwüsten verbreitet
unter die fruchtbarsten Gegenden, dise
verursachen auch heisse Winde. Wenn dise
Winde wehen, so werden fast alle Leute krank
wie man gemerket hat, wenn sie aber aus-
gewehet haben, so ist die Lufft bald drauf
wider so gesund, daß sie ohne dise Winde
nicht so beschaffen seyn würde und die
Einwohner befinden sich genesen und im
gesundesten Zustande. δblank In Narbonne
werden die Einwohner mager %.und krank,
wenn der Südostwind wehet. Auch in Grie-
chenland hat er eine solche Würkung,
daß er die Kräffte der Munterkeit des
Gemüths stumpf macht. Wie es aber zu-

/ geht, daß er

|P_165

/er auf dem weiten Wege über das attlantische
Meer dise Eigenschafft nicht verlieret, ist unbe-
greifflich.

/Die Geschwindigkeit der Winde ist wie die Menge
der Sterne zum Sprüchwort geworden. Mißt
man aber die Geschwindigkeit des Windet, so
findet man, daß der Wind, der in einer Secunde
24 Fuß zurüklegt, der größte Sturmwind ist,
der Bäume umwirfft. Die englischen Pferde
lauffen in einer Secunde 61 bis 62 Fuß, dis
hat Condamine beobachtet ein Mitglied der
Akademie der Wissenschafften zu Paris, er
merket an, daß dis, wenn man es nicht sieth,
unbegreiflich zu seyn scheinet; ein barba-
risches Pferd läufft in einer Secunde 50 bis
51. Fuß ohne Reitter; solche Stürme aber, die
so geschwinde fortziehen, findet man gar nicht.
Das Instrument, womit die Winde gemessen
werden, wird genannt animus metris.

/Den Nahmen Orcane sollte man nur den Winden
beylegen, die bey den attlantischen Inseln
wehen, welche die Holländer Westindien
nennen. Die Orcane sind die berühmtesten
unter den Sturmwinden. Der Orkan
bricht aus Nordost und treibt Wolken die

/ sich

|P_166

/sich kräuseln, dis kräuseln nennt man Tiphon
Wenn diser Wind weht, so kocht das chinesische
Meer und wird warm. Vor Zeiten richteten
die Orkane grossen Schaden an, ehe man ihre na-
he Anwesenheit merken gelernet. Die Schiffe
besonders sind der Gefahr ausgesezt, wenn sie wehen.
Noch sind zu merken die Stürme.

/Sie entstehen über dem Taffelberge auf dem
Vorgebürge der guten Hoffnung. Oben entsteht
ein kleines rundes Wölkchen, woraus er
wehet und aus diser Ursach wird diser Wind
genannt OchsenAuge.

/Im heissen Weltstrich gehen die Winde nach
andern Regeln als wie bey uns.

/Als im Bengalischen Meerbusen im chine-
sischen Meer, auf den antillischen Inseln, die
nahe an den Ländern liegen. Die Winde
allda werden von den Engländern genannt
Morzons oder Muschons; Sie wehen nach den
JahresZeiten. In unsern SommerMonathen
wehet vom April bis zum September
Westwind mit Reegen und in den andern
Monathen NordOstwind mit troknem Wetter
Zwischen dem Wechsel diser beyden
Muschons, der im Frühiahr %.und Herbst ist,

/ sind die Zweiffel

|P_167

/ZweiffelMonathe, alsdenn entstehen Stürme oder Wind-
stillen, deshalb mag man in disen Monathen nicht
gern auf Reisen seyn.

/Beständige Winde nennt man PassatWinde. Sie
wehen in gewissen Gegenden. Zwischen den beyden
Tropicis ist der östliche PassatWind und über den
Tropicis der Westliche PassatWind.

/Auch stehende Winde giebt es. Sie wehen beständig
in einer Gegend. An der Küste von Amerika
weht ein beständiger Südwind.

/Unter den mancherley Windwirbeln ist der
beträchtlichste die Wasserhose. δblank Von weiten
hört man ihn als wenn Häuser prasseln. Wenn
er dem Meer nahe kommt, so fängt es an zu
brausen, darauf steigt eine Menge Wasser he-
rauf und zieht sich mit dem Winde weg. Ein
Schiff welches der Wasserhose zu nahe kommt,
läufft Gefahr zu Grunde gerichtet zu werden.
Bey der Stadt Savana ist eine solche Wasserhose
Als sie einst in die Stadt gekommen war, rich-
tete sie eine erschrekliche Verwüstung an
indem sie alles umwirfft, was in der Stadt
war. Savanen heissen sonst Wiesen, die
neben den Flüssen liegen.

/ ≥ 17.

/Von den Verhältnissen der Witterungen
zu den
Jahreszeiten Landstrichen und Climati

/ bus. ≤

|P_168

/In dem gantzen heissen Erdstrich heißt die Reegenzeit
der Winter. Was wir Sommer nennen, heißt bey ie-
nen Erdbewohnern Winter und umgekehrt,
aber nicht der Sonne wegen sondern weil es
alsdenn reegnet. Der Reegen in Indostan
ist daselbst seiner Menge so wohl als seinem @Effect@
und Würkung nach unterschieden. Hier und in
Bengalen reegnet es in 3 tagen so viel, daß
es die Erde 21 Zoll unter Wasser sezt. In
Frankreich beträgt der Reegen durchs gantze
Iahr 21 Zoll und in gantz nassen Iahren 22 Zoll
Bey uns können die Wolkenbrüche mit dem
Reegen im heissen Weltstrich verglichen wer-
den. Auf dem flachen Lande thun sie eben
keinen grossen Schaden, indem sie bloß das
Getreide niederschlagen, aber in den Gebür-
gen einen desto grössern, es entspringen Gieß
bäche und reissende Flüsse, wenn von ihnen
das Wasser in den Thälern sich sammelt.

/An der Küste von Guinea ist auch ein sehr
starker Reegen. Die Reegenzeit ist, wenn
der Südwestwind wehet, und dis geschiehet
3 Wochen nach dem Aquinoctio, der Zeit
wenn Tag %.und Nacht gleich ist, auch wohl einen
Monath spähter. Diser heißt der Zweifelmo- 

/ nath. Die

|P_169

/Die Länder im heissen Himmelsstrich bauen deshalb
Reiß, weil zum Reißbau ein nasser Boden erfo-
dert wird. Daraus kan man abnehmen, wie
ungesund daselbst die Lufft seyn muß, indem
sie von dem stehenden Wasser verpestet wird
Doch die Weißheit der Vorsehung hat auch dise
Länder bedacht und sie mit Sandwüsten ver-
sehen, daß die darüber wehende Winde die
Lufft reinigen mögen.

/Es erhellet auch, daß der Reegen in disen heis-
sen Ländern den andern Ländern, wo es gar
nicht reegnet, offt sehr zustatten kommt.

/Wenn es in Ethiopien gereegnet, so ergießt
sich von da das Wasser in den Nilstrohm %.und
schwängert ihn so, daß er in Egypten, wo es
gar nicht reegnet, sich ergiessen kan und
auf die Art befruchtet er die egyptischen
Felder. δblank Es giebt also Länder
wo es gar nicht und Länder, wo es bestän-
dig reegnet. In OberEgypten wie auch auf
der Küste von Chili bis Peru einen Strich
von 150 Meilen reegnet es gar nicht %.und
niemahls. Im Iahr 1683 soll es doch alda
gereegnet haben. Im Delta in Unter

/ Egypten

|P_170

/UnterEgypten reegnet es 3. oder 4mahl im Iahr
%.und ausserdem gar nicht und dis wahrscheinlich aus
der Ursach, weil Egypten ein Tahl ist, das zwischen
2 Gebürgen liegt, davon das eine eine Stein, das
andere eine Sandwüste ist, durch die grosse Hitze
bekommt der Sand eine electrische Krafft und
auf die Art werden die Wolken die Reegen ha-
ben, durch die electrische Würkung von dem
Winde fortgetrieben. δblank An den Küsten
von Chili weht ein beständiger Südwind. Es
hat daselbst mit ihm die Bewandniß wie bey
uns mit dem Nordwind.

/Im heissen Clima fängt die Reegenzeit an
im April, in Spanien im Junius und bey
uns im August.

/Alle Landstriche die an der See liegen, haben
eine mehr gemässigte Lufft als die welche
tiefer ins Land herein liegen, die Seelufft
kühlet im Sommer und verhindert die Kälte
im Winter. Bergen in Norwegen hat ei-
ne 60 Grad grössere Breite wie Petersburg
und allda ist ein so gringer Grad der Kälte,
daß es im Winter nur reegnet %.und schneiet,
man darf aber nur einen kleinen Weg
machen über das Sena_Gebürge, so ist

/ daselbst eine

|P_171

/eine Kälte, welche die fürchterlichsten Würkungen
tuth. Die arkadischen Inseln liegen noch nordwärts
von Norwegen und dennoch halten die Einwohner
diser Inseln Schaafe die den gantzen Winter hin-
durch im Freyen bleiben; hieraus erkennet
man, wie sehr die Seelufft die Kälte vermindert,
und dis aus der Ursach, In der Tiefe der See
ist eine Keller_Temperatur %.und Mässigung,
wenn nun die Winde die See in Bewegung
bringen, so kommt das unterste Wasser oben
auf und dadurch geschiehet <es> daß die Lufft die
an der See ist, erwärmet wird im Winter
wenn es kalt ist %.und hingegen abgekühlt wird
im Sommer in der heissen Zeit.

/Ueberhaupt hat man angemerket aus Erfarung

/1. Die Ostseite der Länder ist kälter als die
Westseite. Virginien hat einen Winter der
eben so streng ist als wie der bey uns, ob
es gleich eben so hoch liegt wie Marocco, wo
man nicht einmahl vom Schnee vielwe-
niger vom Winter etwas weiß. Auf der
Westseite von Afrika befinden sich die
Neger und auf der Ostseite die Kaffern,
aber die Kaffern sind lange nicht so sehr
schwartz als die Neger es sind.

/2. Auf der südliche Halbkugel ist es kälter als

/ auf der nordlichen. Terra

|P_172

/2. Terra del Fuego liegt im 55ten Grad der breite
und also fast in dem Grad der Breite wie Kö
nigsberg und doch war daselbst im Sommer @die@
Kälte so groß, daß 2 Menschen erfroren.

/3. Die gantze neue Welt ist kälter wie die alte
Die größte Hitze auf derselben ist zum we-
nigsten 10 Grad gringer als die Hitze bey @uns@
Hieraus sollte man fast schliessen, daß auch dem
Ursprunge nach die neue Welt neuer sey
wie die alte, überdem, da man findet, daß
sich daselbst die gantze Natur noch nicht recht
ausgebildet hat.

/4. In den alten Zeiten sind alle Länder käl-
ter gewesen als wie aniezt der Wahrschein-
lichkeit nach und dis läßt uns vermu-
ten, daß auf der Erde grosse Revolutio
nes vorgefallen seyn müssen. Als wenn man
die Beschreibungen der alten Römer von
Italien von der Gegend um Genua lieset
so melden sie, daß dise Länder der Kälte
wegen unfruchtbar gewesen, welches
man aniezt nicht findet, aniezt ist es
ein warmes und mit viel Früchten ge-
segnetes Land ferner lieset man in

/ der römischen Geschichte

|P_173

/Geschichte, daß die Tiber iährlich einmahl gefro-
ren gewesen, dis geschiehet aniezt nicht.

/Cäsar ging mit seinem gantzen Heer über die
gefrorne Rhone, dis würde man aniezt nicht
wagen können, weil das Eiß niemahls eine solche
Stärke erhält, daß man darauf gehen kan,
Zu den Zeiten der Kaysers Konstantinus
war das gantze schwartze Meer gefroren,
aber dis geschiehet aniezt nicht mehr. Wahr-
scheinlicher Weise hat sich der Dichter Ovidius in
seiner LandesVerweisung in der Gegend am
dniester aufgehalten, dise beschreibt er so
fürchterlich als wenn er an den äussersten
Grentzen des Landes Siberien gewesen wäre
und zu ietziger Zeit ist die Lufft in disen
Gegenden sehr gemässiget. Die Gegend am
ReihnStrohm beschreiben die Römer auch
als eine sehr rauhe Gegend %.und aniezt hält
man sie für die angenehmste %.und frucht-
barste in Deutschland.

/Doch es sind auch BeweißGründe, die uns über-
reden, daß einige Länder vor dem wär-
mer gewesen sind als sie iezt sind. Man
sieth in der Schweitz aus dem tiefsten
Schnee Fichten hervorragen, die doch un-
ter dem Schnee unmöglich gewachsen seyn

/ können, sondern

|P_174

/sondern vor ihm da gewesen seyn müssen. In eben
disem Lande am Reihnstrohm sieth man Eißberge
deren Höhe 6.000 Fuß perpendiculair beträgt, @sie@
sind allenthalben mit Bergen umgeben, sie @han@
gen aber nicht mit ihnen zusammen %.und stossen
nicht an sie an, folglich muß eine Zeit gewesen
seyn, da das Thal zwischen den Bergen voll Schnee
war, weil man anders nicht begreiffen kan
wie ein so hoher Berg isolirt von allen andern
habe entstehen können, wenn er nicht zuvor
geschmoltzen, «und»<indem> das Glätscher_Eiß von den
Gebürgen in das thal herabgefahren und so
nach und nach angesezt hat zu einer so grossen
Höhe; hiraus nimmt man also ab, daß in den @vo@
rigen Zeiten die Sonne eine stärkere Wür-
kung auf dis Land gehabt haben müsse als
wie aniezt, denn aniezt schmilzt der Schnee
in einer so grossen Höhe nicht mehr. Es ist
aber schwer hierin etwas zu entscheiden
indem man noch nicht gnung beobachtet
hat, um davon Gesetze anzugeben. Es läßt
sich nichts mit Gewißheit bestimmen sondern
bloß vermuten. So viel ersieht man aus
allem, daß auf der Erde Revolutiones ge- 

/ wesen sind

|P_175

/sind, und es hat den Anschein, als wenn sie durch die
magnetische Krafft, bewürket worden sind vor-
züglich. δblank Vile Naturkündiger haben
die Veränderung der Temperatur von Deutschland
aus der Ausrottung der vielen Wälder erklären
wollen, aber dise Ausrottung kan nicht eine so
grosse Veränderung bewürkt haben, indem
es wohl wahr ist, daß die Wälder kühle Lufft
machen, aber sie halten auch im Gegentheil die
Kälte ab, indem sie die kalten Winde nicht
durchlassen. Franklin in seiner Reisebeschrei-
bung führet an, daß in NordAmerika grosse
Wälder gewesen, aber ihre Ausrottung die
von den Engländern geschehen, habe kei-
nen Einfluß auf die Witterung gehabt.

/ ≥ 18.

/ Plan
von der alten Geschichte der Erde ≤

/Wenn wir in einigen Gegenden die Erde durch-
graben, so finden wir unterirrdische Wälder.
Von den lüneburgschen an bis Ostfrießland
findet man ein stratum %.und Strecke von
Bäumen, die alle nidergeschlagen liegen
ihre Gipfel nach Westen %.und ihre Wurzeln

/ nach

|P_176

/nach Norden gekehrt haben, auch bey uns giebt
es solche Lagen von Bäumen. Man findet fer-
ner Strata %.und Lagen von Knochen der Landthie-
re, auf der Spitze des Fichtelberges findet man
Knochen von Elephanten und von verschiede-
nen offt unbekanten Thieren.

/Aus den verschiedenen Stratis %.und Lagern von
Muscheln, die man in ihrer wahren Lage selbst
auf hohen Gebürgen antrifft als auf den Ge-
bürgen in der Schweitz die 4.000 Fuß über
die Fläche der Erde erhoben sind, aus den
wunderbaren Lagern die man antrifft wenn
man in Modena in Italien die Erde durch
gräbet, wo man zuerst einen Nußwald
entdeket und findet, hernach eine Lage
und Stratum von Muscheln %.und darauf Kno-
chen von Landthieren, erkennet %.und schliesset

/I. man, daß zu verschiedenen Zeiten auf der
Erde Ueberschwemmungen vorgefallen seyn
müssen. Nicht zu einer Zeit sondern nach
und nach haben sie verschiedene Länder
betroffen, denn anders würde eine allge-
meine Zernichtung gewesen seyn und die
Erde würde sich nicht anders als durch eine

/ neue

|P_177

/neue Schöpfung haben fortpflanzen können. Sie
sind von anderer Art wie die Sündfluth, dise
wird uns vorgestellt wie eine Wasserfluth,
die Menschen und Thiere nur fortgespület hat,
dise aber haben alles, was sie getroffen, zernichtet.

/II. Aniezt ist es, als wenn die Oberfläche des vesten
Landes nicht merklich sich verändert. Einige
wollen zwar behaupten, daß durch eine lange
Zeit der Boden veralte.

/Grüner [Gruner] in seiner Reisebeschreibung der Schweitz
behauptet, daß durch die Länge der Zeit die
Felsen selbst etwas leyden, dise Zeit muß
freylich erstaunend lang seyn. Einige haben so
gar geglaubt, daß die grossen Sandwüsten in
Arabien und andern Ländern nichts anders
als verwitterte Felsen sind, die sich in Sand
aufgelöset haben, woraus sie vorher ent-
standen. Buffon glaubt, daß die Berge durch
den Reegen abgespült %.und ernidriget werden.
Einige wollen beobachtet haben, daß in
der Schweitz die Felsen carieuse %.und wurm-
stichig und durchfressen sind. Aber dis alles
geschiehet sehr unmerklich.

/Allen disen Beobachtungen widerspricht

/ der Engländer Wood

|P_178

/Wood. Er hat die Gegend um Troia besehen und
hat sie so unverändert gefunden, wie sie Ho-
merus
vor 3.000 Iahr beschrieben hat. Ein
gewisser Rilsenow [Rytschkow] hat eine Reise ins orenburg-
sche Gouvernement in Rußland beschrieben. Er
traf die alten Vestungen noch an umgeben
mit hohen mit Graß bewachsenen Wällen, die
von den alten Tartern, welche die Russen @nen-
ne@ Schudi, vor viel 100 Iahren aufgerichtet sind
Schudi nennen die Russen alle alte Völker
die iemahls an einen Ort gewohnt haben.

/Nach dise beyden Berichten sollte man schliessen
daß auf der Oberfläche der Erde eben nicht
merkliche Veränderungen vorgehen, doch
es sind <Gründe>, die uns überreden, zu glauben, daß
solche Veränderungen allerdings vorgehen,

/@1.@ Man findet Merkmahle von alten Meeren
da, wo iezt vestes Land ist.

/Als in der Schweitz in den hohen Gebürgen die
über 6.000 Fuß hoch sind, findet man ordentli-
che Lager von Seethieren, die so unver-
mengt sind, daß man daraus abnehmen
kan, daß sie nicht bloß dahin gespület son-
dern würklich da erzeuget worden sind.
Und dis trifft man in allen Ländern an.

/ Man

|P_179

/Man findet auch Spuhren vom vesten Lande, welches
vorher oben gewesen und aniezt tief unter der
Erde liegt und mit gantz anderen Schichten be-
dekt ist. δblank Als man gräbt in der
mansfeldschen Gegend Schiefer, worin allerley
Abdrüke von Fischen wahrgenommen werden
so deutlich, daß man unterscheiden kan, was
für Fische es gewesen sind. Aus disen Schiefer
wird Kupfer geschmoltzen. Bey Ilefeld fin-
det man [Lehmann ?] in der Erde 1.140 Fuß Tief eine Stre-
cke von einer Wiese, wo noch Blumen angetro-
fen werden als das Kraut Astramontanum.

/3. In den Lagen der Gebürge %.und noch mehr in den
Schichten des vesten Landes findet man
Knochen von Landthieren.

/In den Marmorfelsen findet man auch Seethiere.
Die Gegend am Eißmeer enthält Elephanten
Knochen, auch in den Morrästen am Donau
Strohm findet man solche Knochen. Indianische
Thiere %.und Muscheln indianischer Art finden
wir bey uns und etwas davon liegt sogar
auf der Oberfläche. Im HartzGeburge findet
man Crokodillen_Gerippe, Knochen von Eich-
hörnchen. Bey Turrino in Frankreich dün- 

/ get man den Aker, der

|P_180

/der sehr strenge ist, mit Muscheln die kalkartig sind
%.und «man» die man auf der Oberfläche der Erde in
grosser Menge findet.

/Alle dise erstaunliche Revolutiones, die man aus
den angeführten Umständen ersehen kan sind
nicht durch die Sündfluth bewürkt, denn dis @war@
eine Wasserfluth die die Erde so gelassen hat
als wie sie war, sind auch nicht mit einmahl
über die Erde gekommen, sonst hätte eine neue
Schöpfung vorgehen müssen, sondern zu gantz
verschiedenen Zeiten und vielleicht noch eher
als Menschen auf der Erde gewesen sind; denn
man findet allenthalben Knochen von See und
Landthieren aber nirgendwo Menschen Gerippe
dazwischen oder andere menschliche Knochen. Sie
haben wohl alle Länder betroffen aber nicht
zu ein %.und derselben Zeit. Man wider
spricht nicht der Schrifft, wenn man das Alter
unserer Erde weiterhinaus sezt, als es
der Geschichtschreiber Moses bestimmt hat, denn
er beschreibt die Erde wie sie damahls war
als Gott den Menschen geschaffen. Die Natur
Beobachter müssen einen gantz andern
Weg gehen %.und sich gar nicht an der Ofenbarung
halten. Man kan das Alter der Erde füglich
viele tausend Iahr vor Erschaffung des Menschen

/ annehmen, ohne der

|P_181

/der heiligen Schrifft zu widersprechen.

/Man bemerket auch Veränderungen des Clima-
tis, die groß sind.

/III. Ein Theil von Naturbeobachtern behauptet, daß
das veste Land zunimmt und das sich das
Meer zurükziehet, Ein anderer Theil der
klein ist, behauptet umgekehrt, daß das
«Land» Meer immer Land concipire und ein
dritter Theil behauptet, daß hierin keine
Veränderungen vorgehen sondern daß
alles so bleibet wie es war.

/Wenn man in die alten Zeiten zurükgeht,
sagen die Ersten, so sieht man, daß die
Erde vom Meer bedekt gewesen und daß
es sich nur allmählig zurükgezogen habe.
Vor dem Jahr 1740 war über disen Punct
noch kein Streit, der Professor Celsius
in Upsal hat dise Meynungen in Flor
gebracht, weil er darauf besonders seine
«Meynungen gerichtet ¿» Aufmerksamkeit
gerichtet hatte. Er merket an, daß
ein Hafen Gövel 50 Meilen von Stok-
holm lieget, bey dem sich Felsen be-
finden, die man Seehundsteine «¿»

/ nennet weil

|P_182

/weil sich die Seehunde auf ihnen an der Sonne
erwärmen. Er besuchte sie selbst %.und fand,
daß das Meer innerhalb 150 Iahren so weit
vom Felsen sich entfernt habe, daß der
Theil des Felsens der vorher so tief un-
ter Wasser gelegen, daß er so zu sagen den
Seehunden zur Leiter gedienet, aniezt
vom Wasser gantz entblösset sey und weit
über das Meer hervorrage. Er verglich
die Länge der Zeit mit dem Zurükzie-
hen des Meeres und fand, daß das
Meer in 100 Iahren auf 45 Zoll sich zu-
rükziehe. δblank Dalins ein be-
rühmter Gelehrte schrieb eine Geschichte
von Schweden. Er betrachtet hier, wie
Schweden ehemahls war und findet, daß
Finnland gantz unter Wasser gelegen,
zur Zeit der KreutzZüge im 11ten und
12ten Jahrhundert ist die Stadt Koa @dicht@
an der Mündung des NilStrohms gewe-
sen und iezt ist sie 5 Meilen davon ent-
fernet, wie angeführet wird, man sieht
<@aber@> noch am Nil Ruinen der alten Stadt

/ und

|P_183

/und die Einwohner haben bloß der Unbequemlich-
keit halber unter demselben Nahmen eine
andere Stadt 5 Meilen davon erbauet.
@Linneäus@ der grosse schwedische Gelehrte meldet
folgendes, An der Küsten von Schweden in der
Gegend von Jütland sieht man über 60 von
einander entfernte Strandstüke, die durch
das Ausspielen der Wellen entstanden sind
und daß sie daher entstanden, erkennet
man an den Muscheln, die sie in sich haben,
folglich ist es wahrscheinlich, daß dise Stücke
die See errichtet, indem sie sich allmählig
zurükzog. Auch findet man an den
Küsten Höhlen, man nennt sie die Riesen
Töpfe, Anfangs müssen sie klein gewesen
seyn. In disen Höhlen befindet sich ein Stein
der von dem Wasser herumgerollt worden
ist in der Höhle und dadurch die Runde der
Höhle so weit gemacht hat, als das Wasser
disen Theil der Küste überschwemmt hatte,
aniezt kan er nicht mehr gerollt werden,
weil das Wasser von der Stelle schon zu-
rükgetreten ist. δblank An der Küste
von Phönicien in der Gegend von Tyrus
sieht man noch die grossen Bassains, in

/ die

|P_184

/in die man ehedem das Wasser einließ,
daß es von der Sonne ausgetroknet werden
und nur das Saltz zurükbleiben möchte
aniezt geht dis nicht mehr an, indem das
Wasser allzuweit entfernt ist. δblank Der
EtatsRath Müller führt ebenfalls an, daß
das EißMeer eine Meile vom Ufer alte
Fahrzeuge die allda liegen imgleichen
sehr viel Treibholtz welches noch nicht
verfault ist, sehen lassen, woher man
schliesset, daß das Meer in kurtzer Zeit
so weit sich zurükgezogen haben müsse,
daß sich das Meer nicht zurükziehet son-
dern vielmehr beständig höher steiget, da-
von sind auch hinlängliche Beweise.

/Bring [???] führet an. Die dänischen Schlösser
alt 800 Iahr und mehr die in der See lie-
gen, so daß das Wasser durchspühlen kan
müssen vor Zeiten nothwendig bis in
dem obersten Stokwerk Wasser gehabt
haben, weil damahl das Wasser so hoch
stehen mußte. Dis ist nicht wahrscheinlich.
Es sind bessere Beweise hergenommen von
Morrästen und andern Gegenden.

/Bey Venedig um Padua um Ravenna he- 

/ rum sind

|P_185

/sind grosse Sümpfe, auch sind daselbst die Lacune,
dis sind untiefe Meere an der Spitze des
adriatischen Meeres, hier sind Inseln, die durch
Kanäle von einander abgesondert sind, Venedig
liegt auf 70 solcher Inseln, «von» Rialto ist die
vornehmste, der Markus_Pallast der 6 bis 700
Iahr alt ist, liegt auf Rialto, an disem Pallast
ist eine marmorne Treppe auf der man in
die Gondeln geht, die untern Stuffen diser
Treppe stehen iezt unter Wasser, diserhalb
glaubt man, daß das MeerWasser höher
steiget. δblank Holland ist eben ein solch
Geschöpf von Ströhmen als Venedig. Es ent-
stand, wie sich die See zurükzog. Der Reihn
strohm scheint der zu sein, der das Erdreich
ansetzet, woraus Holland besteht. Die
Holländer sind durch die Dämme vor dem
Meer gesichert. Würde sich das Meer wei-
ter vom Lande entfernen, so hätten sie
glükliche Aussichten. Das Land würde
grösser werden und die Besorgniß die man
iezt hat, daß das Land dereinst ein Boden
des Meeres seyn wird, würde so dann völ-
lig aufhören. Aber man findet das Ge-
gentheil. Sie haben bey ihnen Ingenieurs.
Dise beobachten den Stand des Meers an

/ den

|P_186

/den Pfählen, woran sie besondere Zeichen ha-
ben und sie finden, daß das Wasser immer
höher steiget, bis es endlich die Dämme
überschwemmen wird. Der Ingenieur Kru-
kins
[Cruquis] tath solches dar, wie die Akademie
von Harlem selbst eine Untersuchung an-
stellte. Also wird man genötiget, zu geste-
hen, das Land hat zu befürchten, wider
von der See überschwemmt zu werden.
Wenn vom Meer gesagt wird, es zieht sich vom
Lande, so ist dis nicht von einem Ort des
Landes sondern von allen Ländern die an
demselben liegen, zu verstehen.

/Wollte man dis aber aufs Land anwenden
so kan hier nicht gesagt werden, daß wenn
ein Land sinkt, auch alle andern Länder
sinken, wie wohl bey dem Meer, wo man
kein partiales Zurükziehen behaupten
kan, ohne auch ein Totales zuzugeben.
Das Sinken der Länder läßt sich leicht
verstehen. Es geschiehet gemeinhin an
sumpfigten Oertern. Selbst die Quel-
len die unter der Erde sind, spühlen
inwendig viel von dem vesten Lande
weg, daß also die Oberfläche ihrer Schwere

/ wegen

|P_187

/wegen sinken muß. Der Oberste Rumberg [Runeberg ?] füh-
ret an, daß Italien an den Küsten höher ist wie
in der Mitte. Er behauptet, daß die via appia
von Rom bis Brundusium zu unserer Zeit
ungleich sey und daß ihr größter Theil anietzo
über Sümpfe gehe. Appius ein Redner zu
Rom ließ disen Weg eben machen %.und pflastern
mit QuaderSteinen, diserhalb muste ein
Berg durchstochen werden, damit diser weite
Weg oder Strasse eben und gleich gemacht werden
konte. Eben so planirt und gleich war der
flamische Weg den zu Rom der Burgemeister
Flammius [Flaminius] hatte machen lassen %.und pflastern
und zu ietziger Zeit geht er bald Berg ab - 
bald Berg auf.

/IV. Es sind grosse Ursachen, zu vermuten, daß un-
sere Erde aus dem flüssigen Chaos noch nicht
troken vest und dicht gewesen und es auch noch
nicht ist sondern daß um den Mittelpunct das
alte Chaos herrschet und sie erst nach und nach
sich ausbildet. Es können aber Reihen von
Iahrhunderten verfliessen, ehe die Erde
die Vestigkeit, die man iezt auf ihrer
Oberfläche bemerkt, bis zu ihrem
Mittelpunct erhalten wird.

/ Wenn sie

|P_188

/Wenn sie solche aber haben wird, so ist dis, so zu sagen
der Todt der Erde, indem wenn die Circulation
in ihrem Innersten aufhören wird, nichts da-
raus erwachsen und bestehen können wird,
weil man die vielen Triebfedern missen
und entbehren müssen wird, die zum
Wachsthum der Pflanzen und Unterhal-
tung der Geschöpfe das meiste beytragen.
Neuton in seiner Weltweißheit nimmt an
und beweiset auf dise Art, die Erde hat
eine solche Figur, die ein flüssiger Körper
annimmt %.und annehmen muß, wenn er um seine
Axe beweget wird, und also folgt, daß die
Erde vorher flüssig gewesen ist. Alle Ma-
terien die nur auf der Erde sind, sind vor-
her flüssig gewesen und müssen es gewesen
seyn, fährt er fort im Beweisen, die vesten
Steine enthalten Substantzen von Knochen
Muscheln in sich, also hat man Ursach ge-
nung zu vermuten, daß der erste
Zustand der Erde chaotisch «gewesen» %.und
sie also ein flüssiger Klumpen gewesen;
in disem Chaos sind die Materien unter
einander vermischt und die Lufft auch

/ von ihm

|P_189

/ihm verschlukt gewesen. Es ist aber sehr wahr-
scheinlich, daß in der Atmosphäre eine grössere
Veränderung vorgegangen als in den Meeren,
indem diselbe aus dem Inwendigen der Erde
durch die feuerspeienden Berge einen Zu-
satz von Lufft bekam und daraus noch be-
ständig mit Lufft gleichsam gespeiset wird.

/Es ist schlim, daß die Alten keine Barometer
gehabt, daß man iezt sehen könte, ob die Atmo-
sphäre höher gestiegen ist oder nicht.

/Ein so grosser Körper wie unsere Erde ist, dessen
Durchmesser 1720 teudsche Meilen %.und mehr
beträgt, erfodert eine sehr lange Reihe
von Iahren, um gantz auszutroknen
und hieraus schliesset man nicht unsicher, daß
die Erde noch nicht vest ist bis zu ihrem Mit-
telpunct; da also das Vestwerden der Materie
erst seinen Anfang genommen auf der Oberfläche
und in der Mitte die Erde noch flüssig ist, so
senken sich die schweren Körper zum Mittel-
punct hin und die leichten zu denen die
Lufft auch gehöret, suchen empor zu steigen.
Vielleicht können daher die Erdbeben ent- 

/ stehen«;».

|P_190

/Wenn die Lufft aus der Erde emporsteigt %.und hefftig
herausgestossen wird, so bald sich die schweren Cör-
per zum Mittelpunct hinsenken und wenn die
Lufft von der inwendigen Hitze der Erde ihren
Ausgang sucht so wie andere Materien, indem
das Inwendige der Erde Wärme enthalten muß
weil etwas flüssiges ohne Wärme nicht gedacht
werden kan, dise Wärme kommt aber nicht von
der Sonne her sondern sie ist ursprünglich, so
läßt sich das Entzünden der Materie in dem
«dem» Schooß der Erde aus disen 2 Ursachen
erklären. δblank Weil nun die Erde in-
wendig im chaotischen Zustande ist, indem
sich allda die Materien modificiren
wie natürlich ist, so ist keine andere Folge
als die, die Erde muß kleiner werden
und zusammentroknen, weil an dem In-
wendigen sehr viel lufft stekt, welche indem
sie herausbricht, einen leeren Raum zurük
läßt, dahin sich die schwere Materie nothwen-
dig senken muß.

/Selbst die Veränderungen auf der Oberfläche
der Erde zeugen davon. Wäre die Erde vest,
so müsten auf unsere Witterung nichts ei- 

/ nen grössern

|P_191

/grössern Einfluß haben wie Sonne %.und Mond, weil
sie uns am nächsten sind und die Veränderun-
gen in der Witterung müßten nach solchen
Epochen eintreffen, als Veränderungen
mit disen beyden Weltkörpern vorgehen,
aber dises geschiehet nicht. Unter unsern
Füssen ist der grosse Kessel, worin die Mate-
rien kochen, welche indem sie herausstei-
gen, in der Lufft Veränderungen verursachen.

/Es ist sehr sichtbar, daß die Länder noch grosse
Bassains oder abgelaßne teiche sind. Die
Schweitz hat 6 Oefnungen, durch <die> ihr Wasser ei-
nen Abfluß hat, 3 Ströhme gehn nach Ita-
lien ins adriatische Meer, die andern 3
sind die Rohne der Innstrohm der in die Do-
nau fällt und der Reihn, dessen Oefnun-
gen am weitesten sind. Der Innstrohm
fließt zwischen steilen Bergen und da-
selbst ist es so dunkel, daß die gantze Ge-
gend die Finstermütze genannt wird. Man
findet da Muscheln und andere Seeproducte
die aber unter einander vermischt sind.
Das pacifische Meer zwischen Asien und Afrika
ist das größte unter allen. Hier findet
man Inseln die bewohnt sind, wobey
man sich wundern muß, wie Menschen da- 

/ hingekommen sind.

|P_192

/Wollte man sagen, durch die Schiffarth sind sie
dahin gekommen, so müßte man wissen, wo
dise geblieben ist, weil die Schiffarth doch immer
mehr cultiviret %.und fortgesetzet wird, wenn sie
einmahl in einem Lande angefangen ist.

/Wie haben die Menschen nach andern Inseln
kommen können, die iezt nicht nur bewohnt
sind, sondern auch solche Bewohner haben,
die die unsrigen wo nicht übertreffen, so doch
ihnen gleich kommen in gewissen Künsten.

/Viele LandArbeiten werden von ihnen ver-
fertiget als Kästchens Zeichnen in Laubwerk,
dergleichen bey uns kein Künstler auf El-
fenbein machen kan. Blank [Banks] erzählet davon
in seinen Reisen. δblank Wie ist es aber mög-
lich, daß sie dise Künste von sich selbst ler-
nen können? Allem Vermuthen nach ist
das Meer welches die Inseln von einan-
der scheidet, vorher ein Continent %.und vestes
Land gewesen. Dis macht ein Umstand
sehr wahrscheinlich. Die Einwoner in Neu-
seeland und Otthaheiti haben einerley
Sprache, in der der Unterscheid so gring ist
wie zwischen unserer teudschen und der

/ Sprache in Tyrol.

|P_193

/Vor Ankunfft der Engländer wuste keiner von dem
andern etwas auf beyden Inseln. Die Einwoner
in Neuseeland sind auch sehr geschikt. Sie machen
sich Kähne. Wenn sie von Brettern zusammen
gesezt sind, so heissen sie Canoes, sind sie aber
aus einem Stük geschnitten %.und haben einen
Mastbaum, so heissen sie Piraugen.

/Wie sollen sich dise Völkerschafft so ähnlich seyn
in der Sprache, da sie über 300 Teudtsche
Meilen von einander entfernet sind? Ver-
muthlich ist zwischen ihnen die See entstanden,
wie sie noch alle zu einer Nation gehörten.
In Ottaheiti giebt es kleine Schweine %.und aller-
hand Landesproducte als die Brodtfrucht, die
sie Ballon nennen %.und die wie Semmel schmekt,
dise würden sich doch die Einwoner in Neuseela<n>d
mit in ihr Land gebracht haben, wenn sie mit
denen zu Ottaheiti einige Gemeinschafft «gehabt»
hätten, aber in disem Lande findet man nichts
davon. Also ist sehr zu glauben, daß dise Inseln
vor Zeiten zusammengehangen, daß die eine
Producte hatte, die die andere nicht hatte %.und
<die> sie sich einander auswechselten, hernach sind sie
durch ein Meer getrennt worden und konten
einander nicht mehr erreichen.

|P_194

/ ≥ Der zweyte Theil.

/ Von den Erdgeschöpfen und Producten ≤

/Nachdem wir die Elemente aus denen die Erde
zusammengesezt ist, erwogen haben, so ist es
billig, daß wir zu ihren Producten und Ge-
schöpfen übergehen. Unter disen finden wir
solche, bey denen wir etwas zwekmässiges
gewahr werden als auch solche, bey denen
dises nicht entdekt werden kan. Zu ienen
rechnen wir die lebendige Wesen und
nennen sie organisirte Geschöpfe. Weil unter
den lebendigen die vernünfftigen Geschöpfe
die vornehmsten sind, so wollen wir zuerst
die Menschen ihren Körper und GemüthsArt
betrachten, weil für den menschlichen Verstand
dise Ordnung die bequemste ist.

/ ≥ Von dem Menschen ≤

/Einige lebende Wesen sind so beschaffen,
daß, indem sie sich begatten, andere er- 

/ zeuget werden, die

|P_195

/die ihnen und zwar ihnen beyden in allem ähnlich
sind, dise wider andere hervorbringen, die auch
nach ihnen schlachten mithin sich fortpflanzen
können. Bey andern findet man, daß sie indem
sie sich begatten, entweder gar keine oder eine
solche Frucht die ohne Leben ist, hervorbringen
wie bey der Vermischung eines Kaninchens %.und
einer Henne die ein Ey legt, das keinen Dot-
ter hat, oder auch solche, die zwar ein Leben
haben aber nichts weiter von ihrer Seite er-
zeugen können, wie aus Vermischung eines Esels
und einer Stute ein MaulEsel entstehet.

/Im lezten und mittlern Fall müssen ihre
Producte von beyden Eltern gleich viel
an sich haben und zweyschlachtig seyn. Die
lebendige Wesen und die andern die sich
gleichen und die leztern wider, die eben
dergleichen durch Begattung hervorbrin-
gen können, heissen eine Gattung.

/Einige lebende Wesen welche verschieden
sind, können durch Begattung andere hervor-
bringen, die sich weiter fortpflanzen können
und so viel ähnliches von dem einen wie von
dem andern Theil an sich haben und dise wer- 

/ den genannt Racen. bey

|P_196

/Bey andern lebenden Wesen versichert
man, daß wenn sie gleich verschieden sind, sie
dennoch solche Producte hervorbringen, die sich
selbst fortpflanzen und dem Einen oder dem
Andern von den Zeugenden vollkommen ähnlich
sind, dise werden von dem Naturbeobachter
Buffon genannt Varietaeten, weil als denn der
Unterscheid der Thiere keinen Einfluß auf
die Zeugungskrafft hat.

/Da die Menschen sie mögen so sehr unter
schieden seyn wie sie wollen, dennoch durch
die Begattung ihnen ähnliche Wesen die
sich wider weiter fortpflanzen können,
erzeugen, so sind sie von einer Gattung.
Und da sie ihrer Farbe nach so sehr unter-
schieden sind, so werden wir leicht finden
können, welche Racen und welche von ihnen
Varietaeten sind. Als die Blonden und @Brü@
netten, wenn sie gleich andern zeugen die
eine ihnen ähnliche Farbe haben, so können
sie doch auch welche von fremder Farbe zeu
gen. δblank Zu den Racen durch deren
Vermischung andern erzeuget werden
die halbschlechtig sind, werden 4 gezählet,

/ die

|P_197

/Die Weissen. Die Europäer bis an die chinesische
Mauer gehören zu ihnen und die parthische scytische
und sclavonische Nationen werden zu ihrem
Stamm mitgerechnet.

/Die Indianer haben eine grün gelbe oder
braune Farbe. Zu ihnen gehören die Einwo-
ner von Indostan und die auf den umlie-
genden Inseln und Ländern wohnende Völ-
ker, auch die Zigeuner, die über 500 Iahr in
Europa sind und ihre eigenthümliche Farbe
noch beybehalten haben.

/Die Mungalen haben eine roth braune
Farbe sind alle ohnbärtig und haben eine
besondere Leibes und Gesichtsbildung. Die
Augen stehen ihnen tief im Kopf sind sehr groß
und etwas gespalten, daß sie nicht wohl se-
hen können, die Augen_Knochen ragen sehr
hervor. Sie haben ein breit Gesicht eine
kleine und flache Nase und dünne
Lefzen, an manchen Orten sind sie gar kup-
fer farbig. Sie haben sich in Amerika
ausgebreitet und sind nichts anders
als Kalmucken.

/Die Neger oder gantz Schwartze sind so wohl

/ auf der nordlichen

/ als

|P_198

/als südlichen Halbkugel und nur allein in
Afrika, obgleich der heisse Erdstrich auch über an-
dere Welttheile sich erstreket. Auf der südli-
chen Halbkugel halten sie sich in neu_Guinea
und den umliegenden Inseln auf.

/Die Schwärtze der Neger ist unterschieden,
am Senegalstrohm ist sie am stärksten. Sie
ist nicht aus einer brauen Farbe entsprun
gen oder gar eine Art derselben, denn die
Terzeronen und Quarteronen sind schon von
den sehr braunen Spaniern nicht zu unter
scheiden. Die Neger haben Wolle an statt
der Haare, wenn man das was auf den Fellen
der Schaaffe ist, so nennen will, eine Nase
die oben dünne unten aber dik %.und gantz
klein ist, ihr Bluth ist ein schwartzer Safft
ihr Gesicht und Fleisch und Haut ist dik %.und
wie Sammet anzufassen, dagegen unsere
Haut glatt ist. In ihrem Saamen sollen
sich schwartze Fleken befinden. Wenn sie
krank werden und lange liegen, blei-
chen sie etwas aus; wenn sie aber sterben
werden sie desto schwärtzer.

/Wenn sich ein Weisser mit einer Negern ver- 

/ heyratet und

|P_199

/und fortpflanzet, so heißt das Kind ein Mulatte
wenn er mit einer Indianern cohabitirt %.und bey-
wohnet, heißt es ein Mestice und wenn ein
Indianer mit einer Negerin sich verheyratet
%.und fortpflanzet, wird das Kind genannt ein Camul.
In der ersten Erzeugung diser verschiedenen
Racen entstehet eine Halbschlacht, in der an
dern, wenn sich die Kinder mit derselben
Race vereinigen, eine 4te Schlacht, in der 3ten
eine 8te Schlacht. Die ersten werden Terze-
ronen die andern Quarteronen genannt und
ist zu merken, daß bis zu der 4ten Zeugung
die Kinder allemahl halbschlächtig wie wohl
immer weniger sind ie weiter sie von der
ersten Zeugung abstehen, bis sie endlich
gantz und gar zu der einen Race über-
gehen. Dis nennt man eine Abartung,
dagegen die, die sich nicht weiter fortpflan-
zen können, Varietaeten heissen.

/Es giebt auch eine Art weisser Neger, wenn
man unter disem Nahmen die gantze
Bildung versteht. Von den Spaniern werden
sie Albinos genannt. Sie sehen bleich aus, ihre
Pupille ist aschfarb, daher sie bey Tage gar
nichts sehen können sondern in der Däm- 

/ merung und

|P_200

/und in der Nacht arbeiten müssen. In Afrika
und Amerika haben sie weisse Wolle wie
Schaafe in Asien aber rothe. In den ersten
Gegenden werden sie verfolgt und vertrie-
ben in den leztern aber hoch und von den
Vornehmen zur Bedienung gehalten. Sie
können sich nicht in ihrer Art weiterfortpflan
zen und sind erstaunlich dum.

/Wenn nun beobachtet worden, daß die Maul
Esel sehr tükische Thiere sind, so kan es wohl
statt finden, daß die Vermischung der Race
die Fähigkeiten und den Gemüths_Character
verschlimmern, daher ist bey dem Verhey
raten zu sehen nicht allein auf die Gleich
heit der Racen sondern auch, ob die Vor-
faren von derselben gewesen sind.

/Die Chineser und Iapanesen sind vermuth-
lich aus Vermischung der Indianer mit den
Mongulen <entstanden> weil sie gleichfalls ohnbärtig
sind. δblank Aus der Vermi-
schung eines Negers und eines Mongulen
würde eine curieuse und wunderbare
Kreatur entstehen, die entsetzlich anzusehen
seyn würde. Dis räth der Herr v. Maupert@uis@
an, um die Ausartung der Menschen

/ kennen zu lernen. Die

|P_201

/Die Mungalen können als ein Scheusaal der
menschlichen Natur angesehen werden, indem
sie so wohl eine entsetzliche Leibes_Bildung ha-
ben als auch von ie her Unruhen angerichtet
haben. Vormahls erstrekten sie sich sehr weit
nach NordOsten und wurden in Europa zu
erst bekand unter dem Nahmen der Bul-
garer, hernach heissen sie Hunnen. Sie ver-
trieben die Völker aus ihren Wohnplätzen
und unter ihnen auch die teudschen, die ehe-
dem am kaspischen Meer gewohnt haben
müssen, weil man daselbst viele Spuren
noch von ihnen antrifft. In Italien sind die
so genannten Zimbrier nichts anders als Ab-
kömlinge von den Hunnen und ist zu ver-
wundern, daß sie sich so lange bey der Rei-
nigkeit diser Sprache erhalten haben.

/Die erste und ursprüngliche Farbe scheint die
weisse zu seyn, welche entstehet aus der
Durchsichtigkeit der Haut, welches das Durch-
scheinen des Bluths und der Adern erweiset.
Der erste Mensch ist also ein weisser und ver-
muthlich ein blonder gewesen. Die blonde-
sten Völker sind wohl die teudschen. «gewesen»

/ So ist der

|P_202

/der Übergang der andern Farben nicht zu erken
nen. δblank Einige Nationen %.und Völkerschaf
ten zogen sich sehr nach Nordost nach den Polen
zu und also in ein kaltes Clima, da nun aus
der Erfarung bekand ist, daß der Frost wenn
er stark ist, die Haut dünner macht, daß
das Bluth stark ins Gesicht steiget; so ist leicht
einzusehen, wie es kommt, daß die Munga-
len in Kamtschatka und in der Buchare@y@
eine rothbraune Farbe haben und daß sie
erblich geworden ie die Zeugungsart
selbst afficiret.

/In den nordlichen Gegenden ist eine grosse
Unbequemlichkeit, daß der Schnee den Au-
gen schädlich ist, daß daher die ietzigen Ein
woner eine Sache, die sie besehen wollen
dicht an die Augen nehmen und halten
müssen. Und zu der Zeit, wenn bey ihnen
die Sonne ist, halten sich die Müken so
zahlreich bey ihnen auf, daß wenn sie nur
den Mund aufthun, gantze Schaaren ihnen
in den Mund fliegen. Für ihnen %.und we-
gen ihrer Menge können die Einwoner

/ nicht

|P_203

/nicht einmahl die Muscheln sehen, welche sie
bey der Ebbe von dem Boden des Meeres
als ihr eintziges NahrungsMittel auflesen,
wie Dampier anmerket.

/Die Einwoner sahen sich also genötiget, ehe sie
dawider ein Mittel erfanden, die Augen
nur ein wenig zu öfnen und da dises alle-
zeit geschehen mußte so offt die Müken in
grosser Anzahl ankamen und der Schnee
von der Sonne bestrahlt die Augen angreifft, so
ist kein Wunder, daß ihre Augen nun solche
Stellung erhielten, daß sie halb geöfnet blie-
ben, indem die Muskeln unbeugsam gewor-
den waren. δblank Weil auch iedesmahl
die Nase als das empfindliche Glied durch
die grosse Kälte etwas verlieret, so wird
sie in der Zeugung immer flächer %.und platter
daß ihnen der Bart nicht wächset, mag viel-
leicht so wie das, daß sie ihrer Natur nach
nicht gehörig auswachsen, von dem Mangel
gehöriger Wärme herrüren.

/In den südlichen Gegenden kan die braune
Farbe auch wohl daher kommen, daß die Sonne
auf dem Körper der Einwoner stark wür-
ket. So wohl die Mungalen als die Indianer

/ haben schwartze

|P_204

/schwartze Haare, weil die Kälte mit der Wärme
offt einerley Würkung hat, indem die Körper
sowohl in der Kälte als in der Wärme sehr aus
dunsten, also können die schwartzen Haare wohl
aus den gar zu vielen Ausdünstungen ent-
stehen, indem wir bemerken, daß die Hot
tentotten sich mit Fett und die nordlichen
Völker mit Thran «v»für den vielen Ausdün
stungen sich zu verwahren suchen.

/Da der Weltheil Afrika fast mit lauter Was
ser umgeben ist, so kan solches «in älteren Zei
ten und» im älteren Zustande eine grosse In-
sel gewesen seyn und es ist zu vermuten,
daß die alte chaotische Materie und Schlamm
mit unterirrdischer Erdhitze vermischt
gewesen ist und dadurch in disem Lande so
wohl die Lufft als der Erdboden erhitzet
worden; weil nun auf den kleinen In
seln das Wasser die Einwoner getödtet
und ersäuffet wegen Mangel der Berge
so ist kein Wunder, daß um Afrika und
um Guinea auf den beyden größten
Inseln der Erde Neger sich aufhalten, de- 

/ ren Schwärtze daher

|P_205

/daher rüret, daß sich ihre Vorfaren in disem
Lande beständig aufgehalten «haben» und durch
die starke Sommerhitze dergleichen Farbe erhal-
ten haben. δblank Die Amerikaner
sind ohne Zweiffel von den Mungalen entsprungen
weil sie nach ihnen @schlachten@ und ohnbärtig %.und
kupferfarbig sind, als auch, weil sich in Nord
Amerika diselben Thiere aufhalten, die im
nordöstlichen Theil von Asien angetroffen
werden.

/Es ist eine berühmte Frage, Ob der Boden ei-
nen Einfluß auf den Character Tempera-
ment Fähigkeiten und Religion der Men-
schen habe? Einige [Hume] verneinen dis %.und zwar
daher, weil die Einwoner in Ländern welche
zusammenliegen, sehr verschieden sind, wie
ehedem der so vernünfftige Grieche und der
einfältige Boetier und ietzo der so sehr ver-
schiedene Spanier und Frantzose, die doch
unter einem Clima liegen. Montesquie
aber denkt anders und beiahet dise Mey-
nung %.und das möchte auch wohl statt finden.
Bey dem Unterschid der Charactere müssen
wir auf die Racen aus denen die Menschen
herstammen, achtung geben. Die Spanier sind

/ eine Mischung von

|P_206

/von Saracenen Iuden %.und Mohren, die Frantzo-
sen eine vielleicht glükliche Mischung der Deut-
schen Römer %.und Griechen. Das Andere betref-
fend, so zeiget eben dis, daß bey einigen
Völkern viele Künste erfunden worden
bey andern aber nicht, von ihren verschie-
denen Fähigkeiten.

/Bey einer ieden Race finden wir etwas
charakteristisches oder etwas, das sie aus-
zeichnet vor andern Racen, als

/Die NordAmerikaner sind im höchsten Grad
unempfindlich. Dis äussert sich so wohl
darin, daß bey ihnen eine sehr kalte Ge-
schlechter Neigung ist; welches durch ihren
Kaltsinn im KinderZeugen %.und Gleichgültig-
keit sich bestätiget, daher auch die Weiber
nicht anders als wie die Haußthiere die
ihnen auf der Jagd das Essen nachtragen
müssen, behandelt werden, als auch
durch ihre scheinbare Tapferkeit, als die
gantz andern Würkungen als wohl bey

/ den Europäern hervor- 

|P_207

/hervorbringt. Sie werden bis zum höchsten Grad
verzweiffelt, wenn es aber so weit kommt, daß die
Hofnung zu siegen, zweiffelhafft wird, so legen
sie die Waffen nieder und lassen sich gelassen
in Stüken zerhauen, da sich der Europäer wenn
er wahrhafftig tapfer ist, bis auf den lezten
Bluthstropfen vertheidiget. Condamine sahe
einen Spanier zugleich mit einem Peruaner
zum Galgen gehen. Der Spanier war be-
stürzt %.und traurig der Peruaner aber sahe
alle fürchtbare Anstalten gelassen und
gleichgültig an. Die Silaven fangen nicht
eher an, zu arbeiten, bis sie der Eigenthü-
mer mit Schlägen dazu nötiget, so bald er
weggehet, legen sie auch die Arbeit weg %.und
lassen sie liegen, nehmen sie auch nicht
eher vor, bis sie den Stok fühlen. Dis schei-
net von der grossen Stumpfheit ihrer Sinne
herzurühren und sie sind so einfältig, daß sie
die Iahre ihres Alters vergessen, wenn sie
ihnen auf alle Tage von den Iesuiten
die sich deshalb grosse Mühe geben, vorge-
sagt werden, sobald sie aus der Kirche ge- 

/ treten. Nach

|P_208

/Nach NordOst zu scheinen sie vernünfftiger zu
seyn einigermassen.

/Die Indianer scheinen ein Analogon der
amerikanischen tapferkeit zu seyn. Sie
sind feige und furchtsam, wenn der Europäer
zornig <wird> so entfernen sie sich von ihm und
kommen nicht wider als bis es besänf-
tiget ist, ob sie gleich im höchsten Grad rach-
gierig und wohllüstig sind. Die vielsten
ihrer Nationen sind so geartet.

/Die Neger haben ein sehr flatterhaftes
und hurtiges Wesen an sich und werden
frühe klug, daher sie schon im 15ten Iahr
wie beiahrte Alte aussehen, wobey es
aber auch sein Bewenden hat, indem sie
iederzeit kindisch bleiben, wie sie denn
auch den einen Sontag der ihnen zur be-
lustigung einzig freygelassen wird, mit
Tantzen zubringen, da sie die übrigen Ta-
ge für die Spanier arbeiten und dabey
auch für ihren Unterhalt aus den Früchten
die sie selbst pflanzen, sorgen müssen.

/ Was anbetrifft

|P_209

/Was anbetrifft die Beschaffenheit der Mus-
keln und der gantzen Leibes_Constitution
des Menschen auch die Beschaffenheit der
Fasern, so scheinen einige in gantzen Bün-
deln zusammen zu liegen und dis kan
vielleicht den Unterschied in der Leibes
Constitution hervorbringen, wenn sie nehm-
lich mehr stark wie reitzbar oder mehr reitz-
bar als stark sind. Wie sich aber ihre Krafft
auf die Fähigkeiten der Menschen erstre-
ket, ist so leicht nicht einzusehen. Anbey
ist auch wahrscheinlich, daß die Nahrungs
Mittel die Lufft und die Sonne auf den
menschlichen Körper grosse Einflüsse
haben.

/Die Entdekung gewisser Thiere, die sich
zahm machen lassen und durch die der
Boden angebauet wird, ist als die Ursach
anzusehen, wodurch menschliche Gesell-
schafften auf dem Erdboden zu Stande
gekommen sind.

/Unter denen Graßarten die durch die
Cultur der Menschen zur Vollkommenheit
gebracht sind, ist vorzüglich das Getreide

/ zu bemerken

|P_210

/bemerken. Das Mehl desselben besteht theils
aus milchsichtigen oder milchchigten Theils aus
klebrigten Theilen, die ersten kommen dem
pflanzenreiche die andern den Thierreiche
sehr nahe. Allem Vermuten nach ist zu
erst der Reiß denn der Waitzen Roggen
Gerst haber erfunden worden und wenn
wir eine ReichOrdnung unter den ver-
schiedenen Eßsorten machen wollten,
so würden Korn Waitzen Gerst die durch
den Akerbau zu weit größerer Vollkom-
menheit gediehen, und endlich der Reiß
denn die Wurtzeln und zulezt das Fleisch
der Thiere und der Fische folgen.

/Was die verschiedenen Grössen der Racen
anbetrifft, so ist zu merken, daß die Völker
die an den Polen und nach Norden zu
liegen, klein sind von Natur, ein Grön-
länder wird selten über 5 Fuß hoch, wo-
raus denn leichtlich erhellet, daß hieran
nicht so wohl der Mangel der NarungsMit-
tel denn die Grönländer haben Speisen vor

/ denen man Fett wird,

|P_211

/wird, im Ueberflußs, als SeehundFleisch und
Fische, sondern vielmehr die Kälte Schuld hat,
als die die Glieder constrangiret. Unter dem
Aequator und unter dem hitzigen Erdstrich
Zona Torrida, gelangen die Menschen früher
zur Reiffe, allein bey der Mittelmässigkeit
der Einsichten und des Verstandes hat es denn
auch sein Bewenden. Sie werden möglich
groß und vest, doch dürfte ihre specifi-
sche Schwere nicht so viel betragen als de-
rer Erdbewohner in den gemässigten Erd-
strichen, die mit ihnen einerley Grösse ha-
ben, daß also die Hitze nichts weiter als
das Wachsthum befördert. Die Weiber
fangen schon an im 8ten höchstens im 10ten
Iahr, Kinder zu zeugen, hören aber auch
schon auf im 24sten Iahr, dis geschiehet
mit den Einwonern der nordischen Ge-
genden auch, daß also in disem Fall die
Hitze %.und die Kälte vermuthlich einerley
Würkungen hervorbringen nehmlich die

/ Ausdünstungen. Noch

|P_212

/Noch ist anzumerken,

/daß ohngeachtet der verschiedenen Lebensord-
nungen und Diäten in den verschiedenen
Ländern dennoch einerley Verhältniß %.und Pro-
portion in der Anzahl der Menschen die in
gewissen Perioden des menschlichen Alter@s@
sterben, statt findet. Vom 20ten bis zum 30ten
Iahr sind vermuthlich mechanische und physische
Ursachen vorhanden, die die Länge des Lebens
bestimmen, «und» dessen Ziel man durch Aus-
schweiffungen wohl nicht verkürt@ze@, ganz ge-
wiß aber dasselbe saurer und elender ma-
chen kan; doch können auch zufällige Ursachen
dazu kommen und eintreffen als Schlagflüsse
Pest, welche die gantze Machine des menschli-
chen Leibes destruiren und niederreissen.
In den südlichen Ländern besonders in Pa-
tagonien soll das Mittelmaaß der Menschen
im Durchschnitt genommen kleiner als das
unsrige seyn, daher könte auch wohl die Größe
bey den Patagoniern bey uns eine Rie-
sen Grösse seyn %.und heissen.

/ Wenn die Grösse des

|P_213

/des Wachsthums auf der Stärke und Elasticitaet
der Fasern beruhet und alsdenn entstehet, wenn
die Fasern den sich ausspannenden Kräfften der
Nahrungsmittel nicht widerstehen können,
so ist eine sehr hohe Statur eine Krankheit
und man wächst würklich, wenn man krank
ist, sehr stark. Das sanfte Betragen %.und Wesen
der Patagonier ist eine Anzeige von ihrem
kränklichen Zustande und daß ihre Fasern
nicht die gehörige Stärke erhalten haben,
der ausspannenden Krafft der Nahrungs
Mittel zu widerstehen.

/Es wird gemeldet, daß die Einwoner in
Abyssinien eine grosse Vorhaut haben und
daß diserwegen bey den Heyden die Beschnei-
dung vermuthlich eingeführet ist; aber dis
geschiehet von ihnen zum Opfer, weil ihre
Weiber sehr fruchtbar seyn wollen, aus di-
ser Ursach lassen sie sich etwas von den
Nimphen wegschneiden, um der Göttin der
Fruchtbarkeit ein Opfer zu bringen

/An einigen Orten soll es Menschen geben,
die Felle von Fleisch an ihrer Scham

/ haben,

|P_214

/haben, welches sie aber als eine Unanständigkeit
ansehen und abschneiden.

/In Florida werden Hernnaphroditen angetroffen
die aber mehrentheils nur Männer sind, welche
so wohl aus ihrer Neigung zum männlichen Ge-
schlecht als auch daraus, daß sie keinen uterus
haben, zu ersehen ist; wiewohl nicht gantz zu
leugnen ist, daß es auch würkliche Hermaphro-
diten Menschen die so wohl männlichen als
weiblichen Geschlechts sind, geben kan.

/Die Menschen in Borneo haben Ansätze von
Affenschwäntzen. Wollte man dis Vorgeben
für einen Irrthum halten %.und passiren lassen
indem die Schiffer Thiere vor Menschen ange-
sehen haben können; so hat die Nachricht ei-
nes russischen SchriftStellers [Rytschkow] alle Wahr-
scheinlichkeit vor sich, als welcher behauptet,
daß einige Familien am schwartzen Meer
affenschwäntzig sind oder einen verlängerten
Rükgrad haben. Sie werden von den übri-
gen Tartarn sehr verfolget und also wohl
gantz ausgerottet werden. Es giebt

/ auch eine wilde Nation

/ Menschen

|P_215

/Menschen, die Köpfe haben, die bis an das Ende
des Bauchs herunterhangen.

/Die Menschen sind geneigt, schön zu seyn und
hiezu alles mögliche beyzutragen. Wenn
der Europäer an seinen Kleidern künstelt
und durch dise gern in einer schönen Ge-
stalt erscheinen will; so nimmt der Wilde
dises an seinem Leibe selbst war, weil er
entweder nicht Kleider <hat> oder an ihren we-
nig oder gar nicht künsteln kan. Die Ka-
raiben in Nordamerika das unempfind-
lichste Volk der Welt, die die Insel Lucia
bewohnen, belegen die Stirne ihrer Kin-
der mit blechernen Platten, damit sie
breit werden und die Augen hervorra-
gen, und also nicht nöthig haben, den Kopf
aufzuheben, um den Himmel anzusehen
Ausser daß viele Kinder in der Probe blei-
ben und ausser dem, daß ihnen im Anfang
eine schleimigte Materie aus der Nase
fliesset, scheint es ihrer Gesundheit eben
nicht nachtheilig zu seyn.

/Andere Nationen in Amerika können
nicht leyden, daß der menschliche Kopf

/ eckigt

|P_216

/eckigt und der Eine Durchsnitt desselben grös-
ser ist wie der andere, sie zwingen daher den
Kopf der Kinder in KugelFormen, die den
Zukerhüten ähnlich sind.

/Fast alle Amerikaner machen sich Ritze in den
Leib schmieren in diselbe allerhand Säffte der
Blumen und Kräuter und machen ihn damit
fleckigt und zuweilen voll von Figuren und
Gestalten. δblank Manche von disen
Völkerschafften haben unter der Lippe ein loch
eingeschnitten, welches wie ein zweyter Mund
aussieht und niemahls zuheilet, zu desto
grösserer Zierde legen sie noch einen Stein
von ziemlichen Werth herein. Eine ihrer
gewöhnlichen Zierden besteht darin, sie
schmüken ihr Gesicht mit allerhand Vogel
federn und die rothbraunen Amerikaner
gebrauchen den Zinnober zum Schminken
der auf ihrem rothbraunen Gesicht sehr wun-
derlich abstechen muß.

/Daß chinesische Frauenzimmer versteht die
Kunst, sich kleine Füsse zu machen, sie

/ müssen

|P_217

/müssen es eigentlich thun, ihren Männern zu gefal-
len, dise klemmen ihnen die Füsse in solche engen
Portagen ein, daß man kaum die Zehe davon er-
kennen kan, hidurch verlernen sie das Gehen
und die Männer sind schlau genung, ihnen vor-
zustellen, daß dis eine Schönheit sey, auf dise
Art halten sie ihre Frau ab von Ausschweifun-
gen. δblank Die Tungusen nähen
ihren Kindern das Gesicht mit in Feilstaub
gefärbten blauem Zwirn aus nach dem
Beyspiel ihrer alten Helden.

/In Afrika punctiren sich die Frauen_personen
das Gesicht. δblank Die Schuckzy im nord-
lichen Asien machen sich 2 Löcher in den
Baken und setzen WallroßZähne herein.
In Tunkin färbt man die Zähne mit
dem gifftigen Safft doxicodendo schwartz.
Die Maraskaden in Borneo setzen in
die Stelle derer die sie sich freywillig
ausschlagen, 2 goldene Zähne hinein.
Auf der Küste Gabo steken die Einwo-
ner Höltzer in die durchborte Scheidewand

/ der

|P_218

/der Nase δblank In Malabar herrscht der Ge-
brauch einen NasenRing durch die Nase zu
ziehen, den sie bis über den Mund hängen
lassen und einige Völkerschafften ziehen ihren
Kindern durch die Vorhaut einen Ring.
Auf der Halbinsel ienseit des Ganges %.und
in Canada schneiden sich die Menschen Löcher
in die Knorpel an den Ohren und hängen
in die Löcher ihre Vampons oder Enden
gewisser Muscheln, die violet aussehen,
offt kan man mit 2 Finger durch die löcher
hindurch fahren. δblank Bey den Chinesern
ist der obere Kinnbaken länger wie der
untere, daher kommts, daß viel Buchstaben
von ihnen nicht ausgesprochen werden kön-
nen als L. und N.

/Die Elendesten unter allen Völkern sind
die Esquimaus, es sind die Einwoner am
St._Laurentz_Strohm an der Hutsons_Bay.
Nahe am MeerUfer faahren sie mit ihren
Kähnen, Seehunde zu fangen und da sie
mitten im Lande nicht Wurtzeln finden
so müssen sie sich etliche hundert Meilen

/ entfernen in der

|P_219

/in der größten Kälte, um sie aufzufinden zu ih-
rem Unterhalt. δblank In Ansehung des elenden
Zustandes können zu den Esquimaus auch die
Neuholländer gezählt werden, die bloß von
den Muscheln leben. Die Neger nähren sich
von der Wurtzel Iams.

/In Guinea werden die Hunde gegessen.
Sie sind hier stumm und wenn die europäischen
Hunde dahin gebracht werden, verstummen sie
auch. δblank Die Ostiacken müssen im Win-
ter offt grausam hungern, weil sie faul
sind, auf die Zukunfft zu denken und sich
zu versorgen. δblank In der Spitze von der
magellanischen MeerEnge lebt man al-
lein von Pferden.

/Die einfältigste Art zu nähren sind die Wurzeln,
wie der @Reip@ oder türkische Waitzen in
NordAmerika und in SüdAmerika die
<Marnon_Wurtzel die> zwar giftig ist aber doch nähret wenn der
Safft ausgepreßt ist, auf die <Wurtzeln> «Jagd folgen»
folgen die NahrungsMittel von der Jagd
und von der Fischerey.

/Am Ausfluß des Flusses Sena ist eine

/ Art Gänse, von

|P_220

/von denen die Landeseinwoner leben und sie so
fangen, Man bauet eine Hütte, hirauf nähert
sich iemand in einen weiße<n> Peltz gekleidet der
Hütte, ein anderer geht von hinten %.und klappert
wenn alsdenn die Gänse dem vordersten folgen
bis in die dazu erbauete Hütte indem sie
ihn für eine Ganß ansehen, so geht der dritte
und schließt von hinten die Thür zu.

/In den warmen Ländern gebraucht man die
Ochsen und in Indien die Büffel zum Fuhrwerk.

/Was die besondern Arten der mensch-
lichen Wonungen anbetrifft, so wonen eini-
ge in der Erde, die Grönländer in Zelten
bedekt mit Erdklössen und SeehundFellen
im Winter träufelt das Wasser hinein,
sie nennen sie Kaballen, im südlichen
Amerika in Cuba in Brasilien, sind die Ein-
woner nackend und wonen in Kaballen, in
Guinea müssen die Galetti ihre Hütten auf
hohen Bergen aufschlagen, sich vor den wilden
Thieren zu retten.

/Was das Verhältniß des weiblichen Geschlechts
zum männlichen betrifft, so werden sie von

/ den

|P_221

/den Amerikaner wie Haußthiere angesehen
denen alle Geschäffte obliegen ausser Jagen
und Kriegen, in Asien werden die Wei-
ber in Zimmer eingesperret von aller Arbeit
befreyt und so lange sie nicht Ialousie und
Eyfersucht erweken, wohlgehalten, in Euro-
pa aber ist die Galanterie eingeführet.

/ ≥ Von den Thieren ≤

/Wenn wir iezt von den Thieren sagen, so
fangen wir an von den Haußthieren.

/Das Pferde Geschlecht. Ausser denen Tugenden
denen die Einbildungskrafft der Menschen
einen Wehrt beyleget und die von der Ge-
stalt Grösse Geschwindigkeit der Pferde herge-
nommen sind und sie betreffen, ist noch
merkwürdig, die Leichtigkeit und der damit
verknüpffte schöne Wuchs die Dauerhaftigkeit
und die Fähigkeit sich discipliniren nur
ziehen zu lassen, welche die Pferde im Zu-
stande der natürlichen Freyheit haben.
In der Wildniß findet man die Pferde
selten ausser in den Steppen und in der

/ Grafschafft

|P_222

/Grafschaft Lippe giebt es eine Art wilder Pferde,
auch in Amerika sind viel von den spanischen
Pferden in die Wildniß geraten, welche die
Patagonier fangen und brauchen zu ihrer
Nahrung. δblank Die arabischen Pferde sind
die besten und beständig von einer Race
erzeuget. Die Araber halten GeschlechtsRe-
gister von ihnen und verkauffen sie offt
für 8. bis 10.000 Thaler. δblank Nach ihnen
folgt eine Race die von dieser abstammt,
nehmlich die arabischen Pferde in Algier
die sehr leicht und disciplinable oder zie-
bar sind, die spanischen sind von disen ei-
ne Race. Die englischen sind die schnell-
sten Pferde, sie lauffen in einer Secunde 61.
Schuh, da die wilden Pferde in der Steppe
nur 52 Schuh lauffen. Die größte Art
ist in Dännemark und die hollsteinischen
sind unter ihnen die besten.

/Wenn verschiedene Racen von Pferden zu
sammengelassen werden, so pflegt das Fül- 

/ len in der Grösse

|P_223

/Grösse Farbe der Stute in den Extremitäten aber
als im Kopf und Schweiffe nach dem Hengst zu
schlachten. In dem heissen Erdstrich sind die Pferde
schäkigt und in dem kalten sehr klein.

/Der Zebra ist eine Art Pferde, die lange Ohren
haben wie die Esel sonst, aber wie ein Pferd
aussehen, er hat dunkelbraune weisse gelbe
Streiffen, die seinen Körper in Gestalt grosser
Zirkel umgeben.

/Das EselGeschlecht. Sie sind geschikt zum
Tragen. Es giebt auch eine Art WaldEsel.

/Der Maulesel, eine Halbschlacht %.und Ausar-
tung von Esel und Pferd. Sie sind sehr tükisch.

/Das RinderGeschlecht zu disem zählen wir
nicht allein die barbarischen Kühe sondern
auch den Büffel mit zuruckgebognen und
spitzigen Hörnern. Er ist das stärkste Thier
nach dem Elephant und hält sich nur in Nor-
den auf, in Ostindien wird er gebraucht. Die
barbarische Kuh hat einen Kopf wie ein
Pferd. Die sybirische Kuh krazet im
Winter ihr Futter unter dem Schnee

/ hervor. In Amerika sind

|P_224

/sind viel aus Spanien dahingebrachte Kühe in die
Wildniß geraten, wo sie von den verwilderten
Hunden sehr verfolgt werden. Vor Ankunfft der
Spanier waren in Amerika die Pferde %.und Ochsen
gäntzlich unbekand.

/Der Waldesel ist grösser wie der zahme und
wird in Candia angetroffen

/Das SchaafGeschlecht hat bey uns Wolle, Con-
damine
aber merket an, daß es, wenn es
wild ist, Haare und Hörner hat und sich
tapfer wehret. Die ungarischen Schaafe sind
die, von denen man die Kameelhaare be-
kommt, indem bey den Türken das Schaaf Ka-
meel heißt; aber nicht eigentlich die Wolle
sondern das von ihnen gesponnene Garn wird
ausgeführt, der Kamelot wird davon verfer-
tiget; wie wohl auch einige Zeuge würklich von
den abgeworffnen Haaren der Kamele
verfertiget werden. δblank Die SchaafWolle ist
gegen Norden zu gröber in dem heissen Erd-
strich aber feiner. Die spanischen Schaafe sind
die besten, im Sommer leben sie in den Schnee-
Gebürgen von Asturien, gegen den Herbst be- 

/ geben

|P_225

/begeben sie sich auf den Weg %.und ziehen nach Andalu-
sien und bleiben daselbst den gantzen Winter.
Die englischen sind eine Race von den spanischen
Schaafen. In Afrika giebt es breitschwän-
zige und in Marokke langschwäntzige Schaafe

/Das BokGeschlecht. Die Gemsen und die Stein
Böke sind eine Gattung davon. Den Gemsen
ist schwer beyzukommen, sie halten sich auf
den Schweitzer Gebürgen auf, machen Sätze
von einem Felsen zum andern und wenn sie
ihn auch mit den Füssen verfehlen, so wis-
sen sie sich doch mit ihren Hörnern, die
scharff und spitz sind, geschikt anzuhängen.
Die Jäger die ihnen in den Gebürgen nach-
setzen und dabey gar zu eyfrig sind, geraten
offt auf dem Rükwege in Lebensgefahr, wenn
die Gemse nicht weiter fortkommen kan, so nimmt
sie einen Satz und stößt entweder sich oder
den Jäger zwischen die FelsenKlüffte herunter.
Auf Ißland sind die Hörner der Böcke
durcheinander geflochten.

/Die Gasellen sind Ziegen in Persien die von den
Einwonern vermittelst der Leoparden ver-
folgt werden. Sie sollen scharfe Augen haben

/ und dieienigen seyn

|P_226

/seyn, von denen in Salomons hohen Lide Erweh-
nung geschiehet. Von dem Ziegen_Fell wird
der Corduan verfertiget.

/Das Bisam_Thier hat unter dem Bauch eine
Blösse, worin sich der so genannte Bisam be-
findet, er ist ein röthlicher Safft %.und ein starkes
Oehl. Das Thier, in dem es gefunden wird,
heißt der MuscusBok.

/Das Bezoar_Thier ist eine Art Ziegen. Sie ha-
ben unter dem Bauch einen Stein der roth
aussieth und von vorzüglichem Wehrt seyn
soll aber öffters verfälscht wird, er sieht
wie eine Zwiebel aus und hat eine Bitter-
keit, die der Fäulniß vorbauen soll.

/Das Ziegen_Horn hält sich in Amerika
auf und ist das eintzige Einhorn in der Welt

/Das güineische glaßgelbe Bokchen und
der Chiraff der Camelleopard ist in
Asien und hat eine solche Höhe, daß ein
Reuter auf einem mittelmässigen Pferde
unter seinem Bauch fortreiten kan, er
ist wie ein Leopard flekigt, hat einen

/ langen

|P_227

/langen Halß und Hörner.

/Das Hirschgeschlecht Die Hirsche werffen iährlich
ihr Geweih und bekommen größtentheils meh-
rere Enden, man kan aber nicht eigentlich
die Zahl der Iahre aus den Enden erkennen,
man hat schon 66 Enden an einem HirschGe-
weyh gezälet. Das Reh ist eine Art von
Hirschen wie auch das surinamsche Reh, wel-
ches nicht grösser wie ein Haase ist. Der Dann-
hirsch das Elendthier, welches einen Kopf hat
der dem Kopf des Rhinoceros ähnlich ist,
nimmt seinen Weg durch unwegsame Oerter
und Morräste, kan auch gut schwimmen, hat
aber ein unschmakhafftes Fleisch.

/Das Renthier ist das äusserste Thier in Nor-
den, so Gewächse frißt, da die meisten Bären
die sich daselbst aufhalten, Fische fressen. Es
behilfft sich mit Troknem Mooß, den es un-
ter dem Schnee hervorsucht. Sein Fell giebt
den Einwonern Kleider und sein schneller
Lauff dient, ihren kahnförmigen Schlitten
fortzuschleppen. δblank Die Ziegen geben
<daselbst> feine Milch, von der Käse gemacht werden.

/ Das Schwein

|P_228

/Das SchweinGeschlecht. Die Borsten der Schweine sind
ein vornehmer Handlungs_Artikel, weil sie zu
mancherley Bedürfnissen als Bürsten Besen
nothwendig sind, die besten sind in Polen Ruß-
land Littauen und nicht alle sind gleich brauch-
bar. Die wilden Schweine sehen schwartz aus,
haben 2 Hauer an der Seite, mit denen sie
eben nicht tief eindringen. Sie sind ver-
wegen, so bald sie verwundet werden,
lauffen sie gerade auf den Ort zu <von> wo der
Schuß geschehen ist, wo denn kein Rettungs
Mittel übrig ist als auf die Erde sich hinwer-
fen, dis rettet einigermassen. Sie halten
sich in Morrästen auf, in Deutschland ver-
iagt man sie aus denselben mit Schwefel
Dampf, sie setzen durch den Reihnstrohm
und offt werden sie daselbst von den Bauren
ersäufft, sie ergreiffen sie bey den Hinter-
Füssen und steken sie mit dem Kopf ins
Wasser, aniezt ist es verboten. Die asia-
tischen Schweine sind lang und ihr Fleisch
sehr gesund. Das afrikanische Mus- 

/ kus

|P_229

/MuskusSchwein wird auf der Insel Malakka
angetroffen

/Der Hippotamus oder das NilPferd ist einem
Schwein ähnlich und mit dem Rinoceros und
Elephant das größte unter den Landthieren
Es hat eine besondere Art Zähne und 2 Hauer
die eben solche und noch eine feinere KnochenArt
in sich enthalten als wohl die Elephanten_Zäh-
ne, die so groß wie Ochsen_Hörner sind. In
den Flüssen in Afrika hält es sich auf und
sonst nirgendwo. Sein Leder ist so dik,
daß ihn ein Schutz nicht verletzet ausser wenn
er ihn hinter die Ohren trifft. Seine Schwere
beträgt 30 Centner.

/Der Rinoceros oder Nase_Horn ist gleichsam
mit einem Pantzer umgeben, der aber
nicht so stark ist als der den die Schildkröte
hat. Wenn ihm die Natur in demselben nicht
Falten gemacht hätte vermittelst derer er
sich bewegen kan und die von weitem, wie
Stiefel_Hosen aussehen, so würde er gantz
unbiegsam seyn. Er hat sein Horn auf
der Nase, daher auch der Nahme kommt
Nasehorn und oft 2 hinter einander

/ wo von

|P_230

/von denen das unterste am größten ist, man
schliesset daher, daß sie ihnen nicht zur Gegen
Wehr sondern Wurtzeln aufzusuchen dienen
Der Elephant ist in Asien und Afrika nicht in
Amerika anzutreffen. In Asien beträgt ihre
Höhe 14 bis @15@ in Afrika nur 12 Schuh. Die
größte Sorte von ihnen trifft man in Ostin-
dien an auf der Insel Zeilon und der Halb
insel ienseit des Ganges, wo es aber dikere
ungeschikte Füsse hat mit 5 Klauen. Es
hat eine grüne Farbe auf der Halbinsel
ienseit des Ganges wird es auch weiß gefun-
den zuweilen. Die Indianer halten sie
für heilige Thiere, weil in sie die Seelen
ihrer Heiligen hineinfaren. Das merk-
würdigste an ihm ist sein grosser Rüssel
desse Spitze knorplicht ist, er kan ihn bewegen
und legen wie er will und das Fressen %.und
Sauffen damit zum Munde führen und seine
größte Stärke besteht darin. Vom Tobaks
Rauch wird er trunken, er läufft wie ein
gutes Pferd und hat einen kurtzen Schwantz

/ dessen Haare

|P_231

/Haare wegen ihrer Dicke zu Rören gebraucht wer-
den zu den Tobaks_Pfeiffen. Man sezt ihm
die Palassains auf zuweilen <gar> kleine Thürme
und vermittelst zahm gemachter Weibchen
lokt man ihn in abgesonderte Oerter und da
wird er gefangen

/Das Kameel hat einen langen Halß unter den
Bande und dem Rüken Polster, daß es also
zum Tragen nicht bestimmt zu seyn scheint.
Wenn es bela«n»den wird, kniet es nieder und
weiß die Last die es tragen soll sehr wohl
zu unterscheiden. Es hört gern eine Mu-
sic und wird dadurch zur Arbeit angereizet
und encouragiret. Es ist unterschieden
von dem Dromedarius oder tageläuffer, dis hat
nur einen Rüken und einen Puckel.

/Das Faulthier wird allein in Amerika
angetroffen und sieht aus wie ein Affe, nur
daß es statt der grauen weisse Haare hat.
Ueber einer Weite von 12 Schuh bringt
es offt den gantzen Tag zu und bey iedem
langsamen Schritt schreyet es so erbärm-
lich, daß man glauben sollte, es wären

/ ihm

|P_232

/ihm alle Knochen gebrochen. Doch durch dis Ge-
schrey wird er gesichert für der Wuth der
Thiere, sie können es nicht ausstehen.

/Der AmeisenFresser hat seinen Nahmen
von der Nahrung die er genießt. Seine Zunge
ist lang, wenn er die Ameisen aus ihren
Nestern störet, so st<r>eket er die Zunge aus
wenn sie alsdenn diselbe belauffen, so bleiben
sie daran kleben, worauf er sie zurük
zieht in den Halß und die Ameisen ver-
schluket. δblank Wunderbar
ist es, wie so grosse Thiere mit so weniger
Nahrung sich behelffen können.

/Das Eichhörnchen sieht in allen Gegenden
der Welt gelbligt aus. Sie schwimmen
über den Genisey sehr wunderbar, sie
setzen sich auf eine höltzerne Bank oder
Brett und fangen mit ihrem Schwantz den
Wind auf und so rudern sie fort.

/Das RattenGeschlecht. Die Ratten
sind Thiere, die alles in Hauffen ver-
wüsten und sind ihres scha<r>ffen Gebisses
wegen gefärlich. Die beste Art, sie

/ zu

|P_233

/zu fangen ist, wenn man 4 bis 5 Stük in einen
polirten Kessel setzet und hungern lässet. Wenn
sie recht ausgehungert sind, fressen sie sich selbst
an, die lezte die übrig bleibt, hat einen trieb
erhalten, den Fraß zu widerholen, man setzet
sie in Freyheit, worauf sie würklich die andern
aufrißt, im Kurtzen machen sich alle anwe-
sende Ratten davon.

/Die Beutel_Ratte hat unter dem Bauch ei-
nen Beutel, darin versammeln sich die iun-
gen, wenn sie verfolgt werden.

/ ≥ Das HundeGeschlecht. ≤

/Der OriginalHund scheint der Schäferhund zu
seyn, weil alle Hunde, wenn sie in die Wild-
heit geraten, desgleichen werden, daher ist es
wahrscheinlich, daß alle Hunde, sie mögen so
verschieden seyn, wie sie wollen, nur von
einem Stamm herkommen.

/Der Mops ist eine Halb_Schlacht von einem spa-
nischen BollenBeisser %.und dem Wachtel_Hunde.
Die wilden Hunde in Afrika sind stumm
und der Mangel des Bellens kommt wohl da-
her, daß sie merken, daß sie dadurch das
Wild verscheuchen, welches ihre Narung ist.
Wenn sie auf die Schiffe gebracht werden

/ so

|P_234

/so gewöhnen sie sich zuerst an, zu gnurren %.und endlich
fangen sie an, zu bellen. Sie ziehen in Heer-
den herum in gantz Afrika. Einer geht vor@aus@
und führt die Heerde an als Heerführer %.und die
übrigen folgen ihm. Da sie nicht bellen, ist es
gefährlich für die Reisende, wenn sie ziehen.

/Die Hunde scheinen die vollkommenste Thiere
zu seyn, die die Verwandschafft mit der Ver-
nunfft das Analogon rationis am stärk-
sten zeigen. Sie nehmen sorgfältig in acht
das ihnen auferlegte Amt, bleiben bey
ihren Herren, wenn sie unrecht gethan und
schaden angerichtet, werden sie unruhig, wer-
den traurig, wenn der Herr sich entfernet,
und stellen sich vergnügt, wenn er zu Hause
kommt, suchen den Herren zu gewinnen durch
demüthige Stellungen, wenn sie ihn«en» zornig
sehen. δblank Zuweilen
werden die Hunde toll und denn ist ihr
Biß gefährlich, weil die Menschen davon in
eine ähnliche Raserey verfallen. Wenn
ihm der Tollwurm unter der Zunge ge-
schnitten wird, so ist Hund %.und Biß nicht

/ weiter

|P_235

/weiter gefährlich. δblank Ein möglich würksam
Mittel wider den Biß toller Hunde ist, wenn
gleich drauf als der Biß geschahe, Saltz in
die Wunde gerieben %.und Saltz in Wasser auf-
gelöset getrunken wird.

/Der Wolff ist dem innern Bau nach von
dem Hunde unterschieden. Da er mehr
frißt als er zu seinem Unterhalt braucht
so ist er ein grausam Thier. δblank Zum
WolffGeschlecht rechnet man den Schamnal
der grösser ist, wie ein Fuchs %.und kleiner
wie ein Wolff. Simsons Füchse sind viel-
leicht solche Thiere gewesen.

/Alle Thiere haben einerley Art in den kal-
ten Gegenden und haben viel dikere
Peltzer als in den warmen. Die Vögel ha-
ben eine Schichte Federn mehr in den
kalten Erdstrichen als die in den gemässigten

/Das FuchsGeschlecht. In Sibirien giebt es
3erley Arten Füchse, den weissen, brau-
nen %.und blauen, den schwartzen Fuchs. Der
schwartze ist seiner Kostbarkeit wegen

/ regal

|P_236

/regal oder eine königliche Tracht, der blaue sieht
aschfarbig aus aber seine Haare sind nicht dau-
erhafft. Der SteinFuchs hat einen solchen
Gestank, daß Menschen und Thiere dafür
lauffen müssen sein Fleisch ist schmakhafft.

/Zu den Füchsen zählet man die Biesamkatze
Sie gleichet ihnen vollkommen. Nur den Sporen
und Klauen nach sieht sie einer Katze ähnlich.
Hinter dem Schwantz hat sie eine Drüse aus
der ein klebrigter Safft gedrukt wird, den man
nennet den Zibet. Der Zibet ist im Anfang
scharff hernach aber leiblicher %.und man hält sei-
nen Geruch für sehr vortreflich.

/Doch was dis betrifft so scheinet es, daß das Ge-
fallen oder Mißfallen an einem Geruch nicht
natürlich ist und bestimmt sondern vielmehr Mode
indem so wohl die Kinder als die Wilden
keinen Eckel und Abscheu haben an Dingen
was den Geruch von ihnen betrifft, wenn er auch
andern unerträglich ist.

/Das KatzenGeschlecht wird nirgend so sehr
gelitten wie in der Türkey, weil die Tür-
ken glauben, daß kein Thier als des Maho- 

/ meds Katze aus

|P_237

/aus dem Paradieß kommen wird.

/Die Katze läßt sich nicht ziehen %.und discipliniren
und gewönt sich mehr ans Hauß als an den Her-
ren. δblank Eine Art von Katzen ist die
TygerKatze und bey uns der Luchs.

/Der Tyger wird in Asien ienseit des Ganges
angetroffen. Er hat schwartze %.und weisse Streifen
die um den gantzen Leib gehen, er ist grau-
sam und gar nicht möglich zu bändigen oder indis-
ciplinable aber so stark, daß er auch einen Löwen
überwältigen kann. Er ist nicht zu verwechseln
mit dem Parther.

/Der Dubhat wird bey Algier angetroffen %.und
klauet die todten leichname aus den Grä-
bern hervor.

/Der Löwe wird gerühmt seiner Großmuth we-
gen, denn wenn er einmahl alt ist, läßt er
iedes Thier in Ruhe. Er hat in seinen Ge-
berden etwas @Erliches@ und sein Anstand
ist erhaben und ansehnlich. Sein brüllen
ist fürchterlich, er läßt es hören des Abends
des Morgens %.und bey einer ieden Verände-
rung des Wetters. In seiner Brust hat er
eine grosse Stärke. Der afrikanische ist der

/ mächtigste. Der Löwe

|P_238

/Der Löwe frißt am liebsten die Affen hernach
das Vieh und endlich den Menschen einen schwar-
tzen lieber wie einen weissen eine Mannsper-
son eher als ein Frauenzimmer.

/Das AffenGeschlecht. Wenn sie keine Schwän-
tze haben, so heissen sie MenschenAffen, ha-
ben sie aber lange Schwäntze, so heissen sie
Meerkatzen. Die Affen haben eine Ver-
wandschafft mit der Vernunfft aber nicht
mit einer vernünfftigen Sittlichkeit, sie
haben das analogon rationis aber nicht
das analogon moralitatis, dis wird bey
ihnen vermißt, indem sie iederzeit boß-
hafft tükisch eigensinnig sind und allenthal-
ben, wo sie hinkommen, Schaden anrichten.
Sie haben zwar Menschen ähnliche Finger
aber ihre Organisation ist deshalb nicht
auf was Gewisses gerichtet, denn wenn dise
zu einem allgemeinen Gebrauch be-
stimmt ist, so zeigt sie auch sicher von den
allgemeinen Fähigkeiten des Thieres.
Die Grösse der ungeschwänzten Affen

/ ist

|P_239

/ist 5 Fuß. Sie haben wenig Haare, eine herabhan-
gende Ohrlappen, Runtzeln im Gesicht %.und können
sich niedersetzen, von weiten haben sie die Ge-
stalt eines beiahrten Mannes und werden ge-
nannt WaldMänner. δblank Die kleinen ohnge-
schwänzten sind böser als die grossen und äus-
serst flatterhafft. Sie brechen sich Prügel von
den Bäumen und können damit einen Löwen
und Tyger vertreiben. Die langgeschwänz-
ten brauchen ihre Schwäntze, sich an kleine
Bäume zu schlingen und mittelst diser
über die Bäche zu setzen, weil sie nicht
schwimmen können. In dem Baken haben sie
einen Schlauch, den sie zu einem Magga-
zin brauchen. Da sie sehr flatterhafft sind
so pflegen sie Obst und Reiß bald überdrüs-
sig zu werden und denn hohlen sie sich was
anders. δblank Die SchooßAefchens sind
nicht grösser wie ein Eichhörnchen können
aber in Europa nicht leben.

/Das SchaaffKameel wird in Amerika und
zwar im obern Theil angetroffen und wird
genannt Recunnu. Ehedem war es das

/ eintzige Last- 

|P_240

/Lastthier in dieser Gegend. Es hat einen lan-
gen Halß und das Sonderbare an sich, daß
es den Menschen starr ansieht.

/Das HaasenGeschlecht theilt sich in

/SandHaasen, dis sind die stärksten Läuffer %.und
am schmakhafftesten, und in WaldHaasen. Ihre
Furchtsamkeit und schneller Lauff sind bekand.
Sie treten in allen Gegenden Spuren, die
Hunde von ihrem wahren Lager abzubringen
Die weissen Haasen sind vielmehr eine Aus
als eine Abartung.

/Das Meerschwein oder Ferkel wird aus Bra-
silien gebracht

/Das Maulthier wird in Savoyen %.und Pie-
mont angetroffen. Es kommt mit der
Schlaffratte darin überein, daß es ohne Be-
wegung in einer Art von Erstarrung liegen
bleibet und so weggebracht und anato-
miret werden kann. Die Ursach davon
ist die, Im Schlaff kühlt sich das Bluth mehr
und mehr ab, da nun das Bluth diser
Thiere nicht so warm wie das Bluth der
Menschen ist, so wird es bey anhaltendem
Schlaff kälter als die Lufft selbst und kann

/ also

|P_241

/also durch diselbe nicht in Umlauff und Circula-
tion gebracht werden.

/Der Bär lebet im Winter von seinen Fett
welches durch seine innerezurükführende Ge-
fässe zur Nahrung wird und δLücke

/Der Dachs wird im Winter ernähret von dem
2 Hände breiten Spek das unter seiner Haut
lieget und befindlich ist, durch den Magen und
also durch den ordentlichen Weg der Verdauung.
Die Maulwürffe haben kleine Augen, die aber
hinreichend sind, den Tag von der Nacht zu un-
terscheiden. Man hat bemerkt, daß der Maul
wurff wenn er verstorben, unter der Erde
angetroffen wird; Gladitsch [Gleditsch] aber hat beobach-
tet, daß dis von den Käfern bewürkt wer-
de, welche die Erde zur Seite erheben und damit
den Maulwurff beschütten.

/Das StachelSchwein hat lange Stacheln die wie
FederKeulen zugespizt sind und die es nach
Gefallen abschiessen kan. Der Stein Becois der
in seinem Magen gefunden wird, ist von sehr
grossem Wehrt

/Die Fledermäuse haben zu beyden Seiten aus
gespannte Häute und sind die abscheulichsten un- 

/ ter den Nachtthieren.

|P_242

/Die fliegende Katzen in OstIndien und
die fliegende Eichhörnchen sind merkwürdig
Sie können grössere Sprünge wie die gewönliche
machen wegen der an den Seiten befindlichen @Haut@
Die Hermelin oder weisse Wiesel, die Speicher_Wiesel
stellen den Mäusen nach.

/Die Marder loket man hervor durch das Schlei-
fen, den dis Geräusch können Sie nicht vertrage<n>

/Die Iltisse kan man fangen durch das Ein-
geweide eines Hahns.

/Die Ferette sind kleine Wiesel, welche die
Kaninchen aus ihren Löchern stören.

/Die Kaninchen fortzupflantzen, könnte
man dem Beyspiel der Engländer folgen.
Sie ernären sich selbst, vermehren sich sehr
haben ein schön Fell und werden leicht aus
ihren Löchern geiaget durch die Ferette

/Die Amphibien oder die Thiere die im
Wasser und auf dem Lande leben können.

/Die FlußOtter ist in den Flüssen zu finden
Sie gräbt sich Gruben von dem Uffer bis zu
dem Walde. Ihr Fell ist brauchbar.

/Die SeeOtter wird bey Kamtschatka gefun-
den. An den Füssen hat sie Floß_Federn %.und
hat ein so glänzendes schwartzes Fell, daß
man bis 40 %Reichsthaler für eins giebet.

/ Der

|P_243

/Der Biber hat 4 Füsse und einen eyrunden Fisch-
Schwantz, den er beständig im Wasser halten
muß und Zähne die hervorragen. Mit seinen
2 VorderZähnen haut er den Baum ab und führt
ihn aus Wasser darauf bauet er sich ein Hauß
von 2 Stokwerk am Ufer des Flusses, damit er
nachdem das Wasser steigt oder fällt, seine Wo-
nung verändern kan. Er führt am Ufer einen
Damm auf nach den Vorschrifften der besten Bau
Kunst, steil an der Fluß_Seite von der Land
Seite abgedacht. Im Winter lebt er von
der Baum_Rinde. δblank Zu unserer Zeit sind
die Biber seltner und rarer wie vor dem.

/Ausser den Sandwüsten und Steppen
waren vor alten Zeiten die Länder alle mit
Wälder bedekt, wie es wahrscheinlich ist, weil
man die neu erfundenen Gegenden und
Länder mit Wälder besezt und angefüllt an-
trifft, als die Wälder ausgehauen %.und vermin-
dert wurden, so war dis die Ursach von der
Verminderung der Thiere, deren Aufenthalt
der Wald ist.

/Die Meerkälber werden in der Ostsee und
beständig im EißMeer angetroffen.

/Der Wallroß oder MeerOchs verdienet
disen Nahmen gar nicht. Er hat einen

/ grossen

|P_244

/grossen Kopf und hervorragende Zähne die nach
unten herabgehen.

/Seebäre und Seelöwen werden angetroffen
bey Kamtschattka

/Die Schildkröte. Die größten sind in Nord-
Amerika. Sie wiegen bis 30 Centner und
haben so starke Knochen, stärker wie Ochsen
Knochen. Sie schwimmen im Wasser und legen
ihre Eyer aufs Land 2 bis 300 an der Zahl.
Ihr Fleisch ist wohlschmekend und ihren
Pantzer doch nur von den kleinen
braucht man zu den Tobaks_Dosen und
Uhr_Gehäusen.

/Die Krokodillen sind äusserlich und inner-
lich mit den Eidexen einerley und nur
der Grösse nach von ihnen unterschieden.
Sie halten sich in Afrika auf und sind in
der alten Welt das, was in Amerika
der Allegator ist, bloß daß der Schwantz
des Allegators herabhangt und eine et-
was verschiedene Farbe hat.

/Gleichwie die Natur dergleichen schädliche
Producte nur selten hervorbringet, so

/ hat sie noch dafür

|P_245

/dafür gesorget, daß sie anderweitig vermindert
werden. So frißt und leeret aus die Pharaonis
Maus die Eyer des Krokodills und die @Salnasser@
ein den Gänsen ähnlicher Vogel die Eyer des Al-
legators, indem beyde ihre gelegte Eyer in den
Sand verscharren und die Ausbrütung ihrer
Iungen der Sonnenhitze überlassen

/ ≥ Von den Fischen ≤

/So wohl die würkende Ursach als auch der Ent-
zwek erfodern es, daß die größten Colossen
der Thiere im Wasser gefunden werden und
leben, wo sie der Füsse entbehren und doch
fortkommen können durch das Schwimmen, da
Thiere von diser Grösse auf dem Lande schwer
fortkommen würden und ihnen grossen Körper
nicht wenden oder bewegen könten.

/Die Wallfische sind die größten Seethiere.

/In dem Eißmeer sind sie am größten ver-
muthlich weil sie schwammigt sind und daher
in den heissen Erdstrichen schmeltzen möch- 

/ ten.

|P_245R δZ_9

/Fig._28

|P_246

/Die verschiedenen Arten der Wallfische sind
der Grönländer Nordkap, Plattfisch, Finnfisch,
Narwall Schwerdtfisch, die Seekuh, der Heu
oder Seewolff, die Remora, der Mantel
Fisch, der Seeteuffel, der ZitterFisch, der Zitter
Aal, der Seewurm, der Krake der
Spritz_Fisch, der MeerMensch.

/Was anbelanget das Zeugen %.und Fortpflanzen
diser Thiere, so muß man einen Unterscheid
machen zwischen Fischen die Kaltes und
denen die heisses Bluth haben. In den süs-
sen Wassern haben sie alle kalt Bluth
und unter diser Bedingung findet
keine Beywohnung statt, sondern das
Weibchen läßt den Reegen fallen
und das Männchen vermischet mit
demselben den Seinigen, folglich geschie-
het die Befruchtet ausser dem Leibe;

/ die Fische

|P_247

/die Fische aber die heisses Bluth haben, gebären
lebend und saugen ihre Iungen.

/So geschiehts mit den grönländischen Wallfischen.

/Dise haben einen ungeschikten Kopf der 1/3
von ihrer Länge und eine Dike die 2/3 von
ihrer Länge beträgt, kleine Augen die nicht
grösser als eines Ochsen sind, an der Seite
starke FloßFedern, auf der Nase 2 blasen
aus denen er das Wasser in Gestalt zweyer
Fontainen oder Springbrunnen mit starkem
Getöse herausstößt, einen weiten Rachen
aber sehr engen Schlund, keine Zähne son-
dern Barden an den Gaumen, die wie
Schwerdter gelegt und oben mit Borsten
versehen sind, wovon man den Fischbein
verfertiget. δblank Seine Nahrung ist eine
Menge von Gewürmen, die sich zu gewissen
Zeiten ohne Zahl in dem Eißmeer auf-
halten und die er mit dem Wasser in sich
schlukt dises aber wider ausspritzet; da
nun dise Seespinnen Thranigt sind, so ist
kein Wunder, daß er selbst so ist wie sein
Fraß ist. Er hat eine grosse Stärke in

/ seinem

|P_248

/seinem Schwantz, den er nicht vertical wie
andere Fische sondern horizontal hält, ein
kleines Boot kan er damit zerschmettern
Seine Länge beträgt 80 bis 120 Schu und
es wird weiter nichts von ihm verbraucht
wie das Spek und der Fischbein. Im Win-
ter ist er in den Eißmeeren, im Sommer
aber reteriret er sich in die Davids und
Hutsonsstrasse bey Grönland %.und Spitzber-
gen, wo er gefangen <wird> auf folgende Art, Ver-
schiedene kleine Haken werden ihm in
den Leib geworffen, hierauff fährt er
mit grosser Behendigkeit unter das
Wasser, weil er aber beständig Lufft
schöpfen muß, so kommt er bald hervor
fährt gleich wider herunter %.und erhebt
sich nochmahls auf die Oberfläche des
Wassers, als denn giebt man ihm viele
Stiche, bis das Wasser das er aus den
Blasen sprizt, mit Bluth vermenget
wird, in disem Fall ist er bis auf
den Todt verwundet. Vormahls

/ machte «war»

|P_249

/machte dem Fang die größte Schwierigkeit
seine Retirade unter das Eiß, aniezt
aber hat man gelernt, auch daselbst ihm
beyzukommen, wenn man sich für den Eißstüken
gut in acht nimmt.

/Der Narwall oder Heufisch und der Schwerdt-
fisch sind die Feinde des grönländischen Wallfi-
sches, der Narwall durchläufft ihn mit seinem
gewundnen Horn und der Schwerdtfisch ver-
zehret seine Zunge

/Der Wallfisch_Fang ist sehr einträglich und
important, denn ein ordinairer Wallfisch
liefert bis 7.000 Gulden Einkünffte. Ei-
gentlich wird er bey Grönland und Spitzber-
gen getrieben in der Davids %.und Hutsonsstrasse.

/Der Nordkapp hat nicht so gutes Spek wie der
grönländische Wallfisch, hat nur ein Blaßloch im
<Naken> und frisset gern Heeringe.

/Der Finnfisch hat seinen Nahmen von der grosse@n@
Floß_Feder im Nacken und auf dem Rüken
und hat auch Zähne im Rachen.

/Der Plattfisch ist sehr lang und hat einen
Kopf in Gestalt einer Flinten_Kolbe. Er

/ streicht durch die

|P_250

/die mittelländische See und wird für den
gehalten, der den Jonas verschlungen hat
Man findet bey ihm eine tonne Norwall.

/Die Seekuh wird angetroffen bey Kamt-
schatka und den grossen antillischen In-
seln. Dise Fische haben vorne statt der
Füsse 2 Stampfer ragen mit ihrem
Körper über die Oberfläche der See her-
vor und tauchen den Kopf unter das
Wasser. Sie nähren sich von der Seeruthe
welches ein Seekraut ist und haben ein
schmakhafftes Fleisch und Butter, das nicht
so leicht in Fäulniß geraten kan.

/Der Heu oder Seewolff hält sich auf in der
spanischen See am meisten aber bey der
Küste von Guinea %.und hat einen langen
Kopf gleich einer Flinten_Kolbe, in sei-
nem Rachen hat er 3 Reihen Zähne und
einen weiten Schlund, daher man offt gan-
tze Matrosen in seinem Bauch findet, eine
Schnautze die wohl einen Fuß über seinen

/ Rachen hervorraget

|P_251

/raget und wodurch die Seethiere für disem Raub-
thier der gantzen See einigermassen gesichert
werden. Es ist bis auf 50 Fuß lang %.und hat
eine grosse Stärke in seinen Schwantz, ohne
zu untersuchen frißt er alles, was ins Meer
fällt und hat die Eigenschafft wie der Stokfisch,
daß er seinen Magen umkehrt %.und rein macht.
Da diser Fisch alles frißt was nur vom Schiff
weggeworffen wird, so ist es leicht, ihn zu fan-
gen vermittelst einer Kette mit Wider-
haken an die ein Stük Fleisch bevestiget
wird. Am meisten fangen ihn die Schiffe, die
mit Ladungen von Schwartzen welche sie in
Guinea gekaufft, von Afrika nach Amerüka
fahren.

/Die Remora auch @Saugen@ genannt hält sich
bey den Küsten von Afrika auf und ist
der Fisch, von dem die Alten vorgaben,
daß er das Schiff unbeweglich machen kan.
Es geschiehet wohl, daß das Schiff einen lang
samern Cours %.und lauff erhält, wenn sich eine
Menge von disen Fischen an das Schiff
anhängen, wenn der im Wasser befindliche

/ Theil

|P_252

/Theil glatt ist, aufzuhalten aber sind sie nicht
im Stande

/Der Mantelfisch ist groß und mit einem
Peitschen ähnlichen Schwantz versehen und
den PerlenFischen höchst gefärlich.

/Die Flundern sind auf der einen Seite
gelb auf der andern schwartz

/Der Seeteufel hat Hörner und Haare

/Der Zitterfisch oder Kranfisch hält sich in den
amerikanischen Gewässern auf. Wenn man
ihn berührt, theilt er ziemlich starke elec-
trische Schläge aus

/Der ZitterAal ist bey Surinam %.und in den
amerikanischen Gewässern zu finden und
hat die Gestalt eines Aals %.und dis merk-
würdige ansich. Wenn man ihn unmittel-
bar mit dem Finger oder mit einer
metallnen Stange anrührt so bekommt
man einen empfindlichen Schlag, nähert
man sich ihm mit einer gläsernen Röhre
oder Stange Siegellak, so bekommt man
gar keinen Schlag, bringt man an ihn
einen Magnet, so wird er matt %.und ver-
lieret seine Krafft, bekommt sie aber

/ wider

|P_253

/wider, wenn man Eisenspann auf den Grund
schüttet und wenn er stirbt, so ist sie auch nicht
mehr bey ihm anzutreffen. Diser Fisch
hat also würklich eine electrische Krafft, die
er nach seiner Willkühr ausübet, ob es gleich
scheinen sollte, daß sie durch mechanische Sachen
hervorgebracht wird, da er bey Anwendung
derselben die Haut runtzelt, wodurch er
sich denn für den Anfall der Raubthiere
sichern kan.

/Der TintenFisch hat eine Blase bey sich, worin
er eine schwartze Farbe die der Tinte ähn-
lich ist, aufbehält, die er denn bey Verfol-
gungen aussprizt und auf die Art macht,
daß er unsichtbar wird

/Der Rotzfisch ist in Brasilien anzutreffen
Er scheint keine Organisation zu haben
ist in die Runde zusammengewunden %.und
zergeht im Sande; einige pflegen darin
eine starke Hitze zurükzulassen

/Die fliegenden Fische zwischen den Tro-
picis haben die Gestalt der Heeringe

/ erheben

|P_254

/erheben sich vermittelst der Floßfedern
die sie in ihrer Seite haben, von dem
Wasser in die Lufft, wodurch sie der Ver-
folgung der tropical Fische entgehen.
Obgleich sie in der Lufft auch Feinde finden
an den RaubVögeln

/Der MeerMensch hat nicht die gringste
Aehnlichkeit mit dem Menschen. Nur von
denen ist ihm diser Nahme beygelegt, welche
glauben, daß alle«¿» Producte die sich
auf dem Lande befinden, auch in der
See sind. Er ist ein Plattfisch und wird
von den Portugiesen gegessen ist auch
ein Fraß des Heufisches %.und seiner Iun-
gen. Eine Art von ihnen gehört zu den
Meerwundern des Pantopopidans [Pontoppidan]
der seine Erzählungen gründet auf @den@
Glauben der gemeinen Leute.

/Der Seewurm soll so dik wie das größte
Weinfaß seyn und so lang, daß er sich
im Horizont verlieret. Er hält sich
am Nordpol auf und ist das andere Meer

/ Wunder.

/ Der

|P_255

/Der Krake das 3te Meerwunder soll, wenn
er sich über die See erhebt, als eine Insel
seyn und 1/4 Meile im Umfang haben und
soll so aussehen, als wenn er mit Bäumen
Stämmen Sträuchern besezt wäre. Da die
kleinen Fische den grossen folgen so wie die
Müken den Menschen, so giebt man vor,
daß über ihm beständig ein guter Fort-
gang sey und daß der Ort wo er sich auf-
hält, aus der tiefe des Loths leicht zu
erkennen sey.

/Der Spritzfisch hält sich in den surinam-
schen Gewässern auf. Seine Nahrung sucht
er auf eine sonderbare Art. An Ufern
wo sich Fliegen Müken Würme und über-
haupt Insecten aufhalten, befindet er sich
gern, darauf sprizt er nur einen Trop-
fen Wasser mit dem er den Vogel gantz
genau trifft, sobald er also ins Wasser fällt
betaumelt von dem gesprizten Wasser,
wird er von ihm verschlukt.

/ Auf

|P_256

/Auf dem Boden des Meeres befinden sich
ohne Zweiffel viele Thiere, die wunderbare
Gestalten haben, ohne daß man nöthig
hat, Meerwunder aufzusuchen. Doch man
merket an, daß bey Künsten %.und Professio-
nen die bloß dem Glük unterworffen
sind, als der Jägerey Fischerey, der Aber-
glaube gar zu sehr herrschet, weil der Aus-
gang der Unternehmungen nicht auf ge-
wissen Gründen beruhet.

/ ≥ Drey merkwürdige Fischfänge ≤

/Der Wallfischfang bey Grönland und
Spitzbergen ist schon bemerket.

/ ≥ Der Heringsfang. ≤

/Die Heringe halten sich im EißMeer
auf, gegen den Sommer aber ziehen sie
in 3 Heerden fort, die erste Heerde hält
sich auf an den Ufern von Norwegen ge-
gen Drontheim und begiebt sich Bergen
vorbey bey Gothenburg in den Sund %.und
von da zuweilen in die Nordsee.

/ Die

|P_257

/Die 2te Heerde hält sich an den Flüssen von
Schottland und England besonders aber bey
den arkadischen Inseln auf.
Die 3te Heerde geht durch den George
Kanal zwischen England und Irrland, ohn-
gefehr im September vereinigen sie sich mit
den andern und gehen durch das Eißmeer.
Der größte Heeringsfang ist bey Tormuth. Er
wird von den Holländern getrieben. In der
Johannis_Nacht pracise um 12 Uhr wird ein
Zeichen mit Kanonen gegeben auf Befehl
der Regierung und von dem Augenblik
wird der Fang angefangen und eine
zeitlang fortgesetzet. Auf Befehl derselben
Regierung werden sie auf den Schiffen aus-
genommen gereiniget, die Köpfe abgeschnitten
und weggeworffen und so gleich eingesalzen,
damit der Credit und der grosse Ruff von den
hollandischen Heeringen nicht fallen möge son-
dern unterhalten werde, als wodurch der
gute Geschmak befördert wird. Wenn sie
ihren Rükweg nehmen, so wird diser Fang

/ widerholet, «¿¿¿»

|P_258

/das sind denn die Herbst_Heeringe die zu uns
gebracht werden. Da sie so sehr häuffig sind,
so ist niemahls ein Mangel an ihnen wahr-
zunehmen. δblank Die holländischen
Heeringe sind die Besten, wie sie aber nach
Amerika kommen, ist unbekand.

/Der Stokfisch_Fang bey Terre neue.

/Viele englische französische spanische Schiffe
begeben sich dahin. Die Stokfische und die
Cableau müssen nicht für «ver¿» verschiede-
ne Arten von Fischen gehalten werden.
Die DoggersBänke in der Nordsee sind
deswegen zu merken.

/Es entsteht die Frage, warum sich die Hee-
ringe nicht auch Hieher begeben, da doch
zu vermuten, daß dort eine strenge
Kälte anzutreffen ist? So viel ist gewiß
alle Fische ziehen sich nach der Wärme. Wenn
wir aber erwegen, daß in allen sybirischen
Hütten anstatt der Fenster Eißstüke einge-
setzet werden, die nicht abschmeltzen, weil
die äussere Kälte der innern Wärme
gnugsamen Widerstand thun kan, daher

/ auch

|P_259

/auch die Eißstüke die Wärme erhalten und
das Licht durchlassen; so könnte man leicht auf
die Vermuthung geraten, daß es, wenn es oben
frieret, unten warm ist und umgekehrt.
Aus diser Ursach werden auch die Heeringe im
Eißmeer aushalten können.

/ ≥ Von den Thieren

¿¿¿» die weder zum Gewürm noch zu den
Fischen gezählt werden können. ≤

/Die Schlangen haben Zähne im Munde, die
sie zurüklegen können. Das Gifft welches
sie bey sich führen, ist nirgends schädlich als
in einer offnen Wunde sie mag so klein
seyn, wie sie will, man kan sich damit
die Hände reiben so viel man will, ohne
Schaden und ein Arzt [Mead] in London hat die
Probe gemacht, es zu trinken. Ihre liebste
Speise sind die Eidexe, weil sie lang sind
und nicht Mühe machen, herunter zu
schluken, welches die Frösche auch thun.

/Die vornehmsten sind die Klapperschlangen
Nach hinten zu haben sie biegsame Gelenke
von Knochen mit einer dünnen Haut über-
zogen, bey der gringsten Bewegung machen
dise ein Getöse ausser im Reegen_Wetter
und zu diser Zeit flüchten die Wilden in

/ die

|P_260

/die Wälder. Sie sind auf 30 Fuß lang und halten
sich in Amerika auf, sie haben röthliche und
fürchterliche Augen, womit sie den Menschen
starr ansehen, daß er in Unwißheit kommt, ob
er fliehen oder stehen soll. Von den Schwei-
nen als für die sie sich sehr fürchten, werden
sie gefressen, ohne Schaden zu haben, indem
das Gifft in ihre Spekhaut übergehet und
trifft. δblank Man hat beobachtet, daß Vö-
gel und Thiere wenn sie auch in Sicherheit sind,
dennoch sich ängstlich geberden und so lange
Bewegungen machen durch die sie aber näher
an die Schlange kommen, bis sie von ihr
erreichet und gefressen werden und es ist
wunderbar, wie solche behende Thiere ihnen
zum Raube werden müssen, da doch die Schlange
keine grosse Sprünge machen kan und sehr
langsam frißt, allein da sie zu derselben
Zeit einen hefftigen Gestank von sich giebt, so
ist wahrscheinlich, daß diser Gestank die Thiere
betaumelt.

/In NordAmerika giebt es eine Art Schlangen,
die sich durch die posteriora ihre Eingeweide

/ schlupfen und

|P_261

/und also erschrekliche Schmertzen sich verursachen.
Eine andere Art von ihnen ist so schnell, daß sie
mit der größten Geschwindigkeit über die
Flüsse setzen und den Menschen bald einholen
können auf der Flucht, aber ihr Biß ist nicht
giftig. δblank Alle Schlangen sind
gallenartig und dis ist auch nöthig, daß die
flüchtigen Sachen als das Gifft ist, nicht ver-
fliegen sondern durch das zähe von welcher
Art die Galle ist, zusammen gehalten werden
möge. δblank Was den Schlangenstein
betrifft, so ist er eine Art der indianischen
Bramiaen.

/Die Scorpionen halten sich in allen warmen
Ländern besonders in Italien auf. Sie sehen
wie kleine Krebse aus und haben an ihrem
Schwantz einen Haaken, mit dem sie die
Stiche versetzen, die grosse Wunden ver-
ursachen aber nicht tödten. Das Scorpionen
Oehl in Italien ist gantz vortreflich.

/Der Chamelon ist grösser wie eine Eidexe

/ und sieht ihr sehr gleich

|P_262

/gleich aus, ist auch auf vielfältige Art fle-
ckigt. Man berichtet, daß er alle Farben an
nehme, welche die äussern Gegenstände an
sich haben, dis ist falsch, er kan die Säffte in
seinem Körper nach Belieben ausbreiten
und dadurch nimmt er verschiedene Farben
an nur nicht die rothe und recht grüne
Wenn er munter ist, verändert er die Farben
alle Augenblik, wenn er aber böse ist, so sieht
er aschgrau aus, wobei er aber nachmahls
so dünne wird wie vorher.

/Der Salamander hat zur und an der Seite
Drüsen, worin ein zäher Schleim enthal-
ten ist, durch den er die glühende Kohlen
auslöschen kan, wird er aber zu lange
über ihnen gehalten, so muß er doch ver-
brennen. Daraus ist die falsche Nachricht
entstanden, daß er im Feuer leben kan

/ ≥ Von den Thieren
die sich im Meer aufhalten und schaaligt sind ≤

/Die Schaalen sind alle kalkartig, weil die
GrundErde des Meersaltzes kalkartig ist,
so daß man aus den Schaalen Kalk bren- 

/ nen kan, wie wohl

|P_263

/wie wohl sie auch zur Absorbence gebraucht
werden wie die Eyer_Schaalen.

/Die Purpur_Schneken. Man findet in ihnen
den so genanten Purpur_Safft wie wohl
nur in wenigen Tropfen und zwar in Fä-
den, die damit gefärbt werden und der Lufft
ausgestellt sind. Anfänglich werden sie
weiß denn grünlich, zulezt roth, daher zu
glauben ist, daß viele Lufft_Artikel dazu
concurriren müssen %.und mitwürken, um
dise Farbe hervorzubringen. Da von disem
Safft wenig zu haben ist, so ist kein Wunder
daß der Purpur bey den Alten so kostbar
gewesen ist, indem er nur in ihrer Prae-
texta in sehr wenigen Streifen gebraucht
wurde. Doch Winkelmann glaubt, daß wir
vom Purpur der Alten keinen Begriff
haben. Der Mantel eines Triumphators
gefunden auf einem unter dem Schutt
«von» der Stadt Herculaneum gefunde-
nen Gemählde en_Fresco hatte die Farbe
der Weintrauben an sich, wenn sie im Win- 

/ ter

|P_264

/Winter gefroren sind, da doch dise Bilder noch
bis aniezt ihre wahre Farbe an sich behal-
ten. δblank An der Küste von @Mexiko@
werden dise Schneken angetroffen

/Die Perlen_Muscheln werden gefunden
in Sachsen im Elsterstrohm und in Schweden
häuffiger schöner und grösser an den Küsten
von Mexiko, wo sie aber eine unregel-
mässige Figur haben, an den Küsten von
Zeilon und Capo Comorie aber nicht so groß
und in dem persischen Meerbusen, die
sind die größten %.und schönsten. Vormahls
hatte der König in Persien die Perlenfi-
scherey, iezt aber wird sie von den See
räubern sehr unterbrochen. Die Perlen
sitzen gemeinhin in dem Fleisch der Mu-
scheln und können, wie es auch die Hollän-
der thun, durch die Fäulniß, worin man
dis Thier geraten läßt, wenn es der Sonnen
Hitze ausgestellt wird, am besten gesam-
melt werden. Es giebt 7 Sorten, die
der Grösse nach unterschieden sind und

/ durch be- 

|P_265

/durch besondere lederne Siebe abgesondert
werden. Die Kleinsten Perlen sind nicht
grösser als ein Senffkörnchen und werden
nur zur Artzeney gebraucht.

/Da das Auswerffen der Perlen eine Krankheit
der Muscheln ist, so lassen sie solche nur seltsam
fallen. Dis Auswerffen zu befördern hat
der schwedische Gelehrte Linnäus eine sichere
Art und Manier erfunden, die bis hieher
noch ein Geheimniß ist. Die schwedische Regie-
rung hat ihn diserhalb in den Freyherrn
Standt erhoben.

/Man verfertiget auch falsche Perlen. Sie ha-
ben eben die Farbe wie die ächten. Da
die Fischschuppen aus gantz feinen Blättchens
bestehen, so löset man sie im Wasser auf
und füllet die Mixtur in ein hohles
gläsernes Kügelchen, welches an beyden
Enden eine Oefnung hat, die Mixtur se-
tzet sich an das Glaß an und der übrige
Raum wird mit Wachs vollgefüllet.

/Die Penna marina ist eine Muschel die
in Sicilien angetroffen wird. Sie spinnet

/ eine

|P_266

/eine brauchbare Seyde, von der man Strüm-
pfe macht besonders in Palermo, die für
kranke Füsse zuträglich seyn sollen

/Der Nautelus oder Spicanter ist sehr zier-
lich gewunden, so daß das eine Ende der
Windung wider in die Schaale zurükläufft
Dise Muscheln spannen ihre Füsse, wie
Ruder aus brauchen ihre Schwäntze
statt eines Ruders und seegeln auf
solche Art auf dem Wasser wie Schiffe
wenn aber Gefahr vorhanden ist, ziehen
sie die Ruder ein und sinken zu
Boden und in die Tiefe.

/Die Vampons in Indien sind Muscheln
die an ihren Eken violet aussehen. Sie
werden an Schnüren bevestiget %.und ma-
chen das Gold der Indianer aus.

/Offt findet man Muscheln in den Steinen
ohne daß man begreifft, wie sie hinein
gekommen sind, wie man offt in den
MarmorBlöken vollkommne ausge-
bildete Frösche antrifft, wenn sie gesäget
%.und bearbeitet werden, die also zur
Zeit der Entstehung des Marmors %.und

/ also

|P_267

/also vor viel 100 Iahren von ihm eingeschlossen
worden. In dem Garten zu Versailles in
Frankreich liegen dergleichen Marmorblöke
aufbehalten von langen Iahren.

/Einige Muscheln sehen aus wie Müntzen, in
Ostindien werden sie statt des Geldes ge-
braucht, 10 Stük gehen auf unsern Schilling
Die Schlangen_Köpfe werden in Ungarn
auf die Pferde_Zäume ge@s@leget.

/Einige Muscheln wachsen so gar auf den
Gesträuchen, wie man vorgiebt. Aber hir-
mit geht es so zu, An den schottländischen
Küsten werden von der Fluth Muscheln
an das Gesträuch angespület und von ihr
zurükgelassen, weil sie sich anhängen an
die Gesträuche in der Oefnung der @Schaale@
Die Küsten_Bewoner nennen dise Muscheln
und auch einige Arten Enten Pernanons.

/ ≥ Von den Insekten ≤

/Ein Theil von ihnen ist schädlich, der andere
nützlich. Zu den nützlichen rechnen wir
unsere Bienen und vorzüglich die In- 

/ secten, von

|P_268

/von denen die Farben herkommen.

/Die Cochenille ist ein Seydenwurm, von
dem die beste rothe Farbe und der Zin-
nober herkomt.

/Der Wurm von dem das Kermeskorn
herkommt, giebt gleichfalls eine schöne
rothe Farbe. Die Kermeskörner sind
Galli auf den arabischen BlätterBäu-
men und die Galli sind Auswüchse
der Blätter. Wenn sie von «¿¿»dem Wurm
gestochen werden als wodurch die Fasern
des Blatts zerschnitten werden, so le-
get er seine Eyer in das gestochne Blatt,
wenn denn daraus eine Made wird, so
wird sie zunehmen %.und herauskommen.
Der Gummilas ist eine sehr schöne Farbe
und wird gemacht von gewissen Amei-
sen in Bengalen, die ihre rothe Eyer
gleichfalls in Galli legen, welche her-
nach zermalmet werden.

/Der Cypriticus in Cypern sticht die Fei-
gen und davon werden sie süß, weshalb
sie von den Einwonern mit Fleiß auf die

/ FeigenBäume gesezt

|P_269

/gesezt werden. Da der Raum durch den der Safft
zu lauffen hat, verkürtzet wird durch den Stich,
so circuliret der Safft nunmehr schneller %.und
das scheint die Ursach zu seyn von dem SüßWer-
den durch den Stich.

/Zu den schädlichen Insekten zählet man
die Heuschreken. Sie halten sich in OberEgyp-
ten und Arabien auf, zuweilen Verän-
dern sie ihre Wohnplätze und ziehen, halten
aber auf ihren Zügen ihren Körper bestän-
dig von Süden nach Norden und werden
blß durch die Gebürge von diser Richtung
abgelenkt. In den Ländern, wo sie
häuffig sind, werden sie gegessen

/Die Tarantel_Spinne ist häuffig in Apulien
und hat den Nahmen von der Stadt Taranto
in Apulien. Durch ihren Biß sollen die
Menschen einen Instinct zum Tantzen be-
kommen und dise Tanzsucht ist eine Krankheit
die sich originiret aus einer Melancholie.
Sonst ist das Tantzen natürlich, denn man
siehet, daß bey einer wohl gespielten Polonoise
derienige der nicht tantzen kan, dazu an- 

/ gereizet wird durch

|P_270

/durch das Zupfen der Nerven. Die erschlaften
Spanier selbst sind dem Tantzen ergeben
und die Neger lieben es gar zu sehr.

/Die Nerven_Würmer werden bey den Ne-
gers angetroffen und sind äusserst schädlich
und gefärlich dem Menschen. Sie setzen
sich unter die Haut der Füsse und wenn
sie nicht behutsam herausgezogen wer-
den, so bleibt ein Theil von ihnen ste-
ken und der kalte Brand schlägt dazu.

/Die Moschkitos eine Art Müken sind in den
heissen Ländern, in NordAmerika und
Lappland in grossen Heeren anzutreffen
Wenn sie in Lappland nur nicht in so unzäh-
lich grosser Menge angetroffen würden,
so würde der Zustand der Einwoner noch
erträglich seyn. Ihre Renthiere werden
durch sie verscheucht und gerathen in die
Wildnisse, wo sie die Beuthe der Wölfe
werden. Die Gerippe von ihnen werden
iedesmahl gefunden liegend «mit dem
Kopf» mit dem Kopf nach Osten mit dem
Schwantz nach Westen

/Die weissen Ameisen sind in den Wüsten
von Afrika und Amerika und sind

/ grösser

|P_271

/grösser wie die andern. Sie wohnen in Zelten
die wie Kegel aussehen und mit Thau über-
zogen sind. Zuweilen bekommen sie Lust
aufzubrechen und wenn der Zug vor sich
geht, wird alles was auf demselben be-
troffen wird, verzehret, auch Ochsen Kälber p.
Den Beschluß des Thierreichs machen die
Vögel.

/ ≥ Von den Vögeln ≤

/Der Vogel Strauß hält sich vorzüglich in den
Sandwüsten auf besonders in Afrika we-
nig in Asien und gar nicht in Amerika.
Er hat einen langen Halß und ist der größte
Vogel. Seine Flügel sind ihm nicht zum
Fliegen gegeben sondern zum schnellen
Lauffen, durch das Ausspannen derselben
giebt er dem Winde die Macht und Force
ihn zu bewegen und wenn kein Wind ist, so
macht er «w»Wind durch das Bewegen der
Flügel. In denselben und in den Klauen
hat er eine Stärke, mit der er Menschen
und Thiere aufzureissen im Stande ist.
Die Araber hetzen ihn mit Windhun-
den. Wenn er seine Flügel ausspannt,
so beträgt seine Breite auf 30 Schuh.

/ Sein

|P_272

/Sein Fett wird durch die Wunde die man
ihm am Halse beybringt, durch vieles Schüt-
teln herausgepreßt und ist nützlich zu
Arzeneyen.

/Das Kasvar ist nach dem Strauß der größ-
te Vogel. Er sieht schwartz aus und legt
seine Eyer in den Sand, er kan auch flie-
gen und wird in Amerika besonders
in Chili angetroffen

/Der Kondor ist der größte von allen Vö-
geln welche fliegen und wird in Amerika
angetroffen. Er ist im Stande, Kälber
Lämmer auch kleine Kinder mit sich in die
Lufft zu nehmen, die Amerikaner
mögen gern sein Nest berauben wegen
des Frasses den sie darin finden in
Menge zu geschlept für seine Jungen.

/Der Kolobri ist der Kleinste unter den
Vögeln und ist angenehm seiner schönen
Gestalt wegen indem er allerley schöne
Farben hat, in SüdAmerika soll er
auch singen, welches aber seines kleinen
Schnabels wegen nur ein Pfeiffen seyn

/ kan. Der

|P_273

/Der Pfau ist wenn er sich ausgebreitet hat so
wohl seiner Figur als auch der Farben we-
gen die auf seinen Federn glänzen %.und spielen
der schönste unter den Vögeln, er wird
aus Asien gebracht und die kalecutschen Hüh-
ner aus Amerika.

/Der Paradieß_Vogel ist braun und an ei-
nigen Orten flekigt, seiner schönen Gestalt
wegen wird er von den Amerikanern
zum Kopfputz gebraucht und da sie ihm
diser Ursach wegen nothwendig die Füsse
abschneiden müssen, so ist in Europa der
Wahn und die Meynung entstanden, daß er gar
nicht Füsse hat.

/Die goldenen Hühner sind in China, der
goldfarbnen Federn wegen, die noch viele
andere Arten von Schattirungen machen,
werden sie sehr hochgeschäzt.

/Der Pelikan wird in den nordlichen Ländern
an der HutsonsBay und in Afrika an-
getroffen, er hat einen breiten und langen
Schnabel, unter dem Halse einen Kolben,
worin er viel Wasser aufbehält, den er

/ im

|P_274

/im Fall der Noth mit seinem Schnabel öfnet
wo denn zuweilen auch Bluth mit unter-
lauffen kan, welches er aber niehmals für
seine Iungen vergießt, indem es sich leicht
einsehen läßt, daß es für sie eine schlechte
Nahrung abgeben würde

/Der MeerAdler wird von einer grossen
Höhe in einer mittelmässigen Tiefe des
Meeres einen Fisch gewahr, schießt auf ihn
herab mit einer grossen Behendigkeit und
führt ihn mit sich in die Lufft. Da er mit
seinen scharffen Klauen tief einhakt in das
Fleisch, so geschiehet es offt, daß er auf den
Boden des Meeres herabgezogen wird,
wenn der Fisch schwerer ist wie er. Mit
einem Brett worauf man den Fisch an-
nagelt, wird er gefangen ohne Mühe.
Gewisse Arten der Vögel haben gewisse län-
der zu ihrem Aufenthalt.

/Zu @Awanas@ einer Insel gegenüber Chili
bewonet eine Art Gänse die gantze Insel

/ allein, offt

|P_275

/offt ist 2 Fuß höch Gänse_Mist auf dem Boden der
Insel, die Spanier brauchen ihn zum Akerbau
Der Ort des Aufenthalts derer Vögel, die sich im
Winter davon machen, ist schwer zu bestimmen.
Man will bemerkt haben, daß wenn die Schwal-
ben von uns abziehen, zu derselben Zeit
gantze Heere Schwalben in Afrika ankom-
men. Eben dis findet bey andern Vögeln
die einen geschwinden Flug haben, statt.
Andere Vögel scheinen sich den Winter hindurch
zu versteken und in einer Art von Be-
täubung zu liegen, wie die Lerchen, die bey
kaltem Wetter unsichtbar werden und
bey warmen gleich wider hervorkommen. Die-
ienigen Schwalben die im Winter aus dem
Wasser gezogen werden und aufleben, wenn
sie in die Wärme gebracht werden, aber
bald wider sterben, sind vermuthlich ver-
spätete und verunglükte Schwalben, indem
sie wegen Kälte des Wassers dem sie sich ge-
nähert im Herbst, plötzlich erstarret sind,
doch aber einige Funken des Lebens in sich
behalten haben.

/ Von

|P_276

/ ≥ Von den Pflantzen ≤

/Wenn wir von den Bäumen und Pflantzen sa-
gen wollen, so müssen wir einige allgemeine
Bemerkungen voranschiken.

/In dem heissen Erdstrich sind und wachsen die
Bäume und Pflanzen alle höher wie in den
gemässigten Erdstrichen %.und Zonen und sie sind
und werden immer kleiner ie weiter es
nach Norden zu gehet und bis in der Breite
von 75 Grad wird nicht mehr Graß gefunden
Diserhalb ist in Grönland das Graß und Heu
schon ein Artikel der Handlung.

/In dem heissen Erdstrich bestehen die Bäume
aus deichtern Stoff als in den gemässigten
als wie der Eisenbaum.

/In dem heissen Erdstrich haben die Gewächse
mehr Safft, sind mehr gewürtzig aromati-
scher aber auch giftiger als in den gemässigten
Erdstrichen, wenn sie nemlich zu einer Gattung
gehören und dis geht bis auf die Schlangen.
Die Getreyde und GraßArten sind unter allen
Gewächsen die besten NahrungsMittel.

/Menschen und Thiere von einer Gattung sind
in den gemässigten Erdstrichen besser als

/ in dem heissen Erdstrich. Ver- 

|P_277

/Vermuthlich kommt dis daher, In dem heissen Erd-
strich sind die Knochen der Thiere der Alcales-
cens die Früchte aber der Säure sehr ausge-
sezt, wie denn das Süsse selbst ein Saures ist
vermischt mit öhligten Theilen; wenn nun die
Beförderung der Alcalescens den thierischen
Körpern den Untergang zuziehet, die
Pflanzen aber der Fäulniß ausgesetzet wer-
den, so ist leicht einzusehen, daß sie in den
gemässigten Erdstrichen weit dauerhaffter
seyn müssen als in dem heissen Erdstrich.
Sollte die Frage entstehen, welches die aller-
ersten NahrungsMittel der Menschen ge-
wesen, so muß man sagen, daß das die
erste Nahrung des Menschen gewesen, dessen
Zubereitung die wenigste Mühe gekostet hat.
Wenn nun das Kräuterlesen viele Mühe
kostet indem die Kräuter da sie auf dem
Boden sind, die Aufmercksamkeit des Men-
schen nicht so gleich auf sich ziehen, die Jäge-
rey und Fischerey und das Zähmen der
Haußthiere viele Kunstgriffe und das Be-
bauen des Ackers anhaltenden Fleiß %.und
Arbeitsamkeit erfodern, so sind dis nicht
die ersten NahrungsMittel gewesen son- 

/ dern vielmehr

|P_278

/vielmehr die BaumFrüchte, durch ihren Ge-
ruch und schönes Aussehen reizten sie den
Menschen zuerst zum Genuß und es ist zu
vermuthen, daß die ersten Menschen an
dem heissen Erdstrich selbst oder nahe an ihm
gelebet haben müssen.

/Dieienigen Bäume und Kräuter sind zuerst
zu bemerken, die ihres allgemeinen Ge-
brauchs wegen mannigfaltig %.und merkwürdig sind.
Der Baum der die Brodtfrucht träget, wird
auf den latronischen Inseln angetroffen,
seine Frucht sieht aus wie ein ausgestopfter
Ball und sie hat wenn sie roh ist, den Ge-
schmak eines Semmels, einen viel bessern
aber, wenn sie gebraten ist

/Der Wunderbaum hat Früchte, welche aus-
sehen wie ein Becher der einen Dekel hat,
sie sind angefüllt mit Wasser, wenn sie
reif sind, öffnen sie den Dekel und giessen
das Wasser aus.

/Das BambusRohr wächset sehr gerade, wenn es
iung ist und alsdenn wird es zu Pfählen
an den Häusern und zu den Deken der- 

/ selben gebraucht,

|P_279

/vorzüglich geschiehet dis in Siam, wird es aber äl-
ter, so wird es zu Mastbäumen angewandt
und von den Wilden zu Kähnen

/Der Wachsbaum ist mit dem Talgbaum in
China anzutreffen, der Wachs kommt aus den
Blättern dises Baumes, wenn sie von einem
Wurm gestochen werden, und ist zärter
als das Bienen_Wachs.

/Der TalgBaum. Das Talg die Frucht dises baumes
brauchen die Einwoner zum Brennen und
er wird so zubereitet, Man nimmt von der
Frucht die Schaale ab und schöpfft die fettige
Materie ab, die oben schwimmt

/Der SeifenBaum ist wegen der Seife be-
rühmt die er den Amerikanern liefert,
sie wird zubereitet wie das Talg vom Talgbaum

/Die Bäume von der Palmen_Art haben alle
nicht Aeste, ihre Blätter gehen krum in die
Runde und die Früchte wachsen unmittel-
bar aus dem Endes Saamen. Es giebt
viel solche Bäume, als

/Der Baum aus dem der Palmen_Wein flies-
set, ferner, die Dracha_Farbe, die roth ist

/ und in

|P_280

/in der Gestalt eines Schweifes gleichfalls aus
dem Baum herauskommt.

/Der DattelBaum in OberEgypten hat Früchte
die süß sind, wenn sie gekocht werden, roh aber
noch angenehmer schmeken.

/Der KokosBaum hat Früchte die zuallem
zu gebrauchen sind, sein Safft giebt eine
angenehme Milch, der Kern eine wohl schme-
kende Nahrung, die Blätter Tischtücher als
wozu man sie anwenden kan und die Schaale
dient nach Beschaffenheit der Nuß bald zu
Löffeln bald zu anderm Geschirr.

/Der Segobaum wird zu den Palmenbäumen
gerechnet, ob er gleich Aeste hat. Er befindet
sich an Molucco und eine lehmigte Mate-
rie quillt aus ihm hervor. Die SegoGrütze
welche diser Baum giebt, ist das ungenehmste
Essen, das man bis zum Lezten Augenblik
des Lebens zu sich nehmen kan.

/Ausser den palmenartigen Bäumen sind vor
andern merkwürdig

/Der Baumwollne Baum gehört eigent-
lich in Afrika zu Hause, aniezt aber ist
er allenthalben zu sehen. In den Fächern

/ der

|P_281

/der Nüsse die er trägt, wird die baumwolle
nebst dem Saamen gefunden

/Der Firnißbaum hat einen schwartzen Safft
der giftig ist, Diser Safft wird ausgepreßt
und giebt einen Firniß ab, der zwar nicht
glänzet aber dauerhafft ist, die Chineser
und Tongusen brauchen ihn zum Ueber-
ziehen der Stöke.

/Der EisenBaum hart ein so hartes Holtz, daß
die Indianer ihre Schwerdter daraus ver-
fertigen %.und machen, womit sie einen
MenschenArm spalten %.und abhauen können.

/Der Sandelbaum in China, das Adler Holtz p
sind die besten Gehöltze in Indien

/Der Campechen_Baum ist der, von dem die
blaue Farbe herkomt. Der Fernabouc.

/Der BalsamBaum liefert den Balsam.
Er wird in den arabischen %.und ostindischen
Balsam unterschieden. Ausser dem baum
Balsam hat man noch den mineralischen
Balsam zu merken, der aus dem Felsen
quillt. Er ist in Kairo zu bekommen und

/ ist

|P_282

/ist eine vortrefliche Artzeney.

/Der Drama schwitzet einen Gummi das ist, ein
röthligtes Oehl.

/Man macht einen Unterscheid zwischen dem
Gummi und der Resina, den Gummi löset
man auf im Wasser und die Resina
durch flüchtige Oehle.

/Die merkwürdigsten Gattungen von Gummi
sind das Gummi copal, welches im Sande
gefunden wird, und dem Bernstein nahe
kommt, das Gummi arabicum kommt aus
Ethiopien und kan im Fall der Noth wie
Essen und Trinken gebraucht werden,

/Das Gummi von Senegal.

/Der Campherbaum ist aus Borneo und
schwitzet den Kampfer aus seinen Blättern
diser ist der kostbarste. Sonst quillt auch
Kampfer aus den Aesten der Bäume.

/Der Eschenbau in Kalabrien schwitzet
das Manna, ein anderer

/Eschenbaum auf der Insel Chio quillt
den Terpentin aus.

/Der Loha spanisch Locha ist der Baum von

/dem die Oberrinde gebraucht

/ wird. Das

|P_283

/Das Frantzosenholtz und der Sassafras eine
Wurtzel von einem Baum aus Florida sind
hier zu bemerken.

/Die Plantuins ein hohes und wie ein baum
gestaltetes KrautGewächse hat die Eigen-
schafft eines Krauts, da es alle Iahr verwel-
ket. Es trägt 50 bis 60 Gewächse in der Ge-
stalt einer Gurke die für eine grosse Deli-
ce und Ergötzung gehalten, und von den Ara-
bern genannt werden Musa.

/Der CofeeBaum sieht aus wie ein Kirschen
Baum, die Früchte sehen roth aus wie
Kirschen und der Kern der Frucht sind die
Coffee_Bohnen. Eigentlich wächst er in dem
Lande Gemen in Arabien und diser ist
bekand unter dem Nahmen, der levan-
tische Coffee. Aus disem Lande haben ihn
die Frantzosen gebracht nach Martinique
und Guadaloupe ihren in Ostindien einge-
nommenen Inseln vor etwa 100 Iahren.
Hier kommt er gut fort %.und so sehr, daß fast
gantz Europa damit versorget wird von

/ disen

|P_284

/disen Inseln.

/Ist der Coffee nützlich oder schädlich? Alles was
wir geniessen und verzehren, theilt sich in Nah-
rungsmittel und in Gifft. Die Nahrungsmit-
tel machen einen Theil unserer Substance
aus, das Gifft aber bleibt nicht bey uns son-
dern wird abgesondert. Die Gifte werden
wider in schädliche und in nützliche einge-
theilt, die nützlichen sind die welche die
Nerven corroboriren und stärken, die
schädlichen sind die, welche die Nerven
vergeblich reitzen und irritiren. Zu
den nützlichen gehören die Artzeneyen.
Weil der Coffee die Nerven vergeblich
reitzet, so gehört er zu den schädlichen
Gifften.

/Der sogenannte Sultanische Coffee wird ge-
macht aus den zerstampften roten Hül-
sen, worin die Coffee_Bohne liegt.

/Die vornehmsten GewürtzBäume sind
der Kaneelbaum. Seine unterste Rinde
wird abgeschält, an die Sonne gelegt und
ohne andere Beyhülfe von der Sonne zusammen-
gerollt in Rollen.

/Der Mußkaten_Nußbaum und der Kreid

/ Nägelchenbaum

|P_285

/Kreidnägelchenbaum wachsen beyde auf den
moluccischen Inseln. Hier haben die Hollän-
der 2 Gouvernements und Regierungen,
in dem einem wachsen die Mußkatennüsse
in dem andern die Kreidnägelchen, Iezt
fangen die Frantzosen an, sie nachzupflan-
tzen auf ihrer Insel.

/Seltene und daher merkwürdige Bäume sind
der @Banianer@_Baum. Seine Aeste schiessen he-
runter, fassen Wurtzel und widerholen
solches öffters, so, daß sie viele Bogen formi-
ren in einer ordentlichen Reihe.

/Der Bacbat ein Baum in dem niedrigen
und heissen Lande Senegall ist 12 bis 13
Fuß hoch und eben so dik, daher kan in ihm
eine vollkommne Wonung angeleget werden,
seine Aeste nachdem sie aus dem Stamm kom-
men, senken und neigen sich zur Erde
und umgeben den gantzen Baum. Die
Früchte sehen wie Kürbisse aus und in der
Mitte derselben sind die Bohnen befindlich,
die Früchte heissen Kalabaschen. Der baum
erfodert eine lange Zeit zu seinem
Wachsthum. Addison [Adanson] glaubt gar, daß

/ ein

|P_286

/ein dergleichen Baum von der Sündfluth an
gewachsen haben müsse.

/Die Neger halten recht viel von disen Baum
und ehe sie nach Amerika in die Sclaverey
gebracht werden, nehmen sie noch einen Ka-
labaschen die Frucht des Baumes, mit.

/Die Mangelbäume schiessen ihre Aeste he-
runter, die als denn Wurtzel fassen und
wider heraufschiessen und so sich verflechten
gantz und gar indem sie über einer Stelle
wachsen und sich ausbreiten, so daß diser
Baum sehr verworren aussieth.

/Der Masinetten_Baum hat giftige Aepfel.
Aus ihren Ritzen fliesset ein gifftiger Safft
mit dem die Indianer ihre Pfeile ver-
giften; die sie aber nur wider die Thiere
nicht wider die Menschen brauchen.

/Die Beintznen ein Gewächs in Amerika,
ranken sich um die Bäume und schnüren
sie vest zusammen. Die breiteste Seite
von ihnen Varona genannt ist das stärkste
Gifft das man nur kennt, wenn ein Thier
durch ein Tröpfchen das kaum auf einer
Natel_Spitze Raum hat, verwundet wird,
muß es sterben in einer Minute.

/ Ue- 

|P_287

/Ueberhaupt muß das Gift seiner geschwinden Wür-
kung wegen die Nerven erstarren machen.

/Man soll aber auch ein langsam tödtendes Gift ha-
ben.

/Zu den Pflantzen gehören eigentlich

/Die Betelarek. Die Indianer kauen seine
Blätter und halten sie für eine grosse Delice

/Der Pfeffer wächset in den heissen Ländern am
häufigsten, er ist der HauptArtikel des Han-
dels, das beste und gesundeste Gewürtz
und wegen seiner magenstärkenden Krafft
sehr beliebt.

/Der Thee wird abgeschlagen %.und gemacht von den
Blättern des Theestrauchs in China und Ia-
pan im Monath März, welche Erndte den fein-
sten, im Monath März die den schlechtern
und im Junius die den schlechtesten gewäret.
Er wird auf Kupfer oder EisenPlatten
gelegt, hievon entsteht der Unterschied zwi-
schen dem grünen Thee und dem Thee_Bou,
diser lezte ist der gesundeste. Der Thee
schadet nicht so viel als die viele Feuchtigkeit.

/Der Wein wächset auf dem Weinstok am häu-
figsten in dem heissen Erdstrich.

/Die keinen Wein haben, bedienen sich des

/ Opiums. Dis ist

|P_288

/Dis ist ein ausgedrukter Safft aus gewissen
geritzten Mohn_Köpfen, die in Persien wachsen.
Wenig davon genommen macht munter, eine
grosse Quantitaet aber versenkt in einen
tieffen Schlaff der dennoch mit den angenehm-
sten träumen begleitet ist. Wer sich einmahl
von ihm zu geniessen angewöhnt hat, muß
ihn beständig zu sich nehmen, weil seine
Kräffte sonst plötzlich abnehmen und er
in 24 Stunden sterben kan. Die größte
Quantitaet die ein Mensch zu sich nehmen
kan, ist ein loth.

/Die Sensitiva ein Kraut, welches wenn es
berühret wird, sich zusammenziehet, ist
in SüdAmerika anzutreffen.

/Das fliegenfangende Kraut ist ein grosses
Blatt in Amerika. Wenn sich eine Fliege
auf dis Blatt setzet, zieht und kneipet
es sich zusammen und so bald sie getödtet
ist, öfnet es sich wider. Man zweifelt, ob
dis Kraut nicht würklich Empfindungen
habe. Wir können aber keine Gewiß-
heit und Ursach davon angeben, weil wir

/ die

|P_289

/die machinenmässige Kräffte in den Thieren
selbst nicht genung kennen. Wenn man einen
Fuß von einem Frosch der schon todt aber noch
naß ist, berühret mit einer Natel, so zieht
er sich etlichemahl zusammen. Die Landkrebse
in SüdAmerika schiessen wenn man sie berü-
ren will, eine Scheere ab, die beständig fort-
färet zu kneipen. Der Arzt Haller nen-
net dises Inhabilitaet und eignet sie auch
den Nerven des menschlichen Leibes zu

/Das scytische Lamm in Kasan oder Baranek
wächset auf einem Stiel und hat eine braune
Haut mit feinen Haaren, daraus schiessen
viele Spitzen, die man abschneiden und
brauchen kan. Da es ein schwammigtes
Gewächse ist, so läßt es sich in eine Lamms
Form drüken; daher ist das Gerücht ent-
standen, daß es ein ordentlich Lamm ist,
welches von der Erde frißt und von den
Wölffen aufgesucht und verfolgt wird.

/ ≥ Von den Mineralien ≤

/Die Alten rechneten unter die Metalle
das Gold Silber Queksilber Bley Kupfer
Zinn Eisen, hiezu ist aniezt gekommen das

/ noch

|P_290

/noch zweifelhafte Metall, welches man nennet
die Platina. Alles Metall finden wir
entweder in Stoffen oder in Seifenwerken.
Das Gold wird in den andern Welttheilen
gegraben größtentheils in Seifenwerken
in Europa aber in Stoffenwerken, wovon
das größte Bergwerk in Themeswar ist.
Im vorigen Jahrhundert war das Verhältniß
dises Metalls zum Silber aber nur in
China wie 12 zu 1. anietzo aber ist es wie 15
zu 1. In England ist es am theuersten.
Die Feinheit des Goldes wird beurteilet
nach 24 Karatten, ein Karat wird einge-
teilt in 12 Grane. Ein venetianischer Ze-
chin halt 75_7/8 Karatt, ein Louis_d'Or nur
22. Dasienige Gold welches nur 18 Carat
enthält, wird genannt Billon. Kein Gold
aber ist 24 Carat fein, dis Maaß ist nur
ein Ideal.

/Das Platina ist ein Metall welches schwe-
rer ist wie das Gold und eine Silber_Farbe
hat. Vermuthlich ist es eine Materie die

/ vom

|P_291

/vom Queckselber nicht aufgelöset werden kan.
Selbst die stärksten chymischen Feuer können
diese Platina nicht in Fluß bringen ohne Zu-
satz von andern Metallen. Iezt soll dis
Geheimniß erfunden seyn. Die Spanier
haben den Gebrauch dises Metalls unter-
saget, weil es das gantze Wesen des Goldes
verändert.

/Das Silber wird in Stoffen nicht in Seifen
werken angetroffen. Die vornehmsten
Silberbergwerke sind in Europa und Ame-
rika, die reichsten in Peru. Das Silber ist
beständig mit andern Materien vermischt.
Die Metalle sind niemahls recht rein. Die
besten sind beständig mit schlechtern ver-
mischt. Gold enthält Silber, Silber Kupfer
Kupfer nicht Silber sondern ein anders.

/Das Kupfer wird eingeteilt in Cement und
in anderes Kupfer, welches in Bergwer-
ken gefunden wird. Das Cement_Kupfer
setzet sich an die eisernen Stäbe, die in
das Cement_Wasser eingetaucht werden.

/ Das beste Kupfer von

|P_292

/der andern Seite wird zu Iapan in klei-
nen Stangen verkaufft. Die berühmtesten
Kupferbergwerke sind die holsteinschen mans-
feldschen und das russische in Katarinenburg

/Das Zinn wird am besten angetroffen in der
Provintz Kornwallis in England, wo von es
auch den Nahmen hat. Alles Zinn besonders
in England ist versezt mit Kupfer

/Das Eisen ist in der gantzen Welt in allen
Gewächsen, in allem Bluth der Thiere selbst
in mancher Erde besonders die roth aussieht
anzutreffen.

/Der Stahl ist nichts anders als das feinste
Eisen. Durch die Kunst wird er von
dem Eisen abgesondert und hervorgebracht
Man bringt das Eisen in Stangen in ein
Kohlengestübe, dekt das Gefäß worin es
gesammelt ist, zu mit einem Dekel und
sezt es aufs Feuer, worauf es von der
Hitze durchdrungen und in Stahl verwan-
delt wird.

/Das bekante damascirte Gewehr besteht

/ aus einer

|P_293

/einer Mixtur von Eisen und Stahl. Das Ei-
sen bringt die Geschmiedigkeit, der Stahl
aber die Stärke hervor.

/Das Bley ist beynahe in allen Gebürgen
anzutreffen, in Rußland ist das schlech-
teste. Wegen seiner Süssigkeit ist es der
Gesundheit nachtheilig

/Das Queksilber wird zu den Halbmetal-
len gerechnet, aber dis ist unrichtig gesche-
hen, weil sich das falsche von dem wahren
durch die Unreinigkeit und den metal-
lischen Dampf unterscheidet.

/Die bekante Zeiten_Einteilung der
Dichter war das goldene silberne
kupferne eiserne Zeitalter.

/Das erste Zeitalter war der Zustand der
Wildheit, weil es damahls wenig Mühe
kostete, das Gold zu finden, indem es
sich durch seinen Glantz sogleich entdeket
und ofenbaret und allenthalben zu fin-
den ist, wenn der Fluß sein Bette ver-
lässet. δblank Das Silber ist in den Berg- 

/ werken und also schwerer

|P_294

/schwerer zu finden, mit der Zunahme der
Künste nahmen auch die Wissenschaften
ihren Anfang und zwar zuerst in den ge-
bürgigten Gegenden. Weil das Kupfer
in den Bergwerken schwer zu finden ist %.und
also mehr Fleiß und Mühe angewandt wer-
den muste, es aufzufinden %.und zu reinigen
so stiegen nunmehr die Künste unvermerkt
höher und weiter und dis mag also das 3te
Zeitalter ausmachen. Nachdem endlich
das Eisen erfunden worden, woraus
Gewehr und Waffen gemacht werden kon-
ten, so erreichten Künste %.und Wissenschaften
die höchste Stufe und den besten Flor und
dis macht das lezte und das gesittete
Zeitalter aus, in disem verschwand alle
dichterische und poetische Gemächlichkeit.

/Die HalbMetalle sind

/Cinnabanis factitia ein mit Schwefel
vermischtes Queksilber.

/Zinc wird zur Glokenspeise und zum
Printz_Metall gebraucht.

/ Gallmey

|P_295

/Gallmey macht mit dem Kupfer den Messing be-
sonders aber die gelbe Farbe.

/Arsenicum ist ein Gifft, das alle thierische
Machinen zerstört.

/Der Cobatt giebt die blaue Farbe und Stärke
und wird in den sächsischen Bergstädten ge-
funden.

/ ≥ Von den brenbaren Materialen ≤

/Sie enthalten alle Oehle und das so genannte
Phlogisticon. Das rechte NahrungsMittel
des Feuers alimentum ignis ist unbekand.

/Der Schwefel ist Vitriol_Säure mit brennen-
dem ErdOehl und wird bey uns geschmol-
zen in Schwefelkieß oder Marcnasit

/Das Naphta in Baku bey Derbent ist das
reinste und leichteste ErdOehl, auch bey Bag-
das wird es gefunden. Den alten Per-
sern war es beförderlich zur Unterhal-
tung des ewigen Feuers.

/Das Petrabium in Italien

/Das ErdPech und Alphack schwimmt in
grossen Stüken auf dem schwartzen Meer.

/ Der

|P_296

/Der Bernstein ist ein würklicher Baumharz
gewesen, wie man gefunden hat. Er wird un-
ter dem Wasser gefunden und in dem Ein-
sinken der Wälder liegt die Ursach, daß er
iezt in der See angetroffen wird, Da er
unter der Erde gelegen, hat er etwas har-
tiges und bitumineuses erhalten

/Der graue Ambra wird in der See und
offt im Mager der Pottfische gefunden.
Doch ist er, wie es scheint, vielmehr ein würk-
licher ErdHartz und von ihnen verschlukt
als in ihrem Magen erzeuget.

/Die Steinkohlen können polirt werden.
Ton oder KieselErde ist ihre GrundErde

/Die größten Steinkohlen_Werke sind
in England. Obgleich sie einen Fuß aller
FlötsGebürge ausmachen, so kann man
doch nicht allemahl zu ihnen gelangen we-
gen des vielen Wassers. Das Wasser
hat wohl in den Bergen einen Abfluß
gegen die Seite.

/Wir gehen über zum Reich der Steine.

/ Von

|P_297

/ ≥ Von den Steinen ≤

/Die Steine werden eingeteilt in Steine von
der Kalkart und von der Tonart. Wir haben
bey ihnen zu erwägen die Congellation und
die Materie, woraus sie bestehen. Die Con-
gellation ist die Eigenschafft, da ein Gegenstand
auf einmahl aus dem Zustande des Flüssigen
in den Zustand der Härte übergehet. Dis be-
merket man beym Wasser, wenn es in eine
gläserne Röhre gefüllet und bis zu einem
hohen Grad der Kälte gestiegen ist, dennoch
aber nicht frieret, bis man einen Stab von
Eiß eintauchet der würklich in einen so
hohen Grad kalt <ist> als denn siehet man das Wasser
in der Mitte in Gestalt der SechsEcke sich
in Eiß verwandeln. Die Steine von der
KieselArt erleyden die Congellation zu
ihnen gehören folgende,

/Der Diamant ist der härteste Stein
und besteht aus Blätchen, die von ein-
ander zu trennen ohne daß der Diamant
Ritze bekommt, sehr schwer ist. Durch keine
englische Pfeile sondern nur durch den
Diamanten_Staub kann er verleget

/ werden,

|P_298

/und doch hat er die seltene Eigenschafft, daß
er sich auflösen läßt durch eine starke Hitze
in Dünste und darauf zerfällt.

/Man giebt dem Diamant eine Folie von
gebrantem Elfenbein die schwartz ist,
damit er durch seinen eignen Glantz pran-
ge und sich erheben mag. Der rohe Di-
amant sieht dem Alaun ähnlich dessen
GrundErde die KieselErde ist. Zu un-
tersuchen, ob er Wunden hat und Ritze
ist es rathsam, ihn zu besichtigen unter
dem Schatten eines grossen Baums.
Der größte Diamant den man kennet,
ist der, den die Kayserin von Rußland
hat, er enthält 771 Caratt. Ein Caratt
hält 4 Gran und ist der 18te Theil von der
Schwere eines Dukaten, deren 27 einen
Mark oder ein halb Pfund Goldes aus-
machen. δblank Nach Caratten werden die
Diamanten gewogen und ihr Gewicht
verhält sich zu dem Wehrt, den sie ha-
ben, in Thalern, wie das Quadrat des

/ Ge- 

|P_299

/Gewichts. δblank Wenn der Diamant verarbeitet
wird, so wird er gebraucht zu

/Brillianten, alsdenn ist er oben platt, nachge-
hends zusammengesezt aus lauter kleinen
Triangeln, die Triangel sind längligt in-
nerhalb dem Kasten, durch den Kasten aber
wird der Glantz verstärkt, oder zu
den Diksteinen, diese sind oben platt zur
Seite abgeschliffen und bestehen nicht aus
Triangeln, oder zu

/den Rosensteinen, diese bestehn aus Tri-
angeln die oben zusammen laufen und
haben nichts im Kasten, und endlich zu
den TafelSteinen, die weissen werden sehr
hoch geschätzet, nur die die gelbe Farbe spie-
len, behalten den Vorzug.

/Der Diamant wird nicht in Europa gefun-
den sondern in Ostindien in Golkonda
Visapor in einem röthlichten und un-
durchsichtigen Erdreich.

/ Der

|P_300

/Der Rubin ist roth und von gantz anderer
Natur wie der Diamant. Bey dem Ex-
periment und Versuch des Kaysers Frantz_I.
wurde der Rubin in dem Foco und
Heerd eines BrennSpiegels weich

/Der Saphir ist himmelblau und wird mit
dem Rubin gefunden auf der HalbIn-
sel ienseit des Ganges

/Der Smaragd ist grün und wenn er graß
grün ist, wird er sehr geschätzet, Vor der
Entdekung der neuen Welt war er sehr
selten. δblank Im Kloster Reichenau soll
ein Smaragd seyn so groß wie ein Foli-
ant. Eigentlich ist es nur ein Glaß
welches grün geworden von dem
Kupfer das darin enthalten ist

/Der Doyasun ist ein abendländischer
Stein und ist Citronengelb, wenn er
an das Feuer gehalten wird, so bekommt
er die Farbe des Rubinen_Ballastes.
Der Turcis ist ein grünlicher Blau

/ Stein, kalk- 

|P_301

/kalkartig und ist nichts anders als ein Zahn
von einem unbekanten Seethier. Er hat
dunkelblaue Puncte und diese Farbe zieht
sich über den gantzen Stein, wenn er geröstet
wird, er nimmt keine Politur an.

/Der Karfunkel ist ein hochroter Rubin.
Es ist falsch, daß er im Finstern leuchtet

/Der Opal ist ein abendländischer Stein und
ist sehr kostbar und sieht wie ein blau
lichtes Glaß aus. Er wirft zwar nicht ei-
nen Glantz von seiner Oberfläche aber
er wirft aus seinem Inwendigen gelbe
Funken zurük.

/Der Chrisopras findet sich am häufigsten in
Schlesien.

/Der Achat und Carniol wird in Ungarn
angetroffen

/Der Onix ist ein Achat mit einem Fleken

/Der Hyacinth ist gelb

/Der Sardon ist ei«¿¿»ne Art des Karniols,
ist von weniger Erheblichkeit.

/Der Berg_Crystall wächset in der Ge-
stalt einer Pyramide auf den Spitzen

/ der Berge.

|P_302

/Der Lapis Lazuli liefert die kostbarste
blaue Farbe, das ultra_marin. Er ist sehr
theuer, indem ein Loth von dieser Farbe hö-
her zu stehen kommt wie ein Loth Gold, aber
ein Loth diser Farbe ist auch für einen star-
ken und iederzeit beschäfftigten Mahler
hinlänglich zu seinem Gebrauch auf seine
gantze LebensZeit.

/Der Marmor ist fast allenthalben anzu-
treffen, die feinen Marmora aber sind
recht selten. Zu den feinen gehört

/Der weisse Marmor in Italien, wie auch
die Marmora, worin vermuthlich ein
ätzender Stein_Safft allerhand Figuren
in Gestalt alter Schlösser, Ruinen ein-
gegraben hat,

/Der Alabaster entstehet, wenn diser feine
Marmor von VitriolSäure durchdrun-
gen ist.

/Der Granit ist der Stein, von dem die
egyptischen Obelisken verfertiget worden

/Die Terra sigillata ist eine Art von Ton
Erde und die

/WakerErde kommt sehr nahe der FettErde.

/ Die

|P_303

/Die Umbra ist eine braune Farbe.

/Zweyerley merken wir hier an, von der mu-
sivischen und florentinischen Arbeit,

/Die florentinische ist von Edelsteinen,

/Die musivische ist von Glaß und ist wie die
florentinische, eine ausgelegte Arbeit,
Man nimmt verschiedene GlaßScheiben,
setzet sie in einen mit Cement_Oehl ge-
füllten Kasten und läßt diese Masse ver-
härten, hirauf wird sie polirt und verbraucht
zu allerhand Geräthen in Pallästen und in
Kirchen. Die St._Peters_Kirche zu Rom
ist voll von solchen Geräten.

/Die Abhandlung von den Steinen beschliessen
wir mit allgemeinen Anmerkungen

/Die Steine sind eine zuerst aufgelösete und
hernach zusammen verbundne Erde, doch
ist es als wenn ausser diser noch etwas kle-
brigtes dazu kommen müsse, welches man
noch nicht entdekt hat.

/Die Steine sind von den Metallen unterschie-
den, sie congelliren und gehen langsam
über aus dem Zustande des Vesten in das
Flüssige.

/ Wenn die

|P_304

/Wenn die KalkErde mit Vitriol_Säure gesättiget
ist, so entsteht die Ton_Erde.

/Die Edelsteine müssen von der KiselArt seyn
weil sie sonst die Politur nicht annehmen
könten. δblank Der ietzige Geschmak kann
die FarbenSteine nicht leyden.

/Die KieselSteine werden in 3 Gattungen geteilt

/In Kristallartige, dise wachsen aus in Zinken

/In die rechte Kieselsteine und in

/Den Quartz, aus disem bestehn alle und die
größten Felsen, wenn sie noch mit dem
Spatt und Glimmer untermengt sind.

/Eine Zusammensetzung von krystallförmigen
Stüken heißt eine Drüse, zuweilen füh-
ren sie Quartz bey sich, dessen Spitzen far-
bigt sind.

/Nach dem Dellawald [Delaval] entstehen die Farben
in den Edelsteinen von den Metallen
die sie bey sich führen.

/Also rühret her und entspringet die rothe
Farbe des Rubin vom Golde, die Goldgelbe
des To«b»pasen vom Silber, die Orangengelbe
der Hyacinten vom Bley, die grüne der
Smaragden und die blaue der Saphiren

/ vom

|P_305

/vom Kupfer und die Violette des Amethisten vom
Eisen und Zinn. δblank Die Metalle bringen
also gewisse Farben hervor, die sich nach der Be-
schaffenheit ihrer specifischen Schwere richten.
Hidurch wird das ovulerische [Eulerische] Systhem von den
Farben sehr bestätiget.

/ ≥ Von dem National_Character
und Merkmahl, den Sitten den Gebräu-
chen einiger Völker ausserhalb Europa ≤

/Im gantzen Meridian, der über Bengalen
gezogen worden, bey den Einwohnern zu
Thibet, bey den Tungusen, Chinesern be-
merken wir eine grosse Aehnlichkeit der
Gesichtsbildung nehmlich der kalmukischen
als auch der Sprache, die darin besteht und
darin übereinkommt, daß ihre Wörter alle
einsylbigt sind. Wir fangen an von dem
mächtigsten Reich in der Welt, von dem
Reich China.

/ Das

|P_306

/ ≥ Das Reich China

/ist dreymahl so groß wie Deutschland ohnge-
fehr und ist iederzeit der mächtigste Staat
in der Welt gewesen und wird es auch
seyn und bleiben. Die griechische und rö-
mische Monarchien sind wohl berühmter
gewesen und grösser, allein das was wir
von dem Reich China behaupten, gilt vor-
züglich und ist zu verstehen von der Ein-
heit der Bildung der Sprache der Sitten
und Gebräuche, die unter disem weitläuf-
tigem und grossem Volk herrschet.

/China ist das bewohnteste Land in der Welt.
Eine iede Provincial_Stadt enthält in sich
nicht weniger als 100.000 Einwoner, von
diser unglaublichen VolksMenge redet auch
die Grösse der chinesischen Mauer, die ge-
wiß ein Heer Arbeiter erfodert hat.
Sie hat ohngefehr 300 Meilen im Umfang
und in der Mitte sehr viele Thürme
stösset aber auch an viele Bverge an. Sie ist
gleichsam die Vestung und SchutzWehr wider
die Tartarn, die dis Land beunruhigen.

|P_307

/Die Chineser sind schlechte Helden und sind ohnlängst
von den Tartarn unter das Joch gebracht worden.
Von den Tartarn haben sie die Gewohnheit gelernt
und angenommen, die Haare abzuscheeren.

/Die Regierung in China ist monarchisch und wird
verwaltet von einem Kayser, wird aber doch
eingeschränkt von den Mandarienen, von
denen 3 Gattungen sind als Geistliche Staats
und KriegsMandarine. Mandarins be-
deutet so viel als Leute die den Inbegrif
ihrer Wissenschafften durchgegangen haben.
Die Chineser werden gerühmt als Leute die
zu Wissenschafften und Künsten aufgelegt
sind, aber ihre Wissenschafften bestehn in ei-
niger Kentniß von einigen Sätzen der
Feldmesser_Kunst und Sternseher_Kunst der
Geometrie und Astronomie, mehrenteils
ohne Beweise. Ihre Bücher denen man glau-
ben beymessen kann, gehen bis auf die Ge-
burt des Weltheylandes heraus, es ist aber
gewiß, daß sie schon 1.000 Iahr vorher ge-
wesen sind. Ihre Art zu schreiben, besteht
in der Kunst, die Gedanken auszudru-
ken durch gewisse Bilder und Zeichen, solche
Zeichen haben sie 60.000. Die Buchdruker
Kunst soll bey ihnen lange vorher als

/ bey

|P_308

/bey uns erfunden seyn, welches auch wahrscheinlich
ist wegen der Leichtigkeit ihrer Buchstaben. Sie
haben gewisse hohe Schulen und Universitäten
und die unter ihnen, die promoviren wol-
len und eine Ehrenstelle auf der hohen Schule
bekleiden, müssen zu erst in Peking exa-
miniret und geprüfet werden. Zum be-
truge und zu niedrigen Gesinnungen sind
sie sehr geneigt und solcher wird nach ihren
Gesetzen nicht bestrafft. Ihre Religion
besteht eintzig in dem Deismo, sie besteht
in den 5 Kings oder heiligen Büchern die
von ihrem Weltweisen dem Konfucius her-
kommen und nichts anders enthalten als
trokne Sittenlehren.

/Sehr merkwürdig ist es doch, daß in allen
Sprachen und bey allen Völkern das buch,
welches die Grundsätze der Religion ent-
hält und die Kentnisse von der Verehrung
der Gottheit und des höchsten Wesens, Vor-
zugsweise und $ka¿e¿ochen$ genannt wird das
Buch, als Bibel, Kings Alcoran, oder Coran
In China ist ein gantz natürlicher Markt.

/ Alles was

|P_309

/was nicht offenbar schädlich ist, wird darauf ver-
kaufft, Hunde Katzen Schlangen_Fleisch und hier
wird also der Geschmak der Europäer gar nicht
beobachtet %.und in acht genommen, diser scheint sich
zu originiren und abzustammen von der er-
sten Ausbreitung des Christenthums, als
nemlich die neu gewordnen Christen sich
ein Gewissen machten, von dem Fleisch
der Heyden zu essen, und ist äusserst ver-
derblich.

/Die Chineser scheinen eine Abkunfft der
Egypter zu seyn.

/Sie halten sehr auf die alten Gesetze und
der Monarch selbst kan nicht leicht davon
abweichen. Die vornehmsten Gesetze die
sie verehren müssen, sind drey, als der
Gehorsam gegen der Kayser, gegen die Eltern
und die Verletzung dises Gesetzes zieht eine
grosse Straffe nach sich bey ihnen und zulezt
die Complimenten, durch diese gedenken
sie die Ruhe im Staat zu erhalten. Diserhalb
sind ihre Gesellschafften nicht angenehm, weil da-
rin alles sehr gezwungen aussieth, auf ihren
Gastmahlen richten sich die Gäste in allen
Kleinigten während dem Essen nach dem

/ Wirth. Doch haben

|P_310

/haben ihre Gesellschafften einen Vorzug vor den
türkischen, die nur im Essen Trinken Schmau-
sen bestehn und alles ist dabey still stum
und lebloß.

/Der gute Geschmak in Gesellschafften und der
scherzhaffte Umgang unter den Europäern
hat seinen Ursprung zu danken den Fran-
tzosen, wie es das Ansehen hat und die Ur-
sach davon scheint dise zu seyn, daß sie das
Frauenzimmer mit in die Gesellschafften
einzogen, als welches die Frölichkeit liebt
und denen zu gefallen, eine HauptSorge
der Mannspersonen ist.

/Die Chineser sitzen auf Stühle bey ihren
Gastmahlen nicht auf Riemen wie die mei-
sten Einwoner im Morgenlande.

/Ihre größte Kunst und Geschiklichkeit wollen
si«¿»e beweisen und zeigen im Garten_Anbau
den sie in 3 Theile einteilen, in das reit-
zend schöne, in das schaudernd schöne und
in das erhabne Feld. Der Natur gemäß
bauen sie den Garten an in einer sehr gros-
sen Etendieu, sie schliessen und führen in
denselben Hügel Felsen Flüsse Wüstungen,

/ woraus nothwendig

|P_311

/nothwendig die schönsten Prospecte und Aussichten
für das Auge des Zuschauers entstehen müssen,
und sie übertreffen hierin würklich alle
andere Nationen wie in der Geschiklichkeit
Feuerwerke anzulegen, auch überhaupt äussert
sich bey ihnen vorzüglich eine Fertigkeit in
den mechanischen Handgriffen. Die chine-
sische Bauart liefert niedrige Gebäude, die
aber ein schönes Ansehen geben, sie sind flach
und so wohl inwendig als auswendig laquirt,
die Nebenwände haben sie so in einander gefu-
get, daß sie leicht aus einander genommen
werden können.

/ ≥ Das Reich Iapan

/Hier trifft man alles an, was zur Noth-
durfft und zum Vergnügen des mensch-
lichen Lebens gehöret. Das Land hat nur
einen Hafen, der ohnedem nicht einem ie-
den offen stehet, indem sein Zugang ver-
schlossen werden kan. Vor demselben müs-
sen die Schiffe die Anzahl der bey sich ha-
benden Menschen und Thiere angeben %.und
bey ihrer Abfahrt haben sie solche wider

/ aufzuweisen

|P_312

/aufzuweisen. δblank Die Vornehmen in disem
Lande sind Deisten, sonst herrschet die Reli-
gion der Kami und einige andere und
es ist eine unzähliche Anzahl heydnischer
Priester hier anzutreffen. Das Pabstthum
fand einen grossen Eingang in disem Lande,
aber die Missionarii die abgeschikte Geist-
liche unterliessen, den wahren Geist des
Christenthums auszubreiten und machten
nur Cerimonien %.und Gebräuche den
Einwohnern bekand und es gefiel ihnen
auch, weil hidurch die Fürcht für der
Seelenwanderung vertrieben wurde,
zulezt ward es gantz ausgerottet.

/Das Land ist volkreich und bewohnt und die
Landstrassen angefüllt mit Menschen und
dis wegen der grossen Gefolge der Grafen
die offt 300 Mann bey sich haben, es
wird beherrscht von einem Kayser und von
einem grossen geistlichen Fürsten, der in
der Stadt Dario residiret und Lama

/ heisset. Die

|P_313

/Die Abkunfft des Lama erstrekt sich von allen
Familien am weitesten in das Alterthum
heraus und geht hinauf in descendentaler
Abkunfft bis 500 Iahr vor der Geburt des Welt
heylandes. δblank Die LandesEinwoner
sind nicht so betrügerisch wie die Chineser, aber
im äussersten Grad hartnäkig, diserhalb wer-
den sie wohl zu guten Soldaten gebildet
aber es bleibt allemahl schwer, sie zu regieren

/ ≥ Das Reich Indostan

/hat einen grossen Umfang und einen grossen
Zusammenhang mit den Staatsveränderun-
gen in Europa. Es ist sehr volkreich und da
es an einigen Orten unter dem heissen
Erdstrich an andern unter den gemässigten
Erdstrichen lieget, so bringt es fast alle Pro-
ducte und Gewächse, die Europa Asien Afri-
ka zerstreuet liefern. Die Einwoner sind
gelb im Gesicht, welches aber ähnlich ist in
der Bildung der europäischen Gesichts-
Bildung. Sie sind sanftmüthig, Dagegen

/ komt

|P_314

/kommt es, daß alle Nationen unter ihnen
geduldet werden %.und wohnen und daß sie von
den Tatarn so leicht bezwungen werden.

/Sie sind also kleine Helden und haben von dem
Schieß_Gewehr besondere Furcht. Fleissig aber
sind sie und arbeitsam, treu in ihren Ver-
richtungen und viel redlicher wie die Chine-
ser. Sie machen eine gantz reine Race aus
wie fast alle morgenländische Völker, weil
ihre Religion es verbietet, mit frem-
den Völkern sich zu vermischen, die aber
doch auch bey dem Unterschied der Religion
unter sich dulden, weil sie alle Religionen
für wahr halten und die Abweichung der
einen von der andern für eine iedem
Volk eigene besondere Methode, Gott zu die-
nen, ansehen. Die herrschende ist die bra-
minische Religion, ihr Grund und Funda-
mental_Begriff ist zwar rein, aber un-
termengt mit viel Aberglauben.

/Sie statuiren und erkennen 3 obere Wesen,
den Brama, den Wischna, das erste ist

/ der Schöpfer, das

|P_315

/das andere der Regierer und das dritte der
Zerstörer der Welt. Der Brama %.und Schöpfer
hat den Priester mit dem heiligen Buch und
einem melancholischen den Kauffmann mit ei-
nem Flegmatischen den Handwerker mit
einem Beutel und einem sanguinischen
und den Soldaten mit dem Deegen und
dem cholerischen Temperament %.und Mässigung
im Anfange auf die Welt gesetzet, nachher
haben sie alle ihre Instrumente und Werk-
zeuge gemißbrauchet. Der Wischna regie-
ret alles nach seinem Gefallen. Alle drey
aber stammen von einem Uhrwesen ab.

/Sie glauben ferner 4 WeltAlter und Epochen
und dise theilen sie wider in verschiede-
ne Abschnitte. Am Ende diser Zeitläuffe
erscheint der Wischna in verschiedener
Gestalt und versammlet, nachdem die Welt
durchs Feuer zerstöret, die Seelen in den
Schooß Gottes.

/Merkwürdig ist dises, daß alle Völkerschaften
zu allen Zeiten nahe am Ende der Welt
zu seyn glauben, weil ihnen die menschliche
Natur die höchste Stuffe des Verderbens

/ erreichet zu

|P_316

/zu haben scheinet, welches aber der Gerechte Uhr-
heber nicht mehr wird leyden können. Die
Indostaner sind schwer zu bekehren und zu
einer andern Glaubens_Meynung zu brin-
gen und dis findet man bey allen Völkern
die heilige Bücher haben, weil die gringern
Leute nicht Fähigkeit haben, das Ansehen der-
selben zu prüfen und zu untersuchen.

/Indostan wird regieret von einem Mogul
der aber nur ein Schatten von dem vorigen
Beherrscher ist, nachdem der Schach Nadir den
Schatz dises Reichs den größten in der Welt
beraubet und den kostbaren mit Edelstei-
nen besezten Pfau entführet und Deli
zerstöret ist, indem die Gouuerneurs und
Regierer der Landschafften mächtiger sind
wie er und das Land dadurch, daß ein
ieder von ihnen den Mogul beyzustehen
vorgiebt, beständig verwüstet wird.

/Dis geschiehet allenthalben, wo viele ein
Regiment zerteilt führen, denn einer kan
allemahl die Schuld des Uebels auf den
andern wältzen und die Ehre eines guten

/ Beherrschers

|P_317

/Beherrschers ist geteilt und im Grunde ist ein ie-
der auf nichts bedacht als auf Eigennutz.

/Die Engländer haben hier ein Comtoir und es
ist nicht zu zweiffeln, daß wenn hier die
milde %.und sanffte englische Regierung ein-
geführet werden möchte, alle Ind«¿¿»ostaner
mit der größten <Freuden> sich unterwerffen würden.
Die Husten sind in disem Lande häuffig
und viel schmertzhaffter wie in Europa.

/ ≥ Das Land Tunkin

/wird von einem Chan oder Könige besonders aber
von den Generalen regieret, denn der Chan
ist wie ein Götzenbild anzusehen, zuweilen
wird er den leuten vorgezeiget.

/Die LandesEinwoner sind arm, redlicher wie
die Chineser ausser dem aber ihnen ähnlich in
allem. Der vornehmste Artikul der Hand-
lung ist die Seyden_Manufactur. Er wird
von den Höllandern hier getrieben %.und regiret
dise Manufacturen in Aufnahme zu brin-
gen, gehen die Holländer mit den Landes
Weibern pacto %.und durch einen Vergleich auf eine
zeitlang eine Ehe ein, hidurch erhalten sie die

/ Gele- 

|P_318

/Gelegenheit, über den Seydenbau die Auf-
sicht zu erhalten.

/ ≥ Persien

/ist ein Land, welches nicht schiffbare Flüsse
hat. Sie haben wohl eine breite Oberfläche
aber gar keine Tiefe. Da das Land durch gros-
se Sandwüsten getrennet ist, so wird es von
vielen kleinen Fürsten regieret. Die
Nation wird in die alte und neue Perser
unterschieden. Die Religion der alten
Perser ist sehr alt und ist von den Zeiten
des Königes Darius_Histaspes bis auf
unser ZeitAlter gebracht. Das vornehm-
ste welches sie verehren, ist das ewige Feuer
weil es vermuthlich seiner Reinigkeit wegen
das göttliche Wesen vorstellen soll, es wird
durch das Naphta unterhalten. Diese
Gewohnheit kommt sehr nahe der Gewohn-
heit der Römer, welche die vestalischen
Iungfrauen hatten um das heilige Feuer
zu unterhalten und beyde können eine
vernünftige Ursach zum Grunde haben,

/ wie

|P_319

/wie alle Gewohnheiten im Anfang vernünftig
sind hernach aber vermischt werden mit Aber-
glauben. δblank Das Feuer ist
zu unserer Nahrung gantz nothwendig,
wir erhalten es entweder durch die Feuer
Zeuge wie bey uns in Europa, oder durch
das Reiben zweyer Höltzer wie bey den
Wilden. Die erste Art Feuer zu erhalten
war den Alten unbekand, die lezte hat
sehr grosse Schwürigkeit wie denn die Euro-
päer schlecht damit zurecht kommen, diser-
halb ist es wahrscheinlich, daß zum Vortheil
der Armen ein beständiges Feuer unter-
halten und Frauenzimmer bestellt wurden
welche vom unkeuschen Leben als wodurch
sie von der treuen Unterhaltung des Feuers
abgehalten wurden, gäntzlich sich enthalten
musten, damit das Feuer niemahls erlö-
schen und ausgehen möchte. Als die Feuer-
Zeuger erfunden wurden, ward dises
unnütz; wie ehedem die Nachtwächter
wegen Mangel der Uhren an den öfentli-
chen Gebäuden höchst nöthige Leute waren
aniezt aber eine unnütze Gewohnheit sind

/ da

|P_320

/da bereits viele Gattungen von öfentlichen
Uhren bekand sind.

/Das heilige Buch der Perser heißt Centa
Vesta und ist so alt wie ihre Religion %.und
in das spanische Cent geschrieben; wie denn
in Spanien 3 Sprachen sind 2 todte %.und eine
lebende. Die Perser erkennen und glauben
2 gleich mächtige UhrWesen; einen guten
einen bösen Gott, den bösen nennen sie
Arimal [Ahriman] vermuthlich von dem teudtschen Wort
Arge Mann, wie denn viele Wörter in diser
auch selbst in der lateinischen Sprache her-
genommen sind aus der teudtschen. Das Wort
Vesta kommt her von Vest, weil die Erde
von der sie eine Göttin vorstellt, vest ist.

/Die Perser sind die Frantzosen im Orient. Nach
ihrem ietzigen National_Character betrach-
tet sind die heutigen Perser unter den mor-
genländischen Völkern das was die Frantzosen
sind bey den abendländischen; dise haben den
schertzhafften Umgang und alles was schön ist,

/ eingeführet und

|P_321

/und durch ihr lustiges Temperament die an-
dern Nationen aus dem rohen Zustand ge-
rissen. Die Perser sind leichtsinnig in der Reli-
gion, ihre Sprache klingt angenehm und ist sehr
sinnreich in Auslegungen Schertzen Einfällen.
Man findet bey ihnen wohl nicht schöne Gesichter
aber einen schönen Wuchs, der fast allen mor-
genländischen Völkern eigen ist wie die Ar-
beitsamkeit und Mässigkeit, die von den
Völkern in Europa welche im Stande sind, co-
mode und bequemlich zu leben, verabsäumet
wird. δblank Die Religion der neuen
Perser ist mahomedanisch, die sie aber statuiren
und erkennen nach der Auslegung des Alcali [Ali ibn Abu Talib]
da die Türken die Auslegung Omar befol-
gen, diserhalb ist unter disen 2 Völkerschaf-
ten der größte Religions_Haß in der Welt

/ ≥ Die Türkey ≤

/Die weitläuftigen türkischen Länder zu
sammen genommen betrachtet, muß man sage<n>
daß sie keine ausserordentliche Producte
und Gewächse liefern als die andern

/ Länder, Seyde

|P_322

/Seyde und Kameel haben sie im Ueberfluß
Die Türken sind stoltz verwegen melancholisch
und im höchsten Grade plump.

/Arabien ist das merkwürdigste Land in der
Türkey. Es wird in 3 Theile geteilet.

/Das wüste Arabien enthält grosse Sandwü-
sten, doch wachsen daselbst grosse Bäume

/Das Land Nodschas lieget am roten Meer
und hat die beyden Städte Medina %.und Mecca

/Das Land Gemen, hier wachsen die levantischen
Coffee_Bohnen.

/Die Beduinen ein Volk in Arabien führen
die glüklichste Lebensart, ohne Sorgen, woh-
nen in Zelten, reisen von einem Ort zum
andern wie die Völker in den russischen Step-
pen und sind sehr gastfrey wie alle Völker die
arm sind, denn bey den Reichen besteht die
Gastfreundschafft in der Höflichkeit und in
Complimenten, der Araber beherberget
gern den Reisenden aber bestiehlt ihn
auch bald unter dem Vorwande, die Ara-
ber sind Abkömlinge des Ismaels und bey

/ der

|P_323

/der Theilung der Kinder des Abrahams ist der Ismael
sehr zu kurtz gekommen, doch läßt er ihm das
Nothwendige und das Leben. Die Religion der
Araber ist die mahomedanische und das vor-
züglichste Hauptstük dieser Religion sind die Wall-
fahrten nach Medina und Mecca, dahin reisen
alle Mahomedaner iährlich in 3 Carawanen.
Das Heiligthum welches sie verehren ist das
4ekigte Gebäude nicht grösser wie eine mit-
telmässige Stube, es ist ein morgenländischer
Cubus, bedekt mit schwartzem Dammast und
Sammet und wird genannt Cubba. Es enthält den
schwartzen Stein, den alle Mahomedaner küssen
müssen. Bey disem Gebäude ist auch der
heilige Brunn genannt Zenzem, er soll derie-
nige seyn, den der Engel der Hagar zeigte
wie sie vom Durst geplaget ward. Alle Ma-
homedaner müssen von dem Wasser aus di-
sem Brunnen trinken. Den Brunnen %.und das
Gebäude umgiebt eine Gallerie, wohin die
Andächtige für Zeit des Reegens treten
können. Die Stadt Mecca, wo das Heiligthum

/ und

|P_324

/und der heilige Brunn ist, ist daher der Augen-
punct aller Mahomedaner, nach ihr müssen
sie ihr Gesicht wenden während dem Gebeth.

/ ≥ Von den Völkern
zwischen dem kaspischen und dem schwartzen
Meer ≤

/Es sind Reste von allerley Nationen, Georgi-
aner Armenianer und haben alle unter-
schiedene Sprachen. Disen Ländern ist wohl
die Erfindung des Akerbaues zuzuschreiben
welches wohl von den Teudschen zuerst geschehen

/Die Steppe Narbu ist sehr fruchtbar «¿» und
wird angebauet von den nach Sibirien
Landes_Verwiesenen, sie liegt ienseit des
Strohms. In Sibirien ist es kalt. Sie haben
kein Obst, weil die Bäume nicht wachsen
wollen; wenn man im heissesten Sommer
gräbt, findet man in einer Tiefe von 3
Fuß gefrorne Erde, daher können die @Bäu@
nicht Wurtzel genung schlagen. Dis ist das
Land, wo die russischen Gefangenen hingebracht
werden. Diese sind ihrem Schiksahl überlas- 

/ sen und

|P_325

/und können dem Reich nicht schaden wohl aber nut-
zen durch den Anbau des Feldes. Sie können
von hier nicht entfliehen, denn von der einen
Seite finden sie Rußland vor sich und von der
andern die Kirgiser eine sehr räuberische Nation.
Siberien hat Bergwerke. Das attlantische Ge-
bürge liefert besonders viel aber schlechtes
Eisen fein Kupfer auch etwas Silber zuweilen.
Die in dieser Gegend gelegene Mongalen bau-
en nicht den Aker, die Tungusen auch nicht
ziehen auch nicht Vieh sondern schwärmen herum.
Sie sind stoltz wie alle faule Nationen.

/Die Kalmuken und Mungalen leben von
Pferden, die Buchanen und die Tartarn von
Usbena von der Handlung und vom Akerbau.

/Die Art und Einrichtung des Fluchs unter einem
Volk richtet sich beständig nach der Arbeit
die dem Volk als unanständig vorkommt.

/Die Tungusen sagen in Fluch einer zum andern,
daß du magst das Vieh selbst ziehen wie ein
Tartar, der Tartar sagt, daß du magst den
Aker bauen wie ein Ruß, der Ruß daß du
magst beym Weberstuhl sitzen wie ein Teudscher
der Teudsche, daß du magst auf dem Meer fahren

/ wie ein Holländer.

|P_326

/ ≥ Von den asiatischen Inseln ≤

/Die größten von ihnen sind

/Die Insel Zeilon. Die Einwoner scheinen von
den Malabaren und Arabern abzustam-
men und haben wie die Araber, kleine %.und
eingedrukte Nasen. Der Berg Pico_d'Adam
liegt auf dieser Insel. Auf denselben sind viel
Klöster und auf der Spitze in dem Fel-
sen ein menschlicher Fußstapfen, den die
Einwohner für den Tritt des Vischu halten
nicht wie die Europäer wollen, für den
Tritt des Adams des ersten Menschen.
Die Insel ist fruchtbar aber auch unge-
sund, weil sie an vielen Orten waldigt
und sumpfigt ist, auf ihr wächst der
Talipat und der Kameelbaum, des-
sen Blätter in Falten gelegt sind.

/Die Maldivischen Inseln sehen aus als 13
Trauben und enthalten ohngefehr 4.000
kleine Inseln, die nur 2 Zugänge haben,
diserwegen und wegen ihrer Armuth
sind sie gesichert für den Anfällen der
Feinde. Die Einwoner sind arm und stoltz
und lieben den Rangstreit.

/ Die

|P_327

/Die Philippinischen Inseln dienen bloß zum
Waaren Niederlegen, und zwar derer Waaren
die von China nach Amerika übergebracht werden
Die Insel Sumatra ist den Europäern we-
nig bekand. An der Spitze der Insel liegt
das Königreich Achem, welches aber nur
eine reiche und volkreiche Stadt ist, die
ein klein Gebieth hat. δblank Die Forts
auf ihr sind verlassen wegen der ungesun-
den Lufft, der Handel dahin betrifft Gold-
staub und Pfeffer.

/Die Insel Iava hat einen Kayser, der eine
Leibwache hält von Weibern. Die Religi-
on ist mahomedanisch und das Land volk-
reich, 300.000 Menschen sollen daselbst woh-
nen, obgleich es nur halb so groß ist wie
Frankreich. Die Hauptstadt heißt Ba-
tavia und gehört den Holländern. Der
General_Gouverneur ist ein Bedienter der
ostindischen Handlungs_Gesellschafft.

/Die Ursachen, warum auf dieser Insel und in
allen warmen Ländern viele Menschen
wohnen, sind, Weil niehmahls Winter
ist und also kann beständig gesäet und ge- 

/ erndtet werden

|P_328

/werden, weil alle Wälder angefüllt sind
mit nahrhafften Gewächsen und das Land
mit Vieh, weil die Einwoner mässig sind
Die Insel Borneo scheint die größte in der
Welt zu seyn und ist rund, auf ihr und ei-
ner philippinischen Insel findet man Ne-
ger, welches merkwürdig ist.

/Die Molukken. Auf disen sind die beyden
Regierungen der Holländer Ambuina
und Bende, auf Ambuina wachsen ganz
allein die Kreidnägelchen, auf Bende
die Muskaten_Nüsse.

/ ≥ Afrika ≤

/Die natürliche Grentze von Afrika kan
nicht das mittelländische Meer sondern
die Sandwüste Sara seyn.

/Ausser denen die auf der Seeküste wohnen
als in Marocco sind die Einwoner Nachkom-
men der alten Mauritaner. Sie sind die
Neger das ist, die Schwartzen. Alle Ne-
ger sind dem Stehlen und dem Brandwein
Sauffen ergeben. Die berühmtesten Na-
tionen der Neger sind die Tolons Folgs
Mondigors, die nach ihrer Art gesittete

/ Völker

|P_329

/Völker und mahomedanischer Religion sind.

/Guinea ist das reichste Land in Afrika. Die Länder
am Meer heissen die Küsten. Die Küsten auf
Guinea sind die Zahnküste, Goldküste, Pfefferküste
Sklavenküste. Sie haben den Nahmen von den
Waaren womit der Handel getrieben wird, er-
halten. δblank Zu unserer Zeit wird nur die
SklavenKüste besucht. Der Sklaven_Handel ist
merkwürdig.

/Iährlich werden bis 120.000 von disen Elenden
größtenteils Bewohner der Sklaven Küste auf-
gekaufft wie Vieh und nach Amerika geschikt in
die Zuker_Pflantzungen. Hier werden sie grau-
sam gehalten. Dennoch dünken sie sich was mehr
zu seyn, wie ihre zurükgebliebnen Landsleute.
Die Holländer sind die stärksten Sklaven_Händler.
Ein Schwartzer verkaufft den andern. Der Ver-
kauffte muß beym Verkauff allerley Bewe-
gungen des Leibes machen, damit der Käu-
fer sehen kan, ob er auch gebrechlich ist. Iezt
kostet ein Neger schon 2 bis 300 Thaler. Man [Römer]
hält davor, daß die Pflanzungen und der Zuker-
bau bald in Afrika selbst werden mussen
angelegt werden, indem 50 bis 60 Iahre

/ kaum ver- 

|P_330

/verfliessen möchten, daß nicht ein ohnfehlbarer
Mangel an Sklaven seyn wird. Denn da ein
Neger dem andern, wenn es auch sein Vater
Sohn Bruder Verwandter bester Freund ist, @nicht@
trauen darf, daß er ihn nicht für Brandwein
verkauffen möchte zum Sklaven, so«¿» gehen @sie@
sich gern einer dem andern aus dem Wege,
für einen Weissen haben sie ohndem eine
Furcht wie für den Teufel und die Europäer
können auch mitten ins Land <nicht> zu ihnen ge-
langen wegen der unzugänglichen
Wälder, die dicht in einander verwachsen
und geflochten sind.

/Die Religion der Neger ist die Talismanen
Religion, die sie foetisch nennen. Sie be-
steht darin, daß einer von ihren Priestern
eine beliebige Sache einweyhet. Sie
scheint die älteste von allen Religionen zu
seyn. Talismane sind Sachen die am
Halse getragen werden, also eingeweyhete
und geheiligte Sachen, sie sollen für allem
Unglük schützen und behüten.

/Sie haben auch einen Landes_Foetisch.

/Die Kapern und Kaffern in dieser Weltge-
gend sind Nationen, die größtentheils

/ unbekand sind

|P_331

/sind, sie scheinen abzustammen von den Hottentotten
die Hottentotten sind eine Race der Neger.

/Sie sind «eine Race der Neger» das ungesitteste
Volk auf der Erde. Sie bewohnen ein Land das
die Natur sehr wohl versorget hat, ihre Dörfer
bestehn aus Zelten, die rund aussehen. Sie
haben keinen Oberherrn aber doch Aelteste
und wissen kaum von einem UhrWesen, doch
haben sie Feste, die sie nennen Andersmaken,
dis Wort müssen sie den Holländern abge-
lehnt haben. Ihre Weiber halten sie in der
größten Ernidrigung, sie müssen sich ein Glied
vom Finger abschneiden, so offt sie sich verän-
dern. Sie haben eine Art von Beschnei-
dung, indem sie einem Knaben einen
Testicul wegnehmen, daß sie nicht ihrer
Meynung nach, Zwillinge erzeugen kön-
nen. Zur Gegenwehr wider die wilden
Thiere bedienen sie sich der Streitaxten
und Hunde, die sie um ihre Dörfer
herumstellen. Sie haben <nicht> Ekel vor dem
Gestank, daher alles was nur den Nah-
men Unfläterey verdient, bey ihnen
anzutreffen ist.

/Die Insel Madagaskar bey Afrika ist
eine von den größten Inseln auf der Welt

/ und noch

|P_332

/noch wenig bekand, indem sie von den Hollän-
dern besucht wird der Neger wegen, die hier
sehr geneigt sind zum Selbstmord.

/Die hiesigen LandesEinwoner wie auch die
Völker ienseit des Ganges sind, wenn sie hey-
raten gantz gleichgültig wo sie es nicht gar
gern sehen, daß ihr Bräute die Iungferschafft
verloren haben. Die holländische und eng-
lische Matrosen sind auch sehr bereit-
willig, ihnen darin zu Gefallen zu leben

/ ≥ Abyssinien ≤

/wird beherrscht von einem Könige, der
christlich ist. Von den Mahomedanern die
von den Egyptern unterstützet werden,
wird er sehr eingeschränkt. Das gantze
Land dem größten Theil nach ist von viel
Jahrhunderten her christlich gewesen.

/ ≥ Egypten ≤

/liegt zwischen der Sandwüste Sara und der
grossen afrikanischen Wüste.

/Die Merkwürdigkeiten dises Landes sind
fast allein die grossen Pyramiden. Sie
haben ein 4eckigtes Bassain und @bestehn@

/aus grossen Felsenstüken

/ die

|P_333

/die aus der Sandwüste gebrochen worden und
es bleibt wunderbar, wie sie ihre Künstler so
hoch herauff haben bauen können. Vermuth-
lich liegt darin ein König begraben und
wahrscheinlich ist der Zugang zu dieser leiche
verboten gewesen, denn man findet, daß
der Zugang zu der einen Pyramide gekrüm-
met und bald auf bald niderwärts gele-
gen ist und mit grossen Steinen vermau-
ert. Einer von den dasigen Kaliffen [???] hat
doch ein Gewölbe dieser Pyramide mit der
größten Mühe eröffnen lassen, da man denn
in der Mitte derselben ein marmornes
Gewölbe antraf, worin wahrscheinlich der
Sarg gestanden hat, dis kleine Gewölbe
hatte oben 2 Löcher und unten eins.

/Dieser lezte Umstand führt eine fürchterliche
Idee mit sich. Allem Anschein nach sind in
alten Zeiten den königlichen Leichen zur
Gesellschafft 2 lebende Menschen mit ein-
gesperret worden, denen die 2 obere löcher
dieneten zum Athemholen und das Essen
herunter zu lassen, das untere aber, sich
der Excremente zu entleedigen. Hier mu-
sten sie also verbleiben ohne menschliche Ge- 

/ sellschafft und

|P_334

/und ohne Hofnung, iemahls das Licht der Sonne %.und
des Tages wider zu sehen.

/Von dem alten Labyrinth das ehedem hier war,
sind noch 100 Stuben zu sehen. Obgleich die
Türken alle Mühe anwenden, gantz und
gar es auszurotten, so hat dises bis anjezt
nicht geschehen können. Es ist sehr unter-
schieden von dem auf der Insel Kreta be-
findlichen.

/Von den grossen Städten Babel und Ninive
siehet man nicht mehr einen Stein, also
können sie doch nicht so groß gewesen seyn
als man gemeinhin vorgiebt.

/ ≥ Die barbarische Küsten ≤

/haben ihren Nahmen von dem Wort
Berberes, welches bedeutet, die auf den
Bergen Wohnende. Die Regierung wird
hier von einem Daij und verschiedenen
Bays geführet %.und verwaltet. Das erste
bedeutet so viel als König das letzte so
viel als einen Gouverneur. Der gantze Staat
besteht aus Soldaten. Er ist gegründet ohn-
gefehr zu den Zeiten Karls_des_5ten von
einem Umstreicher [???], der Rauberreyen auf
dem Meer anfing, welche seine Nachkommen
fortsezten. Einwärts in den innern Ge-
genden des Landes müssen viele Merk- 

/ würdigkeiten

|P_335

/anzutreffen seyn, indem die Einwoner vorgeben,
daß daselbst eine Stadt mit ihren Einwonern
Vieh und allem was darinnen ist, versteinert wor-
den. Zwar hat der englische Consul [???] die Falsch-
heit des Vorgebens entdeket, indem auf
sein inständiges Anhalten bey der Landes
Regierung, es möchte ihm ein versteinerter
Mensch vorgezeiget werden, ein Cupido mit
abgeschlagenen Flügeln ihm präsentiret
wurde; dem ohngeachtet muß die Stadt von
Bildern Statuen und alterthümischen Sel-
tenheiten voll seyn.

/Die Insel Bourbon bey Afrika ist die, auf der
der Coffee am häufigsten wächset. Bey ihrer
Entdekung hat man keine Menschen gefun-
den aber viele Obelisquen und wurde von
Ton verfertigte Säulen, die so hoch als die
Koppeln der PfarrKirche zu Paris sind, daß
man unter ihnen leicht verirren konnte.
Dis zeiget von der Anzahl der alten Einwoner
An einigen Orten unter disen Inseln findet
man, daß sie Bernstein gehabt haben, welches
sie nothwendig aus Preussen erhalten haben
müssen. Da es ungbegreiflich, wie die
Alten ohne Congresse so weite Reisen mit
eben der Geschwindigkeit wie aniezt haben

/ verrichten

|P_336

/können, so ist es zu vermuten, daß sie sich der Por-
tagen bedienet haben, wie solches noch an-
iezt in Siberien gebräuchlich ist, da sie nehm-
lich das Fahrzeug von einem Fluß zum andern
trugen.

/Die Insel ¿ Ascension ist eine der glüklichsten,
weil sie hier den Anfällen der Feinde ge-
sichert ist. Sie liegt auf einem hohen Felsen.
Von hier kann man den Feind bey Tage wei-
ter übersehen als er des Nachts seegeln kan,
mithin vermag er nicht, sie zu überfallen
Ueberdem kann man den Zugang zu ihr der
nur ein eintziger ist, iedem Feinde hemmen
mit einer Kanone oder grossen Stein.

/An allem was ein Mensch bedarff, hat sie einen
Ueberfluß.

/ ≥ America

/ist von den andern Welttheilen gantz %.und gar
unterschieden selbst durch die Producte %.und
LandesGewächse, die unter demselben Clima
%.und HimmelsGegend verschieden sind.

/Es wird eingeteilt in Süd und NordAmerika
die durch die ErdEnge Panama verei-
niget sind. δblank In SüdAmerika sind
folgende Länder merkwürdig.

|P_337

/Terra_del_Fuego eine Insel die aus einer Menge
von kleinern Inseln besteht, die von herum
streichenden Nationen bewohnt werden, die sich
von nichts als Seevögeln und Fischen nären
können.

/Chili hat Einwoner, die sehr tapfer und im
höchsten Grad unempfindlich sind, sie sind
geneigt zum Aufruhr %.und besitzen die Gabe
ihre Desseins und Absichten geheim zu hal-
ten, wodurch sie äusserst gefärlich werden
Sie haben die Gewohnheit, unter den Lippen
sich ein Loch einzuschneiden, in welches sie
einen grünen Stein setzen, der von kei-
nem andern als dem Diamant ange-
griffen werden kan. Man bemerkt, daß
ihm die Einwoner allerhand Figuren als
von einem Rindkopf geben können, daher
haben einige geschlossen, daß er aus dem
Schlamm der in ihrer Gegend ist, wenn er
verhärtet worden, erzeuget werde.

/Peru wird von der Natur unterschieden
in gebürgigte und niedrige Gegenden
In den gebürgigten Gegenden liegt Lima

/ die

|P_338

/Die vornehmste Stadt und in den niedrigen
Quitto, welches kläglich aussieht. Die
Art, sich der Pferde die in die Wildniß
geraten sind, bey der Jagd zu bedienen
ist von den Einwonern zu merken. Hier
ist ein grosses Silberbergwerk, aus dem
seit 200 Iahr iährlich auf 20 Millionen
Piaster nach Europa gebracht werden.
Parraquay ist das Land, wo die Cordillairen
grosse Gußbäche und starke Reegen ver-
ursachen, diserhalb ist es schlimm, daselbst
zu reisen, denn man muß auf dem Wege
über hohe und steile Felsen, die von dem
häuffigen Wasser ausgewaschen sind, allein
auf den MaulEsel, der aber offt herunter
glitschet, sein gantz Vertrauen setzen.
Brasilien ist wegen der gesunden Lufft
bekannt, indem daselbst ein immerwäh-
render Sommer und Frühling herrschet.
Das Land wird genutzet %.und angewandt

/ zum

|P_339

/zum Coffee und Zukerbau bis auf 15 Meilen
einwärts in das Innre des Landes und hier
werden die Neger am häuffigsten gebraucht
in den Pflantzungen. Warum die Europäer
die Neger mit so grossen Kosten aus Afrika
holen und hieher bringen zu diser Arbeit,
ist noch unbekand. Vermuthlich ist es die
Unempfindlichkeit der Amerikaner, welche
macht, daß sie sich so zu sagen, durch nichts
bändigen lassen, warum sie nicht zu diser
Arbeit genommen werden. Obwohl mehr
Neger als Europäer allhier angetroffen
werden und die Neger ihrer «Le» Leichtsin-
nigkeit wegen sehr geneigt sind zu Empö-
rungen, so wissen die Europäer doch, sie
in Schranken zu setzen durch die Härte
der Straffen, denn wenn ein Neger einen
Weissen nur schlägt, wird er schon lebendig
verbrannt und auch, daß die Neger wissen
daß sie keine Zuflucht bey den Amerikaner
finden würden auf den Fall, daß sie ver-
lieren möchten, weil die Amerikaner

/ eher einen

|P_340

/Weissen als einen Neger leyden können, sie
würden also gantz vertilget werden durch die
vereinigte Macht der Europäer und Amerikaner.
Viele von ihnen schaffen sich daher durch den
SelbstMord aus der Welt, indem sie glau-
ben, daß sie in ihrem Vaterlande aufstehen,
wenn sie in einem fremden Lande sterben
und von disem Glauben lassen sie sich durch
nichts abbringen.

/Das Missions_Land. In disem Lande führen
die Iesuiten das Regiment. Sie lassen es
anbauen von den Wilden. Sie reichen
ihnen Ausspeisungen aber von ihrer Erndte
lassen sie ihnen nichts zu kommen und gehen
überhaupt mit ihnen um wie mit Kin-
dern, Sie geben sich die größte Mühe, sie
zu unterrichten, aber sie bleiben so ein
fältig wie sie sind. Nicht einmahl das Zäh-
len ist ihnen beyzubringen, denn sie haben
eine langsylbigte Sprache, dis alles zei-
get an, daß ihnen die Natur schlechtere Fä- 

/ higkeiten mitge- 

|P_341

/mitgegeben als andern rohen Nationen.
Auf der ErdEnge Panama findet man vile
Albinos und in den übrigen «Nationen ¿»
Landschafften Nationen, die Menschen fressen
als die Karaiben auf der Insel Lucia, die
bis auf <eine> kleine Anzahl gantz ausgerottet
sind zu unserer Zeit.

/In Lima wird ein grosser Aufwand gemacht
und mehr Staat getrieben wie in Europa,
nur die Moden sind verändert, als daß das
Frauenzimmer Tobak rauchet.

/Die Stadt Havana auf der Insel Cuba ist
das Rendevous und der Sammelplatz aller
Schiffe, die nach Europa seegeln wollen.

/ ≥ NordAmerica

/Die Einwoner von NordAmerika äussern
den größten Verstand vor allen übrigen Wil-
den. δblank Man bemerkt überhaupt, daß
sich die Wilden «¿¿» einander sehr ähnlich sind
und dis ist auch in NordAmerika, sie nennen
sich daher Brüder, wenn Friede ist. Ihre Tugend

/ setzen

|P_342

/ist die Tapferkeit und die Ausübung der Rache
wenn sie beleidiget sind, weshalb sie auch ihre
Kinder gleich von Kindheit an zur Unempfind-
lichkeit angewönen. Wenn sie in den Krieg
gehen, so hauen sie ihre Axt in den Baum
tanzen und überfallen ihre Feinde. Durch
das Tanzen verbinden sie sich zum Kriege
Weil sie beständig Kriegen, so erlernen
sie schon in ihrer Jugend allerley Künste
zu disem Behuff, als an einen troknen
Ort die Fußstapfen eines Menschen ken-
nen zu lernen, ob er eine Manns oder
Frauens Person gewesen und von welcher
Nation. δblank Sie verzehren keine
todte Menschen, wie selches keine Nation
tuth sondern nur ihre Feinde, die sie lebend
gefangen erhalten, die hernach mit ge-
wissen Feyerlichkeiten geschlachtet wer-
den. Sie führen nehmlich ihre Kriegs_Ge-
fangne gebunden mit sich, bey ihrer An-
kunfft zu Hause werden sie vorgestellet
den Witwen die ihre Männer, den Vätern
die ihre Söhne verloren haben, gefällt

/ der Kriegs_Gefangne

|P_343

/einer Witwe oder einem Vater, so wird er gleich
in ihrer Nation aufgenommen, hat er aber nicht
das Glük zu gefallen, so wird er wohlgehal-
ten bis an den Tag der Execution, als denn
wird er an einen Pfahl gebunden, an disem
Pfahl stimmt der Gebundene einen Gesang an
dem zwar melancholischen doch hochtrabenden
Tode und erhält die Freyheit, sich zu wehren
mit den Steinen die um ihn gelegt sind.
Hirauf wird er langsam zu Tode gequälet
Sie schlagen ihm Höltzer unter die Nägel, haken
das Fleisch in Stüken %.und speisen ihn zulezt auf.
Alle NordAmerikaner spielen in ihrer Jugend
aber vor ihrem 20ten Iahr werden sie me-
lancholisch. Ihre Weiber sehen sie wie Hauß-
thiere an, doch ist es ihnen erlaubt, weil sie
an dem Kriege Antheil nehmen, unter
sich Rath zu halten, ob der Krieg vor sich gehe@n@
soll oder nicht. Sie haben keinen Oberherr
sondern sind alle unter einander gleich, doch
wählen sie sich einen Anführer. Der Mord
wird bestrafft aber selten begangen unte@r@
ihnen, weil die Familie des Erschlagnen @so@
lange«n» wandert %.und aufsucht, bis der Mörde@r@

/ gleichfalls ins

|P_344

/ins Reich der Todten wandern muß. Ihre
Freundschafft hat viel mehr Enthusiasmus
als die Freundschafft der Europäer. Sie he-
gen einen Abscheu vorzüglich für dem
Diebstall, doch hat man bemerkt, daß sie
deshalb Niemand am Leben straffen sondern
nach der Grösse des Verbrechens und des
Gestohlnen mit Abnehmung einzelner Fin-
ger oder der gantzen Hand. Man lebt
also unter ihnen sehr sicher, weil sie ihre
Raubbegierde nur auswärts zu befridigen
suchen, wobey also die innere Ruhe erhal-
ten werden kann, wie solches unter allen
räuberischen Nationen geschiehet, als wozu
alle Wilden und also auch die NordAmeri-
kaner gehören. δblank Das Friedenszeichen
bey ihnen ist eine mit Laub umwunde-
ne Pfeiffe, die in der gantzen Gesell-
schafft herumgetragen wird, wenn der
Fride erfolget ist oder erfolgen soll.

/ Ihr

|P_345

/Ihr größter Reichthum besteht in Thierfellen
als vom Bär, besonders in Biber Fellen. Dise
tauschen sie aus und nehmen dafür einen
Kessel ein SchießGewehr ein Messer ein
Hemde einen Spiegel ein Brenn Glaß
von den Europäern.

/Die Einwoner diser weitläuftigen Län-
der leben von dem Mays oder türkischen
Waitzen und von der Iagd. Zur Iagd
wird ein grosses Terrain erfodert,
dis nehmen die Europäer nach und nach
ein in disen Ländern und schränken also
die eingebornen Einwoner täglich mehr
%.und mehr ein; diserhalb kann man sicher
behaupten, daß die Europäer den Nord-
Amerikanern zum Unglük hingekom-
men sind und daß mit der Zeit dise
Nationen gantz erlöschen werden, zu
mahl da die Weiber ihre Kinder sau-
gen wenn sie schon erwachsen sind, in wel-
cher Zeit sie nicht Kinder haben auch nicht
haben können. δblank Nordwärts

/ am

|P_346

/am St._Laurentius_Strohm wohnen die Es-
quimaus. Diese belassen beschreiben die Frantzo-
sen als eine grausame trotzige halsstar-
rige Nation die Engländer aber als eine milde.
Ihr Unterhalt ist kümmerlich, indem sie
nur von der Jagd leben und für dem
Hunger sich zu schützen, müssen sie offt
etliche 100 Meilen reisen in der
größten Kälte. Ihre gantze Familie
nehmen sie mit auf die Jagd und wenn
iemand nicht fortkommen kan mit der
Reise_Gesellschafft, so ist ihm nichts gewisser
wie der Todt. Sie haben nicht Cabanen.
Sie suchen die Gesinnung des Frauenzimmers
zu erfaren, ob sie der MannsPerson
gewogen sey, durch angestekten Schwe-
fel, den die MannsPerson in das Bette
des Frauenzimmers hält. Das Auslö-
schen des Schwefels wird für ein Zei-
chen der Gewogenheit angesehen.

/Die Grönländer auf einer Insel bey
Amerika sind klein von Statur und

/ haben

|P_347

/haben kurtze Haare, worin sie mit den In-
dianern übereinkommen. Sie nähren sich
von Fischen besonders von Seehundfleisch.
In ihrem Bluth findet man einem grossen
Grad der Hitze. Wenn einige zusammenlie-
gen in einer Cabane in der größten Kälte,
bringen sie doch eine solche Hitze hervor,
daß der Schweiß ausbricht. Dis kommt
vielleicht her von der Fettigkeit des See-
hund_Fleisches, indem das Oehl das Aus-
Troknen verhindert, welches die Kälte
gewönlich hervorbringt. Dis hat man da-
raus ersehen. Wenn ein Barometer nach-
dem es zuvor befeuchtet und inwendig
mit Wasser angefüllet worden, in den
Mund gesetzet ist, so ist dis Wasser in
ihm gefallen.

/Vorher hat dise Nation ohne Saltz gelebet.
Auch Graß haben sie nicht ausser dem We-
nigen, das auf den alten Mauren
der Kirchen wächset. Das macht einen

/ beträchtlichen Artikel

|P_348

/Artikel ihrer Handlung aus. Ihre Cabanen
haben nicht ein schräges Dach und sind also
dem Reegen gantz ausgesetzet, zumahl
da sie nur mit Rasen bedekt sind. Ihr
Holtz bekommen sie aus dem Wasser, es
ist das Treibholtz und sie wenden es
an zu ihren Cabanen Cuianen und
zu Rudern. Zum Brennen brauchen
sie dürres Mooß. Sie machen davon
eine Art Lampen, indem sie das ge-
trok«t»nete Mooß in «der» Ermang-
lung eines Kessels, in den Tropf-
stein werffen, der ein weicher Stein
ist. Sie empfinden keinen Ekel vor
dem Gestank und von ihrer Tapferkeit
weiß man nicht was zu sagen.

/Die Neger in Afrika verfallen aniezt
auch auf eine Art Tapferkeit. Unter
disem Vorwande richten sie grausame
Verwüstungen an, um Siegeszeichen
zu erhalten.

|P_349 δleer

|P_350 δleer

|P_351 δMs-349

/ ≥ Inhalt und Folge der Betrachtungen ≤
Vorbericht = 3.

/Die mathematische Geographie = 10.
Von der physischen Geographie selbst = 20.
Vom Wasser = 20.
Ein Archipelagus = 20.
Die Busen = 22.
Die Strassen = 23.
Die Meere nach allgemeinen Merkwürdigkeiten = 25.
Die Tiefe des Meers = 26.
Die Barren = 27.
Vom Ankern = 28.
Die Reehden = 28.
Der SeeGrund = 29.
Von der Perlen_Fischerey = 30.
Von der Farbe und Durchsichtigkeit des Meers = 31.
Von der Saltzigkeit des Meers = 34.
Von der Kälte und Wärme des Meers = 39.

|P_352
Der Druk des Wassers = 40.
Von der Bewegung des Meers = 42.
Die hohle See = 45.
Die Brandungen = 46.
Die Meerströhme = 47.
Erste Ursach der Meerströhme = 48.
Von der Ausdünstung des Meers = 49.50.
Die Strudel die 2te Ursach der Seeströhme = 51.
<δblank Ebbe und Fluth die 3te Ursach derselben = 65.>
Eißmeere = 52.
Treibholtz = 53.
Von dem Nutzen des Meers = 57.
Von der Ebbe und Fluth = 59.
Ursach der Strudel ist die Ebbe = 66.
Von den Inseln = 66.
Von den Banken = 28. 67.
δblank Vom Lande = 68.
Von der Schwere auf der Erde = 69. 70.
Von den unbekaanten Ländern = 73.
Thibet und Egypten = 76.
Neu_Holland = 81.
Das alte Grönland = 82.

|P_353
Das Bauwerk des vesten Landes = 83.
Von den Bergen = 86.
Die Höhe der Berge = 88.
Die Schnee_Gebürge = 90.
Die Eiß_Gebürge = 91.
Die Eiß_Thürme = 92.
Das Glätscher_Eiß = 94.
Von der dünnen %.und reinen Lufft auf den Bergen = 95.
Von den Höhlen = 97.
Vom Erdbeben = 102.
Von den feuerspeyenden Bergen = 108.
δblank Von dem Wasser
das zum vesten Lande gehöret = 112
Von den Quellen = 117.
Quellen, die sich nach dem Monde richten = 118.
δblank Von den Quellen
nach dem Inhalt und beschaffenheit des Wassers = 120.
Gesund_Brunnen = 126.
Saltz_Brunnen = 130.
Saltz_Teiche = 131.

|P_354
Dampfbäder = 132.
Quellen die versteinern = 134
Von den Flüssen = 136.
Der Lauf die Grösse die Breite der Ströhme = 138. 139
Die Gefälle der Ströhme = 140.
Das Austreten der Ströhme = 141.
Das Gold aus den Ströhmen = 145.
Von den Landseen und Morrästen = 146.
Von der Lufft = 148.
Eigenschafften der Lufft = 150.
Von den Krankheiten aus der ungesunden luft = 156
Von den Winden nach ihren Eigenschafften = 160.
Von den Verhältnissen der Witterungen
zu den IahresZeiten = 167.
Allgemeine Anmerkungen über die Witterung = 171.
Plan von der alten Geschichte der Erde = 175.
Von Revolutionen und Veränderungen
auf der Erde = 170
Von dem Zunehmen des Meers = 184.

|P_355
Der zweyte Theil
Von den ErdGeschöpfen und Producten = 194.
Von dem Menschen = 194.
Das Auszeichnende einer ieden GeschlechtsArt
oder Race = 206.
Leibes_Constitution Nahrungs_Mittel, Grösse
der verschiedenen GeschlechtsArten der Menschen = 209. 210.
Sonderbares in der LeibesGestalt der Menschen = 213. 214.
Verzierungen oder Verstümmlungen des mensch-
lichen Körpers = 215-218.
Verschiedene NahrungsMittel der Menschen = 218-220.
@Woh@nungen der Menschen = 220.
Verhältniß des weiblichen zum männlichen Geschlecht = 221.
Von den Thieren = 221.
Von den Haußthieren = 221-228.
Von andern Thieren = 229.
Das Hunde_Geschlecht = 233.
Das Katzen_Geschlecht = 236.
Von den Amphibien = 242.
Von den Fischen = 245.
Verschiedene Arten der Wallfische = 246.

|P_356
Drey merkwürdige Fischfänge = 250.
Von den Thieren, die nicht zum Gewürm
noch zu den Fischen gehören = 259.
Von den Schlangen = 259-261.
Von den Thieren die sich im Meer aufhal-
ten und schaaligt sind = 262.
Von den Perlen_Muscheln = 264.
Von den Insecten = 267.
Von den nützlichen = 268.
Von den schädlichen = 269.
Von den Vögeln = 270.
Von den Pflantzen = 270.
Erste NahrungsMittel des Menschen = 277.
Von den Bäumen = 278.
Von den Pflantzen im eigentlichen
Verstande = 287.
Von den Mineralien = 289.
Zeiten_Einteilung der Dichter = 293.
Von den brenbaren Materialien = 295.

|P_357
Von den Steinen = 297.
Gattungen der Edelsteine = 297.
Von dem National_Merkmahl und
den Gebräuchen einiger Völker = 305.
Das Reich China = 306.
Das Reich Japan = 311.
Das Reich Indostan = 313.
Das Land Tunkin = 317.
Persien = 318.
Die Türkey = 321.
Von den Völkern zwischen dem kas-
pischen und schwartzen Meer = 324.
Von den asiatischen Inseln = 326.
Afrika = 328.
Abyssinien = 332.
Egypten = 332.
Die barbarische Küsten = 334.
Amerika = 336.
NordAmerika = 341.

|P_358

/ ≥ Schriftsteller
aus denen die Nachrichten genommen ≤
Der Graf Marselli in der Geschichte des Donau
Strohms und des mittelländischen Meeres
Halley. Muschenbrok Gatterer. Herodotus
der Geschichtsschreiber. Professor Büttner in
Göttingen. Niebuhr in Dänemark. Walter
Releigh
. Condamine. Peaux französische Akade-
mici. Dampier. Forster. Olaffen in der
Beschreibung von Ißland. Grüner in der Rei-
sebeschreibung der Schweitz. Boacheff. Pallas
in seiner Reisebeschreibung. Jakob Bernouille
Naturlehrer. Lehmann. Ein spanischer Schrifft-
steller
. Linth ein englischer Schrifftsteller
Klein Secretair der Stadt Dantzig. Madame
Montesquie. Buffon Naturbeobachter. Wood
ein Engländer. Celsius Professor in Upsal
Delius in der Geschichte von Schweden.
Linnäus ein schwedischer Gelehrter %.und Freyherr
der Etats Rath Müller. Bring. der Hol-
ländische Ingenieur Krukings. Der Oberste
Rumberg. Blank in seiner Reisebeschrei-
bung. Maupertuis Präsident der Akade- 
mie der

|P_359
Wissenschafften zu Berlin. Montesquie
Ein ungenannter russischer Schriftsteller.
Winkellmann. Haller. Dellawald.
δRest_leer ≤