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Lulofs (1755)

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Johan Lulofs, Einleitung zu der mathematischen und physikalischen Kenntniß der Erdkugel
(Göttingen / Leipzig 1755)
Exemplar:  <4> XIII d B 133 / Digital: ETH Zürich
Das niederländische Original erschien: Leiden 1750; eine Besprechung in den Göttingischen gelehrten Anzeigen, Nr. 113 (Jg. 1754) kündigt eine deutsche Übersetzung an.

Nach Warda 1922, S. 25 hat Kant ein Exemplar besessen: Warda 1922.
Ak, I: 444,02 / II: 004,15 / VIII: 319,15

Namentliche Erwähnung oder Bezüge: £{He8: p. [7], 12,(2), 14, 15, 12. 47, 48}


P_ ist nachfolgend bezogen auf die §§

Zwei Teile: I. physikalisch II. mathematisch


1. Teil [Hauptstücke]

1. Gestalt der Erdkugel / S. 1 / § 1
2. Größe der Erde / S. 65 / § 40
3. Jährliche und tägliche Bewegung der Erde / S. 91 / § 60
4. Der Mond (als Begleiter der Erde betrachtet) / S. 126 / § 86
5. Das feste Land und desselben allgemeiner Abtheilung / S. 138 / § 115
6. Inseln und Halbinseln / S. 147 / § 132
7. Berge überhaupt / S. 172 / § 157
8. Stellung und Zusammenordnung [Lage und Beschaffenheit] der Berge / S. 178 / § 165
9. Höhe der Berge / S. 186 / § 186
10. Berge inwendig betrachtet / S. 202 / § 206
11. Brennende und feuerspeiende Berge / S. 213 / § 225
12. Die See und ihre Eigenschaften / S. 232 / § 242
13. Ebbe und Fluth / S. 258 / § 286
14. Die übrigen Bewegungen der See / S. 276 / § 319
15. Seen und Sümpfe / S. 283 / § 330
16. Brunnen / S. 295 / § 344
17. Flüsse / S. 326 / § 375
18. Veränderungen der Erde, vornehmlich ihrer Oberfläche / S. 355 / § 404
19. Dunstkreise der Erdekugel / S. 392 / § 433
20. Bewegungen und Wirkungen des Dunstkreises / S. 410 / § 457 => S. 430 + Tafeln


2. Teil / separat paginiert; die §§ laufen fort

1. Erklärung einiger Wörter, die in der Geographie gebraucht werden. / S. 1 § 474
2. Breite der Oerter / S. 6 / § 483
3. Vom Jahre und den Jahreszeiten / S. 29 / § 500
4. Abwechslungen des Tages und der Nacht / S. 44 / § 524
5. Die Dämmerung / S. 70 / § 555
6. Von der Erwärmung der Erde durch die Sonne / S. 93 / § 575
7. Eintheilung der Oberfläche der Erde in Himmelsstriche [Zonen] / S. 111 / § 597
8. Länge der Oerter / S. 131 / § 618
9. Abstand der Oerter auf der Oberfläche der Erdkugel / S. 156 / § 637 => S. 174 / § 648



1. Teil

[1. H'stück]

/|P_007
£{Hol-112}
Die kugelrunde Gestalt der Erde, wird auch überzeugend durch Reisen dargethan, die verschiedene Europäer rings um die Erde verrichtet haben. Der erste der solche Reise unternommen hat, ist der portugiesische Ritter Ferdinand Magellan gewesen, von welchem die magellanische Straße, [...], ihren Namen erhalten hat.

/|P_009
£{Hes-078}
/Hieraus [aus Messungen von Cassini] wurde geschlossen, daß die Grade der Breite kleiner würden, wenn man sich den Polen näherte, aber wüchsen, wenn man an den Aequator käme. So müste der erste Grad der Breite grösser seyn als der zweyte, und der zweyte grösser als der dritte u. s. f. wenn dieses wäre, so würde die Erde keine eingedruckte Gestalt haben, wie sich Newton und Huygens vorgestellt haben, und wir in der Folge sehen werden, sondern vielmehr eine Eyrunde, so daß der Strich, der beyde Pole zusammen hängt, grösser seyn müste, als derjenige, der durch den Aequator geht.

/|P_011
£{Hes-078}
/Bey diesen Bestimmungen des Herrn Cassini und seinen Gehülfen, haben es die meisten französischen Meßkundiger beruhen lassen, obgleich Newton [Anm: y) Princip. Philos. I. 3. prop. 19. und vor ihm unser berühmter Huygens das Gegentheil aus unwidersprechlichen Gesetzen der Natur geschlossen hatten, worinnen ihnen auch viele andere nach der Zeit gefolget haben, [...].

/|P_012
£{Hes-078}
/Es wird künftig zu unseren Entzwecke dienlich seyn, daß wir vorher untersuchen wie groß die Schwere in Vergleichung mit der Kraft sich von dem Mittelpunkte zu entfernen ist, worinnen wir dem Herrn Newton folgen wollen.

/|P_014
£{Hes-078}
/Dieserwegen hat Newton einen ganz andern Weg nehmen müssen, um die Gestalt der Erde durch Schlüsse auszumachen, da er geschlossen hat, daß die kleine Axe oder die Axe, die durch die Pole geht, sich zu dem Durchmesser des Aequators wie 229 zu 230 verhält.

/|P_033
£{Hol-048,02-04}
/Das Gefälle der Seine, ist nach Picard einen Fuß, in der Länge von sechs_tausend. Es kömt hier auf keine Druckfehler an, wie sich Herr Kühn aus Liebe zu seiner Voraussetzung einbildet; wenn er die Werke der Akademie, [...], angesehen hätte, so würde er keinen Druckfehler zu Hülfe genommen haben, weil daselbst die Zahlen eins und sechstausend mit Worten ausgedruckt sind, [...]. Folgendes nimmt Herr Kühn an, der kürzeste Weg eines Flusses, verhalte sich zu den gekrümmten wie 2 zu 3, welches man bey den meisten Flüssen falsch finden wird, als bey der Rhone, bey der Loire, dem Flusse von Torneo, dem Amazonen-Flusse, welchen ich vor andern der Vorzug gebe, weil die Mitglieder der französischen Akademie, nicht weit von diesen Flüssen ihre Messungen und Wahrnehmungen vollbracht haben. [...]


|P_044_ / (S. 62-64)

Zusatz der Uebersetzung [von Kaestner]

Als Herr Lulofs dieses Werk herausgegeben hat, ist noch nichts vollständiges von den Messungen zu Paris bekannt gewesen, und es wird daher dienlich seyn, hier einige Nachrichten davon beyzubringen. Das wichtigste Werk davon ist: La figure de la terre determiné par les Observations der Messieurs Bouguer & de la Condamine, de l'Academie Royale des Sciences, envoyes par Ordre du Roi au Perou, pour observer aux environs de l'equateur &c. Paris. 4. 1749.


[2. H'stück] (§ 40 /S. 65)

/|P_041

Eratosthenes

/|P_046
£{He8-02}
[...] Snellius [...], der es aus dem Abelfedas, einen arabischen Erdbeschreiber, der im Jahre 1322 nach Christo gelebet hat, gezogen, aus welchen auch Ricciolus das seinige entlehnt hat: Almamom oder Maimon, grosser Calif von Babilonien, der um das Jahr 827 nach Christi Geburth, über die Araber geherrscht, rufte viele Mathematickverständige und Geographen zusammen, und befahl ihnen, man sollte untersuchen, wie viele Meilen in einem Grade des Mittagskreises begriffen wäre, [...].


[3. H'stück]


[4. H'stück]

/|P_094
/Wie nun der Mond nach dem Mittelpunkte der Erde schwer ist, so ist auch die Erde gegen dem Mittelpunkt des Mondes schwer, weil keine Würkung ohne einer gleich großen Gegenwürkung seyn kann, durch welche Würkung des Mondes einige Veränderung in der Bewegung der Erde gemacht wird, weil eigentlich der gemeinschaftliche Mittelpunkt der Schwere der Erde und des Mondes, denjenigen Weg beschreibet, den man insgemein für die Bahn der Erde um die Sonne annimmt, welches man bey dem Herrn s'Gravesande k) kann bewiesen finden. Doch weil die Erde ohngefähr 40 mal schwerer ist, als der Mond, so kann der gemeinschaftliche Mittelpunkt der Schwere kaum 1 20/41 halben Durchmesser der Erde von ihrem Mittelpunkte entfernt seyn, daher die Unordnung die hieraus in der Bewegung der Erde um die Sonne entstehen würde, zu klein ist, als daß man sie in Betrachtung ziehen könnte, weil sie in die allergenauesten astronomischen Beobachtungen keinen Einfluß hat.


[5. H'stück]


[6. H'stück: Inseln und Halbinseln]

/|P_137
£{Hes-036,06}
[S. 151]:
Es ist merkwürdig, daß der Gipffel von dem Pick auf dem Pico der 30 Meilen davon [sc. den Azoren] ist, gleich diese Zeit [1720] über, mit dem Feuer auswerfen inne hielte.
[S. 151]:
£{He8-22}
Kircher giebt eine merkwürdige Nachricht von einer Insel, die im Jahre 1631 nahe bey den Azoren oder flämischen Inseln von neuen aus der See durch die Wuth unterirrdischer Feuer entstanden ist. [...]
£{Hol-038} / £{Mes-093,27}
Ein anderes merkwürdiges Beyspiel haben wir an der Insel, die im Jahre 1707 bey Sant-Erini oder Santorin durch die Wuth unterirrdischer Feuer entstand. Sie zeigte sich erstlich den 23 May, wie wohl die erhebenden Ursachen, nach aller Wahrscheinlichkeit schon einige Zeit müssen gearbeitet haben, weil die See daselbst vor diesem mehr als 80 Faden tief gewesen. [... weitere Details]

/|P_143
£{Hol-019,17-18} / £{Hol-279,12-17}
/Wie einige sagen, sollen ihrer elf tausend, wie andere zwölftausend seyn, aber ihre eigentliche Zahl ist unbekannt, sie liegen in 13 Haufen oder Atollons vertheilet.


[7. H'stück] (§§ 157-164

/|P_159
Es wird nun wohl der Mühe werth seyn, daß wir anfänglich den Ursprung dieser Berge untersuchen.

/|P_160
Fragt nun jemand auf was für eine Art die Berge anfangs entstanden sind, so muß ich meine Unwissenheit bekennen, weil Moses solches nicht erzählet hat, und ausser Moses und andern heiligen Schriftstellern, darf man sich hier auf keinen verlassen, weil alle natürliche Vernunftschlüsse nicht so weit reichen.
[Weder 'Grundgebirge' noch 'aufgesetzte'.]


[8. H'stück] (§§ 165-185)

/|P_170
£{Hol-027,17-18} / £{He8-15}
David Frölichs Beobachtungen auf dem carpatischen Gebürge, das er 1615 bestiegen hat, sind sehr merkwürdig, man findet sie beym Henninius g) und andern mehr.
--------------
g) in Annot. ad epist. itiner. I. Tollei p. 209. seqq.

/|P_173
£{Hol-023,08-09}
/In Norwegen und Lappland befinden sich ansehnliche Gebürge. Das Gebürge Sevo oder Savo scheidet Norwegen ostwärts von Schweden, läuft aber mit vielen Aesten in die äussersten Enden von Lappland, und wird durch vielerley Nahmen unterschieden.

/|P_175
£{Hol-023,09-15}
In Asien ist zuerst das Gebürge Taurus zu nennen, welches in klein Asien bey der rhodischen Küste zwischen Carien und Lydien anfängt, und bis an die äussersten Gränzen von China und der Tartarey erstrecket, daß es ganz Asien gleichsam in zwo Helften theilet, wie wohl der besondere Nahme Taurus, eigentlich demjenigen Gebürge zugehöret, das Pamphilien und Cilicien von klein Armenien absondert. Ich gebe diesem Gebürge wieder die erste Stelle, weil die meisten andern Gebürge in Asien, nur besondere Aeste des Berges Taurus sind, so daß es in Asien das ist, was die Alpen in Europa sind.

/|P_176
£{Hol-023,09-15}
Der Imaus ist auch ein Ast des Taurus. Er fängt sich bey der Caspischen See an, strecket sich südwärts durch das ganze feste Land von Asien scheidet die asiatische Tartarey in zween Theile, endiget sich am Ursprunge des Ganges da er sich nach Osten und Westen ausbreitet, und gegen Norden die Gränzen des grossen Moguls vom indostanischen Reiche absondert. In der weißen Tartarey, wohin das Gebürge Emaus einen Ast abgiebt, heißt es Mathegar, auch Belguim und Althai oder Alkai.

/|P_177
£{Hol-023,09-15}
Der Berg, oder das Gebürge Caucasus, ist auch ein Ast vom Gebürge Taurus wegen dessen wahren Lage die alten Schriftsteller mit den heutigen nicht übereinstimmen. Die Alten setzen es weiter Ostwärts, [...] Die neuern Erdbeschreiber zeigen, daß sich dieser Berg von Pontus Euxinus bis an Caspische Meer erstrecket, und stimmen hierinnen mit den besten Alten überein, wie man aus dem Varenius, Becmann und vor allem beym Kirch sehen kann.


[9. H'stück: Höhe der Berge] (S. 186ff.)

/|P_193
£{Hol-028,##}
/Aus dem angeführten läßt sich leichte begreifen, daß man dieses Verfahren nicht überall mit Nutzen gebrauchen kann, denn man findet wenige Berge mit einer so grossen Ebene an ihnen, daß man die Standlinie E K von zulänglicher Grösse nehmen könnte, und doch E, K, D in einer Horizontallinie wären.

/|P_196
£{Hes-029,18}
Die zweyte Art die Höhen der Berge zu messen gründet sich auf das Barometer, oder die torricellische Quecksilberröhre darinnen das Quecksilber wie wir in der Folge sehen werden, durch den Druck der Luft erhalten wird, so daß es sich bey Verminderung dieses Druckes senket, und bey seiner Vermehrung erhebet: Nun werden wir in der Folge sehen, daß die Luft immer weniger und weniger drücket, je höher man sich über der Oberfläche der Erde erhebet, könnte man also bestimmen, wie viel sich der Druck der Luft in einer gegebenen Höhe über die Oberfläche der Erde vermindert, und allgemeine Tafeln daraus berechnen, um die Dicke und den Druck der Luft in verschiedenen Höhen zu finden, so würde man ohne die geringste Mühe, aus dem Stande des Quecksilbers im Barometer die Höhe der Oerter über die Oberfläche der See ausmachen, wenn man zu eben der Zeit die Höhe des Quecksilbers auf der Fläche der See, oder nahe bey wahrnähme. Die ersten Versuche die man in dieser Absicht angestellt hat, sind im Jahre 1643 vorgenommen worden, da Perier unter Pascals Anführung den Berg Puy de Domme bey Clermont in der Auvergne auf diese Art 3.000 Pariser Fuß hoch befand; doch kannte man die Gesetze der Ausdehnung der Luft in verschiedenen Höhen damahls noch weniger als jetzo.

/|P_197
Ich kann mich hier nicht mit Erzählung der verschiedenen Arten aufhalten, durch welche die Naturkündiger den Druck der Luft in verschiedenen Höhen, über die Fläche der See zu bestimmen, und in gewisse Regeln zu bringen gesucht haben. Im folgenden 19 Hauptstücke kann der wissensbegierige Leser davon ausführlichen Unterricht finden, wo ich von der Beschaffenheit der Dunstkugel handeln werde . Ich will hier nur sagen, was aus demjenigen, was ich an dem angeführten Orte darthun will, deutlich erhellen wird: daß man zwar noch keine zuverlässigen Regeln hat, die mit allen Wahrnehmungen übereinstimmen, und in allen Fälen zulänglich wären, aber doch Bernoullis algebraische Gleichung oder die Regeln die ich aus seiner Gleichung gemacht habe, der Wahrheit am nächsten kommt, [...].

/|P_198
£{Hes-030,07-11}
/Wenn man die Höhe des Ortes an dem die Beobachtung angestellet wird, durch x bezeichnet, die Kraft aber mit welcher die Luft an der Oberfläche der See drücket, als ein Ganzes ansiehet, und also 1 nennet, so ist die Kraft des Druckes der Luft in der gesuchten Höhe 22.000/22.000+x, wie Herr Daniel Bernoulli sehr scharfsinnig erwiesen hat. k) Hieraus folget nun durch eine sehr leichte algebraische Rechnung diese Regel: Man multiplicire 22.000, als den Zähler des bernoullischen Bruches, durch die Zahl der Linien, um welche das Quecksilber in der gesuchten Höhe gesunken ist, und dividiret was herauskömmt, durch die Zahl der Linien bey der es stehen bleibet, so druckt der Quotiente die gesuchte Höhe in pariser Füßen aus.

/|P_199
£{Hes-029,18}
[...] zum voraus gesetzet, daß hier überall von der Höhe über der Oberfläche der See die Rede ist; wenn der Stand des Quecksilbers am Ufer von den Schriftstellen, die ich anführen werde mit angegeben ist, so will ich solches melden, außerdem werde ich das Mittel aus verschiedenen Beobachtungen 28 Pariser Zoll, nehmen.

/|P_200
£{Hol-028,04-07}
/Wiewohl man nur auf diese Art die Höhen der Berge durch das Barometer bey nahe wissen kann, und vielleicht die mathematischen Naturforscher künftig Regeln entdecken und Tafeln berechnen werden, die mit der Wahrheit noch genauer übereinstimmen, so ist doch offenbar daß sich durch dieses Mittel die Höhe der Berge nicht mit mathematischer Gewißheit und Schärfe bestimmen lässet, denn das Quecksilber stehet so wenig allezeit auf dem Gipfel eines Berges als der See immer auf einer Höhe.

/|P_202
£{Hol-028,04-07}
/Aus dem angeführten läßt sich schon einiger Berge Höhe bestimmen, obgleich nicht sehr genau. Der höchste unter den erwähnten ist der Pik von Teneriffa, welcher nach Feuillee Abmessungen 13.158 Fuß Höhe hat, wie Bernoulli meldet, dem der Herr de l'Isle solches berichtet hat.

/|P_203 [ Nicht die Quelle ]
£{Hol-024,17-20}
/Ob nun wohl der Pik von Teneriffa für den höchsten unter allen Bergen auf der Erde gehalten wird, so ist es doch wahrscheinlich, daß ihn viele unter den Andes in Peru übertreffen. [...] Der höchste aber von allen bekannten, ist Chimboraso in Peru, dessen Höhe 19.320 Pariser Fuß beträgt. [...] Die Alpen sollen 12 ital. Meilen über die Seefläche erhoben seyn, da der höchste Berg in der Schweiz, nach Scheuchzers Abmessungen nur 9.585 pariser Fuß nach Mariotten 9.441 Fuß, und nach Cassini 12.196 Fuß hoch ist.


[10. H'stück] Vom Innern der Berge.

|P_208
£{He8-15}
In Frankreich ist die berühmte Grotte von Grenoble, Grotte de notre Dame de la Palme genannt, [...].

/|P_210
£{Hol-030,19-031,02} / £{He8-15} / £{Hes-037,01-03}
/Die dritte merkwürdige Höhle ist bey Meaux; aus ihr strömet ein helles und sehr kaltes Wasser; [...] aber 1618 oder 1619 sprengte man Stücke mit Pulver von ihn, um die Steine zum Baue eines benachbarten Klosters davon zu gebrauchen; als dieser Felsen solchergestalt zerbrochen war, kam erstlich eine Menge Wasser heraus, [...], und man fand die Höhle voll allerley gebildete Steine, und sehr viel versteinerte Früchte, als Birn, Aepfel, Trauben, etc.

/|P_211
£{Hol-029,12-16} / £{He8-15} / £{Hes-037,01-03}
Im Pilatusberge im Canton Lucern, ist eine Höhle deren Eingang 16 Fuß hoch und 9 Fuß breit ist, wenn man aber 10 Schritte tief in sie hinein ist, findet man sie wohl 20 Fuß breit und 14 Fuß hoch, nachgehends wird sie wieder enger, und läuft 300 Schritte fort. [...] Bey der Rigistafel gegen Westen befindet sich eine Höhle, des Riffisbodenloch, welche unten am Berge einen Ausgang zu haben scheinet, denn wenn man einen Stein hineinwirft, hört man ihn sehr lange hin und wieder gegen die Felsen anschlagen, bis er endlich unten am Berge wieder zum Vorschein kommt. [...]
£{Kae-179,11}
Im Canton Glarus befindet sich die Höhle im Berge Falzuber, die Pundten (Graubünderland) von Glarus scheidet und St. Martinsloch genannt wird; die Einwohner des Dorfes Elm sehen durch sie die Sonne den 3. Merz, und wieder um St. Michael im Herbste scheinen.

/|P_212
£{He8-15}
In Italien ist die bekannte Hundehöhle Grotta del Cane, vier Meilen von Neapolis nach Pozzuolo zu. Sie hat ihren Nahmen daher, weil ein Hund, den man hineinwirft, oder nahe über dem Grunde einige Zeit lang hält, sogleich stirbt, wo man ihn nicht damit wieder zu rechte bringet, daß man ihn in den benachbarten See von Agnana tauchet.

/|P_214
£{He8-15}
Antiparos [Tournefort]

/|P_215
£{He8-15} / £{Kae-180,13}
[Labyrinth / Candia] Tournefort fand hier einen neuen Grund daß wenigstens einige Steine wachsen, wie er sonst behauptet hatte; denn die Nahmen derer die diesen unterirrdischen Gang besucht habe, erheben sich nur an einigen Stellen eine Linie, anderswo wohl drey Linien aus dem Felsen da sie anfangs eingeschnitten und ausgehöhlet waren, also müssen diese Höhlungen durch ein würkliches Wachsen des Steines seyn erfüllet worden, und dieses desto mehr weil der Felsen graulicht ist, diese hervorragende Steine aber aus einer weissen Materie bestehen.

/|P_216
In Engelland giebt es auch verschiedene Höhlen, die wegen ihrer Merkwürdigkeiten berühmt sind.

/|P_219
£{He8-15}
In Irrland in der Baroney Burren, ist die Höhle Kilcorny welche Carl Lucas beschrieben hat. [../.] Obwohl diese Höhle beständig, ja selbst im Winter so trocken ist,als nur ein unterirrdischer Ort seyn kann, so giebt sie doch oftmahls eine solche Menge Wasser von sich, daß die herumliegende Felder auf 20 Fuß tief unter Wasser stehen. Diese Zeit der Ueberschwemmung läßt sich nicht genau betsimmen, [...].

/|P_220
£{He8-15 / He8-28} /£{Hes-037,03-07 / £{Kae-179 und 231} / £{Mes-084 und 117} /
£{Bar-044} / £{Pil-086 und 111} / £{Doe-022} £{Doh-037}
/In Deutschland befinden sich verschiedene merkwürdige Höhlen, worunter man zuerst die Baumannshöhle in dem Herzogthum Braunschweig rechnen muß, welche genauer bekannt geworden ist, seit dem der Herr von der Hardt eine schöne Beschreibung und verschiedne Abbildungen davon mitgetheilet hat. Sie ist gleichsam in 6 besondere Höhlen vertheilet, die durch geraume Gänge mit einander Gemeinschaft haben, und in jeden findet man viele Naturspiele welche durch das tropfenweise niederfallende Wasser sind gebildet worden. Zum Exempel in der ersten Höhle siehet man bey einem Wasserbehältnisse eine kniende Weibsperson, etwas weiter einen angenhemen Brunnen, ferner einen Altar. In der zweyten zeigen sich drey Mönche mit ihren Kappen nebst einer Orgel. In der dritten findet man eine grössere Orgel mit vielen Pfeiffen versehen, wie auch einen Taufstein, der allezeit mit hellen Wasser gefüllet ist. [...].

/|P_221
In Crain ist eine berühmte Höhle, welche die adelbergische genannt wird. Valvasor hat sie beschrieben wie er sie selbst befunden, er ist darinnen mit einer angezündeten Fackel zwo Meilen weit fortgegangen, niemand aber ist an ihr Ende gekommen.

/|P_222
An dem Carpathischen Gebürge, welches Ungarn von Polen scheidet, sind zwo merkwürdige Höhlen, die Mathias Bell beschrieben hat.

/|P_224
[Gegen Ende: künstliche Höhlen (Bergbau) sind nicht Thema des Buches]


[11. H'stück: brennende oder feuerspeyende Berge, §§_225-242]

/|P_226 [S. 213f.]
/Wir machen den Anfang mit den feuerspeyenden Bergen in Europa von denen wir umständlichere Nachrichten haben, als aus anderen Welttheilen. Unter den europäischen nennen wir zuerst den Berg Aetna, auf der Insel Sicilien nicht weit von Catanea gegenwärtig Monte Gibello genannt. Wenn dieser Berg zum erstenmale gebrannt hat ist unbekannt, [...].
[S. 215]
£{He8-21 / He8-24}
/Im Jahre 1669 hat er [sc. der Aetna] grausam gewütet wovon die Niederländer eine umständliche Beschreibung in den übersetzten philosophischen Transactionen lesen können, deswegen ich hier nur kürzlich anzeigen will, daß er den 11ten März 1669 zu erst Feuer auszuwerfen anfieng, 10 Meilen von Catanea. [...] Das Feuer hat in dem obern Brande ohngefähr 14 Städtgen und Dörfer verderbt, davon einige ansehnlich waren, und einige drey bis vier tausend Einwohner hatte, wovon man gegenwärtig keine Ueberbleibsel mehr findet. [...] Man bemerkt auch, über dieses, daß der Aetna zu derselbigen Zeit durch ein heftiges Erdbeben drey grosse Risse bekommen hat, woraus die Flammen mit grausamen Getöse, über 100 Ruthen in die Höhe stiegen, und zugleich eine grosse Menge Steine heraus führten, deren einige zu dreyhundert bis vierhundert Pfund wogen, und einige Meilen davon niederfielen, [...]. Auch wurd die Insel Sicilien im Jahre 1693 im Anfange des Jenners, schrecklich verwüstet, da nicht allein ganz Sicilien, durch Erdbeben erschüttert ward, sondern auch der Berg Aetna einen solchen feurigen Dampf auswarf, daß bey 6.000 Menschen, die sich wegen der Ueberschwemmung der See auf den Gipfel dieses Berges begeben hatten, dadurch hingerichtet, erstickt, oder durch die herausfliegenden Stein- und Schwefelklumpen todt geschlagen wurden.

/|P_227 [S. 215ff.]
/Dem Berge Aetna gegen über, befindet sich in Italien nicht weit von Neapolis der feuerspeyende Berg Vesuvius, der von einige[n] Mevulus, Vesbius, Lesbius / und Vesevus und gegenwärtig Monte di Somma genannt wird. Er scheint schon in alten Zeiten wegen seiner Wuth berühmt gewesen zu seyn, welches vielleicht die Ursache gewesen ist, warum die alten Römer ihm göttliche Ehre erwiesen haben, [...]
Es würde der Mühe werth seyn, eine kurze Beschreibung dieses feuerspeyenden Berges zu geben, wie man solche in den nur angeführten Reisebeschreibung[en] findet, doch der Kürze wegen will ich den Leser lieber dahin verweisen; man findet ihn beym Kircher und sorgfältig beym Misson abgebildet.
£{He8-21}
Es ist merkwürdig, daß dieser Berg an der Ostseite sehr fruchtbar, und mit Weinstöcken bedeckt ist, welche sich an Pappelbäumen hinaufziehen und vortrefliche Weine in Ueberflusse liefern, [...].
£{Kae-198,17}
Der Brand dieses Berges, unter dem Vespasianus, war merkwürdig (und mir ist nicht bekannt, daß man ältere Nachrichten mit einigen Umständen versehen davon findet) damals war seine Wuth so heftig, daß die Asche nicht allein nach Rom, sondern selbst über das mittelländische Meer, über Egypten zerstreuet ward. Die Vögel wurden in der Luft erstickt und fielen nieder, die Fische starben / wegen der Hitze und Unreinigkeit des Wassers. [...]
[...]
[S. 217] Es würde uns zu lange aufhalten, wenn wir erzehlen wollten, wie oft er gebrannt hat, [...] Dieses aber ist merkwürdig, daß nach dem heftigen Brande zu Trajans Zeit, wodurch der ältere Plinius umgekommen ist, die Wuth dieses Berges, bis an das Jahr 1131 geringer geworden, [...].
£{He8-24}
[S. 219] Eben dieser Naturforscher [Cyrillus] bezeuget auch, daß man Nachricht empfangen habe, wie Aetna zu derselbigen Zeit gewaltig viel Rauch und Feuer mit einem heftigen Krachen ausgeworffen habe, wie auch, daß der feuerspeyende Berg Strongylus, ungemein gepoltert und Flammen ausgetrieben habe, so daß das beständige Getöse, die zu Zeiten ausbrechende Flammen, und das erschreckliche Krachen den Einwohnern des westlichen Ufers Calabrien, wie eine Seeschlacht zwo auf einander feuernden Flotten erschienen habe. Diese Beobachtung scheinet die Gedanken derjenigen von neuen zu bestätigen, die sich vorstellen, Vesuvius habe durch unterirrdische Höhlen eine Gemeinschaft mit dem Aetna und Strongylus.

/|P_228
£{Hol-324,21-22} / £{He8-24}
/Nicht ferne von Pozzuolo und also nicht weit von Neapolis hat man den Berg Solfatara eigentlich Solforata, vor diesem Phlegra, Colles Phlegraei, Levocii Montes, Leucogaei Montes, Forum et olla Vulcani genannt, Misson der diesen Berg oder Hügel in der Nähe gesehen hat, bezeuget, daß alles daselbst voll Schwefel, Alaun und unterirdische Höhlen ist, woraus so viel Rauch und Flammen mit Getöse und Gestank hervorbrachen, als man zu dieser Zeit an Vesuvius sahe, auf diesen dürren Berge bereitet man das Alumen roccae, so wohl gelben als weissen, welcher daselbst durch das eigne Feuer des Berges gar gemacht und klein zermalmet wird; [...].

/|P_231
/In Island ist vornemlich der feuerspeyende Berg Hekla berühmt, [...].

/|P_232
£{Hol-036,08}
[Feuerberg auf Grönland]

p>/|P_233
/In Asien hat man eine Menge feuerspeyender Berge, [...].

/|P_234
£{He8-24} / £{Hes-036,06}
[...], so muß ich hier bemerken, daß Kircher und andere, den Pik von Teneriffa unter die brennenden Berge rechnen, und dieses ist nicht ohne Ursache. Denn im Jahre 1720 im December hat er gebrannt, und Herr Edens sahe im Jahre 1715 den 14 August, verschiedne grose Felsenstücken, die in einem Brande von den Berge abgeworffen waren, und einen Strahl von Feuer, der sich hinunterwärts senkte; aus verschiedenen Stellen des Berges gieng Rauch aus, ein Erdklumpen, der oben aus der Höhle des Berges genommen war, brannte als man ihn mit der Flamme einer Kerze anzündete, wie Schwefel. [...]
£{He8-24}
Als Frezier bey den Inseln des grünen Vorgebürges im Jahre 1712, im Hornung vorbey fuhr, sahe er des Nachts ein Feuer, als es Tag geworden war, zeigte sich ein hohes Land, aus dessen Gipfel Rauch hervor kam; Sie urtheilten aus der Lage, daß es die Insel Brava wäre, doch der Rauch machte sie zweifelnd, ob es nicht die Feuerinsel wäre; dieser Berg, welcher gleichsam im Mittelpunkte der Feuerinsel gefunden wird, brennt allezeit und wirft Flammen aus, die man sehr weit in der See bey Nachte sehn kann, bey Tage über sieht man nichts / als Rauch. [...] Es ist merkwürdig, daß diese Insel gar keinen Berg, und also auch keinen der Feuer auswarf hatte, als sie zuerst entdeckt wurde, sondern dieser Beg ist erstlich nach und nach angewachsen, seitdem das Feuer herausgekommen ist, und wächst noch täglich an.


[12. H'stück: Meer]

/|P_244
/Wären nur halb so viel Seen, saget Herr Keil, würden wir auch nur halb so viel Dünste seyn, und also würden wir auch bald nur noch halb so viel Flüsse haben als gegenwärtig sind, alle das jetzige veste Land und noch halb so viel zu bewässern.

/|P_246
£{Hol-005,08-09}
/Ob nun gleich alle diese Theile des Weltmeeres mit einander Gemeinschaft haben, so muß man doch Unterschieds halben dasselben in dreyerley besondere Sorten von Wassern eintheilen, nach der Gestalt der Ufer in welche sie eingeschlossen sind, nämlich in Seen, Seebusen oder Golfe, und Straßen.

|P_251
£{Mes-049} / £{He8-12}
Der berühmte Kircher stund in den Gedanken, die mittelländische See habe durch unterirdische Höhlen mit dem rothen Meere Gemeinschaft, welches jetzo durchgehends der arabische Meerbusen genennet wird. Er gründet sich auf eine Erzählung des Abulhassen, welcher von den Wundern Aegyptens geschrieben hat, und in diesem Werke erzählet ein Bassa von Sues, welche am Ufer des rothen Meeres liegt, habe in dieser See ein Delphin gefangen, welcher Fisch eine küpferne Blatte an den Fischohren veste gemachet gehabt habe, worauf mit arabischer Schrift folgendes gestanden: Amed Abdalla, Bassa von Sues, hat mir das Leben nebst dieser Zierrath im 720ten Jahre der Hegira geschenket, [...]. Hierauf habe er den Delphin in das rothe Meer setzen lassen, welcher aber noch dasselbige Jahr in der mittelländischen See, unweit Damiata, sey wieder gefangen worden, wie man aus der Blatte gesehen habe, die er noch an sich hatte.

/|P_252 / S. 237f.
/£{Hol-015} / £{He8-14} / £{Hes-018} /£{Kae-109-111}
/Wenn man die Beobachtungen des Grafen Marsigli in Betrachtung zieht, [...], denn er bezeuget, daß in der Enge des thracischen Bosphorus, das untere Wasser nordwärts in das schwarze Meere getrieben wird, da indessen das obere allezeit aus demselben südwärts fließt, auch hat er das untere 10 Gran schwerer als das obere befunden: [...], er [Dr. Smith] könne nicht begreifen, wie Wasser in einen / Meerbusen und zu einerley Zeit vorwärts und rückwärts laufen könne; eben diese Schwierigkeit hat nachgehens Herr Buffon vorgetragen, [...]. Betrachtet man über dieses mit Aufmerksamkeit die neue Seecharte von der Enge der Straße von Gibraltar, die im Jahre 1726 nach der Zeichnung des geschickten Seemannes, Capitain Heinrich Lynslager, ist herausgegeben worden, so sieht man, daß der Strom zwar aus der Nordsee mitten durch die Straße in die mittelländische See läuft, daß aber auch ein anderer Strom von Osten nach Westen daselbst gefunden wird, der längst der Küsten von Spanien und der Barbarey schon an der einen Seite, [...] und dieser Strom, durch den das Wasser abläuft, streicht allezeit beynahe mit den Küsten gleichlaufend. [...] So erwähnet Marsigli, daß nach dem Berichte der besten und erfahrensten Seeleute, ein Strom von Westen nach Osten geht, welcher an der Straße von Gibraltar anfängt, und längst den africanischen Küsten, bis nach Candia [Kreta] hinstreicht, daß aber auch ein anderer Strom ist, der von Osten nach Westen geht, da anfängt wo der vorige aufhöret,, und nachdem er längst den europäischen Küsten hingegangen ist, sich in der Straße von Gibraltar endiget.

/|P_253 / S. 238f.
£{He8-11}
Wenn die Meynung und Berechnung des Halley [Misellanea curiosa I. N.] statt findet, so haben wir alle diese Mittel nicht nöthig, um die mittelländische See von ihrem dem Scheine nach überflüßigen Wasser zu entledigen. Er rechnet, daß aus der mittelländischen See in einem Sommertage 5.280 Millionen Tonnen Wassers, in Dünsten aufsteigen, wozu noch nicht einmal alle das Wasser gerechnet ist, das durch die Winde weggeführet / wird.


/|P_254-264
[Meerbusen]

/|P_257 / S. 240
£{He8-12}
Der Ostsee folget billig das rothe Meer, oder der arabische Meerbusen, welcher unter die läglichten Meerbusen von der ersten Größe muß gerechnet werden. [.. /. Kanalbau?] Man erzählet aber, die Arbeit habe allezeit müssen unterbrochen werden, weil, wie man vorgiebt, das indianische oder rothe Meer höher ist, als das innere von Aegypten, und folglich als die mittelländische See, weswegen man befürchtete, die niedrigen Länder, die an dieser See liegen, und vornehmlich Aegypten, würden dadurch überschwemmet werden. Ich sollte aber viel eher mit dem Varenius glauben, die Sache sey nicht sowohl aus dieser Ursache unterblieben, weil die Gesetze des Gleichgewichts des Wassers schwerlich einen solchen Unterschied dulden würden, sondern man habe sich vielmehr durch die Länge, welche hätte müssen durchgraben werden, nebst der steinigten Beschaffenheit des Grundes, und die dazu erforderlichen Kosten abschrecken lassen. [...]. Indessen ist es gewiß genug, daß schon vor sehr alten Zeiten ein Graben gewesen ist, der sich von dem östlichsten Arme des Nils in das rothe Meer erstrecket hat. Dieses hat der de l'Isle aus den Schriften des Herodotus, Diodorus Siculus, Strabo und dem arabischen Schriftsteller Elmazim, wahrscheinlich gemachtet, denn Herododus [Note: Lib II. p.67. Edit. Steph. / Historien II 158] bezeuget, daß Necus, der Sohn des Psamniticus, zuerst in Aegypten einen Graben bis ins rothe Meer zu machen angefangen, ob demselbigen[!] gleich Darius nachgehends tiefer gemachet hat. [...].

/|P_264 / S. 244
Doch Kircher bringt aus dem persianischen Schriftsteller Paradia noch andere Beweise bey, die nicht gänzlich ohne Wahrscheinlichkeit sind; [...] woraus man vermuthen sollte, daß diese beyden Seen [caspisches Meer / persischer Meerbusen] durch unterirdische Höhlen mit einander Gemeinschaft haben.

/|P_264 / S. 245
£{Hol-014,10 / £{He8-12} / £{Hes-020,16}
Diese Beweise, sage ich, sind nicht gänzlich ohne Wahrscheinlichkeit; doch diejenigen, die Kircher an angeführter Stelle beybringt, um darzuthun daß das caspische Meer durch unterirdische Höhlen mit dem persianischen Meerbusen Gemeinschaft hat, sind weniger gegründet, und deswegen will ich mich damit nicht aufhalten. Wichtigere Beweise findet man bey dem Philippus Aprilis, einem Jesuiten [e) S. Act. Erud. Lips. A 1694. mens. Febr. p. 63], der unter anderem bezeugt, daß zweene schreckliche Wirbel unweit Kilan in der caspischen See sind, die das Wasser mit großer Gewalt in sich ziehen, und daß jährlich viel Weidenblätter in dem persianischen Meerbusen um den Herbst herum treiben, welche Bäume in den südlichen Theile von Persien unbekannt sind, aber um die Ufer des caspischen See bey Kilan sehr häufig wachsen; doch ich gestehe gern, daß dieses alles noch nicht genug ist, hiervon etwas sicheres veste zu stellen. Indessen verdienet das Zeugniß des Herrn de l´Isle [f) Memoir. de l'Acad. 1720. p. 495.] einige Aufmerksamkeit, nach dessen Berichte Czaar Peter der erste, während seines Aufenthalts zu Paris, ihm die Ehre angethan hat, zu berichten, daß man irrig vorgäbe, als befände sich ein an sich ziehender Wirbel oder Maalstrom in des caspischen See; [....]. Der Czaar Peter der erste hat eine merkwürdige Karte von dieser See anfertigen lassen, woraus man sehen kann, wie sehr sich andere in ihrer Gestalt und Größe geirret haben [g) S. die Schriften der pariser Acad. 1721. 320 S. wo man diese Charte und ihre Vergleichung mit andern findet. Siehe auch les Voyages au Nord. Tom. 7. p. 303. &suiv.].


/|P_265-270
[Strassen]

/|P_272 / S. 248
£{Hol-006,02-05} // /£{Ak II: 439,19} / £{He8-3} / £{Hes-007,23} /
Wenigen und beynahe den Wassertaugern allein ist vergönnet, die wahre Gestalt dieser weitläuftigen Sammelplätze [sc. des Wassers] genauer zu betrachten, [...]; sonsten weiß man auch durch die Auswerfung des Senkbleyes, daß die See durchgehends vom Ufer nach der Mitte zu nach und nach tiefer und tiefer wird, und daß überhaupt ihr Boden in vielerley Absichten mit dem Lande, das über der See erhaben ist, übereinstimmet, so, daß ihre größte Tiefe einige Gleichheit mit der Höhe der höchsten Berge zu haben scheint, und die größte Tiefe eine holländische Meile nicht übertreffen soll, wenn keine Zugwirbel oder andere Verhinderungen sind, welche das Senkbley wegführen. Dieses hat der Herr Graf Marsigli sehr scharfsinnig dargethan und vorgestellet, er hat den Berg Canigou zum Exempel genommen, der 1.400 Toisen oder 8.400 Fuß nach seiner Bestimmung hoch ist, ([...]) welcher Berg nicht weit von dem mittelländischen Meere abgelegen ist, und er bestimmet die Tiefe des mittelländischen Meeres auch auf soviel Fuß, wo es nämlich um die französischen Küsten am tiefsten ist.
/£{Kae-060,19} / £{Mes-022-08} /
Auch hat Dampier überhaupt wahrgenommen, daß überall, wo hohe Küsten sind, die See eine große Tiefe hat, und man da sehr selten ankern kann, und daß an den Plätzen, wo das Land etwas von dem Ufer hinaufläuft, bequemer Platz zu ankern ist, ob wohl mitten im Lande oder weiter von der See große Höhen gefunden werden, [...].

£{He8-04,13-15} / £{Hes-008,20-27} / £{Phi-012,22-26}
/Wenn die Erzählung von dem sicilianischen Tauger Nicholas Pescecola, die Kircher mittheilet, nicht erdichtet ist, so wird man von der Unebenheit des Bodens der See noch mehr überzeuget werden. Dieser Pescecola gieng auf Befehl des Königs Friedrichs von Sicilien, die Beschaffenheit der Charybdis zu untersuchen, wozu er durch ein großes Geschenk gereizet wurde. Er fand auf dem Grunde der See nicht allein einen schnellströmenden Fluß, der aus dem untersten Grunde dieses Wirbels herkam, sondern auch eine Menge von Klippen, womit die sicilianische Straße besetzet ist, wo das Wasser so tief ist, daß Pescecola wie durch eine dicke Finsterniß bedecket ward. Kircher bezeuget, diese Nachricht sey ihm aus den königlichen Archiven durch den Secretair, welcher selbige verwahret, mitgetheilet worden.


/|P_274-276
[Salzigkeit]

/|P_275 / S. 250
£{Hol-008,17-20}
/Wir wollen lieber mit den vornehmsten heutigen Naturkündgern annehmen, daß der allweise Schöpfer im Anfange eine erforderliche Menge Salz in das Seewasser gemenget hat, vielleicht hat das Wasser, als es von dem Trockenen abgesondert wurde, eine erforderliche Menge Salz aufgelöset und mit sich genommen, über dieses werden wir in der Folge sehen, daß viele Brunnen und Flüsse aus der See durch Durchsäugung herkommen; hierdurch würde zwar die See beständig et was von ihrem Salze verlieren, aber Gottes Vorsicht hat auch hier die nötige Vorsorge gebrauchet, denn es bringen nicht allein einige Flüsse wiederum einiges Salz in die See, sondern es ist auch nicht unwahrscheinlich, daß an vielen Stellen unten auf dem Grunde ganze Salzklippen und Salzberge gefunden werden, die nach und nach zergehen, und also der See das verlorne Salz wieder ersetzen. Man betrachte nur die Insel Ormuz in der Mindung des persischen Meerbusens, und welche ganz oder beynahe ganz aus Salze besteht. [...] Hieraus würde man folgern können, daß der / Gedanke des Herrn Halley [PhTr, N. 344, p. 296ff.] nicht viel Grund hat, wenn er annimmt, die Salzigkeit des Meeres müsse von Zeit zu Zeit größer werden, weil die Flüsse beständig Wasser zu führen, das mit ein wenig Salz vermenget ist, und woraus man nach seinen Gedanken das vergangene und zu erwartende Alter der Welt bestimmen könnte.
[Die vermutlich Halley zugeschriebenen Zahlenwerte (He8, p. 6) fallen nicht! - W_St: 07.04.2021]

/|P_276
£{He8-5,16-17} / £{HeQ-159,25 - 159',01-03}
/Wenn man des Marsiglih) Beobachtungen zum Grunde setzet, so befinden sich in hundert Pfund Seewasser vierhundert und zwey Drachmen und dreysig Krane Salz; wiewohl man durch Uebertreiben oder Destiliren nur dreyhundert und fünf und zwanzig Drachmen daraus erhalten kann; es scheint aber als seyen diese Versuche mit Wasser von der Oberfläche des mittelländischen Meeres angestellet; denn Marsigli bezeuget, daß das Salz 1/32 von dem Wasser der Oberfläche und 1/29 von dem Wasser bey dem Boden ausmachet, nun verhalten sich 402 Drachmen und 30 Krane zu 100 Pfund wie ungefähr 1 zu 32.

/|P_277 / S. 251f.
£{He8-6,7}
/Außer der Salzigkeit findet man bey dem Seewasser eine Art von Bitterkeit die sicherlich ihren Ursprung von einer Art Judenpech hat. Denn Marsigli bezeuget, daß man diese Materie auf dem thracischen Bosphorus an verschiedenen Oertern treiben sieht, welches man auch in Ostindien, wo der graue Ambra angetroffen wird, in großem Ueberflusse findet. Er glaubet, dieser Geschmack entstehe aus einer Art von Steinkolen, die er für einen geronnenen harzigten Saft ansieht, und um dieses zu beweisen vermengte er 40 Kranen flüchtigen Geist von Steinkolen in zwo Pinten durch Kunst gemachtes Seewasser, / wodurch das Wasser gleich so einen bittern Geschmack bekam, als das natürliche Seewasser auf der Küste von Provence; [...].

/|P_278 / S. 252f.
/£{He8-7,7} / £{Hes-014,01} / £{Kae-092,11} / / £{Mes-036,05} / £{Vol-11} / £{Doh-007}
/Weil das Seewasser einen sehr salzigten und bittern Geschmack hat, vornehmlich, wenn es etwas tief herausgezogen wird, so giebt es in seinem natürlichen Zusatnde sehr wenig Nutzen, den Durst zu löschen. Bäckt man Brodt vom Mehle, das mit Seewasser vermenget ist, so kann man dasselbige so lange es noch frisch ist, ohne Ekel essen, ob es wohl ein wenig salzigt schmecket, aber wenn es einen Tag oder etwas mehr alt ist, bekömmt es eine ekelhafte Bitterkeit. [...].
Doch die Wahrnehmungen des Herrn d'Achery beweisen, daß durch die letzte Art das Seewasser nicht trinkbar zu machen ist, weil es sich selbst nicht einmal von allem seinem Salze, geschweige denn von seiner Bitterkeit befreyet: denn derselbige nahm eine ledige Weinflasche, die mit einem Korkstöpsel wohl verschlossen war, den man feste hineingeschlagen hatte, er verklebete über dieses den Kork mit Wachs und Pech, und band, zu noch mehrerer Versicherung, Pergament fest darüber, / so daß es unmöglich schiene, daß Wasser in die Flasche sollte dringen können. Diese Flasche ließ er 130 Faden tief in die See sinken und zog sie so gleich wiederum herauf, da er sie denn mit Wasser gefüllet fand, welches am Geschmacke zwar 3/4 weniger salzigt war, als das gewöhnliche Seewasser. Also hat diese gewaltsame Durchsäugung durch Kork, Wachs, Pech und Pergament das Wasser nicht von allen seinen Salztheilen befreyen können, viel weniger wird solches die Durchsäugung durch Wachs alleine verrichten.

/|P_279
£{Hol-009} / £{Rin-202,25-26}
/Wenn man wissen will, ob das Wasser völlig ohne Salz ist, nachdem man es übergetrieben hat, so nimmt man einen oder zweene Tropfen Scheidewasser, darinnen reines Silber aufgelöset ist; wofern dieses mit dem Wasser, darein man diese Auflösung menget, weiße Wölkchen giebt, so ist dieses Wasser nicht gänzlich vom Salze rein.

/|P_281
£{Hol-006,15-17}
/Die gewöhnliche Farbe des Seewassers ist ein wenig himmelblau oder grün, doch bemerket man an einigen Oertern auch andere Farben; in dem arabischen Meerbusen ist das Wasser wegen des rothen Sandes roth, welcher durch die gewaltige Bewegung des Wassers damit vermenget wird, und wenn es lange genug stille gestanden hat, nach dem Boden sinkt: eben diese Farbe findet man in dem Meerbusen von California, welcher deswegen Mare de Vermejo, das ist, die rothe See genennet wird: bisweilen hat die See auch an einigen Orten eine rothe Farbe von einer Menge rother Würmchen, die darinnen schwimmen, wie man solches im Jahre 1599 um die Mindung des Silberflusses oder Rio_de_la_Plate in Brasilien gefunden hat b). Der Herr Thomas Smithc) fand auf seiner Reise nach Constantinopel im Jahre 1688, daß das Wasser in der mittelländischen See einige Wochen sich himmelblau zeigete; wenn die Sonne hell schiene, sahe man die obersten Theile der Meerbusen manchmal purpurfarben und manchmal roth. Weil hier von den Farben des Seewassers geredet wird, müssen wir noch eine andere dahin gehörige Merkwürdigkeit erwähnen. Der berühmte Halley hatte die Neugier, sich unter der Taucherglocke in eine ziemliche Tiefe ins Wasser zu lassen, da er denn fand, daß das Obertheil seiner Hand, worauf die Sonne durch das Wasser und ein gläsern Fensterchen in der Glocke schiene, eine Rosenfarbe hatte, da indessen das Wasser unter ihm, und das unterste Theil seiner Hand, welches von den Strahlen erleuchtet wurde, die das untere Wasser zurücke warf, grün aussahen, so daß das Seewasser an selbigem Orte die grünen Strahlen zurücke warf, und den rothen einen bequemern Durchgang verstattete. [Verweis auf Newton, Optic, p. 176. Edit. Londin. 1719.]

/|P_285
£{Hol-006,19ff} / £{Hes-010}
Letzte Anm.: »Im Gentlemans Magazine Nov. 1753. wird die Ursache des Glanzes des Seewassers kleinen Insecten zugeschrieben. Zum Beweise dienet unter andern, daß es ihn verliert, wenn sie ihm durch Durchseigung entzogen werden. In den physical. Belustigungen 23. St. ist diese Abhandlung übersetzet. K[aestner]


[13. H'stück: Ebbe und Fluth]

/|P_290
/Oben sahen wir (94. §) daß die ganze Erde gegen den Mond schwer ist, oder sich ihm zu nähern suchet. Weil aber beyde Körper durch eine Kraft sich vom Mittelpuncte zu entfernen fortgetrieben werden, so zeiget sich von diesem Bestreben keine Wirkung in den Körpern selbst; das Gewässer aber ist zwar gegen der Erde Mittelpunct schwer, und suchet sich vornehmlich demselben zu nähern, doch hängt es mit dem Körper der Erde nicht so fest zusammen als die andern Theile, und daher wird man an ihm, die Neigung sich dem Monde zu nähern, stärker gewahr. Dieses deutlich zu begreifen, setze man, die ganze Oberfläche der Erde sey glatt und ohne Erhöhungen und Vertiefungen, aber mit Wasser überdecket. Es sey also a b c d die Erde, C ihr Mittelpunct und A B D E die Oberfläche der See, die mit dem festen Körper der Erde einerley Mittelpunct hat; der Mond befinde sich in seinem mittlern Abstande in M. Weil nun die See, welcher sich der Mond zu nähern strebet, durch gleiche Gegenwirkung sich auch dem Monde nähern will, so muß solches einen Theil der größern Neigung, durch welche die See nach dem Mittelpuncte der Erde zu sinken strebet, aufheben, wiewohl solches nur wenig beträgt, da die Erde 40 mal mehr Materie enthält als der Mond, und ihr Mittelpunct der See fast 60 mal näher ist als des Mondes Mittelpunct. Hierdurch nun muß das Wasser in D aufsteigen, weil dieser Theil dem Monde näher ist als B oder E, und als der Mittelpunct der Erde C, wo man sich alle Schwere der Erde a b c d vereinigt vorstellen kann.

/|P_296
£{Hol-010,10-13}
/Hieraus folget von sich selbst, daß das Wasser um die Zeit des neuen und vollen Mondes höher steigen muß, als um die Viertheile desselben, so daß man im ersten Fall Springfluth (Spring Tyen), im letzten todte Fluth (doode Tyen) hat.

/|P_310
/Aus dem Angeführten wird sich noch weiter darthun laßen, wie hoch das Wasser durch die Wirkung der Sonne steigen muß. Der große Newton hat gewiesen, wie wir oben bey der Gestalt der Erde (12.§.) gesehen haben, daß die Schwere unter dem Aequator, wegen der Kraft sich vom Mittelpuncte zu entfernen, um 1/289 kleiner wird, und dieserwegen das Wasser unter dem Aequator 85.472 pariser Fuß höher als unter den Polen steigen muß.

/|P_311
£{Hes-017,10-13}
/Die Kraft des Mondes zu Erhebung des Wassers kennen zu lernen, muß man um sicher fortzugehen nicht aus Gründen Schlüsse machen, sondern umgekehrt aus den Erfahrungen Folgen ziehen, und daraus bestimmen, was für eine Verhältniß die Wirkung des Mondes zur Wirkung der Sonne hat, welche Verhältniß wiederum aus der Verhältniß zwischen den Bewegungen der See die durch diese Kräfte verursachet werden, zu bestimmen sind. Die Beobachtungen dieser Bewegungen müssen an solchen Oertern angestellet werden, wo sich das Wasser wegen einer Enge hoch erhebt. Herr Newtong) [a. a. O. Prop. 37.] erwählet hierzu die Mündung des Flusse Avon unweit Bristol, wo sich selbiger in die Mündung der Saverne ergießt. Im Frühlinge und im Herbste da Ebbe und Fluth am größten sind (289. u. f. §.), steigt das Wasser daselbst zu den Zeiten des neuen und vollen Mondes, ungefähr auf die Höhe von 45 Fuß, und in den Viertheilen auf 25 Fuß, welche beyde Höhen sich wie 9:5 verhalten. Die erste Höhe entsteht von den Wirkungen der Sonne und des Mondes zusammen genommen, und die letzte durch den Unterschied zwischen den Wirkungen der Sonne und des Mondes. Doch hat Bernoullih) nachgehends angemerket, daß nach Thourouds Wahrnehmungen zu St. Malo, die See bey Springfluthen auf 50 und bey den todten Fluthen auf 25 Fuß hoch steigt, daß sich also diese Höhen verhalten wie 10:3. [...] Durch einen andern Weg findet Bernoulli [...]. Doch sehe ich noch keinen zulänglichen Grund von Newtons Bestimmung abzugehen, und die Wahrnehmungen zu Bristol weniger in Betrachtung zu ziehen, als die zu St. Malo, besonders da Herr Bernoulli selbst saget, er könne sich mit ihnen nicht völlig befriedigen, und da zwischen seinen beyden Bestimmungen ein so großer Unterschied ist.

/|P_312
£{Hes-017,10-13}
/Daß das Wasser, wenn Sonne und Mond ihre Kräfte vereinigen, auf die Höhe von 10 Fuß 6 Zoll und 3,115 Lin. pariser oder 10 Fuß 10 Zoll und 7,447 Lin. rheinländisch steigen muß.

/|P_313
/Diese Bestimmungen (312. §) kommen mit der Erfahrung genau genug überein, eine Menge von Unregelmäßigkeiten müssen aber nicht nur hierinn, sondern in allen Erscheinungen der Ebbe und Fluth, die wir bisher aus allgemeinen Gründen erkläret haben, bemerket werden, weil das Erwiesene nur in einer stillen See von beträchtlicher Tiefe, die den ganzen Erdboden überdecket, statt findet (289. §), da die Lage der Ufer, Meerengen, Meerbusen und tausend andere besondere Umstände diese Voraussetzungen umstoßen. Bemerket man aber die Ebbe und Fluth auf offenbarer See, oder an ebenen und mit einem weit ausgestreckten Theile des Oceans benachbarten Küsten, so wird man finden, daß selbige in den vornehmsten Begebenheiten sich nach den allgemeinen Regeln, die wir aus dem Newton angeführet haben, richten.

/|P_315
/Es wird aber nicht unnütze seyn, einige besondere Merkwürdigkeiten, die an gewissen Oertern an der Ebbe und Fluth wahrgenommen werden, noch zu erwähnen. Wir haben schon (§ 313) gesehen, daß die Lage der Küsten, Inseln u. s. f. welchen Umständen man auch die verschiedenen Richtungen der allgemeinen und besondern Winde beyfügen kann, unzählige Aenderungen in der Höhe des Wassers verursachen können und müssen, wovon man beym Vareniusr) und Riccioliuss) Beyspiele findet, ja an manchen Oertern und auf ganzen Seen wird gar keine Ebbe und Fluth verspühret.


[14. H'stück: übrige Bewegungen des Meeres sc. Ströme]

/|P_320 / S. 276
/£{Hes-018,14}
Die allgemeine ordentliche Bewegung der Seen, ist diejenige, welche jederzeit und überall, zum wenigsten an den meisten Orten auf dem Seewasser angetroffen wird; und eine solche Bewegung ist auch diejenige, wodurch Ebbe und Fluth ausgenommen, die See beständig von Osten nach Westen strömet. Man spüret diesen Strom vornehmlich zwischen den Wendekreisen, woselbst er eine von den Ursachen ist, welche machen, daß man gemächlicher und in kürzerer Zeit von den moluckischen Inseln nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung, als von dem Vorgebirge nach diesen Inseln segeln kann. [...] Hiervon kann man sehr viele Nachrichten bey dem Fournier, Kircher, Ricciolius und Varenius [Cap. 14, Prop. 7] gesammlet finden.

/|P_324 / S. 279
/£{Hes-020,04} / £{Kae-120,07} / £{Mes-057,13} /
Ferner ist der chaldicische Strudel bey Euböa, oder Negroponte, welcher wegen des erdichteten Todes des Aristoteles, so berüchtiget ist, vor diesem [sc. dem Strudel bei den Lofoten] sehr berühmt gewesen, weil er auch zu gewissen Zeiten das Wasser einschlürfet, und dasselbe zu gewissen Zeiten wieder ausspeyet. Man findet denselben schon bey dem Strabo, Mela, und Livius beschrieben: sie stimmen aber nicht mit einander überein. Einige erzählen, daß er zwischen der Sonnen Aufgange und Untergange siebenmal an- und ablaufe: doch Livius widerspricht dieser ordentlichen Bewegung, und giebt zu erkennen, daß die Bewegung daselbst wohl groß, aber so unbeständig, als der Wind war. Dieses stimmet auch mit der Erzählung des Paul Lucas überein, welcher saget, diese See verändere sich in einem Tage wohl funfzehen, ja zwanzig mal. [...].

/|P_324Anm. / S. 279
£{Hol-328,29-329,08}
/Schelderups Beschreibung dieses Maalstromes nebst einer Zeichnung und wahrscheinlichen Erklärung desselben, findet man in den Schriften der Königl. Schwed. Akademie des Wissensch. 1750. Nach meiner deutschen Übersetzung XII. B. 177 u. f. S. K[ästner].

/|P_325 / S. 280
£{He8-10}
In dem atlantischen Meere auf den Küsten von America hat man einen starken Strom von Cap Augustin in Brasilien nach den Antillen des mexicanischen Seebusens, das ist von Süden nach Norden, oder von Südost nach Nordwesten; doch fand der Herr Anson auf seiner Reise um die Erde auf den Küsten von Brasilien in 16 Graden Süder Breite, einen Strom, der nach Süden gieng, den Küsten folgete, und sich südlicher als der Fluß de la Plata erstreckete; er lief in vier und zwanzig Stunden dreyßig Meilen, ja man befand, daß er einst vierzig Meilen in so vieler Zeit hinter sich geleget hatte

/|P_329 / S. 282
Erfahrne Seeleute haben auch versichert, daß die Bewegung der See beym allerheftigsten Sturme in vier Faden Tiefe von keine Beträchtlichkeit sey.


[15. H'stück: Seen und Moräste]

/|P_331 / S. 283ff.

In Deutschland in Kärnthen findet man die berühmte Zirknitzer See; aber es wird nicht nöthig seyn, daß ich mich hier damit aufhalte, [../.]
/Die See Neß in Schottland [...]. Sie ist 24 Meilen (Englische) lang und zwo breit, und in 500 Faden Tiefe kann man noch keinen Grund finden.

/|P_332 / S. 287ff
£{Hol-049,13f.}
Unter die asiatischen Seen wird hier zum ersten die caspische, deren Wasser salzig ist, gerechnet. Ob wir schon oben, als wir von den Seen handelten, einige Beweise beygebracht haben, die es bey dem ersten Anblicke nicht ganz unwahrscheinlich machen, daß dieselbe durch unterirdische Gänge so wohl mit dem Pontus Euxinus, als mit dem persianischen Seebusen Gemeinschaft habe; so muß sie dennoch, wenn auch die Beweise von mehrerer Kraft wären, unter die Seen gerechnet werden, weil sie keine sichtbare Gemeinschaft auf der Oberfläche mit dem Meere hat. Ungefähr 100 Meilen von der caspischen See gegen Osten liegt die See Aral, welche man vor diesem, wie es scheint, für einen Theil des Meeres gehalten hat. Nach ihrer größten Läge hat sie 90 bis 100 und nach der größten Breite 50 bis 60 Meilen. Nach dem Herrn Buffon ergießen sich zween Flüsse, Sirderoias und Oxus in dieselbe; welches aber falsch ist. Darin kömmt sie mit der caspischen See überein, daß sie keinen sichtbaren Ablauf des Wassers hat: aber gleichwie in die caspische See sich kein rechter Fluß an der östlichen Seite ergießt; so empfängt diese See keinen einzigen Fluß an der westlichen Seite. Hieraus muthmaßet Herr Buffon [Bd. 1.1, S. 220], daß in alten Zeiten diese zwo Seen eine gewesen, und [...].
£{Hol-014,05-07}
Der Jordan ergießt sich, wie ich eben gemeldet habe, in diese See, ohne daraus wieder zum Vorscheine zu kommen, daher einige nicht unrichtig gemeynet haben, daß diese See durch unterirdische Gänge mit andern Seen Gemeinschaft habe. Aber nach der Ausrechung des Herrn Buffon giebt der Jordan täglich 6.000.000 Tonnen Wasser, und weil das todte Meer 72 Meilen lang und 18 breit ist, so dämpfen, / nach den Regeln des Halley (263 §.) täglich 9.000.000 Tonnen Wasser aus, und also würde es nicht nöthig seyn zu unterirdischen Gängen seine Zuflucht zu nehmen, weil man auf diese Weise einen Weg gefunden hat, wodurch auch das Wasser kleinerer Flüsse, welche von den Gebirgen in Palästina herab kommen, wieder fortgehen kann.

/|P_334
£{Hol-333,06}
/In dem südlichen Amerika in Guiana findet man, nach den alten Erdbescheibern, das Meer Parima oder Reponouvini, welches recht unter der Mittagslinie gelegen seyn sollte. [...] Aber man findet nicht nur allein dieses Meer nicht in den besten Karten; sondern [...].

/|P_341
£{Hol-018} / £{Hes-057,33}
Die Naturforscher sind wegen des eigentlichen Wesens der Torfgründe, nicht vollkommen eins. Einige halten es für verdorbenes und verrottetes Holz, Zweige und Blätter von Bäumen gehalten, [...].

/|P_342
/Andere haben die Torfländer für eine judenleimichte und schwefelichte Materie gehalten. [...] Es ist wohl wahr, daß man in einigem Torfe eine Menge Schwefel findet, aber dieser gehöret nicht allein keinesweges zu der Materie eines guten Torfes, sondern diese Schwefelhaftigkeit wir auch mit Recht für einen großen Fehler gehalten.

||P_343
Ohne noch andre Meynungen von der Beschaffenheit des Torfs anzuführen, so wollen wir nur allein uns bemühen, es wahrscheinlich zu machen, daß derselbe größtentheils aus Gewächsen oder Pflanzen besteht; so daß der Torf eine Versammlung unzählbarer Pflänzchen ist, welche entweder in und unter dem morastigen Wasser wachsen, oder vor Alters sind dahin gebracht worden, ob man gleich ihren Ursprung nicht bestimmen kann.
[Beobachtungen zum Wachsen von Torf.]


[16. H'stück: Brunnen: §§ 344-374 / S. 295-325]

/|P_344 [S. 295f.]
Ein Brunnen ist ein Ausgang, ein Hervorschießen, ein Aufbrudeln, oder ein Hervorquellen des Wassers, in so weit dasselbe nicht durch menschliche Kunst hervorgebracht wird; sondern ein Werk der Natur ist. Dies letztere füge ich hinzu, die natürlichen Brunnen, von welchen wir handeln werden, von demjenigen zu unterscheiden, welche durch menschliche Kunst entweder zum Gebrauche oder zum Vergnügen verfertiget werden, und kein Gegenstand der allgemeinen Erdbeschreibung, sondern desjenigen Theiles des angebrachten Mathematik sind, welche man Hydraulik nennt.

/|P_349 [S. 300f.]
£{He8-29}
Eine noch andere Schwierigkeit, welche mir sehr wichtig zu seyn scheint, bringt der Herr Sedileau [Memoires de l'Acad. Roy. 1693, pag. 117 seq.] wider die Meynung des Mariotte an. Er meynet, Mariotte habe auf oben gemeldete Weise (346. §) ganz und gar nicht bewiesen, daß das Schnee- und Regenwasser hinreichend wäre, die Brunnen und Flüsse zu unterhalten, weil vornehmlich die Breite von 50 Meilen, welche er der Gegend giebt, die der Seine Wasser zuführe, sehr willkührlich genommen wäe. [../.] Inzwischen glaubet Herr Sedileau [...], daß in England und Schottland noch nicht halb so viel Wasser in der Gestalt des Schnees und Regens aus der Luft falle, als erfordert wird, den Lauf aller der Flüsse, welche sich auf dieser Insel befinden, zu unterhalten.

/|P_351 [S. 302]
Perrault schreibt auch den Ursprung der Brunnen und Flüsse dem Regen- und Schneewasser zu: er stellet sich aber die Entstehung selbst auf eine ganz andere Art vor. Er verneint, das Regen- und Schneewasser dränge so tief in die Erde, bis daß es bey den Stein- und Tonlagen bestehen bliebe; er ist selbst der Meynung, daß alles das Wasser, das auf hohe Ebenen fällt, zur Hervorbringung der Brunnen nichts beytrage, sondern daß das Regen- und Schneewasser, welches auf die schrägabhangende Berge und Hügel fällt, sich von selbigen niederzieht, und die Flüsse hervorbringt, und daß die Flüsse die Brunnen, nicht aber diese die Flüsse verursachen; so daß keine Brunnen seyn würden, wenn keine Flüsse wären.

/|P_357 [S. 308]
£{He8-29}
[Bezug auf Derham [Physicotheologie, 2 B., 5. H'stück] und Varenius: Das Quellwasser der Berge steige im Innern via Haarröhrchen.]

/|P_358
Wiewohl wir nun diese Schwierigkeiten bey des Varenius und Derhams Gedanken finden, so läugnen wir doch nicht, daß sich einige von ihnen heben lassen, und wahrscheinlicher Weise einige Quellen auf diese Art aus der See entstehen. Dieses läßt sich vornehmlich von demjenigen zeigen, die nebst der See Ebbe und Fluth haben; solche ebbende Brunnen hat schon Plinius erwähnet. Varenius meldet, im Fürstenthume Wallis in Cantred Bichan, sey ein Brunnen, der täglich mit der Ebbe und Fluth ab- und anläuft; eben daselbe erzählet er von einem Brunnen, der auf den Gipfel eines hohen Berges in Island gefunden wird, und dessen Wasser süße ist. Dergleichen Nachrichten findet man auch bey dem Kircher.

/|P_361
Man kann nämlich die Brunnen in verschiedene Arten theilen, einige geben unaufhörlich Wasser, andere thun solches nur zu manchen Zeiten.

/|P_362 [S. 314]
Die Brunnen, die nicht unaufhörlich Wasser geben, lassen sich wiederum in verschiedene Arten theilen; einige beobachten keine gesetzten Zeiten, dergleichen diejenigen sind, die ihren Ursprung vom Regen und Schneewasser haben, andere geben zu gesetzten Zeiten Wasser, und sind auch zu gesetzten Zeiten trocken, oder mit weniger Wasser versehen; [...].
£{He8-25}
In diese letzte [periodische] Art gehöret auch der Brunnen im Bisthume Paderborn, der sich in 24 Stunden zweymal verliert, und allemal nach Ablauf sechs Stunden mit großem Getöse wieder kömmt, welcher in den Transactionen, die LeClerc holländisch übersetzet hat, beschrieben wird. [...] Die Brunnen, die ihr Wasser der zirknizer See geben, müssen vornehmlich hierunter gerechnet werden, da diese See, wie wir oben gesehen haben (331. §.) um St. Jacobi [25. Juli], und zuweilen nicht vor dem August, alle ihr Wasser verliert und trocken wird, im October oder November aber sich wieder füllet, wiwohl diese Zeit nicht so genau beobachtet wird, [...].
/£{Hes-043,25ff.} [S. 315]
Der Engstler Brunnen, auch unter dem Gebiet des Cantons Bern, fließt nur von der Mitte des Mayes bis in die Mitte des Augusts, und diese Zeit über des Morgens um acht, und des Abends um vier Uhr, wiewohl auch hier einige Unordnungen bemerket werden. [nach Scheuchzer Hydrogr. Helv. p. 124. seq.]

/|P_363
In Japan befindet sich nach des Varenius Zeugnisse ein sehr heißer Brunnen, der nur zweymal des Tages eine Stunde lang Wasser giebt, dergleichen heiße Brunnen die abwechselnd fließen, findet man nach Zorgdragers Berichte in Ysland.
/£{Hes-043,25ff.} /
Das Wasser des Pfefferbades in Deutschland kommt jährlich um den 3 May zum Vorscheine, und höret um den 14 Sept. auf. Es ist nicht nur mit Schwefel, sondern auch mit ein wenig Golde und einem Theile Salpeter vermenget, wie Varenius und Kircherus melden.

/|P_364
£{Hol-043,15-16} / £{Hes-043,25ff.} / £{Kae-218,09} / £{Mes-102,06} /
Ehe wir die Brunnen verlassen, die zu gesetzten Zeiten fließen, [...]. Ich will keine Exempel ferner aus dem Varenius beybringen, weil man sich auf solche sehr wenig verlassen darf. Man könnte unter diese Brunnen mit Rechte den von Montmerveille, im Palatinate von Cracau in Polen zählen, welcher sich nach dem Lauf des Mondes zu richten scheint: In der Mitte dieses Berges Montmerveille an der Südseite findet man nach des Herrn Denys Berichte [l) Beym Astruc. l .c. p. 416. et suiv.], einen großen Brunnen, dessen Wasser sehr helle ist, und mit starkem Getöße aus dem Grunde zum Vorschein kommt. Je mehr sich der Mond der Opposition mit der Sonne nähert, desto stärker fließt das Wasser, [...].

/|P_365
£{Hol-044,08-10} / £{He8-28} / £{Kae-230,13}
[...] Manche sind sauer oder säuerlich, und werden Sauerbrunnen genannt, dergleichen wohl etliche tausend nur in Deutschland, und vornehmlich in der Schweiz sind. Doch kann man, wiewohl in vielen die Eisengilbe (Crocus Martis) gefunden wird, nicht versichert seyn, daß sie allezeit sauer Salz enthalten, gegentheils findet man in den meisten, nach Verdriesens Zeugnisse ein Laugensalz, dessen Schärfe den Wassern einen solchen Geschmack giebt. [...] Andere sind süßer wie Zucker, dergleichen ein Brunnen zu Toledo ind Spanien gefunden wird, dessen Wasser um den Grund säuerlich, auf der Oberfläche sehr süß ist.[...] In Schottland an der Nordseite des Aestuarii Bodotriae, bey den Schotten Fyrth of Forth genannt, sieht man eine Höhle, darinnen versteinernd Wasser gefunden wird. Feuillee fand zu Guancabalica siebenzig Meilen von Lima in Peru einen Brunnen der warm Wasser von sich giebt, das unweit des Brunnens sich über die umliegende Länder ausbreitet und zu Steine wird. Die meisten Häuser daselbst sind aus diesen Steinen gebauet, und um solchen die gehörige Größe und Gestalt zu geben, füllet man nur die Formen, welche die verlangte Weite und Höhe haben, mit solchem Wasser, das wenig Tage darauf zu Steine wird; man verfertigt so gar Bilder daraus, die sehr feine Züge haben, so daß nichts weiter nöthig ist, als daß man sie, nachdem sie solchergestalt gegossen sind, etwas abpoliret.

/|P_368
In Deutschland giebt es eine grosse Menge solcher [sc. heißer] Brunnen, darunter des Pfeffersbad, das Carlsbad in Böhmen und vornehmlich das Achner, merkwürdig sind, [...]. [Nichts zu Ablagerungen wie Hes-047,07]
£{Hol-045,05ff} / £{He8-26} / £{Hes-45}
In Island hat man einen Brunnen, dessen Wasser siedend heiß ist, den Varenius und vernehmlich Zorgdrager beschreiben; der letztere hat diesen Brunnen sorgfältig betrachtet und untersuchet, und bezeuget, man finde nicht einen einzigen, sondern verschiedene heisse Brunnen bey einander; er warf ein Stück Schaaffleisch in einen dieser Brunnen, welches nach Verlauf einer halben Stunde gar und weiß gekochet, und zum Essen tauglich war. Und solche heissen Brunnen findet man nicht nur in diesem unsern Welttheile, sondern auch in Asien, (vornehmlich in Japan, wo einige Bäder so heiß sind, daß sie zur Zeit der Verfolgung der Christen zu Martern gedienet haben, [...].

/|P_369
£{Hol-045,07ff.}
Das warme Brunnenwasser erkaltet viel langsamer als gemeines kochendes Wasser. Man betrachte das warme Brunnenwasser zu Aachen, welches wenigstens zwölf Stunden stehen muß, ehe es zu brauchen ist, daß man sich darinnen baden kann, und selbst im Kaisersbade sind wohl 15 bis 18 St. dazu nöthig.

/|P_374
£{Hes-045,05}
[S. 324f.] In Italien ist eine Quelle, Porrecta Nova, die man durch einen Löwenrachen geleitet hat; wenn man nun eine brennende Kerze daran hält, so entzündet sich das Wasser, und die Flamme ergreift die Oberfläche; [...].
£{Hes-045,32}
[S. 325] In Engelland bey Broseley in Shropshire, ward 1711 eine Quelle entdecket, die man mit einem eisernen Deckel, darinnen eine Oeffnung ist, zugedecket hat. Wenn man an diese Oeffnung eine brennende Kerze bringt, so entzündet sich das Wasser sogleich, und fasset eine Flamme wie Brantewein, welche aber ausgeht, wenn man den Deckel aufhebt.


[17. H'stück: Flüsse]

/|P_386
£{Hol-048,04}
Picard fand, daß die Seine zwischen Valvint und Seve, auf 1.000 Toisen oder 6.000 Fuß sich um einen Fuß senket, an andern, so daß die ganze Senkung auf 7.680.000 Fuß nur 1.280 Fuß, und auf 100 Fuß nur 1/5 Zoll nicht aber 1/4 Zoll betrüge. [...]. [...] und so erhellet, daß man das Gefälle der Donau viel zu groß gesetzet hat, und daß des Varenius und Kühns Meynung äußerst ungereimt ist. Und doch ist die Donau wegen ihres schnellen Stromes berühmt, [...].

/|P_396
£{Hol-049,13ff.}
Der Sirr oder Sihon entspringt nach einigen aus den Gebirgen, die das Land der Kalmukken von der großen Bucharei scheiden, [...]. Er fließt durch verschiedene Gegenden der freyen Tartarey, und machet die Grünzscheidung zwischen dem Königreiche Tachkunt [!] und dem Reiche Samarkand, nachgehends benetzt er das Land der usbeckischen Tartarn, und füllt in die See Aral oder Arapsera.

/|P_397 / S. 345
£{Hes-234,06}
Der Nil ist der berühmteste unter allen africanischen Flüssen. Man ist vor diesem seines Ursprunges wegen sehr ungewiß gewesen, aber Peter Pais hat 1618 durch Anweisung des Abissinischen Regenten befunden, daß diese Quellen nicht in den Mondsbergen südwärts des Aequators, sondern im westlichen Theile des Königreiches Gojam im 12. Gr. Nordlicher Breite zu suchen sind.

/|P_399
£{Hol-050,02} / £{Hol-213,19} / £{Hol-330,25}
/Rio de_la_Plata oder der Silberfluß, den Juan Dias de Solis 1515 entdeckete, daher er auch bis 1526 den Namen Solis geführet hat, ward nach der Zeit von Sebastian Cabor Rio de_la_Plata genannt, der ihn bis dahin aufgesegelt ist, wo er an die beyden großen Flüsse den Parana, der in Brasilien entspringt, und den Paraguay empfängt.

/|P_400
£{Hol-052,12} / £{Mes-121,19}
/Im Rheine findet man bey Schafhausen den merkwürdigen Rheinfall, da das Wasser mit einem schrecklichen Getöse von ungefähr 75 Fuß herunter stürzet, und dadurch einen beständigen Regen, und beym Sonnenscheine ein Regenbogen darinnen gesehen wird.
£{Hol-053,07-09} / £{Hol-328,07}
/In Italien ist ein sehr mehrwürdiger im Flusse Velino, der vom Berge del Marmore herabfällt; er stürzet nach einigen von einer Höhe von 300 Fuß hernieder, nach dem Cassini aber von 150 Fuß, und das Wasser wird dergestalt an den Felsen, [...], zerstreuet, daß daraus wie eine Staubwolcke entsteht, die sich so hoch erhebt, als der Ort, von dem sie fällt, so daß dadurch in der dasigen Gegend ein beständiger Regen verursachet wird, darinnen man beym Sonnenscheine unzähliche Regenbogen sieht. [...]
/Einen andern merkwürdigen Wasserfall findet man in Westgothland, einer schwedischen Provinz, im Flusse Wener; dieser Wasserfall heißt Trollhetta, und man kann das Getöse davon eine deutsche Meile hören; dieses ist nicht zu verwundern, weil Herbin, welcher ihn selbst gesehen hat, berichtet, das Wasser falle von einer senkrechten Höhe von 60 Fuß herab. [...]
£{Hol-052,17-053,01}
/In den Flüssen von Nordamerika giebt es verschiedene ansehnliche Wasserfälle, darunter der von Niagara den Vorzug hat, welcher zwischen den Seen Erie und Ontario gefunden wird, wo das Wasser von 150 Fuß Höhe niederfällt, [...].
£{Hol-052,15-17}
In Südamerika ist der ansehnlichste Wasserfall unter allen bekannten, nach des Herrn Bouguer Berichte, nämlich im Flusse Bogota, der in den St. MagdalenenFluß fällt, 15 oder 16 Meilen über Santa-Fe, [...].
£{Hol-052,12} / £{Hes-050,22a}
/Die Wasserfälle im Nil haben Seneca und Plinius schon erwähnet, genauer aber hat sie der Jesuit Petrus Pais beschrieben, wie er sie selbst gesehen hat, und berichtet, nachdem dieser durch die See Bed gegangen ist, [...], stürze er [...] mit großem Getöse nieder, [...]. Hieronymus Lobo giebt noch umständlichere Nachricht, und meldet, man könne das Getöse des Falles auf drey Tagereisen weit hören. Doch scheint es, man könne sich auf neuere Reisende wie Pococken, mehr verlassen, welcher versichert, daß im Nil nur drey Wasserfälle sind, deren der größte von sieben bis acht Fuß ist, oder es müsten höher hinauf und näher an den Quellen größere Wasserfälle seyn; wie es scheint redet auch Lobo von welchen nahe bey den Quellen.

/|P_403
£{Hol-315,21-316,01} / £{Hes-234,03-05}
/Wir wollen nur melden, daß die Ursache in den häufigen Regen zu suchen ist, die im April, May, Junius, Julius, und August in Aethiopien fallen, vornehmlich geschieht dieses um die Mitte des Junius, und höret nicht eher auf als bis im September, auch fallen alsdann nicht nur Sprühregen, sondern es sind durchgängig Platzregen, die unglaublich viel Wasser herabschütten; dieses bezeuget Ludolfl) und man kann eben das beym Braunm) und Vareniusn) sehen.


[18. H'stück: Von der Veränderungen welche die Erde vornehmlich in ihrer Oberfläche erlitten hat. §§ 404-432 / S. 355-391

/|P_405-406
[Zu Leibniz Protogaea: das Konzept wird abgelehnt; keinerlei Details, auch nicht zum 'Schiefer' oder zu 'Lüneburg']

/|P_408-409
£{Hes-022,17}
/[Referat von Burnet: Erde vor und nach der Sündflut]

|P_410:
[Referat von Bourguet und Buffon: Erde zu Beginn flüssig; durch Rotation die schwersten Elemente aussen, d.h. oben in den Bergen, wird verworfen.]
/£{He8-47}
/S. 360: Es ist kaum der Mühe wert, daß ich mich mit dem Gedanken aufhalte, den Herr Bourguet vorgetragen hat, weil er denselbigen auf eine Reihe von Erfahrungen bauet, die ich mehr als die Hälfte falsch befunden habe, oder die wenigstens vielen Ausnahmen unterworfen sind. [...] Dieses ist das Allgemeine von seiner Theorie der Erde, welche unlängst durch den Herrn Buffon weiter ausgeputzet und mit einigen Veränderungen vorgetragen worden.

/|P_411 [Referat: Linné / S. 361f.]
£{Hol-101,11-15} / £{Hes-076,05} / £{Kae-166,08}
Ich will hier die Gedanken des scharfsinnigen Whiston nicht prüfen, weil sie viel besser aus der heil. Schrift als durch die Gründe und Erfahrungen, der sich ein Philosoph bedienet, kann bestritten werden; ich will lieber einige andere Gedanken von den allgemeinen Veränderungen von der Oberfläche der Erdkugel betrachten. [../.]
Von jeder Art von Thieren, von jeder Art von Pflanzen sind nach des Linnäus Gedanken nur zwey Stücken, ein Männgen und ein Weibgen, geschaffen, und selbst nur ein einziges Thier und eine einzige Pflanze von denenjenigen, welche beyde Geschlechte zugleich besitzen. Ferner setzet er, die ganze Oberfläche der Erde sey im Anfange mit Wasser bedecket gewesen, bis auf eine einige Insel, die sich über das Wasser erhoben, und Menschen, Thieren und Pflanzen einen bequemen Wohnplatz gegeben habe. [...] Hierauf betrachtet Herr Linnäus die Erde selbst, und glaubet Spuren zu finden, daß die Sache wirklich so vorgegangen sey. Er glaubet, die Erfahrung lehre es, daß das Land von Zeit zu Zeit zunimmt, die See aber verliert; dieses beweist er aus Wahrnehmungen, die in Bothnien, Dalland und Gothland sind gehalten worden, und wir in der Folge dem Leser mittheilen wollen, wenn sie zu unserer Absicht mehr gehören werden als hier.

/|P_420 /S. 372
£{Hol-096,12ff.}
/Den Vördersatz bewähret Montsaucon [p) Beym Camerarius Dissert. Taurin. pag. 291 seq. S. auch Leibnitii Protogaea, §. 42.] Nachricht, daß man zu Modena beym Brunnengraben erstlich 14 Fuß tief Schutt von alten Gebäuden findet; diesem folget fester Grund, doch ein wenig tiefer schwarze und mit Niet vermengte Erde, darinnen man in der Tiefe von 24 Fuß eine unbeschädigte Kornähre gefunden hat; in der Tiefe von 28 Fuß trifft man einen kreidenartigen Grund, der 1 Fuß tief, oft mit Schalen vermenget ist; in der Tiefe von 39 Fuß findet man eine modrige Erde, welche aus Blättern, Wurzeln und andern Theilen von Bäumen entsteht; hat man diese Schicht durchgraben, so findet sich wiederum eine Kreidenlage, wie die vorhergehende, 11 Fuß tief, unter welcher ein Modergrund von zween Fuß tief liegt, ist dieser weggenommen, so findet sich eine dritte Kreidenlage, dinner als die beyden vorhergehenden, [...].

/|P_421
£{Hol-086,14}
Moro sahe wie viel Schwierigkeiten sich bey Bournets und Woodwards Gedanken befunden, er suchete also einen ganz andern Weg, den Ursprung der ausgegrabenen Schaalen zu erklären, und hat also ganz andere Veränderungen auf der Oberfläche der Erde ausgesonnen. Die Erfahrung lehret, daß sich auf dem Lande viele brennende Berge befinden, und daß aus dem Grunde der See Inseln hervorgekommen sind, die man als Wirkungen brennender Berge unter der See ansehen muß, denn sie geben alle Steine, Asche und andere Materien von sich, und werfen solche weit von sich weg.

/|P_428
£{Hes-072,17}
Es ist nicht unwahrscheinlich, daß ein großer Theil der Südersee ein Einbruch der Nordsee zwischen Friesland und Nordholland u. s. f. ist. Ich sage ein großer Theil, denn man hat in ganz alten Zeiten das Meer Flevo genannt, wo jetzo ein Theil der Südersee ist, welcher eigentlich von Alters her Südersee genannt wird, und welcher Geldern, einen kleinen Theil von Friesland und die südlichsten Theile von Nordholland bewässert, wie Alting sehr wohl aus dem Plinius, Ptolemäus, Pomponius Mela und andern dargethan, und solches durch gute Charten erläutert hat, welche die wahre Gestalt des alten Meers Flevo besser auf einmal dem Auge vorstellen, als ich hier durch eine lange Beschreibung thun könnte. Einige glauben, sie sey im Jahre 360 nach Christi Geburt entstanden, andere im Jahre 1169, andere im 1421; doch [...].
£{He8-46}
Wir wollen nicht einmal den Dollert erwähnen, der im Jahre 1277 entstanden ist, noch den großen Platz Wasser anführen, den man jetzo da findet, wo vor dem Jahre 1421 ein weitläuftiger Landstrich mit 72 Dörfern und kleineren Wohnungen versehen war, welcher der Dortsche Waart genannt wurde, welche Länder auf die St. Elisabethsnacht auf einmal überschwemmet wurden,

/|P_429 /S. 380-382
£{He8-45} / £{Kae-319}
[...] Wenn man sich auf des Seneca Zeugniß verlassen dürfte, so wäre der größte Theil von Aegypten vor Alters See gewesen, der erzählet aus dem Homer, daß der Feuerbach, welcher zu seiner Zeit dichte an dem festen Lande stund, vor Alters einen ganzen Tag Seegelns vom Strande war abgelegen gewesen, welche Veränderung er nicht unrecht dem Schlamme zuschreibt, den der Nil jährlich nach Aegypten schleppet und auch in die See sinken läßt.
£{Hol-088,16-18}
/Die Einwohner des nördlichen Bothniens bemerken, daß die See daselbst alle zehn Jahre 4 Zoll und 5 Linien niedriger wird, derohalben nimmt sie nach des Linnäus Rechnung jede 100 Jahre um 4 Fuß und 5 Zoll ab. Doch er irret sich, [...]
Die Stadt Damiette oder Damiate in Aegypten, befindet sich gegenwärtig mehr als 10 Meilen von der See, da sie zur Zeit des heil. Ludewigs im Jahr 1243 ein Hafen war. Die Stadt Fooah, die vor 300 Jahren an der Mündung des canopischen Armes vom Nil lag, liegt itzo 7 Meilen von der See.

/|P_430
/ S. 384
£{Kae-313,16} / £{Doe-063,15}
Das Pantheon zu Rom war vor diesem wie auf einem Hügel gebauet, so daß man 8 Stuffen hinauf steigen mußte, und jetzo geht man 8 Stuffen hinunter. [...] Bey Neapolis am Fuße des Vesuvius hat man unlängst eine ganze Stadt in der Tiefe von 88 neapolitanischen Palmen oder beynahe 66 englischen, oder ungefähr 64 rheinländischen Fuß gefunden, die für das alte Herculaneum gehalten wird; [...].

/ S. 385
£{Hol-106,05-09} / {Hol-094,14ff.} / £{Kae-322,23}
/Man saget, daß im Jahr 1462 im Canton Bern in der Schweiz aus einer Grube 100 Ellen tief ein Schiff ist herausgezogen worden, worinnen 40 Gerippe von menschlichen Köpern lagen; [...]. [...] Im Canton Unterwalden fand man ein Messer in einer Steingrube unter einem sehr großen Felsen. Scheuchzer besaß zwey versteinte Stücke von einem Menschengerippe, das eine ist so groß, daß er daraus schließen konnte, der Mensch müsse 58_1/2 pariser Zoll lang gewesen seyn; ob nun diese Knochen wirklich zu Menschen gehören, wie Scheuchzer behauptet, möchte sich doch schwerlich ausmachen lassen, vielleicht rühren sie von spätern Zeiten her.
/Wenn man unweit Brugge 10 oder 20 Ellen tief gräbt, findet man ganze Püsche; man kann die Blätter und Stämme so deutlich sehen, daß man wissen kann, welche Art von Bäumen es gewesen ist; in Peelland und nicht weit von Herzogenbusch findet man eben dasselbige. Einige dieser Bäume scheinen Eichen-, andere Fichten-oder Dannenbäume. Sie liegen durchgehends, als ob sie durch einen Südwestwind wären umgeworfen worden, mit den Gipfeln nach Nordosten und mit den Wurzeln nach Südwesten zu; doch andere berichten, sie lägen, als ob sie ein Nordwestwind niedergefället hätte, mit den Gipfeln nach Südosten. Dergleichen Bäume werden auch in Engelland sehr viel unter der Erde gefunden, die einen deutlichen Beweis geben, daß sie nicht von der Sündfluth herkommen, weil manche viereckicht gehauen oder durchbohret sind.

/ S. 386
/Ich selbst habe einen Zahn von wunderbarer Größe besessen, der allein ohne das Stücke des Kinnbackens, in welchem er sich befindet, 13 Unzen und 28 Gran wiegt. Man hat ihn auf einem Platze des verstorbenen Herrn Gosewyn Versteg, Bürgermeister der Stadt Zütphen, gefunden, als man daselbst im Jahre 1738 einen Fischteich grub.
/... Und nach langen Untersuchungen schließen müssen, daß es der Zahn eines jungen Elephanten ist.

/|P_432
/ S. 389
£{Hol-090,05-08}
/Man sieht bisweilen, daß ganze Gegenden mit Sande bedecket werden, die vor diesem bewohnet waren. In Niederbrittanien befindet sich ein Landstrich der vor dem Jahre 1666 bewohnet war, doch bereits im Jahre 1722 auf die Höhe von 20 Fuß mit Sand bedecket war, welcher von Zeit zu Zeit zunimmt. In demjenigen Theile, der unter dem Sande begraben ist, sieht man noch hier daß Kirchspitzen, Gipfel von Schornsteinen u. d. g. hervorragen, wie Herr Deslandes berichtet, dergleichen Sandfluth hat sich auch im vorigen Jahrhundert bey Downham in Suffolk ereignet, die Thomas Wright beschrieben hat.
/S. 390
Unterdessen hat Eustachius Manfredi es sehr wahrscheinlich gemachet, daß die See in Absicht auf das Land von Zeit zu Zeit höher wird, denn er fand zu Ravenna, daß der alte Fußboden der Hauptkirche nicht mehr als 6 Zoll (dasigen Maaßes) über der Ebbe lag, und mehr als 8 dieser Zolle oder einen bononischen Fuß unter der Oberfläche der See zur Zeit der Fluth.


[19. H'stück: Dunstkugel der Erde]

/|P_443
Feuillee fand auf dem Gipfel des Pik von Teneriffa, der nach seiner Rechnung 13.158 pariser Fuß über der Fläche der See erhoben ist, das Quecksilber bey 4 Z. 5 L. stehend, da es an der See 27 Z. 10 L. gestanden hatte.

/|P_444
Die mathematischen Naturforscher haben sich viel Mühe um eine zuverläßige Regel gegeben, nach welcher sich das Quecksilber im Barometer in verschiedenen Höhen über die See senket, weil dadurch die Beschaffenheit der Federkraft der Luft, nebst den Gesetzen die sie bey ihrer Ausdehnung beobachtet, entdecket würden. [...]

/|P_446
Weil nun die Regel bey größern Höhen nicht eintrifft, so haben andere eine andere Regel gesuchet, die Dichten und Federkräfte der Luft in verschiedenen Höhen zu bestimmen.

/|P_449
/Es wird der Mühe werth seyn, daß wir auch den neuen Gedanken des Herrn Daniel Bernoullik) etwas genauer betrachten, den wir ausführlicher untersuchen wollen. Die Gründe, auf denen sein Verfahren beruhet, vorzustellen, würde uns zu lange aufhalten; das hauptsächlichste kömmt darauf hinaus, daß die Federkraft der Luft in einer Verhältnis steht, die aus der Verhältnis der Quadrate der Geschwindigkeit, mit welcher die Lufttheilchen beweget werden, und aus der einfachen Verhältniß der Dichte zusammengesetzt ist.

/|P_450
Bey dem ersten Anblicke könnte es seltsam scheinen, daß Mariottens Regel, nach welcher sich die Dichte und die Federkraft der Luft wie das auf sie druckende Gewichte verhalten soll, in kleinen Höhen, und doch nicht an allen Oertern, die weit über die Fläche der Erde erhoben sind, statt findet; man muß aber bemerken, daß diese Begebenheit viele zusammenkommende Ursachen haben kann; einige z. E. rechnen die Wärme darunter, die in der Luft auf verschiedenen Höhen verschiedene Striche oder Lagen machen, und dadurch verursachen kann, daß sie in größeren Höhen von geringerer Schwere sind, als sie seyn würden, wenn die Luft überall gleich kalt wäre; [...].

/|P_451
Aus dem Vorhergehenden erhellet, daß Mariottens Regel, ob sie gleich nahe der Erdfläche ziemlich genau eintrifft, sich doch auf größere Höhen nicht anwenden läßt, die gleichwohl in Betrachtung der Höhe der ganzen Dunstkugel klein sind.

/|P_454
£{Hes-058,28}
Ob also gleich unbekannt ist, wie weit sich die Dunstkugel über die Erdfläche erhebt, so haben doch die Naturforscher alter und neuerer Zeiten, sie in drey Gegenden eingetheilet. Die unterste erstrecket sich von der Fläche der Erde, bis dahin, wo die Luft nicht mehr von den von der Erde zurückgeworfenen Sonnenstrahlen erwärmet wird. Diese Gegend ist also die wärmste, [...]

/|P_455
Die mittlere Gegend gränzet mit ihrem untersten Theile an die niedrigste, und erstrecket sich von dar bis an die Gipfel der höchsten Berge, oder nach andern bis an die obersten Wolken, so daß nach Varenius, Regen, Hagel, und Schnee in ihr entstehen. Gienge sie bis an die Gipfel der höchsten Berge, so ließ sich ihre Gränze genau bestimmen, weil nach dem Bouguer der Chimboraso der höchste unter allen ist, die er in Peru gesehen hat, und dieser sich 19.302 über die Seefläche erhebt. Soll sie aber bis an die obersten Wolken oder darüber gehen, so wird es schwerer werden ihre Gränzen auszumachen, weil man nicht weiß, wie hoch die höchsten Wolken schweben, in denen Regen, Hagel und Schnee entstehen.

/|P_456
£{Hes-032,15}
Die dritte und oberste Gegend, strecket sich von der mittleren an, bis ans Ende der Dunstkugel; ihre Gränzen lassen sich also so wenig als der Dunstkugel ihre bestimmen. Vermutlich ist die kälter als die beiden vorhergehenden, weil sie noch weniger von den zurückgehenden Sonnenstrahlen erwärmet wird; [...]. Auch scheint die Kälte dieser mittlern Gegend nicht überall gleich groß zu seyn, denn Herr Bouguer fand zwar überhaupt, daß die Kälte auf höhern Bergen größer ist, aber aus Betrachtungen der Stellen auf den Bergen, wo der Schnee nicht mehr schmelzet, schloß er, eine Linie die durch alle solche Stellen der Berge in verschiedener Breite gienge, würde mit der Oberfläche des Erdbodens nicht gleichlaufend seyn. Um den Aequator geht diese Linie ungefähr 2.434 Toisen über die Seefläche, im Anfange des gemäßigten Himmelsstrichs 2.100 Toisen, wo sie durch den Gipfel des Piks von Teneriffa geht; in Frankreich und Chili auf 1.500 und 1.600 Toisen, so daß sie sich krümmet und die Erde unter den Polen berühret, welches alles aus der Natur der Sache und der Verschiedenheiten der Wärme unter verschiedenen Himmelsstrichen, von selbst erhellet.


[20. H'stück. Bewegungen und Wirkungen der Dunstkugel; §§ 457ff.]


2. Teil


[1. H'stück. Erklärung einiger geographischer Kunstwörter]
§§ 474-482


[6. H'stück. Erwärmung der Erde durch die Sonne]
§§ 575-596

|P_588

/|P_588
Bisher haben wir die Sonnenstrahlen [...] mehr mathematisch als Physikalisch betrachtet; es wird der Mühe wert seyn, auch einige physische Betrachtungen beyzubringen, welche an keine mathematischen Regeln gebunden sind, und selbst verursachen, daß die mathematischen hier vorgetragenen Beweise, nicht in allen Theilen mit der Erfahrung übereinstimmen. Erstlich haben wir die Wärme als von der Menge der Strahlen herrührend, angesehen, die auf einen gegebenen Theil der Erde, in gegebener Zeit unter gegebener Schiefe fallen, aber man muß sich nicht vorstellen, als könne man auf einige physische Weise sicher seyn, daß z. E. wenn zween Strahlen neben einander, gleich noch einmal so viel Hitze verursachen, als einer allein, drey Strahlen, dreymal so viel etc. Der große Boerhave hat bemerket, daß wahrscheinlicher Weise die Wärme nicht der Menge der Strahlen gemäß sey, sondern, daß man die Licht- und Feuertheilchen Magnetgen vergleichen könne, die dicht aneinander gelegt, auf einander wirken, einander in Bewegung bringen, und zwar desto stärkere Bewegung verursachen, je kleiner die Entfernung zwischen den Theilchen ist.


[7. H'stück. Einteilung der Oberfläche der Erde in Zonen]
§§ 597-617

/|P_598
£{Kae-042,10} / £{Mes-014,11}
Weil zweene Wendekreise und zween Pole sind [...], so hat schon Parmenides, nach Strabos Zeugnisse, fünf Himmelsstriche gezählet, darinn ihm andere gefolget haben.

|P_608 (II: 119ff)
£{Mes-077,06}
Die verbrannte Zone verdient außer der Betrachtung ihrer Lage und Größe, [...] noch eine genauere Untersuchung ihrer Bewohnbarkeit, weil die Alten / hievon verkehrte Gedanken geheget haben, welche nach ihrer damaligen Erfahrung beym ersten Anblicke gegründet, oder doch nicht ungereimt schienen. Die Aegypter waren kaum bis Nubien gereiset, so, daß ihnen die Beschaffenheit der näher am Aequator gelegenen Gegenden gänzlich unbekannt war, wie sich auch aus ihrer Unwissenheit wegen der Quellen des Nils zeiget. [...] Die Gedanken der Alten von der Unbewohnbarkeit der verbrannten Zone, kann man aus der vorhin (598 §) angeführten Stelle Vergils schon ersehen. Eben das findet man beym Ovidius, Tibullus, Horatius, Cicero, Pomponius Mela, Plinius. Eben der Meynung sind auch Macrobius, Claudian und in ganz alten Zeiten Anaxagoras, Diogenes, Aristoteles, Cleomedes, Achilles Tatius, Strabo, und viel andere gewesen, die man beym Burnet genannt findet.
[In Noten Nachweise]

/|P_610 (II: 123)
£{Kae-121,11 / 258,14} /
£{Ak, III: 160,17 }
Dieses [Mondlicht durch Brennglas erzeugt keine Wärme] stimmet auch mit andern Erfahrungen sehr wohl überein, denn wenn man den Mond bey Tage sieht, giebt er nicht mehr Licht von sich als die übrigen Theile des sichtbaren Himmels, weil er sich nur als wie ein weisses Wölkchen zeiget, und man ist berechtiget mit Herrn [Robert] Smith hieraus zu schließen, das Mondenlicht würde alsdann erst des Abends so stark seyn, als das Tageslicht wenn der halbe scheinbare Himmel über dem Horizonte ganz mit Monden besetzet wäre; daher verhält sich das Mondenlicht zum Tageslichte, wie die scheinbare Mondesscheibe zu der ganzen Oberfläche der scheinbaren Hälfte des Himmels über dem Horizonte. Wenn nun des Mondes scheinbarer Halbmesser 31 Min. beträgt, (welches eine mittlere Zahl ist), so wird sich die Scheibe des Vollmondes zu der ganzen Oberfläche des sichtbaren Theiles des Himmels verhalten wie 754,385 : 74,293.200 oder wie 1 : 98.794. Also hat Smith die Sache nicht vergrößert, wenn er saget: zu nicht weniger als 90.000. [...]
Herr Bouguer fand durch seine scharfsinnigen und sorgfältig angestellten Versuche, die ich hier der Kürze wegen nicht wiederholen will, das Sonnenlicht 300.000 mal stärker als das Mondenlicht; [...].
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[⇒ [Smith] Lehrbegriff der Optik I. B. 95 § und die 86 Anm. über das I B.]

/|P_613
£{Hol-072,02ff.}
/Die dritte Ursache, warum die hitzige Zone gemäßiget wird, kömmt auf die beständigen Winde an, die in ihr wehen. Man hat daselbst einen allgemeinen und beständig daurenden Ostwind, den Halley, Dampier, Hadley, und der Herr von Muschenbroek beschrieben haben. Man nennet ihn den allgemeinen Ostwind, wiewohl er an vielen Orten ein wenig nach Norden oder nach Süden abweicht, und dem Lauf der Sonne zu folgen scheint. [...] Ebenso wird die Hitze daselbst durch die sogenannten Moussons oder Monsoens gemindert, die sechs Monate hinter einander aus einer Gegend, und die folgenden sechs Monate aus der gegenüberstehenden wehen. So wehet von 10 bis 30. Gr. südlicher Breite zwischen Neuholland und Madagascar ein Südostwind, der bisweilen ostlicher wird; zwischen den Inseln Java, Sumatra und Madagascar herrscht ein Südostwind vom May bis in den November, aber vom November bis an den May, ein Nordwestwind. Mehr Beyspiele findet man beym Herrn von Muschenbroeckr), Vareniuss), Becmannt) du_Hamelu) und Labatv).

/|P_615
£{Hol-295,18-21}
Wiewohl es nun überhaupt richtig ist, daß die Hitze durchgängig im Sommer größer, und die Kälte im Winter gemäßigter wird, je südlicher die Länder liegen, so darf man sich doch nicht vorstellen, als hätten die Oerter, die in der gemäßigten Zone einerley Breite haben, auch einerley Hitze und Kälte, da es sich in vielen Gegenden ganz anders verhält. [...]; aber zu Jenisci fand Gmelin den 5. Jan. 1735 die Höhe des Thermometers 120 76/100 Grade unter 0, ob wohl dieser Ort zweene Grade südlicher liegt als Petersburg. In Canada ist es auch viel kälter als in Europa auf eben der Breite. In Hitland ist der Winter gelinder als an vielen Oertern in England. [...] So fand auch Tournefort um Erzerom den 19. Jun. sehr strenge Kälte, so daß das Wasser, in welches er seine Pflanzen gesetzet hatte, des Nachts eine Rinde von Eis zwo Linien dicke bekam, da doch Erzerom nur 39° 56' 34" Breite hat. [...]
/£{Doe-057,07}
Auch haben wir oben (596. §.) schon gesehen, daß die gemäßigte südliche Zone nicht so gemäßiget ist als die nordliche, weil die Franzosen in der Höhe von Cap Circoncision den 1. Jan. 1739, und also zu der Zeit, da die Sonne dem Scheitelpuncte dieses Vorgebürges am nähesten war, eine Menge Eisschollen gefunden habe[n].

|P_616
£{Hes-069,23} / £{Kae-298,02} / £{HDoe-057,08}
Die Ursachen, warum sich Wärme und Kälte nicht nach der Wirkung der Sonne richten, zu entdecken, ist schwer und fast unmöglich. Man kennet die verschiedenen Umstände nicht zu länglich, welche dieses hervorzubringen, zusammen kommen; und kann nur Muthmaßungen vorbringen.


8tes H'Stück: Von der Länge (§:§ 618-636 / S. 131 -155

|P_631

Im Jahre 1710 entdeckete der berühmte Sternkundige Galiläus, daß Jupiter mit vier Monden oder Begleitern versehen ist, die sehr nahe bey ihm stehen, und meistens ihre Umläufe in kurzer Zeit vollenden. Dadurch kommen sie sehr oft in den Schatten ihres Hauptplaneten, und wegen ihrer schnellen Bewegung verschwinden sie in wenig Augenblicken bey ihrem Eintritte. und kommen beym Austritte aus dem Schatten in wenigen Augenblicken wieder hervor.

|P_634

[Huygens Vorschlag: exakte Uhr]


[Fehlend:
£{HeM-163}

Gibraltar
£{HeM-167}

Ströme / Ketten der Gebirge

Wasserstand in Holland / Preisfrage
£{Hes-075,11-20} / £{Pil-181,04-13} ==> Lulofs 1758]


Datum: 7. Mai 2002 / ... 30.07.2007 / Oktober 2015 / Dezember 2016 / April bis Dezember 2017 / ... / 06.11.2018 / ... / 20.06.2019 /
23.12.2020 / ... / 24.06.2021 / 26.09.2021 / 17.05.2022