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Buffon 1760-1780.

Knopf

Buffon: Allgemeine Historie der Natur nach allen ihren besondern Theilen abgehandelt; nebst einer Beschreibung der Naturalienkammer Sr. Majestät des Königes von Frankreich. Mit einer Vorrede Herrn Doctor Albrecht von Haller, [...]. (Hamburg / Leipzig 1750ff)
Exemplar: <4> IX B 103c // <12> digital z. T.

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Band 4-1 (1760)   Band 4-2 (1765)

Band 5-1 (1766)   Band 5-2 (1766)

Band 6-1 (1767)   Band 6-2 (1769)

Band 7-1 (1770)   Band 7-2 (1772)

Band 8-1 (1772)   Band 8-2 (1774)

Band 9-1 (1775)   Band 9-2 (1776)

Band 10-1 (1779)   Band 10-2 (1780)


|P_Buffon_IV_1

Inhalt:
1. Der Wolf
2. Der Fuchs
3. Der Dachs
4. Der Fischotter
5. Der Hausmarder
6. Der Feldmarder
7. Der Iltis
8. Das wilde Wiesel
9. Das gemeine Wiesel
10. Das Hermelin
11. Das Eichhorn
12. Die Katze
13. Die Maus
14. Die große Feldmaus, oder der Hamster
15. Die Wassermaus
16. Der Campagnol, oder die kleine Feldmaus

|P_24
/£{Kae-402,17}
Der Hund und die Wölfinn können sich weder miteinander belaufen **), noch eine Frucht zeugen; es giebt zwischen Ihnen keine mittlere Arten; sie haben ein ganz widriges Naturell, und unterschiedenes Temperament.
----------
**) Man sehe die Versuche, die ich deswegen angestellet habe, im I. Bande des III. Th. dieses Werkes, unter dem Artikel: Hund.


|P_Buffon_IV_2

Inhalt:
1. Das Meerschweinchen
2. Der Igel
3. Die Spitzmaus
4. Die Wasserspitzmaus
5. Der Maulwurf
6. Die Fledermaus
7. Der Siebenschläfer
8. Die große Haselmaus
9. Die kleine Haselmaus
10. Der Surmulot
11. Das Murmeltier
12. Der Bär
13. Der Bieber (162-)
14. Der Raton
15. Der Coati
16. Der Ugouti

p_162-164:
£:{Hes-123:14-19}

Die Bieber sind vielleicht das einzige Beyspiel, das noch als ein altes Denkmaal von diesem Einverständnisse unter den Thieren übrig ist, welches, so sehr es auch, vermöge seines Grundes, demjenigen, das sich unter den Menschen findet, unendlich weit nachzusetzen ist, dennoch gemeine Einwürfe und Absichten, / die sich auf das Ganze beziehen, voraus setzet. Entwürfe, welche die Gesellschaft zum Grunde, zum Vorwurfe, einen Damm haben, der angelegt, eine Pflanzstadt angebauet, eine Art von Republik, die gegründet werden müßte, setzen auch ein Mittel, es sey welches es wolle, voraus, um sich mit einander zu verstehen, und in Gemeinschaft zu arbeiten.
Die Bieber, wird man sagen, sind unter den wilden Thieren das, was unter den Insecten die Bienen sind. Aber welch ein Unterschied! Es sind in der Natur, so wie die Erkenntniß derselben zu uns gekommen ist, drey Arten von Gesellschaften, die man wohl betrachten muß, bevor man sie vergleicht. Die freye Gesellschaft des Menschen, von welcher derselben, nächst Gott, alles hat, was er vermag; die eingeschränkte Gesellschaft der Thiere, welche allemal vor der menschlichen flüchtig entweicht, und endlich die gezwungene Gesellschaft einiger kleinen Thiere, welche alle zugleich und an einem Orte entstehen, und genöthiget sind, dort beysammen zu bleiben. [...] So ist das Werk der Bienen, die in einem ihnen gegebenen Orte, dergleichen ein Bienenkorb, oder die Höhle eines alten Baumes ist, eine jede ihre Celle bauen, das Werk der Fliegen in Cayenne, die nicht nur ebenfalls ihre Cellen, sondern selbst den Stock bauen, der dieselben enthalten soll, nichts als eine bloß mechanische Arbeit, welche gar kein Einverständniß, keinen eigenen überlegten Entwurf, keine allgemeine Absicht voraus setzt. Arbeiten, die nichts als die Folge einer physischen Nothwendigkeit, und die Wirkung gemeiner Bewegungen sind, werden immer auf einerley Art zu allen Zeiten und an allen Orten ausgeübet, auch eine Menge, die sich nicht aus Wahl versammlet hat, sondern sich durch einen Zwang der Natur vereinet findet. Es ist also nicht die Gesellschaft, sondern bloß die Anzahl, welcher hier wirket; es ist eine blinde Gewalt, welche man nicht mit dem Lichte vergleichen kann, das eine jede Gesellschaft regieret. Ich rede nicht von dem reinen Lichte, von dem göttlichen Strahle, der nur dem Menschen allein zugetheilt ist. Den Biebern fehlt dieses gänzlich, so wie allen andern Thieren. Aber ihre Gesellschaft, die keine gezwungene Vereinigung ist, sondern sich vielmehr durch eine gewisse Wahl sammlet, und wenigstens eine allgemeine Uebereinstimmung und gemeine Absichten bey ihren Mitgliedern voraus setzt, nöthiget uns zum wenigsten einen Schimmer vom Verstande dabey anzunehmen, welcher zwar, seinem Grunde nach, von dem Verstande der Menschen sehr verschieden ist, aber doch Wirkungen hervorbringt, die Aehnlichkeit genug mit den Unternehmungen der Menschen haben, um mit den- / selben eine Vergleichung zu leiden: [...].

S. 171:
{Doe-121,26} / {Doh-144,03}
Alle kommen darinn überein, daß außer denen Biebern, welche in Gesellschaft leben, man allenthalben in eben derselben Gegend einsame Bieber antrifft, welche, wie es heißt, aus der Gesellschaft, um gewisser Fehler willen, verstoßen sind, und an keinen von ihren Vortheilen Theil nehmen, kein Haus, keine Vorrathskammer haben, und wie der Dachs in einer langen Höhle unter der Erde leben. Man hat auch diese einsamen Bieber Grubenbieber (Castors terriers) genannt; sie sind leicht zu erkennen, ihr Fell ist schmutzig, das Haar auf dem Rücken durch das Reiben an der Erde abgestoßen. Sie wohnen, wie die andern, sehr gerne an den Gewässern, wo einige so gar einen Graben, einige Fuß tief, machen, um einen See zu bilden, der bis an die Oeffnung ihrer Grube tritt, welche zuweilen auf mehr, als hundert Fuß in der Länge fortgeht, und in die Höhe geführt ist, damit sie die Freyheit behalten, sich nach oben zurück zu begeben, in dem Maaße, wie das Wasser in den Ueberströmungen höher tritt. Doch finden sich auch einige einsame Bieber, weit von dem Wasser, landwärts. Alle unsere Bieber sind einsame Grubenbieber, deren Pelz bey weitem nicht so schön, als der von denen Biebern ist, die in Gesellschaft leben. Alle sind an Farbe unterschieden, nach der Gegend, in der sie leben.


|P_Buffon_V_1

Menschen können überall leben: Kae-144: 22-145:20

Inhalt:
1. Der Löwe
2. Die Tiger
3. Tiere der alten Welt
4. Tiere der neuen Welt
5. Tiere die beiden Ländern gemein sind
6. Der Tiger
7. Das Panthertier, die Unze und der Leopard
8. Der Jaguar
9. Der Cuguar
10. Der Luchs, oder der Hirschwolf
11. Der Caracal
12. Die Hyäne
13. Die Zibethkatze und das Zibethtier
14. Die Genette
15. Ein schwarzer Wolf


S. 3: In den Menschen zeiget sich der Einfluß des Himmelsstriches nur in sehr geringen Verschiedenheiten, indem ihre Art einfach und von allen andern Gattungen aufs deutlichste abgesondert ist. Der weiße Europäer, der Schwarze in Africa, der gelbe Asiater und der rothe Americaner sind immer einerley Menschen, und tragen bloß die Farben ihres Clima. Da er zum Herrn der Erde erschaffen, und das ganze Rund derselben sein Erbgut ist, so scheint sich seine Natur nach jeder Lage seines Aufenthaltes gerichtet zu haben. Er lebet unter dem brennenden Süden und in dem nördlichen Eise, er vermehrt sich allenthalben, und seine Ausbreitung in alle Gegenden wird so alt befunden, daß er daher an kein besonderes Clima gebunden zu seyn scheint. Bey den Thieren im Gegentheile wirket der Einfluß der Himmelsgegend stärker, und wird durch sichtbarere Merkmaale kenntlich, indem ihre Gattungen verschieden sind, und ihre Natur lange nicht so vollkommen und weit eingeschränkter, als die Natur des Menschen ist.


|P_Buffon_VI_1 (1767)

Inhalt:
1. Der Elefant (003-)
2. Das Nasehorn (098-)
3. Das Kameel und der Dromedar (119-)
4. Der Büffel, der Bonasus, Aurochs, der Bison und der Zebu (168-)
5. Der Muflon und andere Schafe (204-)
6. Der Axis oder Gangeshirsch (230-)
7. Der Tapir oder Anta (250-252)


Elefant, Rüssel, Hand: Hesse 112: 30-32, Kae-396: 19-397: 01, Friedländer 433: 20-26, Pillau 251: 01-06, 252: 18-20, Dohna 130: 15- 17.
Friedländer 433: 21-26:

p_4:
{Kae-405:15-406:03}
Der Affe im Gegentheil ist eben so ungelehrig, als ausschweifend. Seine Natur ist überall gleich widerspänstig; hier ist keine gegenseitige Empfindlichkeit, keine Erkenntlichkeit für gute Begegnungen, kein Andenken an Wohlthaten; hier zeigt sich Entfremdung von der Gesellschaft des Menschen, Abscheu vor dem Zwange, ein innerer Zug zu aller Arten vom Bösen, oder um besser zu reden, eine heftige Neigung, alles zu thun, was schaden oder misfallen kann. Allein diese wirklichen Fehler werden durch scheinbare Vollkommenheiten vergütet. Er ist von außen, wie der Mensch, gebildet, er hat Arme, Hände, Finger; der bloße Gebrauch dieser Theile macht ihn andern Thieren an Geschicklichkeit überlegen; und die Aehnlichkeiten, die sie mittelst gleicher Bewegungen und übereinstimmender Handlungen, ihm mit uns geben, gefallen, täuschen uns, und verursachen, daß wir dasjenige inneren Eigenschaften zuschreiben, was doch nur von der Bildung der Gliedmaaßen abhängt. [...] Die Hand ist das vornehmste Werkzeug der Geschicklichkeit des Affen; der Elephant mit Hülfe des Rüssels, der ihm die Dienste eines Arms und einer Hand thut, und mit dem er die kleinsten Dinge so wie die größtesten aufheben und begreifen, an den Mund bringen, auf seinen Rücken setzen, umspannt halten oder weit wegschleudern kann, besitzt also eben das Mittel der Geschicklichkeit, als der Affe; er hat zugleich die Gelehrigkeit des Hundes, er ist, wie dieser, der Erkänntlichkeit fähig und im Stande, eine heftige Zuneigung zu fassen; [...].

p_10-11:
Denn man stellt sich nicht vor, zu welchem Grade die Sclaverey und die zubereiteten Nahrungsmittel das Temperament des Elephanten verschlechtern und die Gewohnheiten seiner Natur verändern. Man bringt es dahin, ihn zu bändigen, unter Joch zu bringen und abzurichten, und da er stärker und verständiger, als irgend ein anderes Thier, ist, so dient er mehr zur rechten Zeit, mit grösseren Kräften und mit mehrerem Vortheile. Allein der Widerwille gegen seinen Zustand bleibt wahrscheinlicher Weise in dem Innersten seines Herzens. Denn ohngeachtet er von Zeit zu Zeit die lebhaftesten Anwandelungen der Liebe fühlet, so vermehrt und begattet er / sich doch nicht, so lange er ein Hausgenosse des Menschen ist. Seine Leidenschaft artet durch den Zwang in Wuth aus. Da er sich nicht ohne Zeugen ein Genüge thun kann, so wird er unwillig, ergrimmt, kollerhaft, unbändig, und man hat der stärksten Ketten und Fesseln von allerhand Art nöthig, um seinem Toben Einhalt zu thun und seinem Zorne Schranken zu setzen. Er unterscheidet sich also von allen Hausthieren, die der Mensch, wie Geschöpfe ohne Willen, behandelt, und nach seinem Gefallen lenket. Er gehöret nicht in die Zahl jener gebohrnen Sclaven, die wir zu unserem Nutzen fortpflanzen, verstümmeln oder vermehren. Hier ist bloß das einzelne Thier Sclav, die Gattung bleibt unabhängig und willigt niemals ein, zum Vortheile des Tyrannen ihre Zahl zu vergrößern.

p_26:
[Elephanten in Paris (Versailles] und St. Petersburg: überleben nicht lange.]

p_29-30:
Was den Sinn des Gefühls betrifft, so hat er denselben, so zu reden, nur in dem Rüssel; er ist aber in dieser Art von Hand eben so zart und von eben so feiner Unterscheidung, als in der Hand des Menschen. Dieser Rüssel bestehet aus Häuten, Nerven und Muskeln, und ist zugleich ein Glied, das die Kraft sich zu bewegen hat, und ein Werkzeug eines sinnlichen Empfindnisses. Das Thier kann ihn nicht allein bewegen und biegen, sondern auch verkürzen, verlängern, krümmen und, wohin es ihm gefällt, drehen. Das äußerste Ende des Rüssels schließt sich mit einem Rande, der sich nach oben in Gestalt eines Fingers verlängert. Vermittelst dieses Randes und dieses so genannten Fingers kann der Elephant alles thun, was wir mit den Fingern verrichten. Er nimmt die kleinsten Geldstücke von der Erde auf, er pflückt Kräuter und Blumen, so daß er eine bey einer auslieset; er löset in Knoten geschlagene Stricke auf, öffnet und verschießt die Thüren durch Umdrehen der Schlüssel und Vor- oder Wegstoßen der Riegel, und lernt mit einem Instrumente, das nichts größer, als eine Feder, ist, regelmäßige Buchstaben machen. Man kann so gar nicht in Abrede seyn, daß diese Hand des Elephanten nicht viele Vortheile vor der unsrigen habe. Sie ist fürs erste, wie man gesehen hat, eben so biegsam und völlig so geschickt, etwas zu fassen, große Sachen zu betasten und Kleinigkeiten zu befühlen. Alle diese Handlungen geschehen vermittelst des Anhängsels, das, wie ein Finger, an dem Obertheile des Randes sitzt, der den Rüssel am Ende einfasset und in der Mitte eine Höhlung in Form einer Tasse läßt, wo auf dem Boden die beyden Oeffnungen zu den gemeinschaftlichen Gängen des Geruchs und des Athemholens sich befinden. Der Elephant hat also die Nase in der Hand und ist Meister, die Kraft seiner Lungen mit der Thätigkeit seiner Finger zu verbinden, durch ein starkes Saugen flüßige Sachen anzuziehen, oder sehr / schwere feste Körper in die Höhe zu heben, indem er an die Oberfläche derselben den Rand seines Rüssels schmiegt und inwendig durch Anziehen der Luft einen leeren Raum macht.

p_41:
/£{Doe-109',21} /
Ist der Elephant rachgierig, so ist er nicht weniger erkenntlich. Ein Soldat von der Besatzung zu Pondicheri, der gewohnt war, jedesmal, wann er seinen Sold bekam, einem von diesen Thieren ein gewisses Maaß Arak zuzutragen, hatte eines Tages zu viel getrunken, und floh, [...], unter die Elephanten und schlief daselbst ein. Umsonst versuchte die Wache, ihn aus dieser Freystatt zu bekommen, der Elephant vertheidigte ihn mit seinem Rüssel. Den folgenden Morgen, da der Soldat den Rausch ausgeschlafen hatte, erschrack er mit Schaudern bey seinem Erwachen, sich unter einem solchen Ungeheuer von Thiere liegen zu finden.

p_45:
Zitat von Eduard Terri (Reise nach Ostindien): "[...] Sein Rüssel ist aus einem Knorpel gemacht und hängt zwischen den Zähnen herunter. Einige nennen denselben seine Hand, weil er ihm bey manchen Gelegenheiten gleiche Dienste, als die Hand dem Menschen, thut. ... Der große Mogol hält einige, die bey den zum Tode verurtheilten Missethätern das Amt der Henker verrichten. Wenn ihr Führer ihnen befiehlt, diesen Unglücklichen schnell das Garaus zu machen, so zermalmen sie dieselben mit ihren Füssen in einem Augenblicke. Gebietet er ihnen hingegen, dieselben quälen zu lassen, so zerbrechen sie ihnen die Knochen, einen nach dem andern, und thun ihnen eine Marter an, die eben so grausam, als das Rädern, ist."

[Daubenton] Beschreibung des Elephanten (50-78)

p_51-52:
Der Rüssel des Elephanten ist, eigentlich zu reden, seine Nase, die sich wie eine Röhre verlängert und mit den Oeffnungen der Naselöcher schließt, welche in der That am Ende des Rüssels sind. Die Rüssel der Schweine, des Maulwurfs, der Spitzmäuse, des Ratons, des Coati u. a. th. m. haben darinn mit diesem Rüssel einige Aehnlichkeit, daß sie verlängerte Theile der Schnauzen und beweglich sind; der Elephantenrüssel aber hat noch die Eigenschaft mehr, daß er die Dienste eines langen und nervichten Arms und einer sehr geschickten Hand, eben so gut als die Dienste der Nase verrichtet. [...] Er stellet eine Röhre in Gestalt eines irregulären, sehr verlängerten, abgestutzten und am Ende ausgehöhlten Kegels vor. Die obere Seite dieser Röhre ist rund erhaben und der Breite nach gekerbt; die untere ist platt und hat zwo länglichte Reihen von kleinen Buckelchen, welche den Füßen der Seidenwürmer und der meisten anderen Raupen gleichen. Der erste Theil des Rüssels ist in der Gegend, wo bey andern Thieren die Oberlefze und das Ende der Nase ist. Er vertritt auch von beyden die Stelle, indem die untere Seite statt der Lefze ist und inwendig die Nasenlöcher liegen. [...] Der Elephant kann seinen Rüssel, wohin er will, bewegen, verlängern und verkürzen, ohne den Durchschnitt der beyden inwendigen Canäle weiter oder enger zu machen. / Folglich wird das Athemholen duch keine Richtung des Rüssels schwer gemacht, und das Wasser bleibt darinn, bis das Thier dasselbe durch Ausblasen fortschicket. Jeder Canal wird von einer glatten und straffen Haut umgeben, die seine inneren Wände macht, und der Rüssel ist von außen mit einer anderen Haut überzogen. Die Substanz, welche zwischen dieser auswendigen Haut und den Häuten der Canäle ist, besteht aus länglichten Muskeln, die eine Richtung, wie der Rüssel, haben, und aus andern Quermuskeln, die nicht zirkelförmig sind, sondern im Gegentheil von den Häuten der Canäle bis an die auswendige Haut des Rüssels wie Stralen ausfahren. Aller dieser Muskeln ist eine sehr große Menge. Sie können sich in einem Theile des Rüssels und an einer von seinen Seiten zusammen ziehen oder ausdehnen, ohne daß die andern eben dieselbe Bewegung erfahren. Hieraus läßt sich begreifen, wie der Rüssel sich bewegt, es mag seyn, wohin und auf welche Art es will, wie er sich verlängert und zurück zieht, ohne daß der Durchschnitt der inwendigen Canäle eine beträchtliche Veränderung leide. Die Muskeln nämlich schließen diese Canäle nicht ein, so daß sie überall an denselben hafteten. Ihre Bänder sind auf eine solche Art angesetzt, daß sie die Häute der inneren Canäle nach außen ziehen, und bloß die Dicke der Substanz, welche zwischen den Häuten der Canäle und der äußeren Haut ist, durch ihre Spannung dehnen oder mehr zusammen ziehen, vermehren oder geringer machen. Ziehen sie zum Exempel diese Substanz an der rechten Seite des Rüssels zusammen und machen dieselbe folglich dicker, so wirken sie dadurch eine Krümmung des Rüssels nach eben dieser Seite und, so lange diese Bewegung fortgeht, dehnet sich die Substanz der linken Seite aus und schwindet in der Dicke. Geschiehet ein gleich starkes Zusammenziehen in dem ganzen Umfange des Rüssels, so wird er kürzer, ohne krumm zu werden. Da die Anzahl der Muskeln ungemein groß ist, so finden sich genug, um mit der äußersten Stärke und Geschwindigkeit allerhand Arten Biegungen in dem Rüssel hervorzubringen; die erstaunlichsten sind diejenigen, welche am Ende vorgehen. Dieses läuft in eine Höhlung aus, an deren Boden die Nasenlöcher sind und deren Rand eine überstehende Wulst macht. Der untere Theil dieses Randes ist dicker, als die Seitentheile, und der obere Theil verlängert sich in Form eines Fingers, der ungefähr fünf Zoll lang ist. Diese Verlängerung und die ganzen übrigen Ränder von dem Ende des Rüssels und die Höhlung selbst, die sie bilden, können nach den Bedürfnissen des Thiers verschiedene Gestalten annehmen. Vermittelst dieses Werkzeuges befasset er, wie mit einem Finger oder einer Hand, mancherley Sachen; Handlungen, die eine solche Geschicklichkeit und gemessene Genauigkeit erfodern, deren man ein so großes Thier nicht fähig halten sollte. Wenn er einen Körper aufheben will, der wegen seiner glatten und gar zu großen Fläche sich nicht fassen läßt, so schmiegt er die Ränder von dem Ende seines Rüssels fest an denselben, zieht den Athem ein und pumpet die Luft so völlig weg, daß es ihm gelingt, einen Körper von großer Schwere in die Höhe zu bringen. Indem er das Ende dieses Rüssels in Wasser stecket, zieht er dasselbe an sich und füllet den ganzen Raum der beyden inwendigen Canäle damit an; hierauf zieht er den Rüssel zurücke und behält ihn voll Wasser, wenn er gleich große Bewegungen mit demselben vornimmt und ihn wohl gar kreisförmig herum schlinget. Er ist im Stande, dieses Wasser weit von sich zu werfen, gemeiniglich aber trinkt er es, so daß er das Ende des Rüssels in das Maul stecket und das Wasser hinunter laufen läßt.

p_64f.
/£{Doe-110,24 ?}
Verschiedene Schriftsteller wollen wissen, daß die Stoßzähne des Elephanten aus den Knochen der Hirnschale, der Schläfen oder der Stirne hervorgehen. Sie bestärken sogar ihre Meynung durch Beobachtungen, die an abgefleischten Elephantenköpfen gemacht worden sind. Andere behaupten, daß diese Stoßzähne an dem Oberkinnbacken sitzen. [...], da man nach Besichtigung der Knochen an dem Kopfe des Elephanten den Ausspruch gethan hat, daß die Stoßzähne Hörner wären, die / aus der Stirne hervorkämen. Fast alle, die hiervon geschrieben haben, haben diese Stoßzähne für Hörner angesehen, die auch aus dem Hirnschädel oder aus den Schlafbeinen ihren Ursprung haben könnten. Dies ist aber nicht möglich, denn die große Oeffnung der Nasenlöcher ist zwischen dem Boden der Fächer der Stoß und dem Grundtheile der Hirnschale, und die Augengruben finden sich zwischen diesen Fächern und den Schlafbeinen. Aus welchem Grunde sagt also Herr Perrault in der anatomischen Beschreibung des Elephanten, ›daß der Ursprung und die Lage von den Stoßzähnen dieses Thiers niemanden zweifeln ließen, daß dieselben wahre Hörner wären, indem der Knochen, aus dem sie hervorgehen, von demjenigen, aus dem die wahren Zähne entstehen, deutlich unterschieden sey‹? Diese wahren Zähne sind ohne Zweifel die Stoßzähne. [...] Herr Perrault setzet hinzu ›daß die Substanz der Stoßzähne des Elephanten mehr mit der Substanz der Hörner als der Zähne übereinkomme, indem die letzteren am Feuer nicht weich werden, wie bey dem Elfenbeine geschehe‹. [...]; wären die Stoßzähne des Elephanten keine rechten Zähne, sie würden noch weniger wahre Hörner seyn. Dem sey, wie ihm wolle, man hat ihnen einen guten Namen gegeben, da man sie Stoß- oder Wehrzähne (défenses) genannt hat, indem der Elephant dieselben als Waffen, sowohl zur Vertheidigung, als zum Angriffe gebraucht.


Das Nasehorn (98-)


/£{Kae-395,17} / £{Doe-111,16}


Das Kameel und der Dromedar (119-)

p_119 (erster Satz):
/£{Doe-111',11}
Diese zween Namen, Dromedar und Kameel, bestimmen nicht zwo unterschiedene Gattungen, sondern bezeichnen nur zwo besondere und seit undenklicher Zeit in der Kameelart vorhandene Rassen. Das vornehmste, und so zu sagen, das einzige merkliche Kennzeichen, wodurch sich diese beyden Rassen unterscheiden, bestehet darinn, daß das Kameel zween Höcker und der Dromedar nur einen hat; auch ist dieser kleiner und nicht so stark, als das Kameel; beyde aber vermischen sich und zeugen zusammen, [...].

p_130
/£{Hes-114,16} /£{Kae-398,05} / £{Doe-112,13}
Man hat weder Peitsche noch Sporn nöthig, um sie anzutreiben. Wenn sie aber beginnen müde zu werden, so unterhält man ihren Muth oder vertreibt man ihnen vielmehr die Verdrossenheit durch einen Gesang oder durch den Ton irgend eines Instruments. Ihre Führer lösen sich im Singen ab, [...].
[Buffon zitiert mehrere Reisebeschreibungen (Thevenot, Tavernier, Chardin) zum Beleg; allem Anschein nach wird bei Dressur und Aufzucht der Tiere gezielt Musik eingesetzt.]


Der Muflon und die übrigen Schafe. (204-)

p_204f.
Die schwächsten Gattungen der nützlichen Thiere sind zuerst unter das Joch des häuslichen Lebens gebracht worden. Man hat das Schaaf und die Ziege unterthan gemacht, ehe man noch das Pferd, den Ochsen oder das Kameel gebändigt hatte; man hat sie auch mit leichterer Mühe von einem Striche der Erde in den andern versetzt. Daher kommt die große Menge von Abarten, die sich bey diesen beyden Gattungen finden, und die Schwierigkeit, zu erkennen, welches von einer jeden die wahre Stammart sey. Es ist gewiß, wie wir bewiesen haben, daß unser zahmes Schaf in demjenigen Zustande, worinn es heutiges Tages vorhanden ist, nicht von sich selber, das ist, ohne Beystand des Menschen leben könnte. Es ist also nicht weniger gewiß, daß die Natur dasselbe nicht in dem Zustande, worinn es sich jetzt befindet, hervor gebracht hat, sondern daß es vielmehr unter unsern Händen aus der Art geschlagen ist. Man muß folglich unter den wilden Thieren diejenigen aufsuchen, denen es am nächsten beykommt, man muß dasselbe mit den zahmen Schafen fremder Länder vergleichn, man muß die verschiedenen Ursachen der Abänderung, der Verwandlung und der Ausartung, die einen Einfluß auf die Gattung haben mußten, ins Licht setzen, und endlich sehen, ob wir nicht, so wie bey dem / Ochsen geschehen ist, im Stande sind, alle jene Abarten, alle jene vermeynte Gattungen auf eine erste Stammrasse zurück zu führen.
/£{Doe-104,11}
Unser Schaf, so wie wir dasselbe kennen, wird nur in Europa und in einigen gemäßigten Landschaften Asiens angetroffen. Wird es nach heißeren Ländern, wie nach Guinea, gebracht, so verliert es seine Wolle und bekommt eine Decke von Haaren; [...].

p_209f.
Er [sc. der Mensch] wird zu gleicher Zeit, wie er diese zahmen Rassen ernähret, gewartet und vermehret hat, die wilde, diese stärkere, und nicht so umgängliche, folglich lästigere und nicht so nützliche Rasse aus der Acht gelassen, gejaget und ausgerottet haben. Diese wird also nicht mehr, außer in geringer Anzahl und in einigen weniger bewohnten Gegenden vorhanden seyn, wo sie sich hat behaupten können. Nun findet man aber auf den Gebirgen in Griechenland, in den Inseln Cypern, Sardinien, Corsica, und in den Wüsten der großen Tartarey das Thier, so wir Muflon genannt haben, und welches uns die ursprüngliche Stammart aller Schafe zu seyn scheinet. Es ist da in dem Stande der Natur, es erhält und vermehret sich ohne Beyhülfe des Menschen; es hat mehr Aehnlichkeit, als irgend ein anderes wildes Thier, mit allen zahmen Schafen, es ist munterer, stärker und schneller, als eines derselben; [...] und / endlich vermehrt es sich mit dem zahmen Schafe, welches allein ein hinlänglicher Beweis seyn würde, daß es von eben derselben Gattung und zugleich der Stamm derselben ist. Die einzige Ungleichheit, die sich zwischen dem Muflon und unsern Schafen findet, besteht in dem Haare, das er trägt, und in dem Mangel der Wolle. Wir haben aber gesehen, daß sogar bey unseren zahmen Schafen die Wolle kein wesentlicher Character, sondern ein Werk des gemäßigten Himmelstrichs ist, indem eben diese Schafe in heißen Ländern keine Wolle haben und alle behaart sind, und da zudem ihre Wolle in sehr kalten Ländern eben so grob und eben so spröde, als Haar sind. [...] Läßt man außerdem das zahme Schaf von dem Ziegenbocke bespringen, so ist das Junge, so davon entstehet, eine Art von Muflon, nämlich ein Schaflamm mit Haaren, kein unfruchtbares Maulthier, sondern ein Blendling, der wieder zu der ursprüglichen Gattung aufsteiget, und an sich selber augenscheinlich sehen läßt, daß unsere Ziegen und zahmen Schafe in ihrer ersten Abkunft etwas gemeinschaftliches haben.

p_213-215. [in Am. Zitat aus Gmelin 1751 ad 'Argali' nach nicht publizierter frz. Uebersetzung aus dem Deutschen!]
/£{Kae-389,07} / £{Doe-103',27}

p_250-252: Der Tapir oder Anta.
/ £{Doe-108',14}


|P_Buffon_VI_2

Inhalt:
1. Das Zebra
2. Das Flußpferd
3. Das Elendtier, und das Renntier
4. Der Steinbock, die Gems, und die übrigen Ziegen
5. Die Saiga
6. Die Gazellen
7. Der Bubal, und die übrigen Tiere, die zu Gazellen und Ziegen gehören.
8. Der Condoma
9. Gib
10. Die grimmische Ziege
11. Die Zwerghirschen
12. Die Mazamen
13. Der Cudus
14. Das Biesamtier
15. Der Babirusse
16. Der Cabiai
17. Das Stachelschwein
18. Der Coendu
19. Der Urson
20. Der Tanrek und der Tendrak


p_53-55:
{Kae-393: 12-13, 145: 11-14; Pillau 248: 7-8:}
Jetzt werden das Elendthier und das Rennthier alle beyde bloß in den nördlichen Ländern angetroffen: das Elend disseits, und das Rennthier jenseits des Polarzirkels, in Europa und Asien. Man findet sie in America auf geringeren Breiten wieder, weil die Kälte daselbst größer, als in Europa ist. Das Rennthier scheuet die Strenge derselben, selbst in dem äußersten Grade, nicht; man siehet dasselbe sogar zu / Spitzbergen; in Grönland und in Lappland, bis ganz hinauf gegen Norden, wie auch in den mitternächtlichen Gegenden von Asien ist es häufig. Das Elendthier kommt dem Pole so nahe nicht; es hält sich auf in Norwegen, in Schweden, in Polen, / in Lithauen, in Rußland und in den sibirischen und tartarischen Provinzen, bis gegen Norden in China; man findet es wieder unter dem Namen Original, und das Rennthier unter dem Namen Caribu in Canada, und in dem ganzen nördlichen Theile von America.

p_58:
{Kae-393: 16-20}
Wenn man die Vortheile, die die Lappen von dem zahmen Rennthiere haben, mit denjenigen zusammen hält, die wir von unsern Hausthieren ziehen, so wird man sehen, daß dieses Thier allein zwey bis drey der unsrigen werth ist. Man bedienet sich desselben, so wie des Pferdes, zum Ziehen der Schlitten und anderer Fuhrwerke; es gehet ungemein viel schneller und leichter, legt täglich ohne Mühe dreyßig Meilen zurück, und läuft mit eben solcher Sicherheit über den gefrornen Schnee, als über einen weichen Rasengrundweg. Das Weibchen giebt eine stärkere und nahrhaftere Milch, als die Kuh; das Fleisch dieses Thiers ist ein sehr gutes Essen; sein Haar ist ein vortreffliches Pelzwerk, und aus der gegerbten Haut wird ein sehr geschmeidiges und dauerhaftes Leder: folglich liefert das einzige Rennthier alles dasjenige, was wir von dem Pferde, dem Ochsen und dem Schafe erhalten.

p_60-61:
Kurz, die Lappen sind beständig mit diesen Bemühungen beschäfftiget; die Rennthiere sind ihr ganzer Reichthum, und sie wissen, alle Bequemlichkeiten, oder besser zu reden, alle Nothwendigkeiten des Lebens sich von ihnen zu verschaffen. Sie bedecken sich vom Kopfe bis auf die Füße mit diesen Pelzwerken, die weder Kälte noch Wasser durchlassen; dieß ist ihre Wintertracht: im Sommer nehmen sie Häute, von denen das Haar abgegangen ist; sie wissen auch dieses Haar zu spinnen; sie überziehen damit die / Sehnen, die sie aus dem Körper des Thiers bekommen, und die ihnen zu Stricken und Fäden dienen. Sie essen das Fleisch, trinken die Milch, und machen sehr fette Käse daraus. Die geläuterte und gestampfte Milch giebt anstatt der Butter eine Art von Schmalz.


|P_Buffon_VII_2

Inhalt:
1. Die Orang Utange, oder der Pango und der Jocko
2. Der Pitheke
3. Der Gibbon
4. Der Maggot
5. Der Pavian oder der eigentlich so benannte Bavian
6. Der Mandrill
7. Der Wanderu und der Lowando
8. Der Maimon
9. Der Makak und die Aigrette
10. Der Patas
11. Der Malbruck und die Chinesermütze
12. Der Mangaben
13. Der Mone
14. Der Callitrir
15. Der Mustak
16. Der Talapoin
17. Der Duk
18. Von der Abartung der Tiere


S. 189-222: Von der Abartung der Thiere (1772)



[2007: 1016-1054 / de la dégénération des animaux / HN XIV, 1766, 311-374]
[durch Abartung entstehen Rassen, nicht Gattungen; Ulrike S.]


Pillau 234: 22- 235: 02: Aus Abartungen entstehen Rassen, Varietäten:


p_189:
Dieses wäre allein genug zu beweisen, daß in der Natur des Menschen mehr Kraft, mehr Erstreckung, mehr Biegsamkeit, als in der Natur aller anderen Geschöpfe ist: denn die Gewächse und fast alle Thiere sind jegliches auf ihren Erdboden, ihr Clima eingeschränket: und diese Erstreckung in unserer Natur kömmt weniger von den Eigenschaften des Körpers, als den Eigenschaften der Seele her: durch sie hat der Mensch die für die Zärtlichkeit seines Leibes nothwendig erforderlichen Beyhülfen gesuchet: durch sie hat er Mittel gefunden, der strengen Luft Trotz zu bieten und den harten Erdboden zu besiegen. Er hat sich, so zu sagen, die Elemente unterworfen; durch einen einzigen Strahl seines Verstandes hat er den Strahl des Feuers hervorgebracht, welches auf der Erde nicht vorhanden war, [...].

p_190:
Die Haupteintheilung der Erdkugel ist die Eintheilung in die alte und die neue Welt: diese ist älter als alle unsere Denkmäler: nichts desto weniger ist der Mensch noch älter, denn er ist in diesen beyden Erdhälften eben derselbe geblieben: der Asiater, der Europäer, der Africaner, sind insgesammt mit dem Americaner der Zeugung fähig. Nichts beweißt besser, daß sie aus einem und demselben Stamme entsprungen sind, als daß es ihnen leicht ist, sich wieder in den gemeinschaftlichen Stamm zu vereinigen: das Blut ist unterschieden, aber der Keim ist eben derselbe: [...].

p_191:
Es ist dieses die größte Veränderung, welche die Himmelsluft in dem Menschen gemacht hat, und wie man sieht, betrifft sie das Innere nicht: die Farbe der Haut, der Haare und der Augen, ist durch den bloßen Einfluß des Clima veränderlich; die übrigen Veränderungen, z. E. der Leibesgröße, der Gestalt der Gesichtszüge und der Beschaffenheit der Haare beruhen, wie mich dünkt, nicht auf dieser einzigen Ursache: denn unter der Rasse der Schwarzen, wovon die meisten, wie bekannt, eine krause Wolle auf dem Kopfe, eine eingedrückte Nase und dicke Lippen haben, findet man dennoch ganze Völkerschaften mit langen wirklichen Haaren, mit regulären Gesichtszügen, und wenn man in der Rasse der Weißen, den Dänen mit Kalmucken, oder nur den Finnländer mit dem Lapländer, der doch mit jenem benachbart ist, vergliche, so fände man unter ihnen eben so viele Verschiedenheiten, in Ansehung der Gesichtszüge, und der Leibesgröße als ihrer in der Rasse der Schwarzen gefunden werden.

p_193: (entspricht Varietäten): [2007, S. 1020]
Die Temperatur des Clima, die Beschaffenheit der Nahrung, und die Uebel der Sclaverey, dieß sind die drey Ursachen der Veränderung und der Abartung in den Thieren.

p_197:
Es giebt nicht eine einzige Gattung Thiere, welche sich, so wie der Mensch, allerwegen auf der Oberfläche der Erdkugel befände: einige, und sehr viele Gattungen, sind in die mittägigen Länder der alten Welt eingeschränkt; andere in die mittägigen Theile der neuen Welt; noch andere, und diese in kleinerer Anzahl, sind in die nordlichen Länder begränzet, und anstatt sich gegen die mittägigen Länder auszubreiten, sind sie, durch Wege, die uns bis heutiges Tages unbekannt sind, aus einer Welt in die andere übergegangen. Endlich giebt es einige Gattungen, welche nur gewisse Berge oder gewisse Thäler bewohnen; und die Veränderungen ihrer Natur sind überhaupt um so viel weniger merklich, je weniger weit sie von einander wohnen.

p_200:
{Kae-407:16-17}
[Es muß heißen: Die weißen Haasen sind vielmehr eine Ab- als eine Ausartung!!!]
Der Hase hat eine biegsame und dabey feste Natur, denn er ist in fast allen Erdgegenden der alten und der neuen Welt ausgebreitet; und fast überall, ein sehr weniges ausgenommen, ist er eben derselbe: nur wird in den sehr kalten Erdgegenden sein Haar im Winter weiß, aber im Sommer bekömmt er seine natürliche Farbe wieder, dessen ganze Veränderlichkeit vom Fahlen bis zum Fuchsrothen geht.

p_202: Maulthier / Maulesel
[...]; das zweyte ist das kleine Maulthier, welches von einem Pferde und einer Eselinn herkömmt, welches wir zum Unterschiede, den Bardeau nennen wollen.

p_210 [2007: 1039]
{Kae-402:16-17}
[muß heißen: Der Wolf, ist dem innern Baue nach nicht (!) von den Hunden unterschieden.]
Der Hund, der Wolf, der Fuchs, der Chacal oder Jakal und der Isatis, machen eine andere Art aus, in welcher eine jegliche Gattung den anderen wirklich so nahe kömmt, und deren Individuen sich dermaßen gleichen, vornehmlich was die innere Gliederbildung und die Zeugungstheile betrifft, daß es sich schwerlich gedenken läßt, warum diese Thiere nicht mit einander hervorbringen.

p_211-212: Schäferhund [2007: 1041]
Der Schäferhund, von dem ich gesaget habe, daß er der erste Stamm oder Stammvater aller Hunde ist, ist auch derjenige, der sich der Gestalt des Hundes am meisten nähert: er hat eben dieselbe Leibesgröße; die Ohren stehen ihm, wie dem Fuchse, gerade in die Höhe; seine Schnauze ist spitzig; sein Schwanz gerade und schleppend: er gleicht auch dem Fuchse in der / Stimme, im Verstande und in der Feinheit des Triebes.


|P_Buffon_X_1

p_49:
Einige Schriftsteller haben diesen Vogel den rothen Fasan genennt. *) Man hätte ihn mit eben dem Recht den blauen nennen können, und beyde Benennungen würden eben so unvollkommen gewesen seyn, als der Name Goldfasan; weil alle drey, da sie nur eine der schimmernden Farben andeuten, die auf seinem Gefieder glänzen, die andern zwey auszuschließen scheinen; daher bin ich darauf verfallen, ihm einen andern Namen zu geben, und habe geglaubt, daß die Benennung der dreyfärbige gehäubte Chinesische, ihn am besten charakterisieren würde; weil solche diejenigen Eigenschaften ausdrückt, die an ihm am meisten in die Augen fallen. Man kann diesen Fasan als eine Abänderung des gemeinen Fasans ansehen, der sich unter einem besseren Himmelsstrich verschönert hat. [...] Die auffallenden Schönheit des Vogels hat gemacht, daß er in unsern Fasanerien, wo er heut zu Tag ziemlich gemein ist, gepflegt und vermehrt wird. Der Name des gehäubten dreyfarbigen Fasans zeigt das Rothe, das Goldgelbe und das Blaue an, welches auf seinem Gefieder herrrscht, und die langen schönen Federn auf seinem Kopfe, welche er, so oft er will, nach Art einer Kuppe in die Höhe sträubt. Sein Augenring, Schnabel, Füße und Klauen sind gelb, sein Schwanz verhältnißmäßig länger, emaillirter als unseres Fasans; und überhaupt ist das Gefieder glänzender. Ueber den Schwungfedern laufen andere lange, und schmale scharlachfarbige Federn hervor, deren Kiel gelb ist; um seine Augen ist keine rothe Haut, wie beym Europäischen Fasan; kurz, er scheint den Einfluß des Himmelsstrichs erlitten zu haben.


Datum: 13.06.2009 / ... / 16.07.2015 / ... / 08.11.2018 / 22.01.2019 / 30.12.2020