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Friedrich Samuel Bock: Versuch einer kurzen Naturgeschichte des preußischen Bernsteins und einer neuen wahrscheinlichen Erklärung seines Ursprunges (Königsberg: Zeise / Hartung 1767) [146 S.]
Exemplar: <12> digitalisiert


    Gliederbau
  1. 003: Von den Schicksalen des Bernsteins, in der Gelehrten Geschichte
  2. 016: Verschiedene Meinungen vom Ursprunge des Bernsteins
  3. 044: Erfahrungen und Bemerkungen, um den wahren Ursprung des Bernsteins zu erklären
  4. 073: Kurze Betrachtung über die innwendige Gestalt der Erde, und die mit ihr sich vormals zugetragene Veränderungen
  5. 101: Wahrscheinlicher Ursprung des Preußischen Bernsteins
  6. 122: Anhang / Preußisches Bernsteincabinett [Saturgus]

S. 3: Preußen machet sich durch den von der göttlichen Vorsehung ihm als eigenthümliches Geschenk zugetheilten Bernstein, auch in der Geschichte der ältesten Zeiten känntlich, [...].

S. 10:
/£{Doe-163',10}
Nero stellete zu Anfange seiner Regierung, im Jahr 55 nach Christi Geburt, zu Rom ein prächtiges Lustspiel an, so Plinius beschrieben, zu welchem eine große Menge Bernstein angewendet wurde. Ein römischer Ritter, Claudius Julian, muste für die Anschaffung des Bernsteins und die Auszierung der Schaubühne mit demselben sorgen, und es kam um solche Zeit ein Römischer Edelmann nach Preußen, der eine unglaubliche Menge Bernstein, und darunter ein Stück von dreyzehen römischen Pfunden einkaufte.

S. 30: Die Meinungen der neuern Schriftsteller, vom Ursprunge des Bernsteins haben Caesalpinus de Metallicis, L. II, c. 28. Rudbeck, Libauius, Hartmann, u. a. m. angeführet. Einige leiten ihn aus dem Foßilien- und Steinreich her, und halten ihn vor ein Erdharz; andre aber eignen denselben dem Pflanzenreich zu, und sehen ihn mit dem Plinius und Tacitus als einen Ausfluß gewißer Bäume an. Eine jede dieser Meinungen von dem Ursprunge dieses köstlichen Naturwerks, hat unter Gelehrten Beyfall gefunden; aber eine jede wird auch wiederum auf verschiedene Art von den Schriftstellern vorgetragen, und wir wollen die, so sich am meisten von einander unterscheiden, hiemit vorlegen.
Was diejenige betrift, die den Bernstein aus dem Foßilien- oder Steinreich, herführen; so halten es einige für das wahrscheinlichste, daß derselbe ein mit metallischen Theilen vermischtes und verhärtetes Erdharz sey, welches mit dem Gagates einerley Ursprung haben soll, zumal an beyden ein ähnlicher Geruch und einerley Electricität bemerket würde.

S. 31: Einige glauben, daß der Bernstein nichts anders sey, als ein verhärtetes Steinöl, (Petroleum, oder Oglio di Naphta,) dergleichen man von weißer, gelber und röthlicher, auch schwarzer Farbe am häufigsten im Modenesischen, Parmesanischen, Neapolitanischen, in Sicilien und in etlichen Insuln des Archipelagus, in Indien, in den mittägigen Gegenden Frankreichs, insonderheit in dem Dorf Gabian, nahe bey Besiers, und an andern Orte antrift.

S. 40: Ehe ich die Meinung derer, so den Bernstein zu den Foßilien zählen, verlaße, so will ich nur noch den Herrn Robinett anführen, der in seinem Buche von der Natur die sonderliche Meinung mit übertriebener Einbildung und Zuversicht vorträget, daß alle Stücke des Foßilienreichs aus Saamenkeimlein, ja aus organisirten Saamenthierchen erzeuget würden. Hierinn gehet er so weit, daß er auch auf gleiche Weise die Entstehungsart des Bernsteins sich vorstellet.

S. 78f.: Der Beweiß von so merklichen Veränderungen der Erdgestalt, darf nicht erst aus weit entlegenen Ländern hergeholet werden, da wir solchen in Preußen und in der Nähe vor uns sehen. Preußens gegenwärtige Gestalt, ist von der, welche dieses Land in vorigen Zeiten gehabt, sehr merklich unterschieden. [...] Ich gedenke hiebey vornemlich der beyden schmalen Erdstriche, zwischen dem frischen und Curischen Haabe und der Ostsee, die auf der Landcharte von Preußen, unter dem Namen der frischen und Curischen Nehrungen [dazu die Anm.: Es scheinen diese schmalen Erdstrecken daher den Namen empfangen zu haben, daß solche, da sie vorher unter dem Waßer befindliche Sandbanken gewesen, als sie sich über die Fluth erhoben, einigen Einwohnern durch den neuen Land und Ackerbau, die Nahrung geliefert.] bekannt sind, die vormals unter dem Waßer, nicht anders als itzo noch die Strecke von Klippen bey Brusterort gewesen, sich aber über die Fluth erhoben, und nun zwo ansehnliche Landschaften vorstellen. Die verschiedenen Meinungen der Gelehrten, von der Gestalt der Erden, und wie die Veränderungen derselben sich könnten zugetragen haben, allhie hinlänglich anzuführen, ist für uns zu weitläuftig, und dörfte auch wenig zu unserm Zweck beytragen. Was Thomas Burnett, William Whiston, D. Woodwards, Maillet, und andre davon geglaubet, ist aus andern Schriften hinlänglich bekannt und von vielen wiederholet worden. Dem berühmten Valisnieri / haben diese innwendige Erderscheinungen vieles Nachdenken verursachet, woraus die zwo Dissertationen entstanden, die er in Gestalt der Briefe 1721 geschrieben. [...] Der Profeßor Krüger, in seiner Geschichte der Erden in den allerältesten Zeiten [Halle 1746] muthmaßet aus der gegenwärtigen, sowohl äußerlichen als innerlichen Gestalt der Erden, und denen in selbiger befindlichen Cörpern, daß die Erde einsten über und über flüßig gewesen, und durch das tägliche Umdrehen eine sphäroidische Gestalt bekommen, in ihren Waßern aber sich Fische befunden. Hierauf sey eine Entzündung des ganzen Erdbodens, samt einem Erdbeben erfolget, wodurch das Waßer verraucht, die Fische gesotten, und in dem Sumpf begraben worden, woraus hernach der Schiefer entstanden. Auf dieses Erdbeben sey noch ein anderes erfolget, welches nicht nur die Schiefer zerrißen, sondern zugleich ganze Felsen zerspalten, und dergestalt zertrümmert habe, daß ein großer Theil davon in Sandkörner zermalmet worden.

S. 81: Nach allen diesen Beobachtungen, läßet sich die natürliche Folge machen, daß ehemals allda Meer gewesen, wo itzo vestes und bewohntes Land anzutreffen, und wo itzo Meer und Waßer ist, ehemals vestes Land gewesen.

S. 93-95: [antike Quellen]

S. 101: Den Ursprung des Preußischen Bernsteins zu entdecken wird Vernunft und Erfahrung erfordert.

S. 102:
/£{Kae-466,21} /
Wir schlagen uns zuförderst zu derjenigen Parthey, welche den Bernstein für ein Stück des Pflanzenreichs hält, und behaupten, daß derselbe aus einem würklichen Baumharz entstanden, der auf den Bäumen, oder an der Erde, bey dem Ausschwitzen der kienigten Wurzeln, weich gewesen.
[Im Prinzip die 'richtige Erklärung': via Erdveränderung kam das Harz unter die Erde und wird aus einer Schicht teils von der Ostsee ausgeschwemmt.]

S. 122f.:

VI. Anhang

Ich habe mich in dem Versuch dieser kurzen Naturgeschichte von dem Preußischen Bernstein, einige mal auf das vortrefliche Naturaliencabinett, des Herrn Comercienrath Saturgus, bezogen. Der darinn / befindliche Vorrath von Bernsteinstücken, die zur Naturgeschichte dieses Preußischen Kleinodes gehören, hat eben diesen meinen Versuch veranlaßet, indem unter der Beschäftigung, diese zahlreiche Sammlung in Ordnung zu bringen, und jedes Stück zu seiner Claße anzuweisen, in mir die Ueberlegungen von dem Ursprunge desselben erwecket worden. Ich habe von diesem ganzen Naturaliencabinett in den hiesigen Kanterschen Gelehrten und Politischen Zeitungen, vor drey Jahren, eine kurze Anzeige derer darinn befindlichen Claßen, überhaupt bekannt gemacht, welche Nachricht auch nachher besonders abgedruckt worden. Da der schon damals geäußerte Wunsch, daß das ganze Verzeichniß von diesem Naturalienschatz der Welt im Druck möchte vorgeleget werden, damit auch den Auswärtigen bekannt würde, von wie großem Umfange und Innhalt dieses Cabinett sey, noch nicht so bald zur Erfüllung dörfte gebracht werden; so giebet mir die gegenwärtige Abhandlung Gelegenheit, daß Verzeichniß von der Bernsteinsammlung, die sich darinn befindet, mitzutheilen, und mit demselben zugleich eine Probe zu liefern, in welcher Art künftig der allgemeine Catalogus in lateinischer und deutscher Sprache könnte abgefaßet werden.


Datum: 25.09.2015 / 29.09.2016 / 14.06.2017