Physical Geography: Humans (8°)




Source: Nachl. Johann Gottfried Herder XXV.46a (Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz)

Group 2: XXV.46a-2 (8°, 5 pp.) Pages 1-5.

Source: Nachl. Kant, #15a (Akademie-Archiv, Berlin)

Group 1: Kant #15a-1 (8°, 1 p.) Page 6.

Source: Nachl. Johann Gottfried Herder XXV.44 (Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz)

Group 1: XXV.44-1 (8°, 8 pp.) Pages 7-13.


Group 2 consists of a 16 pp. signature with 15 pp. of text, written in ink, on physical geography (page 15 of the manuscript consists of notes from Kant’s metaphysics lectures, which comes between pages 4 and 5 of the notes below). ages numbered in pencil by a librarian. This group contains notes on: History (10 pp.) and Humans (5 pp.).


Kant #15a-1 is a folded sheet resulting in a signature of 2 sheets/4 pages, with numbering by sheet (5, 6). The page included here is 5r; the text is a dark brown ink, with the bottom one-fifth of the page blank. (The other three pages of this signature are written in a lighter-brown ink with text filling each page.) This group contains notes on: Humans (1 p.) and Animals (3 pp.)


XXV.44-1 is numbered by the sheet. It consists of a single large printer’s sheet folded twice, making 8 pp. with text on all pages. This group contains notes on: Humans (7 pp.: 1r, 1v, 2r, 2v, 3r, 3v, 4r [top-half]) and Animals (2 pp.: 4r [bottom-half], 4v).


[XXV.46a-2(10)] ms 1



[Das Tierreich, erster Abschnitt: Vom Menschen.]
[Der Unterschied der Bildung und Farbe der Menschen
in den verschiedenen Erdstrichen][1]

/ Hund in Guinea,[2] stumm, zahm, Zwergart.

/ Mensch in der mittlern Art vollkommen:[3] – Lappländer 4 ˜Fuß hoch: – Sind zwar

groß, aber von schlappichten Nerven – daher faul etc. wie Guinea Ochs.

/ In Temperata: die gebautesten Menschengestalten: – in den spätesten Zeiten zum Theil

vermischte Menschenracen – also noch vor der Völkerwanderung[4] muß Deutsche

als eigen Blut: – Teutsch: schön: – goldgelbe Haar (mit dem sich Römer zierten)

blaue Augen: stark, kühn: wie Tacitus sagt,[5] und noch jezt einige Reste zeigen:[a]

– Georgische: Frauenzimmer schön Cirkaßische Mädchen nach Indostan, Ispahan,

Konstantinopel: gebracht.[6] – Im ganzen ist der Begriff der Schönheit stets derselbe

obgleich oft Wahn, z.E. China: – Moden z.E. Europa blaße und rothe

/ Nordamerika: auch schön: Mann kühn frei, groß, regelmäßig

doch in demselben Erdstrich ist Calmucken Gesicht,[7] besonders original,

so merkwürdig wie Neger: ⁅Calmucken⁆ flach Gesicht, lange aber dichte und

blitzende Augen, keinen bart, dünne Lefzen, kleine Nase (keine Brille Raum)

ostwärts gehts weiter z.E. Chineser bisweilen: – (daher Porcellan

nachher verschönert es sich: – Manche Nationen haben blos Haar an Kopf

und Augen: z.E. in ganz Nordamerika ausgenommen[b] Eskimaux, in Norden

und Cäsar.ier in Süd:[8] – In Afrika Negers keine[c] – In Asia meistens

Katzenbärte: – Weltstriche unterscheiden sich Farben. Europa[d] weiß, und brunett.

/ Afrika schwarz (˚nicht tiefbraun: auch verdünnert noch Rußicht)

/ Ostindien olivenfarbig:    Amerika roth: obgleich Kupferroth:

[e] ˚nicht von der Luft, sondern Natur

/ Körperbau:[9] In Kalten: sind Thiere und Menschen [f] klein; diese

4 ˜Fuß hoch: – Zwergartig: – mit krummen Beinen: – Der Strich

der wohlgebildeten Leute[10] geht durch Georgien bis Moskulische Tartarei.

/ Die allernordlichsten z.E. am Eismeer sind braun an Farbe wie

Neapolitaner: – schwartz, glatt steif glänzend


[XXV.46a-2(11)] ms 2



/ Gelb Haar: dem Mitleren Weltstrich:[1] es sey nach der Vermischung.

/ Neger Afrikaner allein schwarz: alle müssen da geboren sein oder von

ihnen herkommen: – z.E. einige Schwarze in Ostindien kommen

von ihnen her: – Africa ist also das Land der Schwarzen allein: [a]

warum es allein diese Race ist: – einige sind sonst wohlgebildet

z.E. in Senegal: so daß sich auch oft Europäer verlieren: – sonst albern

Gesicht, eingedrückt, Wurstlippen, Hottentotten fast Affen: –

[b] sie haben auf ihrem ganzen Körper ˚nicht Haar, sondern Wolle: diese ist

schwarz ordentlich: – ausgenommen bei einigen weißen Negers[2] weiße Wolle:

[c] Amerikaner kupferrothe ist sehr von der rauhen Luft, unter-

schieden: – Die Negers in Africa heißen ˚nicht Mohren: – diese sind ganz anderes

Volk: – verbrannte Weiße, mit Haaren, schwarzbraun: mit

glatten Haaren: ist eigentlich aus Arabien, Fremde, die in Africa

selbst unterschieden werden: ist [d] weiße Race: – die Negers von Senegal

am schwärzesten: und besten: – die[e] Haut ist zart, wie Sammt, aber

dick (daher sie ˚nicht mit Ruthen,[3] sondern Ruthhampf: Rohr gepeitscht werden)

je weiter nach Süden, desto weniger schwarz z.E. Hottentotten: – in

Abyßinien ist Haar [f] grobgekräuselt

/ Negers von Sierra Leone[4] stinken: – (so wie die Chineser die Mugalischen Tartaren

stinktartaren[5] nennen) das[g] nie vom Waschen abgeht: –     Es giebt also

gewiße Stammbildungen der Nationen: die durch Vermischung auch sehr ver-

mischt werden, aber wo die Nation allein lebt, auch unvermischt:

/ Calmücken: sind zwar jezo unvermischt: (wegen des schlechten Landes:

Chineser nehmen blos Tribut) aber vormals durch Tamerlan[h][6] sehr weit

fortgepflanzt: – [i] Deutsche vermischt: – Afrika tief

am unvermischtesten: – Im Altertum nie besucht, weil die[j] g.


[XXV.46a-2(13)] ms 3



/ die Griechen es vor sehr heiß hielten:[1] und keine Schiffart: sonst aber haben die

Tartarn die gröste Vermischung in ganz Asien und Europa, durch ihre

gröste Eroberungen gemacht: – Africa also gleichsam unvermischt, und daher

Originalfarbe des Clima: aber woher Amerika: auch so lange allein

und doch so feind der Schwarzen[a] Farbe: – also Farben arten ein und so auch schwarz

erblich: – woher wird etwaz erblich? – unsere Bartscherung, die Verschneidung

der Hottentotten des einen Testikels (um ˚nicht Zwillinge zu haben) beschneiden[2]

macht ˚nichts erblich: – manche Familien mit 6 Fingern: (daher Bil-

finger 6te Finger)[3] der Stachelman in London:[4] – braun mit gelber

Spitze 1 Zoll lang: war noch ˚nicht völlig stachlicht zeugt aber stachlicht.

Da wir von ähnlichen Dingen keine Ursache wißen: so auch hier ˚nicht! – Die Thiere

schlachten[5] ihren VorEltern sehr nach: – Negers keine Menschen- aber Pferde

adel: mit Ahnen der Voreltern: – Mensch in Zeugung und Nahrung dem

Thier gleich: – also arten sie auch ihren Voreltern nach (und lassen Eltern vorbei)

Man sollte also natürlichen: (˚nicht gesellschaftlichen) Menschenadel machen können:

gewiße Familien in Vorfahren: groß edel aufrichtig: – Bemühungen

des Fürsten könnte racen aussortiren, von edler; oder von starker Art:

die unvermischt blieben: und edle Geschlechter geben würden – Maupertuis

in Venus Physique wollte Serail[6] halten, um Menschenracen zu entdecken.

– durch Verschiedene Begattungen hat man Hunde z.E. Mopse gemacht:

so[b] auch Menschen: bei denen man das Genie beobachten könnte:

/ So wie in einem Dorfe lauter weiße Hüner:[7] durch Wegnehmen der bunten: so

auch die seltnen lügner etc. etc. gleich weggenommen:

[Einige Merkwürdigkeiten
von der schwarzen Farbe der Menschen.][8]

Neger komt roth

zur Welt:[9] Zeugungsglieder: und Nabel sind schwarz: in einigen Wochen

ganz schwarz: – Papagey @trepazeren@:[10] – Negers Haut angebrant

wird [c]weiß – gegen den Tod: weißlich: – nach dem Tode aber noch schwärzer

[d] keine andere Nation wird weiß z.E. Portugiesen in Verde[11] über 200 Jahre schon

/                    und doch nicht schwarz.


[XXV.46a-2(14)] ms 4



/ Negers mit Weißen vermischt gibt Bastarde (Mulatte) Haar

ist schon lockigter: dunkelfarbe: – [a] Im Amerika heißt eines

Mulatten Sohn:[1] – Terzeroll – Sohn des Quinterols ist wieder

weiß: – [b] Der Quinterol oft streitig, wegen des Vorzugs

Negers sind nirgends anders als Africa: – Mohren sind braune

Araber [c] Mauritanien – Es gibt sogar[d] weiße Negers:[2] ein Kind von

2 Negers: das weißer ist als alle Europäer: und von @ihnen@ unterschieden:

gehaßt von Europäern und getödtet selbst von den Negers: – hat [e]blaue Augen

wie eines todten: sieht schwach: Mondsblind: – weiß wie ein Todter –

Albinos überfallen die Schwarzen bei Nacht und ʾvice versa: – sie haben weiße Wolle

bei Darien[3] soll ganze Nation seyn: – vermutlich ausgestoßen – Negershaut

dick: wie sammt: daher [Text breaks off.]

[Meinungen von der Ursache dieser Farbe][4]

/ Ursache der schwarzen Farbe: – braun macht luft und Sonne; schwarz ˚nicht

blos von der Sonne eingeätzt: – wie wurde dies erblich – ʾResponsio das Corpus

reticulare[5] ist mit einer Tintenähnlichen Farbe angefüllt: – Einige frugen

ist Adam Neger oder weiß: [f] eines muß ausgeartet seyn: – [g] Neger

glauben 2 Stammvater: – andere schreiben es dem Fluch des Chams[6]

zu: aber die Farbe macht ˚nicht unglücklich – schwarz ist zwar von braun unterschieden:

aber in langen Epochen kann sie in schwarz von der Sonne vertieft seyn: – aber woher

blos Africa? ʾResponsio Es ist von allem abgeschnitten, durch Wüsteneyen,

den Römern [h] schien es unbewohnbar:[7] wegen der Hize: [i]der Wüsten:

und des Mangels der Schiffarth: also komts daher, weil ihre Farbe unver-

mischt ist: – Hingegen habe alle übrige Nationen sich vermischt z.E. Asien

von Tartaren Griechen Römern: – selbst Ceilon Rudera einer fremden Macht[8]

und das Negerblut vermischt mit @derblich@ Länder ihrem ward @Mittelland@[j]

Ähnlichkeiten bei Thier vermischung: – Englische Pferde sind ursprünglich Spanische:

weiße Hüner – ʾQuaestio Ey der Erblichkeit? ʾResponsio schon bei Italienern braun und schwarze

Farbe ähnlich – ʾQuaestio: ey weiße Negers ʾResponsio Es gibt weiße Raben, Ratzen,

Elephanten: – das ist eine Ausartung – doch durch ausmerzung konte @Linie@ möglich seyn.[k]


[XXV.46a-2(12)] ms 5



/ @ʾQuaestio: durch@ Einbildung der schwangeren Frauen vielleicht?[1] ʾResponsio auch bei den Negers

frägt man darnach gar nicht: – Westindier [a] halbweiße heißen

Mestiße: – Ostindier sind im Vergleich der Neger noch @möglich@ weiß.

/ [b]Europäische Hüner[2] bekommen in Nordamerika dickere Federn: Thiere dickere Pelze

ʾResponsio woher in Amerika keine Negers eigen? auch das ist abgeschnitten; auch da

keine Völkerwanderung: und doch etc. ʾResponsio vielleicht ist ihre Nation[c] späteres

Etablißement. [d] ʾQuaestio @Ey@ da Amerika so viele Bäume eigne Thiere

woher sind die denn, und Asiatische etc. Thiere ˚nicht; also auch im ältesten Zustande

@einst ichs@[e] voll Thiere und also auch voll Menschen: –

[Der Mensch, seinen übrigen angebohrnen
Eigenschaften nach auf dem ganzen Erdkreise erwogen.][3]

vielleicht auch etwaz

von der Beschaffenheit des Landes: Einige Engländer[4] [f] vermuthen, daß die

Steinkohlen Seeluft; aber auch das ist völlig ungewiß: – Es ist dies eben

so sonderbar als die Mugalischen Tartaren. Calmucken Gesichter die[g] mit einem Meridian

der vom Pol halb durch den bengalischen Meerbusen – Gesichtsbildung und An-

sehen den Europäern gleichen: Die Caraiben,[5] ein sehr altes Volk auf Neutralen

jezt Englischen Inseln,[6] z.E. Vincente: – sie sehen auch im Lachen melancholisch sind

Nation in der Tartarei ist mit Tigerflecken:[7]Tschuchzoi[8] (unüberwunden

stinken: so auch die Mugalischen Tartaren (Stinktartaren)[9] und die Negers von Sierra

Leona: – Nordamerika: ohne Bart: – Calmucken: ohne Bart.

Chineser: schon Bart: – großer Bauch, großer Bauch, kleine Augen ist schön –

/ Amerika. Eskimaux und Volk in dem unbekannten Meer, das mit Tschuchzoi

händelt, Haar: sonst ˚nicht – Lappen: die an Schweden: haben roth Haar[10]

(weil dänische race ursprünglich roth [h] haarigt ist) Deutsche gelb Haar:)

Lappen in Nordgebirgen sehen so braun, als Samojeden oder Neapolitaner

und schwarzhaarigt, wie Lichtspieße: ebenso wie Kalte eben so die Ausdünstung

/ vermehrt, wie Hitze: daher Öl bestreichen bei Samojeden } macht braun

/ Butter ⁅bestreichen bei⁆ Hottentotten } und

/ An Coromandel: Leute mit einem sehr dicken Bein:[11] als Strafe des

Markthomas (˚nicht Apostel: sondern Kaufmann.)[12] also ˚nicht erklärt


[NL-Kant #15a-1(6r)] ms 6



/[1] sondern von Quellen, so wie Tufstein,[2] ist also ˚nicht erblich aber sehr allgemein

In Aethiopien Weiber Beschneidung[3] (Ludolf[a]) daher unbeschnitten

Weiber (Colb,[b]+ Ludolf+ 7 Jahr[4] unter Hottentotten) in Hottentotten und

Abyßinien Schürze am osse pubis gleichsam zur Decke: waz sie aber

abschneiden: Es scheint Zweckmäßig: indessen vielleicht extravangance

Thevenot in Indien[5] Beschneidung fast natürlich und zur Zeugung nothig

/ Monströse Bildungen: blos vom Hörensagen: z.E. Riesen von Patagonien (zwischen Plata

strom und Magellanischer Meerenge über 200 Meilen) 12 ˜Fuß hoch. Riesen Schädel auf-

behalten: Derham erzälts und Maupertuis[6] reflectirt darüber: aber Spanier

1742[7] fanden unbewohnte, ja fast unbewohnbare Wüste: eine Hütte

die aber ordentlich groß war.

/ Plinius Pygmäen sind wahrscheinlich Affen (Waldmänner) die mit

Stecken auch auf Löwen gehen: – Pygmäen sind eigentlich gegen Norden

Plinius Menschen ohne Kopf; Mund auf Brust: Ohren an Schulter:[8] Raleigh und

Keymis[c] fuhr den Orinokes Strom herauf: bis [d] an die Nation

die mit ihnen Krieg führte;[9] und die um sich schrecklich zu machen den Kopf

durch Bandagen eindrückte, daß sie auch [Text breaks off.]

/ Plinius Nat ohne Maul:[10] – In Africa halt sich Nation den Mund zu

mit Tuch – [e] offner Mund

/ Menschen mit Affenschwänzen in Borneo und Sumatra die in Thäler kommen und ver~

wüsten: – Maupertuis[11] verwirfts ˚nicht, als einen verlangerten Rückgrad[f]

vielleicht aber binden sie sich um schrecklich zu machen: an: wie weiße etc.

/ Stachelschwein mit seinem 10jährigen Sohn[12]

/ Chinesische Charte[13] hat in den Winkeln Chimären etc.


[XXV.44-1(1r)] ms 7



/ Portenta Menschlicher Bildung: Plinius erklärt

/ Riesen in Patagonien und Affenschwänze in Borneo[1]

/ Weiberbeschneidung (Ludolf[a] in Abyßinien und Colb[b][2] in Hottentotten)

/ Neuholländer können wegen des fliegenden Sandes ˚nicht völlig die Augen öfnen[3]

/ Negers-Stank in Mugalien und Sierraleona[4]

/ in Zona torrida von 9 Jahr sind weiber schon[c] manbar bis 25. Jahr: daher Grund

      zu Vielweiberei:[5]

/ ⁅in Zona torrida⁆ reift der Verstand [d]eher: schon von 9. Jahr: – stehen aber bald still: – früh-

      kluge Kinder bei uns sind auch vorläufig, und macht endlich im Alter

      stupide Leute: ein Kind sey ein Kind –

/ Die Organisation des Körpers ist verbunden mit den Anlagen der Erkentniskräfte zu den Bedürf-

      nißen des Lebens. – Nordamerikaner auf der Jagd so starken Geruch, daß sie das

      ˜Feuer weiter riechen als Europäer sähen:[6] – Daher [e] lauter thierische Instinkte:

      deren Schärfe sie zwar exerciren: – aber ˚nicht zu Vergnügen braucht: wie die gesitteten

      z.E. schöner Geruch ihnen eben ˚nicht schön: aber fein, da sie ˚nicht in Städten

      [f]eingekerkert sind. Stark Gesicht:[7] Hottentotten: von weitem Schiffe können Fußstapfen

      auch fast auf Steinen sehen, die [g] Nationen durch die Aufmerksamkeit zu unterscheiden

      So bald unsere Seelenkräfte auf Spekulation gerichtet werden, wird das übrige

      schwächer: – Ein Bauer wird weniger durch Sinne brauchbar, weil

      er auch schon abgezogen wird: – je stärker der innere Sinn, etc. und wir

      wissen ˚nicht, wie hoch es der Mensch bringen kann, wenn seine Vernunft ˚nicht so excolirt wird.

      Diese aber, [h] kann alles übrige in eine besondere Proportion oder Disproportion

      setzen: – Wilde haben viel Stärke, (durch Übung der Muskeln) die Fähigkeit zu laufen

      sich der Hände zu bedienen: – diese durch die Erziehungs Methode ebenso ausgebildet

      werden, da sie als Thier menschlich gebildet werden: ˚nicht durch die Nachahmungskunst

      so wie Hund als Hund und als Affe gezogen werden kann: – Ihre Erziehung

      [i]ist eben so sorgfältig, ˚nicht aber voll Sorgfalt: z.E. Kinder saugen im

      Klammern – lernen von selbst kriechen, und gehen – ˚nicht gewindelt:[8] Hottentotten

      greifen Hasen mit Händen:[9] (Hasselquist[j])[10] Egyptier windeln Kinder, aber täglich


[XXV.44-1(1v)] ms 8



/ etliche mal entwickelt, und [a] rechte Hand und linken Fuß auf den Rücken gebogen: –

Unsere Kinder sind Mumien, unbewegte Fakiers: die wirklich dadurch steif werden:

Daher die der Europäer, die sich dem nähern, auch wohlgebildeter sind z.E. Ungarn

die sich ˚nicht Füße schnüren,: – daher können wir auf die größere Fertigkeit der Indianern[b][1]

schliessen z.E. da sie um von weiten Feinde zu entdecken weiter sehen etc. – – vielleicht mag

im ursprünglichen Zustande der Mensch viele Instinkte haben, die jetzt ˚nicht unsre sind.

/ Die in Zona torrida haben gegentheils ˚nicht feine Empfindungen: vor Ordnung Schönheit etc.

  blos Nothdurft, die durch Faulheit noch vergrößert wird: diese überwiegt alle

  übrige Triebe bei den Negers und allen Indianern, die sich [c]vom Spazierengehen[2] keinen Begrif

  machen können: die Europäer vor narrisch halten: liegen schlafen Tobakrauchen; ˚nichts

  von der Wißbegierde wißen: die den Akademikern zutraueten, daß sie blos aufkletterten,

  um Geister zu sprechen: (˚nicht aus Wißbegierde) daher sie auch von der Kuh[3] wüsten, die

  verloren war: –

/ Alle [d] in Zona torrida haben eine Philosophische Gleichgültigkeit: – bescheiden, unparteisch:

  gelassen: das aber blos Pflegma, und versteckte Boßheit ist, und desto mehr

  z.E. Chineser dem Haß etc. unterworfen, und zu fürchten: –

/ Alle in Zona temperata haben vehemente [e]Leidenschaften, die plötzlich und gleich offenbar sind[f]

  z.E. Liebe, Zorn, ist auffahrend: Chineser nennen den[g] Englischen zorn[h] wie ein

  Tarter:[4] – die in Zona torrida haben schleichende verborgene,[i] Leidenschaften: die

  desto [j] mehr gefährlich ist; eingewurzelt, lange daurend

  z.E. im Groll:

/ Negers sind noch überdem, außer der Faulheit, sehr läppisch: – blos durch Zwang

  zu Arbeit zu bringen: – freuen sich an Kindereyen, Glaskorallen, Kupfern Keßel

  ring: – sind am ungeartesten, alles durch Nachahmung, ˚nichts durch eigne

  Fähigkeit: – [k]Hume fodert irgend ein Exempel auf:[5] – sie müßen also einen wesentlichen Fehler

  in dem Hauptzug der Menschheit haben: –

/ Indianer sind feig, sind daher stets von Nordlichen überwunden: 100 Europäer schlagen

10.000 Siammer,[6] tapfer blos gegen andere Indianer:

/ indessen doch besonders @stark@ verzweiflend, und dies ist sehr leicht aus der Feigheit

zu erklären: Daher sind sie melancholisch und insonderheit in der Sklaverei


[XXV.44-1(2r)] ms 9



/ der Weissen und auf der See, doch durch gutes Essen [a] friedenzustellen:

/ Wegen ihrer Faulheit suchen sie ihren Geister lebhaft zu machen durch Brantwein, Opium

Bank und Palmwein, durch diese Berauschung werden sie aber rasend, [ausser][b] aller

Faßung: daher mag die Trägheit vielleicht aus der großen Ausdünstung @etc.@ ˚nicht Mangel

der Lebensgeister kommen [c]– – alle Ost- und Westindianer sind sehr gleichgültig, und

kaltsinnig (hingegen Negers schon plauderhaft) gar ˚nicht vehement, da sie

ihre Affekten sehr verbergen: – Die in Brasilien und Guiana (Condamine)[1] sind durch keine Trieb-

feder, (auch durch Geld ˚nicht einmal) anzufrischen: – daher die Lust zu Trunkenheit sich

lebhaft zu machen, entsteht: – Negers und Indianer sind schon von Natur (˚nicht blos durch Erziehung)

feige, weichmütig: – daher Religion eben so und stets [d] anderer Knechte

z.E. Tartarn, Portugiesen: etc. – – Die in Siam etc. Original Indianer unvermischt

mit Tartarn[2] – verwunden sich im Treffen ˚nicht: daher blos verwüsten etc. – Daher sie sich

selbst vor schlechtere Leute halten als Weiße: – einer parirt dem andern ˚nicht –

weil sie keinen unternehmenden Geist haben: – Daher kommt die grosse Despoterei

da sie sich von keiner Republik einen Begrif machen können: und die Holländer

in Bantam den Prinzen von Oranien: Konig von Holland[3] nennen musten: – etwa

noch die Gebürgichten sind kühner: = ihre Geschlechterneigung ist grob, und

blos eines von den unentberlichsten Hausthieren: despotisch, daher Verhullung

Einsperrung, Sklaverey, Serrails kommen: sie legen ihnen blos den Werth der

nothdürftigen Begierde bei; ˚nicht des feinen Umgangs: – Etwaz erhabnere

Nationen z.E. Wilden in Nordamerika achten sie schon mehr, und ziehen sie öffentlich

zu Rath; aber Negers, Hottentotten: so bald er Mann wird, prügelt seine Mutter ab[4]

/ Das Alter ist fast überall einerley. Die Vermehrung scheint in Zona temperata am

grosten zu sein: – in Zona torrida eher an eher auf; – und die Unmäßigkeit schwächt

den Menschen: Ostindianer: vermehren sich ziemlich: Chineser noch mehr: aber Negers wenig

/ Charaktere der Nationen sind sehr vermengt, daher vielleicht der wenige Unterscheid, so

daß einige ihn blos der Regierungsart, Erziehung zuschreiben und freilich z.E.

Athen und Lacedämon:[5] – aber doch auch Klima: z.E. die unvermischten Nationen

als Negers haben einen besonderen Charakter: – Negers leichtsinnig, zaghaft, faul etc.

Gallier und Franzosen sind noch dieselben z.E. Leichtsinnigkeit Poesie.


[XXV.44-1(2v)] ms 10



/ Spanier haben viel Arabisches: – daher ernsthaft (Kontrast mit Franzosen) eifersüchtig etc.

/ Engländer eben so einen Nationalcharakter: – Dieser kommt auch sehr auf die Lage des

Landes auch durch Berge, See: – [a]Bey Bergen werden die Kinder an kühne Blicke gewöhnt;

an schreckhafte Vorstellungen; Körper durchs Klettern abgehärtet, daher Muth Tapferkeit,

da auch ihre Berge leicht zu verteidigen waren: – und da hier mehr Viehzucht als Ackerbau

herrscht: so drückt dies denen Porträts der Freiheit ein, @[b]einem@ angeheftet zu seyn:

Hat das Klima einen solchen Einfluß, daß auch die Gesezgeber sich darnach richten

müssen: die Regierungsart?[1] Montesquieu Esprit de Loix[2] – – In Europa

ist solche Zusammenmischung, daß die Gesezze eher den Charakter als ʾvice versa andern

alles macht die Nachahmungssucht gleichförmig: – große Städte sind sich gleich:

zwar ˚nicht in Gebräuchen; aber im Ganzen der Einwohner; – nur noch etwa auf dem

Lande ist sich selbst noch gleich; – –

[Von der Veränderung, die die Menschen
in ihrer Gestalt willkührlich vornehmen][3]

Willkührliche Veränderungen der Nationen[c] (verschö-

nern ˚nicht die Natur, sondern verschlimmern sie) fast alle Nationen wollen ihre Rauhigkeit

andern: OstIndianer große Ohren: Ohrlappen bis auf Schultern, durch Gewichte[4]

gezogen, und das Loch durch Pergament sehr groß: – Dieß ist auch in Westindien etc.

allgemein: – In Celebes ziehen sie sich 2 vorderzähne aus und sezzen Goldne[5]

ein (Schles. Jung: mit Goldzahn: einige prophezeien) – – Tunquiner wollen schwar-

ze Zähne haben: mit einem tödtlichen[6] [Text breaks off.]

/ Bengalen, Araber Nasenring:[7] – arabische Weiber Lippen blau, Spitzfinger roth

Java: holzne Nasenzafen. Brasilien in der Unterlippe grüner

Stein (Amazonenstein) daher wird groß Loch[8]

/ Arakaner, Karaiben platte Stirn,[9] durch Bley: (˚nicht runde Köpfe, sondern gerade

aufsehen:) oder getrockneten Leim:

/ Eine gewiße Amerikanische Nation Kugelköpfe:[10] in Leim gedrückt

Am Amazonenstrom wie Zuckerhut:[11] – ohn_Köpfe drucken den Kopf ein: –

Andere leiden kein Haar: – China schöne Frauen:[12] kleine Füße (Chinesische Schuhe

sind Kinderschuhe:) und kleine Augen: – Um ihre Nachbarlichkeit ˚nicht zu ver@helen@

sondern Schon zu machen: etc.[d] Hottentotten berauben sich einen Testikel

um ˚nicht Zwillinge:[13] – Brasilianer schneiden Löcher in Haut, und schmuken

Vogelfedern[14]


[XXV.44-1(3r)] ms 11



[Vergleichung der verschiedenen Nahrung der Menschen.][1]

/ Nahrung: – Unserer Tafeln Überfluß macht mit Nationen großen Kontrast, die bei wenigem

vergnügt sind – Grönländer Lappen, Ostiacken von Fischen: Grönländer: Thran nektar:[2]

Viele ohne Brot, daß auch wirklich eine spate und sehr gekünstelte Speise ist

Canadier von Wurzeln und Wild insonderheit Maiz: (türkischer Weizen) – Tartaren

von Pferden: – Pferdfleisch- Milch- Brantwein – – Die Art der Nahrung macht

sehr viel auf die Gesellschaft und Art derselben: – Die ohne Hausthiere können

˚nicht ackern:[3] dahern fischen, jagen ‹sich bei dem Wilde zerstreuen› z.E. in Amerika. Keine Pferde und Rindvieh

Nationen: ohne Ackerbau sind frey: z.E. Tartarn: ob sie gleich Vieh und Pferd @haben@

Ackerbau heftet an: macht Mein: – Streitigkeiten – Richter – Polizey: –

und Egypten war also das 1ste: [a] (blos Ackerbau: ˚nicht aber Vieh

zucht) die [Text breaks off.]

/ In Asien Tartarische Nation blos mit Pferden und ˚nicht eigentlich Verfaßung

/ Mexicaner und Peruaner schon Ziegen und Art von Gesellschaft: und blos durch die

gesittete Verhältnisse ist große Fruchtbarkeit möglich: Die Wilden leben

beschwerlich: – mit Jagen: brauchen sie auch viele Meilen: ihre Länder sind dadurch

daß jezo vermehrt, sind, verengert, und das Land hat stets so viel Völker als

es haben kann: Dieses ist in Spanien wahrgenommen, da aus den Pro-

vinzen, woher die meisten nach Indien gehen: – Je mehr Ackerbau desto

˜mehr Leute z.E. China kaum Raum: Also aus dem Clima und Le-

bensart folgt 1) die Zahl der Leute 2) die Regierungsart: – Daher

Jäger ˜nicht despotisch regiert werden können, weil sie ˚nicht glebae adscripti[4]

sind – Die Indianer (alle von denen wir Cattun etc. bekommen) leben blos

von Reis: weil teils Religion ihnen Thiermittel verbietet

/ Nordamerikaner von Maiz: den sie auf viele Arten zurichten: – Lappen von

Rennthieren: – weil ihr Land gar ˚nicht Ackerbau haben kann, daher werden

sie an sich immer Wilde seyn – ohne Rennthiere vollig unbewohnbar.

bei Torno[b] @p@ räuft noch der Haber:[5]Rennthier nahrt sich selbst

von Moos, mit wenig Hände voll und ist in allem nutzbar.


[XXV.44-1(3v)] ms 12



/ In Afrikanischen Wüsten lebt man von Heuschrecken: (Ludolf[a]) sie sind groß, wohnen

in Egypten etc. Ludolf[1] traktirt den Magistrat in Frankfurt mit einer

Schüssel – Es ist Vermuthung, daß sie Würmer im Leibe machen; aber

unbewiesen: – Unsere bisweilige sind Zuge davon.[2]

/ Die Südlichen (z.E. Indianer, Araber) sind weit mäßiger, brauchen weniger

und haben weniger: z.E. ihr Wein ˚nicht so geistig: – vielleicht weil sie

wegen des Clima weniger verdauen, oder ˚nicht so phlegmatisch seyn: –

oder (Hasselquist[b][3] ) durch einen Instinkt mässig sind: und das andre vor

Thorheit halten, und dies ist auch im Heißen sehr nothig

[Abweichung der Menschen von einander
in Ansehung ihres Geschmacks.][4]

/ Geschmack: Augenurteil: ist sehr verschieden: (obgleich Cirkaßische Georgische Mädchen[5]

überall vor schön gehalten werden: -) indessen [c] macht die Erziehung

künstlich ausgeartet angewohnt: Urteile: – China: kleine Stirn Augen

und dicker Bauch schön: Hottentotten schön mit 6 rothen Strichen geziert[6]

1 Nase, Stirn, [d] 2 auf Backen

/ Araber [e]] Nagel roth, Lippen blau

/ Tartaren im Gesicht mit blauem Zwirn ausgenäht, der nicht ausgeht

(Gmelin)[7] Kopfbildung: Caraiben mit Brett etc. platte Stirn[8]

/ Gehör: – Chineser besondere Musik,[9] die uns ˚nicht; unsrige etc. – – durch Kunste und Wissenschaft

statt Wunder z.E. Kaiser Kangxi[f][11] durch die Fertigkeit in Noten von Patres

gerührt: –

/ Geschmack: bei uns ist sehr viel eingebildetes, da wir [Text breaks off.]

/ China, Guinea, Hund das beste etc. Pferdfleisch, erst allgemein: nachher

durch einen Wahn: da man es erst dem Odin[12] zu Dienst aß und es

nachher abschaffte: – In Siam und Arrakan, Ganges etc. ißt man

wenig Fleisch: (auch Europäer daselbst) vielleicht weil es ˚nicht so gut

da ist (ausgenommen Schweinfleisch) oder 2) weil sie ˚nicht so gut verdauen:


[XXV.44-1(4r)] ms 13



/ Sie fressen lieber Fische (aber lieber verfaulte)[1] Grönländer Fischtran:[2]

/ Das Bethelareck (oder Kern von der Areckanuß mit Bethelblättern)[3]

[a] alle Indianer vom Prinz bis Bauer: (auch Holländer) haben sie stets im

Munde: verkaufen sie wie Toback: –

/ Hottentotten rosten Schusolen:[4] – Eingeweide, Bänder an Weiberfüßen[5]

/ Indianer[6] Fledermäuse: Ratzen, Eulen – todte Schweine; alles auf dem Markte –

aus Nothdurft dörfen sie nicht wählen.

/ Geruch: Kanader können keinen Geruch leiden, als von Eßwaren: – 2 Kanader

fanden in Paris die Garküchen[7] am schönsten: auch wirklich am reellsten.

/ In Surate ist Asa foetida[b][8] ein vornehmstes Ingrediens mischen in Broten

und auch in Frankreich schon klein Ragout

/ Kuhruh[c] ist Hottentotten lieblicher Geruch[9] etc.

[The remaining text on this manuscript page concerns Pt. 3, Sect. 2 (the animal kingdom); its transcription is found on the first page of Animals.]


Explanatory Notes
[8°-Humans]

ms 1


[1] [A. Das Tierreich … Erdstrichen] See Holstein-Beck (AA 26.1: 85-102) and Hesse (AA 26.2: 107-35).

[2] [Hund in Guinea] See Holstein-Beck (AA 26.1: 96), based on AHR (1749, 4: 251):

“Von Hausthieren […] giebt es hier Hunde und Katzen. Ihre Hunde bellen nicht, können auch nicht, wie unsere Hunde, beißen.” [excerpt]

[3] [mittlere Art vollkommen] See Holstein-Beck, Komm-Nr. 128 and 161 (AA 26.1: 86, 96), based on Buffon (1752, 313):

“Der gemäßigte Himmelsstrich erstrecket sich vom vierzigsten bis zum funfzigsten Grade. […] Alle Völker in diesen Ländern sind auch die schönsten und bestgebildeten auf der ganzen Erdkugel.” [excerpt]

and Halle (1757, 147):

“Der gemässigte Himmelsstrich vom vierzigsten bis zum funfzigsten Grade enthält die schönsten Leute, die man als das Mittel zwischen den äussersten Grenzen anzusehen hat. Man kan aus der Beschreibung wahrnehmen, daß alle Völker unter einerlei Erdgürtel gleiche Farbe, Länge und fast eben solche Sitten haben.” [excerpt]

[4] [Völkerwanderung] The term ‘Völkerwanderung’ appears twice in the Herder notes (see also Land(8°)-5) but otherwise only twice more in the lecture notes: Friedländer (p. 471) and Dönhoff (p. 90) – from the latter 1770’s and 1782, respectively – and just once in Kant’s published writings (“Mielcke Afterword,” AA 8: 445). Zedler’s Lexicon (1731-54) includes an article on “Züge gantzer Völcker, oder Wanderungen der Völcker, Lat. Transmigrationes gentium” (vol. 63, cols. 1269-71) that rejects the opinions associated with the term that there have ever been migrations of entire peoples in historical times; rather, these migrations have always been understood as “war campaigns” of specific groups. The assumption of migrations fits with the idea that these migrating “peoples” were ethnically homogeneous populations, an idea similar to that formulated by Tacitus regarding the Teutons.

[5] [wie Tacitus sagt] In chapter 4 of his Germania (c.98 CE), concerning the Germanic tribes outside the Roman empire:

“Ich selbst trete deren Meinung bei, die glauben, dass die Völkerschaften Germaniens, ohne je durch eheliche Verbindungen mit anderen Stämmen fremdartige Bestandteile in sich aufgenommen zu haben, ein eigenständiges, reines, nur sich selbst ähnliches Volk geworden sind. Daher ist auch die Körperbeschaffenheit trotz der großen Menschenzahl bei allen die gleiche: blaue Augen mit wildem Ausdruck, goldgelbe Haar, hochgewachsene und nur für den Angriff starke Leiber.” [transl. W. S. Teuffel (modified)][excerpt]

The Latin term for the Germans’ hair color is flavus; Kant’s source (Latin or German) is not known. He also refers to Tacitus’s Germania in the Anthropology notes, but there makes no mention of their physical appearance: Parow (AA 25: 295-96), Menschenkunde (AA 25: 942).

[6] [Georgische Frauenzimmer … gebracht] See Holstein-Beck, Komm-Nr. 653 and 680 (AA 26.1: 256, 263), based on Salmon (1747, 145):

“[…]; und es fänden sich sehr viele ungemein schöne Weiber unter ihnen. Von hier demnach, und von dem benachbarten Georgia, werden, wie es scheinet, die Horame oder Seraglio zu Ispahan und Constantinopel hauptsächlich mit Frauenzimmer versehen.” [excerpt]

See related passages at Winds(8°)-3 and Springs(8°)-6.

[7] [Calmucken Gesicht] See Holstein-Beck (AA 26.1: 92), based on Salmon (1747, 154):

“Die Kalmucken sind kurz und dick, von keinem gar zu annehmlichen Wesen, und einer Olivenfarbe. Herr Motray in seiner Beschreibung der nogaischen und kalmuckischen Tartarn meldet, daß sie breite viereckigte Gesichter, kleine und tief im Kopf liegende Augen, und solche kurze Nasen haben, daß man ein wenig von ferne denken solte, sie hätten gar keine. Der Baart wächst ihnen struppicht und dünne, daß man bey nahe die Haare zehlen kann, […].” [excerpt]

[8] [Cäsarier in Sud] The so-called “Land of the Caesars” in present-day Argentina – the name apparently comes from the Spanish conquistador Franciso César (†1538); see Land(4°)-4 and the note there.

[9] [Körperbau] Buffon (1752, 2.1: 233-34):

“Wenn man in dieser Absicht die Fläche der Erde durchwandert, und von Norden anfängt, so findet man Lappland, […]. Die dänischen, schwedischen, rußischen und freyen Lappen, die Zemblaner, die Borandier, die Samojeden, die nordlichen Tartaren, und vielleicht die Ostiaken in der alten, die Grönländer aber nebst den nordwärts über den Eskimaux wohnenden Wilden in der neuen Welt, scheinen alle von einerley Geschlechte zu seyn, welches sich längst den Küsten der nordlichen Meere in Wüsteneyen und in einem Erdstriche, der sonst von keinen andern Völkern bewohnt werden kann, ausgebreitet und vermehret hat. Alle diese Völker haben ein breites und plattes Gesicht, eine stumpfe und breit gedrückte Nase. Der Kreis um [234] den Stern ihres Auges ist gelbbraun, und fällt in das Schwarze; ihre Augenlieder stehen dicht an den Schläfen; ihre Wangen sind ungemein aufgeschwollen; der Mund ist sehr groß, und der untere Theil des Gesichts schmal; die Lefzen sind dick und aufgeworfen; die Stimme ist fein, der Kopf groß, das Haar schwarz und glatt, die Haut schwarzbraun. Sie sind sehr klein, und bey ihrer Magerkeit doch untersetzt. Die meisten sind nur vier Fuß hoch, und die größten nicht über fünftehalben.” [excerpt]

[10] [Wohlgebildete Leute] See note 3, above.

ms 2


[1] [Gelb Haar … Weltstrich] See Holstein-Beck, Komm-Nr. 128 (AA 26.1: 86), Buffon (1752, 313)[excerpt], and Halle (1757, 147)[excerpt] – quoted above.

[2] [weiße Negers] See Holstein-Beck (AA 26.1: 89), Maupertuis (1747, 103-4):

“Es [ein weißer Neger] ist ein Kind von 4 oder 5 Jahren, welches alle Zuge der Negers hat. Die sehr weisse und bleiche Haut desselben dienet nur zur Vermehrung seiner Heßlichkeit. Sein Kopf ist mit weisser Wolle bedeckt, die ins röthliche fällt. Seine hellblaue Augen scheinen vom Glanze des Tages beschädiget zu seyn. […]

Die Akademie der Wissenschaften thut einer [sol]chen Misgeburt Erwehnung,* welche in Suri- [104] nam von Afrikanern gezeuget ist. Die Mutter war schwarz, und versicherte, daß der Vater auch schwarz gewesen.” [* “Hist. d l’Acad. Royale des scienc. 1734”] [excerpt]

and Buffon (1752, 300):

“Man findet eine Beschreibung von zween dergleichen weißen Mohren in der Historie der Akademie. Ich selbst habe einen davon gesehen, und man versichert, daß sich deren eine große Anzahl in Africa unter den andern Mohren befindet.* […] Die weiße Farbe scheint demnach die ursprüngliche Farbe der Natur zu seyn, welche der Himmelsstrich, die Speisen und die Sitten verändern, und sie in das gelbe, Braune und Schwarze verwandeln, und welche in gewissen Umständen wieder erscheint, allein mit einer so großen Veränderung, daß sie mit dem ursprünglichen Weißen keine Aehnlichkeit hat, welches aus den eben angezeigten Ursachen ganz von seiner Natur abgewichen ist.” [* “Man sehe la Venus physique. Paris 1745.”] [excerpt]

[3] [Ruthen] See Holstein-Beck (AA 26.1: 89); source not identified.

[4] [Negers von Sierra Leone] See Holstein-Beck (AA 26.1: 87, 93, 275), based on AHR (1748, 3: 274):

“Beyde Geschlechter salben sich täglich mit Palmenöle. Manche brauchen Zibeth. Es geben aber alle einen starken widerwärtigen Geruch von sich.” [excerpt]

[5] [Stinktartaren] See Holstein-Beck (AA 26.1: 93), based on AHR (1750, 7: 41):

“Die Chinesen nennen die Mongolen, oder Monglen, welches ihr rechter Name zu seyn scheint, zuweilen Si-t-tse, oder die westlichen Tartarn, und zur Verspottung Tsau-ta-tse, oder stinkende Tartarn, weil sie übel riechen.” [excerpt]

See related passages below at Humans(8°)-5 and Humans(8°)-7.

[6] [Tamerlan] Tamerlan (1336-1504), a Muslim miltary ruler in Central Asia, buried in Samarkand (present-day Uzbekistan).

ms 3


[1] [die Griechen … hielten] See Messina (AA 26.2: 670-71) and Lulofs, §608 (1755, 2: 119-20):

“Die verbrannte Zone verdient außer der Betrachtung ihrer Lage und Größe, […] noch eine genauere Untersuchung ihrer Bewohnbarkeit, weil die Alten [120] hievon verkehrte Gedanken geheget haben, welche nach ihrer damaligen Erfahrung beym ersten Anblicke gegründet, oder doch nicht ungereimt schienen. Die Aegypter waren kaum bis Nubien gereiset, so, daß ihnen die Beschaffenheit der näher am Aequator gelegenen Gegenden gänzlich unbekannt war, wie sich auch aus ihrer Unwissenheit wegen der Quellen des Nils zeiget. […] Die Gedanken der Alten von der Unbewohnbarkeit der verbrannten Zone, kann man aus der vorhin (598 §) angeführten Stelle Vergils schon ersehen. Eben das findet man beym Ovidius, Tibullus, Horatius, Cicero, Pomponius Mela, Plinius. Eben der Meynung sind auch Macrobius, Claudian und in ganz alten Zeiten Anaxagoras, Diogenes, Aristoteles, Cleomedes, Achilles Tatius, Strabo, und viel andere gewesen, die man beym Burnet genannt findet.” [excerpt]

[2] [Hottentotten … beschneiden] See Holstein-Beck (AA 26.1: 99) and Hesse (AA 26.2: 129), based on Colb (1745, 150):

“Ich habe oft die vernünftigste Hottentotten deßwegen befraget, und ihnen scharf zugesetzet; Die ganze Antwort, die ich erhalten, ist: Es seye seit undenklichen Zeiten ein Gesetz bey ihnen, daß kein Mann eine Frau erkennen dürfe, bevor man ihm den linken Hoden ausgeschnitten. Dieses Gesetz halten sie so heilig, daß sie kein Exempel der Ubertrettung wissen. Verabsäumte jemand solches, so kostete es ihm das Leben, ja das Weibsbild selber, das, ob zwar unschuldiger Weise, bey einem solchen Menschen geschlaffen hätte, liefe in Gefahr von ihrem Geschlechtte zerrissen zu werden. Damit auch dieses Gesetz genau beobachtet werde, ist die Zeit auf das achte oder neunte Jahr vestgesetzet. Selten verschiebet man es weiter, und geschiehet solches bloß von den Armen, welche bedenken, daß ihr Sohn vor dem Alter von achtzehen Jahren sterben könnte, welches ohngefähr die Zeit zum Verheyrathen ist; wornach die Unkosten des Schmausses vergeblich aufgewendet wären.

“Nimmt man die Ursache an, die mir die Hottentotten gegeben, so wird man ferner nach dem Ursprunge dieses Gesetzes fragen, welches verbietet eine Frau ehender zu erkennen, biß man ein halber Verschnittener ist. Er entstehet aus der vesten Meynung aller Hottenotten, daß ein Mann, ohne Verschneidung, lauter Zwillinge zeuge. Deswegen lassen auch die Mägdgens, ehe sie heyrathen, durch ihre Verwandten, bey dem Bräutigam vorläuffig nachsehen, weil sie aus Schamhafftigkeit nicht selber die Untersuchung vornehmen dürfen. Unterdessen bringen gleichwohl einige Mütter zuweilen Zwillinge, ohnerachtet dieser gebrauchten Vorsicht.” [excerpt]

[3] [Bilfinger 6te Finger] See Hesse (AA 26.2: 114) and Maupertuis (1753, 88):

Ein berühmter Gelehrter in Deutschland, der Herr von Bülfinger, welcher als Minister bey dem Herzoge von Würtenberg stand, war aus einem solchen Geschlechte entsprossen, und mit sechs Fingern gebohren, wovon seine Eltern ihm den sechsten als etwas ungestaltes abschneiden lassen.” [excerpt]

The German Wolfian philosopher Georg Bernard Bilfinger (1693-1750) was born with six digits on each hand and foot.

[4] [Stachelman in London] Zimmermann (1778, 103-4) refers to this man in a discussion of congenital illnesses:

“Ferner gebe man auch darauf Acht, wie Krankheiten unser Aeußeres unbegrieflich zu ändern im Stande sind, und wie diese Aenderungen sich zuweilen fortpflanzen. Hippokrates sagt ausdrücklich, daß Kinder, deren Eltern mit der Elephantiasis behaftet wären, diese Krankheit mit auf die Welt bringen, weil der Samne der Eltern angesteckt wäre. Ein wich- [103] tiges Beispiel von solchen erblichen Haukrankheiten giebt der so genannte Stachelschweinmann (porcupine Man) welcher sich vor einigen zwanzig Jahren in London zeigte. Seine Haut war mit warzenartigen, roth-braunen Auswüchsen von der Dicke eines Bindfadens bedeckt, und nur das Gesichte, die flache Hand und die Fußsohlen waren davon frey. Diese Stacheln warn steif und gaben ein Geräusch, wenn man mit der Hand darüber fuhr. […] Das Merkwürdigste war, daß dieser Mann sechs ihm ähnliche Kinder, Mädchen und Knaben, erzeugte. Sie bekamen die erwähnten Borsten, eben wie der Vater, acht Wochen nach der Geburt; indessen sind sie, wie ich höre, bis auf einen einzigen Sohn ausgestorben. Dieser Sohn lebt noch jezt in London bey dem berühmten Thierhändler Brook, wo er Fremden sich und die merwürdigen Thiere für Geld zeigt.”

This comes too late to have served as Kant’s source, as does a notice in the Saturday, 9 July 1803 issue of the Allgemeine Literatur-Zeitung, which leads with a review of an 1802 pamphlet by W. G. Tilesius: Ausfuhrliche Beschreibung und Abbildung der beiden sogenannten Stachelschweinmenschen aus der bekannten engelischen (englischen) Familie Lambert oder the porcupine man. But this man, Edward Lambert (1706-1806), was described as early as 1731 in the English Philosophical Transactions of the Royal Society of London in 1731 (vol. 37, pp. 299-301), when the then fourteen-year old boy from Suffolk was brought by his father before the society, and was identified by name in a 1755 update in the same Philosophical Transactions (Baker 1755) and then again in the summary of that article appearing in the London monthly Gentleman’s Magazine for September 1756 (p. 429), which had an audience in Kant’s Königsberg circle. An additional, but confused, mention of Lambert appears to occur a few pages later at Humans(8°)-6, in a discussion of humans with physical abnormalities, where Herder inserts a seemingly random comment about a porcupine and its 10-year-old son – likely a miswrite of 'Stachelmann'.

See the additional sources mentioned in the note to a parallel passage in Hesse (AA 26.2: 114-15).

[5] [schlachten] See Adelung (1798, vol. 3, col. 385):

”Nachschlachten, […], von Schlacht, die natürliche Art, welches aber nur in den gemeinen Sprecharten, besonders Niedersachsens, für nacharten üblich ist. Der Sohn schlachtet dem Vater nach. Die Hochdeutschen kennen dies Zeitwort nicht, […].”

Also Johann Georg Bock (1759, 57):

”schlachten, sprechen wir auch von dem der mit dem andern den Gesichtszügen nach, eine Aehnlichkeit hat.”

On Kant’s use of this term elsewhere, see Kaehler (AA 26.2: 5-2) and the corresponding note.

[6] [Maupertuis … Serail] Pierre Louis Moreau de Maupertuis (1698-1759) was a French philosopher who served as president of the Berlin Academy of Sciences (1746-57). Kant’s library included his Versuch in der Moralischen Weltweisheit (Halle 1750) and Versuch, von der Bildung der Körper (Leipzig 1761). His Venus physique (1746) – on human “racial” differences, which he does not hesitate to differentiate in terms of aesthetic value – was published in German as Die Naturlehre der Venus (1747). See a related passage in Hesse (AA 26.2: 107) and the corresponding note that quotes Maupertuis on the artificial creation of new human races. [excerpt]

[7] [weiße Hüner] See Holstein-Beck (AA 2.1: 91) and Maupertuis (1747, 106):

“Ich habe Gegenden gesehen, wo alle Hüner weiß waren. Die Weisse der Haut, welche gemeiniglich mit der Weisse der Federn verknüpft ist, hat gemacht, daß man diese Hüner den andern vorzieht; und von Zeugung zu Zeugung hat man es endlich so weit gebracht, daß keine andere als weisse zur Welt kommen.” [excerpt]

[8] [Einige Merkwürdigkeiten … Menschen] Holstein-Beck (AA 26.1: 88-89).

[9] [komt roth zur Welt] The source of this claim has not been identified – perhaps it was a miswrite – but several of the following claims regarding the dark skin of equatorial Africans appear to come from AHR (1748, 3: 187-89), which briefly considers (and rejects) the hypothesis that difference in skin color (white, brown, black) is a result of geographical latitude and also lists five peculiarities that Labat recorded of equatorial Africans (Negern): (1) blisters caused by burns are white and remain white, (2) illness causes the skin to become nearly as white as Europeans, (3) the skin becomes darker at death, even when it was previously white due to an illness, (4) children are born with light skin, except for their genitalia (Schamglieder) and “a black circle at the root of the nail,” and (5) a “white negro woman” married a black negro man and bore several black children (AHR 1748, 3: 189). Holstein-Beck (AA 26.1: 88) has a similar passage, but without the claim that newborns are red:

”die Negers werden Weiß gebohren; außer ihre Zeugungsglieder und ein Ring um den Nabel sind schwarz. von da ziehet sich die Schwärze im ersten Monate über den ganzen Körper.”

[10] [Papagey trepazeren] The connection between this and skin color has not been identified in the literature.

[11] [Portugiesen in Verde] See Holstein-Beck (AA 26.1: 88) and AHR (1748, 2: 161):

”Als der portugiesische Handel verfiel, indem andere Nationen den Weg nach Guinea und Westindien fanden: so wurden ihnen die Schwarzen der Anzahl nach so überlegen, daß sie es so weit brachten, daß sie mit den Weißen auf gleichen Fuß gehalten werden mußten. Ehe sich die letztern dieses gefallen ließen, zogen sie sich lieber nach St. Jago oder nach Portugall zurück, und es blieben nur etliche wenige arme Leute da. Diese ließen es sich mit Freuden gefallen, die Schwarzen auf gleichen Fuß anzusehen, und verheiratheten ihre Kinder mit denselben. Durch diese Vermischung wurden aus den Mulatten kupferfarbene Schwarze. Man findet also auf diesen Eylanden eben so verschiedene Arten Schwarze, als durch die ganze Küste Guinea zu sehen sind.” [excerpt]

ms 4


[1] [Im America … Mulatte Sohn] See Holstein-Beck (AA 26.1: 88-89), Komm-Nr. 129 and AHR (1751, 9: 25):

“Wir fahren in den übrigen Arten der Geschlechter fort, die aus einer Vermischung der Weißen, und Schwarzen, oder Neger, entstehen. Zuerst können wir die Mulatten nehmen, die aber überall schon bekannt sind, daß sie keine weitere Erläuterung nöthig haben. Von Mulatten und Weißen kommen die Terceronen. […] Die Quarteronen kommen nach den vorhergehenden, und stammen, wie man leicht urtheilen kann, von Weißen und Terceronen her. Von Weißen und und Quarteronen werden die Quinteronen gezeuget. Dieses ist die letzte Classe von denen, welche an den Negergeschlechtern einigen Antheil nehmen; und wenn sie diese Stufe erreichet haben, so findet man keinen Unterschied zwischen ihnen, und den Weißen, weder in Ansehung der Farbe, noch in Betrachtung der Gesichtszüge; ja sie pflegen noch weißer zu seyn als die Spanier selbst.

[…] Wenn sich die Quarteronen, oder Quinteronen, mit den Mulatten, oder Terceronen, oder diese mit den [26] Negern, oder Schwarzen, vermischen: so bekommen ihre Kinder den Namen Salto atras, oder Rücksprungskinder, weil sie an statt zu den Weißen weiter fortzurücken, zurück gehen, und sich dem Geschlechte der Schwarzen nähern.” [excerpt]

[2] [Weiße Negers] See Kaehler (AA 26.2: 507) and Maupertuis (1747, 103):

“Es ist ein Kind von 4 oder 5 Jahren, welches alle Zuge der Negers hat. Die sehr weisse und bleiche Haut desselben dienet nur zur Vermehrung seiner Heßlichkeit. Sein Kopf ist mit weisser Wolle bedeckt, die ins röthliche fällt. Seine hellblaue Augen scheinen vom Glanze des Tages beschädiget zu seyn.” [excerpt]

[3] [Darien] Darién is a province in Panama that borders Columbia. Hesse (AA 26.2: 112) describes three groups of non-European whites: Albinos (in Africa), Kakerlaks (in Java/Asia), and Dondos (in Darien/South America), the source of which could be Pauw (1769) – see Komm-Nr. 86. The present notes could be drawing from Wafer (1759, 127-28):

“Ausser den jetztbeschriebenen, gibt es in diesem Lande noch eine andere Art Menschen, dergleichen ich niemals an einigem Orte der Welt gesehen, noch davon gehöret habe. […]

Diese Leute sind weiß, und es giebt sie von beyderley Geschlecht, jedoch sehr wenige gegen die Kupfer-farbigen, oder schwartz-gelben, so daß ihrer in allen nicht bis dreyhundert seyn möchten. Ihr vornehmster Unterschied von den andern, bestehet vornemlich in der Farbe der Haut; jedoch darinn nicht allein. Denn ihre Haut kommt auch weder mit den Europäern, die sanguinischen [128] Temperaments sind, überein, weil dieser ihre weisse Haut vom Blute roth schimmert; noch mit Europäern von blasser weisser Haut, sondern sie ist gantz Milch-weiß, und heller, als an einigen Europäern; der Farbe eines weissen Pferdes sehr ähnlich.

[…] Ihre Augenbraunen sind gleichfalls Milch-weiß, auch ihre Kopf-Haares und diese überaus fein; etwa sechs oder acht Zoll lang, und einigermassen krause.” [excerpt]

[4] [Meinungen … dieser Farbe] Holstein-Beck (AA 26.1: 89-97).

[5] [Corpus reticulari] See Holstein-Beck (AA 26.1: 90) and Komm-Nr. 131, based on AHR (1748, 3: 189):

“Es mag aber diese unterschiedene Farbe entstanden seyn, woher sie will: so muß sie, allem Ansehen nach, einem Unterscheide in den Säften oder dem Gewebe der Haut zuzuschreiben seyn. Pechlin, ein Arzneykündiger glaubet, daß die Schwärze bey den Negern von der Schwärze der Epidermis, oder des Häutleins, und nicht der Haut selbst herrühre. […] Hingegen haben die Zergliederer der königlichen Akademie der Wissenschaften zu Paris, welche die Sache mit vieler Mühe untersuchet, endlich entdeckt, daß diese Schwärze weder in der Haut noch im Fleische, sondern in einem Netzchen liegt, daß aus ungemein weichen und zarten Fasern besteht, und zwischen der Epidermis und der Haut ist. Dieses Netz ist bey den Weißen weiß, und bey den Negern schwarz. Man muß zugeben, daß dieses Netz in ihren Fußsohlen und flachen Händen nicht zu finden ist, welche bey allen weiß sind.” [excerpt]

[6] [Einige frugen … Adam … Stammväter … Cham] Cham (or Ham) was one of the three sons of Noah. Noah cursed Cham for having seen Noah sleeping naked (Gen 9: 20-27). Cham’s descendants, including the Canaanites, were understood to have populated Africa and parts of Asia (Flavius Josephus).

The question of which race was original was considered by La Mothe (the younger) in an essay translated for the HMag (1757, 19: 376-407):

“Da vom ersten Menschen [377] an fast sechs tausend Jahre verflossen sind, so wissen wir nicht, ob er vielmehr weiß, oder schwarz, gewesen. Die heilige Geschichte giebt uns hierinn ganz und gar keinen Aufschluß. Wir haben aber Ursache zu glauben, daß er weiß gewesen.” [excerpt]

La Mothe, a parliamentary lawyer in Bourdeaux, proceeds to offer several reasons why the original humans were white, followed with explanations of skin color. Salmon also considers this question (1733b, 36-37):

“Hier finden wir nun eine bequeme Gelegenheit zu untersuchen, was doch die ursprüngliche Ursache von dem grossen Unterscheid in Gestalt, Wesen und Farben seyn möge, welchen wir bey den Leuten in allen 4 Welt-Theilen antreffen. Wir müssen aber erstlich völlig ausmachen, welche Observationes in diesem Stück in der Erfahrung richtig befunden worden; ehe und bevor wir einige Folgen daraus ziehen können. […] Einige von unsern frommen Auslegern der heiligen Schrifft haben die Schwärtze der Mohren vor eine Wirckung des Fluches angesehen, mit welchem Noah seinen andern Sohn Cham belegte, dessen Nachkommen Africam, wie sie meinen, sollen bevölckert haben. Dagegen sind von andern allerhand Einwendungen gemacht worden. Denn erstlich ist ausgemacht, daß einer von Chams Söhnen, nemlich Canaan, das Land Canaan besessen habe: wir haben aber alle Ursachen von der gantzen Welt zu glauben, daß er und seine Nachkommen nicht schwärtzer, als die heutige Einwohner dieser Länder gewesen. Vors andere sind auch die Einwohner der Küste von der Barbarey, welches ein grossen Stück von Africa ist, nimmer schwartz gewesen, welche doch durchgehends von allen für Nachkommen von dem verfluchten Cham gehalten worden. Wozu drittens kommt, daß die Indianer, die Nachkommen von Sem, dem liebsten Sohn des Noah eben so schwartz seyn, als die Caffern in Africa, und folglich nach dieser Meynung eben so verflucht. End- [37] lich stehet auch nicht wohl zu begreiffen, warum die schwartze Couleur mehr als die gelbe für eine Wirckung des göttlichen Zorns paßiren soll, da doch letztere wenigstens bey der Helfte des menschlichen Geschlechts angetroffen wird: daß wir die weisse Farbe, als unsere eigene köstliche Couleur, als ein Zeichen der Gunste GOttes gegen uns ansehen, stehet nicht zu bewundern. Denn die göttliche Vorsehung hat es also geordnet, daß jede Nation ihr eigen Clima, Wesen, Gestalt, Wohnungen, und Sinnlichkeiten lieben, und über die Vortheile ihrer Nachbarn erheben und heraus streichen soll.” [excerpt]

[7] [Den Römern schien es unbewohnbar] See the note above regarding the Greeks; the source is Lulofs, §608 (1755, 2: 119-20)[excerpt].

[8] [Ceilon … fremden Macht] Salmon (1736, 322-23):

“Es ist eine ungeheure Menge Götzen-Tempel, von allerhand Gattung durchs gantze Land verstreuet. Worunter etliche von gehauenen Steinen und vortreflicher Bildhauer-Arbeit, viele Jahr-Hunderte müssen gestanden haben, weil das heutige Geschlecht solcher Bau-Kunst gantz unkündig, daß sie so gar nicht einmal, wenn et- [323] was daran zerfällt, dasselbe wieder auszubessern wissen. In Vintane, zum Exempel, stehet einer, welcher im Umfang 130 Schuh, und ungemein hoch ist. An der Erde ist er Ey-rund, nach dem Gipfel zu spitzig, und oben gantz vergüldet. Das Bau-Wesen dieser Tempel scheinet einerley mit den heydnischen Pagoden derer Indianer auf dem festen Lande, und man glaubt, gleich denen, da  sie von einer Art Riesen aus harten Felsen gehauen worden. Man möchte aber füglicher darfür halten, sie seyen unter der Regierung gewisser mächtiger Monarchen in selbigem gantzen Welt-Theil aufgerichtet worden, welchen eben so wol ihr Gedächtnis durch Erbauung solcher erstaunenden Wercke, zu verewigen, als die Ehre derjenigen Götter, so sie verehret, zu befördern gesucht.” [excerpt]

ms 5


[1] [Durch Einbildung … vielleicht?] Kant discusses this in the later Collins notes on anthropology (AA 25: 160), referring to Christian Rickmann, Von der Unwahrheit des Versehens und der Hervorbringung der Muttermahle durch die Einbildungskraft (Jena 1770); such accounts were common-place, e.g., Happel (1685, 115) recounts a child covered in bear hair due to “die starcke Einbildung und Impression, damals als seine Mutter mit ihm schwanger gieng.”

[2] [Europäische Hüner] Source not identified.

[3] [Der Mensch … ganzen Erdkreise erwogen] Holstein-Beck (AA 26.1: 92-97).

[4] [Einige Engländer] Source not identified.

[5] [Die Caraiben] The Caribs are discussed in AHR (1759, 17: 475-94), and also mentioned at Asia(8°)-3, Humans(8°)-10 and Humans(8°)-12. A fuller discussion can be found at Hesse (AA 26.2: 290).

On their melancholy (AHR 1759, 17: 477):

“Ihre Gesichtsbildung scheint melancholisch zu seyn. Sie sind gut: man muß sich aber in Acht nehmen, daß man sie nicht beleidigt, weil sie die Rache übermäßig weit treiben.” [excerpt]

The editor of AHR noted that this description came from Labat’s account.

[6] [Englischen Inseln] See Hesse (AA 26.2: 290), Komm-No. 251a. The Treaty of Paris (10 February 1763) ended the overseas conflicts of the Seven Years’ War, with Spain and France accepting British control of St. Vincente. Kant might have been drawing from Köhler (1762).

[7] [Tigerflecken] This mention of “tiger spots” appears in Hesse as well (AA 26.2: 117):

”Die Americaner haben eine große Gleichgültigkeit, und der Europäer übertrift sie alle an Muth. Es giebt in Siberien noch einige Familien, die wie Tyger gefleckt sind.”

But the source given there (Pauw 1769) is too late for the Herder notes. A possible earlier source is Strahlenberg (1730, 166n):

”Wenn dieser Tatar in Europa wäre, würde er mit seinem Kopffe Geld verdienen könen, da hingegen die Leute in Tobolski nichts daraus machten, sondern nur seines bunten Kopffes halber lachten. Er war auf dem Leibe fast eben so geflecket, und bunt, die weisse Haut war sehr fein und zart, die Flecken aber schwartz-braun und etwas gröbere Haut, doch nicht so regular, wie auf dem Kopffe. Ich habe nach diesem auf meiner Reise weiter in Siberien hinein mehr dergleichen Leute gesehen, aber wieder auf andere Art, da die Haare nicht Tieger-fleckigt, sondern nach Art derer scheckigen Pferde waren, nemlich einige Stellen länglicht, andere oval, wieder andere anders figuriret, und eben so auch hin und wieder auf dem Leibe.” [excerpt]

[8] [Tschuchzoi] See Holstein-Beck (AA 26.1: 317). Müller, Sammlung Rußischer Geschichte, vol. 3, pp. 52-54, offers a brief description of the Tschuktschen, but mentions nothing of their odor. See the related passages at Land(4°)-2, -9.

[9] [Stinktartaren] See the related passage above and corresponding note: Humans(8°)-2.

[10] [Lappen … roth Haar] Source not identified.

[11] [dicke Beine] Holstein-Beck (26.1: 92). This appears to be related to Buffon (1752, 2.1: 255):

“Unter den Nairen giebt es gewisse Männer und Weiber, welche so dicke Beine haben, as der Leib eines andern Menschen ist. Diese Ungestalt ist keine Krankheit, sondern sie wird ihnen angebohren. […] man saget, daß diese dickbeinigte Menschen aus dem Geschlechte des heiligen Thomas sind.” [excerpt]

[12] [Markthomas … Kaufmann] See the related passage and note at Asia(8°)-4.

ms 6


[1] [Ms page 6r] This page is the first of a 4 pp. signature. The text is not continuous with the bottom of Humans(8°)-5; also, the bottom one-fifth of the page is left blank and the remaining three pages of the signature contain notes on animals (Animals(8°), pp. 3-5). Nonetheless, it appears that only a short passage has been dropped in this transition between pages, as suggested by the parallel passage at Holstein-Beck (AA 26.1: 92-93):

“Ohne auf die abergläubischen Meinungen von dem Ursprunge gewisser Bildungen zu sehen; so kann man nichts als etwas gewisses anmerken außer, daß es in der Gegend von Meliapour auf der Küste Coromandel viele Leute mit einem sehr dicken Bein gebe, welches die dicke eines ganzen Menschen hat; diese leiten vernünftige Reisende von der Beschaffenheit des Wassers her so wie die Kröpfe in Tyrol und Salzburg von dem Wasser, welches Tufsteine bey sich führet, herzuleiten sind. Die vorgegebene geschwänzte Menschen in Borneo sind Affen. Die Riesen in Patagonien sind erdichtet. Von der Art mag auch das Volk von rohen und größten Lippen seyn, [93] das am Senegal wohnet und ein Tuch vorm Maul hält und ohne Rede handelt.”

[2] [Quellen, so wie Tufstein] The missing beginning of the sentence concerned the cause of goiter; see the Holstein-Beck quote in the previous note, one source for which is Keyßler (1751, vol. 1, 291):

“Es ist kaum zu glauben, wie viele verwachsene Zwärge und Leute mit ungeheuren Kröpfen in Mayland angetrofen werden. […] Andere schreiben ihren Ursprung dem Tuffsteine zu, welchen die Wasser in den Gebirgen häufig führen, und glaubet man, daß dessen kleine Theilchen sich in den engen Gängen des Halses stopfen, coaguliren und nach und nach dergleichen unanständige Wirkung hervor bringen, […].” [excerpt]

[3] [Beschneidung] See Holstein-Beck (AA 26.1: 93), Komm-No. 148 and 148, and Colbe (1745, 51):

“Alle Hottentottinen haben ein gewisses Ausgewächse, dessen Beschreibung ihren Platz hier verdienet. Es ist eine Art einer harten und breiten Haut, die ihnen oberhalb des os pubis wächset, zimlich weit herunter hänget, und von der Natur zu Bedeckung ihrer Blösse gewidmet scheinet. Dennoch tragen sie ein Stück Schaaf-Fell darüber, das man Kut-Krosse nennet. Bißweilen ist dieses Gewächse so groß, daß es sich von dem Felle nicht gänzlich bedecken lässet.” [excerpt]

[4] [Colbe … 7 Jahr] Peter Colb (1675-1726) returned to Europe in 1712 after a several year residence in South Africa; his Vollständige Beschreibung des Africanischen Vorgebürges der Guten Hoffnung first appeared in 1719.

[5] [Thevenot in Indien] See Buffon (1752, 2.1: 285):

“Die Hottentotten sind übrigens eine ganz besondere Art von Wilden. Die Weiber vornehmlich haben über dem Schoßbeine ein Gewächs von Fleische oder einer harten und breiten Haut, welche ihnen bis zur Mitte der Schenkel wie eine Schürze herunter hängt. Thevenot sagt eben dasselbe von den ägyptischen Weibern, die aber, wie er zugleich meldet, diese Haut nicht wachsen ließen, sondern mit einem heißen Eisen wegbrenneten. Ich zweifle indessen, ob dieses so wahr von den ägyptischen als von den hotentottischen Weibern sey.” [excerpt]

And Thévenot (1693, 1: 348):

Die Mohren sind Mahometaner, haben aber einigen Aberglauben, davon die Türcken nichts wissen, dann die Mohren beschneiden ihre Töchter, indem sie ihnen ein klein Stück von deme, was man Nympha nennet, abschneiden, und es verrichten solche Beschneidung die Weiber, da hingegen die Türcken dieses nicht, nur an den Knaben vollstrecken. [excerpt]

[6] [Riesen … Derham … Maupertuis] Derham discusses both ancient claims of giants (primarily in the Bible) as well as more recent cases, some he had examined himself (1741, 787-91); on Maupertuis, see his “Land der Pattagons” (1753, 108-9):

“So viele glaubwürdige Erzählungen reden von diesen Riesen, daß man vernünftiger Weise nicht zweifeln kann, daß es in diesen Gegenden Leute gebe, deren Grösse sehr von der unsrigen unterschieden ist. In den philosophischen Abhandlungen der Königlichen Gesellschaft zu London, wird von einer Hirnschaale Erwähnung gethan, welche einem von diesen Menschen zugehöret haben soll, der nach einer genauen Vergleichung seiner Hirn- [109] schaale mit der unsrigen, zehn oder zwölf Fuß groß gewesen seyn muß.” [excerpt]

See also the mention of these giants on the following page (Humans(8°)-7).

[7] [Spanier 1742] This appears to refer to an expedition by Pater Cardiel in 1745-46 (rather than 1742), as reported in AHR (1758, 16: 97-98):

“Dieser Missioniarius [P. Cardiel] legete den ersten Tag sechs Meilen gegen Abend zurück und fand süsses Wasser. Er brachte die Nacht an dem Orte zu, den andern Morgen begab er sich wieder auf den Marsch. Nachdem er eine Stunde des Weges weit gegangen war: so hatte er einen Anblick, welcher ihm in dieser Einsamkeit viel Verwunderung erwecken mußte. Dieses war ein Haus, auf dessen einer Seite sechs Fahnen von verschiedenen Farben flatterten, die an sehr hohe und in die Erde gesteckete Pfähle angemacht waren. Auf der andern Seite fünf todte mit Strohe umwickelte Pferde, deren jedes auf drey sehr hohen und ebenfalls in die Erde gestecketen Pfählen steckete. Als der Missionarius mit seinen Soldaten in das Haus gegangen war: so fand er daselbst ausgebreitete Decken, welche jede einen todten Körper bedeckete. Diese waren zwo Frauen und eine Mannsperson, die noch nicht verweset waren. Eine von denen Frauenspersonen hatte ein messingenes Blech auf dem Kopfe und Ohrenringe von eben dem Metalle. Auf den Bericht, welchen der P. Cardiel und seine Gefährten bey ihrer Zurückkunft davon abstatteten, erkannte man, daß die drey Todten [98] von der Völkerschaft der Puelcher waren; und dieser Missionarius schmeichelte sich, weiter hin einiges bewohntes Land zu finden. Nachdem er aber über drey Seemeilen weiter gegangen war, und keine Spur von Menschen entdeckete, sein Vorrath von Lebensmitteln auch alle war: so ergriff er die Parthey, stille zu halten.” [excerpt]

[8] [Plinius Pygmäen … Ohren an Schulter] The Roman historian and naturalist Pliny the Elder (23-79 CE) included helpful information in his Naturalis historia, as well as incredible stories of these monstrous humans, so-called “Plinian races” – Blemmyae were headless-humans with faces on their chests (Bk. 5, ch. 8), Sciapodae had a single leg and foot, and to the west of whom is a tribe of humans without necks and eyes in their shoulders (Bk. 7, ch. 2), etc. – were discussed, elaborated upon, and illustrated in books throughout the Middle Ages. Pliny’s Natural History was among the first texts to be printed (1469, in Venice) and was a standard reference work for early modern European scholars. Only in the latter years of the age of exploration were these exotic races properly discredited.

Kant, in Holstein-Beck, devotes a few more lines to such races thought to populate the New World (AA 26.1: 305):

“Das große Land Guiana, in welchem Walter Raleigh auf dem Orinoque Strohm auf Entdeckungen ausgegangen, ist nicht tief in seinem innern bekannt. Es hat viel Gold-Sand, aber die Stadt Manca oder el Dorado die am See Parima ligt, und wo das Gold fast wie die Steine auf der Strasse gemein seyn soll, ist sehr ungewiß; eben so wie die Ohnköpfe, wovon fast alle Indianer am Orinoque reden, die das Maul auf der Brust, und die Ohren auf den Schultern haben sollen, entweder erdichtet, oder Leute sind, die wie viele Indianer den Kopf durch Kunst verstellen.”

[9] [Raleigh und Keymis … Krieg führte] Sir Walter Raleigh (1552-1618) was an English military and naval commander, explorer, author, poet, spy – a leading figure in Elisabethan England, but in the end beheaded. His undoing was a result of being the commander of a British expedition to South America, where Lawrence Keymis – under Raleigh’s command but against his orders – attacked a Spanish outpost on the Orinoco river. A detailed discussion of the adventures of Raleigh and Keymis in Guiana is found in AHR (1758, 16: 315-53). See also a related passage at Land(4°)-4 and the note there on LaCondamine.

[10] [Plinius … ohne Maul] Plinius, Naturgeschichte, Bk. 7, ch. 2:

“An den äußersten Gränzen Indiens, um die Quelle des Ganges, lebte das Volk der Astomer, hätte kein Maul, sey ganz nackend und bekleide sich mit der Wolle des Baumlaubes, lebte bloß vom Athemholen, und dem Geruche, welchen es durch die Nase in sich zöge. Sie haben keine Speise und keinen Trank: bloß den mannigfaltigen Geruch von Wurzeln und Blumen, und von wilden Aepfeln, welche sie auf einer weitern Reise, damit es ihnen an Geruche nicht fehle, mit sich führen: von stark riechenden Dingen hätten sie leichtlich den Tod.” [excerpt]

[11] [Maupertuis] See Hesse (AA 26.2: 115-16) and the corresponding note with the relevant text from Maupertuis’s Venus physique (1747, 90)[excerpt].

[12] [Stachelschwein … Sohn] This involves either a miswrite or Herder’s renaming of the “Stachelman” Edward Lambert (see the previous discussion and note at Humans(8°)-3). Lambert had six children, all with the same skin disorder (ichthyosis hystrix), but by the time of the 1755 report to the Royal Society of London, only an eight-year-old boy was still living, who later had two sons (John and Richard Lambert), each with the disorder, and who “became celebrated on the continent and were widely exhibited and studied” (Marmelzat 1948, 353).

[13] [Chinesische Charte] This could refer to a map given to Guillaume Delisle, reported to the Paris Academy of Sciences (1718) and published in ParAb (1750, vol. 5, 427-30):

“[…] eine Karte von China […] ist von einer chinesischen Hand gezeichnet; die Buch- [428] staben sind chinesisch, sie selbst aber ist von unsern sehr unterschieden. […] Die benachbarten Völker von China sind gleichsam von ohnegefähr und ohne Ordnung, an die Ränder der Karte geworfen, und durch die Namen: Zwerge, Riesen, ungeheure Menschen:c. angezeiget. Sie verdienen nicht einmal, daß man sie mit ihren wahren Namen benenne.” [excerpt]

ms 7


[1] [Portenta … Borneo] See notes to the previous page.

[2] [Colb] On female circumcision, see the note on Colb, above, at Humans(8°)-6).

[3] [Neuholländer … öfnen] Buffon (1752, 2.1: 252:

“Die Einwohner der Küste von Neuholland, welche unter 16 Gr. 15 Min. südlicher Breite und südwärts von der Insel Timor liegt, sind vielleicht die elendesten Leute von der Welt, und Menschen, welche dem Viehe am nächsten kommen. Sie sind von Leibe groß, gerade gewachsen und schmal; sie haben lange und dünne Glieder, einen dicken Kopf, eine runde Stirne, und dicke Augenbraunen. Ihre Augenlieder sind allezeit halb zugeschlossen; sie nehmen diese Gewohnheit von ihrer Jugend an, um ihre Augen vor den Mücken zu verwahren, welche sie ungemein plagen. Und weil sie niemals die Augen aufthun, so können sie nichts von weitem sehen, wofern sie nicht den Kopf in die Höhe richten, gleich als wenn sie etwas über sich sehen wollten.” [excerpt]

See also Land(4°)-5.

[4] [Negers-Stank … Sierraleona] Body odor is an abiding theme; see the earlier discussion of the “Stinktartaren” at Humans(8°)-5 and Humans(8°)-2.

[5] [Zona torrida … Vielweiberei] Holstein-Beck (AA 26.1: 232-43) and accompanying note. See Salmon (1739, 33) [excerpt]

[6] [Nordamerikaner … sähen] Holstein-Beck (AA 26.1: 232-43) and accompanying note, and AHR (1759, 17: 9-10):

“Sie haben ein überaus zartes Gehör und einen so feinen Geruch, daß sie lange vorher Feuer riechen, ehe sie es entdecken können. […] Ihre Einbildungskraft hat etwas wundersames. Sie brauchen nur einmal an einem Orte gewesen zu seyn, um eine [10] richtige Vorstellung davon zu behalten, die niemals vergeht. Sie gehen durch die weitläuftigsten und wildesten Wälder, ohne sich zu verirren, wenn sie nur bey dem Hineingehen sich die Himmselgegenden wohl gemerket haben. […] Diese Geschicklichkeit ist nicht die Frucht ihrer Beobachtungen; sie haben sie der Natur zu danken. Die Kinder, welche niemals aus ihren Wohnungen gekommen sind, gehen mit eben so vieler Gewißheit, als die Alten.” [excerpt]

[7] [Stark Gesicht] Although confused in the text, this collection of examples appears to stem from Rousseau’s essay on the inequality of humans (1756, 59):

“Man muß sich also nicht verwundern, daß die Hottentotten auf dem Vorgebürge der guten Hofnung, die ankommenden Schiffe, mit blossen Augen, von eben so fern entdecken, als die Holländer mit ihren Sehröhren; daß die wilden Amerikaner so gut, als die besten Hunde, die Spanier auf ihren Fußtapfen spühren können; […]”

[8] [Kinder … nicht gewindelt] This brief discussion on Erziehungs Methode – a term appearing only here in all the notes from Kant’s lectures on physical geography – draws from Buffon (1750, 1.2: 214-15):

“Kaum ist es aus Mutterleibe, und genießt der Freyheit sich zu bewegen, und seine Gliedmaßen auszustrecken, so fesselt man es von neuem. Man wickelt es, man bindet ihm den Kopf unbeweglich, und die Füsse ausgestreckt, die Arme auf die Seiten, man umwindet es mit Windeln und Bändern von allerley Art, daß es seine Lage gar nicht verändern kann, glücklich, wenn man es nur nicht so feste gebunden hat, daß es Odem zu holen verhindert wird, und wenn man so vorsichtig ist, es auf die Seite zu legen, damit das Wasser, das es durch den Mund von sich geben soll, von sich selbst herauslaufen kann, denn den Kopf dazu zu wenden, hat es keine Freyheit. […]

[…] Der Mangel der Bewegung kann das Wachsthum der Glieder verzögern, und die Kräfte des Leibes verringern, also müßten die Kinder, welche die Freyheit gehabt haben, ihre Glieder zu bewegen, stärker seyn, als die gewickelten: […] Die kleinen Schwarzen befinden sich bisweilen in einer noch viel beschwerlichern Stellung zum Saugen: sie umfassen mit ihren Knien und Füßen eine von der Mutter Hüsten, und halten sich so feste, daß sie ohne Beyhülfe der Arme der Mutter hängen bleiben, sie fassen die Brust mit der Hand, und saugen ständig daran, ohne die verschiedenen Bewegungen der Mutter ohngeachtet, die während der Zeit immer ordentlich fortarbeitet, in Unordnung zugerathen oder zu fallen. Diese [215] Kinder fangen vom zweyten Monat an zu gehen, oder vielmehr auf Händen und Füssen zu kriechen. Diese Uebung giebt ihnen in der Folge die Fertigkeit, in einer solchen Stellung fast so schnell, als auf den Füßen zu laufen.” [excerpt]

Rousseau quotes the above passage from Buffon in his Émile (1762, 1: 17-18), continuing with a paraphrase (1762, 1: 17-19):

“Das Kind giebt sich beständig vergebene Mühe, welche seine Kräfte erschöpfen, oder ihren Fortgang verzögern. Es war in dem Mutterkuchen nicht so eng eingeschlossen, nich so gezwungen, nicht so zusammen gedrücket, als es in seinen Windeln ist. Ich sehe nicht, was es dadurch gewonnen hat, daß es geboren worden. […] An denen Orten, wo man diese ausschweifenden Vorsichtigkeiten nicht hat, sind die Menschen insgesammt [19] groß, stark, wohl gewachsen. […] Die ersten Geschenke, die sie von uns erhalten, sind Bande; die ersten Begegnungen, die sie erfahren, sind Marter. Da sie nichts frey haben, als die Stimme; warum sollten sie sich derselben nicht bedienen, um sich zu beklagen?” [excerpt]

Rousseau turns to a critique of the practice of wet-nurses (pp. 19-24), and later also notes that non-swaddled children would crawl and walk much sooner – here the German translator adds a long footnote quoting the relevant passage from Buffon (1762, 1: 62-64).

[9] [Hasen mit Händen] Colb (1745, 178-79):

“Wenn ein Hottentott nur allein, oder in Gesellschaft ein paar Personen auf die Jagd gehet, so ist es ein Anzeigen, daß er bloß denen Haasen, Gemsen, oder dergleichen Thieren nachtrachtet, sodann bedienet er sich bloß [179] seines Rackums. Er verfolget diese Thiere mit unglaublicher Geschwindigkeit, ereilet und fället sie, selten entgehet ihm eines.” [excerpt]

[10] [Hasselquist] See Hasselquist (1762, 595-96):

“5) Die Mutter, oder die Wärterinn [596] des Kindes, läßt es sich sehr angelegen seyn, die Arme und Beine desselben zu beugen. Sie beugen z.B. den linken Fuß zurück über das Kreuz (regio Ischiatrica), nehmen hierauf den rechten Arm zurück über den Rücken, längst den Rippen, daß Arme und Füße solchergestalt beynahe an einander reichen. Gleichermaßen machen sie es auch auf der andern Seite. Um es desto leichter bewerkstelligen zu können, so schmieren sie die Gelenke vorher mit Baumöl. Sie thun es so oft sie das Kind aus den Windeln nehmen. Ich habe von Frauenspersonen gehört, daß nichts besser sey ein schreyendes Kind zum Schweigen zu bringen, als wenn man auf diese Art die Glieder beuget, und daß das Kind aus eigenem Triebe diese Pflege gleichsam fordere. Sollte dieses wohl nicht das mehreste zu der Geschmeidigkeit der Glieder bey den Morgenländern beytragen, worinnen die Europäer ihnen unmöglich gleichkommen können.” [excerpt]

Friedrich Hasselquist (1722-1752) was a Swedish naturalist and student of Linnaeus who traveled to Asia Minor to study its natural history. On Hasselquist, see the note to the passage in Herder’s notes on metaphysics at EP 682-A4.

ms 8


[1] [Indianern] The notes are referring here not to indigenous Americans but rather to the inhabitants of the Indian subcontinent and South Asia.

[2] [Spazierengehen] Buffon (1750, 1.2: 259):

“Die Wilden nöthigen die Weiber beständig zu arbeiten. Die Weiber bauen das Feld, und thun alle beschwerliche Arbeit; da indeßen der Mann nachläßig in seiner Hangmatte liegt, und nur aufsteht, auf die Jagd oder Fischerey zu gehen, oder ganze Stunden in einer Stellung stehen zu bleiben: denn die Wilden wissen nichts vom Spatzierengehen, und nichts kommt ihnen bey unsern Sitten wunderbarer vor, als daß wir verschiedene mal eine Linie gerade fort, und eben den Weg zurücke gehen.” [excerpt]

[3] [Akademikern … Kuh] Not identified.

[4] [Chineser … Tarter] Not identified.

[5] [Hume fodert irgend ein Exempel auf] The reference is to Hume’s essay “Of National Characters,” originally published in 1742 and translated by Sulzer in the four-volume Moralische und Politische Versuche (1756), which Kant owned. In that essay we find the following footnote:

“I am apt to suspect the negroes, and in general all the other species of men (for there are four or five different kinds) to be naturally inferior to the whites. There never was a civilz’d nation of any other complexion than white, nor even any individual eminent either in action or speculation. No ingenious manufactures amongst them, no arts, no sciences. On the other hand the most rude and barbarous of the whites, such as the antient Germans, the present Tartars, have still something eminent about them, in their valour, form of government, or some other particular. Such a uniform and constant difference could not happen, in so many countries and ages, if nature had not made an original distinction betwixt these breeds of men. Not to mention our colonies, there are Negroe slaves disperst all over Europe, of which none ever discover’d any symptom of ingenuity; tho’ low people, without education, will start up amongst us, and distinguish themselves in every profession. In Jamaica indeed, they talk of one negro, as a man of parts and learning; but ’tis likely he is admir’d for very slender accomplishments, like a parrot, who speaks a few words plainly.” (4th edition (1753), p. 291)

This parallels a passage in Kant’s 1764 essay on the Beautiful and Sublime:

“The Negroes of Africa have by nature no feeling that rises above the ridiculous. Mr. Hume challenges anyone to adduce a single example where a Negro has demonstrated talents, and asserts that among the hundreds of thousands of blacks who have been transported elsewhere from their countries, although very many of them have been set free, nevertheless not a single one has ever been found who has accomplished something great in art or science or shown any other praiseworthy quality, while among the whites there are always those who rise up from the lowest rabble and through extraordinary gifts earn respect in the world.” (AA 2: 253; Guyer transl.)

Sulzer’s translation omits this footnote (the text corresponding to that containing the footnote in the English edition is on p. 341), however, so Kant’s acquaintance with it is unclear.

[6] [10.000 Siammer] This example appears to draw from Montesquieu (1753, 395n):

“Hundert europäische Soldaten, sagt Tavernier, könnten mit leichter Mühe tausend indianische schlagen.” [excerpt]

See the similar example in Hesse (AA 26.2: 122):

“Man kan immer einen Europaeer gegen 10 dieser Indianer rechnen, daher haben die Portugiesen mit solcher Leichtigkeit ganz Indien eingenommen.”

ms 9


[1] [Condamine] LaCondamine provides this description (1750, 34-35):

“Die Haupteigenschaft ihrer Gemüthsart ist die Unempfindlichkeit. Ich überlasse es andern, zu beurtheilen, ob man dieselbe mit dem Namen Mangel an Leidenschaften beehren, oder mit dem Worte Dummheit beschimpfen soll. Ohne Zweifel rühret sie von den wenigen Begriffen her, deren Anzahl sich nicht viel weiter erstrecket, als die Nothdurft des Lebens erfodert. Sie sind im höchsten Grade gefräßig, wenn sie Ueberfluß haben; mäßig, wenn sie die Noth darzu treibet, und zwar dergestalt mäßig, daß sie alles missen können, ohne das mindeste, wie es scheint, zu verlangen; im höchsten Grade kleinmüthig und verzagt, ausgenommen, wenn sie betrunken sind; Feinde von aller Arbeit, und zur Ehrbegierde und Dankbarkeit unempfindlich; bloß auf dasjenige bedacht, was gegenwärtig ist, so daß sie von keinen andern Bewegungsgründen etwas wissen; ohne allen Kummer wegen des Zukünftigen; zur Vorsichtigkeit und zum Nachsinnen ganz unfähig; sie überlassen sich, wenn sie nichts daran hindert, einer kindischen Freude, welche sie durch Springen und unmäßiges [35] Lachen, ohne Ursachen und Absichten, zu erkennen geben: und solchergestalt bringen sie ihr Leben hin ohne zu denken, und werden als Kinder alt, weil sie die Mangel der Kindheit niemals ablegen.” [excerpt]

In a volume that also includes a long account from Condamine is followed by Bouguer’s description of his travels in Peru (1751, 375):

“Man weiß öfters nicht, durch was für einen Bewegungsgrund man sie überreden solle, wenn man von ihnen einen Dienst verlanget. Man bietet ihnen umsonst einige Stücken Geld an; denn sie antworten, daß sie nicht hungrig sind. Man darf sich also nicht verwundern, daß sie die Taschen in den Kleidern für etwas unnützes halten. Sie haben gar keine; und wenn man sie nöthiget ein kleines Stück Geld zu nehmen, so wissen sie es nicht besser, als in dem Munde zu bewahren.” [excerpt]

[2] [Siam … Tatarn] The claim here is that the inhabitants of South Asia are unmixed, i.e., in Siam the original culture is preserved, while in India this is not the case, as they were mixed with the conquering Tatars. The source is not identified.

[3] [Prinzen … Holland] This same point is made in the Mrongovius notes from Kant’s anthropology lectures (AA 25: 1413), referring to Sparrmann (1784). The Herder clearly had some older source.

[4] [Hottentoten … prügelt seine Mutter ab] Holstein-Beck (AA 26.1: 266), based on Colb (1745, 152):

“Die Folgen von diesen Festen sind allzu ausserordentlich, als daß man sie mit Stillschweigen übergehen sollte. Ein Hottentott, der auf diese Weise der Obsicht seiner Mutter entzogen worden, kan sie ungestrafft beleidigen, so oft er will; Ja wenn es ihm gut dünket, begegnet er ihr übel, und prügelt sie. Dergleichen teuflischen Undank hab ich öfters mit dem aller äussersten Abscheu angesehen, allein bey diesen Wilden wird diese Boßheit von niemand getadelt, da sie doch die härteste Bestraffung verdiente. Sie sehen diese unnatürliche Ubelthaten an, als gewisse Kennzeichen eines männlichen Wesens, und einer [153] besondern Herzhafftigkeit; ja sie loben die ungerechten Urheber dergleichen unmenschlichen Bezeigens.” [excerpt]

[5] [Charaktere der Nationen … Lacedämon] A parallel passage in Hesse (AA 26.2: 120-22) mentions Montesquieu (also mentioned Herder on the following page), the implicit target of Hume’s criticsm (1756d, 335-36):

“Dennoch behaupte ich, daß alle Nationalcharaktere, wo sie nicht auf gewissen moralischen Ursachen beruhen, von dergleichen Zufällen herzuleiten sind, und daß physikalische Ursachen keine merkliche Wirkung auf das menschliche Gemüth haben. […]

Zweytens: In kleinen Herrschaften, die sehr nahe an einander stoßen, hat das Volk einen verschiedenen Charakter, und ist oft eben so leicht aus seinen Sitten zu unterscheiden, als die entlegensten Nationen. Athen und Theben lagen nur eine kurze Tagereise von einander; obgleich die Athenienser eben so merkwürdig wegen ihrer Geschicklichkeit und Munterkeit, als die Thebaner wegen ihrer Dummheit, Grobheit [336] und Gleichgültigkeit waren.” [excerpt]

S. F. Trescho (1733-1804) wrote twice to L. E. Borowski (1740-1831) in 1760 (January 23 and March 5) for notes from Kant’s physical geography lectures, which Borowski took during 1756-57. In the latter letter, Trescho wrote (Warda 1909, 310):

“Aus Kants Geogr. möchte gerne ein paar Nationen geschildert wißen, deren Klima gleich und ihr Karakter ungleich ist. In der Rede finde etwas. Sie ist des grossen Namens: Kant! vollkommen würdig. Ich hielte sie gleich für ein Werk eines Meisters und nicht eines Studenten.”

ms 10


[1] [Klima … Regierungsart?] In the 1770 Hesse notes we find (AA 26.2: 227):

“Die politische Verfaßung der Länder, gründet sich auf der natürlichen Beschaffenheit des Bodens, der anliegenden Meere, des Climatis, der Producte von Pflanzen und Thieren und der Menschen. Nach der Verschiedenheit dieser Stücke, muß auch die politische Einrichtung verschieden seyn. Der Gesetzgeber muß alles dieses zu Rahte ziehen. Jedoch der Geist der Nationen rühret nicht wie Montesquieu behauptet vom Clima, sondern wahrscheinlich von den racen her.”

[2] [Montesquieu Esprit de Loix] Originally published in French (1748), Montesquieu’s book was translated into German by A. G. Kästner as Werk von den Gesetzen, oder von der Verhâltniß welche Gesetze zu jeder Regierungsverfassung, den Sitten, dem Landstriche, der Religion, der Handlung, 3 vols. (1753). Bk. 14, under discussion here, is titled: “Von den Gesetzen nach dem Verhältnisse, so sie mit der Natur des Climatis haben.”

[3] [Von der Veränderung … willkührlich vornehmen] Holstein-Beck (AA 26.1: 97-99) and Hesse (AA 26.2: 128-30).

[4] [Ohrlappen … Gewichte] Holstein-Beck (AA 26.1: 97-98), Salmon (1735, 145):

“Da nun grosse Ohr-Läpplein bey ihnen Mode sind, so wissen sie dieselbigen auf folgende Weise in eine, nach unsern Gedancken, gantz ungestalten Form zu dringen: Sie durchbohren selbige in der Jugend, und stecken in die gemachte Löcher von Zeit zu Zeit immer dickere Kügelchen von Pergament, oder etwas anders, wodurch sie die Ohrläpplein mit der Zeit so lange machen, daß sie ihnen bis auf die Schultern herab hangen.” [excerpt]

Also Buffon (1752, 2.1: 244-45):

“Eine gleiche Bewandtniß hat es mit den Siamern, den Peguanern und den Einwohnern in Aracan, Laos c. […] Sie haben eine kurze Nase, die an dem Ende rund ist, und größere Ohren als die unsrigen, welche desto höher von ihnen geschätzet werden, je größer sie sind. Diese Liebe zu langen Ohren ist allen morgenländischen Völkern gemein. Einige zerren ihre Ohren herunter, und verlängern dieselben dadurch; allein sie durchbohren sie nicht weiter, als es nöthig ist, um Ringe darein zu hängen: andere hingegen, als in dem Lande Laos, machen das Loch darin so ungemein groß, daß man fast eine Hand dadurch stecken könnte, und daher hängen ihre Ohren bis auf die Schultern herunter. […][245][…] Struys saget, daß die siamischen Weiber sehr starke und schwere Ohrengehänge tragen, welche die Löcher, worinn sie befestiget sind, so groß machen, daß man einen Daumen dadurch stecken könne.” [excerpt]

AHR (1758, 16: 245) describes customs in Brazil:

“Was aber die Ohren betrifft, so sind ihnen solche entsetzlich weit durchstochen, und die Ohrenringe, welche sie hinein machen, sind von großen Seemuscheln, Vignolen genannt. Sie sind weiß, rund, und eben so lang, als ein mittelmäßiges Talglicht; und da ihnen solche auf die Schultern, ja so gar über die Brust hängen, so läßt es, wenn man sie ein wenig von fern sieht, nicht anders, als wenn es die Ohrenlappen von einem Spührhunde wären, die ihnen auf beyden Seiten herabhängen.” [excerpt]

[5] [In Celebes … Goldne] Salmon (1733c, 10) reports that the Byayo men go about naked, their bodies painted blue, and most have pulled out their front teeth and replaced with teeth of gold. Celebes, or Sulawesi, is an island east of the main island of Borneo, where the Byayos live:

“Wie starck die Macht der Gewohnheit sey, und welch eine Tyranney die Mode und Landes-Manier über die Menschen führe, kan man auch an den Byayos sehen, als unter welchen mans schwerlich einen eintzigen finden wird, welcher nicht nach ihrer Mode sich die vordersten Zähne ausziehen, und an deren statt andere von Gold einsetzten lässet.” [excerpt]

[6] [Tunquiner … tödtlichen] Tunquin (Tonkin) is the northern part of present-day Vietnam. Salmon (1732, 154) writes this of them:

“Wenn sie 12 oder 13 Jahr alt sind, färben sie ihre Zähne braun oder schwartz. Hierzu gebrauchen sie vier oder fünff Tage, und dürffen währender solcher Zeit nichts geniessen, weil diese Zahn-Salbe entweder eckelhafft, oder auch, wie etliche meynen, vergiftet ist. Man hat bemercket, daß sie es sich für eine Schande achten, gleich den Bestien weisse Zähne zu haben: Doch die rechte Ursache, warum sie selbige anschwärtzen, ist sonder Zweifel die herrschende Gewohnheit des Landes. Solcher müssen die Einwohner sich immer gleich stellen, wie lächerlich selbige auch sey: wo sie nicht von dem gemeinen Mann so wohl, als Leuten von Condition, wollen verspottet, und mit Fingern gewiesen werden.” [excerpt]

[7] [Araber Nasenring] Holstein-Beck (AA 26.1: 98), Halle (1757, 136-37), and Buffon (1752, 2.1: 254):

“Die Bengalen sind gelber, als die Mogolen, und sie haben ganz verschiedene Sitten. […] Die Weiber tragen goldene Ringe in der Nase.” [excerpt]

[8] [Brasilien … Loch] Holstein-Beck (AA 26.1: 306) and AHR (1758, 16: 243):

“Die Mannspersonen tragen ihre Haare, wie die Pfaffen, mit einer Krone, und durchbohren sich die Unterlippe, in die sie einen Stein stecken, der eine Art von grünem Jaspis ist.” [excerpt]

[9] [platte Stirn] Holstein-Beck (AA 26.1: 99) and AHR (1759, 17: 476):

“sie haben ziemlich angenehme Gesichtszüge; nur die Stirne scheint ein wenig außerordentlich zu seyn, weil sie sehr platt und gleichsam eingedrücket ist; sie bringen aber diese Gestalt nicht mit auf die Welt. Ihre Gewohnheit ist, daß sie den Kopf der Kinder solche durch ein kleines Brett annehmen lassen, welches sie hinten stark binden, und so lange daran lassen, bis die Stirne fest geworden; und sie bleibt dergestalt platt, daß die Caraiben ohne den Kopf zu erhöhen, fast schnurgerade über sich sehen.” [excerpt]

The flattening of the forehead among the Caribs is also mentioned at Humans(8°)-12 and Asia(8°)-3.

This practice among the Aracan (with the original account by Ovington) is described by Buffon (1752, 2.1: 245)[excerpt] and AHR (1752, 10: 67):

“Was andere Völker für ungestalt achten, das halten die Einwohner für eine Schönheit in ihrer Leibesgestalt. Sie lieben eine breite und glatte Stirne, und um ihr besagte Gestalt zu geben, beschweren sie dieselbige mit einer Bleyplatte, sobald ein Kind auf die Welt kömmt.” [excerpt].

[10] [Kugelköpfe] Both Plattköpfe and Kugelköpfe are found among the indigenous North American tribes (AHR 1759, 17: 94):

“Wir müssen bey Endigung dieses Abschnittes, zur Erläuterung dessen, was in Raleighs und Keymis Berichten Erstaunen verursachet haben kann, beobachten, daß sich in dem nordlichen Theile des festen Landes von America Völkerschaften befinden, die man Plattköpfe nennet; weil sie in der That eine sehr flache Stirne und einen etwas länglichen Oberkopf haben. Diese Bildung ist kein Werk der Natur. Man meldet uns, daß die Mütter solche den Kindern geben, sobald sie auf die Welt kommen, indem sie denselben zween Klumpen Thon, oder von einer andern schweren Materie, auf die Stirne und hinten auf den Kopf legen, und solche immer nach und nach ein wenig mehr zusammen ziehen, bis der Hirnschädel die Gestalt angenommen hat, die sie ihm geben wollen. […] Dagegen suchen einige Stämme von den Algonquinenl die man Kugelköpfe nennet, die Schönheit in der Rundung des Kopfes; und die Mütter sorgen auch dafür, daß sie ihren Kindern diese Gestalt geben.” [excerpt]

[11] [Zuckerhut] See Holstein-Beck (AA 26.1: 99). The source is not identified.

[12] [China schöne Frauen] Salmon (1732, 28-29) praises the beauty of Chinese women, discussing how they wear their hair and their clothes, but also describes their practice of foot-binding:

“Am allermeisten aber sind ihre kleine Füsse zu bemercken, welche ihre gröste Schönheit ausmachen. So bald ein Mägdgen gebohren ist, werden ihre Füsse so hart eingewickelt und eingeschnüret, daß sie unmöglich wachsen können. Dahero sind sie schlecht zu Fuß, weil ein erwachsenes Frauenzimmer nicht grössere Füsse hat, als bey uns ein Kind von 3 Jahren.” [excerpt]

From Buffon (1752, 2.1: 240-41):

Gentil […] versichert, daß die Weiber sich all mögliche Mühe gäben, damit die Augen klein scheinen mögen, und daß die jungen [241] Mägdchen beständig ihre Augenlieder zerren, damit sie kleine und lange Augen bekommen mögen, als welches nebst einer breit gedruckten Nase und langen breiten offenen und herunter hangenden Ohren sie zu vollkommenen Schönheiten machet.” [excerpt]

See also Holstein-Beck (AA 26.1: 200).

[13] [Hottentotten … Zwillinge] Colb (1745, 147-51) discusses at length the Hottentot practice of removing a testicle in the ninth year. It is always the left testicle, which they replace with a similar sized ball of sheep fat covered with a powdered medicinal herb. Colb notes that the boy recovers and the wound heals quite quickly, after a two-day convalescence in a hut built for the purpose. The Hottentots do not agree about the reason for this practice and so the accounts relayed by Europeans vary. Colb reports that all previous accounts claimed the reason was to facilitate running, which Colb questions:

“Ich habe oft die vernünftigste Hottentotten deßwegen befraget, und ihnen scharf zugesetzet; Die ganze Antwort, die ich erhalten, ist: Es seye seit undenklichen Zeiten ein Gesetz bey ihnen, daß kein Mann eine Frau erkennen dürfe, bevor man ihm den linken Hoden ausgeschnitten. Dieses Gesetz halten sie so heilig, daß sie kein Exempel der Ubertrettung wissen. Verabsäumte jemand solches, so kostete es ihm das Leben, ja das Weibsbild selber; […] Nimmt man die Ursache an, die mir die Hottentotten gegeben, so wird man ferner nach dem Ursprunge dieses Gesetzes fragen, welches verbietet eine Frau ehender zu erkennen, biß man ein halber Verschnittener ist. Er entstehet aus der vesten Meynung aller Hottenotten, daß ein Mann, ohne Verschneidung, lauter Zwillinge zeuge.” (1745, 150) [excerpt]

[14] [Brasilianer … Vogelfedern] Holstein-Beck (AA 26.1: 98) and AHR (1759, 9: 298):

“Eine anderer indianische Nation suchet darinnen etwas besonders, daß sie die Ober- und Unterlippe, die Nase unten auf beyden Seiten, das Kinn und die Backen, voller Nadeln stecken, und daran Federn, oder dünne Pfeile hängen, die acht bis zehn Zoll lang sind. Solches giebt ihnen das fürchtherlichste Ansehen, welches man sich nur vorstellen kann. Das ganze Gesicht sieht, wenn es also geputzt ist, einem Stachelschweine gleich.” [excerpt]

ms 11


[1] [Vergleichung … Nahrung der Menschen] Holstein-Beck (AA 26.1: 99-100).

[2] [Thran nektar] The drinking of whale oil by the Greenlanders is discussed further at Land(8°)-5.

[3] [Die ohne Hausthiere … nicht ackern] See Hesse (AA 26.1: 126-27). The source is not identified.

[4] [glebae adscripti] A legal term meaning an “adscript of the soil,” a laborer annexed to the land itself, and passed from master to master as the land (or salt mine, etc.) is sold to or inherited by another (such as Russian serfs until their emancipation in the 19th century).

[5] [bei Torena … Haber] räuft noch der Haber means Reift noch der Hafer. Tornea [Finnish: Tornio] is a city in northern Finland on the northern-most coast of the Gulf of Bothnia. that Busching writes of this area (1754, 1: 417):

“Die Erfahrung hat gelehret, daß in Lappland Korn wachsen könne. […]; ja das Getreide wird an vielen Orten oft innerhalb 7, 8 oder 9 Wochen gesäet und geerntet.” [excerpt]

ms 12


[1] [Ludolf] Hiob Ludolf (1624-1704), a German polymath and philologist, and a primary source on Ethiopia for Kant. See the parallel passage in Holstein-Beck (AA 26.1: 148).

[2] [Unsere bisweilige … davon] Hesse (AA 26.2: 173-75). Recent swarms prompted long discussions, such as Gleditsch (1755) and in HMag (1760, 24.2: 186-216).

[3] [Hasselquist] Friedrich Hasselquist (1722-1752) was a Swedish naturalist and student of Linnaeus who traveled to Asia Minor to study its natural history. On Hasselquist, see the Herder metaphysics EP 682-A4 and accompanying note.

[4] [Abweichung … Geschmacks] Holstein-Beck (AA 26.1: 100-102).

[5] [Cirkaßische Georgische Mädchen] Holstein-Beck (AA 26.1: 263). The beauty of Circassian and Georgian girls is a theme in the discussions of smallpox; see Winds(8°)-3 and the accompanying note.

[6] [Hottentotten … geziert] Holstein-Beck (AA 26.1: 100-1) and Colb (1745, 59):

“Die Hottentottinnen begehen eben die Thorheit, als vieles Europäisches Frauenzimmer, und mahlen ihre Gesichter. Aber ihre Schminke bedarf keiner so mühesamen Zubereitung. Ein wenig rothe Kreide, welche gar nicht rar, ist schon hiezu hinlänglich. Sie reiben sich schlechthin damit über den Augen, auf der Nase, auf den Wangen, und an dem Kinn. Indem nun die Kreide von dem Fett, das ihren ganzen Leib bedeckt, naß wird, so macht sie sechs rothe Striche, welche sie für gar gefährliche Liebes-Reitzungen halten. Wenn sie auch einem Gastmahl beywohnen wollen, oder sonsten im Sinne haben ein Herz zu bezwingen, so unterlassen sie niemahlen sich mit diesen sechs mörderischen Liebes-Pfeilen auszurüsten. Doch mögen sie von dieser Schminke halten, was sie wollen, so kan ich versichern, daß kein Mahler eine gräßlichere und lächerlichere Figur auszusinnen vermag, als ein auf diese Weise bemahltes Weibsbild vorstellet.” [excerpt]

[7] [Tartaren … (Gmelin)] Gemelin discusses the Tungus practice of decorating faces using thread and soot (1752, 2: 208):

“Itzt habe auch vernommen, daß es der Tungusischen Nation eigen sey sich dergleichen Mahlerey in die Gesichte machen zu lassen, und sie ist unter den Jakuten im geringsten nicht gebräuchlich. Gemeiniglich gehen an beyden Seiten von dem äußeren Augenwinkel bis an den Winkel des Mundes über die Wangen zween drey bis vier dünne Streifen, deren äußerer von oben bis unten an der äußeren Seite zackicht ist; bey einigen gehet ein einfacher Strich mit einigen Zacken von dem Streifen über das Auge. […] Sowohl Kinder, als Erwachsene von 12 bis 20 Jahren beyderley Geschlechts werden also bemahlet. Nicht ein jeder Tunguse kann dieses verrichten, sondern es sind besondere Meister dazu. Die Streifen sollen mit einer Nadel, durch welche ein mit Ruß schwarz gefärbter Zwirn gehet, ausgenehet werden. Wie es aber eigentlich geschehe, habe ich noch nicht erfahren können.” [excerpt]

Büsching also offers an account (1754, 1: 654) [excerpt].

See the parallel passage in Holstein-Beck and corresponding note (AA 26.1: 98), and a brief mention at Asia(8°)-6.

[8] [Caraiben … platte Stirn] See Humans(8°)-10 and the corresponding note.

[9] [Chineser … Musik] Holstein-Beck (AA 26.1: 101) and AHR (1750, 6: 312-13):

“Die Chinesen geben vor, sie wären die ersten Erfinder der Musik gewesen und rühmen sich, sie hätten solche vormals zu der höchsten Vollkommenheit gebracht. […] Die europäische Musik gefällt ihnen noch so ziemlich, wenn nur eine einzige Stimme die Instrumente begleitet: allein was die artigste Stücke in der Musik betrifft, ich meyne das Untereinanderlaufen verschiedener Stimmen von tiefem und hellem Klange, scharfer und gelinder Töne, die Semitonia, Fugen uns Syncopen, die sind ganz und gar nicht nach ihrem Geschmacke und scheinen ihnen nur eine verwirrte Unordnung zu seyn.” [excerpt]

[11] [Kaiser Kangxi] The manuscript reads ‘Kammi’, but Kangxi [Kangchin](1654-1722), the second Chinese emperor of the Qing dynasty and the longest reigning (1661-1722) emperor in Chinese history. The emperor was quite interested in music, including western music, and owned many western instruments that had been given to him, and retained westerners trained in music (Ferdinand Verbiest, Tomás Pereira, and Teodorico Pedrini) to keep the harpsichords in tune and provide music lessons (Lindorff 2004).

[12] [Pferdefleisch … Odin] Hesse (AA 26.2: 134).

ms 13


[1] [Fische … verfaulte] Holstein-Beck (AA 26.1: 101, 210, 214) and

[2] [Fischtran] This was mentioned above; see also a similar passage and the accompanying note at Land(8°)-5.

[3] [Bethelblättern] Holstein-Beck (AA 26.1: 208) and Hesse (AA 26.2: 134). See Salmon (1732, 156):

“Ihr vornehmstes Gerichte aber, welches sie bey Visiten aufsetzen ist Betel und Arack, sie rollen etliche Stücke von der Arack-Nuß in die Blätter von Betel-Baum ein: und wenn sie solches mit Chinam, oder mit einer Art von Thon überzogen haben, kauen sie es, wie etliche Europäer den Toback. Jederman trägt eine Büchse mit etlichen schon zum Kauen praeparirten Betel-Blättern bey sich.” [excerpt]

On the Betel nut itself, see AHR (1751, 8: 509).

[4] [Hottentotten … Schusolen] Holstein-Beck (AA 26.1: 101) and Colb (1745, 135):

“Noch ein ander Gerüchte haben sie, das eben so ausserordentlich scheinet. Wenn sie der Hunger quälet, so fressen sie alte Schuhe, deren sie können habhafft werden.

Die Europäer tragen auf dem Vorgebürge eine Art von Schuhen; die sie Reise-Schuhe nennen. Sie sind von unbearbeiteten Ochsen- oder Hirsch-Leder gemachet, die Haare auswärts gekehret. […] Wenn die Haare abfallen, oder die Sohle durchgetretten, schmeisset man sie auf die Gasse. Die armen Hottentotten heben sie auf, und bewahren sie sorgfältig, zu Stillung ihres Hungers im Fall der Noth, worein sie wegen ihrer grossen Faulheit gar oft gerathen.” [excerpt]

[5] [Bänder an Weiberfüßen] Holstein-Beck (AA 26.1: 264, 266) and Colb (1745, 56-57):

“Die Mägdlein tragen von ihrer zartesten Kindheit an biß in das Alter von Zwölf Jahren Binsen an ihren Beinen, wie Ringe gestaltet. So bald sie dieses Alter zurucklegen, kommen Riemen von Schaafs-Fellen an deren Stelle. Es giebt Frauen, die an jedwedem Beine ein hundert dergleichen Riemen tragen, welche so künstlich gewunden und geflochten sind, daß man kaum sehen kan, an welchem Orte die Enden verborgen stecken. Ein auf solche Weise umflochtenes Bein scheinet die Arbeit eines geschickten Drechslers zu seyn. Um den Knöchel geht ein Ring von Binsen oder von Leder, der die obern Bänder verhindert abzuglitschen. Diese Art von Ringen wird mit der Zeit eben so hart als Holz. [57] […] Die Hottentottinen tragen diese Riemen an ihren Füssen vornemlich deswegen, damit sie vor dem Stechen und verletzen gesichert sind. […] Endlich gebrauchen sie selbige auch zum Essen, wenn sie der grosse Hunger treibt.” [excerpt]

Dampier also describes this clothing (1702, 977):

“Das Haupt bedecken die Hottantots nicht, hängen aber in ihre Haare zum Zierrath kleine Muscheln. Ihre Kleider bestehen aus Schaffellen, welche sie über die Schultern, als einen Mantel hängen, und die Wolle inwendig hinein kehren. Ausser diesem Mantel haben die Männer noch ein Stücke solchen Felles, als eine kleine Schürtze formen herunter hangen, die Weiber aber auch noch eines um die Lenden gebunden, welches wie ein kurtzer Rock biß an die Knie gehet. Ihre Beine sind, 2. biß 3. Finger dicke, mit Schaff-Därmen umwunden, manche biß zu den Waden, manche von unten auf biß an die Knie, daß man, wenn man sie von weitem siehet, dencken solte, sie hätten Stieffeln an. Diese [978] Därme wickeln sie um, wenn sie noch erst ausgenommen sind, da sie denn mit der Zeit gantz harte und steiff werden, denn sie nehmen sie nicht wieder ab, sie wolten sie denn essen, welches denn nur auf der Reise, und wenn sie sonst gar nichts haben, […].” [excerpt]

[6] [Indianer] Indianer or Inder are intended the people of the Indian subcontinent. See Holstein-Beck (AA 26.1: 101), Salmon (1735, 42), or AHR (1752, 10: 67).

[7] [Paris die Garküchen] From the “Allgemeine Beobachtungen über das Leben der Wilden” in North America from Lafitau’s 1724 Moeurs des Sauvages Ameriquains (AHR 1759, 17: 93):

“Sie sind glücklich, erstlich weil sie es glauben; zum andern weil sie das kostbarste Geschenk unter allen natürlichen Geschenken ruhig genießen, endlich weil sie die falschen Güter nicht kennen und auch nicht einmal verlangen, die in Europa in so hohem Ansehen stehen, da  man sie für die wahren einkaufet, und ihrer so wenig genießt. Ein unstreitiger Beweis, daß sie wahre Philosophen sind, ist, daß der Anblick unserer Bequemlichkeiten, unserer Reichthümer, und unserer Pracht sie wenig berühret haben. Einige Iroquesen, welche im 1666 Jahre eine Reise nach Paris thaten, und die man nicht allein in dieser großen Stadt, sondern auch in allen königlichen Häusern herumführete, bewunderten daselbst nichts. Sie würden ihre Dörfer der Hauptstadt des mächtigsten Königreiches in Europa vorgezogen haben, wenn sie nicht daselbst Garküchen gesehen hätten, die ihnen am besten gefielen, weil sie solche stets mit allerhand Speisen versehen fanden.” [excerpt]

See also the Parow notes from Kant’s anthropology lectures (AA 25: 274) and the Critique of the Power of Judgement (AA 5: 204):

“Wenn mich jemand fragt, ob ich den Palast, den ich vor mir sehe, schön finde, so mag ich zwar sagen: ich liebe dergleichen Dinge nicht, die blos für das Angaffen gemacht sind, oder, wie jener Irokesische Sachem, ihm gefalle in Paris nichts besser als die Garküchen; […].”

[8] [Asa foetida] This culinary spice makes several appearances in Kant’s lectures, including Holstein-Beck (AA 26.1: 102). Zedler (1732, vol. 2, col. 1778) describes it as “ein brauner, ausgetrockneter, hartzichter Safft oder Gummi, von einer fremden Pflantz oder Gewächs, Laser, Laserpitium oder Silphion genannt.” Salmon (1739, 59-60) includes this in his volume on Persia:

“Man hat alda auch Ueberflus von Saffran; Ingleichen Assa foetida, von dem die Perser und Indianer so viel halten, daß sie solchen wol in ihre Speisen thun, und der Geruch, der uns ein heftiger Gestanck ist, deucht ihnen gar angenehm und so gut als Muscus. Es ist aber Assa foetida ein Saft, der aus der Pflantze Hiltot fliesset, Kämpfer nennet sie Hingisch, nachmals sich verdicket, und so hart wird, als ein Gummi. […] [60] […] Die Assa wird so tractiret: Erst wir die Wurtzel von der Erde entblößt, das Laub vom Stengel gestreift, und die Wurtzel damit bedekt, nach viertzig Tagen wird von der Wurtzel oben ein Scheibgen abgeschnitten, und den folgenden Tag schabt man den aufgequollenen Saft ein oder dreymahl ab, und schneidet dann wieder ein Scheibgen ab, und thut wie zuvor. Nach sieben Tagen komt man eben also wieder, und nach abermal sieben Tagen nochmals, und allemal wird die Wurtzel mit dem Laube bedekt. […] Der Geruch von dieser Assa ist so stark und anziehend, daß er sich in alle Waaren zeucht, die im Schiffe oder sonst bey ihm zu liegen kommen, wie gut und fest sie auch eingepackt sind, und der Stanck ist fast unmöglich wieder heraus zu bringen, ja er sol die Farben an seidenen und andern Stoffen verderben.”

This spice is also mentioned in Herder’s notes on physics (A2) and metaphysics (EP 531-5); see the note to the latter.

[9] [lieblicher Geruch] Holstein-Beck (AA 26.1: 102, 264) and Colb (1745, 175):

“Auf diese Weise bereiten sie Felle, die sie den Europäern verkauffen wollen, ingleichen die von wilden Thieren, wann sie gleich selbige für sich behalten. Für ihre eigene Lands-Leute aber bestreichen sie die erstern nach dem Einschmieren mit Fett, dann mit Kühe-Mist, lassen ihn trocknen, klopfen ihn aus, schmieren von neuem Fett und Kühe-Mist darauf, und treiben dieses so lange, biß sie schwarz werden, und stark nach Mist riechen. Nach ihrer Meynung ist dieses ein gar lieblicher Geruch, wenigstens befindet sich ihre Nase trefflich wohl dabey, weil sie schon daran gewöhnet.” [excerpt]

Colb also notes of the Hottentots that when a child is born, they rub it with fresh cow manure (141)[excerpt] and that the women rub their entire bodies with cow-manure to purify themselves after menstruating (145)[excerpt].


Textual Notes
[8°-Humans]

A transcription-key can be found in this window on the Start page.

ms 1


[a] Reading 'sagen' as 'zeigen'.

[b] 'ausges' corrected to 'ausgenommen'.

[c] Reading 'keinen' as 'keine'.

[d] Reading ‘E.' as 'Europa'.

[e] A ‘Körperbau Amerikaner sind stark' is crossed out.

[f] A '4 ˜Fuß' is crossed out.

ms 2


[a] An 'Urs' is crossed out.

[b] An 'ihr Haar' is crossed out.

[c] An 'einige besch¿' is crossed out.

[d] A 'die' is crossed out.

[e] An 's' is overwritten.

[f] An 'ist' is deleted.

[g] Reading 'die' as 'das'.

[h] Reading 'Temur' as 'Tamerlan' (Timur = Tamerlan).

[i] A 'gls' is crossed out.

[j] ‘die’ overwrites an 's'.

ms 3


[a] 'S...zen' is obscured by an ink blot.

[b] '¿¿' was corrected as 'so'.

[c] An 's' is omitted here.

[d] An illegible word is crossed out.

ms 4


[a] A 'Mu' is crossed out.

[b] A 'Quarterol' is crossed out.

[c] An illegible word is crossed out.

[d] Reading 's' as 'sogar'

[e] An 's' is omitted.

[f] A 'so' appears to be crossed out.

[g] A 'sen' is crossed out.

[h] A 'wo' is crossed out.

[i] An 's' is omitted, that is, reading 'sd' ('sind') as 'd' ('der').

[j] '@Mittelland@' could be read as '@Mutterland@'.

[k] The following manuscript page is from the metaphysics lectures and can be found there.

ms 5


[a] A 'k¿d' is crossed out.

[b] The ink changes here.

[c] Reading 'Nat.' as 'Nation'. It might also be read as 'Natur'.

[d] An 'Ob' is crossed out.

[e] This text could also read 'muß ichs', but that is awkward as well.

[f] A 'gla¿¿' is crossed out.

[g] Reading 'das' as 'die'.

[h] An 'ist' is crossed out.

ms 6


[a] Here and in the next line: Reading 'Lulof' as 'Ludolf'. Both are authors used by Kant in these notes, but Ludolf’s book on Abyssinia is the proper reference here.

[b] Reading 'Kolbe' as 'Colb'.

[c] Reading 'Ke¿mis' as 'Keymis'.

[d] A 'fo' is crossed out.

[e] A 'sehr' is crossed out.

[f] 'schw' is overwritten.

ms 7


[a] Reading 'Lulof' as 'Ludolf'. Both are authors used by Kant in these notes, but Ludolf’s book on Abyssinia is the proper reference here.

[b] Reading 'Kolbe' as 'Colb'.

[c] The text has been re-ordered following numbers written over 'schon weiber sind'.

[d] 'eb' is overwritten.

[e] A '@Br@' is crossed out.

[f] An 's' is overwritten.

[g] A 'Eu' is crossed out.

[h] A 'die den' is crossed out.

[i] 'er' is overwritten.

[j] Reading 'Haselquist' as 'Hasselquist'.

ms 8


[a] A 'Ha' is crossed out.

[b] Reading 'Inder.' as 'Indianern'.

[c] 'd' is overwritten.

[d] A 'Hu' is deleted.

[e] 'E' is overwritten.

[f] Reading 'ist' as 'sind'.

[g] Reading 'die' as 'den'.].

[h] 'Zorn' corrects an initial '¿'.

[i] A 'go' is crossed out.

[j] A 'weni' is crossed out.

[k] Two illegible letters are overwritten.

ms 9


[a] A 'zu' is crossed out and obscured by an ink blot.

[b] An 'all' is crossed out; we are replacing with 'außer'.

[c] Change in ink.

[d] A 'so' is crossed out.

ms 10


[a] Overwrites 'den'.

[b] An 'einen' is overwritten.

[c] Reading 'Nat.' as 'Nationen', and later in the sentence as 'Natur'.

[d] A 'Holländer' is crossed out.

ms 11


[a] A 'daher Egypt:' is crossed out.

[b] Reading 'Torno' as 'Tornea'.

ms 12


[a] Here and in the next line, reading 'Ludolph' as 'Ludolf'.

[b] Reading 'Haselquist' as 'Hasselquist'.

[c] A 'kann' is crossed out.

[d] Ein 'Knie' is crossed out.

[e] A 'Fin' is crossed out.

[f] Reading 'Kammi' as 'Kangxi'.

ms 13


[a] An 'in I(?)' is crossed out.

[b] Reading 'Assa fetida' as 'Asa foetida'.

[c] Read 'Kuhgeruch'.