Knopf: Bibliothek Büsching 1754
[1758: 3te Auflage]
Knopf

Neue Erdbeschreibung
Erster Theil, welcher Dänemark, Norwegen, Schweden, das ganze russische Kaisertum, Preussen, Polen, Galizien und Lodomerien, Hungarn und die europäische Türkey, mit den dazu gehörigen und einverleibten Ländern enthält [Zuschrift, *128 S., 1184 S., unpag. Verbesserungen, Zusätze, Anhang zur Beschreibung des rußischen Kaisertums, Register]
Zweyter Theil, welcher Portugal, Spanien, Frankreich, Wälschland und Groß-Britannien enthält [unpag. Vorbericht, 1268 S., unpag. Verbesserungen und Zusätze, Register und Index] (Hamburg: Bohn 1754), 2 Bde.

**************
Es sind zwei Auflagen dieser beiden ersten Teile der ›Neuen Erdbeschreibung‹ mit der identischen Jahreszahl ›1754‹ auf den Titelblättern erschienen; Büsching selbst informiert dazu rückblickend im Vorbericht (gezeichnet: Göttingen, 1. Oktober 1757) der dritten mit der Jahreszahl ›1758‹ erschienenen, deutlich erweiterten und veränderten Auflage:

»daß der Herr Verleger nicht nur schon 1756 eine neue, wiewol kleinere Auflage derselben unternommen, welche aber mit der alten Jahreszahl versehen, und nur daran kenntlich ist, daß unterschiedene von denen am Ende angezeigten Druckfehlern darinn verbessert worden sind: sondern daß auch itzt schon die dritte Ausgabe derselben geliefert wird.«

Erich Adickes hat die R 106 (Ak, XIV: 623-626 / Phase: ζ / um 1764-66) als Auszug (Exzerpt) des Polen behandelnden Abschnittes nach der dritten oder vierten (1760) Auflage des Büschingschen Werkes identifiziert. Im frühen Konzept zu Vorlesung (Ms Holstein) wird Polen nicht abgehandelt; ebenso ausgespart bleiben Dänemark, Preussen und Großbritannien: Zentraleuropa scheint nicht in den Gegenstandsbereich der Vorlesung zu fallen.

Die R: 107 (Ak, XIV: 629,02 - 631,10 / Phase: β2 / etwa 1758/59) bietet ein Exzerpt (aus Büsching 1754, Bd. 1, S. 171-605), dessen Abschrift sich im ›Ms Holstein‹ p. 328-330 wiederfindet.


Die ›Neue Erdbeschreibung‹ ist - 1754-1759 - in drei Teilbänden erschienen; darin der dritte Teil, »welcher das deutsche Reich enthält«. Der vierte bringt 1761 »die vereinigten Niederlande, Helvetien [...], Schlesien und Glatz«; der fünfte Teil präsentiert erstmals 1768 »unterschiedene Länder von Asia« [Kleinasien und Arabien].
Gliederbau


Vorbericht [S. *1-*24]
Vom Nutzen der Erdbeschreibung [S *25-*32]

Einleitung in die Erdbeschreibung (in 78 §§) [S. *33-*128]

Teil 1: Dänemark, Norwegen, Schweden, Rußland, Preussen, Polen, [...], Ungarn, die europäische Türkey.

Teil 2: Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, Groß-Britannien.


Einleitung in die Erdbeschreibung

|P_*47f
[Liste der 16 Erdumsegler: von Magellan bis Anson]

|P_*49ff.
[Über die Expeditionen und Messungen der Franzosen zur Gestalt der Erde: 1736ff.]
|P_*50f.
[...], indessen wissen wir doch nunmehr so viel gewiß, daß die Erde, durch den Aequator gemessen, dicker sey, als durch die Pole, und daß der Durchmesser des Aequators sich zur Erd-Achse beynahe verhalte, wie 178 zu 177. Newton gab das Verhältniß von 230 zu 229 an, so daß nach seiner Meynung die Erde unter der Linie etwas über 3 1/2 Meile höher ist, als unter den Polen; nach den neuern Untersuchungen aber macht der Unterschied etwas über 10 gemeine deutsche Meilen aus.

|P_*92f.
Mineralreich nach Wallerius in 4 Arten: Steine, Glas-Arten, Erze, Steinwuchs.

|P_105
[Hinweis auf Süßmilch (Berlin 1742) zur Abschätzung der Bevölkerungszahlen]


1. Teil


|P_1ff.

Dänemark

[Nicht in Ms Holstein]


|P_169ff.

Norwegen

|P_170f.
£{Hol-328,19-23} / £{Hol-328,27-29}
»Die Luft ist überhaupt an den meisten Orten gesund und gut, doch aber mitten im Lande und / an der Ostseite besser als an der Westseite, woselbst sie feucht und die Witterung sehr veränderlich ist, daher auch die scrobutischen Krankheiten an derselben ganz gewöhnlich sind. Der Winter ist den Einwohnern so erträglich, daß sie sich nicht darüber beschweren. [...] An der östlichen Seite fängt der Winter mitten im October an, und währet bis in die Mitte des Aprils; er ist streng, und es fällt auch hier so wie gegen Norden viel Schnee, womit die hohen Gebirge und die hohlen Gegenden, welche sich gegen Norden wenden, Jahr aus Jahr ein bedeckt und angefüllt sind. Zuweilen schiessen von den steilen Gebirgen ungeheure Schneehaufen herunter, erschlagen manchmal Menschen und zerschmettern Häuser und Bäume.«
£{Hol-328,21-23}
»An der Seeseite bleibt der Schnee nicht lange liegen, fällt auch daselbst nie stark; und zu der Zeit, da gegen Osten und Norden des Landes ein strenger Winter herrscht, folglich auch alle Wasser mit Eis bedeckt sind, ist gemeiniglich an der Seeseite das Meer und die Meerbusen offen, und die Luft gemäßigt.«

|P_172
£{Hol-328,26-27}
»Der norwegische Strand ist an ganz wenig Orten flach und zuweilen niedrig, gemeiniglich aber steil und glatt, so daß man auf beiden Seiten der Klippen 1, 2, 3 bis 400 Faden Wasser finden kann.«

|P_173
£{Hol-328,23-26}
»Vom Meere erstrecken sich viele große und kleine Busen auf 6, 8, bis 10 Meilen ins Land, und in einigen derselben, so nur 50 bis 100 Faden breit, sind so genannte Tief-Rinnen, welche an die 400 Faden tief, an beyden Seiten derselben aber findet man gemeiniglich 100 Faden tief Wasser.«

|P_175f
£{Hol-328,27-29}
Die einzelnen Berge erstrecken sich auch gemeiniglich von Norden nach Süden, [...].

|P_176
£{Hol-328,20}
»Der Schade und die Unbequemlichkeit, so die Gebirge verursachen, bestehet in der geringern Fruchtbarkeit des Landes [...], und in der Gefahr, ja wirklichen Unglück, so das Zerreissen und Zerfallen der Gebirge manchmal verursacht.«

|P_182
Norwegens größte Herrlichkeit bestehet in den Metall- und Erz-Gebirgen, die zuerst unterm Könige Christian III getrieben worden, [...].

|P_222
£{Hol-328,29-329,04}
»Zwischen den gedachten Inseln Mosköe und Mosköenäs ist der berühmte Mosköestrom, welcher von den Schiffern gemeiniglich Mahl- oder Maelstrom genennet wird. Er läuft 6 Stunden von Norden nach Süden, und in eben so langer Zeit von Süden nach Norden zurück; welche Zeit auch das Meer in seiner Ebbe und Flut beobachtet. Allein beim Mosköestrom ist dis Besondere, daß er sich nicht nach der Ebbe und Flut richtet, sondern derselben vielmehr ganz entgegen ist.«

|P_223f.
£{Hol-329,04-08}
»Nach Bings Erzählung, welcher ihn gesehen hat, sind gar keine Wirbel darinnen, sondern man erblickt nur stark schäumende, brausende und hochsteigende Wellen, die immer spitzer werden, je höher sie steigen. Schelderup berichtet, der Strom mache eine Menge Krümmungen oder erschreckliche Wasserwirbel, welche einem umgekehrten ausgehöhlten Kegel ähnlich, und, vom obersten Rande an zu rechnen, öfters mehr als 2 Faden tief wären, oder, wie andere melden, oft 4 Klaftern im Durchschnitt hätten. Beyde Berichte können gewissermaßen miteinander bestehen. So viel ist gewiß: 1) daß die Heftigkeit des Stroms nicht allzeit gleich stark sey, sondern daß er nur theils beym Neu- und Vollmond, und um die Zeit, da Tag und Nacht gleich ist, theils beym großen Sturm heftig tobe, hingegen zu anderer Zeit gemäßigt, und 2 mal des Tages ganz ruhig sey. 2) Daß dadurch die Schiffahrt in den Gegenden desselben nicht ganz verhindert werde; [...].«
[Justin Bing, diss. de gurgite norvagico, vulgo Mosköe-Strom, Hafnia 1741]

|P_226
£{Hol-329,07}
Auf und neben den ungeheuren Kölen- und Nordfelsen, [...] halten sich die Lappen auf, welche auch Finnlappen oder Lappfinnen genennet werden, [...].

|P_233ff.
Die norwegischen Inseln. / [...]
Die Inseln Färöer. / Feroae, Insulae Faeroenses
[...]
£{Hol-329,09-12}
»Sommer und Winter ist hier mäßig, [...]. Die Inseln sind zwar / lauter Felsen, sie sind aber 1 Elle hoch mit Erde bedeckt, welche so fruchtbar ist, daß an manchen Orten 1 Tonne Korn Aussaat 20 und mehr Tonnen wieder bringt. Die Weide ist insonderheit gut, vornehmlich aber für die Schafe, deren Menge den Reichtum der Einwohner ausmacht, [...]. Land- und Wasser-Vögel giebts hier sehr viel; [...]. Von hier holet man gesalzen Schaffleisch, Gänsefedern und Eiderdunen.«

|P_237
£{Hol-329,13-15}
»[...] Insel Lille (d. i. klein) Dimen, welche diese sonderbare Eigenschaft hat, daß ganz weisse Schafe, wenn man sie dahin auf die Weide bringt, in kurzer Zeit schwarz werden, welches sich zuerst von schwarzen Flecken an den Beinen anfängt und hernach aufwärts gehet, bis die ganze Wolle schwarz geworden.«


|P_237-262 [1758: S. 375-401]
Die Insel Island. / (Islandia)

|P_238f.
£{Hol-329,16-19}
[Island] »bestehet eigentlich aus einer ungeheuren Reihe oder Kette von Gebirgen, die sich von Morgen gegen Abend erstrecken, [...]. Von den Eisbergen oder Jöckelern sind verschiedene nach und nach zu feuerspeyenden Bergen geworden, und werden sich vermutlich auch künftig noch manche davon entzünden.«
[Genannt werden: Hekla, Kötligiau und Oeraife; die letzteren beiden brachen 1721 resp. 1727 aus,]

|P_240
»da denn zugleich von dem geschmolzenen Eise und Schnee, womit sie bedeckt gewesen, eine Ueberschwemmung entstand, die Erde, Sand und Steine in erschrecklicher Menge fortriß und in die See führete. Der große Berg Krabla im Norder-Syssel fing am 17 May 1724 auch an mit fürchterlichem Geräusch Rauch, Feuer, Asche und Steine auszuwerfen, und gab hierauf einen schrecklichen Feuerstrom von sich, der einem geschmolzenen Metall ähnlich sah, langsam floß, sich in den 1 1/2 Meile davon belegenen See Myvater stürzete, und erst zu fliessen aufhörte, als der Berg am Ende des Septembers 1729 still wurde. [...]
£{Hol-329,20-22}
»Die Einwohner haben bemerkt, daß, wenn auf den Bergen, welche ehemals Feuer ausgeworfen haben, das Eis und der Schnee sehr hoch wächset, und die Klüfte, aus welchen vorher Feuer gekommen ist, verstopft, und also die Ausdünstung hindert, ein neuer Feuer-Auswurf nahe sey, welches sie itzt von dem Eisberge Oeraife besorgen.«

|P_240f
£{Hol-329,22-25}
»§.7. Warme und heiße Wasser finden sich in Island häufig; [...]. Die heissen Quellen werden in der Landessprache Hver genennet., und sind dreyerley Gattung. Einige sind nur mäßig heiß, [../.]; andere sind siedend heiß; [...] und noch andere kochen so stark, daß sie das Wasser ziemlich hoch treiben. [...] Diejenigen, so nahe dabey wohnen, kochen ihr Essen darinnen, indem sie den Kessel, mit kaltem Wasser und Fleisch angefüllet, hinein hängen; [...].«

|P_244
£{Hol-329,26-27}
»Die Schafzucht ist sehr ansehnlich auf Island, [...] man treibt sie auch im Winter des Nachts in die Ställe, worinnen sie bey harter Witterung auch des Tages stehen. Man legt sich aber am meisten im nordlichen und östlichen Theile des Landes auf die Schaf- und Viehzucht, und am wenigsten in dem mittäglichen, als woselbst man sich mehr der Fischerey befleißigt, und die Schafe des Sommers und Winters draussen läßt. Es giebt auch natürliche Schafställe auf der Insel, oder Höhlen in der Erde, dahin sie sich bey schlimmen Wetter begeben. Wenn im Winter nicht viel Schnee liegt, und es sich sonst zu gutem Wetter anläßt, so läßt man die Schafe aufs Feld gehen, damit sie sich selbst unter dem Schnee ihr Futter suchen.«

|P_250
£{Hes-250,11 [Das Gegenteil!]}
Es ist bey jedem bischöflichen Sitz eine öffentliche lateinische Schule, daraus die Studenten kommen, welche man, nachdem sie mehrere Uebung erlangt, zu Predigern macht; verschiedene reisen auch auf die Universität nach Kopenhagen.

|P_259f.
£{He8-26} / £{Hes-45a} [nachträglich: W_St: 06.05.2021]
6) Geyser (Grassator) im Thal Haukadal, einige Meilen / von Saalholt, ist eine wunderbare Quelle in einem ausgehöhlten Felsen, unten an einem Berge. Nach des Herrn Olavs Bericht, der sie 1746 gesehen, ist sie auf dem Felsen in einer Aushöhlung, die oben im Umfange 20, in der Tiefe aber 3 Klafter, und unten einen ganz engen Schlund hat, durch welchen das Wasser nach und nach heraufsteigt, bis das Behältnis überläuft, alsdenn höret man unten ein schreckliches Krachen als wie starke Büchsenschüsse, davon der ganze Felsen zittert, und nachdem solches 4 oder 5 mal geschehen ist, so springt das warme Wasser rück- und stoßweise unter einem starken Rauch wenigstens 60 Klafter hoch in so großer Menge heraus, daß dadurch rund umher warme Bäche verursacht werden. Nach 6 oder 7 Minuten hört das Herausspringen des Wassers nebst dem Getöse ganz auf, und die Höhle ist leer.


|P_263-286  [1758: S. 401-424]
[Grönland]

|P_267
£{Hol-344,06-08}
»Von Bäumen siehet man [in Grönland] nichts, ausgenommen 60 Meilen von der Hoffnungscolonie südwerts ist an einem Meerbusen ein Wäldchen, in welchem Birkenbäume ohngefähr 6 bis 9 Ellen hoch, und etwa so dick als ein Bein sind.«

|P_272
Die Grönländer sind durchgängig, sowol Weiber als Männer, kurz und untersetzt vom Leibe, doch aber wol proportionirt von Gliedmassen, fett und völlig, nur daß sie etwas platte Gesichter haben. Ihre Haare sind schwarz und schlecht, ihre Angesichter von ihrer schmutzigen Lebens-Art braun und roth.

|P_277ff.
[frühe Missionierung der Einwohner; Ansiedlung von Europäern ⇒ Egede]

|P_278f. [1758: S. 417]
£{Hes-025,07} / £{Kae-134,08} / / £{Mes-069,19} / £{Doe-016,11}
Nachdem die Anzahl der Einwohner in Grönland zunahm, so theilten sie ihre Colonie in die öst- und westliche. In Ost-Grönland bauete Erik die Stadt Garde, wohin die Norweger jährlich handelten. Die Nachkommen errichteten die Stadt Albe und das Kloster St. Thomas. Die Stadt Garde war der bischöfliche Sitz, und die Hauptkirche dem h. Nikolaus gewidmet; [../.]. Auf der westlichen Seite waren 4 Kirchen, und 110 angebauete Oerter. Die norwegischen Könige sandten Statthalter nach Grönland. [...]. Als 1348 die schwarze Pest den größten Theil der nordischen Völker wegraffte, so unterblieb die Fahrt nach Grönland. [...] In den folgenden Jahren [nach 1540] wurde Grönlands ganz vergessen.

|P_280
[...] so richteten verschiedene Kaufleute in Kopenhagen eine grönländische Compagnie auf, und sandten 1632 2 Schiffe aus, die sich in der Straße Davis vor Anker legten, und mit den Grönländern handelten, auch ein ganz Schiff voll Goldsand mitbrachten, weil aber die kopenhagenschen Goldschmiede gar kein Gold daraus scheiden konnten: so ließ der Reichshofmeister, [...], die ganze Ladung ins Wasser werfen; welche übereilte Entschließung ihn aber nacher gereuet, da man in Norwegen einen ähnlichen Sand gefunden, aus welchem feines Gold herausgebracht worden.


|P_287ff.

Schweden

|P_291
£{Hol-328,07}
Die gothische Elbe, welche aus dem Wenersee kommt, bey Gothenburg in die Westsee fällt, und 7_1/2 Meile vorher einen hohen Wasserfall hat.

|P_292f.
£{Hol-328,02-03}
»Das Getreide wächset in den zwar kurzen aber heissen Sommern geschwind auf, reicht aber zum Unterhalt der Einwohner lange nicht zu, daher von fremden Orten einige 100.000 Tonnen Korn eingeführet werden müssen.
In den nordlichen Theilen des Landes haben die Einwohner gelernet, sich Brodt von Birk- und Fichtenrinden, Stroh und Wurzeln zu backen, mit dessen Zubereitung es folgender Gestalt zugehet [...].«

|P_296
£{Hol-328,04-06}
Die größte Herrlichkeit des Landes machen die Metalle aus. In Smoland hat man Golderz entdeckt. Die größte Silbergrube ist bey Sala, [...]. Die Anzahl der Kupfergruben, [...]. Das Eisen-Erz ist so häufig, daß es sich gemeiniglich über der Erde zeigt, und von ungemeiner Güte, insonderheit das oeregrundische.

|P_298
£{Hol-328,05}
»Einige gelehrte Schweden berechnen die Anzahl der Einwohner in Schweden und Finnland ohngefähr auf 3 Millionen, [...].«

|P_305
£{Hol-328,07f.}
Um die Durchfahrt durch den Sund zu vermeiden, ist man schon lange darauf bedacht gewesen, die Schiffahrt, welche von Stockholm aus durch den Mälarsee, [...] noch weiter bis in den Wenersee, und von demselben durch die gothische Elbe bis nach Gothenburg, und also in die Westsee zu führen; welcher wichtige Anschlag aber, des großen Wasserfalls Trollhätta in der gothischen Elbe wegen, nicht wenig Schwierigkeiten hat. Indessen hat man doch auf dem Carlsgraben bey Trollhätta eine Schleuse, Graf Teßin genannt, zum Stande gebracht, welche gegen das Ende des Jahrs 1752 feyerlich geöffnet und brauchbar befunden worden, wovon sich das Reich zur Aufnahme des Handels einen beträchtlichen Nutzen zu versprechen hat.

|P_338
£{Hol-328,06}
[ über die Insel Oeland ]
»Die so genannten ölandischen Klepper sind zwar kleine, aber starke und muntere, Pferde.«

|P_344
£{Hol-328,07}
7 1/2 Meilen vor seinem Auslaufe in die offene See hat er [der Fluß der gothischen Elbe] einen großen, hohen erschrecklichen Wasserfall zwischen 2 Klippen, der eigentlich Trolhätta genannt wird, und aus einem dreyfachen Fall bestehet, von welchem ein jeder ohngefähr 5 Faden hoch, und 300 Faden von dem andern entlegen ist.

P_414ff.
7. West-Bottn, Westrobotnia

|P_417f. [Nicht zu Bergk-272]
Torneå, oder Torne, Torna, eine kleinen Seestadt von ohngefähr 70 hölzernen Häusern, auf einer Halb-Insel namens Schwentzar, welche der Fluß Torneå bey seinem Auslauf in den bottnischen Meerbusen macht. [../.] Diese Stadt und die Gegend von hier bis Kittis ist in den neuern Zeiten berühmt worden, da der Herr von Maupertuis nebst einigen andern Mitgliedern der parisischen Academie der Wissenschaften, in den Jahren 1736 und 1737, daselbst Beobachtungen angestellet, die Figur der Erde zu bestimmen.


|P_418ff.

Lappland

|P_419
£{Hol-328,09}
»Fängt endlich die Hitze mitten im Sommer an überhand zu nehmen, so wird man von ganzen Heeren von Mücken geplagt, die durch ihre Menge die Sonne als Wolken verfinstern können.«

|P_420
£{Hol-328,08-09}
»Die Erfahrung hat gelehret, daß in Lappland Korn wachsen könne. [...]; ja das Getreide wird an vielen Orten oft innerhalb 7, 8 oder 9 Wochen gesäet und geerntet.«

|P_421
£{Hol-328,09}
»Die Mücken machen freylich viel Ungelegenheit.«

|P_423
£{Hol-328,10-11}
»Im übrigen erleichtert der Schnee die Winter-Reisen ungemein, und so lang der Winter währet, darf man niemals fürchten, daß die Schlitenfahrt unvermutet werde verdorben werden. Man hat auch Mittel gefunden, sich solcher Rüstung an den Füßen zu bedienen, daß es oft geschehen und jährlich geschiehet, daß mancher Lappe, ungeachtet des tiefen Schnees, einen Wolf, wenn er ihm seine Heerde zerstreuen will, im Laufen erhascht.«

|P_425
£{Hol-328,11}
»[...] so hat ihnen Gott solche Thiere gegeben, mit denen sie die wenigste Mühe haben. Diese sind die Rennthiere, welche unter allen zahmen Thieren der wenigsten Wartung bedürfen, und doch ihren Eigentümern den größten Nutzen schaffen.«

|P_426
£{Hol-328,11-12}
»Mancher hat über 1000, er kennet sie aber alle.«

|P_432
£{Hol-328,10-11}
»Eine gewisse Art von Schrittschuhen hat der Lappe mit den Nord- und Finnländern gemein. Sie bestehen in einem Brett, das 3 bis 4 Ellen lang, etwa 1/2 Fuß breit, und vorn krumm gebogen und spitzig ist. Ein solches Brett binden sie unter jeden Fuß, und wenn sie dabey Stöcke, die unten mit kleinen Rädern versehen sind, damit sie den Schnee nicht durchstoßen, in den Händen haben: so laufen sie so geschwinde über den Schnee weg, daß sie Bären und Wölfe einholen können.«

|P_436
£{Hol-328,12-14}
»Von Gestalt sind sie [die Lappen] mehrentheils bräunlich und schwarz, welches theils von einer Unflätigkeit, theils daher kommt, daß sie viel im Rauche und in der Luft sind. Beiderley Geschlechte haben schwärzliche Haare, ein spitziges Kinn, eingefallene Backen, breite Angesichter etc. und sind mehrentheils von mittelmäßiger Größe.«

|P_438
£{Hol-328,14f.}
»Ihre Wahrsager-Trommeln sind in aller Welt bekannt; [...].«


|P_450ff.

Finnland

|P_454
£{Hol-328,16}
»Von den finnländischen Perlenfischereyen sind viele kostbare Perlen nach ausländischen Oertern verkauft worden.«

|P_455
£{Hol-328,16}
»Das biörneborgische Lehn ist eins mit von den fruchtbarsten u. wohlgelegensten Ländern in Finnland. In dem darinnen belegenen Kirchspiele Sastmola ist eine Perlenfischerey; diese Perlen übertreffen der Größe nach selten den größten Hagel; sie sind meist einzeln, doch findet man ihrer auch 2 bis 3 in einer Schale.«

|P_460
£{Hol-328,16}
[ von Ost-Bottn in Finnland:]
»In einigen Flüssen werden auch Perlen aufgefischet, darunter manche fast so groß wie Schwalben-Eyer sind.«


|P_469ff.

Das rußische Kaisertum

|P_474
£{Hol-330,09-10}
»Die Fische Beluga, Sterled und Citrine sind Rußland eigen, und die beyden letztern überaus delicat. Störe, Sterlede und Kosteri sind schwer von einander zu unterscheiden.«

|P_523
I: Der europäische Theil des rußischen Kaisertums

|P_523f
£{Hol-329,29-330,05}
»Die Grenzen [des europäischen Teils des russischen Kaisertums] gegen Morgen sind einerley mit den Grenzen zwischen Europa und Asia, welche aber schwer zu bestimmen sind. Zur natürlichen Grenze könnte man am füglichsten den Fluß Jenisea annehmen; denn der Hr. Gmelin meldet in der Vorrede zum ersten Theile seiner Florae sibiricae, daß er bis an denselben fast keine andere Thiere, Kräuter und Steine gesehen habe, als man in Europa finde. Allein jenseits des Flusses Jenisea ändere sich gegen Morgen, Mittag und Mitternacht die Gestalt des Erdbodens ganz. Vorher erblicke man nur hin und wieder Berge oder Hügel, hier aber sey die ganze Gegend, so weit sie sich erstrecke, bergicht, und die dazwischen liegende Thäler und Felder wären ungemein angenehm. Man sehe Thiere, die man vorhin nie gesehen, z. E. das Bisam-Thier. Pflanzen, die in Europa häufig sind, findet man hier nicht, wol aber viele andere in Europa ganz unbekannte.«

|P_525f
£{Hol-330,05-08}
»Der Fisch Beluga oder Hausen, welcher sich sehr häufig darinnen [in der Wolga] aufhält, verschluckt bey der Aufschwellung des Stroms große Steine, die ihm anstatt des Ballastes dienen, ihn am Grunde des Flusses zu halten, daß er nicht durch die starke Fluth aufs trockne Land getrieben werde; und will man in dem Bauche eines solchen Fisches einen Stein gefunden haben, der 250 Pfund gewogen, und in einem Kloster bey Astrachan aufgehoben wird.«

|P_529
£{Hes-053,06} / £{Mes-122,0} / £{Doe-032',18}
Er [sc. der Ladoga-See] hat viel Triebsand, so durch die häufigen Sturmwinde hin und her getrieben wird, und die Küsten seicht macht; daher viel platte rußische Fahrzeuge auf demselben verunglückt sind. Dis bewog Kaiser Peter den Großen, zum Besten seines Landes, einen kostbaren Canal, der 104 Werste lang, 70 Fuß breit, und 10 bis 11 Fuß tief ist, auf der Südwest-Seite des Sees in Ingermannland und Novogrod an und neben dem See anlegen zu lassen, welcher denn mit verschiedenen Beugungen und Krümmungen von Schlüsselburg bis Neu-Ladoga in den Fluß Wolchow gezogen, und unter der Regierung der Kaiserinn Anna 1732 vollendet, 1718 aber angefangen worden.


|P_575ff.: II. Die von alten Zeiten her zu Rußland gehörigen Provinzen.

|P_575-578: 1. Das groß-nowogrodsche Gouvernement

|P_575f:
£{Hes-053,12}
Zwischen den Flüssen Twerza und Msta hat Peter der Große bey dem Flecken Wyschnei Wolotschok einen Canal graben lassen, so daß man nunmehr aus dem caspischen Meere durch die Flüsse Wolga, Twerza und Msta in den Ilmen-See, und aus / diesem durch den Wolchow-Fluß in den ladogaischen See, von dannen aber auf der Newa nach Petersburg in die Ostsee schiffen kann.

|P_579-586: 2. Das archangelgorodische Gouvernement

|P_586-593: 3. Das moscowische Gouvernement


|P_592
£{Hol-330,10-11}
»Troitz, Troitzkoi Monastir, heil. Dreifaltigkeits-Kloster. [...] Man findet in diesem Kloster viel todte Körper, die aus natürlichen Ursachen nicht verweset sind.«
|P_593-595: 4. Das nischneinowgorodische Gouvernement
|P_595-596: 5. Das smolenskische Gouvernement
|P_596-607: 6. Das kiewsche Gouvernement
|P_605
£{Hol-330,10-13}
»In den unterirdischen Gewölben [des Klosters Petschersky in ›Kiew oder Kiow‹], die einem Labyrinth ähnlich, und mit Zimmern, Kapellen etc. angefüllet sind, findet man viele unverwesete Leichname heil. Märtyrer, mit welchen Mumien sichs eben so verhält, als mit denen zu Troitz; es werden auch die Mönche nach ihrem Tode dahin gebracht.«
[Hinweis auf Herbinius 1675]
|P_607-609: 7. Das bielogrodische Gouvernement
|P_609-612: 8. Das woroneschische und asowsche Gouvernement


|P_613ff.
II: Der asiatische Theil des rußischen Kaisertums
[...] Was vom rußischen Kaisertum in Asien liegt, ist ein ansehnlicher Theil der großen oder asiatischen Tatarey.

|P_614-615
[I: Flüsse in das Caspische Meer]
4) Gihun, welcher auch Amu, Amol, Amu Daria, Midergias, Scherbaz, Nahar, oder der Fluß schlechthin, Roud kanem, bey den Alten aber Oxus, imgleichen Bactrus, genennet wird, hatte vor Zeiten 2 große Arme, mit welchen er sich ins caspische Meer ergoß, sie sind aber beyde vertrocknet, und der Strom durch Kunst in den See Aral geleitet worden. Zu des Cyrus Zeiten war er die Grenze des persischen Reiches, und wird, von einigen für den Araxes des Cyrus gehalten. Er entspringt in dem Gebirge Paropaminus.
5) Sihun, so auch Alschach, Saert, Acsaert, Sir Daria, Sirdergias, Jaxartes und Siris bey den Alten genennet wird, und von den Macedoniern unrichtig für den Tanius gehalten worden, hat allezeit seinen Ausfluß in den Aral-See gehabt.

|P_615-621
[II: Flüsse in das Eis-Meer]

|P_621-623
[II: Flüsse in den östlichen Ocean]


|P_623ff
A. Der westliche und südlichere Theil der rußischen Tatarey.

|P_627-629: 1. Das astrachanische Gouvernement

|P_629-630: 2. Das orenburgische Gouvernement

|P_630-634: 3. Das kasanische Gouvernement


||P_627:
Die weitläuftige Ebene, oder sogenannte Steppe dieses Landes, ist sehr beschrien; sie ist ohne Wasser und Weide, und gegen die Küsten des caspischen Meeres sandigt. In den Gegenden der Stadt Astrachan sind kleinen Seen und Pfützen, in welchen das Salz in so großer Menge anzutreffen, daß es sich zum Theil auf der Oberfläche des Wassers als ein Eis setzt ind kristalisirt, so, daß man ohne Gefahr darüber weggehen kann, zum Theil aber sammlet es sich auf dem Grunde in Gestalt des Kristallen-Salzes.

|P_629f.:
/£{Hes-210.11} /
[...] Stadt und Vestung Orenburg, welche 1738 [...] erbauet, [...] 1740 an einen andern Ort weiter unterwerts an den Jaik verlegt worden. Ihr Zweck und Nutzen ist, die dem rußischen Scepter sich nach und nach unterwerfende neue Unterthanen zu schützen, und den Handel mit den mittäglich gelegenen Völkern zu befördern. / So lange bis sich hieselbst eine ansehnliche Kaufmannschaft wird niedergelassen haben, ist allen rußischen und asiatischen Kaufleuten erlaubt, ihre Waaren im Großen und Stückweise hieselbst, mit Erlegung des gebührenden Zolls, zu verkaufen, es dürfen auch alle europäische fremde Kaufleute von den Häfen und Grenzstädten hieher ihre Waaren bringen.


|P_635-702
B. Der nordliche und östliche Theil der großen Tatarey, welche in neuern Zeiten unter rußische Botmäßigkeit gekommen ist, oder Sibirien.

|P_638
Die Einwohner dieser nordlichen Gegenden leben daher von Fischen und Fleisch, und die Russen bekommen das nötige Getreide aus den mittäglichen Gegenden.

|P_639
Die Argati, welche auch Stepni Barani, (wilde Schafe) Dscholachtschan, Gaadinadatsch, Kytyp und Kulem genennet werden, sind den Hirschen ähnlicher, als den Schafen, gehören aber zu keinem von diesen beyden Geschlechtern, sondern machen ein besonderes aus.

|P_640
Von wilden Ziegen giebts 2 Arten, die eine findet man in der irkutzkischen Provinz, und wird Dsheren genennet. Sie ist den Rehen ganz ähnlich, ausser daß sie Hörner, wie der Steinbock, haben, die sie nicht abwerfen. Die andere Art wird Saiga genennet, ist in den obern Gegenden des Flusses Irtisch häufig, sonst aber nirgends in Sibirien zu finden. Sie ist einer Gemse nicht unähnlich, nur daß die Hörner keine Haken haben, sondern gerade sind. [...]
Die wilden Maulesel (Tschigitai) im Irkutzkischen sehen als ein lichtbraunes Pferd aus, haben einen Kuhschwanz, sehr lange Ohren, und können sehr schnell laufen.

|P_647ff..
§. 9. Die sibirischen Gebirge fangen von den werchoturischen an, welche in einer beständigen Reihe nach Mittag zu, bis in die Gegend der Stadt Orenburg, unter dem Namen des uralschen Gebirges, sich erstrecken, von da aber sich nach Abend / lenken. Sie trennen Rußland von Sibirien. Eine andere Reihe von Gebirgen scheidet Sibirien von den Ländern der Kalmücken und Mongalen. Zwischen den Flüssen Irtisch und Ob heissen sie das altaische, das ist, das Gold-Gebirge, welchen Namen sie aber nachher ändern, und insonderheit zwischen dem Jenissei und Baikal das saganische Gebirge heissen. Von diesen Gebirgen erstrecken sich Arme, sowol gegen Mittag ins Land der Kalmücken und Mongalen, als gegen Mitternacht, welche zum Theil den Ob- und Tom-Fluß, vornehmlich aber den Jenisei, umgeben. [...]
§ 10. Die Einwohner Sibiriens sind von dreyfacher Gattung, nämlich alte Einwohner, Tataren und Russen. Die ersten beyden haben theils die natürliche Religon, theils sind sie Götzendiener, oder Heiden, theils aber Muhammedaner. Viele von ihnen sind durch die Russen getauft worden. Zu den alten Einwohnern gehören: [Es folgen bis p. 658 insgesamt 12 Völkerschaften. Der anschließende § 11 beschreibt die Tataren (bis p..662); § 12 ist den Russen gewidmet (bis p. 664).

|P_652f.
6) Die Tungusen, oder besser Tingisen, welche Nation in der Provinz Jeniseisk und Irkutschk weit und breit zerstreuet wohnet. Von den Chinesern werden sie Solun, von den Ostiaken Kellem, oder Vellem, das ist die Bunten genennet, sie selbst nennen sich Oewenki. Man muß sie weder mit den Tanguten, noch mit den Ost-Mongalen, die von den Kalmücken spottweis Tungus, d. i. Schwein, genennet werden, verwechseln. Weil man, nachdem sie unter rußischer Botmäßigkeit gebracht waren, bemerkte, daß einige mit Pferden, andere mit Rennthieren, und andere mit Hunden herumzogen, so theilete man sie nach denselben ungereimter Weise in folgende Arten ein.
1) Konnie Tungusi [Pferde]
2) Olennie Tungusi [Rentiere]
3) Sabatschie Tungusi [Hunde]
4) Podkamenie Tungusi, welche zwischen den Flüssen Jenisei und Lena, oder um Ilimsk herum wohnen. Sie sind arm, und ihre Nachbaren, den Ostiaken und Samojeden, in der Lebens-Art ähnlich.

|P_654:
Wer diese Nationen mit einander vergleicht, kann aus ihrem Wesen und aus ihrer Geschtsbildung leicht abnehmen, daß sie von einem Stamme sind. Sie sind nicht so gelb, wie die Kalmücken, und haben auch nicht so platte Nasen, auch größere Augen als dieselben. Mehrentheils sind sie von kleiner und mittelmäßiger Leibesgestalt; und man findet nicht leicht einen, der einen Bart hätte; weil sie sich die Haare ausraufen. Sie haben den Gebrauch, die Gesichter ihrer Kinder auf den Backen, vor der Stirn und auf dem Kinn mit Figuren zu bezeichnen, die blau oder schwarz aussehen. Wenn sie dieselben verfertigen wollen, so nehmen sie gemeinen Zwirn und schwarze Kreide oder Ruß, machen mit Speichel einen Brey daraus, und ziehen den Faden durch denselben; aldenn nehen sie die Gesichte Stich an Stich, und ziehen die gefärbten Faden immer durch die Haut, wobey die Kinder erbärmlich schreyen.

|P_657
/£{Hes-100,18} / £{Kae-318,17}
10) Die Tschuktschi, welche auch in den nordlichen Gegenden von Sibirien wohnen, und die Gewohnheit haben, einen Wallroß-Zahn in den Backen zu tragen, dazu in der Kindheit die Löcher gemacht werden; [...].

|P_664
Herr Gerhard Friderich Müller [...]. Von seiner sibirischen Geschichte ist der erste Band schon 1750 in rußischer Sprache gedruckt worden, wovon eine baldige deutsche Uebersetzung angelegentlich zu wünschen.

|P_664f.
/£{Hes-210,22} /
§ 13. In Sibirien wird ein starker Handel getrieben, [...]. Ein solcher Kaufmann thut eine lange Reise, ehe er wieder nach Hause kommt. [../.]
[...], und kommt nach 4 1/2 Jahren wieder nach Moscau, in welcher Zeit er, wenn er ein guter Handelsmann und glücklich ist, zum wenigsten 300 pro Cent gewinnen muß. [...]
§. 14. Ganz Sibirien stehet itzt unter Rußlands Botmäßigkeit, [...].

|P_682
£{Hol-343,14-15}
»Man hat noch nicht recht erfahren können, ob die Insel [Novaja Semlja] bewohnt sey, oder nicht. Denn wenn man gleich Menschen darauf gesehen hätte, so ist darum noch nicht erweislich, daß sie sich beständig daselbst aufhalten.«


|P_703-758

Das Königreich Preussen


[Nicht in Ms Holstein]


|P_759-896

Polen, Litauen, polnisch Preussen und Curland


[Nicht in Ms Holstein]


|P_897ff.

Das Königreich Hungarn mit den einverleibten Ländern

|P_899f
£{Hol-321,11-12} / £{Hes-237,15}
»Hungarn liegt in dem nordlichen gemäßigten Erdgürtel; der mitternächtliche Teil ist bergigt und unfruchtbar, aber gesund; hingegen der südliche ist eben, warm und fruchtbar, aber der vielen Moräste und Sümpfe wegen ziemlich ungesund. Die gewöhnlichsten Krankheiten in Hungarn sind das Podagra, die Gicht und die hitzigen Fieber, welche letztere / in besonderem Verstande die hungarische Krankheit genennet werden, und den Fremden so schädlich sind, daß daher das Sprichwort entstanden: Hungarn ist der deutschen Soldaten Kirchhof.«

|P_900-904
£{Hol-321,05-06}
[Quellen, Bäder, Gebirge, Flüsse, Einwohner]

|P_921
Hungarn an sich selbst

|P_922
£{Hol-321,11-12}
»presburger Gespanschaft [...] liegt an der österreichischen Grenze zwischen der Donau und Morawa «
»Die Luft ist gesund, vornehmlich an den Bergen, aber nicht bey den Sümpfen an der Donau.«

|P_944f.
£{Hol-321,10-11} / £{Hes-039,06}
[Auszug aus dem Hamburgischen Magazin Bd. 4 (1749), S. 60ff., 69ff. => Matthias Bel]

|P_945f.
Zwey königl. Freystädte, nämlich:
£{Hol-321,07-09}
a) Cremnitz, Kremnitza, Körmötz, die vornehmste Bergstadt, liegt in einem tiefen Grunde zwischen hohen Bergen, so, daß man sie nicht eher siehet, als bis man nahe dabey ist. [../.] An goldenen Münzen kommen aus derselben jährlich ohngefähr 100.000 Ducaten, und man rechnet, daß ein jeder Ducat auf 12 Gulden zu stehen komme, daher die andern Erze diese Unkosten bestreiten oder gleich machen müssen. [...] Heutiges Tages sind die Gruben so wenig ergiebig, daß das Gold, welches sie liefern, kaum die aufgewandten Kosten ersetzt.

|P_950
£{Hol-321,07-09}
Schemniz, Schemnicium, ehemals Banya und Sebnitz, oder Sebenitz, eine ziemlich große und sehr volkreiche Stadt, welche in einem langen Thal dergestalt gebauet ist, daß die Häuser auf beyden Seiten desselben und an den Hügeln hoch hinauf zerstreuet stehen. [...] Die hiesigen Gold- und Silbergruben sind ziemlich reich, und die Arbeiter in denselben sind über 5.000; wie viel einträglicher sie aber ehemals gewesen, als itzt, erhellet daraus, daß man gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts hieselbst wöchentlich 3 bis 4.000 Mark Silbers machte; itzt aber kommt es kaum auf 100. Das hiesige Erz enthält mehr und besseres Gold, als das Cremnitzer, der Gewinn ist aber auch nicht groß. Die Unkosten, welche der Hof jährlich auf die hiesige Bergwerke wenden muß, belaufen sich über 500.000 Gulden.


|P_1069ff.

Das türkische Kaisertum in Europa

|P_1070: Das türkische Kaisertum bestehet aus europäischen, asiatischen und africanischen Ländern. Ich beschreibe hier nur die europäischen; will aber doch eine Einleitung in den ganzen türkischen Staat geben.

|P_1078: Das Haupt ihrer gemeindienstlichen Personen ist der Müfti; welches Wort einen Ausleger des Gesetzes bedeutet. Sein Ansehen ist groß, und der Kaiser selbst stehet von seinem Sitze auf, wennn derselbe zu ihm kommt; [...].

|P_1081:
£{Doe-185,12 anders!}
Zu unsern Zeiten ist zu Constantinopel von Ibrahim Effendi zuerst eine türkische Buchdruckerey angelegt worden, welche nach vielen Hindernissen Erlaubniß bekam, allerley Bücher zu drucken, nur keine die die Religion betreffen.

|P_1083: Die Türken sind eine tatarische oder scythische Nation, der dieser Name erst in den mittlern Zeiten als ein eigentümlicher Name beygeleget worden, [...].

|P_1088:
£{Doe-185,20}
Der Staatsrath des Kaisers wird Galibe Divan oder Divan Galibe genennet, und wöchentlich 2mal, nämlich Sonntags und Dienstags im kaiserlichen Palast gehalten. In demselben hat der Großvizir den Vorsitz; zu dessen rechten Hand der Kadiulaskier von Romelien, zur linken aber der von Natolien sitzt. Der Müfti ist auch gegenwärtig, wenn er ausdrücklich bestellet worden.

|P_1091: Der Name Cadi wird überhaupt von allen Richtern einer Landschaft oder eines Orts gebraucht.

|P_1094-1100
1.Das türkische Illyrien

|P_1100-1105
2. Bulgarien

|P_1101f
£{Hol-319,06-11}
»Am Fuße des Berges, welcher Bulgarien von Servien scheidet, ist ein lauligtes Bad, dessen Wasser Mannsdick hervor quillet; 60 Schritte davon aber ist in eben diesem Tale eine ganz klare eiskalte Quelle. [...] Auf der Grenze von Servien giebt's auch zwischen dem Gebirge Suha und Flusse Nissava viel warme Bäder. [...] Am Fuße des Berges Witoscha der einige Meilen jenseits Sophia nach der Grenze von Romanien zu liegt, sind auch 4 warme Bäder [...] Unter die natürlichen Merkwürdigkeiten dieses Landes sind auch die vielen und großen Adler zu rechnen, welche man in der Nachbarschaft der Stadt Babadagi antrifft, von welchen sich die Bogenmacher in der ganzen Türkey und Tatarey mit Federn zu ihren Pfeilen versehen, ungeachtet nicht mehr als 12 Kiele, und zwar vom Schwanze, dazu gebraucht werden können, die man insgemein um einen Löwentaler verkauft.«

|P_1105
£{Hol-319,12-16}
»Die Einwohner [der Landschaft Dobrudsch] sind ihrer Herkunft nach Tataren, deren Vorfahren sich aus Asien hieher begeben haben; heutiges Tages aber heißen sie Tschitaken, und sind ihrer außerordentlichen Gastfreyheit wegen berühmt. Wenn ein Reisender, er sei aus welchem Lande, oder von welcher Religion er will, durch eines ihrer Dörfer kommt, so erscheinen alle Hausväter, oder Hausmütter vor ihren Türen, und laden ihn aufs liebreichste und mit den Worten ein, daß er bey ihnen einsprechen, und mit ihren Speisen vorlieb nehmen möge, wie Gott sie ihnen bescheret habe. Derjenige nun, dessen Einladung der Reisende anzunehmen beliebt, unterhält denselben samt seinen Pferden, wann er deren nicht über 3 bey sich hat, 3 Tage lang ganz umsonst, und mit solcher Höflichkeit und Freygebigkeit, dergleichen man sonst schwerlich in der Welt antreffen wird. Er setzt ihm vor Honig und Eier, (welches beides das Land im Ueberflusse hat,) und unter der Asche gebackenes, aber doch feines Brot.«


|P_1117ff.
4. Macedonien

|P_1119f.
£{Hol-319,18-21}
»5) Der Berg Athos, welcher gemeiniglich der heilige Berg, Monte Santo, genennet wird, liegt auf einer Halb-Insel , [...]. Es ist derselbe von ungemeiner Höhe, welches daraus erhellet, weil Plutarch und Plinius berichten, er werfe seinen Schatten, wenn sich die Sonne im Sommer-Stillstande befinde, (vermutlich kurz vor ihrem Untergange,) auf den Marktplatz der Stadt Myrrhina, in der Insel Lemnos, welche nach den besten Charten 55 italiänische Meilen davon / entfernet ist, woraus man schliessen kann, daß der Berg Athos ohngefähr 11 Feldweges hoch seyn müsse.«
£{Hol-319,18}
»Er enthält 22 Klöster, und überaus viele Cellen und Grotten, worinnen sich bis 6.000 Mönche und Einsiedler befinden, [...].«

|P_1128-1133
7. Livadien
Unter diesem Namen wird heutiges Tages das alte eigentliche Griechenland begriffen, dazu die kleinen Königreiche [...] gehöret haben. Es erstreckt sich vom jonischen Meere bis an den Archipelagus, und hat in alten Zeiten viele berühmte Oerter enthalten.

|P_1131-1135
8. Morea

|P_1131f.
£{Hol-319,21-22}
»[...] Styx, dessen Wasser so kalt ist, daß die, so davon trinken, zu Tode frieren; es zerfrißt auch Eisen und Kupfer.«

|P_1133f
£{Hol-320,01-02}
»Maina, ein Ort mit einem dazu gehörigen Distrikt auf dem südlichsten Teile des Landes, dessen ein- und Anwohner die Mainotten, Nachkommen der alten Lacedämonier, und bis auf den heutigen Tag das tapferste Volk unter den Griechen sind. Ungeachtet man ihre Mannschaft nicht höher als 12.000 Soldaten rechnet, so haben sie doch niemals bezwungen, noch von den Türken zinsbar gemacht werden können.«

|P_1135-1151
9. die Inseln um Griechenland

|P_1137-8
£{Hol-320,03-05}
»Stalimene, (von εις την Λημνον) ehemals Lemnos, [...] ist jederzeit einer gewissen Art von Erde oder Kreide wegen berühmt gewesen, die von dem Orte Terra lemnia, und von dem Siegel oder Zeichen, welches darauf gedruckt wird, Terra sigillata, heißt. Man hält dieselbe für eine vortreffliches Arzeneymittel wider Gift, Schlangenbisse, Wunden und Blutflüsse. Sie ist von alters her mit vielen gottesdienstlichen Gebräuchen ausgegraben worden.«

|P_1140
£{Hol-320,06}
»Negropont wird vom festen Lande durch eine Meer-Enge, die ehemals Euripus hiesse, abgesondert. [...] Der Euripus ist von alters her wegen der ordentlichen Unordnungen berühmt, die er in seinen Bewegungen beobachtet.«

|P_1147f
£{Hol-320,07-13}
»Milo, Melos, bestehet fast ganz aus einem hohlen, schwammigten und mit dem Meerwasser gleichsam durchweichten Felsen. Man verspüret hier ein beständiges, unterirdisches Feuer; denn wenn man die Hand in die Löcher der Felsen steckt, so empfindet man eine ziemliche Wärme, und es ist ein Ort auf der Insel, der beständig brennet, und um welchen die Felder wie ein Schornstein rauchen. Allaun und Schwefel ist hier häufig zu finden. [...] Das Erdreich [ist] sehr fruchtbar. [...] Die Luft ist ungesund.«
£{Hol-320,13-15}
»Antiparos [...] enthält nichts merkwürdiges, als eine bewundernswürdige Grotte.« [Sie] »enthält eine Menge von weißen, durchsichtigen und kristallgleichen Marmor gewachsenen Figuren«.

|P_1151-1158
Die Inseln im mitteländischen Meere, welche in der Gegend um Candia, oder in dem candischen Meere liegen.

|P_1154f
£{Hol-320,15-18}
»Das sogenannte Labyrinth gehet unter einem kleinen Berge am Fuße des Berges Psiloriti, oder Ida, mit 1000 verworrenen Wendungen, ohne die geringste Ordnung, fort. [...] Der vornehmste Gang, in welchem man sich nicht so leicht verirret, als in den übrigen Gängen, ist etwa 1200 Schritte lang. [...] Der gefährlichste Ort des großen Ganges ist ohngefähr 30 Schritte von der Mündung desselben. Wenn einer auf einen andern Weg gerät, so verirret er sich sogleich unter den vielen Krümmungen, aus denen er sich schwerlich wieder heraus finden kann; daher sich die Reisende allemal mit Wegweisern und Fackeln versehen.«

|P_1156f:
£{Hol-320,18-22}
»Santorini, das ist Sant Erini, weil sie die heil. Irene zur Schutzgöttin hat, hieß ehedessen Calista und nachmals Thera. [../.] Diese Insel ist in den Naturgeschichte sehr berühmt. Sie scheint nichts anders als ein mit einer fruchtbaren Erdrinde bedeckter Bimsstein zu seny, und nach der Alten Bericht unter einem heftigen Erdbeben aus dem Meere als ein feuerspeiender Berg herauf gestiegen. Auf eben diese Weise sind noch 4 andere Inseln nahe bey Santorin aus dem Meere, welches hier so tief ist, daß man es mit keinem Bleiwurf ergründen kann, entstanden.«

|P_1173ff.
Verschiedene Tataren und ihre Districte


2. Teil


|P_1ff.

Portugal

|P_8
£{Hol-327,27}
»[...] und folglich sind in ganz Portugal ungefähr 2 Millionen Menschen«.
£{Hol-327,23-25}
»Die Portugiesen sind gewohnt, der Hitze wegen um die Mittagszeit zu schlafen, und ihr meisten Geschäfte des Vormittags und Abends oder Nachts zu verrichten.«

|P_22
£{Hol-327,25-27}
»Aus Brasilien holen die Portugiesen nicht nur Zucker, Toback etc. sondern auch Gold und Diamanten. [...]; und man kann überhaupt den ganzen jährlichen Betrag des brasilischen Goldes fast auf 2 Million Pfund Sterling schätzen.«

|P_54
£{Hol-327,27-28}
»Der Berg Estrella, bey den Römern mons herminius, welcher in der Correiçao da Gurada liegt, ist merkwürdig und berühmt. [...] Allein das Merkwürdigste auf dem Gebirge ist ein See, der mit hohen Felsen umgeben ist. Sein Wasser quillet aus der Erde hervor, ist sehr klar, gemäßigt warm, scheint in der Mitte eine zitternde Bewegung zu machen, und es steigen von Zeit zu Zeit kleine Bläsgen daraus in die Höhe.«


|P_109ff     [1758, S. 103-##]

Spanien

|P_118-120
£{Hol-327,10-13}
»Spanien hat, nach Ustariz Schätzung, ohngefähr 7_1/2 Millionen Einwohner, könnte aber noch einigemal so viel ernähren, wenn das Feld gehörig / gebauet, Manufacturen in Aufnahme gebracht, und Bergwerke bearbeitet würden. Zur Zeit der Gothen und Mohren hat es auch 20 bis 30 Millionen Menschen gehabt, [...]. Daß Amerika das Land von Einwohnern entblößet habe, will Ustariz nicht zugeben. [...] Die Ursache sucht er in der Vernichtung des Handels und der Manufacturen, / so ehemals hieselbst geblühet, und in den schweren Auflagen, dadurch sie ausgesogen werden. Ein anderer wichtiger Grund der Entblößung des Landes ist das Klosterleben, dadurch ein paar mal 100.000 Personen von der Vermehrung der Einwohner abgehalten werden.«

|P_120f
£{Hol-327,13-15}
»Die übrige Lebens-Art der Spanier, insonderheit im Essen und Trinken, trägt viel zu ihrer Unfruchtbarkeit bei. Sie übertreiben den Gebrauch des Gewürzes, insonderheit des Pfeffers, ihre Weine sind stark und brennend, und auf dieselben trinken sie nach der Mahlzeit noch sehr hitzige Branntweine; Chocolade wird Morgens und Abends genossen: was kann anders daraus erfolgen, als eine Vertrocknung der Nerven und Säfte? Auf der andern Seite schweifen sie eben so sehr im Genusse kühlender Speisen und Getränke aus, welche wechselsweise mit den eben genannten hitzigen Sachen genommen werden, und eine große Zerrüttung im Körper anrichten müssen. [...] Fast alle Leute sind trocken und mager, und man findet selten einen fetten und fleischigten Mann. Es sind auch nicht leicht in einem Lande mehr Blinde zu finden, als hier.«

|P_121
£{Hol-327,15-17}
»Savala del Commercio de las Indas berechnet, daß von 1492, da Amerika entdeckt worden, bis 1731 an barem Gold und Silber wenigstens 6.060 Millionen Pezos (§ 9) registrirt nach Spanien gekommen, die unregistrirten Summen [...] ungerechnet.«

|P_162
£{Hol-327,17-18}
»Die hiesigen Pferde [in Asturien] waren ihrer Güte und Geschwindigkeit wegen vor Alters sehr berühmt und beliebt. Der hiesige Adel rühmt sich der Abkunft von den alten Gothen, und der Reinigkeit vom jüdischen und maurischen Geblüte: [...].«

|P_176
£{Hol-327,19-20}
»Bejar, eine kleine Stadt [in Estremadura], welche 1448 zum Herzogtume erhoben worden, [...]. Unter den schönen Quellen, welche es hieselbst giebt, ist eine sehr kalte, und eine andere sehr warme; beyde heilen unterschiedene Krankheiten, die eine, wenn man ihr Wasser trinket, die andere, wenn man sich darinnen badet.«

|P_182
£{Hol-327,20-21}
»Andaluzia wird für das beste Stück des Königreichs Spanien gehalten: denn es ist fruchtbar an auserlesenen Früchten von allerley Art, reich an Honig, vortrefflichen Wein, Getreide, Seide, Zucker, vortrefflichem Oel, großen Herden Vieh, vornehmlich Pferden, Metallen, Zinober und einer gewissen Art Quecksilbers.«
£{Hol-327,23-24}
»Die Hitze ist zwar im Sommer ungemein groß, allein die Einwohner sind gewohnt, bey Tage zu schlafen, und des Nachts zu reisen und zu arbeiten.«


|P_261ff      [1758: S. 257ff]

Frankreich

|P_264      [1758: S. 260]
£{Hol-325,21-326,08} / £{Kae-214,10}
»Guettard, in seiner Abhandlung über die Natur und Lage des Erdreichs in Frankreich und Engeland, die in den 1751 für das Jahr 1746 gedruckten Mémoires de l'acad. roy. des sciences zu finden, meinet aus unterschiedenen Reisen, Hellots verzeichneten Wahrnehmungen, und des Büache mitgeteilten Schriften gefunden zu haben, daß es in Frankreich 3 Arten von Erde gebe. Die um Paris und Orleans, und in einem Teile der Normandie bis nach London sei lauter Sand, und man finde in diesem ganzen Striche kein anderes Metall, als Eisen. Der 2te unförmliche Kreis, welcher den ersten einschliesse, und dazu Champagne, Picardie, Touraine, Berry, Perche und ein Theil der Normandie gehören, sey Mergelstrich, wo keine andere Steine, als verhärteter Mergel, und auch kein anderes Erz, als Eisen sei. Im 3ten Kreise, der die Grenzen und die bergigten Gegenden des Königreichs in sich fasse, und sich in den größten Teil von Engeland und Deutschland ausbreite, finde man Schiefer, harte Steine und alle Metalle. Diese Erfahrungen verdienen angemerkt und geprüfet zu werden.«.

|P_268f     [1758: S. 264]
£{Hol-326,09-10}
»Der Champagner Wein wird für den besten unter den französischen Weinen gehalten, [...]. Der Bourgogne Wein, welcher um Beaume am besten wächset, hat eine angenehme Farbe, guten Geschmack, [...]. Der Pontack wächset auch in Guienne. Der angenehme Muskatenwein, Frontiniac, wächset in Languedoc, ist stark und nicht wol ohne Wasser zu trinken. Zwischen Valence und St. Valliere wächset längst des Rhone ein lieblicher rother und etwas herber Wein, der an Geschmack mit den Heidelbeeren etwas Aehnliches hat. Er heißt vin l'Eremitage, und soll sehr gesund seyn.«

|P_2##      [1758: S. 267]
Frankreich enthält einige tausend Städte [...]. Rechnete man auf jede Feuerstelle 6 Personen, so kämen über 22 Millionen Menschen heraus; allein diese Zahl ist schwerlich vorhanden, sondern es ist viel mehr wahrscheinlich, daß sie nicht über 20 Millionen steige.

|P_433f
£{Hol-326,10-12}
»Die alten Geschichtschreiber vom Delphinat sowol, als die neuern Landbeschreiber, machen viel Rühmens von den Wunderwerken dieser Provinz, deren Anzahl einige auf 7 setzen, andere aber nehmen noch mehr an; in 4 aber sind sie nur mit einander übereinstimmig.«
[Es werden dann zunächst vier aufgezählt, in denen Uebereinstimmung herrscht (der brennende Brunnen, der Turm ohne Gift, der unersteigliche Berg, die Höhlen bei Sassenage), und darauf noch weitere bestrittene.]

|P_4## [1758: S. 482]
£{Mes-146}
Ein diesem [Wind Cercius] wehet ein anderer aus Osten oder Süd-Ost, oder auch Süden entgegen, welcher Autan, Altanus, genennet wir, bey Narbonne und Agde zuerst, aber schwach, verspüret wird, und bey Castelnaudari ungemein heftig ist. Er ist warm, hat etwas Erstickendes, macht den Kopf schwer, nimmt den Appetit weg, und scheint den ganzen Körper aufzublasen.

|P_484
£{Hol-326,12-16}
»Der Gabelnbaum (Lotus arbor fructu cerasi, Celtis fructu negricante, Alisier, Micacoulier, Fanabregue,) gehört auch unter die Merkwürdigkeiten dieses Landes [Languedoc]. [...] Sein Stamm ist 2, 3 bis 4 Fuß hoch, und höher läßt man ihn nicht gerne werden. Oben aus diesem Stamme wächset eine große Anzahl gerader Zweige heraus, die man 5 bis 6 Fuß hoch werden läßt, gegen das 3te Jahr durchs Beschneiden zu 3 zackigen Gabeln bildet, und im 6ten, 7ten oder manchmal erst im 9ten Jahre, da sie völlig ausgewachsen sind, dicht beim Stamme vorsichtig abhauet; nachmals werden sie noch mehr in einem heissen Ofen gebildet.«

|P_486ff [1758: 484ff]
£{Hol-326,16-19}
»Der kostbare und sehr nützliche königl. Canal verdienet eine ausführlichere Beschreibung. Seine Absicht ist, den Ocean mit dem Mittelländischen Meer zu verbinden, so daß man zu Schiffe aus einem Meer in das andere kommen könne, ohne Spanien zu umfahren. [...] Unter Ludwig XIV dachte Paul Riquet [1609-1680] der Sache 20 Jahre lang in der Stille nach, zog allein seinen Gärtner zu Rathe, und brachte den Entwurf endlich zu Stande, den er von 1666 bis / 1680 ausführete. [../.] Er ist 40 franz. Meil. lang, hat durchgängig 6 Fuß hoch Wasser, [...]. In dem ganzen Canale sind 64 Corps d'ecluses, und manches derselben bestehet aus 2, 3 bis 4 Schleusen, die 8 bey Beziers ungerechnet.«

|P_489 [1758: 487]
£{Hol-326,19}
»Der Canal hat 13 Millionen gekostet, [...].«

|P_508
£{Hol-326,20-327,03}
»Balarüc, ein Flecken am See Thau, bey welchem warme Bäder sind, die wenig, oder gar nichts schwefelhaftes haben, wie Astrüc versichert, wol aber etwas Salz. Das Wasser ist leichter als das gewöhnliche Trinkwasser des Orts. Es ist nicht so heiß, daß es Eyer garkochte, es brütet sie aber, wenn sie in einem trocknen Gefäße hinein gehangen werden, ohngefähr in eben so viel Tagen, als eine Henne, aus. Das ausgeschöpfte Wasser behält seine Wärme wenigstens 8 Stunden, wird am Feuer langsamer zum Kochen gebracht, als das gemeine Wasser, und brudelt auch nicht so stark. Hieraus erhellet, daß seine Wärme nicht von einem unterirdischen Feuer, sondern von einer innern Gährung seiner Teile herrühre.«

|P_626f
£{Hol-327,04-08}
»In der Gegend dieser Stadt [Clermont] giebt es Quellen, welche die hinein gelegten Körper mit einer stein-artigen Rinde überziehen; die merkwürdigste aber ist die in der Vorstadt S. Allire, welche die berühmte steinerne Brücke gemacht hat, deren so viel Schriftsteller gedenken. [...] Es hat nämlich die versteinernde Quelle, welche auf ein viel erhabeners Erdreich fällt, als das Bette des Bachs ist, nach und nach etwas von der steinigten Materie angesetzt, und endlich durch die Länge der Zeit aus selbiger einen Bogen aufgeführet, unter welchem die Tiretaine ungehindert durchlaufen kann. [...] Da aber den Benedictinern der Abtei S. Allier, in deren Umfange diese Quelle ist, der häufige Zuspruch der vielen Leute, welche dieses Kunststück der Natur besehen wollten, zu beschwerlich fiel, suchten sie die versteinernde Kraft der Quelle zu verringern, und leiteten sie in unterschiedene Arme ab. Dis ist ihnen gelungen, und itzt überziehet sie nur diejenigen Körper mit einer dünnen Steinrinde, auf welche sie senkrecht herabfällt; an denenjenigen aber, über welche sie ihren ordentlichen Lauf nimmt, wird man nichts mehr gewahr. In dieser Vorstadt ist dis Wasser das einzige und gemeine Trinkwasser, und gar nicht schädlich.«


|P_721ff

Wälschland

|P_723
£{Hol-321,15}
[Italien / Wälschland wird] gegen Mitternacht aber von einer langen Reihe steiler Gebirge, die man Alpen nennet, eingeschlossen.«

|P_724      [1758: S. 721]
£{Hol-321,15-19}
»Die vornehmsten Gebirge Italiens sind die Alpen und apenninischen Gebirge. Die Alpen (welches Wort überhaupt hohe Gebirge anzeigt,) sind eine lange Kette von Bergen, die an der Mündung des Flusses Varo anfangen, und nach sehr vielen unordentlichen Wendungen sich bey dem Flusse Arsia in Histerreich oder Istrien am adriat. Meere endigen. Sie scheiden Italien von Frankreich, der Schweiz und Deutschland. [...] Die apenninischen Gebirge nehmen ihren Anfang bey den Meer-Alpen im genuesischen Gebiete, nicht weit von Genua, theilen Wälschland in 2 fast gleiche Teile, und erstrecken sich bis an die Meer-Enge, welche Wälschland von Sicilien scheidet.«

|P_725f     [1758, S. 723f.]
£{Hol-321,20-322,06}
»Es sind aber die schönen Gewächse, welche man nach den abendländ. Gegenden aus Wälschland, als dem Pflanzgarten, nach und nach geholet hat, hieselbst nicht alle ursprünglich gewachsen, sondern vielmehr größtenteils aus den morgenl. Gegenden hieher gebracht worden. So sind z. E. alle Fruchtbäume, die man im Lateinischen Mala, auf deutsch Apfelbäume nennet, nach den Siegen der Römer in Afrika, Griechenland, Klein-Asien und Syrien, nach Italien gebracht worden. Die Aprikosen kamen von Epirus, und hiessen mala epirotica; die Pfirschen, mala persica, aus Persien; die Citronen, mala medica, aus Medien; die Granat-Aepfel, mala punica, aus Carthago; die Kastanien von der Stadt Castania in der macedonis. Landschaft Magnesien, von dar man die letzten Bäume nach Italien gebracht hat. Die besten Birnen sind von Alexandrien, Numidien, Griechenland und Numantia gekommen, wie ihre Namen anzeigen. Die Pflaumen sind zuerst aus Armenien und Syrien, vornehmlich von Damascus, gekommen. L. Lucullus ist der erste gewesen, der Kirschbäume aus Pontus nach Italien bringen lassen, von dar sie in alle übrige europäische Länder geführet worden.«


Ober-Wäschland

1. Staaten des Königes von Sardinien

Savoyen

|P_743     [1758, S. 741]
£{Hol-322,15-16}
»Einige der höchsten Gebirge sind les Glacieres, und Montagnes Maudites in Faucigny, welches letzteren senkrechte Höhe wenigstens 2.000 franz. Toisen oder Klafter ausmachen soll; und in Maurienne giebt es insonderheit ungeheure Gebirge, die zu den Alpen gehören, darunter der Mont Senis oder Cenis am berühmtesten ist, weil über denselben der Weg aus Savoyen nach Piemont gehet.«

|P_745
£{Hol-322,17}
»Der Berg Plainejou, nicht weit vom Kirchspiele Passy in Faucigny, ward 1751 ein Feuer speyender Berg.«

|P_747     [1758, S. 741]
£{Hol-323,02-03}
»Man findet aber unter beyden Geschlechtern sehr viele Ungestaltete und Krüppelhafte, und insonderheit haben die Weiber ungemein große Kröpfe, welche den ganzen Hals von einem Ohr zum andern einnehmen, wovon die Schuld dem Wasser beygemessen wird. Es sucht wenigstens ein Drittheil der Mannsleute sein Brodt in Frankreich, mit Schuhputzen, Schornsteinfegen und auf andere Art, und kommt nur dann und wann nach Hause, das Erworbene zu überbringen.

Piemont

|P_758
£{Hol-323,04}
»Es ist zwar zum Teil bergigt, allein überhaupt, und selbst in Ansehung der Hügel sehr fruchtbar.«

|P_759f
£{Hol-323,04-06}
»Unter denen Bergen wird der Rochemelon, welcher zwischen Fertiere und Novalese gegen Osten liegt, für den höchsten unter den italienischen Alpen gehalten. [...] Schiesset man eine Flinte auf demselben los, so giebts keinen rechten Knall, sondern nur ein kleines Geprassel, als wenn man Holz zerbricht.«

|P_760
£{Hol-323,06-09}
»Der Berg Viso, welcher gegen Mittag des Tals von Lucern liegt, und einer der höchsten in Europa ist, wird für denjenigen gehalten, über welchen Hannibal den bekannten wunderbaren Zug getan. Der durch die Felsen gehauene Weg ist beynahe 2 Stunden lang, und ganz finster.«
[Adickes 1911, S. 294f: Bei ›Tal von Lucern‹ ist nicht etwa an das Reußtal zu denken, sondern an das heutige Pellicetal, eines der Waldensertäler, mit den Ortschaften Bobbio, Torre Pellice (La Tour), Luserna. Letztere hat bei Büsching die Namensform ›Lucerna‹ und das ganze Tal bezeichnet er als das von Lücerne (a. a. O. 761, 771); es liegt allerdings nördlich vom Monte Viso, zwischen beiden aber noch das Po-Tal.]

|P_774
£{Hol-323,10-11}
»In diesen Thälern [...] giebt es zwischen den höchsten Bergen und unwegsamen Felsen große Waldungen und Büsche, darinnen man viel weisse Hasen, die auch den Sommer nicht grau werden, Füchse, große Fasanen, graue und weisse Rebhühner, Wölfe und Bären antrifft.«

|P_774f
£{Hol-323,12-18}
»Unter den zahmen Thieren ist Jumarren merkwürdig, welches entweder von einem Stier und einer Stute, oder von einem Stier und einer Eselinn gezeuget wird; dieses fällt etwas kleiner, und heißt Bif, jenes aber ist viel größer, und wird Baf genennet. Die letzte Gattung hat oben einen kürzern Kinnbacken als unten, beynahe wie die Schweine, doch dergestalt, daß die Oberzähne vorn 1 oder 2 Daumen weiter zurück stehen, als die untersten; die erste aber hat oben viel längere Kinnbacken, fast wie die Hasen und Kaninichen, doch so, daß die untersten Zähne auch weiter heraus stehen. Der Kopf und Schwanz siehet einem Ochsen ähnlich, jener hat aber keine Hörner, sondern nur kleine Puckeln; übrigens sind sie in allen Stücken entweder wie ein Esel oder wie ein Pferd gestaltet. Sie haben eine ungemeine Stärke, ob sie gleich nicht so groß, wie die Maul-Esel, sind, fressen sehr wenig und laufen sehr schnell, so, daß man sich ihrer gut zum Reiten bedienen kann.«

Montferat

Mailand

Mantua

Parma & Piacenza

...

Modena

|P_813
£{Hol-323,19-20}
[ im Abschnitt vom Herzogtum Modena: ]
»Unten im Berge des Castello di monte Baranzone, und zwar an dem Orte il Fiumetto, gräbet man Brunnen, die 30, 40 und mehr Ellen tief sind, und auf deren Wasser ein röthliches Stein-Oel schwimmet, welches im Herbst und Frühling am meisten zufliesset, und alle 14 Tage aus den verschlossenen Brunnen heraus genommen wird. [...] Beym Castello di monte Gibbio sind auch dergleichen Brunnen, die immer zufliessen, und ein gelbliches Oel geben, welches das beste in diesem Lande ist.«

...

Drey freye Republiken

|P_831-876 [1758]
1. Die Republik Venedig

|P_876-914 [1758]
2. Die Republik Genoua

|P_914-917 [1758]
3. Die Republik Lucca


Der mittlere Theil von Wäschland

Toscana, p. 917

...

IX. Stato della Chiesa (1758: 943ff.)

1. Bologna (1758: 953ff.)

|P_943f      [1758: S. 954f]
£{Hol-323,21-324,03}
»Unter die natürlichen Merkwürdigkeiten dieses Landes [sc. des Territorio di Bologna] gehöret der berühmte bononische Stein, welcher gegen das apenninische Gebirge zu, und am Berge Paderno, 1 kleine deutsche Meile von Bologna, ausserdem aber auch in unterschiedenen Gegenden Wälschlandes gefunden wird. [...] Vor seiner Zubereitung ist zwischen ihm und einem jeden andern Stein im Finstern kein Unterschied; allein durch eine sonderbare Calcinirung bekommt er die Eigenschaft, daß, wenn er ans helle Tages-Licht gelegt wird, er in wenig Minuten so viel Schein und Licht gleichsam in sich saugt, daß er hernach im Finstern 8 bis 15 Minuten lang als eine glüende Kole leuchtet. Dieses kann man, so oft man will, wiederholen; und wenn der Stein sehr gut ist, so ist der Schein eines brennenden Lichtes hinlänglich, sein verborgenes Licht in Bewegung zu bringen, der Mondschein aber giebt ihm keine Kraft, und die Sonnenstralen sind zu stark für ihn, indem sie ihn gar zu sehr calciniren und er hernach leicht zerfällt.«

|P_956f      [1758: S. 968]
£{Hol-324,04-07}
»An diesem Strande [der Mark Ancona], und insonderheit bey dem Monte Comero oder Conaro, 10 wälsche Meilen von Ancona, findet man in dem seichten Ufer des Meers, woselbst viele leimigte Erde, und unterschiedene Arten von schwammigten Steinen anzutreffen, die Ballani oder Ballari, eine Art Muscheln, die sich lebendig in großen Steinen aufhalten, und weil sie etwas ähnliches mit den Dattelkernern haben, auch Dattili del mare genennet werden. Es giebt manchmal 20 bis 30 Stück in einem Steine; manche Steine haben auf der Oberfläche kleine Oeffnungen, andere aber nicht, und in letzteren leben und wachsen die Muscheln doch. [...] Sowol die Muschel selbst, als auch der Saft, welchen sie von sich giebt, glänzet im Finstern so hell, daß man gedruckte Schrift dabey lesen kann; ja, das Wasser, darinnen eine solche Muschel zerdrückt wird, giebt in einem Glase einen Schein von sich, der 8 bis 12 Stunden anhält. Ohne Zweifel entstehen sie so, daß die Eyerchen, oder die ganz kleine Brut, in die Löcher der obgedachten schwammigen Steine kommen, darinnen sie wachsen.«

12. Il Petrimonio di S. Pietro (1758: S. 982ff.)

|P_971f      [1758: S. 982f.]
£{Hol-324,08-09}
»Monte fiascone, ein schlechtes Städtchen auf einem Berge, welches seines guten weissen Weins wegen berühmt ist, der eine Art von Muscateller-Wein ist, und viel Balsamisches hat, aber wegen seiner allzu großen Fettigkeit sich nicht lange hält. [...] Nahe bey der Stadt ist in der Kirche des h. Flavians das Grab eines versoffenen Reisenden zu sehen, welcher ein Deutscher gewesen seyn soll, der seinen Diener voran geschickt, um die Thüren der Wirtshäuser, darinnen er den besten Wein finde, mit Est zu bezeichnen; da nun derselbe den hiesigen Wein vorzüglich gut gefunden, so habe er ein 3faches est angeschrieben; sein Herr aber sich hier zu tode gesoffen. Der Grabstein stellet in erhabener Arbeit einen Abt mit der Mütze vor, bey dessen Haupt an jeder Seite 2 Gläser Kreuzweise liegen, welche letztere die Erzählung zu bestätigen scheinen. Die Aufschrift des Steins ist fast ganz verloschen, allein auf einem andern angefügten Stein lieset man die mit Mönchsschrift eingehauene Worte
›Est Est Est ppr niium Est hic Jo. d. Fug. D. meus mortus est, welche so erkläret werden: est est est, proprer nimium Est, hic Johannes de Fuger Dominus meus mortuus est. So viel ist gewiß, daß das est est est hieselbst fast zum Sprichwort, und der Name des obgedachten Weins geworden ist.‹«

13. Campagna di Romana (1758: 986-1009)

|P_986 [1758]
Das römische Gebiet, welches vor Alters Latium hieß, hat zwar einen guten und fruchtbaren Boden, ist aber schlecht angebauet, [...].

|P_987-1003 [1758] Roma

X. Die Republik S. Marino (1758: S. 1009ff.)


...

Der untere Theil von Wälschland.

XI. Die Reiche des Königs von beyden Sicilien.
1. Das Königreich Napoli.

|P_1001f      [1758: S. 1013]
£{Hol-324,09-11}
»Unter die natürlichen Merkwürdigkeiten des Königreichs [Napoli] gehöret auch der phrygische Stein, oder die sogenannte Pietra fungifera, so eigentlich weder die Härte eines Steins, noch die Eigenschaften einer Erde hat, sondern aus einer in einander gewachsenen und verhärteten Sammlung von Erde, verfaultem Buchenholz und Fäsergen unterschiedener Pflanzen bestehet. Aus diesem sogenannten Steine wachsen, wenn er an einen schattigen und feuchten Ort gelegt wird, nach Beschaffenheit seiner Größe 2, 3 und mehrere Pfiffer in wenig Tagen hervor, davon manchmal das Stück über 20 %Pfund wiegt.«

|P_1004
£{Hol-324,12-13}
»Man hat auch bey angestellter Untersuchung gefunden, daß die [aus dem Vesuv] ausgeworfenen Steine allerhand Mineralien, selbst Gold, Silber, Kupfer, Zinn und Bley enthalten haben, die zum Teil noch darinnen gewesen.«

|P_1005f
£{Hol-325,07-08} / £{Hol-186,07}
Die Scorpionen sind eine noch größere Plage; die Taranteln aber sind die berüchtigsten. Diese Spinnen haben von der Stadt Tarento den Namen, in deren Gegend sie am größten und am giftigsten seyn sollen. Die Personen, welche davon gebissen werden, oder die sogenannten Tarantolati, werden melancholisch, matt, haben Mangel am Appetit, und einen schwachen Magen, schreien, seufzen, lachen, tanzen, und führen sich sonst wunderlich auf. Brauchen die Patienten nichts, so sterben sie in wenig Tagen. Die ordentliche Cur ist die Musik, dadurch sie in Bewegung oder zum Tanz und Schweiß gebracht werden. So gewiß und ausgemacht auch die Wahrheit, Gefährlichkeit und Cur der durch die Taranteln verursachten Krankheit der allgemeinen Meynung nach ist; so scheints doch, daß die Tarantolati zu der Klasse der gewinnsüchtigen Betrüger gehören.

|P_1022
£{Hol-324,13-16}
»Die Schwitzbäder, oder Sudatorii di S. Germano, sind einige Gewölbe an dem See Agnano, in deren zween eine Oeffnung ist, aus welcher ein sehr heißer Dunst dergestalt heraus dringt, daß die Gewölbe damit angefüllet, und die hinein gehenden zum Schwitzen gebracht werden.«

|P_1022f      [1758: S. 1034]
£{Hol-324,17-325,02} / £{He8-24,21}
»Solfatara, welcher Name aller Vermutung nach Solforata heissen soll, und von dem gemeinen Volke verdorben worden, ist ein kleines Thal, welches sowol, als die umliegenden Bergen gelblich und weißlich aussiehet; es steiget auch an sehr vielen Orten ein Rauch auf, daher diese Gegend von den Alten forum et olla Vulcani genennet worden. Wenn man die Dampflöcher erweitert und tiefer gräbet, so kann man sich ihnen zuletzt wegen der starken Hitze nicht mehr nähern. Die Steine so rings um eine solche Oeffnung her liegen, sind immer in Bewegung, und wenn man eine Handvoll kleinere Stücke darauf wirft, so werden solche bey 6 Ellen hoch in die Höhe getrieben, und zum Theil auch auf die Seite geworfen, ja an einigen Orten heben die bloßen Dünste ohne Rauch den Sand beständig in die Höhe. Es geschiehet also hier im Kleinen, was man an dem Vesuvius im Großen wahrnimmt; und ungeachtet dieser Berg über 2 deutsche Meilen von hier entlegen ist, so muß er doch in unterirdischer Verbindung mit diesem Thale stehen, weil man angemerkt hat, daß je stärker es hier raucht, desto ruhiger der Vesuvius sey, und je mehr dieser ausbricht, desto weniger Rauch auf der Solfatara verspüret werde. Das Erdreich ist fast allenthalben hohl, wenn daher ein Stein auf den Boden geworfen wird, so höret man unter demselben ein sich ziemlich weit erstreckendes Echo, welches recht donnernd ist, wenn ein großer Stein in ein gegrabenes Loch geworfen wird.«

|P_1041f      [1758: S. 1054]
£{Hol-325,03-05}
»Weil es in Apulien (hauptsächlich in den erstgenannten beyden Landschaften) wenige oder gar keine Berge giebt, so sind hier auch keine Quellen und Bäche, daher trinken die Menschen nur Regenwasser aus Cisternen, welche entweder in den Häusern, oder auf gemeine Kosten auf den öffentlichen Märkten angelegt sind. Das Vieh trinket auch Regenwasser aus den Cisternen, welche von Natur in dem felsigten Boden bereitet sind. Der Thau, welcher in diesem heissen Lande ohne Zweifel wegen des nahen Meeres stärker fällt, als in Deutschland, muß die Saaten und Weingärten anstatt des Regens erquicken.«

|P_1043
£{Hol-325,05-06}
»Der allhier gebauete Wein ist etwas salzigt, vielleicht weil die Rebenstöcke ganz bey der Erde abgeschnitten und kurz gezogen werden; hingegen die hiesigen köstlichen Wassermelonen, die bis Napoli geführet werden, und in den heissen Sommertagen eine vortreffliche Erquickung geben, werden zuckersüße; vermutlich, weil sie längere Stengel und mehrere Blätter haben, welche ihre durchseigende Werkzeuge sind.«

2. Das Königreich Sicilien

|P_1053f.      [1758: S. 1066f.]
£{Hol-325,08-14}
»Die Meer-Enge zwischen Sicilien und dem heutigen Calabrien wird von den Lateinern Fretum siculum, von den Messinern il Canale, gemeiniglich aber il Faro di Meßina genennet, und diese letztere Benennung scheinet von einem, am Fuße des Vorgebirges Capo di Faro stehenden Leuchtthurm herzurühren, welcher in wälscher Sprache Faro (lat. Pharus) heißt. [...] Ebbe und Flut ist in dieser Meer-Enge sehr stark und unordentlich, vornehmlich im Anfange derselben, wo sie am schmalsten ist, oder zwischen Faro und Sciglio sehr heftig. Der Strom des Meeres ist weit ungestümer, wenn es von oben herunter, und nach Griechenland zufliesset, als wenn es wieder aufwerts zurück kehret. Man kann in jenem Falle auch selbst mit einem starken Südwinde nicht wider den Strom fahren, sondern die Schiffe müssen längst der calabrischen Küste durch Ochsen gegen den Strom aufwerts gezogen werden, und es kann auch zur Zeit, da er so heftig nach Süden fliesst, kein Schiff diese Meer-Enge in gerader Linie durchschneiden, und aus Calabrien nach Sicilien kommen«.

|P_1054f
£{Hol-325,14-17}
»Der Meerwirbel, welcher gleich aussen vor dem Hafen von Meßina in dieser Meer-Enge ist, und von den Wällen betrachtet werden kann, oder die Charybdis, welche die Sicilianer anitzt Calofaro und la Rema nennen, war bey den Alten eben so berüchtiget. [...] Allein es ist überwiegend wahrscheinlich, daß die Gefährlichkeit dieses Orts von den Seeströmen herrühre, welche in dieser engen Gegend wider einander laufen, und den gefährlichen Wirbel verursachen. [...] Wenn kein Sturm auf dem Meere ist, und insonderheit, wenn kein Südwind wehet, so ist dieser Ort ruhig. Zu solchen Zeiten kann man mit einem kleinen Kahn ohne Bedenken darüber herum- und wegfahren.«

|P_1057      [1758: S. 1070]
Aetna ist der höchste Berg in Sicilien, und wird daher auch von den Seefahrenden in der Ferne am ersten entdecket, und siehet derselbe wie ein ungeheurer Rauchfang, oder eine überaus große hollperigte Säule aus. Die Einwohner nennen ihn durch eine seltsame Zusammensetzung Monte gibello, oder kürzer Mongibello, das ist, Berg Berg. Wenn man ihn von Catanea aus besteigt, so ist er 30.000 hoch, von der Seite Randazzoio aber nur 20.000 Schritte.

|P_1080
Kleine Inseln, die um Sicilien herum liegen.


Anhang

|P_1068      [1758: S. 1082]
£{Hol-325,17-19}
»Die im mittelländis. Meere belegene Insel Malta (Isola di Malta) wird gemeiniglich mit bey Wälschland abgehandelt, dem sie auch näher, als der Küste von Afrika liegt. [...]. Vor Alters hieß sie Iperia, nachmals Ogygia, hierauf wurde sie von den Griechen Melite genennet, woraus endlich die Saracenen Malta gemacht haben. [...] Sie ist ganz felsigt, und bringt nicht mehr Getreide hervor, als zum Unterhalte der Einwohner auf 6 Monate nötig ist.«


|P_1079ff      [1758: S. 1093ff]

Groß-Britannien und Ireland

|P_1081      [1758: S. 1097]
£{Hes-244,20f}
An Bau- und Brennholz ist ein großer Mangel, und die großen Stämme, vornehmlich Eichenbäume werden mit vieler Sorgfalt für den Schiffbau erhalten; hingegen giebt es viele und zum Theil unerschöpfliche Steinkolen-Gruben. Letztere sind vornehmlich bey Newcastle und Whitehaven.
[auch bei der Einzelbeschreibung: Whitehaven / Schiffe: oo]

|P_1117      [1758: S. 1134f]
£{Hes-244,24-26}
Das sogenannte stehende Kriegsheer in Groß-Britannien und Ireland bestehet aus folgenden Truppen:
1. England unterhält [...] zusammen 17.858 M. darunter die königl. Garden zu Pferde und Fuß mit begriffen sind.
Scotland ... 12.000 Mann
Ireland ... 10.000 Mann

|P_1119     [1758: S. 1287: letzte Seite]
£{Hes-219,07}
Groß-Britannien besitzt noch, ausserhalb den Grenzen seiner dreyen Inseln und Königreiche, erstlich in Europa [...]. Drittens in Asia unterschiedene Oerter auf der Küste Coromandel; Bombay und Dabul auf der Küste Cuncan, und das Fort Marlborough auf der Insel Sumatra.

|P_1122f.     [1758: S. 1139]
£{Hes-244,21-24}
[...] 1. Cornwall, Cornubia ist eine Halb-Insel [...] / die Berge enthalten vortreffliches Zinn und Kupfer, und auf den Küsten ist im Sommer ein einträglicher Sardellen- (Pylchards) Fang

|P_###      [1758: S. 1160]
9. Sussex, eigentlich Suth-Sex, das ist Land der südlichen Sachsen, liegt am Kanal, [...]
[keine Morräste]

|P_###      [1758: S. 1164]
10. Kent, Cantium, liegt beym Anfang des Kanals, und hat den Titel eines Herzogtums.

|P_###      [1758: S. 1166]
£{Mes-025,07}
Anm. Die Dünen (Downs) nennet man die Gegend des Meeres zwischen South- und North-Foreland, vor welcher die Sandbänke Goodwins liegen, und die Gewalt des Meeres brechen, so daß die Schiffe zwischen denselben und dem vesten Lande sicher vor Anker gehen können.

|P_###      [1758: S. 1171]
11. Middlesex, [...]

|P_###      [1758: S. 1182]
£{Kae-265,01 ?} / £{Mes-128,08 ?}
12. Essex liegt an der Nordsee, und hat den Namen von den östlichen Sachsen bekommen. Diese Landschaft hat zwar an der Mündung der Thames und an der See ein fruchtbares Marschland; die Luft aber ist daselbst nicht gesund.

|P_1171      [1758: S. 1189]
[Yarmouth] Die Heerings-Fischerey, welche am Michaelstage angehet und bis ans Ende des Octobers währet, ist in der Gegend dieser Stadt sehr wichtig.

|P_###      [1758: S. 1191]
15. CambridgeShire stößt gegen Mitternacht beynahe ans Meer, und diese mitternächtliche Gegend ist sehr morastig, auch den Ueberschwemmungen der Ouse und anderer FLüsse unterworfen; daher sie auch ungesund ist und wenig Getreide trägt; [...].

|P_###      [1758: S. 1217]
£{Mes-129,05}
29. LincolnShire ist gegen Süden und Osten morastig, gegen Norden und Westen aber fruchtbar.

|P_1###      [1758: S. 1218]
33. ShropShire, Comitatus Salopiensis, ist eine fruchtbare Landschaft, ob sie gleich gegen Süden und Westen bergigt ist.

|P_1209      [1758: S. 1227]
£{HeO-15} / £{Hes-037,23}
9. Whitehaven [in Cumberland an der irischen See] eine kleine Stadt am Meer, aus deren Hafen sehr viele Steinkolen ausgeführet werden. Es wird auch hier viel mit Salz gehandelt.


|P_###      [1758: S. 1241]

2. Scotland


|P_###      [1758: S. 1272]

II. Ireland, Hibernia


Datum: 18.02.2006 / .../ 07.04.2011 / Juli 2016 bis August 2017 / März 2018 / 06.09.2018 / ... / 07.02.2020 / 17.05.2021 / 15.09.2021