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Salmon (1732ff.)

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Gesamttitel

Die heutige Historie oder der gegenwärtige Staat von allen Nationen, worinn ihre Länder, Lage und Beschaffenheit, ihre Personen, Kleidung, Gebäude, Sitten, Gesetze, Gewohnheiten, Religion, Policey, Künste und Wissenschaften, Handlung, Handwercke, Acker-Bau, Pflantzen, Thiere, Mineralien und andre Merckwürdigkeiten ausführlich beschrieben werden. [...] aus dem Englischen Original des Herrn Capitain Salmon ins Teutsche getreulich übersetzt und mit den Zugaben des Herrn M. van Goch, M. D. aus der Holländischen Edition vermehret.
1732ff.

Benutzt ist das Darmstädter Exemplar in <17> Gü 13.155. Der in dieser ansonsten vollständigen Serie fehlende Band über die Sunda-Inseln (1733b) nach dem Berliner Exemplar <1> Up 7564.
Der 1747 erschienene Band auch; SBBPK Berlin: Bibl. Diez qu. 610:1


Einzeltitel

[SAN]
  1. Der heutigen Historie oder des gegenwärtigen Staats aller Nationen, Ersten Teils erstes Stück, enthaltend eine umständliche Beschreibung des grossen Kaiserthums China, wie auch der Königreiche Tonquin und Cochin-China, aus dem englischen Original des Herrn Capitain Salmon und mit den Zugaben des Herrn M. van Goch, aus der holländischen Edition vermehrt, ins Teutsche getreulich übersetzt von A. H. [192 S.] (1732) [Sprung: China]
  2. Der heutigen Historie, oder des gegenwärtigen Staats aller Nationen, Ersten Theils anderes Stück, enthaltend eine umständliche Beschreibung des grossen Kaiserthums Japan, an statt der kurtz gefaßten des Herrn Capitain Salmon von dem Herrn M. van Goch, M. D. in Holländischer Sprache entworffen und anitzo ins Teutsche übersetzt von A. H. (1733) [Sprung: Japan]
  3. Die heutige Historie oder der gegenwärtige Staat der orientalischen Inseln, und nahmentlich der Ladronischen, Philippinischen und Moluckischen, wie auch der Insel Celebes oder Macassar, des Herrn Capitain Salmon nebst den Holländischen Anmerckungen und Zusatzen des Herrn M. van Goch, M. D. in Teutsche übersetzt von A. H. (1733a) [Sprung: Latronische Inseln]
  4. Die heutige Historie oder der gegenwärtige Staat der Sundaischen Insuln, als Borneo, Java und Sumatra, nebst einem doppelten Anhang von dem gegenwärtigen Staat I. der Nicobarischen und Andomanischen Insuln, und II. des Landes der Papuas, nebst den umliegenden Insuln, [...] [235 S.] (1733b) [Sprung Sunda]
  5. Die Heutige Historie oder der gegenwärtige Staats der Königreiche Siam, Pegu und Arrakan, nebst allen theils daran gräntzenden, theils darzu gehörigen Ländern von Tonquin und Cochinchina, bis an den Fluß Indus und das Reich des grossen Moguls; nach Anleitung Herrn Salmons im Englischen, doch fürnehmlich aus dem Holländischen des Herrn D. van Goch, dem Deutschen Leser zu Dienst nebst einer Land-Charte herausgegeben (Altona: Korte 1735) [Sprung Siam]
  6. Die heutige Historie oder der gegenwärtige Staat von Indostan und Ceilon, oder dem eigentlich so genannten Indien, enthaltend eine ausführliche Beschreibung aller Reiche, Staaten und Länder des Grossen Mogols, und der Europäischen Handels-Plätze auf denen See-Küsten Malabar und Coromandel. Nach dem Englischen und Holländischen Herrn Salmons und Herrn v. Goch, In Deutscher Sprache nebst einer Land-Charte ausgefertiget. Altona und Flensburg, Bey den Gebrüdern Korte, 1736. [Sprung Indien]
  7. Die heutige Historie und Geographie; oder der Gegenwärtige Staat vom Königreich Persien. Enthaltend eine ausführliche Beschreibung dieses großen Reichs nach seinen Landschaften, Städten, Flüßen, Einwohnern, Natur- Letter- und Staats-Geschichten. Sonderlich den letzten großen Staatswechsel unter dem Schach Hossein, durch den Mir-Iweis, Maghmut, Eschref, und Kouli-Chan oder itzigen Schach Nadir Nach dem Englischen und Holländischen Herrn Salmons und Herrn van Goch dem Deutschen Leser zu Gefallen nebst einer Land-Charte herausgegeben. 1739. Im Verlag der Gebrüder Korte, Buchhändler in Flensburg und Altona. [Sprung Persien]
  8. Die heutige Historie oder der gegenwärtige Staat von Arabien und der grosen Tartarey, samt denen daran grenzenden Ländern. Nach dem Englischen und Holländischen Herrn Salmons und Herrn van Goch ins Deutsche übersetzt. Nebst einer Landcharte, und Abbildung des Coffee- und Palmbaums (Altona / Flensburg: Korte 1747) [Sprung Arabien]

[STR]
  1. Die Heutige Historie oder der Gegenwärtige Staat des Türkischen Reichs
    Erster Theil. Enthaltend eine ausführliche Beschreibung aller zu diesem grosen Kaiserthum gehörigen Reiche und Länder in Asien, samt Egyptens in Africa. Nach dem Englischen und Holländischen Herrn Salmons und Herrn van Goch in deutscher Sprache. Nebst einer Landcharte ausgefertigt. [402 S.] (Altona / Flensburg: Korte 1748) [Sprung Türkei]
  2. Zweyter Theil. Die Heutige Historie oder der gegenwärtige Staat der Europäischen Türkey als des gegenwärtigen Staats des Türkischen Reichs zweiter Theil. [...] Nebst einem Anhange des Uebersetzers bestehend in einer kurzgefaßten Geschichte der Türkenkriege [...] [192, 115 S.] (Altona / Flensburg 1749)
Benutzt sind die Darmstädter Exemplare: <17> Gü 13.156 und K 607.

|B_Sa-China__(1732)__
[ Salmon 1732:
China, Tartarey,
Tunking, Cochin-China
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Vierte Version (M. Witte)
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11. Oktober 2000 / 16.01.2006 / 28.06.2008
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|P_0
001: Kap 1 Lage und Grösse ..
015: Kap 2 Beschreibung des Städte, ...
026: Kap 3 der Chineser Genie, Statur, Complexion ...
041: Kap 4 Von ihren Manufacturen, Handlung ...
048: Kap 5 Natur des Erdbodens, Ackerbau, Gärten, Pflantzen, Thiere und Mineralien
058: Kap 6 Gelehrsamkeit, Künste und Wissenschaften ...
069: Kap 7 Titul des Kaisers, ...
085: Kap 8 Religion, ...
099: Kap 9 Heyrathen, Weiber, Kinder, ...
106: Kap 10 Leich-Begängnisse, ...
112: Kap 11 Corea, Insuln die zu China gehören ... Anmerckungen über der Chineser Handlung und Sitten
120: Kap 12 Nachricht von den Tartarn, die in diesem Reiche wohnen
122: Kap 13 Anhang I / Von dem einländischen und ausländischen Handel
127: Kap 14 Anhang II / Nachricht von den Schicksalen der Christlichen Religion in China, ...

142: Gegenwärtiger Staat von Tonquin
142: Kap 1 Lage und Grösse ...
150: Kap 2 Städte, Festungen, [...] wie auch von dem Naturell, Temperament ...
158: Kap 3 Handwercke, Kauffmannschafft, ...
163: Gelehrsamkeit, ...
170: Gottesdienst, ...

175: Gegenwärtiger Staat von Cochin-China
175: Kap 1 Name, Lage, Grösse, ...
178: Kap 2 König, Regierung, ...
182: Kap 3 Gottesdienst, ...
183: Kap 4 Leibes-Gestalt, Naturell ...
187: Kap 5 Von ihren Künsten und Wissenschafften, ...
189: Kap 6 Beschreibung der Insul Condore, und eine Nachricht von dem Untergang der Englischen Colonie
192: Letzte Seite

|P_7
£{Hol-228,22-25} / £{Rin-377,06-08}
»Da China sich vom 21sten Grad bis auf den 42sten Norder-Breite erstrecket, so ist der längste Tag im Süden ohngefehr vierzehntehalb Stunden, im Norden aber 15 Stunden lang. Die Nördlichen Provintzen haben gemeiniglich einen sehr starcken Winter 4 Monathen hindurch, vom Anfang des Novembris nehmlich, bis zum Anfang des Martii, sintemahlen die Flüsse und Graben durchgehends so dick mit Eiß beleget werden, [...]. In den Südlichen Provintzen wissen sie von keinen Frost oder Schnee, [...].«

|P_12
£{Hol-229,02-13} / £{Rin-377,11-18}
»Von diesem grossen Canal sind wieder unterschiedliche schmählere gezogen, welche abermahls in kleinere Bächlein vertheilet werden, so gemeiniglich sich bey einem Dorff oder Städtgen endigen. Uber diese Canäle haben sie allenthalben Brücken geschlagen von drey - fünf - oder sieben Schwibbogen lang. Der mittelste Schwibbogen ist immerfort von solcher Höhe, daß die Schiffe unter durch gehen können, sonder ihren Mast abzunehmen. [...] Einer von diesen, der grosse Canal genannt, gehet von Canton, der südlichsten Landschafft in China, bis an der Haupt-Stadt Peking in Norden. Selbiger ist in einer Strecke 1200 Meilen lang, [...]. Weil in einem solchen langen Strich Landes das Erdreich nicht allzeit eben seyn kan, so haben sie an statt der Schleusen unterschiedliche grosse Wasser-Fälle, die nach Beschaffenheit der unterschiedlichen Höhen einen mehr oder weniger schnellen Fall haben. Nahe an diesen Wasser-Fällen sind ein Hauffen Leute postiret, welche die Schiffe so gegen den Strom seegeln hinauf ziehen müssen. Am Ufer der Ströme sind unterschiedliche Krahnen hingestellet. An selbigen befestigen sie das Schiff rund umher mit starcken Thauen, und ziehen es alsdenn mit grosser Mühe und Gefahr in den obersten Canal hinauf. Der Gebrauch der Schleusen ist ihnen gäntzlich unbekandt, [...].«

|P_15
£{Hol-229,14-19} / £{Rin-377,18-22}
»Erstlich also von der grossen Maur zu handlen, [...]. Die gantze Länge mit allen Krümmungen soll sich nach Le Comte seinem Bericht auf 1500 Meilen erstrecken. In gerader Linie aber von Westen zu Osten mag es wohl kaum die Helffte seyn. Diese Mauer ist von Quader-Steinen erbauet, mit einem so wohl zubereiteten Mörtel, daß sie nunmehro 1800 Jahr gestanden ([...]) und doch sehr wenig verfallen ist. Einige Nachrichten melden, daß die Maur viele Ellen dick und ungemein hoch sey; aber die Czarische Gesandten nach China, und andere, welche die Mauer neulich gesehen, haben befunden, daß sie nur 4 Faden dick, und ungefehr 30 Fuß hoch: so breit aber, daß 8 Mann neben einander auf der Spitze reiten können. Le Comte will, daß sie nur 5 Fuß dick sey, und nicht nahe so hoch, als die Mauren ihrer Städte. Aber er hat entweder einen Irrthum bey Abmessung der Dicke dieser Mauer begangen, oder es sind durch einen Druck-Fehler fünf Fuß vor fünf Ellen gesetzet worden: Denn alle stimmen darin überein, daß sie ungefehr 5 Ellen dick, und zehn hoch sey.«

|P_16
£{He8-72}
Die Maur ist ferner mit vielen viereckigten Thürmern befestiget, welche nach etlicher Meynung eine Meile, nach anderer zwey Bogen-Schuß weit von einander liegen.

£{Hol-229,19-23} / £{Rin-377,22 - 378,01}
»Die Chinesische Städte sind alle, so fern als der Grund es leydet, in einer Form, das ist im Viereck gebauet. Zwey grosse Strassen gehen immer creutzweiß mitten durch die Stadt, und theilen selbige in 4. Viertheil; in dem Mittel-Punct der Stadt also, kan man 4 Haupt- Strassen auf einmahl sehen. Die Thore stehen gerade gegen Osten, Westen, Norden und Süden.«

|P_18
£{Hol-229,23-24} / £{Rin-378,01-02}
»Die Mauren dieser Stadt [Peking] sind 50 Ellen hoch, wie etliche schreiben.«

|P_22
£{Hol-229,24-27} / £{Rin-378,02-05}
»Vor den Thoren der Stadt Nanking stehen unter andern zwey merckwürdige Thürmer. Der eine wird der Porcellan-Thurm genannt, und ist in achteckigter Figur 9 Stock-Werck und 200 Fuß hoch aufgeführet. [...] Dieser Thurm hat schon über 400 Jahr gestanden, und ist noch recht wunder-schön anzusehen. Le Comte siehet ihn, für das artigste und am besten ausgesonnene Gebäude im gantzen Orient an.«

|P_27
£{Hol-230,10-13} / £{Hol-230,23-24} / £{Rin-378,13-15} / £{Rin-378,22-23}
»Sie sind immer beflissen die Neigungen und Gemüths-Beschaffenheit derjenigen, mit welchen sie zu thun haben, zu entdecken; und fangen gar, in solcher Absicht, einen recht vertraulichen Umgang mit ihren grösten Feinden an. [...]
Es fallen keine Duelle unter ihnen vor, denn ihre gantze Rache bestehet in heimlichen Streichen. Sie können ihre Bosheit nicht nur verbergen, sondern scheinen auch bis zum äussersten Grad der Unempfindlichkeit gedultig zu seyn; bis sie eine bequemere Gelegenheit finden, ihrem Feind ein Bein unterzuschlagen.«

|P_28
£{Hol-230,02-09} / £{Rin-378,07-12}
»Es stimmen aber dennoch die meisten Scribenten darinn überein, daß die Chineser gröstentheils Leute sind, mit breiten Gesichtern, schwartzen Haaren, kleinen duncklen Augen, kurtzen Nasen, und einem dünnen Bart, welchen sie langshin am Kinn und den Ober-Leffzen wachsen lassen. Sie ziehen aber ihre Bart-Haare mit Zängleins an der Wurtzel aus. [...] Die Gelehrten lassen die Nägels an ihrer lincken Hand 2 oder 3 Daum-breit länger, als die Finger wachsen, um sich dadurch von den Künstlern zu unterscheiden.
Die Chineser sehen einen Menschen vor schön an, der lang und fett ist, doch muß er nur ein wenig grösser als ordinaire seyn. Wann er darbey eine breite Stirne, kleine Augen, eine kurtze Nase, grosse Ohren, kleinen Mund und einen langen Bart hat, wird er für einen vollenkommen schönen Kerl gehalten. Eine grobe Stimme wird auch für keine geringe Vollenkommenheit angesehen, [...].«

|P_29
£{Hol-231,01-04} / £{Rin-378,26-28}
»Am allermeisten aber sind ihre kleine Füsse zu bemercken, welche ihre gröste Schönheit ausmachen. So bald ein Mägdgen gebohren ist, werden ihre Füsse so hart eingewickelt und eingeschnüret, daß sie unmöglich wachsen können. Dahero sind sie schlecht zu Fuß, weil ein erwachsenes Frauenzimmer nicht grössere Füsse hat, als bey uns ein Kind von 3 Jahren.«

|P_31
£{Hol-231,07-08} / £{Rin-378,31}
»Die Chineser sind gar nicht eckelhafft im Essen. Sie speisen nicht nur alle Sorten von Thieren, Vögeln und Fischen, welche die Europäer essen; sondern Pferde-Fleisch, wird bey ihnen für einen ungemeinen Lecker-Bissen gehalten; ja Hunde, Katzen, Schlangen, Fröschen, und die meisten Arten von Gewürm werden von ihnen nicht verschmähet: [...].«

|P_31-32
£{Hol-231,14 - 232,02} / £{Rin-379,02-09}
»Sie brauchen weder Tisch-Tuch, noch Servietten, Messer, Gabel, oder Löffel: sondern an der letztern Stelle 2 kleine runde Stöckgen von Eben- oder andern Holtz, welche unterweilen an der Spitze mit Silber beschlagen sind, [...]. Sie brauchen hohe Stühle und Tische, wieder die Gewohnheit aller Orientalischen Völcker, welche mit Creutz-weiß über einander geschlagenen Beinen auf dem Estrich sitzen. Es hat aber bey einem Gast-Gebot jede, oder auch jede zwey Personen ein kleines lackirtes Tischgen für sich, auf welchem ihm sein Reiß und übrige Gerichte in kleinen Porcellanen Näpfgens oder Schälgens vorgesetzet wird: unterweilen brauchen sie auch Schüsseln.
Thee ist ihr vornehmstes Getränck. Wein haben sie nicht, obwol gute Trauben auf dem Lande häuffig wachsen. [...] Kalt Wasser trincken sie niemahls: Denn das Wasser ist in China überhaupt schlecht, [...].
Diese Völcker durch die Banck essen ihre Speisen gantz kalt, und trincken ihr Geträncke sehr heiß. Bey ihren Gastereyen aber gebrauchen sie so viele Ceremonien, daß dadurch gantz gewiß das Vernügen beym Essen und Trincken sehr muß vermindert werden. Daher muß einer in jeder Gesellschafft den Tact schlagen, damit alle gegenwärtige Personen ihre kleine Stöckgen zugleich aufheben, und zu einer Zeit ihr Essen zum Munde führen können. [...]
Hernach wird einem jeden auf seinem Tisch ein Gericht Fleisch vorgesetzet. Wenn der Wirth, der da tractiret, das Zeichen giebet, ziehen sie ihre Stöckgen aus dem Gürtel heraus, und putzen sie. Darauf fahren sie darmit in die Schüsseln, und wissen sehr manierlich ein Stück Fleisch zum Munde zu führen.«

|P_33
£{Hol-232,02-06} / £{Rin-379,10-12}
»Sie sitzen wie Le Comte vermeldet, mannigmal 3 oder 4 Stunden stillschweigend bey dem Tisch, und wenn der Haus-Herr vermeinet, daß ein jeder zur Genüge gegessen habe, giebt er ein Zeichen, daß man aufstehen solle. Alsdann spatzieren sie eine Viertel-Stunde im Garten oder in einem andern Zimmer des Hauses herum; [...]. Währender Zeit, [...], tritt eine Bande Comoedianten ein, um die Gesellschafft mit einem Schau-Spiel zu erlustigen.«

|P_34
£{Hol-232,14} / £{Rin-379,17}
»Flüche und unsaubere Reden werden niemals, wie man sagt, unter ihnen gehört.«

|P_36
£{Hol-233,03-05} / £{Rin-379,22-23}
»Die Chineser haben einen solchen Abscheu vor die Entblössung des Hauptes beym Grüssen, daß sie es vor eine Unhöfflichkeit rechnen mit blossem Haupt, vor einem vornehmen Mann zu erscheinen.«

|P_37
£{Hol-230,25} / £{Hes-187-188} / £{Rin-378,23}
»Ungeachtet das Spielen in den Gesetzen der Chineser verboten ist, gehet es doch starck unter ihnen im Schwange. Man hat Exempel daß etliche von ihnen dem Spiel so unmäßig ergeben gewesen sind, daß sie ihre Güter, Weiber, und Kinder verspielet haben: [...].«

|P_41
£{Hol-234,15-17} / £{Rin-380,09-10}
»Die Haupt-Figur in ihren Seiden-Zeug ist der Drache.«

|P_43
£{Hol-233,12-17} / £{Rin-379,28-31} / £{Hol-197,16-22}
»In China muß auch billig eine Art von weissem Wachs bemercket werden, welches nicht von Bienen zusammen getragen, sondern von gewissen Bäumen gesammlet wird; [...]. Ein gewisser Wurm nicht grösser als eine Fliege, bringet ihnen solches Wachs zu wege: Selbiger Wurm kan so scharf stechen, daß sein Biß durch die Rinde bis durch den Stamm der Bäume gehet. Der Land-Mann sammlet die Eyer dieses Wurms im Frühling, aus welchen die Würmer hernachmahls herauskriechen. Solche junge Würme setzen sie hin an den Wurtzeln etlicher Bäume, die ihnen gelegen stehen. Nachmahls kriechen solche von selbst weiter hinauf, und zertheilen sich über den gantzen Baum, und fressen ihn recht bis an das Marck durch, worauf denn aus den Löchern, die sie gemacht haben, ein Wachs so weiß, als der Schnee heraus fliesset. Solches hänget Tropfen-weiß an den Bäumen, und wird von den Bauren gesammlet, in Kuchen zusammen geknetet, und so zu Marckte geführet.«

|P_45
£{Hol-234,05-07} / £{Rin-380,02-04}
»Der feine Firniß, oder Lack, mit welchem die Chineser beydes ihre irrdene und höltzerne Waaren überstreichen, wird nicht mit Kunst verfertiget: sondern ist ein Gummi, welcher als ein Hartz aus den Bäumen trieffet. [...] Dieser Firniß conservirt das Holtz, und gibt ihm auch einen schönen Glantz.«

|P_45-46
£{Hol-233,18 - 234,03} / £{Rin-379,32 - 379,35}
»Das Papier wird in China von der inwendigen Rinde des Bambo Baums gemacht, oder auch von breitem hohlen, knottigten Rohr, [...]. Das Papier ist sehr dünn und glatt, und mit einem Firniß überzogen, um das Durchschlagen der Dinte zu verwehren. Es ist aber nicht so dauerhafft, als das Europäische Papier. Denn weil es von Baum-Rinden gemacht ist, kommt der Wurm leicht darinn. Aus dieser Ursache haben sie auch keine alte Manuscripta in China, und ihre Bibliotheqven bestehen blos aus Copien von avthentiqven Originalien, weil sie nach weniger Jahre Verlauff immer ihre Bücher wieder abschreiben müssen.«

|P_46
£{Hol-234,18-20} / £{Rin-380,10-12}
»Ihre Dinte wird von Ruß der Lampen, welches aus unterschiedlichen Materialien gezogen ist, verfertiget. Die beste aber wird aus Schwein-Fett, das in einer Lampen gebrannt ist, gemacht. Sie thun eine Art von Oel dazu, und parfumiren es, welches einen guten Geruch giebet.«

|P_48
£{Hol-233,07-11} / £{Rin-379,25-27}
»China, gleich wie andere Länder von einem grossen Bezirck, bestehet aus Bergen und Thälern: jene aber so wohl, als diese werden so platt und eben gemacht, als nur immer möglich, und wie die Gärten in kleine Länder eingetheilet. Die Hügels und Berge graben sie in Terrassen, oder kleine mit Menschen-Händen gemachte Flächen von oben bis unten ab: so daß das Wasser, welches sie in Canälen von einem Feld zum andern leiten, überall in gleicher Menge hinfliessen kan. Diese Tarrassen[!] werden von unten bis oben hinan immer kleiner und kleiner: und auf solche Weise machen sie durch Kunst und Arbeit die Erde auf den Bergen eben so fruchtbar, als die Thäler.«

|P_51-52
£{Hol-206,19 - 207,04} / £{Rin-362,11-17}
£{Hol-233,17} / £{Rin-379,31-32}
»Der Thee, oder wie sie ihn nennen Teha, ist ein Gewächs, so nur in diesem Lande allein anzutreffen. [...] Ob gleich aber es etliche sehr hohe und dicke Bäume giebet, welche, gleichwie die Dornen-Büsche unterweilen zu einer erstaunliche Höhe aufschiessen: so rechnet man dem Thée-Baum doch nur unter die Büsche und Stauden-Gewächse, weil er gemeiniglich ungefehr so hoch, als ein Rosen-Busch wächset. [...] Der Medicus des Englischen Comptoirs zu Chusan Mons. Cumingham, erzehlet uns, daß die 3 Sorten von Thée, welche man nach Europa gemeiniglich herausschleppet, alle von einer Pflantze genommen werden, und das bloß die Jahrs-Zeit, zu welcher es gesammlet wird, und die Manier es zu trocknen, den Unterscheid machet. Thée_Bou oder Voüi von etlichen Bergen in der Provintz Fokien, woselbst der Thée wächst, also genannt, ist das erste grün, so sich an diesem Baum sehen läst, und wird im Anfang des Martii gesammlet, und im Schatten getrucknet: Thée_Bing, oder Kaiser-Thee ist das andere Gewächs im April Monaht; und Singls, oder gemeiner grüner Thée, das dritte im May und Junio, welche beyde in kleine Pfannen über dem Feuer gedörret werden. Der Thée-Strauch ist immer grün und blühet vom October bis an den Januarium.«

|P_52Anm.
£{Hol-207,04-06} / £Pil-351,12-15} / £Pil-353,22-23} / £{Rin-362,17-18}
»Der Thée, welcher Norden in China gesammlet wird, soll weit besser seyn, als derjenige, welcher Süden im Reiche fällt. Daher kriegen auch die Russen gemeiniglich bessern Thée über Siberien, als die Engländer aus Canton. Weil die Russen aber ihre Packen nicht allzuwohl in acht nehmen, zieht ihr Thée offt einem frembden Geschmack an sich.«

|P_53
£{Hol-234,03-05} / £{Rin-380,01-02}
»Es giebt noch eine Art von Rohr oder Rotting, welche in China auf den Bergen wächset, und Rattang oder Japonisch Rohr genannt wird. [...] Diese Rattangs sind sehr zähe, dahero sie selbige zusammen flechten, und Stricke daraus machen. Die Javaneser und Japoneser machen Ancker-Thauen davon, welche so bald nicht im Wasser verfaulen, als die von Hanf thun.«
£{Hol-233,18-19} / £{Rin-379,32-33}
»Sie haben noch eine andere Art von knottigtem Rohr Bambou genannt, dessen Stamm offt so dick wächst, daß manche es unter die Bäume zehlen. [...] Von dem Bambou verfertigen sie auch offt Canoes oder Böte, welche, weil das Rohr leicht ist, mit einer ungläublichen Geschwindigkeit dahin gerissen werden. Sie brauchen das Bambous-Holtz auch an statt des Zimmers in ihren Häusern und Gebäuden.«

|P_53Anm.
£{Hol-208,13-14} / £{Rin-363,13}
»Wenn der Bambou jung ist kan man das Marck essen, solches ist auch das vornehmste Ingrediens in den delicaten Lecker-Bißlein Aetjaers genannt.«

|P_54
£{Hol-234,13-15} / £{Rin-380,08-09}
»Es giebt auch in China grosse Wälder von Maulbeer-Bäumen, insbesondere in der Provintz Chekiang, mit deren Blättern sie ihre Seiden-Würmer speisen. Einige von diesen Wäldern werden jährlich gekappet, weil die Seide von denjenigen Würmern, welche mit den Blättern, so von den jungen Sprossen ausschiessen, gefüttert werden, die beste ist.«

|P_54Anm.
£{Hol-209,04-07} / £{Rin-363,29-31}
»Die rechte Radix Chinae, Lampatum oder Folin in China genannt, wächst, dem Bericht der Reisenden nach, allein in der Provintz Suchuen, bey Liping, in den alten Fichten-Wäldern. [...] Die unechte Radix Chinae wächst überall, und diese wird allein zu uns herausgebracht. Die rechte Rhabarber wird in China in den Provintzen Suchuen und Xensi mit grosser Mühe gebauet. Einige sagen, daß sie auch in der Mongalischen Tartarey bey Selingskoy herum wachsen soll, und von dannen wird sie durch unterschiedliche Wege nach Europa geführet. Doch die letztere Art ist nicht eigentlich Rhabarber, sondern Rhaponticum.«

|P_54-55
£{Hol-209,07-08} / £{Hol-209,11-12} / £{Hol-234,07-09}
£{Rin-363,31-32} / £{Rin-364,01-02} / £{Rin-380,04-05}
»Die Chineser scheinen auf keine Pflanze mehr zu halten, als auf die, welche sie Ginseng nennen. [...] Die Wurtzel wird in Würffeln zerschnitten, und in ein halb Quartier Wasser gethan, und so lange gekocht, bis es auf eine Coffé-Tasse voll weggesotten ist, und hernachmals mit ein wenig Zucker getruncken. [...]. Sie sammlen es in der Provintz Leaotung und den benachbarten Gebürgen der Tartarey, woselbst es in den dicksten Wäldern am Rande der Ströhme oder um die Klippen herum bey den Wurtzeln der Bäume mitten unter andern Kräutern häuffig wächset. Es wird Ginseng, das heist Manns-Pflantzen genannt, weil die Wurtzel sich in zwey Aeste gleich den Lenden eines Mannes, theilet.«

|P_56
£{Hol-234,21} / £{Rin-380,12}
»[...] der Kaiser Veu, welcher selbst mit eigener Hand gepflüget hat. [...]. Es ward auch zu den Zeiten ein Fest angestellet, welches noch jährlich um das AEquinoctium im Frühling gefeyret wird, [...]. Der Kaiser Hiacu hat, [...], sich in seinem Alter auf die Haushaltung gelegt, und 3 Jahre vor seinem Todt seinen Unterthanen zum Beyspiel den Acker zu pflügen, und zu besäen, angefangen.«

|P_57
£{Hol-176,03-05} / £{Rin-345,13-15}
»Ausser den Netzen und andern in Europa zum Fisch-Fang gebräuchlichen Geräthschafft, brauchen sie grosse den Reihern nicht ungleiche Vögel dazu. Solche ziehen die Fischer selbst auf und die Vögel sind ihnen eben so gehorsam, als Jagd-Hunde oder Falcken bey uns den Jägern. [...] Sie haben aber einen Strick um den Hals, welcher sie verhindert die Fische zu verschlingen, bis daß der Fischer vermeinet gnug zu haben: als denn macht er sie loß, und läst sie für sich selbst fischen.«

|P_60
£{Hol-235}
»In der Philosophia naturali, oder Physica verstehen sie gar wenig: von der Logic wissen sie gar nichts: ihre Geometrie ist sehr superficielle und gar nicht gründlich, und erstrecket sich nur auf etliche wenige Propositiones und Algebraische Problemata. Ihre Rechen-Kunst ist etwas besser. Doch brauchen sie keine Ziefern[!] als die Europäer. Wenn sie rechnen, haben sie einen kleinen 1_1/2 Fuß langen Tisch. Quer über solchen sind 10 oder 12 kleine Stöcke paralel gegen einander übergezogen: auf selbige ziehen sie unterschiedliche bewegliche Knöpfe auf. Diese schieben sie von und an einander, rechnen auch auf solche Art, wie die Europäer mit Rechen-Pfenningen. Ihre Music, welche sie praetendiren erfunden zu haben, verdienet kaum den Nahmen.
£{Hol-235,02-05} / £{Rin-380,14-16}
Auf die Astronomie haben sie sich von selbst mit grossem Fleiß gelegt, und über 400 Observationes so wohl von Sonn- und Mond-Finsternissen, als von Cometen und Conjunctionen der Planeten gemacht. Dem ungeachtet aber waren sie in allen den Dingen gar nicht accurat, und haben viele Dinge besser eingerichtet, nachdem die Jesuiten zu ihnen gekommen, ja sie haben so gar gelitten, daß diese Patres ihren Calender verbesserten.«

|P_61
In der Medicin haben sie es nicht sonderlich weit gebracht. Denn sie wissen von der Philosophia naturali, der Physic und Anatomie, auf welche Wissenschaften sich jene gründet, wenig oder nichts. [Keine Silbe zur fehlenden Anatomie; W_St: 10.11.2021]

|P_63
£{Hol-235,04-13} / £{Rin-380,16-21}
»Ehe die Jesuiten ins Land kamen, und es ihnen besser zeigten, konnten sie gantz und gar keinen richtigen Calender verfertigen: ihre Tabellen von den Sonn- und Monds-Finsternissen waren so unrichtig, daß sie nur mit genauer Noht vorher sagen konnten, um welche Zeit eine Sonnen- Finsterniß einfallen würde. Diese ihre Unwissenheit zu bemänteln, gaben sie vor, daß im Himmel ein ungemeiner grosser Drache sey, der ein Haupt-Feind des Mondes und der Sonnen wäre, und immer bereit stünde sie zu fressen. Wenn also eine Sonn- oder Mond-Finsternis einfiel, schlugen sie Hauffenweis auf ihre Trommeln und Kessel, um das Ungeheur von seiner Beute abzujagen.«
£{Hol-235,20-236,03} / £{Rin-380,26-29}
»In der Chinesischen Sprache sollen, wie Le_Compte sagt, ungefehr 330 Wörter seyn, welche alle einsylbig sind, oder wenigstens ihrer Aussprache nach es zu seyn scheinen. Die Bedeutung dieser Wörter vermehret sich nach dem unterschiedlichen Thon, den man ihnen giebet: [...]. Uberhaupt haben sie 5 Thöne oder Claves, in welchen man ein jedes Wort, nach dem unterschiedlichen Verstand, so man ihm geben will aussprechen kan. Wenn man also den Accent auch noch so wenig verändert, und in einem andern Thon verfällt, kömmt offtmals ein lächerlicher oder gantz wiedriger Verstand heraus: [...].«

|P_64
£{Hol-236,03-05} / £{Hol-236,09-10} / £{Rin-380,29-31} / £{Rin-380,34-35}
»Die Chineser haben kein ABC, ein jeder Character ist eine Sylbe, oder ein gantzes Wort, und mag eher eine Figur, als ein Buchstaben genannt werden. [...] Diese Menge von Characteren ist, wie Le Comte bemercket, eine Haupt-Ursache, warum die Chineser nicht weiter in den Wissenschafften gekommen sind. [...] Diejenigen welche 15 oder 20.000 Characteres kennen, werden vor gelehrte Leute angesehen: in allen aber sind ihrer 24.000.«

|P_65
£{Hol-236,15-17} / £{Rin-381,02-04}
»Die Buchdrucker-Kunst, so wie sie denn beschaffen ist, ist schon lange Zeit in China im Schwange gewesen. Sie graben die Wörter in Tafeln ein, wie wir unsere Kupffer-Stiche, und setzen die Buchstaben nicht zusammen, [...]. Der Auctor eines Buchs in China läst sein Werck erstlich sauber abschreiben. Hernachmals leimet der Kupfer-Stecher jedes Blatt über ein gantz glattes Bretlein, und schneidet die Characteren nach dem beschriebenen Papier aus, so daß der Schnitt dem Original vollkommen ähnlich wird, [...].«

|P_65-66
£{Hol-236,18-21} / £{Rin-381,04-06}
»Sie haben auch Gradus Academicos, die mit unsern (nemlich den Englischen) Baccalaureis, Magistris und Doctoribus übereinkommen. [...] Den dritten Gradum kan niemand anderswo erlangen, als in der Kaiserlicher Residentz-Stadt Peking. [...] Der Kaiser examiniret die Candidaten offtmals selber, und weil er ungeachtet seines hohen Standes, in seiner Jugend zu den Studiis und allen Wissenschafften angeführet worden, ist er kein ungeschickter Richter über ihre Meriten. [...] Einige von ihnen [sc. den Doctoribus] werden in der Königlichen Academie gezogen, aus welcher sie zu den höchsten Posten des Reichs avanciren.«

|P_67
£{Hol-236,21-23} / £{Rin-381,07-08}
»Was ihre Chronologie betrifft, so sollen laut ihrer Historie 40.000 Jahr seit der ersten Gründung des Reichs verflossen seyn. Dabey aber gestehen sie auch, daß alle Historische Monumenta und alte Urkunden vor 2.000 Jahren von einem ihrer Kaiser [Xi hoamti, welcher 246 Jahr vor Christi Geburt gelebet haben soll.] sind vertilget worden, und läufft es also zuletzt mit diesen Vorgeben von dem Alterthum ihrer Monarchie auf eine leere Tradition hinaus. Wie Le Comte berichtet, so sollen die Gelehrten unter ihnen vom Anfang ihrer Monarchie bis auf gegenwärtige Zeiten nur 4.000 Jahre rechnen: [...].«

|P_75
£{Hol-236,24 - 237,06} / £{Rin-381,09-14}
»Ihre Gesetze treiben auf nichts so sehr als den Gehorsam und Unterthänigkeit gegen die Eltern. Wann ein Vater seinen Sohn eines Verbrechens halber bey der Obrigkeit verklaget, bedarff die Sache keines weitern Beweises. Der Sohn wird für schuldig angesehen, und muß ohne fernere Untersuchung der Sachen mit dem Kopff bezahlen. Unterstehet ein Sohn sich aber, sich über seinem Vater zu moquiren, oder gewaltthätiger Weise Hand an ihn zu legen, so kommt das gantze Land darüber in Bewegung, und das End-Urtheil zu sprechen, wird dem Kaiser selbst vorbehalten, die Richter des Orts, wo solcher Frevel verübet worden, werden abgesetzt, und die sämmtlichen Nachbaren hart angesehen, als wenn sie solche sträffliche Bosheit hätten stärcken helffen. Denn man setzet zum voraus, daß sie schon vor langer Zeit bey anderer Gelegenheit dessen hätten inne werden müssen; weil nach ihrer Meynung kein Mensch auf einmal zu einen solchen Grad der Boßheit kommen kan. Der Missethäter wird in diesem Fall verdammt in 10,000 Stücke zerhauen, und hernach verbranndt zu werden. Sein Haus und Güter werden verstöhret, wie auch diejenigen, so nächst daran stehen, damit ein ewiges Andencken eines solchen abscheulichen Verbrechens überbleiben möge.«

|P_75-76
£{Hol-237,06-09} / £{Rin-381,14-17}
»Das nächste Gebot, welches sie nach diesem einschärffen, ist, daß man die Obrigkeit ehren müsse: welche die Person des Kaisers praesentirt. [...] Das dritte Gebot, welches wohl eben so viel als die vorigen eines zur Erhaltung des Friedens und der Ruhe im Lande abgezwecket ist, handelt von der Höfflichkeit und dem Respect, den einer dem andern zu erweisen verpflichtet ist. Davon ist schon oben gemeldet worden, da wir von ihren Visiten und dem darbey üblichen Ceremoniel geredet haben, [...]. Weder der Diebstall noch der Ehebruch, ob schon den Beleidigten dabey eine grosse Gewalt wiederfahren, wird nicht mit dem Tode gestrafft, sondern nur mit der Bastionade: [...].«

|P_77
£{Hol-237,09} / £{Hes-192,06-07} / £{Rin-381,17}
»Die gemeinste Strafe unter den Chinesern ist die Bastionade, oder etliche Stock-Schläge auf den Steuß, wobey der, so die Execution ausstehen soll, sich auf das Angesicht legen muß. Hiervon sind die Mandarinen selbst nicht frey, und solches wird auch für keinen sonderlichen Schimpff gerechnet.«

|P_85-86
£{Hol-237,20 - 238,18} [Nicht!]
»Es sind heutiges Tages 3 Secten in China. Erstlich die Nachfolger von Li-Laokun, welche nach ihrem Bericht über 500 Jahr vor Christi Gebuhrt gelebet haben. Er lehrete, Gott habe einen Cörper und mancherley geringe Götzen unter sich: seine Anhänger legen sich auf die Magie, und bemühen sich einen Tranck zu verfertigen, der die Menschen unsterblich machen soll.
Die andere ist die Secte der Gelehrten, welche Discipul und Nachfolger des weit-berühmten Confucii (a) sind, der viele schöne Sitten-Lehren hinterlassen, und seine Lands-Leute in der Philosophie unterrichtet hat. [../.]
-----------
[Anmerkung] (a) Dieser berühmte Philosophus, von welchem nicht nur die Chineser, sondern auch alle Europäer und vornehmlich die Herrn Jesuiten, und einige ihrer Freunde unter den Protestantischen Philosophis in Teutschland selbst ungemein viel Wesens machen, verdienet wohl, daß man ein wenig umständlicher von ihm handle als der Herr Salmon gethan hat. Er führt bey den Chinesern unterschiedliche Nahmen, als ein Cum, Fu, Ci aus welchen Confucius, oder wie Dionysius K...o ihn nennet Confucius scheinet zusammen gesetzet zu seyn. Der Zeit wegen, zu welcher er gelebet, sind die Chineser selbst nicht recht einig, doch gehen alle Nachrichten dahin, daß er im fünften oder sechsten Seculo vor Christi Gebuhrt gelebet: welches abermal zu einem Beweis, von der Unrichtigkeit und Ungewißheit ihrer Chronologie dienen kann. [Die vorwiegend biographisch ausgerichtete Anmerkung zieht sich bis p. 87.]

|P_87
Noch ist eine dritte Secte unter ihnen, welche weit zahlreicher, als eine von den beyden vorigen; und den Götzen Fo, den sie den eintzigen Gott der Welt tituliren, anbetet. Dieser Abgott soll 32 Jahr nach Christi Himmelfahrt aus Indien ins Land gebracht worden seyn. Seine Priester, die Bonzes, machen sich mit einigen Sitten-Lehren breit, und behaupten, daß nach diesem Leben Straffen und Belohnungen zu gewarten stehen.«

|P_89-90
£{Hol-238,02-06} / £{Rin-381,28-31}
»Weil der Kaiser ein Tartar ist, bleibet er bey der Abgötterey dieser Nation, welche doch von der Chineser Aberglauben nicht weit entfernet ist, ohne daß sie einen lebendigen Menschen anbeten, welchen sie den grossen Lama nennen: doch meinet Le Comte, daß selbiger eben der Abgott Fo sey, welcher allein unter einem sichtbahren Bilde angebetet wird. Sie nennen ihn den ewigen Vater, und alle Ostliche Tartarn bezeugen die gröste Veneration gegen ihn. Er läst sich an einem duncklen Ort in seinem mit Lampen allein erleuchteten Pallast sehen. Er sitzt mit Creutz-weiß über einander geschlagenen Beinen auf einem Küssen, und ist mit den prächtigsten Kleidern immerzu angethan. [...] Damit es auch das Ansehen haben möge, daß er unsterblich sey, erwehlen seine Priester allemahl, wenn einer abgeht, einen aus ihren Mitteln[!] der dem vorigen so ähnlich ist, als nur immer möglich: und daher kommts, daß keiner von seinem Anbeten zweiffelt, daß er nicht ewiglich lebe. [...] Seine Residence ist zu Barantola, woselbst er eine Königliche Hof-Staat hält, sich aber gar nicht in die Weltliche Regierung mischet, so daß man ihn mit Fag[!] [lies: Fug] den Tartarischen Papst nennen kan.«

|P_89-90Anm
£{Hol-238,07-15} / £{Hol-294,06-10}
£{Rin-381,32 - 382,01} / £{Rin-404,29-32}
»Von diesem grossen Lama und den Sätzen seiner und seiner Anhänger Religion haben die Catholischen Missionarii ein und andere Umstände bekannt gemacht, welchen, wann sie wahr sind, nicht geringen Argwohn erwecken, daß diese Religion nichts anders, als ein in das gröbste Heidenthum degenerirtes Christenthum sey. [...] Sie sollen z. E. lehren, daß ein Gott sey und drey Personen in dem einigen göttlichen Wesen. Die erste Person nennen sie Lama-Conioc, die andere Cho-Conioc, das ist das grosse Buch, die dritte heist Sanguya-Conioc, welches so viel bedeuten soll, als das Anschauen und die Liebe der Herrlichkeit. Die andere Person ist so wohl Auctor von ihren Gesetz, als das Gesetz- Buch selber. Sie sagen: er habe sein Blut für das Heil des Menschlichen Geschlechts vergossen, und sein gantzer Leib sey dabey mit Nägeln durchbohret worden. [...] Der grosse Lama soll ebenfalls eine Art eines Sacraments von Brod und Wein administriren, wovon er etwas selbst geneust, den Rest aber unter die übrigen Lamas austheilet, die bey solcher Ceremonie gegenwärtig sind.«
£{Hol-238,03-05} / £{Hol-293,20-23}
£{Rin-381,29-30} / £{Rin-404,18-20}
»In Summa, wo die Nachrichten wahr sind, so sind diese Dinge sonder Zweifel noch etliche Ueberbleibsel von dem Nestorianischen Christenthum, welches vormals in diesen Gegenden unter den Tartarn floriret hat, bis Gengiz-Can sie conqvetirte, und alles in einem andern Zustand setzte. Der Ort wo der grosse Lama residirt wird von einigen Barantola, von andern Potala genennet.« [Ende der Anmerkung.]

|P_93
£{Hol-236,13-14} / £{Rin-381,01-02}
»Neuhoff erzehlet von einem Kaiser, der sich gäntzlich eingebildet, den Tranck der Unsterblichkeit gefunden zu haben, den aber einer seiner Mignons auf folgende Weise von dieser Thorheit abbrachte. [...]«

|P_99-100
£{Hol-239,06-09} / £{Rin-382,10-13}
»Braut und Bräutigam bekommen einander nimmer zu sehen, bis der Contract zwischen den Eltern und Freunden geschlossen ist: und das geschicht gemeiniglich, wenn sie noch rechte Kinder sind. Die Braut, wird auch hernachmals nicht einmal um ihren Consens gefragt. Man kan die Mädgens recht als ein Stück von dem Schatz ihrer Väter ansehen, indem der allerärmste Mann sein Weib kauffen muß, und keine Mit-Gabe von ihr bekömmt. [...] Denn reiche und vornehme Leute lassen sich nicht an eine oder zweyen, oder gar zwey und zwantzig Frauens genügen, sondern wollen ein 100 in ihrem Seraglio haben, wann ihr Vermögen es ihnen sonst zuläst; [...].«

|P_100
£{Hol-237,10-12} / £{Rin-381,17-19}
»Wenn auch die Eltern arm oder unglückseelig sind, sehen sie es als ein Werck der Barmhertzigkeit an, wie man sagt, daß sie ihre Kinder durch den Todt von einem elenden Leben abhelffen, welches sie nicht leicht mit Gedult würden aushalten können. Derowegen werden täglich so viele Kinder auf den Strassen und Heer-Wegen exponirt, [...].«

|P_103
£{Hol-239,09-11} / £{Rin-382,13-14}
»Es wird dahero selten ein Hagerstoltz unter ihnen gefunden. Weil nun die Lust zu heyrathen bey den Manns-Personen so groß, und das Frauenzimmer ungemein fruchtbar ist, so stehet es nicht zu bewundern, daß das Land so volckreich ist, insbesondere, da wenige von ihnen in frembde Länder reisen, und selten ein Krieg oder eine Pest einfällt, die viele Menschen wegraffet.«

|P_104
£{Hol-239,11-13} / £{Rin-382,14-15}
»Die Braut aber hat keine Ausflucht noch Hülffe mehr, sie muß sich submittiren, [...]. Etliche Männer aber, wie Le Comte bemercket, schicken die Braut, wenn sie nicht so angenehm ist, als sie vermuthet haben, augenblicklich den Eltern wieder zurück, und wollen lieber den Kauff-Schilling verliehren, als sich mit einer Frauen belästigen, von welcher sie befürchten, daß sie ihnen eine Haus-Plage werden könne.«

|P_105
£{Hol-237,10-12} / £{Rin-381,17-19}
»Ich habe schon von ihrer Barbarischen Gewohnheit gedacht, nach welcher sie ihre Kinder, wenn es Mädgen sind, tödten, oder exponiren: sind es aber Knäblein, und sie befürchten, daß sie nicht im Stande seyn werden, sich fortzuhelffen, so haben sie noch eine andre, fast eben so grausame Gewohnheit, nemlich ihre Kinder zu castriren, um sie im Stande zu setzen, vor andere in ein Seraglio gezogen zu werden.«

|P_115-116
£{Hol-239,14-19} / £{Rin-382,16-20}
»Die Waaren, welche man aus China heraus bringet, sind erstlich Thée. [...] Thée_Bou scheinet bey ihnen nicht viel zu gelten: selbiger bestehet aus langen braunen Blättern, und tingirt das darauf gegossene Wasser sehr hoch. [...] Den Singlo- oder grünen Thée muß man auch nach seinem guten Geschmack und heller Farbe aussuchen. [...] Kaiser- oder Bing-Thée ist viel heller, als der grüne Thée, hat einen angenehmen Geschmack, ist aber nicht so starck als der Singlo-Thée. [...] Ausser dem Thée bringen unsre Kauffleute aus China Queck-Silber, Menning, China-Wurtzel, Rhabarber, rohe und verarbeitete Seide, Kupffer in Stangen gleich dem Siegel-Lack, Campfer, Zucker-Candies, Fächers, Schildereyen, lackierte Waaren, Porcellan, Soya, Borax, Lazul-Stein, Galanga, Tutanaque (welches eine Art von groben Zinn ist) und unterschiedliche andre Kauffmanns-Waaren, welche hier in Canton eben so wohlfeil eingekaufft werden, als in den Gegenden, da sie wachsen.«

|P_119
£{Hol-232,06-08} / £{Rin-379,12-13}
»Bey Winter-Tagen tragen die Leute eine lebendige Wachtel in der Hand, um sich daran, als an einer Muffen zu wärmen.«
£{Hol-231,08-13} / £{Rin-378,32 - 379,01}
»Alles wird in China nach dem Gewicht verkaufft, als Eyer, Früchte, Vögel, und auch nasse Waaren: man sagt von ihnen, daß sie ihre Hüner mit Steinen und Sand füttern, damit sie desto schwerer am Gewicht werden mögen. [...] Ein junger Edelmann, der dorthin eine Reise gethan, berichtet, er habe einmal eine Parthey Schweine für das Schiffs-Volck von den Chinesern gekaufft, welche aber alle gestorben, und er zweifle nicht, daß ihr Todt von einem Gifft hergerührt, welches die Eigner dem[!] Schweinen beygebracht, ehe und bevor sie an Bord gekommen; denn er habe bemercket, daß dieselben Leute von welchen er die Schweine gekaufft hatte, solche in ihren Böten wieder auffischeten, als sie über Bord geworffen wurden. Denn sie bedencken sich nicht lange, wie Mons. Lockyer saget, ein lebendiges Schwein für ein todtes hinzugeben, wenn nur das todte ein wenig grösser, als das lebendige ist.«

|P_120
Das zwölfte Capitel. Enthält fernere Nachricht von den Tartarn, die in diesem Reiche wohnen.

Die Westlichen Tartarn wohnen in Zelten, und marchiren immer fort von einem Ort zum andern, um desto öffter frische Weide zu haben, weil ihre Heerden von zahmen Vieh, nebst dem was sie auf der Jagd fangen, ihr gröster Reichthum sind.

|P_121
£{Hol-234,10-12} / £{Rin-380,05-07}
»Die berühmte Wurtzel Ginseng, welche wir oben schon beschrieben haben, wächst vornemlich in diesem Lande [sc. der Tartarey]. Es wird alle Jahr ein Corpo von 10.000 Tartarn ausgesandt, solche für dem Kaiser zu sammlen, und wenn der Kaiser seine völlige Provision hat, so kriegen sie Erlaubniß eine gewisse grosse Qvantität an andere zu verkauffen.«

|P_122
£{Hol-294,10-12} / £{Hol-294,15-16}
£{Rin-404,32-34} / £{Rin-405,01-02}
»Ihrer Religion nach sind sie recht offenbare stockblinde Heiden, wie wir oben schon gezeiget haben; sie sind allem Ansehen nach von den Chinesern nicht weiter unterschieden, als daß sie ihren Götzen andre Nahmen geben; ausgenommen, daß ihr grosser Lama ein lebendiger Mensch ist, bey dessen Absterben die Pfaffen gleich einem andern aufsuchen, der ihm so ähnlich, als nur immer möglich ist, um solchen an seine Stelle zu setzen, und dahero nennen sie ihn den ewigen Vater.«


|B_Sa-Tonquin__(1732)__

|P_147
£{Hol-240,06-07} / £{Rin-382,32-33}
»Was aber die Hitze und Kälte anlanget, so ist zu beobachten, daß die Länder, die nahe den Tropicis liegen, und insbesondere 3 oder 4 Grad innerhalb derselben, weit heisser sind, als die Gegenden unter der Linie, wovon Dampier diese Ursachen anführet: [...].«

|P_148-149
£{Hol-240,08-13} / £{Rin-382,33 - 383,05}
»Die Regen-Zeit hebet sich hier mit dem Ende des Aprilis, oder mit dem Anfang des Maji an, und dauret bis zum Ende des Augusti. Währender dieser Zeit fällt unterweilen etliche Stunden, manchmal auch etliche Tage lang, ein recht stürtzender Platz-Regen ohne aufzuhören. [...]
Im August-Monaht wird das Wetter weit gelinder, so wohl in Ansehung des Regens als der Hitze, doch fällt noch mancher Platz-Regen. Im September und October ist die Witterung schon sehr bequem; doch stellen sich zwischen dem Eintritt des Augusti bis an das letzte Ende des Octobris, die starcke Stürme, Tufons genennet, ein, welche so gewaltig sind, daß die Chineser sich nicht aus ihren Hafens wagen dürffen, [...]. Diese Tufons kommen gemeiniglich um den Neu- oder Voll-Mond, oder auch bey einer andern Monds-Wandelung. Vorher kommt ein sehr schön Wetter, ein kleiner Wind, nebst einer lichten Wolcke. Der gelinde Wind geht von Süd-Westen, als dem Trade-Wind dieser Jahrs-Zeit, nach Norden und gar gegen Nord-Osten hin. [...]
Im November und December hat man trocken, gesund und überaus angenehm Wetter, der Januarius, Februarius und Martius sind meistentheils / trocken.«

|P_149
£{Hol-240,14-21} / £{Rin-383,05-11}
»Weil die Ebbe und Fluht an den Küsten dieser Lande, von den hiesigen sehr unterschieden ist, wollen wir die Regeln hier einrücken, welche aus den von Schiffern bemerckten Ebb- und Fluht-Zeiten von der Königlichen Societät der Wissenschaften in London sind gezogen, und den berühmten Philosophical-Transactions einverleibet worden. 'Ebbe und Fluht dauren hier 12 Stunden nach einander, man hat also nur eine Ebbe und eine Fluht in 24 Stunden. In der ersten Helffte des Monds gehen die Fluthen sehr hoch, und Ebbe sehr tieff; in der andern Helffte aber kan man sie kaum mercken. [...] In den ersten 14 Tagen, da man die hohe Fluthen hat, fängt das Wasser mit aufgehenden Mond an zu wachsen, in den letzten aber, da die Fluthen nur niedrig seyn, fängt das Wasser mit dem Untergang des Mondes an zu steigen. [...]'«

|P_153
£{Hol-241,08} / £{Rin-383,17-18}
»Sie sind gute Kauffleute, und nicht nahe so betriegerisch, als die Chineser, [...].«

|P_154
£{Hol-241,03-06} / £{Rin-383,13-16}
»Die Eingebohrne Landes-Kinder sind gelb von Farbe (doch nicht so dunckel als ihre meiste Nachbaren in Indien) nett von Gliedern, und von mittelmässiger Statur. Ihre Haare sind lang, schwartz, dick und schlecht, und hangen ihnen über die Schulter herunter. Ihre Naase und Lefftzen sind proportionirlich und wohl geschaffen, das Gesicht aber etwas platt und Oval-rund. Wenn sie 12 oder 13 Jahr alt sind, färben sie ihre Zähne braun oder schwartz. Hierzu gebrauchen sie vier oder fünf Tage, und dürffen währender solcher Zeit nichts geniessen, weil diese Zahn-Salbe entweder eckelhafft, oder auch, wie etliche meynen, vergiftet sind. Man hat bemercket, daß sie es sich für eine Schande achtrn[!], gleich den Bestien weisse Zähne zu haben: Doch die rechte Ursache, warum sie selbige anschwärtzen, ist sonder Zweifel die herrschende Gewohnheit des Landes.«

|P_155
£{Hol-243,14-16} / £{Rin-384,22-24}
»Die kleine Fische und Garmeelen[!] thun sie in einen Topf mit ein wenig gesaltzenem Wasser, wenn sie eine Zeitlang darin gestanden haben, wird eine Brey daraus, den sie Ballachaum nennen. Hernach giessen sie das Wasser ab, welches sie Neukinum nennen, dieses brauchen die Einheimischen und Europäer, als eine Sause, und schätzen es so gut zu seyn als Soya.«

|P_156
£{Hol-241,06-07} / £{Rin-383,16-17}
»Ihr vornehmstes Gerichte aber, welches sie bey Visiten aufsetzen ist Betel und Arack, sie rollen etliche Stücke von der Arack-Nuß in die Blätter von Betel-Baum ein: und wenn sie solches mit Chinam, oder mit einer Art von Thon überzogen haben, kauen sie es, wie etliche Europäer den Toback.«

|P_158
£{Hol-241,08-09} / £{Rin-383,18}
»Dieses Land giebt eine grosse Menge Seiden-Zeug aus, [...]. [...] Die lackirte Waaren sind ebenfalls eine von den vornehmsten Manufacturen dieses Landes, und passiren nächst den Japanischen für die besten in der gantzen Welt.«

|P_159
£{He8-73} / £{Hes-194,26 - 195,02}
»Die Holländer aber, welche hieher handeln, machen mit dem Frauenzimmer des Landes Mariagen auf gewisse Zeiten. Solche Weiber gebrauchen sie als Factoren, damit sie zu der Zeit im Jahr, da es nichts zu thun giebt, Seide aufkauffen und verarbeiten lassen können. Auf solche Weise setzen sie die armen Leuten in Arbeit, [...]. Diese Factors aus dem Frauenzimmer sollen den Holländern sehr getreu seyn, deren etliche eben durch solche Weiber ansehnliche Mittel erworben haben. Die Weiber ebenfalls vergessen nicht dabey vor sich zu sorgen, und manche sind wohl, ehe, wenn der Holländische Mann den Handel aufgegeben, von den vornehmsten Herrn geehliget worden.«

|P_160
£{Hol-241,08} / £{Rin-383,17-18}
»Die Leute dieses Orts sind weit richtiger im Handel, als die Chineser, und halten ihren geschlossenen Kauff gantz pünctlich.«

|P_162
£{Hol-185,27} / £{Rin-349,26}
Sie haben auch eine Art von Heuschrecken ungefehr eines Fingers groß, welche an dem Rand der Flüsse und Wasser-Graben ausgeheckt und von dne Einheimischen für eine gute Speise gehalten werden. [...] Würden auch den Fischen zur Beute werden, wenn die Tonquineser sie nicht mit kleinen Netzen auffangen, und sie entweder auf Kolen gebraten, oder auch im Pöckel zu essen: Denn sie sind dick und fett, und bey Arm und Reich gleich angenehm.

|P_163
£{Hol-241,11-12} / £{Rin-383,20-21}
»Niemand wird zu einem Ammt oder Bedienung bey der Regierung gelassen, er habe denn, gleichwie in China, die Gelehrsamkeit [...]. Wir wollen dahero dem Leser mit Wiederhohlung dieser Dinge nicht aufhalten, sondern ihn nach der Beschreibung von China hinweisen.«

|P_164
£{Hol-240,04-05} / £{Rin-382,30-31}
»Vor Zeiten stund Tonquin unter China; hat sich aber schon vor langen Jahren davon abgerissen.«
£{Hes-194,18-22}
»Anitzo haben sie 2 Könige, deren der eine Boua, der andere Choua genennet wird. Jener als der rechte König, scheinet kaum ein wenig mehr, als den Nahmen zu führen: Dieser aber, ob er wohl nur des erstern General und Premier-Ministre ist, hat alle Schätze und Macht des Reichs in Händen.«

|P_173
£{Hol-241,01-02} / £{Rin-383,11-13}
»In Hungers-Noht werden die Armen und Nothdürfftigen mannichmahl genöhtiget, ihre Weiber und Kinder zu verkauffen, damit sie nur etwas zu essen bekommen.«


|B_Sa-Cochin__(1732)__

|P_178
£{Hol-241,14} / £{Hes-195,09}
Der König hat seinen ersten und andern Staats-Minister, sein Seraglio, und eine Leib-Wache von Verschnittenen an der Zahl ungefehr von 200 Mann. Unter letztere soll, wie man saget, niemand als der eine sehr grosse Masse von Reis verzehren kan, aufgenommen werden.

|P_183f.
£{Hes-195,06}
[...]; und unsere Schiffbrüchige haben weder Treu , noch Billigkeit, noch Gerechtigkeit, vielweniger Gutthätigkeit bey ihnen angetroffen: ja was sage ich Gutthätigkeit, ihre Habsucht und Schinderey ist so groß, daß sie es kaum glauben können, wenn sie jemand auch das letzte, was er hat, abgenommen haben, und immer noch mehr wollen. Die an ihren Küsten anländen, dürffen sich nicht die Rechnung machen, daß sie etwas eignes haben, so lange als ihnen noch etwas übrig bleibet, daß vor / dieser Leute Raub-begierigen Augen verborgen, und ihren Diebischen Händen entgangen ist.

|P_184
£{Hol-241,19-20} / £{Rin-383,26-27}
»Ihr Lebens-Art ist nüchtern und mässig, wie bey andern Orientalischen Völcker. Reis und Fisch ist ihre meiste Kost. Verfaulte Sandellen oder Mam sind ihr Zugemüß. [...]«
£{Hol-241,21 - 242,01} / £{Rin-383,29}
»Die Unkeuschheit hat hier gewaltig überhand genommen, wie unter allen Heiden, es ist voll von Huren, und Huren-Winckeln, woselbst Frembde und Einheimische ihre böse Lust um ein geringes büssen können. Ja die Männer lassen gar ihre Weiber misbrauchen, wie Dampier von Condore erzehlet.«

|P_189
£{Hol-244,13-16} / £{Rin-385,01-03}
»Das Holtz von den alten Bäumen hat den stärcksten Geruch, und wird Kalamback genennet, dieses aber behält der König vor sich selbst. Man meinet, daß dieses eben das Aloe-Holtz sey.«
£{Hol-239,19 - 240,03} / £{Rin-382,20-24}
»Ihre Vogel-Nester aber müssen wir nicht vorbey gehen, welche in Europa so wohl als Indien für eine so seltene Delicatesse gehalten werden. Die Nester werden von einem kleinen Vogel, gleich einer Schwalben in den Felsen an den See-Küsten, von Meer-Schaum und einer gewissen Feuchtigkeit, den der Magen des Vogels von sich giebet, gebauet, von der Sonnen getrocknet und sind bey nahe durchsichtig. [...] Doch ist jederman nicht von gleichen Geschmack bey diesem Gericht.«


|P_Vacat
£{Hol-206,19 - 207,07} 3facher Thee / £{Rin-362,12-17}
£{Hol-228,25 - 229,02} Kultivirt, Einwohnerzahl / £{Rin-377,08-11}
£{Hol-230,14-22} Porcellan Flicken / £{Rin-378,16-21}
£{Hol-231,04-05} Frauen / £{Rin-378,28-29}
£{Hol-232,08 - 233,02} Tartarn, Complimentirbücher / £{Rin-379,13-22}
£{Hol-235,13-20} alte Gebräuche / £{Rin-380,21-26}
£{Hol-236,05-07} Mein Herr / £{Rin-380,30-32}
£{Hol-236,07-09} in Tunquin und Cochinchina: Schrift / £{Rin-380,32-34}
£{Hol-236,11-12} Cauterisation ... / £{Rin-380,35-36}
£{Hol-237,12-13} Heirathen / £{Rin-381,19-20}
£{Hol-237,13-15} Hungers sterben / £{Rin-381,20-21}
£{Hol-237,16-18} Zeitung / £{Rin-381,22-24}
£{Hol-237,19 - 238,02} Religion / £{Rin-381,26-28}
£{Hol-238,15-19} Confucius / Christen / £{Rin-382,01-05}
£{Hol-238,20 - 239,04} Fo / £{Rin-382,05-08}
£{Hol-241,14-18} Reisfressen / £{Rin-383,23-26}


|B_Sa-Japan__(1733)___
├ Japan
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Version 3 / 12. September 2001
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[ Auf der Karte
Jedo als Gebiet, darin der Sitz des Kubos [Tokyo Bay]
Westlich davon: Miaco als Residentz des Dairis ]

|P_0
001 Kap 1: Name, Lage, Einteilung, Städte, Ströme ...
012 Kap 2: Von den Häuptern der Regierung, ...
045 Kap 3: Von dem Gottes-Dienst ...
068 Kap 4: Von den unterschiedlichen Ständen ...
071 Kap 5: Von ihrer Leibes-Gestalt, Naturel ...
085 Kap 6: Von ihren Städten, Schlössern, ...
095 Kap 7: Von der Sprache der Japaneser, ihrer Schrift, Gelehrsamkeit ...
105 Kap 8: Von ihren Künsten und Handwerken, Land- und Garten-Bau ...
112 Kap 9: Von der in- und ausländischen Handlung, Gelde, Gewicht, ...
126 Kap 10: Von dem Grund, Metallen, Mineralien, Pflanzen und Bäumen
136 Letzte Seite
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|P_1
£{Hol-260,19}
»Die Einwohner des Landes nennen es in dem täglichen Umgang Nipon oder Nifon: [...], oder das Gebäude der Sonnen.«

|P_2
£{Hol-260,18-22}
»Das Kaiserthum Japan an sich selber wird in drey grosse Inseln getheilet, welche alle der Herrschaft des Kaisers von Japan unterworffen sind. Die gröste derselben wird von den Einwohnern Nipon genennet, und trägt folglich den Nahmen des gantzen Reichs. [...] Wie Salmon vermeldet soll sie 600 Meilen lang und zwischen 100 und 150 breit seyn. / Diese wird durch ein schmales und gar untieffes Fahr-Wasser; voller Klippen, und theils bewohnter, theils unbewohnter Eiländer abgeschnitten von der andern Insel, welche der Grösse nach die nächste ist, [...].«

|P_3f
£{Hol-261,01}
»Die andere Landschafft, welche den Kaiser von Japan zum SchutzHerrn hat, nehmlich das Königreich Corea, ist in vorigen Zeiten von dem Kaiser von Japan durch Gewalt der Waffen gäntzlich gewonnen worden: itzund aber hat er nicht mehr davon, nur als den dritten Theil, Nahmens Tsiosijn.«

|P_4f.
£{Hol-261,01-02}
»Der Welt-berühmte Rußische Monarch Petrus Magnus aber hat davor rühmlich gesorget, daß die Gegend besser möchte entdecket werden: und nach der Zeit stehet nicht mehr daran zu zweifeln, daß es die südliche Gegend von der Halb-Insel sey, welche in unserer Land-Carte von China den Nahmen Kamtzchatka führet. Doch gehen alle Nachrichten dahin, daß es unter Japan stehet.«

|P_7
£{Hol-261,02-07}
»Weiter aber fortzufahren, so ist das Land so wohl bewohnt, daß die grossen Wege meistentheils in einer continuirlichen Reihe mit Dörfern, Flecken und Städten besetzet seyn. Wie unsere geschriebene Nachrichten lauten, so zählet man auf dem Wege von Nagasaki bis Jedo, welches ungefehr 200 Deutsche Meilen seyn sollen, nach des Autoris Rechnung 33 ansehnliche Städte mit Castelen oder Schlössern, und 75 Städte ohne Mauer und Flecken. Ja, wie Kämpfer spricht, so kan man kaum eine verlassen, daß man nicht so gleich wieder in die andere komme: und soll man einige Meilen weit reisen können, als wenn es nur eine Strasse wären, dadurch man paßiret, ohne anders woran zu erkennen, daß man durch verschiedene Dörfer kömmt, als an den Nahmen, durch welche sie von einander sind distingviret worden, [...].«

|P_8-9
£{Hol-261,07-09}
»Aus dem, was vorhin gesaget, erhellet also, daß das Erdreich von Japan durch die Banck wegen der Berge, Hügel und Klippen von allerhand Arten sehr ungleich ist, [...]. Es giebet auch brennende und Feurspeiende Berge an unterschiedlichen Orten des Landes. [...] Der Grund ist an etlichen Oertern brennend heis und so loß, daß etliche Oerter ausgenommen, woselbst einige Bäume stehen, man nicht darüber gehen kan, ohne continuirlich über das hohle und krachende Gerassel, welches man unter den Füssen hört, sich zu entsetzen. [...] Aus der unebenen Beschaffenheit des Erdreichs, der Höhe und Lage der Berge ergiebet sich von selbst, daß in diesem Lande unendliche Gelegenheit zu kalten und warmen Brunnen und Bädern, allzeit fliessenden Bächen, Strömen und Revieren seyn muß, [...].«

|P_11
£{Hol-013,13-14}
»Auf der Küste sind noch zweene gefährliche Strudeln. Der erstere heist Faasaki und liegt bey Simabara neben Amasaki. Wenn es ebbet ist dieser am gefährlichsten. Denn bey hohem Wasser stehet er gleich mit der übrigen See: so bald aber die Fluht beginnet zu fallen, fängt das Meer an sich zu drehen, und ist in kurtzer Zeit 15 Klaffter tieff, [...].«

|P_11
£{Hol-261,09-12}
»Doch Norden den Bergen, welche mitten durch Japan gehen, ist die Kälte ziemlich strenge, und fällt tieffer Schnee. [...] Das Wetter ist hier sehr unbeständig, und vielerley Veränderungen unterworffen. Doch im Sommer und ins besondere in den Hunds-Tagen ist die Hitze unerträglich. Gemeiniglich fällt hier das gantze Jahr hindurch viel Regen, doch am meisten im Junio und Julio, welche man aus dieser Ursachen die Wasser-Monathen nennet.«

|P_12
£{Hol-261,09}
»Japan ist auch dem Erdbeben so sehr unterworffen, daß man sich daselbst dafür nicht mehr, als bey uns für dem Donner und Blitz fürchtet.«

|P_14-16
£{Hol-261,12-18}
»Denn dieses gantze Reich, [...], hat zwey Ober-Häupter oder Monarchen, deren einer Dairi, oder Mikaddo, der andre Kubo tituliret wird.
[...] Alles was diesem Dairi be[t]rifft, wird vor Göttlich und heilig angesehen. [...] Dieser bey ihnen so heilig gehaltene Monarch hat vor dem die oberste und vollkommenste Gewalt in weltlichen so wohl als geistlichen Sachen in Händen gehabt. [...] In weltlichen Sachen aber ist ihm nur ein leerer Schein einiges Ansehens gelassen worden; [...]. Denn ob schon die Einkünffte von der Stadt Miaco und den dazu gehörigen Landen zu seinen Unterhalt verordnet sind: können sie doch zu seiner Hoffstaat mannigmal nicht hinreichen. Was daran gebricht, muß der weltliche Kaiser zwar ersetzen; es geschiehet aber nicht ohne Unordnung und Wiederwillen. Der Kubo im Gegentheil hat eine vollenkommene und uneingeschränckte Gewalt über alle Unterthanen und Einwohner des Reichs vom grösten bis zum kleinsten.«

|P_38
£{Hol-263,02-04} / £{Hol-263,07-08}
»Der Todschlag, ja die blosse Zückung eines Degens, und der Ehebruch wird am Leben bestraft. Wenn jemand seinen Knecht im Zorn erschlägt, wird er doch pardonirt, wenn er beweisen kan, daß dieser etwas verbrochen habe. [...] Von Geld-Bussen weiß man daselbst gar nichts, und die geringste Uebertretung der Kaiserlichen Gesetze verdienet bey ihnen den Todt, Gefängniß, Landes-Verweisung, Verlust des Standes und aller Vorrechte, und dergleichen Straffen mehr. Die Lebens-Straffen sind köpffen, creutzigen, und daß der Missethäter sich selbst den Bauch aufreissen, und also sterben muß. Der Herr Salmon sagt, daß das Verbrennen, die Creutzigung mit unterwerts gekehrtem Haupt, das Zerreissen mit Pferden, und das Sieden in Oel daselbst gantz gemeine Straffen seyn sollen. [...] Man kan niemals sicher seyn, daß man nicht in eine von diesen Strafen verfalle: denn man kan auch wegen fremder Verbrechen in ein solches Unglück gerahten. Also müssen die meisten gemeiniglich für ihre Untergebene leiden: Als die Ammt-Leute der Strassen für die Einwohner derselben, und diese für ihre Hausgenossen und Bediente, die Kinder für ihre Eltern, und so weiter. Eines Menschen Missethat wird durchgehends mit dem Tode der gantzen Familie bestrafft, welcher ihnen allen zu einer Stunde angekündigt, und auch vollenzogen wird, wie weit sie auch von einander wohnen. Doch sind die Bluts-Freundinnen weiblichen Geschlechts hiervon ausgenommen, welche wie der Herr Salmon berichtet, zu Sclavinnen verkauft werden.«

|P_39-40
£{Hol-263,16-20}
»Man führet doch niemand zum Tode, der nicht selbst sein Verbrechen bekannt hat. Sie peinigen sie aber auf verschiedene Weise, um ein Geständniß ihrer verschwiegenen Missethaten heraus zu bringen. Sie giessen den armen Sündern den Leib voll Wasser durch einen Trichter, und treten ihm dann auf den Bauch. Will er dann noch nicht mit der Sprache heraus, so wird er in grob Leinwand, als in Windeln steiff eingewickelt. Hernachmals macht man das Leinwand naß, damit es steiffer anziehen möge, und rollt den armen Menschen in der Sonnen auf Kiesel-Steinen, um ihn durch Beklommenheit und Schmertzen zur Bekäntniß zu zwingen; [...].«

|P_41-42
£{Hol-263,09-16}
»Wo Streit und Zanck zwischen Nachbaren in einer Strasse, oder auch zwischen Fremden entstehet, müssen die nächsten Nachbaren gleich suchen, den Zwist beyzulegen. Denn wird jemand darüber erschlagen, und wenn es auch der Urheber der Schlägerey wäre, so muß der andere mit dem Leben bezahlen; wenn er gleich den Todtschlag aus einer Nohtwehre, und blos sein Leben zu retten gethan hat. [...] Drey von den nächsten Nachbaren der Stelle, wo das Unglück geschehen ist, werden auf drey oder vier Monathen in ihre Häuser eingeschlossen, und ihre Thüren und Fenster mit grossen Bäumen versperret; doch versorgt man sie vorhero mit aller Nohtdurft zu ihres Lebens Unterhalt währendem solchem Haus-Arrest. Die andre Nachbaren in der Strasse haben auch ihr Antheil an der Straffe; als welchen zu erkannt wird, daß sie einige Tage oder Wochen bey den allgemeinen Wercken des Landes, oder für ihre Obrigkeit zu ihrem eigenen Nachtheil Dienste thun müssen.«

|P_45-46
£{Hol-263,22-264,01}
£{Doe-188,01} / {Put-351}
{Glasenapp S.115}
Sie erkennen zwar ein oberstes Wesen: die Götzen aber, welche im Lande verehret werden, sind alte Helden, welche in vorigen Zeiten entweder dem gantzen Reich, oder auch einem Theil desselben ruhmwürdigste Dienste erwiesen haben, [...]. Solche nennen sie Sin oder Cami. Nechst diesen sind aber auch fremde Götter aus andern Ländern eingeschlichen, welche sie Busads, oder Buds und Fotoke nennen, [...]. Endlich giebt es auch etliche unter ihnen, welche den gantzen Götzen-Dienst nach ihrer Vernunft genau prüfen, und in dem Stück von dem gemeinen Mann sehr weit abgehen, und gantz andere Gedanken hegen.
Aus diesen Ursachen giebet es in Japan vier Secten in der Religion. Die erstere nennet man Sinto oder Camitzo, welche es mit den einheimischen Götzen des Landes hält. Die andere Secte Budsdo verehret die fremden Götzen, welche meist solche sind, als man in Siam und China antrifft. Die / dritte Sekte, Siuto genannt, besteht aus den Philosophen dieser Länder, die vierte endlich sind die Christen [...].

|P_46f.
£{Kae-484,02} / £{Doe-188,01}
Sie [sc. die Sintoisten] erkennen anbey ein oberstes / Wesen, welches in dem höchsten Himmel wohnet, und neben selbigen noch etliche geringere Götzen, welche sie unter den Sternen hin logiren. Weil sie aber viel zu hoch (nach ihrer Meinung) sitzen, als daß sie sich um die Menschen bekümmern sollten, wird ihnen weiter keine Göttliche Ehre angethan, als daß sie bey ihrem Nahmen schwören. Dahero beten sie niemand an, und verehren niemand mit Göttlicher Ehre, als die Camis oder vergötterte Seelen der Menschen.

|P_52
[...] über ihren abgeschmackten närrischen Gottesdienst die Augen öffnen. Die Wirkung davon aber hatte so bald nicht in dem Beutel der Pfaffen sich spüren lassen: so wußten sie es dem Kaiser dahin zu bringen, daß dieser gute Fürst seine gute Absicht mit dem Leben hätte bezahlen müssen, wenn er seinem Tode nicht durch freiwillige Abtretung seiner Länder an seinen Sohn zuvor gekommen wäre.

|P_56
£{Hol-264,02-03}
»Sie wissen von keinem Teufel, als den, der in den Fuchs gefahren seyn soll, und ihn beseelet. Dieser wird so gehasset, daß sie so gar glauben, daß die Seelen der Bösen in ihn fahren.«

|P_61
£{Hol-264,04-06}
»Das gröste Vergnügen und das höchste Gut soll nach ihren Gedancken in dem Vergnügen und der Freude bestehen, welche die Seele empfindet, wenn man ein tugendsam Leben führet. [...] Den Selbst-Mord halten sie [sc. die Anhänger der Lehre des Confucius] vor eine preißwürdige Helden-That, und für das eintzige honette Mittel sich von einem schändlichen Tode zu retten, und den Händen eines siegenden Feindes zu entrinnen.«

|P_62-63
£{Hol-264,08-12}
»Man findet diese Christen vornehmlich in den Landschafften um Nasagaki[!] herum, woselbst die Römische Geistliche vormahls die Christliche Religion am meisten ausgebreitet haben. Daselbst hat man auch die meisten Mittel angewandt, ihren Fortgang zu verhindern. [...] Da muß er dann ein kupffernes Bildniß unsers gecreutzigten Heylandes und ein ander Bild eines Heiligen, oder der Jungfrau Maria mit Füssen treten. [../.] Diese Untersuchung wird nur in der Stadt Nasagaki[!] und in den Landschafften Omura und Bungo angestellet, als woselbst die Christliche Religion vormahls sich am meisten ausgebreitet hatte. Diejenigen aber, welche es nicht über Ihr Gewissen bringen können, dieses zu thun, werden nach Nagasaki gebracht, und daselbst Lebenslang gefangen gehalten: denn itzunder straffen sie solche Leute nicht mehr wie vormahls am Leben. In diesem Gefängniß waren ihrer um das Jahr 1690. ungefehr 50. [...] Es ist auch verboten, einige Bilder, welche die Römische Geistlichkeit bey dem äusserlichen Gottes-Dienst gebraucht ins Land zu bringen.«

|P_64
£{Hol-264,12-13}
»Das Verbot des Kaisers, welches den Christen bey Lebens-Straffe allen Zugang in seine Länder verbeut, erstrecket sich nicht weiter, als auf die Römisch-Catholischen.«

|P_65
£{Hes-212,04}
Es dürffte anbey dem Leser vielleicht nicht unangenehm seyn, einen kurtzen Entwurff von dem Auf- und Untergang der Christlichen Religion in diesem Reiche hier eingerückt zu lesen. Im Jahr 1549 kam ein junger Japoneser nach Goa, und ließ sich daselbst in dem Christlichen GOttes-Dienst unterrichten und tauffen. [...]

|P_68-69
£{Hol-263,05-06}
»Durch die Ehe werden zwar die Männer in Japan nicht an eine Frau, wohl aber die Weiber an einen Mann gebunden. Denn einer verehlichten Frauen ist verboten sich mit andern Manns-Personen, als ihrem Manne nur im geringsten abzugeben, [...]. Den Männern aber ist nicht allein erlaubt, so viel Kebs-Weiber, als ihnen beliebt, oder sie ernähren können, zu halten: sondern es stehet ihnen auch frey, sich mit unzüchtigen unverheuratheten Huren abzugeben.«

|P_71-72
£{Hol-261,23-262,03}
»Diejenige, welche sie selbst gesehen haben, versichern, daß die Einwohner der Insel Nipon gar nicht hübsch, sondern kurtz von Statur, dick von Fleisch, groß von Kopff, dick von Beinen, gelblich von Fell, schwartz von Haaren, platt von Naase, dick von Augen-Liedern, aber klein von Augen seyn sollen, ob wohl die Augen ihnen nicht so tief in den Kopf liegen, als den Chinesern.«

|P_72
£{Hol-262,03-04}
»Von den Japanesern wird überhaupt gesagt, daß sie verständig, vorsichtig, redlich, Liebhaber von guten Sitten, artig in allen ihren Thun, und beliebt in ihrer Conversation seyn sollen. [...] Sie sind sehr neugierig zu wissen, was ausser ihrem Lande vorgeht, zu guten Künsten geneigt, fleißig, behende, und hurtig in ihren Geschäfften [...], hart allerhand Ungemach zu erdulden, und können gantze Nächte ohne Schlaff hinbringen.«

|P_73
£{Hol-262,04-07}
»Gegen unglückliche Leute sollen sie geitzig und unbarmhertzig seyn, ungerechtfertig gegen Fremde, fahren leicht auf im Zorn, wie die Tartaren: doch sind diese böse Neigungen durch ihre Erziehung und Gefälligkeit ziemlich gemildert worden. Ihr Haß ist hartnäckigt. Das Unrecht, welches die Vor-Eltern erlitten haben, ziehen die Nachkommen sich an; denn sie erben Haß und Liebe, gleicher Weise, wie die Güter, von ihren Ahnen. [...] Den Todt fürchten sie nicht sonderlich, und haben ein unüberwindlich Gemüth, oder sind vielmehr von einer so unverzagten Tollheit besessen, daß sie, wenn sie von ihren Feinden überwunden sind, oder sich wegen eines erlittenen Torts nicht rächen können, oder sonst in Unglück gerahten, sich nicht scheuen, mörderische Hände an sich selbst zu legen, und mit Aufreissung des Bauchs mit ihrem eignen Gewehr sich vom Brodte zu helffen. [...].«

|P_75-76
£{Hol-262,07-13}
»Gewisse und beständige Scheer-Wände sind in ihren Häusern, zum wenigsten in den meisten, nicht. [...] Sie können ihre Gemächer so offt und so klein oder groß, als es ihnen beliebt durch Vorschiebung und Wegziehung ihrer Schirme machen. [...] Das Holtz an den Häusern der geringsten bis an den Kaiserlichen Pallast ist mit einem Firniß überzogen, oder lackiret, oder auch vergüldet, und geschildert, nachdem der Stand eines jeden es erfordert: doch halten sie solche alle durch die Banck sehr sauber und zierlich. Sie wissen von keinem Glaß, und brauchen an dessen statt mit Oel beschmiert Papier, Matten, Gitterwerck oder geschliffene Auster-Schalen, zu ihren Fenstern, eben wie die Chineser thun. Der Gebrauch einer Feuer-Esse ist ihnen auch unbekannt. [...] In jedem Hause ist auch ein Brandfreyes-Zimmer, in welchen sie im Fall der Noht ihre kostbarste Meublen und Güter bergen, [...].«

|P_77
£{Hol-262,14-16}
»Butter und Käse kennen sie gar nicht weiter, als wenn ihnen etwas aus Europa gebracht wird, und wissen auch von keinem Baum-Oel. [...] Diejenigen Kräuter, von welchen andere Völcker nicht dencken würden, daß man sie essen könne, [..] sind ihnen Lecker-Bißlein und Confect. [...] Selbst gifftige Kräuter sind nicht ausgenommen, weil sie ein Mittel wissen, selbigen den Gifft zu nehmen, und solchen davon zu scheiden.«

|P_80
£{Hol-262,16-17} / £{Hol-262,18-22}
»Ihre Complimenten sind nicht so beschwerlich, als der Chineser ihre.«
»Das Divertissement aber, welches die Grossen, nach des Herrn Salmons Bericht, zum Beschluß ihrer Festins den Gästen machen, ist gar erschrecklich anzuhören. Sie fordern ihre Diener herein, und fragen sie, wer unter ihnen Lust habe, sich zu Ehren seines Herren das Leben zu nehmen. Diese elende Creaturen zancken sich dann, wer am ersten die Ehre haben soll, seines Herren Ruhm und Ansehen durch seinen Tod zu vergrössern. Dergleichen Selbst-Mord geschiehet auch, wenn jemand von den grossen stirbt und begraben wird.«

|P_80-81
£{Hol-207,06-07}
»Denn wir folgen den Chinesern in Zubereitung des Thees. In Japan aber machen sie ihnen auf zweyerley Art zu rechte. Die Japaneser mahlen den Thee den Tag zuvor, oder auch wohl an selbigen Tage, da sie ihn trincken wollen, in einer Handmühlen von Serpentin-Stein zu Pulver. [...] Das Land-Volck aber und die gemeinen Leute bereiten den Thee gantz anders zu ihrem täglichen Gebrauch.«

|P_83
£{Hol-262,22 - 263,01}
»Ihre Leichen pflegen sie auf zweyerley Weise zu bestättigen: indem sie selbige entweder verbrennen, oder unverbrannt begraben.« [ Tatsächlich beschrieben wird dann nur die Verbrennung. ]

|P_95
£{Hol-264,15-16}
»Der Herr Salmon berichtet auch, daß sie keine Ziffern haben sollen, die Zahlen mit zu schreiben; sondern zum rechnen ein Brett gebrauchen, welches mit Stricken bezogen, die gleich weit von einander stehen. An selbigen sind etliche Knöpffe befestiget, welche sie hin und her schieben können, und damit rechnen sie auf gleiche Weise, wie die Chineser.«

|P_98-100
£{Hol-264,17-265,04} / £{Hol-265,06-10}
»Es ist genugsam am Tage, daß wir in der Medicin nur wenig von ihnen lernen können. Denn aus den gelehrten Nachrichten, die ten Rhyne und Kaempfer uns hinterlassen haben, ist genugsam abzunehmen, daß ihre Wissenschafft in dem Stück nicht weit her sey. [...] Dieses haben sie mit den Chinesern gemein, daß sie das Aderlassen und die abführende Artzeneyen gar nicht gebrauchen: und nicht so viel stählerne Instrumenten zum schneiden und brennen haben, als die Europäer. [...] Zwey von ihren Curen, nehmlich das Moxo-brennen, und das Nadel-stechen, wollen wir jedoch etwas umständlicher beschreiben, weil solche vielleicht, wenn sie bey uns gebraucht würden, hier so wie dort von guter Wirckung seyn dürfften: [...]. Mit dem Moxa-Brennen verfahren sie also: Sie nehmen die Flocken und Fäserlein von dem Beyfuß mit breiten Blättern, legen solche an einem gewissen Ort des Leibes, welcher nach Beschaffenheit der Kanckheit bald dieser bald jener ist, zünden sie an, und lassen sie gantz zur Asche brennen. Die Flocken oder Fäserlein aber werden auf folgende Weise bereitet. Im Ausgang des May-Monats oder im Anfang des Junii pflücken sie die Blätter [...]. Hernachmahls stampffen sie diese Blätter, bis sie in groben Flocken oder Fäser verwandelt werden, und diese Flocken reiben sie ferner mit den Händen, / um sie noch feiner zu machen, [...]; also werden endlich feine Asche graue Zäser oder Flocken daraus, welche sehr leichtlich sich entzünden und Feuer fangen. Von diesen Zäsern nehmen sie etwas zwischen ihre vorder Finger, und drehen kleine Weichen in Form eines Kegelgens daraus, die einem Daum breit hoch, und etwas weniger breit sind. Wenn nun die Meister im Moxa-brennen, [...], diese Cur bey einem Patienten verrichten sollen, befeuchten sie erst den Platz, wo die Moxa soll applicirt werden mit ein wenig Speichel, hernachmahl setzen sie eine solches Kegelgen darauf, und stecken solches mit einem glimmenden dünnen und wohlriechenden praeparirten Stöcklein an, [...]. Hernach lassen sie die Weiche bis an die Haut wegbrennen oder ausglimmen. [...] Ja sie [sc. die europäischen Augenzeugen] haben mannigmal gesehen, daß die Kinder, ohne zu weinen, ja ohne einmal mit einem Zucken zu erkennen zu geben, daß es ihnen Pein oder Quaal mache, daß Moxa-brennen ausgestanden haben. [...] Eine gute Verdauung zum Exempel und Appetit zum Essen zu erwecken, brennen sie zwischen den Schultern. Wider die Zahnschmertzen brennen sie die Mauß in der Hand an derselben Seite, wo die Zähne wehe thun, und so weiter. [...] Auf dem Rücken und an beyden Seiten des Rück-Grades sind die vornehmste Stellen, welche sie am meisten suchen. Die Meister aber in der Kunst gebrauchen Bilder von Menschen, auf welchen die Oerter bezeichnet sind, an welchen man brennen kan, damit sie nicht auf die unrechte Stellen verfallen.«

|P_100-102
£{Hol-265,13-16} / £{Hol-265,10-12}
»Das Nadel-Stechen, welches nechst dem Moxa-brennen wohl ihr bester Handgriff in der Medicin ist, bestehet darin, daß sie gewisse Glieder des Menschlichen Leibes mit einem Pfriemen durchbohren, um die Schmertzen aus demselben, oder einem nahe daran gelegenen Theil des Leibes zu vertreiben. Die Materie, aus welchen sie solche Pfriemen oder Nadeln verfertigen, ist das feinste Gold oder Silber, [...]. Die güldene und silberne Nadeln kommen darin beyderseits überein, daß sie einen Stiel, doch von unterschiedlicher Länge haben, und ungefehr vier Daum breit lang seyn; in andern Stück aber ist ein Unterscheid unter ihnen. [...] Die silberne Nadeln sind nicht dicker, als eine Seyte an einer Zitter; und werden gemeiniglich in ein kleines, länglichtes, vierecktes, lackirtes und wohl gefüttertes Futteral eingeschlossen. Wenn sie diese Nadeln appliciren wollen, / stecken sie selbige in eine hohle Röhre, aus welcher die Nadel so weit hervor raget, als sie in den Leib der Patienten soll hinein gestochen werden. Mit den erstern Nadeln stellen sie die Operation folgender massen an. Sie fassen die Spitze der Nadel mit dem Daumen und den beyden fordersten[!] Fingern der lincken Hand an, und setzen sie an den Ort hin, da die Operation geschehen soll: [...], und drehen sie hernachmahls mit den vorder Fingern der rechten Hand einen halben und höchstens einen Daum breit tieff ins Fleisch hinein, [...] Ihre [sc. der Personen, die solche Operationen vornehmen] Boutiquen kan man an den ( ausgeschnitzten Menschen-Bildern, auf welchen die Oerter, da man mit Moxa-brennen, und mit der Nadel stechen soll, mit blauen oder rothen Flecken bezeichnet seyn, erkennen: [...].«

|P_105
£{Hol-265,17-19}
»In aller Arbeit, die von Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Stahl und Holtz verfertiget wird, und insonderheit in lackirten Sachen und Porcellan sind sie rechte Meisters, die vor andern excelliren: ja man sagt so gar, daß man bey ihnen Seidene Stoffen antreffen soll, welche die Chinesische in vielen an Feinigkeit und Nettigkeit übertreffen. Den Stahl zu härten sind sie grosse Meister. Ihre Schwerdter können unsere Degens, ohne Scharten davon zu bekommen, mitten durchhauen. Und darin besitzen sie eine Kunst und Wissenschaft die noch zur Zeit in Europa gantz unbekandt ist, daß sie die feine güldene und silberne Nadeln so zu härten wissen, daß man sie, wie oben gemeldet, zu den schwersten Chirurgischen Operationen gebrauchen kan.«

|P_105-106
£{Hol-266,11-16}
»Der Japanische und Chinesische Firniß oder Lack wird von Terpentin gemacht, worunter sie eine gewisse Art von vortrefflichen Oel giessen, und beydes zusammen kochen lassen, bis es seine gehörige Dicke erlanget hat. [...] Der Lack ist ein Safft von einem gewissen Baum; solchen zu sammlen schneiden sie Löcher in die Rinde des Baums, und binden einen Topf darunter, in welchen der Lack alsdenn hineinfliesset. [...], wenn sie den Lack schwartz färben und zum Gebrauch bequem machen wollen, [...]. [...] Alsdenn wird der Firniß, welcher von Oel und Terpentin zur gehörigen Dicke vor die schwartze Lackirung gekocht ist, darüber gestrichen. Wenn sie aber rothe oder eine andre Lackirung haben wollen, thun sie die verlangte Farbe in einem feinen Pulver unter den Firniß, [...].«

|P_106
£{Hol-265,20-21}
»Hier muß ich nicht vergessen zu erzehlen, wie diese Leute ihr Papier machen. Die Haupt-Materie, welche sie dazu gebrauchen, ist die Rinde von einer gewissen Art Maulbeer-Bäumen.«

|P_107-108
£{Hol-265,21-266,03}
»Im Acker-Bau aber machen sie vielleicht allen Nationen den Preis streitig: wozu die Noht sie wohl zwinget, weil sie in einem so Volckreichen Lande wohnen. [...] Ja sie machen eigene Abtritte vor die Reisende, damit sie den Unraht zur Dünge sammlen können. [...] Wer sein Land ein Jahr anbebaut[!] liegen läst, verliehrt sein Recht und Eigenthum daran.«

|P_108-109
£{Hol-266,04}
[ Eingehende Beschreibung des Thee-Bau; Anbau, Pflege und Ernte ]

|P_111
£{Hol-266,17} / £{Hol-201,12f}
»Die Bauren in der Provintz Satsuma und in der Insel Gotho ziehen den Kampfer auf folgende Manier aus dem Kampfer-Baum. Sie machen das Holtz so klein als den feinsten Säge-Staub, und giessen Wasser darauf, und kochen es in einem eisernen Topff, der mit einem grossen irdenen Helm, so mit einer Röhre versehen bedecket ist. In diesen Helm stecken sie etwas Heu oder Stroh, und darinn setzet sich der aufsteigende Kampfer.«

|P_126-127
£{Hol-266,06-08}
»Das edelste von den Metallen, das Gold meine ich, schmeltzen sie aus seinem eigenen Ertz, oder waschen es aus Gold-Sand, oder ziehen es auch aus dem Kupffer. [...] Doch sollen die Minen nicht allezeit so ergiebig seyn. [...] In der Provintz Bingo gibt es Silber-Minen, [...]. Sie haben auch anderwerts Silber-Minen. [...] Das Kupffer ist daselbst das gemeinste Metall, und macht viele von ihren Provintzen reich. [...] Alles Kupffer wird nach Saccai gebracht, woselbst es gereiniget, und in Stangen von anderthalb Spannen lang und einen Finger dick gegossen wird.«

|P_128
£{Hol-266,08-10}
»Man findet auch Birn-Stein auf den Küsten von den Inseln Satsuma und Riuku. [...] Am häuffigsten finden sie es in dem Eingeweide der Wallfische, die man auf den Japanischen Küsten fängt. Kaempfer merckt an, daß es in dem Gedärme der Fische meistentheils mit einer kalckhafftigen Materie vermischet ist. Wenn der Birn-Stein erstlich von der Gewalt der Wellen von dem Grund des Meers loß gerissen, und an den Küsten ausgeworffen wird, ehe ihn die Fische verschlungen, ist er schleimigt, und sieht aus als Küh-Mist, hat auch einen widerlichen Geruch.«

|P_141
£{Hol-266,18}
»Hiebey müssen wir nicht vergessen, der Schwalben zu gedencken, die etwas grösser als ordinaire Haus-Schwalben seyn, und in den Indianischen Gewässern ihre Nester an den Klippen machen. Diese Nester [...] gebrauchen sie über der Tafel, als einen recht sonderlichen Lecker-Bissen. Der Vogel bereitet sein Nest, wie sie vorgeben, aus dem Schwamm der See, oder auch aus einer Materie, die er aus dem Meer-Schaum sammlet.«

|P_145-146
£{Hol-266,19-22} / £{Hes-132}
»Doch müssen wir die Furuse, oder wie die Holländer ihn nennen, den Blaser nicht übergehen: so wohl weil er sehr gifftig ist, als auch die Verwegenheit der Japaneser zu zeigen, welche sich nicht scheuen, ihr Leben so ruchloser Weise bey einem Fisch zu wagen, der ihnen so vielfältige Exempel von einem plötzlichen Tode vor Augen stellet. Man nennet ihn den Blaser, weil er sich selbst so aufblasen kan, daß er so rund wird als eine Kugel. Wenn er unbereitet, oder auch schlecht zugerichtet und ungereinigt gegessen wird, ziehet solches den gewissen Todt nach sich. [...] Ein gewisser Japaneser, der von den Blattern ungemein gequält war, als welche ihm schon die Nase abgefressen hatten, ward seines Lebens müde, und wolte sich mit dem Gifft dieses Fisches, aus der Welt helffen, und von seinem Ungemach befreyen. Er aß ihn also ungereinigt, und legte sich nieder, den Tod zu erwarten. Der Gifft aber, der ihm den Tod bringen sollte, that eine heilsame Wirckung. Denn er ward zwar tödtlich kranck, er brach aber dabey eine grosse Menge von einer schleimigten, faulen und scharffen Materie nebst allem Gifft von sich, und ward also von seiner Krankheit aus Verdruß über welche er den Gifft genommen hatte, glücklich befreyet; so daß es ihm an statt des Todes die Gesundheit zu Wege brachte.«

|P_Vacat
£{Hol-260,19-20}
£{Hol-261,18-21}
£{Hol-264,06-08}
£{Hol-265,04-06}
£{Hol-266,08-10} [Begriff "Ambre gris"]
£{Hol-267,07-08}


|B_Sa-Latron__(1733a)__
[ Latronen, Philippinen, Molucken
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version 3: 28. Januar 2005 / 22.01.2006
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*************]
Die Heutige Historie oder der gegenwärtige Staat der Orientalischen Inseln, Und nahmentlich der Ladronischen, Philippinischen und Moluckischen, wie auch der Insel Celebes oder Macassar, [...]
(Altona: Korte 1733)
5 Kap.1: Entdeckung latronische + philippinische Inseln
10 Kap.2: Beschreibung latronische Inseln
14 Kap.3: Philipp. Inseln Name, Lage, Bezirk; besonders Mindanao + Monsons, Ströme, Haven
16 Kap.4: Gebäude Mindanao, Beschreibung der Menschen in Aussehen + Gepflogenheiten
20 Kap.5: Schiffahrt, Handel, Manufakturen, Münzen, Gewicht, Boden, Thiere, Pflanzen, Mineralien
26 Kap.6: Sprache, Handwerk, Kranckheiten, Gottesdienst, Weiber, Aberglauben
28 Kap.7: Sultan v. Mindanao, seine Regierung, Einkünfte, Macht; Kriege, Waffen
30 Kap.8: Beschreibung Insel Luconia/Manila, Gebäude + Klima + Geologie
34 Kap.9: Die Bewohner dieser Inseln, Aussehen, Beschäftigungen, Sitten
51 Kap.10: Sprache, Regierung, Macht der Völker d. philipp.Inseln
56 Kap.11: Gottesdienst, Hochzeiten, Beerdigungen d. Bewohner d. philipp. Inseln
58 Kap.12: Übrige, besuchtere philipp. Inseln
63 Kap.13: Neu entdeckte Inseln, geheißen Neue Philipp. Inseln
67 Ende
68 Gegenwärtiger Staat der Moluckischen Inseln
68 Kap. 1: Von der Lage und Eintheilung der Ostlichen Land-Vogteyen oder der Moluckischen Inseln, ihrem Erdreich, Luft, Regierung, Gottes-Dienst, Einwohnern, wie auch derselben Naturel, Kleidung, Lebens-Art, Häusern, Sprache und Sitten
88 Kap. 2: Von den Land-Vogteyen der Holländischen Compagnie in den Moluckischen Inseln, als Ternate, Amboina, und Banda, und zwar von einer jeden ins besondre
108 Kap. 3: Hält eine Beschreibung der Insel Celebes, oder Macassar in sich
124: Ende


|P_10
£{Hol-268,16-17}
»Die Ladronische Inseln bestehen aus einer Menge von kleinen Inseln, welche von dem 12. bis ungefehr an den 28. Grad Norder-Breite in einer Reihe ausgestreckt liegen. Die vornehmsten von denselben sind erstlich Guam oder Iquana, welche nach Dampiers Bericht auf dem 18. Grad 21 Minuten lieget und sieben tausend drey hundert und zwey Englische Meilen Westwerts von dem Capo Corientes im Königreich Mexico entfernet ist. Sarpanta auf der Breite von 15 Grad 40 Minuten, [...]. Die meist bewohnte unter allen diesen Inseln ist Guam.«

|P_11-12
£{Hol-268,08-10} £{Hol-196,02}
»Dampier aber erzehlet, daß die sogenante Brod-Frucht an einem Baum wachsen soll von der Dicke und Grösse eines Apfel-Baumes. Der Baum hat eine grosse Crone voller Zweige und schwartze Blätter. Die Frucht wachst wie die Aepfel, an den Zweigen, und ist so groß, als ein gemeiner Ballon. Sie ist rund und hat eine dicke zähe Haut. Wenn die Frucht reif ist, wird sie gelb, zart und süß vom Geschmack. Die Einwohner essen sie an statt Brod. Sie pflücken selbige, wenn sie noch grün und hart ist, und backen sie, bis die Schale recht schwartz gebrant ist. Alsdenn schaben sie das äusserste ab, worauf eine zarte dünne Rinde übrig bleibet. Das inwendige ist weiß und weich, als die Krume von einer Semmel zu einem Stüver. [...] Die Reisende haben bemercket, daß dieser Baum nirgends, als in den Philippinischen und Ladronischen Inseln gefunden wird.«

|P_12
£{Hol-268,10-11}
»Die Einheimischen sind grosse Meister Böte und andere kleine Fahrzeuge zu bauen. [...] Was aber an diesen Booten am meisten zu bemercken, ist dieses, daß die eine Seite gantz platt ist, die andere aber rundlich zugehet, und einen sehr dicken Bauch hat.«

|P_13
£{Hol-268,12-16}
»Sechs oder sieben Fuß von der runden Seite des Boots ab liegt eine kleine Canoe, oder ein sehr leicht Stück Holtz, welches so lang ist, als das grosse Fahrzeug: oben aber nicht mehr als anderthalb Fuß breit, und an beyden Enden spitz ist. Dieses wird mit zwey Bamboes-Höltzern so dick als ein Bein, die queer über beyden Enden des Boots liegen, an das Fahrzeug befestiget, um zu verhindern, daß selbiges nicht umschlage. Die platte Seite des Boots wenden sie gegen den Wind, der hier durchgehends fast Ost ist. Weil sie an jedem Ende Vorsteven haben, gebrauchen sie einen Ruder-Riemen an statt des Steuers, und seegeln mit beyden Enden vorwerts, und haben nicht nöthig umzukehren, wie unsre Schiffer, ja man meint, daß sie die besten Seegler in der gantzen Welt seyn sollen. Dampier hat eines von diesen Böten probirt, und meinet, daß sie in einer Stunde 24 Englische Meilen lauffen können. Ja er erzehlet, daß die Leute von Guam, nach einer von den Ladronischen Inseln, die 30 teutsche Meilen von dannen entfernet ist, hinseegeln, daselbst ihre Geschäffte verrichten, und wieder auf Guam seyn können innerhalb 12 Stunden.«

|P_14-15
£{Hol-267,01-02}
»Diese Inseln sind vermuthlich erstlich aus dem festen Lande von China mit Einwohnern bevölckert worden, und sind vormals unter der Botmäßigkeit des Chinesischen Kaisers gestanden, welcher selbige allem Ansehen nach darum verlassen hat, weil sie zu weit von seinen übrigen Herrschaften entlegen waren. [...] Die Insel Mindanao ist nächst Luconia die Gröste von allen Philippinischen, und hat 60 Holländische Meilen in die Länge, und 40 bis 50 in die Breite. [...] Diese Insel stehet nicht gantz unter einem Regenten. [...] Die meisten Einwohner sind Mahometaner, und haben einerley Sitten und Manieren, stehen auch alle unter dem Sultan von Mindanao, welcher sie nach seinem souverainen Willen und nicht nach geschriebenen Gesetzen regiert.«

|P_16
£{Hol-267,02-05}
»Die Luft ist in dieser Insel, ob sie gleich unter der Linie lieget, ins besondre an den See-Küsten nicht sehr heiß, weil sie bey Tage immerfort durch die See-Winde, und bey Nacht durch die Land-Winde abgekühlet und erfrischet wird. In dem einen Jahr stehet der Wind immerfort im Westen, und in dem andern in Osten. Der Ost-Wind beginnet zu wehen im October, setzt sich aber nicht recht fest vor dem Mittel des Novembers, und bringet allezeit schön Wetter mit sich. Im Majo beginnet der Wind nach dem Westen umzulaufen, steht aber nicht beständig in der Ecken vor den Junium, und bringt Regen und Ungewitter mit sich. [...] Wenn der Wind erstlich nach dem Westen geht, weht es wenig, und kommen nur ein oder zwey Orcanen auf einen Tag. Wenn ein solcher Sturm über ist, läuft der Wind wieder nach dem Osten, und das Wetter kläret sich wieder auf. Hernachmals aber kommen sie öfter an einem Tage und geschwinder auf einander, mit hefftigen Wirbel-Winden und starcken Donner-Schlägen. Zuletzt folgen die Orcanen so geschwind auf einander, daß der Wind fast niemals die Ecke, da sie herkommen, nemlich das Westen, verläst.«

|P_17-18
£{Hol-267,05-08}
»Die Mindanaische Manns-Personen sind nett von Gliedern, schmuck von Leibe, klein von Kopf, und ihr Gesicht ist fast oval-rund, die Augen aber klein und schwartz. Sie haben eine kurze Nase, platte Stirne, breiten Mund, rothe dünne Leffzen, und schwartze Zähne, wie andere Indianer. Ihre Farbe ist gelb, aber doch heller, als bey einigen ihrer Nachbaren. [...] Sie haben ein stattliches, oder vielmehr, wie etliche Voyageurs sagen, ein stoltzes und hoffärtiges Ansehen: gegen Fremde aber sind sie höflich genug; anbey aber sind sie auch schlimm genug sie unter dem Schein der Freundschafft zu betriegen, wie Valentyn und Dampier berichten, und auch unten aus dem 5. Haupt-Stück erhellen wird. Sonst gehen sie mit den Fremden sehr frey um, ohne wenn man sie beleidiget oder schimpfet; alsdenn aber sollen sie in ihrer Rache unversöhnlich seyn, welche sie heimtückischer Weise durch Meuchel-Mord oder Vergifftung ausführen.«

|P_19
»Das gemeine Volck lebt vornehmlich von Reis, oder Sago und kleinen Fischen.«

|P_23
£{Hol-196,06-07}
»Eine von diesen Pflantzen wird von den Einwohnern Libby, von den Europäern aber der Sago-Baum genennet. Diese Bäume wachsen wild längst den Strömen in grossen Wäldern von 5 bis 6 Meilen in die Länge. Aus dem Marck dieses Baumes machen sie das Sago, welches die Einwohner jährlich 4 oder 5 Monaten hindurch an statt des Brods essen. Der Baum siehet einem Palm-Baum sehr ähnlich.«
£{Hol-267,09-11}
»Sie haben auch Wasser-Melonen, Saggen, Bonanoes, Guaves, Jacks, Cocus-Nüsse und Pommerantzen. Die Frucht von den Saggen, wie sie die Einheimischen nennen, oder von dem Plantain-Baum, wie Dampier sie nennet, ist nach dieses seinem Geschmack die beste von allen Früchten: [...]. Der Baum, an welchem sie wachsen, ist ungefehr 10 Fuß hoch, und 3 Fuß, oder auch wohl darüber, dick. Er wächst nicht aus dem Saamen, sondern aus den Schößlingen und Sprossen der alten Bäume: [...]. So bald als die Frucht reif ist, fangen die Bäume an zu verdorren: alsdenn aber schiessen sehr viele junge Sprossen hervor, welche wieder aufwachsen und den alten Abgang ersetzen.«

|P_23-24
£{Hol-267,12-16} [ Banane ]
»Wenn sie erst aus der Erden hervor keimen, haben sie 2 Blätter, und wenn sie einen Fuß hoch seyn, wachsen ihrer 2 mehr innerhalb der erstern, die aber ein wenig niedriger sitzen (welches letztere doch beym Dampier nicht stehet) kurtz hernach kommen abermals 2 Blätter hervor, und so wächst der Baum immerfort. Wenn der Baum einen Monat alt ist, wird der Stamm fast so dick, als ein Arm: [...] Wenn der Baum sein völliges Wachsthum bekommen hat, schiest oben aus dem Gipfel ein starcker Stengel heraus, der weit härter, als die übrigen Stücke vom gantzen Baum und ohngefehr so lang und so dick als eines Mannes Arm ist. Die Frucht wächst an Trauben, welche rund um den Stengel in einer Schalen von ohngefehr 6 oder 7 Daum breit daran hangen, und dicker als eine Faust seyn. Die Schale ist zart und gelb, wenn sie reif ist, und die Frucht ist fast beschaffen, wie eine Bologneser Wurst. Das inwendige Fleisch ist süß, und weicher als Butter, und bey nahe von derselben Farbe, sie zergeht im Munde, und hat weder Saamen noch Steine. [...] Die reife Frucht von dem Saggen wird auch manchmal an der Sonnen getrocknet, und hernach aufgehaben[!], und ist alsdenn recht delicat zu essen. Diese Frucht dienet vielen tausenden von Menschen in West-Indien zu ihrer Speise und zum Getränck. Wenn sie ein Getränck davon machen wollen, nehmen sie 10 oder 12. von den reifen Früchten, stampfen solche mit einander in einem Topf, und giessen ohngefehr vier Gallons (ist ein Englisch Maaß von nassen Waaren) Wasser dazu. Solches soll innerhalb 2 Stunden anfangen zu gähren, und wann sich ein Hefen, gleichwie bey dem Bier, oben darauf gesetzet hat, wird es innerhalb 4 Stunden bequem zu trincken. [...] Das Getränck ist frisch und kühlend, macht aber viele Winde, gleichwie die Frucht selbst, wenn sie roh gegessen wird.«

|P_31
£{Hol-267,17}
»Die Insel Luconia oder Manila erstrecket sich von dem 13. Grad 30 Minuten bis an den 19. Grad Norder-Breite, und hat überhaupt die Figur eines krumm-gebogenen Arms. [...] Dasjenige Stück der Insel, welches die Spanier besitzen, ist von ihnen in 11 Provintzen eingetheilet worden, über deren jede ein Spanischer Alcaide, oder Stadthalter gesetzet ist. Unter diesen Provintzen ist Manila die vornehmste, und die Stadt, von welcher diese Provintz so wohl als die gantze Insel den Nahmen empfangen hat, die Residentz des spanischen Vice-Re.«

|P_33
£{Hol-267,17-18}
»Diese Inseln sind heftigen Erdbeben unterworfen, welche man gemeiniglich dem unterirdischen Feuer zuschreibet, so unterschiedliche Mineralien in eine starcke Bewegung bringen soll.«


|P_34


Das neunte Capitel
Handelt von den unterschiedlichen Völkern, welche diese Inseln bewohnen, derselben unterschiedlichen Farben, Leibes-Gestalt, Statur, Kleidern, Lebens-Arten, Lustbarkeiten, Manieren zu grüssen, und andern Ceremonien

|P_35
£{Hol-267,05-06} / £{Hol-267,18-268,01}
»Ich bin vormals in den Gedancken gestanden, daß diese Inseln erstlich von China aus bevölckert worden, weil dieses das nächste feste Land ist: itzunder aber finde ich, daß es eine durchgängig angenommene Meinung sey, daß die Schwartzen die ersten Einwohner derselben gewesen; welches auch sehr glaubwürdig scheinet, weil sie alle inwendige Gegenden des Landes inne haben, und vermuthlich von den andern Nationen, die nach ihnen dahin kommen, auf die Gebirge sind hinauf getrieben worden, da denn die neue Ankömmlinge sich der See-Küste bemächtiget. [...] Daß sie nicht von den Mohren in Africa herstammen, liegt am Tage; nicht allein weil beyde Länder gar zu weit von einander entfernet, sondern auch weil ihre Haare, Gestalt und Wesen Himmelweit von einander unterschieden seyn. Die Schwartzen oder Caffers auf den Küsten von Africa haben platte Nasen, dicke Leffzen und kurtze krause Haare, wie Wolle: die Schwartzen aber in diesen Ländern sind gemeiniglich gerne eben so proportionirlich von Gestalt als ein Europäer nur seyn mag, und haben lange schwartze Haare. Derowegen trage ich kein Bedencken, die Abkunft dieser Völcker von den Indianern herzuleiten, welche die Halb-Insel von India disseits des Ganges besitzen, und unter allen Nationen von Schwartzen auf dem festen Lande ihnen an Haaren und Gestalt am nächsten kommen. [...] Der Pater Gemelli Careri berichtet indessen, daß einige wenige Schwartzen von dieser Insel kurtze krause Haare wie Wolle haben, und den Caffern in Africa sehr ähnlich seyn.«

|P_36-40
£{Hol-119,03-11}
[ Erörterung verschiedener Theorien über den Ursprung der vier Farben - nicht Rassen - der Menschen ]

|P_36f.
£{Hol-119,03-08}
Hier finden wir nun eine bequeme Gelegenheit zu untersuchen, was doch die ursprüngliche Ursache von dem grossen Unterscheid in Gestalt, Wesen und Farben seyn möge, welchen wir bey den Leuten in allen 4 Welt-Theilen antreffen. Wir müssen aber erstlich völlig ausmachen, welche Observationes in diesem Stück in der Erfahrung richtig befunden worden; ehe und bevor wir einige Folgen daraus ziehen können. [...] Einige von unsern frommen Auslegern der heiligen Schrifft haben die Schwärtze der Mohren vor eine Wirckung des Fluches angesehen, mit welchem Noah seinen andern Sohn Cham belegte, dessen Nachkommen Africam, wie sie meinen, sollen bevölckert haben. Dagegen sind von andern allerhand Einwendungen gemacht worden. Denn erstlich ist ausgemacht, daß einer von Chams Söhnen, nemlich Canaan, das Land Canaan besessen habe: wir haben aber alle Ursachen von der gantzen Welt zu glauben, daß er und seine Nachkommen nicht schwärtzer, als die heutige Einwohner dieser Länder gewesen. Vors andere sind auch die Einwohner der Küste von der Barbarey, welches ein grossen Stück von Africa ist, nimmer schwartz gewesen, welche doch durchgehends von allen für Nachkommen von dem verfluchten Cham gehalten worden. Wozu drittens kommt, daß die Indianer, die Nachkommen von Sem, dem liebsten Sohn des Noah eben so schwartz seyn, als die Caffern in Africa, und folglich nach dieser Meynung eben so verflucht. Endlich / stehet auch nicht wohl zu begreiffen, warum die schwartze Couleur mehr als die gelbe für eine Wirckung des göttlichen Zorns paßiren soll, da doch letztere wenigstens bey der Helfte des menschlichen Geschlechts angetroffen wird: daß wir die weisse Farbe, als unsere eigene köstliche Couleur, als ein Zeichen der Gunste GOttes gegen uns ansehen, stehet nicht zu bewundern. Denn die göttliche Vorsehung hat es also geordnet, daß jede Nation ihr eigen Clima, Wesen, Gestalt, Wohnungen, und Sinnlichkeiten lieben, und über die Vortheile ihrer Nachbarn erheben und heraus streichen soll.

|P_37
£{Hol-119,14-15}
Etliche andere Herren bilden sich ein, daß die schwartze Farbe der Caffern von der grossen Sonnen-Hitze herrühre, welcher die um die Mittags-Line herum gelegene Länder unterworfen seyn: wenn diese aber die rechte eigentliche Ursache seyn soll, so entstehet eine neue Frage, woher es nemlich komme, daß wir auf dem festen Lande in America auf derselben Breite keine Schwartzen antreffen. Denn in gantz America ist kein Schwartzer zu finden, der daselbst gebohren sey, ausser den Kindern von den Caffern, welche aus Africa dahin geschleppet worden. [...] Es bleibt also noch unausgemacht, ob die schwartze Couleur von der Hitze des Climatis, oder von dem Temperament der Nationen herrühre.

|P_38
£{Hes-215,29}
Was sie [die Missionare] aber von einer andern Nation im Gebirge sagen, daß selbige nemlich Schwäntze von einer halben Spannen lang haben soll, steht so leicht nicht zu glauben.

|P_43
»Sonst ist hier auch ein Thier zu finden, Nahmens Ignana, welches alles zahme Geflügel verschlingt. Es ist dem Alligator oder einer Art Crocodilen ähnlich. [...] Die Indianer und etliche Spanier essen es und sagen, daß das Fleisch bey nahe, als der Kröten Fleisch schmecken soll.«

|P_47
£{Hol-273,19}
»Die Tamarinden oder Sampalas sind eine wild Gewächs, und stecken in Hülsen, gleich den grünen Erbsen. Sie haben einen scharfen Geschmack, und werden vielfältig mit Zucker angemacht. Kein Ding aber auf der Welt ist heilsamer und löschet den Durst besser im Fieber. Der Baum ist hoch und dick; die Blätter aber klein, und das Holtz dienet zu demselben Gebrauch, als das Eben-Holtz. [...] Sie sind ebenfals mit Kalamback, welches eine aromatische Rinde hat, und mit allerhand Sorten von Färber-Holtz versehen. [...] Der Cacao-Baum, den sie aus Neu-Spanien herüber gebracht haben, geräth und wächst hier sehr häufig und schön, so, daß sie die Frucht nicht aus America dürfen bringen lassen. Doch sind die hiesigen Cacao-Nüssen so gut nicht.«

|P_49-50
£{Hol-268,02-06}
»Der Baum Camandag ist so giftig, daß die Pelamiden (eine gewisse Art von kleinen See-Fischen, die den Sardellen ähnlich) wenn sie die ins Wasser gefallene Blätter essen, davon sterben, und die Menschen ebenfalls, welche solche vergifftete Fische geniessen. Der Saft, der aus dem Stamm dieser Bäume fliesset, wird von den Völckern des Landes gebraucht, die Spitzen ihrer Pfeile mit zu vergiften. Selbst der Schatten des Baums ist so auszehrend, daß kein Gras oder Kraut wächset, so weit als derselbe reichet, und wenn man ihn umsetzt, verderbet er alle übrige Gewächse, welche nahe daherum stehen, einen kleinen Strauch alleine ausgenommen, der ein Gegengift gegen diesen Baum ist, und immer bey demselben wächst.«

|P_65f.
£{Hes-216,20}
Nach der Carte von diesen Inseln, welche von dem P. Gobien entworfen, und gleichfals in den Philosophical Transactions zu finden ist, scheinen sie in der Gestalt / des zunehmenden Monds in dem Orientalischen Ocean zu liegen. Diese Carte aber ist vermuthlich mehr nach der Vorstellung einer lebhaften imagination, als nach gewissen darüber gemachten Entdeckungen gestochen. Denn er gestehet, daß kein Europäer die Lage der Insel erkundiget, weil noch Niemand dahingeseegelt ist: sondern etliche von den Insulanern, welche nach den Philippinischen Inseln verschlagen worden, haben etliche kleine Steine auf einer Tafel in derselben Ordnung hingeleget, in welcher diese Inseln in der Carte praesentiret werden. [Es folgen kritische bis skeptische Bemerkungen dazu.]

|P_66f.
£{Hes-216,23 ??}
Man hat uns auch gesagt, [(...)] daß einer von den Leuten, die aus diesen Ostlichen Inseln gekommen, soll erzehlet haben, daß eine dieser Inseln von lauter Weibern bewohnet werde; welche von den Männern der benachbarten Inseln zu gewissen Zeiten um der Kinder-Zucht willen besucht würden: da sie denn die Mägdlein bey ihren streitbaren Müttern bleiben liessen, und mit den kleinen Knaben / wieder davonzögen. Es sind aber 3 oder 4 Umstände, welche mir die Aufrichtigkeit der neuen Entdeckungen gemeiniglich verdächtig machen: [...].


|B_Molucken

|P_69
£{Hol-268,18-20}
Der Nahme Moluckos soll aus der Arabischen Sprache entsprossen seyn, in welcher dieses Wort einen König (oder vielmehr viele Könige) bedeutet: wie dann auch in dieser Gegend ihrer sehr viele seyn, welche aber gröstentheils die Könige zu Ternate, Tidor, oder Batsjan für ihre Lehns-Herren erkennen. [...] Diese dreye aber schreiben sich anietzo gantz alleine Könige der Moluckischen Inseln, und haben die Herrschaft über die übrige, als ihre Lehns-Leute nach dem Spruch der Waffen unter sich getheilet.

|P_71
£{Hol-204,15-17}
Unsre Holländische Ost-Indische Compagnie hat vor gut befunden, die Näglein- und Muscaten-Bäume auf einigen von diesen Insuln, als dem eintzigen Ort in der gantzen Welt, da sie wachsen, gäntzlich auszurotten.

|P_73-74
£{Hol-268,20-269,04}
Der Nahme, unter welchem die Fürsten von Ternate, Tidor und Batsjan ihre Länder regieren, heist Colano. [...] Weil aber die Wahl der Magnaten von unserer Compagnie muß confirmirt werden, ist es wohl eher geschehen, daß mit Hintansetzung der Gesetze des Reichs, oder bey Ermangelung der Königlichen Brüder, die Wahl auf einen Sohn des Königes gefallen, und auch wohl der jüngere dem ältsten vorgezogen worden ist. [...] Denn weil diese Herren Mahometaner seyn, halten sie ein Seraglio, welches nach ihrem Staat mit Frauen-Zimmer starck besetzet ist. [...] Die drey Könige, sammt ihren Magnaten und Reichs-Räthen regierten also über alle Moluckische Inseln, bis die Europäer dieselbe mit ihren Schiffen besuchten. Nach der Zeit aber ist ihre Macht und Ansehen sehr vermindert worden, und sie erkennen anietzo die Holländische Ost-Indische Compagnie unter der Auctorität der allgemeinen Staaten für ihre Schutz- und Lehns-Herren. [...] Darauf gaben sie der Compagnie gleich freye Macht in allen ihren Landen Festungen zu bauen, wo sie es zu ihrer Defension und Sicherheit nöthig würde befinden: und machten sich ferner verbindlich mit keiner Nation, als mit den Holländern, den Gewürtz-Handel zu treiben, setzten auch einen gewissen Preiß, wofür ihr Gewürtz der Compagnie solte geliefert werden. [...]: unsre Compagnie aber hat durch solches unvorsichtige Verfahren nur Gelegenheit bekommen, sich ihrer Treue durch die Gewalt der Waffen mehr zu versichern, u. zu obigen Conditionen folgende hinzuzusetzen; daß sie erstlich keine Briefe noch Gesandschaften von ausländischen Potentaten annehmen sollen; und daß vors andre der Compagnie frey stehen soll, da wo es ihnen gut düncket, alle Gewürtz-tragende Bäume auszurotten: wofür die Könige und ihre Magnaten, oder auch nur erstere jährlich ein grosses, gewisses Geld ziehen.

|P_80
£{Hol-269,09-11}
Die Molucker sind durchgehends faul, furchtsam, ohne Courage, hoffärtig, schelmisch, betriegerisch, abgefeimt, verrätherisch, zum Aufruhr geneigt, lügenhaft und allen Lastern ergeben. [...] Wenn sie meinen, daß sie von jemand etwas böses zu befürchten haben, oder ihnen würcklich angethan sey, rächen sie sich heimtückischer und mördlicher Weise, wenn sie ihren Streich anzubringen Gelegenheit haben, und in der Religion sind sie sehr leichtsinnig. Die Weiber sind freundlich im Reden, und verstehen sich sonderlich darauf, wie sie mit ihren Minen charmiren sollen. Die Männer sind auf ein wollüstig Leben sehr erpicht, und die Hurerey heist bey ihnen keine Sünde, und wird bey den Manns-Personen für eine Galanterie gehalten.

|P_81
£{Hol-269,13-15}
Ubrigens brauchen sie die Schalen von den Cocus-Nüssen zu ihrem Trinck-Geschirr, Pisang-Blätter zu ihrem Tisch, Tisch-Tuch und Servietten, ausgehohlte Bamboes-Höltzer zu Eimern und Schüsseln; und endlich haben sie noch eine Parang oder Hacke-Messer, damit etwas zu hauen, und zu zerklöben.
Der Reis ist ihnen, die Macassaren alleine ausgenommen, ein seltener Lecker-Bissen. Sagoe aber ist ihr gemeines Brod. Frische, trockne, oder eingesaltzene Fische speisen sie zum Zugemüß.

|P_84-85
£{Hol-269,15-16}
»Derowegen müssen wir ietzunder zu der Beschreibung derjenigen Dinge übergehen, um welcher Willen man diese Inseln nach Entdeckung der Fahrt über Cabo de bonna Speranza hauptsächlich so fleißig besucht hat, und weswegen zwischen den Europäern und Indianern, Portugiesen und Spaniern, Holländern und Engelländern, wegen des Besitzes dieser sonst sehr armen Inseln solche blutige Kriege sind geführet worden. Diese Dinge sind die Nägelein, Muscaten und Muscaten-Blumen, welche nirgends, als in diesen Inseln wachsen wollen, und wohl in den meisten vormals zu finden gewest seyn. Doch weil diese überall ausser auf den Inseln Amboina und Banda ausgerottet seyn, vermöge des Vertrags, den unsere Compagnie mit den Moluckischen Königen geschlossen hat, nach welchem sie, wo sie es gut findet, diese Bäume ausrotten kan, und den Königen davor ein gewisses Jahr-Geld erleget: [...]. Aus dieser Ursache pflantzen sie die Näglein-Bäume allein auf Amboina fort, als wo dieselben sich auch so herrlich vermehrt haben, daß diese Insel gegenwärtig gantz allein im Stande ist, die übrige gantze Welt mit Näglein genugsam zu versorgen. Ihre Garnison daselbst ist deswegen so starck, daß niemand leichtlich sich unterfangen wird, ihnen diese Insel abzunehmen. [...] Die übrige Insulaner sind die elendeste Menschen auf dem Erdboden, weil ihnen nicht vergönnet wird, ihr eigen Land zu bebauen, damit fremde Potentaten nicht gedencken sollen, daß sie ihres Schutzes werth seyn.«

|P_86-87
£{Hol-143,19-144,04}
Wir können bey dieser Gelegenheit nicht umhin, zwey Sorten von Thieren zu beschreiben, welche auf diesen Inseln gefunden werden: die Zibeth-Katzen nehmlich, und das Thier Babi_Roesa, welcher Nahme, wie man vorgiebt, soviel als einen Schwein-Hirsch bedeuten soll. Letzteres Thier soll dem Verlaut nach auf den Inseln Xoula, Boero und Celebes allein zu finden seyn, und einem wilden Schwein am meisten gleichen: wenn nur das Männlein nicht, neben den grossen Hauern am Unter-Kinnbacken zwey gleich grosse am obersten sitzen hätte, (welche eben so hoch hervorragen, und mehr als halb rund gebogen seyn, daher sie ihnen oft wieder gerade in den Kopf hinein wachsen) [...].

|P_91
£{Hol-269,17-19} / £{Hol-269,21-22}
Und man kan überhaupt sagen, daß diese (die Ternatische) Inseln mehr Unkosten, als der Profit beträgt, verursachen, weil gegenwärtig kein Gewürtz daselbst fällt, und der Handel mit den übrigen Waaren, die ausgehen, oder eingebracht werden, nicht viel auf sich hat. Die Compagnie darf aber, vermöge des Tractats mit dem Könige alle ihre Besatzungen nicht von dar wegnehmen, und giebet dem Könige von Ternate jährlich für die Ausrottung der Näglein-Bäume in seinem Lande 6400 Reichs-Thaler, und für die Insel Saleyer noch 200 Reichs-Thaler; den Magnaten von Ternate 600, ausser dem was die übrigen ziehen, so sich wohl auf 5280 Reichs-Thaler beläuft. [...] Ich finde, daß Walter Schultz die Ternataner also beschreibet, daß sie so schwartz, als Maulwürfe seyn, lange Haare haben, Helden im Gefecht, sonst aber guthertzig und beliebt seyn; allen Pracht und Ubermäßigkeit hassen, Feinde sind von Rauben und Stehlen, wie auch von Zancken und Balgen, aber ein müßiges und lediges Leben sehr lieben. Die unsterbliche Rachbegierde aber scheinet ihnen, so wie allen ihren Nachbarn anzukleben.«

|P_101
£{Hol-270,01} / £{Hol-204,09-10}
Ehe und bevor wir aber Amboina verlassen, müssen wir von den Gewürtz-Näglein nach unserer Zusage handeln.
Die Näglein sind die Frucht eines Baumes, der glatt von Stamm, nicht dick von Rinde und der Grösse und Gestalt nach, einem Birn-Baum nicht ungleich ist. Seine Blätter sind auch eben so formiret, als die Blätter des Birn-Baums, dabey doch etwas grösser, glatt, hart und wohlriechend.«

|P_106
£{Hol-269,16} / £{Hol-270,01-02} / £{Hol-204,11-17}
Die drey Inseln Neira, Lonthor oder Banda, und Poelo-Ay hat die Compagnie an freye Leute zu Plantagien ausgegeben, damit sie mit Muscat-Bäumen bepflantzet werden möchten. [...] Der Muscaten-Baum, von welchem diese Leute so grossen Vortheil ziehen, ist vormals auf verschiedenen von den Gewürtz-Inseln, und auch auf Amboina gefunden worden, itzund aber allenthalben, ausser hier, gäntzlich ausgerottet. Er ist ein wenig platter und breiter von Kerne, als ein Birn-Baum, und ist an Gestalt einem Apfel-Baum an meisten ähnlich. Die Rinde ist eben und glatt, und von Farbe ein wenig braun-grau.


|P_109-110
£{Hol-270,03-06}
Sudwerts von den Philippinischen Inseln liegt die Insel Celebes oder Macassar, welche sich von dem ersten Grad 30 Minuten bis an den fünften Grad Süder-Breite erstrecket. [...] Celebes, welches an der Nord-West-Seite unter der Linie lieget, und Macassar, welches Reich das gantze Süder-Theil einnimmt, werden für die vornehmsten Königreiche gehalten. Die übrigen Provintzen waren gemeiniglich gerne einem oder dem andern von diesen beyden unterworfen; dahero auch die Insel bald von dem einen, bald von dem andern dieser Königreiche den Nahmen führet. Celebes nämlich gehöret nebst unterschiedlichen Inseln in dieser Gegend dem König von Ternate zu, welcher unterschiedliche Fürsten, als seine Lehns-Leute, daselbst hält. [...] Das Süder-Theil der Insel ist allem Ansehen nach vormal dem König von Macassar allein gäntzlich unterworfen gewesen, welcher verschiedene Lehns-Leute und Fürsten unter sich gehabt hat. Alle diese Fürsten aber sind nach der Bezwingung von Macassar unter Anführung des General Speelmans, in dem Anno 1669 darauf erfolgten Frieden für freye souveraine Fürsten erkläret, und unsere Holländische Compagnie für eine rechtmäßige Besitzerin unterschiedener auf dieser Insel in dem damals beyzulegenden Kriege durchs Schwerdt gewonnenen Landschaften erkant worden. Durch diesen Frieden ward zwischen allen intressirenden Parteyen ein ewiger Bund aufgerichtet, von welchem die Holländische Ost-Indische Compagnie das Haupt ist, und die sämmtliche Bunds-Genossen gegen alle aus- und inländische Gewalt beschützen und beschirmen muß.

|P_111
£{Hol-270,06-07}
Das Gold, so sie haben, wird gröstentheils in dem Sand der Ströme gefunden, und durch die starcke Regen-Güsse von den Bergen in die Thäler hinuntergespühlt. In ihren Wäldern wächst Eben- Calambak- und Sandel-Holtz, wie auch verschiedene andre Sorten von Färbe-Holtz.

|P_112-113
£{Hol-270,08-10}
Wie aber die Macassaren das Opium eigentlich sammlen, habe ich nicht in Erfahrung bringen können; wohl aber befunden, daß Kämpfer erzehlet, daß er auf folgende Manier in Indien gesammlet werden. [...] Sie zerschmeltzen den Saft manchmal und besprengen ihren Toback damit. [...] Unvermerckt aber verzehrt dieses Gemenge alle Lebens-Geister, und verkürtzet ihr Leben. Wenn sie in eine Bataille gehen, sollen sie so viel als zwey Nadelköpfe groß in einer Pfeiffe Toback nehmen, wovon ihnen der Kopf so eingenommen wird, daß sie, bis daß sie die Dosis völlig ausgeoperiret hat, von Wunden und Gefahr nichts wissen.

|P_115
£{Hol-270,11-13}
Die gebohrne Macassaren haben ein ungemein schönes Gedächtniß, und können bald etwas begreifen. [...] Sie sind auch starck und fest von Leibe, und dabey sehr fleißig und so bereit eine mühsame Arbeit auf sich zu nehmen, als ich kaum eine andere Nation gekant habe. Kein Volck ist zu den Waffen und stoltzen Unternehmungen geneigter als sie; so, daß man sie wohl für die eintzige kriegerische Nation, darunter es gute Soldaten giebt, halten kan, welche jenseit der Bay von Bengala wohnet. Dahero werden sie auch von den Fürsten und Königen in dasigen Ländern um Geld in ihre Dienste genommen, gleichwie die Schweitzer in Europa.

|P_116
£{Hol-270,14-17}
Das Volck von Macassar ist von mittelmäßger Statur, ihre Farbe ist schwärtzlich, die Kinnbacken stehen ihnen sehr hoch, und die Nase ist gemeiniglich platt. Letzteres wird für eine Schönheit gehalten, und sie geben sich fast eben so viel Mühe, den Kindern in ihrer zarten Kindheit die Nasen platt zu drücken, als die Chineser bey den Töchtern grosser Herren anwenden, ihnen kleine Füsse zu machen. Sie haben gläntzende kohl-schwartze Haare, welche sie aufbinden, [...]. Sie werden bey ihren Priestern in die Schule gethan, bey welchen sie lesen, schreiben und rechnen, nebst den Geboten des Alcorans lernen. Ihre Buchstaben sehen den Arabischen sehr gleich, welches auch nicht verwunders werth ist, weil viele von ihren Vor-Eltern Arabes gewesen.

|P_116-117
£{Hol-270,17-19}
Man hat unterschiedliche Exempel, daß ihrer etliche ihr Leben für die Fremden und Christen gewagt haben. Andre haben den Nothleidenden recht edelmüthig beygesprungen und gar ihr Gut mit ihnen getheilet. Sie hatten eine so grosse Liebe zur Freyheit, daß sie die letztern unter allen Indianischen Nationen waren, welche sich den Holländern unterworfen: [...]. Zugleich muß man auch bekennen, daß keine Nation leichtlich so eifrig und auffahrend sey, als diese.

|P_117
£{Hol-270,19-20}
So bald ein Knabe 16 bis 17 Jahre auf dem Buckel hat, und über seine Lehr-Jahre hingekommen ist, bekommt er Freyheit, bei seiner Braut auf die Freite zu gehen, und ihr aufzuwarten, wird auch kurtz darauf getrauet. Seine Künste, die er wissen muß, sind reiten, mit dem Bogen und mit der Flinte zu schiessen, sein Schwerdt und Dolch wohl zu führen, und die kleinen Pfeile, wovon wir schon gesprochen haben, durch ein glattes Blas-Rohr von Eben- oder anderm Holtz abzuschiessen.


|B_Sa-Sunda_(1733b)_


|P_1
£{Hol-270,21-22}
»Borneo, Sumatra und Java sind die vornehmsten unter den Sundaischen Insuln, welche also von der Meer-Enge oder Strasse von Sunda, an welcher sie liegen, benennet werden.«

|P_2
£{Hol-271,01}
»Weil die Insul Borneo bey nahe rund ist, fasset sie vermuthlich weit mehr Land in sich, als eine andere von denen bis anhero entdeckten Insuln.«
£{Hol-271,01-05}
»Weil die Gegenden, so an der See-Küste liegen, auf etliche hundert Meilen weit, gantz flache und eben seyn, so werden sie jährlich etliche Monath lang, (wie an andern Orten in diesen heissen Ländern) überschwemmet. [...] Dazu kömmt noch dieses, daß der unerträgliche Gestanck von todten Fröschen und andern Ungeziefer, die nach Ablauf des Wassers auf dem Land zurück bleiben und sterben, bey der grossen Sonnen-Hitze der Lufft sehr verderbet und anstecket. [...]: so kann man leichtlich abnehmen, daß das Land für Menschen, und sonderlich für Europäer, gar zu gesund nicht seyn müsse; wovon uns das starcke Sterben unter unsern Landes-Leuten, welche jährlich dahin fahren, überzeuget. [...]«

|P_2-3
£{Hol-271,05-11}
»Was die Musons oder zu gewissen Zeiten stehende Winde anlanget, so bleiben solche von dem October bis an den April gemeiniglich im Westen stehen, und dauret die Regen-Zeit auch, währender das Wasser fast beständig fort mit einem gewaltigen Schlag- und Platz-Regen, der mit hefftigem Stürmen, Donner-Schlägen und Blitzen vergesellschafftet ist, vom Himmel herunterstürtzet. An der Süd-Küste, woselbst sich die Europäer gemeiniglich gerne aufhalten, ist es recht was seltsames, wenn man um diese Jahr-Zeit zwey Stunden nach einander gut Wetter hat. Die trockene Jahr-Zeit fängt gemeiniglich gerne im April an, und stehet bis in den October hinein: doch gehet auch in der Zeit selten ein Tag ohne Regen-Schauer hin, vornehmlich um die Stunde, da die See-Winde eintreten.«
[ ad Nordküste: Schluß aus den Darlegungen ]

|P_4-5
£{Hol-271,12-14}
»Die Fluth steiget hier ungefehr 12 Fuß hoch, und kommt nur einmahl in vier und zwantzig Stunden und zwar bey Tage. Bey der Nacht wächst das Wasser nicht über einen halben Fuß, ohne wenn sie ein trockenes Jahr haben. Solches aber rühret von der grossen Gewalt der Ströhme und der Land-Winde her, welche letztere bey Nacht weit stärcker, als bey Tage wehen.«

|P_6
£{Hol-271,14-15}
»Die Einwohner dieser Insul seynd theils Mahometaner, theils Heyden. Die Mahometaner wohnen an der See-Küste und in allen vornehmsten Handel-Städten. Die Heyden aber, welche daselbst Byayos genannt werden, haben die innere Gegenden des Landes inne.«

|P_7
£{Hol-271,15-18}
»Ihre Waffen sind, [...], ein Crits oder Dolch, und ein Sampit, oder Blas-Rohr, so ungefehr sechs bis acht Fuß lang ist, und mit einem Stück Eisen am Ende beschlagen, wie etwa unsere Bajonetten seyn. Aus diesem Blas-Rohr schiessen sie ihre vergifftete Pfeile, von welchen sie etwa 60 bis 80 in einem kleinen Köcher an der Seiten tragen.«

|P_9-10
£{Hol-271,18-21}
»Die Inwohner sind, gleich andern gerade unter der Linie wohnenden Nationen, aus [sic !] der massen schwartz. Daher haben einige Voyageurs Gelegenheit genommen alle diejenigen, welche unter der Linie wohnen, Schwartzen zu nennen. Es ist aber zwischen ihnen und den Negers ein grosser Unterscheid, wie wir schon bemercket haben. Denn die Hitze des Climatis kan zwar die Menschen gelb machen, davon alleine aber werden sie nicht schwartz, wie schon ist gezeiget worden. Die Banjaren haben lange gläntzende schwartze Haare, und sind wohl gebildet, aber nur klein von Statur. [...] Wie starck die Macht der Gewohnheit sey, und welch eine Tyranney die Mode und Landes-Manier über die Menschen führe, kan man auch unter den Byayos sehen, als unter welchen man schwerlich einen eintzigen finden wird, welcher nicht nach der Mode sich die vordersten Zähne ausziehen, und an deren statt andere von Gold einsetzen lässet.«

|P_14-15
£{Hol-271,21}
»Die Waaren, welche hieselbst fallen, bestehen in Gold, Diamanten und Pfeffer. Man sagt auch von Nägelein und Muscat-Nüssen, doch sind derselben wenig, und wachsen nur oben im Gebürge. Die Perlen fallen nur bey dem Flecken Borneo auf Caica, Saribas und Melanoege, der Kampffer in dem Königreiche Succanda, Benzoe, Drachen-Bluth, Rottings, Calambak oder Adler-Holtz, auf der Insul Crimataja, und bey Succanda, Eisen, Kupffer, Zinn, Bezoar, Affen und Bocksteine, Pedro del Porco, Toetombos, oder Dosen von feinem Rotting, und Wachs. [...] Insonderheit handelten sie auf Succanda, Borneo, Banjar Massin und Sambas, an welchem Ort nur sehr wenig Pfeffer, aber etwas Gold und Wachs in langen viereckigten Stücken, von 34 Pfunden fällt; [...].«

|P_18-19
£{Hol-155,13-14} / £{Hol-271,21-272,01}
»Das Drachen-Blut, so man allhier findet, ist das beste auf der gantzen Welt. Es ist der Gummi von einem Baum, der eine Frucht, so roth, als eine Kirsche trägt. Der klarste ist der beste. [...] Wenn die Leute des Landes Gold in Stangen zu kauff bringen, [...]. Sie sind aber nicht gar zu weit in der Scheide-Kunst gekommen, und reinigen dahero ihren Gold-Sand selten, oder doch nicht so, wie es sich gebühret; [...]. Ihr schöner Bezoar-Stein, den sie vom Affen ziehen, wird für so viel Silber, als jedes Stück ungefehr fünfmahl schwer ist, verkaufft, und der beste ist der grüne. [...]; man meynet aber, daß die grösten Bezoar-Steine von Ziegen sind.«

|P_20
£{Hol-272,01-02}
»Der beste ungesäuerte Kampffer soll auch hier zu Lande fallen. Ihre Vogel-Nester werden auch hoch aestimirt, und das Pickel für 90 bis 100 Reichsthaler verkaufft. Die weisse und durchsichtige sind die besten.«

|P_21-22
£{Hol-272,02-04}
»In Borneo wachsen drey Sorten von schwartzen Pfeffer. [...] Der weisse Pfeffer, der aus diesem Lande gebracht wird, ist doppelt so theur, als der schwartze. Ich finde aber nicht, daß ein eintziger Reisender saget, daß er selbigen habe wachsen gesehen. Unsere Kauff-Leute erzehlen, daß die arme Leute ihnen selbigen in kleinen Quantitäten bringen. Sie sollen diesen Pfeffer auf der Erden sammlen; Daher unsere Leute befürchten, daß der weisse Pfeffer seine Coleur nirgend anders her habe, als von einem gewissen Vogel Ballane genannt, welcher den schwartzen Pfeffer isset, und nichts mehr als die äusserste Schale verdauet, den Rest aber wieder von sich wirfft: Welcher dann bey dem Durchgang durch den Leib des Vogels die weisse Farbe an sich nehmen soll. [...] Denn es scheinet mir weit glaublicher zu seyn, daß der weisse Pfeffer die beste Frucht des Baums ist, welche von selbst abfällt, und wenn sie eine Zeitlang unter freyem Himmel gelegen, von der Lufft und Sonne die weisse Farbe annimmt. Daß dieser Pfeffer auch so theur ist, rühret daher, weil er der beste ist, [...].«

|P_23
£{Hol-162,11-12} / £{Hol-272,04-05}
»Sie sind aber mit verschiedenen Sorten von wilden Thieren geplagt, als Bären, Tiger, Affen: von welchen Letztern man eine grosse Menge und verschiedenen Sorten daselbst antrifft; unter allen ist aber der Oran-Ootang, oder der Wald-Mann wohl der merckwürdigste. Selbiger ist, allem Verlaut nach, wenn er seine vollenkommene Länge hat, nicht weniger als 6 Fuß hoch, und gehet recht aufrecht, als ein Mensch. Seine Arme sind etwas länger als eines Menschen Arme. Er hat keinen Schwantz, auch keine Haare, ohne an den Orten, da sie bey den Menschen wachsen.«

|P_24
£{Hol-272,05-09}
»In der Stern-Kunst sind sie auch so unerfahren, daß eine Sonnen-Finsterniß sie in die äusserste Consternation setzet: So daß sie mit einigen ihrer Nachbarn nicht aufhören, zu heulen, zu lermen, und auf kupferne Becken zu schlagen, bis die Sonne, oder der Mond aus dem Rachen des Drachen, der diese Gestirne, nach ihrer Meynung verschlingen soll, herausgetreten ist. [...] Die meisten Kranckheiten schreiben sie der Würckung eines bösen Geistes zu, insonderheit wenn der Patient raset, und in seinen Reden von einer Sache in die andre fällt. Anstatt nun, daß sie ihre Zuflucht zu bewehrten Artzeneyen nehmen sollten, lassen sie ein gut Gericht, von Vögeln, Reis und andern Speisen zurecht machen, und setzen solches unter gewissen Bäumen auf dem Felde hin, bey welchem ein klein Bet-Haus hingebauet ist. Daselbst opfern sie dieses herrliche Tractament, und sprechen ein Gebet für des Patienten Genesung.«
[ Von einem Fluß oder Schiff ist keine Rede! ]

|P_46
£{Hol-272,10-11}
»Die Insul Java, welche man gemeiniglich gerne groß Java nennet, um selbige von der Insul Bali, oder klein Java zu unterscheiden, erstrecket sich [...]. [...] Noch anitzo herrschen fünff Potentaten auf dieser Insul, welche doch nicht alle Nachfolger der alten Könige, und in denselben Reichen seyn. Diese fünffe sind erstlich der König zu Bantam, unter dessen Gebiet das westliche Theil von Java stehet, darauf die Holländische Ost-Indische Compagnie [ offenbar Zeile gesprungen: Batavia ], ferner der Kayser von Mataram, welcher also von seiner Haupt-Stadt, oder auch der Kayser von Java entweder von einer gewissen Landschaft der Insul, oder auch, weil er den grösten Theil von Java besitzet, genannt wird, weiter der König von Tsjeribon, welches Land auf der Nord-Küste von Java lieget, und endlich der König von Balamboang, der sein Land an der Süd-Küste liegen hat.«

|P_47
£{Hol-272,11-13}
»Der König von Bantam aber gab ihm [ sc. dem Kayser von Mataram ] vormahls an Macht und Reichthum nichts nach, weil er die Nord-West-Küste und die vornehme Handel-Stadt Bantam inne hatte. Allhier hatten die Engelländer ihren vornehmsten Handels-Platz, und die Holländer gleichfalls, bis die unerträgliche Bedruckungen dieses Fürsten sie endlich zwungen, einen Wohnplatz für ihre Handels-Leute zu Jaccatra, itzunder Batavia genannt, ungefehr 12 Meilen von Bantam anzulegen, nachdem sie vorhero deswegen mit dem König von Jaccatra einen Contract geschlossen hatten.«

|P_54
£{Hes-218,03}
Vormahls war Mataram die HauptStadt von diesem Kayserthum; [...]. Mataram war vormahls die gröste Stadt in dem gantzen Kayserthum, und bestand vornehmlich aus zwo Strassen, welche gegen Osten und Westen, Norden und Süden liefen, und jede wohl zwo Meilen lang seyn.

|P_58
»Da wir also die Länder der Potentaten, welche Java unter sich getheilet haben, nebst ihren Haupt- und Residentz-Städten beschrieben haben, müssen wir kürtzlich anzeigen, wie bevölckert, und bewohnt selbige seyn.«

|P_60-61
£{Hol-272,13-15}
»Was die Jahr-Zeiten an der Nord-Küste von Java, und denn Ostwerts auf derselben Linie bis an Solor und Timor liegenden Insuln anlanget, so hat man das schlechteste Wetter, so lange als die West-Winde stehen, welche gemeiniglich in der ersten Woche von November-Monath zu wehen anfangen. [...] Der ostliche Passat-Wind stehet um den ersten May recht feste, und erwecket im Sommer und im Junio mannichmal Regen: wenn es aber nicht regnet, wehet der Ost-Wind am hefftigsten, Bey diesem Winde ist das Wetter gemeiniglich gerne helle und gesund, welches bis an dem September anhält. Im October verändert sich der Wind zum öfftern, und der Ost-Wind wehet sehr gelinde; aber mit dem Anfang des Novembris kommen die / West-Winde wieder.«

|P_63
£{Hol-272,16-19}
»Obgleich unsre Ost-Indische Compagnie wegen der Festungen und Besatzungen, welche sie in den Haupt- und andern ansehnlichen Städten der Insul Java, Palamboang alleine ausgenommen, inne hat, wie auch durch die Leib-Garden, welche sie den Javanischen Fürsten hält, von ihrer Person so wohl als ihren Landen genugsam Meister ist: So läst sie ihnen doch die oberste Macht und Gewalt über ihre Unterthanen, nebst den Einkünfften und der Regierung ihrer Länder zu verwalten über, ausgenommen, daß an einigen Orten keine Land-Vögte ohne ihre Bewilligung können gesetzt werden. [...] Diese sind sonder Zweiffel die Ursachen, warum unsre Comagnie daselbst so viel Schantzen und Besatzungen hält und den Königen von Bantam, Mataram, und Tsjeribon Leib-Garden giebt: Wovon die Fürsten noch den Nutzen haben, daß sie von ihren Unterthanen gefürchtet werden, und ihre Person in völliger Sicherheit ist.«

|P_74
£{Hol-272,20-21}
»Weil man auf Java Leute von allerhand Ost-Indianischen und Europäischen Nationen findet, so folget von selbst, daß die Leute auch allerhand Religionen zugethan seyn. Die Mahometaner, Heiden und Reformirte aber sind diejenigen, welcho voritzo ihren Gottesdienst daselbst öffentlich treiben. Die Mahometanische Religion ist auf Java die so genannte Religio dominans der einheimischen Javaneser, und insonderheit derjenigen, welche an den See-Küsten wohnen. Tieffer landwerts hinein, findet man hier, wie in andern Indianischen Insuln noch Leute genug, die dem alten Heydnischen Aberglauben des Landes zugethan seyn.«

|P_78-79
£{Hol-272,22-273,02}
»Die Javaneser sind von mittelmässiger Länge, wohl gebildet, doch gesetzt und gedrungen von Gliedern, gelb oder falb von Farbe, breit von Gesicht, mit hohen herausstehenden Kinnbacken, platt von Nase, rund von Augen, und mit erhabenen Augen-Liedern. [...]. So wird ihnen doch nachgeredet, daß sie faul und diebisch seyn sollen, [...]. Sie sind ferner sehr blutgierig, trotzig und unversöhnlich: Dahero muß im Kriege alles vor ihrer Faust sterben, was nicht entfliehen kan. Wenn es aber zum rechten Faust-Gemenge und treffen kommt, sind sie sehr zaghafft. Unterweilen aber fechten sie mit eben grosser Standhafftigkeit und Furie, als sie sonst leicht zum Haasen-Panier greiffen.«

|P_94
£{Hol-273,03-15}
»Um zu zeigen, wie Leute von schwachem Verstande, die dabey dem Aberglauben ergeben, und mit keinem Gewissen beschwert sind, sich so leicht betrieben lassen, und sich selbst durch ihre Gewissens-Angst gezwungen verrathen, will ich allhier erzehlen, wie die Europäer es angreiffen, ihre Sclaven, die nicht reine Finger halten, zu entdecken. Sie halten ihnen zween Zweige von einem Baum, die an dem einen Ende gespalten, und an dem andern aber noch zusammen gewachsen seyn, und sich daher an dem gespaltenen Ende von selbst zusammen kneiffen, um den Hals, und sagen dabey etliche mahl diese Worte her: Jan Petro, impi dreto, si eo tenbo coelpa, enforca mi; welches so viel heist als: Schwartzer Johann, wo ich schuldig bin, so kneiffe mir den Hals zu. Weil man nun diesen Hals-Zierrath den schwartzen Johann nennet, und man ihnen weiß macht, daß er den schuldigen allmählich den Hals zukneifft, so macht die Furcht, daß ihnen diese kneifende Höltzergen unerträglich erscheinen, und die mit dem Bekänntniß der Diebereyen herausrücken. Sie geben ihnen auch ein haufen trocknen Reiß, vorgebende, daß derselbige beschworen sey. Wer selbigen herunter bringt, wird für unschuldig angesehen; Der Schuldige aber wird durch sein nagendes Gewissen in Angst und Furcht gesetzet, daß er möge entdeckt werden, und kan daher den Reis nicht herunter bringen. Sie geben ihnen auch einen kleinen Stock von einem Finger lang, sprechen etliche Formuln darüber, und machen ihnen weiß, daß selbiger, wenn er bey dem Schuldigen eine Zeitlang gewesen, wol einen Finger breit länger werden solle. Dieser glaubt es, und schneidet, allen Argwohn von sich abzuwenden, so viel herunter, womit er sich selbst verräth.«

|P_102
£{Hol-273,15}
»Man hat sowohl bey Batavia herum, als auf andern Gegenden von Java grosse Zucker-Plantagien.«

|P_103
£{Hol-273,15}
»Neben dem Zucker wird auch Toback auf Java gebauet. Insbesondere aber fällt hier viel Pfeffer; [...]. Der Pfeffer wächst auf einer kriechenden Pflanze, welche, wie die Türcksche Bohnen, allenthalben anklimmet.«

|P_104
£{Hol-273,16-17}
»Ehe wir uns von den Kräutern zu den Bäumen wenden, müssen wir von dem Cardemomme zu reden nicht vergessen, welche unter andern auch von dieser Insul gebracht wird. [...] Sie hat, [...], einen Strauch oder Stamm, der dem Rohr ähnlich ist, und wie letzteres in Glieder und Knoten eingetheilet ist. Innwendig aber ist sie mit einem schwammigten Marck versehen.«

|P_107
£{Hol-273,17-18}
»Man findet keine Weinberge auf dieser Insul, ohne bey Batavia herum; woselbst die Holländer sie erstlich angelegt, und zu einer solchen Fruchtbarkeit gebracht haben, daß sie innerhalb zwey Jahren siebenmal Frucht tragen sollen. [...]. Dieses geilen Wachsthums aber ungeachtet, kan man doch keinen Wein von den Trauben machen: und man trifft keinen Wein daselbst an, als der aus Persien oder aus Europa kommt, [...]. Wir müssen aber vor allem noch vom Caffee-Baum handeln, welcher um das Ende des vorigen Jahrhunderts aus Arabien dahin gebracht worden, und sehr wohl anschlägt.«

|P_108
£{Hol-273,21}
»Weil wir von dem Pinang und Betel Kauen, als einer beständigen Gewohnheit der Javaneser nicht allein, sondern auch sehr vielen andern Indianer an verschiedenene Orten geredet haben, wollen wir, damit der Leser wissen möge, was das eigentlich sey, die Früchte, aus welchem diese Brocken gemachet werden, un die Präparation derselben beschreiben, damit alles deutlich sey, wenn wir anderwerts derselben gedencken werden. Es bestehet dieser Lecker-Bissen aus der Frucht von Pinang, und dem Blade eines andern Gewächses, welches Betel oder Siri heist. Ersteres ist die Frucht einer gewissen Art Palm-Bäume, welche die Indianer Arack, die Persianer und Araber aber Fusel oder Fausel, und die Malayer Pinang nennen. Der Baum ist inwendig weich, auswendig aber hart, und wächst unterweilen so hoch, als ein Cocos-Baum.«

|P_109-110
£{Hol-273,18-21}
»Wir müssen aber auch nicht vergessen von den heilsamen und medicinalischen Bäumen zu reden, welche auf dieser Insul zu finden seyn. Obgleich das Gummi Benjoyn aus Sumatra und Siam am meisten verführt wird; [...]. [...], seine Beschreibung aber des Benjoyn-Baums hier gantz einrücken: Ob aber der hiesige von dem auf Sumatra und Siam unterschieden, oder ob a Costa einem falschen Bericht gefolget, lassen wir dahin gestellet seyn. [../.] An den Oertern, wo die Rancken an dem Baum gefügt seyn, wurtzeln zum öfftern viele andre Kräuter, welches verursachet, daß man zum öfftern vielerley Blätter auf dem Baum siehet. Den Benjoyn herauszuziehen, schneidet man ein Loch in die Rinde, und läst den Gummi herauströpffeln. Ausser dem Emblischen und Bellenischen Mirobalanen wächst noch eine Sorte auf Java, welche beynahe rund und ganz glatt, in unsern Landen aber nicht bekannt ist; sonst gleichen die hiesige den Mirobalanen an Stamm und Blättern. Sie haben daneben keine eröffnende, sondern eine verstopffende Krafft, daher sie auch in den rothen Ruhr sehr gut seyn. Die Tamarinden wachsen hier auch im Uberfluß. Sie sind die Frucht eines artigen Baums von der Grösse eines Castanien-Baums, welcher hellgrüne annehmlich saur schmeckende Blätter hat, die der Figur nach, den Blättern des Weibleins unter dem Fahren-Kraut gleichen. [...] Die Frucht ist Bogenweise gebogen, und hat die Gestalt eines Fingers, inwendig aber etliche Kerner, als Lupinen-Bohnen von Grösse, welche in der rothen Ruhr sehr heilsam seyn. [...] Die Cubeben sollen auf dieser Insul an dem Ufer des Flusses Sund in grosser Menge wild wachsen. Die Rancken von diesem Gewächs suchen auch die höchsten Bäume, um sich, wie der Pfeffer, daran zu halten.«

|P_111
£{Hol-162,14-15} / £{Hol-274,01}
»In den Javanischen Wäldern hält sich eine ungemeine Menge von Affen auf. Insonderheit ist daselbst eine Art von Affen, welche, wie Herr Salmon nach dem Herrn Leguat berichtet, nur allein auf Java anzutreffen ist, und beynahe menschliche Gestalt hat. Der Herr Hamilton vermeldet, daß man dieses Thier Oran-Ootang (zu Teutsch der Wald-Mann) nenne, und wir haben schon angezeiget, daß es auch auf Borneo angetroffen werde. [...] Diese Creatur machte täglich ihr Bette recht zierlich, und legte sich des Abends hinein, und bedeckte sich mit einer Decke von Wat.«

|P_112
£{Hol-162,15-16}
»Wir wollen es [sc. das Tier] hier nochmahls mit den Worten des Herren Hamilton beschreiben. Unter allen Creaturen ist es, der Gestalt und dem Verstande nach, einem Menschen am ähnlichsten. Dasjenige, welches er sahe, war vier Fuß lang, grob von Leichnam, und lang von Armen, von der Schulter bis an den Ellenbogen, und konnte, wenn es aufrecht stunde, mit den Fingern die Knie erreichen. Die Lenden und Beine sind grob, aber, nach Proportion des Leibes, zu klein. Die Füsse sind breit an den Zähen, aber bey den Fersen gar zu schmal. Der Bauch stehet ein wenig heraus, und ist mit hellfarbenem Haar bedeckt: So wie der übrige Leib braune und auch dickere und längere Haare hat, als der Bauch. Der Kopff ist etwas groß, das Angesicht breit und völlig, die Augen grau und klein, die Naase klein und platt, die Ober-Lefftze und Unter-Kinn-Backen sehr groß. Das Thier schneutzt seine Naase selbst, und wirfft den Unflaht mit den Fingern weg: es kan auch Feuer anzünden, und mit dem Munde aufblasen. Der Herr Hamilton sagt, er habe einen solchen Affen gesehen, der Fische briet, und mit gekochtem Reiß verzehrete. Die Weiblein haben ihre ordentliche Zeiten. Sie haben alle miteinander keinen Schwantz. Sie sind von traurigem Temperament, und ihr ganzes Wesen sieht recht darnach aus: wenn sie auch gleich jung seyn, mögen sie doch nicht gerne spielen, wie andere Thiere. Neben dem haben sie noch eine kleinere Art von diesen Affen, welche sie Oumpae nennen, deren Beine und Arme aber sehr klein seyn.«

|P_113
£{Hol-274,01}
»Unter den wilden Thieren in den Wäldern der Insul Java findet man auch das Nase-Horn oder Rhinoceros, welches diesen Nahmen von einem gewissen Horn, das es auf der Nasen führet, bekommen hat.«

|P_114-115
£{Hol-274,02-05}
»Unter den Crocodilen, welche man daselbst hat, sind etliche 20 bis 30 Fuß lang, aber nach Proportion weder hoch noch dick, wie sie denn auch nur Klauen und fast keine Beine haben. [...] Wir haben schon oben in dem Capitel von Banda, von sehr grossen Schlangen gesprochen: es sollen aber, wie man erzählet, sich ebenfalls in hiesigen Wäldern einige ungemein grosse aufhalten. Man sagt, daß einstmals eine gefunden worden, welche ein Indianisches Weib und einen Stein-Bock verschlucket gehabt, welches wir dahin gestellet seyn lassen. [...] Man findet hieselbst einige Schlangen von dieser Art, welche 25 bis 26 Fuß lang seyn. Das Fell von einer solchen Schlange wird noch auf der Kunst-Kammer in Leyden, als eine Rarität aufgehoben. Elias Hesse erzählet einen sonderbaren Zufall von einer Schlangen, welche ein Kind verschlucket hat, welche ich wegen ihrer Seltsamkeit dem Leser nicht vorenthalten will. Es soll nehmlich ein Jäger mit seiner Frauen in den Wald gegangen seyn, um ein Wild-Schwein zu schiessen; [...], legete sie ihr Kind, [...], unter einem Baum nieder: Unterdessen, [...], hatte eine gräßliche Schlange dieses zarte Geschöpf in seinem Bauch hineingeschluckt: [...]. Die Dicke ihres Bauchs brachte den Jäger gleich auf den Gedancken, daß sie der Kinder-Dieb seyn müste, daher er von Eyfer und Liebe zu seinem Kinde getrieben, dieses Ungeheur mit einem Beil, [...], mitten durchhieb, worauf er den noch lebenden Säugling aus der Schlangen raubbegierigen Bauch herauszog, und gesund nach Batavia brachte. Wo die Geschichte wahr ist, stehet daraus abzunehmen, daß ihre Zähne nicht taugen, [...].«

|P_116
£{Hol-274,05-07}
»Sie haben aber ein fliegend Ungeziefer, welches Kacker lacken genennet wird, und einem Käfer am meisten ähnlich ist: Es ist jedoch etwas grösser, röthlicht von Farbe, und hat sehr dünne Flügel. Diese Thiere werden vornehmlich in alten Häusern und Schiffen gefunden, woselbst sie die Bücher und das Leinwand durchfressen, und sich insonderheit hinter alle süsse und fette Speisen fleissig hermachen, dahero sie unter die grossen Plagen gerechnet werden. Sie plagen des Nachts auch die Schlaffende mit ihrem Beissen, und stincken lästerlich, wenn man ihnen zur Straffe den Kopf abreisset.«


|P_117-118
£{Hol-274,08-17}
»[...] Sumatra [...]. Uberhaupt ist die Lufft auf dieser Insul ungesund, weil sie unter der Mittags-Linie lieget, und das Gewitter plötzlich von der grösten Kälte zur grösten Hitze umschlagen kan. Weil auch das Land an den See-Küsten, woselbst die Einwohner als Fremdlinge am häuffigsten wohnen, aus einem continuirlichen Morast bestehet, regieren hier dieselben Arten von stinckenden Nebeln, welche man auf Borneo findet, und machen diese Insul eben so ungesund, insonderheit vor Fremdlinge. Bencola, welcher Ort auf der Süd-West Seite von dieser Insul lieget, ist der ungesundeste Ort, den die Engelländer in Indien haben: Denn die Soldaten sterben daselbst weg, wie die Fliegen, und das Sterben ist unter den Leuten so gemein, daß sie einiger massen alle Furcht davor verlohren haben. [...] Zu Achen ist es so gar ungesundt nicht, obgleich die Lufft daselbst schlecht genug und die Fieber sehr allgemein seyn. Die Monsons und abwechselnde Witterungen der Jahr-Zeiten sind zu Achen beynahe dieselben, welche auf andern Indianischen Plätzen Norden der Linie regiren, ausser daß der Regen hier wohl ein wenig eher eintrit, als weiter hinauf gegen Norden, und nirgends so starck fällt. Der Regen stürtzet hier unterweilen drey bis vier Tage hinter einander ohne Unterlaß so gewaltig nieder, daß die Strassen zu Achen plötzlich unter Wasser gesetzt werden, [...].«

|P_133
£{Hes-219,07}
[...] Fort Marlborough (welches nach Zerstöhrung der Festung Jorck auf Bencola ist erbauet worden) um den Pfeffer, welchen die Einwohner hieher bringen, zu empfangen.

|P_149-150
£{Hol-274,18-21}
»Die Einwohner dieses Landes bestehen aus zweyerley Art von Völcker, gleichwie in allen andern Indianischen Insuln deren Vor-Eltern aus sehr entlegenen Landen gekommen seyn. Diejenige, welche die inwendige bergigte Gegenden bewohnen sind Heyden, und, ihrem ersten Ursprung nach, vermuthlich Nachkommen der Chineser, diejenige, welche an den See-Küsten wohnen, sind von Arabischer oder Persianischer Abkunfft, oder vielmehr ein Mischmasch von allerhand Mohren und andern Nationen, welche dem Mahomedanischen Gottesdienst beypflichten, und von desselben Sitten und Manieren seyn. [...] Was ferner die Malayer anlanget, welche an den Küsten wohnen, [...]. Sie sind schwärtzlich von Farbe, gerade und wohl geschaffenvon Gliedern, aber gar nicht angenehm von Lineamenten und Gestalt. Denn sie haben ein plattes Antlitz, und ihre Kinnbacken gehen einigermassen mit dem höchsten. Sie haben recht schwartz Haar, schwartze Augen, gleich wie die meisten Indianer, und färben, nach der Gewohnheit des Landes, ihre Zähne schwartz an. Sie beschmieren sich auch mit stinckendem Oel, wenn solches zu dem faulen Geruch kömmt, den ihre Leiber ohnedem ausdampffen, so dürffte ein Europäer fast ersticken, wenn er sich unter einem Hauffen von Sumatranern befindet.«

|P_151-152
£{Hol-275,01-02}
»Die Einheimischen kauen immerfort Betel und Arack, und nehmen zwischen den Mahlzeiten Opium, Bang, und Toback. Dasjenige, was sie Bang nennen, weckt ihre Leben-Geister eben so geschwinde auf, als das Opium, und wird entweder von Hanff, oder auch von einem Gewächs, das dem Hanff sehr ähnlich ist, in ihrem Getränck abgezogen, und also getruncken.«

|P_156
£{Hol-275,02}
»Der gröste Handel auf der West-Küste von Sumatra wird mit Pfeffer getrieben; [...].«

|P_160
£{Hol-275,02-03}
»Das eintzige Korn, welches auf dieser Insul wächst, ist der Reiß, [...]. Mit aller Arbeit und Fleiß aber können sie es doch nicht dahin bringen, daß das Land Reiß genug ertragen kan, seine Einwohner Jahr aus Jahr ein zu ernähren: sondern es muß noch eine grosse Menge jährlich von andern Oertern eingeführet werden. [...] Nebst dem Reiß und dem Pfeffer ist das Zucker-Rohr das vornehmste Gewächs.«

|P_162
£{Hol-275,03-04}
»Das Gold aber ist hier so überflüssig, als nirgend anderwerts in Asia.«

|P_163
£{Hol-275,03-04}
»Das meiste Gold wird zwischen Ticou, und dem Königreich Meningcabo, mitten im Lande, gefunden. Die Einwohner sammlen es in den Bächen und Ströhmen, [...].«

|P_164
£{Hol-187,25}
Auch findet man daselbst Guanos, Eidexen, Crocodilen oder Alligators und Musketos oder Indianische Mücken und allerhand dergleichen beschwerlich Ungezieffer.

|P_165
£{Hol-275,05-07}
»Ihre schnelle Prouwen oder Böte sind unter allen ihren Kunst-Wercken die wunderbarste. Sie sind ziemlich lang, aber so schmal, daß keine zwey Leute bey einander stehen können, an dem Ort, da sie am breitesten seyn. Der Kiel ist nur ein breiter ausgehohlter Baum, und die Bord wird mit Brettern ungefehr drey Fuß höher aufgebaut, [...]. Diese Fahrzeuge führen ein grosses Seegel, und haben Ausleger an jeder Seite mit Brettern von leichtem Holtz an den Enden, und wenn es hart wehet, stellen sie zwey Man auf der äussersten Spitze des Auslegers hin, auf der Seite, die gegen den Wind lieget, um zu verhindern, daß das Schiff nicht umschlage, oder auf eine Seite geworffen werde: [...].«


|P_179
£{Hol-275,08-09}
»Die Nicobarischen Insuln liegen an der Einfahrt in die Bay von Bengala [...], und 120 Englische Meilen Nord-Nord-Westwerts von der Insul Sumatra.«

|P_180
£{Hol-275,09-11}
»Die Einwohner sind ein lang wohlgeschaffen Volck, von einer dunckel-gelben Farbe. Sie haben lange schwartze Haare, und schwartze Augen. Ihre Angesichter sind brav lang. Ihre Naase ist wohl gebildet, und recht proportioniret. [...] Die Frucht von Melory-Baum dienet ihnen statt des Brodts. Dieser Baum wächst wild in den Wäldern.«

|P_181
£{Hol-275,11-12}
»[...]: denn sie haben kein Brodt-Korn, und auch keine Wurtzlen, ausser etliche wenige Yams. Sie geben auch, allem Ansehen nach, nicht viel auf Schweine-Fleisch oder Vögelwerck, woran sie doch keinen Mangel leiden. Die Fische aber werden mehr gespeiset, und sie halten bey jedem Hause ein bis zwey Fischer-Böte.«

|P_182
£{Hol-275,12-16}
»Obgleich auch einige alte Scribenten nicht allein, sondern auch etliche von den heutigen, die Einwohner von diesen Ländern beschuldiget haben, daß sie Menschen-Fresser wären, [...], so ist doch nicht leicht jemanden grösser Unrecht wiederfahren als ihnen.«

|P_184-185
£{Hol-275,14-17}
»Ja, die Leute auf dem festen Lande, welches nächst den Nicobarischen und Andomanischen Insuln gräntzet, sind die aller mäßigsten Leute von der Welt, und fragen so wenig nach Fleisch, als sonst keine Nation auf Erden. Dem ungeachtet haben unsre wunderlichen Voyageurs doch die Thorheit begangen, diese so nahe an Indien gelegene Insuln zu einem Wohn-Platz der Cannibalen zu machen. [...] Nichts hat im Gegentheil die Reisen des Herrn Dampier mehr recommandirt, als die grosse Wahrscheinlichkeit, mit welcher er alles erzehlet, nebst der Mühe, die er sich giebet, die Wunder-Krämer, die er zu Vorgängern gehabt hat, gründlich zu widerlegen. [...] So kan ein jeder verständiger Mensch leichtlich daraus abnehmen, daß dergleichen Nachrichten den Glauben nicht verdienen, welche man gemeiniglich gerne denselben beyzulegen pfleget.«

|P_188
Ich weiß gar wohl, daß die Mannschaft von manchem Schiff ist in die Pfanne gehauen worden, und daß die Einwohner des Orts, da solches geschehen, gleich deswegen haben Wilde, wo nicht gar Menschen-Fresser heissen müssen: Wer weiß aber, wie viel Ursachen man ihnen dazu gegeben hat?


|P_206-207
£{Hol-275,18}
»Doch können wir nicht alle Insuln nahmentlich nennen, und jede insbesondere durchgehen, welche entweder vor sich alleine, oder um die Insuln, die wir theils beschrieben haben, theils noch beschreiben werden, so dick, als wenn sie gesäet wären, liegen. Obgleich unsere Ost-Indische Compagnie schon mehrmahlen Schiffe ausgesandt hat, die Süd-Länder zu entdecken, und es auch noch nicht gar zu lange her ist, daß zwey Schiffe der Ost-Indischen Compagnie längst der Küste hingesegelt sind, so ist das Land doch noch nicht recht bekannt, und man weiß wenig mehr davon, als daß etliche Küsten und Insuln desselben sind entdecket worden. Aus diesen Entdeckungen erhellet, daß das Land bewohnt sey, ob aber die Einwohner Riesen seyn, wie etliche vorgeben, kan ich nicht sagen. Sie sind wenigstens Menschen, und gehen nackt.«

|P_207-208
£{Hol-275,21-22}
»[...]; der gemeine Mann aber muß sich mit Fischen nähren und behelffen. Von ihren Gottesdiensten hat man nicht viel Spuhren gefunden, ohne daß man sagt, daß sie einen kleinen Stein mit grün und rothen Streiffen, oder auch eine gelbe gläntzende Materie, als wann es ein Metall wäre, beständig bey sich tragen, und demselben eine solche Ehrerbietigkeit erzeigen sollen, als wenn etwas Göttliches darinnen wäre.«

|P_223
£{Hol-276,06-08}
»Nun müssen wir den gegenwärtigen Zustand der westlichsten unter diesen Insuln beschreiben. Selbige wird Baly nach der Haupt-Stadt genannt, (allwo der König einen sehr grossen Hof oder Pallast haben soll) und wird durch die Meer-Enge von Palimboang von Java abgeschnitten. [...] Die Insul Baly wird auch wohl Java minor genannt, welchen Namen die Insul Sumatra nach des Herrn Valentyns Meynung vordem getragen haben soll.«

|P_224
£{Hol-276,08-09}
»Die Heydnische Abgötterey geht allein auf dieser Insul im Schwange, und man findet eben so wenig Nachricht, daß hier Mahometaner, als daß hier Christen seyn sollen. [...] Die Einwohner dieser Insul sind durchgehends weisser und blasser, auch besser proportionirt und nicht so breit von Angesicht als die Javaneser. Sie sind den Macassaren mehr ähnlich, haben aber eine weit erhabener Nase.«

|P_225
£{Hol-276,09-13}
»Die Leute von Bali sind ferner unverzagt, und daher recht gute Soldaten, ja sie übertreffen alle andre Indianer in der Klugheit; Dahero die Holländer auch ihrer viele in ihren Diensten halten. Die Weiber auf dieser Insul im Gegentheil werden für fleissig, arbeitsam, vernünfftig, getreu und guthertzig gehalten. Aus dieser Ursache nehmen die meisten Chineser Weiber aus Bali: Und den Balischen Sclavinnen zu Batavia wird eben deswegen mannigmahl die Aufsicht über die andre Sclavinnen, und über die besten Kostbarkeiten im Hause anvertrauet.«

|P_228-229
£{Hol-276,13-19}
»Weil die Einwohner von Balamboang, auf der festen Küste von Java, den Regenten von Bali für ihren Ober-Herrn zu erkennen scheinen, oder wenigstens doch ihm weit günstiger seyn, als dem Kayser von Java, und in ihrer Religion, Kleidern und Verbrennung der Leichen mehr mit den Baliern, als mit den Javanesern überein kommen; können wir nicht umhin, die erschreckliche Leich-Bestattung ihres Printzen bey der Beschreibung der Balischen Leich-Begängnisse anzuhängen. Es ward also, wie die mir zu Handen gestossene Nachrichten lauten, der An. 1691 verstorbene Fürst, 16 Tage nach seinem Ableben, und also, nachdem der Leichnam vermuthlich erst war balsamirt worden, zur Erden bestättiget: Er hatte in seinem Leben 400 Weiber gehabt, ab solche aber alle miteinander Kebs-Weiber gewesen, und ob nicht unter der Anzahl etliche Sclavinnen mit begriffen, wird nicht gemeldet. Von diesen aber wurden ihrer 270 laut seines Testaments, erstlich mit Kritsen niedergestossen, und hernachmals mit ihm verbrannt. Eine jede von ihnen ward zwischen zwey Schildwachen zum Tode geführet, und hielt eine Turtel-Taube in den Händen. Wenn der Dolch ihnen unter den kurtzen Ribben an der rechten Seite quer aufwerts, und bey der lincken Schulter quer unterwerts hineingestossen wurde, liessen sie die Turtel-Taube fliegen, und rieffen dabey Cami Soesoeboenam! das heist, wir kommen, Kayser! gleich als wenn die Taube ihre Seele zu der Seele des Kaysers hintragen sollten.«

|P_229
£{Hol-276,20-277,01}
»Es wird nicht unfüglich seyn, ehe wir von den südlichen Insuln in dem orientalischen Ocean, als dem eintzigen Vater-Land des weissen und gelben Sandel-Holtzes, abwenden, die natürliche Historie dieses Holtzes, in sofern sie uns bekant ist, oder wenigstens dasjenige, was man davon saget, zu beschreiben. Es wächset selbiges, wie schon erinnert worden, auf Solor und Timor, und etlichen daherum liegenden Insuln. Indessen soll die Poolo Tsjindana, das heisst die Insul Tsjindana, welche auf derselben Höhe als Timor, aber nicht einen Grad weiter gegen Westen lieget, von den Wäldern von Sandel-Holtz, welche daselbst wachsen, diesen Namen empfangen haben. [...] Doch müssen wir noch von dem Sandel-Holtz erinnern, daß alle drey Sorten, als das rothe, gelbe und weisse, nicht aus diesen Insuln verfahren werden, sondern, wie die Nachrichten lauten, nur die zwo letztere.«

|P_232
£{Hol-275,18-276,01}
»Wir haben im Anfange dieses Haupt-Stückes von dem Lande des Papuas oder Neu-Guinea, als dem nordlichsten unter allen Südländern gesprochen: itzund wollen wir das südlichste Antheil, welches den Namen Neu-Holland träget, nach den Nachrichten des Herrn Dampier, als eines berühmten See-Mannes, der daselbst gewesen, beschreiben. [...] Dampier war in der Gegend des Landes, welche auf den 16 Grad 50 Minuten südlicher Breite lieget. Er sagt Neu-Holland sey ein großes Land, man wisse aber noch zur Zeit nicht gewiß, ob es eine Insul, oder ein festes Land sey. Indessen versichert er, daß es weder an Africa noch an America Land-fest sey. Wo aber Abel Tasmanns Reise-Charte nicht trieget, können wir noch über dem versichern, daß es eine Insul sey.«

|P_233
£{Hol-276,02-04}
»Die Leute in diesem Lande sind lang und hager von Leibe. Sie haben keine grosse Köpffe, eine runde Stirne, und grosse Augenbranen, ihre Augen-Lieder sind halb geschlossen, und sie können nicht in die Ferne sehen, ohne ihre Köpffe hinten über zu legen. Sie haben dicke Naasen, grosse Leffzen, und einen weissen Mund, die beyde obersten Zähne oben im Munde fehlen ihnen allen, den Jungen sowohl als den Alten, ob sie aber von Natur sie nicht haben, oder sie ausbrechen, ist ungewiß. Sie haben keinen Bart, und ein langes heßliches Angesicht. Ihr Haar ist schwartz, kurtz und krauß, wie bey den Negern, und sie sind Kohlschwartz als die Negers von Guinea.«

|P_234
£{Hol-276,04-05}
»Obgleich nun die Hottentotten ein schlecht Volck seyn, so sind sie doch, was ihre Wohnungen und Güter, wie auch die Früchte ihres Landes anlanget, rechte Herren, gegen diese Leute zu rechnen.«

|P_235
£{Hol-276,04-05}
»Aus diesem allen aber erhellet, daß nirgends ein unschuldiger, ärmer und unvernünfftiger Volck als hier zu Lande zu finden ist.«

|P_Vacat
£{Hol-162,17}
Meinung der Iavaner vom Ursprung der Orang_outang: / starke Getränke ###


|B_Sa-Siam__(1735)

    Die Heutige Historie oder der gegenwärtige Staats der Königreiche Siam, Pegu und Arrakan, nebst allen theils daran gräntzenden, theils darzu gehörigen Ländern von Tonquin und Cochinchina, bis an den Fluß Indus und das Reich des grossen Moguls; [...]
    (Altona: Korte 1735)
  1. 1 Kap.: Lage und Grösse Königreich Siam, Provintzen, Ströhme, Winde, Jahres-, See-Zeiten, Climate, Luft
  2. 19 Kap.: Städte, Festungen, Pallästen, Königliches Schloss, Wachten, Frauenzimmer, Gebäude, Häuser, Haus-Rath des gemeinen Mannes
  3. 30 Kap.: Genie, Farbe, Statur, Kleidung der Siamer, Ceremonien, Visiten, Gastmahlen, Speisen, Lustbarkeiten und Festen
  4. 45 Kap.: Handlung, Kaufmanns-Waaren, Hendwerckern, Müntzen, Gewichte, Maaß und Schiffarth
  5. 52 Kap.: Natur u.Beschaffenheit des Erdreichs, Acker- u. Gaertenbau, Pflantzen, Thieren, Mineralien, Manier zu reisen
  6. 60 Kap.: Gelehrsamkeit, Sprache und Characteren ihrer Schrifft
  7. 68 Kap.: Hoffe, Reichs-Folge, Staats-Wechsel, Königl. Macht, Einkünfften, Hoff- u. andere Bedienten
  8. 82 Kap.: Gottesdienst, Tempeln und Aberglauben
  9. 99 Kap.: Hochzeiten, Weibern, Kindern, Sclaven, Leich-Begängnisse
  10. 107 Ende

    108: Pegu
  1. Kap.: Dessen Lage, Grösse, Grentzen, ...
  2. 113 Kap.: Des Königes Einkommen, Macht, Regierung, ...
  3. 121 Kap.: Von dem Gottesdienste, Tempel, Bildern, Talapoins, ...
  4. 124 Kap.: Von der Abkunfft, Gestalt und Art der Peguanischen Männer und Weiber, von ihren Häusern, ...

    133: Arrakan
  1. Kap.: Dieses Reichs Gräntzen, Lage, Städte, ...
  2. 138 Kap.: Von des Königes Nahmen, Bedienten, Hoff-Staat, ...
  3. 142 Kap.: Von dem Gottesdienste der Arrakaner, ihren Tempeln, ...
  4. 144 Kap.: Von der Leibes-Gestalt, Gemühts-Art der Arrakaner, ...
  5. 149 Kap.: Von denen Arrakanischen Städten, Menge der Einwohner, ...
  6. 150 Kap.: Von denen Künsten, Wissenschaften, Sprache, ...

    155: Asem oder Acham
    159: Anhang
    163: Ende

|P_1
£{Hol-242,03-04}
Zu dem Königreiche Siam rechnen wir nicht unbillig auch Malacca, Cambodia und Laos. Denn alle diese Länder sind vormahls Provintzen von Siam gewesen, und ein groß Theil derselben ist noch diese Stunde dem Könige Zinßbar.

|P_2
Was erstlich den allgemeinen Nahmen dieses gantzen Reiches anlanget, so nennen es die Portugiesen und alle Europäer Siam; die Landes-Kinder aber nennen es Tay, oder das Land der freyen Leute, [...].
Das eigentliche, oder Ober-Siam, fasset sieben Provintzen in sich, deren jede von ihrer Haupt-Stadt den Nahmen bekommen hat. Selbige sind Pronselonc die erste, [...], Sanguelonc die zweyte [...], Lacontai [...], Campengpet [...], Coconrepina [...], Pechebonne, [...] und Pitebia endlich [...].
Zu Unter-Siam oder Malacca rechnet man gleichfalls sieben Provintzen, [...].

|P_3
Cambodia

|P_6
Laos

|P_14
£{Hol-242,05-09}
Auf dem Südlichsten Ende dieser Halb-Insul liegt allernechst an Johor die Stadt und das dazu gehörige Stück Land Malacca, als eine Holländische Provintz. Die Stadt Malacca nun, wie sie noch heut zu Tage die vornehmste Stadt des Landes ist, also ist sie vormals die berühmteste Handel-Stadt von gantz Indien gewesen. Und gleichwie die in gantz Indien noch heut zu tage, so bekandte und bräuchliche Maleyische Sprache von ihr herkommt und genennet wird; Also hat auch diese Stadt der gantzen Maleyischen Küsten, [...], ihren Nahmen gegeben, [...]. Ja sie hat auch der berühmten Strasse von Malacca, an deren Südlichen Ende sie liegt, den Nahmen mitgetheilt.

|P_17
£{Hol-242,10-12}
Nun, da wir wieder nach Siam selbst kehren, wollen wir zuerst etwas von dessen vornehmsten Flüssen sagen. Der ansehnlichste ist der Meinam, oder Menam, welches auf Siammisch so viel als eine Mutter der Gewässer bedeutet. [...] Im Anfange des Octobers fängt der Strohm an zu schwellen, und die Ufer zu übersteigen, im December aber sincket das Wasser schon wieder.

|P_20
£{Hes-195,15}
Siam die Hauptstadt des Landes, welche auch Odia und von den Siammern Scyathia, Judia oder Juthia genennet wird, liegt ohngefehr auf dem 14 Grad Norder-Breite an dem Fluß Meinan, in einem Lande, das so weit, als man es mit den Augen übersehen kan, flach und niedrig ist. [...], welches einigen Anlaß gegeben hat diese Stadt mit Venedig zu vergleichen.

|P_22-23
£{Hol-242,12-15}
Von dem weissen Elephanten (der nach ihrem Wahn in Siam allein gefunden wird, wiewol er / nicht recht weiß, sondern Fleischfärbig ist, dergleichen anderer Orten eben auch gefunden werden) glauben sie, daß er von der Seele eines, oder des andern Printzen des Landes besessen werde: [...] Nächst den weissen ästimiren sie die schwartze Elephanten am meisten, weil sie nechst den weissen am seltesten gefunden werden. [...] Der weisse Elephant (denn sie haben selten mehr, als einen) wird aus göldenen Schüsseln, als ein Herr über alle übrigen bedient.

|P_25
£{Hol-242,16-17}
Aus diesem allen erhellet genugsam, daß diejenigen nicht gantz unrecht urtheilen, welche den Siammischen Hoff für den prächtigsten und ansehnlichsten unter allen schwartzen Völckern in Asia halten.

|P_27
£{Hol-242,17-20}
Ihre Häuser werden, wie wir in der Beschreibung von Siam schon gesehen haben, auf 6 Stücken Pfeilern von Bambos gebauet, haben nur ein Stockwerck, und sind ungefehr 13 Fuß über die Erde erhöhet. [...] Zur Zeit der Uberschwemmung befestiget ein jeder ein Bot an seiner Thüre.

|P_30-32
£{Hol-242,20-243,04}
Er bekennet ferner, daß die Siammer eine Sache hurtig und accurat begreiffen können, und in ihren Antworten listig und fertig seyn. [...] Sie kommen aber, sagt er ferner, wegen ihrer übermachten Faulheit in keiner Kunst oder Wissenschafft zu einer rechten Vollenkommenheit, auch so gar nicht in in der Chymie und Stern-Kunst, von welcher sie doch so viel Wercks zu machen scheinen. [...] Ferner sind sie polit und höflich: dabey aber furchtsam, ohne Sorgen und nehmen nichts zu Hertzen. [...] Gegen diejenigen, welche ihnen Unterthänigkeit erweisen, sind sie trotzig, dagegen demüthig gegen diejenigen, welche sich als Herren gegen sie betragen. [...] Sie sollen weit standhaffter seyn, als wir, und ein so beständiges Gemüth haben, als die Witterung in ihrem Lande ist, welche sich nur zweymal im Jahr verändert, und unvermerckt aus dem regnigten in ein trocknes Wetter verwandelt, ohne daß man der Veränderung gewahr werden kan. Kurtz sie haben das Glück recht gebohrne Philosophi zu seyn, und von Natur eine ziemliche Herrschafft über ihre Begierden zu besitzen, über welche wir mit allen Lehren der Religion und Welt-Weißheit kaum Meister werden können. [...] Der Herr Salmon hat selbst unterschiedene Indianer gesehen, die bey nüchternem Muht, und ohne den Verstand durch Wein oder Opium umnebelt zu haben, die gröste Tapfferkeit, so wol im Gesicht der Feinde, als bey anderer Gelegenheit, bewiesen haben. Er erzehlet von etlichen, die nicht die geringste Furcht blicken lassen, da sie in augenscheinlicher Gefahr gestanden, von wilden Thieren zerrissen zu werden, und meldet anbey, daß solches in den Ländern etwas sehr gemeines sey. [...]

|P_32-33
£{Hol-243,04-09}
Sonst sind die Siammer klein von Person, doch wohl gebildet, vielleicht daher, weil sie nicht wie unsere Kinder in ihrer Kindheit in Windeln eingewickelt werden: [...] Sie sind schwartz von Farbe, und Männer sowohl als Weiber haben ein sehr breit Angesicht, hohe Kinn-Backen, eine spitze Stirne und spitzes Kinn, welches verursacht, daß ihre Gesichter mehr lang-viereckigt, als länglich-rund seyn. Sie haben kleine dunckle aber gar nicht scharfe Augen. [...] Ihre Zähne färben sie schwartz, die Nase ist kurtz und rund an der Spitze, und die Ohren sind groß, welches sie für eine Schönheit halten. Wie auch dieses daß sie lange Nägel haben, die einen Daum breit oder zwey vorne über die Finger heraus gewachsen seyn. Ja die Täntzerinnen beschlagen sie wohl mit Kupffer.

|P_34-35
£{Hol-243,08-09}
Diejenigen, welchen die Erziehung der Jugend anvertrauet ist, gewehnen sie an, sittsam zu seyn, und ihrer Obrigkeit alle nur ersinnliche Ehrerbietigkeit zu erweisen, insbesondere aber, daß sie sich alles wilden Wesens und der Schwatzhafftigkeit enthalten, damit ihnen solches hernach in dem Königlichen Pallast und andern Häusern der Grossen nicht schwer wird, allwo allezeit ein tiefes Stillschweigen gehalten wird.

|P_36
£{Hol-243,10-12}
Der Herr de la Loubere erzehlet auch, daß als die Siammische Gesandschafft in Franckreich war, das Gesinde von dem einen Mit-Gesandten in dem Stockwerck das gerade über dem Zimmer des ersten und vornehmsten Gesandten, und also oben über den Brieff ihres Souverains an den König von Franckreich logiret worden, und sie solches erfahren, seyen sie darüber in die äusserste Bestürtzung gerahten, und, als wenn sie toll wären, herunter ins Haus gelauffen, sich die Haare ausgerissen, und sich erbärmlich angestellet, daß sie an einer solchen Missethat schuldig geworden.

|P_38
£{Hol-243,10}
Sonst haben sie noch unendlich viel vorgeschriebene Ceremonien und Höflichkeits-Pflichten; [...]

|P_42
£{Hol-243,13-15}
Den Balachaun, der von kleinen verdorbenen Fischen gemacht wird, haben wir bey Tonquin beschrieben; er wird aber auch in Siam sehr hoch gehalten. Und sie essen überhaupt lieber übel-gesaltzene und gedörrete auch stinkende, als frische Fische.

|P_43
£{Hol-243,16-244,01}
Sie machen auch viel Wesens von einer Sause, die so dünne als Senff, von kleinen schlecht gesaltzenen und halbverfaulten Krebsen gemacht wird. Sie nennen selbige Capi, und sie kömmt den Nukemum der Chineser sehr gleich. Sie haben weder Nüsse noch Oliven, und brauchen kein ander Oel als von Cocos-Nüssen zum Essen; man kan auch kein bessers in der Lampe zu brennen finden. Wenn solches aber etwas gestanden hat, können die Fremden es nicht geniessen: die Einheimischen aber essen zu allen Zeiten davon.

|P_43-44
£{Hol-244,01-04}
Sie essen selten Fleisch; wenn sie es aber ja einmahl geniessen wollen, halten sie sich am meisten an das Gedärme und Eingeweide; [...] Ihre Land-Vögel und alles Fleisch von Schlacht-Vieh ist zähe und trocken: ja die Europäer selbst die in Siam wohnen, essen es mit der Zeit nicht mehr.

|P_48
£{Hol-244,08-10}
Auf das Gold-Schlagen verstehen sie sich wol, und können ein Schiff sehr nett vergülden. [...] Die Kunst, mit Oel-Farbe zu schildern, verstehen sie nicht, und wissen keinem Dinge seine rechte Gestalt und Proportion zu geben, sondern sie lieben monstreuse Figuren, und sollen an allem, was in der Mahlerey und Poesie extravagiret und ausschweiffet, ihre größte Lust haben. Sie bilden Dinge, die niemals in der Welt gewesen seyn, und geben Menschen und Thieren, nach Art der Chineser, eine pur unmögliche Proportion.

|P_48-49
£{Hol-244,04-08}
Sie sind insgemein so ehrlich, daß auf dem Marckte oder in Kramläden der Verkäufer selten das Geld, so er empfängt, und der Käufer selten die Waaren zählet, die ihm nach der Zahl geliefert werden. [...] Mit den Schalen von den Cocos-Nüssen messen sie Getrayde und nasse Waaren: weil selbige aber von ungleicher Grösse sind, messen sie deren Gehalt, nach der Anzahl Kouris, oder kleinen Hörnerchen, die wir Mohren-Zähne nennen, und dort als Scheide-Müntze gebraucht werden. [...] Die Kouri's findet man vornehmlich auf den Maldivischen Insuln, südwerts von Indien, und sind, Kleinigkeiten dafür einzukaufen, in allen dasigen Ländern gangbar; ihr Preiß ist, nachdem sie rar oder häufig seyn, unterschiedlich, und gehen zuweilen wol 6- bis 800 auf einen Pfenning.

|P_52
£{Hol-244,11-13}
Der Erdboden in Siam hat wechsels-weise Lagen von Lehm oder fetter und anderer Erde, welche die starcke Wasser-Fluthen von den Gebürgen herunter spühlen. Denn das Land ist von allen Seiten mit Bergen umringt, und liegt in einem sehr grossen und weitläufftigem Thal. Sie haben selten einen steinigten Grund, und man wird schwerlich einen Flint-Stein im Lande finden. Der Morast, welchen der Strohm nachläst, wenn er sincket, machet die Erde fruchbar, so weit als sie ist überschwemmet gewesen.

|P_54 [Gehölze]
£{Hol-244,13-17}
Das Aloes- oder Aquila-Holtz, (heisst auch wol Calamback- Agnola- Paradieß-Holtz oder Aspalathum, und bey den Alten hieß es Agallochum) trifft man hier eben so wohl an, als in Cochin-China, es ist aber so gut nicht.

|P_55
£{Hol-244,18-19}
Die Indianer brauchen das Calamback-Holtz bey ihren Götzen-Opfern und den Todten, damit zu räuchern, wie auch bey grossen Festins vornehmer Leute, um eine angenehme Lufft im Zimmer zu machen.
[Preise werden nicht genannt. / 19.01.2017]

|P_59
£{Hol-244,20-245,01}
Aus den Zinn- und Bley-Gruben haben die Siammer schon lange Zeit überflüssige Ausbeute gehoben. Dieses Zinn, welches die Portugiesen Calin nennen, ist nicht sehr rein, dennoch machen sie die Thee- und Canasters-Dosen daraus, welche aus Ost-Indien kommen. Sie verbessern es aber dadurch, daß sie einen gewissen Stein, den sie Calmis-Stein nennen, darunter schmeltzen. Dieses harte Zinn nennen sie Tutanack.

|P_61-62
£{Hol-245,02-08}
Ihre Wissenschafft in der Artzeney-Kunst ist sehr schlecht. [...] Sie öffnen unterweilen die Leiber der Todten, aber nur den leichtgläubigen Pöbel zu betriegen, denn sie geben vor in den Magen grosse Stücken Fleisch von 8. bis 10 Pfund gefunden zu haben, welches nach ihren Vorgeben von Zauberey herrühren soll. [...] Wenn es ihnen zu schwer fällt eine Kranckheit zu heben, sagen sie gleich, selbige rühre von einer Bezauberung her. Sie sollen dem Patienten wol weiß machen, daß sie eine gantze Hirschhaut im Leibe hätten, die sie durch die Krafft ihrer Medicamenten austreiben wolten und müsten. [...] Bey den meisten Kranckheiten reiben sie den Leib des Krancken mit den Händen. Man solte meinen, daß ein sanfftes Streicheln und Reiben nicht viel zur Gesundheit beytragen könne, (einige Mediciaber urtheilen gleichwol anders davon.) [...] Ihre Medici brauchen auch unterweilen abführende, aber keine das Brechen erweckende Medicamenten.

|P_63
£{Hol-245,09-11}
Wie unerfahren aber auch ihre Sternseher in Känntniß der Natur sind, so sind sie doch bey den Abergläubigen Siammern unentbehrlich, massen ohne ihren Raht fast nicht das geringste gethan wird. [...] Bestätiget aber die Erfahrung ihre Wahrsagungen nicht, so werden sie als Leute, die in ihrer Kunst geschlegelt, und den König betrogen haben, angesehen, und zuweilen wacker abgeprügelt, [...].

|P_76-77
£{Hol-245,11-15}
Wenn kein anderer Beweiß fürhanden ist, nehmen sie ihre Zuflucht zu der Tortur, und allerhand abergläubischen Mitteln, die Wahrheit zu entdecken, welche nicht viel von unsern Wasser- und Feur-Proben unterschieden seyn. [../.]; Fast wie die Hexen in Europa vormahls durch Sincken und Untertauchen unschuldig erkant wurden. [...] Sie haben noch eine Probe, mit Brech-Pillen, die die Priester den Beschuldigten mit grossen Verfluchungen eingeben, wer sich nicht darnach erbricht, wird unschuldig zu seyn erkannt.

|P_78
Die Siammer haben fast zu jeder Missethat eine eigene Straffe: Die Mörder und Verräther des Vaterlandes werden insgemein den Elephanten vorgeworffen, und von selbigen zu Tode geworffen.

|P_79:
Man sagt auch, daß der König von Siam 10.000 Elephanten unterhalten soll.

|P_80
£{Hol-245,16-246,01}
Wenn die Siammer und Peguaner Krieg führen, kommen ihre Armeen einander gar selten ins Gesicht. Sie gehen auf Parteyen gegen einander aus, führen so viel Leute als möglich, gefangen weg, und ziehen sich mit aller ersinnlichen Eile wieder zurück. Wenn ja die Armeen auf einander stossen, vermeiden sie doch auf alle mögliche Weise, daß es nicht zu einem Treffen komme, und wenn die äusserste Noht sie zum Schlagen zwinget, so ists doch bald gethan, weil eine oder die andere Partey flüchtet, so bald der Streit etwas ernsthafft wird, oder die Kugeln etwas dick zu fliegen anfangen; Sie schiessen ehe sie einander mit dem Geschütz erreichen können, und wird einer alsdenn von ungefehr getödtet oder verwundet, so sagen sie er habe selbst Schuld, denn der König befiehlt ihnen, wenn sie zu Felde ziehen, daß sie nicht tödten sollen; [...]

|P_81
£{Hol-246,01-02}
Die Ströme und Canäle, welche das Land durchschneiden, und die grossen jährlichen Uberschwemmungen, verursachen, daß kein Feind tieff ins Land hinein gehen, oder sich lange daselbst aufhalten kan; [...].

|P_84
£{Hol-246,02-04}
Ihre Priester und Mönche werden in der Landes-Sprache Dsiaukus oder Väter genennet, die Europäer aber nennen sie wie alle Heidnische Priester in Indien, jenseit des Ganges Talapoins, so in Peguanischer Sprache einen Priester bedeutet. [...] Es sollen der Mönche, Pfaffen oder Talapoins in Siam mehr seyn, als in irgend einem Lande, auch Portugall nicht ausgenommen. Kämpfer meinet, man treffe in der eintzigen Stadt Judia wol 50.000 derselben an, [...].

|P_88-89
£{Hol-246,04-06}
Ob gleich alle Indianische Talapoins die Lehre von der Wanderung der Seelen als eine Grund-Lehre annehmen, sind sie doch in allen übrigen Stücken nicht einig. [...] Die Indianer glauben von lebendigen und leblosen Geschöpffen, daß sie eine vernünfftige Seele haben. [...] Einige geben auch vor, daß sie sich unterschiedlicher Wanderungen ihrer Seelen erinnern können; [...].

|P_89
£{Hol-246,10-12}
Sie glauben, daß obschon die Seele unsterblich sey, so sey sie doch kein purer Geist, sondern bestehe aus einer subtilen Materie, [...]. Und daß die Seele nicht stracks nach der Auflösung aus einem Cörper in den andern fahre, sondern eine Zeitlang, nachdem ihre Aufführung beschaffen gewesen, Straffe oder Belohnung empfange, und daß es zu dem Ende, ausserhalb der sichtbarn Welt, neun unterschiedliche Grade oder Oerter gebe, woselbst sie belohnet, oder auch bestrafft werden. Die seelige Seelen fahren nach ihrer Meynung hoch über die Sterne hinüber, die unseeligen aber werden sehr weit in die Tieffe hinunter gestossen.

|P_89-90
£{Hol-246,08-10}
La Loubere sagt zwar, es sey das Verbrennen, weder den Weibern noch Männern jemahls zugelassen worden, in keinem Lande jenseit des Ganges, und daß sie auch an statt des rechten würcklichen Haußraths nur einige von verguldeten Papier gemachte Sachen so jenem ähnlich wären, mit ihnen verbrenneten, vorgebend, sie würden in die Sachen, so sie vorstelleten, würcklich verwandelt. Der Leser urtheile aber selbst ob ihm, oder so vielen andern Reiß-Beschreibern völlig, oder zum theil zu glauben sey. So viel ist wol gewiß, daß die Sachen und Personen, so vorhin würcklich sind verbrandt worden, [...].

|P_90
£{Hol-246,12-14}
Sie glauben keine Göttliche Vorsehung, sondern, daß ein jeder in allem seinem Thun einer fatalen Nohtwendigkeit unterworffen sey; und glauben dennoch daß die Tugend belohnet, die Laster aber bestraffet werden.
£{Hol-246,15-17}
Gleichwie denen Talapoins nicht erlaubet ist zu tödten, zu stehlen, zu huren, zu lügen, und Zauber-Träncke zu trinken; [...]. Wenn auch ein Thier, Baum oder Pflantze von andern oder vom Winde umkomme, so sey es auch nicht sündlich, es zu gebrauchen. Und weil sie das Blut in den Menschen und Thieren, den Safft aber in den Pflantzen für den Sitz der Seelen halten, so werden sie keine Pflantze gern zerquetschen, umb den Safft daraus zu ziehen.

|P_92
£{Hol-237,10-12}
Denn einige Heiden, und insonderheit die Chineser, tödten ihre Kinder selbst, um sie in einen glücklichen Zustand zu versetzen, und dem Elende, welches insgemein mit der Armuht vergeschwistert ist, zu entziehen.

|P_93
£{Hol-246,18-19}
Doch sind sie [sc. die Talapoins] in etlichen Stücken weit besser als er gröste Theil der Priesterschafft in der Christenheit. [...] Dagegen üben sie Liebe gegen jederman ders bedarff, ohne Ansehn der Religion, Nation oder des Standes. Sie haben offt den Europäern, die auf den dortigen Küsten gestrandet haben, Kleider und andere Nothdurfft nach Vermögen gegeben, und wann selbige von der Obrigkeit nach dortigem Strand-Rechte aus Staats-Ursachen sind verfolget und aufgesucht worden, haben sie ihnen heimlich fort, und an die See-Kanten geholffen, [...].

|P_93-94
£{Hol-246,19-247,08}
Dergleichen Heiligen zu ehren, werden eben die Tempel erbauet, und deren Bilder anzubeten aufgestellet. Unter welchen der Sommona Codom, der allerheiligste, und weyland ein Land-Talapoin soll gewesen seyn. Den Sommona, soll einen Talapoin, der im Walde wohnet, bedeuten, Codom, aber ist dieses Mannes eigner Name gewesen. [...] Es sey nehmlich dieser Sommona Codom eines Königs der Insul Ceilon Sohn gewesen, aber nicht wie ein sterblicher Mensch, sondern von seiner Mutter aus dem Geruch einer Blume empfangen worden.

|P_104
£{Hol-247,12}
Inzwischen wird ein viereckter Platz, zur Verbrennung der Todten, nahe an einem Tempel mit Bambos-Pfählern abgestochen, an welche die Freunde des Verstorbenen allerhand papierne und vergöldete Fähnlein aufhängen, die mit Häusern, Sclaven, Hausgerath, Thieren und dergleichen Dingen bemahlt sind.

|B_Pegu__(1735)__

|P_108
£{Hol-247,13-14}
Nach der Beschreibung des Königreiches Siam folget Pegu oder Bagou, und Barma oder Ava, welche ehemahlen von besondern, oder vielen Königen beherrschet worden, itzo aber einem Haupte von Barmaischer Abkunfft unterworffen sind. Ungeachtet aber Pegu nur ein erobertes Stück davon, und der Hoff zu Ava gehalten wird, so ist doch das gantze Land unter dem Nahmen Pegu, sonderlich den Europäern, als nächst an der See gelegen, am meisten bekandt, daher wir unter diesem Nahmen auch beyde Reiche beschreiben wollen.

|P_112
£{Hol-247,14-16}
Die Küsten dieses Reichs sind vor den See-Fahrenden sehr unsicher. Denn zwischen den 2 Mündungen des Flusses Ava, welche man Dolla oder Dalla und China Bochar heisset, ist eine sehr gefährliche Banck von schwartzem Sande, [...]. Westwerts von dem Flusse Syriam an, liegt eine fester Sand, worauf ein Schiff, wenn es durch die wütende Fluth, der man weder durch Cabels noch Thaue Widerstand thun kan, darauf getrieben wird, nothwendig Schiffbruch leidet; [...]. [...], indem die Fluth allhier mit solcher Gewalt kommt, daß man das Brausen wohl drittehalb Meilen hören kan, und so starck auf dem Sande anwaltzet, daß sie vornezu wohl 2 Mann hoch wird. Alles, was in den Weg kömmt, muß weichen, und wird von selbigen mit fortgeschleppt. [...] Diese gewaltige Fluth wird von denen Einwohnern daselbst Makarea genennet. Die Ebben und Fluthen sind auf dem Flusse Pegu gleichfalls über die massen starck, und die Makarea nicht weniger sehr zu fürchten; [...].

|P_113
£{Hol-247,16-17}
Und nach diesen hohen und ungereimten Ehren-Tituln achtet er sich doch nicht zu groß, auch einen König des weissen Elephanten, und der vier und zwantzig weissen Sonnen-Schirme zu heissen. Wiewohl ihm der erste von diesen zwey letzten Tituln disputirt wird, sonderlich vom Könige von Siam, der eben einen solchen weissen Elephanten hat, nehmlich von licht-gelber Farbe.

|P_114
£{Hol-247,18-20}
Um nun dem Beschuldigten die Bekänntniß des Verbrechens auszupressen, so prüfft man ihn auf verschiedene Weise: Bisweilen muß sowohl der Ankläger, als der Beklagte, rohen Reiß käuen und hinunter schlucken. Sie bilden sich ein, daß derjenige, der einer Missethat oder falschen Anklage schuldig ist, selbigen, wenn er das Maul davon voll hat, nicht hinunter schlucken, der Unschuldige hingegen, den seinigen gantz gemächlich käuen und verschlingen kan.
Die Feuer- und Wasser-Proben, und andere Beweißthümer der Unschuld oder der Warheit der Anklage sind hier wie in Siam gewöhnlich.

|P_114-115
£{Hol-248,05-07}
Die gewöhnlichste Todes-Straffe ist die Enthauptung, die härteste aber wenn ein Missethäter der Kurtzweile der Elephanten übergeben wird.

|P_123
£{Hol-248,07-12}
Die Peguischen Talapoins haben ihre besondere Ordnung unter sich, [...]. Sie bringen ihre Lebens-Zeit, wie in Siam, ausser der Ehe in Clöstern zu, machen aber der Gemeine keine Beschwehrung, sondern leben von denen Früchten des Tempel-Ackers, den sie bauen. Wenn sie dieses fleißig thun, so haben sie nicht allein gnug vor sich selbst, sondern behalten auch wohl noch etwas übrig für die Armen von ihrer Gemeinde. Ist aber das Tempel-Guth zu klein, oder unfruchtbar, [...], so schicken sie einige Schüler aus, [...]. Sie werden aber selten ohne eine Gabe von Reiß, Hülsen- und andern Früchten oder Wurtzeln, so die gemeine Speise ist, weg gelassen. Bekommen sie mehr, als sie zu ihrer gegenwärtigen Nothdurfft brauchen, so theilen sie den Uberschuß unter die Arme aus, weil sie niemahls vor den morgenden Tag sorgen. [...] Sie untersuchen nicht erst, was für einer Religion jemand zugethan sey, sondern, wenn er nur ein Leben hat, so ist er schon ein Vorwurff ihrer Liebe. Und sie werden überhaupt als die leutseeligsten und liebthätigsten Menschen von der Welt gerühmet.

|P_124
£{Hol-248,12-16}
Sie glauben auch, daß die Götter keinen Mißfallen an dem Unterschiede des Gottesdienstes haben, aber wohl an allen demjenigen, was den Menschen schädlich ist, weil ihnen nichts verhasster sey, als die Grausamkeit. [...] Die gantze Peguische Geistlichkeit lässet sich zu Mittlern in Wegräumung und Schlichtung aller Streitigkeiten zwischen Nachbarn gebrauchen.


|P_125
£{Hol-249,01-02}
Die Barma- und Peguaner sind meist alle geschlanck vom Leibe, und wohlgestalt, so, daß, ob sie schon grob von Gliedern seyn, man dennoch keine fette Personen unter ihnen findet. Sie sind braun von Farbe, und artig vom Gesichte. [...]
Einige beschreiben dieses Volck auch, als Diebisch, wie alle Indianische Völcker sollen beschaffen seyn. Wiewohl Hamilton das gemeine Volck sowohl, als ihre Geistlichen lobet, und sie gutartig und herbergsam nennet. Tapfferkeit muß man bey ihnen eben so wenig, als bey ihren Nachbarn, suchen. Die Frauens-Personen sind höfflich und freundlich gegen Frembdlinge, und verheyrathen sich gerne an Europäer. Diejenige, welche Handlung hieher treiben, können allhier leicht eine Frau, so lange sie hieselbst sich aufhalten, bekommen.

|P_126
£{Hol-248,19}
Der Weiber-Schmuck bestehet darinne: Ihre Haube ist nichts anders, als ihr schwartzes Haar, so von hinten aufgebunden ist. Sie tragen ein Stück Cattun 3-4-mahl um den Leib gewunden. Wenn sie ausgehen, haben sie ein Kleid mit engen Ermeln, das biß auf die halbe Hüffte reichet. Darunter haben sie einen vierdoppelten Schleyer, welcher um die Lenden fest angemacht ist, und bis auf die Knöcheln herab hanget. Er ist also gemacht, daß er von vorne zu jeglichen Tritt, den sie im Gehen thun, sich eröffnet, und man das rechte Bein, und einen Theil von der Hüffte im Gegen sehen kan.
Diese Art von Röcken, soll durch eine Königinn in Schwang gebracht worden seyn, denn, da diese Regentin sahe, daß die Weiber unberühret blieben, indem die Männer an einander erhitzt waren, und denen unnatürlichen Sünden von der Sodomiterey sich ergaben, verordnete sie diese reitzende Kleidung, die Männer von der schändlichen Vermischung ab- und zu denen Weibern anzulocken, welches auch von guter Wirckung soll gewesen seyn. Vielleicht aber ist diese Historie erdichtet, um solche anstößige Kleidung damit zu entschuldigen; [...].

|P_128
£{Hol-248,17-18}
Einer Frauen schadet es daselbst gar nicht, daß sie verschiedene Europäer auf eine Zeitlang zu Männern gehabt, sondern sie wird deswegen nur desto mehr geachtet.


|P_133ff.: Der gegenwärtige Staat des Königreiches Arrakan

|P_145
£{Hol-249,04-09} / £{Hol-128,14-15}
Es scheinet, [...], daß sie allesamt eine besondere Gestalt sehr lieben, welche andern Völckern nicht angenehm ist, nemlich eine breite und platte Stirne; denn damit ihre Kinder also aufwachsen mögen, leget man ihnen alsofort, so bald sie nur gebohren worden, eine bleyerne Platte auf ihre Stirne, die man ihnen nicht eher wiederum abnimmt, als bis sie die gewünschte Gestalt davon bekommen haben. [...] Da nun grosse Ohr-Läpplein bey ihnen Mode sind, so wissen sie dieselbigen auf folgende Weise in eine, nach unsern Gedancken, gantz ungestalten Form zu bringen: Sie durchbohren selbige in der Jugend, und stecken in die gemachte Löcher von Zeit zu Zeit immer dickere Kügelchen von Pergament, oder etwas anders, wodurch sie die Ohrläpplein mit der Zeit so lang machen, daß sie ihnen bis auf die Schultern herab hangen.

|P_145-146
£{Hol-249,10}
Wie trotzig und hochmühtig sie sich aber auch sonst immer anstellen mögen, so werden sie doch durchgehends einen überaus niederträchtigen Geist sehen lassen, so bald man ihnen nur Geschencke bringet, welche sie augenblicklich selbst wegschleppen und verschliessen, eben als ob sie ihren Bedienten nicht traueten.

|P_147
£{Hol-249,10-12}
Wenn der Fisch anfängt zu stincken, so wird er erst auf ihre Märkte zum Verkauff gebracht.

|P_148
£{Hol-249,12-15}
Wird die Braut von dem Bräutigam [nicht] mehr, als Jungfer befunden, so ist sie ihm darum desto lieber, weil die Benehmung der Jungfrauschafft, vor etwas beschwerliches bey ihnen gehalten wird.
[ Es fehlt bei Salmon im ersten Halbsatz tatsächlich ein 'nicht'. ]

|P_149
£{Hol-249,15-16}
Die Arme aber, welche nicht viel darauf verwenden können, bringen die todten Cörper bey niedrigem Wasser an das Ufer eines Flusses, und lassen sie durch die Fluht mit wegführen. Diese werden sodann mit einem greulichen Gestancke auf dem Flusse hin, an einen Ort zusammen getrieben, und bleiben daselbst so lange liegen, bis daß sie von denen Krähen, Meven und andern Raub-Vögeln aufgefressen worden.
[ Auch Reiche werden nicht verbrannt sondern im Wasser bestattet. ]

|P_151
£{Hol-249,17-19}
Der Büffel hingegen giebts desto mehr, und braucht man diese starcken Last-Thiere zum Ackerbau und aller schweren Arbeit, [...]. Dies starcke Beest so einem Ochsen gleichet, auch daher ein Büffel-Ochse heisset, hat sehr grosse und schöne Hörner, womit es Menschen und Thiere leicht beschädigen, und ums Leben bringen kan. Es ist auch wenns nicht von Jugend auf wol gezogen und gezähmet wird, von Natur ein wildes, störrisches und grimmiges Thier, daher ein unfreundlicher Mensch nicht unrecht damit verglichen wird.

|P_151-152
£{Hol-249,20-21}
So starck und grimmig sie aber sind, so haben sie doch eine Art Feinde, die man nicht dafür ansehen solte, daß sie diesen mächtigen und boßhafften Thieren sich nahen dürfften, und gleichwol thun sie ihnen doch viel Schaden, und bringen sie oft wol gar ums Leben, welches unmöglich scheinet, aber doch gewiß ist und offt geschicht: Es giebt nehmlich eine Art Krähen, und eine Art Fisch- und Fleisch-fressender Strand- und Raub-Vögel, welche Meuwen genannt werden, die wegen der vielen Aeser und Todten Cörper hier zu Lande häuffig in die Ströme begraben, [...]. Sie fliegen ihnen auf den Rücken, und fressen ihnen auf dem Nacken, sonderlich die Haut durch, und hernach das Fleisch biß auf die Knochen weg.

|P_154
£{Hol-249,17}
Bißweilen thun sie hier auch einen sehr guten Kauff mit Diamanten, Rubinen und andern Edelgesteinen, wie auch mit güldenen Roupyen.


|P_155ff.: Der gegenwärtige Staat des Königreichs Asem oder Acham

|P_156
£{Hol-250,02-04}
Es ist dieses Land mit allem, was zu des Lebens Unterhalt nöthig, versehen, so daß es anderer Länder Beystand wenig bedarff, und also vor eines der besten Länder in Asien passiren kan. Man soll darinnen Gold- und Silber-Gruben finden, wie auch Eisen, Stahl und Bley. [...] Nicht weniger hat man daselbst viel Gummi-Lack, und zwar von zweyerley Art. [...] Es übertrifft an Tugend alle andere Asiatische Lacke sehr weit.

|P_157
£{Hol-250,04-06}
[...], so fand man doch bey ihnen auch Kriegs-Gerähte, Geschütz, Granaten und Pulver. Ja dieses soll gar daselbst erfunden, und von dar nach China und Pegu gebracht worden seyn; Sie sollen gantz ausnehmend gutes und klein-körnigtes Pulver machen.
£{Hol-250,06-08}
Es ist daher bey ihnen im Brauch, etwas Hausraht, dessen sie sich im andern Leben gebrauchen können, mit den Todten zu begraben. [...] Ferner werden mit ihm [ einem gestorbenen König ] auch ein lebendiger Elephant, 12 Cameele, 6 Pferde und einige Jagd-Hunde begraben, um in der andern Welt den Königlichen Staat nach Würden unterhalten zu helffen, [...].

|P_157-158
£{Hol-250,08-10}
Manns- und Weibs-Personen sind daselbst von einer schönen Gestalt und Farbe. Diejenige aber, welche in dem Südlichen Theile wohnen, sind etwas brauner von Farbe, als die andern, haben aber keine Kröpfe, als wie die im Nordlichen Theile. Sie und ihre Weibs-Personen haben mehrentheils etwas platte Nasen.

|P_158
£{Hol-250,10-13}
Obschon ihr Land an allem einen Uberfluß hat, so machen sie doch eine gar sonderbare Delicatesse aus dem Hunde-Fleische, und bitten sich fürnehmlich darauf einander zu Gaste. [...] Saltz hat man in diesem Lande kein anders, als welches durch Kunst gemacht wird, davon sie zweyerley Gattungen haben. Eine Sorte machen sie durch Verbrennung eines gewissen grünen Krautes, welches auf still stehenden Wassern wächset. Die Asche davon wird in Wasser geweichet, hernach durchgeseiget, und die reine Lauge, die davon kömmt, ausgedämpffet, so das Saltz zurück und gleich den Alaune und Salpeter anschiessen lässet.


|P_159-163: Anhang
Geneigter Lesen, ob wir wol hiemit eine so viel möglich zulängliche Beschreibung der Königreiche Pegu, Ava, Arrakan, Brama, Tipra, Acham und Boutan mitgetheilet haben, so wolen wir dennoch demselben auch das wenige, womit Herr Salmon dieser Länder noch erwehnet, [...], nicht vorenthalten, [...].

|P_161
£{Hes-198,10}
Die vornehmsten Städte sind Tipra, Ava, Arrakan, Lactora, Propa, Mero, Pegu und Syriam. Einige rechnen auch Martaban zum Königreiche Pegu. Tipra ist die Haupt-Stadt des Königreiches oder Landes dieses Nahmens, und liegt ohngefehr auf der Norder-Breite von 24 Graden.

|P_Vacat
£{Hol-247,20-248,05}
£{Hol-248,18-19}
£{Hol-250,13-14}


|B_Sa-Indien__(1736)__
[ Die Heutige Historie oder der Gegenwärtige Staat von Indostan und Ceilon, Oder dem eigentlich so genannten Indien, Enthaltend eine ausführliche Beschreibung aller Reiche, Staaten und Länder des Grossen Mogols, und der Europäischen Handels-Plätze auf denen See-Küsten Malabar und Coromandel. Nach dem Englischen und Holländischen Herrn Salmons und Herrn v. Goch, In Deutscher Sprache nebst einer Land-Charte ausgefertiget. Altona und Flensburg, Bey den Gebrüdern Korte, 1736.
005 Kap. 1: Name, Lage, Stiftung, Geschichte
080 Kap. 2: Himmelsgegend, Witterung, Winde, Jahres- und Seezeiten, Ströme
090 Kap. 3: südlicher Teil von Indien, Provinzen, europäische Pflanz- und Handelsstädte
166 Kap. 4: nördlicher Teil von Indien, Landschaft, Grenzen, Hauptstädte
175 Kap. 5: Einwohner, Gebäude, Hausrat, Naturell, Kleider, Speisen, Ergötzlichkeiten, Zeremonien, Fuhrwerk, Reisen
191 Kap. 6: Handel, Waren, Schiffahrt, Ackerbau, Pflanzen, Tiere, Mineralien
215 Kap. 7: Gelehrsamkeit, Sprachen und Buchstaben, Künste und Wissenschaften, Ärzte, Krankheiten und deren Kuren
223 Kap. 8: Hofstaat des Mogul, Bediente, Weiber, Regierung, Gesetze, Straßen, Kriegsstaat, Einkünfte, Münzen, Maße und Gewichte
240 Kap. 9: Religionen, Gottesdienste, Kasten, Stämme
259 Kap. 10: Heiraten, Kinderzucht, Begräbnisse, Trauer
275 letzte Seite ]

|P_5-6
£{Hol-250,15-19}
Unter dem Nahmen des eigentlich so genannten Indien, sind zu verstehen alle die Landschafften, welche zwischen dem Königreiche Arracan Ostwerts, dem Persischen Reiche nach Westen, zwischen dem Vor-Gebürge Comorin Südwerts, und der Usbeckischen Tartaren und Thibet nach Norden und Nord-Osten zu liegen. Das Vor-Gebürge Comorin, als der Südlichste Theil von India, liegt auf 7. Grad und 45. Minuten der Norder-Breite, der Nordlichste Theil aber, nehmlich die Provinz Cachemire, in der Breite von 40. Graden und etlich wenigen Minuten; wenn man aber von der Westlichen Seite Indiens, so an Persien stösset, und im 66. Grad lieget, biß an die Gräntzen des Königreichs Ava oder Arracan rechnet, welche biß an den 92. Grad sich erstrecken, so trägt es 26. Grad, daß also dieses grosse Reich nahe bey 500. Meilen lang und 400. breit ist. [...] Es nennen die Mogoller oder die Einwohner dieses Land noch heutiges Tages Mogulstan nach dem Titul ihres Käysers, welcher der grosse Mogul heisset.

|P_7
£{Hol-253,16-20}
Der grosse Tamerlan soll zu diesem Reiche ums Jahr Christi 1400. den Grund geleget, und alle diese Länder eingenommen haben.

|P_11-12
£{Hol-253,16-20}
Amayum starb im Jahr 1552. Ihm folgte nach sein Sohn Akebar oder Akbar, welchem es an keinen Qualitäten fehlete, einen Thron zu zieren. Er hatte einen überaus scharffen Verstand, eine sehr grosse Erkänntniß und einen unterschrockenen Muth. Danebst war er auch großmüthig, liebreich und mitleidig. Er merckte bald, daß die Moguls oder Tattarn sich mit denen Patanern und Indianern, unter seinem Regiment nicht wohl zusammen schickten, und ersuchte dahero die benachbarte Ußbeckers und Persianer, unter ihm zu dienen. Er beförderte sie auch zu denen wichtigsten Ehren-Stellen, und gab ihnen Weiber, auf daß sie mit der Zeit gleichsam das Gegen-Gewicht halten möchten, demjenigen Theil seiner Unterthanen, welche die Natur und der Eigen-Nutz anreitzete, seinem Regiment abgeneigt zu seyn. Der gröste Theil dererjenigen, welche noch biß diesen Tag Moguls genennet werden, und gleichsam eine Vermischung weisser Völcker von unterschiedlichen Nationen, welche sich zur Mahometanischen Religion bekennen. Nachdem man aber wahrgenommen, daß sie in kurtzer Zeit ihrer Complexion verlieren und weichlich werden, wie die ursprüngliche Einwohner des Landes, so werden die Persianer und Tattarn immer von neuen angereitzet, sich in diesen Gegenden wohnhaft niederzulassen, werden auch gemeiniglich noch zu denen grössesten Ehren-Stellen in der Regierung erhaben.

|P_68-69
£{Hol-250,20-251,02}
Als nun Aurengzebe nach einem langwierigen und blutigen Kriege die Könige von Visiapour und Golconda im Jahr 1685. und 1686. genöthiget hatte, ihme zinsbar zu werden, so beraubte er sie vollends alles Scheins der Souverainität, den er ihnen vorhero noch gelassen hatte, und brachte sie gefangen in sein Lager, worauf ihre Königreiche zu Provintzien des Reichs gemacht, und seithdem immerdar von einen Mogolischen Staats-Bedienten seynd regieret worden. Es gibt zwar noch einige Raja's, oder heydnische Fürsten, auf denen Gebürgen, welche noch immerzu ihr eigen Volck regieren, aber diese sehen es selten vor gut an den Mogul anzugreiffen, und sind damit gar sehr vergnügt, wenn er sie nur in ihren kleinen Fürstenthümern mit Frieden läßt.

|P_69
£{Hol-251,02-07}
Die Einwohner der gantzen Halb-Insel von Indien sind fast lauter Araber und Mohren aus Africa, welche, wie gesagt, schon zu Tscher Chans Zeiten wohl von mehr als 200. Jahren her sich allda ausgebreitet.

|P_80-81
£{Hol-251,09-15}
Aber ohngeachtet dieser Temperatur ist das Clima doch sehr heiß; hat aber seine Hitze so wol als seine Milderung meist von denen ordentlich abwechselnden Winden. Diese Winde werden Monsons, Beurt- oder Wechselwinde genennet. Denn sie wehen insgemein ein halb Jahr nach einander, nemlich von April an, aus Süd-Westen, und von October an aus Nord-Osten. Nicht zwar so gar accurat, sondern sie weichen wol ein oder etliche Striche nach dem Compas abe: Auch nicht so gar gewiß nach der Zeit, denn sie kommen wol zuweilen 14 Tage oder 3 Wochen früher oder später, so wol als die Regen-Zeit. Die Abwechselung dieser beyder Zeiten, geschicht auch insgemein mit grosser Hefftigkeit, und ehe einer oder der andere von diesen Winden eintritt und sich fest setzet, fallen gemeiniglich grausame Orcane und schröckliche Sturtz-Winde mit hefftigen Regen, Blitz- und Donner Wettern, dann und wann darzwischen ein. Da denn keinmahl solche ohne Schaden abgehen, sonderlich zur See: denn die Kauffleute und Schiffer halten sich gerne so lange auf als möglich, und in Hoffnung, die Veränderung des Windes und des Wetters werde dieß Jahr nicht so zeitig, oder nicht so plötzlich, oder doch nicht so hefftig einbrechen, wollen sie nicht gern das geringste Geschäfte unabgethan dahinden lassen, und keinen zuverhoffenden Profit, versäumen; bis, ehe sie sichs versehen, ein Sturm ansetzt, und, ehe sie die Hoffnung er werde übergehen, fahren lassen, oder ehe sie sich reteriren können, so hefftig wird, daß es ihnen hernach unmöglich fällt, demselben zu entgehen. [...] Wenn ein solches Wetter einen Menschen auf freyen Felde ergreifft, so kan er sich nicht auf den Beinen halten, sondern muß sich plat zur Erden niederwerffen und nur auf sich loßregnen lassen, biß die Hefftigkeit übergehet.
[ Der Begriff "Zweifelmonate" ist ein Zusatz von Kant. ]

|P_82
£{Hol-251,15-17}
Und gleichwie diese zweyerley Winde alle halbe Jahre abwechseln, also hat man daselbst auch zwey Winde, die alle Tage abwechseln: Nemlich, die Land- und die Seewinde. Jene sind sehr heiß, weil sie über einen grossen Strich sandigen und als versängeten Landes, so von der des Tages 12. Stunden gerade überstehenden Sonne beschienen wird, wehen, dadurch sie so erhitzet werden, daß man wohl ersticken möchte und müste, wenn die allweise Vorsehung Gottes keine Milderung verfüget hätte. Aber diese gedeyet dem Lande dadurch ersprießlichst an, daß diese brennende Winde nur von Mitternacht an biß Mittag wehen; den gantzen Nachmittag aber biß Mitternacht wehen die frischen erquickenden See-Winde, und kühlen das Land wieder ab, daß die Land-Winde nicht eher beschwerlich werden, als um die Mittags-Zeit [...].

|P_83
£{Hol-251,17-21}
Die gewöhnliche Regen-Zeit beginnet auf der Malabarischen Küste gegen Ausgang des Junii-Monaths, und währet bis zu Ende Octobris, also 4. Monate. Auf der Coromandelschen Küste aber beginnet sie später, und währet bis in November und December. Aber auch, wie gesagt, nicht so accurat, das sie nicht 2. a 3. Wochen eher eintreten, oder so viel länger anhalten solten; denn es ist so wohl im Anfange als zu Ende oft eine ziemliche Zeit meistens gut Wetter, und regnet nur etwa gegen Abend: Wenn sichs aber recht eingerichtet hat, so regnet es im September und October so heftig und starck, daß oft in ein oder zwo Nächten das flache Land gantz überschwemmet wird.

|P_86-87
£{Hol-251,21-252,05}
Von dieser ordentlichen Regen-Zeit, und denen mitten im Lande liegenden Gebürgen kommt es, daß auf dieser Halb-Insul, sonderlich auf der Westlichen Küste viel mehr Flüsse als sonst wo sich finden, und auch, daß keiner von allen kaum eine Einfahrt oder Hafen, geschweige ins Land hinein eine fahrbare Tieffe haben solte. Denn die ordentliche Flüsse so alle etwa im nahe liegenden Gebürge entspringen, haben keinen langen Lauff sondern fließen stracks Weges meist gerade über das ebene Land nach der See; haben unterwegs keinen Zufluß, sondern werden allenthalben abgezapffet und auf die Reiß-Felder geleitet, die auf beyden Seiten mit kleinen Dämmen eingefasset, eine Zeitlang unter Wasser stehen, so / daß der Strohm endlich kaum Wasser genug behält, es in die See zu führen, und daß in der trockenen Zeit die Mündung des Flusses von der See Wrandung[!] mit Sand versetzet, und von der See zugespühlet wird

|P_89
Sein [sc. des Indus] Ursprung soll nicht weit von des Ganges seinem seyn, und zwar in der Thibetischen Tattarey, und er soll wohl 720. deutsche Meilen durchfliessen. Aber gleichwie die Erd-Beschreiber vom Reiche Thibet weder die Lage noch die Grentzen, noch sonst was rechts wissen, also können sie auch von diesen beyden Haupt-Flüssen Indiens ihrem Ursprunge, oder Quellen und Lauffe, nichts gewisses sagen.

|P_91-92
£{Hol-252,06-07}
Das Vor Gebürge Comorin, als die äuserste Land-Spitze gegen Ceilon über, liegt unter dem 7. Grad Nordlicher Breite. Madura ist die erste oder Südlichste Landschafft, darum auch die aussen für liegende Meer-Enge Manaar, sammt denen darzu gehörigen Perlbäncken und eine daran stossende Insul Ramanakoel genannt, darzu gerechnet werden. [...] Die Perlbäncke geben dieser Provintz etwas Ansehen und Nahrung; weil, so lange die Fischerey wäret, etliche tausend Menschen was dabey verdienen, die auf der Küste zusammen kommen, Zelter aufschlagen, wohnen und Wirthschafften, so lange als der Perl-Fang währet. Der Vortheil davon soll wol unter den Lands-Fürsten, und die Holländer, so auf beyden Seiten diese Küste bewohnen, getheilet seyn, weil einen Tag um den andern für beyde gefischet wird.

|P_113
£{Hol-252,08-11}
Herr Hamilton berichtet etwas von diesem Königreiche, welches man sonst nirgends findet. Es soll nemlich in denen alten Zeiten schon ein Königreich, und eine Republic von Juden, gewesen seyn, deren ehemals eine so grosse Anzahl allhier sich befunden, daß sie in die 80.000 Familien ausgemacht, wovon aber jetzund nur noch eine Anzahl von 4.000 übrig wäre. Sie haben zu Cochin eine Synagoge oder Versammlungs-Hauß, welches nicht weit von des Königs Pallast, etwa 2 Englische Meilen von der Stadt, stehet. Darinne würden auf kupfernen Platten mit Hebräischer Schrifft die Denckmahle ihrer Begegnisse seit Nabuchdonosors oder Nebucadnezars Zeiten her verwahret, und immer wiederum verneuert, wenn etwa die alles verschlingende Zeit selbige gantz vertilgen zu wollen schiene. Der Herr von Rehde soll hiervon einen Auszug in Holländischer Sprache haben machen lassen. Obgedachte Juden sollen von dem Geschlechte Manasse herstammen, und auf Befehl ihres Chaldäischen Uberwinders, hierher an die äusserste Gräntzen seines Gebiethes geschickt worden seyn. Er erzehlet ferner, daß sie in diesen Landen, nachdem sie anfänglich sehr wohl und gütig tractiret worden, an Reichthum und Macht dermassen zugenommen, daß sie endlich das kleine Königreich Cranganor erkaufft, und daß die ältesten in ihrem Rathe 2 Söhne aus einem vornehmen Geschlechte zu Fürsten erwählet hätten; einer aber von denenselben hätte sich die Herrschsucht dermassen einnehmen lassen, daß er seinen Bruder ums Leben gebracht, dessen Sohn hernach seinen Todt nicht ungerochen gelassen, worauf das Land wiederum unter eine Regierung der vornehmsten Herren, endlich aber gar wiederum unter das Malabarische Regiment verfallen, da dann, nachdem sie weiterhin durch grossen Druck in Armuth gerathen, viele unter ihnen in solcher Bedrückung ihren Glauben verleugnet hätten, und Heyden worden wären.

|P_133

Die berühmten Demant-Gruben von Golconda

|P_134
£{Hol-252,12-15}
Diese Demant-Minen, wie man sie doch nennen muß, ob sie wol selten mehr als 4. Faden tief sind, liegen im Gatischen Gebürge, so von Cap. Comorin mitten durch die gantze Indische Halb-Insul hinläufft. Sie finden sich nicht alle an einem Orte beysammen, sondern hin und wieder in Golconda und Visiapour, daher viele glauben, daß sie wol durchs gantze Gebürge lang hinauf zu finden wären. Sie werden nicht in denen harten Felsen gebrochen oder gefunden, sondern unter und zwischen denselben, wo man einen groben Kieß findet, da schlägt man ein, doch nicht offt, und man sucht nicht viel neue Gruben, weil die bisher bekandten und bräuchlichen allein vermögend wären der Welt so viel Demanten auf den Halß zu hängen, daß sie deren gnug kriegen, und deren Werth fallen würde, wenn die Landes-Herren jedermann und allzeit graben liessen.
[ Es steht dort nicht, daß die Gruben wieder zugeworfen werden, sondern nur, daß keine neuen gesucht werden! ]

|P_141
£{Hol-252,15-17}
Ehe ich weiter nach Norden zu gehe, wird es Zeit seyn, daß ich auch noch etwas von denen Bergen von Gate und Baligate spreche, welche die disseitige Halb-Insul Indiens, von Norden nach Süden zu, in zwey Theile unterscheiden. Allhier wohnen die meisten Rajas oder Naiques, welche ihren Hals noch nicht unter das Mogulische Joch gebeuget haben.

|P_147
£{Hol-252,20-21}
Der Kauff-Handel zu Surate war und bleibt noch immer sehr groß.

|P_150
£{Hol-259,21-260,06}
Der Platz, wohin sie ihre Todten bringen, ist auf dem Felde, eine halbe Stunde von der Stadt, welcher mit einer Mauer, so 12. Schuh hoch ist, und 100. Schuh im Umfange hat, umgeben ist. Die Erde darinne ist ohngefehr 4. Schuh hoch erhaben und ablauffend gemacht, damit die stinckende Feuchtigkeit aus denen todten Cörpern in einem darzu verfertigten Graben ablauffen könne. Es kan nichts abscheulichers seyn, als dieser Begräbniß-Platz. Da siehet man eine grosse Menge Leichen auf eine höchst eckelhaffte und schändliche Weise bey einander liegen. Einige sind grün, andere gelb, einige blutend und noch gantz frisch, etlichen sind schon die Augen durch die dahin sich versammlende Geyer ausgehacket, andern ist alles Fleisch von den Backen abgerissen; an einigen Theilen ihrer Leiber sind grosse Löcher hinein gefressen, und das Leder ist von einem Ende bis zum andern zerrissen und zerfetzt. Einige Stücke sind von der Sonne gehärtet, wie ein Stück gegerbt Leder, dahingegen andere so abgefressen, wie ein Todten-Gerippe. Man mercket auch an, daß die Geyer ihren Geruch sowohl als ihren Geschmack mit diesen todten Leichnamen erquicken, und sich mit Fleiß gegen den Wind zustellen, um den daher kommenden ihnen so angenehmen Geruch wenigstens noch zu geniessen, wenn sie sich schon satt gefressen, daß sie nicht wol von dannen fliegen können.
[ Kant gibt nicht genau das wieder, was bei Salmon S. 150 steht: Er spricht von "Habichten und andern Vögeln", bei Salmon hingegen ist von "Geyern" die Rede. Auch steht dort nichts von "hinaus gerissenen Gedärmen". Vermutlich hatte Kant diese Stelle noch vage im Kopf, als er S. 253 las, und hat sein Exzerpt ergänzt, ohne nochmals auf S. 150 nachzulesen. ]

|P_151
£{Hol-252R,21}
Die Englische Ost-Indische Compagnie hat einen Praesidenten zu Surate, welcher daselbst in grossem Ansehen lebet.
[Es folgen Beschreibungen weiterer Institutionen: Schreiber, Prediger.]

|P_156
£{Hol-252,18-20}
Die Fluth fällt mit solcher Gewalt in die Bay von Cambaya, daß das hurtigste Pferd ihr nicht soll gleich lauffen können.

|P_157
£{Hol-252,20-21}
Ohngeachtet die Landschafft Guzurate eine Provintz des grossen Moguls ist, so ist sie dennoch längst denen Küsten hin unter verschiedene Frey-Beuter zur See zertheilet.

|P_163-166
£{Hol-252,22-253,06}
Die Landschafft Bengalen verschafft mehr Materien zu allerley Handwerckern und Manufacturen, als sonst einige bekannte Länder. Die Künstler sind allhier überaus geschickt. Sie übertreffen insonderheit alle andere in Leinwand- oder Cattun-weben. Diese Waare ist allhier so fein, daß auch sehr lange und breite Stücken gemächlich durch ein klein Ringelchen gezogen werden können. Kriegt etwas davon ein Loch, so können sie dasselbe so nett wieder zustopfen, daß man den Riß nicht finden kan. Ist Glaß oder Porcellain zerbrochen, so wissen sie es so artig wieder zusammen zu fügen, daß man keinen Bruch daran sehen kan. Man sticket daselbst sehr künstlich, und sie machen alle Europäische Kunstwercke nach, obschon alle ihre dazu habende Geräthschafft selbst, ihre Weber-Stühle, keinen Thaler werth sind. Damit sitzen sie in ihren Vorhöfen, Gärten, an Strassen und grossen Wegen, die feine Zeuge zu weben, welche durch die gantze Welt so berühmt sind. Sie machen aus Syrup, Zucker, einigen Baum-Rinden und Rosinen, Brandtewein, welcher stärcker ist, als der Europäische. Sie mahlen und vergülden das Glaß sehr schön, davon sie so dünnes haben, daß es nicht dicker ist, als doppelt Papier. Ihre Farben verschiessen nicht, und gehen auch in Lauge nicht ab. [...] Ihre Mäurer machen einen gegossenen Estrich von gestossenen Ziegelsteinen und Kalck, der wenn er recht ausgetrocknet, ohne Ritzen so fest und hart ist, als wenn es eine eintzige Fließe wäre. Ja sie können den Kalck so zubereiten, daß sie ein Schauer von demselben, ober Wetter-Dach, an eine Mauer anzusetzen wissen, ohne Seulen und Stützen, 4. Schuh lang, 8. Schuh breit, und 5. oder 6. Zoll dicke. Ihr Kalck wird aus See-Schnecken und Muschel-Schalen gebrandt, der aber, den sie mit Betel Arek kauen, wird von gewissen Steinen gebrennet. [...] Ihre Chymisten wissen in allen Töpfen den Zinnober zu rechte zu machen und alle chymische Arbeit so mit Quecksilber geschicht zu verfertigen. Sie wissen alle Metallen leicht zu Pulver zu machen, und aus Unschlitt und Meßing Medicamenta zu bereiten, welche alle schleimigte Feuchtigkeiten verzehren, und die grösten Verstopffungen öffnen. Ihre Aerzte sind viel vorsichtiger im Gebrauch des Schwefels, als die Europäer.
[ Es folgt eine Beschreibung von Krankheiten und Mitteln dagegen. ]

|P_169
£{Hol-253,07-11}
Cachemire oder Cassimere stösset gegen Norden an den Berg Caucasus, welcher es von der Tartarey absondert, an Bankish oder Karkares gegen Osten, an die Provintz Pencab oder Lahor gegen Süden, an Cabul gegen Westen, und liegt, so viel man nach der ungewissen Meilen-Zahl ausrechnen kan, zwischen dem 34 und 39ten Grade der Norder-Breite. Die Nordlichen Gräntzen aber dieser Landschafft, und des Indianischen Reichs insgemein sind sehr wenig bekant. Und es hat auch wohl kein Erd-Beschreiber jemahls in diesem Theile Indiens, gegen das Caucasische Gebürge zu, rechte gewisse Observationes gemacht. Die Breite der Oerter aber nach Meilen auszurechnen, wie weit sie von andern Orten entfernet, giebt allzeit ein ungewis Facit. Diese Landschafft ist allenthalben mit Bergen umgeben; an sich selbst aber ist sie eine sehr schöne fruchtbare Ebene, die durch ein hauffen kleiner Flüsse, welche von den Bergen herabfallen, und sich in das mitten inne liegende kleine Land-Meer ergiessen, bewässert wird. Welches denn nebst der gemässigten Himmels-Gegend darunter sie liegt, sie überaus angenehm macht, an alle von der Sonne verbrandte Einwohner der Südlichen Provintzen; die aber nun nicht mehr so viel allhier verkehren, als zur Zeit, da die Kayser hier residirten. Die Gemüths-Fähigkeit der dasigen Einwohner gibt der Europäer ihrer nichts nach, und man sagt: daß auch das Land die meisten Europäischen Früchte hervor bringe.

|P_175
£{Hol-253,12-16}
Die Einwohner in Indien sind erstlich die Eingebohrnen ersten Bewohner des Landes, insgemein Malabaren oder Banianen genandt. 2) die Gauren oder alten Parsen. 3) Die Persianer. 4) Die Araber. 5) Die Tattern oder Moguller. 6) Juden. 7) Armenianer, und 8) Europäer von vielerley Nationen. Wolte man Indiens Einwohner kürtzer eintheilen, so könte man sagen: es werde bewohnet von Heyden, dazu Banianen und Gauren gehören, von Mahumetanern, darzu die Tattern oder Mogullen, die Persianer und Araber gehören, endlich von Juden und von Christen. Eigentlich aber werden gar nur zweyerley Einwohner in Indien gezehlet, nemlich Banianen und Mohren. Da denn die Banianen die ursprünglichen Einwohner oder Heyden, die Mohren aber alles was Mahumetanisch genennet wird, sind.

|P_180
£{Hol-253,21-22}
Sonst sind die Banianen an sich selbst höflich, verständig und friedsam, daß sie auch gegen die Christen, wenn sie ihnen zu nahe kommen, und z. E. etwa aus einem Brunnen Wasser schöpffen wollen, daraus sie selbst trincken, nicht Gewalt brauchen, sondern mit Bitten abwehren, uns sich gegen sie so demüthig erweisen, als man kaum erwarten oder nur begehren könte. [...] Unter sich selbst sind sie so verträglich, daß, ob sie zwar sehr reich von Schelt-Worten sind, und wenns zwischen ihnen darzukömmt, sonderlich die Frauens-Leute, kaum das Ende finden können, sie dennoch zu Thätlichkeiten und Faust-Recht nicht leicht schreiten, ohngeachtet sie wissen: daß sie schwerlich andere Satisfaction suchen oder erlangen können.

|P_180-181
£{Hol-254,03-07}
Barmhertzig und mildthätig sind sie mehr, als irgend eine bekandte Nation, so daß sich ihr Mitleiden auch auf unvernünftige Thiere, und gegen das geringste Ungeziefer erstrecket, deren keinen, mancher das Leben um aller Welt Guth nehmen würde: daher sie auch alle Lebens-Straffen an Menschen, sonderlich die mit Vergiessung des Bluts geschehen, mit dem höchsten Abscheu ansehen. Daher mag wohl kommen, daß sie sich von den Mohren, die sie anfänglich selbst zu kriegen und gewaltthätigen Geschäfften, (darzu sie selbst nicht geneigt sind,) gebraucht, das Hefft der Regierung so leicht aus den Händen haben wieder lassen: Denn daß es ihnen an wahrer Hertzhafftigkeit nicht fehlet, beweisen sie gnugsam mit der Unerschrockenheit und Gleichmächtigkeit mit welcher sie dem Tode, wnn er sich ihnen auch noch so gewaltsam und sichtlich nahet, entgegen gehen.

|P_182
£{Hol-254,07-10}
Die Indianer sind von guter Leibes-Gestalt, wohl gebildet und von annehmlichen Wesen und Gesichtern, wenn man erst der Farbe gewohnt ist, und findet man schwehrlich jemand unter ihnen, der krumm oder übel gebildet ist.[...] Die meisten färben auch ihre Zähne schwartz, und zeichnen ihre Stirnen mit langen gelben Strichen, es mag solches nur mit geriebenen Sandel-Holtz oder Kuh-Mist-Asche geschehen, so vermehret es ihre Schönheit doch nur sehr schlecht.

|P_184-185
£{Hol-254,11-14}
Die Bramanen und Banianen essen nichts, was ein Leben hat, auch nicht einmahl Eyer, oder den Saamen von reiffen Früchten, weil daraus etwas lebendiges hervor kommen könte. Sondern ihre Speise bestehet vornehmlich in Reiß, Wurtzeln, Kräutern oder Früchten. Die von niedrigen Geschlechten aber essen allerley arten Fisch, auch wol Fleisch, nur nicht von denen Thieren die sie vor heilig halten. Die Mahomentaner essen alles, ausgenommen Schweine-Fleisch. Das gewöhnliche allgemeine Gerichte, welches man hier zu Lande antrifft, ist Reiß, den sie trocken abgekocht, gleich als gewellte oder Raabs-Erbsen, mit einer Fleisch- oder Fisch-Brühe begiessen. Fleisch essen sie aber sparsam kaum 3 Untzen auf eine Mahlzeit in kleine Würffel geschnitten um den Reiß herum gelegt. Alle Gerichte sind mit Saffran oder Corcumey sehr gelb gemacht. Palau ist ein groß Gerichte bey ansehnlichen Leuten und bestehet aus einem bedeckt abgekochten Vogel als ein Dampff-Braten. Item ein mit Rosinen und Mandeln gestopffter und in Butter gebratener Vogel. Cabob ist auch ein schmackhafft Gerichte von Rind- und Schaf-Fleisch, in Stücken eine Hand groß, mit Pfeffer und Saltz gewürtzt, an einen Spiesse gebraten, und dann und wann an dem Feuer mit Oel und Knoblauch begossen, und mit allerley Kräutern zwischen den Stücken belegt. Die jungen Schossen von Bambos und die Mangos Früchte ehe sie reif sind, werden eingemacht und hernach zu Saussen und Tuncken, wie bey uns Gurcken rothe Rüben u. d. g. aufgesetzt, sie kommen auch zuweilen nach Europa mit. Und dergleichen eingemachte Früchte haben sie viele mehr.

|P_198
£{Hol-255,03-05}
Zu ihren Feld-Früchten gehören die Pfeffer-Pflantze, Ingwer, Cardamumen, Saffran, Turmerick oder Curcuma, Indico, und der Baumwoll-Bau, sowol auf Pflantzen als Bäumen, auch sehr grosse Plantagen von Zucker-Rohr, insonderheit in Bengalen.

|P_198-199
£{Hol-255,05}
Der durchaus nützliche Cocus-Baum, weil er fast allen Indianischen Ländern gemein ist, so ist seiner auch schon anderwärts ausführlich gedacht worden. Auf denselben folgt billig die in Indien auch eigentlich zugehörende Cartun- oder Baumwoll-Staude, als woraus eben ihre Cartune, Nessel Tücher, Gingangs, und dergleichen mehr gemacht werden. Mit dero Saamen bepflantzen sie grosse Felder. [...].

|P_199
£{Hol-255,01-03}
Der Indico ist gleichfalls eine sehr schätzbare Pflantze, und eine Staude, die so hoch wächset, als ein Johannis-Beer-Strauch, mit einer dicken runden Crone, aber ohne Dornen. [...] Der Nahme der Pflantze, so den Indigo giebt, wird von denen Indianern Aner Nelly oder Anil Nil, item Gali genennet. Ob man die Pflantzen selbst verschiedener Art habe, davon kan man nichts gewisses melden, weil keine ausführliche Beschreibungen, die mit einander verglichen wären, vorhanden sind.

|P_201
£{Hol-254,18-21} / £{Hol-205,11-15}
Der merckwürdigste unter ihren Bäumen ist derjenige, welcher der Banian-Baum genennet wird, dessen zur Erde sich beugende Aeste Wurtzel in der Erde fassen, und sodann wiederum in die Höhe wachsen, so, daß einer von diesen Bäumen wohl 40 und mehr Stämme haben, und sich so weit ausbreitet, daß er unter seinen Zweigen ein gantz Regiment Soldaten wieder die brennende Sonnen-Hitze beschirmen kan. Weil sie nun allezeit grün sind und Blätter haben, geben sie einen sehr herrlichen Schatten. Unter diesen Bäumen findet man zum öfftern ihre Götzen-Bilder hingestellet, gleichwie auch ihre Beicht-Väter und Büssende darunter sich aufzuhalten, und die wunderlichen Bussen zu würcken pflegen, wovon wir in dem Capitel vom Gottesdienste etwas handeln werden; und man kan sich auf die Warheit dieser Erzehlung verlassen, derhalben wir sie auch in einem Kupfferstich beyzufügen, für dienlich erachtet.

|P_202
£{Hol-255,05-06}
Von ihren Thieren werden keine mehr gebraucht, als ihre Ochsen, welche gemeiniglich zu ziehen oder zu tragen dienen, und auch zuweilen beschlagen werden. [...] Man gebraucht auch bisweilen Cameele zum tragen, aber nicht so viele, als Ochsen.

|P_203
£{Hol-255,07-08}
Die Elephanten, deren in vorigen Zeiten, einige nun aber in vielen Jahren keine nach Deutschland sind gebracht worden, wiewol bey weiten die grösten nicht, (wie auch der, so in Copenhagen ausgestopfft zu sehen ist nur klein gewesen, zu seyn scheinet,) sind doch jederman bekand genung, so viel aus einer Beschreibung und Abbildung geschehen kan. Man könte diese Thiere wol Fleisch-Berge nennen. Es gibt Stücke darunter die 6. 7. ja 8. Ellen hoch sind. [...] Sie werden vor die verständigsten unter allen Thieren gehalten; jedoch wird vieles von ihnen erzehlet, welches nicht wohl zu glauben ist. So viel ist gewiß, daß ihre Wärter und Führer durch den Klang ihrer Stimme oder durch gewisse Zeichen sie sehr artig zu regieren wissen, welches einige dahin gebracht hat, zu glauben, sie verstünden ihre Sprachen. Z. E. Wenn ihre Wärter ihnen ein Zeichen geben, daß sie jemand erschrecken sollen, so werden sie gleich auf eine drohende Weise nach ihm zu gehen, eben als ob sie ihn zu Tode treten wolten, ihm aber doch kein Leid thun. Weiset er den Elephanten an, jemanden Koth oder Wasser ins Gesichte zu sprützen, so wird er es gleich thun, doch aber ihm weiter keinen Schaden zufügen.

|P_204
£{Hol-255,08-11}
Der Mogul aber hat heutiges Tages auch Elephanten, welche des Feuerns und Schiessens so gewohnt sind, daß sie wie ein alter Soldat gar wol Pulver riechen können, ja auch sogar leiden können, daß man eine Canone auf ihren Rücken pflantze und abfeure. Solches geschicht also: Man nimmet eine Feld-Canone, die ziemlich lang und einige Pfund Eisen schiesset, die auf einer Lavette oder höltzernen Sattel, der nach dem Rücken des Thiers geschickt ist, stehet, un der mit starcken Riemen und Gurten angeschnüret ist. Auf deren 4. Ecken stehen 4. Fähnlein oder Flaggen auf zierlichen Stöcken gepflantzet. Auf dem Nacken des Elephanten sitzt der Führer, der ihn nach Befehl des Canoniers, wie gewöhnlich, regieret, hinter diesem sitzt der Canonier mit seinen Kugeln, Patronen und Lade-Zeuge, einander den Rücken kehrend, massen der Canonier rücklings sitzt, und wie seine Canone hinten über den Rücken des Thiers, aussiehet und feuret, gleichwie diese wegen ihrer Länge drüber hinaus reicht. Sie stehet im Gelencke und Gewichte wie unsere Doppel-Hacken oder Baßsen, daß sie sich leicht richten und umdrehen lassen zur Ladung.

|P_205
£{Hol-255,12-13}
Die Indianische Schweine sind so dickleibig, daß sie den Bauch auf der Erde schleppen; ihr Fleisch, sonderlich der wilden, so sie in Menge haben, wird für besser und auch gesunder gehalten, als irgend ein anders so man hat.
£{Hol-255,14-15}
Ausser diesen wilden Thieren giebts noch viel Tieger, Leoparden, Wölffe, Affen und Jack-halse, welche letztern eine Art wilder Hunde sind, die der Farbe nach unsern Füchsen gleichen, aber etwas grösser sind.

|P_206-207
£{Hol-255,15-18}
Was aber die Vergnüglichkeit dieses sonst gar angenehmen Landes sehr verringert, ist die Menge von Schlangen und Scorpionen, wie auch andern gifftigen und beschwerlichen Ungeziefer. Ihre Mücken und Wantzen (diese werden von etlichen für eine Art Ameisen gehalten) sind die ersten, welche uns anlauffen, so bald wir nur ans Land kommen, und diese sind so gifftig, daß jemands Gesichte bey der Nacht von ihren Bissen dermassen aufschwillet, daß man ihm des Morgens nicht kennet. Doch wenn man erst eine Zeit im Lande gewesen ist, so verursachen sie einem zwar keinen Geschwulst mehr, wie im Anfange, ob man gleich immer davon geplagt wird. Man kan leicht dencken, wie beschwerlich diese Mücken seyn, weil ein jeder, ders vermag, sich einen Sclaven hält, der sie ihm vom Leibe treiben muß. Man legt sich vergeblich schlaffen, wenn man nicht sein Angesicht vor ihnen bedecket, oder jemand bey sich hat, der die Mücken wegjaget. Was die Wantzen betrifft, so kriechen sie bey dem gemeinen Volcke und Soldaten hauffenweise. Man hat aber doch ein Mittel, ihnen zu entgehen, wenn man nemlich die Füsse der Ruhe-Banck, in breite Schüsseln mit Wasser setzet, oder auch mit Theer beschmieret, denn davor grauet ihnen, oder sie bleiben darinnen stecken, und können nicht darüber hin kriechen. Was die Spinnen betrifft, so versichert uns der Ehrwürdige Herr Ovington, letzthin gewesener Hoff-Prediger des Königes Wilhelmi, daß sie zu Bombay, allwo er selbst sich aufgehalten, so groß als ein Manns-Daume ist, wachsen, und daß ihre Kröten nicht viel kleiner wären, als unsere Endten. Ich lasse dieses auf den Credit dieses Herrn ausgestellet seyn, weil ich bekennen muß, daß ich dergleichen Ungeheuer in dem Theile Indiens, wo ich gewesen bin, nicht gesehen habe. So viel aber ist gewiß, daß die Kröten und Frösche in währender Regen-Zeit sich schrecklich vermehren und sehr groß werden. Daß es Frösche regne, scheinen unsere Schreiber zu läugnen, ist aber gewiß, und aus Erfahrung genung bekräfftiget, da man sie nach dem Regen in Dachrinnen, Gefässen, auf denen Postwagen etc. gefunden. Es ist in Indien noch gemeiner als in Deutschland, und auch weniger zu verwundern: weil in der Regen-Zeit die Winde den Saamen mit dem Wasser aufwerts zu führen, und die Sonnen-Hitze, sie auszubrüten, starck genug sind.
[ Es steht nur etwas von großen Spinnen, nicht aber von "Tausendbeinen" da! ]

|P_209
£{Hol-255,18-256,01}
Die Raub-Vögel sind auch nirgends so gemein und so zahm, als in Indien, welches wol daher kommen mag, daß die Banianen selbige, gleichwie auch andere Thiere, zu füttern pflegen. Sie lassen sich schwerlich anders als durch schiessen verscheuchen. Sie sind fast den Adlern gleich, aber grösser.

|P_217
£{Hol-256,06-10}
Die Heyden schreiben gemeiniglich auf Cocos- Nuß- oder Palm-Baum-Blättern mit einer eisernen Feder oder Pfriemen. Etliche brauchen doch auch ein dünnes durchscheinendes Papier, welches bisweilen 10. Schuh lang und ein Schuh breit ist. Davon machen sie so viel Stücke fest an einander, als die Schrifft erfordert. Die Feder, damit sie schreiben, ist der Alten ihr Calamus, oder ein Rohr, ohngefehr so dicke, als ein Gänse-Kiel. Wenn sie an einen Fürsten schreiben, wird die gantze eine Seite des Papiers vergüldet. Und die Briefe, daran etwas gelegen, und die man nach Hofe schickt, zu verwahren, werden in ein hohles Rohr oder Bamboes gesteckt, und also versiegelt, daß keine Nässe sie beschädigen kan. Auf ihren Petschaften oder Stempeln, wie man sie nennet, haben sie keine Wappen, weil dergleichen nicht im Lande gebräuchlich ist, sondern sie lassen nur ihre Nahmen in Gold oder Silber, oder auch bisweilen auf einen Carniol- oder Onych-Stein schneiden.

|P_218
£{Hol-256,10-12}
Ihre Begriffe von der Beschaffenheit des Stern-Himmels ist seltsam: Sie glauben, daß der Mond über der Sonnen stehe; obschon das Gegentheil aus einer Sonnen-Finsterniß gantz augenscheinlich zu erweisen ist. [...] Die Sterndeuterey aber gilt bei ihnen am meisten: denn auch ihre Fürsten und Regenten richten alle ihre Geschäffte darnach ein. Der Mogul selbst wird keine Reise vornehmen, noch sonst etwas wichtiges resolviren, woferne nicht die Stern-Kündiger ihm erst sagen, daß es eine glückliche Stunde sey. Hierbey nimmt er gantz accurat auch die Minuten in acht, die sie ihm dazu vorschreiben.
[ Die Begriffe "Astronomie" und "Astrologie" sind ein Zusatz von Kant! ]

|P_220
£{Hol-256,12-13}
Die Mort-de-chien, welche von übeler Verdauung herkömmt, und zuwege bringet, daß der Patiente mit unerträglichem Schmertzen sich offt brechen und zu Stuhle gehen muß, auch bisweilen ihn in 24 Stunden wegraffet, wird durch ein glühend Eisen, womit man den Patienten auf der Fußsohle brennet, curiret. Die heftigen Colic-Schmertzen werden ebenfalls mit einem eisernen glühenden Ringe, den man dem Patienten auf dem Bauche oft nur einen Augenblick um den Nabel herum legt und brennet, vertrieben.
£{Hol-256,14-15}
In Suratte soll die Pest offt und wol etliche Jahre nach einander grassiren, und nur zuweilen in der kühlen und nassen Jahrs-Zeit etwas nachlassen: Aber selten einen Europäer befallen, ob schon die Eingebohrnen des Tages zu 2-300 dahin sterben.

|P_221-222
£{Hol-256,15-16}
Um aber wieder auf die Indianischen Aertzte zu kommen, so sollen viele derselben sonderlich die Bramanen die meisten Kranckheiten, nach dem Urtheil der Christen, Mohren und Heiden, durch Zauberey curiren; da es denn für die Patienten, sonderlich die Christen seyn wollen, desto schlimmer ist, wenn sie es glauben, und doch gebrauchen: Sonst aber mag es mit ihrer Zauberey wol eben nicht anders beschaffen seyn, als unsere so genandten klugen Männer und Weiber ihr Büssen, Streichen und Segen-sprechen und alle Remedia an drey Freytagen, gewisse Worte in einem Othem, in fliessend Wasser rücklings werffen, Stockstillschweigen, sich nicht umsehen, und dergleichen Fratzen 1.000 mehr.
Sie gebrauchen aber bey ihrer Zauberey auch natürliche Mittel, deren man nicht bedürffen würde, wenn der Teuffel so viel Theil an diesem Werck hätte, als man sich einbildet. Nichts desto weniger sagt man, daß sie in keinem Zufalle mehr Zauberey gebrauchen sollen, als bey Heilung der Schlangen-Bisse oder Stiche. Es kömmt aber solches wol daher, daß unsere Leute die eigentliche Artzney-Mittel nicht wissen, und dahero diese Curen der Zauberey zuschreiben. Unter andern Mitteln, deren sich die Indianer in diesem Fall bedienen, erhalten sie dergleichen Patienten beständig wachend, so, daß sie gar nicht schlaffen dürffen, und, so viel ich mich noch erinnere, singen und spielen sie ihnen immer etwas vor, wie sie vor denen Schlangen thun, wenn selbige tantzen. Einige Europäer haben viel von der Krafft des Schlangen-Steins in diesem Stück geschrieben. Herr Ovington erzehlet, daß einer von seinen Dienern, als er einstens durch das Graß gegangen, von einer Schlangen gebissen worden, welche sich um sein Bein herum gekrümmet, und zu wege gebracht, daß er zur Erden und in Ohnmacht gefallen, und darinnen fast todt blieben wäre. Hierauf kam ein Englischer Kauffmann darzu, welcher eben einen solchen Stein bey sich hatte, selbigen dem Gebissenen auf die Wunde legete, und ihn curirete. Es ist aber dieser sogenannte Schlangen-Stein ein durch Kunst zubereiteter und bey nahe gantz platter Stein, welcher ein klein Hübelgen in der Mitten hat, und grau von Farbe ist. Er wird zubereitet aus Asche von gebrannten Wurtzeln, mit einer gewissen Erde vermenget, welche zu Diu, einer Portugiesischen Stadt in Indien, gefunden wird. Wenn dieser Stein, wie man sagt, auf das mit Gifft angefüllte Glied geleget wird, so hänget er sich fest an dasselbige, und sauget durch sein kräfftiges Ziehen den Gifft heraus, biß daß seine Pori oder kleine Lufft-Löchergen gantz voll davon sind, da er dann von selbsten herab fällt. Wenn man nun selbigen in Milch leget, so läßt er den Gifft wieder von sich, und kriegt seine Gifft / vertreibende Krafft wieder. Wenn man von diesem Steine etwas in ein Glaß Wein, oder einig ander Geträncke abgeschabet und einnimmt, so hält man es vor ein überaus kräfftiges Mittel wieder gefährliche Fieber, und dergleichen mehr. Man sagt auch, daß ein heisses Eisen, oder brennende Kohle, auf ein von einer Schlangen gebissenes Glied gelegt, den Gifft ausziehe. Etliche aber lachen des Schlangen-Steins, und befehlen diese Curen an die bekandten Mittel darwieder.

|P_222
£{Hol-252,22-253,06}
Die Handwercks-Leute und Künstler dieses Landes werden wegen des feinen Cattuns und Nessel-Tuchs, so daselbst gemacht wird, sehr gerühmet. Einige ihrer Nessel-Tücher sind so fein, daß sich ein sehr breit Stück durch einen ziemlich engen Ring ziehen läßt. Wenn ein Stück auch mitten von einander gerissen wäre, so sollen sie es so artig stopfen, daß man nicht finden kan wo es zerrissen gewesen. Doch das erste ist jeden unter uns bekandt, daß mit unter sehr fein Gütgen gemacht wird, aber unter unsern Schlesischen, Bielefelder, Cammericher und Holländischen Gewebe giebts eben so feines. Das andere aber wissen unsere Kauff-Leute wol besser, denn sie finden die gestopften Löcher und Risse ungesucht, wenn sie die Waaren von den Ost-Indischen Auction, da sie blindlings kauffen müssen, heimbringen und aufmachen. Daher man ihrer künstlichen Glaß- und Porcellain-Flickerey, da sie die Stücke mit Löchern durchbohren, umd mit Kupfer-Drath wieder zusammen nähen, daß man weder Nath noch Bruch finden, oder sehen kan, eben so viel zutrauet. [...] Das es perfecte Künstler unter ihnen giebt, ist ausgemacht, und um so mehr zu verwundern: weil sie alles mit so schlechten und wenigen Instrumenten und Handwercks-Zeug, offt auf freyer Strasse, oder unter blauen Himmel und grünen Bäumen wircken. Ihre Farben sind so leb- und dauerhafft, daß wenn sie gewaschen werden, sie erst recht spielen. Sie können einen unvergleichlichen Kalck machen, der unsern besten Kütt, Cement und Gyps, absticht. Doch wir haben hiervon schon vieles, sonderlich im 3ten Capitel bey Bengalen, beygebracht.
[ Von "Chineser Arbeiten" steht dort nichts! ]

|P_223
£{Hol-256,16-17}
Der Tag wird bey denen Indianern in 4 Theile eingetheilet, und die Nacht gleichfalls, welche Theile sie Pores nennen, und diese wiederum in 8. Theile, die sie Gries oder Garis heissen, unterscheiden, und nach der alten Gewohnheit durch Ablauffung des Wassers aus einem Gefäß ins andere abmessen. Da denn jemand, so darzu bestellt ist, allezeit bereit stehet, das Gefäß wieder voll zu machen, wenn es ausgelauffen ist, und mit einem Hammer auf den Rand eines holen Stückes Metall zu schlagen, um damit die Anzahl der Pores und Garis anzuzeigen. Diese Weise aber ist allein in grossen Städten gebräuchlich, weil das gemeine Volck auf dem Lande zufrieden ist, die Zeit ohne Glocken- und Stunden-Gläser bloß durch Muthmassung auszurechnen. Es ist auch in dem Südlichen Theile Indiens nicht sehr schwer zu wissen, um welche Zeit des Tages es sey, weil die Sonne beständig um 6. Uhr auf- und untergeht, und mehrentheils helle Wetter ist.

|P_236-237
£{Hol-256,18-257,06}
Wir gehen nun weiter fort, die Schätze und Einkünffte des Moguls zu untersuchen. Die hebet er nun aus den Früchten des Landes, aus der Arbeit des Volcks, aus denen Zöllen der See-Häfen, aus denen Erbschafften von den Grossen, als deren Güter bey ihrem Absterben der Crone zufallen, und aus denen Geschencken derer Unterthanen, als welche niemals mit leeren Händen vor ihren Printzen oder Gouverneur kommen. Der Vice-König von jeder Provintz ist verpflichtet, der Crone eine gewisse Summa aufzubringen, aus denen Manufacturen und Früchten des Landes. Was diese Hebung dem Mogul eintragen müsse, mag aus der Handlung von Europa, die in Indien geschicht, wol geschlossen werden. Manouchi, welcher 40. Jahre lang an des Moguls Hofe sich aufgehalten, sagt, daß diese Einkünffte allein auf 193. Millionen und 350.000. Rthlr. sich belauffen. Gesetzt nun, diese Summe wäre nicht so gar accurat, wie denn Manouchi wol schwerlich die Rechnung davon selbst zu examiniren und zu calculiren wird gehabt haben, so ist sie doch gar nicht unglaublich. Denn alle Einnehmer und Bedienten, vom Niedrigsten bis zum Höchsten, stehn alle auf solchem Fusse, daß die Obern allezeit Gelegenheit und Macht haben die Untern zu pressen und auszumergeln, bis alles in des Nabobs, oder Stadthalters Händen ist, von welchem es nach und nach, und wenn sie sterben, vollends gar auf einmal an den Mogul kommen muß; So müssen alle die entsetzlichen Summen, welche die Europäer nach Indien schleppen, in seine Schatz-Kammer zusammen fliessen, weil sie nichts davon, sondern eitel Güter, die das Land und die Demant-Minen, als unerschöpfliche Fund-Gruben, hervor bringen, wieder heraus führen. Und weil die Unterthanen kaum von allem was das Land trägt, und was sie damit gewinnen, kümmerlich das Leben hinbringen können, so bleibt dem Lande nichts, als was einige Zeit circulirt, sondern alles fällt in wenig Jahren in solche Spaar-Büchsen die der Hölle gleichen, daraus keine Erlösung zu hoffen ist. Denn was vermögende Leute sammlen, das müssen sie vergraben und keinen Menschen wissen lassen, sonst finden sich bald Verräther, die es ihren Befehlshabern hinterbringen, und diese wissen bald eine Schuld auf sie zu bringen, dadurch sie ihnen ein groß Theil, wo nicht alles, ja das Leben abpressen. Was denen so genannten Fürsten, oder Königen, wie sie heissen wollen, zu Theil wird, ist zwar ein ansehnliches, und man kan aus dem, was bisher gesagt worden, noch wol möglich zu seyn glauben, daß einer oder anderer dieser Fürsten, wie z. E. der von Tanschaur, etliche 100. Tonnen Goldes, ja Millionen reich seyn sollen. Denn ihre Schatz-Kammern sind eben solche Spaar-Büchsen, als der Nabobs ihre, nur daß darinn was mehr gesammlet wird, und härter hält, es wieder heraus zu kriegn, so daß der Mogul jedesmal, wenn er eine oder etliche Tonnen Goldes daraus heben will, eine Armee von 20. bis 30.000. Mann darnach senden muß.

|P_240
£{Hol-257,08}
Wir können denen Indianern überhaupt viererley Religionen oder Gottesdienste zueignen. Vors erste sind allda die ursprünglichen Einwohner von Indien, welche wol die grösseste Anzahl ausmachen, Götzen-Diener. Zum andern finden sich allda die so genannte Parsen, welche das Feuer anbeten, die zwar gleichfalls Abgötterer sind, aber mit denen vorhergehenden wenig Gleichheit haben. Drittens die Mohren und Mogoller, sind der Mahometanischen Religion zugethan. Zum vierten sind auch Christen unter ihnen, theils von der Apostel Zeiten her, die man Thomas-Christen nennet, theils die nun seid der Portugiesen Dahinkunft von denen Römischen und Evangelischen Missionarien bekehrt sind. Man mögte fünftens auch Juden darzu setzen, denn es giebt eine Colonie da, die von der ersten Babylonischen Gefängniß soll dahin geschickt seyn, und sich bißher erhalten haben; Sie sind aber wol sehr abgewichen von ihrem Mosaischen Gottesdienste, und mögen von denen eingebohrnen Heyden wol nicht viel unterschieden seyn.
£{Hol-257,08-10}
Nun von den alten und ersten Indianern, ihrem Namen, Religion und Geschlechts-Unterschiede etwas mehr zu sagen: Die ursprünglichen Einwohner haben verschiedene Namen, Hindowns, Banianen, Gentoes oder Jentiven, Malabaren, vermuhtlich aber nur von verschiedenen Provintzen oder Völckern. Also haben sie auch gar vielerley Abtheilungen unter ihren Geschlechtern, so sie Casten nennen, deren einige wol 60 bis 80 zehlen, darunter die Bramanen, Rashboots und Banianen die vornehmsten dreye sind. Die vierte Caste ist geringer.

|P_240-241
£{Hol-257,10-12}
Und die fünfte Caste, die Bareyer oder Halicors genennet werden, sind die allergeringsten, und gar sehr verachtet, das sie sich auch gerne gefallen lassen; Drücket man sie aber zu sehr, so halten sie sich nur stille, und kommen nicht zu ihren stoltzen Heiligen, da müssen diese ihnen bald nachlauffen und ihnen gute Worte geben, denn sie sind die allernöhtigsten, massen sie sich keiner, auch der allergeringsten, Arbeit schämen, da die andern sich viel zu heilig und rein darzu achten, z. E. Strassen und Häuser zu säubern, die Todten hinaus zu tragen, u. dgl. Diese Bareyer / machen sich kein Gewissen, alles zu essen, und werden auch darum von andern Casten so unrein gehalten, daß, wer von ihnen nur angerühret wird, sich für unrein achtet, und sich nach gewissen Ceremonien reinigen muß.

|P_241
£{Hol-257,13-19}
Unter denen Bramanen sind wiederum verschiedene Eintheilungen oder Casten. Einige von ihnen essen gar kein Fleisch, andere hingegen essen einige Arten vom Fleisch. Einige heyrathen, anderen hingegen erwehlen ein eheloses Leben, und wollen auch eine Frauens-Person nicht ansehen. Die meisten von ihnen waschen und baden sich zu verschiedenen mahlen an einem Tage; andere hingegen waschen sich niemals, aus Furcht, einige lebendige Thierlein zugleich damit ums Leben zu bringen, und weil sie sich auch befürchten, daß sie einige lebendige Creaturen, die man nicht sehen kan, durch das Athem-Holen tödten mögten, so tragen sie ein Stück Seiden-Zeug oder Nessel-Tuch vor ihrem Munde. [...] Dieses Geschlecht der Bramanen hat nicht allein das Priesterthum sich zugeeignet, sondern auch alle Gelehrsamkeit und den höchsten Rang des Adels, massen ihre Caste über die Fürstliche gesetzet wird. Ihre Gelehrsamkeit aber bestehet vornehmlich darinnen, daß sie einige alte Bücher, das Vedam genannt, lesen können, worinnen ihr Gesetz oder Lebens-Regul, so ihnen von Brama, ihrem grossen Gesetzgeber, mitgetheilet worden, enthalten ist. [...]
/£{Hes-200,23} /
Nach dem Bericht derer Missionarien lehren die Bramanen, daß nur ein Gott sey, der unendlich, vollkommen, und von aller Ewigkeit her gewesen ist, den sie Burma, oder Unmaterialisch, nennen. Dieser aber habe 3 Unter-Götter hervorgebracht, nemlich Brama, Wistnow und Routiren. Dem Brama habe er die Macht gegeben zu schaffen, dem Wistnow die Macht zu erhalten, und dem Routiren die Kraft etwas wiederum zu vernichtigen. Sie sagen aber auch, daß die verständigsten Indianer diese Fabel verwerffen, und alles dem obersten Wesen zuschreiben, welches nur auf verschiedene Weise der Welt sich geoffenbaret habe.

|P_243
£{Hol-257,19-21}
Die zehen vornehmsten Bilder, die sie mit Anbetung verehren, haben solche Gestalten, worinnen nach dem Bericht ihres Vedam, ihr Gott Mahaden zu verschiedenen Zeiten dem menschlichen Geschlechte zum Dienste erschienen seyn soll. In der ersten hat er sich mit 4. Häuptern, und eben so viel Armen geoffenbahret; in der andern Gestalt mit einem Schweins-Kopffe, und zweyen grossen Zähnen, wie auch mit einem Leibe, welcher einen menschlichen Cörper gleichet, mit 4. Armen und Händen. Dieses Bild ist in Indien sehr gemein, und sehr fürchterlich anzusehen, weswegen die Europäer meynen, daß es einen Teuffel vorstelle.

|P_244
£{Hol-258,01-02} / £{Hol-132,10-11}
Sie haben eben so unzehliche Arten, Orte, Ceremonien und Materien, womit sie sich reinigen, und dadurch bey Gott angenehm machen oder versöhnen: so gar auch mit Koth und vielerley Art Dreck. Unter welchen doch der Kuhmist und Pisse am fürtreflichsten ist.

|P_244-245
£{Hol-258,03-04}
Ein Protestantischer Theologus erzehlet, daß / ein gewisser Bramane zu ihm gesagt, daß sie einen Gott erkenneten, den sie, als tausend Augen, und eben so viel Hände und Füsse habend, beschreiben, womit sie aber nur die Allwissenheit und Allmacht Gottes ausdrücken wolten, dessen Betrachtung ihr Volck sehr emsig und vorsichtig machte, die von ihnen erforderte Lebens-Pflichten zu beobachten.

|P_245
£{Hol-258,05-13}
Was die Secte der Rajaputes oder Rashboots betrifft, so üben sie eben dieselbige Sitten und Pflichten aus, deren die Bramanen sich befleißigen.
Die Banianen machen das zahlreichste Geschlecht unter allen Heyden aus, und sind die reichsten an zeitlichen Vermögen. [...] Darinnen aber kommen sie alle überein, daß sie eine sehr zärtliche Liebe gegen alle lebendige Thiere hegen; die sie nicht allein nicht tödten, sondern auch sie unterhalten, vom Tode und Verderben erretten. Doch wird das Rind-Vieh unter ihnen am höchsten geachtet, welchem sie auch deßwegen alle Morgen eine besondere Ehrerbietung erweisen, weil sie meynen, daß die seeligsten Seelen in diesen Thieren ihren Aufenthalt nach ihrem Tode bekämen: Daß sie die Grund-Veste der Welt auf ihren Hörnern trügen: Daß sie die Menschen nach ihrem Tode über einen Fluß bringen müsten, darüber niemand, ohne sich an dem Schwantz einer Kuh zu halten, kommen könte.
Die Indianer haben alle den Pythagorischen Lehr-Satz von der Wanderung der Seelen aus einem Leibe in den andern, als einen Haupt-Glaubens-Articul angenommen. Zum Beweiß wollen wir nur eine Geschicht aus Herrn Ovingtons Erzehlung hier beybringen. Ein Heyde Nahmens Madorasch, war über den Todt seines Vaters sehr betrübt, und da ohngefehr eine Schlange in sein Hauß kam, glaubte er, daß seines Vaters Seele in dieselbe gefahren, und ihn zu trösten kommen sey. Daher er alsofort beschloß, seinen Vater unter dieser Gestalt zu dienen, als wenn er noch am Leben wäre. Er versahe diesen seinen neuen Gast mit Milch und Reiß, welches Tractament ihm so wol gefiel, daß er seine Bleib-Stäte in einem Winckel des Zimmers nahm, und von dannen hervor kam zu essen, wenn ihm seine Speise vorgesetzt wurde, eben als ob er unter das Haus-Gesinde gehörete. Eben dieser Mann versahe die Ratten in seinem Hause mit Proviant, indem er sich einbildete, daß die Seelen seiner Verwandten in ihnen wären, und wurden so zahm als andere Hauß-Thiere zu seyn pflegen.

|P_246
£{Hol-258,13-15}
Noch beobachten sie sehr sorgfältig eine andere Gewohnheit, nemlich, daß sie nichts verächtliches mit ihrer rechten Hand verrichten, indem sie davor halten, daß die lincke allein darzu gebraucht werden müsse. Wenn z. E. die Nothdurfft erfordert, an einen heimlichen Ort zu gehen, so waschen sie sich allezeit mit ihrer lincken Hand wiederum, und tragen zu solchem Ende stets einen Topf mit Wasser bey sich, wenn sie nicht nahe bey der See, oder bey einem Flusse sind. Daher wird ein Salam oder Gruß mit der lincken Hand vor die gröste Schande geachtet, die man ihnen anthun kan.

|P_247
£{Hol-258,16-21}
Es enthalten sich aber die Banianen nicht allein von Tödtung lebendiger Creaturen, wie jetzt erwähnet worden, sondern sie bauen auch Hospitäler für sie. Insonderheit werden 1 Meile von Surate Ziegen, Pferde, Hunde und Kühe, welche etwa lahm oder alt worden, überflüßig versorget, und kauffen sie lieber einen lahmen Ochsen von seinem Herrn, um ihn ins Hospital zu bringen, als daß sie ihn denselben schlachten lassen. Nahe darbey ist ein ander Hospital vor Flöhe, Wantzen und ander Ungeziefer. Ja Herr Ovington erzehlet uns, daß die Banianen bisweilen einen armen Mann dingen, um dieses Ungeziefer eine Nacht auf seinem Leibe fressen zu lassen, welcher sich denn ans Bette binden lässet, damit sie versichert seyn mögen, er werde das thun, worzu er sich verdungen. Sie geben auch einmahl im Jahre ein besonders Gastmahl an die Fliegen, und setzen ihnen grosse Schüsseln mit Milch und Zucker, darauf sie sehr begierig sind, vor. Zuweilen nehmen sie einen Sack mit Reiß, gehen 2 biß 3 Meilen weit, und theilen selbigen denen Ameiß-Hauffen mit, die sie antreffen.

|P_248
£{Hol-258,21-259,01}
Aber wieder zu unsern mitleidigen Banianen zu kehren: die haben nicht allein eine über alle massen zärtliche Liebe gegen die Thiere, sondern sie erstrecken auch ihre Sorgfalt biß auf die Bäume und Gewächse, als welche sie mit allerley Farben bemahlen. Insonderheit wird von ihnen der Banian-Baum, unter welchen sie zum öfftern ihre Götzen-Bilder setzen, mit Flaggen und Fähnlein, u. s. f. gezieret.

|P_248-249
£{Hol-259,01-09}
Es ist auch ein Münchs-Orden unter denen Heyden (Faquirs genannt) dergleichen auch unter denen Mahometanern sich findet, welche ein Gelübde thun von Armuth und Ehlosem Leben. Einige werden Büssende genannt, und diese thun sich unerhörte Martern an, um die Gunst des Himmels damit zu verdienen. [...] Sie thun Gelübde beständig nackt zu gehen, sich mit Koth zu beschmieren, grosse schwere Mützen auf ihren Köpfen oder Ketten an ihrem Leibe zu tragen, allzeit in einer gewissen Positur zu stehen, zu liegen oder zu hängen, entweder mit dem gantzen Leibe oder mit einigen Gliedern. Einige halten ihren Kopf rückwerts, daß sie nichts ansehen können als den Himmel, einige halten beyde Arme, andere nur einen beständig rückwärts, oder in die Höhe, so viel, offt und lange, daß die Glieder oder Gelencke ihnen gleichsam mit einem Knorpel verwachsen, daß sie solche hernach ihr Lebtage nicht, oder doch sehr schwer wieder in die vorige Beugung bringen würden, wenn sie es gleich thun wolten. [...] Andere Faquirs thun ein Gelübde sich niemals niederzulegen. Zu dem Ende wird ein Seil mit beyden Enden in dem Baume oder Hause, wo sie ihre Buß-Ubung thun wollen, fest gemacht, in die herunter hangende Schleiffe oder doppelte Ende wird ein Küssen geleget, darein sie sich lehnen oder hängen, wenn sie schlaffen wollen. Andere hangen sich bey den Füssen auf, daß der Kopf niederwärts hänget, solches thun sie etwa so lange, als sie ihr Gebet thun, oder so lange sie es aushalten können.
Von den Gebethen und Verdiensten dieser büssenden Faquirs wird grosser Seegen übers gantze Land, und einen jeden, der auf gewisse Art / Theil daran nimmt, erwartet, und die Abwendung alles Unheils davon verhoffet.

|P_252-253
£{Hol-259,14-21} / £{Hol-254,14-16}
Die zweyte Art der Götzen-Diener in Indien, sind die Parsen oder Gauren, und beten das Feuer an. Diese sollen aus Persien dahin gezogen seyn, als die Mahometaner selbiges Land eingenommen, wie einige Scribenten dafür halten; Aber sie sind allem Ansehen nach viel ältere Einwohner von Indien, und vermutlich lange vor Christi Geburt; geschweige von Mahomets Zeit, bey etwa einer Verfolgung oder andern Gelegenheit mit ihrem heiligen Feuer aus Persien ausgegangen.Welches ihr grosser Gesetz-Geber Zerdust oder Zoroaster soll aus dem Himmel zu ihnen gebracht, [...] haben, [../.] Das Feuer aber, als eine Unter-Gottheit verehren sie so eifrig, daß auch die Reisenden, man weiß nicht aus Spott oder mit Wahrheit ihnen nachsagen: daß wenn auch ihre Häuser brenneten, so würden sie die Flamme eher unterhalten, als zu löschen suchen. Und sie wissen von keiner grössern Gottlosigkeit, als ein Feuer, was es auch für eines seyn möge, anders mit etwas auszulöschen, als es mit Erde bedecken. Denn vergraben mögen sie es wol, weil es in der Erde nicht ausgelöscht, sondern nur unsichtbar werde, wie sie glauben. [...]
Unter den Thieren haben sie vor einem Hahn eben so viel Hochachtung als die Banianen vor ihre Kuh, jedoch essen sie ohne Unterscheid fast von allen andern Thieren, ohne nur kein Rind- und Schweine-Fleisch, welches sie, wie man sagt, denen Mohren und Banianen zu Gefallen thun, indem sie keinem von ihnen Aergerniß gehen wollen. Mit einem Frembden trincken sie nicht aus einem Becher, und essen auch nicht mit ihnen aus einer Schüssel. Sie heyrathen in keine frembde Geschlechter, weswegen sie dann ihre alte weisse Farbe behalten, die nicht viel von der Europäer ihre unterschieden ist, nur daß sie etwas blasser sind, weil sie sich wegen ihres Gottesdienstes sehr offt waschen und salben. [...]
£{Hol-259,21-260,06}
Ihre Begräbniß-Plätze sind von der andern ihren gar sehr unterschieden. Sie sind es nemlich, welche ihre Leichen an ihren Begräbniß-Oertern in die offene Lufft hinstellen, und denen Vögeln zum Raube geben; da sie denn fleißig acht geben, ob die Raub-Vögel mit Aushackung des rechten Auges den Anfang gemacht, denn da freuen sie sich, weils einen glückseeligen, gleichwie das lincke Auge einen betrübten, Zustand des Verstorbenen, andeuten soll.
[ Hier reicht die Information nicht aus. Kant hat eine andere Stelle dazugenommen, die aus dem Abschnitt über "Surate" stammt ]

|P_255

£{He8-75}
/Es hat auch eine Secte, deren Jünger oder Anhänger Muzay genennet werden, die da vorgeben, daß sie Mosis und Mahomets Gesetz beydes halten.
Ob dieses eine Volck-Pflantzung sey von denen gefangenen Israeliten, deren einige hieher auf die äusersten Gräntzen des Babylonischen Reichs sollten seyn geführet worden, oder obs eine Secte von Mahumendanismo sey, haben uns die Reisenden nicht gesagt, oder zu sagen vermocht.

£{Hol-260,07}
/Von der Christlichen Religion in Ost-Indien behauptet man, daß sie schon seid der Apostel Zeiten her, allhier gepflantzet worden sey. Denn die Portugiesen als sie zuerst ins Land kamen, funden diese Christen, und die Tradition bey ihnen: daß der Apostel St. Thomas, der sie bekehrt, nahe bey Maliapur den Martyrer Todt erlitten hätte; daher diese Stadt von den Portugiesen St. Thomas genennet wird. Und biß auf den heutigen Tag heissen diese Leute Thomas Christen.


|P_259
£{Hol-260,11-12}
Die Heurathen der Indianer verdienen den Nahmen nicht, weil die Einwilligung der beyden Haupt-Persohnen, die doch die Heurath ausmacht, nicht verlangt wird: Sondern die Väter schliessen den Contract, und die Verlobten, wenn sie ihn vollziehen sollen, wenden nimmer was dagegen ein. Die Männer können damit endlich zufrieden seyn, weil sie ein Weib darzu nehmen, und auch Kebsweiber halten dürffen: Die Weiber aber sind übler dran, denn die können um keiner Ursach willen einen Scheide-Brief erhalten; Ja die Männer können sie gar, wenn sie Ursach darzu haben, unter ihre Sclaven stecken, doch verkauffen oder gar tödten, wie einige wollen, können sie solche nicht.

|P_260
£{Hol-260,09-10}
Was aber an der Erzehlung des Hamiltons sey, daß im Lande des Samorins auf der Malabarischen Küste ein Weib von den niedrigen Casten wol bis 12 Männer von ihrer Caste haben dürffe, können wir nicht versichern.

|P_262
£{Hol-260,11-12}
Die Weiber sind wenig besser als Sclaven ihrer Männer, und müssen ihnen mit recht Sclavischer Ehrerbietung dienen, sie müssen ihre Männer nicht bey Namen nennen, sondern sie als ihre Herren anreden, sich in ihrer Gegenwart nicht setzen oder bequemen. Sie müssen dem Manne zu essen auftragen: aber sich selbst dem Tische nicht anders als zur Aufwartung nahen, und allerdings zu Tische dienen, so lange der Mann isset, hernach mögen sie mit den Kindern auch sehen, und essen, ob etwas übrig blieben ist.

|P_264-273 [die Seitenzählung ist falsch: auf S. 265 folgt S. 272]
£{Hol-260,13-15}
Die Verbrennung der Weiber mit ihren Männern, meynet Herr Salmon, sey gantz abgekommen, weil er nirgend, so lange er in Indien gewesen, / kein Exempel weder gehört noch gesehen. [...] Herr Ovington hat am ausführlichsten davon geschrieben: In Canara, spricht er, hat man verschiedene Gewohnheiten, welche diesem Reiche gantz eigen sind, deren viele hernach in frembde Länder ausgebreitet worden. Allhier nahm die Gewohnheit, die Weiber auf dem Leichen-Scheiter-Hauffen ihrer verstorbenen Männer mit zu verbrennen, den Anfang. Diese Gewohnheit hat nun dermassen überhand genommen, daß, wenn eine verzagte Frau nicht hertzhafftig gnug ist, ihrem Manne in die andere Welt Gesellschafft zu leisten, sie von Stund an beschoren, erniedriget und verpflichtet wird, ihres Mannes Geschlechte in allerley Sclavischer Arbeit zu dienen. [../.]
Es ist aber nicht zu läugnen, daß die Weiber sich nicht eben sehr gedränget haben diese Ehre zu erhalten, und daß man hundert Künste jederzeit gebraucht zur Ein- und Ausrichtung.
Die ersten Nachrichten von Madras sagen, daß nicht lange nach Einrichtung der Engelländern allda, ein Bramanen-Weib die Erlaubnüs begehrt habe sich verbrennen zu lassen, und da sie sich nicht habe wollen abwendig machen lassen, und der Gouverneur die gantze Freund- ja die Heydenschafft gleichfalls darum gebethen, ihnen diese allgemeine Gewonheit nicht zu nehmen, so habe ers erlaubet. Als aber das Weib sey an die Grube gekommen, habe sie gestutzt, und wäre wol gerne wieder mit umgekehrt, aber man habe sie in die Grube gestossen, ihr einen Treff gegeben, daß sie schreyen und rück-kehren vergessen, und so verbrandt. [../.]
Die Hallischen oft belobten Missions-Berichte führen über das erste Exempel noch eines an, so noch gantz neulich passirt, daß sich zwey Frauens, ihrem Mann zu Liebe und Ehre, wie es heißt, verbrennen lassen, davon die eine kaum 14. Jahre alt gewesen.

|P_vacat
£{Hol-253,22-254,03}
£{Hol-256,01-04} [ Ist das eine Bemerkung von Kant? etwa: Salmon betrachtet nur die Diamantgruben. Daraus kann man schließen, daß Gold usw. entweder gar nicht oder doch sehr selten ausgegraben wird. ]
£{Hol-259,09-13}


|B_Sa_Ceylon_(1736)_


Die Heutige Historie und Beschaffenheit der Insul Ceylon.
276(1): Kap. 1: Lage, Größe, Einteilung, Landschaften, Städte, Seehäfen, Flüsse, Brunnen, Witterung, Jahreszeiten
275(2): Kap. 2: Einwohner, Gestalt, Natur, Kleidung, Speisen und Getränke, Gebäude, Hausgeräte, Zeremoniell, Reisen [falsche Seitenzählung: nach S. 277 fängt es wieder bei S. 272 an!]
280: Kap. 3: Ceylons Handelschaft, Manufakturen, Haushaltung, Ackerbau, Pflanzen, Tiere und Gewächse
297: Kap. 4: Sprache, Gelehrsamkeit, Bücher, historische Wissenschaften
315: Kap. 5: Kaiserlicher Hof, Macht, Einkünfte, Gesetze und Strafen, Münze, Gewicht, Maß
317(2): Kap. 6: Religion oder Gottesdienst, Tempel, Götzen, öffentliche Festtage [falsche Seitenzählung, auf 320 folgt erneut 317ff.]
324: Kap. 7: Heirat, Eheweiber und Kinder, Begräbnisse
324: letzte Seite [wieder falsche Seitenzählung, auf 324 folgt erneut 321ff.]

|P_276 (1)
£{Hol-277,02-03}
Ehe wir Indien verlassen, müssen wir noch die Insul Ceylon besehen, welche der Halb-Insul von Indien auf 8 Meilen nahe liegt, mit welcher sie wahrscheinlich ehemahls Land-fest, und durch die so genannte Adams-Brücke, eine in der Manaarschen Meer-Enge von Indien nach Ceylon quer über liegende Reihe Sand-Bäncke, Klippen und Insuln mit einander vereiniget gewesen.

|P_277 (1)
£{Hol-277,03-05}
I. Candy, war vormals die Residentz der Könige, die aber nun anderwerts residiren, seitdem die Portugiesen selbige ruiniret hatten. Sie liegt meist mitten in dem Eylande Ceylon, in der Landschafft Yattanour. [...] Diese See-Küste, welche die Holländer fast rund-um besitzen, ist nicht überall von gleicher Breite, erstreckt sich aber gemeiniglich ein 10. 12. Meilen ins Land hinein.


|P_275-276 (2)
£{Hol-277,06-09}
Die Nachkommen der alten Einwohner heissen Cingaleser, zu welchen auch die Weddas, Wanniis und Warriis müssen gerechnet werden. Ausser diesen giebts auf der Insul eine grosse Menge Mohren, Malabaren, Holländer und einige Portugiesen und Sineser.
[...] Ihre [sc. der Cingaleser] Gestalt ist mehr klein als groß, aber gesetzt und förmlich, doch leicht und schnell zu laufen, braun von Farbe, aber nicht heßlich.
[../.] Die Cingalesen aus welchen also eigendlich der Leib der Nation bestehet, sind behertzte, muntere und höfliche Leute, die sich gut einschmeicheln können, dabey sittsam und sanfftmüthigen Wesens, so nicht leichtlich aufzubringen, und bey denen es bald übergehet, wenn ihnen ja die Galle einmal überlaufft. In ihrer Tracht sind sie reinlich, im Essen etwas eckel, aber mäßig; auch dem Schlaffe nicht zu sehr ergeben: Jedoch dem Müßiggange nicht gantz ungeneigt. Die Sparsamkeit rühmen sie, wie viele andere Einwohner hitziger Länder; doch ist Stehlen ihr Laster eben nicht; Nur lügen und sein Wort nicht halten, ist bey ihnen gemein. [...]
Ihre Gestalt ist nicht heßlich, und die Grösse mittelmäßig.

|P_277 (2)
£{Hol-277,09}
Der Cingalesen vornehmste Speise ist Reiß, den sie mit kräftigen Fleisch- oder Fisch-Brühen einen guten Geschmack geben.

|P_285
£{Hol-277,09-15}
Ihre vornehmste Bäume sind erstlich der Tallipot, so gerade und hoch wächst, und beynahe die Dicke eines Mast-Baums hat, woran die Blätter rund und sehr groß sind. Sie wachsen mit gleich breiten und langen Falten, daher sie sich, gleich einem Wind-Fächer, zusammen legen lassen. Davon tragen sie auf Reisen ein Stück auf ihrem Kopf, um Schatten zu haben, und sie sind so zähe, daß sie durch dick und dünn damit fortkommen können. Ein jeder Soldat nimmt ein solches Blat mit, massen es ihm statt eines Zeltes, darunter zu liegen dient, und ohne welches zur Regen-Zeit auf dem Felde sich aufzuhalten unmöglich. Dieser Baum trägt keine Früchte, bis ins letzte Jahr, da er dann eine harte Frucht von sich stösst, und gleichsam mit Todes-Angst gebieret, weil er gleich darauf verdorret. Die Frucht ist so groß als eine völlige Muscat-Nuß, worin ein Marck, fast wie ein Holunder, welches man zuweilen isst, und wovon sie, wie vom Sago-Baum, Brodt machen.
£{Hol-277,15-16}
Ein andrer Baum heisst Reffule, welcher auch gerade und hoch, wie ein Cocos-Baum aufwächst. Von diesem bekommen sie einen kühlen und angenehmen Tranck, der zugleich sehr gesund, aber nicht stärcker als Wasser ist. Jeder ausgewachsener Baum gibt des Tags gemeiniglich 3 bis 4 Stübchen solches dünnen Saffts. Hievon kochen und machen sie eine Art braunen Zucker, in Indien Jaggory genandt, den sie, dem Bericht nach raffiniren, und zu allerhand Gebrauch bequem machen können.

|P_286-291
£{Hol-277,16-278,08}
Der Zimmet-Baum, welchen diese Insul für sich alleine hat, ist denen Holländern mehr als die Gold-Bergwercke zu Potosi den Spaniern, wehrt. [...] Einiger Scribenten Bericht nach hat dieser Baum eine dreyfache Rinde, in zwoen aber kommen alle überein, und zwar, daß die zweyte Rinde, so von Bäumen mittelmässiger Grösse abgestreiffet werde, den besten Zimmet gebe, und daß sich weder die gantz junge noch allzualte Bäume gut schehlen lassen. [...] Der Stamm an sich ist unter der Rinde vollkommen weiß, und zum Zimmer-Holtz und allerley andern Gebrauch dienlich. Doch hat derselbe, ausser wann er verbrandt wird, weder den anmuthigen Geschmack noch Geruch, als die Rinde. [...]
[S. 287-289 folgt eine Beschreibung der verschiedenen Gattungen des Baumes]
Alle diese Gattungen Zimmet-Bäume, vom besten biß zum schlechtesten, haben etliche Jahre nöthig, biß die Rinde zum Abschehlen bequem wird. Jedoch mit diesem Unterschied, daß einige Bäume 2 oder 3 Jahre eher reiff werden, je nachdem der Boden worin sie wachsen, beschaffen. In den Thälern, woselbst das Erdreich einen zarten weißlichten Sand in sich hat, wie dessen auf Ceylon viel anzutreffen, werden die Bäume, verstehe des besten Zimmets, innerhalb 5 Jahren zum Abschehlen tüchtig. Andere hingegen, welche in feuchten schleimichten Grunde stehen, haben zu ihrem Wachsthum, ehe sie völlig reiff werden, 7 bis 8 Jahr nöthig. [...] Wan die Rinde von dem Baum abgenommen wird, hat der an demselben hafftende Safft einen bitterlichen Geschmack, denen Würtz-Näglein nicht sehr ungleich, das inwendige Häutchen der Rinde ist überaus süß und angenehm, wenn sie eben erst vom Baume abgeschehlet worden, hingegen der auswendige Theil der Rinde hat am Geschmack von andern gemeinen Bäumen wenig Unterschied. Daß man also alles angenehme Wesen des Zimmets dem inwendigen zarten Häutchen zu dancken hat. Allein wenn man die Rinde zu trocknen, und sich zusammen zu rollen in die Sonne legt, so dringt diß öhlhafftige und angenehme Wesen durch die gantze Rinde hindurch, und macht sie so starck, daß sie zu einer beliebten und kostbaren Waare in der gantzen Welt wird. [...] Weil alle Bäume, welche geschehlet werden, ausgehen und verderben, dürffte es leicht jemand Wunder düncken, wie man so viele nicht einzelne Jahre, sondern bereits Jahr-Hunderte, so viel Zimmet aus dieser Insul holen können, und noch jährlich genug daher bekomme? Diese Schwürigkeit wird leicht gehoben, wann man sich berichten lässt, daß, weil, nach Umhauung des Baumes, die Wurtzel lebendig bleibt, selbige neue Sprossen und Zweige stosse, welche in kurtzer Frist, nemlich irgend innerhalb 5, 6, 7 oder 8 Jahren, einer früher, der andere später zur Reiffe gelangen, und ihren Zimmet liefern. Zudeme trägt die Frucht des Baumes zu diesem Uberfluß selber vieles bey. Dann es giebt dasigen Landes in gar grosser Menge eine Art Dauben, Zimmet-Fresser genannt, welche wahrscheinlich den Baum fortpflantzen helffen; weil sie, indem sie die Früchte dieses Baumes für ihre Jungen abholen, und viele davon überall auf das Feld fallen lassen, mithin dadurch manche tausend Bäume säen, die allenthalben an den Strassen hin so überflüßig fortkommen, daß solche Wege zu einem Wald zu werden scheinen; So gar gerne und häuffig wächst der Zimmet-Baum auf dieser Insul. Ist demnach nichts an dem gantzen Baum, das nicht seinen Nutzen hätte. Der Stamm dienet zum Bauen; Die Rinde, des Menschen Hertz zu erquicken und zu ergötzen: Der aus seiner Wurtzel gezogene Campher und sein Oel nützen eben so wol in der Medicin, als die Blätter und das daraus gepreßte Oel. Der Geruch von den Zimmet- oder Caneel-Bäumen ist so starck, daß er sich offt einen weiten Weg in die See hinein spüren lässt: Massen die Seefahrenden den Geruch offtmahls ehe empfunden, als die Insul selbst gesehen haben. Davon der Herr Salmon und die Malabarischen Mißions-Nachrichten Exempel anführen.

|P_291-294
£{Hol-278,09-10}
Diese Insul ist meistens wegen ihrer Elephanten berühmt. Diejenige, so von diesen Thieren schreiben, geben uns eine weitläufftige Nachricht von ihrer Gestalt, Verstand, und wie man sie in Siam mit den Weiblein zu fangen pflegt. Doch möchte es dem Geneigten Leser vielleicht nicht unangenehm fallen, einen Auszug davon, wie die Holländische Ost-Indische Compagnie es da zu Lande angreifft, zu lesen: Es bestehen nemlich die von den Einwohnern so genannte Coraalen, oder wann es nach Europäischer Mund Art genannt werden solte, das Elephanten-Jagd-Zeug, aus dicken in das Erdreich eingegrabenen Bäumen, zwischen welchen ein Hecke oder Zaun von länglicht-entzwey-gerissenen, (sonst Arms-dicken) Schilfs-Röhren, und zwar nach dem Ende zu enge, doch aber so lang, daß ihrer 25. nach einander darin eingefangen, und jeder besonders beschlossen werden kan. Nun brauchen sie überdieß noch ein Paar Stacketen oder Gitter-Wände, so innerhalb den Flügeln oder den Oefnungen der Coraal in die Queere herüber gehen, und wovon die erste 2. Eingänge, die letzte aber nur einen hat, hinter welchem oben darauf, in einer mit Laub zugedeckten Hütte, ein schwartzer Indianer fertig sitzt, der so weit reichen kan, daß er die mit Schilf-Röhren befestigte schwere FallThüre, durch jener Entzwey-Hauung kan lassen niederfallen. Die Flügel stehen wohl 4. Stunden weit von einander, und die Coraal ist bey 3. Stunden lang. In Siam werden werden sie durch ihre Weiblein hinein gelockt; hier, auf Ceylon, aber, durch etliche 1000. Indianer, (deren Hof-Dienste wegen ihrer unter der Holländischen Compagnie gelegenen Lehn-Güter, in dieser Jagd, und Lieferung 34. Elephanten ohne, und ihrer 4. mit Zähnen, bestehen) ungefähr im August und September, in diese Coraalen, wohl 14. bis 15. Meilen weit, mit grossem Lärmen von Trommeln, Schieß-Gewehr, Fackeln, und andern brennenden Materien, und durch die erste und andere Abtheilung in die Noth-Coraal getrieben. Nachdem sie hier eine Weile gestanden, werden sie durch zahme, und mit Zähnen versehene, Elephanten, welche darzu ab- und deren Zähne so eingerichtet, daß man jene mit starcken Bast-Seilen daran befestigen kan, heraus geholet, und nach dem Stall gebracht, allwo man sie, während sie vorn an der Brust und unten am Bauch zwischen Balcken stehen, vollends gleichsam fesselt, und sich ihrer gäntzlich versichert. Gestalten sie es auch, bis sie zahm sind, anders nichts als zwischen ein Paar anderer Elephanten, welche sie des Tages zweymal nach dem Wasser leiten, von dorten wegkommen. Wann der wilde Elephant sich störrisch anstellt, wissen die zahme Elephanten, unter Regier- und Anweisung ihres aufhabenden Mohren, mit ihren Rüsseln den Seinigen hübsch anzufassen, und ihn mit ihren Zähnen dermassen zu stossen, daß er gantz fromm wird. Wofern sie sich niederlegen könten, würden sie schwehrmüthig werden, und nicht mehr fressen. Sie bekommen von ihnen, zur Fütterung und übriger Wartung der Elephanten bestellten Wärtern, gantze 6. Wochen lang, nichts, als die Stengel oder Stämme von den Pisangs, als ein ihnen ohnedem angenehmstes Futter. Unter solcher Zeit fangen sie an leidsamer zu werden, und stehen allein mit einem Strick an den einen Fuß. Wofern nun innerhalb gedachter Zeit sich bey der Holländischen Ost-Indischen Compagnie kein Käuffer irgends aus Bengala darzu angiebt, werden sie noch 12. Wochen länger mit Cocos-Bäumen-Blätter gefüttert, so zahm als ein Hund gemacht, und mit anderm Vieh hernach aufs Feld ins Graß ausgetrieben.

|P_295
£{Hol-278,11}
Blut-Igel gibts daselbst von Farbe röthlich, und so dick als ein Feder-Kiel, welche um die Regen-Zeit kommen, und in kurtzem das Graß in den Wäldern bedecken. Anfangs sind sie nicht dicker als ein Pferde-Haar, und kriechen an den Füssen derer Reisenden, welche ohnedem weder Schuhe noch Strümpfe tragen, hinauf, setzen sich an, daß das Blut über die Fersen herunter läufft, und wenn sie ein Geschwühr antreffen, nisten sie gewiß darein. Einige reiben dafür ihre Beine mit Citronen-Safft und Saltz, damit sie abfallen mögen; Andere hingegen streiffen sie mit einem flachen Höltzlein ab. Allein etliche fangen sich so feste an, daß es meistens wenig hilfft: Daher sie dieselbe lieber sitzen lassen, biß die Reise abgelegt; Dann ob die Füsse gleich ein wenig schmertzen, wird doch diese Aderlässe für eine gute Artzeney gehalten. Kommen sie aber erst zu Hause, so reiben sie die Beine mit Asche, und werden ihrer solchergestalt auf einmahl loß.

|P_297
£{Hol-278,12-14}
Statt des Papiers schneiden sie die Talipot-Blätter in Striehmen ungefehr 2 Schuh lang, und 3 Finger breit, auf welchen sie ihre Buchstaben mit einem stählern Griffel, und zwar, wie wir Europäer, von der lincken zur rechten Hand, schreiben.

|P_317-318 (2)
£{Hol-278,14-18}
Die Cingaleser verehren einen obersten Gott, Schöpffer Himmels und der Erden. Sie fallen aber darneben auch vor den Bildnissen ihrer Heiligen oder alten Helden, von denen sie glauben, daß sie auf der Welt gewesen, und nun zu Engeln oder dienstbaren Geistern des grossen Schöpfers worden, nieder. Doch ist der Vornehmste unter diesen geringern Gottheiten ihr Abgott Buddu, wovon sie ebenfalls glauben, daß er vom Himmel herab gekommen, der Menschen ewige Seeligkeit zu beförderu, und von dem Gipfel desjenigen Berges, welchen die Portugiesen Pico d' Adam, oder den Adams-Berg nennen, und worauf er einen Fußstapffen in dem Felsen, wobey sie jetzo ihren Gottesdienst verrichten, hinterlassen haben solle, wiederum hinauf gen Himmel gefahren sey.

|P_321 (1)
£{Hol-278,16-18}
Dieser Berg, oder Pico d'Adam, dessen oben gedacht worden, und welcher der höchste auf der gantzen Insul ist, liegt der Landschafft Hammalella gegen Mittag. Auf selbigem ist, ihrer Meinung und Vorgeben nach des Buddu Fußstapfen, wie er gen Himmel gefahren, eingedrückt. Deswegen sie eben diesem Fußstapfen göttliche Ehre zu beweisen, rund um ihn her brennende Lampen setzen, und ihre Opffer auf den Gipfel des Felsen bringen, woselbst derselbe, als auf einem Altar, zu sehen. Die dargebrachte Opffer werden unter die Mahometanische Faquirs, oder Mohrische Bettler, welche, bloß in der Hoffnung derselben, um solche Zeit von festen Lande herüber kommen, gestalten ihnen diese Freyheit vors Alters von einem derer Kayser von Conde Uda soll eingeräumet worden seyn, ausgetheilet.

|P_322 (1)f.
£{Hol-278,19-279,01}
Es ist eine ungeheure Menge Götzen-Tempel, von allerhand Gattung durchs gantze Land verstreuet. Worunter etliche von gehauenen Steinen und vortreflicher Bildhauer-Arbeit, viele Jahr-Hunderte müssen gestanden haben, weil das heutige Geschlecht solcher Bau-Kunst gantz unkündig, daß sie so gar nicht einmal, wenn etwas daran zerfällt, dasselbe wieder auszubessern wissen. In Vintane, zum Exempel, stehet einer, welcher im Umfang 130 Schuh, und ungemein hoch ist. An der Erde ist er Ey-rund, nach dem Gipfel zu spitzig, und oben gantz vergüldet. Das Bau-Wesen dieser Tempel scheinet einerley mit den heydnischen Pagoden derer Indianer auf dem festen Lande, und man glaubt, gleich denen, daß sie von einer Art Riesen aus harten Felsen gehauen worden. Man möchte aber füglicher darfür halten, sie seyen unter der Regierung gewisser mächtiger Monarchen in selbigem gantzen Welt-Theil aufgerichtet worden, welchen eben so wol ihr Gedächtnis durch Erbauung solcher erstaunenden Wercke, zu verewigen, als die Ehre derjenigen Götter, so sie verehret, zu befördern gesucht.

|P_324(1)-321f.(2)
£{Hol-279,01-04}
Obgleich ein Mann nur eine Frau haben darff, soll es doch gar gemein unter ihnen seyn, daß ein Weib zween Männer, ja so gar zween Brüder zur Ehe habe, welche mit einander haußhalten, und die Kinder erkennen beyde für ihren Vater. Wann die Töchter groß werden, machen sie sich gantz nichts daraus, junge Burschen bey ihnen schlaffen zu lassen, biß sie Gelegenheit finden zu heyrathen. Die Männer sind nach getroffener Ehe auch so höflich, daß wann ein guter Freund sie besucht, sie, neben anderer guten Bewirthung, ihm ihre Frau oder Töchter zum Beyschlaff anbieten, absonderlich wann er von vornehmer oder aus einem höhern Stamme. Hingegen wäre es ein nicht zu verzeyhendes Verbrechen, dieselbe einem Mann von geringerm Herkommen, Preiß zu geben. Falls aber bey aller dieser Freyheit einer bey des andern Weib, ohne des Mannes Erlaubnis, läge, wird es für ein so abscheuliches Laster gerechnet, daß er den Ehebrecher samt der Ehebrecherin, wann er sie beysammen antrifft, ohngeahndet todt schlagen darff. Die Frauen machen sich hieselbst kein Gewissen, Kinder abzutreiben, und wissen damit treflich umzugehen. Sie haben bey ihrer Niederkunfft keine rechte Hebammen, sondern die guthertzige Nachbarinnen reichen ihnen desfalls hülfliche Hand. Kaum ist das Kind auf der Welt, so fragt man Stern-Deuter und Wahrsager, ob es unter einem glücklichen oder unglücklichen Gestirn, imgleichen ob es zur guten oder bösen Stunde, gebohren? Ist das letzte, so lassen sies Hungers sterben, oder werffens weg oder in einem Fluß, oder schenckens jemand anders. Dann wann das Kind gleich den Eltern zum Schaden gereichen könte, dürfte es doch, ihrer Meinung nach, einem Frembden Glück bringen.


|B_Sa-Persien__(1739)__
Die Heutige Historie und Geographie; Oder der Gegenwärtige Staat vom Königreich Persien. Enthaltend eine ausführliche Beschreibung dieses großen Reichs nach seinen Landschaften, Städten, Flüßen, Einwohnern, Natur- Letter- und Staats- Geschichten. Sonderlich Den letzten großen Staatswechsel unter dem Schach Hossein, durch den Mir-Iweis, Maghmut, Eschref, und Kouli-Chan oder itzigen Schach Nadir Nach dem Englischen und Holländischen Herrn Salmons und Herrn van Goch Dem Deutschen Leser zu Gefallen nebst einer Land-Charte herausgegeben. 1739. Im Verlag der Gebrüder Korte, Buchhändler in Flensburg und Altona.


001 Kap. 1: Name, Lage, Größe, Einteilung der Luft, der Witterung und der Jahreszeiten, Flüsse, Seen, Inseln
016 Kap. 2: vornehmste Städte, öffentliche und andere Gebäude, Auszierung der Häuser
032 Kap. 3: Eigenschaften der Perser, Speisen, Getränke, Gastmähler, Ergötzlichkeiten, Zeremonien, Reisen
048 Kap. 4: Beschaffenheit des Landes, Grund und Boden, Acker-, Wein- und Gartenbau, Kräuter, Tiere, Mineralien
073 Kap. 5: Handwerke, Manufakturen, ein- und ausländische Handlung, Europäische Kompagnien
096 Kap. 6: Sprache, Schreibart, Gelehrsamkeit, Künste, Geschichten, Zeitrechnung
122 Kap. 7: Thron- und Reichsfolge der Regenten, von Tamerlan bis zu Schach Hussein, letzte große Staatsveränderung unter Emir-Ivveis, Machmuth, Eschref und Chouli Chan oder itzigen Schach Nadir
183 Kap. 8: Name des Königs, Titel, Wappen, Kriegsmacht, Einkünfte
214 Kap. 9: weltliche Gesetze, Leib- und Lebensstrafen, geistliche Gesetze, Religion, Gottesdienst
263 Kap. 10: Haus- und Ehestand, Harem des Königs und der grossen Herren, Kinderzucht, Begräbnisse
290 letzte Seite

|P_7-8
£{Hol-281,14-16} / £{Hol-281,21-282,01}
Und daß in einem so grossen und weitläuftigem Reiche, auch die Luft, das Clima und die Jahrs-Zeiten sehr verschieden seyn müssen, ist auch leicht zu ermessen. Mitten im Reich fängt der Winter an im November, und hält mit strengen Frost und Schnee, der zwar sehr häufig auf die Berge fält, die Flächen aber kaum bedecket, beständig bis in den Februarium an; vom Martz hingegen bis in den May, ist der Wind gemeiniglich ungstüm, worauf eine ruhige und heitere Luft folget, die bis in den September dauret. Ob es gleich den Tag über sehr heiß ist, so verursachen doch die kühlen Lüftgen, welche beständig des Morgens und Abends auch die Nacht durch wehen, daß die Hitze erträglich, weil insonderheit die Nächte fast 10. Stunden lang sind.
[ Von "Tauris und Schiras" steht dort nichts! ]

|P_8
£{Hol-282,01-03}
In denen südlichen Theilen von Persien aber und zwar vornehmlich zu Gamron, ist im Frühlinge und Herbst die Luft sehr ungesund; daher auch die Europäischen Kaufleute daselbst fast alle Jahre gefährliche Kranckheiten ausstehen müssen, an welchen oft viele sterben. Zwar sind die Südwinde alda wol kühle, aber sehr feuchte, die Südwestlichen hingegen trocken, brennend und heiß, und die Oestlichen auch nicht viel besser: die Nordlichen hingegen spüret man selten, weil es gleich hinter denen Bergen liegt. Der Junius, Julius und Augustus sind zwar gesund genung, aber so heiß, daß sich sowol die Einwohner selber, als auch Fremde gegen die Gebürge ziehen. Die heissen Winde, die Morgenwerts, über eine grosse Sand-Wüste herkommen, sind oft vermögend, einen Menschen zu ersticken, und führen zugleich einen solchen vergifteten Dampf bey sich, der in einem Augenblick einen Reisenden zur Leiche machet.
[ Von "Kerman" steht hier nichts, aber wahrscheinlich hat Kant auf der beigefügten Karte nachgesehen, daß die "Sand-Wüste" hier nur Kerman sein kann. ]
"roth"

|P_9-10
£{Hol-282,01-03}
Doch wieder nach Persien und auf die heissen Winde zu kommen, so ist von selbigen zu mercken, da sie über so grosse / Sandflächen bey hundert Meilen und drüber wehen, die denn lauter Hitze zurücke schicken, daß selbige fast eben so brennen, als ob sie aus einem heissen Ofen herbliesen, gleichwie die Winde, die über die See herwehen, kühle, oder wenn sie über ein mit Frost und Schnee bedecktes Land zu uns kommen, schneidend kalt sind.
Diese heissen Winde sind vom 15ten Junii bis den 15. August am strengesten, entzünden sich auch zuweilen plötzlich dermassen heftig, daß sie wie eine rothe Flamme scheinen, und einen Menschen, den sie berühren, eben so schnell tödten, als wie der Blitz; doch lassen sie solche todte Leiber gantz, und verändern oder zermalmen sie nicht. Jedoch ist hiebey zu mercken, daß sie ihren Anfang nicht eben so gar genau an die benandte Zeit oder Tage binden. An der Warheit aber dieser Sache darf man gar nicht zweifeln, weil keine Ursachen anzugeben, warum solches unmöglich; dagegen alle Resiebeschreibungen es erzehlen, auch einige physicalische Ursachen davon mit angeben, und Herr Chardin setzt noch den merckwürdigen Umstand darzu, daß dieses Phoenomen die getroffene Leiber zwar nicht zermalme, sondern sie vielmehr in ihrer Farbe und Gestalt lasse, solche aber dergestalt auflöse, daß, wo man sie hernach nur anrührete, einem die Haut an den Händen kleben bleibe.

|P_11-12
£{Hol-281,14-16}
In denen mehr nordlich gelegenen Landschaften Persiens aber, nemlich in Georgia, Schirvan und Adirbeitzan ist die Luft viel gemäßigter, das Land aber trocken und warm, gegen den Winter hingegen ist das Wetter ungestüm, fält auch insgemein 6. Wochen lang, ein so harter Winter ein, als nirgend in einem Lande, das mit diesem gleiche Himmels-Lage hat, weil aber selbiges sehr bergigt ist, so findet sich, wie wir bey Indien an dem Gatischen Gebürge bemercket, ein gleicher Unterscheid der Witterung, und zwar an beyden einander entgegen stehenden Seiten der Berge, dergestalt, daß die Reisenden, wenn sie nur wenig Meilen zurücke geleget, oft dencken, sie kämen in ein ander Land; indessen ist die Luft, sie mag so kalt seyn, als sie wolle, doch gar gesund.

|P_12
£{Hol-281,18-21}
Ferner ist von Persien zu mercken, daß kein so grosses Land in der Welt zu finden, welches so wenig schifbare Ströme hat als dieses: denn mitten drinnen ist kein eintziger Strom, der ein Fahrzeug auch nur von einer wenigen Last tragen könnte, und die Reisenden finden an manchen Orten in etlichen Tagen kein Wasser, als was sie bey sich führen.

|P_14-15
£{Hol-282,04-05}
Ormus, welche Insul an der Meer-Enge des Persischen Meerbusens gelegen, und ohngefehr einen Umfang von 30. Meilen hat, ist die vornehmste Insul dieses Meerbusens. [...] Die Insul selber bringet nichts als Saltz hervor, welches sich oben auf der Erde wie eine feste Rinde zwey Finger dick setzet, daher auch ihre Hügel, als ob sich mit Schnee überdecket, aussehen. Ohne das Regen-Wasser, so in Cisternen gesamlet wird, hat die Insul keine Tropfen süß Wasser, daher holten die Portugiesen das meiste Wasser zu ihrem Gebrauch, vom festen Lande.

|P_33
£{Hol-282,06-07}
Hier müssen aber die Georgianer, so zu Persien gehören, schon ausgenommen werden; [...].

|P_33
£{Hol-282,15-16}
Daß aber die Perser nebst den Weibern auch wol ihre Ganimedes halten, und Sodomiterey treiben, solches überführt sie der Geilheit mehr als gnug. Sie werden frühzeitig Mannbar, daher sie auch jung heyrathen und Kinder zeugen: die Frauens-Leute aber hören auch nach dem dreyßigsten Jahre wieder auf; Nach der Empfängnis kommen sie wenig mehr aus ihren Zimmer, und mit denen Männern gar nicht mehr in ein Bette.
[ Von "im 8ten Jahr mannbar" steht dort nichts. ]

|P_33-34
£{Hol-282,13-15}
Ein Zeichen des muntern Geistes der Perser ist die Liebe zur Poesie, die unter ihnen so sehr geübet wird als fast bey keinem Volcke. Es wird kein Gastmal ohne Poeten zugebracht: jedermann höret sie gerne, und lauft ihnen in den Coffee-Häusern, auf den Strassen, Marcktplätzen und allenthalben nach, wo sie sich nur hinstellen, und ihre Gedichte für eine kleine Verehrung wollen hören lassen.

|P_34-35
£{Hol-282,06-09}
Sie sind eines muntern Gesichts, schöner Leibes-Bildung, und angenehmen Wesens, sonderlich in Georgien und in denen Nordlichen Provintzien: in denen Südlichen aber sind sie etwas Olivenfärbigt, aber nachdem seit hundert Jahren die grossen Herren ihre Weiber und Concubinen aus Georgien und Circassien genommen, sind die davon erzeugten Kinder und Nachkommen auch um ein merckliches ansehnlicher worden; [...].
[ Es gibt keine Stelle, an der ausdrücklich von einem vermischten Geblüt der Perser gesprochen wird, von Arabern und Tartaren ist gar nicht die Rede! ]

|P_39-40
£{Hol-284,07-12}
Wein wird in verschiedenen Landschaften von Persien zwar gezeuget, jedoch mehr von Armeniern, und andern Christen, als von Persianern getruncken, gröstentheils aber nach andern Ländern verführet, sonderlich der trefliche Schirasser; die sehr andächtigen Perser hingegen, die wegen des Mahomets seinem Verbot, keinen Wein trincken, erquicken ihre Geister mit Opium, Bang, Mohnsamen, und andern Dingen, die ihnen einen Schwindel verursachen, gleichwie die Ostiacken und andere Völcker den Toback auch mit Opium, und so häufig rauchen, daß sie davon toll und voll werden, nicht anders, als ob bey allen diesen Völckern eine ausgemachte Warheit und Nothwendigkeit wäre, daß man ohne dergleichen truncken- und Fühlloßmachende Mittel die Sorgen und Mühseligkeiten dieses Lebens nicht zu ertragen vermöge. Zwar brauchen die Perser den Toback nicht, um davon truncken zu werden, weil sie ihn durchs Wasser rauchen, und das Gefässe, dadurch solches geschicht, nennen sie Kaljan.

|P_40
£{Hol-284,10-12}
Hingegen brauchen sie, mit andern Morgenländern auch aus Opium gemachte Pillen, deren Anzahl einige gleichsam Stuffenweise in einer immer grössern und endlich so starcken Dosi nehmen, die fähig wäre, ein halb dutzend Europäer auf den Kirchhof zu bringen.

|P_53
£{Hol-284,07-08}
Weintrauben findet man hier auch verschiedene Arten, deren etliche so grosse Beeren haben, daß eine eintzige einen guten Mund voll ausmachet, zu Ispahan machen sie den Wein von einer klaren runden Traube, in der fast kein Stein befindlich. Die besten Weine aber werden zu Schiras gepresset, wenn man anders ihre Art zu keltern so nennen darf; [...].
[ Es heißt, daß die andächtigen Perser "keinen Wein trincken", aber nicht, daß sie ihn "heimlich" trinken! ]

|P_54-55
£{Hol-284,18}
Die Datteln sind eine köstliche Frucht, und nirgends so gut als in Persien, das Fleisch, in dessen Mitte der Stein sitzet, ist klebricht, und Honigsüs; wenn sie halb reif, so werden sie mit Zucker eingemacht, wenn sie aber reif sind, so werden sie grün oder getrocknet zum Essen auf behalten. [...] Die Pimpernüslein oder Pistazien werden fast allein in Persien gefunden, mithin von dar die gantze Welt damit versorget. Die Blätter gleichen in etwas denen Lorbeer-Blättern, nur daß sie grösser, artiger, ungekräuselt, roth und gelb seyn, die äuserste Rinde dieser Frucht wird in Zucker eingemacht, die junge und noch zarte Frucht aber in Eßig geleget, und bey Braten aufgesetzet.

|P_57
£{Hol-066,04ff.}
In denen Wüsten von Karmanien findet man zwey Arten Sträuche, die eine giftige Eigenschaft haben, und heißt das eine Golbat Samour, oder die den Wind vergiftende Blume, weil eben solche die tödtlichen Winde verursachet, die in der heissen Jahrs-Zeit alda zu wehen pflegen. Das andere Kerrebre genant, dessen Stamm so dick, als eines Menschen Bein, schiesset ohngefehr sechs Fus in die Höhe, dessen Blätter fast rund, und die Blume gleich den Hagedorn-Blüten sind.

|P_58-60
£{Hol-209,36-210,01} / £{Hol-284,10-12}
Noch bringet Persien sehr viele Artzney-Mittel herfür, als Kassia, Senrea, (das ist Süßholtz) Foenum graecum, Antimonie, Nux Vomica, Gummi amoniacum, Galbanum, Sal amoniacum, und eine Gattung von Rhabarber, die aber nicht die beste, mit welcher die Einwohner ihr Vieh curiren. In Persien wächst auch eine Art Mohn in grossen Stauden, der seine Stengel und Häupter zum Theil wol vier Fuß hoch und sehr stark treibet, der wegen seines Safts, als auch welchem / das bekante Opium gezogen wird, und dessen Kraft, bey den Persern in grosser Hochachtung ist. Sie ziehen aus solchen im Junio (da sie zu reiffen beginnen) den Saft heraus, indem sie kleine Schnitte Creutzweis in das Mohnhaupt thun, mit einem Messergen, welches fünf Einschnitte auf einmal machet. Aus solchem nun fliesset eine dicke Feuchtigkeit, die des Morgens früh vor der Sonnen Aufgang gesamlet wird, und weil alle Häupter nicht zugleich reifen, wird damit fortgefahren bis alle Häupter geritzet und abgezapft, auch alsdenn abgeschnitten sind. Doch ist der Saft aus den ersten, grösten und besten Mohnhäuptern, besser, als aus den letzten. Dieser Saft sol bey seinem Abzapfen so stark ausdunsten, daß die Arbeiter, so ihn samlen, an allen Gliedern beben, und als todte Menschen aussehen. Der Saft wird bald so dicke, daß die gebräuchlichen Pillen draus können gemachet und als Opium verkauft werden; die Perser nennen ihn Afion, wir aber Opium. In das Brot mengen die Becker auch Mohn-Saamen, welches die, so solches essen, wol schlaffen macht, wie es denn bey Mahlzeiten zu essen, für gesund gehalten wird, das gemeine Volk käuet auch oft und fast beständig den Mohn-Saamen.
Man hat alda auch Ueberflus von Saffran; Ingleichen Assa foetida, von dem die Perser und Indianer so viel halten, daß sie solchen wol in ihre Speisen thun, und der Geruch, der uns ein heftiger Gestanck ist, deucht ihnen gar angenehm und so gut als Muscus. Es ist aber die Assa foetida ein Saft, der aus der Pflantze Hiltot fliesset, Kaempfer nennet sie Hingisch, nachmals sich verdicket, und so hart wird, als ein Gummi. [... / ...]. Die Assa wird so tractiret: Erst wir die Wurtzel von der Erde entblößt, das Laub vom Stengel gestreift, und die Wurtzel damit bedekt, nach viertzig Tagen wird von der Wurtzel oben ein Scheibgen abgeschnitten, und den folgenden Tag schabt man den aufgequollenen Saft ein oder dreymahl ab, und schneidet dann wieder ein Scheibgen ab, und thut wie zuvor. Nach sieben Tagen komt man eben also wieder, und nach abermal sieben Tagen nochmals, und allemal wird die Wurtzel mit dem Laube bedekt. [...] Der Geruch von dieser Assa ist so stark und anziehend, daß er sich in alle Waaren zeucht, die im Schiffe oder sonst bey ihm zu liegen kommen, wie gut und fest sie auch eingepackt sind, [...].

|P_60
£{Hol-284,13}
Mumien oder balsamirte Menschen, die wol viel hundert Jahre in der trockenen Erde gelegen, und so hart wie Horn geworden, werden oft in dem Sande von Chorassan, oder dem alten Bactrien gefunden, welche Leichen, wie man sagt, ihre Gestalt so wenig verändert, daß man ihre Gestalt und Wesen oft erkennen könne.
£{Hol-284,07}
In der Provintz Darab bey der Stadt gleiches Namens fliesset auch ein Gummi oder Naphta aus einem Felsen, welches die Perser auch Mumie nennen; [...].

|P_61
£{Hol-155,15ff.}
Der Persische Bezoar-Stein wird auch für köstlicher gehalten, als der in Indien und Golkonda und Cananor gefunden wird. Er hat eine Schale oder Rinde um die andere herum, wie etwa die Jahrwächse an den Tannen oder Fichten-Bäumen. Er wird in dem Leibe eines gehörnten Thieres, das den Ziegen oder Hirschen einiger massen, wenigstens der Hörner wegen gleichet, und daher Pasen, d. i. Geißhirsch genennet wird, gefunden. Er sol von einer gewissen Art hartziger Kräuter, so diese Thiere gerne fressen, in ihrem Leibe wachsen, und in den Landschaften Chorassan und Lar, wo das Kraut am häuffigsten und kräftigsten wächst, auch am meisten, und zwar bey den Böken grösser und öfter als bey den Weibchens gefunden werden. [Der medizinische Nutzen wird bezweifelt]

|P_70-71
£{Hol-284,07}
In denen Landen von Fars und Schirvan ist viel Bolus armena und Mörgel, welcher weis, und vom Land-Volke an statt der Seife gebrauchet wird; Ferner giebts einige Talk-Adern, nicht weniger trift man weissen und schwartzen Naphta an, den man zum Färben und Laquiren, auch zur Arzney brauchet: es wird auch ein Oel daraus gezogen, das in verschiedenen Fällen gebraucht wird.

|P_71
£{Hol-179,10-11} / £{Hol-284,13-15}
Daß in vorigen Zeiten die treflichsten Perlen-Fischereyen im Persischen Golfo gewesen, ist bekant, und die, nach Chardins Rechnung, ein Jahr ins andere gerechnet, wenigsten jährlich fünf Millionen Rthr. eingetragen. [...] Zu itziger Zeit aber ist der Perlfang unterblieben: die Ursach sey, daß diese Perlbank so sehr ausgefischt gewesen, daß sie die Unkosten nicht mehr abgetragen: [...]. Thevenot hat dem Perlfange beygewohnet, und solchen ausführlich beschrieben, er sagt: Es seyn um das Ende des Junii bey der Insul Baharen bey drey tausend Fischer-Böte zusammen kommen, in deren ieder ein Taucher nebst denen Ruderern gewesen.
£{Hol-284,16-18}
Tutia findet man auch auf der Liste der Kaufmanns-Waaren, die aus Persien kommen. Garcias ab Orta sagt: Sie sey vor diesem unter dem Namen der Alexandrinischen nach Europa kommen, und komme von der Asche eines gewissen Baums. Bontius aber versichert, sie werde aus einer gewissen Erde, die vorher verbrant worden, und nachdem sie ausgelaugt, gekochet und an die Gefässe angeschossen, von dem Rande derselben abgeschrapet.

|P_82
£{Hol-284,13-15}
Die Perlfischerey liegt, wie schon gesagt, itzt darnieder, und folglich auch der Perlenhandel, der ehemals ein gut Stück der Persischen Handlung ausmachte.

|P_82
£{Hol-284,15-16}
Von der rohen Seide hat Persien so gar den Stapel, daß nicht allein das gantze Reich seine Nothdurft draus verfertiget, und darzu die seidenen Zeuge in grosser Menge ausgiebt, sondern es bleibt auch noch eine entsetzliche Menge jährlich zum Ausfuhre übrig. Wie denn auch solche sehr häufig nach Indien, Türkeyen und Rußland gehet.

|P_99-100
£{Hol-282,16-19}
Nichts destoweniger ist und bleibt doch diese Wahrsagerey wo nicht das einige doch das vornehmste Stük ihrer Gelehrsamkeit; und der gantze Orient ist zwar von dem Wahn eingenommen, doch ein Land und selbst eine Stadt immer mehr als die andere. Persien überhaupt hängt vor andern daran fest; und in demselben Chorassan oder Bactria, besonders die Stadt Gennabad aber am meisten; da kommen auch fast alle, besonders die grösten Meister, die in der Kunst excelliren wollen, her. Man kan leicht glauben, daß die Perser für allen andern Nationen blindhin in dieses Weißsagen müssen alles Vertrauen setzen, wenn man betrachtet die erstaunliche Menge Menschen, die sich darauf legen und davon leben; ferner den hohen Rang und die grossen Einkünfte, so sie beym Persischen Staate haben. Des Königs erster Sternseher oder Wahrsager hat des Jahrs funfzig tausend Rthlr. Salarium, der andere fünf und zwantzig tausend, und die übrigen nach der Grösse ihrer Wissenschaft. (Nemlich, nach welcher sie sich haben hervor zu thun, und in Ansehen und Vertrauen zu bringen gewußt.) Und die außerordentliche Geschenke, die das Reich jährlich auf sie verwendet, sollen sich, ein Jahr ins andere gerechnet, wol auf zwanzig mal hundert tausend Rthlr. belaufen.

|P_110-111
£{Hol-282,19-283,02}
Wir kommen nun zu ihrer Arzney-Kunst. [...] Es ist in Persien ein gemein Sprichwort worden: die Sternseher und Aerzte fressen das Land auf! welches auch grösten theils wahr ist: denn der König unterhält allein viele, die ihm nicht weniger kostbar zu unterhalten sind, als die Sterngucker. Alle Grossen und angesehene Familien thun nach Vergleich nicht weniger mit jenen wie mit diesen. Es ist aber zwischen beiden ein ewiger Krieg oder doch Dispüt, der nimmer entschieden noch geendiget werden kan. Er komt daher: Wenn der Arzt den Krancken nun gesehn und seine Kranckheit untersucht, auch Arzney-Mittel dagegen verordnet, und der Patient solche fertig vor sich stehen hat, so muß erst der Sternseher kommen, und den Himmels- und der Sternen Lauf ansehen, untersuchen und ausrechnen, wenn oder welches die glücklichste Stunde sey, sie einzunehmen, da sie gute Würckung thun können. Wenn sie nun nicht oder nichts guts würcket, so sagt der Sternseher: der Medicus verstehe seine Kunst nicht; dieser aber sagt: jener habe die glücklichste Stunde übersehen, sich verrechnet, und die Arzney damit unkräftig und den Patienten unglücklich gemacht.

|P_112-113
£{Hol-284,18-23}
Sie folgen dem Galeno allezeit, so viel sie können, in der Art zu curiren nach; weil sie nach der Fabelhaften Tradition glauben, derselbe sey durch die Unterweisung des Heilandes der Welt, zu dessen Zeiten er gelebet habe, sehr vollkommen in der Heilkunst worden. Nach dieser ihrer Tradition erzehlen sie: Als Galenus von Christi Wunder-Curen gehöret, habe er, als ein sehr erfahrner Arzt, wol erkant, daß solche mehr aus Göttlichen als Natur-Kräften gewürket würden. Er habe derhalben seinen Vetter zu Jesu gesand, mit folgenden Schreiben: Galenus, ein sehr alter Heilmeister des Leibes, an den, der ein Arzt der Seelen ist. Was ich von euren Werken gehört habe, hat mich für Verwunderung ganz erstaunend gemacht, massen mir solches ganz unbegreiflich ist. Da ich nun, wegen meines hohen Alters, selbst nicht im Stande bin Euch zu besuchen und zu sprechen, so sende ich meinen Vetter, und bitte ihn zu unterweisen in dem, was mir selbst besonders und der Welt insgemein nützlich seyn mag. Dieser Vetter Galeni sol der H. Philippus gewesen seyn, den Christus unter seine Apostel aufgenommen. Ihre andern Heiligen oder grosse Meister in der Arzneykunst sind Hermes trismegistus und Avicenna, oder wie sie diesen Namen aussprechen Abousina; der gröste Medicus und Philosophus seiner Zeit in gantz Asien.

|P_120
£{Hol-283,03-06}
Die besten Anstalten für die Persischen Studenten sind die, da ansehnliche und erfahrne Männer, solche Hohe Schulen anlegen, selbst frey dociren, und den Studenten wol freyen Unterhalt darzu geben. Und deren giebts allenthalben in Persien: denn wenn ein Mann sich mit Gütern der Welt gesegnet siehet, und sich geneigt findet aus den Welthändeln zu scheiden, entweder weil ihm das Glück bey Hofe, im Kriege, Handlung oder Landleben seine Tücke bewiesen, oder er trauet doch nicht länger, oder will auch sonst der Beschwerlichkeit der Aemter mit guter Art und Ehren loß seyn, und er hat in der Jugend was rechts gelernet, solches auch nachher in Bedienungen geübet, findet sich also geschikt und geneigt andern wieder mitzutheilen, was ihm bisher nütze gewesen, welches aber nun bald mit ihm selbst der Welt entzogen werden würde, so legt er wol in seinem Hause ein solch Auditorium an, lieset oder hält selber Collegia, und giebt wol seinen Zuhörern etlichen, etwas, oder alles frey. Und wenn er guten Applausum findet, so laufen ihm die Studenten aus denen Collegiis zu, und verlassen ihre eigene Professores. Ein solcher begüterter Lehrer ist mit Recht ein öffentlicher, algemeiner, oder Professor publicus, und lebet im sichersten und grössesten Ehren- und Wolstande, weil der Neid sich sowol schämen als fürchten muß, einem so gemeinnützlichen Manne nach seinen Gütern zu greifen. Seine Ehre aber kan ihm überal gar niemand antasten, weil sie an kein gewisses öffentliches Amt oder Stand gebunden ist.

|P_228
£{Hol-283,05-07}
Nun gehen wir von den Gesetzen zur Religion über, das in Persien keinen grossen Sprung ausmachet, weil sie einander nahe verwand, und beyde von Mahomet vorgeschrieben sind. Weil wir aber von der Mahometanischen Religion gründlich zu handeln versparen, bis wir zu Arabien, da sie ausgebrütet worden, kommen, so werden wir uns hier füglich der Kürze befleissen können. Wir wollen also nur sehen, worinn sich die Perser vor andern Mahometanern unterscheiden, und was sie in ihrer Secte besonders haben. Hiemit ist denn nun schon gesagt, daß es bey ihnen sowol Spaltungen gebe, als bey Christen, Juden und Heiden; und die finden wir nicht allein zwischen Persien und andern Asiatischen Völkern, da sie sonderlich von den Türken gar sehr getrennet sind, sondern auch in Persien selbst finden sich so vielerley Meynungen, daß nie anderswo mehr, wol nicht zwey Modarres, Mollahs und andere mehr, in allen Stücken eins sind.

|P_231-232
£{Hol-283,07-11}
Die recht alten, echten Mahometaner waren sehr strenge, und wenn einer ihnen aufs erste Begehren ihr Schibbolet: Es ist kein Gott, als Gott: und Mahomet ist sein Gesandter, nicht alsobald nachsprach, war er ein Kind des Todes, wenn er in ihrer Gewalt war; war er aber auser derselben, so war er ihr Erb- und ewiger Feind. Heutiges Tags sind sie durchgehends gelinder; und die Perser abermal weit mehr als die Türken: denn sie sehen wol, daß ihnen das Schibbolet nicht, wie es wol den Mahomet gewesen, so einträglich sey, als die Handlung mit fremden Religions-Genossen. Aus dem vorhergehenden ist auch sonst schon offenbar, daß die Perser den Alkoran nicht eben nach den Worten annehmen, sondern ihm einen Verstand geben, wie es sie gut dünket, und die Lehrsätze, so ihnen zu strenge vorkommen, mildern sie mit Bildern und Gleichnissen, davon ihre ganze Theologie und Sitten-Lehre voll ist. [...] Es waren einst drey Brüder, zwey derselben waren zu ziemlichen Alter kommen, der jüngste aber noch ein Kind, als sie alle drey fast zugleich sturben. Von den ältesten war der eine allezeit Gott gehorsam gewesen, der andere aber hatte sich seinen Geboten nie unterworfen, und der jüngste hatte noch keine Wahl unter guten oder Bösen zu machen gewust. Als sie nun für Gottes Richterstul kamen, wurde der erste in das Paradies aufgenommen, der andere zur Hölle, der dritte aber an einen Ort, der ihm weder Freude noch Leid gab, gewiesen. Dieser war über dis Urtheil, und daß er nicht das Paradies erlangte, sehr betreten, und sagte: o mein Gott! warum liessest du mich nicht so lange als meinen ältesten Bruder leben, daß ich, wie er, die ewige Freude hätte verdienen können? Mein Kind! sagte Gott: ich kenne dich völlig und weiß, daß du bey längern Leben deinen gottlosen Bruder gefolget, und die Hölle, wie er, würdest erworben haben. O grosser Gott! sagte der verdamte Bruder hierauf: warum bewiesest du mir nicht die Gnade meines jüngern Bruders, und nahmest mich hinweg, ehe ich einen so bösen Gebrauch von meinem Leben machte, daß ich damit die Hölle verdiente? Ich erhielt dich im Leben, sagte Gott, damit du Gelegenheit hättest, das Paradies zu erlangen. Warum, wandte der jüngste nochmal ein, genoß ich denn nicht derselben Gelegenheit, den Himmel zu erhalten. Weil, machte Gott den Beschluß: mein Rathschluß es also verordnet hatte.

|P_232
£{Hol-283,13-14}
Von den guten Werken lehrt das Buch der Sprüche und Thaten Mahomets, daß solche das Paradies nicht verdienten, sie wären aber Zeichen göttlicher Gnade und der ewigen Glükseligkeit, gleichwie die Uebelthaten Kennzeichen ewiger Verdammnis wären.

|P_237-238
£{Hol-283,16-20}
Eine Erb-Sünde können sie nicht glauben. Adam habe auch, als der höchste Prophet, wie alle andere Propheten, deren sie 24.000. (oder wol noch einmal so viel zehlen,) nicht sündigen können; und das Essen, so man ihm zur Sünde mache, sey nur eine Abweichung von der Volkommenheit, oder von etwas bessern zu was schlechtern, und ihm nicht plathin verboten, sondern nur widerrathen gewesen, weil alle Speise, die ihm verordnet, so subtil war, daß alle Excrementa davon als ein wolriechender Schweis unsichtbar von ihm dunsteten, dagegen die verbotene Frucht nicht anders, als durch ordentlichen Abgang wieder von ihm gehen kunte; damit er nun nicht den Himmel verunreinigte, so jagte ihn Gabriel heraus, aber nicht um einiger Sünde willen.

|P_238
£{Hol-283,11-12}
Die Schwäche der also entkräfteten Menschen und die Stärke, die Begierden zu bezeichnen, erzehlen sie eine Begebenheit zweyer Engel, Namens Aruth und Maruth: diese hielten Gott für, daß er den Menschen immerfort Vergebung der Sünden wiederfahren liesse, da solches doch keinen Nutzen schafte und sie nicht besserte. Ihr kennet, sagte Gott, die Begierden nicht, unter welchen die Menschen stehen; sehet da, ich gebe euch menschliche Leiber, und sende euch in die Welt, damit ihr die Sache untersuchen und eine Probe davon nehmen könnet. Sie gingen hin, und verfielen tiefer unter die Leidenschaften, als die Menschen; liessen sich den Wein und die Weiber so stark reizen, daß sie ihnen Tag und Nacht nachjagten; sie versunken so tief in die fleischlichen Lüste, daß, als sie wieder gen Himmel kehrten, sie solche, nebst einer schönen Beyschläferin mit dahin nahmen, weil ihnen diese nicht anders als mit dieser Bedingung hatte wollen zu Willen seyn; und darüber wurden sie aus dem Himmel, bey Babilon, in eine tiefe Grube gestossen und verschlossen; dabey sie aber gleichwol, vermittelst ihrer menschlichen Leiber vermöglich waren, den Menschen allerley Künste zu lehren, die sie vermittelst des ihnen mitgetheilten Leibes auszuüben fähig waren: daher nun wären denen Menschen die ihnen beywohnenden vermischten geist- und leiblichen Zauberkräfte und sogenanten schwarzen Künste bekant worden. Welches mit etlicher unserer Gelehrten Meynung übereinzustimmen scheinet: daß ein Geist auf keinen Körper zu würken vermöge, wo ihm nicht ein Mensch seinen Willen oder Geist, und seinen Leib darzu, hergebe und leihe.

|P_239
£{Hol-283,14-15}
So lange der Leib eines Menschen nicht zur Erden bestätiget sey, bliebe die Seele in der Nähe um und bey ihm; so bald er aber sein Urtheil im Grabe erhalten, so gehe sie in einen zarten Luftleib so lange über, und wohne und würke nach solchen Körpers Eigenschaft unsichtbar in selben, bis zur algemeinen Auferstehung, da sie ihren ersten Leib wieder anziehe.

|P_243
£{Hol-283,20-284,02}
Ihre Predigten sind insgemein moralische Discourse, die eben nicht sehr andächtig angehöret werden: etliche lesen, schlafen, essen, oder rauchen Tobak; doch sind sie stille, und stören den Prediger, und die, so ihn hören wollen, nicht; gleichwohl ists nicht ungewöhnlich, demselben mit Händeklatschen oder etlichen Worten Beyfall zu geben; nachdem sich einer oder der andere bewegt findet: Widersprechen aber ist wärender Predigt nicht gebräuchlich, doch nach Endigung derselben darüber zu raisonniren oder zu disputiren, ist den Persern nicht wie den Türken verboten.

|P_246
£{Hol-284,03}
Die Derwische sind eine rechte Art Bettelmünche; die aber kein Closter haben, wenigstens nicht alle und aller Orten, daher sie auch an keine Regel gebunden sind. Sie geben eine grosse Welt-Verleugnung vor, beweisen solche mit ihrem Mangel aller irdischen eigentümlichen Habseligkeit, und praetendiren den Rang der Heiligkeit vor allen. Die Fakirs ziehen als stete Pilgrims allenthalben im Lande herum, und zuweilen wachsen sie in so grosse Haufen an, daß sie den Dörfern und kleinen Städten gefährlich werden: [...].

|P_256
£{Hol-282,09-12}
Von den Gauren oder Guebern, die das Feuer anbeten, davon wir schon eine Race und Secte jenseit des Gorischen Gebürges in Indien gesehen haben, solte hier wol was mehrers und gründlichers gesagt werden, in Betracht Persien ihr Vaterland und sie die ältesten wo ja nicht die ersten und ursprünglichen Einwohner sind: aber sie wissen selbst wenig von ihren Geschichten, von ihrer Religion und von aller alten oder neuen Gelehrsamkeit. [...] Die bis heutiges Tages in Persien Ueberbliebenen glauben, ihr grosser Prophet Zoroaster habe beynahe vor 4.000. Jahren das heilige Feuer auf demjenigen Berge bey Yesd angerichtet, auf welchen es, nachdem er es erst vom Himmel bekommen, zeither beständig unterhalten worden. Sie glauben auch, daß er noch dereinst wiederkommen, und ihren Gottesdienst wieder einführen und dominant ja algemein machen werde.

|P_258: Sie sollen fürnemlich ein gutes und eine böses Principium statuiren, und nennen jenes Licht und dieses Finsternis. Die Sonne soll das Licht, und der Mond die finstere Gottheit abbilden, beyde aber sollen doch auch nicht todte Bilder, sondern lebendige und vernünftige Wesen, dergleichen auch die Planeten und andere himmlische Cörper, seyn.
[Knappe Darstellung von Lehre und Lebensweise bis S. 260: Ackerbau / Offenes Feuer soll nicht mit Wasser geloescht werden.]

|P_260
£{Hol-284,04-06}
Noch ein Volk von einer abgesonderten Religion, die vor Christlich mit durchgehen wil, findet sich in Persien. Man nennet sie St. Johannes-Christen, auch wol Sabaeische Christen. Von Johanne werden sie genant, weil sie ihn vor ihren grossen Propheten halten, und durch seine Taufe hoffen selig zu werden, die sie derhalben auch so nötig und so kräftig achten, daß Alt und Jung sie alle Jahr wiederholt; woher sie Sabaeische heissen, erinnere mich nicht gelesen zu haben; warum sie aber auch Christen heissen, da sie doch Christum nicht für Gott oder Gottes Sohn, zwar für einen Propheten, doch nicht ihren Propheten halten, sol daher kommen: weil sie das Creuz so hoch und recht abergläubisch bis zu einer göttlichen Anbetung verehren. Sie wohnen gegen den Persischen Meerbusen, in der Landschaft Chusistan hin, bey zwanzig tausend Familien.

|P_vacat
£{Hol-281,16-18} [ Vielleicht Vorgriff auf Ormus 282,4-5. ]
£{Hol-282,03-04}


|B_Sa-Arabien__(1747)__
[Die heutige Historie oder der gegenwärtige
Staat von Arabien und der grosen Tartarey,
[...] (Altona / Flensburg 1747)
Excerpte: Stark / check: Witte
------------------
version 2: 12. September 2001
-----------------]

|P_0
001 Kap 1: Name, Lage ..
008 Kap 2: Seehäfen, vornehmste Städte
016 Kap 3: Von den Fürsten und Prinzen zu Mecca, Medina, ...
029 Kap 4: Von der Araber Art und Neigungen, ihrer Farbe, Gestalt, ...
047 Kap 5: Von der Sprache und Gelehrsamkeit
053 Kap 6: Von den Heirathen, Leichen und andern Ceremonien ..
058 Kap 7: Von der Art des Erdreichs oder Grund und Bodens, ...
075 Kap 8: Von der ersten Einführung des mahometanischen Gottesdienstes

Sa-Tartarey__(1747)__

|P_0
105 Kap 1: Von dem Namen, der Lage, Eintheilung, ...
109 Kap 2: Eintheilung von Siberien, und dessen Einwohnern, Mahometanern und Russen; ...
114 Kap 3: Von den heidnischen Völkern in Siberien, und insonderheit von den Wogulitzen und Samojeden
119 Kap 4: Von den Ostiaken
124 Kap 5: Von den Inwohnern des südlichen Theils von Siberien, und insonderheit von den mahometanischen, barabinskischen, kamaskyschen und batskyschen Tartarn und Tongouzen
129 Kap 6: Beschreibung des Halfeilandes und seiner Völker
132 Kap 7: Beschreibung der rußischen Regierung über Siberien
136 Kap 8: Beschreibung des Reichs Astracan, und der Tartarn, die darinnen wohnen
144 Kap 9: Beschreibung der circassischen Tartarn
150 Kap 10: Beschreibung der heutigen grosen Tartarey und der Kalmucken
159 Kap 11: Beschreibung der Usbeker Tartarn und insonderheit des GrosBucharien
165 Kap 12: Beschreibet Charasmia und Turkestan
167 Kap 13: Beschreibung der Tartarn gegen Westen des caspischen Meers
169 Kap 14: Beschreibung der Alanan und Abassen
170: Letzte Seite
----------

|B_Sa-Arabien__(1747)__

|P_9-10
£{Hol-285,06-11}
»Ich komme nun auf die Beschreibung einiger von den vornehmsten Städten der andern Fürstenthümer oder Königsreiche, und zwar erstlich der Stadt Medina, der Hauptstadt des Fürstenthums oder Königreichs dieses Namens, allwo des Mahomeds Grab ist. [...] Es sind verschiedene schöne Moscheen in dieser Stadt, darunter die vornehmste Mos a Kibu, die Allerheiligste genennet wird. Sie stehet mitten in der Stadt, und ist ein viereckigtes Gebäude, das 100 Schritte lang und 80 Schritte breit ist, und auf 400 Säulen ruhet, an welchen 4000 Lampen hangen. Des Mahomeds Grab lieget in einer Capelle dieses Tempels, so mit einem runden Dach gedeckt, und mit eisernen Schranken umgeben ist. Das Grab selbst ist mit einem silbernen Gatter eingefasst, und die Mauer auf allen Seiten mit köstlichem Seidenstoff behangen, der reichlich mit Edelsteinen besetzt ist, welches die Geschenke mahomedanischer Prinzen sind.«

|P_10-11
£{Hol-285,11-16} / £{Hes-208,26} / £{Doe-183',18}
»Mecca lieget ohngefehr zwey hundert Meilen, südwerts von Medina, [...]. Mitten in der Stadt stehet die Kaaba, oder das Haus Gottes, welches, der arabischen Tradition nach, von dem Abraham erbauet worden; und Mahomed hat alle seine Nachfolger verbunden, Zeit Lebens zum wenigsten eine Wallfahrt dahin zu thun. Dieses Haus hat nicht über 15 Fuß in der Länge, und 12 in der Breite, und ist ohngefehr 5 Klaftern hoch. [...] Die Seiten sind mit rothem und weissem Stoff behangen, in welchem folgende Worte verschiedene male eingewürket sind: La Illa Illala, Mahomed Rofoel Allah. Das ist: GOtt ist ein groser GOtt, und Mahomed sein Prophet.
Um dieses Haus herum ist ein groser, breiter und offener Platz, mit einer Gallerie umgeben, die auf Säulen ruhet. Die Pilgrimme von den vier vornehmsten mahomedanischen Secten haben ihre verschiedene Plätze, wo sie ihre Andacht verrichten, in diesem offenen Bezirk. Denn ich finde nicht, daß sie iemals in die Kaaba hinein kommen. Sie ist auch zu klein, daß so viel Volk auf einmal hinein gehen solte. Das Haus ist mit zwey güldenen Bändern umgürtet, und an den auswendigen Seiten mit Damast behangen; [...].«

|P_14
£{Hol-285,17}
»Zur linken Hand bey dem Eingang des Meerbusens von Persien oder Ormus, an der Seite von Arabien, ohngefehr 60 Stunden gegen Nordwesten von Capo Rosalgaat, trifft man Muskat, in der Breite von 23 Graden und einigen Minuten an, dessen Fürst stärker zur See zu seyn scheinet, als irgends einer in Arabien. Es ist die Hauptstadt eines grosen Königreichs, mit Namen Oman.«

|P_16
£{Hol-285,19-20}
»Die Fürstenthümer Mecca und Medina werden iedes von einem Fürsten unter dem Namen eines Sherifs, der aus Mahomeds Geschlecht ist, regieret. [...]; aber das Geschlecht des angemaßten Propheten Mahomed hat seine Herrschaften auch in den berühmten Städten Mecca und Medina und deren umliegenden Landstrichen behalten. Es ist aus seiner Tochter Fatima entsprossen, die zween Söhne, den Hassan und Hussein nach sich liesse. Die Nachkommen des Hassan sind in zween Stämme vertheilt, darunter der eine in Arabien Mecca und Medina seine Fürsten gegeben hat, da hingegen der andere seine Gewalt in Africa fest gesetzet hat.«

|P_21Anm.
£{Hol-285,20-22}
»[...], weil das Stehlen bey den Mahomedanern am meisten verhasst ist, am härtesten bestraft wird, und nicht gar oft vorfället.«

|P_24
£{Hol-285,23-25}
»Nun kommen wir auf die Oberhäupter der herumschweifenden Araber, die in Zelten wohnen. Diese Araber bewohnen das innere Land und sind in Stämme, und ihre Stämme in Geschlechter abgetheilt. Jeder Stamm hat seinen Sheik el Kebir, oder grosen Sheik, und iedes Geschlecht seinen Sheik, oder Hauptmann. [...] Die Sheike oder Emire, die der Türkey am nechsten liegen, müssen, wie man berichtet, zum Theil dem Türken Schatzung erlegen.«

|P_29
£{Hol-285,26-27}
»Die Arabier sind von einer mittelmäsigen, schlanken und schwächlichen Statur, von einer schwärzlichen Farbe; und die schwarzen Haare und schwarzen Augen sind ihnen mit andern Völkern desselben Erdstrichs gemein. Sie sind gegen Hitze und Kälte, und alle andern Ungemächlichkeiten abgehärtet. Ihre Stimme ist mehr weibisch als männlich; Sie werden aber als ein tapferes Volk beschrieben, so mit dem Bogen und der Lanze, und zeithero auch mit dem Geschütz, vortreflich umzugehen weiß.«

|P_29-30
£{Hol-285,27-29} / £{Hol-130,18-131,01} /
»Sie lassen sich den Bart nicht abnehmen, [...]. Ob man schon unter den Prinzeßinnen und Weibern der Grosen einige finden mag, die schön weiß und wohl gestalt sind; so pflegen doch die von der gemeinen Sorte, sehr schwarz und von der Sonnen verbrannt zu seyn. Sie stechen ihe Lippen mit Nadeln, bis das Blut nachgehet, und alsdenn reiben sie Kreite oder Kohlen mit Thier- oder Fischgalle in solche hinein, wodurch sie iederzeit blau aussehen. Also machen sie es auch mit den Winkeln ihres Mauls, an den Seiten des Kinns und auf den Backen. Auch färben sie den Rand ihrer Augenlieder mit einem Pulver, von Tutia vermischt, schwarz, und ziehen noch einen schwarzen Streif von dem Augenwinkel auswerts, damit solche gröser aussehen sollen: weil grose Augen daselbsten vor schön gehalten werden. Sie stechen und ätzen auch Arme und Hände mit allerhand Figuren, und bestreichen ihre Hände mit etwas, so roth aussiehet.«

|P_33
£{Hol-285,29}
»Verschiedene haben ein Loch in der Nase, darinnen sie güldene, silberne, bleierne oder küpferne Ringe tragen, nachdem sie es bezahlen können. Es lässet artig, daß ein Mann seine Frau durch den Ring vor den Mund küsst.«

|P_33-34
£{Hol-285,29-30}
»Allein dieses Volk ist nicht nur wegen seines Herumwanderns bekannt; Sondern auch seiner Dieberey wegen, beides zu Wasser und Land, und dieses nicht nur in kleinen Partheien, sondern gewissermassen vermöge öffentlicher Vollmacht, mit ihren Fürsten an der Spitze. Es haben zwar einige neuere Reisenden, die Arabier wegen ihrer Gerechtigkeit, ihrer Leutseligkeit, Mäsigkeit und anderen Tugenden, gar sehr herausgestrichen; Allein dieses scheinet der allgemeinen Erfahrung zu widersprechen. Oder sie müssen nur diejenige Gerechtigkeit verstehen, die sie unter sich selbst ausüben. Denn Fremde leiden gewißlich durch ihre Rauberey öfters Schaden. Jedoch will ich mir die Freiheit nehmen, dasjenige anzuführen, was der Hauptmann Say von der Gerechtigkeit und andern Tugenden derjenigen Arabier erzehlet, die neben Muskat wohnen. Er spricht: Sie sind in ihrer Aufführung sehr höflich, überaus liebreich gegen Fremde, und thun keinem Menschen Gewalt oder Unrecht.«

|P_35
£{Hol-285,30-286,01}
»Es findet sich auch würklich etwas, so diese arabischen Fürsten gewissermassen zur Entschuldigung dienet. Denn da das Land ihr ist, so könnte sie den Caravanen den Durchzug gar verwehren; und also nehmen sie vieleicht dasjenige, was sie den Caravanen auflegen, statt der Gebühren oder des Zolles. Dieses ist gar wahrscheinlich, weil die Summen eben nicht gar gros seyn müssen, sonst würde es die Caravanen abschrecken, solchen Weg iemals wieder zu erwählen. Vor Privatrauberey aber kann wol kein Land gut seyn. Ihre Raubereyen zur See sind am allerwenigsten zu entschuldigen, allwo nichts, als eine stärkere Macht unsere Kaufleute wider sie beschirmen kann.«

|P_37Anm.
£{Hol-285,30-286,01}
»Es ist kein Scherz, daß sie das Berauben der Caravanen vor erlaubt halten, davon sie sagen, weil Abraham dem Ismael kein Erbgut gegeben, sondern alles dem Isaac zugewandt, so sey ihnen dieser Tribut zu fordern ein Recht.«

|P_44
£{Hol-286,01-03} / £{Hol-148,14-19}
»Jedoch sind in dem wüsten und steinigten Arabien keine gebähnten Wege; sondern die Caravanen reisen über sandige Wüsten, wo keine Spur oder Geleiß zu sehen, und man richtet sich nach dem Compaß, wie zur See, oder nach den Sternen. Denn sie müssen, der Hitze wegen, mehrentheils bey Nacht reisen. [...] Es giebt kein Fuhrwerk mit Rädern in diesem Lande. Alle ihre Waaren werden auf Kameele und Dromedaren geladen. Zwischen welchen, der Gestalt nach, wenig Unterscheid ist; auser daß das Kameel nur einen Höcker, das Dromedar aber zwey Höcker auf dem Rücken hat. Das Kameel ist auch am grösten, und wird sechs bis sieben Centner tragen. Das Dromedar oder Laufkameel aber ist desto schneller, und wird vornemlich zum Reiten gebraucht. Es soll des Tages gar gemächlich, wol 40 französische Meilen traben. So wol das Kameel als das Dromedar, kniet nieder, wenn es seine Last auf sich nehmen soll, und wird im Fall der Noth, 5 bis 6 Tage (einige sagen gar 9) ohne Trinken reisen.«

|P_48
/£{He8,78}
»Die Bücher, so davon [Arabische Sprache] handeln, melden, daß sie allein über tausend Worte haben, womit sie das Kameel ausdrucken können, und wol 500, den Löwen zu benennen; [...].«

/£{Hol-286,04}
»Es wird einhellig zugestanden, daß das Arabische und Hebräische einerley Ursprung habe, [...]. [...] Dem sey nun wie ihm wolle, so ist doch das Arabische die gelehrte Sprache in ganz Morgenland und zum Theil auch Africa geworden, wie das Lateinische in den Abendländern ist; [...].«

|P_52
£{Hol-286,05-07} / /£{He8,70 und 78}
»Die unstäten Araber halten so wenig von Hunden als die Türken, weil sie nach ihrer Religion unrein sind. Jedoch haben sie solche um ihre Lagerplätze als getreue Wächter, [...]. Die aber, so Liebhaber der Jagd sind, wissen der Religion schon ein Mäntelgen umzuhängen, und sprechen daher das Windspiel und der Spürhund wäre ausgenommen, dieweil man beständig Sorge trage, daß sie nichts unreines fressen mögten.«

|P_54
£{Pow-208} / £{Kae-404}
Die abergläubischen Mahomedaner sagen, daß ihr Mahomed von diesen Feinden der Mäuse und Ratten [=sc. der Katzen] ein groser Liebhaber gewesen sey.

|P_58
£{Hol-286,09}
»Arabia ist längst der Küste des rothen Meers durchgehends dürre, [...]. Die Ost- und Süderküste allenthalben meist klippigt, sandigt und bergigt, und an vielen Orten kein grünes Gräsgen zu sehen. Dasjenige Theil von Arabien, welchen Hyemen, oder das glückliche Arabien, genennet wird, bestehet meistens aus sandigen Wüsteneyen oder dürren Bergen.«

|P_59-60
£{Hol-286,10-16}
»Den Dattelbaum findet man nirgends als in Persien und Arabien, und zwar von zweyerley Arten. Der eine trägt Blumen und keine Früchte; der andere hingegen Früchte und keine Blumen. Man solte den letzten nicht unrecht den weiblichen Palmbaum, und den ersten den männlichen Palmbaum nennen. Wie denn auch der Palmbaum, der Früchte trägt, keine Früchte hervorbringet, wenn er nicht von dem Staube des Blumentragenden bestäubet worden. Jeder von diesen Bäumen, der dem andern äuserlich gleich ist, lässet im Frühjahr an der Spitze des Stammes, zwischen den Stengeln seines Gipfels, acht bis zehn Schoten oder Gehäuse hervorschiessen, die auswendig röthlich und inwendig weiß, und äuserlich kaum zu unterscheiden sind, inwendig aber viel anders aussehen. Diese pflegen im Monat Januario diese Scheiden hervor zu bringen, die im Martio einen Ellenbogen lang sind, und wenn sie oben aufspringen, einen Büschel von einer grossen Menge Zweige hervorschiessen, die unter den Scheiden heraushangen. Dieser Zweige der blumentragenden Scheiden sind wol etliche hundert, und machen einen dicken Büschel aus, der wol einen Fuß lang ist. Jeder Zweig hat nach seiner Länge auf die 40 bis 80 Blümgen oder Blüthen, die ein wenig kleiner sind als die Mayenblümgen, [...]. Dieser Staub ist sehr leicht, und fällt auf das geringste schütteln, da er vom Wind hinweg geführet wird.«

|P_62
£{Hol-286,16-17}
»Die Frucht [sc. der Dattel-Palme] allein verschaffet fast alles, was ein Mensch zu seiner Nothdurft nöthig hat. Ob es schon nur eine Frucht ist, was gibt sie nicht vor vielerley Gerichte und Geschmack? [...]; und man gebraucht den Syrob davon gekocht als Butter; [...].«

|P_64f.
£{Hes-157,15}
Der Coffe ist in Asien ohngefehr zwey hundert Jahre im Brauch gewesen. Im Jahr 1652 brachte Herr Edwards, ein türkischer Kaufmann, einen griechischen Diener mit nach England, Coffe zu machen; und dieser Diener Pasqua benamt, ist, wie man versichert, der erste gewesen, der ein Coffehaus allhier gehalten. [...] Man ist vorhin in dem Wahn gestanden, daß diese Frucht nirgends als in Arabien wachsen wolte. Seit dem aber der indianische Oberlandpfleger van Hoorn, auf den Rath des Herrn Witzen, diesen Baum aus Batavia nach den Niederlanden gesandt, und solcher von dar nach Surinam und andern Orten mehr verführet worden, allwo / er überflüße Früchter hervor gebracht hat, so hat die Erfahrung diese Einbildung wiederlegt.

|P_65
£{Hol-286,18-19}
»Ob schon die Aloe in Arabien an mehr als einem Ort gesammlet wird, so kömmt doch aus dem Eyland Sokotora die beste. Sie wächst daselbst im Ueberfluß, absonderlich längst dem Strand hin.«

|P_66-67
£{Hol-286,19-21}
»Wir müssen auch von dem Balsam etwas erwehnen, [...]. Es ist gewiß, daß der Baum, aus welchem er, entweder von sich selbst, oder durch Verwundung eines Messers fliesset, in dem Gebiet des Sjerifs von Mecca, bey dem Dorf Badruina, wie auch an verschiedenen andern Orten in Arabien, wächset. [...]
Aus den Ritzen der Aeste dieses Baums tropft der Opobalsamum im Junio, Julio und Augusto, [...]. Er ist anfangs weiß, wird aber hernach grüne, und endlich gelb und honighaft. Im Anfange ist er trübe, setzt sich aber hernach und wird heller, dick, scharf auf der Zunge, bitter und zusammenziehend. Im Anfang ist er leicht, und schwimmt auf dem Wasser, und hat einen so kräftigen Geruch, daß einigen die Nase davon blutet, hernach wird er dick und sinkt zu Boden.«

|P_67
£{Hol-286,22}
»Daß der Myrrhen, oder Mus auf arabisch, das Gummi oder Harz eines Baums sey, der nebst andern Orten, auch in Arabien zu finden ist, und von dar hinweg geführet wird, darinnen scheinet man eins zu seyn; [...].«

|P_69-70
£{Hol-286,22-23}
»Man findet auch einen Samen, den man Ab el Mosch, oder den Samen des Mosch nennet. Es ist die Frucht einer Pflanze, die zäserigt von Wurzel, [...]. Die Samen werden in Samenhäusgen getragen, sind wohlriechend, aber bitterlich am Geschmack.«

|P_72
£{Hol-286,24-25} / £{Hol-286,27}
»Ohngefehr zween Tagereisen von Sin, nachdem man durch ein bergigtes Land gereiset, kömmt man an den Ort, der in der Schrift Riphidin genennet wird; und nicht weit davon haben die griechischen Mönche verschiedene Gärten, die mit Mauren umgeben und voller Obstbäume und Weinstöcke sind. Hier siehet man den Felsen, den Moses mit seinem Stab schlug, daß Wasser heraus sprang. Es ist ein Stein von ungeheurer Höhe und Gröse, der aus der Erden hervor kömmt, und die Mönche zeigen die Rinnen auf ieder Seite, worinnen das Wasser geflossen; es fliesset aber anietzt kein Wasser heraus. Zwey bis drey Stunden jenseit des Felsens ist ein griechisches Kloster, [...]. Es ist ein sehr sauberes Gebäude, und hat eine schöne Kirche, nebst einem hübschen Garten, in welchem [...], und es scheinet, das meiste und beste Obst, so zu Gros Cairo gegessen wird, kömmt aus der Nachbarschaft des Bergs Sinai her: [...].«

|P_73
£{Hol-286,26-27}
»Das Closter zu St. Catharina unten am Berge Sinai, haben die Griechen über tausend Jahre im Besitz gehabt, weil es ihnen von einigen griechischen Kaisern geschenkt worden.«

|P_75
£{Hol-286,29}
»Mahomet, der Urheber des mahometanischen Gottesdienstes, war in der oben beschriebenen Stadt Mecca, geboren, und zwar im Monat May des 571. Jahrs Christi, [...].«

|P_76
£{Hol-286,29-30}
»[...], bis er 25 Jahr alt war, und alsdann wurde er von einer reichen Witwe, mit Namen Cadigha, in ihren Dienst genommen, für welche er ohngefehr drey Jahre zu Damascus und andern Orten mehr handelte. Weil nun die Witwe von der Person und den guten Eigenschaften ihres Dieners gerühret wurde, sahe sie vor gut an, ihn in dem acht und zwanzigsten Jahr seines Alters, als sie selbst ohngefehr vierzig Jahre auf sich hatte, als einen Ehemann in ihr Bett aufzunehmen. Durch diese Heirath wurde Mahomet einer der reichsten Kaufleute zu Mecca.«

|P_77
£{Hol-286,30-287,01}
»Er begab sich demnach alle Morgen nach der Höle zu Hira, neben Mecca, allwo er den ganzen Tag blieb, und sich, wie er vorgab, im Gebet, Fasten und in gottseligen Betrachtungen übte. [...] Wenn er des Abends wieder nach Mecca zurück kam, so pflegte er seiner Frau, der Cadigha die Gesichte, die ihm erschienen, und die seltsamen Stimmen, die er in seiner Einsamkeit gehöret hatte, zu vertrauen. [...]. Er fuhr aber immer fort, ihr den vertraulichen Umgang, den er mit dem Engel Gabriel hätte, zu entdecken, und seine gehabte Erscheinungen mit solchen Versicherungen zu wiederholen, daß die Frau endlich übertäubet wurde, solchen einigen Glauben beyzulegen; [...].«

|P_78
£{Hol-287,03}
»Abu Beker, einer der reichsten Leute zu Mecca, war sein vierter Jünger, [...]; Und sein Exempel zog bald darauf den Osman, nebst sieben bis acht andern nach sich, die hernach die Obersten Befehlshaber seiner Kriegsheere, und grosse Werkzeuge wurden, sein Reich zu gründen, und seine Religion in der Welt fortzupflanzen.«

|P_79
£{Hol-287,02-03}
»Diese Offenbarungen gab der Betrüger stückweis heraus und lehrte seine Jünger, daß das Buch selbst unter den Verzeichnissen des Himmels aufbehalten wäre; und der Engel Gabriel ihm solches von Stück zu Stück überbrächte, um solches der Welt bekannt zu machen.«

|P_81
£{Hol-287,07-09}
»Denn er gab seinen Nachfolgern zu erkennen, daß Gott der Herr den Mose und Jesum mit der Gewalt Wunder zu thun gesandt hätte, und dennoch hätte ihnen die Welt nicht gehorchen wollen; dahero er ihn nun zu allerletzt ohne Wunderwerke gesandt, sie durch das Schwerdt zum Gehorsam zu bringen. [...]
Immittelst schreiben dennoch einige von ihren Legendenerzehlern dem Mahomet verschiedene Miracul zu: Als, daß er den Mond in zwey Theile zerspalten. [...] Und daß eine Schulter von einem Schöps ihn gewarnet, nicht davon zu essen, weil solche vergiftet gewesen. [...]; und er gestehet in seinem Koran selbst, daß er mit keinen Wunderwerken ausgerüstet sey.«

|P_82
£{Hol-287,05-06}
»Und es wird einhellig zugestanden, daß der Koran, was die Schreibart und Sprache betrifft, ein rechtes Hauptmuster der Zierlichkeit in der arabischen Mundart sey; [...].«

|P_84
£{Hol-287,10-12}
»Dieweil Cadigha, des Mahomets erste Ehefrau um diese Zeit den Weg alles Fleisches ging, so heirathete er zwo andere, nemlich die Ayesha, des Abubeckers Tochter, und Sewda, die Tochter des Zama; und nicht gar lange hernach Haphsa, die Tochter Omars. Da nun solche aus drey sehr ansehnlichen Familien in Mecca waren, so hoffte er seine Parthey nicht wenig dadurch zu verstärken.«

|P_84
£{Hol-287,13}
»In dem zwölften Jahr gab er vor, er sey von dem Engel Gabriel hinauf in den Himmel geführet worden. [...] Er erzehlet ihnen, daß die 7 Himmel so weit von einander entfernet wären, [...].«

|P_85-86
£{Hol-287,14}
»Mahomet fuhr fort, seine Jünger auch in einige andere Städte in Arabien auszusenden, daß sie seine neue Lehre daselbst fortpflantzen mögten. Allein sie wurden nirgends so geneigt aufgenommen als zu Medina, [...]«

|P_86
£{Hol-287,14-16}
»Von dieser Flucht des Mahomets von Mecca nach Medina nimmet die Hegira, welches der Mahometaner Aera oder Jahrrechnung ist, ihren Anfang, und wurde von Omar dem Dritten Beherrscher der Saracenen zu erst Hegira, welches in der arabischen Sprache eine Flucht zu bedeuten scheinet, genennet; da nun des Mahomets Flucht von Mecca, am 16. Juli des 622. Jahrs unsers Heilandes geschahe, so rechnen die Mahometander von dieser Zeit an ihre Jahre, wie die Christen von der Menschwerdung unsers Heilands an, zu thun pflegen.«

|P_87
£{Hol-287,17}
»Nachdem sich Mahomed zu Medina festgesetzt hatte, verheirathete er seine Tochter Fatima an seinen Vetter Haly

|P_88-89
£{Hol-285,14-15} / £{Hol-287,17-18}
»In dem andern Jahr der Hegira, AD 623. veränderte der Betrüger die Kebla, oder den Ort, gegen welchen seine Nachfolger ihre Andacht richten solten. Er hatte seinen Jüngern vorher geboten, Ihr Gesicht, wenn sie beteten, gegen Jerusalem zu kehren, welches er die heilige Stadt, oder die Stadt der Propheten nennte, und war gesonnen seine Wallfahrten dahin zu verlegen. Weil er aber bemerkte, daß seine Nachfolger noch immer eine grose Ehrerbietung für den Tempel zu Mecca hegten, der etliche hundert Jahre her der vornehmste Ort der abgöttischen Verehrung der Araber gewesen war, so änderte er seine vorige Entschliessung, und gebot seinen Jüngern, ihre Gesichter, wenn sie beteten, nach Mecca zu kehren.«

|P_89-90
£{Hol-287,18-19}
»Wurde aber neben Mecca von Abu Sophian, der die Truppen von Mecca commandirte, selbst geschlagen, [...]. [...], stellte er vor, daß ihr Schicksal unvermeidlich gewesen; und wenn sie auch gleich daheim in ihren Behausungen geblieben wären, so würden sie dennoch haben sterben müssen, weil das Lebensziel eines ieden Menschen von Gott vorher verordnet und bestimmet sey, welches er nicht überschreiten oder verlängern könnte: [...].«

|P_92
£{Hol-287,19-20}
»Indem Mahomet nunmehro eine Armee von zehen tausend Mann auf den Beinen hatte, so marschirte er wieder auf Mecca loß, und überrumpelte die Stadt, unter dem Vorwand, daß die Einwohner den Stillstand, den er mit ihnen getroffen, gebrochen hätten.«

|P_92
£{Hol-287,21}
»[...] fiel einer von seinen Hauptleuten plötzlich todt nieder zur Erden, weil er durch einen Hammelsbug, den die Tochter des Hauses für den Mahomet selbst zubereitet, und davon er eben zulangen wollte, auch schon so viel davon zu sich genommen hatte, daß er hernach niemals recht wieder gesund wurde, ob er schon erst drey Jahre darauf starb, vergiftet worden war: [...].«

|P_93
£{Hol-287,20}
»In einer noch andern Schlacht aber schlug er sie, und zwang sie, seine Religion anzunehmen, und zerstöhrte alle ihre Götzen, wo er hinkam; und brachte nicht nur den meisten Theil von Arabien, sondern auch einige Städte von Syrien, die damals unter des griechischen Kaisers Herrschaft stunden, unter seine Gewalt.«

|P_98
£{Hol-287,09-10}
»Und ob es wol nicht zu läugnen stehet, daß Mahomet ein sehr schändlicher Betrüger gewesen ist, so werden ihm doch auch sehr viele Dinge aufgebürdet, wozu sich wenig oder gar kein Grund findet.«

|P_99-100
£{Hol-287,21-23}
»Zum Beschluß von Arabien müssen wir noch etwas weniges von der Wallfahrt nach Mecca beyfügen. Denn es ist denen von der mahometanischen Religion geboten, zum wenigsten ihr Lebtage einmal eine Wallfahrt nach Mecca anzustellen. [...] Das Land ohngefähr 10. Meilen um Mecca herum, nennen die Mahometaner ihr heiliges Land, in welches kein Christ und kein Heide bey Strafe, lebendig verbrannt zu werden, hinein kommen darf.«

|P_100
£{Hol-287,22}
»Die vornehmsten Ceremonien, welche die Pilgrimme zu Mecca vollziehen, sind, daß sie siebenmal in Proceßion um des Abrahams Kapelle herum gehen, den schwarzen Stein küssen, eine gewisse Zeit auf dem Berg Arafat zubringen, ein Schaf auf dem Berg Menah, zum Gedächtniß des Abrahams, als er seinen Sohn opfern wollen, opfern; aus dem Brunnen Zemzem trinken; sieben mal zwischen den kleinen Bergen Safa und Merva hin und wieder laufen, [...].«

|P_101
£{Hol-287,22}
»Von dem Brunnen Zemzem, aus dem sie bey ihrer Proceßion trinken, sagen sie, daß solcher durch ein Wunderwerk zu Erhaltung des Ismaels, als er vor Durst verschmachten wollen, hervor gebracht sey: Denn als der Engel zu der Hagar gekommen, habe er ihr befohlen, sie solte den Knaben mit seinem Fuß stampfen heissen. So bald er dieses gethan, wäre das Wasser aus dem Brunnen gesprungen, davon er seinen Namen habe. Weil das Wort Zemzem stampfen, oder stossen bedeute.«

|P_103
£{Hol-287,23}
»Und derohalben trifft man in Persien überall sehr viele Araber an, die sich davon erhalten, daß sie die Wallfahrt nach Mecca vor andere verrichten.«

|B_Sa-Tartarey__(1747)___

|P_105-106
£{Hol-287,24-28}
»Es [ sc. das Land 'Tartarey' ] hat seinen Namen von einem gewissen Stammvater aus einem alten türkischen Geschlecht, welcher Tartar geheissen. Der Name seiner Nachkommen wird aus Irthum allen Völkern beygelegt, die Asien gegen Norden wohnen, ob sie schon einen ganz andern Ursprung haben; weil vieleicht eine Zeit gewesen ist, da dieses Volk in grösern Ansehen gestanden, und den westlichen Völkern damals bey diesem Namen bekannt worden ist.
Die asiatische Tartarey, so das alte Scythien, oder ein Theil davon ist, grenzte vor diesem in Norden an dem Eismeer, (der Strase von Nova Zembla oder der Waaigaten) in Osten an der Ostsee (oder dem See Kamtzchatka) in Süden an China, Indien, Persien und dem caspischen Meer; und in Westen an dem Fluß Oby und einer eingebildeten Linie, die von dar bis an die Mündung der Wolga gezogen war. Heut zu Tag aber hat die Tartarey viel engere Grenzen, indem das nördliche Theil, von dem arabischen Gebürge ostwerts an, nach einer ehemaligen Stadt Siber, ietzt Tobolskoi benamt, Siberien; und das südliche Theil Tartaria oder die Tartarey genennet wird.
Ich will zuvörderst von der moscowitischen Tartarey, oder Siberien handeln, welches sich ostwerts bis an den Fluß Argun oder Amur, oder die See Kamtzchatka erstrecken soll; [...].«

[Sibirien]

|P_109
£{Hol-287,29-32}
»Ich werde den ganzen Theil von der moscowitischen Tartarey, die gegen Osten der Oby, gegen Westen, dem Meer Kamtzchatka, und gegen Norden, der chinesischen Tartarey lieget, unter dem allgemeinen Namen Siberiens begreifen, ob schon der nord-westliche Theil öfters Samojeda, und der nordöstliche Theil das Land der Ostiaken genennet wird.
Dieses grose Theil der Welt wird heut zu Tage hauptsächlich von dreyerley Arten Menschen bewohnet, nemlich von Heiden, die diese Länder von Alters her innen gehabt haben; 2 Von tartarischen Mahometanern, denen die Russen solches abgenommen haben; und 3 von Russen, die ietzt Meister davon sind.
Die heidnischen Siberier sind in verschiedene Völker vertheilet, [...].«

|P_112-113
£{Hol-288,05-09}
»Das Nordtheil von Siberien, bringt weder Getreide noch Früchte herfür, so, daß alles was bey Norden der 60. Grade liegt, ganz ungebauet ist, [...]. Das ganze südliche Theil von Siberien ist ausnehmend fruchtbar, und bedarf nicht wegen desjenigen, was zum Unterhalt des Lebens nöthig ist, gebauet zu werden. Das Weideland daselbst ist unvergleichlich. Die Flüsse wimmeln von allerhand Fischen. Die Bergwerke liefern das ihrige auch. Nemlich nahe bey der Stadt Argun Silber. Bey Nerzinkooi Kupfer. Die zu Uktus und Kongour an den Grenzen des Reichs Kosan Eisen, worinnen man bereits beschäftigt ist. Ganz Siberien ist voll Wild und wilder Thiere, deren Felle gutes Pelzwerk abgeben.«

|P_116
£{Hol-114,13-15}
»Ich will von den Samojeden und Ostiaken, die das Nordtheil der moscowitischen Tartarey bewohnen, eine so gute Beschreibung mittheilen, als ich sie bey den neuern Scribenten antreffen kann. Sie sind von einer kurzen, untersetzten, niederstämmigen oder krummenden Gestalt, absonderlich ihre Weiber, die sehr kleine Füßgen haben. Ihre Farbe ist gelblich oder lohfarb, wie derer in den heissen Himmelsgegenden. Wie man denn angemerket, daß auserordentliche Hitze und äuserste Kälte, so wol in diesem, als in andern Stücken, einerley Würkung haben. Sie haben kleine lange Augen, herausstehende Backenbeine, breite flache Gesichter, und überhaupt eben kein allzu annehmlich und liebreizendes Wesen an sich. [...] Die Männer haben fast gar keinen Bart; daher man sie kaum von den Weibern unterscheiden kann. Sie tragen rauche Mützen, nebst Unter- und Beinkleidern von gleichem Gemächt, und fast ganz weisse Halbstiefel; [...]. Der Zwirn, dessen sie sich bedienen, bestehet aus den Sennen der Thiere.
£{Hol-289,06f.}
Ihre Häuser sind von Stangen und Aesten der Bäume gebauet, und mit Rinde gedeckt. Sie sind fast in Gestalt eines Bienenstocks, und haben oben ein Loch, wo der Rauch hinaus ziehet. Denn das ganze Haus bestehet nur aus einem einzigen Gemach, [...].«

|P_117
£{Hol-289,11-14}
»Sie essen Pferde, Rind, und Schaffleisch, wie auch Wildprät und Fische, wie es ihnen vorkommt: Meinen aber, es sey alsdenn am appetitlichsten, wenn es schon fein stark an zu schmecken fänget, und ziehen die Kaltaunen allen andern Fleisch vor; gebrauchen auch bey ihrer Mahlzeit weder Brodt noch Reis, noch Salz. [...] Die Samojeden stellen denen [sc. Renthieren], so wild sind, Netze, und jagen sie im Winter; haben hölzerne Schlittschuhe an, mit welchen sie mit ungemeiner Geschwindigkeit auf dem Schnee über Berg und Thal hinweg laufen; [...].«

|P_120-121
£{Hol-289,15-16} / £{Hol-289,19-20}
»Die Ostiaken sind bey nahe gestalt wie die Russen, aber gemeiniglich kleiner, und von einer mittelmäsigen Länge. [...] Ihre Speise ist vornemlich Fisch, Wildpret, wilde Vögel und Wurzeln. Denn sie haben weder Reis noch Brod. Ihr Getränk bestehet meistens aus frischem Wasser, und bisweilen trinken sie auch das Blut der Rennthiere, oder anderer wilden Thiere, die sie fangen. Ja, man berichtet, daß sie mit einem Schluck Tranöl vorlieb nehmen können. Dem Toback sind sie unmäßig ergeben. An statt aber den Rauch zum Munde heraus zu blasen, halten sie ein wenig Wasser im Maul, mit welchem sie den Rauch hinunter schlucken. [...] Ihre Kleider sind Fischhäute, und vornemlich die von Stöhren. [...] Ihr Häuser sind der Samojeden ihren, die bereits beschrieben worden, fast in allen gleich. [...]«

[Kamtschatka]

|P_130
£{Hol-291,15-17}
»Die Kamtzchadaleren sind besser von Sitten und Gestalt, als ihre Nachbarn, die an dem Norden wohnen; Sie gehen auch besser gekleidet, und haben bessere Kost.«

[Astrachan]

|P_137
£{Hol-291,21-25}
»Die Tartarn-Vorstadt ist von den andern abgesondert, und von Ziegeln gebauet, die an der Sonne gedörret sind. Die Tartarn bewohnen sie nur im Winter. Denn des Sommers schlagen sie ihr Lager nur im freien Feld auf. [...] Fische gibt es im Ueberfluß. Sie haben eine Art, Beluga genannt, die zwo Klaftern lang seyn soll. Die delicatesten Fische in diesem Fluß aber, wo nicht in allen andern, sind nach dem Bericht einiger Reisenden die Sterleten.«

|P_137-138
£{Hol-289,06-09} [ Nicht die Quelle ]
»In den Gärten um die Stadt sind Weinstöcke und Obstbäume, die Aepfel, Birnen, Plaumen und Abricosen tragen; [...]. Drey oder vier Wersten von Astracan ist das Lager der Tartarn. Ihre Zelten, oder vielmehr Hütten, sind in der Figur eines Bienen_Korbs gemacht. Der Heerd ist in der Mitte, und oben ein Loch, den Rauch hinaus zu lassen; Des Nachts aber, wenn das Feuer ausgegangen ist, decken sie es genau zu; da denn das Zelt so warm, als eine Stube ist.«

|P_138-139
£{Hol-291,25-292,01}
»Monsieur Pousset, den der Czar Petrus_I nach Astracan sandte, ihre Weinberge und Seiden-Manufacturen in besseres Aufnehmen zu bringen, erzehlet, daß er Franzwein, oder Stöcke aus Frankreich in dem Königreich Astracan gepflanzet, die verschiedene Art Wein von eben derselben Farbe und Geruch hervor gebracht, der aber dieselbe Stärke nicht gehabt, wie der in Frankreich: [...]. Er setzt hinzu, daß Astracan ein sehr fruchtbares Land seyn würde, wenn es, wie andere Oerter, mit gnugsamen Regen versehen wäre. Alleine so sähe man, auser etlichen kleinen Platzregen im Frühling von kurtzer Dauer, von dem Martio an bis in den September keinen Tropfen Regen; sondern das Land sey wie verbrannt, und nicht vermögend, Getraide oder Obst hervorzubringen, auser, wo man das Wasser durch Röhren oder Gräben, aus den Brunnen und Flüssen auf das Land leiten könnte. [...] Allein ich bemerke, daß der Fluß Wolga gewisser Massen an Statt des Regens dienet, wie der Nilstrohm. Denn er überschwemmet das anliegende Land im Frühling, an ieder Seite, auf die 20 bis 30 Meilen, und machet den Grund so fruchtbar, daß das Gras in einem Monat wol einer Ellen hoch schiesset.«

|P_141
£{Hol-292,01-02}
»Die in diesem Reich sich aufhaltenden nagaischen Tartarn, sind bey nahe von eben der Gestalt, wie die von Dagestan. Auser, daß sie noch darzu das heßliche Gesicht voller Runzeln haben, wie ein altes Weib.«

|P_142
£{Hol-292,02-03}
»Sie [die Kosaken am Jaikus [Ural]] werden an der Ostseite von den Kalmucken der Kasatchia Orde [Horde] und Karakalpaken umgeben, und haben sich in grosen Dörfern längst dem Ufer des Jaikus in den 50 Graden Norder_Breite, bis zu seiner Ergiessung in das caspische Meer, ausgebreitet.«

|P_144
£{Hol-292,06-07}
»Ich wende mich nun zur Beschreibung der circassischen Tartarey. Dieses Land wird gegen Osten von Astracan und dem caspischen Meer begrenzet. In Westen liegt es gegen den Fluß Don und dem meotischen Meer, und in Norden am schwarzen Meer und Rußland.« [Gemeint ist das Gebiet zwischen Wolga und Don bzw. dem Asowschen und Caspischen Meer, südlich davon liegt Dagestan; wie aus der beigegebenen Karte hervorgeht.]

|P_145
£{Hol-292,07-10}
»[...]; und es fänden sich sehr viele ungemein schöne Weiber unter ihnen. Von hier demnach, und von dem benachbarten Georgia, werden, wie es scheinet, die Horame oder Seraglio zu Ispahan und Constantinopel hauptsächlich mit Frauenzimmer versehen. [...] Es wächst fast alles daselbst von sich selbst. Zum wenigsten geräth alles, was sie säen, welches gemeiniglich Gerste, Haber und Kümmel ist, unvergleichlich, wenn sie die Erde nur ein klein wenig aufgewühlet haben, daß sie die Saat einnehmen kann. (Doch kann ich hier nicht umhin anzumerken, daß diese Nachricht in Ansehung des Erdreichs, von demjenigen, was andere Reisenden davon erzehlen, gar sehr unterschieden ist, welche Circaßia gemeiniglich als ein unfruchtbares Land vorstellen. Da sie aber gleichwol alle darinnen übereinkommen, daß grose Heerden Vieh daselbst geweidet werden, so muß es nothwendig gute Gräserey und Weide hervorbringen, und folglich auch genug Getraide, wenn es recht gebauet wird.«

|P_149
£{Hol-292,10-12}
»Da nun ihre Schönheit und Unschuld der Grund aller dieser gehoften Herrlichkeit ist; also wird, diese beyde Kleinode unversehrt zu erhalten, ganz besondere Sorge angewendet.
Die Kinderpocken oder Blattern, die grausamen Feinde der Schönen, werden daher ihren Kindern, wenn sie vier bis fünf Jahre alt sind, gemeiniglich entweder durch Inoculation oder Einpfropfung, oder auf andere Weise, nachdem sie dieselben gehörig dazu vorbereitet haben, beygebracht; Und vermittelst dieses Kunststückgens kommen sie, wie man versichert, so leichte durch, daß ihrer Schönheit nicht das geringste dadurch benommen wird.«

|P_150f.
Nun müssen wir, der Ordnung zu Folge, die wir uns vorgenommen haben, nach der Beschreibung desjenigen Welttheils, das vormals bey dem allgemeinen Namen der Tartarey bekannt gewesen, und nun Siberien genennet wird, nebst den Ländern und Völkern, die unter Moscau gehören, von dem südlichen Theil desjenigen / Landes handeln, welches heut zu Tage den Namen der grosen Tartarey führet. Diese wird nunmehro in Norden von Siberien, in Osten von dem Kamtzchatker Meerbusen, in Süden von China, dem eigentlichen Indien, Persien, dem caspischen Meer und dem Jaikus begrenzt.
»Die Völker, so die eigentlichen Wohnplätze derjenigen innen haben, welche bey besondern Namen ganz Asien, oder den grösten Theil davon, mehr als einmal überschwemmet haben, werden heut zu Tage durch drey Namen von einander unterschieden; nemlich der Moungalen, Kalmucken und Usbekers; darunter die ersten zweie Heiden, und die letzten Mahometaner sind. Von den ersten, die China zinsbar, oder vielmehr mit Freundschaft zugethan sind, wird in der Beschreibung solches Reichs gehandelt; [!]

£{Hol-293,13-14}
Daher wir nun den Zustand der Kalmucken und usbekischen Tartarey untersuchen wollen. Das Land der Kalmucken, welches in der schönsten Himmelsgegend der Welt liegt, wird in Norden von Siberien; in Osten von der Mogul oder moungalschen Tartarey und China; in Süden von Thibet, Ava, den Ländern des grosen Moguls, und der usbekischen Tartarey, und in Westen von Turkestan, dem caspischen Meer, nebst dem Königreich Astracan oder den Kosacken begrenzet; daß sie also ein Stück Landes einnehmen, das sich 500 teutsche Meilen in die Länge, und 300 in die Breite erstreckt.«

|P_151-152
£{Hol-293,15-16}
»Die Kalmucken sind heidnische Tartarn, und fast die ansehnlichsten der drey türkischen Völker, die heut zu Tage die grose Tartarey bewohnen. Gleichwie sie die einzigen Tartarn sind, die heut zu Tage die alte mogolsche und türkische Sprache annoch unverfälscht reden; [...]; sie sind, mit einem Wort, die wahren Mogole, und ihre Chan die rechten Nachfolger in dem mogolischen Reich.
£{Hol-293,11-12}
Was den Namen der Kalmucken oder Kalmacken betrifft, ist solches ein Zuname, der ihnen von den mahometanischen Tartarn, aus Haß gegen ihre heidnische Abgötterey gegeben und vermittelst der Russen bey uns bekannt worden. Sie halten diesen Namen selbst für einen Schimpfnamen, und meinen, daß ihnen der Titul der Mogoln mit weit besserm Recht, als ihren Nachbarn, zukomme; [...]. Dieses Volk ist heutiges Tages in drey Stämme vertheilt, nemlich, 1. die Kalmacken Dsongari; 2. die Kalmacken Koschoti; und 3. die Kalmacken Torgauti. [...] Die ersten, nemlich die Kalmacken Dsongari, sind die vornehmsten und mächtigsten, und bestehen aus einer unzehligen Zahl kleiner Stämme oder Geschlechter. [...]
£{Hol-293,17-18}
Die Kalmucken Koschoti haben das ganze Reich Tongut innen, und sind Unterthanen des Dalai Lama, der sie beständig durch zwey Chan regieret, davon der eine Tibet und der andere Tangut beherrschet.
Die torgautischen Kalmucken sind die geringsten unter den Kalmucken, und wohnten vor diesem an den Grenzen von Turkestan und waren Unterthanen des Kontaisch. [...]
Obschon diese letzten Stämme alle beide ihre besondern Oberhäupter haben, so hat doch der Kontaisch gewisser massen eine Herrschaft über sie, und suchet Hülfe bey ihnen, wenn er gegen China, die Mongalen und mahometischen Tartarn in Krieg verwickelt ist.«

|P_154
£{Hol-121,15-122,02}
»Die Kalmucken sind kurz und dick, von keinem gar zu annehmlichen Wesen, und einer Olivenfarbe. Herr Motray in seiner Beschreibung der nogaischen und kalmuckischen Tartarn meldet, daß sie breite viereckigte Gesichter, kleine und tief im Kopf liegende Augen, und solche kurze Nasen haben, daß man ein wenig von ferne denken solte, sie hätten gar keine. Der Baart wächst ihnen struppicht und dünne, daß man bey nahe die Haare zehlen kann, [...].«

|P_157-158
£{Hol-293,23-25}
»Wir haben des Dalai Lama nur beyläuffig erwehnet, müssen aber denselben noch etwas genauer beschreiben. Er ist als ihr Pabst oder Hoherpriester, wie sein Name in der moungalischen Sprache anzeigen soll: da Lama einen Priester, und Dalai einen weiten Raum und Ocean bedeute. [...] Die Lamae sind grose Vertheidiger der Seelen_Wanderung. Obschon einige eben nicht meinen, daß sie ihrem Wesen nach, sondern nur ihrer Würkung nach, in einem andern Leibe hausire.«

|P_159-164 Das XI. Kapitel. Beschreibung des Usbeker Tartarn und insonderheit des Gros-Bucharien.
£{Hol-292,13-22}
Nun kommen wir zu dem letzten Theil, nemlich der mahometanisch-gesinnten Tartarn. Diese bewohnen Turkestan, Charasmie, und GrosBucharien: welche letztere zween, des Mogols Unterthanen, die Usbeker Tartarn heissen.
Die Usbeker Tartarey stösst in Norden gegen das Land der Kalmucken; in Osten gegen Tibet; in Süden gegen Indien oder das mogolsche Reich; und in Westen gegen Persien und das caspische Meer an.
In diesem Strich Landes liegen 3 besondere Provinzen. Davon die erste Gros-Bucharien genennet wird, und in Norden gegen die Kalmucken; in Osten gegen Klein-Bucharien; in Süden gegen die Länder des grosen Mogols und Persien, und in Westen gegen Charasmia lieget, ist wol 150 teutsche Meilen lang und auch bey nahe so breit. Es ist der beste und volkreichste Theil von der ganzen grosen Tartarey, und wird in drey Provinzen eingetheilt, davon die eine Maurenner genannt, Samarkand zur Hauptstadt hat, und das nördliche Theil von Gros-Bucharia ausmachet. Das andere und mittelste dieser dreyen führet auch den Namen Gros-Buchariens, und hat Bucharia zur Hauptstadt, die der gantzen Provinz ihren Namen beyleget; und das dritte, so die Stadt Balk zur Hauptstadt hat, und den Namen davon führet, machet das südl. Theil von Gros-Bucharia aus.

|P_160
£{Hol-292,15}
Samarkand, ehemals die Hauptstadt von Timur Bek oder des grosen Tamerlans, die von ihm mit prächtigen Gebäuden gezieret worden, und wohin er alle Künstler führte, die er in seinen eroberten Ländern fande, [...].
Buchara ist die Hauptstadt des Chans von Gros-Bucharien, [...].

|P_161
£{Hol-292,17}
Balk, die Hauptstadt der Provinz dieses Namens, und Hoffstatt eines Chans der usbekischen Tartarn, [...].

|P_164:
Die vornehmsten Chane oder Fürsten des Landes thun damit gros, daß sie von dem grosen Tamerlan herstammen, mit welchem Ehrgeiz sich der Mogol gleichfals kützelt.

|P_165 Das XII. Kapitel / Beschreibet Charasmia und Turkestan
Die übrigen Theile von den mahometanischen Tartarn in der usbekischen Tartarey auch mitzunehmen, müssen wir noch von Charasmia und Turkestan handeln.
Das letzte liegt, mit den Staaten des Contaisch Chans, dem ersten gegen Norden; Maurenner, einer Provinz von Gros-Bucharien, gegen Osten; Astarabat und Chorasan, zwo Provinzen von Persien, gegen Süden, wovon es durch den Fluß Amu, oder den vor Alters berühmten Oxus, und durch grose sandige Wüsteneyen abgesondert ist. Im Westen wird es von dem caspischen Meere beströhmt. Es liegt zwischen dem 38 und 43 Graden der Breite, und ist, wo es Wasser bekömmt, sehr fruchtbar.

|P_166
Wir wollen mit Turkestan die Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des grosen Tartarey beschliessen. Seine Grenzen werden im Norden vom dem Fluß Jamba beströhmet, indem die Arendsberge, welche da nur in Hügeln bestehen, das übrige begrenzen. Die Herrschaft des Contaisch, des grosen Chans der Kalmucken schliessen es an Osten ein; die Provinz Gros-Bucharien in Süden; und das caspische Meer in Westen. Die gröste Länge desselben ist 70 teutsche Meilen, und die Breite fast eben so gros.

|P_167
£{Hol-292,23-24}
Die Tartarn, welche ietzt das Land Dagestan bewohnen, sind die heßlichsten unter allen Tartarn. Sie sind klein, aber grob, und gleichen, auser den Augen, den Kalmucken am meisten. Ihr Haar ist sehr schwarz und so starr wie Sauborsten, und hängt ihnen herab bis auf die Schultern.

|P_168
£{Hol-292,24}
Denn die Männer sind allezeit bewaffnet, und thun den ganzen Tag nichts, als daß sie lauren, ihre Gelegenheit in Acht zu nehmen. Denn ihr gantzes Thun ist fast nichts als plündern und rauben.


Datum: 11.07.2006 / ... / 02.07.2012 / ... / 16.05.2018 / 10.12.2020 /
01.06.2021 / 27.10.2021 / 02.12.2021 / 13.06.2022