Knopf:UB Patriot
(Hamburg 1756-1758)
Knopf

Der physikalische und oekonomische Patriot.
Oder Bemerkungen und Nachrichten aus der Naturhistorie, der allgemeinen Haushaltungskunst und der Handlungswissenschaft
(Hamburg: Grund 1756-1758, 3 Bde.)
Exemplar: digital StUB Göttingen

Nota bene: Nicht benutzt für Ak. XXVI.1 (2009)

Weiterer Hinweis: Für Kant's ›Geschichte und Naturbeschreibung der merkwürdigen Vorfälle des Erdbebens [...]‹ (Königsberg 1756) können Unzer's Darlegungen nicht in Gänze als literarische Quelle fungiert haben; denn die Kantische Schrift hat bereits am 21. Febr. 1756 der Zensur vorgelegen: Ak, I: 570. - Gleichwohl ist sie von hohem Interesse,, denn Unzer weist zahlreiche Quellen zu Einzelheiten nach, die Kant - ohne Nachweis - ebenfalls nennt.


Bd. 1: 1756

Abhandlungen von der inwendigen Struktur unserer Erde. (1. und 2. Quartal)

Erneuter Abdruck in Unzer 1767


    Schreiben
  1. 1-16: Historie der Erdbeben / 26. Januar 1756.
  2. 17-24: Höhlen (Struktur der Erde) / 2. Februar.
  3. 25-32: Daß das veste Land überall voller Wasserbehältnisse und Wasserleitungen sei. / 9. Februar.
  4. 33-41 : Daß der Grund des Meeres dem vesten Lande ähnlich sey, und die Meere unter einander zusammenhängen / 16. Februar.
  5. 42-48: Wie unterirdische Entzündungen entstehen können? Imgleichen von den Erdbränden, der Gewalt entzündeter unterirdischer Dünste / 23. Februar.
  6. 49-56: Von den feuerfangenden Wassern, heissen Bädern, und dem unauslöschlichen Feuer / 1. Merz
    • S. 61:
      /£{He8-21}
      [...] zu den Zeiten des Vespasians ist es [daß der Vesuv], die Städte Heraclea und Pompeja, die man itzt wieder aufgräbt, unter den Schutt begraben hat. Die Asche ist bis Afrika, Syrien und Aegypten geflogen, und zu Rom hat sie die Sonne verfinstert. Die Vögel in der Luft erstickten, und die Fische im Wasser starben von der Hitze und dem Gestanke. [Verweis auf Varenius, Cap. 10, prop. 3, n. 3]
      S. 63: [Auf Island 1721 bei dem heftigen Ausbruch eines Vulkans:] Damals ist die Asche mit dem Windstriche nicht allein über die ganze Insel, sondern noch einige Meilen weiter in die See, über 30 Meilen weit, auf ein Schiff geflogen. Drey Tage verdunkelten Dampf und Asche das Licht der Sonne, [...].
  7. 57-64: Beschreibung der vornehmsten feuerspeyenden Berge von Europa / 8. Merz
  8. 65-72: Von den feuerspeyenden Bergen ausserhalb Europa / 15. Merz.
    • S: 71: Diese unterseeischen Feuermagazine sind das erschrecklichste und fürchterlichste, was in der Natur ist. Sie sind es, die die weitläufigsten Erd-Erschütterungen erregen, die ganze Zonen Landes verwüsten, dahingegen die Entzündungen über dem Wasser nur kleine Striche Landes durch den Gegenstoß in Bewegung setzen.
  9. 73-80: Daß der Meeresboden den Entzündungen eben so, wie das veste Land, unterworfen sey, imgleichen von einigen leuchtenden Erscheinungen zur See, und den Orkanen / 22. Merz.
    • S. 79: Bey den meisten Erdbeben ist vorher stilles Wetter; bald darauf aber bemerkt man eben die Wirkungen, welche sich bey den Stürmen als Vorboten einfinden. Man sieht ein Gewölk am Himmel, das Meer blähet sich auf, die Sonne wird von den Dünsten des Luftkreises entfärbt, es entsteht ein Schwefeldampf, der sich riechen läßt, und es erfolgen viele ungewöhnliche feurige Luft-Erscheinungen. Alle diese Begebenheiten haben sich bey dem Erdbeben vom 1sten November 1755, und nach demselben ereignet, und Sie können daher leicht erachten, woher das erstaunliche Aufschwellen des Wassers ggekommen, das sich eine Zeit nach dem ersten Stoße der Erd-Erschütterung eingefunden.
  10. 81-88: Daß unter dem Boden des Weltmeeres überall Feuer anzutreffen sey / 29. Merz.
    • S. 82:
      £{He8-44}
      Anton Lazzaro Moro, ein gelehrter Naturforscher, hat in einer eigenen ausführlichen Schrift beweisen wollen, daß alle Inseln von unterirdischem Feuer in die Höhe getrieben worden. Er hat Unrecht: denn es giebt Inseln, die unstreitig bloß von Strömen gemacht werden. und ich liebe überhaupt die Meynungen in der Naturlehre nicht, die alle Erscheinungen aus einerley Ursache erklären.
    • S. 84: Es ist Ihnen aus meinem 2ten Briefe bekannt, daß die sogenannten Wasserhosen, oder Typhonen, ein Feuer sind, daß aus dem Meeresboden aufsteiget, und das Wasser in die Höhe reißt.
  11. 89-96: Mehrere Beweise, daß unter dem Boden des Weltmeeres überall Feuer anzutreffen sey / 5. April.
    • S. 96: Diese Menge von Gründen überredet mich, den Boden des Oceans für ein Gewölbe zu halten, worunter ein beständiges Feuer glimmt, das besonders an denjenigen Oertern, wo Klippen, Felsen und Inseln stehen, seine Gewalt geäussert hat.

  12. 157-164: Daß unter dem Boden des mittelländischen Meeres seit uralten Zeiten ein beständiges Feuer glimme / 31. May.
  13. 165-172: Spuren unterseeischer Entzündungen in den nordischen Meeren / 3. Juni.
  14. 173-180: Ob das Feuer der feuerspeyenden Berge nur in ihren Gipfeln brenne? / 7. Juni.
  15. 181-188: Daß die Feuerschlünde des Erdboden eine unterirdische Gemeinschaft untereinander haben / 14. Juni.
  16. 189-196: Begriff und mögliche Ursachen der Erdbeben / 21. Juni.
  17. 210-218: Von der Natur, den Ursachen und der Fortpflanzung der Erdbeben, die mit Feuer-Ausbrüchen verbunden sind / 12. Juli.
  18. 259-268: Daß die weitläuftigen Erdbeben ohne Feuer-Ausbrüche von tiefen, gewaltigen unterseeischen Entzündungen herrühren. / 23. August.
    • S. 266: Dieses System, daß die weitläuftigen Erdebeben ohne Feuer-Ausbrüche von großen und tiefliegenden unterseeischen Entzündungen herrühren, wird von allen Erfahrungen bey dergleichen Erdbeben so gründlich bestätiget, daß man unmöglich zweifeln kann, daß es das einzige wahre sey.
  19. 269-276: Wie die Aufwallung des Meeres und die Veränderungen in den übrigen Gewässern der Erde von Entzündungen gewirkt werden / 30. August.
    • S. 270:
      £{Ak, I: 436, 22ff. ?} / £{He8-19}
      Es giebt wirklich öfters Erdbeben, die nur an den Küsten gespüret werden, und mit unterseeischen rollenden Donner verbunden sind. Sie sind an den schwedischen Küsten häufig, und man hat sie auch an den Ufern großer Flüsse, wie denn einstmals ein Erdbeben längs an den Ufern der Elbe hinauf ist gespüret worden.
    • S. 273: Ich könnte der Beobachtungen von dieser Art leicht noch mehrere anführen, wenn es nöthig wäre, und Sie werden die neueste vom 1sten November 1755 selbst hinzufügen, wo das Erdbeben in Portugall und an den spanischen und andern Küsten bey heiterm Himmel und stiller See anfinge, und das Zurückweichen, und der darauf folgende Einbruch der See erst nach dem ersten Stoße des Erdbebens erfolgte.(26)
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      Note 26: Nach dem Zeugnisse eines ausführlichen Originalschreibens aus Lissabon, welches im 203ten Stück des Hamb. Correspondenten vom Jahre 1755 bekannt gemacht worden, und die ordentlichste und zuverläßigste; Beschreibung dieses Erdbebens in sich enthält.

27. December 1756,
S. 409-411: Untersuchung, warum die heutigen europäischen Völker kein Pferdefleisch essen.

£{Hes-104 gefunden: 13.02.2022}
S. 411: Der Papst, Gregorius der Dritte, schreibt in einem Briefe an den Bonifatius, den Apostel der Deutschen, folgendermaßen: ›Ihr habt mir gemeldet, daß es unter ihnen einige giebt, die das Fleisch sowol der wilden als zahmen Pferde essen. Gestattet dies keinem mehr, heiliger Bruder, sondern verhindert es durch alle möglichen Mittel in Jesu Christo, und leget ihnen strenge Buße auf.‹


Datum: 11.02.2022 / 14.02.2022 / 17.02.2022